w
SdjIetermadiST
er djriftüdje Glaube
ff ; '
In
*
1
1
©djletermadjer, $er djriftltdje ©lau&e«
3toct %$ eile in einem 93anbe.
W PR7Ä. NOV 30 1948
®er djriftftdje @l
nad) btn (Srunbjäjen icr ebcmgeltfdjen fitrdje im gitjammen^ange bargefteüt
t>on
Dr, Jw&rid) Sdiletermadjer,
Wlit Sßeglettroort oon ©upermt. Sßrof. D. görfter.
Un&er&nberter STbbrucf ber ätoeiten r>om SSerfaffer überarbeiteten 3(u§gabe.
Neque enim quaero intelligere ut credam, sed credout intelligam. — Nam qui non crediderit, non experietur, et qui expertus non fuerit, non intelliget.
Ans e Im, Prosol. 1, de fide trin. 2.
1&fF
£alle a. b. ©. Verlag öon Dtto ftenbeL
Sem äßunfdje be§ £erm Verlegers, einer neuen 2tu§* 3a6e ber ©c&leiermadjerfd)en GlaubenSlefjre ba§ Geleitmort 3U fc&reiben , fomme t<$ barum mit greuben nadj, toeil tdj ba§ Unternehmen für ein geitgemäfeeS Ijalte unb e§ al§ ein erfreu* JidjeS Beiden erfennen mufj, tuenn ba§ SBerftänbniS für ben großen Erneuerer ber Geologie in unferem $af)rljunbert, unb baä Verlangen, feinen bafjnbre^enben Gebanfen mfe jubenfen, in unferer Generation no$ nidjt erlofc&en ift 2U§ bor 76 S^ren ber erfte Vßarfb ber Glaubenslehre erfdjien, mar e§ ein (£reigni§, ba$ über bk engeren Grenzen ber f&eologifdjen Sfrtereffen fjinau§ fidj fühlbar madjte. Sftitfjt blofe ein bialeftifcf)e§ Shmftmerf , in meinem ber SSerfaffer bte ^öc^fte Steife feiner tujilofojrfjifdjen urfo tfjeologifcrjen (£ntnricfs Iung offenbarte, fonbern bor allem ein$)enfmal, meldjeS miffen« f$aftlid)e 2)enfrraft unb reltgiöfe Söegetfterung unb £tefe in feltenem Sftafje bereint erfennen liefe, — fo fteHte e§ fid) bar, — ein f$öne§ 3eugni§ für bit notmenbige SSerbinbung bon Glauben unb Sßtffen, mie e§ fcfjon ba$ bem Sßerf boran* gefteßte Slnfelmfc&e SSort anbeutet: credo ut intelligam. ©ett ben großen gunbamentalf Triften ber 9ßeformatton§sett mar ein gleidje§ SBerf ni<$t erfdjienen. £)ie elementaren, aber bergeffenen Sßaljrljeiten, an meldje ©tfileiermadjer fo energifdj erinnert Ijat, ba§ bte SDogmatif lebiglidj aut bte d^riftUc^c SHrdje t&re SBesiefjung §at unb ba% baljer ©&riftu§ ber ÜDftttelbunft be§ ganzen @öfrem§ ift, unb ba% bie grömmig* ttxt, roeld^e bit $8afi§ aller fir#ttc&ett Gemeinfc&aften au§* madjt, rein für ftdj httxad)tet meber im SBiffen, nodj im S5un ift, fonbern ba$ Gefühl ber f$le#tfrtnfgenOT§ängigfett bon Gott, — fönnte bie tljeologifäje 2Biffenf<$aft nur au iljrem ©c&aben mtebei bergeffen. Gemifj, fein Geologe ber Gegen*
IV SBegletttoort.
wart famt ftdj (Sd)leiermacf)er§ ©Aftern gans aneignen; ift audj) GTl)riftu§, ber Söieberfjerftetfer be§ burd) bk (Sünbe ge* trübten (StotteSbeftm&rfeutg, ber lebensvolle 3Kitteipun!t feines ©tyftemS, fo tjaftet iljm bod) au§ feinen vergangenen Venoben nodj manches fcant&eiftifdje an, unb bte großen SSanblungen, roeldje bie foftematifcl)e S33tffenfdöaft feitbem erfahren §at, namentlich burdj bk tiefgreifenben (Sinffüffe 51. IRttfc^Ig unb feiner ©<$ute, machen ein einfaches Burücfgefjen auf (Sdjleier= madjerS ©tanbtounft jur Unmoglidjfeit. 5tber bie SBärme ber religiöfen Söegeifterung unb bie ftaunenSroerte ^onfeauenj. be§ £)enfen3, tueld)e au§ (Sdjleiermac^erS (Glaubenslehre Ijer* ttorleudjten, roerben immer toieber religiöfe unb benfenbe Sefer anheben, unb namentüd) jüngere SDjeologen fottten e§ als eine ©(jrenfacfje anfeljen, baS gunbamentaliuerf beS grofjen (Erneuerers unferer Geologie grünbltd) ju ftubieren.
©alle
D. götftet.
3.
SBorrebe gur §h?etten Slu^gabe.
»nbent mir legt, eben roeil icb fie niebt mieber abbruffen miß, bie SBotrebe oor 9lugen Hegt, mit roelcber icb bor nun- mehr 9?eun Saljren bietet SSerÜ bei [einem erften (Ericbeinen begleitete, oermeile icb am liebften bü bem Söunfcbe, mit meinem fie fcbließt,. ba% nämlicb ba§ SBucb mo möglieb burcb ftcb f elbft, roo niebt, boeb burcb ben Söiberfprudj, ben feine Un^ oottfommenbeiten aufregen mürben, 3u einer immer befteren $erftänbigung über ben Sjnbalt unfere§ ebangelifcben ®lauben§ beitragen möge. 2>enn biefer SSunfcb ift, ®ott fei S)anf, nictjt unerfüllt geblieben, nur baß icb niebt §u unterfcbeiben oermag, mieoiel oon ber Aufregung, melcbe e§ im tbeologifcben publicum beroorgebracbt unb oon bem Söiberfprucb ben e§ erfahren bat, auf feinen SS arjrtj eit^g er; alt unb mieoiel auf feine Unoottfornmens beiten 3u reebnen ift. S)ie§ mirb erft bie ©actje felbft im mei= teren Fortgang be§ jegt fo fräftig aufgeregten <5treite§ zeigen. sDcöge biefer nur in feinem fachgemäßen ®ange bleiben, unb niemanb meinen, baß ©eroaltfamfeiten, meicbe in ber Strebe felbft geübt derben, ba% geuer feien, in melcbem fid) am ftdjerften auSroeife, mer mit ©trob gebaut fyabe, unb mer mit föftlicben (Steinen. 2)enn fo frembartiger kämpfe Ausgang giebt niemals eine SBürgfdjaft für bk ©üte ber (Sacbe.
Heber mein $erfabren bd biefer neuen s#u§gabe baoe icb mieb im raefentlicben febon anbermärtS1 erüärt. Sennocb finben öteHeicrjt Diele Sefer nueb außer ber Einleitung ben Unten ctjieb ämifeben beiben 3lu§gaben bebeutenber als fie ertoartet bitten* SSie groß er aber aueb fein möge, fo ift boeb fein £auptiaa aufgegeben ober in feinem eigentlichen ©ebalt öeränbert morben. Sfticb rur§er 9u f äffen ift mir, fo febr icb mieb aueb beftrebte, im ©anäen niebt gelungen. (£§ iuar aueb febtner möglieb, ba bk (Erfabrung gezeigt bat, baß bie (Erläuterungen felbft noeb mancher (Erläuterung beburften. 2)ocb inbem icb mieb biermit nacb Gräften abmübte, unb boffte, menn aueb niebt für3er, fo merbe boeb mancbe§ beutlicber gefaßt fein unb Stfcißoerftänb- niffen abgebolfen ober öorgebeugt, bat mieb boeb dm meiften ba% Vertrauen geftärft, baß bk &zit niebt gar fern fein mag, mann man über manebe§ nun enblieb Veraltete, fo roie über
1 ©. Dr. ©c&IeiermadjerS ©enbföreiöen ü&er feine ©laubenSlefjie an Dr. ßücfe, in ben tfjeol. ©tubien unb Äritifen. 3n?eiter $8anb ätoeiteä $eft @. 255 ff. unb brüteS $eft ©. 481 ff.
VI SSorrebe äur gtoeiten StuSgafce. ,
manches immer nodj oerfannte ntc^t mebr nötbig baben mirb ausführlich %u reben. 2)amt mirb aud) ein fpäterer bon gleicher 51nficrjt angebenbcr eine hti m eitern f ärgere ©ogmattff ^reiben fönnen. S)enn bafj eS folctje geben ttrirb aud) fünfttg, baran sroetfte tcb feineSmegeS, menn idj gieret) anf baS beftimmtefte gegen bie @bre öroteftiren mufe, bk man mir feitbem §ie unb ba angetban fjat, mid) als baS £>aubt einer neuen tbeologtfcben ©djule aufaufübren. %<§ broteftire bagegen, meü eS mir an beibem feblt, maS Jjieau gebort, Sd) entsinne midj nämlicb ntctjt etmaS erfunben ju baben, ausgenommen bie 5lnorbnung unb ^ie unb ba bie SÖeaeicbmmg; unb eben fo tuenigbabe i$ jemals mit meinen ®ebanfen ettaaS anbereS beätoefft, als fte anregenb mttjutfjeüen, bamit lieber fte nadj feiner SSeife gebrauche. Sßur in biefem ©inn aud), unb nid)t als eine gunbgrube bon Formeln, an benen ftet) nadjforedjenbe ©djüler mieber ernennen, gebe id) bieS Söucb sunt smeiten unb getoifj legten 9Jcal berauS. £>enn fotfte mir nodj metjr 3eit öergönnt fein: fo mürbe tcb lieber nodj über anbere t&eologifdje 2)iSciplinen menigftcnS furge Gsntmürfe mittbeilen.
£mbe idj mir nun bti ber erften Ausgabe §u biel angemaßt, inbem i$ mein SBucb für bit erfte (SHaubenSlebre erklärte, melcbe mit fRiitfftc^t auf bie Bereinigung betber ebangelifdjen®trdjen= gemeinf djaften abgefaßt fei, fo reiebe idj biefen (Sbrenfrana mit preuben meinem lieben greunbe, bem£>erm ®. ®. 9t. <5djro arg in £eibelberg. S3j bemert'e nur, bafj, ba eS als bie ®runb= bebingung ber in bieftgen Sanben boHgogenen Bereinigung ans Sitfefjen ift, bafj eS einer bogmatifeben SluSgletdjung amifeben betben Reiten gar nidjt bebürfe, unb noeb biel meniger eines neuen ©t)mbolS, mir gang eigentlich oblag, nidjt nur bon biefer BorauSfesung auszugeben, fonbern fteaudj als einen feftftebenben ®runbfaa nadj meinen beften Gräften burcl) eine freie unb ber* följnenbe SBetjanblung ber fraglichen @d)riften au realiftren.
@d)liefjlid) bemerfe td) nur noeb, bafj, ba bit beiben Söänbe ber erften 5luSgabe fo fetjr ungleicb ausgefallen maren, idj einen %fy\l beS früheren smeiten nodj mit in biefen erften bineütgegogen f)ahe, fo bafj biefe äußere SBeränbcrung mit ber inneren Drganifation beS fangen nidjtS au fetjaffen f)at 3)er ameite 23anb fott biefem erften, mie idj roünfdje unb boffe, in furaer Bett nachfolgen.
$8 erlin, am 2)onnerftag nadj Ouaftmobogeniti 1830.
. Dr. gr. ©djletermadjer.
$ttf?cttt be§ crften ©cmbeS.
©eitc
Einleitung. §. 1—31. . . . 1—140
(Srflärung. §. 1 1—2
GrfteS Kapitel £ur (Srflä'rung berSogmatit §.2-19. 3—101
Einleitung. §.2 3 — 5
I. gum SBegrtff ber Sirctje. SeJjnfäge anS ber Etfiif.
§. 3—6 5—33
n. SSon ben SSerfcfjiebenljeiten ber frommen Q5emein= fdjaften überfiauot Se^nfä§e anS ber 9teIigton§s
pflilotopfjie. §.7—10 33—57
m. ©orftettung beS EfiriftentijumS feinem eigenttmmlitfjen
Sßefen nad). Sefyifäae anS berStpologetif. §. 11— 14. 57—84 ^ IV. $fom * SSerrjättnifj^ber Dogmatil aur djriftlicfjen
grömmigfeit. §Tl5— 19 84—101
£tDeittä®apitiL 5ßonber5CRetl)obeberS)oginatif.§.20-31. 102—140
Einleitung. §.20 102—103
- I. SSon ber SluSfonberung beS bogmattltfien Stoff*. §.21
biS 26 103—122
H. SSon ber ©eftaltung ber £ogmatif. §. 27—31. . 122 — 140
2>er ©laubert£lefyre erfter £§eil.
(SntroitHung be§ frommen Selbftbenmfjtfein§, tote es in jeber djriftlicfj frommen ©emütl)3erregung immer fa)on Dorau^gefe^t roirb, aber aua) immer mit enthalten i[t.
§.32-61 143-292
__ Einleitung. §. 32— 35 143—155
Grfter Slöfdjmtt. Beitreibung unfereS frommen Sctbft* beroufstfeinS, fofern fia) barin ba$ 58erl)ctltnij3 grotfcfjen ber ©elt unb ©ott ausbrüfft. §. 36-49. ? , . . . 156—217
Einleitung. §.36—39 "'.... 156—165
ErfteS S e r) r ft ü f f . SSon ber ©c&öpfung. §. 40. 41. 165—172
©rfter Sfa&ang. SSon ben Engeln. §.42.43. . . 173—178
gtoetter Sfafjang. SSom Seufet. §. 44. 45. . . 178—189
gmeiteS Sefjrftüff. SSon ber Spaltung. §.46— 49. 190—217
Stocher Sftftfjntrt* SSon ben göttlichen ßigenfdjaften, roelcfje fid) auf ba§ fromme ©elbftbenmfjtfein, fofern eS ba3 ^errjältnifj stoifdjen (Sott unb ber SJelt auSbrüfft,
besiegen. §.50—56 218—263
Einleitung. §.50.51 218—229
ErfteS Sefjrftülf. Enrigfeit ©otteS, §.52. . . 229—232 gtoetteS Se^rftüif. SMgegentoart.
3ufag. Itnermefjlttfjfcit. §. 53 .••. . 233—238
Vin 3nf)alt beä erften SanbeS.
©ute drittes S e f) r ft ü f f . SHImadjt. §.54 238—247
SBierteg Sefjrftütf. Slltttiffcnnctt. §. 55 . . . 248—258 St n f) a n g. SSon einigen anbern göttliajen Sigenfdjaften.
§.56 258—263
dritter mfänitt. $on her öeföaffenljett ^ Mt, lüeldjc in bem frommen ©elbftberoujjtfem, fofern es bas allgemeine SBerljfiltntjü gmtidjen föott unb ber 2Mt
ausbrüht, angebeutet ift. §.57—61 264—292
Einleitung. §. 57. 58 264—269
SrfteS Sefjrflüff. SSon ber urfprüngliajen $oHs
fommcnljeit ber SSelt. §.59 270—277
Stneiteö Seljrftfiff. S8on ber urfprünglttfien SSoF?
fommeiitjeit be§ 3Kenfa)en. §.60.61. .... 277—292
£)er ©taubertSletyre gleitet SpefL
ßntroifflung ber Stmtfacrjen bes frommen ©elbftbenmfets
(eins, mie fteburet; ben @egenfa$l)efttmmt ftnb. §.62. 295
Einleitung. §.62—64. . . ' 295—305
SDcS ^egenfaseö erfieSctte. ßntroittlung bes 33erou^t=
[eins ber ©ünbe. §.65—85. ...;.... 306—404
Ginleitung. §. 65. ... r ..... . J. . 306—307
(Srfter Slbfrfjnitk SDie ©iinbe als gufianb bes 9ftenf$en.
§.66-74 308—358
Einleitung. §.66—69 308—320
ErfteS Sefjrftüff. Sßon ber Erbfünbe. §.70—72. 320—347 3it>eite§ Se§rftft?!. SSon ber loirf litten <5ünbe.
§.73.74 347—358
^weiter 9l6ftfjmth 58on ber JBefctjaffenljeit ber SBclt in
Söejieljung auf bie ©ünbe. §.75—78 359—370
dritter Wdjnttt. 3Son ben göttlichen Sigenfc&aften, S meiere ficrj auf ba§ 23erouf}tfein ber ©ünbe be^eljen.
§.79—85 371-404
Einleitung. §.79—82 371—390
ErfteS Seljrftütf. £eiligfeit ©otteS. §.83. . . 390—394
ßroetteg ßclirftüff. ®ered)tigfelt ©otteS. §.84. 395—403
2lnr>anß. Sarmfjeraißfeit ©otteS. §. 85 403—404
Einleitung.
§1. ©iefe ©inlettung ^at feinen anbern gtoeff al3 tfyetl<3 bie bem3ßerfe felbft §u@runbe Itegenbe (Stftärung ber ©ogmatif auf§uftellen, tt)etl<o bie in bemfelben befolgte ■üftetfyobe unb Slnorbnung jn beoorrcorten.
1. (5§ fann nur bann überflüfjig fein, bit Sßebanblung einer £>ifcitiltn mit einer GErflärung betreiben anzufangen, menn ein oolIfommne§ (Sinti erftänbutte barüber mit <Sicf)erfjeit t)orau§geiest merben fann. SMeS mieberum ift nur ber gaD, tljetlS menn über bie Slnmenbung berfelben ftä) nie ein «Streit erb oben bat, tbeü§ menn fte einem größeren miffenfdjaftlicben (S5anjen angehört, meldje§ ftdj überall auf btefetbe SSetfe be* grenzt unb gegliebert finbet.
3Sa§ nun ba$ erfte anbetrifft: fo fönnen mir aHerbingS baöon au§gebn, ba% bon ber ©ogmatif in ben meiften cfjriftltcrjert SHrdjenQememfcIjaften (gebraut gemalt mirb in ibrer inneren lieb erlief erung unb in ibrem äußeren SSerfebr mit anberen: aber ma§ e§ nun eigentlich fei, moburcb ©äse djriftlid) religiöfen ^nbalte§ bogmatifdje merben, barüber mödjte man fcbmerlidj einberftanben fein. (Eben fo baZ anbere anlangenb mürbe mol bie ®ogmatif allgemein in ba§jenige Gebiet geftettt merben, melcbeS mir burcb ben 3lu§bruff tbeoloQtfdje SBtffenfcrjaften beseidjmen. Slber man barf nur bie angefebenften unter ben enctyüopäbifcbenUeberftcbten bieje§ gad)e§ bergieicben, um §u feben, mie berfdjieben baffelbe ge* gltebert mirb, mie anber§ Slnbere bie einzelnen £>ifciblmen, unb bie§ gilt bon ber Sogmatif in borsüglicbem (Srabe, •f äffen, gegen einanber ftetten unb abfcbäjen. ^atürlidj märe
6d&t.,G$riftr.©M. i
®er d)ri[t(icf)e maube. ©rfter Sfjell.
e§ jtoor, bie in meiner Ueberftdjt gegebene1 ©riiiirimg gum (SJrunbe an legen; allein jene ©djrift ift 3U fürs unb aprjortftifct), at§ baß e§ nidjt nöt&iß [ein füllte, bem bort gejagten mit einigen (Erläuterungen 311 ©filfe 31t fommen. 21ucb bie lieber* fdjrtft biei"e§ 2Serfe§, mobei ber Sßame Sogmatif bermiebett morben ift, enthält Elemente 3U einer (Srflärung ; aber tljeüS xitc^t ooftftänbig, tl)eil§ finb bie einaelnen Söeftanbtljetle felbft nid)t außer allem Öebürfniß erftärt 3U roerben. 2)aber toixb biefer £§eü ber (Einleitung feinen 2Beg unabhängig geben; unb nur mie bie (Sntmifflung ftufeiüneife fortfcrjrettet, luirb ber Sefer auf bte betreffenben ©teilen jener turnen 2)ar* fteUung bernnefen tu erben. @§ folgt übrigens bierauS fcon felbft, ba baä ma§ ber (Srftärung einer SBiffenfcbaft ooran* gebt, nidjt sur SBiffenfdjaft felbft gepren fann, ba% alle ©äae, meiere I;ier oorfommen merben, nid)t felbft aud) bog* mattfdje fein tonnen.
2. Sftettjobe unb 5lnorbnung eine§ 2Berfe§ — fofern bit Statur be§ ®egenftanbe§ 93erfd)ieben^eiten barin suläßt, unb audj biefe§ ift, roie bk (Sacbe felbft aeigt, hei ber ^Dogmatil* in bobem ®rabe ber gatt, — rechtfertigen fidj atterbingS am beften bur$ ben (Erfolg. 5lber ber günftigfte (Erfolg fann boeb nur erhielt merben, menn bie Sefer mit beibem im bor- au§ befreunbet finb. £enn babureb mirb e§ iljnen möglieb, leben ©03 gleich in feinen mannigfaltigen Söeaieljungen 3U überfdjauen. llnb aud) bie 33ergleicl)ung einzelner 3TbfcI)nttte mit ben gleicblj altigen äl)nlid)er aber anber§ organiftrter SSerfe, bk fonft nur bermirren müßte, fann unter biefer 93e* bingung ler)rretct) merben.
2)ie größten ^öerfcrjiebenrjetten in ber 5lnorbnung unb SKetbobe werben alterbing§ bie fein, metdje mit einer be* ftimmten 5luffaffung§meiie be§ SBegriffS ber S)ogmatif fo 3U* fammenbängen, bnß tt>o eine anbere 511m ®runbe gelegt mirb, fie niebt mebr $la3 finben. @§ giebt aber außerbem aud) geringere, sunfebeu benen man nnibleu fann, auet) tuenn man t»on berfclben ©rflärung auSgefjt.
1 Jhtrae Earjteaung, ©. 56. §. 3.
(Srfteä Äapitel. 3ur ©illärung ber Sogmatif.
@rfte$ ffictpitcL gut (grftämng ber £>ogmatifc
§. 2. S)a bte Stogmatt! eine tbeologifd^e $ifctplm ift, unb alfo lebtgUc^ auf bte <$riftli$e &irrf)e ibre S8e§tel;ung bat: fo !ann au$ nur erflärt Serben m$ fte tjt, tuenn man ftd; über ben begriff ber d&rijlltd&e-tt ßtrd&e öer* ftänbiget ftat.
STnm. SSgl. flurge Sarftellung Sinleit. §. 1. 2.5.22.23. I. Sfietl <£tnl. §.1.2.3.6.7. (hfter Sttfän. §.1.2. <Sacf§ Slpologctif. Gtnl. §. 1 — 5.
1. S)er 2Iu§bruff t^eologifc^e £>tfctpltn totrb jier in betn ©inne genommen, freierer in ber erflen angesogenen ©teile entmtffelt ift ©terau§ folgt fdjon, ba% biefe Glaubenslehre ftcfc folltg bon ber Aufgabe ioSfagt, bon allgemeinen ^rinetpien auggebenb eme OJotteSIe^rc aufstellen ober aud) eineSIntbro* bologie unb Gidmtologie, bon benen in ber ebriftlicben ®ird)e Gebraut gemacht merben folle, obneradjtet fie in berfelben nidjt eigentbümlitf) entftanben finb, ober audj in benen bte (Bä^t be§ djrtftltdjen Glaubens bermmftmäfcig erliefen merben Tollen. Denn mag über biefe Gegenftänbe bon ber menfdjUdjen Vernunft für fiel) httxafyttt auSgefagt merben fann, baS fann in feiner näheren ©esiebung aur djriftltdjen Sftrdje fteben al§ su jeber anbem Glaubend ober ßeben&= ®emetnfdjaft.
2. Püffen mir alfo einen begriff ber ebriftiieben ®irdje boranfdn'ffen , um biefem gemäfj un§ barüber §u erflären, ma§ bie Dogmatif in berfelben fein unb leiften foll: fo mirb btefer felbft nur richtig m et&ielen [ein bur# ben allgemeinen begriff ber ®ircbe überbauet, berbunben mit einer nötigen Sluffaffuug ber (Stgentbümltäjfeit ber d&rifttidjen. SDer aO* gemeine begriff ber ßirdje nun mufe borsüglicb, roenn e§ bergletdjen mirfiidj geben foH, aus ber (£tbif entnommen merben, ha auf jeben gatt bit ®ir#e eine Gememfcbaft ift, meiere nur burdj freie menfäiidje £anblungen entfielt unb nur burd) folebe fortbeftetjen fann. ®a§ eigentümliche ber ebrifttieben fann meber rein miffenfctjaftlicb begriffen ober abgeleitet nod) biofc empirifcb aufgefaßt merben.1 Denn feine
1 Sgl. Äurje SatfteH. ßiniett. §. 22. £$ü. X§ §. l.
Der djriftüdje ©raube, grfter 2t)etl.
Sßiffenfdmft fann ba§ inbiiübueHe burcb ben bleuen ®ebanfen erreichen unb Ijcröorbringen, fonbem mufe immer bei einem allgemeinen fteben bleiben. SSte alle fogenannten (Sonftructionen a priori auf bem gejctjiccjtltccjen (Gebiet immer an ber Slufgabe gevettert finb, bafc baä folcfjergeftalt oon oben abgeleitete fiel) nun aud) al§ roirflid) baffelbe §eigen fottte mit bem ge* fd)id)tlt$ gegebenen: fo ift e§ unläugbar audj bter. 2)te blofe enunrifdje Sluffaffung hingegen l)at fein 9Jcafj nodj eine gormel, um ba& Söefentlidie unb fidj gleich 23leibenbe oon bem Sßeränberiidjen unb Bufäüigen §u unterfebeiben. SSenn nun aber bie (£tt)if ben begriff ber ®ir$e aufftettt: fo fann fte atterbing§ au# an bem, ma§ bie $8afi§ biefer (fernem* fcfcaften ift, baä fid) überall gleite oon bem, roa§ ftd) al§ eine oeränberlidje ®röfje oerljält, abfonbern, um fo burd) eine Sinti) eilung be§ ganzen (&zb\zt& bit Derter gu be- frimmen, in meiere bit inbtoibueHen ®eftaltungen, fobalb fie geid)id)tlidj aufgefunben finb, eingeteilt raerben fönnten. Unb auf biefe SSeife bie ®efammtljett aller burd) bk etgentljümlidje $erfd}iebenl?ett iljrerSöafen oon einanber gefonberten®irdjen= gemeinfdjaften na<$ iljren $ertt>anbfcbaften unb 5lbftufungen al§ ein gefdjloffeneg ben Segriff erfc&öpfenbeS ®an§e barju* ftetten, märe ba§ (55efd)äft eine§ befonberen .ßroeigeS ber miffenfc&aftlidjen (5tef d)idjt§funbe , melden man augfdjliefcenb mit bem tarnen 9Migion§pfjüofoto!)ie beseiten fottte, fo nrie ber 9came 3fiect)t§pf;ilofopr;ie üieüeid^t am beften aufgegärt bliebe für eine analoge frttifdje SDifciplin, meiere mit Q3esug auf ben in ber (£iljif entmiftelten allgemeinen begriff be» ©taate§ baffelbe §u leiften Ijätte für bit oerfdjiebenen inbtoi* bueUen Ö5eftaitungen bürgerlicher Vereine. 2)ie &öfung jener Slufgabe ber SfteligionSplu'lofoptjie ift atferbing§ üerfdjiebent* lid^ oerfudjt roorben, aber nid)t auf einem fo allgemein geltenbeu roiffenfd)aftlid)en Sßerfafjren rubenb, nodj in folgern ®leic^ gemiebt be§ gefd)id)tlid)en unb foeculatiben fid) Ijaltenb, ba% mir un§ barauf al§ auf ettoa§ anerfannt befriebigenbeS in unfern tfjeologifdjen2)if Colinen berufen fönnten. 3lm nädrften nämlich Wtt an biefe Ütefultate ber SfteitgionSüljü'ofoüljie an* jufc^liefeen bie 51pologetif, um barau§ bit Söefc&reibung oon bem eigentümlichen 23efen be§ (SbrifteutlmmS unb oon feinem 23er&ältnif$ au anbem SHrdjen jum ®runbe &u legen. SSenn nun aber bie 9lpoIogettf erft al§ eine für unfere 3eiten neu ju geftaltenbe tljeologi|d)e SDifcipiin gehörig anerfannt märe: fo mürbe e8 ntctjt geraten fein, iljre ©r[d)einung btö eine be» friebigenbe (Sntnnfflung ber 9fteligionSpbilofop&ie fcorfcanbeit
<£rfte§ Äojrttel. gur ©rflärung ber ©r-.imartt.
märe auSäufesen. SStelme^r müfjte fte bis bafjin ein abgefur§te§ SSerfabren für ftä) einklagen. (Sie mürbe bann auf beut* felben SJfcmft mie bie $ReligtonSpbüofopt)ie beginnen unb auä) benfelben 2öeg einklagen, aber alles baSjenige unausgeführt §ur (Seite liegen laffen, maS nid)t gur SluSmittelung beS (£§riftenttjumS unmittelbar beiträgt. 2)a aber nun biefe SDtf= ctyltn nur eben mieber aufzuleben beginnt, fo fyatbk folgenbe (Sntroifflung biefeS felbft su leifteu.
3. tiefer erfte %fy eil unterer (Einleitung ^at alfo nur SeMä^e, b.5- anbemn)iffenf(i)aftli($en SDifci^tinen angetjörige, äuTantmenäuftellen unb ansiünenben, unb ^mar ftnb eS (Säje auS ber (St^if, auS ber ^eltgionSpöüofopl)te unb auS ber 3lpoIogettf. IJ^atürücr) !ann baS (Ergebnis einer auS folgen 33 eftanbtfj eilen guf amm enge] est en Unterfuctjung ebenfalls auf fein allgemeines Slnerfenntnti Slnftmtdj machen, ausgenommen menn aud) biejenige ®eftaltung ber (£tl)if unb ber ÜMigionS- Pbilofopljie bie babei jum ©runbe liegt ebenfalls anerfannt mürben, hieraus erbeut, mie fidj fdjon ljier btx ben erften Slnfängen feeranlaffung genug geigt §u feljr berfcrjiebenen @r* flärungen unb 2luffaffungen ber £)ogmattf, bereu iebe fiä) nur als Vorarbeit für eine fünftige anfefjen fann, mennbtemiffen* fcfjaftltctjeri £)if Colinen , auf meiere Sßesug genommen merben mufj, fefter merben geftellt fein, mäljrenb beffen jeboä) ba§ GHjriftenttjum felbft OöEig baffelbige bleibt.
3nfaj. 1. hiermit fottinbe^feineSmegeSbe^au^tet merben, bafj biefe ©äse in einer felbftänbigen Söefjanblung berSSiffen, fdjaften, benen fte angehören, in berfelben (Seftalt oorfommen müßten, in melier fte liier aufgeftetCt merben. SDieS ift öiel* mebr unmabrfctjeinlicrj, ba unS liier aHeS baSienige feljlt, maS ibnen bort mürbe Oorangegangen fein.
2. Unter ©tljif mirb rjier Oerftanben bk ber ^atur* miffenfdmft gleidjlauf enbe frecülatioe SDarftellung ber $er* mmft in itjrer ©efammtmirf famfett. Unter ^eligtonS* jjljtlo folgte eine fritifebe ©arftellung ber oerfdjiebenen gegebenen formen frommer ©emeinf haften, fofern fte in üjrer ®efammtbeit bk ooITfommne (Erfcfietmmg ber grömmigfeit in ber menfcljliaoen 9?atur ftnb. ©er SluSbrulf Stpologetif ift erflärt ®ur^e ©arft <3. 14. §. 14.
I. 3um begriff ber ®ird)e, £el)nfäse au§ ber ©ttjif. §.3. 2)ie grömmtgfeit, meldte t)te $8aft3 aller ftrd> lid)en ©emeinf^aften au£mad)t, ift rein für ftd) betrautet
£er tfiriftltdie ©Icmbe. ©rfter JljeiL
I roeber ein SBiffen nocb ein %l)un, fonbetn eine 33eittmm> I I?eit be£ ©efüfyl<§ ober be<o unmittelbaren ©elbftbetoufjt* feing.
2t nm. SSgl. Sieb. ÜB. b. Rclig. ©.56—77.
1. ©afc eine ®irdje ni$t§ anberS ift als eine (Semein* fcbaft in Seätejunj auf bie grömmiöfett ift für un§ eüange* Rfcrje Triften raol aufjer allen graeifel gefe&t, ba mir e§ einer ®ird)e gleich sur SluSartung anrennen, roenn fte etmaS anbereS als biefeS, feien eS nun bie Angelegenheiten ber SBtffenfdjaft ober ber äußeren Drbmmg, mit beforgen hriH; mie mir unS audj immer bagegen fträuben, roenn bie Seiten* ben im (Staat ober bie in ber SBtffenfdjaft als folc^e augletdj bie Angelegenheiten ber grömmigteit orbnen motten. SSogegen mir ben legten nic&t roeljren mögen, foroot bie grömmigfeit felbft als Vit (Semeinfdjaft meldte ftdj auf fte bezieht, auS tbrem ©tanbpuntt äu betrachten unb ju beurteilen, unb ibren eigentlichen Ort im (Sefammtgebtet beS menfcblidjen SebenS du beftimmen, in fofern aud) grömmigteit unb ®irdje ein (Stoff ftnb für baS SSiffen; oielmebr geben mir bier felbft auf eine foldje Betrachtung ein. (So roebren mir audj ben Seitenben im Staate nid)t, bie äußeren Sßerbältniffe ber frommen (Semetnfdjaften nad) ben Sßrincipten ber bürgerlichen Drbnung feftauftetten, roeldjeS jebod) feineSroegS in fict) fdjltefct,
| bafj biefe (Semeinfdjaft bom (Staat ausgebe ober ein Söeftanb* . tbeil beffelben fei. — Aber nidjt nur mir, fonbenTaudj folcbe ^ircbengemeinfcbaften, meldje eS nid)t fo genau bamit neunten, ®ird)e unb <Btaat ober ftrdjltdje unb toiffenfdjaftlidje (Semein* fdjaft auSeinanber Öu Saiten, merben bocb unferer ©rflärung guftimmen muff en ; benn fie tonnen bod) nur mittelbarer SS eife ber ®irdje einen (ginftufj auf jene ©emeinicbaften beilegen, al§ baS roefenrlidje ®efd)äft berfclben aber tonnen nud) fte nur baS ©rbatten, Orbnen unb görbern ber grommigfeÜ betrachten.
2. Söenn bier (Sefüblunb (Selbftbcroufetfem al§ gleidjgeltenb ne6cn einanber geftefft merben: fo ift bie Abftdjt babei feinet roegeS einen beibe AuSbrütfe fdjledjtbm gleicbftellenben (Sfcradj* gebrauch allgemein einaufübren. SDer AuSbruff (Sefübl ift in ber (Sfcracbe beS gemeinen SebenS längft auf unferm ®e* biet gebraud)licb ; allein für bie roiffenjcbafttidje (Spradje be* barf er einer genaueren 93eftintmung, unb biefe fott il)m burcb baS anbere 23ort gegeben merben. Stimmt alfo jemanb \>m AuSbrutr" ©efübl in einem fo meiten Sinne, bafe er audj
©rftcS Kapitel. gur (Srflärung ber £>ogmatif.
6c!tou§tIofc3uftänbe barunter begreift: fo foll er erinnert fein/ bafj öon Tiefer ©ebrauct)§nieife l)ier 31t abftrafnren ift. 333te*| berum ift bem Slusbrutl © eXjbjft b ejojiitflt n bte Skftimmung ' unmittelbar fnnsugefugt, bamit niemanb an ein folct)e§ ©elbftb enmMein benfe, iüelctje§ !ein (SefiUji ift, roenn man ttämlidj ©elbftbemuMein ba§ Söemufetfem oon ftcrj felbft nennt, meines meljr einem gegenftanbtidpen SBehmfctfeüt gleicht, unb eine ^orfteUung oon ftcrj felbft unb al§ fold)e burdj bic Betrachtung feiner felbft Vermittelt ift. ffiittt eine foldje $or* ftettung öon un§ felbft, tuie mir im§ in einem gehriffen 3eit* t'beil ftnben, bentenb 5. SS. ober raoHenb, gan§ nal}e, oberburefc fdjiefjt fdjon gar bie etnselnen Momente be§ 8uftanbe§: fo erferjetnt bte§ ©elbftbenntMein a{§> ben gufianb felbft be* gleitenb. Sene§ eigentliche unD ermittelte ©elbftbeftmfctfein aber, meldjeg mdjt SßorfteHurig" ift fonbern im eigentlichen ©mite ®ejü§l, ift feine§meg§ immer nur begleitenb; bielmeijr tüirb ieFemln biefer Jpinftc&t eine boppelte (Srfaljrung äuge* mutzet, ©inmal bafs e§ Slugenblirre giebt, in benen hinter einem irgenbmie bestimmten ©elbftberaufetfein aHe§ teufen unb SSotCen äurüfftritt; bann aber aud) ba% biSraeilett biefelbe Söeftimmtljeit be§ ©elbftberauMem§ mäfjrenb einer fKetr)e Her* fdjiebenartiger Slcte be§ SenfenS unb 5BoHen§ unüeränbert fortbauert, mithin auf biefe fiel) nidjt bester)! unb fte alfo au$ nierjt im eigentlichen ©inne begleitet, ©o ftnb greujbe unb Settx* biefe überalt auf bem religiöfen (Bebtet bebeutenbeu Momente, eigentliche <5Jefü$l§äuftcinbe im obigen ©inn: roo* gegen ©elbftbiEtgung unb ©elbftmtBbilligung, abgefefjen baoon ba% fte fjernadj in greube unb Setb übergeben, an unb für ftd) meljr bem gegenftänbltdjen SBeftmMem bon ftdj felbft angehören al§ (Srgebniffe einer analt)ftrenben ^Betrachtung. ■*ßirgenb§ ftefm ftet) t)teHeict)t beibe formen näljer, eben be§t)alö aber fejt audj biefe 3ufammenftelTung ben Unterfcr)teb in bog JeHfte Si*t.
3t nm. <5ef)r bermanbt unb leicht auf bie meinige $u übertragen ift Steffens Beitreibung com ©efüfjl (galfcfie Xfjeol. 6. 99. 100.) „©ie unmittelbare ©egentuart be§ ganzen ungeteilten $)afetn§ 2C-' Sßogegen bie bon Saum garten = SrufiuS ((SM. t. b. <5t. b. ®ogm. 6. 56), abgeben bon ber entgegenie^ung sroifdjen ©efü^I unb Selbftbetoufctfein , tfieilS nitfit ba§ ©anje, fonbern nur bie Ijö&ete «Region be§ ©effiljIS untfa&t, ttjeifö auef) buraj btn ©ebraudj beS 2tu§bruff§ SBafjtnefjmung ba§ ©efüfjl in ba§ ©ebiet be§ gegen* ftanblid^en 93enmfsifein§ hinüber 5u fbielen fdjeint. 3. 2>er ©aj fc^eint öorauSäitfesen, e§ gebe fein bierte§ & SSiffen, &&urt unb ©efü^l. @r t|ut bie§ ieboc^ ni$t tu bem
8 SDer djriftlic&e ®Iaube. (SrfterS^eiU
©inne, al§ ob er eine apagogifdje 33eraet§füljrung fein trollte; f onbern er ftettt iene bzibtn nur neben biefeS, um mit ber (5r* flärung sugietd) bte üorljanbenen abroeidjenben (Srflärungen aufzunehmen unb ju bezaubern, ©o bafj mir bte grage, ob e§ in ber «Seele ein folcrjeg oierte§ gebe, ganj hd ©eite liegen laffen tonnten, roenn un§ nidjt tfjeiiS baran gelegen [ein mü|tc un§ äu überzeugen, ob nodj ein anberer Ort üortjanben ift, ben man ber grömmtgfeit anmeifen tonnte, ttjeüS mir unS aud) anfc&iffen müßten and) ba$ SBerrjältnifj tlar aufeitfaffen, melcrjeS ahrifdjen ber djrtftlidjen grömmtgfeit an ftctj unb fomotjl bem crjriftltcrjen (glauben, fofern er in bte gorm be£ 2öiffen§ gebraut raerben tann, als aud) bem diriftlidjen Xfjun Statt ftnbet. SBäre nun ba§> SBertjältnifc jener brei irgenbroo auf eine allgemein alterrannte SSeife bargettjan: fo bürften mir un§ nur barauf berufen. %lwx aber mufe rjier ba§ nöttjige barüber gefagt merben, ma§ aber nur al§ ein gelier)eue§ au§ ber ©eelenletjre anjuferjen ift, unb mofjl ju merfen, bafj bie Söarjrljeit ber <&a$t, nämltd) ba% bie grömmtgfeit ®efütjl fei, bon ber fRictjtigfett ber folgenben Erörterung bölltg un- abhängig bleibt. 2)a§ Seben ift aufeufaffen al§ ein SSedjfet bon 8nfid)bleiben unb $lu§fid)I) er austreten be§ ©ubjectS. 95etbe gormen be§ SöehmMeütg conftituiren ba% ^nfictjbletben, roogegen ba8 eigentli^e Sttjun ba$ 2lu§ficr}tjerau§treten ift; in fofem alfo ftetjen SSiffen unb (Sefüljl sufammen bem £l)itn gegenüber. 5lber roenn audj ba§ SSiffen al§ ©rfannttjaben ein £Micr)bteiben be§ ©ubjecte§ ift, fo roirb e§ boctj als @r* fennen nur burdj ein 5lu§ftdjrjerau3treten beffetben nurfüdv unb ift in fofem ein £tjun. 3)a§ gütjten hingegen ift nidjt nur in feiner $)auer al§ Söemegtraorbenfein ein Sfaftd) bleiben, fonbern e§ nrirb aud) al§ Söemegtmerben nidjt bon bem ©ubjeet behrirft, fonbern fommt nur in bem ©ubjeet $a ©tanbe, unb ift alfo, inbem e8 ganz unb gar ber ©mpfänglidjfett angehört, aud) ga'nslidj ein Snftcfc bleiben: unb in fofern ftetjt e3 allein jenen beiben bem SBiffen unb bem £tjun gegenüber. — SSemt nun bie grage entftetjt, ob e3 gu biefen breien, ®efüt)l SSiffen unb £T)un, ein oierteS ober §u jenen beiben, ^nftdjbletben unb Slu§ft^t)erau§treten, ein brttteS giebt: fo ift freiließ bit ©in* t)eit bon biefen !eine§ oon ben stoeien ober breien; aber nie* manb fann biefe bod) neben jene ftellen al§ ein folcrje§ britteS ober bierteS mte fte felbft ftnb, fonbern biefe (Sütljeit ift ba8 Sßefen be§ (Subjecte§ felbft, melc^eg fictj in jenen einanber gegenübertretenben gormen funb giebt, unb alfo, roie mau e& au6) in biefer befonberen S3eäie^ung nennen möge, ber ge*
(SrfieS Äapitel. £ur ßrflärung bei Sogmatif.
<
metnftfmftlitfje ®runb berfelben. ©ben fo ift auf ber anbern ©ette ieber mirflicfje Moment be§ £eben§ feinem <35e}antt^ gemalte nadj) ein sufammengefeste§ au§ jenen jtoeten ober breien, roemtgleidj ameie baoon immer nur al§ ©puren ober al§ ®eime borfjanben [ein* merben. 2lber ein bxittzZ §u jenen ameien, mooon ba§ eine mieber atoeigerljetlt ift, nürb ferner* lid) gegeben merben fönnen.
4. SBenn alfo, btefe brei gefegt, ®efüf)l SBiffen unb £jmn, bie fdjon oft Vorgetragene Behauptung t;ter roteber aufgeteilt ttrirb, bafj oon biefen breien bie grömmigf eit bem ®efüfjl an* geljört: fo foH fie baburdj mie fefcon ait§ bem obigen folgt» feineSftegeS oon aller Berbinbung mit bem SStffen unb S^un au§gefd)loffen merben. SBtelmdjr menn überhaupt ba§ un* mittelbare ©elbftbemu^tfein überall ben Hebergang oermitteit jhrifdjeh Momenten morin ba$ SStffen unb folgen morin baß £ljun oorljerrfdjt, tnbem &. B. au§> bemfelben SStffen, je nad)= bem eine anbere Beftimmitjeit be§ ©elbftüettmfjtfemS eintritt, auc§ in bem ©inen ein anbere§ S£&un Ijeroorgetjt al3 in bem Slnbern: fo mirb audj ber grömmtgfett aufommen, SBiffen unb Sljun aufsuregen, unb jeber Moment, in meinem über- miegenb bit grömmtgfett tjeroortritt, mirb betbe§ ober eines üon betben als? Meinte in ftctj fcfrtiefsen. Slber eben biefe§ ift bie SBafjrfjeit be§ <Saae§, feüteStoegeS eine ©inmenbung ba* gegen; benn märe e§ anberS, fo tonnten fid^ ja bie frommen Momente mit ben übrigen ntcrjt gu Gnnem Seben oerbinben, fonbem bie grömmtgfett märe tttvaZ für ftdj ofjne allen ©ins ffafj auf bie übrigen geiftigen SeoenSberrt^tungen. $n biefet SBaljrljeit aber tritt unfer ©aa, buref) melden ber grömmtg* feit ü)x eigentfjümltdjeS %th\tt in $erbiubung mit allem übrigen gefiebert mirb, ben anbermeitigen Behauptungen ent* ■'■ gegen, bie grömmigfeit fei ein SBiffen ober ein £bun ober betbeS ober ein au§ (S5efitl)l SBiffen unb SUjun gemtfdjter Bu* ftanb, unb in biefer potemifdjen Soest e^ung ift nun unfer GuCJfr* @a§ no$ genauer au betrauten. — ©oll nun bit grömmig* feit im SBiffen beftefjen, fo märe fie bodfj motjt boraügltdj ba§jenige SBiffen gan§ ober ba$ mef entließe baoon, melct)e§ al§ ber Snljalt ber (Glaubenslehre aufgeftettt mirb, ober e§ müfcte burcl)au§ falfdj fein, baf$ mir Ijier um ber Glaubens* lefjre mißen ba& SBefen ber grömmigfeit auffuäjen. Sft nun bie grömmigfeit biefeS SBiffen, fo mufs auc^ ba$ ffllaafc biefeS ' SBiffenS in einem Menfd)en ba$ ßlaa% feiner grömmigfett fein. 2)enn ma§ ntctjt in feinem Steigen unb fallen ba§ ffiaa% ber SSottfommentjeit eines (GegenftanbeS ift, barin fann
II
10 $)er d)rt[tlirf)fc ©lcw6e. CErfter SfjeiL
aud) nidjt ba§ SBefen beffelben befielen, ©onacrj wäre unter ber aufflefteßten SorauSfeaung ber befte Snljaber ber djrtft* Itcfjen ©laubenSlebre aud) immer sitgleict) ber frömmftc (Sljrift Unb biefe§ Wirb bocr), aucb wenn Wir gleidj beborworten, jener befte fei nur ber, weiter ftdj aud) am meiften an ba§ Wesentliche Ijaltc, unb biefeS nidjt etwa über ben Siebenfachen unb STufeenwerfen bergä&e, bennod) niemanb annehmen, fon* bern oielmebr ba£ mit gleicher SBofffommenljett iene§ 23iffen§ fc&r berfdjtebene (Grabe ber grömmigfeit befteljen fönnen, unb mit Qleid) bofffommener grümmigfett febr berjdjtebene (Grabe biefe§ S93iffen§. ©od} bieffeidjt Wenbet man ein, bie $8e* banptung, bie grömmigfeit fei ein SBiffen, meine nidjt fowol ben Jynljalt iene§ SBiffenS, fonbern bie ben $orfteffungen htu wofmenbe (Gewipeit, fo ba% bie Stontnifj ber (Glaubenslehren grömmigfeit fei nur wegen ber ifmen beigelegten (Gemtfjljeit unb alfo wegen ber ©tärfe ber Ueberseugung, ein Snneljaoen berfelben oljne Ueber^eugung fei hingegen gar feine Stämmig* feit. S)ann Wäre alfo bie ©tärfe ber Ueberseugung ba§> $)laa% ber grömmigfeit; unb bie§ Ijaben gewi£ aud) bieienigen bor* SÜßltct) im ©inn, Welche ba§> 23ort (Glaube fo gern burdj Hcber3eugung§treue umfdjreiben. 2Iffein in allen anbern eigentlicheren Gebieten be§ 2Biffen§ X)at bie Ueberseugung felbft fein anbere§ Wlaab al§> bie SHarljeit unb SSoffftänbigfett be§ 2)enfen§ felbft. «Sott e§ fief) nun mit biefer Ueberjeugung eben fo behalten: fo fämen wir bod) auf ba§> borige surüff, baB ber, welcher bie religiöfen ©äse am flarften unb boff= ftcinbigften einzeln unb in ibrem Snfammenljange bentt, audj ber frömmfte fein tnüfcte. ©off nun biefe§ oermorfen bleiben unb bit S3orau§feäung boer) befielen: fo nützte bie (Gewif^ett .Ijier eine anbere fein unb ein anbere§ Maa% Ijaben. ätföge bann immer bie grömmigfeit mit biefer (Gewifcbeit nodj fo innig sufammenfjängen: fo Ijängf fie beSljalb nierjt auf biefelbe SSeife mit jenem Riffen aufammen. ©off 'aber boctj ba$ Sötffen welcbcS bie (Glaubenslehre bttbet fidj auf bie gröntmifl* feit beäieljn: fo erflärt ftdj bie§ fo, bafc bie grömmigf eit affer* bingS ber (Gegenftanb ieneS SöiffenS ift, ba% aber biefeS nur, fofem ben Söeftimmungen beS ©elbftbeWufetfeinS eine (Gewifj* Ijeit einwofmt, fann entwiffelt Werben. — ©off hingegen bie grömmigfeit im £bnn befteljn: fo ift offenbar, bafj ba§ fie conftituirenbe Sfjun tticrjt burdj feinen Sn^alt beftimmt fein fann; benn bie (Erfahrung leljrt, bafj neben bem 0 ortreff liefen and) ba$ fdjeufelidjfte, neben bem gejaltreicfjften auc^ ba§ leerfte unb bebeutungSlofefte als fromm unb auS grömmigfett getfcan
(Stfteä fiapitel. 3ur (grflärung ber ©ogmatif. 11
ttnrb. SBtr ftub alfo nur an btc $orm, an bie 9trt unb SBetfc gehriefen, tute ba% Stjun ju ©taube fommt. 2>iefe aber ift nur au§ ben beiben ©nbüunften w begreifen, bem sunt (Srunbe liegenben eintrieb al§ bem 2lnfang§ounft unb bem beabfid)* tigten (Srfolg al§ bem gieipuntr. 9?un aber rairb niemanb eine £mnblung meljr ober roeniger fromm nennen roegen be§ größeren ober geringeren ®rabe§ ber Sßollfommenljeit, roomit ber beabftd)tigte (Srfolg erreicht roirb. (Sinb mir aber auf ben antrieb surüff geworfen: fo ift offenbar, bafj jebem eintrieb eine SBefiunmtbeit be§ <5eibftbehmfjtfeüt§, fei e§ nun Suft ober Unluft, sum (Srunbe liegt, unb ba% an biefen am reinften ein eintrieb Dom anbern unterschieben roirb. (Sonata roirb ein Sban fromm fein, fofern bie Söeftimmtbett be§ ©elbftberoufct« feinS, ba$ (SJefübl roeld>e§ Slffect geroorben unb in ben antrieb übergegangen roar, ein fromme§ ift. — S3eibe SSoraitSfeaungen führen alfo auf benfelben $unft ^in, bafj e§ SStffenunb Xfym giebt sur grömmigfett geprig, bafj aber feine§ non beiben ba§> Sßefen berfelben au§madjt, fonbern nur fofern gehören fte iljr an, al§ ba$ erregte ©efübl bann in einem e§ fijirenben ®en!en §ur #iube fommt, bann in ein e§ auSfpredjenbeS ^anbeln fict) ergießt. — (Snbltcr) roirb niemanb läugnen, bafj e§ <§Jefübl§suftcmbe giebt, roeldje mir, roie Üteue 3errnirfdjung 3u0erftd)t greubigfeit ju (Sott, an unb für fidj fromm nennen ot)ne 9xüffftcr)t auf ein baraug fjeroorgeljenbeS SBiffen unb S^un, roierool mir afterbingl! erro arten, jorool ba% fte ftctj in anberroetttg geforberten §anblungeu fortlegen, al§ aud) bafj fict) ber Xrteb §ur Betrachtung auf fie richten roerbe.
5. 5lu§ bem bisher (gejagten cjer)t mol f$on fjeroor, mie bie Behauptung 51t beurteilen ift, bafj bk grömmigreit ein 3uftanb fei, in roeldiem SSiffen güfjlen unb SHjun Oerbunben ift Sötr roeifen fte natürlich surürr", menn ba$ Süblen babei foH au§ bem SBiffen abgeleitet fein, roie ba§> S^un au§ bem güfjten. (Sott fie aber gar feine Unterorbnung ansagen: fo ift fte eben fo gut bie Söefcbreibimg eine§ jeben anbem ganj ftaren unb lebenbigen Momentes al§ eines frommen. 2)enn roenngteid) ber Btr-eff begriff einer Jpanbhmg ber ^anblung felbft fdjon borangebt: fo begleitet er fte bocb sugleici) be* ftänbtg, unb ba§ Berfmltnifj §roi|d)en beiben brüfft ftcb sugleicb im (Selbftbettmtjtfein burc§ einen größeren ober geringeren (grab uon ßufriebenbeit unb (Stdjerljeit au§, fo ba^ aud) biet in bem ©efammtgebalt be§ 3uftanbe§ alle breie Derbunben ftnb. Inf äbnüdje Söeife oerbält e§ fict) aucb mit bem SStffeiu SDenn al§ glüffli^ beenbtgte Operation ber benfenben Sbätig*
12 ©er dirtftltcfje ©laufte. (Srfter 53jetl.
fett foridjt e§ ftdj im ©elbftbetottfctfeut at§ eine juDerficf)tlicöc
(Seroifjljeit ait§. gugletdj aber roirb e§ aud) ein Söcftreben bie erfannte SSaljrbeit mit anbern gu oerbtnben ober ^äilt äu bereit 91nroenbung aufsufudjen, ttnb biefe§ ift ber immer Sttßleidj Oorljanbette Anfang eine§ 33)un§, roetd)e§ ftdj bei ber bargebotenen Gelegenheit ooltftänbtg entroitfelt, imb fo finben mir audj fjier iu bem Gefammtsuftanbe SBiffen gürten unb Stjuit sujantmen. SSte nun aber ber suerft betriebene 8u* ftanb bemoljneradjtet roefentlid) ein Stbun ift unb ber sroeitc ein SBiffen, fo bleibt aud) bie grömmigfeit in tljren ber= jdjiebenen Steuerungen roefeutlidj ein GefiUjlSsuftanb. tiefer mirb bann aud) ixt ba§ Renten aufgenommen, aber nur nad) äJfaa&gabe roie geber in ftdj fo beftimmte sugXeict) pm Senfen geneigt unb barin geübt ift; unb auf biefelbe SBeife nur unb nad) bemfelben 9#aafj tritt aud) biefe innere SBeftimmtfjeit §erau§ in lebenbiger Söeroegung unb barftellenber ^anblung. ^Utcrj Qetjt au$ biefer 2)arfteuung fdjon berbor, ba% unter Gefübl roeber etroa§ oerroorrene§ gebadjt roerben foH nodj ettua§ unroirffame§, ba e§ eineStljeil§ in ben lebenbigften Sutgenbliffen am ftftrfften ift, unb allen SBillenSäu&erungen mittelbar ober unmittelbar §um Grunbe liegt, anberntl)eil§ aud) von ber ^Betrachtung ergriffen unb al§ ba$ roa§ e§ ift a,ebad)t roerben fann. — SBenn aber Slnbere ba$ Gefütjl au§ unferm Gebiet gan* au§fdjtief$en roolkn, unb beSbalb bie Frömmigkeit nur befdjreiben als ein ^anblungen erseugenbe§ SBiffen ober al§ ein au§ einem SBiffen berborgegangene§ Sfnm: fo mürben biefe ntdjt nur guerft biefe§ unter ftd) jdjtidjten muffen, ob nun bte grömmtgfeit ba§> SBiffen fein foE ober ba§ £tntn; fonbern fte ntüfcteu un§ aud) aufroeifen, mie benn au§ einem SBiffen ein Xi)un entfielen fönne oljne eine baäroifdjentretenbe SÖeftimmtfjeit be§ @elbftbettmf$tfein§. .Unb roenn fte biefe^ juleat äugeben muffen, fo roerben fte Tid) au§ bem oorigen überzeugen, ba§ roenn eine foldje $er* ■fted) tttng ben (£t)arafter ber grömmigfett an fidj trägt, bod) ba$ SBiffen barin noct) nid)t unb ba$ £fjmt baritt nidjt mebr bie grömmigfeit an unb für ftdj fei, fonbern biefe ift gerabe bie basroifdjen tretenbe Söeftimmtljeit be§ €>elbftberou§t|ein§. 3ene§ aber fann ftdj immer aud) umgefeljrt ber&alten; ba§ Xt)un ift nodj ntdjt bie grömmigfeit in allen ben gäHen, in roelcbett ftd) erft au8 bem ©etljanbabcit ein beftimmteS ©elbfc beroufetfein ergiebt, unb ba§ SBiffen ift nid)t mebr bie grömm ig- feit an unb für ftd), roenn e§ feineu anbern $nljalt l)at al§ iene in§ teufen aufgenommene SBeftintmtOeit.
<Erfte3 Sattel. 8ur grilärungöerSJogmattf. 13
§. 4. 2)a3 gemeinfame aller noa) fo betriebenen Sleußerungen ber grömmigfeit, moburd) biefe fid) ^ugleid) toon allen anbern @efü(;Iert utttcrf Reiben, alfo ba§> fid) felbft gleite 2$efen ber grömmtgfeit ift biefeS, ba§ mir un£ unfrer felbft als fd?Ied?tftin abhängig., ober, ma3 betreibe fagen miß, als in SBegiebung mit ©Ott be* toujjt finb.
Slrtm. gut bo§ in ben folgenben (Erläuterungen nlc^t feiten bor* lommenbe Sßort fdjledjtljinig bebanfe icf) mtä) bei §errn $rof. Seibrücf. 3$ sollte e§ nttf)t wagen, unb fjabe feine Sunbe, ba& e§ fdjon anbertuärtä borljanben getoefen. üftun er e§ aber gegeben, ftnbe idj e8 fe^r bequem, ifjm im $ebraud) bejfelben p folgen.
1. ^n feinem nrirfltdjen Söemufctfeüt, gletd6)t)tel ob e§ nur ein £)enfen ober £&un begleitet, ober ob e§ einen Moment für ftdj erfüllt, finb mir un§ unfre§ ©elbft an unb für fid), mie e§ immer baffelbe ift, allein bemüht, fonbern immer &u* gleid) einer med)felnben SBeftmuntljett beffelben. £)a§ ^dj an ftdj fann gegenftänbtidj oorgefteEt merben; aber jebe§ ©elbft» bemufetfein ift sugleid) ba% eine§ beränberlidjen @ofein§. Sn tiefem Untertreiben be§ legieren öon bem erften liegt aber |d)on, ba% ba§> öeränberUdje nidjt au§ bem ftdj felbft gleiten allein tjerborgebt, in meldjem^galle e§ nidjt öon iljm ju unterfdjeiben märe, ^n iebem (gelbftbemufjtfein alfo finb smei Elemente, ein — um fo ju fagen — ©tc^felb'ftfesen unb ein ©id^felbftmdjtfogefeätbaben, ober ein (Sein, unb ein Srgenb* miesem orbenf ein; ba§ legte alfo fegt für febe§ ©elbftoemuft* fein au^er bern^dj no<$ tttüaZ anbereS öoraug, motjer bit Söeftimmtfjeit beffelben ift, unb oljne meldjeS ba$ @eI6ft* bemufjtfeüt nidjt gerabe biefe§ fein mürbe, 3)iefe3 anbere jebodj mirb in bem unmittelbaren (Selbftbemufttfein, mit bem mir e§ tjter allein su tfjmt baben, mit gegenftänblid) bor* geftellt. 2)enn alterbing§ ift bk SDitplicitfit be§ ©elbftbemufct* feinS ber ®runb, marum mir ie^efmal ein anbereS gegen* ftänblict) aufluden, morauf mir unfer ©ofein surüf ff Rieben; allein bie§ Sluffudjen ift ein anberer 5lct mit bem mir e§ jegt nietjt 3U tt)un baben. (Sonbern in bem ©elbftbemitfjtfein ift nur ämeterlet sufammen, ba% eine ©lement brüftt au§ ba$ ©ein be§ ©ubjecteS für ftdj, ba§ anbere fein Sufammenfein mit anberem. — liefen smei Elementen, mie fie im jettliien ©elbftbemufjtfein auf ammen " finb , enti>red&en nun in bem ©ubiect beffen ©rnpf ängliifett unb ©eibfttbätigteit
14 £er <$rlftlid)e ©laube. (Srfter Sfjetl.
könnten mir un§ ba& 3u[ammenfem mit anbercm roeßbeitfen, un§ felbft aber übrigens fo tote mir ftnb: fo toäte fern ©elbfte behmfctl'etn ntößHcr) , tueldjeä übermiegenb ein Slfficirtfcin ber (Smpfänglidjfeit au§fagte, fonbern bann fönnte jebe» nur ©elbfttln'ittgfett ansagen, meld>e aber and), anf feinen ®cgen= ftanb begogen, nur ein £erüortretenmotten , eine unbestimmte Slgtlität otjne ®eftalt unb garbe märe. Söie mir uns? aber immer nur im 3ufammenfein mit auberm ftnben: fo ift aucf) in jebem für ftd) §ert>ortretenben <2elbftbemuf;tfein ba§ ©(erneut ber irgenbmie getroffenen (Smpfänglid) feit ba§> erfte, unb felbft ba«3 ein £tjun, tuorunter aud) ba§ (Srfennen begriffen werben fann, begleitenbe ©elbftbettmfctfein, tuiemol e§ übermiegenb eine regjame (Selbsttätigkeit au§fagt, mirb immer auf einen früheren Moment getroffener (£mpfängltd)feit belogen, burd) toeldjen bie urfprünglidje Agilität ttjre 3Kd)tung empfing, nur bafj oft audj biefe SBesielmug eine gan§ unbeftimmte fein fann. 3u biefen ©äsen fann bie 3uftimmung unbebtngt geforbert merben, unb feiner mirb fte Oerfagen, ber einiger felbft* Beobachtung fäf)ig ift, unb ^ntereffe an bem eigentlichen ®egenftanb unferer Ünterfudjungen finben fann.
2. £)a§ gemeinfame alter berjenigen 23eftimmt§eiten be§ ©elbftbemufjtfeinS, meiere übermiegenb ein ^rgenbrnotjer- getroff enfein ber (Smpfänglid)feit augfagen, ift ba% mir un§ al§ abbängig füllen. Umgefetjrt ift ba§> gemeinfame in allen benfenigen, meiere übermiegenb regfame (Selbftt^ätig^ feit au§fagen, ba$ greif)eit§gefüf)t ^ene§ nic^t nur meil mir anbermärt§ tjer fo gemorben ftnb, fonbern oorneFjmlid) meil mir nidjt anber§ a\§ nur burdj ein anbereS fo merben fonnten. ®ieie3 meil anbere§ burd) unsl beftimmt mirb, unb olme unfere (gelbfttljätigfeit nic^t fo beftimmt merben fönnte. 3)iefe beiben (£rflärungen fönnett inbe§ nod) unbollftänbig ju fein fd)einen, inbem e§ auä^ eine mit anberem nierjt stammen* ijängenbe $8etoeglid>feit be§ ©ubiecteS giebt, meldje unter bem)elben ©egenfas ju fterjen fdjeint. Mein menn mir felbft oon innen IjerauS irgenbmie merben, o§ne ba% anbereS ba^u mitgefest ift : fo ift bie§ ba$ einfache $ert)ältnife ber seitlichen ©ntmifflung eine§ ftd) mefentlid) felbft gteid) bleibenben, meldie nur feljr uneigentlid) auf ben ©egriff greibeit belogen merben fann. Unb menn mir oon innen l)erau§ irgenbmie nid)t merben fönnen ; fo beseidmet bie§ nur bk sunt SSefen be§ ©ubjecteS felbft gehörige ©renge feiner ©elbfttljätigfeit, unb biefe mürbe nur feljr uneigentlid fönnen 3lbt)ängigfeit genannt merben. — Wit biefem ©egenfas ift übrigeng ber
©ri'teä Äojritel. 3ur ©xtlärung ber Dogmatil. 15
ättrifdjen trüben ober nteberbrüffenben unb et&ebenbert ober
freubigen ©efüljlen, bon meinem Ijernacf) bie Sftebe fein mtrb,
fetneSroegeS gu berroedjfeln. ©emt audj ein ^bljängigfeitS*
gefügt fann ert)ebenb fein, menn baS mitauSgefagte (So*
gemorbenfein fidj als ein botlfommneS anfünbigt, nnb eben
fo ein gretfjettSgefüljl meberfdjlagenb, tbeilS menn ber Moment
übermiegenber ©mpfängiic&feit, morauf baS £§utt gurüffgefüljrt
mirb, ein foldjer mar, tijetlS menn bie Strt nnb Söeife ber
©elbfitöättgteit ftct) als ein na d)tf) eiliger eS Bufammenfein auS*
foridjt. — 2)enfen mir unS nnn 2lbfjöngtgfeitSgefüt)l nnb
grei&eitSgefüfjl in bem (Sinne als ©ineS, bafj ntc&t nur baS
©ubject , fonbern aud) baS mitgefegte Slnbere in beiben baS=
f eibige ift: fo ift bann baS auS beiben guf ammengefegte ®e*
fammtfetbftbemufetfein baS ber SBedjfelnrirfung beS ©üb-
jecteS mit bem mitgefegten 5lnberen. Segen mir nun bie
©efammtfjeit aller ©efüblSmomente beiber 5lrt als (£ineS, fo
ift aud) ba$ mitgefegte Rubere als eine (Stefatnmtljeit ob et als
(ginS §u fegen, unb ber legte 5luSbru!f alfo ber rid)tige für
unfer «Seibftbemufjtfein im atigemeinen, in fofern eS unfer
3ufammenfein mit altem auSfagt, maS fomot unfere ©mpfäng*
Iid&feit anfpri(^t als aud) unferer Setbftttjättgfeit üorgelegt
ift Unb gmar ntc&t nur fofern mir biefeS anbere oeretngein,
unb iebem menngleid» in nodj fo t>erfd)iebenem ($5rabe ein
SBerfjättniB gu jenem gmeifadjeu in unS auftreiben; fonbern
aud) fofern mir baS gefammte SlufeerunS als ßineS, ja aud)
meil ja anbere (Smpfänglic&feit unb ©eibfttfjättgfett, gu melier
mir aud) SSerfjättntfe fjaben, barin gefegt ift, mit unS fclbft
gufammen als (SineS, baS ijeifct alS SBelt fegen. S)emnad) ift
unfer ©eibftbemufjtfein al§ Söettmfetfem unfereS <SemS in ber
SSSeit ober unfereS SufammenfeinS mit ber Sßelt, eine fHei^e
bon geseiltem grefljeitSgefüfjl unb 2lbfjängigfeitSgefül)l;
fd»led)ttjiuigeS $bt)ängigfeitSgefüfjI aber, b. Ij. otme ein auf
baffelbe SJUtbeftimmenbe begügtidieS greiljeitSgefüfjl, ober
f(^lect)tr)miQe§ greitjettggefürjl, b. 1). o^nc ein auf baffelbe aRit^
beftimmenbe begüglidjeS 9lbl)ängigfeitSgefüf)l giebt eS in biefem
gangen ©ebiete nid)t. SBir mögen unfere $erfjältniffe gur
9?atur betrauten ober bie in ber menfdjlidjen ©efeftfdjaft, fo
ftnben mir eine grofje Stenge bon Öegenftänben in Söegug
auf meiere greiljeit unb Slbljängigfeit fidj fefjr baS ©leid)*
gemixt galten, unb biefe conftituiren baS Gebiet ber ®leid)*
Seit in ber 2Sed)felmirfung. Rubere üben eine meit größere
GHnmirtung auf unfere (gmpfängli^feit auS als bie ©tnhrirfung
unferer ©elbfttfjätigfeit auf fte unb fo aud) umgefeljrt, fo ba%
16 ^er dfjriftHd^e (Glaube- Grfter SDjetl.
eine§ bon betben fiel) auf ein unmerflid) fieine§ befcbräut'en fann, aber nie mirb eine§ bon beiben ©Hebern gänalid) ber* fdjroiuben. SBorljcrrfdjenb ift bn§ Slbljangigfeüggefül)! in bem SSerbältnife ber Ötnber gegen bte Gpltern, ber Bürger gegen ba% SSaterlanb; aber bod) tonnen,, aud) obne baZ SSer^ättnife §u löfen, ©injelne fomol ©egenmirfung qI§ aud) leitenbe ©in* mirruug auf ba§> Sßaterlanb ausüben. Unb tuie bk Slbljängigs fett ber ®inber bon ben ©Itern iebr balb al§ eine fid) all* mäblig berniinbernbe unb bertöfdjenbe gefüllt nrirb ; fo ift fte audj bon Anfang an ntdjt oljne SBeimifdjung einer auf bk (Sltern gerichteten (Selbfttbätigfeit, raie aucl) in ber abfoluteften 5lHeinr)evrfd)aft bem ©ebieter ein leifeg 2lbbängigt'eit§gefüljl nid)t feljlt. ©affelbe ift ber gaE auf ber (Seite ber 9catur, mie mir beim felbft auf alle 9caturfräfte, ja audj bon ben SSeltforbern fann man e§ fagen, in bemfelben (Sinn, in luetdjem fie auf un§ einmirfen, aud) ein fletnfte§ bon ©egen* nnrfung ausüben, (So bafj bemnad) unfer ge|ammte§ (Setbft* bemufjtfein gegenüber ber SBelt ober ifjren einzelnen feilen 3nrif djen biefen ©rensen befd)loffen bleibt.
3. ©in fdjled)tl)inige§ greif) eitSgef üb! fann e§ bemnadj für un§ gar nidjt geben: fonbern raer ein foldjeS §u I)aben be= baubtet, ber taufet entmeber fiel) felbft, ober er trennt roa§ notfjroenbig äufammengeljört. ®enn fagt ba% greü)eit§gefüf)l eine au§ un§ IjerauSgeljenbe (Selbfttbätigfeit au§: fo mufe biefe einen ©egenftanb Ijaben ber un§ irgenbroie gegeben roorben ift, rceld)e§ aber nid)t Ijat gefdjef)en fönnen oljne eine (Sinroirfung beffelben auf unjere (Smbfänglid)feit, in iebem foleben galle ift bafjer ein su bem greif) eitSgefüljl gebörige§ 2lbbängigfeit§gefül)l mit gefegt, unb alfo ieneS burd) biefe§ begrenzt. ©a§ ©egentbeil fönnte nur eintreten, luenn ber ©egenftanb überhaupt bnrd) unfere Stbätigfeit erft mürbe, meidje§ aber immer nur besief)ung§meife ber gall ift unb nie fd)led)tt)tn. ©oll aber baZ greif)eit§gefütjl nur eine innere felbfttl) äuge SBemegung au§fagen, fo l)ängt ntdjt nur jebe einzelne foldje mit bem jebe§maligen guftnnbe unferer er* regten (£mbfängltd)fett jufammen, fonbern au<$ bie ©efammt* beit unferer innern freien ^Bewegungen al§ (£tnf)eit betrautet fann ntdjt burd) ein fdEjIedjtöüttgeS Srei^eitSgefü^l xepräfentirt merben, roeil unfer gonget ©afein un§ nid)t al§ au§ unferer (Selbfttbätigfeit berborgegangen sunt Söenmjjtfetn fommt. ©aber in feinem seitlichen Sein ein fdjledjtl)inige§ greif)eit§gcfüf)l feinen Ort Ijaben fann. SBenn nun unfer (Sas bemofjngeadjtet auf ber anbern (Seite ein fd)led)tl)inige§ 2fbf)ängigfeit§gefübl
(5 rite« ftapltel. 3ur Stttärung ber Dogmatil. 17
forbert: fo fann bte§ au£ bemfelben ®runbe auf feine SBetfe t)on ber (Stnmirfung eines unS irgenbroie §u gebenben ©egen* ftanbeS auSgebn, beim auf einen folgen mürbe immer eine (Segenmirfung ftatt fütben, unb aueb eine freimillige ©ntfagung auf btefe mürbe immer ein ftreibeitSgefübl mit emfdjliefcen. S)aber fann e§ aueb, ftreng genommen, nidjt in einem einzelnen Momente als folgern fein, meil biefer feinem (Sefammtinbalt nacb immer bureb gegebenes beftimmt ift, alfo burd) folebeä an meinem mir ein gretbeitSgefübl babetu Mein eben baS unfere gefammte (Selbfttbätigfeit, alfo aueb, meil biefe niemals 9?ull tft, unfer ganseS 2)afein begleitenbe, fc^lect)tr)mige grei* bett öerneinenbe, ©elbftberoufjtfein ift febon an unb für ft<$ ein Söemufjtfein fct)Xed)tr)imger Slbljängigfat, benn eS ift btö SBeroufctfetn, bafj unfere gange «Selbfttbätigfeit eben fo oon cmbermärtSber ift, mie baSjemge gans öon unS be? feinmüfete, in SBejug morauf mir ein fcblecbtbinigeS greibeitSgefübl baben füllten. Dfjne atteS gretbeitSgefübl aber märe ein fdjlecbtbintgeS &b$ftngtgfeit§gefübl ntdjt möglidj.
4. SSenn aber fcblecbtbinige 9lbbängigfeit unb SBejiebung mit ©ott in unferm «Sage gletdjgeftettt mirb: fo ift bieS fo §u fcerfteben, ba% eben baS in biefem ©elbftbelrmfjtfeüt mit ge* fegte SS ob er unfereS empfänglichen unb felbfttbätigen S)afeinS bureb ben 5luSbruff ©ort beseidmet merben foH, unb biefeS für unS bk mabrbaft urforünglicbe SBebeutung beffelben ift Sfrkbti ift nur suerft noeb auS bem oorigen §u erinnern, ba% MefeS SBober niebt bie SSelt ift in bem (Sinne ber ©efammt* bett beS seitlichen ©einS, unb noeb meniger irgenb ein einzelner Zfytil berfelben. £)enn baS menngleicb begrenste gretbeitS* gefübl, melcbeS mir in S3e§ug auf fte baben, tbeilS als er* gänaenbe SBeftanbtfjetle berfelben tbeilS inbem mir immerfort in ber ©inmirfung auf Jeinseme ibeile berfelben begriffen ftnb, unb bie unS gegebene ÜDröglicbfeit einer ©inmirfung auf alle üjre Steile, laffen nur ein begrenztes 9lbbängigfeitS* gefübl su, fcbliefjen aber baS fct)Iecrjtr)tmge auS. !ftäcbft bem ift ju bemerfen, bafj unfer <5a§ ber Meinung entgegentreten mill, al§ ob biefeS 2lbbängigfeitSgefübl felbft bureb irgenb ein oorberigeS Sßiffen um ©ort bebingt fei. Unb MeS mag mol um fo nötbiger fein, ba oiele, melcbe ftdj eineS ooHfommen be* griffenen urforüngltcben b.i). oon allem ©efübl unabbängigen Begriffs oon ©ott ftdjer miffen in biefem böberen ©elbft* beroufetfein, melcbeS mol nafje genug an ein fcblecbtbinigeS greibeitSgefübl ftreifen mag, eben baS ©efübl, melcbeS unS für bie ©runbform aller grömmigfeit gilt, als etroaS faft
©($l.,«$rlftf.«l.l. i
- :nuiQli<$i: bec anbem SettefeineS*
roomü mir e3 in bei er: : niemals
tonnen 311 Qu nag nicbtS
unmittelbar r :?mmigfei: iH :::::: rat San
. . :rünglicb :; :Hnng fSbä
unb 1 Knttnfl Sott cn ..irrig oor:
»oE mir B< :r.:er*
:.inigen AI
fdbc, bie urprimg: :-:lung fei, mi: rrefeber trtr eS fcfc . ganj
d ienem uriprünglicben eigentlichen SSrffea, unb
;-:fubl, •': ::.' m M Wwlel MS in Meiern
mtfer
hieben, ieber anbenreirige rjnbalt bieder Bu»
111S berr. ©rrmbgebalt em*
»iöelt roerber. .': nun borjuglüfc gemeint
mit ber gönne'., btf M icblecbtbin abhängig füllen unb ftdj
feiner -:e§ung mit ©ort berorrfct iein einerlei
nämlich bie icb lecbtbinige &bbangigfeir bie ©tunb*
u ; :': . .-: ärgeren in neb fölieften rnirfc. Z;:
:.i ba§ i'o in
boä SelbftbeiDit&tfem ein, baB beibe§, gans ber obigen &u£«
einaii: 9Gn5§, :::rr.r oon einanber getrennt merben
!aniL I d ilecbtbinige S5bbängigreitsgefü$l roirb nur ein
:.:;: Z- - ::-::rirsrein, tnbem ::::.-:::r :.-:'-: Botftdbnfl :r:r£.
:rn nun fann man rool aueb lagen, ©Ott fei unS ge*
1 im ©efübl auf eine unprünglic^e Seife; unb menn
ron einer u; .. Gärung (Sottet an ben
5en ober in bar, n rebet, fo roirb immer eben
Mr.it gerne::- ien mit ber allem
~en Sein niebt minder at§ ibm an^aftenben fcblecbt*
:n 2lbbängigfett auc : rretbenbe
Bdbffbdrafeifeäi :..■'...-::-. :■::-::::: tft 3n
■ ertlichen I einer
/riiebfeit bieder mirGicb Dortommt, in eben bem idjreiben
rr:r fem J- - "vrmmigfeit su. hingegen bleibt iebeS
trßenbroie ©e:. . ::.: ::-ig ausgeicbloifen, meü aUeS
änierlicb gegebene immer aueb bB ©egenftanb einer menn
cud) noeb io geringen ©egenmirtung gegeben fein muü 2He
Ueberrragung jener 3}orfteHuna auf irgenb einen roabrne&M*
gifte« ÄaöitcL 3ux Stflörung ber 1 19
bcren QJegenitcnb, tneitn man tt<$ berieiben nid)t al§ e
:DillfülJTlicben Srnnboliftrung bemußt mirb unb bleibt, in immer eine (£orruj)tion , fei e§ mm eine öorüberge^enbe llebertragung, alfo £f)eoi)fjante, ober eine comtitutioe, in meldet Coott al§ ein ma^rne^mbare^ beharrliches (rin^elroeien oor* gestellt mirb.
§. 5. £as befd&ricbette Mite: bi E :>e3
menicblicben SelbübenmEtjetn* , melcbe :rem
mirflid)en SBorfcmmen tion ber r.:.;:eren niemals getrennt ; in, unb burd) bit ^erbinbuna. mit berieiben (5irtr)eit bes Momentes aucb Olrttbeil befcnrnrt an ©egenfaj bei men unb unangenehmen.
1. 23ie ücrj bie beiben bargeneHten ©eftaltungen be3 ■2eIbftbemuBt»emS , ba§ id}led)t^inige Slb^angigf-: nämtidj unb ba§jenige SelbftbemuBtiein , melcf)e§ bie .^efmngen §u bem maf)rnef}mbaren enbiidjen Sein ausbrüffenb nd) in t^eiimeiies 2(bl)ängigfeit§gefiirjl unb tt)eilmeiie§ gtei£)eit§* gefüfil ipaltet, §u einanber oetfjalten, ba% merben mir am benen fefjen, menn mir nodj eine brüte fjütjtmeljnten. ^amltd) menn mir auf bit erfte buntlere 2eben§5eü be3 -Ucemd)en äurüffgefjen: io ürtben mir barin überbauet bas animc. Seben faft allein Dorr)errid)enb , baZ geistige aber nod) gans äuriiff gebrangt ; unb io minien mir un§ aud) ben 3tfftanb feinet 95erouBtfein§ bem tfjierifcrjen ferjr oermanbt beuten. 3mar ift un3 ber trjierticrje 3uitanb eigentlid) ganj fremb unb Verborgen. 21ber allgemein mirb in bemielben boeb, auf ber einen Seite eigentliche (rrfennrntB iomol al§ aud) ödH- !ommne§ bit geriebenen Momente gU einer ftetig-: be§ £eben§ öerbinbenr:: 2 :-:"::bemir§tiein gdaugnet, :::: ber anbern Seite aber bodj gän.slicbe igerouBtloügfeit üjnen nidjt beigelegt \£wz§ nun in 'cbroerltd) anber§ an^ugleicben, als bat* mir ein ^emirBtiein annehmen Don ber 2lrt, bog :egenftänblid)e unb ba% in ftet) jurüffgeijenbe, ober %t* uif)l unb ^nfetjauung, niebt gehörig auöeinanber treten, iortbera noct) unentroiff elt in einanber oermorren ftnb. tiefer G5e* italtung nähert fidj offenbar bat ^emuistfeüt ber&inber, oor* nebmlicrj e§e fte ftd) ber Soradje bemächtigen. 3?on ha an aber oerictjnnnbet biefer 3uftanb immer mef)r, unb ^tef : in bit träum eri'cfcen Momente ^urüff, meiere bit Uebergänge srotierjen 23ad)en unb Schlaf oermirteln, roogegen in ber bellen unb machen Seit ©efür)l unb Slnidjauung ftc§ Gar
S)cr d)riftlid)e QUaube. ©rfter S^cil.
Don einanber fonbern, unb fo bte ganaepütte beS im meiteften Umfange be§ SSortS berftanben finnlid)en 9Jten)djenleben8 bilbem SBir begreifen barmtter, inbem mir blofc bei bem Söemufetfein fteljn bleiben, unb bon bem eigentlidjen £>anbeln abfegen, auf ber einen «Seite baä atfmäljlige Slngefütftroerben mit Sßaljrnebmungen , raeläje ba§ (SJefammtgebiet ber (£r« f abrang im meiteften ©inne be§ SSorteS conftituiren, fo nrie auf ber anbem alle au£ ben Söesieljungen mit ber Statut unb bem ÜDfonfdjen ficfc) entnriftelnben Söeftimmtljeiten be8 ©elbftberoufetfeinS, audj bieienigen mit eingef Stoffen, meiere mir oben (§. 4, 2) al§ bit btm fc&ledjtfjinigen SlbjjängigfeitS» gefügt am nädjften lommenben aufgefteßt Ijaben, fo bafj mir aud) bit gefeiligen unb ftttlidjen ©efü^le nierjt mtnber als bte felbftifcfjen unter beut SUtSbruff finnüdj mit berfteben, inbem fie boefcj inSgefammt in bem <&thitt beS bereinselten unb beS (SJegenfaseS ttjren Ort Ijaben, SeneS nun bem gegen* ftänblidjen Söeroufjtfein angeprige übergeben mir bier a!8 niä)t MefeSDrteS; in biefen al§ ftnnli<$ beseiteten ©efiUjlen inSgefammt ift aber ba$ barin mitgefeste unb mttbeftimmenbe, baSienige, morauf mir ba8 iebeSmalige ©ofein surüttfc&iebe», ein bem (&tbitt ber SSedjfelmirrung angejjörigeS, bem mit un§ alfo, feien mir un§ nun unferer babti meljr al§ abhängig ober meljr als frei betoufjt, boef) in gemiffem ©inne gletcfc unb gegenüber fteUen, unb jroar fo, ba% mir unS als GKnselne ober in einem anberen größeren einzelnen, toie j. SB. bei ben baterlä'nbtfdjen (Stefüljlen, begriffene einem anbem einseinen entgegenfesen. £neburclj nun untertreiben fte ftä) bon bem fdjlectjtljimgen SlbljängigfeitSgefüIjl auf ba§ atferbeftimmteftc S)enn menn in biefem mefentlidj (§. 4, 3) bte fdjledjt&intöe greiljeit berneint mirb, fo gefdjieljt bieS sroar unter ber gorm beS ©elbftberoufctfeinS, aber bodj nid&t bon unS al£ lest fo unb ntdjt anberS feienben (SHnselnen, fonbern nur öon unS al§ einseinem enblic&en ©ein überbauet, fo bafc mit unS Ijier feinem anbern einsemen entgegenfesen , btelmd&t hierin aller (Segenfas ahrijcben einem einjelnen unb einem anberen aufgeboben ift. $)a§er fdjeint eS unbebenfTUfc, brej ©rufen beS ©elbftbemufetfein§ äu unterfdjeiben , bit tfciei* artig bermorrene, in melier iener (Segenfafc nodj nfdjt $erborgerufen merben fann als bit niebrigfte, ba§ ftnnlicbe ©elbftbemufetfeüt, roelcbeS gans unb gar auf biefem (Segenfase beruht al§ bit mittlere, unb baS fdjledjt&inifle 2lb$anöta* teitSgefiiljl, in meinem biefer ®egenfas mieber berfd&minbet, unb alles, bem ftdj baS ©ubjeet auf ber mittleren ©tufe ait»
©rfteg Äapitel. 3ur ßrflärung ber ©ogtnattf. 21
Qcgenfejte, als mit tfjm tbentifc^ äufammengefafjt nrirb, als bie bödjfte.
2. Sßenn eS ein abfoluteS 8*eib eitSgefübl gäbe: fo märe in biefem auclj ber obige Ö5egen|a§ aufgehoben; nur ba£ ein foldjeS ©ubject nie mit anbern gleichartigen in irgenb einer Söeaiefjmtg fteben fann, fonbern alles maS ibm gegeben ift barf tfjm nur als em£fcmglidjer ©toff gegeben fein. $)a aber fc&on au§ biefem ®runbe ein foldjeS in bem Sftenföen nid)t fcorfommt: fo ftebt audj in ibm auf berfelben (Stufe fein anbereS unmittelbares ©elbftbemu^tfein als baS betriebene (Sefüfjl fdjled)tbiniger Slbbängigf eit. $)enn jeber auS partiellem greibeitS* unb partiellem $lbbängtgfeitSgefübl sufammengefegte Moment ftellt unS anberem eben folgen gleidj unb gegen* über. (SS bleibt nun no$ bie grage übrig, oh eS ein anbereS ni<$t unmittelbares fonbern Sßtffen ober ^un oon irgenb einer 5lrt al§ foldjeS beglettenbeS (Selbftbemufstfein gebe, melcbeS jenem gleidj ju ftellen ift $)enfen mir unS nun als 9lct ober iMtanb eines (Sinselnen ein bötf)fteS SBiffen, in meinem alles untergeorbnete SSiffen sufammengefafjt mirb: fo ift biefeS fretltct) auf feinem (Gebiet ebenfalls über allen ©egenfas ergaben; fein .(gebiet aber ift baS beS objeftiöen SßenmMeinS. (£S mirb aber atterbingS begleitet merben Oon einem unmittelbaren ©elbftbetouMein, roeldjeS bie ($5enrif3beit ober Ueber§eugung auSfagt. ^nbem ftd) aber MefeS auf baS SSerbältntf? beS SubjectS als SBiffenben ju bem ®emufjten al§ (Stegenftanb beliebt: fo liegt aud) biefeS baS bö$fte SBiffen begleitenbe ©elbftbettmfjtfein bocb auf bem (Gebiete beS ®egen* fa^eS. £)enfen mir unS eben fo ein tjöd)fte§ £t)un unter ber gorm eines baS gange (Gebiet ber ©elbfttb ättgf eit umfaffenben (£ntfcbluffeS, au§ meinem ftd) baber alle folgenben als einzelne in tbm fdjon entbalten gemefene Steile1 entroiffeln: fo ftebt biefeS auf feinem (bebtet ebenfalls über jebem ®egenfa§, unb eS mirb ebenfalls Oon einem ©elbftberoufjtfein begleitet merben, aber audj biefeS beliebt ficb auf baS SBerbältmfj beS ©ubjectS als banbelnben §u bem maS ®egenftanb feineS £anbelnS fein lann unb bat alfo feinen Drt innerhalb beS ©egenfa^eS. Söenn nun baffelbe offenbar ntctjt mtnber gelten mufe oon jebem auf nereinjelteS SBiffen ober ifyvrn besüglicben begleitenben ©elbft* behmfjtfein : fo folgt ba% eS fein anberS ©elbftbemu^tfetn giebt, meines über jenen ©egenfaj erboben ift, fonbern bafj
1 ©. tteb. b. Sefconblung be§ ^fli^tbegrtffS. fcentförtft b. SR. b. SB. ptjitof. M. 1824. ©.4—6.
22 ®er rfiriftlidie ©lau6c. Grfter JfleU.
bem fd)Ied)tljtntgen AbbängigfeitSgefürjl auslieft enb btefer (£f)arafter äufommt.
3. SBenn nun bie ntebrigfte trjieratjnlictje ©rufe altmät)Iig berfcbroinbet, fo inte bie mittlere ftctj entroiffelt, bie rjödjfte aber fo lange iene nodj borrjanben ift ftd) gar nid)t entnnffeln fartn, fo mufj umgefebrt bk mittlere unoerringert fortroätjren, felbft tuerm bte rjödjfte fdion üjre boftfommene GnttmifHung erlangt §at $)a§ Ijöctjfte ©el6ft&erouf$tfem an unb für ftct), ba e§ gar nid)t bon äufjerlidj 5U gebenben ®egenftänben ab- fängt, bie un§ je^t berühren tonnen unb bann roieber nicrjt, unb ba e§ al£ fcrjlecrjtbinigeS OTbä^tgigfeitSberoufjtfein audj ein gans einfaches ift unb bei altem anberro eiligen SSeccjfel bon ßuftänben immer fict) felbft gleist fo famt e§ unmögttdt) in einem Moment fo fein unb in einem anbern anberS, nodt) aud) abroectjfelnb in bem einen Moment ba fein, in bem anbern aber nidjt ©onbern eS ift entroeber gar nicrjt ba, ober fo lange e§ überhaupt ba ift, auct) immer ba unb immer ftct) felbft gleid). könnte e§ nun mit bem ©elbftberoufstfein ber sroeiten (Stufe eben fo roenig sufammen fein als mit bem ber britten: fo bürfte e§ entroeber niemals seitlich berbor^ treten, fonbern bliebe tu berfelben Verborgenheit in ber e£ mar, fo lange bie unterfte ©rufe bbrberrfccjte, ober e§ müfcte nadj Austreibung ber ahmten allein bortjanben fein unb §roar roecbfelloS ficb immer felbft gleid). SestereS nun roirb burd) alle (Srfarjrung rotberlegt, nnb ^eigt fidt) aud) als unmöglich, roenn nid)t unfer VorfteHen unb Slrnn gans bon ©elbft* berou^tfein entblößt fein foH, moburd) ber gufammenbang unferS 2)afeinS für unS felbft unroiberbringlictj serftört roürbe. $)ie gorberung einer 58erjarrltct)feit beS tjöcbften ©elbftbemufets feinS famt nur aufgeteilt m erben unter ber SSorauSfe^ung, ba^ äUöleid) mit bemfclben audj baS finnlid)e (Selbftbenntütfein gefegt fei. SJcatürltd) aber fann biefeS 3ugleid)gefeatfein nidjt al§ ein Verfcbmelsen beiber Qtbad^t merben, tneldjeS böHig gegen ben aufgehellten begriff bon beiben fein roürbe, bteU merjr ift bamit gemeint ein .Sugleicbfein beiber in bemfelben Moment, tueldjeS allerbingS, ruenn baS %<$ nicrjt gehalten fein foff, ein Sßesogenfein beiber aufeinauber in ftct) fdjliefjt. üftiemanb fann ftdj aud) in einigen Momenten auSfcrjtiefjenb feiner S3erf)ältniffe im (Begenfaa unb in anbern hrieberum feiner fcfjledjtljtmgeit Slbbmtgigtett an unb für ftdj unb im allgemeinen behmfjt fein, fonbern als ein im ($thkt beS (SJegenfaaeS für biefen Moment fdjort auf geroiffe SBeife be* fttmmter ift er ftct) feiner f^Iecfitbintaen Abbcingigteit behnrfer.
Elftes Äapltel. 3ur (Siftärung ber ©ogmatif. 23
3)tefe§ SBesogenmerben be§ ftnnlidj beftimmten auf ba§ bösere ©elbftbemuMein in ber @irif)eit be§ äßomente§ ift bet $ßotfenbung§{mnft be§ <Selbftbemufjtfein§. 2)enn für benienigen, ber einmal bte grömmigfeit anerlannt nnb al§ $orberung in fein SDafein aufgenommen rjat, ift ieber Moment eineg bio% finnlic&en ©elbfibemnfetfein§ ein mangelhafter nnb un~ öottfommner Buftanb. Slber and) menn ba§ jdjted&tfjinige 2lbljcingigfett§gefülji im allgemeinen ber ganje ^nljalt eineä Momentes Don ©eifcftbettmfctfem märe, mürbe bie§ ein nn* ooHfommner Buftanb fein; benn e§ mürbe iljm bte ^Begren^t« r)eit nnb ®lar§eit fehlen, roeldje au§ ber SBesieljung auf ixt Söeftimmtljeit be§ ftnnlic&en (Selbftberoufjtfeütö entfteft. Sene ^ßoHenbung aber, ba fie bit Sßeaiebung beiber Elemente auf einanber ift, läßt fttf) autf) auf smeifadje SBeife befd&reiben. $on unten herauf fo. SSenn ba$ ftnnlidjie (Selbftbemufjtfein bk trjterätjnitc^e Sßermorrenljeit gan§ auSgeftofjen Ijat: fo entfaltet ftdj eine pljere ^id^tung gegen ben ®egenfaa, unb ber 2lu3brucf biefer D^idjtung im Setbftberoufjtfein ift ba3 f(^Xect)tr)inige 5lbr)ärtgtgfett§gefür)L ^e me^r nun in iebem Moment ftnnlid^en ©elbftbeftmjätfeinS ba$ (Subject ftct) mit jeiner ttjeilmeifen grettjeit unb tljetlmeifen Slblj ängigf eit §u* gleich fct)lec^t^m abhängig fest, um befto frömmer ift e§. $on oben Ijerab aber fo. SDie eben befdpebene Stiftung al§ eine ber menfdjjlidjen (Seele urtyrüngüdje unb mitgeborne ftrebt fdjon oon 5lnfang |an im ©elbftbemußtfein burdj* subredjen; fie oermag e§ aber nicrjt, ifo lange ber (Segenfaj nodj in ber tljieräljntidjen $ermorrenljeit aufgelöft ift £>er* na$ aber tritt Ifie Ijeroor, unb je meljr |fte nun in jeben Moment beftimmten ftnnlidjen SelbftbemufctfetnS einliefst, ofjne einen Oorbei^ulaffen, fo bafj ber Sftenfdj, mie er immer ftdj partiell frei unb partiell abhängig füljle gegen anbere§ enbltdje, ftdj bodj sugteidj gletdjmäfjtg mit allem, mogegen er ftdtj fo füljit, audj fdjledjjttjin abhängig füfjlt, um befto frömmer ift er. 4. S£)a§ ftnnlict) beftimmte ©elbfibettmfctfein jerfäUt feinet üftatur nadj unb öon felbft in eine Dfeifje üjrem ^nfjalt nadj öerfd)iebener Momente, roetl unfere Str)ättgfett auf anbereS ©ein eine settlidtje ift, unb Me (Sinroirfungen be§ anbern <5ein§ auf un§ ebenfalls settiidje finb. ®a§ f$led)tljinige TOjängigfeit§gefüljI Zugegen mürbe, aI3 an unb für fidj immer ft$ felbft gleich, nidjt eine IRetrje öon eben fo unter* f^eibbaren Momenten Ijeroorrufen; fonbem roenn e§ ftdj nidjt fo bamit öerljält, mie eben betrieben morben, fo lönnte e§ entmeber gar fein mirfftd)e3 äeiterfüHenbe§ Gemußt»
24 $)er ^riftlidje ©laube. (Erjter Ztpil.
fein merben, ober eS müfjte oljne alle Söesie^unö auf bafr in mannigfaltigem 28e$fel aufunbabfteigenbe finnlid&c (Selbft* bemufjtfein neben bemfelben unijon mittönen. Sftun ober ge* ftaltet ftdj unfer frommes Söemufetfein toeber auf bk eine nod) bte anbere 2lrt, fonbern fo mie eS ber gegebenen SÖefc&reibung gemäfj ift Üftämltd) auf ein als SKoment ge* gebeneS öon tfjeümetfigem greiljeitSs unb t&eilro eiligem 2lb* bängigfeitSgefül)! als ben Moment mit conftituirenb belogen, toirb eS Jjierburd) erft eine befonbere fromme Erregung, unb in einem anberen Moment auf ein anberSraie gegebenes be* jogen eine anbere, io jebodj bafj baS Sßefen nämlidj ba& fd^led) Einige SlbljängigreitSgefütjl in beiben unb fo burd) bte gange SReifce tjinburd) baffelbe ift, unb bic 58erfc^tebenr)ett nur barauS entfielt, bafj baffelbe mit einem anbern finnltd) befttmmten @elbftbemufjtfetn sufammengeljenb ein anbrer Sftoment nrirb, aber immer ein äftoment ber Pieren Motens,, roäljrenb mo gar feine grömmigf eit ift baS fütnlic&e ©eibft* behmfetfein auf bit ebenfalls betriebene Sßeife auSeinanber* öet)t in eine 9^etr)e öon Momenten ber nieberen $otenj, in ber $eriobe ber t&ierätmlidjen Sßermorrenfcett hingegen eine beftimmte ©Reibung unb ©ntgegenfesung bon Momenten für ba§ ©ubject felbft nic&t ftattfinbet — 2luf biefelbe SBetfe behält eS fid) au<$ mit bem anbern Steile unfereS (SaseS. £)aS ftnnlid)e ©elbftbemufstfein nämlich aerfättt feiner Sftatur nadj unb für ftd) felbft audj in ben ®egenfaa beS angenehmen «nb unangenehmen ober ber ßuft unb Unluft $li$t etroa als ob baS t^eilroeifige greibeitSgefüljl immer bit 2uft märe nnb baS t&eiltoeiftge SlbljängigfeitSgefüljl Me Unluft, mie biejenigen oorauSsufesen fdjeinen, meldte fälfdjlidj meinen, baS fd)led)tljinige 9lb§ängigfeitSgefüJjl fei feiner Sftatur nad) nieberf<$lag,enb. SDenn baS ®inb famt ficfc botffommen mofcl befinben im SBehmfjtfein ber 5lbljängigfeit bon feinen (Eltern, unb fo audj, ©ott fei S)anf, ber Untertan in feinem 2Ser* Ijältnife jur Obrigfeit, unb fo audj 5lnbere ia eben audj (Sltern unb Dbrigfeiten übel im Söetuufjtfein üjrer greiljeit; fo ba% alfo jebeS oon beiben foftol £uft fein fann als Unlufi je nadjbem baburd) baS ßeben geförbert rotrb ober gehemmt. $)a8 Ijöfjere ©elbftbetou^tfein hingegen trögt einen folgen (SJegenfa* nidjt in fi<$. S)aS erfte &ett?ortreten beffelben ift atterbingS ©rpbang beS SebenS, menn ftd) bem ©elbft* bemufetfein eine SSergletdiung barbietet mit einem guftanbe beS ifolirten ftnnlic^en (SelbftbemufjtfeinS. Renten totr ei aber in feinem ftd) felbft gleich fein o&ne SBejieljnng «f
Elfter fiojritel. 3u* Srflärung ber Sogmaiü. 25-
jene§ : fo ermirft e§ audj nur eine unoeränberlicrje ©Iet^eit be§ 2eben§, tüelctje ieben folgen ©egenfas ausliefet. SMefeS nun benfen mir un§ unter beut 5lu§brulf ber ©eligfeit be§ (gnbtic&en al§> ben r)ö<$ften <35ipfel feiner $oltfommenbeit; nrie mir aber unfer fromme^ Sßemufjtfein irtrfltctj ftnben, ift e§ nicf)t ein foldje§, fonbern e§ unterliegt einem SSectjfel, inbem einige fromme Erregungen ftd) merjr ber greube nähern anbere meljr bem @d)mers. tiefer (55egenfaj alfo besteht ftdj auf ntdjtS anbereg, al§ mie ftcr) beibe (Stufen be§ <5elbftberoufjtfein§ ju einanber behalten in ber (£inljeit be§ Momentes. ®eine§mege§ alfo als ob ba§ fdjon in bem ftnnlidjen ®efülji gefegte angenehme unb unangenehme nun aud) bem fc^ledgtrjtnigen 5lbf)ängig!eit§gefü^l benfelbenCHjaraftet mittfjeile. SSielmeljr seigt fi<$ oft mit einanber oerbunben in einem unb bemjelben Moment, jum beutlidjen Beiden ba$ nictjt beibe ©rufen in einanber oerfcfjmoläen ober burdj ein- anber neutralifirt unb gu einem brüten gemorben finb, ein (Sctjmerä be§ niebrigenunb eine greubigfeit be§ p^em (Selbft* bemufjtfeinS, roie 5.^8. überall, roo mit einem 2eiben§gefür)l oerbunben ift ba$ Vertrauen auf ®ott. (Sonbern biefer ©egen* faj Saftet bem Ijöljern (Selbfibemufjtfetn an oermöge feiner 5lrt settltd) §u toerben unb §ur @rf Meinung su fommen, inbem e§ nämli<$ in Söeaug auf btö anbere ein Moment mirb. ÜRämlxdj nrie ba$ &eroortreten überhaupt biefe§ Ijöljeren (SelbftbemufjtfeinS 2eben§err)ör)ung ift: fo ift ba§ iebeSmalige leiste föerOortreten beffelben um auf ein beftimmteS finnlid)e§, biefe§ fei nun angenehm ober unangenehm, belogen au werben, ein leichter Verlauf iene§ Pieren £eben§, unb trägt, roenn e§ burd) ($5egeneinanberrjaltung ju SBaljrnefjmung fommt, ba& (Gepräge ber greube. Unb hrie baä $er[d)ttrinben be§ Pieren $Bemufttfeüt§, menn e§ marjrgenommen roerben tonnte, Seben§« oerringerungmäre: fo iftba§ f^mierige £>eroortreten beffelben Slnnärjerung an ba§ 5lu§bleiben, unb fann nur al§ &emmuna beg Ijöljern £eben§ gefüllt merben. — SBenn nun biefer Sßec&fel unläugbar ben (55efül)l§QerjaIt eine§ ieben frommen ßebeng bilbet, meSfjalb e§ gang überflüffig festen, biefe gormeln erft burd) Söeifm'ele anfdjaulicl m madjen : fo fann sunädfö notf) gefragt merben, nrie fid) Meier gemöfjnltc&e Verlauf oet* Ijalte ju bem, ma§ oortjer freüidj nur problematifdj al£ bic pd)fte (Steigerung beffelben bargefteüt mürbe. 2)enfen mir un§ nun fortmätjrenb ben einzelnen frommen Erregungen bit entgegengefeaten (£r)araftere ftarf aufgebrüfft, fo ba$ ^eibe abmed^felnb b\% zux SBegeifterung fteigen: fo giebt bie§ tem
26 2)er c^riftlicfje GHaube. (Srfter Xfjeil.
frommen Seben eine Unftätigfeit, meiere mir nidjt für ba% iQüd)fte achten tonnen. 2)enfen mir itn§ aber bie ©ctjroiertgs feiten attmäljtig öerfdjrainben, mithin bte Seic&tigfeit frommer Erregungen al§ beharrlichen Buftanb, unb äugleicrj ba$ all* ntät)lig bie pfjere ©tufe be§ ©efür)I§ ein Uebergenric&t über bie niebere erlangt, fo bafj im unmittelbaren (Selbftberoufctfein biefeS, bafe bie ftnnlic^e Söefttmmtljeit Sßerantaffung hrirb jur äeitlidjen Erfcrjeütung be§ fd)lect)tt)intgen 2lbt)cmgigfeit§gefüt)l3, ftärfer Ijerbortritt al§ ber ©egenfas innerhalb be§ ftnnlidjen felbft, unb batjer biefer meljr in bie blofce Sßatjmebmuna übergebt: fo ift biefeS faft roieber Sßerfc&rainben iene§ ®egen* fase§ au§ ber Pieren £eben§ftufe otmfttettig äugleid) ber ftärffte (55efür)l§Qer)aIt berfelben.
5. 5lu§ bem Obigen folgt nun äugletcfc, ba% unb in meinem ©inne eine ununterbrochene golge frommer Erregungen al§ gorberung aufgefteltt roerben fann, nrie ia aud) bie (Sdjrift fte roirflid) auffteUt, unb jebe§ Seibtragen eine§ frommen <$emütlje3 über einen bon ®otte§berouf3tfetn ganj leeren klugen* bliff fte beftätigt, inbem ia Sftiemanb Seib barüber trägt, ba% ba$ für unmöglich erfannte nidjt ift. greüxet) berfteljt ftc& babet bon felbft, bafj btö fcf)Ied)tt)tmge 2lbf)ängigfeit§gefübt in feiner SBerbinbung mit einem ftnntic& beftimmten ©elbftbemufet* fein, alfo al§ Erregung, ftd) auet) ber ©tärle nact) bifferentitren mui ^a e§ mirb natürlich Momente geben, in tneldjen man ftd) beffelben nidjt unmittelbar auf beftimmte äöeife bemüht ttrirb, aber bonbenen fiel) bo$ mittelbar nac^meifen läfet, ba% e§ nietjt fei erftorben gemefen, roenn nämlidj auf einen folgen ein anberer folgt, in roelcbem baffelbe ftarf Ijerbortritt, obne bafj er al§ bon berfc^iebener 3lrt mie ber borige, alg eine beftimmte 3lbtrennung bon bemfelben, fonbern nur als ruhige Slnrmipfung unb gortfeäung eine§ im mefentlidjen no<$ fidj gleiten BuftanbeS envpfunben nrirb, mel<$e3 Ifid) ganj anber§ behält, menn ein folcfjer borangegangen ift, auÄ toeldjem iene§ ®efül)l beftimmt au§gef#loffen mar. Unb fo finb freiließ audj bie berfdjiebenen ©eftaltungen beS ftnnlic&en «SelbflbemufetfeinS in ben mannigfaltigften 9Jcifcf)ungen bon greibeit§gefüfjl unb SlbljängigfeitSgefüljl barin ungleid), mie fte ba$ Einzutreten be§ Ijöljeren <Selbft* beraufjtfetnS metjr ober roeniger Ijerborloften ober begün* ftigen; unb bei folcr)en bie e§ meniger tfjun, ift bann au<$ ein fd)mäct)ere§ £>erbortreten be§ böseren nidjt al§ Hemmung be§ Ijötjeren ßeben§ au emüfmben. 2lber unberträglidj ift feine 33eftimmtt)ett be§ unmittelbaren ftnnlidjen (SelbftberoufjtfetnÄ
(SrfteS ßajntei. $ur (grttärrotg bcr ®ogmattt. 27
mit bem böljeren, fo ba% bon fetner (Seite eine Sftotbmenbig* feit eintritt, bafj eine§ bon beiben irgenbmann muffe unter* brocken merben, aufgenommen menn beibe fidj hinter ber über* $anbne§menben]$ermorrerifj)eü be§ SenmMein§ prüf f sieben. Bufas. SSenn nun ba$ unmittelbare innere 5üt§ft>red)en be§ fdjled)tfjinigen $6:(jcmgigfett§QefiiIjl§ ba§ (SotteSbehmfjtfeui ift, unb iene§ (Uefürjl iebe§mal menn e§ gu einer gegriffen Slar^ett gelangt bon einem folgen SfoSforedjen begleitet mirb, bann aber e§ immer mit einem ftnnlidjen ©elbftbemu^t[ein nerbunben unb auf baffelbe belogen ift: fo mirb audj ba$ auf biefem Sßege entftanbene ©otte§bemu^tfein in allen feinen bejonberen ®eftaltungen foldje SBeftimmungen an ftdj tragen, reelle bem (bebtet be§ ©egenfase§ angehören in meinem bag ftnnlidje ©elbftbenmfjtfein ftdj betoegt; unb Me§ ift bie Duelle atte§ menfct)enäljnlicl)en, roeld)e§ in ben 5Iu§fagen über <gott auf Metern Gebiet unbermeiblicf) ift, unb raeld>e§ einen fo großen 2lngelbunft bilbet in bem immer ttrieb erfeljrenben (Streit smitäjen benen raelc&e jene ®runbborau§feäung aner= rennen, unb benen, roeldje fte läugnen. SDenn bieienigen, toeldje ftdj anbermärt§ t)er eine§ ursprünglichen Begriffs bom §öd)ften sJSefen erfreuen, bon ber grömmigfeit aber feine (£r* faljrung Reiben, motten nidjt auffommen laffen, ba% ba$ 2Iu§* ft>red)en jene§ ®efübl§ baffelbige al§ barin mirffame fe§e, roa§ iljr urfprünglidjer Segriff au§fagt: unb beljauötenb, ber ®ott be§ <^efürjl§ fei nur eine gietton, ein ^bol, fönnen fie biel* leicht gar §u oerfteben geben, eine folcr)e SDidjtung fei nodj faltbarer unter ber ®eftalt ber Vielgötterei. Unb biejenigen, toeld>e roeber einen Segriff üon ©ott nodj ein tlm rebräfen* tirenbe§ ©efütjl jugefteben motten, Rängen ftet) baran, roie bie au§ folgen Auflagen morin ©ott menfd)lidj erlernt, p* fammengefe§te Sorftettung ftcr) felbft aufgebt. Sßäbrenb be§ ftnb bie grommen ftdj beraufjt, baf$ fie nur im ©brechen ba§ menidienätjnlidje nid)t oermeiben tonnen, in iljrem unmittel* baren Senmfjtfein aber ben ©egenftanb bon ber £)arftettung§* lueife gefonbert feftbalten, unb bemühen ftcrj ttjren Gegnern au seigen, bafj of)ne bkW Sottftänbigfeit be§ ®efüljl§ audj für bie pdjfte (Stcirfe be3 gegenftänblidjen Senm^tfein§ unb be§ au§ftd)ljerau§geljenben £anbeln§ feine @id)erljeit bor* Rauben fei, unb bafj fte folgered)termeife ftet) gang auf bit niebere 2eben§ftufe bekrönten müßten.
§. 6. 2)a3 fromme ©elbftbetoufetfem nrirb tote jebe<3 toefentlidie ©lement ber menfd)Ud)ett 9?atur in feiner <$nU
28 $er c^riftlictje glaube. «Jrfter Sficil.
irulflung Ttotr)rt>ettbtg aud) ©emeinfcbaft, unt> ^mar einer*» fett» ungletdmtäfcige fltefjenbe attbrcrfcitS beftimmt be* grenjte b. b- $ird)e.
1. SBenn baZ fd)lecbtbiutge 5lbbängigfeit§gefübl, tüte e§ jtdj al§ (SJottcSbemufjtfein au§farid)t, bie böcbfte «Stufe be§ un^ mittelbaren <Selbftbetrmfjtfein§ tft: fo tft e§ aucb ein ber menfcbticben 9catur toefentitcbe§ ©lernen:. £>iegegen tanrt nid^t argumentirt merben barau§, ba$ e§ für jebett einzelnen Slcenfcben eine Bett giebt, morimt baffelbe nocb nid)t tft. $)enn bie§ tft aucb bit Seit ber tfnbollftänbigt'eit be§ 2ebcn§, ttrie ftcb tbeilS au§ ber noct) niebt übertüimbenen tbieräbn* liefert SSennorrenbeit be§ SöenmfjtfeinS tbeil§ au§> ber gtetcb* jeittg aucb erft aHtnäblig bor ftcb gefjenben (ästtmifftung an* berer £eben§functtonen ju erfennen giebt. $ludj niebt barau§, bafj e§ nocb immer ©efellfcbaften bon Sftcenfdjen giebt, in tr> e leb en btefe§ (Sefübl nocb nierjt ermadjt ift, beim biefe fteffere nur eben fo im großen ben imentibtffelten3uftanb ber menfeb* lieben 9catur bar, ber ftcb ift aud) in anbern £ebeit§functionen bei tfmen entbefft. ©ben fo menig folgt bit 3ufätttgfeit biefe§ ®efui)l§ barauS,, bafc ©interne aucb in bit sMittt eineB ent- mitreiten rcltgiöfen 2eben§ gefteüt an btefem feinen £()äl nebtuen; beim fte merben bod) beseligen muffen, bis. ©arije felbft fei tbuen niebt fo fremb, bafj fie ittctjt in einselnen %Ro* menten oon einem foldjen ©efüfil ergriffen mären, mögen fte es? bann aud> mit irgenb einem fte felbft ntcrjt eljrenbeii tarnen beseiebnen. ©onbern nur mentt jemanb ltacbmetfcn fümtte, entmeber ba% biefe§ (Sefübl ntctjt einen böberen SBertb fyahe al3 ba$ ftnnltcbe, ober bah e§ aufjer itjm nocb ein anbereä bon gleichem Söertt) gebe, formte man befugt fein e§ nur für eine zufällige $orm ^u batten, bk ftcb ätoar bielleicbt ju allen .Seiten bei (Innigen ftnben merbe, aber boeb niebt jur SSoff= ftänbtgt'ett ber menfebtteben Sftntur in Tillen ju reebnen fei.
2. ^afc ]tbz% mefcutlicbe (Clement ber menfcblicben Statur oueb ©aftS einer ®emeinfebaft tnerbe, läfjt ftcb nur im 3u- fammenbang einer miffenfrbaftlicben ©ittenlebre boEfommen entmiffeln. £>ter tonnen mir nur eine§tf)eü§ auf bie loefeiits Itcben Momente biefe§ £>ergange§ binmetfen, anberntbetl§ jeb-em äuntutfjcn ifm at§ eine £batiacbe ansuerfennen. ®e= forbert nun mirb biefc§ bureb oa§ jebem SDcenfcben ettimob- nenbc ®attung§bemuf$tfein, melcbe§ feine ^öefriebigung nur ftnbet in bem heraustreten au§ ben «Scbranfen ber eigenen ^crfönltcbfeit unb in bem ?(ufnebmen ber 5Tt)atfacben anberer
Gv"teä Äapttel. 3"* Srflärung 5er £>ogmatif. 29
Ißerföntic&feiten in bie eigene. (Seleiftet tüixb e§ baburd), bafc atteg innere audj auf irgenb einem Sßunft ber (Starte ober Steife ein 2leußere§ wirb, nnb als fol$e§ 2lnbem matjrnetjms bar. (So ba§ ®efü§t als ein in ft<$ abgesoffene^ Söeftimmt* fein be§ (Sfemütljg roül bodj, fo roie e§ auf ber anbern (Seite in (SJebanfen ober £tjat übergebt, roobon aber Ijier nidjt bic Sftebe ift, fo aucf) al§ (Sefüljl unb lebigtidj bermöge be§ ©attung§bemufjt)ein§ ntdjt auSfc^Iiefeltc^ für fidj fein, fonbern toirb urfprünglicl) unb audj otjne beftimntte Slbfic^t unb 9Se* sieljung ein 3leu|ere§ burd) (35eft<$t§au3bruff ®ebeljrbe £on, unb mittelbar burdj ba3 2ö.ort, unb fo Slnbera eine Dffen* barung be§ inneren. SDiefe bloße Sleußerung be§ ©efüljlg, meiere ganj an ber innertic&en SSeroegtljeit haftet, unb fidj fetjr beftimmt untertreiben läßt oon iebem anberroeitigen me&r fidj loSreißenben £ljun, raorin e§ ebenfalls übergebt, erregt ätoar in Sinbern sunädjft nur bte SßorfteEung oon bem ®e* mütfjSäuftanbe be§ 3leußernben; allein biefe geljt oermöge be£ <$attung§benmßtfein§ über in lebenbige üftadjbiibung, unb ie* meljr ber Sßaljrnelmtenbe tfjeilS im allgemeinen tljeilS megen größerer Sebenbigfeit ber 5leußerung unb roegen näherer $er* toanbtfdjaft fällig ift in benfelben 3uftanb übersugeijn, um befto letzter roirb biefer mittelft ber Sftadjbilbung Ijeroor* gebraut. 2)iefer ganzen Seitung muß fidj Seber öon beiben (Seiten 5 er als 2leußernber unb at§ SSemeljmenber au§ (£r* faljrung bemußt [ein, unb alfo gugeben baß er fidj unter 3u* ftimmung fetne§ ®emtffen§ in einer mannigfaltigen Gemein* fdjaft be§ ®efüfjl§ al§ einem naturgemäßen 3'uftanbe immer befinbet, mithin audj ba% er folebe ©emeinf^aft mit mürbe geftiftet Ijaben, roenn fie nod) ntdjt ba geroefen märe.— 2Sa3 aber ba$ f^lectjtrjtnige 3lbf)ängigfeit§gefüfjl tnfonberljeit betrifft, fo roirb ^eber roiffen, baß e§ auf bemfelben Söege burd) bit mittfjeitenbe unb erregenbe ®raft ber Sleußerung juerft in tljm ift gemefft roorben.
3. Sßenn behauptet roirb, biefe ®emeinfdjaft fei' gunädtft eine ungleichmäßige unb ftießenbe: fo folgt bitä au3 btm eben gefagten. S)enn roie bte ©inselnen überhaupt einanber un* gleichmäßig äljnlid) ftnb, forool roa§ bie (Starte i§rer frommen Erregungen betrifft, al§ audj in Söestetjung auf bie Sfteflion be§ finnlidjen (SelbftberoußtfetnS, mit roeldjer ftd6 am letdj* teften baZ ®otte0bemußtfein eine§ ^eben einigt: fo ^aben aud^ eine§ S^en fromme Erregungen me^r Sßermanbtfc^aft mit benen ber ©inen al§ mit benen ber 5lnbem, unb bit ©emein* Ic^aft be§ frommen (SefüfjlS ger)t i^m alfo leichter öon ftatten
30 ©er <$riftli*e ©Iaube. ©rfter Sfieil.
mit fetten at§ mit liefen, Sft nun ber Urtterfc^teb groß, fa finbet er ftd) angesogen bon ben (guten nnb abgeflogen bon ben Slnbem: festeres jebod) nicfjt urfbrünglidj ober abfahrt, fo ba% er burdjauS feine (Semehtidjaft be§ Ö5efüt)I§ mit ibnen eingeben fönnte, fonbern nur fofern er ftär!er angesogen mirb ju anbern, alfo fo, bafj er and) mit ibnen mirb ®emeinfdjaft baben fönnen in Ermangelung $ener ober unter befonber§ annäbernben llmftänben. 3)enn e§ !ann nidjt leidet einen 9[tfenfd)en geben, in meldjem ein Ruberer gar feinen frommen ®emütb§äuftanb al§ in einem gegriffen ®rabe ben feinigen gleich anerfennen, nnb melden Einer burd) fiel) ober ftd) burd> ilm für ganj unerregbar erfennen fottte. Mental aber je ftätiger bie (Sememfdjaft fein, b. b. je näber ftdj bie pleid)* erregten Momente an einanber reiben nnb je leidrter bie Er* regung ftd) fortpflanzen fall, um befto Söeniger roerben baran St^etl nehmen fönnen. S3eibe äufeerften fünfte, ben ber innige ften ®emeinfc£)aft unb ben ber fdjraäcbften, fönnen mir un§ beliebig roeit au§einanber geljenb benfen, fo ba% ber melier bie roenigften unb fdjroädjften frommen Erregungen erfährt, in ber genaueften ©emeinfdjaft nur fielen fann mit benen, bie eben fo roenig erregbar ftnb, \>it 5leufjerungen berer aber ni$t im ©tanbe ift nadjsubilben, melden fromme Erregungen in einer foldjen 5lrt bon Momenten entfteben, mober fte ibm felbft niemals fommen. 21ebnlic§e§ Sßerbältnifj frnbet'' ^tatt ämifdjen bem, beffen grömmigfett reiner ift, inbem er nämlidj ben frommen (S5efjalt be§ (3elbftberoufjtfein§ bon bem ftnn* lidjen, auf ben er belogen mirb, in jebem Moment beftimmt unterfdjeibet, unb bem beffen grömmigfeit unreiner, b. b. mit bem ftnnlidjen nodj meljr bermorren ift. £)en 2lbftanb aber änrifdjen biefen Enbpunften benfen mir nun audj burd) beliebig biete 3roifd)enftufen für jeben auggefüllt, unb biefeS eben ift ba$ fliefjenbe ber (SJemeinfcbaft.
4. @o erfdjeint un§ ber 2lu§taufdj be§ frommen ©elbft* bemufjtfeinS, menn toir an baä SBetfjältmfj berein^elter 99ta« fetyen ju einanber benfen. ©eben mir aber auf ben mirHidjen 3uftanb ber 9ftenfdjen, fo ergeben ftdj bodj an<$ feftftebenbe Serbältniffe in biefer ftiefeenben unb eben be§balb ftreng ge* nommen unbegrenzten ($5emeinfd)aft. 3nerft nämlidj, fobalb bie menfc&lidje Entmifflung big ju einem audj nur einiger* mafcen geregelten £au§ftanb gebieben ift, mirb audj jebe gamüie in ibrem Innern eine foldie ®emeinfd)aft be§ frommen ©elbftbemufjtfeinä auf richten, bie aber eine nadj aufeen bin beftimmt begrenzte ift, inbem bie gamilienglieber tfjeilS burd)
GtfteS Stopttel. 3ui Gifiämng bei fcogmattt. 31
eine bestimmte 3ufammengel)örtgfeit un^ $ermanbtid5aft auf eine eigentümlich e SSeife öerbunben finb, tfceüS aud) bur# bie ®leidjljeit ber Sßeranlaffungen, an meldje fiä) bic religiösen Erregungen fnüpfen, fo bafe grembe nur einen anfälligen unb ' oorübergefcenben, aifo auö) einen feljr ungleichen SDjetl baran Ijaben fönnen. — 9ton aber finben nur aud) bk gamilien ntdjt öereinselt, fonbern Sttaffenmeife aud) in beftimmt be* grenzten Sßerbinbungen fteljenb bur<$ gememfame (Sprache unb (Sitten, nnffenb ober aljnbenb eine nähere gemeinfame £erhmft. Unb fo fdjliefjt ft<$ benn and) bie religiöfe Gemein* fc^aft ab unter xljnen tl)eil3 unter ber gorm ber oorfjerrfdjenben ^51eict)r)eit ber einzelnen gamilien felbft, t§eil§ fo ba£ eine oorsüglidj für fromme Erregungen gemettte al§ bie über* miegenb felbfttfjätige oorljerrfdit, unb bk übrigen ü)r al§ gletdjfam faft Unmünbige nur iljre (gmpfänglictjfeit barbieten, mie bkä im @>ehkt eine§ ieben erblichen $riefiertl)ume§ ber gatt ift $ebe [oldje relatio abgefdjloffene fromme Gemein* jdjaft, meiere einen innerhalb beftimmter ®rensen ftet) immer erneuernben Umlauf be£ frommen (SelbftbemuMeinS unb eine innerhalb berfelben georbnete unb geglieberte gortpffanjung ber frommen Erregungen btlbet, fo bafj irgenbnrie §u be* ftimmter 3lner!ennung gebraut werben fann, roeldjer Einzelne ba§u gehört unb melier ni$t, be§eidjnen mir buret) ben StuSbrufl ßir*c
S ufa§. £>ier mirb ber befte Ort fein, un§ über bk Wct, mie ber 2lu§bruft Religion in oerfd)iebenem (Sinne gebraucht äu merben pflegt, au§ unferm ©tanbpunft ju berftänbigen, miemol mir felbft un§ beffelben big auf einen flüchtigen nur ber Slbmedjfelung bienenben (Sebraudj möglidrft enthalten. 3unäd)ft alfo mennmanOon einer beftimmten fReligion rebet, gefdu'eljt bie§ immer in SBesieljung auf eine beftimmte ^iretje, unb man berfteljt barunter im allgemeinen ba§ <&an%t ber einer folgen (Stemeinfdjaft §um ©runbe liegenben unb in tijren ÜDcitgtiebem anerfanntermaften ibentifdjen frommen @emüt^§suftänbe feinem befonberen ^nljalte nadj, mie et oermittelft ber Söeftnnung über bk frommen Erregungen unb ber Reflexion barauf bargelegt roerben fann; momit nun au* fammenpngt, bafj bk einen oerfdu'ebenen ®rab julaffenbe Erregbarfeit be§ Einzelnen bur<$ jene ®emeinfc&aft unb au<$ feine SSMrfiamfeit auf bk ($5emein[d)aft, alfo ber 5ln$eil ben er an bem Umlauf unb ber gortpflanaung ber frommen Er« regungen Ijat, burdj ben 2lu§bruÜ Religio fität besetdjnet wirb. SSitt man nun aber eben fo hrie man dmftltdje unb
32 $)er cfirtftttdje ®Iau6e. (Srfter X$etl.
nutfjamebanffdje Religion lagt au$ natürliche Religion fagen: fo b erlöst man jene Regel nrieber, unb oerrotrrt ben (Spradjgebraud), tuet! e§ feine natürliche SHrdje gtebt, nnb alfo aud) feinen bestimmten Umfang, in bem man bk Elemente ber natürlichen Religion auffudjjen fönnte. SÖebient man fidj be§ 2Iu§bmff§ Religion f<$ledjtfjin: fo fann er nidjt roteber ein foId)e§ ®anae§ bebenten; fonbera e§ fannbamnter nt$t fügltdj tttütö anbere§ berftanben roerben als bte Richtung be§ menfct)Iidt)en ®emütlje§ übertäubt auf bk iperborbringung frommer Erregungen, iebod) immer fdjon mit ifjrem 5leufj erlief m erben unb alfo bem Slnftr eben ber ($5ememfdjaft aufammen* gebadjt, ba$ Reifet bk 9ft öglidtf eit einzelner Religionen, aber oljne babd ben ltnterfdjieb awifdjen fltefjenber unb begrenzter (SJemeinfdjaft §u beachten; iene Stiftung allein, alfo bte fromme Erregbarfett ber einzelnen «Seele überhaupt, märe bann bte Religiofttät fc£)Ied)tr)in. (Selten aber werben biefe 5lu§brüffe im ®ebraud) geprig gefdn'eben. — (Sofern nun bk S8efctjaffertr)eit ber frommen ® emüt5§auf täube be§ Eütaelnen ntc^t gana in bem aufgebt, ma§ al§ gleidjimäfjig tu ber ®e* nteinfdjaft anerfannt roorben ift, pflegt man iene§ rein perfönltdje feinem Sftttjalt na$ betrachtet bie fubjectibe Religion ju nennen, ba$ gemeinfame aber bie objectibe. 2)od) i ift aucf) biefer (Sprac&gebraud) pdjft unbequem, fobalb roie je&t unter un§ ber Sali ift, eine grofee ®irdje in mehrere fleinerc ®trä)engemeinf haften verfällt oljne boctj irjre Einheit gänalict) aufaugeben. $)enn ba& eigentümlich) e ber fleineren märe bann aud) fubjecttbe Religion in $ergleidj mit bem in ber großen ®irc&e al§ gemeinfam anerfannten, roäjjrenb fie bodj objectib märe im Sßergletd) mit bem ergenttjümlidjen in ibren einzelnen ©liebern. Enblid) nrie atterbing§ in ben frommen Erregungen felbft roenngleidj genau aufammengeljörig bodj unterfd)ieben werben fann bie innere Söefttmmtfjeit be§ ©elbft* bemufjtfeütS unb bk SleufjemngSmeife beffelben: fo pflegt man bie ©lieberung ber mittljeilenben Steuerungen ber grömmigfeit in einer ©emeinfdjaft bie äußere Religion äu nennen, ben ©efammtinljalt aber ber frommen Erregungen, mie fte in ben Einaelnen rütrfüd) borfommen, nennt man bann bie innere Religion. — SBenn nun biefe Söeftimmungen leicht bk beften fein mögen, um bie berfd)iebenen fefjr mitt- fiibrlicfcen ®ebrau<$§roeifen barunter au befaffen: fo barf man nur bie SluSbrüffe mit ben Erflärungen Dergleichen, um ftcfo au überaeugen, mie feljr biet atte§ fdjroanft. 2)aber eS tool beffer ift, im miffenfd&aftltc&en ©ebraudj fidj biefer
Grfteg $<tyltel. 3ur ©rflärung ber Dogmatil. 33
ISeäetcbnungen Heber gu enthalten, sumal ber SluSbruf! im ©e* biete be§ (£briftentbum§ in unferer ©pra^e fe^r neu ift II. SSon ben Sßerfcbtebenbeiten ber frommen ©emeinfcbaften überbaupt; Sebnfäse au§ ber 9teligion§pbilo)opbie. §. 7. ©ie nerfcbtebenen in ber @efd)i<$te tytoot* tretenben beftimmt begrenzten frommen ©emeinf<$aften Derbalten ficb §u einanber t^eitS als t»erfd;iebene (fitt* ttrifflungsftufen, i^eilS als r»er?d)tebene Sitten.
1. ®ie fromme (Semetnfdjaft, meiere ficb al§ £>au§gotte§* bienft innerhalb einer einzelnen gamtlie bilbet, fann man, iueit fie ftd& im Snnern berbirgt, niebt füglidj als ein ge* fc£)td^tlicc)e§ £>erbortreten anfeben. Snbefc ift ber Uebergang öon biet $u einer eigentlicb gefebiebttieben (Srfcbeinung aueb oft fetjr aßmäblig. 3) er Slnfang baju liegt febon in bem großen @ttl be§ patriarebattjeben ©auStoefenS unb ber fort« bauernben Sßerbinbung sttnfdjen neben einanber lebenben gamtlien bon (Söhnen unb (Snfeln; morau§ allein ftdj febon bie beiben borber (§. 5, 4) ermähnten ©runbformen ent* huffeln !önnen. (Scbon in biefen Uebergängen, toenn man mebrere bergletdjen neben einanber ftettt, fönnen betberiet Differenzen menigftenS im ®eim enthalten fein. — 3Sa§ nun äuerft bie b ergebenen (£ntnrifflung§fiufen betrifft: fo ift febon ba$ geicbtcbtlidje ©ertoortreten felbft eine bösere, unb ftebt über bem bloßen ijolirten £au§gotte'§bienft, roie ber bürgerliche Buftanb aueb in feinen unOoEfommenften formen über ber geftaltlofen gufammengebörigfeit be§ bor= bürgertieben £uftanbe§ ftebt. £)ocb betrifft Ut\e SSerfcbiebenbeit teineSroegeS nur bie ©eftaltung ober gar ben Umfang ber ©emetnjdjaft felbft, fonbern bie Söefcbaffenbeit ber ir)r sum ©runbe liegenben frommen (SemütbSsuftänbe felbft, je nacb- bem fte ficb im bemühten ©egenfas mit ben 23etuegungen be§ ftnnlicben ©elbftbetuufetieinS sur SHarbeit ber aufarbeiten. SSenn nutt biefe (£ntnüfflung aueb sunt £beil bon ber ®e* fammtentmifflung ber geiftigen Gräfte abbängig ift, fo bafj manebe ©emeinjebaft febon bloß be§ljalb niebt länger in ibrem eigentbümtieben SBefen fortbefteben fann, hrie sum Söeitpiel manebe formen be§ ©ögenbienfteS , menn fte aueb einen boben ©rab bon meebanifebem (55efct)iff in Slnftmtä) nebmen tonnen, bodj eine aueb nur mittelmäßige nüffenfebafttiebe unb fünfüerifcbe 5lu§bilbung niebt ertragen, fonbern barin unter-
€*l..<Rrtpt.®l.l. ^
34 3>er $tiftli$e ©taube. grfter XfjetL
ße^en muffen: fo gebt fte bodj sunt Sbeil aud) hrieber tfjreit eignen ©ang, unb e§ fd)Uefjt feinen Sßtberfprudj in fid), ba& ftd) in einer ©efammtfjett bie grömmtgfett big pr ^ödjftea SSotfenbung enttoiffle , mäbreub anbere geiftige SebenS* functionen nodj meit aurüffbleiben. — Gittern alle $erfd)ieben» Reiten ftnb nidjt at§ foldje ©rufen gn begreifen. $)enn e$ giebt ©eftaltungen gememfamer grömmigfeit, meldje, mir man bie§ mol bon bem ljellenifd)en unb bem tnbifdjen $olö* t&eiSmuS fagen tarnt, in ber dntmifflunggrei^e betrautet, bk eine eben fo Diel unter ftdj unb über ftdj au fcaben fdjeinen als hk anbere, bennod) aber fejjr befiimmt bon ein« anber berfd)ieben finb. SBenn nun folc&e mehrere berfelbeit ©rufe angebörig bot&anben finb, fo mirb e§ immer bcß natürliche fein, fte als Gattungen ober Slrten ju beaeidjneit. Unb ojfmfrrettig läfet ftdj felbft auf ber niebrigften ©rufe nadimeifen, bafe bie meiften räumttdj bon einanber geriebenen frommen (Stemeinfdjaften sugleicb burdj innere ^Differenzen getrennt finb.
2. §lUerbing§ aber ftnb beibe Unterfdjeibungen bie in (ShttmifflungSftufen unb bit in Gattungen ober 2lrten biet fomol al§ überhaupt auf bem gefdu'djtlidjen G5tbiti, ober bem ber fogenannten moraüfdjen $erfonen, nid)t fo beftimmt feftaubaiten unb fo ftdjer burdääufüljren al§ auf bem 9?atur* gebiet. SDenn mir Ijaben e§ bier nidjt mit unberänberlidjen ©eftalten ju t&un, bie ftdj immer auf biefetbe SSeife reprobuctren; fonbem audj jebe inbioibuette ©emeinfdjaft ift einer größeren ober geringeren ©ntmüllung tnnerbalb tljre& (*5attung§djararter3 fäbig. SDenft man fid) nun, hak auf biefem SBege, fo mie ber Gsinselne ia fann bon einer unbott* fommnern SfteligionSgemeütfcbaft ju einer böseren übergeljeiv fo aud) eine eintüte ®emeinfdjaft unbefdjabet tljre§ ©attungS« d)arafter§ ftdj tonnte über ibre urfprünglidje ©rufe j&inauS entmiffetn, unb ba% biefeS gleichmäßig bei allen gefdjetjen tonne: fo mürbe natürtidj ber begriff ber ©rufen ganj aurütftreten, benn ber legte Moment auf ber niebrigeren unb ber erfte auf ber böberen tonnten einen ftetigen gufammen* bang bilben, unb man mürbe bann richtiger fagen, ba% jebc Gattung ftcr) burdj eine ^eüje bon ©ntmittlungen au§ Sern unöotlfommnen jum OoHfommnern Jjinaufbübe. ©e$t man im ©egentbetl, ba%, fo mie mir audj bon bem ©ingelnen in gemiffem ©inne jagen, er merbe burcb ben Uebergang in eine böbere SMigionSform ein neuer äJcenfcfc, fo au<$ ber: <5>attung3d)arafter einer @emetnfdjaft berloren fielen müffie*
(£rfte§ Äatftel. Sur (grttatwtfl ber Stogmattt. 85
teenn fie ftcfc auf eine böbere ©rufe ergeben tooffte: fo mürbe bann aucf) auf berfelben (Stufe, roenn bie innere (Sntrotfflung babei fortbefteben foE, ber (55attung§cbarafter fdjtoanfenb fcerben unb alfo überhaupt nidjt feft ftebn; befto ftärfer unb beftimmter aber mürben bie ©rufen ftdj unter* treiben. — £)iefe§ ©djroanfen aber tbut ber ^Realität btefer groiefadjen Untertreibung bennodj feinen ©intrag, benn iebe gefdjidjtlidj berbortretenbe fromme ©emeinfcbaft roirb bodj immer ju ben übrigen in biefem groiefadjen SBerbältntfc fteben, ba£ fte einigen beigeorbnet tft, anbern aber über ober unter* georbnet, bon ber (Einen alfo auf bie eine, oon ber Slnbern aber auf bie anbere SSeife unterfcbieben. Unb roenn bieienigen, roel<$e ftct) am meiften mit ®e[d)idjte unb SMttf ber Religionen befd)äftiget baben, meniger barauf $8eba$t genommen baben, bie berfdjiebenen gönnen in biefen Sabinen su fbannen: fo fann bie$ tr)eil§ baber !ommen, bafc fte faft au^fcbliefjlid} bei bem tnbibibueHen ftebn geblieben ftnb, tt) eü§ aud) baber, ba% e§ in einzelnen gätCen fdjroierig fein fann, biefe 35er* bältniffe au§§umitteln unb betgeorbneteS unb untergeorbnete§ gebörig §u fctjeibert unb au§einanber gu balten. Un§ fann e§ bier genügen, ben sroiefacben Unterfdjiieb überhaupt nur feftgeftettt su baben, ba e§ un§ lebiglidj barauf anfommt m unterfucben, roie ftcr> ba$ GTbriftentbum in beiber £inficbt %u anberen frommen <3 emeinf haften unb ®Iauben§roeifen fc erb alt.
3. SBenn unier ©aj jmar nidjt behauptet, aber bocb bie 9Jtöglid)feit ftittfdjroeigenb oorauSfest, e§ gebe anbere ®e* ftalritngen ber grömmigfeit, roetcbe ftdj §u bem ©briftentbum behielten, roie anbere aber auf gletctjer dntroifftung§ftufe mit ibm ftebenbe, alfo in fofern ibm gleite formen: fo ift bie§ bodj nicbt im SSiberfprudj mit ber bei jebem Stiften t»orau§* ^ufesenben Ueberseugung Oon ber auSfcbliefjenben S5ortreffltct>= feit be§(£briftentbum§. 2)enn aucb auf bem ($5ebiet ber Deatur unterfdjeiben mir öottfornmene unb unOoHfommene £biere al§ gleid)fam öerfdjiebene (£ntroifflung§ftufen be§ tbtertfdjen £eben§, unb auf jeber Oon biefen roieber oerfdiiebene Gattungen, bie alfo at§ 5lu§bruff berfelben ©tttfe einanber öleict) ftnb ; bie§ aber binbert nicbt, bafj nid)t bennod) auf einer nieberen ©rufe bie eine ftct) mebr ber böberen näbert unb in fofern ooE* •fommner ift a\§> bie anbern. (Sbeu fo nun fann auc(j ba& (£briftentbum, roenn gletdj) mebrere Gattungen ber grömmig* fett btefelbe ©tufe mit ibm einnebmen, bodj OoHfommner fein al3 irgenb eine öon ibnen. — sJ?ur baä oerträgt ftcbnid^t mit
86 ©er Wtac&e ©Iau6e. Erfter S#ell.
unfetm Saj, roa§ fteili<$ häufig getjött hrirb, bafj bie dferift« Iid)e grömmtgfett ftdj menigftenS su ben meiften anbeten ®e* ftaltungen öer'öatten foH, mie bie tnaljte §u ben falfdjen. $>enn roenn bte auf betfelben Stufe mit bem (El)tiftentJjum ftetjenben Religionen burdjauS falfctj toären, hrie könnten fte [ouiet glet<$e§ mit bem (£Jjriftentljum f)aben al§ iene (Stellung er* fotbett? Unb raenn bie Religionen, welche bie unteten Stufen einnehmen, lautet Srtttjümet enthielten: wie fottte e§ möglich fein, ba% man au3 i&nen in ba$ (£l)tiftentl)um übetgefjen fönnte? ba bodj nur in bem maljten unbnidjt in bem fallen bie (£nu;fänglici)feit für bie l)öl)ete SBaljr&eit be§ Stiften* tf)um§ gegrünbet fein fann. Vielmehr liegt bet ganzen S)ar» ftettung, meiere Ijiet eingeleitet mirb, bit Sötojime sunt ©runbe, ba% ber 3rrt|unt nitgeub an unb füt fiel) ift, fonbetn immet nut an bem tuafjren, unb ba% er ntcfjt eljer bottfommen öer= ftanben roorben ift, M§ man feinen 3ufammentjang mit ber 2Satjrf)eit, unb ba§ raat)re moran et Ijaftet, gefunben fjat. 2)amit ftimmen and) bie Steufeetungen be§ 2tyoftel§ überein, roenn et felbft bie Vielgötterei al§ eine Verfetjrung be§ ut= fprüngltdjen unb babei jum ©runbe liegenben VenmfetfeinS Don ©ott batfteHt, unb in einem geugnifj be§ burd) alle jene ©idjtungen nod) unbef riebigten Verlangens eine bunlle 5ltms bung be§ matten ©otteS finbet.1
§.8. Süejenigen ©eftaltungen ber grömmtgfett, in reellen alle frommen ©emütl^uftcinbe bie 2lbfyängigfett alles enblicfyen oon ©tnent §öcr;ften unb Unenblidjen aus* fprecfyen, b. t. bte ntonotbetftifd&ett nehmen bie l;öd)fte Stufe ein, unb alle anbeten Detriten fiti) §u tfynen ttrie untere georbnete, toon föelcfyen ben 9)ienfd)en feefttmmt ift §u \tmn \) öderen überzugeben.
1. 9ll§ folctje untetgeotbnete Stufen fegen mit im au* gemeinen ben eigentlichen ©öaenbienft, aud) getifc$t§mu§ ge* nannt, unb bie Vielgötterei; jener hueberum fteljt tief unter biefet. £)er ©öjenbiener fann feljt füglich nur (Bin %bol f)aben, oljne bafj biefe ÜÖconolattie itgenb eine 5lef)nlic^feit fjätte mit bem SCftonotJjei§mu§ ; benn et fdjteibt bem ©Ösen nur einen GIHnflufj auf ein beictjtäüfteS (Gebiet bon ©egen* ftänben ober Vercinberungen su, übet ineldjeS l)inau§ [ein ctgene§ Sntereffe unb 9Wttgefül)t fiel) nidjt etfttettt. 5>a3
1 Köm. 1. 21. flgb. 8tp. ©efeö- 17, 27— 3G.
CifteS Äapltel. 3ut Srllärung ber ©ogmatif. 87
£tnsunel)men mehrerer gbole tft nur tttvaä sufälltgeS, ge< toöljnlitf) Quf ber (Erfahrung bon einer Unfatjigfeit be§ ur« fprüngtidjen beruljenb, mobei aber gar ntdjtS bottftänbigeS augeftrebt nnrb. Bielmeljr beruht ba§ (Stiltftetjn auf biefer (Stufe bornäbmlicb barauf, bafj ber (Sinn für eine Totalität nocb nicrjt entnriffelt ift. 4)ie alten £öava ber griednfdjen IXr* ftamme maren mafjrfdjetnlicrj nocrj eigentliche %boUf iebe§ etma§ für ft<5 allein. 3)ie Bereinigung biefer berfcbiebenen Ber* errungen, moburdj mehreren folget ^bote ©in Sßefen fubftituirt nmrbe, unb bie ©ntftebung mehrerer SDtyt&enf reife, moburd) biefe ©ebilbe in Bufammenljang gebraut nmrben, mar bie (Sntftrifflung bermittelft melier ber Uebergang bom ©ö^en* bienft gur eigentlichen Vielgötterei erfolgte. %t meljr inbefj an ben fo gebilbeten SSefen nocb bie Borftettung bon mannig* faltigen lofalen ©inmoljnungen aübaftete, befto metjr fctjmeffte ber $olbtfjei§mu§ nod) nadj ©ösenbienft. (Eigentliche SSieU götterei tft nur ba, mo bk lofalen Bedienungen gans jurüff* treten, unb bie ©ötter, geiftig beftimmt, eine geglieberte 3U* fammengdjörtge Bietljeit bilben, roelctje als eine 5lttf)ett toenn auc§ ntcrjt nac^geiuiefen boctj borau§gefeät unb augeftrebt u>irb. $e mebr al§bann ein jebe§ einzelnes? biefer SBefen auf baZ gange ©tjftem berfelben unb biefe§ tuieberum auf alle§ in§ Betuufätfein aufgenommene (Sein belogen nnrb: um befto be* ftimmter nnrb aud) bie 2lbt)ängigfeit alles (Snblidjen nur nidjt bon (Sinem jQödjften, fonbern bon biefer böcfjften ©efammtt)eit in bem fromm erregten ©elbftbettmfctfettt au§gefagt. ^n biefem £uf taube be§ frommen ®tauben§ aber fann e§ ntdjt fehlen ba% nidjt ^te unb ba menigften§ binter ber Btetfjeit jjöberer SSefen bieQHnfjeit eine§ r)öct)ften fotfte geabnet »erben, unb bann tft auctj bie Vielgötterei fctjort im Berfc&unnben, unb ber SSeg jum ÜD?onotf)ei§mu§ ift geebnet
2. SMefe Berfcrjiebenbeit ©inen ©ott gu glauben, bon toeldjem ber fromme fiel) felbft al§ einen Beftanbt^eil ber SBelt unb mit biefer sttgletct) fcblecbtbin abhängig fest, ober einen ®rei§ bon ©Ottern, gu benen er, mie fte ftdj in bie 2BeItr)errfcf)aft feilen, audj in berfdjiebenen Bedienungen fteljt, ober enblicb einzelne ©Ösen bk ber gamüte ober bem Boben ober bem einzelnen ©efctjäft eignen in bem er lebt, fcrjetnt Stoar snnäcfjft nur eine Berfdjiebenjett ber BorfteHung§meife in fein, unb alfo unferer Slnftdjt nadj nur eine abgeleitete; unb nur eine Berfdjiebenbeit in bem unmittelbaren ©elbft* bemufjtfein faitn ftdj für ttn§ bagu eignen, bafj mir bie Ocnte Joüflung ber grömmigfeit baran meffen bürfen. Slber e§ ift
£>er djrtftlicfje ©faube. (Srfter SljeU.
aud) fe^r leicht au geigen, bafj biefe berfdjiebenen SSorfteffungen gugleidj bon üerfdji ebenen guftänben be§ (SelbftbemufjtfetnS abhängen. 2)er eigentliche ©öaenbienft grünbet ftd) in einer ben niebrigften guftanb be§ SKenfctjen beaeidmenben 2Set> morrenljeit be§ ©etbftbemufjtfetng inbem baZ fjörjere unb niebere fo menig unterfdjieben merben, bat} auct) ba$ ©efüljl fcrjled)tl)imger Slbljängigfeit al§ bon einem einzelnen ftnnlidj aufaufaffenben ©egenftanb Ijerrüljrenb reffecttrt toirb. 5tudr> ber $olt)tl)ei§mu§ Gesengt nodj) inbem bie fromme @rregbar= feit ftd) mit berfdj)tebenen Slffectionen be§ ftnnlid)en ©elbft= bemufstfeing einigt, ein folcr)e§S8orr)errfc^enbieferSBerfc^teben* Seit ber Buftänbe, bafj ba§ ©efübl ber fcrjlecrjt^irtiaen 5lbf)ängig!eit nod) ntctjt in [einer bellen ©htljeit unb $n= btfferena gegen alle§ im ftnnlidjen ©elbftberoufetfeut feabare auftreten fann, fonbern eine Sfteljrljett gefejt mirb bon ber e§ ausgebe. 3fr aber ba$ tjötjere ©elbfrbemutitfein in feiner ©ifferena bon bem ftnnlidjen gänaltd) entmtffelt, fo ftnb mir un§ unferer, insofern mir überhaupt fumltdj afftcirbar ftnb, b. t). fofern mir SBeftanbttjeile ber SSelt ftnb, alfo tnfofern mir biefe gana in unfer ©elbflbemufetiein aufnehmen unb e§ jum allgemeinen GnblidjfeitSbemutitfein ermeitern, als fäjledjtfjm abhängig beraubt. 2)iefe§ ©elbftberoufjtfein nun fann nur im S0conotljei§mu§ bargefteßt merben, unb arcar fo mie e§ im ©aae felbft au§gebrüfft ift. S)enn menn mir im§ unjerer (Selbft ot)ne roeitere§ in unfrer @nblid)feit al§ fcrjled)trjirt ah* gängig bemüht finb: fo gilt baffelbe bon allem ©nblidjen unb mir nehmen in biefer SBeaiebung bie ganae SBelt mit in bte (£int)ett unfere§ ©elbftbetrm|tfem§ auf. £)ie berfdjiebenen Slrten baSjenige aufser un§, morauf baZ fcr)led)ti)imge 51b* r)ängigfeit§bemui3tfein ftcrj beatetjt, borauftetten fangen alfo gufammen tt)eil§ mit ber berfd)iebenen 5lu§beljnbarfeit be§ @elbftbemuf}tfein§, inbem fo lange ber ÜDcenfd) ftdt) nur nodj mit einem fleinen Streit be§ enblictjen @ein§ ibentificirt fein @ott nodj ein getifd) fein mirb, tfjeilS audj mit ber SHartjeit ber Unterf Reibung be§ tjöljeren <5elbftbemufjrfein§ bom nieberen. S)er $olrjtf)ei§mu§ fteEt, mie natürlich, in beiber &inftdjt eint unbeftimmte TOttelftufe bar, tr-eldje ftd) balb menig bom ©öaenbienft unter! d)eib et, balb, menn ftd) in ber SöelrnnMung ber Söiel^ett ein geheimes ©treben nadj (£inl)eit geigt, ganj btcfjt an ben SDconotfjeiSmuS ftreifen fann, fei e§ nun bafe in ben ©Ottern met)r bie ^aturfräfte bargefteüt merben, ober bafe ftd) bie im gejeHigen SSer^ältntfe mirffamen menfdjltdjen ©igenfdjaften famboliftren, ober bafj fiel) in bemfelben (MtuS
grftcs Äapitel. 3ur (Srtiärung ber ©ogmatlf. 39
SetbeS bereinige. 5ln unb für ftc(j liefce fidj fonft nidjt er* tlären, tote ibaS in bem fdjledjtfjintgen SlbpngtgfettSgefiiljl mit gefeste als eine Sftefjrljett oon Sßefen foHte reflectirt toerben. Sft aber baS Ijöbere (Selbftbetoufjtfetn nodj nidjt flätiäUdj bom ftnnlidjen gefc&ieben: fo fann audj baS mit ge* feste nur finnlidj aufgefaßt toerben, unb trägt bann ben ®etm ber EJcanmgfaltigfeit fdjon in fidj. 9cur alfo toenn fid) ba% fromme Söetoufjtfem fo otme Unterf djteb mit allen guftänben ieS ftnnlidjen <Setbftbetou£t[einS beretnbar , aber audj fo be» fttmmt bon biefem gefdjteben ausprägt, bafj in ben frommen Erregungen felbft feine 2)ifferena ftärfer Ijerbortritt als bit beS freubigen ober nieberfd)lagenben £onS, bann erft Ijat ber IDcenfdj jene beiben (Stufen ßlüffücr) überfdjritten unb fann fein fd)ledjtljinigeS 2IbljängigfeitSgefu§l nur auf Ein IjödjfteS Sßefen besiegen.
3. SDeSljalb nun fann audj mit fRec^t gefagt toerben, fo« halb bie grömmtgfeit nur erft irgenbtoo bis jum glauben an ©inen Gbott über atteS enttoiffelt ift, fo ift audj oorgefetjen, ba§ ber äßenfdj an feinem Drte ber Erbe auf einer bon ben niebrtgeren (Stufen fielen bleibe. SDenn immer unb überall ift biefer (glaube gana oorsüglidj, toenn aud) nidjt immer auf bie ridjtigfte SSeife, beftrebt fidj toetter §u oerbreiten unb bie Smpfängttdjfeit ber üötafdjen aufaufdjliefjen; toeltöeS aud), toie toir feljen, auleat felbft bzi ben roljeften 9ftenfdjenftämmen unb unmittelbar bon getifdjtSmuS auS oljne 2)urdjgang bur<$ bie Vielgötterei gelingt. SSogegen tin Sftüffgang bom ÜDcono** iljeiSmuS, fo toeit unfere (Sefdjidjte reicht, aenau betradjtetj nirgenb borfommt. 33ei btn metften (Triften, toeldje in 23er* . folgungen aum £>eibent§um aurüfffeljrten, toar bieS nur fdjein* bar. 2Bo eS toirflidj Ernft getoorben, ba fönnen biefelbeit Stfcenfdjen bortjer bd iljrer Verehrung jum (£§riftentlmm nur fcon einer allgemeinen S3etoegung mit fortgeriffen toorben fein, oljne baS 2öe[en btefeS Glaubens in tt)r perfönlidjeS Sßetoufjtfetn aufgenommen §u Reiben, üftur barf fcierauS nodj ntdjt gefolgert toerben, ba| toir um baS Sßorljanbenfein beS §etifä)iSmu§ ju erflären eine nodj niebrigere (Stufe au &ülfe nehmen müßten, nömlidj einen gänalidjen Mangel aller xeligiöfen Erregung. SBietool f<$on ü&candje ben urfprünglidjen Buftanb ber SDcenfdjen als eine foldje Brutalität bargeftettt £aben, fo läfjt fidj bodj, toenn man audj alle ©puren einer folgen nidjt läugnen fann, toeber gefdjidjtlidj nadjtoetfen nodj im allgemeinen borfteften, toie fidj auS biefer bon felbft ettoaS ^öljereS enttoiffelt Ijabe. Eben fo toenig ift audj nadjautoeifen.
40 5>er djrtftlidie ©laube. Grfter 23jeiL
bnfj irgenbrao bie Vielgötterei ftdj rein bon innen ßerauS ht einen äd)ten 9Jconotf)ei§mu§ umgebilbet fjabe; aber al§ mög* Itd) läfjt fid) biefeg raemgftenS, raie oben angeaeigt korben ift, benfen. Uebertjaubt aber muffen rair un§ gegen bie gorberung berraaljren, ba^ un§ obliege, raeil rair eine foldje Öbftufung beftimntt bordeigen, be§fja!6 and) einen urfprüng* lidjen 9?eligton§5uftanb beftimmt anzugeben, ba rair ja audj. in anbern Vcsiefjungen nirgenb bi§ auf ba§ urfbrünglidje gurüfffommen. ©leiben rair tnbefc Iebiglidj bei unfern Vor* auSfegungen flehen, olme un§ auf gefdjicl)tlidj geftaltete %xx& fagen über eine gang borgefdjidjtltdje Bett m berufen, fo Iaffen un§ biefe bk SBaljl ätüifcfeen jraet VorftellungSarten. ßntraeber jene ganj bunfle unb berraorrene (Steftalt ber grömmigfeit ift überall bie erfte geraefen, unb fiatftdj junä^ft burd) ba% gufammentreten niedrerer Heiner (Stämme in eine größere ®emeinfd)aft sunt $oft)tt)ei§mu§ geftetgert, ober ein finblidjer, aber eben be§rjalb nod) einer berraorrenen Ver* mifdjung be§ Pieren unb nieberen unterraorfener9Konot^ei§* mu§ raar ba$ urfbrün gliche, unb fyat ftdj bei ben (£men toHenb§ sunt ^ögenbienft berbunfelt, bei ben 5lnbern ju einem reinen ($ottc£>gtauben abgeHärt.
4. Sluf biefer Södjften (Stufe be§ SHionotfjeiSmuS seigt un§ bte @efdu'd)te nur brei grofje ©emeinfdjaften bie. jübifdje,. bie djriftlidje, bk muljamebanifdje, bk erfte faft im (Erlöfdjen bk anbern um bk ©errfdjaft in bem menfdjlidjen ®efd)ledjt ftc§ ftreitenb. ®a§ ^ubent^um jeigt burd) bk Vefdjränfung, ber Siebe be§ Sejobalj auf ben 21braJ)amifd)en Stamm nodj eine Verraanbtfdjaft mit bem getifd)tgmu§, unb bie Dielen ©c|raan!ungen nad) ber (Seite be§ ($5ösenbienfte§ Ijtn beraetfen t>a% raäljrenb ber Politiken Vlütfje be§ Volfeg ber mono* tfjeiftifc&e glaube nod) nid)t feftgeraurjelt raar, unb ftdj erft feit bem babtjlonifdien (Sjtl rein unb bollftänbig entraiffelt jjat. S)er S§lant auf ber anbern (Seite berrätlj burdj feinen Ieibenfdjaftlidjen (Efjarafter unb ben ftarfen ftmtlidjen Oitefmlr feiner Vorftettungen olmeradjtet be3 ftreng gehaltenen ddlono* tljetömug bodj einen ftarfen GSHnflufj jener (55eraalt be§ ftnn* Iidjen auf bie 2Iu§brägung ber frommen (Erregungen, raeldje fonft ben Sftenfdjen auf ber (Stufe ber Vielgötterei feftplt. £>a§ ©fcrtftenttjum ftettt ftdj batjer fdjon befl&aib, raeil e8 fu$ Don beiben 3lu§raeid)ungen frei Salt, über jene beiben gormen, unb behauptet ftdj at§ bie reinfte in ber (Xtefdjtcljte Ijerbor* getretene ®eftaltung be§ 2ftonotl)et§mu§. $)al)er giebt e§ aud> hn ©rofeen genau betrachtet eben fo raenig einen fßüfftritt
®rfte§ Äopitel. 3ur (Srftärung ber ©ogntatif. 41:
au§ bem (£tjriftentf)um in Subentljum ober SDfrttjamebaniSm als e§ einen Ruf ff all giebt au§ irgenb einer monottj eifttf <$tn Religion in Vielgötterei ober ®ösenbienft. ©in^elne 2lu§* nahmen derben immer mit franftjaften (SJemütSsuftänben ^u* fammen^ängen , ober e§ mirb ftatt ber grömmtgfeit nnr eine gorm be§ UnfrommfeinS mit ber anbern bertaufdjt, roie bie§ mol bei ben Renegaten Durchgängig ber gatl ift. Unb fo bürgt fdjon biefe Vergleidmng mit feines ®tetctjen bafür, ba§ baä (£§riftentljum in ber ifjat1 bie bollfommenfte unter ben am meiften entmiüelten RetigionSformen ift.
gu) a i 1. %\e gegebene 2>arfteEung ftimmt ni<$t mit einer 5lnftd)t überein, meiere in ben Religionen ber unter* georbneten ©tufen gar feine grömmigfeit anerfennen miH fonbern nur Slberglauben, borsügttc§ beSbalb meil fte itjre CueHe nur in ber gurdjt hätten. allein bie (£t)re be§ Triften* ttjumS erforbert eine foldje Vetjaubtung feineSmegeS. £)enn ha e§ felbft behauptet,8 bafj nur bie böltige Siebe alle gurcfjt auftreibt: fo mu& eS aud) jugeben, ba% bie unbollfommene Siebe nie bölltg frei ift bon gurdjt. Unb fo ift aucb überall felbft im ®öaenbienft, menn nur ber ®öae al§ ein fdjüsenbeS unb nid)t fcrjlect)tr)m in ber Dualität eines? böfen SßefenS an* gebetet mirb, bie gurdjt feineSmegS gana getrennt bon alten Regungen ber Siebe, bielmetjr nur eine ber unboßfommeneit Siebe coorbinirte IXmbiegung be§ fcfcled^inigen 2lbljängtgfett§* gefügig. 2lu<$ möchte root, tuenn man für biefe Religionen, abgefefjen babon ba% Viele unter ifjnen biet su Reiter ftnb um auS ber gurct»t begriffen m erben ju fönnen, einen ganj an* bereu Urfbrung auffudjen »offte, fd)fter nadjsumeifen [ein, maS für eine anbere unb morauf ibrer inneren 5lbsroe!fung nadj gefjenbe Richtung in ber menfdjlidjen Seele benn biefe fei, burcb metdje bie Sbolatrie erzeugt mirb unb meiere, roemt an bereu ©teile bie Religion tritt, mieber berloren getjen müfete. Vielmehr bürfen mir in allen biefen drgeugniffen be£ menf erlief) en ©eifteS bie (55Ieict)arttQfett nic&t in Slbrebe fteEen, unb muffen aud) für bie nieberen ^otenjen bodj biefelbe Sßurget anerfennen.
Bufas 2. SBenn ntdjt ber ($5lei$flang märe, bürfte faunt eine Veranlaffung borljanben fein auSbrüfflid) ju bemerken, ba% e§ gar nic&t gur ©a$e gehört eüuaS über bie Vor* fteüungSmeife §u fagen, meldte man $antljei£mu§ nennt. $)emt ftc ift niemals ba& Vefenntnifc einer Gef<$ic§ttid) $erbor*
}. 7, 3. f l 50$. 4, 18.
42 &er cfrrtftlidie Glaube. (Srfter %f?eü.
getretenen frommen (55emeinfcf)aft gemefen, unb mit btefen Sjaben mir e§ ja nnr &u tlmn. %a aud) ntd^t einmal ©inaclne $aben urft«rüngli<$ it)re eigene Slnftdjt mit bie[em tarnen be* äeidmet, fonbern er ift al§ ein (Sdjimbf unb Sfoffname ein* öetcr)licr)en ; unb roo bie§ ber galt ift, bleibt e§ allemal fd&roierig bie ©inljeit ber Söebeutung feftauf) alten. £)aS einaige roa§ §ier, aber aucb nur an einem folgen abgelegenen Ort, über ben ©egenftanb berljanbelt rcerben fann, ift nur bic grage, ma§ für ein SBerljältnifj biefe $orfteHung§art %ux grömmigfeit Ijat. £>af3 fie nun nict)t eben fo roie bit brei {jier aufgeaeigten au§ ben frommen (Erregungen als bit uns mittelbare Sftefteyton über fie entfielt, ift fdjon augegeben, gragt man aber, ob fie fid), menn fie einmal anberS nrie, aljo auf bem SSege ber ©pefulation ober audj nur beS 1ftaifonnement§, entftanben ift, bodj mit ber grömmigfeit ber* trägt: fo ift biefe grage rool unbebenflidj au bejahen, fo fern nämlid) $antf)ei§mu§ boct) irgenb eine 5lrt unb Sßeife be§ £§ei§mu§ auSbrüffen foH, unb baä SSort ni<$t lebigltd) unb überall nur eine berlarbte materiaitfttfc&e Negation be§ £§ei3mu§ ift. @eljn mir auf ben ©öaenbienft unb bebenfen mie er überall mit einer fcödjft befd&ränften SSeltlunbe ber« bunben ift, unb babei bott 9ttagie unb gauberei aller 2lrt: fo ift rool fet)r leicht einaufefjen, ba£ an eine beftimmte ©Reibung beffen, roa§ auf biefer Stufe al§ SSelt unb roaS al§ ©ott gefest roirb, in ben roenigften gätten ju benfen ift Unb roarum foHte fidj ein &effemfdjer $olütl)eift, in #er* Jegenljeit mit ben ganj menfcrjlidjen ©eftalten ber (Götter, nid)t feine großen ©öttcr mit ben geworbenen Göttern beS ^laton Ijaben ibentificiren fönnen, audj oljne ben ©Ott ber bort §u jenen rebet mit anauneljmen, fonbern nur ben £ljron ber 92otljroenbigfeit? ©eine grömmigfeit §äüz fi<$ bann nidjt geänbert; aber feine SSorfteEung märe eine pant^eiftifc^c eeroorben. SDenfen mir un8 aber bit Ijödtfte (Stufe ber grömmigfeit, unb leiten bem gemäfc auc^ ben $antl)ei§mu3 on ber geroöljnltdjen gormel (£in§ unb $We§ feft: fo werben bann bo<$ ©ott unb Sßelt roenigftenS ber gunction nadj ge* trieben bleiben, unb alfo fann aud) ein fold>er, inbem er fic& in bie Sßelt mit einrennet, fidj mit biefem 5111 ab$ängtfl füllen, bon bem roa§ ba& @in§ ift baau. ©olc&e ßuftänbe werben ftct) bann bon ben frommen Erregungen mand&eS SKonotljeiften ferner unterfd&etben laffen. Söenigfteng trifft ber immer ettuaS rounberlid&e bafj iä) fo fage grob geaeicfcnete Hnterfct)ieb aroifdjen einem aufcer ober fiberroeltlicfcen unb
(Stfteä Äojrttel. 3«t (SrflärunQ ber Sogmattf. 43
<einem tnnermettlidjen (55ott, bie ©adje mdjt fonberlid), ba Streng genommen bon ®ott nid)t§ nadj bem ®egenfa* Don innerhalb unb außerhalb au§geiagt roerben fann, oljne irgend tote bk göttliche TOmadjt nnb Slllgegenmart su gefä^rben.
§.9. 2113 berfd)iebenartig entfernen fid) am toetteftett i?on einanber biejenigen ©eftaltungen ber grömmigfeit, it>eld)e in Söejug auf Vit frommen (Erregungen entgegen«* ■gefegt hk einen baä natürliche in ben menfd)Üd)en 3U' ftänben bem fittlidjen, bie anbern ba§> fittlidje bem natür* liefen unterorbnen.
1. 2öir berfudjen eine begriffsmäßige Teilung be§ gletdj* gefreuten, bie fid) alfo §u ber Teilung be3 ganzen ($5ebiete§ roie eine Duerttjeilung t»err)ält, sunädjft aud) nur um be§ '©t)riftentr)um§ mitten unb alfo für bk ljödjfte ©rufe. Db Mefelbe Teilung aud) auf ben untergeordneten (Stufen gilt, ift eine ßier gar nid)t jur <Sad)e gehörige f^rage. gür bie Dödjfte (Stufe aber ift un§ ber Sßerfudj nötijroenbtg. ©enn toemt fie aud) burdj bie brei aufgezeigten (Semeinfdjaften ge- fctjtcrjtltcc) ganj ausgefüllt roirb: fo bebürfen mir boct) nod) <eine§ näfjer beftimmten £)rte§ um ba§> (Ebriftentfjum Ijtneüt* 5uf äffen, ba mir e§ fonft nur auf entbirifdje Söeife bon ben anbern beiben unterfdjeiben tonnten, roobei feine (Sicrjerljeit fcortjanben märe, ob aud) bie mefenttidjeren Unterfdjtebe J)erau§getjoben mürben ober bietteidjt nur 3ufättigfeiten auf- gegriffen. $)er Sßerfudj ift bat) er nur al§ gelungen anjufe^en, toenn mir einen SDjeilungSgrunb fiuben, burd) meldjen ba% CfjriftentJjum entmeber für fid) bon beiben anbern, ober aud) nur mit einer bon beiben jufammen bon ber britten beftimmt getrennt mirb. — £)a nun ba§ fct)led)tl)inige 2lbr)ängigfett§~ gefütjl für fiel) betrachtet ganj einfad) ift, unb ber begriff beffetben feinen ®runb jur S5erfd)iebenartigfeit barbieret: fo lönnen mir biefen nur barau§ rjernetjmen, baß jene§ <$efül)l um einen Moment ju erfüllen ftdj erft mit einer finnltdjen ©rregttjeit be§ @elbftbercußtfein§ bereinigen muß, biefe ftnn* lidjen Erregungen aber al§ ein unenbtiep mannigfaltige^ an* juferjen ftnb. Sftun ift freiltdj an unb für fid) betrachtet ba§ 1d)led)ttjinige 9lbr)ängigfeit§gefüfjt mit allen jenen (Erregungen <öleid) bermanbt unb burd) alle gteidj ferjr erregbar; bem= obneradjtet läßt ftet) ber Analogie nad) annehmen, ba% ftdj 3>iefe Sßermanbtfdjaft in ber 3SirfIid)feit nidjt nur bei emsemen Sötenfdjen, fonbern aud) in größeren Waffen üerfc&tebert
44 £er djriftlt$e ©Iau6e. Srfter £f)etl.
bifferentürt, fo bafe entmebet bei Einigen eine öemtffe klaffe tum ftnnticben <55efüf)len fidj leicht unb fidler 511t frommen (5t* tegung gestaltet, eine anbete ienet entgegengefeate abet febmet obet gat nic&t, bei 2tnbera hingegen fiel) eben biefeS umge* febtt berbätt, obet ba§ fidj biejeiben ftnnlicben ©elbftberoufet* fein^uftänbe bei ben ©inen untet bittet, hd ben Slnbetn unter bet entgegengefeaten SBebingung au ftommen Momenten geftnlten. 2öa§ ba$ etfte betrifft, fo fönnte man aunäcbft biefe guftänbe feilen in mebr leibliche unb mebr geiftige, in foldje bie bureb (Sinnnrfung ber Sftenfcben unb ibrer Jpanblungen, unb in foldje bie bureb Gsinnnrfung bet äufjeren 9?atur ent* fteben. Mein bie§ fönnte nut bon einzelnen Sftenfcben gelten, ba% (Sintge leistet bureb anbete ^atureinbrüffe, 2lnbre leidjtet bureb gefettige SSerrjältniffe unb bafjet entftanbene Stimmungen ftomm ettegt metben, ein Unterfebieb abet aunfdjen einet frommen ^emetnfdjaft unb ben anbern läfjt ftcb bierau§ niebt erflären, inbem eine jebe alle biefe Sßerfebiebenbeiten in ftcb fa£t, unb feine bon ilmen bie eine obet bh anbete 5lrt bet (Erregung au§ tbrem Umfang au§fctjHe§t obet aueb nur be* beutenb bie eine btnter bit anbere surüffftettt. Ifölan fönnte ferner barauf feben, ba% nrie baä ganje ßeben ein Snein* anberl'ein unb SfoSetnanberfolßen bon %f)im unb ßeiben ift, fo aueb ber äftenfcb ftcb feiner felbft balb mebt al§ leibenb balb mebt al§ tbätig bemüht ift. Unb bie§ liefce ftcb fdjon ebet al§ gemeinfame ©onftitution großer Waffen benfen, ba§ bier bie tbätige gorm be§ SelbftberoufetfeinS ftcb letzter gut frommen ©rregung fteigert, bie leibenbe mebt auf bet ftnn* lieben Stufe aurüff bleibt, bort bütgegen e§ ftcb umgefebrt bet* bält. 9cut fteilieb bafj biefeg fo einfacb aufgefaßt lebigüdj ein fliefjenbet Untetfcbieb bleibt §mifcben einem mebt unb mtnbet, fo bafi betfelbe Moment mit bem (Sinen betglicben al§ ein mebt leibenbet mit einem anbetn als ein mebt tbätiget auf* jufaffen ift. Soll aroifdjen ben berfebiebenen ©eftaltungen ber grömmigfeit eine grofce unb im (Jansen antoenbbare 5ibtfjei* hing gemaebt merben, fo mufj fieb ber fliefjenbe Unterfebieb in eine folebe Unterorbnung bermanbeln, mie bet Saj an* bzutet $)iefe Unterorbnung ift nacb bet einen Seite bin am ftärfften ausgeprägt, menn bie leibentlicben Suftä'nbe Qleic^biel ob angenebm ober unangenehm, ob burdj bie äußere Statut obet bureb gefettige $ert)ältniffe beranlafct, ba& fcblecbtbtnige 2lbbcingigfeit§gefübl nut in fofem erregen, al§ fte auf bit Selbfttbättgfeit beaogen merben, baä beifjt in fofetn al§ toit ftnffen, ba% etma§ unb ma§, eben be§fjalb treu Joir un8 m
CrftcS Kapitel. 3ur (Srflärung ber 3)ogmatlf. 45
t>er (Siefammtljett be§ <Setn§ in bem $erbättnif3 befinben tuetebeS in bem leibentltdjen guftanb auSgebrüfft ift, t>on un§ an tfjun fei, fo bemnadj bafj bie mit jenem Buftanbe Rammen* tlängenbe unb barau§ tjeroorgebenbe £anblung eben biefe§ (^otteSberaufttfein su feinem 3m£ul§ Ijat. SSo alfo bie grömmtg* fett fidj fo geftaltet, ba rc erben bie ietbentlicEjen ßuftänbe, jur frommen Erregung gesteigert, nur SSeranlaffung, nm eine be* ftimmte nur au§ einem fo mobiftcirten (S5otte§bemu^tfetn er* ftärbare Sljätigfeit §u entroiffetn; unb in bem Greife folget frommen Erregungen erfcbeinen alle leibentlicben SBerfjätrniffe be§ Eftenfeben jur SBelt nur afö Mittel, um bie (Sefammtijett feiner tfjätigen Suftänbe berborsurufen, rooburcb ber ®egen* ■faj smifc^en bem finnlictj angenehmen unb unangenehmen barin überwältigt roirb unb in ben ^intergrunb tritt, roo* gegen er freilief) bor^errfdjenb bleibt in ben gälten, roo ba$ ftnnltcbe (Sefü§l fidj ntdjt jur frommen Erregung fteigert. $)tefe Unterorbnung be^eid^nen mir mit bem freiließ anber* märt§ zttva§> anber§ gebrausten StuSbrul! teleolo gif et) er f grömmigleit, ber aber Ijier nur bebeuten fotf, ba% bit öor* fjerrfdjenbe &eate§ung auf bie ftttlidje Aufgabe ben ®runb* j tt)pu§ ber frommen ÖJemüt5§äuffanbe bilbet. $ft nun bit in ber frommen Erregung borgebitbete £anblung ein roerftbättger Beitrag §ur görberung be§ 9teicbe§ ®otte§: fo ift ber ®e* müt^öäuftanb ein erbebenber, fei nun ba§ beranlaffenbe ($5e* fü()l angenehm ober unangenehm. Sft fie aber ein Burütl* geben in ftet) felbft ober ein «Sueben naeb £mtfe, um eine nterfttdj gemorbene Hemmung be§ Pieren SebenS aufsubeben: fo ift ber ®emüt£)§3uftanb ein bemütbigenber, fei nun ba§ beranlaffenbe d5efüt)l unangenehm ober angenehm geroefen. %n ber entgegengefejten SRicbtung geigt fictj biefe Unterorb* nung in üjrer SBotffommenl) eit, raenn ba§ «SelbftberouMetn eine§ £ljätigfeit§auftanbe§ nur in ber Söesiebung in ba£ fctjle<t)tbinige 5X£»t)ängtgfett§gefür)l aufgenommen nrirb, nrie ber 3uftanb felbft al§ Ergebnis au§ benen sraifeben bem ©ubjeet unb bem übrigen gefammten ©ein beftefjenben Sßerrjältmffen erfebetnt, alfo auf bk leibenttiebe <5titt be§ @ubject§ belogen tturb. %lun aber ift ieber einselne £§ätigfett§suftanb nur ein befonberer 5lu§bruff bon bem in bem ©ubjeet beftebenben unb bie perföntid&e Eigentbümticbfett beffelben bilbenben $er* bältnifj ber gemeinfamen menfeblicben Gräfte, mithin nu'rb in jeber frommen Erregung biefer 5Irt jene§ SSer^ältni§ felbft ■als ba$ Ergebnis ber bom tjöctjftert SBefen georbneten din^ tturfungen aller SDinge auf ba§ ©ubjeet gefegt, in ben er*
46 $er <$riftli<$e ©laufe. (£rfter S^etl.
ljebenben fonadj qI§ gufammenftimmung ba§ Ijeifjt oI§ ©<$ön*- ijeit be§ einzelnen 2eben§, in ben unangenehmen ober bemütcjigenben al§ SKtfefttmmung ober J&äfelidjfeit £)iefe ©e* Haltung ber grömmigfeit nun, Wenn jeber Moment ber ©elbfttfjättgfeit nur als ein SBeftimmtfein be§ ©injelnen burcfy baä gefammte enbltd^e ©ein, alfo auf btc leibentttc^e Seite belogen, in ba$ fdjledjtljjtmge 2lbl)ängtg?ett§gefubl aufge* nommen wirb, wollen wir bie a'ftljetifdje 5röntmigfeit nennen. Sßeibe ®runbformen finb einanber oermöge ber ent* gegengefesten Unterorbnung beS in beiben sugleict) gefesteit aud) beftimmt entgegengehest, unb jebe§ fromme äftitgefübl ge- galtet ftdj natürlich in beiben eben fo ttrie baä ferfönlictje, tnbem jene§ nur ein erweitertes, biefe§ nur ein äufammens gesogene^ (Selbftbemufjtfein ift.
2. ©ine allgemeine SftacrjWeimng barüber, ob bte gefcrjidjt^ Iidj oorfommenben (351auben§weifen fict) oorsügltdj nad) biefem ®egenfaj unterfcrjeiben laffen, märe nur ba$ (SJefdjäft einer allgemeinen frtttfct)en SfteligionSgefd^icCjte. &ier !ommt e§ nur barauf an, ob ftdj bie (£intl)eihmg in foweit bewährt, bafe fte ba§ GTbriftentfjum oon bemjenigen ma§ iljm coorbinirt ift, treibet, unb un§ bur<$ nähere Söeftfmmung feine§ Drte§ bie 5lu§fonberung feines eigenipmlictjen 2ßefen§ erleichtert. 2öa£ un§ tnbeffen am meiften gegenmärtig ift al§ bem Triften* t^um in biefer ^)irtftct)t fdjarf entgegengefest, ba§ ift t&m nictjt coorbinirt fonbern gehört einer nieberen ©fufe, nämlid) bie ^ettenifcrje SSielgötterei. Sn biefer tritt bie teleologtfdje %li& tung ganj äurüff, öon ber $bee einer ®efammtljeit ftttltcrjer 3toef!e unb Oon einer Söesietjung ber menfcrjlidjen Buftänbe im allgemeinen auf biefelbe giebt e§ Weber in i^ren religiöfen ©rmtbolen noctj felbft in üjren SDctjfterien eine htbeuttnbt ©pur, Wogegen ma§ mir bie äftr)etifct)e 5lnfid)t genannt fyabm auf ba% beftimmtefte öorl>errfd)t inbem and) bie (Götter Oor* gügticr) Oerfdjiebene SSerbältniffe in ben £t)ätigfeiten ber menf blieben (Seele, unb alfo eine eigentbümlic^e gorm innerer ©cpri&eit baraufteßen beftimmt finb. S)afc nun ba§> GXjrtften* tf)um, audj abgefeljen Oon ber IjöTjeren (Stufe bie e§ einnimmt, biefem ßbarafter auf ba§ fdjärffte entgegentritt, wirb wol nictjt leidjt jemanb läugnen. 2Ba§ irgenb auf Meiern ©ebiere ($wtte§bemufjtfein mirb, ba% Wirb audj belogen auf bie ®e= fammtbeit ber £f)ätigfeit§suftänbe in ber $bee Oon einem Sfteictje ($otte§, wogegen bie 83orftellung Oon einer (Scrjönr)eit ber (Seele, meiere al§ (Srgebnife aller Statur« unb Söeltem* .ngen ju beuten wäre, bem (£Ortftentl;um, oljneradjtct e&
grfteS ftoDltel. 3ur (£rf lärmig ber S>oflmati!. . 47
fo getttg ben ©cttcmSmuS in äJcaffe in ftdj aufgenommen Sai, immer fo fremb geblieben ift, ba% fte niemals in ben (£üflu§ gemein geltenber SluSbrüffe auf bem (Gebiete ber djriftlidjen grömmtgfett aufgenommen ober in irgenb einer 58e§anblun& ber djriftlidjen Sittenlehre gettenb gemadjt morben ift. SeneS- im (Sfjrtftent&um f0 bebeutenbe ja alles unter ftdj befaffenbe Sötlb eine§ 9teid)e§ ®otte3 ift aber nur ber allgemeine 2lu§* bruf! babon, bafj im (S^riftent^um aller <Sdjmer$ unb alle greube nur in fo fern fromm ftnb al§ fie auf bie SXjätigreit im Sfteidje (SJotteS belogen merben, unb bafj itbt fromme @r* regung bte öon einem leibentlidjen Buftanbe auSgetjt im 58e*- wufjtfein eine§ llebergangeS jur £tjätigfeit enbet.
S)amit nun aber au<$ entfdjieben roerbe, ob niccjt eüoa bet aufgezeigte ®egenfaj änüfdjen ber teleologifdjen unb äftljetifc&en fRic^tung bennocfc im notfjmenbigetf 3ufammenljang ftelje mit bem Untertriebe beiber Stufen, fo bafj aller $olbtljei§mu§ nottjmenbig ber äft^etifctjen <&titt angehöre unb aller SDcono* t&etSmuS ber teleologischen, bürfen mir nur auf ber f)ödjften Stufe felbft fteben bleiben unb fragen, ob bit beiben anbern monotljetftifdjen ®laubenSn>eifen ftdj in biejer iptrtftc^t tbtn fo »erhalten nrie ba§> (£Jjrtftent5um ober nidjt. 2)a§ ^uben* tijum nun, wenn eS gleich bie leibentlidjen guftänbe auf bie tätigen meljr in ber gorm öon göttlichen ©trafen unb 23e* lotmungen bejiejt als unter ber t»on Slufforberungen unb SSübungSmitteln; fo ift bodj bvt borljerrfdjenbe gorm beS ©otteSbetuufjtfeinS bk beS gebietenben SSillenS, unb e§ menbet fiel) alfo notfjmenbtg, audj menn eS öon leibentlidjen Suftänben auSgetjt, ben tätigen ju. ®er ^§lam hingegen geigt feineSroegeS biefelbellnterorbnung beS leibentlidjen unter baS tätige. SSielmeljr ba biefe ©eftaltung ber grömmigfeit. in bem Söeroufjtfein unabänb erlict) er göttlicher Sdjtftungen %ux gchtälidjen Ütulje lommt, fo bafj audj baS SelbfttljätigfeitS* bertmfjtfein ftdj nur auf bk 5lrt mit bem fd)led)tt)inigen 2tb« bängtgfeitSgefüljl einigt, bafj feine Söefttmmttjeit als in jenen (Schulungen beruljenb gefegt mirb: [o offenbart ftdj in btefent fataXifttfctjert GHjarafter auf baS beutltdjfte eine llnterorbmmg beS ftttlidjen unter baS natürliche. £)ie monotljeiftifcrje (Stufe/ erfdjetnt fonadj geseilt, ber teleologische %tyv@ am metften' im (£ljriftentl)um ausgeprägt, minber oollfommen im guben* ttjum, rcogegen ber SDculjamebaniSmuS, oollfommen eben fo monotfjeiftifdj, unOerfennbar ben äft§etif<$en SgjniS auSbrütTi Sonadj ftnb mir für unfere Aufgabe fdjon auf ein beftimmteS (bebtet angewtefen, unb maS mir als baS eigentümliche SBefem
48 ©er djriftiicfie ©lau6e. (Srfter Sfiell.
ber (£brtftentbum§ cmfftetten motten, barf e6en fo mentg bon ber teleotogifcfien Üttcbtung abmeic&en als bon ber monotbeiftU fd>en ©tufe berabftetgen.
§. 10. Qebe einzelne ©eftaltung gemeinf$aftltd)er grömmigfeit ift (Sine tfyetfä äußernd) als an »ort einem fceftimmten Anfang au3gct;enbe£ ge^i^tli^ftättge^ tfyette innerlid) aU etgent^ümliaje 2Ibänberung alles beffen, ma§ in jeber ausgebildeten ©laubensmeife berfelben 2trt unb Slbftufung aud) borfommt, unb aus beibem jufammen* genommen ift ba$ eigentt)ümlia> SBefen einer \eben ju erfefyen.
2t nm. SßgL Sieb, üb. b. Siel. @. 376 folgb.
1. S)er erfte £beil be§ Sa^eS märe falfdj, menn man nadjroetfen fönnte, ober aud) nur al§ möglich ben!en, ba% d)rifüid)e grömmigfett irgenbmo gletdjfam bon felbft entfielen fönnte ganj au&erbalb atte§ gefdjtdjtltdjen gufammenbangeS mit bem bon ©fjrtfto ausgegangenen SmpulS. 2)affelbe mürbe bann audj geltenlbon mubamebanifcber unb jübifct)er in Söejug auf 9Kofe§ unb 3Jcuf)ameb. ®ie Söcöglicbfeit inbeß mirb nie* manb sugeben. Stuf ben untergeorbneten Stufen atterbhtgS ftebt bieje äußere ©tnljett nidjt fo feft, tbettS meit ber Slnfang§s punft oft in bte tiorgefc^tcrjtlicfje Seit fällt, ma§ bon ber bor* mofatfdjen monotfjetfttfdjien Sßerebrung beS gebobalj aud) gilt, tljetlS aud) metl manche biefer gefctjicrjtticrjen formen mie bte bettenifcbe unb nod) mebr bte römtfdje Vielgötterei ein au§ mancherlei febr berfd)iebenen 2lnfang§punften attmäbltg su* fammengemebte§ ober aud) bon felbft sufammengemacbfeneS ©anjeS barftetten. SlebnltdjeS liefe fidj gemtß aud) bon ben norbtfdjen unb tnbtfdjen Striemen behaupten. Stttetn biete fcbetnbaren 5lu§nabmen beftättgen btelmebr bie 9iegel unfereS Sa^eS. $)enn je meniger bie äußere (Stnbett befttmmt nacb* gemtefen merben fann, um befto fcbmanfenber ift aud) bte innere; unb e§ fdjeint bafc, wie in bem (bebtet ber 9?atur auf ben untergeorbneten 2ebeu§ftufen aud) bie Gattungen un* befttmmter gebalten ftnb, fo audj auf biefem ©ebiet eine gleichmäßige SSottenbung ber äußern unb innern ©ütljett nur ber böbern ©ntrotffumg borbcbalten bleibt, am tnntgften aXfo audj in ber bottfommenften ®eftaltuitg — al§ meiere mir im twrau§ ba% GHjriftentbum beseid)nen möcbten — bie innere ©igentbümltd)fett mit bem berbunben fein muffe, moburdj bte äußere C£tnr)ett gefd)idjtltdj begrünbet mirb.
©rfteS Kapitel, gur ®rt lärung ber ®ogmailf. 49
$)er gtüeite Stjeil be§ ©ase§ märe falfdj, menn man be* Raupten fönnte, bafe bie oerfd^iebenen frommen (Siemeüifdjafteit roefentlidj nur burdj 3eit unb Sfiaum getrennt mären, o^ne eigentlich innere SBerfdjieberi&eit. Sto^u mürbe aber gehören, t>a£ menn ftdj beren smeie im SRaume berührten, fte fic§ au<$ für ibentifdj erfennen unb aifo in Eine3 sufammen geljen müßten, unb ba$ bte§ blofj burd) unberftänbigen ©igen* ftnn ber burdjauS ben tarnen be§ Urt)eber§ feftljalten mottle, ii§ auf einen gemiffen ®rab fönnte geljinbert roerben. Eben fo bafj ieber Einzelne, ofjne bafs irgenb eine innere $er* änberung mit tljm Vorginge, an$ feiner frommen gemein* fdjaft in eine ganj onbere übergefm !önne lebigltcl) baburdj ba% er bie eine gefc^ic^tlictje Slnfnüpfung auftöft unb ftd) einer anbern anfdjltefet. 2)ie§ mürbe aber gegen alle Er* faljrung ftreiten. %a e§ märe unter biefer 33orau§fesung unmöglich, bafc eine $Religion§gemeinfcl)aft innerhalb einer anbern entfielen fönnte unb ft<$ oon ü)r lofjrei|en; benn menn nidj)t§ neues? l)inemfäme, fönnte aud) fein neuer Anfang fein ba mo baffelbe [d)on mar.
2. lieber ben eignen Stnfang ieber frommen ($5emeinfdjaft nun bebarf e§ feiner meiteren Erörterung. Db eine neue Wartung be3 fd}le<$tljinigen 5lb^ängigfeit§gefü^l§ suerft nur in Einem ober gleichzeitig in SWeljreren ft<$ bilbet, ift gteidj* gültig, nur bafj $eber ba% le§tere im 2lttgemeinen unmaljr* feb einlief er finben mirb al§ baä erfte. Eben fo märe e§ unnüj, oerfdjiebene 5lrten unterf Reiben gu motten, mie eine foldje neue Söilbung in ber (Seele entfielen fann, ba bit gemein* fdjaft nur erft bur<$ bie ÜDcittf) eilung unb ^Übertragung ent* ftefjt. 2)af$ e3 aber mit ber inneren S3erfct)ieben^eit bte in beut <Sa$ au^gefbroc^ene $8eroanbnife l)abe, bebarf nodj einer Erörterung. 2)er <Saj nämlid} behauptet, ma3 iebodj unferm 3meff gemäfc nur auf bie frommen ©emeinfe^aften ber Ijödjften ©tufe angemenbet merben fott, bafe in allen jmar baffelbe fei, aber in ieber atte§ auf anbere SSeife. $)ie Ijerrfc§enbe2lnftdjt hingegen ift bie, bafe ba$ SJceifte in allen ©ememfdjaften ber IjöcMten ©rufe baffelbige fei, unb bafj ju biefem allen gemein* famen nur in jeber nod) einiget befonbere Ijinäufomme, fo etma um e§ nur au§ bem groben baraufteHen, bafj ber (glaube an Einen ($5 ort ba§ allen biefen gemeinfame fei mit allem ma§ baran Ijängt, in ber einen aber fomme ber (SJeljorfam gegen bie ©efesgebung ^inju, in ber anbern ftatt beffen ber glaube an Efjriftum, unb in ber britten ber an ben Sßropljetett. Mein menn ber ®iaube an Eljriftum olme Einfluß märe auf
e*i..^tiftr.®i.L i
50 ©er d)rift[ict)e (Blaube. Grfter £f)etl
ba$ oljne benfelben unb bor iljm fdjon borbanbene ©otteS* oehntfetfein unb auf bie $lrt, tote e§ fid) mit ben ftnnlidjett (Erregungen einigt: [o ftänbe er entmeber gans aufebalb be$ ©ebiete§ ber grömmtgfett, unb märe mithin, ba ibm ein anbereS gar ntctjt angemiefen merben fann, nidjt§, ober (Et)riftu§ märe menigften§ nur ein einzelner ©egenftanb, tüelcfjer audj (Einbrüffe Ijerborbringt, bie. ftdj mit bem ©otte§* bemufjtfein einigen !önnen, unb auct) in biefem gatt märe bon einem ©tauben an iljn eigentlich nidjt bte Ötebe. ©oEte aber bit Meinung bie [ein, ber (glaube an (Efjrtftum Ijabe aller* bing§ einen (Einfluß, aber nur auf einige fromme (Erregungen, bie meiften aber mären im (Ebriftenttjum gans eben fo geftaltet tote in anbern monottjeiftijdjen ©laubenSmeifen: fo mürbe barin bod) bxt Söefjaubtung liegen, ba% biefer (glaube meniger einen (Einflufe Ijabe auf ba$ ®otte§bemu§tfein, meldjeS \a in allen frommen (Erregungen beffelben Sftenfdjen jur f elften Beit, b.f). fo lauge er berfelben frommen ©emeinfdjaft an« geprt, audj baffelbe fein mufj, fonbern e§ märe nur ein &in* flufc auf ba% finnlidj erregte (Selbftbemu^tfein, melier alfo feine eigene ©Iauben§meife begrünben fönnte. (E§ bleibt bei* tjer nur bie Slnnaljme unfere§ @age§ übrig, meiere in ftdj fc^Hcfet, bafj in jeber mirflidj eigentümlichen frommen ©e* nteinfdjaft ba§ <Selbftbemufjtjein felbft ein anber§ beftimmte§ fein mufc, inbem nur unter biefer Söebingung audj alle frommen (Erregungen anber§ fömten beftimmt jein. SSie e§ ftd) nun an iebem einjetnen Söeifbiel feigen mufj, bafj nur fdjeinbar etma§ ganj baffelbe fein fann in ber einen ®lauben§metfe mie in ber anbern, menn boctj ba§ ©otteSbemufjtfein felbft berfdjieben beftimmt ift in beiben: fo ift audj ba% nur ein (Schein, ba% in jeber ($5tauben§meife etma§ fei ma§ in ber anbern gäitätidj fefjle. $)enn menn bodj audj in anbem @(auben§meifen Sftenfdjm erbung ©otte§ borfommt unb gött* lidje ®eifte§mittfjeilung: ma§ foUte mol ba$ fdjtedjtljin neue be§ (Ebriftentt)ume§ fein? ©affetbe läfjt ftdj aber audj im TOgememen etnfeljn. ©oll nä'mlidj unter 93orau§feaung eine§ botlt'ommen gleich befttmmten ®otte§bemu£tfein§ in einer ©lauben§meife etma§ fein, tt>a§ in ber anbern nidjt ift: fo f önnte biejes? nur berufen auf einem berfdjtebenen (ErfaljrungS* gebiet; unb fomit müfjte ber gange Unterfdjieb berfdjmtnben, menn bie (Erf ab rangen ftdj au§gletdjen.
3. SBenn mir nun glei$ ben Segriff ber 2Irt auf tmferm Gebiet nur in einem unbeftimmteren (Sinne aufftetten fonnten: fo ftefjt bodj ber be§ ^nbibibuum§ audj Ijter fefter unb bte
©rfte§ Sapitet. 3ur (Srftäriutg ber Togmatif. 51
fn unferem (Sa§ aufgehellte gormel ift biefelbe, meldte für alle inbünbueßen Unterschiebe innerhalb berfelben 5lrt uub (Gattung gilt, 2)enn jeber SReufd) §at atte§ baä ft>a§ ber anbere aber aüe§ anber§ beftimmt; unb bie gröfjte $Ieljnlicfjs fett ift uur eine abnelmtenbe pdjften§ beatef)ung§toeife Per* fcrjrainbenbe SBerfcfjieberi&eit. (So Ijat aucfj jebe 5lrt baffelbe tüte \ebt anbere ttjrer (Gattung, unb aKe§ im eigentlichen (Sinn Ijinsufommenbe ift nur sufätttgeS. 9cur ba§ 5luffinben biefe§ unterfd)eibenben tu einem eigenlfjümliccjen Smfein ift eine Aufgabe, meldte tu SSorten unb Sä§en nie Pollfommen, fonberu nur burcrj 5lnnäfjerung fanngelöftm erben, ©aljeraud) Dcatur* forfefoer unb <35efc6)icrjtfcfireiber nur gemiffe SOcerfmale al§ ®enn* äeierjen t)erau§sut)eben Pflegen, oljne bafj fte behaupten möchten, ba% biefe aüe§ unterferjetbenbe unb ctj ar af ter iftif ctj e au§brü!!en ; unb bamit roirb fidj aucfj ber ÜMigion§befct)reiber in ben meiften gäHen begnügen muffen. (Sott inbefj sunt 33erfuct), bamit ber 5lpologift einer einzelnen ($51auben§meife um fo weniger fefjU greife, ehr>a§ OTgemeine§ angegeben merben: fo mürben mir nur bei jenem bleiben, ba% in ieber eigentümlichen Ö5tauben§^ meife ba% an unb für ftctj überall auf berfelben (Stufe gleiche ®otte§bemuJ3tfein au irgenb einer SBesieljung be§ <Selbft* bemufjtfeinS auf fo Oor^üglic^e SBeife haftet, ba§ e§ fict) mit allen anbern ^efttmmttjeiten be§ <Selbftbemufjtfein§ uur Per- mittelft jene§ einigen fann, fo ba% biefer Söe^ietjung alle anbereu untergeorbnet finb, unb fie allen anbern üjregarbeunb iljren £on mitteilt. (Sollte e§ icrjeinen, al§ merbe t)ierburcrj meljr nur eine Derfcrjiebene Siegel ber Sßerfnüpfung frommer Momente au§gebrü!ft al§ eine ^erfcfjiebentjett ber gomt ober be§ 2m* ljatte§: fo ift nur gu bemerfen, ba% jeber Moment felbft $er* fnüpfung ift al§ Uebergang nämlich t>om borigen sunt folgenben, unb alfo audj) ein anberer merben mufe, rcenn ba£ fromme (Selbftbehmfjtfein unter eine anbere 23erfnüpfung§roeife ge* ftettt mirb.
3uf a§. Sftnr au§ ben beiben in unferm (Sa§ aufgehellten fünften, nämlicfj bem befonbern Einfang auf ben jebe fromme (^emeinfctiaft surüffgeljt unb ber eigentt) umliefen (Mtaltung, meiere bie frommen Erregungen unb bie 5lu§fagen über bit* felben in jeber annehmen, läfet fiel) aucfj ber (Sprachgebrauch ! berbe!annten5lu§brüftepofitit) unb geoff enbartrepuliren. | ®afj biefe siemlidj Permorren gebraucht merben oft gans auf biefelbe SBeife balb öon ben einzelnen Seljren balb öon ber ®lauben§ir»eife überhaupt, unb balb bem natürlichen entgegengeht balb bem Pemunftmä'fjigen, bieg ift befannt.
4*
52 $er djrifttldje ©laufte, ßrfter Xfjeil.
©cljroerlid) möchte e§ au<$ be§ljalb gelingen fte fo fefouftellen, ba% bon benfelben ein gleichmäßiger bitrc&gefüljrter ®ebrau<$ auf bem (gebiet ber miffenfcljafttidjen Geologie ju machen märe. %üx ben erften 5lu§bruff Ijaben mir eine gute Seitung an bem ©ebraud}, ber bon bemfelben gemacht mirb auf bem Gebiet ber fRecf)t§ier3re, mo man ba$ pofittbe fRectjt entgegen* fest bem Sftaturred^t. Sßergleidjt man beibe§, fo finbet ftct}, ba$ ba§ DMurredjt in bemfelben (Sinn mie ba§ bofttibe, nämlich al§ 93aft§ einer bürgerlichen ©emeinfcl)aft, nirgenb ift ©elbft bie emfadjften unb urfbrünglidjen SBerljältniffe, mie ba$ bäterlidie 5lnfeljn ober bie e^ücrje ®emeinf$aft ftnb in jeber ®efeltf<$aft auf eine eigentümliche Sßeife beftimmt, im &taat bur<$ bie mörtticfc abgefaßte ®efesgebung, bor bemfelben bur<$ bie. Ijerrfdjenbe (Bitte. £)a§ 9caturrec^t aber ift nur baZ. ma§ fict) au§ ber ®efesgebung alter (^efeUfctjaften auf bie gleiche SSeife abftrajjtren läßt, ^a felbft menn e§ al§ reine (Srfenntniß auf einem anbern SSege au ©tanbe fäme, mürbe bod) %ebex gefteljen, ba% menn bon einer Sin* menbung beffelben bie fftebe fein follte, e§ bo$ erft nät)er beftimmt merben muffe, unb alfo al§ anmenbbar ebenfalls nur auf ben Slct biefer nähern Söeftimmung äurüffgefüljrt merben !önne. <Bo ift e§ nun aud) mit ber natürlichen Religion, baß fte1 al§ 95aft§ einer religiöfen ©emeintdjaft nirgenb tft, fonbern nur ba& raa§ ftctj au§ ben Seljren aller frommen ®emeinfd)aften ber Impften Drbnung gleichmäßig abftral)iren läßt al§ ba$ in allen borljanbene nur in jeber . anber§ beftimmte. ©ine foldje bezeichnete bit gemeinfamen Derter für alle in ben firc&lid^en ©emeinfdmften bort'ommenben frommen ®emütt)§suftänbe, unb müßte, menn man fid& alle frommen (Semeinfdjaften al§ f$on gegeben benft, unb audj in Söejug auf bie Terminologie einer folgen 2ef)xe bit ber* fciiebenen bl)üofobljtfct)ett ©t)fteme al§ gegen etnanber au§* geglichen, überall biefelbe unb ju allen Seiten ftdj felbft gleich fein, märe aber audj immer unb überall nur ein (£igen= tljum, meld)e§ neben i^rer beftimmten 2trt unb SBeife ber grömmigfeit unb bem ÄuSbruff berielben in ber £el)re bit* jenigen einzelnen au§ ben berfcl)iebenen SfteligionSgemein* f<$aften befäßen, meiere bon itjrem ©tanbbunft au§ auclj bie übrigen ®emeinfd)aften in i^rer 3ufammengel)örigf eit an* erfennenb ba§> in ber SöirHiccjfett getrennte in einer fjöfjeren ©inljeit äujammenaufcljauen bermögen. (£§ mürbe audj nidjt
1 S89I. §. 6. Sufaa.
(SxfteS Äcnntel. 3ur (gtflärung ber ©ogmattf. 53
ferner toerben gu bemeifen, tbeilS bafj, maS man mit Meiern tarnen begeidmet, and) mirflid) auf biefem SSege entftanben ift, tfjetlS ba£ bie einzelnen $erfud>e biefeS fecunbäre (Er* aeugnife gur SöafiS einer ftrdjticben ©emeinfdjaft gu machen immer mißlungen finb, unb aud) immer mißlingen muffen; bod) bieS geprt meniger bieder. SSäre bemnad) als btofce SufammenfteHung bon ßefcrfäaen eine foldje natürliche nidjt fomol Religion als ©laubenSteljre mie man eigentlicher fagen fofftc auf ieben gatt, aud) menn fie nodj anberS entftanben märe, nur baS gemeinfame alter monotjjeiftifctjen ©laubenS* meifen: fo bemäljrte firf) bann baS bofttibe einer leben al£ baS mbibtbualifirte, raeldjeS toie oben gegeigt roorben in einer ieben nid)t ettoa nur §ie unb ba ift, fonbern menngleidj bier mebr bort meniger berbortretenb , bod) immer genau genommen überall. (ES ift aud) nur ein SDcifjberftänbnifc, menn man bit mirflidj befte^enben frommen ©emeinfdjaften baburdj öon einanber unterfebeiben totff, bafs in ber einen baS bofttibe feinen Ort Ijjier babe in ber anbern bort, mie g. 23. im (Eftriftentbum feien eS bk ße^ren, im ^ubentbum aber bie (Gebote.1 S)enn finb in einer ©ememfdjaft bte ©e* böte mebr herausgearbeitet unb bie Seijren meniger, in einer anbern umgefetjrt; fo berftefft fid) in bem einen gatt. bit Seljre nur im ©ebot als (Symbol, nnb im anbern tritt bie ße^re felbft auf als ©ebot fie auSgufpredjen unb gu be- fennen. (ES märe audj eben fo unrichtig gu läugnen, ba% bie Sßorfcbriften ber djriftltdjen «Sittenlehre bofttiü mären, alS bafj bie ßetjre bon Sejobafj eS im Subent^um fei. ^eben- falls ift meber baS ©ebot als SluSbruff einer gemeinfamen £>anblungSmeife nod) bie ßefjre als 3(uSbruff einer gemein* jamen SSorfteltungSart etmaS urfbrünglt$eS, fonbern beibeS in ber gemeinfamen (Eigenttjümttcbfeit ber frommen (Erregungen gegrünbet. £)a nun otjne biefe auefj bie beftimmte ©erneut* jdjaft felbft nid)t bätte entfteben tonnen, biefe aber bon ber ibren Anfang begeidmenben £ljatfadje ab unb in Söegug auf biefelbe beftanben fjat: fo mu| aueb baS eigentümliche ©e* präge ber frommen (Erregungen in berfelben £batfad)e be* grünbet fein. S)iefeS nun foH burdj ben 5luSbru!f p of itib begeiebnet merben, ber inbiüibueEe Snjjalt ber gefammten frommen SebenSmomente innerhalb einer religiöfen ©erneut* febaft, fofern berfelbe abbängtg ift bon ber Urtfjatfacbe, auS roeldjer bie ©emeinfeijaft felbft als eine gufamment)ängenbe
1 ©. 3K. 2Kenbel§[of)n§ Serufalem.
54 £er djriftlidie ©foufie. (grfter Sfjetr.
gefdjtcfitHdje Grfdjehumg Ijerborgegangen ift. — 2>ie 9lu§brüffc offenbaren geoffenbart Offenbarung bieten nodj meljr ©d&hriertgfetten bar, inbem fte fdjon urfbrünglicf) balb mein' ba§> (Srljellen be§ bnnflen bermorrcnen unbemerften balb meljr ba$ Slufbeffen niib (£ntf)ülTen be3 bi§tjer berborgen gemefenen unb geheim gehaltenen bebeuten, nocf) meljr 23er* mirrung aber tft Ijtneingefommen burdj bie ttnterfcrjeibung ämifctjen mittelbarer nnb unmittelbarer Offenbarung. 2)a* rüber tnbefj merben ftct) rool SlUe leidjt tiereinigen, bafj meber ba% auf bem (Gebiet ber (Erfahrung bon bem Einen entbeffte unb 5Inbern überlieferte nod) ba§ tum Einem burcb Sftadjbenfen erfcmnene unb fo bon Stnbent erlernte jemals als geoffenbart beseidjitet tuirb ; unb eben fo barüber, bafj eine göttlidje SRttt^eüuttg unb ®unbmad)ung babei borauSgefest mirb. Unb in biefem ©hüte finben mir ben 5lu§bru!f ferjr allgemein auf ben ttrforung frommer ©ememfdjaften an* geroenbet. S)enn bon melden religiöfen ÜXJhrfteriett unb be* fonbern (55ottc3bereljrungen fomol htx ben Hellenen als hei ben 9tegt)btern unb gnbiern märe benn nidjt behauptet morben, ba% fte urfarüngltdj bom £immel gefomnten ober auf trgenb eine airfeer bem Bufammenfyang ber menjd)lid)en2)inge liegenbe SBetfe bon ber <55ottl)eit mären funb gemacht morben. ^a nicrjt fetten finben mir audj ben Einfang ber bürgerlidjen ($5e= fettfdjaften, mie benn bon born herein ftttlidjeS unb religiöfeS häufig ungetrennt erfdjeint, auf eine göttliche (Senbung beffen, ber guerft ben (Stamm gu einem bürgerlichen herein fammelte, äurüt'fgefufjrt unb alfo bte neue SebenSorbmtng auf Offen* barung gegrünbet. 3)emnadj mürben mir jagen fönnen, ber begriff beseiclme bte Urfprünglidjfeit ber einer religiösen $emetnfdjaft §um (Srunbe liegenben Stfjatfadje, infofern fte al§ ben inbibibueßen ®eljalt ber in ber ($5emeinfd)aft bor* fommenben frommen (Erregungen bebingenb felbft nicr)t roteber auS bem früheren gefd)td)tlid)en ßufammenlmng ju begreifen ift. £>afj nun rjier tu bem urfbrünglidjen eine göttliche Sau* falität gefegt tft, bebarf feiner meiteren Erörterung; au$ biefeS ittct)t bak eS eine auf baS^eil ber 9!)ccnfdjen abgmeffenbe unb eS förbernbe SSirffamfett ift. 9cur bie Sßeftimmung möd)te tdj nid)t gern aufnehmen ba% fie eine SSirhtng fei auf ben äftenfcfjen als erfennenbeS SSefen. 2)cnn alSbann tft bie Offenbarung aud) uribrünglidj unb mefentlidj Seljre; unb Riebet glaube tdj ntdjt ba% mir fteljen bleiben fönnen, meber menn mir auf boS gange (Gebiet beS Begriffs feljn, nodj roemt mir i(jn im borauS bor$ügltdj in Söegtefmng auf baS Gtjriftentljunt
GrfteS fiapitel. 3ur ©rflänntg ber 3>ogmaiif. 55
fceftimmen motten. £)emt menn eine Söerfnüfcfung bon ©äaen toerftanben merben fann au§ itjrem 3ufammenl)ang mit anbern, fo mar audj ju tfjrer &erbor6ringung nirf)t§ übernatürliches ttötljig; menn aber nic|t, bann fönnen fie aurf) aunädjft nur erfaßt merben, morüber mir un§ nur auf bit erften ®runb* fäge ber £>ermeneuttf berufen, al§ Sfjeüe eine§ anbern ®anaen, al§ £eben§moment eine§ benfenben 28efen§, roeldjeS urförüng* lid) auf un§ mirft al§ eigentümliche (Sjiftens burdj feinen 5£otaleinbruff, unb biefe Söirfung ift immer eine Sßirfung auf baZ ©elbftberoufjtfein. £)ie urfürünglic^e £Ijatfadje mirb alfo immer ba% Stuftreten einer folgen (Sjiftenj fein, unb bie ur* fprüngtic^e SBirfung immer bie auf ba$ (Selbftbemu^tfein berer, in beren Seben§fret§ fie eintritt. $)af$ Ijierburd) bte fielire nidjt au§gefrf)loffen mirb fonbern mitgefeat, leuchtet ein. Ucbrigen§ bleibt e§ immer ferjr färoterig ja- faft unmöglich, biefe $orfteftung beftimmt gu begrenaen, unb menn fie fo be* fttmmt gefaxt mirb ifjre ©ntftebung überalt mo fie oorfommt gu erflären. SDenn überall auf bem mijttjologifctjen ®ebiet, "bem fjeftenifdj)en forool al§ bem orientalischen unb norbifd^en, ftreifen biefe göttlichen Mitteilungen unb ®unbmact)ungen fo nalje an bie I) beeren guftänbe ber tjeroifctjen fomol at§ biegte* xifdjen SBegetfterung, ba% betbe§ ferner oon einanber au trennen ift, unb man bann faum einer erweiterten Anmenbung be§ Begriffs mehren fann, ba% nämlidj jebe§ in ber ©eele auf* ge^ienbe Hrbilb, fei e§ nun §u einer 3$at ober p einem Shmftraerf, meld)e§ meber al§ ^atfjaljmung au begreifen nodj aus? äußeren Anregungen unb früheren guftänben befriebigenb SU erflären ift, al§ Offenbarung bürfe angefetjen merben. 2>enn ba% baä eine größer ift, ba§ anbere geringer, ba$ fann Ijier feine ®renae bilben; unb oft mar aud)molbte begeifterte innere ©rjeugung eine§ neuen unb eigentümlichen Götter* bilbeS, unb bte Gmtftebung einer eigenen Ö3otte§öerebrung nur eine§ unb baffelbe. Sa fcrjtrierlid) mürbe fidj überhaupt eine fiebere ®renae annfct)en bem geoffenbarten unb bem buref) Q3e* getfterung auf natürlichem Söege an§ 2iä)t getretenen auf* fteßen laffen, menn man nidjt barauf aurüffgetjen miH, baj$ Offenbarung nur ba anaunefjmen fei, mo nidjt ein einaelner Moment, fonbern eine ganae ©jiftena burdj eine foletje gött* lictje Mitteilung beftimmt ift, unb ma§ bann oon einer folgen Junbgemad)t mirb, ba§ ift für geoffenbart %u achten. 2)er* gleiten finb in ben pofytfjeifttfdjen Religionen nidjt nur bie göttlichen ^unbmac^ungen unb (Sprühe, meldte an beftimmte ^eilige £)erter gebunben finb, bk al§ befonberS erfotjrene
56 ©er dniftlidje ©laube. (Srftcr XtyU.
398oljnft$e ber (Sottljett t>on iljr finb funb gegeben morben, fonbern auef) biejenigen $erfonen, meiere meil fie bon ber ©ottfjett abstammen auf eine urforünglidjie au§ bem gefdjtdjt« liefen 3ufammenf)ang ntdjt begreifliche SSeife ba$ QÖttltd^= borbilblicfc in einem menftfjtidjen ßeben funb ge6en. ^n bem= felben <Sinne nennt $aulu§ felbft bie Söett bk urforüngtiebe Offenbarung (Sottet.1 2lffein eben biefe§ fann lieber baljtn füijren, bafj nid)t§ einsetneS, inbem e§ ja immer ber SBelt angehört, für fiel) bürfe al§ göttliche Offenbarung angefejjen merben. S)enn fo mie ba§ aufgeben eines? Urbi(be§ in einer einzelnen (Seele menn aud) nidjt au§ ben frühem Buftänben eben berfelben ju begreifen ift, bodj au§ bem ($5efammtsuftanb ber (Sjefettfcbaft, melier jener ©mjelne angehört, mufj be* griffen merben tonnen: fo erferjeinen auet) bie 99cenfd)en, benen göttliche 3lbftammung beigelegt mirb , bod) immer bolf§mäfug befttmmt, mithin auef) in iljrer (Jrjftens au§ ber gelammten SBolfgfraft su begreifen. Söenn mir alfo auef) ba% Sßerbältnifj be§ 23egriff§ Offenbarung unb geoffenbart ju bem begriff be§ pofttioen für ba§ ($5efammtgebiet ber geferjidjtlicf) be= fte^enben frommen <Semein)<$aften, fo mie gefdjeljen, feftftetten bürfen: fo merben mir boctj augleid} natürlich) finben muffen, bafj bk SInmenbung be§ Begriffs auf bie in einer beftimmten frommen ©emeinfebaft sunt ®runbe liegenbe £bfltfadje bon allen anbern au§ merbe beftritten merben, mäbrenb fie jebe für iljr eigenem (Skunbfactum in Slnfprudj nehmen. (äJnbltdj mirb auef) biefeS nodj Ijinäuaufügen fein, bafj menn eine <$5lauben§meife bie Slnmenbung, meiere fie bon bem ^Begriff maerjt, geltenb machen miH gegen bie übrigen, fie bie§ feinet mege§ burcfjfübren fönne öermittelft ber Söebaubtung, ba% ibre göttliche SOZitt^eilung reine unb gan§e Sßaljrljeit fei, bie anbern aber falfd^eS enthalten. S)enn sur bottfommenen SSa^r- fjeit mürbe gehören, bafj ®ott ftd) funb machte, mie er an unb für ftdj ift; eine folcbe aber fönnte meber äu^erlict) au§ irgenb einer i&atfadje beröorgefjen , ja audj menn eine foldje auf unbegreifliche Söeife an eine men|cf)ücf)e <Seele gelangte, fönnte fie nierjt oon berfelben aufgefaßt unb al§ ®ebanfe feft* gehalten merben, unb menn auf feine Sßeife malgenommen unb feftgebalten , fönnte fie bann audj nidjt mirffam fein. ©ine Sunbmadjung ($5otte§, bie an unb in un§ mirffam fein jott, fann nur ®ott iu feinem SSerr)ciltnife §u un§ auSfagen; unb bie§ ift nierjt eine untermenfcf)licfje Untoiffenljett über
1 SRöm. 1, 19.
(grfteg flapttel. 3ut ßrflärung ber Sogmattf. 57
©ott, fonbern ba§ SSefen ber menfdjtidjen SBefdjränftljett in Söeätefjung auf ü)n. S)amit Sängt aber aud) auf ber anbern (Seite aufammen, baß in einem (Gebiet günstiger fHo^Ijett uub $ermnfenf)eit ein entfteSenbe§ ©eftmßtfetn <#otte§ raaljrs Ijaft eine Offenbarung feiu tonnte, uub bodj au§ ©djulb be§ ®emütf)e§ in beut e§ entfielt, gteid) fo roie e§ aufgefaßt uub feftgetjalten nrirb, au einem unooHfommnen craSfdjlagen. $)a§er bürfte benn audj Oon ben unboßfornmenen ($5eftattungen ber grömmigfeit, fofern fte felbft ganj ober £fjeiltt>etfe auf einjelue 2tnfang§tmnfte gurüffaufüljren finb, uub it)r Snljalt au§ nichts ieufeit berfelben liegenbem ju begreifen ift, mit Sfte<$t gefagt to erben föuueu, ba% fte auf Offenbarung be= rufien, mieoiel unridjtige§ auc§ bem Sßafjren barin beigemifdjr fein mag.
HI. 2)arftellung be§(£fjriftentljum§ feinem eigen« tijümlidjen Sßefen na<$. Sefjnfä'se au§ ber Slpologetif.
§. 11. $)a<o ß^riftenf&um ift eine ber teleologischen #tid)tung ber grömmigfeit angel)örtge monot^eiftifd&c ©laubenStoeife, unb unterf Reibet ftd) üou anbern folgen toefentlid) baburdj, ba$ alles in berfelben belogen ttrirb auf bte burd) Qefum fcon sflagarety üoHbrad)te @r* löfung.
1. 2)ie Aufgabe ba% (Stgentpmltdje einer ©IaubenStoeife aufsufinben unb möglich auf eine formet p bringen ift ntdfjt füglid) anberS *u löfen, ol§ inbem mau naä^meift, toa§ aud& in ben öerfdjtebenften frommen Q$emüt'5§ä,uftnnben innerhalb berfetben ©emeinföaft baffetbige tTt, tuäljrenb e§ in ben ona* logen Buftänben innerhalb anberer (55 emeinf haften feljtt. ^e nTentger nun p ermarten ift, ba% eben bie$ Eigentümliche in allen fo feljr unter ftctj) 0 ergebenen Erregungen gletct) ftarf ausgeprägt ift, um befto leichter fann man htx biefem $erfud)e fehlgreifen, unb am Enbe su ber Meinung fommen, bai e§ überhaupt feinen feften innern Unterfcfjieb gebe, fonbern nur ben äußerlichen burdj) Seit unb Sftaum befttmmten. gnbeß läßt ftdj au§ bem oben1 ®efagten mit aiemlidjer ©ictierljeir folgern, baß mau ba§ Eigenttjümlidje am menigften berfetjlen
§. 10. 3ufoa.
58 $er d§rtfffi(fje ©imiöe. G rfter Sfjeil.
hrirb, trenn man ftd) an ba§> mit ber Ökunbtbatfadje am ge* naucften äufammenbangenbe audj ooraügltd) Ijält, unb biefe 83erfaf;tung§art liegt audj bei ber formet be§ @ase§ sunt ©runbe. £)a§ (Sljriftentijum hktü aber nodj befonbere <&djroiertgfetten bar, fdjon babutdj ba% e§ mebr al§ anbere (551auben§meifen oielfadj gehaltet unb in eine ÜD?annigfaltigfeit bon Heineren ®ird)engemeinfd)aften serfpalten ift, fo bafj man ftd) bie ätüief ad)e Aufgabe au ftellen bat, §nerjt ba§ bie[en leateren fämmtltdj gemeinsame eigentbümlidje SBefen be§ (£briftentljum§ überhaupt, bann aber audj ba$ ber befonberen SHrcbengemeinfdjaft §n finben, beren Ütedjt nadjgenüefen ober beren ©laubenSlebre aufgeteilt werben folt. 9?odj mebr aber liegt ©djhrierigfett barin, bafj aud) nod) in jeber einzelnen SHrdjengemeinjdjaft faft jebe Seljre an beridjtebenen Drten nnb .Seiten unter ben mannigfaltigsten 2lbw eidmngen bor* fommt, mobei bodj immer, menn audj ntcrjt eine eben jo grofje Sftanntgfaltigfeit in ben frommen (SJemütfj§suftänben felbft, bodj roenigften§ eine grofje ^öerfcr)tebenr}eit in ber SXrt fte aufaufaffen unb gu fcrjä^en ^um ÖJrunbe liegt, ^a ba$ fdjlimmfte ift, bafj burd) bieie 5lbm eidjungen ber Umfang be§ cbriftlidjen $ebiete§ unter ben (£l)riften felbft ftreitig hrirb, tnbem ber eine bon biefer, ber anbere bon jener öefjrform belmuptet, fte fei smar innerhalb be§ (£briftentl)um3 erzeugt, aber bodj üjrem gnbalte nad) eigentlich undjriftlidj. ©teljt nun berjenige, ber bie Aufgabe löfen nnÄ, felbft $a einer bon btefen Sßartfjeteu, unb feat im borau§ feft, nur ma§ im ($5e* biete ber einen Slnjtdjt borfommt, bürfe mit in Stedjnung ge= jogen werben, um ba$ unterfdjeibenbe be§ (£(jrtfientljume§ au§aumitteln: fo fest er im borauS (Streitigfeiten al§ ent* fd)teben borau§, ju beren ©ntfdjeibung er bocrj eben erft bk Söebingungen finben will. S)enn nur erft menn ba§ eigen- tbümlidje SSefen be§ (£(jriftenrijum§ au§gemittelt ift t'ann t\\U fdjieben Werben , in miefern bie§ ober jenes bamit berträglidj ift über uidjt. ®amt er fidj aber and) aller Vorliebe ent= fdjlagen, unb siebt eben be§balb atte§, aud) ba§> entgegen« gefeatefte, fofern e§ nur fidj felbft für djriftltdj au§giebt, mit in 9iledjmtng : fo fteljt er auf ber anbern (Seite in ©efaljr, ein feinem ©eljalt uacb tüeit geringere^ unb farblofereS, mitln'n aueb für bie Bmeffe ber Stufgabe minber angenieffene§ (£r* gebnif; %vl erlangen. $)ie§ ift ber bermalige nidjt au ber* bergenbe ©tanb biefer Slngelegenbeit. ®a nun ieber, je frommet er ift, um fo mcljr audj au biefer Unterfud)ung feine inbtüibuette gtömmiflfeit miUubviugen pflegt: fo ift bie Slnäaljl
erfteS ÄQpitel. 3ur Grflörung ber ©ogmatif. 59
berer bei tu eitern bte größere, meldte ftdj i^re Vorstellung bon bem eigentümlichen SBefen beS (£rjriftentl)umS nadj bem gntereffe iljrer §J5avt^ei bilben. SBogegen für baS gntereffe ber Styologetif foraol als für baS ber Glaubenslehre fctjetrtt eS geratener, lieber mit einem geringeren fRefultat ftdj für ben Anfang gu begnügen, unb bie ^eröoEftänbigung beffelben bon bem weiteren Verfahren gu ermarten, als memt man mit einer engen unb auSfd)lief;enben formet beginnt, meldte nottj* tnenbig eine ober mehrere i(jr entgegengefegte ftä) gegenüber §at, mit benen boct) früher ober fbäter nod) ein ®amj>f beborftebt Unb tu biefem Sinn ift bie gormel beS Sase§ aufgeftettt
2. SSie nun unftreittg aEe ©fjriften bie Gemeinfcrjaft, ber fte angeboren, auf ßljriftum gutüff führen: fo rcirb liier bor* ausgefegt, ba% aucf) ber StüSbruff (£rlöfung ein folctjer fei, gu bem fie ftd) alle befennen, unb groar ntdjt nur fo, bafj fte itjn groar TOe gebrauchen, bielteicfjt aber ^eber in einem anbern Sinne, fonbern fo ba% eS auc^ etluaS gemeinfameS/ giebt, melcfyeS OTe babei im "Sinne baben, raenn auci) ieberj eS auf eine anbere SSeife näljer beftimmt. S)er SluSbruff felbft ift auf biefem Gebiet nur bilblidj unb hebeuttt im 2111* gemeinen einen Uebö&anQ auS einem fc^lectjten guftanae, ber al§ Gebunbenfein borgeftefft roirb, in einen beffern, unb bieS ift bie&- ift bie jpaffibe «Seite beffelben; benn aber auct) bie baju bon einem ISnbern geleiftete £>ülfe, unb bteS ift bk actibe Seite beffelben. 8ludj liegt in ber GebraucbSraeife beS SöörteS nid)t mefentlicb, hak bem fctjlectjteren «Suftanb ein befferer fdjon borljergegangen fein muffe, fo bafj ber folgenbe beffere eigentlich nur eine 3öiebert)erftellung fei, fonbern biefeS fann borläufig ganj unentfdn'eben bleiben. Soll nun ber 5luSbruff angeraenbet raerben auf bem Gebiet ber grömmig* feit: fo fann, bie teleologifc^e 9?i<i)tung berfelben borauSgefejt, ber fctjtectjte Buftanb nur barin beftetm, baj_bie_£ebenbigfeit beS jö|eren SelbftbemnfetfeinS gehemmt ober aufgehoben, ift, fo"lmf$ Einigung beffelben mit ben berfc^iebeueu Söefttmmt* Reiten beS ftmttidjen Selbftbemu^tfein§ unb alfo fromme SebeuSmomente menig ober gar tttc^t ju Staube fommen. SBolIen mir nun biefen guftanb in feiner Södjften Steigerung burd) bie SluSbrüffe Gottlofigfeit ober beffer Gott* bergeffenljeit bejeidjnen: fo bürfeu mir unS bo<$ bieS ntdjt al§ eine gänsliclje Unmögltdjfett ber Belebung beS GotteSbemu^tfeinS benteu. ®enn alSbann tonnte einesteils ber Mangel bon etmaS aufjer&alb ber 9?atur liegenbem nidjt
60 ©er $riflltd)e ©laube. Grfter X&eil.
al§ ein übler 3uftanb gefüllt roerben; anberntfjetlS roürbe, um biefen Mangel aufaubeben, bann eine Uiuftfjaffuna, int eigentlichen (Sinne erforbert roerben, unb bicfc Borftellung ift in bem Söcßriff ber (Srlöfung nid)t enthalten. 2Bie benn btefe SDfögltdjfett audr) ba oorbeljalten bleibt, roo ber üble ßuftanb be§ ®otte§berouf3tfein§ mit ben ftärfftcn garben gefctjilbert roirb.1 @§ bleibt baljer nur übrig, t$n al§ eine nict)t t>or* jjanbene Setcrjtigfeit ju beaeidjnen, ba$ ©otteSberoufetfein in im 3nfammenl)ang ber roirflicrjen öebenSmomcntc einjufübren unb barin fefeuljaften. £>iema<$ fdjeint e§ freiließ, al§ ob bie beiben 3uftänbe ber oor ber (Srlöfung gegebene unb ber burdj bie (Srlöfung ju beroirfenbe nur al§ ein SOcetjr unb SJcinber atfo auf unbestimmte SBeife fönnten unterfdjieben roerben; unb e§ entfielt bie Aufgabe, roenn ber begriff ber ©rlöfung fott feftgeftefft roerben, ben unbeftimmten Unterfdjieb auf einen beaielntngSroeifen ©egenfaj jurüffaufüfjren. (Sin joldjer ®egenfaa aber liegt in folgenben gormein. Sin* genommen eine Slctioität be§ ftnnlic^en ©elbftberoufjtfeinS um einen Moment au erfüllen, unb einen anbern anaufnüpfen,. fo roirb ber Opponent berfelben größer fein atö ber be3 jjö^eren <Selbftberouf3tfem§ , um ftdj mit ienem ju einigen, unb, angenommen eine Sctfoitäi be§ Ijöljeren (Selbftberoufjt* fein§ um einen Moment buret) Einigung mit einer SBefttmmt* ^eit be§ ftnnlidjen au erfüllen, roirb ber Opponent berfelben fleiner fein, al§ ber ber Slctiöität be§ ftnnlidjen, um ben. Moment für ftdj allein au ootlenben. Unter biefen $8e« bingungen roirb eine Söefriebigung ber Ridjtung auf ba% ®otte§beroufjtfein nidjt möglich fein, unb alfo, roenn eine folcrje iu ©tanbe fommen toll, eine (Srlöfung notfjroenbig, inbem biefer 3uftanb nichts anberS ift als eine ©ebunbentjeit be£ fd)ledjt{jinigen 5lbl)ängigfeit§gefül)l§. 3n biefen gormein liegt aber nidjt, bafj in allen nad) benfelben beftimmten Momenten baZ ©otte§beroufjtfein ober ba$ fdjledjtf)inige 2lbljängigfett3* öefütjt 9?uE fei, fonbern nur bafj e3 {n irgenb einer SBeateljung ben Moment nicljt bonümre, unb in bem Sftaafj al§ bie§ ber galt ift, fommen ifjm aud) bie obigen 93eaeidjnungen ber ©ottloftgfeit unb ©ottoergeffenljett au.
3. Uniäugbar finbet ftdj bie Slnerfennung eine§ folgen 3"* ftanbeä in alten frommen ®emeinfd)aften; benn alle 33 Übungen unb Reinigungen aroeffen barauf ah, ba$ Söeroufjtfein biefe§ ßuftanbcS ober unmittelbar ifjn felbft aufaufjeben, 2US ba&
1 SRöm. 1, 19. ffob.
(£rfte§ Kapitel. 3ur (Märmtg ber fcogntatif. 61
jentge ober, rooburtf) ftdj ba§ (Hjriftentbum in biefer £inftdjt ton alten anbern frommen ©ememfäaften unterbleibet, roirb in unferm ®as feiertet aufgeteilt, ©inmal bafj im Triften* tl)um biefe§ betbe§ in [einer Bufammengeprigfeit, hj&JXn* fäSifllßÜ unb bie_@rlöiUM» ntdjt etma nur ein einzelnes reti* giöfe§ (Clement tft mie mehrere anbere audj, fonbern bgj alle anbere fromme Erregungen herauf besogen merben",' unb tiefe§ atfo ba$ in allen anbern mitgefe^te ift, fo ba| fie ba=^ bur<$ borsüglid) eigentljümtid) cbriftlt^e roerben. ^meiten§ aber bafe bie ©rlöfung al§ ein atigemein unb bottftänbig burdj Semm bon ^ajaret^ DoHbra$te§ gefeat roirb. Unb biefeS beibe§ ift roieberum nidjt bon etnanber %u trennen, fonbern roefentlid) sufammengeprig. ®eine§roege§ fo al§ ob man fagen fonnte, Gebern ber fi# in alten feinen frommen 9fto* menten feiner fetbft al§ in ber ©rlöfung begriffen beroufct märe, müfjte man eine d)riftlic!)e grömmtgfeit auftreiben, roenn er aud) auf bie $erfon ^em ftd) gar niä)t be§öge ober aud) nid)t§ oon it)m roüfjte, roeldieS autf) fretltd^ nie ber galt fein roirb; unb eben fo roenig al§ oh man fagen fönnte, bie grömmigfeit eine§ Sftenfcrjen fei eine tfjriftlidje, roenn er fie auf Semm äurüfffütjre, gefegt aucfj er märe ftdj feiner felbft babei gar ni$t a\§> in ber (Srlöfung begriffen bemüht, roeldjeg nun freutet) au$ ni$t borfommt. «Sonbem bie Söegietjung auf bie @rtö[ung ift nur beSIjalb in jebem c^riftlt^en frommen löemu^tfein, roeil ber Anfänger ber ctjrtftUcrjen @>emeinfd)aft ber ©rtöfer ift; unb ^efu§ ift nur auf bie SSeife Stifter einer \ frommen Ö)emeinfd)aft, at§ bie d51teber berfelben ftdj ber (£r* löfimQ burd) um bemüht merben. S£)ie borftetjenbe ©rtäute* rung ftdjert fdjon bagegen, bafc bie§ nid&t fo berftanben roerbe, al§ ob atte§ ct)riftltc^e fromme Söerouktfeht feinen anbern ^n« Ijalt tjaben fönne al§ nur Sefum unb bie (£rlö[ung, fonbern nur bafj atte fromme Momente fo meit ba& fcrjtecr)tc)imöe 2lb* tjängigfeitSgefübt ftd) barin frei äußert a.I§ bur<$ jene (Sr* löfung gemorben, unb fo fern e§ barin nodj gebunben erfdjeint, at§ jener (Srlöfung bebürftig gefest merben. Eben fo berfteljt ftet) aud), bafs btefe§ überall mitgefe^te !ann unb roirb in ber* fdjiebenen frommen Momenten audj in berfdjiebenem ®rabe ftärfer ober fdjroädjer mitgefe^t fein, otjne ba§ baburd) ber ct>riftlict)e ßtmrafter berloren ginge. 9cur ba§ roirb freiließ au§ bem ®efagten folgen, bafj menn mir un§ religiöfe ÜDco* mente benfen foHten, in melden atte Söe^ietjung auf bie Er* löfung aufgehoben märe, unb ba$ 93ilb be§ (£rlöfer§ gar nidjt tarin bergegenmärtigt, man bon biefen mürbe fagen muffen»
62 ®er djriftlidje ©lauöe. Erfter Xljell.
fte gehören bem Sbriftentbum nidjt näber an n(3 irgenb einer anbern monotbeiftifcben ®laubenSlt»eife.
4. 3>ie nähere (Eninriftlung btefeS SageS, tme nämlicfj burdj 8efimt bie ©rlofung bewirft wirb unb in ber c&rtftltdjen ©emeinfcbaft sunt Söenjufjtfein fommt, fällt ber (Glaubens* lebre felbft anleint; I)ier aber ift nod) im 23eäug auf baS üben1 allgemein gejagte baS Verbältnifj be§ (£{jriftent1)um§ *u ben anbern borsüglid) monotbeifiifdjen ÜtetigtonSgemeinfcbaftcn ju erörtern. 2)iefe nämüdj tu erben and) iebe auf einen eigenen Stifter äuriiflgefiitirt; unb fo wie, rcenn bk SSerfct)iebenr)ett beS Stifters ber einzige ttnterfc&ieb märe, bieS ein Hofe äußerlicher fein mürbe, eben fo audj memt jene gleichfalls ibren (Stifter als ©rlöfer fegten unb eben fo atteS auf bie ©rlöfung belögen. SDenn bann gäbe eS in alten nur retigiöfe 9Jco* mente bon gleicbem ®efjatt, nur bak bie $er|önlidjfeit beS GcrlöferS eine anbere märe. So ift eS aber nidjt; oielmefjr muffen mir fagen, ba% nur "burdj Sefum unb alfo nur im ; ©{jriftentljum bk (Srlöfuna ber SDcittelpunft ber grömmigfeit ! i gemorben ift. SDenn inbem iene SSüßungen unb Reinigungen einsetne für eingelneS georbnet baben, unb biefe nur einzelne i Steile ibrer Sefjre unb Slnorbnung ftnb: fo erfdjetnt baSSSe* ;mir!en ber ©rtöfung ntd)t als ifjr £auptgefd)äft. Vielmehr erfcbeint biefeS erft als etmaS abgeleitetes. 9för £>aubtgefd)äft ift baS Stiften ber ®emeinfdjaft auf beftimmte ßebre unb unter beftimmter gorm. 95eftet)t aber in ber ($5emeinfd)aft ein bebeutenber llnterfcbieb in ber freien Gmtroifflung beS ©otteSbemufjtfeinS, fo ftnb ßHntge in benen eS am gebunben* ften ift erlöfungSbcbürftiger, unb Rubere in benen eS freier ift erlöfungSfäfjiger, unb fo erfolgt burdj bk (Sinhrirrung ber legieren in ben erfteren eine Slnnäberung an bie ©rlöfung, nur freilidj nidjt meiter als bis ber Unterfdjieb smifeben beiben aiemlidj auSgegtidjen ift, bloß baburdj ba§ eine %t* - meinfebaft beftebt. 3m (Sbriftentbum hingegen ift bie er* I löfenbe (Sinmirfung beS Stifters baS urforünglidje, unb bie ©emeinfdjaft beftebt nur unter biefer SSorauSfesung unb als SKittljetlung unb Verbreitung jener erlöfenben Sljätigfeit. ©aber nun aud) innerbalb beS SbriftentbumS biefeS beibeS ftdj immer gletdjmä&ig oerbält, bk erlöfenbe Söirff antrat (Sbrifti uorsügltdj beröorbeben unb auf baS ©igentfjümlidje ber cbriftlicbeu grömmigfeit einen großen Sßertb legen; fo mie auf ber anbern Seite baS Gbriftentbum nur anfebn als
1 §. 10.
CSrfteS Äapitel. 3wr@rflärungber3)ogtitatif. 63
ein görberungS- unb gortpffanäungSmittet ber gxömmtgfevt überhaupt, roobei bie @igenfl)ümlt<$f'eit mefjx jufälltg fei unb Siebenfache, unb ©fjxiftum boxaügttdj als Sefjxex unb Dxbnex einer ®emeinfct)aft anfelm, bit extöfenbe 2#ättgfeit aber in ben £> tnter gxunb ft eilen.
Safjer ift nun audj" int (Xfjriftentfjum baS SBerIjältmfj beS ©ttfterS äu ben ®itebern ber ©emeinfdjaft ein ganj anbereS als in jenen. Senn jene roerben Oorgefteltt als auS bem Raufen gleicher ober roenig verriebener Söcenfcfjen gleicfy'am rotUfürlicr} §erauSgefjoben, unb roaS fte als göttliche ßel)re unb Drbnung empfingen nid)t ntinber für ftdj empfangenb als für 5Inbere. 2öie benn audj nidjt leidet ein SBefenner iener ©laubenSroeifen leugnen roirb, ®ott fönne eben fo gut ba§ ®efe§ burcf» einen Slnbem gegeben Ijaben als burdj) SDcofe§, unb bie Offenbarung !önnte eben fo gut burd) einen Stnbern gegeben roorben fein als burct) 2Jcufjameb. (£f)rtftuS aber at§ altein unb für TOe ©rlöfer roirb allen 2lnbern gegenüber ge* ftetCt, unb roirb auf feine SSeife felbft irgenbroann als er* löfungSbebürftig gebaut, basier audj, roie bie allgemeine ©timme auSfagt, urfprünglid} oon alten anbexn 93cenfcf)cn untergeben unb mit bex erlöfenben Straft oon feiner ©eburt an auSgeftattet.
9cict)t al§ ob roir f)ier fdjon im OorauS alle biejenigen oon ber ctjriftUcrjert ÖJemeinfctjaft auSfct)lie&en rooUten, roelc^e Oon biefer, felbft fetjon mannigfaltiger Slbftufungen fähigen, Sßorfteftung fo roeit abroeietjen, ba£ fte (£(jrtftum erft fpäter mit ber erlöfenben ®raft auSgeftattet roerben laffen, fo lange biefe nur etroaS Oon ber bloßen 99cittijei(ung ber Sefjre unb ber SebenSorbnung öerfdjiebeneS ift SDenft man ftct3 abex (£t)riftum ganj na$ ber Analogie ber anbern ÜteligionSftifter: fo läfet ftctj bie (£igent§ümlidjfeit beS (StjriftentljumS bann nur an bem gnljalt ber Sefjre unb SebenSorbnung feftljalten, unb bie brei monotljetftiicfjen ®laubenSroeifen bleiben nur getrennt, in fofern iebe bei bem roaS fte empfangen t)at unüerbrüdjtidj feft t)ält. SSäxen fte nun ahzx gugteidj nodj bex Sßeiüott* fommnung färjig, unb fotlten fte rool audj fönnen b\t befferen Serien unb Drbnungen beS (SfjriftentljumS früher ober fpätex felbft finben: fo roäre bann ber innere llnterfdjteb gan§ auf* gehoben. ©oH enbücf) audj bie d(jxiftltdje ^iretje übex ba$ oon(£fjrifto empfangene ebenfalls IjinauSgeljen: fo bleibt nichts anbereS für (Jfjriftum übrig, als ba% er ein ausgezeichneter ©ntroitftungSpunft roäre, ein fol$er ieboct) nur, baft eS tbtn jo gut eine (Srlöfung Oon if)m giebt als eine (Sriöfung bur<$
64 £cr djiijtlicfje ©laube. Grfter £f)etl.
üm. Unb ba baä oeroollfommnenbe $rinciö nur bie SSer* itiuift fein fann: fo mürbe fofern biefe überall biefelbe ift, jebcr Untcr[cl)ieb giuifcrjeri bem fortfdjreitenben ßljriftentljum unb ben fortfdjreitenben anbern monotIjeiftifd)en Glaubens« keifen allniäbttdj berfdjroinben, unb e§ toürbe üjnen in§ge* fantmt in iljrer (£tgentt)ümlid)feit nur eine auf eine beftimmtc Ißeriobe befcliränfte ©ültigfeit aufommen.
2luf biefe Sßetfe läfjt ftd) ber Unterfdjieb beftimmen amifdjen $mei iuett au§einanber gebenben Sluffaffungen be§ Triften* tbum§, augleid) aber werben audj bie Uebergänge öon ber einen aur anbern anfcfjaulidj. SBenn bie le^tere iemal§ als ©efammtleljre aufträte: fo mürbe ftd) eine fold^e (gemein* fctjaft bieEeidjt felbft bon ben übrigen cbrifttic&en ©emeinfc&aften fonbern, nmfem aber nic&t, bod) at£ eine dtjrtftltc^e anerkannt Serben fönnen, menn fie ft$ nidjt felbft bafür ausgäbe, fdjott mirfttd) bon beut Söebürfnifj einer 5lnl)ängtid)f tit an ©fjrtftum erlöft §u fein. SSieltoeniger ift ©inselnen, bie ftd) biefer Sin* ftcbt nähern t§r 5lntt)eil an ber djriftlidjen ®emeinfd)aft ab* 3ufpre$en, fo lange fie felbft begehren, fid) mit berfelben unb burd) biefelbe in ber Sebenbigfeit be§ ®ottegbemuMeht§ au erhalten.
5. £)ie (ämtmifflung biefer fWei^e mirb §offentlid) bem aur S3eftätigung bienen, ma§ Ijier aufgeftettt morben ift um baS unterfdjeibenbe be§ (£fjriftent§um§ au beftimmen, inbem mir, al3 geftfjälje e§ berfuc()§meife, au§ allem, mag ftd) in ber d)riftlid)en grömmtgfeit gemeinfame§ finbet, baSienige §erau§s augreifen fugten, moburdj ftd) ba£ (£briftentljum augleid) am beftimmteften äufcerlid) abfonbert; mobei mir bon ber Deotlj* menbigfeit geleitet mürben bit innere Gsigentljümlidjfeit unb bie äußere Slbgrensung im gufammentjang au fe^en. $iel* leicht läfet ft$ in einer allgemeinen 9^etigion§^ilofopl)ie, auf meiere bann, wenn fie gehörig anerfannt märe, bte 9fyoIogeti! fidt) mürbe berufen fönnen, ber innere (Sbarafter be8 ©Triften* tbum§ an unb für ftdj auf eine folc&e SSetfe barfteHen, bafc babur<$ bem (£f)riftentbum fein befonbereS (bebtet in ber rcli« ßiöfen SSelt ftdjer geftetlt mürbe. £)aau mürbe inbefj gehören, bafj alle ftauptmomente be§ frommen SöemufjtfetnS foftematifirt mürben, unb au§ i^rem 83erl;ältnif$ geaeigt, meldte barunter foldje ftnb, auf bte bie anbern fönnen beaogen unb bit felbft in allen anbern tonnen mitgefeat fein. 3etgte fid^ bann, ba% baSjenige, meld)e§ mir burd) ben SluSbruK ©rlöfung beaeld)* nen, ein foldje§ mirb, fobalb in eine Legion, mo baS (SJotteS* fcemufjtfein gebunben ift, eine e§ befreienbe Stfcatfadje eintritt:
(SrfteS Äapitel. gur (Srflärung ber ©ogmatif. 65
fo märe bann ba§ (£fjriftentfmm al§ eine eigentümliche ®lauben§form ftc&er gefteltt, unb in gemiffem (Sinne con* ftrnirt. %nbt% mürbe felbft MefeS fein S3emet§ be§ Triften* tt)um§ ju nennen [ein, inbem audj bie 9Mtgion§nf)ilofoüijie feine TOIjtgung aufstellen fönnte, meber eine befummle £§aU jact)e al§ erlöjenb anäuerfennen, nod) aud) einem Moment, ba§ ein centrale^ fein fann, biefe (SteICung in bem eigenen SBemufjtfein mirfliä) einzuräumen. 9?od) meniger fann ba§ fjier bargefteftte baranf 2lnförud) madjen ein folget SÖemeiS 31t fein, ba Ijier bem emgefdjlagenen ®ange gemäfj, nnb ba nur nur oon gefd)id)tltd)er ^Betrachtung auSgefm fonnten, baranf üersiditet m erben mufjte and) nur fobiel §u leiften, al£ in einer Durchgeführten 9^eligiort§pr3üofot>r3te gefdiefjen fann. {£§ lenktet aud) an unb für fid) ein, bafj ein frember <$5Iauben§genoffe burd) bk obige ©arfteüung ötetCeictjt ooll- fommen fann überzeugt werben, ba$ r;ier bafür aufgehellte fei ba$ eigentümliche SBefen be3 (£fjriftentf)um§ , o^ne bafj biefeS felbft baburd) für dm SSa^r^eit befäme, fo bai er ftdj gebrungen fänbe e§ ansunefnnen. Vielmehr mie ftdj bier afte§ auf bk ©ogmatif beäieljt unb biefe nur für bie Triften ift: fo ift aud) biefe ©arfieHung nur für biejenigen bk im (S&riftentfjum leben unb fie foH nur sunt SBefmf ber£)ogmatif Anleitung geben, um 5lu§fcgen über irgenb ein frommes 23e- ttmfjtfein ^u unter f Reiben, ob fie djriftltcfj ftnb ober nidjt, unb ob ftctj ba§> d)riftlid>e ftarf unb beutlid) in i^nen au§fürid)t ober me§r fd>manfenb. 5luf jeben Vernein für bk SBaljrljeit ober üftotfjtoenbigfeit be§ (55rtftentSum§ oeräidjten mir tikU mefjr gän^lid), unb fe^en bagegen oorau§, ba% jeber (£(jrift, e^e er fid) irgenb mit Unterfudmngen biefer Slrt einlädt, fdjon bie ®emif$eit in ftdj felbft Ijabe, bafj feine grömmigfeit feine anbere <S5 eftalt annehmen fönne al§ biefe.
§. 12. %)aä Gf)riftentl?um fte^t jtoat in einem be* fonberen gefd)i$tlid)en gufammenfyange mit bem guben* tl;um; ma<o aber fein gefd)tdj)tlid)e«S 2)afem unb feine Slb^meffung betrifft, fo »erhält t§> fid) ju Subent^um unb igeibentfyum gleich
1. Unter gubent^um m erben Ijier aunädjft bie mofaifc&en Snftituttonen Oerftanben, al§ Vorbereitung ba§u aber aud) al(e§ fdjon früher in Uebung gefommene, ma§ bie Slbfonberung be§ $olf3 begünftigte. W\t biefem nun fjängt ba§ Triften*
66 $er d&rtftlic&e ©lau&e. Grfier Xf)eil.
tfmm baburd) Qefcf)icf)tlicf) äufammen, bafj ^ejuS unter beut jübifdjen JBolf geboren ift, tt)ie benn ein allgemeiner ©rlöfer nid)t tt)ol anbcrS als auS einem monotfjeiftifd^en SSolfe, fobalb ein foldjeS oorljanben mar, entfprieften fonnte. 91ber man barf ftcb aucf) ben gefd)icrjtlid)en gufammenljang nicfjt gu auSfdjliefjenb Dorfteilen. £enn bie religiöfe $)enfart be£ S5olfeS mar gur £eit ber (5rfd)einung ©fjrifti fdjon ntd)t meljr auSfdiliefcenb auf MofeS unb bie ^ropfjeten baftrt, fonbem mannigfaltig umgebilbet burd) nid)t jübifcfcje (Elemente, meiere eS roäljrenb unb nadj ber bab^lonifdjen Betreuung aufgenommen t)atte. Unb fo mar auf ber anbern <5titz aud) ba§ rjetCemfcrje unb römifdje £eibentljum auf mand^erlei Sßetfe monotljeiftifd} oorbereitet, unb bort bit (Srroartung auf eine neue ($5eftaltung aufS äufeerfte gekannt; fo mie im ®egen= tf)eü unter ben Sfaben bie meffianifdien Sßertjeifjungen tljeilS aufgegeben maren tfjeilS mi^üerftanben. @o bafj menn man alle gefdj)id)tlid)en SSerljältniffe äufammenfafct, ber Untertrieb meit geringer ausfällt, als auf ben erften 5lnbltff fdjetnt Unb bit $lbftammung ©Ijrifti auS bem Subentljum mirb bei* burd) fer)r aufgetragen, ba% eineS Stetig fooiel me^r Reiben als ^uben gum (£f)riftentlmm übergingen, tljeilS aud) ba& Gnjriftentfjum nid)t einmal biefe 5lufnabme unter ben ^uben mürbe gefunben §aben, menn fie nid)t oon jenen fremben (Slementen burdjbrungen gemefen mären.
2. $)a§ Gnjriftentfjum t»err)ält ftcf) trielmeljr gleidj sunt Subentljum unb sunt £>eibentfjum, fofern oon beiben p bem* felben übergegangen m erben foff als %u einem anbern. ©er (Sprung fdjeint fxetltdtj größer gu fein öom föeibentljum, fo*H fern btefeS erft mufete ntonotljeiftifd) gemorben fein um djriftlidji §u merben; allein beibeS mar bod) nicc)t gefonbert, fonbem ber 9Konot5ei§mu§ mürbe nun gleich ben Reiben unter ber ©eftalt beS (JfjriftentfmmS gegeben, mie früher unter ber be§ Subent^untS. Sßogegen bie gorberung an ben Sfaben, ftd) nietjt auf baS ®efej ju oeriaffen unb bie abrafjamttijdjen SBerfjetfeungen anberS aufeuf äffen, aud) nidjt geringer mar. ^tmx mir fonadj annehmen muffen, bafj bk d)rifilidje grömmig* feit, mie fte fidj gletdt) anfangs geftaltet, nidjt auS ber jübifetjen meber bamaliger nod) früherer Seit ä« begreifen ift : fo fann man aud) baS (S&riftentfjum auf feine SSeife jalS eine Umbilbung ober erneuernbe gortlesung beS ^uben^ tbumS anfelm. SBenn freiließ $auluS ben glauben beS 5lbrafjam als baS Urbilb beS djrtftlidjen Glaubens anfielt, unb ba& mofaifdje ®e[ej nur als etmaS ämifdjen eingefdjobeneS bar*
©cfteS ÄQpitel. 3ur ßrflärung ber Sogmatif. -67
fteltt:1 fo tonnte man aHerbütßS barau§ fd)(iefjen, bafc er ba§ (£ljriftentrjum al§ eine Erneuerung jene§ urfprünglictjen unb reinen abra^amttifdjen SubentfjumS barftelten rooEte. Wem feine Meinung mar au<$ nur, bafj ftcfj 2tbrarjam§ ©laube §u ber SSerrjeifjung eben fo besaiten imbe mie ber unfrige jur Erfüllung, feine§roege§ aber ba% bem 2(bra£)am bie SSer^ei^ung eben bajfelbe geroefen fei rote un§ bie (Erfüllung. 23o er aber au§brüfflictj bon bem SBerfjältmß ber ^uben unb Reiben §u Gbrifto rebet, ba fleHt er e§ au<$ gan§ al§ baffelbige bar, * Gfjriftum als benfelbigen für beibe, unb beibe al§ Qleict) fetjr oon ©ott entfernt, unb alfo (£f)rifti bebürftig, SSerr)ält e§ ftctj nun gleich ä^m Subentljum mie sunt £eibenttmm: fo fann e§ auetj mdjt mefjr eine gortfegung be§ SubentljumS fein at§ e§ eine be§ £eibentt)um3 ift; fonbern fomme einer ^er bon bem einen ober bon bem anbern, fo roirb er roa§ feine grömmigfeit betrifft ein neuer SDknfdj. 2)ie$erljeif3ung an Stbrafjam aber, fofem fte in ©fjrifto erfitCCt roorben ift, mirb bod) nur fo bargefreEt, al§ fjabe fte iljre Sßeaieljung auf (S$rtftum gehabt lebigltrf) in bem göttlictjert 9?att)fcl)lufc, niä)t in bem frommen ©elbftbemufjtfein be§ 5lbraljam unb ber Seinigen. Unb ba mir bie (gelbigfett einer frommen ®e* meinferjaft nur ba anerkennen fönnen, roo biefeS SBemufjtfein gleichmäßig geftaltet ift: fo tonnen mir audj eben fo menig eine ^bentität anerfennen sroifdjen bem GTtjriftentljum unb bem abrafjamitifdjen ^ubent^um at§ bem fpäteren ober bem ipetbenttium. Unb roeber fann man fagen jene§ reinere ur« fprüngtidje ^ubent^um Ijabe bxt SMme be§ (£fjrtftentljum3 fo in ftctj getragen, baB fte ftd) burd) natürlichem gortfdjreiten oljne 2) asmif eintreten eine§ 9teen au§ bemfelben mürben entmiffelt fjaben, nodj audj) bafj (£§riftu§ felbft fo in biefer gortfd)reitung liege, bafj ein neue3 gemeinfameS Seben unb ^afeüt mit ü)m nidjt beginnen fönne.
3. 2)ie meit berbreitete Slnnarjme einer emsigen ffitrdje ©otte§ Oon Anbeginn be§ DJcenfcrjengefcrjlectjteS bi§ äum~^iü5e beffelben rotberforiegt unferm ©aj mefjr fetjeinbar ai§ in ber 2$at. ©enn menn in biefen ©inen gufammentjang göttlicher £>eil§orbnung auet) ba§ mofaifeeje ®efes gehört: fo mufj man nactj beroärjrten ctjriftlictjen Seljrern bie rjettenifdje SSeltroeiS« tjeit, §umal bie nadj bem 9#onotljei§mu§ ftrebenbe, ebenfalls
1 ©al.3,9. 14. 23— 25.
* ftöm. 2, 11. 12. 3, 21—24. 2. ßor. 5. 16. 17. ©#). 2, 13—18.
68 aerdjrtftlidje ©taube. Griter Stjetl.
baf)in rechnen;1 unb bodj fann man nid^t otjne bte (Eigens tf)üiniidjfeit be§ (£briftenttjum§ gan^ aufeu&eben behaupten, bafj bie SJeljrc bejfelben mit ber beibnifdien SßeltroeiSfjeit (Sin ®anae3 bitbe. SSenn auf ber anbem «Seite btefe Seljre oon ber ©inen Äirdje boräügli$ barauf ausgebt bie un* befc^ränfte aud) auf bie Vergangene Seit nnrffame Söegieljung ©brifti auf alleS menfd)üd)e au§äufpredjen: fo ift bieg eine Slbstnetrung, über meiere ^ier nod) nietjt geurtbeüt merben fann, mit ber aber unfer ©as fet)r tnol sufammen beftefjt. Unb fo mirb aueb fdjon in ber ^Sroptjetie bem neuen Söunb ein oon bem alten berfebiebener S^arafter betgelegt,2 roie benn biefer gerabe (öegenfas bte innere Trennung auf ba% beftimmtefte au§jprtd)t. S)atjer ift bie Siegel aufauftefteu, ba% für ben cbriftlicben (Sebraucb faft atte§ übrige im alten Seftament nur £>üfte biefer Söetffagung ift, unb ba§jeiitge ben menigften SBertf) bat, \va§> am beftimmteften jübifd) ift. ©o ba§ mir nur bieienigen unterer frommen Erregungen mit einiger ($5enauigfeit in altteftamentifdjen ©teilen tonnen toieber* gegeben finben, nietete me§r allgemeiner Sftatur finb unb nidjt fet)r eigentbümlid) ebriftlicb auggebilbet; bie e% aber finb, für bie tu erben altteftamentifebe ©brücbe fein geeigneter StuSbruff fein, menn mir nidjt einiges barauS Ijinmeg benfen unb anbereS hineinlegen. Unb bie§ in Ütedjnuug gebraut, merben mir gennfj eben fo nalje unb aufammenftimmenbe SInflänge aud) in ben Steuerungen be§ ebleren unb reineren &eibentbum§ antreffen. SSie benn aud) bie älteren Apologeten fidj nidjt minber gern auf meffianifdje Sßeiffagungen beriefen, bie fte für Ijeibmjdj hielten, unb ali'o aud) bort ein £>in= ftreben ber menfdjlidjen üftatur nadj bem GSljriftentljum an* erfannten.
§. 13. SDie @rfd)etnung be3 ©rlöferS in ber ©e* fdji<$te ift aU göttliche Offenbarung meber etma<3 föktyu l)in übernatürlich nod) ctma<o fd)lecbtl)in übernewttnf* tigejo.
l. 3Sa§ Offenbarung anlangt, fo ift bereits oben8 äuge* ftanbeu, bafe fein SlnfangSpunft eiue§ eigentbümlid) geftalteten
1 E'xotoj; ouv ' IouScuon; (j.ev vo[j.o; ";EXX«)<n 8k ©iXoao<pia p-"/.?'- T*}{ raoouTiae" evteüOsv 8k r, xXffarcc rt xa&oXoo] ei; r.epioüaio^ S'.xa-.oauvr^ Xaov. ' Clem. Strom. VI p. 823 P.
2 Serem. 31,31-34 8 §.10. 3ufa5.
Srfte§ Äapitcl. Qixx ßrftänmg ber £)ogntatü. 69
£>aiem§ unb nod) mefjr einer (Uemeinfctjaft §umal einer frommen ou§ bem Buftanbe oe3 ®reije§ %u erflären ift, in meldjem er berbortritt unb fortroirft, inbem er fonft fein 2tnfang§bunft märe, fonbern f elbft Gstseugnifc eine§ geiftigen Umlaufs. SSie* mol nun aber fein © afein über bie Dcatur jene§ ®reife§ IjinauS* gebt, binbert bocrj ntdjtS anäunefjmen, bag £>erbortreten eine§ folgen £eben§ fei eine Söirfung ber unjerer ^atur al§ ©attung einmofjnenben ©ntnrifuungSfraft , meldte nactj menn aud) uns» verborgenen bocr) göttlichen georbneten ($5efesen fiel) in einzelnen 9ftenfct)en an einzelnen fünften äußert, um burdj fie bk übrigen meiter §u förbern, SBie benn otme eine folct)e 9lnnaf)me an feine gortfcrjreitung meber tr)eilmeife nod) im (Jansen bes> menfd)Iic^en d5efct)lec^te§ 51t benfen märe, ^ebe ausgezeichnete Begabung eineS ©internen, burd) melden ftdj in einem beftimmten Greife irgenb eine geiftige Verrichtung neu gestaltet, ift ein fold)er 2lnfang§bunft; unb nur je mef)i 3leufeerungen biefer 3lrt in iljren Sßirfungen befdjrctnft ftnb nad) Stit unb 9tam, um befto meljr erfdjeinen fie autf), menngteictj nictjt au§ bem borbanbenen erflärbar, bodj burdj baffelbe bebingt. Söenn man ba^er äße biefe, ^eben in feinem (gebiet, al§ §jerßfiti beaeidjnet, unb üjnen eine prjere S5e* geifterung auftreibt: fo ift baburdj eben biefe§ angebeutet, bafj fie sunt heften be§ beftimmten ®reife§ in bem fie er« flehten au§ bem altgemeinen Seben§aueH befruchtet ftnb; unb bafj folctje bon 3eit §u 3eit erfreuten, muffen mir al§ etma§ gefesmä§ige§ anferjen, menn mir überhaupt bie menfcr> licrje 9?atur in üjrer Pieren S3ebeutung feftfjalten motten. SlTte fotc^e ©inselne ftnb bafjer in ber Analogie mit bem SQz* griff ber Offenbarung, melier inbefj borsug§raeife nur auf ba§ %th\tt be§ ljöf)eren @elbftberouMein§ angemenbet mirb. ^n allen SfteligionSftiftern auctj untergeorbneter ©rufen, nur ba% bie bon i^nen au§ger)enbe Setjre unb ®emeinfc&aft etmal eigentbümlid)e§ unb urfbrüng(tä)e§ fein mufe, eine folc^e S5e* gabung anäunefjmen mirb fictj mol niemanb meigern. ©oft aber biz]z% in bemfelben «Sinn auf CHpftum angemenbet merben, fo mürbe man sintäc&ft fagen muffen, bäte im 23er* gleich mit if)m atfe§, ma§ fonft für Offenbarung gehalten merben fann, bieien (Stjarafter roteber berliert, meit aüe§ anbere auf beftimmte Beiten unb Dtäume befcrjränft, unb atte§ bon folgen fünften au§gefjenbe boct) fct)on im borau§ be* ftimmt ift in irjm mieber untersugefjn, in SSe^ug auf i§n al[o auctj fein ©ein ift fonbern ein ^idjtfein, unb nur (Sr baju gefegt, atfma'blig ba§ ganse menfctjlicrje ®eftf)Iecrjt pljer §u
70 • £er djriftütfje ©lau&e. Grfter 2$eU.
beleben. SDenn mer (Sfjriftum nidjt in tiefer Sltfgemeinbett al8 göttliche Offenbarung annimmt, ber fann au$ baS (Triften* tbum nid)t al§ eine bleibenbe (Srfdjeinung motten. 2)em= üljneradjtet fl^er müftte bod) beraubtet roerben, ba§ aud) bie ftrengfte Slnftdjt bon bem Unterfdjiebe gmifdjen iljm unb atten anbern ÜDtenfdjen nid)t r)inbere su fagen, bafe feine @rfd)einung au<$ al§ ÜXRenfdjmerben be§ <Sobne§ ®otte§ etmaS natürliches fei. 2)enn suerft mufj bodj, fo geroife ©^riftuS ein ÜDtenfd} mar, audj in ber meufdjlicben 9?atur bk SJcöglic&feit liegen, ba$ göttliche, roie e§ eben in (£t)rifto gemefen ift, in ftct) auf* 3unet)men. ©o ba% bie SBorfteltung, bk göttliche Offenbarung in (£f)rifto muffe aud) in biefer £)infid)t etmaS fcr)Iect)tr)irt übernatürliches fein, gar nidjt $robe Ijält; bielme^r erflärt fidj felbft baS ^rotebangelium, inbem eS ja bk Sßorljerfagung ©tjrifti unmittelbar an ben gatt anfnübft, ganj bagegen, als ob bie menfdtfidje Statur irgenb unfähig fei, baS mieber&er- ftettenbe göttliche in ftct) aufzunehmen, unb baS Vermögen ijieju erft muffe in fie §ineingefd)affen werben. Sßenngleid) aber in ber tnenfdjlidjen ^atur nur bk 9Jcögttd)feit fjteäix liegt, mithin baS mirflidje ©inbflanäen btefeS göttlichen in biefelbe nur ein göttlicher alfo einiger TO fein mufj: fo mufe bo<$ smettenS aucb baS äettlidje föerbortreten biefeS 9lfteS in einer beftimmten einseinen $erfon zugleich als eine in ber urfbrünglidien (Einrichtung ber menfdjlidjen Statur begrünbete, unb burdj atteS frühere borbereitete 2$at berfelben, fomit als bie ljö$fie (Sntmifftung ibrer geiftigen ®raft angefeljen roerben, gefegt audj mir fönnten niemals fo tief in biefe innerften ®e= Ijeimniffe beS allgemeinen geiftigen SebenS einbringen, ba§ mir unS biefe allgemeine Ueberseugung gu einer beftimmten Slnfdjauung entrotffeln fönnten. £)enn fonft mürbe eS immer nur als göttliche SBittfüfjr su erflären fein, ba% gerabe in Scfu unb feinem 5lnbern baS roieberberftettenbe göttliche &ur (Srfd) einung gefommen ift; göttliche Sßittfütjr im emaelnen anäunel)men ift aber immer eine antljrobobatbifdje 3lnfidjt, für meiere audj bie (Sdjrift fidj nidjt erflärt, bielmeljr felbft auf bie bier aufgeftettte Söebtngt^eit §u beuten fdjeint.1
2. 28aS nun aber baS überbernünftige betrifft, fo fönnte (£brfftu§ auf feine SSeife ber ®efammtl)ett ber üDiSenfdjen als Crrlöfer gegenüberfteljen, menn biejenigen feiner £ebenS= momente, burefy roeldje er bie (Srlöfuug bolibringt, auS ber allen Zubern gleidjmäfjig einroofjnenben Vernunft au erflären
1 (»al.4. 4
SrftcS ÄapiteL 3ur (£rflänmg ber Dogmatil. 71
ioären, fteil bann biefe guftänbe audj in ben 5Inbern müßten fcortommen , nnb alfo audj) fie bie ©rlöfung betoirten tonnen. 2Senn nun eben fo au<$ in ben Gsrlöften (Semüt^Ssuftänbe gefegt finb als nur burd) feine TOttf) eilung ober (£inft>irfung bebingt, unb oljne biefeS tonnte man nidjt fagen, bafj eine <£rlöfung an itmen öollbractit fei: fo finb mithin audj biefe nidjt auS ber i^nen bon tljrer (Seburt 5er einrao^nenben Vernunft allein $u erttären, menngteidj biefe baju ununt* gänglidj notljmenbig geprt, ba an einer bernunftlofen <3eele folc^e Buftänbe niemals fein tonnen, ©onadj ift atferbingS überbernünftigeS in bem ©rtöfer unb ben ©rlöften, mithin in t>em ganzen Umfange beS (SfjriftenfyumS gefegt: unb mer MeS auf feine SSeife ernennen mottle, ber tonnte audj bie @r* löfung nidjt im eigentlichen ©tnne oerftefjen unb baS Triften* ttjum nur für eine bis auf beffereS befteljenbe SInftalt jur Ueberlieferung ber (Sinflüffe einer befonberS in ber gorm beS (SelbftbenntfjtfeinS boräüglidj erregten menfdjlidjen Vernunft gelten laffeu. £)iefe Ueberbernünftigfett nrirb audj faft oljne $luSnat)me in ben Steuerungen berer bie ftdj ju ^r)rifto be* fennen anertannt unb unter öerfdjiebenen formen auSgebrüftt als eine urfprünglidje ober fpäter eingetretene beharrliche ober auf einen Moment eingefct)ränfte (gmmoljnung (SotteS ober beS l°3?£ in ©Ijrifto unb als ein Söemegtfein ber ©rlöften ton bem ^eiligen (Seift, <Sesen mir aber aud) bie r)öcrifte ^ifferenj smifdjen biefem überoernünftigen unb ber gemeinen menfdilidjen Vernunft: fo tann bodj niemals bieS über* ternünftige, oljne mit fidj felbft in Sßiberfprudj ju geraden, als ein fct)Xecl)t5m foldjeS aufgeteilt merben. 2)enn baS pdjfte SieJ^ioeldjeS gefegt mirb bon biefen SSirfuugen ber (Srtöfung, ift bodj immer ein folctjer Buftanb beS Ü0cenfdjen, melier nidjt nur bie OoUtommenfte Slnertennung audj ber gemeinen menfdjlidjen Vernunft erhielte, fonbern in meldjem audj maS ber göttliche (Seift hrirtt, unb maS bk menfdjltdje Vernunft felbft in bemjelben ^nbibibuum überall nidjt tann unter* fdjteben merben. ^nbem alfo alSbann bit Sßernunft gän§= ttcr> einS mit bem göttlichen (Seift ift, fo tann ber gött* lictje (Seift felbft als bit Ijödjfte Steigerung ber menf Stiften Vernunft gebaut merben, unb bie ©tfferens smifdjen betben als aufgehoben. ©ben fo aber ift au$ fdjon im erften Anfang aßeS maS ben Söemegungen beS göttlichen (SeifteS miberfpridjt, aud) baS maS ber menfdjlidjen Vernunft trftetftrdtet, inbem aud) fonft nic^t tonnte ein SBenmfjtfeü; tidr* (Jrlöfungsbebürftigfeit in bem SJtenfcfcen fein, e^e iene
72 £er $riftltd|e ©laube. erfterSfjeü.
SSirfungcn eintreten, unb gmar ein foltf)e§ rDeTct)e§ burd* biefelben befrtebiget nrirb. 3ft alfo in ber menfdjltdjen $er* nunft felbft jd)on auf gennffe 2Bei[e ba§ gefegt, roa§ burcf» ben göttlichen ©eift tjeroorgebradjt nrirb: fo getjt er menigftenS in biefer SBegteljung nicrjt über biefelbe fjinau§. 3ßa§ nun bon ben ©rlöften gilt, ba§ ift eben fo aucl) bon bem ©rlöfer gu fagen, inbem audj biejenigen, bie feine SIrt bon göttHctjer (£in* rooljnung in it)m annehmen, bo<$ biefel6en Tätigkeiten SBor* ftetfungen unb ßebenSregeln, bie Slnbere au§ jener erflären, ifjrerfeitS al§ baä Jödjfte bernünftige greifen, unb alfo mit ifjrer menfcf)li<$en Vernunft btttigenb auff äffen, welche Sluf* faffung roieberum jene nidjt tabeln ober berroerfen, fonbern ebenfalls biüigenb anerfennen.
£ufag. ßufolge ber Ijter sunt ©runbe gelegten Slnftdjt bon ber grömmigfeit ift ba$ eigentümliche ©ein be§ @r* löfer§ unb ber ©rlöften in ifjrem Bufammenljange mit iljm ber urfbrünglidje @ig jener grage bon bem übernatürlichen unb unbernünftigen im (£tjriftentljum ; fo bafj irgenb thva& übernatürlich ober überberaünftigeS gugulaffen, ma§ ni<$t mit ber (£rfd)einung be§ @rlöfer§ gufammenljinge, fonbern ein anbereS urfürünglictjeS für fiel) märe, gar fein ®runb bor* fjanben ift. ®emöljnlidj rairb fte beljanbelt tljeilS in SBegieljung auf bie eingelnen Xljatfadjen, für meiere ba$ übernatürliche befonber§ in Slnfbrudj genommen roirb, bon melden fjier nodj nietjt bie Sftebe fein fann, t&eilS in Söegieljung auf bk c&rift* liefen Seigren, meiere für un§ nicfjtg anbereö finb al§ bk 3lu3* fagen über jene§ <Selbftbemu§tfein unb beffen BufammenJjüng. Söenn aber ba$ überbernünftige in bem djrifilitfjen «Selbft* bemufjtfein barin beftefjt, bafc e§, fo nrie e§ ift, ntdjt burdj bie £l)ättgfeit ber Vernunft fann fjerborgeoradjt roerben: fo folgt barauS nod) gar ni$t, ba% bie 5lu§fagen über biefeä (Selbftberoufjtfein au<$ müßten überbernünftig fein. 2)enn in bemfelben (Sinn ttrie ba§ djriftlicrje ©elbftbemufjtfein ift audj bie gange Sftatur überbernünftig, unb bodj nennen mir unfere Slu§fagen über biefelbe feine§meg§ eben fo, fonbern rein ber* nünftig. 3)a§ gange S3erfatjren, bie 3lu§fagen über unfer fromme§ ©elbftbemufctfein aufguneljmen , ift aber eben fo ein rein oernünftige§ mie ieneS, unb ber Unterfcfjieb nur ber, öafe biefeS objeftibe SBeftmfjtfefn nur bem urfbrüngtid) gegeben tft, melcljer bon ber Statur afficirt ift, jene§ ©elbftbemufjtfein aber nur bem, melier bon bem (£rlöfer auf bk feinen 33e* fennern eigentümliche $lrt afficirt ift. hieraus nun geljt bon felbft tjerbor, mag oon ber Ijerrfdienben ^tnfictjt gu galten ift,
ErftcS Äapitel. £ur Srflärung ber Sogmcttif. 73
Qig ob bie djrifttidje Seljre sunt £ljeil au§ oemünftigen, unb sunt £l)eit au§ überoernünftigen ©ägen beließ" 2)a§ 3m ar leuchtet fdjon oon"felbft ein, ba% bitä nur eine SEebenemanber* fteftung fein fönne, feine§mege§ aber beiberiet <Säae ein ©angeS büben; benn amiidjen oernünftigem nnb überoernünftigem fann fein gufammentjang )tatt tjaben. 2lud) fteljt man bk$ äiemlid) beutlid) an allen S8ef) anbiungen ber d)riftli$en &eljre, meld)e ftdj in eine natürliche, nic^t nur innerhalb fonbem aud) aufjerfialb be§ (£ljriftentt)um§ at§ rein Vernünftig gültige nnb in eine fcofitiöe nur innerhalb beffelbigen gültige über* oemünftige Geologie feilen; benn beibe finb unb bleiben bann bon einanber gefonbert. ^er (Sdjein aber, al§ ob eine fold)e Bereinigung ttmnlid) märe, entfielt baljer, bafj e§ aller* bing§ crjriftltctje (Säge giebt, in benen ba$ eigentümlich cljrift* lidje bebeutenb jurüff tritt, fo ba% fte aud) in ber 93e§ie^ung für rein Oernünftig fönnen gehalten merben, in melier bit anbem für überoemünftig gelten. SSäre inbefs iene§ eigen* tljümlidje gar ttidjt in itmen: fo mären fie freilief) aud) feine djriftlidjen ©äse. 2)a§ 28a§re Oon ber <3acf)e ift baljer btefe§, ba§ alle cr)rtftlicljen <Säje in einer 23eaief)ung überoemünftig finb, in einer anbern aber aud) alle öemünfttg; überoemünftig aber finb fie in berfelben Söegieljung, in ber au$ atte§ er* faljrungSmäfjige überoemünftig ift, mie e§ benn audj eine innere (Srfafjrung ift, auf meiere fie alle surüffgeljn, nämlidj baB fte auf einem (begebenen berufen, unb ofjne biefe§ nid)t Ratten fönnen burd) Ableitung ober gufammenfeaung au§ all* gemein anerfannten unb mittl) eilbaren <Sä§en entfielen, ©onft müfste man \a aud) jeben SUcenfctjen, o^ne ba% iljm irgenb etma§ begegnet fei, sunt Triften unterrichten unb bemonftriren fönnen. ©aljer gehört au biefer UeberOernünftigfeit aud), ba%" eine maljre Aneignung ber crjriftlictjen ©ä§e nidjt auf miffen=i fdjaftli$e SSeife erfolgen fann, alfo ebenfalls aufcer ber 23er*i nunft liegt; fonbem fte erfolgt nur, fofern ^eber felbft Ijat motten bk (Srfaljrung machen, mie ja atte§ einzelne unb eigentümliche nur fann burdj bie anfdjauenmottenbe £kbt aufgefaßt merben. Sn bie[em (Sinne al[o ift bie gan^e ct)rift= ltdje Sefjre überoemünftig. Söirb aber banadj gefragt, ob bk ©ä§e, meiere bie d>riftlid>en ($5emütlj§äuftänbe unb beren 3ufammen^ang au^brüffen, nic^t benfelben ©efe§en ber $8e* griffSbtlbung unb Berfnüpfung untermorfen finb, mie atte§ gefprodjene, fo bafj ie Oottfommner in einer folgen 3)arfteftung bieten ®efesen genügt ift, um befto meljr audj ^eber genötigt merbe richtig aufsuf äffen mag gebadjt unb gemeint ift, menn=
74 &er cfjrtftlidje ©taube, grfter £fjeü\
glcid) et fidj üon ber SSafirtjeit ber ©adje, roeil c§ ü)tn an ber inneren ©runberfafjrung feljlt, nictjt überzeugen !ann: fo in ufe in Metern ©inne alles in ber c&riftlicrjen Sebre burdjauä bcmunftmäfjig [ein. ©onad) ift bie Ueberbernünftigfeit aller einzelnen $rtftlicrjen Se^rfäje ber äRaafcftab, toonadj man be= urtfjeilen fann, ob fte aua) ba§ eigenttmmlicr) dt>riftltc^e mit au§fpreä)en, unb hneberum bie SBernunftmäfjigteit berfelben bie $robe, inwiefern baZ Unternehmen bie innern (XJemütbS* erregungen in ©ebanfen ju übertragen gelungen ift ober nidjt; bie SBebauptung aber, e§ fönne nidjt berlangt werben, ba§ienige bernunftmä&ig baräuftetten, ma§ über bie Vernunft IjinauSgelje, erfdjeint nur al§ eine $lu§flucrjt, moburd) bie et* nmnige UnboIIfommenbeit be§ SßerfaljrenS foH bemäntelt werben, fo wie bie entgegengefe^te e§ muffe in c&riftiidjer £ebre aHe§ in iebem ©um au§ ber Vernunft ju begrünben fein, nur ben Mangel an ber eignen ($5runberfaljrung ju be* bellen gemeint ift.
£)ie getoölmlidje gormel, bafj ba8 überöernünftige im Cnjriftentfmm nidjt bürfe roiberbernünftig fein, fdjeint baffelbe befagen %u foEen rote unfer ©a§. $>enn e§ liegt barin auf ber einen (Seite ba§ Slnerfenntnifc be§> überbernünftigen, auf ber anbern bie Aufgabe ba$ nidjt rotberbernünftige barin n aeterno eifen, n>a§ nur burdj bie Sßerounftmäfjigfeit ber 2>ar* fteKung erreicht to erben !ann.
§. 14. ©£ giebt feine anbete 2lrt an ber <$riftlicben ©emetnfcfyaft Slntyeil gu erhalten, als butd) ben ©lauben an Qejum ate ben ©rlöfer.
1. Sin ber djriftüd&en ©emeinfc^aft Slntljeil baben f)ei§t in ber (Stiftung GHjrifti bie 5lnnäberung fudjen an ben oben1 befd>riebenen guftanb fct)lect)tr)tmöer £eid)tigfeit unb ©tätig* feit frommer (Erregungen, £)enn au§ einem anberen al§ btefem ®runb fann niemanb in ber djriftlidjen ®trct)e fein wollen. S)a nun aber jeber nur bermittelft eine§ eigenen freien (Snts fd)luffe8 binetntreten fann; fo mufj btefem bie ©ewifjljeit öorangefjn, ba% burdj bie (Sinwirfung (£§rifti ber Buftanb bet 6rlöfung§bebürftigfeit aufgehoben unb jener herbeigeführt Werbe, unb biefe ($5ewifcl)eit ift eben ber ©laube an ©Ijrifnim. £)iejer 5lu§bruff nämlidj beaetdjnet überall, auf unfcrm ®e»
C 5, k
GrfteS Äopltel. 3ur Srflärung ber Sogmattt. 75
biete nur bie einen Buftanb be§ böberen (SelbftbemufjffeinS begleitenbe (Serotfjbeit, bie mithin eine anbete, eben be§balb ober audj feine geringere ift, al§ biejenige, meiere baä objectiOe SBeroufctfein begleit et. ^n bemfelben ©inn h)ar fdjon oben1 bie SRebe Oon bem ©tauben an (Sott, ber niä)t§ anber§ mar, al§ bie (Seroifcbeit über baZ fdätecbtbinige 5tbbängigfeit§gefübl olS folc&eB, b.f). al§ bur$ ein aufjer un§ gefeateS Sßefen be- bingt unb unfer Sßetbältnifc au bemfelben auSbruffenb. ©et in Sftebe ftebenbe ©taube aber ift eine rein tfjat[ädj)lidje (Se* lüt^rjett, aber bie einer OoIIfommen innetlidjen S^atfadje. (Sie fann nämlicb nidjt eber in einem ©ingelnen fein, bi§ in ibm burdj einen (Stnbruff , ben er Oon (Ebtifto empfängt, ein 5ln= fang roenn aud} nur ein unenblidj Heiner eine reale 9tfmung gefegt ift Oon ber Slufbebung be§ 3uftanbe§ ber (£tlöfung§s bebürftigleit. ©er 5tu§bruff (glaube an Gnjtiftum ift bier aber fo roie bort (glaube an (Sott bie Söeaiebung be§> £uftanbe§ qIS Sßitfung auf (Xbriftum al§ Urfacbe. @o betreibt ibn aud)3obanneg. ©o baben ftdj bon Slnfang an nur bteiemgenl an (Sbriftum §u feiner neuen (Semeinfä)aft angefd)toffen, beren frommes ©elbftbemufjtfein als (£tlöfung§bebütftigfeit au§= geprägt mar, unb meldte nun ber ertöfenben ®raft ©briftt bei fid) getoifj mürben.2 ©o bafj ie ftörfer $Beibe§ in ^emanbem beroortrat, befto mebr audj er felbft betfen fonnte burcb ©ar* legung ber SDjatfacfje, raoau bie (Säuberung (£brifti unb feiner Sßirffamfeit mit geborte, btefelbe innere ©rfabmng in Slnberen berooraurufen. ^n melden bie§ nun gefcbab, bie mürben gläubig, bie Slnbern nictjt 8. hierin fyat nun aucb feitbem immer ba§ SSefen aller unmittelbaren djrifilidjen SBerfünbtgung beftanben, bie fidj immer nur al§ &eugnifj geftatten fann; Beugnifj Oon ber eigenen (Stfabrung, raeld)e§ bie Suft in jj Snbern erregen foßte, btefelbe (£rfal)rung auäj au nutzen. ,: 55 er (£inbruff aber, ben Sitte fpäteren auf biefem SBege befamen oon bem buttf) GPjrtftum bemirften, nämlicb Oon bem burcb ibn mitgetbeilten gemeinfamen (Seifte unb Oon ber ganaen (Semem* jdjaft ber GHjttften, unterftüjt burcb bie gefcbicbtlicbe ©ar- ftettung feine§Seben§ unb 2Befen§, mar eben berfelbe ©inbruff, ben bie geitgenoffen unmittelbar Oon ibm empfingen, ©aber aud) bie, roeldje ungläubig blieben, nicbt beäfyalh gefabelt murben, meil fte fidj etma burcb (Srünbe nictjt bätten bemegen
1 §• 4, 4.
8 Sofj. i, 45. 46. 6, 68. 69. Sttatt. 16, 15—18. * 5Cp.©efä.2, 37. 41.
7 b £)er cf)rtfllid)e glaube. Srfter £f)eü.
laffen, fonbern nur megen be§ 9JcangeI§ an ©elbfterfenntnifc, meltfjer sum GJrunbe Itcgen mufj, rco ftct) eine Unfäfjigfeit jeigt beu mafjr unb richtig bargefteKten (Srlöfer al§ folgen ansuerf ernten, liefen Mangel an <Selbfterfenntnifj, b. 5. an SBeroufjtfein ber (ErlöfungSbebürftigfeit, fteHte aber fdjon (SfjriftuS felbft bar al§ bie ®rense feiner SSirffamfeit. Unb fo ift ber ©runb be§ Unglaubens ju allen Beiten berfelbe, rote aud) ber ©runb be§ ©laubenS berfelbe ift.
2, (£§ ift mol für fid? fiar, unb nidjt nötbig ftd) beSfjalb auf bie üielen immer Oergeblicb angeftellten $Berfud>e ju be« rufen, \>a$ e§ nid)t mögüdj ift, bit 9Mt)tt>enbigfeit ber G&h> Iöfung jemanben anjubemonftriren; fonbern tuer ftdj burdj) ftdj felbft beruhigen lann, ber toirb aud) immer ein SQcittel finben au§§umeid)en. Unb eben fo menig !ann, menn ba% ©elbft* bemufjtfein Ijiefür gemefft ift, bemonftrirt merben, bafj (£briftu§ ber ©innige ift, ber bk (£rlöfung bemirf en fann. ©onbera mie ju feinen Seiten SSiele %tvax an eine beöorfteljenbe @r* Iöfung glaubten, um aber bod) nid)t aufnahmen: fo lä%t ftdj aud) bei einer richtigeren SSorfteHung Don bem, tt>a§ ansu* ftreben ift, nid)t einfeljn, mie nun benriefen merben fönnte, ba% ein ©inselner im <5tar\be ift bie getoünfdjte SSirfung Serborjubringen , ba e§ Riebet auf bk ®röf$e ber geiftigen Sraft anfommt, für bie e§ feine ^edjnung^art giebt, unb, aud) menn e§ eine gäbe, bod) nodj ettvaä müfcte gegeben fein um bie ^edjnung anzulegen. $a aud) md)t einmal im W* gemeinen, bafj eine foldje ©rlöfung fommen muffe, fann benriefen merben, menn aud) eine gemeinfame (£rfenntnifc baoon nrie bie ÜD?enfd)en ftnb ntdjt nur fonbern aud) nrie ®ott ift gegeben märe; fonbern jebe ©obljiftif §&ttt ben freieften (Spielraum entgegengefe§te§ gu folgern auSbenfelben Angaben, je nadjbem bie 5lbftdjt ($5otte§ mit ben üUcenfdjen fo gebaut nrirb ober fo. — Wlu% e§ nun aber hd ber eben befcbriebenen 2lrt ber 65ehrif$eit bleiben , unb ift ber (glaube nid)t§ anberS al§ bie anfangenbe (grfdjrung bon ber Stillung jene§ geifttgeu SBebürfntffeS burd) ©riftum: fo fann e§ nod) fet)r berfdjiebene Strien geben, nrie Söebürfntfä unb Jpülfe erfahren nrirb, unb fte merben bodj alle glaube fein. Unb aud) ba$ Söemufctfein be§ $Bebürfniffe§ fann fdjon lange borljer borbanben fein, oft fann e§ aud) erft burd) ben ®egenfa§, ben bie SSoHfommcn* beit ©b^ifti au bem eignen 3uftanbe bilbet, öottftönbig gemcfft merben, unb alfo betbe§ jugleicb entftanben fein ba§ pcbfte Jöeniu^tfein beS ©ebürfniffeg unb ber Anfang ber fdt* friebtgung.
Griter Kapitel. 3ut (Srflärung ber Eogmatif. 77
3. Sßenn nun bodj in ber ©djrift felbft öfter Vernein fütjrungen ermähnt werben, beren ftdj bie Beugen be§ (£ban= gelium§ bebient Ijaben:1 fo mirb bodj nie behauptet, bafj ber (glaube au§ ber VemeiSfüljrung entftanben fei, fonbem au§> ber Verfünbigung. Sene Söetoetfe mürben immer nur bei ben ^uben angemenbet in Vegug auf bte unter ibnen bor- Baubeiten Vorfteltungen bon bem berbeiBenen 9Jceffta§, um ben hieraus enftanbenen Sßiberforudj gegen ba§> 3atgni& ah* gumetfen ober einem folgen guborgufommen. gür Beugen <£ljrifti ou§ ben Suben unb bor ben ^uben mar bieg eine unerläßliche Verttjetbigung. SDcocbten fie nun behaupten, bafe fie felbft fdjon immer feine anbere ©rlöfung at§ eine foldje erroartet hatten, ober bafj ir)re ©rroartungen buretj bte (£r* f Meinung unb bte ©inroirrung ©&rifti umgebitbet roorben feien: fo mußten fie entmeber bem gangen ^ubentbum abfagen, mogu fie feine Shtroeifung bitten, ober nacfjmeifen, ba% bte probbetifeben 2)arftettungen auf biefen Sefum al§ ©rlöfer an* menbbar feien. Söotten mir e§ anbers? anlegen: fo mürbe ber (glaube ber ^eibenc^riften ntctjt berfelbe gemefen fein, mie ber ber Subendjriften; unb fo märe aueb niebt au§ Bmeien maljrt)aft (£in§ gemorben, fonbem bie Reiben bätten erft muffen guben merben, um bann burdj bie Autorität ber ^rob^eten gum ©Ijrtftentfjum gebraut gu merben.
3 ufa§. Unfer @ag, inbem er bon feiner Vermittlung roeiter etma§ auSfagt gmifetjen bem glauben unb bem 2lntf)eit baben an ber cbriftltcben ©emeinfebaft, mitt fonadj) aud) ba* für angefeben fein betbe§ unmittelbar gu berbinben, fo ba% mit bem glauben jener 5lntfjeil aud) bon felbft gegeben ift, niebt nur fomeit bie§ bon ber ©elbfttbätigteit be§ gläubig gemorbenen, fonbem aueb fo meit e§ bon ber ber ©entern* febaft abfängt, al§ bon melcber ja baZ Beugnifs um ben (glauben gu erroeffen ausgegangen mar. £nbem er aber ben gangen Verlauf gmifdjen biefen beiben ©Hebern bem Seugnifs unb ber Sßirfung beffelben abfd)iief$t : fo mitt er gugletcb aüe§ abfdjliefcen, ma§ man unter bergorm ber£)emonftration bem eigentlichen Beugnifj gu föülfe gu geben, ober mobureb man e§ gar gu erfegen gu motten pflegt. $ie§ ift nun oor* nebmlictj, bafj man bit Slnerlennung ©brifti herbeiführen miß buretj bie JSiffita. meiere er berriebtet, ober bureb bte gBeif* fggungen metdje ibn borber bertünbigt baben, ober buret) bh befonbere ©igenfetjaft ber urfbrünglicb über ibn abgelegten
1 STp. ©efc|. 6, 9 u. 10. unb 9, 20—22., aud) 18, 27. 28
78 $er rf)riftltct)e ®Iaube. ©rftcr STheti.
3eugniffe, bafe fte ein SSerf ber göttlichen ©ingebung feien. £>iebei fctjeint aber überall metjr ober weniger bte £äufctjung objumalten, bafj bie Söirffamfeit biefer Umftänbe irgenbmie immer ben (glauben fctjon OorauSfeät unb itjn alfo nidjt tjeroorbringen fann. — 2Sa§ nun äuerft bte SB unb. er be* trifft, menn mir ba§ Sßort im engeren (Sinne netjmen, fo bafj Sßeiffagung unb (Eingebung nic^t mit basu gehören, alfo (Srf Meinungen im (Gebiete ber leiblictjen Statur, meiere aber nidjt auf natürliche SBeife follen bemirft loorben fein, mag man nun bei benen ftetjen bleiben, meiere ^efu§ felbft ber« richtet tjat, ober auetj bie Ijinäunebmen , bie in $3eäietjung auf i itjn gefetjetjen ftnb: fo fönnen biefe eine foldje 5lnerfennung gar nietjt herbeiführen, £)enn eine§ Xtjeil§ fennen mir btefe SBunber nur au§ benfelben ^eiligen (Schriften — inbem bie in unreineren Duellen ersäljlten nie mit aufgeführt raerben — meiere auetj ätjnlictje SSunber ersätjlen bon folgen, bte bem (Stmftenttjum Qar rttctjt angehörten, fonbern efjer ju beffen (Gegnern gu jagten ftnb, oljne ba| bie ©ctjrift ehen ^enng eichen angäbe, um beroeifenbe SBunber bon nichts beroeifenben §u unterfetjeiben. £>amt aber bezeugt bie ©ctjrift felbft, ttjeilg bafj ber glaube bemirft morben ift otjne Sßunber, ttjeilg? aber bafj bie SBunber üjn rttctjt bemirft tjaben, morau§ benn gefctjloffen roerben fann, bafj, mo audj in $erbinbung mit SBunbem, er bodj nietjt bind) bte Söunber fonbern auf jene urfprünglictje SBeife bemirft morben fei. Ratten alfo bie SBunber ben &tveft gehabt, ben (glauben $u bemir!en, fo fyätte ®ott bie Orbnung ber Sftatur auf eine unmirffame SBeife unterbrochen. SDatjer auetj $iete benBtoeff berSSunber nur fuetjen in ber buretj fte auf (Priftum §u lenfenben 9luf* merffamfeit , roomtt aber mieberum ba$ öfter miebertjolte Verbot (Stjrifti bie Söunber rttctjt meiter befannt gu maetjen menigften§ in fo meit in Sötberfpruetj fteljt, bafj man ifjre Söirffamfeit auf bie unmittelbaren 3lugenäeugen befdjränfen müfjte, fo bafj aucrj biefe boct) je^t nietjt mebr ftatt fänbe. ©nblictj aber fann man ber grage rttctjt entgetjen, worauf fiel) benn ber Unterfctjieb grünbet, bafj menn un§ aufjer allem 3ufammen(jang mit einem foldjen ®lauben§gebtet immer* fort fo btele§ begegnet, roa§ mir nietjt natürlicf) ju erklären bermügen, mir ba feine§mege§ an SBunber beuten, fonbern nur bie ©rflärung al§ au§gefejt auf eben bt§ §u einer ge* naueren ftemttmfe fomol bon ber fraglichen Stt)atfact)e af§ auet) bon ben ®efeaen ber 9?atur; mo aber im .Sufammeu* tjange mit einem aufäuftellenben ®lauben§gebiet bergletctjeit
Grfteä ßcOrttel. 3ut(Srnärungber£)ogmati!. 79
borfommt, amar gleich an Sßunber gebaut mirb, bo<$ aber Seber nur für fein ®lauben§gebiet baZ SSunber mirtlidj in 2lnft>rud) nimmt, bie anbern aber für falf$ erflärt? 2)iefe grage nun läfjt fdjmerlid) eine anbere 5Intmort m al§ btefe, baf$ mir im allgemeinen einen Sufammenfjang jmifdjen Söunbern unb ber Sßilbung eine§ neuen ®lauben§gebiete§ bieEeicbt fogar fo auSfdjlie&enb annehmen, bafj mir nur für biefen gaE SSunber pgeben, ba£ aber ber ®lauben§äuftanb eine§ ^eben fein Urtfjeil über ba§ al§ Söunber angefünbigte beftimmt, unb alfo nid6)t ba§ Sönnber ben glauben Ijerbor* bringt, ffiit jenem aEgemeinen gufammenljang aber fdjetnt e§ bk $8emanbnif3 §u fjaben, ba$ mo ein neuer Entmitllungäs jmnft be§ geiftigen Sebeng unb smar urfarünglid) be§ (Selbft* bemu§tfein§ angenommen mirb, aud) neue burd) bie ftdj !unb gebenbe geiftige ®raft bermittelte ©rfdjeinungen in ber leib* liefen 9?atur gleidjfam ermartet merben, metl nämlidj fomol bk betxa^tenben, al§ aud) bk nad) aufjen mirlfamen geiftigen 3uftänbe immer bom (Selbftbemufjtfein ausgeben, unb burd) beffen Erregungen beftimmt merben. Oft aifo (£§riftu§ ein* mal atSErlöfer anerfannt, mithin al§ ber Anfang ber Ijödjften ©ntmifflung ber menf<$lid)en Sftatur auf bem ®thkt be§ Selbftbemu§tfein§: fo ift e§ eine natürliche SSorauSfesung, bafj eben meil ba, mo ein fotdje§ SDafein fid) am ftärfften mitteilt, audj ©eifteSsuftänbe borfommen, bie au§ bem früheren (Sein nidjt §u erfrören finb, berfelbe, ber eine fo eigent^üm* ltdje SBirffamfeit auf bk übrige menfctjlidje Statur ausübt, bermöge be§ allgemeinen 3uiammenljange§ aud) eine eigen* tt)ümlicf)e ®raft bemeifen merbe auf bie leibliche (Seite ber menfef) liefen Statur unb auf bie äußere 9?atur ju hrirfen. 2)a§ Reifet, e§ ift natürlich bon bemiemgen, ber bk _§öd)fte göttliche Offenbarung ift, aud) SBunber m ermarten: meiere i WfffiS&t jeboct) immer aud) nur be§ie^ung§metfe fo Ijeifjen tonnen, ba unfere $orfteEungen fomol bon ber Empfänglich feit ber leiblichen 9catur für bie Einmirfung be§ ®eifte§ al§ au$ bon ber Urfäd)tid)feit be§ SSiEen§ auf bie leibliche ^atur eben fo menig abgefdjtoffen, unb eben fo einer beftänbigen Erneuerung burd) neue Erfahrungen fäljig finb, al§ untere SßorfteEungen bon ben leiblichen ^aturträften felbft. £)a ftct> nun im gufammenfjang mit ber göttlichen Offenbarung in Etirifto Erlernungen seigten, meiere unter biefen ^Begriff gebraut merben tonnten: jo mar e§ natürlich, bafc fte unter biefen ®eftd)t§bunft audj mirftictj gefteEt, unb al§ Söeftätiguna bafür, bafj fjier ein neuer Entmiftlung§buntt gegeben fei, an*
80 &er (firtftltdje Qjictu&e. Srfter Xfjeil.
• geführt nntrben. ©iefe Söeftätigung mirb aber aud) nur in | fofern roirffam fein, al§ ein Anfang be§ ©Iauben§ bereits ba ift, fonft mürbe ba§ SBunber entmeber für fallet erftärt merben ' ober ba$ SBerfteben auf eine fünftige natürliche ©rftärung in'nauSgefest. 9codj biel weniger aber tonnte au§ ben be= gleitenben SSunbern erintefen Serben, bafj ba$ (Ebriftentbum bie böd)fte Offenbarung fei, inbem är)nXict)e§ au§ bemfelben ®nwtbe auet) bei untergeorbneten ($5lauben§meif en §u erwarten ift, bie SSunber felbft aber ftdj al§ foldje ntcrjt in labere unb niebere treuen laffen. ^a*e§ bleibt unbenommen, bafj ätm* liebe ©rfcf) einungen audj ofjne 3u[ammenf)ang mit bem reit« giöjen (Gebiet, [ei e§ Gmtroiffhmgen anberer 2lrt begleitenb ober tiefere Regungen in ber leiblichen Dcatur felbft anfünbigenb, Dorfommen fönnen. <So tote auf ber anbern (Seite fidj öon felbft ju berfteben fdjeint, bafj folcbe bie Offenbarung begleitenbe übernatürliche (5rf Meinungen ftd) in bemfelben SDcaafe roieber äiirüffsiebn, al§ bie neue (Sntraifflung felbft, bon ibrem 2ln= fang§punft in ber äußeren ©rfdjeimmg gelöfet, ftdt) organiftrt bat unb fo Sftatur geworben ift. — 9cicf)t anber§ ift e§ mit ben Söeiffagungen, Wenn man tfjnen eine größere ®raft bei* legen null al§ bie oben fdjon sugeftanbene. S)enn bleiben wir bei ben SBeiffagungen ber jübiieben $robl>eten bon (£brtfto flehen, wie man benn in fpäterer gelt bie Jjeibnifcben allgemein bei (Seite gefest Ijat, unb bon ben SSeiffagungen ©brifti felbft unb ber Slüoftel Ijier junäcbft ntdjt bie 9tebe fein !ann, unb mir wollten oon biefen proptjetifdjen Sluffagen einen ftärferen ®ebrau<$ macben bei Suben felbft: fo läfct ftcb |ejt wobl benfen bafj ein ^ube um bestritten formte (Sbnft toerben, meil er sn ber @inftd)t gelangt, ba% fte auf Sefum %u besteben finb, unb bafj er betmodj niebt ben eigentlicben (glauben i)ättt noeb mithin ben matjren Slntbeil an ber djriftlicben (gemein* fd)aft, Wenn er ftd) etma ganj ettoaä anberS backte babei, inbem er nämlict) ein Ü8ebürfni§ nacl) (Srlöfung nod) gar nietjt emofänbe. (Sollten aber biz\e Sßeijfagungen allgemein ben Ungläubigen öorgebalten Werben, um ben Söillen in bk %t- meiufcl)aft mit Gbrifto ju treten in ibneu au bemirfen: fo mödjte immer fdwn oorljer ausgemacht fein, bafj jene 28ei3* fagungen alle als sufammengebörig anaufeljrt finb, unb alle ein einzelnes unb swar ein unb baffelbe ©ubiect im 2luge baben, benn fonft märe bie Erfüllung ibrer aller in einer unb berfelben Sßerfon eigentlid) eine 9cid)terfüttuug, ferner batj fte alle an C£l;rtfto in (£rfüUuug gegangen unb jmat jeoe mie fte gemeint mar, ntdjt etma bie ftnubilbltcb gemeinte
©er djrijtltdje GJlauoe. ßrfter^eU. 81
fcudrftäblid) unb bte budtftäblidj gemeinte in einem ftmbolifdjen ©inn, benn bie§ märe aud) feine Erfüllung ; bte@a<$e lommt immer barauf IjinauS, e3 foE angenommen merben ^efu§ fef ber (£rlöfer, meil ber ©rlöfer nnter folgen Sßeftimmungen bie ftd) an i§m finben öorf)ergefagt morben. hierbei aber mirb ja ein ©laube an bie SSeiffagenben al§ fotd)e f<$on borauS* gefest, nnb e§ läfjt fid) nid)t abfefjn, mie ein Ungläubiger aufeerijalo be3 SubentfjumS %u einem folgen fommen fottte; an§genommen fofern bie Eingebung berfelben ifjm bemiefen luürbe, mobon nnten nod) bk 9tebe fein mirb. Dfjne einen 'folgen glauben märe bie Bufammenfteltung ber äßeiffagungen unb ü)rer Erfüllung eine btofje 9?otiä, bie nur für benienigen «inen antrieb enthalten fönnte bk ®emeinfd)aft mit ^rifto ^u fudjen, in meinem fd)on ein (SrlöfungSbebürfnifj bortjanben ift, unb smar nur in fo fern baä in ben SBetffagungen fid) auSfbrec&enbe bem feinigen analog ift, jugleidj aber ba§ ge= ioetffagte in anfd)aulid)er Sßerbinbung bamit ftefjt,1 ba§ Reifet tu fo fern jeber aud) felbft Ijätte au§ feinem eignen Söebürfnifj i)erau§ baffelbe meiffagen fönnen. 2)er antrieb fönnte aber bod) nur barauf gefjen bit ©rfaljrung felbft m machen, 2 unb *>a§ gelingen biefeS $erfud)§ mürbe bann erft ber glaube fein. Unb biefer antrieb fann bod) gemifc mt, too bie SHjat fo laut rebet, meit ftärfer unb fixerer anber§mie gegeben iuerben, at§ burd) bie SSeiffagungen. Bumai menn mir be* beuten, mie e§ eigentiid) um bit oben aufgehellten $orau§* fesungen fteljt, ba% ftd) nämlidj niemals mirb nadjmeifen laffen, bafc jene ^roü^eten ^riftum, mie er mirflid) gemefen ift, unb nod) meniger ba§ äftefftanifdje 9tod), fo mie e§ ft<$ mirflid al§ Gijriftentfjum entmtffelt t)at, oorfjergefe^en fjaben: fo mufj moi augegeben merben, bafj ein (£rmei§ (£t)rtfri al§ <£rlöfer§ au§ ben SSeiffagungen unmöglich ift, unb befonberS ntufc ber @ifer au biefem Btneff Sßeiffagungen ober Sßorbilber aufsufinben, meiere fi$ auf sufättige ^ebenumftänbe in ber ®efd)tdjte (Sfjrifti besiegen, nur al§ ein TOgriff erföeinen. 9ttan mufe balier fetjr mol)t unterfdjeiben ben abologetifd)en\ ®ebraud), melden bieStyoftet bon ben SSeiffagungen matten? tu üjrem 33ert)ältni§ m ben Suben, unb einen allgemeinen <$5ebraud) ben man bon itmen al§ $8eraei§mtttel machen moHte. Sßogegen, menn ber glaube an ben ©rlöfer bereits bortmnben
1 3n biefem (Sinne toäre biettei^t ba§ 3Katt$. 12, 19. 20. angeführte :^le brägnantefte Sßeiffagung.
2 30^. 1, 41. 46.
©dji.,($:f>rifu.©r.i. e
82 $er djriftlidje ©Iau&e. Grfter Xljell.
ift, mir mit grofjem Sßotjlgefallen auf allen Weiterungen einet burdj frühere an fidj unäuretccjenbe Offenbarungen gemecftcn (Se^nfud)t nadj ©rlöfung berroeilen fönnen. Unb bieg ift bie eigentliche atferbingS aud) ftärfenbe unb beftätigenbe SBebeutung ber meffianifdjen Sßeiffagungen, roo audj unb in roie bunflc 5lr)nung berptft fie borfommen, bafj fie unS ein £>inftreben ber menfd) ticken Statur nadj bem (£ljrtftentt)um entbeften, unb bafj fie äugleictj al§ ba§> Söet'enntnifj ber heften unb S3e- geiftertften au§ ben frühem frommen ®emeinfcrjaften av& fbredjen, baf$ biefe nur al§ borläufige unb borübergeljenbe Slnftalten ausuferen finb. (Sott nun audj bon ben SBeiffagungen im (Sfjriftentljum bie Sftebe fein: fo ift freilief» natürlich ba% am Slnfang ber Gnttnrirtlung eine§ neuen ®afein§ ber SBlift nocc) ferjr auf bie Bufunft nämlich bie SBottenbung beffelben gerietet ift, unb fo begreifen ftcb bie gragen ber Sünger,. benen bie Slntroort, auf bereu GJrunb fie fjernad) roeiter fort- geroeiffagt Ijaben , nidjt ganj berfagt roerben fonnte. Mein bie SSeiffagungen ©fjrifti fönnen bodj fct)on belegen, meil botf) anerfannt Rubere neben itmt audj geroeiffagt rjaben, nicf)t gum Sßeroeife feiner gang eigentümlichen Sßürbe unb fetner au§fdjltefelidjen Söefttmmung als? (£rlöfer bienen. (£ben fo natürlich ift, bafj ie meljr fiefj bie neue £>eü§orbnung al§ ge* fdjidjtUcfce ©rfctjeinung befeftigte, um befto meljr audj ba$ %n* tereffe an ber Brunft abnahm, unb bte Sßeiffagung fidj gurüff^ 30g. — $lu§ alle biefem nun folgt, bafj Sßunber foroot als SBeiffagungen, roenn ber glaube an (bte Offenbarung ©otte§ in (SJjrtfto unb an bie(£rlöfung burd) um nic&t fdjon auf bem urfbrünglid)en SSege burcej bie Gcrfafjrung al§ ben 23eroei§ be§ ($5eifte§ unb ber ®raft entftanben ift, iljn nid)t Ijerbor« bringen fönnen, \a ba% biefer (glaube ehen fo unerfdjütterltd) fein mürbe, roenn audj ba$ (£ljrtftentJjum meber SBeiffagungen nodj SBunber aufguroeifen Ijätte. ®enn biefer Mangel tonnte niemals ienen 53eroei§ roibertegen, unb bie (Srfabrung bon bem in ber ©emeinfdjaft mit (£l)rifto gefüllten SSebiirfni^ ber Säufdjung seilen. SSielmeljr mürbe nidjt§ barau§ folgen, al§ bafj jene natürlichen SSorauSfesungen ftet) nidjt immer be* trjätigten, fonbern grabe ber Urfbrung ber bottfommenften ($5eftaltung be§ frommen ©clbftberoufjtfeinS pXöälicfjer erfdjienen fei, unb ftrenger abgefd)loffen in feinem unmittelbaren (bebtet geroirft Ijabc. — 2öa§ enbltdj bte Eingebung betrifft, fo fjat biefer begriff im Triften tljum etne burefraug untergeorbs nete Söebeutung. £>enn cmcSöeateljung beffelben auf (£l)riftunt finbet gar nidjt ftatt, inbem bte göttliche Offenbarung burdj
CrfteS Äapttei. 3ur ertläiung ber ©ogmatif. 83
ibn immer, tute fte aucb gebaut merbe, mit feiner ganaen C^iftena ibentifcr) gebactrt roirb, unb nict)t als fragmentarifdj in aerftreuten Slugenbliffen erfccjeinenb; roaS aberbenSfyofteln ber (Seift gegeben, ba§ füljrt (£briftu§ fetbft gana auf [einen Unterricht aurüff, unb biejenigen bie burcr) itjr geugnifj gläubig mürben, mürben e§ nicbt beStjatb, meit biefeS burcb Eingebung entftanben mar, benn baoon mußten fte md)t§. $)er begriff Beaietjt ftcrj baber nur ttjeilS auf bie $roptjeten be§ alten SöunbeS tfjetlS auf bteSIbfaffungberneuteftamentifd^en^eiligen (Schrift, unb e§ ift aljo bier nur babon au Rubeln, in fo fern man burcrj bie 5 eilige ©djrtft, menn fte erft als eingegeben angenommen mirb, ben glauben bemonftratürifdj eraroingen miU. OTeitt mag ba§> alte Seftament betrifft, fo ift bit $roüljetie allein obne ®efea unb (Sefdjidjte ntc^t au berftefjen, bie£ ganae sufammen a6er fo burcbauS t^eofratifctj ba% mir gmar bartn aroei $ole unterfdj eiben tonnen, "bon benen ber eine ba§ neue Seftament ansieht ber anbere e§ abftöfjt, bafj aber abgefeben Oon bem neuen Seftament, menn eS gelänge, ma§ aber bodj faum anberS bemerfftettigt merben tonnte, al§ auf üjr eignet geugnifj ^n ^ fca§ Söort ®otte§ au fljnen gegeben fei, jemanben bie t)ro^rjetifcrje ^nfbiration glaublich gu matten, barauS bod) fein glaube an (Ebriftum als ba£ (£nbe beS ®efeae§ entroiffelt merben fönnte. Sßielmebr merben mir bie ganae Sßa^rtjett mieber nur auSfpredjen, menn mir fagen, mir glauben an bie fcrotfjettfdje Eingebung nur um beS ®ebraud)e§ mitten oen (£briftu§ unb bie Slpoftel bon ben probbetifccjen 2lu£fprüd)en madjen. 2Sa§ aber ba$ neue Seftament anlangt, fo ift ber ©taube an ameibunbert Sabre lang mitgettjeitt morben, ebe baffetbe in feiner eigentfjümlidjen (Sültigf eit übereinftimmenb aufgeteilt mar, unb $tüax nidjt etma fo ba% er in beränrifdjenaeit überall burdj beurlauben an ba§ alte £eftament märe Vermittelt morben, raelcbeS hei ber großen beenge oon Reiben, meiere aum (£tjrtftenttjum übergingen obne üorber jubaiftrt au tjaben, feineSroegeS ber galt mar. 51ber aud) iejt unb oorauSgefeat , bie Eingebung ber neuteftamentifeben ©djriften liefse ftd) au§ itjnen beroeifen : fo mürbe bieg bodj ein mögltebft Oottfommneg Sßerftänbmfj biefer ©ebriften borauSfeaen, fo ba% mir bodj, ttjeilS roeil bieg nur SSentgen möglief) ift, noeb einer anbern (£ntftebung§roeife beS Glaubens bebürften, unb alfo einen annefadjen (glauben hätten, tbeilS aud) immer nodj nid^t einaufeljen ift, mie eine folctje objeetioe Xleberaeugung einen ^mpulä auf baS ©etbfte bemufctfein ausüben fönne, fo ba% nur au§ ber (Srfenntuife,
84 S)cr djriftltdje ©lau&e. Grfter £Ijell.
bteientgen feien mitritt, meldje behaupteten bie SDfonfcrjen feien erlöfung§bebürftig unb (EljriftuS fei tljr (Erlöfer, biefe Söetjauptung foglei<$ eine innere SSa^r^eit für Seben erhielt. SStelmeljr mirb biefe Ueberseugung ebenfalls nur einen 2In* trieb geben jur (Ermetfung eine§ oottftänbtgeren ©elbft* fcemufjtfetnS unb jur (Ermerbung eine§ £otaleinbraff§ oon (T^rifto, unb erft au§ biefen mirb bann ber (Stauben Ijer* toorgeljn.
IV. $om S5err)ältnt§ ber £)ogmattf jur crjriftridjen grömmigfett.
§. 15. (Sfyriftlidje ©laubenäfäje flnb 2luffaffungen ber
<$riftlid? frommen ©emütr^uftänbe in ber Sftebe bar*
geftellt.
Sinnt. SSergT. §. 3, 5.
1. 5lHe frommen (Erregungen, melier 2lrt unb (Stufe ber grömmtgf eit fie au$ angepren, Ijaben biefeS mit allen anbem Sftobiftcationen be§ bemegten @elbftbemufjtfein§ gemein, bafj fte ftct), fo mte fie einen gemiffen (S5rab unb eine genriffe 33e- ftimmttjeit erreicht Ijaben, auct) äufjerlidj funb geben am un- mittelbarften unb urfprünglidjften mimifcf) burdj ®efi$t§5Üge unb Söemegungen forool £öne al§ (Sebefjrben melcfje mir al§ ben SluSbruff berfetben betrauten, unb audj fo fdjon ben 2lu§^ bruff ber 2lnbad)t oon bem einer ftnnlic&en gröt)lidjfeit ober Sraurigfeit, nadj ber Analogie mit bem ma§ geber an ftdj felbft lennt, beftimmt unterfdjetben. ^a mir fönnen un§ au<$ beuten, ba% um bie ($5emütt)3äuftcmbe felbft feftsurjalten unb iljnen eine mieberfjolbare Verbreitung ju geben, gumat menn fte Slfteljreren gemeinfam gemefenftnb, bie (Elemente iene§ natür* lidjen 5lu§bruff§ sufammengefteEt merben ivl fjeiligen 3eiä)en unb fomboltfdjen ^anblungen, oljne ba% eben fo matjrnefjm» bar ber (Sebanfe bajU)tfd)en getreten märe. Gittern mir fönnen un§ laum einen fo ntebrtgen (SntmiffTungSpunft be§ menfdj* Hdjen <55 etfte§ unb eine fo mangelhafte Slu§bilbung unb einen fo fparfamen (Sebraucf) ber «Sprache beuten, hak nidjt sugleit^ aud) fd^on $eber, nadj ber «Stufe ber Seftnnung auf melier er fteljt, ftc§ in feinen üerfd)tebenen Buftänben ^^ ®egen* ftanb merben follte, um fie in ber SSorftellung aufeufaffen , unb in ber $orm be§ ©eban!eng feftjuSalten. S)iefe§ *8e* ftreben nun $at ftdj oon Te^er fdjon audj befonber§ auf bie frommen ®emütl)§erregungen gerietet, unb biefe§ in feiner Snnerlidjfeit an unb für ftdj betrachtet berfterjt ber <Saj unter
(SrfteS Sapttel. 3ur drflärung ber 3)0Qmattt. 85
ber Sluffaffung ber frommen ©emütt)§3uftänbe. Slttein toenn* gteidj ba$ Genien audj innerlid) nid)t obne ben ©ebraudj ber ©i)rac^e bon ftatten geljt: fo giebt e§ bod), fo lange e§ bloß innerlidj bleibt, fdjmanfenbe 3uftänbe biefe§ 35erfaljren§, tteldje ätoar einigermaßen ben ©egenftanb beseidjnen» nur fo jebodj, ba% roeber SßegriffSgeftaltung nodj 58egriff§ber« rnübfung, ba$ Sßort begriff audj im meiteften (Sinne ge* nommen, feft genug ift um ft$ mitteilen ju laffen. (£rft eine fo roett fortgefe^te Slu§bilbung biefe§ $erfafjren§, ba% e§ ftdj äußerlid) in bestimmter Sftebe barfteüen fann, bringt einen nrirflidjen ©laubenSfas berbor, rooburd) bie Steuerungen jene§ $8emuftfetn§ fF$erer unb in größerem Umfang in Um* lauf fommen, afö burd) ben unmittelbaren 5lu§bruÜ mög* lid) ift; gleichet aber, ob ber 2tu§bruff eigen,tli^ tft ober bilbltdj, unmittelbar ober nur burd) Sßergleidjung unb $8e* grengung feinen ©egenfa^ be§ei($nenb, immer ift er ein ©lau* benjfas.
2. $)iefe (SnthriffhmgSftufe be§ SBefcmfetfeinS nun fest ba$ dbriftentbum überall oorauS; bte ganje Sßtrffamteit be§ ©r* Iöier§ felbft mar mitbebingt burdj bie ÜDcittljeilbarfeit feine§ 2elbftbemußtfein§ oermöge ber Sftebe, unb auf biefelbe SB.eife; bat ftdj immer unb überaß ba§ GHjriftentljum ausgebreitet allein burd) bit SSerfünbigung. Seber ©aa, ber ein Clement ber djriftltdjen SSerlünbtgung (x*ipoy[xa) fein fann, ift aud) ein $lauben§fas, toeil er bie Söeftimmtljeit be§ frommen ©elbft« beroußtfein§ al§ bie innere ©emtßl)eit bezeugt Unb jeber c^riftlid^e ©lauben§fas ift audj ein irjeü ber djriftlidjen $er* fünbigung, tteil jeber aud) bk burdj bit Stiftung (Efjrifti au bennrfenbe Slnnä^erung an ben Buftanb ber ©eligfeit1 als <55ert»t%5ett auSfagt ©eljr balb aber aerfbaltete ftdj biefe $er* runbigung in ^rei berfdjiebene ©b^ac^gebiete, bie eben fobiel oerfdjiebene gormationen bon (S5lauben§fäaen barbieten, ba§ btcrjterifc^e, ba§ ~rebnerifdje, roeldjeS ftdj tljeitö meljr beftrei* tenb unb embfeljlenb na<$ außen, tljeilg meljr affetifdj unb aufforbemb na$ innen toenbet, enblidj ba§ barftellenb be* lebrenbe. 5lber hrie fd)on ba§ SSerbältniß ber 3J^tttr)eilurtg burdj bie Sftebe ju ber burd) frjmfiolifctje £anblung ein fet)r berfd)iebeneg ift nadj 3eit unb Drt, bit erfte immer surüff* getreten ift in ber morgenlänbifdjen®ird)e, benn audj ein feft unb unb er änb erltdj geroorbener Söudjftabe nähert ftdj in feiner 2öirfung§art tvtit meljr ber fombolifdjen ^anblung al§ ber
1 e. §. 5, 4.
86 $er $rlftlidje ©tau&e. (Srfter S^cir.
freien IKebe, unb immer meJjr hervorgetreten in ber abenb* iänbifdjen Strdje: fo ift e§ audj auf bem %&ittz ber Sftebe felbft mit jenen öer[(^iebenen 9Jcittl)eiiung§roeifen. ^n meinem SBerljä'ltuife fic gegen einanber fielen, unb roie reid)lid) über* Saujjt unb in roie lebenbigem SSerfe^r fte ftd) entfalten, roie fie ftdj bon einanber nafjren unb mannigfaltig in einanber übergeben, ba§ legt nid)t forool ein Beugnifj ab bon bem <$5rabe ber grömmigfeit, fonbern Vielmehr bon bem (Sljarafter einer ®efettfdjaft unb bon iljrem ®eretftfein jur Söefinnung unb ^Betrachtung. SDiefe ätttttlj eilung ift alfo auf ber einen ©eite fdjon ettüa& anbereS als bie grömmigfeit felbft, roierool biefe eben fo roenig al§ irgenb anbere§ menfd)lic&e ganj ge* trennt bon aller SÜcittf) eilung gebaut werben !ann; auf ber anbern (Seite aber Ijaben bie ©laubenSfäse aller gorm iljren legten ®runb fo auSfdjliefcenb in ben (Erregungen be§ frommen 6elbftberou^tfein§, bafj, roo biefe nidjt ftnb, auc§ jene nidjt entftetjen fönnen.
§. 16. ©ogmatif^e ©äge ftnb ©lauben^fäje fcon ber barftettenb belebrenben 2ltt, bei reellen ber p$ft mög* ltd)e ©rab ber Sßefttmmtfyeit betrefft roirb.
«nm. Sgl. §. 3, 4. 5. unb §. 13, 1. 2.
1. ©er bid^terifdje $Iu§bruff ruljt urfarüngltdj immer auf einem rein oon innen IjerauS erlj Otiten SebenSmoment einem Moment ber Söegeifterung ; ber rebnerifdje auf einem bon aufeen erljöbten, einem Moment be§ bewegten ^ntereffe, lt)elcrje§ auf einen beftimmten einzelnen (Erfolg ausgebt Sener ift rein barftellenb, unb ftellt in allgemeinen Umriffen Söilber unb (Mtalten auf, bie ieber £>örer ftdj auf feine eigentümliche SBeife ergänzt ©er rebnerifdje ift rein be* roegenb, unb Ijat e§ feiner üftatur nadj am meiften mit foldjett ©pradjelementen gu tljun, roeldje baZ mefjr unb minber auf* neljmenb in größerem unb geringerem Umfang fönnen auf« gefaxt roerben, aufrieben roenn fte nur im entfe^eibenben Stugenbliff ba& Ijöc&fte leiften, gefejt audj ba% fte Sterin fidj felbft erfdjöpfenb in ber golge geringer erfcljienen. Söetben eignet alfo eine anbere 23oUfommenljeit al§ bie in unfernt ©aj befc&riebene Iogifdtje ober btaleftifdje. Sßir fönnen unS aber bennodj beibe al§ urfbrünglidj benfen in jeber religtöfen <£5emeinfdjaft, unb fo aud) in ber cr)rtftltcr)en ®irdje, fofern ttrir iebem barin einen 3lntt)eil beilegen an bem Söeruf ber SBerfünbigung. ©enn roie fiel) (Einer in einem 3uftanb unge*
(SrfteS Äapttel. 3ur (Sxflärung ber Söogmatif. 87
loöljnltdj crpStcrt frommen (gelbftbemufjtfeinS befinbet, mirb er fidö berufen füllen §ur bidjterijcfcen Starftettung, als meiere am unmittelbarsten auS Meiern Buftanb Ijerborgeljt. Unb roie hingegen (£iner burd) brängenbe ober begünfttgenbe äußere Umftänbe fic36 boräügltdj aufgeforbert firtbet einen %tt ber IBerfünbigung m oerfucljen, mirb ilmt ber rebnerifc&e 9luS* bruff ber natürliche fein, !nm üon ben gegebenen Umftänben ben möglidtft größten $ort§eil su sieben. Genien mir unS .aber baS Sluffaffen unb Slneignen beS in biefen beiben ®e* ftalten urfbrünglidj gegebenen au$ an bie ©öraäje gebunben unb bur$ biefelbe mittbeilbar: fo mirb biefeS mdjt mieber bie btct)terifcr)e gorm fjaben tonnen, nodj au<$ bie rebnerifdje, fonbern unabhängig öon bem maS in ienen beiben baS mo* mentane mar unb ein ffdj gleich bleibenbeS Sßemufjtfein auS* b-rüffenb mirb eS, meniger SSerfünbigung als SSefenntnifc (6;j.oXoYia) eben jenes brüte baS btbafttfdje, barfteftenb belelj* xenbe bon jenen beiben §urü!f bleib enb unb auS ifjnen ju« jammengeiest als ein abgeleitetes unb äroeiteS.
2. SBefdjränfen mir unS aber auSfdjlie&lidj auf ba§ C5riftentt)um unb benfen an beffen eigentlichen Anfang, nam* Itd) bie (Selbftberrunbigung ©jrifti, melier als ©ubjeet ber göttlichen Offenbarung einen Unteric^ieb ftärferer unb fd)mäd)erer (Erregung mdjt in fid) tragen, fonbern an bem* felben nur oermöge beS gemeinsamen SebenS mit Slnbern tfjeilneljmen tonnte: fo merben mir au$ meber ben bidjte* Tillen nod) ben rebnertfdjen SluSbruff als tk übermiegenbe ober gar als bie eigentlich urforünglidje gorm feiner (Selbft* -oerfünbigung fe^en fönnen ; Jonbern nur untergeorbnet fommen btefe bor in paraboltfdien unb projrfjettfdjen Sfteben. ®aS toefentUdje feiner ©elbftüerrunbtgung aber mar, ba& er bon feinem ftdj felbft immer gleiten ©etbftbemu^tfein au§ biefet SRutje heraus, mithin nidjt in btdjterifdjer fonbern in ftreng J&efonnener gorm, 3eugni§ abzulegen §atte, alfo ftdj bar* aufteilen, inbem er babei sugleidj fein allein richtiges ob* jectibeS SBemufjtfeüt bon bem £uftanb unb ber SBefdjaffenljeii ber 9Jcenfdjen im allgemeinen mitteilte, alfo in ber $)ar* ftetfung belehrte, unb smar fo, bafc balb bie SBetefjrung ber SDarfteOung untergeorbnet mar, balb umgefeljrt. TOein biefen barfteEenb belefjrenben 2lu§bruff (Sljrifti fdjliefct unfer <3as nid)t mit ein; audj [merben folct>e Sicherungen be§ SrlöferS *tid)t leicht irgenbmo als bogmatifdje @ä^e aufgeteilt merben, fonbern nur gletdjfam ben Sejt basu geben fie Ijer. SBie berat au* in folgen mefentltdjen £eftanbt§ eilen ber ©elbftberrwt*
88 SDer <$riftlic$e ©laufe. Grfter Sljeil.
bigung (£f)rifti tue $8eftimmtt)eit fdjle<$tf)inig mar, unb nur bie SSottf ommenl) ett ber miebergebenben Sluffaffung unb Sin* eignung fann burd) Söeftreben na<$ möglidjfter Söeftimmtbei* beseitet werben. Untergeorbnet inbefc fommen aud) eigent= lid) bogmatifdje ©äse in ben Sieben (Sljrtfti cor, ba nämltd? mo er an bie borljanbenen tljeilä irrigen tt)eit§ bertoorrenen SBorfteUungen feiner geitgenoffen anfnüofen mufjte.
3. SSon beut bictjteri[d)en unb rebnertfdjen Slu§bruff ergiebt itd) fd)on aus? bem oben gefagten, bafj fie fomol jeber in fid? felbft al§ audj beibe mit einanber in fdjeinbaren Söiberfbrucfy geraten fönnen, feXbft bann, menn ba§> burd) berfc^iebene SluS* brüffe bezeichnete ©elbftbenmfjtiein feinem Spalte nad) bafc f eibige ift; unb eine 2lu§glei<$ung mirb nur möglid) feütr ttjeilS fofern man ftdj über bie fdjeinbar nriberfbredienben ©äse an ben urfbrünglidjen Steuerungen (£ljrtfti orientiren fann, meldjeS aber in btn menigften fallen auf unmittelbare SSetfe ^att finbet, tt)eil§ fofern ber au§ ben brei urfbrüng* liefen formen äufammengeraadjfene barftettenb beleljrenbe 2lu§bruff bon jenen fdjeinbaren Sßiberforüdjen gana ober ßröfctentljeüS frei ift. ®iefe§ mirb aber nietjt an letften fein, fo lange ber barftettenb belefjrenbe SluSbruft nod) felbft smifdjen bem erregenben ober btbaftifdjen jctjtüanfenb, mie er ben Slatednunenen ober ber (gemeine bargeboten mirb, immer nod) balb bem xebnerifdjen, balb bem bilblid^en berloanbt iftr fonbern nur in bem Maa%, al§ ber meiteren _Slu§bilbuncj beffelben unb feiner beftimmteren ©onberung bon bem reb* nerifdjen unib bictjterifcrjert, meld)e§ beibe3 mit bem Söebürfnife- qan (Streit au oermitteln mefentlidj auf ammenlj äugt, ba$ in bem ®a§ angegebene Söefrreben pnm (Smnbe liegt. Silier* bing§ ift nun biefe3, bafj ber bilblidje Slugbruff entmeber mit einem eigentlichen bertaufdit ober burd) ©rtlärung in einen folgen bermanbelt merbe, unb bafj baZ angemeffene ber rebnerifdjen StuSbrüfte fein beftimmte§ 9Jcaafj erhalte, un* berfennbar ba§> ^ntereffe be§ SBiffenS an ber ©brad&bilbung, unb auf religiöfe (Sbrad)btlbung fommt e3 bod) t)ier boraüg* lid) an. 2)af)er aud) bogmatifd)e <5äae nur in folgen reli* giöfen ©emeinfdjaften ftet) bebeutenb entmitfeln unb geltenb merben, meiere einem ^ulturgebiet angehören, in bem bie Söiffenfdjaft fict) als ein bon ber ®unft fomoljl als bem ©e* fdjäft gefonberteS organifirt, unb nur in bem $Jlaa% al§ in ber frommen ©emeinfdjaft felbft greunbe be§ 2Biffen§ oor* banben finb unb ©influfe Ijaben, fo ba% bk bialeftifd)e Function fid) auf bie Steigerungen be§ frommen ©elbft*
ErfteS Äajrttel. 3ur (Srllärung ber 2)ogmatif. 8£
bettmfjtfetnS rietet, unb biefe 51u§brägung berfelben leitet. (Sine foldje $erbinbung mit organiftrtem Söiffen Ijat nun int (£(jriftentl)um fdjon fett ben erften Seiten ber ®ir$e $las ge* funben, unb barum $at fitf> audj in feiner anbem frommen ©emeinfdjaft bte gorm be§ bogntatifdjien ©ase§ in fo ftrenger ©onberung bon ben übrigen auSgebübet unb in foldjer gülle entfaltet.
8 ufas. 2)iefe ©arfteHung bon bem Ghttfteljen ber bog* matifdjen ©äje, unb ba£ fie nur au§ ber Iogxfd6» georbneten fRefferjon auf bie unmittelbaren 3lu§fagen be§ frommen ©elbft* benmMeinS entfbrungen ftnb, finbet iljre Söeftätigung in ber ganzen <$5efd)icl)te. £)ie erften un§ aufbehaltenen $er* fünbigungen in ben neuteftamentifdjen «Schriften enthalten fdjon foldje, unb an allen erfenntman bei genauerer Söetracbtuna; tljeil§ ibre 3Ibftammung bon ber urfarünglic^en ©elbft- berrunbigung (£ljrifti, tljeil§ iljre Sßermanbtfdjaft mit bilblidjen unb rebnerifdjen (Elementen meldje für ben forttoäljrenben Umlauf ber (Strenge ber Formel füllten näljer gebraut merben. oben fo ift in ber gof gefeit flar, bafc bie iljrer Statur nad? boi$ immer bidjtertfd^e ^Öilberfbrac^e bon bem entfdjiebenften ©influfj auf bie bogmatifctje ©brache geroefen unb beren ©ntmilflung immer borangegangen ift, fo ttrie bafc bie meiften bogmatifdjen Bcftimmungen fjerborgerufen morben ftnb burcfr ben SSiberfbrudj, ben rebnerifc&e 5Iu§brüffe Ijerborriefen. — SBenn aber bie Hmbilbung ber urfbrünglid^en 5lu§brüffe sn bogmatifdjen ©äjen bem logifdjien ober bialeftifdjen Sfrtereffe- jugefclirieben mirb; fo ift biefe§ nur bon ber gorm au ber* fteljen. SDenn ein @aa, melier tttoa bon ber fbeculatiben Sljätigfeit urfbrünglic^ ausgegangen märe, er mötf)te feinem $nf)alt nadj ben unfrigen nodj fo berttmnbt fein, märe bodj> lein bogmatifdjer meljr. 2)a ba$ reinmiffenfcfiaftlidje *8e* ftreben, metdjeS bk 2lnf$auung be§ @ein§ %ux Aufgabe bat» menn e§ nic&t in SGidjtS aerrinnen foH, ebenfalls mit bent 5öcf)ften SBefen entmeber anfangen ober enben mufc: fo fann e§ gönnen be§ ?3^ilofob5tren§ geben, in benen ©äse, bie etmaS bom Ijöc&ften SBefen fbeculatib au§fagen, roenn man fie einsein betrautet, oljnerad)tet fie au§ ber reinen SSiffen* fdjaftlidjfeit entfbrungen ftnb, ftdj ferner untertreiben laffen bon ben ifjnen correfbonbir enben ©äjen, meiere nur au§ ber fReflejton auf bk frommen ($5emütlj§erregungen entftanben, aber bialeftifdfj au§gebilbet ftnb; allein in t^rem 3ufammenjjana,e betrautet geljen gemifj beibe immer auf ba$ beftimmtefte ou§einanber. SDenn bogmatiftfie <Säae lommen urfprünglt<£>
II
"90 ©er cfirlftlidje ©taube, erfter 23jell.
nie anber§ öor al§ in ®ebanfenreiben , ju benen fromme ; (Sinnesart ben ^mpulS gegeben Ijat; mogegen fpeculatiöe ©äae über ba% bödifte SSejen nid)t nur am meiften in rein Iogifdien ober in naturnnffenfc(jaftlid)en Reiben erlernen, fonbern aud) roo fte al§ ett)t[d^e fei e§ ©runblagen ober (£orotfarien öorfommen, roirb eine Hinneigung ju einer öon jenen beiben D^idjtungen unöerfennbar fein. 5Iudj ift in ber bogmatifdjen Formation ber erften gabrbunberte, roenn man bie ganj unfirdjlid)en gnoftifdjen (Schulen abregnet, ber (£in* flufe ber ©öeculation auf ben $nbatt bogmatifdjer ©öje für nicbtS §u rennen, (Späterhin freiließ al§ nadj «Sertrümmerung ber flafftfdjen Drganijation be§ SßiffenS innerhalb ber djrtft* liefen ®ir<$e bie Konglomerat *$f)ilofoöljte be§ Mittelalters ftd) hilbete, unb sugleidj audj iljren formalen (Sinflufj auf bie bogmatifdje ©örad^bilbung ausüben foHte, mar eine $er* medjfelung be§ föeculatiben mit bem bogmatifdjen, unb mithin aud) eine 23ermifd)ung beiber faft unöermeiblid). Mein bie§ mar audj ein unbottfommner Buftanb für betbe, au£ meinem bie SBeltroetSjjeit fiefe burd) ba§ attmäljlig immer lauter roerbenbe Söefenntnifj, bafj fte bamal§ unter ber SSormunb* fdjaft beS ®ird)englauben§, mithin unter einem fremben ®e* Jet geftanben §ahe, frei gemacht Ijat. SDa fte aber feitbem in tbrer eigentfjümlidjen ©ntmilftung fo oft öon öorne angefangen Ijat, lonnte fte ftdj be§ mutanten (55efdjäft§ überleben, genau nachfragen, ma§ für fpeculatiöe @äae bamalS für bogmatifdje unb umgefebrt gebalten morben ftnb. gür bie djriftlidje ®ird)e aber, meiere mdjt in bem gatt ift, bie (Sntnrifflung ibrer Sebre immer hrieber öon Dorne anfangen au fönnen, ift biefe ©onberung öon ber größten Sßtdjtigfeit, bamit iljr ntdjt fortmäfjrenb föeculatiöe§, moran fid^ meber ber bidjterifdje unb rebnertfebe noeb ber öolfSmäfjige 5lu§bruff be§ frommen ©elbftberoufjtfeinS orientiren fann, für bogmatifd)e§ bar» geboten merbe. SDte ebangelifdje SHrdje inSbefonbre trägt ba§ einmütljige SSehm&tfetn in ftd), ba§ bie it)r etgentfjümlidje (SJeftaltung ber bogmatifeben ©äje nidjt öon trgenb einer ^r)üofopr)ifc^en gorm ober ©d)ule abfängt ober überhaupt bon einem föeculatiöen ^ntereffe ausgegangen ift, fonbern nur öon bem ber Söefriebigung be§ unmittelbaren ©elbft* bemufetfeinS allein mittelft ber ächten unb unberfäifdjten u l ©tiftung Kfjrtfti ; fte fann alfo audj f olgeredjtermeife nur foldje ©äje, meiere biefelbe SIbftammung aufzeigen fönnen, als üjr angebörtge bogmatifdje <5äje aufnehmen. Unfere fcoßmatifc&e Sfjeologie mirb aber nid}t eber auf eigenem
Grfte? ftojntel. 3ur ßrflärung ber ©ogmatlf. 91
<£5runb unb SBoben eben fo fielet ftefjen, al§ bie 2Belttoet§l)ett ■fdjon lange auf bem irrigen, bi§ bie ©onberung beiber Wirten oon (Sägen fo boüftäubig fein mirb, baJ3 jum JBeifpiel eine fo munberlidje grage mie bie, ob berfelbe (Saj in ber 93ijilofojn)ie mafjr fein fönne unb in ber (^riftltcrjen Geologie falfdj) unb umgefeljrt, be§roegen ntc&t meljr borfommt, toetl ein (5a§, fo lote er in ber einen ift, in ber anbern feinen I
ffla% finben fann, fonbern tote ä^nlict) er audj> Hinge, bie $Öerfcr}iebettt3eit bo$ immer borauSgefest merben mufc. Sßon biefem Biel aber finb mir notf) feljr roeit entfernt, fo lange man ftdj nodj für bogmatifdje ©äse SJcüfje giebt um eine Söegrünbung ober Ableitung nadj 5lrt ber ftieculatiben, ober gar barauf au§geljt hit Gnrseugniffe ber fbeculatioen Sljätig* feit unb bk ©rgebntffe ber ^Betrachtung frommer (S5emüt^§* §uftänbe in ©in ®ange§ ju b erarbeiten.
§. 17. S)ogmattf<$e ©äge haften einen §nuefadjen Sßertf), einen firfflffien unb einen tptfjenf d;aftlid;ert ; unb burdj labt unb $>a$ SBer^ältntfj betber §u emanber ftrirb i^re IßoKfommen^ett beftintmt.
1. ©er firdjlidje 2Bert§ etne§ bogmatifdjen @ase§ befielt in ber SBe^ieljung beffelben auf bte frommen ($5emütfj§erregungen felbft. $ebe folerje in üjrer ©msel^ett ift freiließ für bie $8e* fä)reibung ein unenblicfieS , unb alle bogmatifdjje ^Begriffe müfjten baju bermenbet merben, fo mie auet) alle begriffe ber ©eelenfunbe, um ©inen Seben§moment §u betreiben. Slber 7ö~mte "tn'einem folgen bie fromme (§5emütfj§fttmmung ba§ bor^errfdjjenbe fein fann, fo auef) mieber in jeber folgen ragt trgenb ein SSerrjältnt^ be§ |ö|eren (SelbftbettmitfeinS beftimmenb Ijerbor, unb auf biefe gleidjimäfrig für alle analogen Momente frommer Erregung begießen fidj bte bogmatifdjen (Sä§e. %n allen bollftänbig au§gebrüfften bogmatif^en ©äsen « mu| alfo au<$ bte SBegieljung auf ©fjriftum al§ ©rlöfer in ! bem 9}laa§ mit erfreuten, mie fte in bem frommen $8e* mufjtfein felbft Ijerbortritt. $)iefe§ aber ift natürlich er meife tti$t in allen religiöfen Momenten gletdj ftarf ber %aVi, fo roenig als in irgenb einem ©taatSleben ba§ unterfc&eibenbe ber Öerfaffung in allen Momenten gleich ftarf Ijerbortretett fann. %t fct)mädjer nun bem gemäfj in einem bogmatifdjen ©aj bie SBe^ieljung auf ©Ijriftum au§gebrüfft ift, mie j. @. gemö§nli($) in ben burc§ unfer SSerfjältnifc sur 91ufjenmelt ^ermittelten frommen Erregungen; um befto e^er fann et
92 ®cr djriftltde mute. ©rfter £f>eil.
einem £efjr[ag einer anbem frommen <$emeinfdjaft gleiten, menn aucf) in biefem ba& eigentümliche iener ®emeinfct)affc am meiften gurüfftritt. ©affelbe finbet nun au<$ innerfjalk ber c^riftücrjen ®ir<$e felbft ftatt in Söegug auf bie in größeren unb Heineren (Gruppen ftdj fonbernben eigentümlichen 3Jco* bificationen be§ djriftltc§en S8emufjtfein§. 3ft nun em bogmatifdjer ©ag fo geftaltet, bafj er biefem allen gleicfymäfjta genügt, fo ift er in einem größeren Umfange roirflid) gültig aber er ift nid)t geeignet, bk SDifferengen bemerflidj gu machen, meiere alfo baburd) inbirect al§ unbebeutenb ober im SSerfdjroinben begriffen begeidmet toerben; bliebt er ftcfr hingegen nur auf eine oon biefen berfd)iebenen SOcobificationeni fo ift er aud) nur in biefem geringeren Umfange gültig. SBi§meilen fann jene§ al§ inbifferentifti[c£) erfreuten unfo legtereB baä richtige fein, bi§roeilen fann IegtereS Partei* , ßängertfdj fein ober fectirifdj unb ieneg ba$ richtige. (Solche ^Differenzen aber in bogmatifdjen benfelben ©egenfianb be* fmnbelnben <5ägen, meldte gar leine ^Differenzen in bem un* mittelbaren frommen ©elbftbemu^tfein repräfentiren, befummelt au<$ gar nichts über ben fircblic&en Sßertlj berfelben.
2. 3)er rr>iffenfct)aftltct3e Sßertlj etne§ bogmatifdjen @age£ beruht eine§tt)eil§ auf ber Söeftimmtljeit ber barin üorfommenbeit begriffe unb iljrer Sßerfnitpfung. £)enn um befto meljr tritt er aus bem unbeftimmten <&zbkt be§ bict)tertfcrjert unfr rebnerifc&en ljerau§, unb um befto größer mirb audj bie <Sid)erfjeit fein, bafj er ntdjt mit anbem berfelben Formation be§ religiöfen SöeroufetfeinS ungehörigen bogmatifdjen ©äsen in fd&einbaren Sßiberforutf) treten fann. (£3 ift aber ber bogmatifdjen S8egriff§bilbung nidjt gelungen, ia man bürfte rool fagen, e§ fann i$r aud) be§ ®egenftanbe§ roegen ni<$t gelingen, ben eigentlichen 5lu§bruff überall an bie ©teEe be8 bilblicfjen gu fegen; unb ber miffenfcljaftli^e äßertlj bog* matifdjer @äge beruht alfo t>on biefer <5zitt größtenteils j nur auf ber möglidrft genauen unb beftimmten ©rflärung I ber borfommenben bilblicrjen 3lu§brüffe. &iebei fann e§ auc§ um fo eljer fein Söetuenben Ijaben, al§ bodj, menn audj ber eigentliche 5lu§bruff an bie «Steife be§ bilblidjen burdjmeß gefegt merberi fönnte, ba ber legte ber urfbrüngltc&e ift, bit ©elbigfeit beiber muffte nadjgeraiefen derben, ma§ benn auf baä nämliche IjerauSfommen mürbe. 2lnberntl)eil§ befte^t ber tüiffenfctjaftlictje SSertl) eine§ bogmatifc&en @age§ in ber grudjtbarfeit beffelben, nämlich mie bielfeitig er auf anbere fcerttmnbte fcinmeift, unb gnnr nierjt fomol in $euriftij$e*.
(SrfteS ßofcltel. 3ur drftärung ber Dogmatil.