9Z9A
D7lp
n
r:
y: \ü
(. 1 1 f- /> r v
Sitzungsberichte ,u,y i - (
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Stiftung Heinrich Lanz
Philosophisch -historische Klasse
■■■ - -■ Jahrgang 1918. 13. Abhandlung —
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae
Von
ALFRED VON DOMASZEWSKI
in Heidelberg
Eingegangen am 8. Dezember 1918
SLs'C'.Tv • - ÄfcJ v'i * JT*- '• w , Jg
W ‘ -
Heidelberg, 1918
Carl Winters Universitätsbuchhandlung
Yerlags-Xr. 1459
*!.}(' yh}im
i /. t f ' V
Vom selben Verfasser erschienen früher in den Sitzungsberichten der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, philosophisch-historische Klasse:
Zwei römische Reliefs. Mit 4 Tafeln. (1910. 4.) 1.— M.
Die Hermen der Agora zu Athen. (1914. 10.) —.75 M.
Die Topographie Roms bei den Scriptores historiae Augustae. (1916. 7.) —.60 M.
Die Geographie bei den Scriptores historiae Augustae. (1916. 15.) — .80 M. Die Daten der Scriptores historiae Augustae von Severus Alexander bis Carus. (1917. 1.) 1.40 M.
Der Staatsfriedhof der Athener. Mit 1 Tafel. (1917. 7.) — .90 M.
Die Consulate der römischen Kaiser. (1918. 6.) 1.— M.
Sitzungsberichte
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Stiftung Heinrich Lanz
Philosophisch -historische Klasse
. - - - - Jahrgang 1918. 13. Abhandlung ■— - =
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae
Von
ALFRED VON DOMASZEWSKI
in Heidelberg
Eingegangen am 8. Dezember 1918
Verlajrs-Nr. 1 l.r>9
Heidelberg 1918
Carl Winters Universitätsbuchhandlung
Lateinische Überlieferung.
Seite
I. Allgemeine Regeln für die Fälschung der Namen . 3
II. Die Ephemeriden . 13
III. Die Zeit des Fälschers . 18
IV. Die Heimat des Fälschers . 31
Griechische Überlieferung.
I. Cassius Dio und Herodianus . 59
II. Herodianus und Dexippus . 74
III. Nicostratus von Trapezunt und Dexippus . 90
IV. Eusebius . 91
V. Anonyme griechische Chronik . 107
VI. Eustathius . *. . . 110
VII. Zonaras . 112
Die Autoren.
I. Cicero . 113
II. Suetonius . 118
III. Vergilius . 120
IV. Horatius . 120
V. Petronius . 121
VI. Gellius . 124
VII. Juristenverzeichnis . 124
VIII. Catull . 125
IX. Die echte Überlieferung der Vorlage . 125
Historische Romane.
I. Die Geschichte des Kaisers Antoninus . 138
II. Die Geschichte des Kaisers Alexander . 143
III. Die Geschichte des Kaisers Aurelianus . 149
Personennamen . 161
Sachregister . 164
C£Lcx-<uus<1<> S Pe. 2_| v, / 1 'YYl!^
°[A\A
DTifc
-
J
U
=<
Lateinische Überlieferung.
<-4
I. Allgemeine Regeln für die Fälschung der Namen.
In der Untersuchung über die Geographie bei den Scriptores £ historiae Augustae1 habe ich nachgewiesen, daß der Fälscher für seine Erfindungen nur solche Namen verwendet hat, für die er in der ihm vorliegenden Literatur eine Beweisstelle, welcher Art auch immer, zu besitzen glaubte. Ähnlich verfuhr er bei seinen Erfindungen zur römischen Topographie2. Dazu treten Daten, die aus einer Gonsulliste stammen3.
Die Schriften, deren Benützung nachgewiesen werden konn¬ ten, sind:
1. Der echte Bestand der von ihm bearbeiteten Viten.
2. Eine Fortsetzung, die bis auf Constantins Alleinherrschaft reichte.
3. Eutropius.
4. Aurelius Victor.
5. Ein Verzeichnis der Bauten Roms mit Glossen, nach Art des Verzeichnisses im Chronographen a. 354.
6. Ein Laterculus provinciarum, nach Art des von Polemius Silvius benützten.
7. Cicero: Reden gegen Verres, pro M. Fonteio, pro A. Cluentio Habito, Reden gegen Catilina, de domo, in Pisonem, Philippicen, Briefe ad Atticum, Glossen zu Cicero.
8. Caesar, bellum Gallicum.
9. Virgil, Aeneis. Eclogen. Georgica.
10. Servius plenior.
II. Horaz; Scholien zu Horaz.
12. Livius, 21. Buch.
1 Heidelb. Sitzb. 1916, 15.
2 Heidelb. Sitzb. 1916, 7.
3 Heidelb. Sitzb. 1917, 1.
1*
4
A. von Domaszewski:
13. Suetonius, Caesares, in erweiterter Gestalt. De poetis. De grammaticis et rhetoribus.
14. Gellius, Noctes Atticae.
15. Völkertafel wie beim Geographus Ravennas.
Es ist klar, daß die Nachforschung über die Herkunft der erfundenen Personennamen sich zunächst auf diese Schriften er¬ strecken mußte. Dabei trat es bald hervor, daß der Fälscher sich von gewissen Grundsätzen leiten ließ, die seinen Zeitgenossen die Aufdeckung der Erfindungen, wenn sie sich darum bemühen sollten, erschwert hätten. Wie die Vorsicht, demselben Autor nur wenige Namen zu entnehmen, die sich bei ihm nur vereinzelt finden und an verborgenen Stellen stehen. Erleichtert hat er jedoch die Nachforschung durch seine Unkenntnis der Regeln, die die Zusammensetzung der Namen in jenen Zeiten bestimmten, für welche seine Erfindungen berechnet waren. Deshalb gestattete er sich nur geringe Abweichungen von der überlieferten Form der Namen, um sich nicht durch seine Unsicherheit zu verraten.
Praenomen. Das Praenomen, das in seiner Zeit aus dem Gebrauche längst verschwunden war, getraute er sich überhaupt nicht frei zu verwenden. Er läßt es daher bei seinen Entlehnungen immer weg, selbst wenn es in seiner Quelle leicht zu erkennen war. Nur einmal verwendet er Quintus, 26, 13, 1 Quinto Ancario 1 2. Er schreibt das Praenomen aus, weil nach seiner Ansicht ein Mann von dieser Lebensstellung einen zweistelligen Namen führen muß. Marcus 29, 2, 1 Marcus Fonteius 2 amator historiarum ; 29, 10, 4 Marcus Salvidienus harte ipsius orationem vere fuisse dicit3 4; 18, 3, 2 litteratores habuit .... Titum VeturiurrA. Dieses Vertrauen kann ihm nur Quintus und Marcus Cicero , sowie etwa der Kaiser Titus eingeflößt haben.
Gentile. In zweistelligen Namen hielt er es für unerläßlich, daß der erste Name auf ius, ia endete. Frei gebildet hat er nur
1 Cicero in Pisonem 89 vgl. Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 11. Ancarius ist die ganz richtige Form. W. Schulze, Zur Gesch. Lat. Eigenn. 122.
2 Cicero, Oratio pro Marco Fonteio.
3 Cicero ad Brutum 1, 17, 4 Quid inter Salvidienum et eum interest? Nur diese Stelle kann er im Auge gehabt haben. Denn nur hier wird Salvidienus Rufus ohne das Cognomen genannt; überdies heißt er Quintus Liv. per. 127. Wichtig ist es, daß er diesen Brief las.
4 Cicero Cato 41, nur hier fand er den Titus Veturius Calvinus Consul a. 321 v. Chr. ohne das Cognomen.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
aus einem ganz bestimmten Grunde1 von Fulvus , Fulvius 26, 13, 1 Fulvio Boio duce Raetici limitis. Dann verwendet er ohne An¬ lehnung an ein Vorbild die Gentilicia der Kaiser, sie waren ihm allzu geläufig. Iulius , Claudius , Flavius, Ulpius , Aelius , Aurelius , aber nicht Cocceius und nicht Domitius. Das erstere beweist, daß er die Vita Nervae in der Sammlung von Kaiserbiographien, die er überarbeitete, nicht mehr las2. Das zweite beweist, daß auch in den echten Bestandteilen seiner Vita Aureliani das Gentile nicht genannt war. Das gilt aber nicht nur für Aurelianus, sondern für alle Kaiser von Caracalla bis Garus und ist an sich schon ein zwingender Beweis, daß in diesen Viten nur eine Übersetzung griechischer Quellen vorliegt3.
Gerade diese freie Verwendung der Kaisergentilicia macht Namen, die mit solchen Gentilicia zusammengesetzt sind, wenn sie sonst nicht zu belegen sind, einer Fälschung mehr als ver¬ dächtig. Aus diesem Grunde allein schon erkennt man, daß die Namen seiner Verfasser der Viten erfunden sein müssen.
Auch Gentilicia, die ihm ganz geläufig waren, wie Annius , Calpurnius , Cornelius , Fabius , Iunius , Valerius , bestimmen zu demselben Verdacht.
Aus dieser Eigentümlichkeit seiner lateinischen Vorlage, die Gentilicia der Kaiser nicht zu nennen, erklärt sich seine oft vor¬ getragene Entdeckung, daß die Namen Maximus und Pupienus denselben Kaiser bezeichnen, besonders 21, 15, 4. 5. Dies ist keineswegs beweisend für den Tiefstand der Bildung in Rom zur Zeit Diocletians, wohl aber für die gänzliche Unwissenheit des Fälschers. Er machte diese Gonjectur auf eigene Hand durch die Vergleichung des echten Bestandes der Viten mit Eutropius und Aurelius Victor. Im ersteren, wo Herodianus und Dexippus über¬ setzt und als Quellen genannt waren, las er nur von dem Kaiser Maximus und fand bei Eutropius 9, 2, 1 statt eines Kaisers dieses Namens den Pupienus , bei Aurelius Victor 26, 7 Clodius 4 Pupienus
1 Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 11 und unten S. 36 ff.
2 Auch Suetonius, Eutropius, Aurelius Victor, seine Quellen, nennen den Kaiser nicht mit dem Gentile.
3 Bekanntlich nennen auch die griechischen Quellen dieser Zeit Hero- dian, die Excerpta historica, Eusebius der Kirchenvater, Zosimus, Syn- cellus, Zonaras nie das Gentile der Kaiser. Es verstieße dies gegen die Kunst¬ form der griechischen Rede.
4 Dieses Gentile hat er so wenig erkannt, daß er es auf Balbinus über¬ trägt 19, 20, 1. 20, 10, 1 ; 22, 1, damit dieser, der nach den griechischen Quellen
6
A. von Domaszewski:
genannt. Daher hielt er Pupienus für ein Cognomen1, oder besser gesagt, für den zweiten Teil eines zweistelligen Namens, denn er sagt immer Maximus vel Pupienus. So endet das:
Cognomen für den Fälscher notwendig auf anus oder inus. Eine Ausnahme bildet wieder Boius , das er mit Fulvius verbindet2, so wie die Verwendung des Signums als Cognomen Aelius Lam- pridius. Das Wesen des Signums kennt er so wenig, daß es ihm auch als Gentile gilt, Severus Archontius. Im allgemeinen ist er seiner Sache so sicher, daß er sich auch die Weiterbildung eines Gentile zu einem Cognomen der Endung anus gestattet. So bildet er von Caesetius3, Caesetianus.
27, 7, 2 Aelius Caesetianus 4 praefectus urbis sic locutus est. Vos sanctissimi milites et sacratissimi vos Quirites, habetis principem. Man kann sich das Erstaunen denken der Tribules unter Kaiser Tacitus, als Quirites angeredet zu werden. Diese Ehre danken sie nur dem großen Caesar, Sueton. Caesar 70 Sed una voce , qua Qui¬ rites eos pro militibus appellarat. Das Ehrenprädikat der Quirites hat er mit Absicht gewählt nach der Stelle 30, 9, 3 Per sacra- tissimum5 Caesarem Maximianum constitit , weil die Quirites eben Nachricht von der Kaiserwahl erhalten. Nicht minder ist sanctissimus ein Kaiserliches Ehrenprädikat, besonders passend für die Soldatesca dieser Zeit.
Frei gebraucht hat er nur ganz wenige Cognomina, wie Celsus und Clarus, so 16, 7, 5 NoniaG Celsa für die Frau des verwitweten Kaisers Macrinus, um die erhabene Stellung auszudrücken. Trotz¬ seiner lateinischen Vorlage nur Balbinus heißt, auch um einen Namen berei¬ chert werde.
1 Wenn auch Pupienus und Pupienius beide richtige Formen des Namens sind, W. Schulze, Zur Gesch. Lat. Eigenn. 213, so ist man doch nicht be¬ rechtigt, gegen das Zeugnis der Schriftsteller und die Inschrift Ditten- berger inscr. Or. 518 den Kaiser Pupienius zu nennen. Pupienius , Dessau inscr. sei. 496.
2 Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 11 und unten S. 36 ff.
15 Caesetius Probus Abh. z. röm. Religion S. 190, aus der Zeit des Seve¬ rus Alexander. Wo aber der Fälscher in der echten Überlieferung diesen Namen gefunden haben sollte, ist mir unerfindlich gewesen.
4 Cesettianus überliefert. Aber das ist ein unerhörter Name. Daher mit Eyssenhart Caesetianus zu lesen. Das Vorbild ist wohl der Quaestor des Verres P. Caesetius Verr. 4, 146. 5, 63.
5 Dies ist die einzige echte Stelle, wo in den Viten dieses Wort gebraucht
wird.
6 Nach 10, 13, 3 Nonius Gracchus a Severo occisus vgl. unten S. 8.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
7
dem ist 21, 17, 2 Celsus Aelianus , der Consul suffectus des Jahres 238, ein echter Name oder doch der Bestandteil eines echten Namens1, weil er niemals zweistellige Namen aus Cognomina bildet2.
Nur zweimal hat er zwei Gentilicia zu einem Namen verbunden.
12, 10, 11 Habemus igitur virum dignum consulatu , quem sufficiam in locum Cassii Papiri , qui mihi exanimis prope iam nuntiatus est, schreibt Septimius Severus. Es sind die beiden Ju¬ risten C. Cassius Longinus und Papirius Iustus. Er las also die beiden Namen nebeneinander in seiner Quelle und zwar mit der richtigen Zeitbestimmung für den Papirius Iustus 3. 30, 8, 4 Iulius Calpurnius , qui ad memoriam dictabat in freier Verbindung zweier geläufiger Gentilicia.
Dreistellige Namen hat er nie gebildet. Deshalb sind zweifel¬ los echt 27, 3, 2 Velius Cornificius Gordianus, Consul suffectus am 25. September 275 und 5, 3 Maecius Faltonius Nicomachus Senator consularis in derselben Sitzung des Senates4.
Da auch das Gentile in seiner eigentlichen Bedeutung zu seiner Zeit ganz erloschen war, so kannte er nicht einmal die Ver¬ erbung des Gentile als Hauptname, sondern fand die Verwandt¬ schaftsbezeichnung nur im Cognomen, weil es der Form nach den einfachen Namen seiner Zeit entsprach. Auf dieser Ansicht baut er die eigentümlichsten Stammbäume auf.
Beherrscht ist er von der Vorstellung, daß geistige Anlagen, vor allem der tyrannische Instinkt, wie eine Art von Contagium in der Welt verbreitet ist und in den Namen der Tyrannen, wie ein Omen, sich äußert. Schon in der echten Überlieferung las er von vielen Gegenkaisern. In der Fortsetzung der von ihm bearbeiteten Viten fand er auch die Bezeichnung tyrannus für Maxentius5 und wohl auch für andere Usurpatoren6. Nach dem Vorbild der Triginta tyranni Athens schuf er nun jene vitae triginta tyrannorum.
1 Denn 25, 5, 4 Gallus Antipater; 26, 8, 2 Antoninus Gallus ist Gallus für den Fälscher eher der Völkername. Vgl. S. 116.
2 Vgl. unten S. 89.
3 Krüger, Gesch. d. Quellen S. 214. Vgl. hier S. 124.
4 Vgl. S. 106.
5 Chron. Min. 1, 8, 12. Diese Origo Constantini Magni ist ein Auszug des Werkes, das der Fälscher vollständig las. Vgl. Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 15.
6 So bei den Panegyrici Latini. Vgl. C. I. L. VI, 1139. Cod. Theod. 15, 14, 1 (Licinius). C. I. L. III 12456. Imp. Aure{lianus) vielt [ reginam Ze]nobiam inviso[sque tyrannos. . . Über diese Tyranni vgl. Germania II, 5, 113.
8
A. von Domaszewski :
Woher er überhaupt von den triginta tyranni Athens Kenntnis hatte, zeigt ein mißbrauchter Name. 18, 62, 1 Thrasybulus mathe- maticus illi amicissimus fuit. Das ist zunächst Sueton. Tib. 14 Thrasyllus mathematicus. Aber woher kannte er den berühmten Athener ? Er las den Namen in einer Glosse zu Ciceros Philipp. 1,1,1 Ieci fundamentum pacis Atheniensiumque renovavi exemplum. Denn er verwertet die Stelle 26, 39, 4 amnestia etiam sub eo dc- lictorum publicorum decreta est de exemplo Atheniensium , cuius rei etiam Tullius 1 in Philippicis meminit. Hier fand er den Namen Thrasybulus erwähnt, das Wort amnestia und die triginta tyranni.
Um nun zu zeigen, wie der Fälscher die Namen von tyranni, wann immer und wo immer sie gelebt haben mochten, für diu Familienverbindungen seiner tyranni benützt, um nach dem Grundsatz der historischen Analogie scheinbare Bilder zu er¬ zeugen, wähle ich ein bezeichnendes Beispiel.
12, 4, 1 sed ut ad eum redeam , fuit, ut dixi , Albinus H adrumenti- nus oriundo , sed nobilis apud suos et originem a Romanis familiis trahens , Postumiorum scilicet et Albinorum et Ceioniorum 2. Quae familia hodie quoque , Constantine maxime , nobilissima est et per te aucta et augenda, quae per Gallienum et Gordianos plurimum crevit. Hic tarnen natus — patre Ceionio Postumo , matre Aurelia Messa- lina — patris epistula 3 ad Aelium Bassianum. Die Herkunft des Albinus aus Hadrumetum 4 kennt nur der Fälscher. Demnach kannte er die Stadt und ihre Lage in Afrika aus seinem Laterculus provinciarum5 : Byzacium , in quo est Hadrumentum. Diese Ent¬ deckung wurde für ihn zu einer wahren Goldgrube zahlloser Er¬ findungen.
Für die Namen bot ihm, wie in zahlreichen anderen Fällen6, die Liste der von Septimius Severus getöteten Senatoren 10, 13, 1 — 7 eine nicht minder reiche Fundgrube. Diese Namen hatten
1 Tullius 10, 21, 2. 18, 62, 3. 20, 7, 1. 25, 2, 5. Marcus Tullius 23, 20, 1. 24, 8, 2. 27, 13, 4. 28, 2, 3. Das heißt, er hatte keine Vorstellung von der Bedeutung der Namensteile.
2 Mit Recht weist Peter, Die Scriptores S. 31, auf die Ceionii der Con- stantinischen Zeit hin. Er las also in jener Fortsetzung seiner Vorlage den Namen.
3 Über diesen Brief vgl. unten S. 62.
4 Dessau, Wochenschr. f. kl. Phil. 1918, 31 f .
6 Heidelb. Sitzb. 1 916, 15, 4 f .
6 Vgl. Nonia Celsa S. 6.
Die Personennamen bei den Seriptores historiae Augustae.
9
für den Fälscher den doppelten Vorzug, daß ihre Träger in der Zeit der Severe gelebt hatten1 und doch bis auf wenige gänzlich unbekannt waren. Er entnahm dieser Liste für den Stammbaum des Albinus 10, 13, 2 Postumius Severus: 13, 3 Ceionius Albinus2. Diesen spaltete er in die familia Albinorum und die familia Ceion - iorum. Diese Verwandtschaft erklärte ihm das Cognomen des Clodius Albinus und verhalf ihm für den Vater zum Gentile Ceionius Postumus. Zu diesem Cognomen, dem Namen des gallischen Gegenkaisers Postumus , schlägt eben jene familia Postumiorum die Brücke3 4. So heißt auch die Mutter Aurelia Messalina , weil er von der Verschwörung der berühmten Messalina gegen das Leben des Claudius wußte, Sueton. Claud. 29. Für Bassianus ist das Vorbild der Schwager Gonstantins Origo Gonstantini Magni 14. Daß er es ist, zeigt eben die Anrede an Constantin. Auch er hatte sich empört. Eine schöne Sippe diese Familie des Clodius Albinus, Träger des Tyrannenblutes in Vergangenheit und Zukunft. Die Gordiani sind Gönner der Familie, weil sie selbst als Gegenkaiser in Afrika auftraten. Gallienus wird eingeführt wegen der Erfin¬ dung in der vita CelsP 24, 29, 3 Quare creatus per quandam mulierem , Gallienam nomine , consobrinam Gallieni1 septimo imperii die interemp- tus est atque adeo etiam inter obscuros principes vix relatus est. Aller¬ dings! Daß die Verwandtschaft zwischen Geschwisterkindern ver¬ schiedenen Geschlechtes in dem Cognomen zum Ausdruck kommt, gehört auch zu seiner Theorie von der Vererbung der Namen. Zur consobrina wird diese dunkle Gestalt, die im fernen Afrika eine Revolution gegen Gallienus hervorruft, durch eine glückliche Kombination 7, 7, 7 Commodus interemit — consobrinam patris sui Faustinam Anniam in Achaia. Das ist dieselbe Situation. Nur war die Galliena klüger. Sie kam dem liebenswürdigen Vetter zuvor. Am 7. Tage wird der Gelsus getötet wegen 23, 4, 5 Nam per annos septem Postumus imperavit. Der Schein der Wirklich-
1 Diese Liste ist fast vollkommen echt. Vgl. S. 132.
2 Den Namen hat er nochmals verwertet 26, 9, 2 Valerianus Augustus Ceionio Albino praefecto urbi. Das sinnlose Schreiben richtet den Namen. Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 10.
3 Das zeigt ein anderer Verwandter des Clodius Albinus 12, 6, 1, der Ceionius Postumianus heißt. Die Ableitung des Cognomens Postumianus hat er frei gebildet. Vgl. S. 6. Für die an dieser Stelle genannten Truppei. - körper vgl. Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 15. 21.
4 Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 7. 10. Wegen des Namens vgl. S. 10.
10
A. von Domaszewski:
keit, den die Erfindungen vielfach an sich tragen, beruht immer wieder auf diesem Mißbrauch der echten Überlieferung. Dadurch aber sind diese Fälschungen oft ein Mittel, verlorene Stücke einer echten Überlieferung zurückzugewinnen.
24, 10, 9 Extat epistola divi Claudii tune privati , qua Regiliano 1, Illyrici duci , gratias agit ob redditum Illyricum , cum omnia Gallieni segnitia deperirent , quam ego repertam in authenticis 2 inserendam, putavi , fuit enim publica — pertulerunt ad me Bonitus et Celsus , stipatores principis nostri , qualis apud Scupos in pugnando fueris , quot uno die proelia et qua celeritate confeceris. Claudius war zur Zeit der Erhebung des Regalianus nicht Privatus, vielmehr hat er eines der wichtigsten Kommanden in diesem Kriege, Excerpta historica 4, 265, 164, ebenso in den darauffolgenden Kämpfen gegen Postumus, 23, 7, 1 Hier steht er zum Gegenkaiser des Gallienus, Regalianus in freundschaftlicher Beziehung, weil wir lesen 25 ,17, 1 epistola Gallieni , cum nuntiatum esset per frumentarios 3 Claudium irasci, quod ille mollius viveret. Celsus ist leicht zu entlarven. Der
Stipator des Tyrannen heißt er nach 1, 4, 3. Palma et Celso - in
suspicionem adfectatae tyrannidis lapsis 4. Weit wichtiger ist Bonitus , denn Ammianus Marcellinus5 sagt von ihm 15, 5, 33 Licet patrisquo- que Boniti praetenderet fortia facta, Fr and quidem , sed pro Constantini partibus in bello civili 6 acriter contra Licinianos saepe versati. Dazu muß man heranziehen Origo Constantini Magni 9, 21 item cum Constantinus Thessalonica esset , Gothi per neglectos limites eruperunt et vastata Thracia et Moesia praedas agere coeperunt. tune Constantini terrore impetu represso captivos illi impetrata pace reddiderunt. Sed hoc Licinius contra fidem factum questus est , quod partes suae \ab] alio fuerint vindicatae. Man hat also im Texte des Fälschers statt Gallienus , Licinius zu denken und statt Regalianus , Bonitus , der einen Sieg über die Gothen in der Dardania gewann7. Also stand
1 Die echte Form nur 24, 10, 5 Regaliano, sonst schreibt er, wie er selbst sagt, um eines Wortwitzes willen, scholasticus, coepit quasi grammati- caliter declinare et dicere rex regis regi Regaliano , nur Regiliano. Ygl. Heidelb. Sitzb. 1916,15,19.
2 Thes. ling. lat. 2, p. 1598.
3 Nach 1, 11, 4. 6.
4 Diese Phrase entlehnt er immer wieder, Lessing lex. 's. v. Tyrannus.
5 Diesen Autor hat er aber nicht gekannt.
6 Dessau, inscr. sei. 2276. Bei den Panegyrici Latini.
7 Scupi als Schlachtort hat keine Gewähr, weil er den Vorort der Dar¬ dania, Hierocles 655, 7, 8, aus seinem Laterculus provinciarum kannte.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
11
das wirklich in authenticis , d. h. in der Fortsetzung der von ihm bearbeiteten Viten.
Nachdem so das bewußte Spiel, das der Fälscher mit seinen Lesern treibt, deutlicher geworden ist, wird es möglich, den Ur¬ sprung der Namen zu erkennen, die der Fälscher den Verfassern seiner Biographien beigelegt hat.
Aus Cicero stammen: Iulius Capitolinus , Trebellius Pollio und Flavius Vopiscus Syracusius. Iulius Capitolinus. Das Gentile ist das des Begründers der Monarchie, Iulius Caesar; Capitolinus heißt er nach dem Juppiter des Capitols, den Cicero einfach Capitoline anruft, so Verr. 4, 66; de domo 144. Und es paßt zum ersten Kaiser. Denn bei Vergil steht Ecl. 3, 60 ab Iove principium Musae. Schwieriger ist es schon Trebellius Pollio aufzulösen. Trebellius fand er in den Philippicen als Anhänger des Antonius genannt und ad fam. 11, 13a, 4 steht hora ante praesidium meum Pollentiam venit quam Trebellius cum equitibus. Diese Stelle hatte er im Auge; denn sie schlägt die Brücke zu Asinius Pollio, den er als den ältesten Historiker der Kaiserzeit kannte, Horaz carm. 2, 1. Zugleich war er wie Trebellius ein Anhänger des Antonius. In seinem Trebellius Pollio kam so das Tyrannenblut zur Geltung. Er ist es ja, der die vom Fälscher rein erfundenen Vitae triginta tyrannorum schrieb. Demnach hat auf die Wahl des Namens Trebellius gerade der tyrannus Trebellianus eingewirkt, obwohl er nur einem Schreibfehler in den Handschriften des Eutropius 9, 8, 1 sein Dasein verdankte. Flavius Vopiscus Syracusius. Das Gentile Flavius ist das des letzten Kaisers, dessen Biographie er in der Fortsetzung las, des Flavius Constantinus. Aber warum das so seltene Cognomen Vopiscus 1 ? Das Vorbild ist kein anderer Mann als C. Iulius Caesar Strabo Vopiscus, der bei Cicero Philipp. 11, 11 genannt wird alter Caesar Vopiscus. Der Fälscher verstand oder wollte verstanden wissen, Vopiscus alter Caesar. Der Name hatte für den Fälscher auch den großen Vorzug, daß seine Her¬ kunft schwer zu erkennen war. Denn er wird von Cicero nur an
Heidelb. Sitzb. 1916,15,12. Aber die Landschaft muß er gelesen haben; die Provinz Dardania, ein Teil der früheren Moesia superior, bestand schon unter Diocletian, Laterculus Veronensis 5, 4.
1 Vopiscus ist auch in der Kaiserzeit üblich, Prosop. 3, 489. Auch hier gilt die Frage, woher sollte er einen dieser Träger des Namens gekannt haben ? Aus Statius? Aber aus diesem, der an Personennamen sehr arm ist, hat er keinen Namen entlehnt. Überdies handelt es sich bei ihm um einen Scherz.
12
A. von Domaszewski:
dieser Stelle gebraucht. Doch erkennt man, daß die Fortsetzung seiner Biographien Gonstantinus wirklich und nicht ohne Grund mit Caesar verglichen hatte. Mit gleicher Schnelligkeit hatten beide aus Gallien kommend, die Alpen überschritten, allen Wider¬ stand niederwerfend, Italien durchmessen und Rom erreicht. Bei der Schilderung der Maxentius-Schlacht hatte jener Fortsetzer den Vergleich gebraucht1. So war also das Gegenstück des Julius Capitolinus fertig, und der Verfasser der letzten Reihe der Bio¬ graphien hatte seinen Namen erhalten. Aber warum Syracusius ? Es ist der einzige Fall, daß er die Herkunft eines erfundenen Menschen bezeichnet. In den Verrinen wollte die Erwähnung von Syracusae und Syracusanus nie enden. Eben mit diesem Meister¬ werke sollten die Biographien des Vopiscus wetteifern, in denen es von Giceronianischen Floskeln wimmelt2. Syracusius wählte er, weil sich diese Form bei Cicero nur einmal findet de div. 1, 39. Dann aber auch, weil sie an die Herkunft eines echten Autors 26,4,2 Callicrates Tyrius Graecorum longe doctissimus scriptor anklingt. Das ist zugleich der einzige echte Autor, dessen Her¬ kunft er kannte, weil er sie auf dem Titel des Buches las. Eben diesen Autor hat aber Vopiscus für die ihm zugeschriebenen Bio¬ graphien in weitem Umfang ausgeschrieben3 4. Die Polemik des Vopiscus gegen Trebellius Pollio 26, 2, 1 quod Pollio multa incuriose7 multa breviter prodidisset ist ganz berechtigt, wenn hinter dem Trebellius Pollio der Asinius Pollio steckt, den der alter Cicero Vopiscus für einen schlechten Schriftsteller erklären durfte, da ihn ja niemand gelesen hatte.
Einfacher ist Aelius Lampridius zu erklären. Lampridiusi wird von Sidonius Apollinaris oft als Redner und Dichter genannt. Der Historiker ist also von demselben Geiste erfüllt gewesen. Denn auch diese Art Naturanlage erbt nach einer Ansicht des Fälschers, die er oft verwertet, wie die Neigung zur Tyrannis fort und tritt in der Gleichheit der Namen hervor.
1 Vgl. Paneg. Lat. 9, 15 und unten S. 58.
2 Klebs, Rhein. Mus. 47, 35 f., ebenso feiert Vopiscus genau wie Cicero immer die Autorität des Senates. Klebs a. a. O. S. 6. Aus diesen beiden Elementen setzt sich aber die schriftstellerische Individualität des Vopiscus zusammen, die seit Rühl, Rhein. Mus. 43, 597, so viele beschäftigt hat.
3 S. 159.
4 Er benennt wieder 11, 1, 3 Lampridia , die Mutter des Pescennius Niger, Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 7. Vgl. S. 19.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
13
So versteht man auch die Bildung des Namens Vulcacius Gallicanus. Da er ein Historiker ist, so stammt er aus der Origo gentis Romanae 10, 2 ut scribunt Vulcatius et Acilius Piso. Dieses Buch hat er also auch gelesen. Gallicanus , den Namen las er 20, 22, 8 und Cicero pro Cluentio 23, an beiden Stellen ohne Gentile, also völlig geeignet zu freiem Gebrauch. Daß er ihn als vir claris- simus bezeichnet, hat gar nichts zu bedeuten; diesen Titel wie auch praefectus praetorio , praefectus urbi gebraucht er ganz beliebig1.
Aelius S partianus entzieht sich einer sicheren Deutung, weil der seltene Name in der Literatur2 sich überhaupt nicht findet. Die wenigen Belege weisen auf den Orient hin. Da er ihn zuerst für die Vita Hadriani verwendet, so kann er ihn eben jener Ge¬ schichte des Kaisers Aurelianus entnommen haben, aus dem der berühmte Brief Hadrians 29, 8 stammt3.
II. Die Ephemeriden.
Es ist notwendig, in diese scheinbare Quelle des Fälschers hineinzuleuchten4, denn sie hat zu viel Unheil angerichtet.
26, 1 , 6 Et tarnen , si bene novi — der Zweifel ist nur zu berech¬ tigt — ephemeridas illius viri scriptas habemus , etiam bella charactere historico digesta , quae velim accipias et per ordinem scribas , additis quae ad vitam pertinent — das stand also nicht in den Ephemeri¬ den — . Quae omnia ex libris linteis , in quibus ipse cotidiana sua scribi praeceperat , pro tua sedulitate condisces. Curabo autem , ut tibi ex Ulpia bibliotheca et libri lintei proferantur. Die libri lintei kennt nur Licinius Macer Liv. 4, 7, 12; 20, 7; 23, 2, der sie im Tempel der Iuno Moneta aufbewahrt sein läßt; also haben sie
1 So bei Tatius Cyrillus vir clarissimus, wo er ihn sicher erfunden hat. S. 22. Praefectus praetorio bei ganz frei erfundenen Figuren 20, 30, 1. 26, 13, 1. 27, 8, 3. 28, 10, 6. Praefectus urbi 26, 9, 2. 27, 78, 2. Ebenso andere Amts¬ titel wie consul, pro consule, consularis usw.
2 Papyr. Florent. II 254, 4 (a. 259). Inscr. Graec. XIV 339.
3 S. 150. Dort hatte wahrscheinlich den Brief Aurelianus geschrieben. Vielleicht war der Spartianus der Adressat, den der Fälscher mit Anklingen des Namens, wie er das liebte, in Serviano umtaufte. Vgl. S. 8 Thrasybulus, Thrasyllus u. s.
4 Die Ephemeriden will Peter, Die Geschichtliche Literatur 1, 371 er^ kennen bei Dio 78, 2, 2 aXXJ aX'/j-Osta • xal yap tw ßtßXuo tu Tuepl auroö ypacpevTt oi everu/ov. Wenn man weiter liest, so sieht man, daß es sich um einen libellus accusatorius handelt. Dio 58, 21, 3. 59, 26, 1. 60, 4, 5.
14
A. von Domaszeyvski :
schon unter der Republik nicht existiert. Der Fälscher hielt dieses heilige Schreibmaterial für besonders geeignet, dem sacratissimus princeps für seine intimen Aufzeichnungen zu dienen. Aber die Bereitwilligkeit, das Buch vorzuzeigen, lehrt, daß er wenigstens die erste Dekade des Livius wirklich besaß1.
28, 2, 2 Et quoniam me ad colligenda talis viri gesta ephemeris Turduli Gallicani plurimum iuvit. Turdulus ist der Volksname, sicher aus Florus2 1,33, 11. Gallicanus der Geist des Historikers Vulcatius Gallicanus waltet auch in ihm.
28, 3, 4 Unum tarnen dico , quod in ephemeride legisse me memini , a Claudia sorore 3 4 Probum sepultum. Seine Erinnerung ist ausgezeich¬ net. Denn er hat den Stammbaum der Claudii kurz vorher er¬ funden, zu denen unter dem Einfluß des gleichen Namens, irgend¬ wie auch die Claudia gehört. Dieser Stammbaum bedarf aber noch einer Erläuterung. 25, 12, 2 cum etiam Claudius adfectus morbo mortalis reliquit — 12, 6 et Dexippus quidem , Quintillum non dicit occisum sed tantum mortuum 4 13, 2 Claudius Quintillus et Crispus fratres fuerunt. Crispi filia Claudia; ex ea et Eutropio — Constantius Caesar est genitus. Fuerunt etiam sorores , quarum una1 Constantina nomine , nupta tribuno Assyriorum , in primis annis defecit. Sie verschwindet so rasch von der Bildfläche, weil sie in der echten Constantina, der Schwester des Constantinus wieder auflebt. Denn für diesen Stammbaum hat er die echten Namen der Familie Constantins mißbraucht5. Crispus ist der Sohn Constantins, Eutropia seine Schwiegermutter, Constantina seine Schwester. Eine solche Freiheit, aus einer Frau einen Mann zu machen, hat er sich auch sonst erlaubt6. Aber das Tribunus Assyriorum1 zeigt, daß ihm auch der Historiker Eutropius vorschwebte. Claudius Quin-
1 Doch könnte die Verwendung dieses Schreibmaterials auch aus sei¬ ner zweiten Quelle für Aurelianus stammen S. 149, wegen der Analogie, Führer Ausstellung Wien S. 11.
2 Denn auch für die Seres und Indi 26, 33, 4; 41, 10, also in derselben Vita, hat er Florus 2, 34, 62 benützt, nachzutragen Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 14. Viel weniger wahrscheinlich ist eine Entlehnung des seltenen Namens aus Livius 28, 39, 8, weil keine Spur bei den geographischen Namen auf Livius führt.
3 Diese Schwester des Probus soll das Vorhergehende Probum Claudii propinquum fuisse rechtfertigen.
4 Heidelb. Sitzb. 1917, 1, 30. 5 Seeck, Rhein. Mus. 49, 215.
6 Vgl. S. 135, Plautillus. S. 145, Theoclius.
7 Heidelb. Sitzb. 1916, 15. 21 .
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
15
tillus ist eine Person. An dieser Verbindung ist aber nicht der Fälscher schuld, sondern ein aufmerksamer Leser. Der Fälscher las, was wir in der Origo Constantini Magni lesen, Constantius divi Claudii nepos ex fratre1. Der aufmerksame Leser hatte in 12, 2 den Tod des Claudius morbo gelesen; auch Quintillus war 12,6 gestorben. Wer war also der lebendige Claudius in 13, 2 ? Er ersetzte daher das Quintillum des Fälschers in 12, 6 durch Claudium — denn so liest die Handschrift — , dessen Tod nun zweimal berichtet war, wozu ihm der Fälscher mit seinem non addidit morbo verführte. So war der Quintillus wieder lebendig und konnte den Claudius 13, 6 näher bestimmen.
28, 5, 1 Nunc quantum ex ephemeride colligi potuit. Das colligi ist ganz richtig, nur war es kein Ephemeris, wo er das las, sondern eine Inschrift2.
30, 4, 4 in ephemeride quadam legisse memini Carum Mediola- nensem fuisse , sed avo iuri Aquileiensis civitatis insertum. Nicht in einer Ephemeris hat er das gelesen, sondern auf Grund seines Laterculus provinciarum erfunden3.
Woher diese Ephemerides stammen, zeigt:
23, 18, 6 Longum est eius cuncta in litteras mittere , quae qui volet scire , legat Palfurium Suram , qui ephemeridas eius vitae composuit. Der Palfurius Sura stammt aus Sueton. Domitian. 13, 1 Cunctos praecantis , ut Palfurium Suram restitueret , pulsum olim senatu ac tune de oratoribus coronatum. Es ist wieder das rednerische Fluidum, das die Palingenesie des Palfurius Sura in der Zeit des Gallienus bewirkt. Cicero pro Quinctio4 57 Ad ephemeridem revertitur; invenitur dies profectionis , pridie Kal. Februarias. Nonis Februariis si Romae fuit , causae nihil dicimus , quin tibi vadimonium promiserit. Quid? hoc inveniri qui potest? — Litterae P.Quinc- tii , testes tot comparabuntur. Aus dieser Stelle stammt seine Kennt¬ nis des Wortes Ephemeris. Das zeigt die Nachahmung der sprach¬ lichen Form. In einer Glosse zu diesem Worte fand er die Er¬ klärung als Geschäftsjournal. Es ist daher kein Zufall, daß der Ciceronianer Vopiscus allein diese Quellen kennt.
1 Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 15.
2 Vgl. S. 33.
3 Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 4.
4 Auch diese Rede wurde wegen ihres Inhaltes gewiß in gallischen Red¬ nerschulen häufig gelesen.
Gl
A. von Domaszewski:
Und doch haben diese elenden Fälschungen die Forschung über die Quellen der Alexandergeschichte beeinflußt. Droysen hat richtig gezeigt1, daß nach dem großen Fragment, Arrian anab. 7, 25 — Plutarch Alexander 76, zu schließen, die Ephemerides Alexander des Großen ein Hofjournal waren. Und zwar nach persischer Sitte2 entsprechend dem Hofzeremoniell der letzten Zeit Alexanders. Daß dies auch am macedonischen Hofe Sitte gewesen, dafür ist man den Beweis schuldig geblieben. Indem Wilcken3 die u7iofjivY)fjt,ocT Lopioi Alexanders mit den Ephemerides identifizierte, und nun gar die i)7uop.vY)p.aTa eines Beamten Aegyp¬ tens aus der Zeit des* Alexander Severus als eine Weiterbildung der ü”0|xv7][xocTt.o[j(,ot betrachtete, entstanden die jetzt herrschenden, abenteuerlichen Vorstellungen über die Quellen der Alexander¬ geschichte. Mommsen4 hat gezeigt, daß diese Ö7ro[jivY)p.aTa ihrer Form nach nichts anderes sind als die Gommentarii römischer Beamten. Es wird die Einführung dieser Art Amtsbücher eine Neuerung des Augustus sein, gerade wie er den römischen Census den Bedingungen des Landes Ägypten angepaßt hat5.
Die u7ro[xv7)(xaTia[xot Alexanders sind dagegen macedonischen Ursprungs. Sie sind die Registratur des Hauptquartiers. Von hier gingen alle Befehle aus an die Führer des Heeres und an die Beamten des Reiches, hier liefen ihre Berichte an den König ein. Da der Ort, wo das Hauptquartier sich aufhält, auf Alexanders Kriegszügen beständig wechselte, so wanderte auch die Registra¬ tur auf den Bagagewagen. Nach Alexanders Tode befand sich die Registratur6 im Heerlager des Reichsverwesers Perdiccas und folgte ihm auch auf dem Zuge nach Ägypten. Als Perdiccas am Nil seinen Untergang fand, fiel sein ganzes Gepäck, also auch die
1 Gesch. des Hellenismus 1, 2, 383 f.
2 Die kennt schon Aristophanes in den Acharnern, nicht etwa aus Herodot. Vgl. S. 152.
3 Philologus 53, 112 f.
4 Röm. Strafrecht 513.
5 Gesch. d. röm. Kaiser l2, 163. Ob der Papyrus Wilcken, Chresto- matie n. 199, sich auf einen Census bezieht, ist mehr als fraglich. Übrigens ist nicht ^uyaT-^p Bala sondern ä-uyar/jp ßoaa = pupa zu lesen. Sie ist noch gar keine Person; daher hat der Schreiber ganz richtig die Zahl der freien nur auf 6.(<0 berechnet. Es steht ja zweimal da.
6 Nicht die Ephemeriden, die hatte der Geheimschreiber Alexanders Eumenes an sich genommen. Seinen Namen trugen sie, als sie publiziert wurden.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
17
Registratur, in die Hände des Ptolemäus Lagi. Diese einzige Quelle des Wissens über Alexanders Kriegszüge besaß demnach nur Ptolemäus, und das wurde für ihn die Veranlassung, die Ge¬ schichte dieser Anabasis1 zu schreiben, in einer Zeit, wo er Muße fand, seine Erinnerungen aufzuzeichnen, d. h. nach der Schlacht bei Ipsos. Das Bild des Königs als Feldherrn wollte er zeichnen, dessen Jugendfreund er gewesen und um dessentwillen er gelitten hatte, seine Taten schildern, an denen er teilgenommen hatte, die durch die Zeit bereits getrübt waren. Aber aus Akten allein kann niemand Geschichte schreiben, und seine Erinnerungen wie die seiner Umgebung waren schon im Schwinden. So ist es selbst¬ verständlich, daß er den Kallisthenes nützte, der als erster mit hoher Kunst die Taten Alexanders bis zur Einnahme von Persepolis geschildert hatte2. Für die spätere Zeit war das eigene Handeln des Ptolemäus an sich bedeutsamer, und so tritt auch seine eigene Person seit der Zeit der Ermordung des Dareios stärker hervor.
Arrian und Plutarch haben das Fragment aus den Ephemeriden über Alexanders letzte Krankheit demselben Schriftsteller ent¬ nommen. Das zeigt die völlige Übereinstimmung der Auszüge. Dieser Schriftsteller kann nach Arrians eigenem Zeugnis über seine Quellen nur Aristobulos gewesen sein. Denn zu den Xsy6(jisva hat der römische Beamte Flavius Arrianus diese Aktenauszüge gewiß nicht gerechnet. Aristobulos hat nach seinem eigenen Zeugnis die Geschichte Alexanders mit 84 Jahren geschrieben. Die ganze Literatur, in der die Zeitgenossen des Königs über seine Taten berichtet hatten, lag ihm vor. Demnach hat er sie auch benützt und verglichen. Auf ihn also geht die in den Quellen oft hervortretende Verbindung mehrerer Berichte zurück und nicht auf ein solches Ungeheuer von einer antiken Quelle, wie es die u7co(AV7]p.aTa des unglücklichen Strabo gewesen sein sollen. Gerade diese Vereinigung und kritische Verwertung der älteren Berichte hat, wie es zu geschehen pflegt, die Einzeldarstellungen einer immer mehr entschwindenden Zeit in Vergessenheit geraten lassen.
1 Die Kriegszüge Alexanders in Europa hat er nicht beschrieben. Schon er nannte das Buch Anabasis, das ist nicht eine Geschmacklosigkeit mehr des Xenophonteers Arrianus.
2 Das frg. 4 (Müller, Anabasis p. 87) mit seinem Zitatenbündel zeigt, daß auch Ptolomäus auf die Gründungssage von Anchiale einging, die gerade den Kern der von Kallisthenes geformten Erzählung über Sardanapalos bildet.
Sitzungsberichte der Heidelb. Akad., philos. -hist. Kl. 1918. 13. Abh.
2
18
A. von Domaszewski:
Dann hat Aman bei der Auswahl seiner Quellen, 400 Jahre später, einfach getan, was selbstverständlich war, sobald er den Berichten der Zeitgenossen gegenüber der Verderbnis einer darüber empor¬ gewachsenen Literatur mit Recht allein Vertrauen schenkte.
III. Die Zeit des Fälschers.
Seit Dessau mit unwiderleglichen Gründen gezeigt hat, daß die Bestimmung der Entstehungszeit der Biographien auf Grund der Anreden an Diocletian und Constantin trügerisch ist, bleibt die Frage nach der Zeit, in welcher der Fälscher die ihm vorliegende, echte Überlieferung überarbeitet hat, eine offene, und der Kreis der Schriftsteller, auf welche sich die Forschung nach den ent¬ lehnten Namen erstrecken darf, ist durch keinerlei andere Er¬ wägungen von vornherein einzuengen. Vielmehr gerade die Ent¬ lehnung der Namen ist der einzige sichere Hinweis, die Zeitgrenze zu bestimmen.
Orosius (417).
18, 48, 1 Cum quidam Ovinius Camillus Senator antiquae familiae delicatissimus rebellare voluisset tyrannidem adfectans „ Sueton. Claudius 13. Bellum civile movit Furius Camillus Scri- bonianus. Daß das ein Nachkomme des berühmten Furius Camillus war, hat er aus seiner Lektüre von Livius erster Dekade1 erkannt, daher antiquae familiae. Orosius 6, 19, 20 occisi sunt — et Q. Ovinius ob eam maxime notam , quod obscenissime lanificio textrino- que reginae Senator populi Romani praeesse non erubuerat , daher delicatissimus. Den Namen muß er dem Orosius entnommen haben, weil dies die einzige Stelle der Literatur ist, wo ein Ovinius ge¬ nannt ist. Überdies ist das doppeltes Tyrannenblut.
29, 3, 1 Firmo patria Seleucia fuit , tarn etsi plerique Graecorum alteram tradunt , ignari eo tempore ipso tres fuisse Firmos , quorum unus praefectus Aegypti , alter dux limitis Africani 2 idemque pro consule , tertius iste Zenobiae amicus ac socius. Seleucia als Heimat 5, 8, 3 Seleucia expugnata est — incusatis Seleucenis , qui fidem primi ruperant. Also ein Rebellennest. Der griechische Ortsname ganz allein hat die plerique Graecorum erzeugt. Der mittlere Firmus benennt auch den ersten, nach Orosius 7, 33, 5 Interea in Africae partibus Firmus sese — regem constituens.
1 S. 13.
2 Vgl. Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 10. Proconsule 7, 7, 7.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
19
26, 15, 4 Vidimus proxime consulatum Furii Placidi. Beide Namen finden sich verbunden nur bei Orosius 4, 9, 14 C. Furius Placidus consul , was um so mehr ins Gewicht fällt1, weil der Consul in Wirklichkeit Pacilus hieß.
Sidonius Apollinaris (430—480).
Schon früher sahen wir, daß der Fälscher den Namen seines Autors Lampridius diesem Schriftsteller entnahm2. Er hat ihn auch sonst benützt.
30, 11, 2 Et Aurelium Apollinarem , iamborum scriptorem , qui patris eius gesta in liiteras rettulit. Sidonius Apollinaris carm. 23, 88 Quid quod Caesaribus ferax creandis, felix prole virum, simul dedisti natos cum genitore principantes ? Nam quis Persidis expeditionem aut victricia castra praeteribit Cari principis et per- ambulatum Romanis legionibus Niphaten , tum cum fulmine captus imperator vitam f ulminibus parem peregit? Wie der Fälscher darauf verfallen sein soll, seinen iamborum scriptor Apollinaris zu be¬ nennen, wenn er nicht diese Stelle vor Augen hatte, soll doch jemand beweisen.
19, 27, 5 Oratore Titiano, filio Titiani senioris , qui provincia- rum libros pulcherrimos scripsit et qui dictus est simia temporis sui, quod cuncta esset imitatus. Sidonius Apollinaris Ep. 1,1,2 Nam de Marco Tullio silere melius puto1 quem in stilo epistulari nec Iulius Titianus sub nominibus inlustrium feminarum digna similitudine expressit. propter quod illum ceteri quique Frontonianorum utpote consectaneum aemulati , cur veternosum dicendi genus imitaretur , oratorum simiam nuncupaverunt. Also ist er ein Zeitgenosse Frontos, und derselbe Mann, den Ausonius nennt grat. act. 7, 31 Dives Seneca — Quitilianus consularia per Clementem ornamenta sortitus — quo modo Titianus magister , sed gloriosus ille , municipalem scholam apud Visontionem Lugdunumque variando non aetate sed vilitate consenuit! Unica mihi amplectanda est Frontonis imitatio , quem tarnen Augusti magistrum. Er war also Prinzenerzieher zur Zeit des Fronto. Dagegen der Titianus Serv. ad Aen. 4, 42 Titianus in Chorographia ist ein ganz anderer Mann. Aber alle drei Stellen hat der Fälscher gekannt und in seinem Cento zusammengefügt.
1 Auch Eutrop. 2, 24 nennt ihn ebenso; aber aus diesem, von ihm nur zu oft mißbrauchten Autor hat er schon aus Vorsicht keinen Namen aus der Zeit vor Diocletian entlehnt.
2 S. 12.
20
A. von Domaszewski:
29, 12, 3 Huic uxor virago — nomine Samso , quod ei postea inditum est , nam antea Vituriga nominata est. Sidonius Apollinaris Epist. 7, 9, 23 cui respondeo : prius Bituriges noveram quam Bituri¬ gas . Aus einer Mißdeutung dieser Stelle — denn Biturigas ist der Ortsname — hat er den Frauennamen gebildet. Samso ist der biblische Samson.
25, 15, 1 Epistula 1 Claudii ad Ablavium Murenam praefectum praetorio. Ablavius , Sidonius Apollinaris ep. 5, 8, 2 consul Ablavius (so die Handschriften). Jeden Zweifel an der Entlehnung des Namens beseitigt die Schreibung des Namens, wenn auch Ablabius vereinzelt im 4. Jahrhundert sich findet2. Dann ist Murena aus der Literatur entlehnt. Es ist der Consul L. Murena, der Oratio pro Murena. Der gemeinsame Consul hat die Brücke geschlagen. Er braucht nicht gewußt zu haben, daß dieser Ablavius unter Constantin Gardepräfekt war3.
10, 8, 1 Filias suas dotatas maritis Probo et Aetio dedit. et cum Probo genero suo praefecturam urbi optulisset , ille recusavit dixitque minus sibi videri praefectum esse quam principis generum. Utrum- que autem generum statim consulem fecit, utrumque ditavit — 8 Do- mitium, Dextrum in locum Bassi praefectum urbi reliquit. Hier ist schon an der Sprache zu erkennen, daß die echten Worte des zweiten Satzes im ersten benützt sind. Denn man sagt wohl praefectus urbi, aber nie praefectura urbi. Er dachte, dem Schwieger¬ söhne des Kaisers hätte eigentlich die Stelle gebührt. Denn er las vom Maiorianus bei Sidonius Apollinaris carm. 5, 119 Non semel oblatis temptavit fascibus Aetio r apere aula suo, sed perstitit ille, maior honoratis — vom Gaudentius 203 nato quae regna parabo exclusa sceptris Geticis. Ferner las er carm. 24, 90 Hinc ad consulis ampla tecta Magni — veni 95 Hic saepe Eulaliae meae legeris, cuius — mores — et ipse quondam purpureus socer timebant. Daß die Eulalia die Gemahlin des Probus war, wußte er aus ep. 4, 1, 1 Soror mihi quae uxor tibi. Aus diesen Elementen braute er seinen Trank zusammen. Er übertrug vom Maiorianus auf Aetius und von Magnus auf Probus das Consulat und der purpureus socer schuf den kaiserlichen Schwiegervater. Das maior honoratis gab
1 Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 12.
2 Schirren, de ratione quae inter Jordanem et Cassiodorum intercedit, Dorpat (1858) 36 f. und auf Papyrusurkunden.
a Vgl. S. 13.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
21
den Verzicht auf die praefectura urbis ein. Dieser Probus ist es, der seiner Verherrlichung der Probi zugrunde liegt1.
Jordanes (551).
18, 64, 5 Qui , ut nos sequantur , historicos eius temporis legant et maxime Acholium , qui et itinera huius principis scripsit. Daraus ergibt sich, daß er das Itinerarium Alexandri2 kannte, dem Namen nach, nicht den Inhalt. Denn er sagt
18, 14, 6 Rerum memoria singularis , quam mnemonico Acholius ferebat adiutum.
18, 48, 7 Acholius als Zeuge neben dem Encolpius Petrons für die Geschichte des Ovinius Camillus 3. Auch der echte Ovinius spielt in Alexandria. Alles dies führt auf die Vermutung, daß der Acholius eine Gestalt neben Encolpius war, in einer Szene, die in Alexandria sich zutrug.
Eine ganz andere Figur schon der Zeit nach tritt auf:
26, 12, 4 Rem — inserendam credidi ex libris Acholi (acoli die Handschrift) qui magister admissionum V aleriani principis fuit , libro actorum eius nono. Es folgt die berühmte Sitzung des Staatsrates in den Thermen von Byzanz4. Die acta nach Sueton. Caesar 23 Functus consulatu , Gaio Memmio Lucioque Domitio praetoribus de superioris anni actibus referentibus. Sicher hat er diese Stelle vor Augen, weil er das Protokoll einleitet adsidentibus Memmio (nemmio die Handschrift) Tusco ( fusco die Handschrift) consule ordinario. Der Tuscus , denn so ist zu emendieren, ist der Consul des Jahres 258, 24, 9, 1 Tusco et Rasso consulibus , die also eben dieser Zeit angehören. Wenn wir jetzt auch wissen, daß der Consul Nummius Tuscus hieß5, so muß man doch nach Sueton Memmio lesen. Daß der Magister admissionum die acta des Consi- storiums führt, zeigt wie wenig Ahnung er von der Staatsordnung auch des 4. Jahrhunderts hatte.
1 Besonders 28, 24, 1 — 3 das Orakel, dessen historischen Gehalt die Entlehnung aus Vergil beleuchtet, Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 6. Und doch hat gerade diese Stelle alle irregeleitet. Dessau, Hermes 24, 357. Momm- sen, Hermes 25,277. Klebs, Rhein. Mus. 45,449; 47,8.47.
2 Teuffel, Lit. 412, 4.
3 S. 18.
4 Heidelb. Sitzb. 1915, 15, 11 und unten, S. 33.
5 C. I. L. VI 2388. Woher aber sollte der Fälscher das Gentile gekannt haben? Vgl. S. 34.
22
A. von Domaszewski:
Acholius heißt nur ein bekannter Mensch in der ganzen Überlieferung1 der Bischof von Thessalonice, der Theodosius den Großen taufte2. In einer lateinischen Quelle nur genannt von Jordanes Rom. 315. Theodosius Spanus — veniensque Thessalonica ab Acolio sancto episcopo baptizatus est. Daß der Name von hier entlehnt ist, beweist auch die Schreibung der Handschrift Acoli. Die Lage von Thessalonice und Byzantium kannte er sowohl aus dem Laterculus provinciarum3 als aus der Fortsetzung der von ihm bearbeiteten Biographien, Origo Gonstantini Magni 21—29, in dem Kriege zwischen Gonstantin und Licinius. Deshalb ver¬ wendet er den Acolius für die Sitzung in Byzanz. Er hätte auch wie 24, 10, 94 sagen können, daß es in authenticis stand, daher auch die acta.
29, 15, 7 Aurelianus schreibt, nunc tarnen , quoniam placuit Bonoso Hunilam dari. Jordanes Rom. 374 Hunnila ductante Get. 311 Hunila duce Gothorum, also ist die Schreibung an der zweiten Stelle die richtige. Frauennamen enden eben auf a.
19, 1, 2 Anrede an Constantin — servans deinceps hunc ordinem , quem pietas tua etiam ab Tatio Cyrillo , clarissimo viro , qui Graeca in Latinum vertit , servari voluit. Es folgt die Vorgeschichte des Maximinus Thrax. Tatius 3, 8, 7 Tatius Maximus Gardepräfekt unter Pius, die Inschriften schreiben Tattius. Die Änderung wird an beiden Stellen der Fälscher selbst vorgenommen haben, weil ihm der Titus Tatius aus Livius in den Sinn kam. Das Cognomen Maximus bestimmte die Wahl dieses Namens Tatius für den Ge¬ schichtsschreiber des Maximinus. Cyrillus Jordanes Rom. 369 Cyrillum Marcellum Faram , aliosque iudices dolo peremptis. Der Name paßte schon deshalb für ein Cognomen, weil er ohne Gentile dasteht. Die Wahl gerade dieses Namens hat aber noch einen tieferen Grund.
Denn dieselbe Erzählung über die Vorgeschichte des Maximinus Thrax lesen wir in fast wörtlicher Übereinstimmung auch bei Jordanes. Dieser nennt seine Quelle, Get. 83 nam, ut dicit Sym- machus in quinto suae historiae libro. Das las der Fälscher bei Jordanes, erkannte in Symmachus an dem untrüglichen ,,y“ einen
1 Die im Thesaurus L. L. verzeichneten Acholius kannte er gewiß nicht. Über den Zusatz 18, 68, 1 vgl. S. 124.
2 Photius Bibi. 477 a. 24 Socrates hist. eccl. 5, 8.
3 Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 5.
4 S. 10.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
23
griechischen Namen und ersetzte ihn durch Cyrillus , daher das Graeca in Latinum vertit. Der Mann mit dem griechischen Namen verstand eben griechisch1; und doch hat der Fälscher seine Er¬ zählung nicht dem Jordanes entnommen. Der Fälscher hat die Namensformen Threicia und Hababa , der Namen der Halana. Jordanes aber Thracia und Ababa. Der rauhe Hauchlaut hatte dem Gothen keine Schmerzen gemacht, wohl aber seiner lateini¬ schen Vorlage, dem' Römer des 5. Jahrhunderts. Aber die ionische Form Threice in die lateinische Thracia umzusetzen, war Jordanes ganz außer Stande. Vielmehr stellt der Fälscher eine weit ältere Stufe der Überlieferung dar. Beide haben dieselbe QuelJe benützt, nur geht der Fälscher auf eine ältere Textgestaltung zurück, die eben die Namensformen ungetrübter wiedergab.
Das Buch des Symmachus wird erwähnt in dem Anecdoton Caroliruhense2: Symmachus patricius et consul Ordinarius — parentes suos imitatus historiam Romanam septem libris edidit. Es ist dies der Consul des Jahres 485 n. Chr. Einen dieser Ahnen hat Usener nachgewiesen. Dies ist Virius Nicomachus Flavianus 3, der seine Annales dem Theodosius widmete. Ein Auszug aus diesem Buche ist noch erhalten. Es ist dies die sogenannte Epitome de Caesaribus , die mit Theodosius schließt. Diese Epitome stimmt immer mit der echten Überlieferung des Fälschers überein, be¬ richtigt und ergänzt sie oft. Das späte Excerpt ist von Entstellungen auch nicht frei.
Vor diesem Buche liegen noch zwei ältere Fassungen des¬ selben Geschichtswerkes. Die erste Fassung ist unter Diocletian geschrieben. Diese ist, und zwar in der Überarbeitung der zweiten Fassung, die Vorlage des Fälschers. Das Schlußwort dieses Buches ist noch beim Fälscher erhalten.
30, 9, 2 Licet plane ac licebit, ut per sacratissimum Caesarem Maximianum constitit , Persas vincere atque ultra eos progredi et futurum reor , si a nostris non deseratur promissus numinum favor. Das ist nicht das Gestotter des Fälschers, sondern echte lateinische Rede. Der Schwung der Worte zeigt, daß sie nicht zur Darstellung gehören, sondern das Ende eines Schlußwortes bilden, in dem der Verfasser zu Diocletian spricht. Durch dieses Schlußwort verfiel
1 Vgl. S. 18. 134.
2 Usener, Anecdoton Holderi, Festschrift zur Philologenversammlung in Wiesbaden 1877, 4.
3 Dessau, inscr. sei. 2947, 2948.
24
A. von Domaszewski:
der Fälscher auf die von ihm selbst fabrizierten Anreden an Dio- cletianus.
Hier am Schlüsse stand auch das Datum der Veröffentlichung. Denn gerade aus diesem Datum kannte der Fälscher den praefectus urbi Iunius Tiberianus , 26, 1, 1 und nennt daher wieder mit Mi߬ brauch des echten Datums, die Hilaria , des 3. Novembers, als Tag des Gespräches. Als Valerianus und Gallienus im Jahre 254 auf den consulatus annuus et perpetuus aus der Zeit der Begründung des Principates zurückgriffen1, bestimmten sie zugleich, daß fortan in Rom nach dem Praefectus urbi datiert werden sollte2. Deshalb beginnt die Liste der Stadtpräfekten, die beim Chronographen a. 354 erhalten ist3, mit dem Jahre 254 und die wechselnde Amts¬ dauer jedes Präfekten wird genau angegeben. Erhalten sind diese Angaben seit dem Jahre 288, die älteren Daten waren praktisch überflüssig geworden.
Da das Schlußwort auf den Perserzug des Galerius Maximianus anspielt, so ist die Amtszeit des Iunius Tiberianus von Prid. idus Septemb. 303 bis prid. non. Ian. 304 für die genauere Datierung die Grundlage.
Am 27. September 303 beging Diocletianus seine Vicennalien in Rom4. Denn am 27. September 284 hatte Diocletianus in Nicomedia den Thron bestiegen5. Er wird die Feier der Vicennalien mit dem Triumph eröffnet haben6. Lactantius sagt de mort. pers. 17 perrexit statim Romam ut illic vicennalium dient celebraret , qui erat futurus a. d. duodecimum kalendas Decembres. Eusebius dagegen sagt de martyr. Palaest. 1, 5 Abu p.Y)vö<; E7rraxai8£xaTY]7 (auTY) 7rapa 'Pci)(i,a£oi<; Y) 7UpÖ §£Xa7C£VTE KaAavHdiV A£Z£[xßpL(Ov). 2, 1 Mvvj(AY]£ S* a£ia To^av£L xal Ta 7uepl rPo>p,avöv ev ’Avvioxsta em ty]^ aurr^ Yjpipa<;
aTCOTEXEcröivTa. — 4 Tzkoq t ?)<; apxix% EixoaaETYjpi&x; smaT&r/]S, woraus hervorgeht, daß auch in Antiochia der Schlußtag der Vicennalia der 17. November war. Demnach ist bei Lactantius
1 Heidelb. Sitzb. 1918, 6, 18.
2 Dio 48, 35, 3 bezeugt die Datierung nach Suffecti noch für seine Zeit.
3 Chronic, min. 1, 65 — 69.
4 Vgl. für Gallienus Heidelb. Sitzb. 1918, 6, 20.
5 Chron. min. 1, 299.
6 Hieronymus im 19. Jahre, aber er rechnet die Regierung Diocletians von der Besiegung des Carinus, und setzt den Triumph ins Jahr 304, den alten Fehler in der Regierungsdauer des Philippus weiterschleppend. Heidelb. Sitzb. 1917, 1, 22.
7 Abhandlungen z. röm. Religion S. 209.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
a. d. XV (für XII) kal. Dec. zu schreiben. Der Haupttag der Feier ist eben der Schlußtag, so daß die Vicennalien vom 27. Sep¬ tember bis zum 17. November durch 52 Tage gefeiert wurden. Die Zahl besteht aus 3+7x7 Tagen. Der Triumph hat drei Tage gedauert1 und die Vicennalienfeier sieben Wochen. Das ist also eine apollinische Reihe. Die Feier wird ad omnia templa begangen worden sein, wie das an sich gleichartige Dankfest der Supplicationes ad ömnia pulvinaria. Deshalb schließt das Schlu߬ wort mit numinum favor , ein Ausdruck, den Diocletianus selbst von der Feier gebraucht haben wird2. Das mißbrauchte Datum Hilariis , 3. November, ist also an Stelle des 17. Novembers gesetzt.
Dieses Werk erhielt in der Zeit Gonstantins eine Fortsetzung, die bis zu Gonstantins Alleinherrschaft reichte, zugleich erfuhr es eine Überarbeitung, deren Spuren im Texte des Fälschers überall kenntlich sind. Diese zweite Fassung des älteren Werkes bildet die Grundlage unseres Textes.
Von den Einschaltungen der zweiten Fassung sind am leich¬ testen kenntlich, die, welche die Herkunft Gonstantins auf Claudius zurückführen3. Am bedeutsamsten für die Zeit, in welcher sich diese Legende gebildet hat, ist Panegyricus4 7,2 i primo igitur incipiam originis tuae nomine , quod plerique adhuc f ortasse nesciunt , sed qui te amant plurimum sciunt . Ab illo enim divo Claudio manat in te avita cognatio , qui Romani imperii solutam et perditam disci- plinam primus reformavit. Die Anspielungen im Texte der Scrip¬ tores auf diese Abstammung Constantins zeigen aber durch ihre Sprache, daß sie nimmermehr vom Fälscher herrühren können.
23, 14, 3 Is enim est Claudius , a quo Constantius , vigilissimus Caesar , origihem ducit. Das ist nicht das Gerede des Fälschers, der einen so prächtig gewählten Ausdruck für den stets hilfsbereiten Caesar der Augusti gar nicht kennt5.
23, 7, 1 Claudio , principe generis Constanti Caesaris nostri. Der Fälscher hat das so wenig verstanden, daß er nach diesem Vorbilde ein Ungeheuer gebildet hat 24, 27, 1 Zenobia — Didonem
1 Nach dem Vorbild des Augustus, Res gestae p. 10.
2 Dessau, inscr. sei. 642 in dem Edikt de Pretiis benigno favore numi¬ num und die Inschrift aus Carnuntum C. I. L. III 4413, vgl. Rel. des röm. Heeres S. 67.
3 Klebs, Histor. Zeitschr. 61, 227 f.
4 Gehalten im Jahre 310, Teuffel Lit. 391, 7. Vgl. hier S. 104.
5 Soviel ich sehe, ist der Superlativ sonst nicht bezeugt.
A. von Domaszewski:
26
et Samiramidem et Cleopatram sui generis principem inter cetera praedicans. Und auch sonst wird dieser Bearbeiter das Lob des Claudius verstärkt haben.
23, 15, 2 Gallienum tyrannum — das ist nicht Dexippus, der sonst in diesem Zusammenhang übersetzt ist1 — militari judicio in fastos rettulerunt2. sic militibus sedatis Claudius , vir sanctus ac iure venerabilis et bonis omnibus carus , amicus patriae , amicus legibus , acceptus senatui, populo bene cognitus accepit imperium. Später als Constantin kann dieser Bearbeiter nicht gelebt haben. Unter Theodosius hatte niemand mehr ein Interesse an dieser Fiktion. Einen Zusatz dieses Bearbeiters hat Dessau erkannt.
23, 6, 8 Ac ne quid mali deesset Gallieni temporibus , Byzan- tiorum civitas , clara navalibus bellis , claustrum Ponticum1 per eius- dem Gallieni milites ita omnis vastata est , ut prorsus nemo superesset — das ist der edle Schwung von Dexippus Sprache — denique nulla vetus famitia apud Byzantios invenitur , nisi si aliquis peregri- natione vel militia occupatus evasit , qui antiquitatem generis nobili- tatemque repraesentet. Hier spricht ein vornehmer Stadtrömer, der auf das Neurom am Bosporus herabsah. Auch das hätte in der Zeit des Theodosius keinen Sinn mehr gehabt.
Demnach könnte der Fortsetzer und Bearbeiter des älteren Werkes, der unter Constantin schrieb, jener Vorfahr des Symmachus sein, der an der Spitze des Stammbaumes steht3, der Consul des Jahres 330, Aurelius Iulianus Symmachus . Aber auch der erste Verfasser der Historiae muß nach den Worten des Anecdotons unter den Ahnen des Symmachus gesucht werden. Da aber die Symmachi auch mit den Anicii4 verwandt waren, so kann man an den Consul des Jahres 298 M. lunius Caesonius Nicomachus Anicius Faustus Paulinus denken. Denn nur ein Mann höchster Bildung nach dem Maßstab seiner Zeit und von hoher gesellschaftlicher Geltung, kein gewöhnlicher Literat, hat jenes Werk, das nur von einem im Studium der Geschichte geschulten Geiste verfaßt sein kann, geschrieben5. Seit Fabius Pictor sind die Geschichtsschreiber Roms, die diesen Namen wahrhaft verdienen, Männer des senato- rischen Kreises gewesen. Und auch Tacitus fühlte mit den großen
1 Vgl. 57. 59.
2 Eckhel, d. n. 7, 416. Cagnat, ann. dpigr. 1909, 227 Dwo Gallieno.
3 Seeck, Symmachus p. XL.
4 Seeck, Symmachus p. XCI.
5 Vgl. S. 112.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
27
Geschlechtern Roms und fühlte sich selbst als einer von ihnen, weil er von dem hohen Geiste dieser Geschlechter erfüllt war.
Diese Fortsetzung des älteren Werkes, die unter Constantin geschrieben war, trug auch eine Widmung an den Kaiser. Nach ihrem Vorbild erfand der Fälscher wieder seine Anreden an Con¬ stantin. Auch hier hat Dessau das Richtige gesehen, daß dieses plebeisch - schulmeisterliche Geschwätz nie an weltbedeutende Herrscher, wie Diocletianus und Constantinus es waren, gerichtet sein konnte. Infra principem!
Diese zweite Fassung des älteren Werkes, mit ihren zahl¬ reichen Ergänzungen1, besaß der Fälscher in verstümmelter Ge¬ stalt. Denn nicht nur die Vita Nervae2 fehlte am Anfänge des Buches, sondern auch die Vita Traiani. Kein einziger Name der Traianischen Zeit ist vom Fälscher für seine Erfindungen ver¬ wendet worden. Alle finden sich, so weit sie nicht anderswoher entlehnt sind, in den Viten von Hadrian bis Carus. Wegen dieser Verstümmelung kannte der Fälscher nicht einmal den Namen des Verfassers. Deshalb verfiel er auf den Gedanken, sich Autoren¬ namen zu ersinnen, um so seiner Überarbeitung eine neue Autorität zu geben.
Die erste Gruppe der Biographien ist nach den Subscriptionen abgefaßt3 von
Aelius Spartianus: Hadrianus, [Aelius], Iulianus, Severus, [Niger], Caracalla, Geta.
Iulius Capitolinus: Pius, Marcus, Verus, Pertinax, [Albinus], Macrinus, die Maximini, die Gordiani, Maximus Balbinus.
Aelius Lampridius: Commodus, [Diadumenianus], Elagabalus, Alexander.
Vulcacius Gallicanus v. c. [Avidius Cassius].
Mommsen4 wendet gegen die unsichere Überlieferung mit Recht ein, daß nach den Verweisungen im Texte die ursprüngliche Zuteilung eine andere war ,,Nach den Texten der Biographien rühren die Biographien des Hadrian, des Aelius und des Verus von demselben Verfasser her; ebenso die des Severus, des Niger
1 Vgl. S. 73. 81. 153.
2 S. 5.
3 Eingeklammert sind die sogenannten Neben-Viten, der Caesares und Usurpatoren, die ganz vom Fälscher geschrieben sind.
4 Hermes 25, 243 f.
28
A. von Domaszevvski :
und des Albinus; auch in der Biographie des Marcus findet sich eine Verweisung auf die des Gommodus vor“.
Aber auch hier handelt es sich um ein bloßes Spiel mit den Namen.
Nach dem Anecdoton zählten die Historiae des Symmachus sieben Bücher und nach Jordanes stand die Vita Maximini im fünften Buche1. Die Einführung des Trebellius Pollio zeigt, daß die ihm zugeschriebenen Biographien das sechste Buch bildeten, während Vopiscus das siebente Buch verfaßt hätte2. Für die vorhergehenden Biographien hatte der Fälscher, wie das Namen¬ spiel zeigt3, zunächst nur den Iunius Capitolinus ersonnen. Ohne Schwanken gehören ihm die Biographien des Pius, Pertinax und Macrinus. Wendet man darauf den Grundsatz an ab Iove principium Musae , so hat man die Buchanfänge. Das zweite Buch begann mit Pius, das dritte mit Pertinax, das vierte mit Macrinus, das fünfte mit Maximinus. Diese Bucheinteilung des ursprünglichen Werkes ist ganz sachgemäß.
1. Buch [Nerva, Traianus], Hadrianus bilden eine Dynastie, die durch die Namen verknüpft ist: Nerva, Nerva Traianus, Traia¬ nus Hadrianus heißen die Kaiser mit ihren vollen Namen.
2. Buch: Pius, Marcus, Verus, Commodus, die Dynastie der Antonine.
3. Buch: Pertinax, Iulianus, Septimius Severus, Severus Antoninus, denn so heißt dieser Kaiser mit vollem Namen, die Dynastie des Septimius Severus, der ja mit bewußter Absicht sein Thronrecht auf Pertinax zurückführte4.
4. Buch: Macrinus, Heliogabalus, Severus Alexander, die Dynastie der Emesener.
5. Buch: Maximinus, die Gordiani, Maximus und Balbinus sind in der Geschichte aufs engste verknüpft und beruhen auf derselben griechischen Überlieferung, Herodianus und Dexippus.
6. Buch: Philippus, Decius, Gallus, Aemilianus, Valerianus und Gallienus, Claudius und Quintillus, die Zeit der Gothen¬ stürme und der Auflösung des Reiches. Die griechische Quelle ist Nicostratus von Trapezunt und Dexippus.
1 S. 22 f.
2 Vgl. S. 102.
3 S. 11.
4 Gesch. d. röm. Kaiser II2 248.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
29
7. Buch: Aurelianus, Tacitus, Probus, Carus, der Wieder¬ aufbau des Reiches. Die Quelle ist Eusebius.
So läßt sich auch die Zuteilung der anderen Biographien an Aelius Spartianus und Aelius Lampridius erklären. Aelius Spar- tianus ist der Autor der späteren Biographien, wenn man den Verweisungen folgt, für das erste bis dritte Buch. Aelius Lampri¬ dius für das 4. Buch. Auch hier wußte er, daß für die Emesener, neben Gassius Diö, Herodian zugrunde lag. Aelius Spartianus dagegen ist der Repräsentant der lateinischen Grundlage der Biographien. Gestört erscheint diese Zuteilung, wenn kein Irrtum der Überlieferung in den Subskriptionen vorliegt, darin, daß der Commodus von Aelius Lampridius verfaßt sein soll. Aber das kann auch Willkür des Fälschers sein.
Warum der Fälscher den Avidius Cassius allein dem Vulcacius Gallicanus zuschreibt, muß dunkel bleiben.
Die Siebenzahl der Bücher des Hauptwerkes erklärt wieder ein groteskes Citat 14, 2, 1 Geta autem dictus est vel a palrui nomine vel avi paterni , de cuius vita et moribus in Vita Seveii Marius Maximus primo septenario satis copiose rettulit. Marius Maximus wird hier, wie auch bei anderen erschwindelten Citaten, eingeführt, weil der Fälscher tatsächlich von dem avus paternus nichts wußte, als was 10, 1, 2 steht pater Geta. Den Ausdruck septenariurn ent¬ nahm er Gellius 3, 10 und bezeichnet damit die sieben Bücher des Hauptwerkes im Gegensatz zu der Fortsetzung, welche über Constantin handelte.
Auch Symmachus hatte in der vierten Fassung des Werkes den Text erweitert. Es gilt dies für die Gothenzüge, die in der Zeit des Theodorich ein ganz anderes Interesse erweckten als in der Zeit des Diocletianus. Die ursprüngliche Fassung hat der Fälscher aufbewahrt. Die erweiterte bei Jordanes beruht, wie die erste, auf Dexippus. Dies lehrt der Vergleich mit Syncellus.
Vita Gallieni 4,7 (a. 261) Scythae Bithyniam invaserant civitatesque deleverant. denique f contium 1 quae N i comedia postea dicta est , incensam graviter vastaverunt. 6, 2 (a. 262) Scythae autem , hoc est pars Gothorum 2, Asiam vastabant. Etiam templum Lunae 3
1 Über die Interpolation Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 16.
2 Aus Syncellus verständlich.
3 Luna statt Diana hat der Fälscher eingesetzt, der auch einen Gott Lunus erfunden hat. Vgl. S. 74.
30
A. von Domaszewski:
Ephesiae despoliatum et incensum est , cuius opes , fama satis notae per populos.
Jordanes 107 duces Gothorum sumptis navibus Asiam transie- runt , fretum Ellispontiacum transvecti , ubi multas eius provinciae civitates populatas opinatissimum illud Ephesiae Dianae templum igne succendunt . partibusque Bithiniae delati Chalcedonam subverterunt — Helles pontiacum fretum retranseunt , vastantes itinere suo Troiam Iliumque.
Syncellus 716,16 (Quietus Tod, also a. 261, geht vorher)
TOTE 7ta Xl.V ol Ex Uofai xal ToTaloi XeyOfJLSVOL £7Tl^6)pL6)^ St,a TY)<; IJoVTlXT)«; &aXaccry)<; eXFovte«; zic, BiD-uviav xal 7raaav ’Aaiav xal AuSlav ‘/6)p7jaavT£^ TTjv te N t,xo p. 7) 8s i a v BGkma<; 7üoXlv p,£yaXY]v sXaßov xal Taq Ttovl8a<; 7u6Xsk; St.£<pü-£i,pav, tolc; p,sv arst/laToix;, t<x<; 8e p.spixoü<; o/upcoFslaa«; xaTaXaßovTsg, oo p.Y)v aXXa xal Opoylac; •^4,aVT0> Tpolav TUOpthrjejavTEc;.
Der Fälscher allein scheidet den Zug nach Bithynien und den Zug nach Asien chronologisch richtig. Dadurch ist es sicher, daß Zosimus1 1, 34. 35, wo er die Verwüstung Bithyniens schildert, 34, 3 XaXxvjSova sXovte^ — 35, 2 Nixop.7jSEi.av Evs7rpY)aav, die Ereignisse des Jahres 261 schildert. Aus Zosimus geht hervor, daß Jordanes, der mit seiner Quelle sehr willkürlich verfuhr, den asiatischen Zug vor den bithynischen gestellt hat. Von dem Mehr, was Jordanes bietet, ist der Zusatz bei Ghalcedon, quam post Cornelius Abitus aliqua parte reparavit , quae hodieque, quamvis urbis regiae vicinitate congaudeat , signa tarnen ruinarum suarum aliquanto ad indicium retinet posteritatis besonders bemerkenswert. Die Wiederherstellung durch Cornelius Avitus berichtet der Zeit¬ genosse Dexippus. Aber Byzanz als regia urbs weist auf eine viel spätere Zeit hin, später selbst als die Zeit des Fortsetzers des ursprünglichen Werkes. Es ist ein Zusatz des Consuls Symmachus; denn aus den Historiae2 und nicht aus Cassiodor hat Jordanes diese Gothenzüge auf römischer Erde geschöpft. In den Getica
1 Seine Erzählung ist so ausführlich, daß sie auf den Sxuthxa des De¬ xippus beruhen muß, wo die Gotenzüge zusammenhängend geschildert waren. Dadurch geriet dieses Stück, das Zosimus ausschrieb, mit den Anfängen jener Fahrten in die Zeit des Valerianus. Dieses Interesse für Bithynien beweist jedoch, daß Zosimus in Konstantinopel lebte.
2 Die Ansicht Schirrens, der Mommsen folgt, Jordanes p. 82, konnte nur möglich erscheinen, solange das Fragment des Dexippus Müller Fr. H. Gr. III p. 675 n. 18 nicht bekannt war. Aus diesem erkennt man, daß die Gründungsgeschichte von Marcianopolis bei Dexippus stand. Vgl. S. 110.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
31
haben die römischen Abschnitte 89 bis 109 einen ganz anderen Stil als die gothischen Stammesgeschichten. Überall ist es viel¬ mehr eine Überlieferung genau derselben Art, wie die Berichte der Historia Augusta. Sie ergänzt daher, weil aus demselben Werke geflossen, die große Lücke unserer Handschrift der Scrip¬ tores für die Zeit von Philippus bis Valerianus. Es sind Abschnitte, die in den Text der Historia Augusta einfach eingesetzt werden können.
IV. Die Heimat des Fälschers.
Schon früher hatte ich gezeigt, daß der Fälscher in Gallien lebte, weil er Carnuntum in Pannonien mit der Stadt der Carnutes in Gallien verwechselte1. Daraus erklärt sich die typische Ver¬ herrlichung Galliens2 und seine genaue Kenntnis der gallischen Dichter Sidonius Apollinaris und Ausonius3. Auf die Narbonensis wird das Gebiet eingeengt durch die Rolle, welcher der Magnamater Kult beim Fälscher spielt4. Sein Zeitgenosse Gregor von Tours schildert die Geltung dieser Religion bei der Weinlese als ganz volkstümlich5. Um nun diese Frage nach der Religion des Fälschers klarer zu beurteilen, ist es notwendig, den Kalender festzustellen, den er benützte.
18, 37, 6 Adhibebatur anser diebus festis , kalendis autem lanua- riis et Hilariis matris deum et ludis Apollinaribus et Iovis epulo et Saturnalibus et huius modi festis diebus fasianus. Der Phasan stammt aus Sueton. Calig. 22 hostiae erant — phasianae, quae generatim per singulos dies immolar entur. Der christliche Heilige6 Alexander bringt kein Tieropfer dar, sondern speist seinen Phasan wegen des epulum Iovis7, das der Fälscher nicht verstehen konnte. Die Festreihe ist richtig geordnet. Epulum Iovis für das große Fest des Juppiter am 13. September wird nur in den Fasten gc-
1 Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 14.
2 Klebs, Rhein. Mus. 47,13; Seeck, Rhein. Mus. 67,591, die freilich in den Folgerungen irre gehen.
3 S. 1 9 f .
4 Journal of Rom. Stud. 1,55; Heidelb. Sitzb. 1917, 1, 9. Vgl. die Hilaria S. 24, deren Beziehung auf die Isis er gar nicht erkannte.
5 In gloriam confessorum cap. 76.
0 S. 143.
7 Zu seiner Zeit war der Phasan gerade in seiner Heimat ein Lecker¬ bissen. Hehn, Kulturpflanzen5, 299.
32
A. vo n Domaszewsri:
braucht. Also einen Kalender hatte er vor sich. Interpoliert ist nur ludi , wegen Cicero1 Philipp. 1, 36. 2, 31. Sonst nennt er noch die Floralia2. Auch diese nach einem besseren Exemplar des Polemius Silvius; denn in unserer Handschrift steht Floria. Die anderen großen Feste zu nennen, wird ihn die Anordnung in seinem Kalender bestimmt haben, wo sie als die Hauptfeste durch die Schrift hervorgehoben waren. Sulpicius Severus Dial. 2, 13, 6 Martinus — Mercurium maxime patiebatur infestum , Iovem brutum adque hebetem esse dicebat. Diese Dämonen sind noch lebendige Götter der Heiden. In diese Zeit etwa wird man den Kalender des Fälschers zu setzen haben. Es scheint, daß er den von Polemius Silvius überlieferten gelesen hat, aber in einer reicheren Gestalt, ebenso wie seinen Laterculus provinciarum3 4.
17, 16, 4 Removit et Ulpianum iuris consulturn ut bonum virum , et Silvinum rhetorem , — Et Silvinus quidem occisus est , Ulpianus vero reservatus. Ulpians Ermordung gab ihm die Ge¬ schichte ein. Dieser bleibt am Leben, weil er erst unter Severus Alexander gestorben ist. Aber für den Silvinus findet sich in der von ihm benützten Literatur kein Vorbild, das einen Rhetor er¬ zeugen konnte, als eben der Polemius Silvius.
Den Grund der Anordnung jener Feste im Kalender hat er nicht verstanden:
27, 9, 5 Divorum templum fieri iussit , in quo essent statuae principum bonorum, ita ut isdem natalibus suis et Parilibus et kal. lanuariis et Votis libamina ponerentur. Zusammengesetzt ist der Satz aus folgenden Stellen. Vergil Aen. 6, 246 ignibus imponit sacris libamina prima . Daraus erklärt sich das ganz unlateinische libamina ponere — 8, 6, 3 iam postero kalendarum die 4 — gemuerunt milites — tertium nonarum diem votis ipsis milites — Senator em — ducere in castra voluerunt. Er entnahm dieser Stelle kal. lanuariis und votis, als wäre das der Name eines Festes. Denn die Bezeich¬ nung des 3. Januars, votorum nuncupatio 5 stand gar nicht in seinem Kalender — was vorhergeht, ist kombiniert aus Sueton. Calig. 16
1 Heidelb. Sitzb. 1917, 1, 9.
2 17, 6, 5 nur um einen ekelhaften Witz zu machen.
3 Heidelb. Sitzb. 1916, 15 und oben S. 8. 10. 22.
4 Daraus wieder ist entstanden 27, 11, 8 nee umquam noctem intermisit, qua non aliquid vel scriberet ille vel legeret praeter posterum kalendarum diem, an sich eine ganz wahnwitzige Bemerkung.
5 G. I. L. I2 p. 305 im Kalender des Philocalus.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae. 33
decretum est , ut dies quo cepisset imperium , Parilia vocaretur und i, 4, 7 (Hadrianus) natalem imperii statuit celebrandum. Nur dar¬ aus erklärt sich die wunderliche Stellung von Parilia vor kal. Ianuariae. Das aus dem dies natalis imperii der dies natalis impera- toris wird, erklärt sich, wenn man seine Behandlung der echten Daten kennt. Hier tritt die Verwechslung beider Tage wieder¬ holt auf1. Richtig verwendet hat er nur die einzelnen Tage der Megalensia 2: 13,. 6, 6. 18,37,6. 25,4,2 und die Hilaria der Isis sogar auf die Magna mater bezogen3. Ein Beweis mehr, daß der Magnamater-Kult die Religion seines Landes war. Das Templum divorum 4 hat er dem Verzeichnis der Bauten Roms unter Domitian entnommen. Er hat also den Bau mißverstanden5.
Um die Stadt zu bestimmen, in der der Fälscher lebte, muß man ausgehen von
26, 13, 1 Cum consedisset Valerianus Augustus in thermis apud Byzantium , praesente exercitu , praesente etiam officio Palatino, adsidentibus Memmio Tusco 6 consule ordinario, Baebio Macro praefecti praetorii , Quinto Ancario 7 praeside Orientis, adsidentibus etiam a parte laeva A vulnio Saturnino Scythici limitis duce et Murrentio Mauricio ad Aegyptum destinato , Iulio Tryphone orientalis limitis duce et Maecio Brundisino praefecto annonae orientis 8 ei Ulpio Crinito duce Illyriciani limitis et Thracici et Fulvio Boio duce Baetici limitis 9. In eben dieser Sitzung erfolgt eine Verleihung von dona militaria an Aurelianus; coronas murales quattuor, coronas vallares quinque, coronas navales duas, coronas civicas duas , hastas puras decem , vexilla bicolora quattuor. Ebenso soll Probus dona militaria erhalten haben.
28, 5, 1 In contione donatus est hastis puris quattuor , coronis vallaribus duabus, corona civica una, vexillis puris quattuor , armillis aureis duabus , torque aureo uno. Diese dona militaria kann der
1 S. 61 f.
2 Heidelb. Sitzb. 1917, 1, 13, dann unten S. 56. 61.
3 8. 24.
4 Chronic, min. 1, 146. Vgl. Heidelb. Sitzb. 1916, 7.
5 Hülsen, Röm. Topogr. 1 , 3, 564, hat erst die richtige Bedeutung dargetan.
6 S. 21.
7 S. 4.
8 Heidelb. Sitzb. 1918, 6, 19 Anm. 7.
9 Über alle diese Ämter vgl. Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 11.
Sitzungsberichte der Heidclb. Akad.. philos.-hist. Kl. 1918. 13. Abh.
34
A. von Domaszewski:
Fälscher nie bei einem Schriftsteller gelesen haben, sondern nur auf einer Inschrift. Ebenso sicher ist die Art der Denkmäler, die er vor Augen hatte. Sie können nur auf Statuenbasen gestanden haben, die die Laufbahn von Senatoren verzeichneten.
Woher wußte der Fälscher von Thermen in Byzanz ? Das ist nur aus Lydus de mensibus zu erkennen 1, 12 ^pov°i<; Sk uoTspov txavots Ssßyjpoc; 6 ßaoiX£Ö<; 'Pcopiahov xocra Ntyepoc; £x<jTpaT£Üoa<; xal elq To Bu^avTtov 7uapay£vop.£vo<; — xtl^si. piv exeöjs Sta to tyjc; no'kzoiq inmpTzkq XouTpöv 7rappiy£'8'£<; der Fälscher beweist wieder, daß die Nachricht des Lydus echt ist. Nach dem furchtbaren Strafgerichte im Jahre 196 hat der Kaiser die Stadt bald wieder hergestellt1. Auf die Gunst, die der Kaiser den Byzantinern erwies, weist hin 13, 1, 7 (Caracalla) Antiochensibus et Byzantiis interventu suo iura vetusta restituit2. Der Fälscher hat die richtige Chronologie, da er vorher eine Geschichte3 aus dem siebenten Jahre4 des Caracalla einschob, also aus dem Jahre 195. Diese beiden Nach¬ richten stammen aus jenem Teile der Vita Septimii .Severi, den der Fälscher beseitigte, um Stoff für seine Erfindungen in anderen Viten zu gewinnen5. Da der Fälscher den Valerianus im Jahre 258 in Byzanz auftreten läßt, so muß er einen Anhalt für seine Er¬ findung in der verlorenen Vita Valeriani besessen haben.
Zosimus berichtet 1, 36, 1 OuaX£ptavö<; Sk 7a>F6(jt,£vo<; toc xaTa tt)v Btü-uvtav6, GTpaT7]y<ov piv oüSsvl TTjv xocra Twv ßapßapwv ap,uvav 6tto a7ULGTLa<; E-FappEi xaTamaTEuaai, ®Y]Xixa Sk cpuXa^avTa to Bo^av- Tt,ov gtelXocc; auTÖ<; a7üö tt)<; ’AvTto^ELac; Ka7U7uaSoxia(; £^cop£t.
Eben dieser Satz stand auch in der Vita Valeriani, wo die Xpovtxoc
1 Kubitschek, Real. Enc. 3, 1140, der die Wiederherstellung mit Recht ins Jahr 197 setzt.
2 Das Prinzlein hat im Senate eine Rede gehalten, wie Nero aus einem gleichen Anlaß. Sueton. Nero 7. Vgl. Ephesus 2, 36.
3 S. 138.
4 Er ist geboren 188, Dio 78, 6, 5. Dagegen hat 10, 16, 3 (= 16, 6, 8) Bassianum Antoninum annum XIII agentem participem imperii dixerunt milites die Bedeutung, daß Severus den Antoninus im Jahre 201 zum Mit¬ regenten gleichen Rechtes erhob, Mommsen, Staatsr. 2, 1169. Die Sammt- herrschaft tritt ein, daher die beiden Augusti im Jahre 202 das Consulat bekleiden. Heidelb. Sitzb. 1918, 6, 16.
5 Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 11.
6 Hier griff Zosimus nach der Einschaltung aus den SxuOtxa wieder zur Xpovixa des Dexippus. Vgl. S. 30. Der darauf folgende Zug des Valerianus nach Cappadocien gehört ins Jahr 258. Die Gefährdung Bithyniens ist schon in diesem Jahre eingetreten, aber der große Zug gehört ins Jahr 261.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
35
des Dexippus, wie das Consulat1 zeigt, übersetzt war. Der Fälscher hat diese Stelle in der Weise mißbraucht, daß er den Valerianus selbst nach Byzanz gehen läßt.
Die Namen der Männer, welche in dieser Ratsversammlung genannt werden, bedürfen einer Nachprüfung.
Baebius Macer. Man denkt zunächst an 1, 1, 5 Baebius Macer praefectus urbi. Aber das wäre einer der seltenen Fälle, wo er einen Namen aus dem echten Teil der Viten einfach übernommen hätte. Also stammt er anderswo her. Servius ad ecl. 9, 47. ad Aen. 5, 556 Baebius Macer rerum scriptor de rebus Augusti. Dieser ist es; denn er hat ihn nochmals benützt, 18,3,3 rhetor Baebius Macrianus. Der echte Baebius schreibt über einen Kaiser, der andere unterrichtet einen Kaiser und hat überdies das Gognomen des Kaisers Macrianus, ist also besonders geeignet zum Prinzen¬ erzieher — Avulnius Saturninus. Das Gentile scheint nicht zu existieren2, also nach Cicero pro Cluentio 36 in Avillius zu ver¬ bessern. Folglich ist auch der Saturninus bei Cicero zu suchen und es ist der bekannteste aller Saturnini, der Volkstribun L. Appu- leius Saturninus , der Cat. 1, 4. 4, 4 Philipp. 8, 15 einfach L. Satur¬ ninus heißt. — Murrentius Mauritius nach 9, 3, 1 Iulianus — per Maurentium caterva imperatoria stipatus est , zu verbessern Mauren- tius; Mauritius 20, 7, 4 Mauritius decurio civitatis in Africa. Auch diese Person ist frei erfunden. Denn Herodian, der allein zugrunde liegt, kennt ihn nicht — Iulius Trypho. Das Kaiser- gentilicium ist frei gewählt. Trypho, Cicero ad Attic. 3, 8, 3 Tryphonem Caecilium non vidi , für das Versteckenspielen des Fälschers, der die verborgensten Namen auf spürt, unsichtbar genug. — Ulpius Grinitus. Alles was er von diesem Mann sonst berichtet, ist erfunden3. Die ganze Figur beruht nur auf Eutropius 8, 2 Ulpius Crinitus 4 Traianus. Die Büsten Traians zeigen, daß
1 S. 21.
2 Er könnte allerdings zu den Bildungen gehören, wie Ogulnius; W. Schulze, z. Gesch. lat. Eigennamen S. 150.
3 Auch der Vater Traians heißt nur M. Ulpius Traianus; Dessau, inscr. sei. 9245.
4 Außerdem Lydus de Mens. 4, 23 Kpmxov 8e ocut6v olovsl siu:cX6xa[jt.ov toi«; ‘Pop-odoi«; eSöxsi, xocXeiv Sta tJjv 7tepl toc<; XE9aX?j<; auxoö Tpi^oc«; o^ouStqv. Er schöpft aus derselben verdorbenen griechischen Chronik, der sogen. Historia Byzantina, die Eutrop in älterer Fassung in einer lateinischen Übersetzung las. S. 108. So sagt auch Plinius, panag. 4 nec sine quodam munere deum festinatis senectutis insignibus ad augendam maiestatem ornata caesaries.
36
A. von Domaszewski:
der Kaiser eine Perücke trug. Wie kommt er also zu dem Apollini¬ schen Beinamen? Es ist ein Spottname, mit welchem die Alexan¬ driner den Kahlkopf verhöhnten. Auf eine solche Ungebühr deutet Dio Chrysostomus 1, 421, 5 ed. Dind. xal tzogco xpeZrrov [U{jlsZg- &ou töv vuv ap^ovTa xouSeioc xal Xoyw xpocixovroc. Deutlicher konnte er nicht werden, ohne selbst zu beleidigen. Die Ptolemäer leben fort in der Geschichte unter ihren Schimpfnamen. Den römischen Kaisern erging es nicht besser. Vespasian nannten die Alexandriner gleich Ptolemaeus XIII KußiooaxTY]^ und beleg¬ ten ihn noch mit anderen Schimpfnamen, Dio 66, 8, 2. Der treff¬ liche Pius hieß ihnen xupuvoTipiaTT]^ Dio 70,3. Iulian, Gaesares S. 401, 3 H. Iulia Domna nannten sie Iocaste, Herodian 4, 9, 3 und verhöhnten in gleicher Weise Caracalla. Valerian heißt in der Epitome 32 Colobius. Der schlaffe1 Kaiser trug das bequeme Colo- bium2, statt des Paludamentum oder der Toga. Dem Fälscher blieb es Vorbehalten, nach seiner Theorie von der Vererbung geistiger Eigenschaften diesen Ulpius Crinitus zu einem Nachkommen des Kaisers zu machen3 — Maecius Brundisinus. Maecius nach einer Erfindung in der Vita Gordiani4; Brundisinus nach Pacuvius Brundisinus Sueton. Reliq. p. 36 — Fulvius Boius. Auf den Ge¬ danken, diese Namen zu verbinden, geriet er durch die Gro߬ eltern des Kaisers Pius 3, 1, 2 avus Titus Aurelius Fulvus 5 4 Avia materna Boionia Procilla. Aber eine solche Freiheit, aus einer Boionia einen Boius zu zeugen, hätte er sich nie genommen.
Um zu erkennen, woher dieser Boius stammt, muß man von der Verleihung der dona militaria an Probus ausgehen.
28, 5, 1 In contione donatus est hastis puris quattuor , coronis vallaribus duabus , corona civica una , vexillis puris quattuor , armillis
1 Vgl. u, S. 57.
2 God. Theod. 14, 10, 1 Sed chlamydis terrore deposito quieta coloborum ac paenularum induat vestimenta.
3 26, 10, 2f. 4 S. 82. 107.
5 Erst sein Enkel der Kaiser heißt Titus Aurelius Fulvus Boionius Arrius Antoninus, hat also das Gentile der Großmutter schon besessen, ehe er den Namen des Großvaters, Arrius Antoninus , dazu annahm. Er hat demnach seine Großmutter Boionia Procilla beerbt. Das beweist die Inschrift Dessau inscr. sei. 7383 dispensator Boioniae Procillae et Aureli Fulvi. Die bei¬ den hatten kein gemeinsames Vermögen. Sondern der dispensator hat zu¬ erst das Vermögen der Frau verwaltet, und als es nach ihrem Tode an den Enkel fiel, für den Enkel. Vita 1 , 9 multorum adfinium hereditate ditatus est. Vgl. Mommsen, Kl. Sehr. 4, 399.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
37
aureis duabus , torque aureo uno. Diese dona zerfallen deutlich in zwei Gruppen. Die erste bilden die dona eines Legionslegaten, die zweite die eines Principalis. Da er sie verbunden hat, so las er sie auf demselben Steine.
Legionslegaten erhalten die dona regelmäßig in der Dreizahl. Nur wenn das Amt vor der Praetur bekleidet wird, ist die Zahl geringer1, Dessau Inscr. sei. 987 [A. Larcio Lepido\ — [leg. i]mp. Vespasiani [C]aesaris Aug. leg. X Freten[s(is ), donato ] donis mili- [taribus\ — [b]ello Iudaico corona murali vallari aurea hastis puris [duab(us), v]exillis duob ., tr(ibuno) pleb(is). 1000 — [ab eisd(em) i]mperator(ibus) — Vespasianus und Titus — d. d. corona aur(ea) [mur(ali) classic]a , hast(is) pur(is) ///, praetori.
Wenn der Fälscher die hastae purae voranstellt, so hat ihn Vergil dazu bestimmt Aen. 6, 760 pura iuvenis qui nititur hasta. Das schien ihm das höchste. Die Zahl der hastae purae , sowie der vexilla hat der Fälscher, entsprechend2 26, 13, 3, willkürlich er¬ höht und zu den vexilla nach Analogie der Interpolation bicolora an derselben Stelle3 puris interpoliert. Dagegen die coronae vallares duae müssen richtig sein, weil die corona civica nicht zu den coronae im gewöhnlichen Sinne gehört. Man hat also die dona so herzustellen : coronae vallares duae , corona civica , hastae purae //, vexilla II.
Titus Aurelius Fulvus der Großvater des Kaisers Pius, war bei dem Feldzuge des Gorbulo, der im Jahre 62 begann4 Legatus legionis III Gallicae5 und blieb in dieser Stellung bis zum Jahre 69, wo ihm die ornamenta consularia von Otho verliehen wurden6. Demnach muß er damals bereits Praetorier gewesen sein. Dennoch gelangt er erst im Jahre 85 zum Gonsulat, allerdings in der ehren¬ vollsten Weise als consul Ordinarius neben dem Kaiser. Da man zur Praetur frühestens im 30. Jahre gelangte7, so wäre für den Fall, daß er die Praetur bereits vor dem Amte des Legionslegaten bekleidete, die Verzögerung des Gonsulats kaum zu begreifen, so viel auch kaiserliche Gunst auf die Besetzung des Consulates ein-
1 Rangordnung 184 und Rhein. Mus. 67, 151. In allen bekannten Fällen, 15 an der Zahl, sind diese Legaten spätestens unter Nero zu ihrem Amte gekommen. Daher kann Dessau inscr. sei. 1055 auch nicht später gesetzt werden. Eine Ausnahme bildet nur Hadrianus, Vita, 3, 6.
2 S. 33. 3 S. 42. 4 Tacit. ann. 15, 3.
5 Dessau, inscr. sei. 232 im Jahre 64 geschrieben.
6 Tacit. Hist. I, 79. 7 Mommsen, Staatsr. I, 573.
38
A. von Domaszewski:
wirkte. Viel wahrscheinlicher ist es, daß er zum Amte des Legions¬ legaten vor der Praetur berufen wurde und ihm der Rang des Praetors durch adlectio inter praetorios verliehen wurde. Denn bereits unter Tiberius im Jahre 16 stellte Gallus den Antrag, Tacit. ann. 2, 36 utque legionum legati , qui ante praeturam ea militia fungebantur , iam tum praetores destinarentur.
Bisher war das späteste bekannte Beispiel der Verleihung der corona civica aus der Zeit des Claudius1. Jedenfalls muß Vespasian diese Auszeichnung zu einem Vorrecht des Princeps, dessen Palast¬ tor diese corona seit Augustus schmückte2, gemacht haben. Übler konnte der plebeische Dünkel der Flavier sich nicht offenbaren3. Erst Septimius Severus verleiht sie wieder an einen Centurio4. Er, der den civis Romanus beseitigt hatte, legte keinen Wert auf die corona ob cives servatos. Demnach muß die Inschrift des Fäl¬ schers, die die corona civica nennt, einem Manne gelten, der noch unter Nero zu dem Amte des Legionslegaten gelangte.
Über die Verleihung der corona civica an Probus erzählt der Fälscher noch folgendes:
28, 5, 2 Quo quidem tempore V alerium Flaccinum , adulescentem nobilem , parentem Valeriani , e Quadorum liberavit manu, unde illi Valerianus coronam civicam detulit — quo quidem tempore legionem tertiam eidem addidit. Eines der bekanntesten Beispiele römischer Tapferkeit ist Valerius Flaccus tribunus tertiae legionis , Livius 25, 14, 6 (Valer. Max. 3, 2, 20). Das muß das Vorbild sein, so daß der Fälscher den Namen Flaccinus selbst für Flaccus eingesetzt hat. Gerade diese Geschichte zu verwerten hat ihn eben die Inschrift bestimmt, in der Titus Aurelius Fulvus als Legatus legionis III Gallicae die dona militaria erhielt. Dann stammt aber auch das Quadorum aus der Inschrift und kann sich nur auf den Germanenkrieg des Domitian beziehen5. Titus Aurelius Fulvus, Consul des Jahres 85 muß in diesem Kriege Legatus Augusti pro praetore einer Provinz gewesen sein. Der Fälscher hat aber auch die Worte statuam inter triumphales auf einer Inschrift gelesen. Es wird dies ebenfalls auf dem Denkmal des Titus Aurelius Fulvus gestanden haben6.
1 Rangordnung S. 69.
2 Res gestae p. 144.
3 Heidelb. Sitzb. 1918, 6, 7.
4 Dessau, inscr. sei. 9194. Rangordnung 118.
5 Heidelb. Sitzb. 1918,6,9. 6 Vgl. S. 41.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
39
An die dona des Legionslegaten hat der Fälscher die dona eines Offiziers angeschlossen.
28, 5, 1 Armillis aureis duabus , torque aureo uno. Solche dona werden erwähnt, Dessau Inscr. sei. 2272 donatus torquibus et armillis ab Tib. Caesare bis , legione XX (6—9 n. dir.) 2313 emeritus leg. III Gallicae torquibus et armillis aureis (Hadrian). 9194 bello Par(thico) a divo Vero item bello Germanico a divo M(arco) torq(uibus) et arm(illis). 9492 C. Titurnius Quartio eques legionis III Gallicae , cui imp. Aug. bello Phartico (sic) Seleucia Babylonia torquem et armillas donaverunt. Das ist die berühmte Erstürmung von Seleucia im Partherkriege des Verus1. Die dona hatte, wie auch in der dritten Inschrift nur Verus verliehen2. Nach strengem Rechte geht die Verleihung von beiden Augusti aus3.
Wie der Offizier nach dem General auf derselben Inschrift genannt sein konnte, erklärt sich aus einer Sitte des Heeres. Centuriones und Principales errichteten Statthaltern, zu denen sie während ihrer Dienstzeit in ein nahes Verhältnis getreten waren, aus Dankbarkeit Statuen. So centuriones4, principales5, aquilifer6, frumentarius7, decuriones alares8, duplicarius9.
1 Vita Veri 8, 3f. Unter Septimius Severus wurde Ktesiphon erstürmt, nicht Seleucia, Vita Severi 16, 1. Dio 75, 9, 3 Ta/swi; t yjv ts SsXsüxsiav xal t/)v BaßuX&va sxXscpü-slaai; sXaßs. xal [xsra touto xal tyjv KTiqaicpcüVTa sXwv exsIvtjv ts 7raaav Siap7raaai rot? oTpaTU&rai? £<p7)X£.
2 Heidelb. Sitzb. 1918, 6, 15.
3 Das liegt im Wesen der Sammtherrschaft, nach der die duo Augusti immer zusammen handeln. Das Vorbild für diese Collegialität ist die Col- legialität der Praefecti praetorio Rangordnung S. 74 f.
4 Rangordnung 97. Dessau inscr. sei. 1140 hastatus leg. X geminae strator eius, optimo praesidi. 1141 ob merita. 1179 praesidi optimo. 1400 ob merita. 1076 töv ’18i ov <plXov xal suspysTYjv. Inscr. Graec. XII 1071 (Romae) TIt(ov) Al'Xiov Natß(iov) ’Avtwviov SEßrjpov, töv Xap-Trporarov mraTixov, tov £U£py£T7)v ’IooXioi ’louXtavoc; 9p(oopL£VTapto?) xal OuaXEVTEivo? (ExaTovTap/o«;) Xsy. xavStSavot aurou, tov ev ^acn aX7)0-Y). Vgl. Rangordnung S. 33. 34.
5 Rangordnung S. 5. 63 — 66. C. II 4122. III 6754. Praesidi sanc- tissimo honoris causa. VIII 1074. 1093. 1325. 1389. 2648. 4997 ob merita.
6 Dessau, inscr. sei. 9359.
7 Vgl. Anm. 4.
8 Rangordnung S. 35. 53. Dessau, inscr. sei. 1357 a dec. alae Thrac. ex stratore eius praesidi iustissimo. 1358 dec. strator eius praesidi optimo. 1362 decuriones alares provinciae Mauretaniae Caesariensis. 1364 decuriones € xercitus Raetici praesidi optimo et sanctissimo.
9 Rhein. Mus. 67, 151.
40
A. von Domaszewski:
Demnach war der in der Inschrift durch die dona ausgezeich¬ nete Offizier entweder ein centuHo oder ein decurio alae. Denn auch dieser konnte genannt sein, wenn er das Bürgerrecht besaß1 und damit die Fähigkeit erwarb, die dona zu empfangen2. Eine Statuenbasis dieser Art vereinigte den Geehrten und den Ehrenden.
Den Namen dieses Offiziers zu finden, gelingt auf Grund eines gefälschten Namens.
18,35,6 Ein Freund Alexanders heißt Verconius Turinus r dann kommt eine Geschichte, wie der Mann mit der Gunst des Kaisers Schwindel getrieben hat, 36, 2 Turinus — cum ab illor qui meruerat , fumis venditis ingentia praemia percipisset. Diese Phrase fumum vendere steht nur an Stellen, die vom Fälscher geschrieben sind3. Natürlich nach Martialis 4, 5, 7 vendere nec vanos circum palatia fumos. Der Turinus findet endlich seine Strafe 67, 2 occiso Turino. Seinen Namen aber führt er mit Recht. Denn der Fälscher hat sich erlaubt, ihn vom tus , turis zu bilden. Aber das eigentümliche Gentile verwendet er nochmals, 26, 44, 2 V erconnius Herennianus praefectus praetorii Diocletiani teste Asclepiodoto saepe dicebat 4. Herennianus hat er oft verwendet, ob aus einer echten Stelle entlehnt, bleibt fraglich5, Asclepiodotus aber konnte das gut bezeugen, denn er ist der Gardepräfekt des Diocletianus, der so dem V erconnius Herennianus zu seinem Amte ver hilft.
Der Name Verconius findet sich auf zwei Inschriften6. In Mutina, der Stadt der italischen Boier G. I. L. XI 884 Verconio Agathoni, dann in Arelate G. I. L. XII 907 Verconnia Glyce. In beiden Fällen beweist das griechische Gognomen die Herkunft aus dem Sklavenstand. Demnach dienten sie gallischen Eigentümern. Arelate ist, wie schon der Name zeigt, ursprünglich ein Dorf der
1 Rangordnung S. 53.
2 Rangordnung S. 68.
3 3, 11, 1 Quia et ipsi numquam de eo cum libertis per fumum aliquid vendiderunt ist interpoliert. Das elende Gestotter allein würde es schon be¬ weisen.
4 Der Satz läßt sich eigentlich nicht konstruieren. Peter, Die Scrip- tores S. 6. Aber es hat keinen Sinn, sich über den Sinn dieses Unsinns den Kopf zu zerbrechen.
5 S. 133.
6 Vgl. auch W. Schulze, Zur Gesch. lat. Eigennamen S. 100. Sonder¬ bar ist es, daß der Fälscher wie die Inschriften bald Verconius, bald Vercon- nius geschrieben haben soll. Letzteres scheint das richtige.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
41
Volci Arecomici, die zu beiden Seiten der Rhonemündung wohn¬ ten1. Der Vorort der Arecomici ist Nemausus2. Arelate war schon früh ein Handelsplatz des Massalioten. Strabo 4, 1, 6 xa spwuopia . — t6 S5 ’ApsAaxs Tf]c, MaacraXta^ nicht in der Zeit des Strabo, da war es Colonie3. Da Verconius ein Name der Arecomicer ist und Titus Aurelius Fulvus aus Nemausus stammt4, so ist die Bil¬ dung des Namens Fulvius Boius klar. Boius war das Gognomen des Verconius. Aus beiden Namen, die der Fälscher auf der In¬ schrift las, ist das Fulvius Boius entstanden. Verconius Boius ist der Offizier, der die Statue des Titus Aurelius Fulvus in Nemausus errichtet hat. Und zwar stand sie, ebenfalls der Sitte gemäß, ursprünglich im Palaste der Aurelier zu Nemausus. So besitzen wir in Rom zwei Inschriften aus dem Palaste des Fabius Cilo5, die eine gesetzt, Dessau Inscr. sei. 1141 von Tib. CL Ambrelianus Centurio leg. V Macedonicae ob merita. Die andere 1142 von den M ediolanenses patrono. Auch die Inschrift Inscr. graec. XII 1071 von einem Frumentarius und einem Centurio gesetzt, stammt aus einem römischen Palaste6. Später aber wurde die Statue des Titus Aurelius Fulvus auf einen öffentlichen Platz übertragen. Das zeigen andere Reste von Inschriften, die der Fälscher verwertet hat.
24, 21, 5 Post quem ceteri consulti statuam inter triumphales et currus quadriiugos Pisoni decreverunt. Sed statua eius videtur , quadrigae autem quae decretae fuerant , quasi transferendae alibi positae sunt nee adhuc redditae. Nam in his locis fuerunt , in quibus thermae Diocletianae sunt exaedificatae , tarn aeterni nominis quam sacrati.
Statua inter triumphales ist technische Rede, auf die der Fäl¬ scher von selbst nie verfallen wäre. Bei der Verleihung der orna- menta triumphalia ist im ersten Jahrhundert die Errichtung einer solchen Statue stets erfolgt und zwar über Antrag des Princeps auf Senatsbeschluß7. Auch das hat der Fälscher auf der Inschrift gelesen, wie das ceteri consulti decreverunt zeigt. Und diese Statue
1 C. I. L. XII p. 346.
2 C. I. L. XII p. 83.
3 Sueton. Tib. 4, auf Befehl Caesars gegründet, um Massilia Abbruch zu tun.
4 3, 1, 1.
5 Hülsen, Topogr. 1, 3, 188.
6 S. 39 Anm. 4.
7 Mommsen, Staatsr. I, 450, 466.
42
A. von Domaszewski:
hat er gesehen. Statua eius oidetur. Wie aus dem Gegensatz zu den Quadrigae hervorgeht las er auch das transferre auf diese Statue bezogen, also die Übertragung an einem andern Ort war vermerkt.
Deutlicher wird dieser Vorgang durch eine noch erhaltene Statuenbasis aus Nemausus selbst.
C. I.L.XII 3169 .... hello Dacico donatus donis militaribus coronis IIII] hastis puris IIII o[exillis IIII cos. legato ] Imp. Caes. Nero. Trai[ani Aug. Germanici\ Dacici Parthici p. p. [ proo .
. legato ] dioi Neroae et Imp. Nero. Traiani optimi Aug.
Germ[anici leg(ionis) . . . .] pr. trib. pleb. q. pr[o pr. proo . trib.
mil.] leg. I Italicae IIII oir [ oiar . cur. statua]1 in publicum [trans- lata] a Pompeia Marullina locus d[at(us) dec(urionum) dec(reto)] Aoonnenses [patrono]. Auch diese Statue stand ursprünglich im Palaste der Pompei zu Nemausus. Eine Angehörige dieser Familie hatte für die Versetzung Sorge getragen.
Die andere Reihe der dona ist die eines Gonsulars:
26, 13, 3 Coronas murales quattuor , coronas oallares quinque , coronas naoales duas , coronas cioicas duas , hastas puras decem , oexilla bicolora quattuor.
Von allen seinen Interpolationen ist die bösartigste das bicolora2. Zu dieser unerhörten Farbe der oexilla bestimmte ihn Sueton. Aug. 25 M. Agrippam — caeruleo oexillo donaoit. Er fand das caeruleus , das auch eine Mischfarbe bezeichnet, in seinem Vergilkommentar zu Stellen wie Aen. 2, 381 als bicolor erklärt und benützte es für seinen Einfall. Die dona selbst richtig herzu¬ stellen gestattet eine Inschrift.
Dessau Inscr. sei. 1041, vgl. annee epigr. 1913, 229 L. Catilio Seoero 3 — donis militaribus a dioo Traiano corona mur[ali\ , naoali , oallari , h[astis puris IIII , oexill]is IIII. In allen anderen Fällen
1 Im Corpus [ inlatis ] in publicum...., aber was soll hier das Geld?
2 Richtig bicolor. Nur wegen der hastae purae wird das bicolor zu bi- colorus.
3 Catilius Severus ist nach 4, 1, 4 proavus maternus des Kaisers Marcus. Danach hat der Fälscher 4, 1, 9 interpoliert Marcus Antoninus principio aevi sui nomen habuit Catili Severi materni proavi. Denn principio aevi und nomen habere (alle Stellen rühren vom Fälscher her) ist das Latein des Fäl¬ schers. Ebenso beweist die Fälschung der Name Marcus Antoninus , durch seine Form und die Stelle, an der er steht. Die echte Überlieferung berichtet die Änderung des Namens 5, 4 im richtigen Zusammenhang. Der Kaiser
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
43
sind die dona militaria an Consulare in der Vierzahl1 verliehen worden. Der Fälscher gibt aber ebenfalls nur die drei coronae der Inschrift. Denn die corona civica ist aus der Verleihung an den Legionslegaten2 interpoliert. Ein kommandierender General kann gar nicht in die Lage kommen, die corona civica zu gewinnen. Sie setzt den Einzelkampf voraus im Schlacht getümmel. Überdies wurde die corona civica unter Traian nicht mehr verliehen3. Ebenso sind alle Zahlen für die einzelnen dona willkürlich geändert. Der Text hat gelautet: Corona muralis , corona vallaris , corona navalis , hastae purae ////, vexilla ////.
Ein dritter Mann, gleichfalls namenlos, muß diese Art von dona durch Traian im Part her kriege gleichfalls erhalten haben.
C. I. L. III 14397a Dacico bello adlect]o inter c[omites 4 ab imp. Caes .] Nerva Traiano [ Aug . Germ. Dac. Parth., ab e]od. imp. Parthi[co bello adlecto inter comites ] donis militaribus don[ato leg. pro pr. imp. Caes. Nervae Tr]aiani Aug. Germ. Da[c. Parth. prov. . . .] item leg. pro pr. eiu[sd. imp. prov.] Suriae. Dieser Mann ist der Vorgänger Hadrians in der Verwaltung Syriens gewesen, der diese Stellung beim Tode Traians im Jahre 117 inne hatte5. Die Ver¬ leihung dieser Orden an den Unbekannten, der vor der Provinz Syrien noch eine andere Provinz verwaltet hat, kann spätestens im Frühsommer 115 erfolgt sein. Andererseits nicht wesentlich früher, denn die Ordensverleihungen an die Comites des Kaisers lassen sich nicht trennen von der Verleihung des Siegernamens Parthicus durch den Senat6 an den Kaiser, die spätestens im Früh¬ sommer 115 erfolgte. Angenommen hat der Kaiser den Titel nicht
Marcus hat allerdings auch nach Dio 69, 21, 1 den Namen Catilius geführt. Aber diese Fassung rührt vom Fälscher her. — • Diese Inschrift gestattet auch das von Boissevain Hermes 25, 338 behandelte Fragment des Dio 68, 20 (III p. 210 Boiss.) mit Sicherheit zu deuten.
1 Rangordnung S. 184.
2 S. 37.
3 S. 38.
4 Die Ergänzung des Corpus, consulares ist unmöglich. Denn eine solche adlectio inter consulares war bis auf Macrinus unerhört, Mommsen, Staatsr. 2, 942.
6 1, 4, 6.
6 Der Senat verleiht die Ehrennamen. Für den Namen pater patriae , Mommsen, Staatsr. 2, 779. Für den Siegernamen Parthicus , Vita Severi 9, 10. 11.
A. von Domaszewski:
vor dem Ende des Jahres 1151. Demnach hat der Unbekannte die erste Statthalterschaft im Mitsommer 115 angetreten und ebenso die Statthalterschaft von Syrien im Mitsommer 116, d. h. es ist derselbe Termin, der für die senatorischen Statthalterschaften fest- steht, der erste Juli jedes Jahres2. Hadrian, sein Nachfolger in der Statthalterschaft Syriens, erhielt von Traian das Amt erst, als dieser zur Rückkehr nach Italien entschlossen war und den Parther krieg für beendet ansah. So mochte der Neffe sein Talent als Verwalter betätigen; denn für einen Feldherrn hat ihn Traian mit Recht nie gehalten3.
Die Ordensauszeichnung an den Consular4 kann der Fälscher nicht auf die Inschrift des Titus Aurelius Fulvus gelesen haben. Denn sein Enkel, der Kaiser Pius, ist im Jahre 86 geboren, er selbst also um das Jahr 355. Demnach kann er im Jahre 115 kein Kom¬ mando mehr ausgeübt haben. Wohl aber könnte der Fälscher dies auf der Inschrift jenes Pompeius gelesen haben, die noch in verstümmelter Gestalt erhalten ist6. Die Laufbahn des Unbekann¬ ten7 und die des Pompeius stimmen in ihrem Anfang überein. Der
Unbekannte war: . trib. mil . quaestor pro pr.prov .
praetor . leg. leg. III Gallicae . leg. pro pr. prov ., so daß
vielleicht beide Inschriften demselben Manne gelten.
Die Inschriften, die der Fälscher las, sind:
1. die Statuenbasis des Legionslegaten,
2. die Statuenbasis eines Gonsulars, der die ornamenta trium- phalia erhalten hatte. Diese beiden sind wahrscheinlich identisch8.
3. Die Statuenbasis des Gonsulars. Die zweite war auf einen öffentlichen Platz übertragen, genau so wie die noch erhaltene Basis des Pompeius. Man darf daher mit Sicherheit annehmen, daß auch die Basis des Gonsulars auf demselben öffentlichen Platze stand. Wie wäre sie denn auch sonst noch am Ende des 6. Jahr¬ hunderts erhalten gewesen ?
Weiter führen andere Spuren, die auf eine Benützung von Inschriften durch den Fälscher hinweisen.
1 Dessau, inscr. sei. 297.
2 Mommsen, Staatsr. 2, 256.
3 Heidelb. Sitzb. 1918, 6, 14.
4 S. 42.
5 Wie dies auch seine Laufbahn erfordert. S. 37.
6 S. 42.
7 S. 43.
3 S. 41.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
45
15, 6, 8 Antonino autem divinos honores et miles decrevit et nos decernimus et vos, p. c., ut decernatis cum possimus , imparatorio iure praecipere, tarnen rogamus 1 dicantes ei duas statuas equestres , pedestres duas habitu militari , sedentes civili habitu duas , item divo Severo duas triumphales. Die Sprache der Inschriften schimmert durch. Man vergleiche nur Dessau Inscr. sei. 1112 [huic senatus ] auctoribus imp[eratoribus Antonio et] Commodo Augg. G[ermanicis Sarmati]cis statuas duas u[nam habitu milita\ri in foro divi Tra[iani , alteram hab]itu civili in pron[ao aedis divi PU]. Eine ebenso lautende Inschrift hatte der Fälscher vor Augen und verschmolz damit eine zweite, deren Wortlaut aus einer anderen Stadt erhalten ist.
Dessau Inscr. sei. 140 (Das Genotaphium Pisanum), 34 utique [ arc]us celeberrimo coloniae nostraeloco constituatur ornatu[s sp]oleis devictarum aut in fidem receptarum ab eo gentium , super eu\m st] atua pedestris ipsius triumphali ornatu circaque eam duae eq[u- est]res inauratae Gai et Luci Caesarum statuae ponantur.
In Nemausus steht noch der Tempel der Kaisersöhne2 3. Der Platz vor dem Tempel zeigte einst denselben Schmuck wie der in Pisa. Es ist deutlich, warum Caracalla die Statuae equestres erhält, Severus die Statuae triumphales , wie Augustus und seine Söhne.
Diese Inschriften sind dann weiter verwendet.
18, 28, 6 Statuas colossas vel pedestres nudas vel equestres divis imperatoribus in foro divi Nerval.
19, 26, 5 Principibus — statuas cum elephantis decernimus , currus triumphales decernimus , statuas equestres decernimus , trophaea decernimus. Die Elephanten stammen aus der von ihm beseitigten4 echten Stelle über Aurelians Triumph, Zonaras 3, 153, 9 eD-puxp.- ßsucsv kni oyriiJLOL'voc, e>.£9avT o>v Teacrapwv. Jedoch besaß er auch ein Bildwerk, das einen Kaiser auf einer Elephantenquadriga darstellte. Sonst wäre er nicht auf Statuen verfallen. Der currus triumphalis aus 1,6,3.
1 Das beruht auf Dio 78, 19, 4. Er las es in der echten Überlieferung ins Lateinische übersetzt. Vgl. S. 78. 139.
2 G. I. L. XII 3156.
3 Heidelb. Sitzb. 1916, 7, 12, 13.
4 S. 159. Vgl. auch 17,23,1. 18,57,4. 20,27,9.
21, 12, 4 Senatus consulto , in quo ei statuae auratae equestres decernebantur.
Die Verschmelzung der beiden Inschriften1 in 15, 6, 8 zeigt, daß auch die Statue des Feldherrn aus der Zeit des Markomannen¬ krieges vor dem Tempel der Kaisersöhne stand.
Dagegen die Statua inter triumphales , auf welcher die Ver¬ setzung auf einen öffentlichen Platz vermerkt war2, stand nach 24, 21, 5 an demselben Orte, wo die Quadrigae sich befunden hatten, d. h. nicht vor den Thermae Diocletianae , sondern vor den Thermae zu Nemausus. Die Kaiserstatue war mit den Quadrigae längst eingeschmolzen, nur die Inschrift las er noch. Wer dieser Kaiser war, ist aus der Benützung einer anderen Inschrift kenntlich.
13, 9, 6 Reliquit et porticum patris nomine , quae gesta illius contineret et triumphos et bella = 10, 21, 12 extant sane Romae Severi porticus gesta eius exprimens a filio , quantum plurimi docent , structa. Der Fälscher selbst berichtet 1, 19, 9 cum opera ubique Infinita fecisset , numquam ipse nisi in Traiani patris templo nomen suum scripsit. Das zeigt, daß es sich um eine porticus handelt, die Hadrian zu Ehren seines Vaters Traian in Nemausus errichtet hatte. Sie war eine Nachbildung der Halle am Traiansforum. Man versteht erst dann auch3 28, 2, 1 usus etiam ex regestis scribarum porticus Porphyreticae. Diese geheimnisvollen Schreiber sind die scribae, die zur Zeit des Fälschers in der Halle zu Nemausus ihr Geschäft trieben und dem des Schreibens unkundigen Publikum dienten. Auf dem Forum zu Nemausus stand, wie auf dem Forum Traianum in Rom ein Ehrenbogen mit jener Quadriga, Dio 68, 29, 3 xal oi (xev ai|ASa ocuto) Tpo7caio<p6pov 7upö<; izoXkolc, üXkoiq sv ocuTY) ty) ayopa auTOu 7uap£(jx£oa£ov. Auf der Goldmünze Cohen N. 167 ist der Bogen dargestellt, der Kaiser auf einer Quadriga bekränzt von Victoria. Die Reliefs der Porticus sind wieder eine Nachbildung jenes Frieses, dessen Reste in Rom, so im Constantinbogen verwendet, erhalten sind4. Sie zogen sich also über der Säulenstellung hin und waren, wie der Fälscher sagt, eine Darstellung von Traians Taten, Triumphen und Kriegen. Da die Quadrigae sich vor den Thermen befanden, so ist es der Platz vor den Thermen in Nemausus, den Hadrian so ausschmückte. Die Thermae hatte Traian erbaut, tarn aeterni nominis quam sacrati.
1 Auch benützt 18,57,4. 20,27,9.
2 S. 42. 3 S. Heidelb. Sitzb. 1916, 7, 9.
4 Brunn u. Bruckmann, 580.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
47
Auf diesem Forum sah der Fälscher jene Statuen, die auf einen öffentlichen Platz übertragen worden waren1; die Statue des Titus Aurelius Fulvus und die Statue des Pompeius. Für die Übertragung der Statuen wird ein gemeinsamer Grund bestanden haben. Beide Geehrte sind Verwandte des Kaiserhauses gewesen, denn auch Pompeius wird diesem Kreise angehört haben, da die Kaiserin Pompeia Plotina aus Nemausus stammte. Dies ist der Grund, warum der Kaiser Hadrian die Frau in Nemausus durch einen Bau geehrt hat, der ihrer Erinnerung galt. 1, 12, 2 per idem tempus in honorem Plotinae basilicam apud Nemausum opere mirabili extruxit2.
Die dona consularia hat der Fälscher auf jener Statuenbasis des Gonsulars gelesen, denn darin lag eben der Grund, warum er Aurelianus in den Thermen von Byzanz auf diese Weise ehren läßt3, weil er vor den Thermen von Nemausus jene Statuenbasis sah, welche diese Ehrung nannte.
Auch die Pompeia Marullina ist demnach dem Kaiserhause verwandt gewesen. Das Cognomen Marullinus ist aber nur für den Urgroßvater Hadrians4 in Senat orischen Kreisen bekannt, so daß jene Pompeia mit der Familie Hadrians gleichfalls verwandt gewesen sein kann. Bestanden aber zwischen Hadrian und Plotina Familienbeziehungen, so erklärt- sich ihr Eintreten für ihn besser als epomxyjs <pt,}da<;5.
Die Erhebung des Antoninus Pius zum Kaiser wird für den Gemeinderat von Nemausus die Veranlassung gewesen sein, die Übertragung der Statuen auf den öffentlichen Platz von Nemausus zu verfügen, der den großen Erinnerungen des Kaiserhauses galt.
Die Verwendung der Kaiserbauten in Nemausus für Erfin¬ dungen in Byzanz und Rom wirft Licht auf die eigentümlichen Fälschungen in der Topographie Rom»6. Die topographische Quelle ist vielfach durch Zusätze erweitert, die an sich das Gepräge der Wirklichkeit tragen. Diese Bauten sind auch wirklich, aber in Nemausus.
1 S. 42.
2 Weber, Hadrian 1 1 2 f. geht in die Irre mit seinen Vermutungen.
3 S. 33.
4 1,1,2.
5 Dio 69, 1, 2.
8 Heidelb. Sitzb. 1916,7,5 — 10; ich erörtere hier alle Stellen, welche einer Ergänzung bedürfen.
'.8
A. von Domaszewski:
26, 45, 2 Thermae hiemales an sich ein echter Ausdruck1. Angewendet wird er in Inschriften nur auf Privatbäder. Ein Privatbad in Nemausus ist aber verwendet 17, 8, 7 lavacrum Plautini populo exhibuit , denn ein Bad dieses Namens ist in Rom nicht bekannt2. Das Bad in Nemausus wäre also in den Besitz der Stadt übergegangen ; darauf weist wieder das exhibuit . Hier¬ für ist auch noch benützt Aurelius Victor 28, 1 extructoque trans Tiber im lacu , quod eam partem aquae penuria fatigabat.
20, 32, 7 Hier diente als Vorbild 7, 17, 5 Opera eius praeter lavacrum , quod Oleander nomine eius fecerat , nulla extant.
10, 24, 3 Cum Septizodium faceret, nihil aliud cogitavit , quam ut ex Africa venienlibus suum opus occurreret. Nisi absente eo per praefectum urbis medium simulacrum eius esset locatum ....
14, 7, 2 Inlatusque est maiorum sepulcro 3 — specie Septizodii extructum. Daß Septizodium ein wirklicher Bau ist, zeigt Dessau Inscr. sei. 5076 etiam operis septizodi nudae liberalitatis extructione. Also gab es in Nemausus ein Septizodium, und von dem wird es wahr sein, daß es im Süden der Stadt lag und in seiner Mitte eine Bildsäule stand.
24, 32, 5 Iiuius uxor Calpurnia fuit , sancta et venerabilis femina de genere Caesoninorum , id est Pisonum , quam maiores nostri univiriam sacerdotem inter sacratissimas feminas adorarunt , cuius statuam in templo Veneris adhuc vidimus acrolitham sed auratam. Ihren Namen verdankt die Frau der Rede in Pisonem 14. 43. Aber die Beschreibung der Statue ist technisches Latein. Denn acrolithus findet sich nur bei Vitruvius, ebenso ist aurata technisch. Danach scheint es, daß in dem Bau die Statuenbase eines Venusbildes erhalten war, das eine Priesterin geweiht hatte. Dies paßt zur Bedeutung von Septizodium als Planetenhaus. Auch die Angabe, daß die Architekturformen dieses Tempels in einer Grabfassade nachgebildet waren, verdient allen Glauben. Es hätte dies eine genaue Anlalogie an den Grabbauten in Petra4.
1 Dessau, inscr. sei. III p. 903.
2 Plautiani zu verbessern, um in diese Erfindung eine historische Begrün¬ dung hineinzutragen, ist man durchaus nicht berechtigt. Warum sollte es nicht gleich Plotinus sein ? Wie Plautius und Plotius.
3 In der echten Überlieferung stand die Beisetzung im Mausoleum des Hadrian. Dio hatte das berichtet wie für Caracalla 78, 24, 3. Die Verbren¬ nung der Leiche Getas hat der Fälscher allein erhalten 13, 2, 4. Auch dies nach Dio. Vgl. S. 66.
4 Brünnow, Provincia Arabia 1, 186.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
49
13, 9, 4 Cella solearis. Das ist eine bewußte Entstellung von Cella soliaris , eine Bezeichnung, die sich für Baderäume findet. Arch. Anzeiger 26, 1911, 218. Also war sie auch in den Thermen von Nemausus im Gebrauch.
18, 25, 5 Die Regelung des Gebrauchs der solia durch Traian wird begreiflich, wenn das auch sicher entstellt ist, da Traian die Thermen in Nemausus gebaut hat.
24, 25, 4 Die Lage der domus Tetricorum in Rom ist merk¬ würdig, weil sie nicht nur auf den Mons Caelius , sondern auch inter duos lucos , d. h. auf dem Capitol lag. Livius 1, 8 inter duos lucos asylum. Aber in Nemausus wird man eine domus Tetricorum gezeigt haben.
Weitaus am wichtigsten sind die Stellen, welche die biblioiheca Ulpia nennen; denn das ist nicht die Bibliothek in der Stadt Rom. Diese nennen Gellius 11, 17, 1 und der Grammatiker C. 1. L. VI 9446, die doch beide in ihr gearbeitet haben, bibliotheca Traiani. Auch aus Sidonius Apollinaris kann der Fälscher den Namen nicht entnommen haben. Epp. 9, 16, 25 Cum meis poni statuam perennem Nerva Traianus titulis videret , inter auctores utriusque jixam bibliothecae. Carm. 8, 8 Ulpia quod rutilat porticus aere meo , beides nach einem unbekannten Vorbild. Denn die porticus Ulpia bezeichnet eine Säulenhalle im Hofe der Bibliothek. Da standen die Statuen, nicht im Bibliotheksaal1. Die Bibliotheca Ulpia des Fälschers befand sich vielmehr in Nemausus.
28, 2, 1 Usus sum — praecipue libris ex bibliotheca Ulpia, aetate mea thermis Diocletianis. Demnach befand sich die Biblio¬ thek zu seiner Zeit in den Thermae Traianae zu Nemausus.
26, 1, 7 curabo, ut tibi ex Ulpia bibliotheca et libri lintei pro- ferantur2 10 libros linteos requiras, quos Ulpia tibi bibliotheca , cum volueris, ministrabit. Hier sieht man, was der Fälscher seinem Berufe nach war, Curator bibliothecae Ulpiae, der den Besuchern die Bücher herausgeben läßt.
26, 24, 7 Haec ego — in Ulpiae bibliothecae libris relegi. Das seltene Buch werden wir später kennen lernen3.
1 Dort war nur Platz für einen Clipeus, Mommsen, Res Gestae 153.
2 S. 13.
3 S. 154. 159.
Sitzungsberichte der Heidclb. Akad., philos.-hist. Kl. 1918. 13. Abh.
4
50
A. von Domaszewski:
30,11,3 Ut illi statua non quasi Caesari , sed quasi rhetori decerneretur , ponenda in bibliotheca Ulpia. Nach den beiden Stellen des Sidonius Apollinaris1. Am merkwürdigsten ist:
27, 8, 1 Habet in bibliotheca Ulpia in armario sexto librum elephantinum , in quo hoc senatus consultum perscriptum est , cui Tacitus ipse manu sua subscripsit. Das ist der Senatsbeschluß der Wahl des Tacitus zum Kaiser. Das Datum dieses Senatsbeschlusses entnahm der Fälscher eben jener Übersetzung der griechischen Quellen, die er überarbeitete2. Dann kann es aber kaum zweifel¬ haft sein, daß in eben diesem 6. Schrank die Kaisergeschichte auf¬ bewahrt wurde. Aber wie geriet er auf das Elfenbein als Material der angeblichen Urkunde ? Oben ließ sich zeigen, daß er ein Bild¬ werk besessen haben muß, das einen Kaiser mit einer Elephanten- quadriga fahrend darstellte3. Deshalb wird sich in der Bibliothek eben ein Exemplar des Diptychons mit der Gonsecratio des Con- stantius Chlorus4 befunden haben, vielleicht als Buchdeckel der Historiae verwendet. Wenn aber die Bibliotheca Ulpia in Nemausus den Namen des Kaisers trug, so war sie auch eine kaiserliche Stiftung gleich der Bibliothek in Rom. Über den Umfang dieser Bibliothek belehrt eine Stelle, die erst zu deuten ist.
Es handelt sich um die Doppelgestalt des Serenus Sammonicus. Wir wissen aus Macrobius, und daher wußte es auch der Fälscher, 3, 16, 6 T emporibus Severi principis , qui ostentabat duritiam morum 5, cum ad principem suum scriberet — haec Sammonicus qui turpitudi- ncm convivii principis laudando notat6. In der Vita Caracalli lesen wir nach der Ermordung Getas 4,4 et in balneis facta caedes , occisi- que nonnulli etiam cenantes , also eine Mordnacht wie sie auch das zweite Triumvirat eröffnete7. Bis dahin ist es eine Übersetzung des Gassius Dio8. Dann aber folgt mit Benützung des Macrobius intcr quos etiam Sammonicus Serenus , cuius libri plurimum ad
1 S. 49 und S. 19, wo er in demselben Zusammenhang als Aurelius Apollinaris auftritt.
2 Heidelb Sitzb. 1917, 1, 27 und unten S. 105.
3 S. 45.
4 Graeven, Röm. Mitt. 28, 271 und Tafel VII.
5 Abh. z. Röm. Religion 211.
6 Dieser Freimut seines Zunftgenossen hat dem Fälscher sehr impo¬ niert. Daher verwendet er die Stelle für Annius Cornicula. Vgl. S. 120, Horaz.
7 Appian b. c. 4, 6.
8 S. 68.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
51
doctrinam extant 1. Der Mann, der die Hoftafel seines princeps laudando notat , wurde ganz passend, so dachte der Fälscher, vom Sohne beim Mahle ermordet. Aber über das Ende des Sammonicus lernen wir aus dieser Stelle nichts, sie ist eine Interpolation. Dem¬ nach ist es eine Pointe mehr, wenn der Fälscher in der vita Getae sagt 5, 6 Sereni Sammonici libros familiär iss imos habuit , quos ille ad Antoninum scripsit. Nicht dem Septimius Severus, sondern dem Caraealla, der ihn ermorden ließ, hat er seine Bücher ge¬ widmet. Mit den Schriften eines Mannes, der dem Hofe so nahe stand, war natürlich auch Geta vertraut. Eben dieser Mann paßte zum Freunde des Severus Alexander. Aber da war er schon tot! Darauf hat der Fälscher geantwortet, er hatte einen Sohn gleichen Namens. Und diese Personen sind leichter zu unterscheiden. Denn der Sohn war Dichter. Demnach schrieb der Fälscher Vita Alexan- dri 30, 2 legebat — poetas , in quis Serenum Sammonicum , quem ipse noverat et dilexerat — wie die Söhne des Septimius Severus den Vater — et Horatium. Auch das bezweifle ich von dem syrischen Knaben. Freilich auch Elagabal redet in Terenzcitaten Vita 11, 2 erubuit , salva res est , ungemein wahrscheinlich im Munde eines Elagabal.
Für den poeta Serenus Sammonicus soll man sich nicht auf Sidonius Apollinaris berufen, carm. 14 (p. 233, 3 Leo) sine Marco Varrone , sine Sereno non Septimio 2, sed Sammonico , sine Censorino1 qui de die natali Volumen illustre confecit. Denn der zwischen Varro und Censorinus genannte Serenus Sammonicus ist der Grammatiker des Macrobius, aber der Fälscher las diese Worte und kam so auf seinen Einfall, einen Dichter Serenus Sammonicus, zu erfinden.
20, 18, 2 Sereno Sammonico1 qui patris eius amicissimus , sibi autem praeceptor fuit, nimis acceptus et carus usque adeo , ut omnes libros Sereni Sammonici patris sui , qui censebantur ad sexaginta et duo milia , Gordiano minori moriens relinqueret. quod eum ad caelum tulit , si quidem tantae bibliothecae copia et splendore donatus in famam hominum litterarum decore pervenit.
Das ist alles ganz wahr, wenn Hadrianus die Bibliotheca Ulpia in Nemausus zu Ehren des Kaisers Traianus in Nachahmung der stadtrömischen Bibliothek gestiftet hatte und diese zwar nicht auf
1 Dieser furchtbare Ausdruck wird erst verständlich durch 20, 18, 2. Vgl. unten.
2 Der Dichter, Teuffel Lit. 353, 5.
4*
52
A. von Domaszewski:
Gordianus II, wohl aber auf Antoninus Pius forterbte. Damals wurde in der Porticus der Bibliothek jener Stadt plan von Rom angebracht, den ich früher als eine Quelle der Topographie Roms nachgewiesen habe1. Die Zahl der Bücher aus der Zeit der Blüte unter Antoninus Pius ist keineswegs unglaublich. Der Fälscher kann sie in einem alten Katalog seiner Bibliothek gefunden haben.
Es ist nun gewiß, daß eine Bibliothek von dieser Bedeutung auch heute noch in der Überlieferung der lateinischen Literatur ihre Spuren zurückgelassen hat. Waren es doch die besten Aus¬ gaben, welche die Gelehrten aus der Zeit Hadrians auf des Kaisers Befehl für die Heimat des Fürstenhauses hergestellt haben werden.
Für unsere Überlieferung des Cicero läßt sich der Beweis aus dem Spiele, das der Fälscher mit den Namen trieb, mit voller Sicherheit führen.
24, 6, 5 Sed satis credimus Juli Atheriani partem libri cuiusdam ponere , in quo de Victor ino sic loquitur. Ein richtiger Name wäre Aterianus , den der Fälscher auch bei Macrobius 3, 8, 2 las. Aber im Mediceus2 ad. fam. 9, 18, 3 steht tu istic te Atheriano iure delectas ; cgo me hie Hirtiano. Aus dem ius ist das Gentile Iulius erwachsen. Demnach muß dieser Codex auf das Exemplar der Bibliotheca Ulpia in Nemausus zurückgehen.
Tiefer in die Zeit der Recensio dieses Cicerotextes führt ein:
24, 22, 10 Qui (Gallienus) cum Theodoto vetlet imperium pro- consulare decernere , a sacerdotibus est prohibitus , qui dixerunt fasces consulares ingredi Alexandriam non Heere. Cuius rei etiam Cicero- nem , cum contra Gabinium loquitur , meminisse satis novimus . Theodotus hat als Feldherr des Gallienus3 den Aufstand des Aemilianus4 in Aegypten5 niedergeworfen. Eben damals hatte Gallienus den Senatoren den Heeresbefehl entzogen6, denen ja schon seit Augustus verboten war, Aegypten zu betreten7. Dem¬ nach ist das Ganze nur eine Übertragung und zwar, wie der Fäl-
1 Heidelb. Sitzb. 1916, 7, 11.
2 Nach Orelli.
3 Excerpt. Hist. 4, 264, 160.
4 Eusebius Hist. Eccl. 7, 11, 3. Praefectus Aegypti unter Yalerianus. L. Mussius Aemilianus Pap. Oxyr. 9 Nr. 1201; Stein, Archiv f. Papyr. 5, 419 Anm. 1.
5 Epitome de Cesaribus 32, 4.
f> Heidelb. Sitzb. 1918, 6, 20.
7 Mommsen, Staatsr. 3, 554.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
53
scher selbst sagt, aus Ciceros Bericht über die Rückführung des Königs Ptolemaeus Auletes.
Aus den Worten des Fälschers contra Gabinium loquitur hat man auf eine Rede Ciceros gegen Gabinius geschlossen. Scheinbar ist sie auch bezeugt durch Dio 39, 62, 2 7rpwTov 8’ oüv Tuspl t tou IlToX£[i.odou xaFoSou, aT£ xal (jisyhrrau, £§t.xa<jahr] • xal o ys 8y)[jio<; cupjua*; ü)<; £L7U£lv 7Up6<^ te tÖ 8t,xaaT7)piov oov£ppuY] xal SLaaTOxaraahm 'KoXka.yxc, auTÖv v]ü'£>.7](j£v, T£ xal otl oufP 6 nop.7nr)t.o£ 7uapY)v xal 6 Kixspwv
SsivoTava auTOÖ xaT7)yop7](j£v • outco Ss auTcov Siaxsipivwv dapsUD]. Das ist der erste Prozeß des Gabinius nach seiner Rückkehr, von dem Cicero berichtet, ad Quint, fratrem 3, 1, 24 Gabinius — noctu in urbem introierat , et hodie hora VIII., cum edicto C. Alfii de maiesta- te eum adesse oporteret , concursu magno et odio universi populi paene adflictus est. Über den Gang der Verhandlungen berichtet Cicero ad Quint, fratrem 3, 4, 1 Gabinius absolutus est — 3 cum testimonium secundum fidem et religionem gravissime dixissem — 3, 9, 1 feci summa cum gravitate, ut omnes sentiunt , et summa cum lenitate quae feci; illum neque ursi neque levavi: testis vehemens fui , praeterea quievi. Daraus hat Dio sein xaTY)yopY)c£v genommen. Von einer Anklagerede ist keine Spur überliefert. Ein drittes Zeugnis findet man bei Servius in Georg. 1, 120 in Gabinium fibrae cincinnorum madentes , d. h. er citiert einfach in Pisonem 25 Gabi¬ nium — erant illi compti capilli et madentes cincinnorum fimbriae. Von einer Rede gegen Gabinius ist auch hier keine Spur. Der Fälscher entnahm seine Worte einer Glosse, die gleichfalls eine Stelle, die sich auf Gabinius bezog, erläuterte. Diese Stelle ist Cicero Philipp. 2, 48 inde iter Alexandream contra senatus auctori- tatem , contra rem publicam et religiones; sed habebat ducem Gabinium. Diese Stelle bedurfte und bedarf einer Erläuterung.
Der Consul des Jahres 57 P. Cornelius Lentulus Spinther er¬ hielt vom Senat den Auftrag, den König Ptolemaeus Auletes in sein Reich zurückzuführen. Dio 39, 12, 3 xal etu^ev coote U7rö tou SmV'O-yjpo^, KtAoda £7C£T£Tpa7rro, xaTaxb-Yjvai. Darauf bezieht sich Cicero in einem Briefe an eben jenen Lentulus Spinther als Statthalter von Cilicien ad fam. 1, 7, 4 Ptolemaeus redeat in regnum; ita fore , ut et per te restituatur , quem ad modum senatus initio censuit , et sine multitudine reducatur , quem ad modum homines religiosi Sibyllae placere dixerunt. Die Eröffnung der sibyllinischen Bücher stand auch dem Collegium der Quindecemviri, die sie verwahrten, nicht frei; sondern es bedurfte eines speziellen Auftrages des Senates.
54
A. von Domaszewski :
Über das eingeforderte Gutachten wird dann vom Senat in einer späteren Sitzung Beschluß gefaßt1. Der Consul Lentulus Marcelli¬ nus legte die aufgefundene Weissagung dem Senate vor und er¬ läuterte sie. Cicero ad fam. 1,1,2 Marcellinum tibi esse iratum scis: is hac regia causa excepta ceteris in rebus se acerrimum tui defensorem fore ostendit — de religione et saepe iam rettulit , ab eo deduci non potest — Hortensii et mea et Luculli sententia cedit religioni de exercitu. 4, 2 a tuis invidis atque obtrectatoribus nomen inductum fictae religionis , non tarn ut te impediret , quam ut ne quis propter exercitus cupiditatem Alexandream v eilet ire (gemeint ist Pompeius). Das ist die Deutung der Worte des Sibyllinums cum multitudine , es sei so viel als cum exercitu durch den Consul Marcelli¬ nus. Aber nicht das Verbot eines exercitus , sondern das Verbot eines imperium brachten die Erklärer vor. Der Träger des Imperium schafft nach dem römischen Staatsrecht erst einen exercitus, nicht der exercitus erhält einen Feldherrn2. Das Imperium konnte nach dem Rechte, das Sulla geschaffen hatte, nur ein imperium pro- consulare sein. Die Erklärung, die der Consul in einer Sitzung des Senates gegeben hatte, bestimmte den Senat, ein Gutachten der Quindecemviri einzufordern. Dies wird der Consul Marcellinus in einer späteren Sitzung des Senates mitgeteilt haben. Es ist wört¬ lich beim Fälscher erhalten, wenn man statt Gallienus, Senatus setzt. Cum senatus vellet imperium proconsulare decernere , a sacer- dotibus est prohibitus , qui dixerunt , fasces consulares ingredi Alexan- driam non Heere. Das ist der reine Legalstil. Diese Erklärung zu Cicero Philipp. 2, 48 kann nur ein Gelehrter geschrieben haben, der auf die Originalberichte für die Zeit Ciceros zurückging. Seinen Namen nennt der Fälscher:
20, 21, 5 Lectum apud Vulcatium Terentianum ~ quamvis Pompeium obesi corporis fuisse denegetur. Er las also bei ihm eine Schilderung von Pompeius äußerer Erscheinung. Vulcatius Gram- maticus scripsit commentarios in Ciceronis orationes Hieronymus contra Rufinum 1, 16 (2, 472 Vallarsi 2, 248 Migne), sicher aus Suetons Grammatici. Da der Fälscher ihn Terentianus nennt, so kann er derselbe Mann sein, der als Metriker in Hadrianischer Zeit genannt wird, Terentianus 3. Dies scheint mir wahrschein -
1 Mommsen, Staatsr. 3, 1061.
2 Mommsen, Staatsr. 1, 119.
3 Teuffel, Lit. 373 a, 1.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae. 55
licher, als daß der Fälscher zwei Grammatiker zu einer Person vereinigt hätte.
18, 3, 3 Unter einer Reihe erfundener Lehrer des Severus Alexander erscheinen auch rhetores Iulium Frontinum et Baebium Macrianum 1 et Iulium Granianum. Von einer Kenntnis des Sex. Iulius Frontinus findet sich beim Fälscher keine Spur. Aber ein Iulius Frontinus wird erwähnt bei Gargilius Martialis 2 und diesen Autor hat der Fälscher gekannt. Er erwähnt einen Gargilius Martialis als Ge¬ schichtsschreiber 28, 2, 7 und ebenso einen Gargilius als Autor 18, 37, 9. Diese doppelte Nennung beweist, daß er den Autor im Sinne hat. An sich könnte die bloße Erwähnung bei Servius Georg. 4, 148 genügen für die Erfindung. Da aber Cassiodor inst. div. litt. 28 zeigt, daß ein Schriftsteller dieses Namens über den Land¬ bau im 6. Jahrhundert gelesen wurde, so wird ihn der Fälscher gekannt haben, besonders da er ihn 18, 37, 9 in die richtige Zeit setzt3.
Für Iulius Granianus ist als Vorbild an einen Granius zu denken, da sich ein Granianus nicht nachweisen läßt. Von den Trägern dieses Namens kannte er zweifellos und weitaus am besten4 den praeco Granius des Lucilius, der um seiner dicacitas willen berühmt war, also als Vorbild zum Rhetor sich gut eignete. Denn von ihm las er in dem so oft benützten Cicero, ad Att. 6, 3, 7 Granius autem non contemnere se et reges odisse superbos. Einen Teil der Glosse zu dieser Stelle hat er aber benützt Vita Pertinacis 9, 4 avaritiae suspicione privatus non caruit, cum apud vada Sabatia oppressis faenore possessoribus latius suos extenderet fines denique ex versu Luciliano agrarius mergus est appellatus 5. Die Reges bei Lucilius sind die Gastgeber und der Praeco spricht in eigener Person. Dann aber ist die Szene bei Lucilius das Vorbild zu Horaz epp. 1, 76. Ich zweifle nicht, daß Horaz sein Vorbild über¬ troffen hat.
1 S. 35.
2 Teuffel, Lit. 380, 4.
3 Teuffel, Lit. 380, 1. Nur den Gargilius Martialis, der gegen die Mauren im Jahre 260 kämpft, darf man nicht heranziehen. Er gehört einer anderen Generation an.
4 Den Granius Licinianus Prosop. 2, 122, 135 kannte er aus Macrobius und Servius. Aber dieser hat ein Cognomen, das beim Fälscher nirgends auf- fritt.
5 Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 8. Vgl. auch S. 150 Anm. 5.
6 Heidelb. Sitzb. 1918, 6, 6.
56
A. von Domaszewski:
26, 23, 4 Epistula de Heraclammone. Aurelianus Augustus Mallio Chiloni1. Der Kaiser rechtfertigt sich wegen der Hinrichtung des Verräters. Das weist auf den Ursprung des Namens Mallius Chilo hin. So heißt ein Gatilinarier bei Cicero Gat. 3, 14 L. Cassium — M.Ceparium — P.Furium — Mallium Chilonem2 — P. Um- brenum. Dieselben Leute zählt Sallustius auf Cat. 50 L. Cassio , P.Furio , P. Umbreno , Qu. Annio. Dann liest man bei Cicero Pet. Cons. 10 ex curia Curios et Annios. Deshalb lesen die Cicero¬ ausgaben Quintum Annium Chilonem. Allerdings eine seltsame Art von Textkritik. Vielmehr ist der Fälscher, der zahllose Stellen Ciceros benützt, eine sichere Quelle für die Recensio des Vulcatius Terentianus.
Nach all diesem Namenspiel darf ein Namenswechsel von ernsterer Bedeutung hier eine Stelle finden. Es ist wohl un¬ bestritten, daß Xenophon in der Hellenica 3, 1, 2 mit Gejugto- y £vel tw Supaxocjtco Y£ypa7UTa(. sich selbst als Verfasser der Anabasis bezeichnet. Er hat das Buch zuerst unter diesem Namen veröffent¬ licht. Er hieß also damals Themistogenes und war Bürger von Syracus. Kurz nach seiner Heimkehr von dem weltberühmten Zuge der Zehntausend, noch im Jahre 400, wurde er von den Athe¬ nern in die Verbannung getrieben, Anab. 7, 7, 57 ou yap 7rn> ^vjcpoc; ocoTü) £7ty)xto ’Aüy)V7](ji 7T£pl (puy?)*;, also unmittelbar darauf wurde er verbannt3. Im Jahre 399 trank Sokrates den Giftbecher. Der Verbannte aber ist Bürger von Syracus geworden, die härteste Antwort, die der attische l7ü7T£u<; den Mördern des edelsten der Menschen geben konnte. So hat er dann bei Koroneia gegen seine Landsleute, die es nicht mehr waren, in den Reihen der Spartaner gefochten. Die Anabasis, voll lebendiger Frische, ist noch in Klein¬ asien veröffentlicht worden. Man versteht auch, warum in der Fortsetzung des Thukydides, die auf Erkundigungen beruht, die er in Kleinasien selbst einzog, die Syrakusaner so sehr hervor¬ treten.
Von allen Stellen der römischen Topographie, die der Fälscher mißbraucht hat, ist weitaus die merkwürdigste:
25,4,2 Nam cum esset nuntiatum VI III kl. Aprilis 4 ipso in sacrario Matris sanguinis die Claudium imperatorem factum , neque
1 Über den Brief S. 154.
2 So in den Handschriften nach Orelli.
3 So schlossen schon die Alten eben aus dieser Stelle.
4 Der Todestag des Gallienus Heidelb. Sitzb. 1917,1,3; 1918,6,20.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae. 57
cogi senatus sacrorum celebrandorum causa posset , sumptis togis itum est ad Apollinis templum ac lectis litteris Claudii principis haec in Claudium dicta sunt: ' Auguste Claudi , di te praestent\ dictum sexagies 'Claudi Auguste te principem aut qualis tu es, semper optavimus \ dictum quadragies. * Claudi Auguste , te res publica requirebat , dictum quadragies. Dann folgen erfundene Acclamationen. Hier muß ein echter Bericht mißbraucht sein, da der Fälscher die Lage der Bauten gar nicht kannte1. Um das Vorbild zu finden, muß man erkennen, daß der Fälscher überall ein ganz falsches Charakterbild von Gallienus entwirft, als sei er von Anfang an nichts gewesen als ein schlaffer, grausamer Lüst¬ ling. Valerianus erscheint dagegen als ein Herrscher von vorbild¬ licher Tugend. Ganz anders urteilt die echte Überlieferung. Von Valerianus sagt Zosimus, also Dexippus 1, 36, 2 OuaAepiavou 8s 8kx rs [/.aXaxLav xai ßiou ^auvoT/jToc ßoY]ü9)aai piv sic, tov eXüooat, toZq 7rpayp.aat,v darayvovToc;. Ebenso sagt die Epitome, die auch auf Dexippus zurückgeht2 32, 1 Stolidus tarnen et multum iners , neqne ad usum aliquem publici officii consilio seu gestis accomodatus. Und sie hat auch den Spitznamen des Kaisers Colobius erhalten3, der auf seine bequeme, eines Fürsten unwürdige Tracht geht. Das Urteil des Dexippus über Gallienus ist erhalten Vita Gallieni 7,2 (a. 262) Erat in Gallieno subitae virtutis audacia , nam aliquando iniuriis graviter movebatur — 11,3 (a. 264) Gallienus apud Athenas archon erat — vanitate illa , qua et civis adscribi desiderabat et sacris omnibus interesse — 5 Areopagitarum praeterea cupiebat ingeri numero contempta prope republica — 13, 9 (a. 267) Gallienus interea vix excitatus publicis malis. Es ist ein fortschreitender Verfall seines Charakters, der ganz den Worten des Eutropius entspricht 9, 8 Gallienus imperium primum feliciter , mox commode , ad ultimum perniciose gessit. Nam iuvenis in Gallia et Illyrico multa strenue fecit — die Siege über die Gegenkaiser — Diu placidus et quietus ,' mox in omnem lasciviam dissolutus , tenendae rei publicae habenas probrosa ignavia et desparatione laxavit , am Ende seiner Herrschaft. Ammianus Marcellinus 14, 1,9 novo denique perniciosoque exemplo idem Gallus ausus est inire flagitium grave , quod Romae cum ultimo dedecore temptasse aliquando dicitur Gallienus , et adhibitis paucis
1 Heidelb. Sitzb. 1916, 7, 13.
2 Vgl. S. 23.
3 8. 36.
58
A. von Domaszewski :
clam ferro succintis , vesperi per tabernas palabatur et compita quae- ritando Graeco sermone , cuius erat impendio gnarus , quid de Caesare quisque sentiret. Geradezu liebevoll ist die Beurteilung des Peter Patricius, excerpta historica 4, 264, 160 — 165 und demgemäß bei Zonaras1 3, 148, 20 §£ ty]v y vo>(r/)v (piXoTifjio^ xal tzolgi üiXcov
yoipi^za&oa, xal ouSsl c, alToupi£vo^ aurov Si7jp.apTav£v. oute (ayjv too^ evavTKO^svTa«; auTco y) ’Kpoa'rz&zv'zct.Q toZc, Tupavv/joacnv £Ti[/,copY)(jaTO. Deshalb blieb ihm auch das Heer noch im Tode ergeben, Vita Gallieni 15, 1 occiso igitur Gallieno seditio ingens militum fuit , cum spe praedae ac publicae vastationis imperatorem sibi utilem, necessarium , fortem , efficacem ad invidiam faciendam dicerent raptum.
Dagegen stimmt das Charakterbild, das der Fälscher von Gallienus entwirft, vollkommen auf Maxentius. Denn selbst Zosimus sagt 2, 14, 4 Moc^evtloc; — xal tou; xara ty)v TtoOuocv te xal tt]v 'Pwp/yjv aoT7]v p.£Ta tzolgyiq ü)p,6Ty]To^ te xal a.Gzkyziy.c, izpOGZ^zyß-zic,. Und ebenso können die Züge, die der Fälscher dem Valerianus leiht, auf Gonstantin nach der Auffassung jener Fortsetzung seiner Biographien passen. Ist aber für den Fälscher Maxentius auch in jener Szene Vorbild, so läßt sie sich deuten. Maxentius hatte die Sibyllinen befragt2, und das Orakel wendet sich durch den Aus¬ gang gegen ihn selbst. Nach den Worten des Fälschers kann man annehmen, daß während der Schlacht an der mulvischen Brücke die Priester der Magna mater und der ganze Senat im Tempel der Göttin versammelt waren, um von ihr nicht den Sieg des Tyrannen, wie ihnen befohlen war, sondern seinen Untergang zu erflehen. Auf die Nachricht von seinem Tode legen sie die Toga an3, ziehen hinüber in den nahen Apollotempel und erheben im Hause des Gottes, der die Wahrheit verkündet hatte, den Sieger und Befreier zum Kaiser. Gewiß ein Vorgang von erschütternder Tragik und würdig dieses für die Zukunft der Welt entscheidenden Ereignisses. Diese Deutung hat die größte Wahrscheinlichkeit. Denn der Fälscher hat das templum divi Romuli , des Sohnes des Maxentius für eine Fälschung auf den Namen des Saloninus, des Sohnes des Gallienus mißbraucht4.
1 S. 99.
2 Zosimus 2, 16, 1.
3 Mommsen, Staatsr. 3, 887.
4 Meidelb. Sitzb. 1916, 7, 10.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
59
Griechische Überlieferung.
Schon früher wurde gezeigt, daß den Biographien von Caracalla bis Carus eine griechische Überlieferung zugrunde liegt1. Die Mög¬ lichkeit, die Individualität dieser Quellen schärfer zu fassen, gibt eine Stelle des Euagrius2 in der Kirchengeschichte.
Buch 5 Ende xal Ta p,sT5 exslvod c, waauTO)^ slpyacpiva, At,o8a>po) ts tw XixsXuoty) 7U£7T0t7]Tat. Ta pi^pic; TouXiou Kaloapo<;, xal Alcovi Toi Kaoolco ypa^avTt. pAyjpic, ’Avtomvou tou e£ ’Ep.socov. ’ExalEpivoij 8k Ta Tot,auTa xal * HpcoStavou, Ta pi^pi Ma^tpivou TsXsuTYjc; SvjXoÖTaL Nixo- GTpaTou te toö aocpiGTOU tou ex TpaTTE^ouvTwv ouyypai|;avTO<;, Ta <X7UÖ OiXl7ü7tou toö [xeto. TopStavov EXTiü'ETai eox; ’OSaiva^ou toö ex riaX- p,upY)vd)v xal OuaXXspiavoö 7ipö^ Hspoai; odaxpoci; acpl^sco^ • xal 8k TzXela'iOi 7uspl toutcov 7C£7r6y)Tat., a7uö (i.u9-ucc5v ap^apivw xal Xy)5<*v^ e? ty)v KXauSlou toö (XETa TaXXnrjvöv ßaat-Xslav • ol$ ai>vavslXY)7TTai 7uspl &v Kap7uot. xal ETspa ßapßapa eüvy) xaTa tyjv "EXXaSa xal 0pax7]v xal Tomav 8ta- tcoXejjiouvte^ ETpa^av • xal Euasßax; Ss a7uö ’OxTaßi.avoö xal Tpatavou xal Mapxou Xaßwv sco<; ty] c> tsXeut9)<; Kapou xaTY)VTY)asv. Tsypa^TaL 8k 7T£pl twv ^povwv TO’JTWv svta ’Appiavco te xal ’Aoivlw KouaSpaTco.
Die Übersetzung des Herodianus liegt zweifellos vor in den Viten des Maximinus, Gordianus I und II, Maximus und Balbinus, da ja die Quelle noch erhalten ist. Nicht minder kenntlich ist Dexippus für die Viten des Gordianus III, Gallienus und Claudius, dessen Xpovixa in der annalistischen Erzählung nach Consulaten mit Händen zu greifen ist. Es ist daher nach dem Zeugnis des Euagrius einfach eine Tatsache, daß von Aurelianus bis Carus, Eusebius übersetzt ist. Dann spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, daß in den Viten des Caracalla bis Severus Alexander eine Über¬ setzung des Cassius Dio erhalten ist.
i. Cassius Dio und Herodianus.
Um den Nachweis zu führen, daß Dio Cassius die Quelle dieser Viten ist, muß man ausgehen von den Daten3, die auf ihre Echtheit, so weit sie einem Zweifel unterliegen kann, zu prüfen sind.
10, 5, 1 Multis hortantibus repugnans imperator est appellatus apud Carnuntum 4 idibus Augustis. Daß es Aprilibus heißen muß?
1 S. 5.
2 Jüliche r, Real-Enzyld. 6, 833 n. 7.
3 Heidelb. Sitzb. 1917, 1.
4 Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 14.
60
A. von Domaszewski:
zeigt die Chronologie der Zeit. Denn Pertinax war bereits am 28. März in Rom ermordet worden1. Der Fälscher hat den Monats¬ namen geändert nach Vita Hadriani 4, 7 tertium iduum earundem (Augustarum) quando et natalem imperii statuit celebrandum. Denn Augustis ist kein bloßer Schreibfehler, da er die Stelle auch 27, 9, 5 mißbraucht hat2. Um das Zögern des Kaisers zu begreifen, muß man sich an Schillers Wallenstein3 erinnern. Gleich diesem dem Schicksalsglauben blind ergeben4 und seit langem zum Aufstand entschlossen5 war Septimius Severus der Stimmung der Heere, die seinem Rufe folgen sollten, keineswegs sicher. Die Legion des Hauptquartiers Carnuntum war zur Empörung bereit6; aber schon die Legion des benachbarten Vindobona, die X Gemina7, hat ihm den Gehorsam verweigert8. Ebenso unsicher war er über die Haltung der anderen Donauheere und der Rheinheere, 5, 3 cum iam Illyriciani exercitus et Germaniciani 9 cogentibus ducibus in eius verba iurassent. Am Rhein hat die Legio prima Minerva in Bonn die Entscheidung gebracht10.
Da der Geburtstag des Kaisers der 11. April ist11, so könnte man erwarten, daß er gerade diesen Tag für die Erhebung gewählt hätte. Aber dasselbe Zögern trat auch bei der Erhebung seines Sohnes Antoninus zum Caesar ein.
13, 6, 6 Die natalis suo , octavo idus Apriles , ipsis Megalensibus — interemptus est. Der Geburtstag Caracallas ist nicht der 6. April, sondern der 4. April12 und den Geburtstag nennt beim Morde Dio 78, 6, 5 TT) yap verpaßt, tou *A7upiXtou sysysvvYjTo. Den 4. April
1 Dio 73, 10. Vita Pertinacis 15, 6.
2 S. 33.
3 Der Tscheche Wallenstein hat mit seiner Soldateska im 30jährigen Kriege genau dasselbe Schicksal über Deutschland heraufbeschworen wie der Tripolitaner Septimius Severus mit seinen Illyriern über das Reich der Römer, die er und sein Haus in dreißig Jahren ausgerottet haben.
4 Gesch. d. röm. Kaiser 22, 258.
5 Gesch. d. röm. Kaiser 22, 247.
6 Die Fahnen, S. 48 Anm. 1.
7 Es ist die Decima Caesars.
8 Es gibt keine Münzen dieser Legion.
9 Gallicani ist eine Änderung des Fälschers, Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 14.
10 Es gibt Goldmünzen dieser Legion, Cohen n. 258. 259. Sie hat auch erst im Jahre 231 die alte Heeresreligion wieder angenommen. C. I. L. XIII n. 8017; vgl. Relig. d. röm. Heeres S. 63.
11 C. I. L. I2 p. 301.
12 Prosop. 3, 203. 321 .
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
61
las auch der Fälscher in seiner Vorlage, wie aus dem Zusatz ipsis M egalensibus hervorgeht, der von ihm selbst herrührt1. Denn dieser Tag ist der Tag der Megalensia2. Demnach hat den Fälscher die Verwechslung des natalis imperii und des natalis imperatoris irre geleitet3. Er las in seiner Vorlage an einer anderen Stelle, den natalis imperii des Caracalla. Diese Stelle kann nur gewesen sein Vita Severi 10, 3 in itinere apud Viminacium filium suum maiorem Bassianum adposito Aurelii Antonini nomine Caesar em appellavit. Hier stand das Datum und zwar am Rande des Textes. Man sieht aus der Fälschung, daß Caracalla am 6. April 196 zum Caesar erhoben wurde. Also genau wie bei seiner eigenen Erwählung hat Septimius Severus bei der Ernennung seines Antoninus zum Caesar drei Tage gezögert in dem Glauben an die glückbringende Wirkung der Dreizahl.
10, 11, 7 Victus est Albinus die XI kal. Martias. Diese Worte sind mitten in die Erzählung von der Schändung der Leiche ein¬ geschoben. Die Stellung zeigt, daß der Fälscher sie am Rande des Textes gelesen hat. Die Daten am Rande rühren vom Über¬ setzer her, der die oft unklaren Datierungen seiner griechischen Quellen auf Grund der Consulliste4 sicher stellte. In der Consul- liste bezeichnete der Todestag des Albinus zugleich den Beginn der Alleinherrschaft des Septimius Severus5. So war auch der Todestag des Gallienus6 der 24. März 268 für die Consulliste der Beginn der Herrschaft des Claudius, ohne Rücksicht auf dessen wirklichen dies imperii. Und ebenso ist der 27. Oktober 253, der Todestag des Aemilianus7 und damit der Beginn der Herrschaft des Valerianus und Gallienus. In der wirren Zeit des 3. Jahr¬ hunderts wäre es kaum möglich gewesen für die praktischen Zwecke, denen die Datierungen der Consullisten dienten, den wirklichen dies imperii des Valerianus in dem fernen Raetien zum Ausgang der Zählung zu machen8. Daß die Anerkennung des Valerianus in
1 S. 33.
2 C. I. L. I2 p. 312 f.
3 S. 33.
4 Heidelb. Sitzb. 1917, 1, 4.
5 Heidelb. Sitzb. 1918, 6, 27.
6 Heidelb. Sitzb. 1918, 6, 20.
7 Heidelb. Sitzb. 1917, 1, 13.
8 Daraus erklärt sich, warum die Schriftsteller im Gegensatz zur Gon¬ sulliste für Aemilianus nicht 3, sondern 4 Monate rechnen, Heidelb. Sitzb.
62
A. von Domaszewski :
Afrika weit früher fiel, zeigen besonders die Meilensteine, die den Gallienus noch Caesar nennen1.
14, 3, 1 Natus est Geta Severo et Vitellio consulibus Mediolanii etsi aliter alii prodiderunt , VI kal. Iunias ex Iulia. Zunächst ist die Phrase aus Suetonius zusammengestoppelt: prodiderunt Caes.46. Galba 20, — aliter oft bei Sueton; aber so verbunden ist das sprachwidrig, denn aliter ist immer noch unser sonst — ex Iulia , Sueton Aug. 4 ex Ancharia — ex Attia tulerat, also wieder sprach¬ widrig. Calig. 8 C. Caesar natus est pridie Kl. Sept. patre suo et C. Fonteio Capitone consulibus. Ubi natus sit , incertum diversitas tradentium facit. Auch den Juni fand er in dem darauffolgenden Brief des Augustus puerum Gaium XV kal . Iun. — Mediolani nach Vita Iuliani 1, 2 avus Insubris M ediolanensis2 . ln Wahrheit ist Geta in Rom geboren Vita Severi 4, 2 suscepitque Romae alterum filium und zwar im Jahre 189; der Tag ist VI kal. Apriles 3 gewesen. In dieses Jahr fällt das Consulat seines Vaters Vita Severi 4, 4 consulatum cum Apuleio Rufino primum egit , Commodo se inter plurimos designante* . Also ist der Mitconsul des Vitellius5 nicht der Vater des Geta. Dieses Datum mit den Suffecti des März vom Jahre 189 fand der Fälscher wieder am Rande des Textes der Vita Severi 4, 4 angegeben.
12, 4, 6 Epistula Ceioni Postumi ad \ Aelium Bassianum6: filius mihi natus est VII kl. Decembres. Nach den Erfindungen für die Personennamen, die diesem Schreiben vorangehen, ist es klar, daß das Datum von einem Kaiser übertragen ist, der nach der Meinung des Fälschers als Tyrannus betrachtet werden konnte. Auch hier wird man, wie am Geburtstage Getas eine Änderung in den Monatsnamen annehmen dürfen. Der einzige Kaiser, der die Bedingungen der Rätselaufgabe erfüllt, ist wieder Geta und
1917, 1, 16. Der Todestag des Gallus ist der 30. Juli 253, der Beginn der Herrschaft des Aemilianus nach der Consulliste. Dasselbe gilt für den Todes¬ tag des Decius, er ist der 22. März 251, Heidelb. Sitzb. 1917, 1, 19.
1 C. I. L. VIII. 10132. 22215. Das sichert wieder die Erklärung der Inschrift C. I. L. VIII 2582, vgl. Heidelb. Sitzb. 1917,1,14.
3 Heidelb. Sitzb. 1916, 15, 4.
3 Vgl. unten den Todestag S. 64.
4 Vgl. Dio 72, 12, 4 6 KXsavSpo? — - uttoctouc; ec, <eva> Iviocutöv ttsvts xod et'xociv a7reS£t,^£v. Über die Zeit von Cleanders Sturz vgl. Heidelb. Sitzb. 1918, 6, 16.
5 Prosop. 3, 80, 268.
6 Vgl. S. 9.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
63
zwar ist der Tag sein Todestag, der zugleich den Beginn der Allein¬ herrschaft des Caracalla bezeichnete. Ihn hat der Fälscher mi߬ braucht. Denn Geta starb am 26. Dezember, d. h. VII kal. Ianua- rias , des Jahres 211.
Wir wissen durch die Münzen, daß Geta vor dem 1. Januar 212 getötet wurde. Die letzten nachweisbaren Münzen Getas sind zwischen dem 10. Dezember 211 und dem 1. Januar 212 geprägt1. Ferner wurde er nach den Saturnalien ermordet, Dio 77, 2, 1 sßouXYjhy) piv oöv KpovGots tov aSsT/pöv 6 ’Avto avivoq (povsuaai,
oux Y)Suv7]ü-Y) 8s • xal yap ex9avsGT£pov y)8y] to xaxöv 7] coots auyxpußyjvai eysyovei, xal ix toutou 7uoXXal piv p.a^at. auTwv <!)<; xal £7uißouXsu6vT(ov aXXyjXot^, rcoXXal 8s xal avTt^uXaxal cuvsßaivov. Die Saturnalien beginnen mit dem Hauptfeste am 17. Dezember und währten schon unter der Republik sieben Tage bis zum 23. Dezember2. Die Fest zeit ist mit Gladiatorenspielen3 erfüllt. Der Kalender des 5. Jahrhunderts ver¬ zeichnet diese Munera am 2. 4. 5. 6. 8. 19. 20. 21. 23. 24. Dezember. Die Veranstaltung obliegt den Quaestoren.
Dadurch gewinnt eine Stelle der Vita Marci erst ihre richtige Bedeutung, die hier erörtert werden muß, um den Gegensatz der Zeiten von den Antoninen zu diesen Severen ins rechte Licht zu setzen.
4, 6, 1 Hadriano Baiis absumpto 4 cum Pius ad advehendas eius reliquias esset profectus , relictus Romae avo iusta implevit et gladiato- rium quasi privatus quaestor edidit munus. Der avus ist nicht Hadrian, sondern Annius Verus5. Von ihm heißt es Vita Pii 2, 3 (Antoninus) Pius cognominatus est a senatu , vel quod soceri fessi iam aetatem manu praesente senatu levaret. Es ist aus dem Zusammenhang zu erkennen, daß sich dieser Vorgang im Senate zutrug, als Hadrian am 24. Februar des Jahres 138, selbst totkrank, den Antoninus an Sohnesstatt annahm6. Es ist ein rührender Zug mehr in dieser wahrhaft erschütternden Szene; denn Annius Verus war 88 Jahre alt7, als er an diesem Tage noch einmal im Senate erschien, um
1 Cohen, Geta n. 204.
2 Nonius bei Macrobius 1, 10, 3; Cicero ad Attic. 13, 52, 1 datiert secun- dis Saturnalibus, tertiis Saturnalibus.
3 Ausonius de Feriis 33; Lactantius inst. 6, 20, 35.
4 Am 10. Juli 138 Vita Hadriani 25, 6.
5 Er lebte sicher noch im Jahre 135, C. I. L. XV teg. n. 246.
6 Gesch. der röm. Kaiser 22, 211.
7 Vita Marci 1, 2 adscitus in patricios a Vespasiano et Tito censoribus. Nach den bekannten Fällen, Dessau inscr. sei. III p. 386, wurden junge
.64
A. von Domaszewski:
Zeuge zu sein der Erhebung seines Schwiegersohnes und des Enkels zu Kaisern. Es ist durchaus glaublich, daß gerade die Pietas, die Antoninus damals bewies, die Senatoren bestimmte, ihr inneres Widerstreben zu überwinden, in die Gonsecration H adrians zu willigen. Jene Stelle der Vita Marci erhält erst ihre rechte Bedeutung, wenn Marcus als Quaestor von Amts wegen munera zu geben hatte.
Bei jenen munera des Decembers im Jahre 211 dampfte das Forum während eines Monates vom Blute der Geschlachteten. In dieser Festfreude schwieg auch sonst Recht und Gesetz* 1. Die Truppen der Hauptstadt in zwei Lager geschieden, begingen in ihrer Weise das Fest2 in völliger Zuchtlosigkeit mit den unvermeid¬ lichen Folgen ganz wie Tacitus sagt Annales 1, 16 Blaesus — ob iustitium intermiserat solita munera. Eo principio lascivire miles discordare , pessimi cuiusque sermonibus praebere aures. Jedes der beiden Heerlager hatte seinen S aturnalicius princeps gewählt, in dessen Bilde sie den Gegenkaiser verhöhnten3. So feierte die Pietas der Severe im Brudermorde notwendig ihren Triumph.
Unter den Opfern, die Caracalla nach dem Brudermorde fällte, war auch der Sohn des Papinianus Vita Caracalli 4, 2 filium etiam Papiniani , qui ante triduum quaestor opulentum munus ediderat , interemit. Er stirbt nach dem Vater, der am zweiten Tage nach Getas Tod gemordet wird4. Da das Datum des Fälschers für Getas Tod die Nacht vom 26. auf den 27. Dezember fordert, so wurde damals noch am 26. Dezember5 Gladiatorenspiele gegeben. Der Mord Getas bildet so zugleich den Abschluß der Festfeier. Die Lebensdauer Getas gibt Dio an 77, 2, 5 Soo yocp xal efocoai sty) xal f//y)va<; svvea sßho, das heißt er ist VI kal. Apriles geboren6. Der Chronograph a. 3547 bemißt seine Regierung auf menses X dies XII. d. h. vom Todestag des Septimius Severus, dem 4. Februar 211, bis zum Todestag des Geta, dem 26. Dezember 211. Demnach ist zu verbessern dies XXII.
Männer aus der Zahl der Quästoren in dem Patriciat aufgenommen. Quästor wird man mit 25 Jahren. Mommsen, Staatsr. 2, 573. Demnach ist Annius Yerus im Jahre 50 geboren, im Jahre 138 wahrhaft fessus iam aetate.
1 Macrobius 1, 10, 1.
2 Neue Heidelb. Jahrb. 9, 162. Rhein. Mus. 57, 513.
3 Wissowa, Religion 207.
4 Vita Caracalli 3, 2 altera die.
5 Dies fordert wieder triduum.
6 Vgl. oben S. 62.
7 Chron. min. 1, 147.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
65
Die Reihenfolge der Mordtaten nach Getas Tode ist bei Dio und in der Vita dieselbe: Papinianus1, Patruinus2, Cilo3. Und zwar fallen die Morde alle vor den 1. Januar4 212. Dio 77, 5, 3 tov vA(77upov tov TooXtavov — xa! tou<; u!ou<; ai>Tou, xa! £v izoXkcuc, ToaaoxaL^ paß8oi<; op.ou £[/.7TOp.TT£UoavTa, 7upO£7r/jXaxMJ£ 7rapaxpvjp.a. Die Consul des Jahres 212, Vater und Sohn heißen C. Iulius Asper5 und G. Iulius Galerius Asper6. Wie der Vater ’Ioi>Xtav6<; heißen soll, ist unerfindlich, wohl aber konnte Dio den Sohn TouXtavo«; nennen. Folglich hat der Excerpierende den Text ent¬ stellt. Denn das op.ou zeigt, daß Dio £[A7ropju£uaavTa<<;> schrieb. Es ist der Processus consularis gemeint, bei welchem Vater und Sohn jeder mit 12 Fasces aufzogen7. 24 Fasces aber waren das Vorrecht des Princeps8. Dieser Anblick genügte, den Arg¬ wohn des Caracalla zu erwecken.
Nicht nur in den erörterten Zügen stimmt die Vita mit Dio überein, sondern das Excerpt aus Dio beginnt 2, 4 und reicht bis 7, 2. Schon die Überschrift der Vita mit der griechischen Form des Namens, Caracallus , weist auf die griechische Quelle hin. Die Leichtigkeit, mit der sich die Fragmente des Dio fort¬ laufend in die Erzählung der Vita einfügen lassen, bietet an sich einen Beweis für die Quelle der Vorlage des Fälschers. Aber auch dem Inhalt nach tritt nirgends ein Widerspruch hervor. Vielmehr die beiden Formen der Überlieferung des Dio-Textes ergänzen sich gegenseitig.
Ganz unvermittelt hebt die Vita an mit den Worten 2, 4: post patris mortem in castra praetoria pergens apud milites conquestus est circumveniri se fratris insidiis — Dio 77, 3, 1 6 8’ ’Avtcovivck; xat7ü£p £G7r£pa<; oÜgy)C xa GTpaT07r£§a xaxIXaßE, 8i6c 7raoY)c; oSoij x£xpayox; wc £mߣßoi>X.£U[/.£vo£ xa! xivSdveuojv. Deutlicher noch als in dem Auszug des Xiphilinus ist der Vorgang geschildert bei Herodian 4, 4, 3f. 6 8’ ’Avtcovivo c, xaTEpyaaü'EVToc auxm tou 90VOU 7rp07T/)8a tou SwfxaTiou D-eov, <p£p6(ji£v6<; T£ 81 oX(ov t&v ßaa(.X£L6Jv ißoa
1 Vita 4, 1. Dio 77, 4, la (Boissevain 3, 376) vor Patruinus genannt.
2 Vita 4, 2 vgl. Anm. 1.
3 Vita 4, 5. Dio 77, 4, 2—5.
4 Das sichert die Anordnung der Fragmente Exc. hist. 2, 389, 356 (Cilo). 357 (Asper).
5 Prosop. 2, 168, 115.
6 Prosop. 2, 194, 224.
7 Mommsen, Staatsr. 1, 618.
8 Mommsen, Staatsr. 1, 383, 388.
Sitzungsberichte der Heidelb. Akad., philos.-hist. Kl. 1918. 13. Abh.
5
66
A. von Domaszewski:
piyav xlvSuvov £X7ü£9£uy£vat, [xoXis T£ atohvjvaL tou<; t£ GTpaTUOTas, ot 9poupouat, Ta ßaalXEia, xeXeuei auTÖv ap7uaaavTa<; dbrayEiv £<; to aTpaTOTTE^ov, dx; av aw-0-yj 9uXa^eU * p.£tva<; yap swi tyjc; ßaaiXdoo auX% £X£y£v aTuoXEia&ai. Die Soldaten, bei denen Caracalla Klage führt, sind die Palastwachen1, die ihn auf dem Wege nach den Castra praetoria begleiten2. In der Vorlage stand also post fratris mortem. Durch diese palaeographisch so leichte Änderung erreichte der Fäl¬ scher zunächst, daß die ganze gemeinsame Regierung der Brüder, die zu dem Morde drängte, wie in einer Versenkung verschwand. Dann aber erscheint der Mord durch die Worte atque ita fratrem in Palatio fecit occidi als Notwehr und ist mit Vorwissen der Prae- torianer geschehen. Endlich wahrt der Kaiser die Pietät, eius corpus statim cremari praecepit , obwohl die Verbrennung der Leiche in der Mordnacht nicht vollzogen werden konnte.
Um den Kaiser von jeder Schuld völlig freizusprechen, setzte er noch hinzu 2, 5: dixit praeterea in castris fratrem sibi venenum parasse , matri eum inreverentem fuisse. Dies lesen wir vielmehr bei Herodian in der Rede, die Caracalla im Senate hielt 4,5,4 Sia SY]Xy]TY)puov cpappiaxov — ■ £7ußouX£i>(7£ (jloi.
Demnach las er es in der Übersetzung ebenfalls in der Rede vor dem Senat. Man erkennt, daß der Übersetzer Dio aus Herodian ergänzt hat3.
Mit 2, 6 nimmt die Vita den Zusammenhang nach der Vorlage wieder auf. Aber auch hier ist mit absichtlicher Verkürzung, die das leere denique andeutet, das Stipendium nur auf die Mörder bezogen, während gerade die Erhöhung des Soldes aller Soldaten der entscheidende Vorgang war. Dio 77, 3, 1 xal 7upiv rcavTa axoöaai, £V£9pa^s 09WV Ta oTOjjiaTa ToaauTai^ xal TY]XixauTai<; u7uoj- Xecrecnv coaT£ p.7]T’ ivvoYjaai p.7)T£ 9'ü'£y£a(j-ü'at te, auTOÖ<; £uo£ß£^ Suvyj^vat. und noch weit anschaulicher Herodian 4, 4, 74. Richtig dagegen, wenn auch hier allein überliefert, ist der Zug nach Alba 2, 7, 8. Denn die orientalische Garde, die Legio II Parthica5, war die sicherste Stütze der Dynastie. Der Ausdruck pars militum apud Albam ist eine Übersetzung der griechischen Umschreibung des
1 Mommsen, Staatsr. II, 864.
2 Der Kaiser hat den kürzesten Weg durch den Vicus Patricius genom¬ men, Hülsen, Topogr. 1, 3, 339.
3 Vgl. unten S. 71.
4 Neue Heidelb. Jahrb. 10, 235.
5 Religion des röm. Heeres S. 38. Rangordnung S. 67.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
67
Truppenkörpers, deren sich Dio bedient1 2 und erweist gerade ihn als Quelle. Nur das ut solet 2 ist absichtlich interpoliert. Die wahn¬ witzige Solderhöhung des Kaisers wird so als eine Gewohnheit bezeichnet, an der der Kaiser keine Schuld trägt.
Die nun folgende Szene im Senat 2, 9— 11 entspricht Herodian 4, 5. übertrifft ihn aber an Anschaulichkeit3 und Gehalt. 3, 1 = Dio 77, 3, 3. Das anreihende post hoc zeigt, daß zwischen der Rede im Senat und dem Gnadenakt bei Dio noch etwas überliefert war. Das griechische Excerpt sagt denn auch xal [aetoc toö ex tou ßaü-pou e£avac»T7jvai xal 7üpö<; tyj D-upa yevecrüaL Darin liegt, daß der sinnlose Entschluß ein plötzlicher Einfall war. Erst viele Monate später wurde das erste Edikt in eine gesetzliche Form gebracht, am 11. Juli 2124. Daran schließt sich der nur hier überlieferte Zug aufs Capitol, der so recht die Gewissensangst des Mörders malt5 6 7. Die Angabe 3, 3 mulieres occidere conatus est , sed ob hoc retentus , ne augeretur fratris occisi crudelitas ist eine Schönfärberei durch den Fälscher, denn Dio sagt 77, 4, 1 oc-tuexteivev — xal yuva Z- xa^, co<; 7uou ziq xal etu^ev ev tw ßaciXshp <ßv. Die Frauen wurden also wirklich ermordet.
Die lange Liste der Mordtaten zeigte im zweiten Teile eine bis ins einzelne gehende Abhängigkeit von Dio. Auch der erste Teil findet eine Bestätigung bei Dio und Herodian. Die Vita nennt an erster Stelle den Gardepraefekten Maecius Laetusß. Schwe- lich ist derselbe Mann gemeint bei Dio 77, 5, 4 xal töv Aaivov (die Handschrift) Y]Tt,p.ax£i av v) xal aTiEXTovst., sl p,Y) xaxco^ evogsi * xal ty)v appcocmav auxou ao£ßyj rcapa toüs crrpaTLWTaK; o>v6p.a<j£v, ötl p.7) xal TüEpl exelvov aaEßyjaat. auvw £TC£Tp£^£v. Boissevain sagt mit Recht, daß die Verbesserung AaiXiov näher liegt, oder vielmehr es wird A. Al'Xtov zu lesen sein. Der Lehrer des Kaisers ist ge¬ meint: Aelius Antipater1 . Von ihm sagt Philostratus vit. soph. 2, 24 Xsy£Tat §£ a7co#av£lv xapTEpta p.aXXov rj voacp, d. h. er hat sich zu
1 Rhein. Mus. 57,514. Boissevain zu Dio 78,34,5.
2 Opii. Macr. 5, 7. Diadum. 2, 1. Gallienus 15, 2.
3 Mommsen, Staatsr. 3, 910. 933.
4 Gießen er Papyr. 1, 33 f.
5 Vgl. Shakespeare, Richard III., 3. Sz. 5 Anfang u. Ende.
6 Prosop. 2, 319, 43.
7 Prosop. 1, 83,583. Cichorius Ergänzungshefte d. d. Arch. Inst. 4, 36. Ephesus 2, 36. Da er am Ende der Reihe bei Dio steht, so entspricht das der Erzählung des Philostratus, daß er Caracalla einen Trauerbrief über Getas Tod zusandte.
68
A. von Domaszewski:
Tode gehungert. Der grausige Witz Caracallas erscheint erst in seinem richtigen Lichte. Völlig auf den Kopf stellt der Fälscher die Geschichte mit den Worten 3, 5 ipse mortem eius (Getae) saepissime flevit; als seinen Zusatz verrät der Fälscher dieselbe Behauptung in der Vita Getae 7, 5,* wo er nach seiner Manier die Glaubwürdigkeit selbst in Frage stellt mit den Worten: mirum sane omnibus videbatur.
Die beiden anderen Opfer den Vetter des Kaisers Afer 1 und den Enkel des Kaisers Marcus1 2 Claudius Pompeianus erwähnt auch Herodian3. Sicher ein Zusatz des Fälschers ist auch 3, 8 quem et consulem bis fecerat et omnibus bellis praeposuerat , quae gravissima tune fuerunt, et ita quidem ut videretur a latronibus interemptus , aus 4, 20, 6 und 7, 5, 12 entnommen4.
Die Massenmorde 4, 3, 4 bezeichnen die Stelle, wo das Excerpt aus Dio 77, 4, 1 einzusetzen ist : t&v Sv) KoctcapEuov tc5v te aTpocTicoTwv t&v p.£Ta toö Teto, ysvopivcov xai iq Suo [/.opLaSac; 7rapa- -/p7j(jt.a a7u£xT£iv£v. Das Gemetzel, das sich nicht auf Rom be¬ schränkte, Ilerodian 4, 6, 4, konnte erst erfolgen, als Papinianus und Patruinus am zweiten Tage nach Getas Tode selbst getötet wurden. Deshalb sind die Worte ex §s iwv Em<pavG>v av§pwv aXXou<; te xocl töv Ilamviavov ein Übergang des Xiphilinus, der den Satz umgebildet hat. Zusatz des Fälschers ist der Tod des Serenus Sammonicus 5.
Weit schwerer ist der Bericht über Fabius Cilo entstellt. Nach Dio 77, 4, 2f. schleppen die Soldaten den Cilo aus den Bade¬ räumen seines Palastes6 den langen Weg am Südrande des Palatin vorbei über die Sacra Via nach dem Aufgang zum Kaiserpalaste7. Der klägliche Anblick ruft das Mitleid der Zuschauer hervor
1 10, 1, 2 heißt der patruus magnus, Aper. Man erwartet an beiden Stellen denselben Namen. Es ist der Sohn des P. Septimius Geta Prosop. 3, 208, 326.
2 Prosop. 1, 392, 766.
3 4, 6, 3 tov ts ave^iöv ocutou Seßyjptj) ts 6(i.covu[jt.ov — d. h. er hieß auch Septimius — T?j q ts Ko^oSou aSeXcpYj? AooxtXXy)? olov. Er hat nur die Er¬ mordung der Glieder regierender Familien hervorgehoben ohne Rücksicht auf die Zeit. Cornificia Prosop. 1, 472, 1231. Plautilla Prosop. 2, 98. 388. Dann die beiden genannten und den Sohn des Pertinax vgl. unten S. 70.
4 Heer, Philol. Suppl. 9, 62.
5 Vgl. S. 51.
6 Hülsen, Topogr. 1, 3, 188.
7 Hülsen, Topogr. 1, 3, 65.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
69
cogts xal tov Svj^ov xal tou^ GTpaTt,a>Ta<; tou^ aoTixoü? UTuo&opoßTjoai, xal Sia toöto xal tov ’Avtcovivov xal alSso^evTa auToix; xal 9oßY)ü’£VTa a7ravT7]Gal 09101, xal ty) (ty]v yap OTpaTt,c*mxY)v EolHjTa slx£)
TrspißaXovTa auTov1 zi'Kelv ,,(jiy)T£ tov 7:aT£pa ußpl^STS p,Y]T£ tov Tp09£a2 7uat£T£u. 6 Se yikicLpyoq 6 xeXeuo^eI^ auTov 9ov£uoat. xal ol oTpaTicÜTat ol ou[/,t:£(jl9^'£vt£(; auTco av/]p£^Y)oav. Die Vollstrecker der kaiser¬ lichen Mordjustiz, wie hier der Tribunus und seine Soldaten, sind in der Kaiserzeit immer Praetorianer3. Doch beruht der Anteil, den die Urbaniciani an dem Schicksal des Gilo nehmen, auf einem tieferen Grunde und nicht der Zufall hat sie in Massen herbeigeführt. Die Cohortes urbanae, damals die einzige Truppe der Hauptstadt, die im Gegensatz zu den wilden Illyriern der Garde aus Italikern gebildet war4, hatten unter dem Befehle des Fabius Cilo gestanden, als dieser Praefectus urbi gewesen war5 6 7. Daher ihre Parteinahme für den Geschändeten und die Angst des Kaisers. In der Vita Caracalli und noch mehr in der Vita Getae ist das alles entstellt, um den Kaiser zu verherrlichen. Vita Caracalli 4, 6 et cum idem Cilo sublata veste senatoriaG nudis pedibus ab urbanicianis raptus esset , Antoninus seditionem con- pressit = Vita Getae 6, 4 ventum est usque ad seditionem urbanicia- norum militum, quos quidem non laeva auctoritate Bassianus1 con- pressit tribuno eorum , ut alii dicunt , interfecto , ut alii relegato. Aus dem Vergleiche beider Stellen sieht man, daß die Vorlage des
1 Das hat der Fälscher in seiner Vorlage gelesen, denn er hat es auf Severus Alexander übertragen, Vita Alexandri 51, 3 Ulpianum pro tutore habuit — quem saepe a militum ira obiectu purpurae suae defendit. Also auch dieser edle Zug ist aus dem Leben des emesenischen Knaben zu streichen.
2 Röm. Mitt. 20, 160.
3 So im Pisonischen Mordprozeß unter Nero, der ganz gleichartige Fall des Seneca. Tacit. Ann. 15, 60 und am Schluß die Belohnung 15, 72.
4 Das zeigen die Inschriften C. I. L. YI 32526. Cagnat, ann. dpigr. 1908, 146; 1910, 110. Septimius Severus hatte für die Polizeiwache der Haupt¬ stadt notgedrungen die Ergänzung aus Italikern beibehalten, da sie der latei¬ nischen Sprache kundig waren und mit dem Publikum der Weltstadt ver¬ kehren konnten.
5 Rangordnung S. 16.
6 Mommsen, Staatsr. 3, 887 Anm. 2. Aus Vita Garac. übertragen 2, 9 sub veste senatoria loricam habens, damit ist die Toga gemeint — vita Getae 6, 5 loricam sub lato habens clavo eine falsche Anwendung des Wortes clavus wie auch 19, 5, 4. 20, 4, 3. 25, 14, 10.
7 Es gehört zu seinem Namenspiel, daß er den Caracalla auch als Kaiser noch Bassianus nennt.
70
A. von Domaszewski:
Fälschers genau so wie Dio berichtet hatte; aber der Fälscher hat alles in böser Absicht entstellt. Nach Dios Worten yXolizolq ts Ö7üoSs8s(ji£vov — xal evSsSupivov war Gilo im Bade¬
kleid. Denn ■/Xkkv.q ist ganz richtig überliefert und ver¬ trägt sich wohl mit nudis pedibus. Aber sublata veste senatoria ist falsche Ausdeutung. Viel übler ist es, daß der Vorgang als ein Aufstand der Urbaniciani dargestellt wird, den Caracalla' unterdrückt. Die niederträchtige Hinrichtung des Tribunen, der nur auf des Kaisers Befehl gehandelt hatte, wird Caracalla zum Ruhm angerechnet, und seine Milde wieder ins Licht gestellt durch die Variante ut alii dicunt relegato.
Woher die Urbaniciani herbeieilten, läßt sich noch erkennen. Nach der Verstärkung, welche die Cohortes praetoriae durch Septimius Severus1 erfahren hatten, war für die Cohortes urbanae kein Platz mehr in den Castra praetoria2. Sie mußten eine neue Kaserne erhalten3. Der Bericht des Dio läßt erkennen, daß diese Kaserne auf dem Abhang des Gaelius stand, wo auch andere Truppenlager nachzuweisen sind, die Gastra peregrina und die Castra der equites singuläres4. Dann lag die neue Kaserne der Urbaniciani an dem Leidenswege des Gilo. Erst Aurelian hat diese Truppe auf das Forum suarium verlegt5.
Der Jahreswechsel liegt Vita 4, 7 = Dio 77, 5, 3—5. So er¬ hält die Angabe 4, 8 Helvium Pertinacem 6, suffectum consulem , ob hoc solum , quod filius esset imperatoris , occidit eine ausgezeich¬ nete Beziehung. Er hätte an die Stelle des Asper treten sollen7. In der Vita Getae wird auch dieser feige Mord entschuldigt durch das angebliche Witzwort des Pertinax 6, 6: Helvius Pertinax — dixisse dicitur adde et Geticus maximus , quasi Gothicus. Quod dictum altius in pectus Bassiani descendit — 6, 8 Helvium autem etiam suspectum habuit adfectatae tyrannidis. Der Witz kehrt wieder Vita Caracalli 10, 6. Die Gegner Caracallas, die er erst zwei Jahre später an der unteren Donau bekämpfte, waren die Carpen8. Die
1 Neue Heidelb. Jahrb. 10, 238.
2 Hülsen, Topogr. 1, 3, 385 f.
3 Mommsen, Staatsr. 2, 1068.
4 Hülsen, Topogr. 1, 3, 234. 246.
5 Hülsen, Topogr. 1, 3, 452.
6 Prosop. 2, 133, 50.
7 S. 65.
8 Dessau, inscr. sei. 7178.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
71
Gothen sind dieser Zeit noch ganz fremd. Aber bei Sidonius Apollinaris las er oft Getae für Gothi.
Echte Überlieferung ist der Abschluß der Mordtaten Vita Caracalli 4, 10. Dafür bürgt der sprachliche Ausdruck1.
Trotz aller Verwüstung, die der Fälscher angerichtet hat, läßt dieser Abschnitt den Charakter der lateinischen Übersetzung noch erkennen. Den unendlichen Mordkatalog2 Dios hat der Über¬ setzer gekürzt, aber alle jene Fälle aufgenommen, denen Dio eine ausführlichere Schilderung zuteil werden ließ3. Es sind jene Männer, die nach ihrer Herkunft auf den Thron Anspruch er¬ heben konnten, und die ausgezeichneten Leiter des Staates aus der Zeit des Septimius Severus.
In gleicher Weise ließen sich die Spuren des Dio durch den ganzen Text der Vita nachweisen4. Hier soll noch die Erzählung von Caracallas Ermordung5 geprüft werden6.
13, 6, 6 Deinde cum iterum vellet Parthis bellum inferre atque hibernaret Hedessae atque inde Carras Luni dei gratia venisset , die natalis sui , octavo idus Apriles ipsis Megalensibus , cum ad requisita naturae discessisset , insidiis a Macrino praef. praet. positis , qui post eum invasit Imperium , interemptus est. Der Anfang aus Dio 78, 3, 4 iv ohdcac, e^SLjjLa^ov — 4, 1 sAvTomvo<; avTi7uapeoxeua^£TO — 5, 4 £^opp,YjoavTa s £ ’E8£gcy]<; iq Kappas hier auf dem Wege ereignet sich der Mord, ohne daß Caracalla Carrae erreicht. Die Worte atque inde Carras Luni dei gratia venisset sind eine Einschaltung nach Herodian 4, 13, 3 (juv£ßy) 81 — &s\yiooli tov ’AvTomvov, St,aTptßovTa ev Kappai«; tyjs M£ao7raToquoc<;, 7upo£AÜ£Zv t ßaciXaa^ a7r£XF£lv t£ ic, tov v£o>v tyjs (7£Xy]vy^. Hierauf folgt das äußerst verkürzte Excerpt über den Mord, gleichfalls nach Herodian ineix&eic, u tzo ty yacTpot; — av£y/op£i — ad requisita naturae discessisset.
1 Mommsen, Staatsr. 3, 1265.
2 Dio 77, 6, 1.
3 In den Fragmenten des Dio ist außer den auch vom Übersetzer genannten Opfern nur Thrasea Paetus erwähnt. Prosop. 3, 371, 95.
4 Vgl. S. 140.
5 Rhein. Mus. 57, 506, wo ich aber die Quellenverbindung nicht er¬ kannt hatte.
6 Die Angabe über Caracallas Todestag, oben S. 60.
72
A. von Domaszewski:
13, 6, 7 Conscii caedis fuerunt Nemesianus et frater eius Apolli¬ naris Recianusque 1, qui praefectus legionis secundae Parthicae militabat et qui equitibus extraordinariis praeerat , non ignorantibus Marcio Agrippa, qui classi praeerat , et praeter ea plerisque offici- alium inpulsu Martialis. Diese Liste stammt aus Dio 78, 5, 2 xax toutoi) 8öo ts yikivLpyovq twv ev tw 8090909 ixcq TETOcypivov, N £[/.£- oiavov te xal ’AtuoXXivc^lov aSsT^oix; AÖ9Y)Xioo<;, xal ’IooXlov Ma9Tt,aXiov — (Macrinus) 7ra9aox£oaoa<; £7usßoöX£oosv auTco. Denn die Folge der Namen ist dieselbe. Eingeschoben sind aus Dio 78, 13, 1 M0C9XIOV ’Ay9i7U7rav — 4T9ixxt.av6v — tote toö ’AXßavfoo gt9octo7ue8oo a9/ovTa. Die korrekte Übersetzung praefectus legionis II Par¬ thicae beweist, daß der Übersetzer das Heerwesen des 3. Jahr¬ hunderts genau kannte. Aber daß sie um die Verschwörung wußten, ist bei Dio nicht zu lesen, sie werden nur als Männer von Macrinus Vertrauen genannt; das hat der Übersetzer er¬ schlossen. Richtig in der technischen Sprache ist auch equites extraordinarii für die barbarischen custodes corporis Dio 78, 5, 5. Daß Triccianus der Kommandant auch dieser Leibwächter war, ist aus Dio nicht zu erkennen. Marcius Agrippa war zur Zeit des Mordes Senator, aber nach seiner Laufbahn2 kann er früher praefectus classis praetoriae gewesen sein. Vielleicht war sein Name bei Dio genannt an der Stelle über den Schiffbruch, woraus Vita 5, 8 stammt unde in triremem a praef. classis receptus evasit. Noch deutlicher zeigt die Erwähnung der Officiales , wie der Übersetzer aus ganz verschiedenen Stellen des Dio seine knappe Darstellung zusammengefügt hat.
Die Officiales des Kaisers nennt auch die Lagerbeschreibung3. Ihre Lagerlinie ist auf den Raum von 600 Fußgängern bemessen. Zunächst der linken Seite des Praetoriums, entspricht sie der Lagerlinie der Comites4 zur Rechten. Ihre Deutung finden diese (Officiales durch eine Stelle des Cod. Iust. 9, 51, 1 Imp. Antoninus Augustus cum salutatus ab Occlatinio Advento et Opellio Macrino praefectis praetorio clarissimis viris , item amicis et principalibus
1 Er hieß Aelius Decius Triccianus, Recianus ist also ein bloßer Schreib¬ fehler in dem Texte, den der Fälscher benützte. Prosop. 1, 15, 126.
2 Rhein. Mus. 58, 224.
3 Meine Ausgabe S. 65.
4 Rangordnung S. 184.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
73
officiorum et utriusque ordinis viris et processisset. Diese Officia1 sind die Büros der Beamten ab epistulis , a libellis , a memoria und die Principales sind die Proximi der Officia. Diese Officiales als Mit verschworene zu nennen, wird der Übersetzer durch eine Stelle des Dio bestimmt worden sein, die der Nennung des Marcius Agrippa und des Triccianus unmittelbar vorhergeht. Die schwer¬ beschädigten Worte lauten: Dio 78, 12, 4 t^vixocutoc 8s] (poßyj&El <;
[p.7] ÄTUOOTT]] TOV AopY]}ua[vÖv TÖV xal] (XOVOV OU^ 07ü[c0£ TO)V U7üa]T£U- xotcdv a[X>.a xal twv] 6 Xox; ßouX[£UovTO)v tote] rcapovTa, a7r[oX£(jai auTOv] U7TO xpy)(jiaT[<üv TjTiaaaTO, kq] auTov tyjv tt)v] amav tou
ü-[avaTOU tou] KapaxaXXou [aya7U7]TC0(;] Tpetpa^ • to 8’ [aiTtapia] xal2
Tuspl to[ix; Si£7rov]Tac;3 tl £7uo[ia6(X£voq . 7ra] pjroXXa xal [^pyj^aTa
xa]l xT7][xaTa tc5[v a7uoXop,£vco]v. an; ou[8e Taü]va 8ia tou<; [oTpaTtco] Ta^ [£^7)]pX£t, Ta Ic, £v[8£tai(; xa]l axwv 7TpOa[£Tl 7üpOGs8E]£aTO xal [ASvfrOl, xaxa tco]v ßouXEUToiv [p,7]vu(j£(,^, &]v aTOXTEifvat; p,£v] p.7]8£va a XV ic, [cpoXaxYjv v]iva^ £p.ßaX<nv. In der Lücke werden die Personen, die sich bei der Einziehung der Güter der Gemordeten bereichert hatten, genannt gewesen sein.
Vita Caracalli 7, 1, 2 ist eine Doppelerzählung. Der Mord wird hier nochmals berichtet und zwar genauer nach Dio. Um die Übereinstimmung mit der ersten Erzählung herzustellen, wird der Mord auf den Weg von Carrae nach Edessa, statt umgekehrt, verlegt. Es ist eine Freiheit des Übersetzers, daß er den Martialis, wieder in der Absicht zu kürzen, zum strator macht. Der Schluß conclamatumque est ab omnibus id Martialem fecisse , ist eine un¬ glückliche Übertragung des Bufes, in den nach Dio 78, 8, 2 das Volk in Rom ausbrach. Merkwürdig ist diese Einschaltung, weil sie zeigt, wie der Text des ersten Übersetzers durch Zusätze in der zweiten Fassung erweitert wurde4. Eben diese zweite Fassung hat dem Fälscher Vorgelegen. Aber auch seine Hand ist noch zu erkennen in dem Lunus deus 5, der an Stelle der Luna tritt. Denn seine Erfindung führt er weiter aus 7, 3—5. Woher allerdings seine astrologische Weisheit stammt, weiß ich nicht zu sagen.
1 Vgl. im allgemeinen Hirschfeld, Verwaltungsb. 457, der aber diese Stelle nicht berücksichtigt, ebensowenig kennt sie Mommsen im Staatsrecht; nur Tillemont hat sie erwähnt.
2 xod weist auf die vorhergehende Beschuldigung des Aurelianus hin.
3 Administrare. 4 Vgl. S. 26. 81. 153.
5 Der angebliche deus Lunus der Münzbeschreibungen ist entweder eine Amazone oder der Heros mit dem Doppelbeil. Imhoof, Kleinasiatische Mün¬ zen S. 573.
74
A. von Domaszewski:
Boll bemerkt mir: ,,Die Zweigeschlechtigkeit des Mondes ist schon bei Plato Sympos. 190 B verwertet, vielleicht aus Orphi- scher Quelle, vgl. hymn. Orph. IX 4 ts xocl appvjv. Es ist
sehr wahrscheinlich, daß das auch in der Astrologie manchmal ge¬ schah, aber in den mir augenblicklich erinnerlichen Quellen steht es nicht. Das ist begreiflich, denn die Astrologie brauchte not¬ wendig gegenüber den vier männlichen Planeten Saturn, Jupiter, Mars, Sonne und dem auch halb männlichen und halb weiblichen Merkur doch wenigstens zwei unbedingt weibliche Planeten. Jedoch können die männlichen Planeten auch weiblich und die weiblichen auch männlich werden je nach ihrer Stellung zur Sonne, zum Horizont oder im Zodiacus (Näheres bei Bouche- Leclercq, l’astrol. gr. p. 102 f.) ; darauf bezog sich die von dem Autor benutzte Quelle: er aber hat die Folgen an den Glauben an einen weiblichen oder männlichen Mondgott geknüpft. Die Sätze ,, is addictus mulieribus semper inserviat “ und ,,is dominetur uxori neque ullas muliebres patiatur insidias “ klingen ganz wie zahlreiche Sätze bei Firmicus Maternus, vgl. z. B. I 120, 14; II 47, 24; 137, 11 ff. usw.“
Auch in der Vita Macrini1 und in der Vita Heliogabali2 läßt sich die Benützung des Dio Gassius auf das genaueste verfolgen. Aber in dieser Abhandlung, die nur die Herkunft der Namen, so¬ weit es mir möglich war, feststellen soll, mußte alles ausgeschie¬ den werden, was den Gang der Untersuchung gehemmt hätte. Denn nur durch die scharfe Trennung der einzelnen Fäden, welche in den Fälschungen zu einem bunten Gewebe verbunden sind, ließ sich über den Ursprung der Erfindungen Klarheit gewinnen. Die Forschung nach den Namen ist auch nur ein Fingerzeig mehr, die vom Fälscher benützte und zum Teil für uns verlorene Lite¬ ratur allmählich wiederherzustellen.
II. Herodianus und Dexippus.
Auch der Text des Herodianus hat in der Vita der Gordiani eine Ergänzung durch den Übersetzer aus Dexippus erfahren.
Bekanntlich unterscheidet sich die Überlieferung über die Gordiani bei Zosimus in wesentlichen Angaben von der bei Herodianus.
1 Heidelb. Sitzb. 1918, 6, 25 und hier S. 45. 139.
2 Heidelb. Sitzb. 1916, 7, 14 und hier S. 151.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
75
Zosimus 1, 14, 1 ol tyjv Aißoyjv oixouvts c, TopStavov xal tov 6p.covop.ov toutco 7raiSa ßaaiXsa*; avaSsl^avTE^, EOTSiXav sv ePcop.Y) 7up£oßsi<; aXXou<; te xal BaXspiavov, 6^ tou U7iaTixoü Tayp.aTO^ cov EßaaiXsuosv uaTspov. 7] Ss ouyxXYjToc; to 7üpa^£v aap.Evlaaaa Tcapsaxsua^ETO 7cpo<; ty)v tou Tupavvou xaümp£at.v, tou<; te GTpaTicoTac; zlq £7uavaoTaai,v spstH^ouoa xal tov 8?)p.ov avap.ip.VYjaxouGa twv sl^ sxaoTOV ISia xal xoivyj 7iavTa<; aSixY)p,aT<ov. etceI Sk 7uaat TaÜTa eSoxel, Tcpo^sipl^ovTat. t 9j<; ßouX9j<; avSpa^ sixoot, GTpaTYjylac; Epjuslpou^ • ex toutcov auTOxpaTOpa^ sXop.£voi Suo, BaXßivov xal Ma£ip.ov, 7upoxaTaXaßovT£<; Ta^ etuI ty)v fPu)p.v]v cpEpouaa«; oSout; ETOip.oi 7rpo<; tt)v £7uavaoTa<jt,v 9)aav.
Diese 20 Männer sind durch Inschriften gesichert. Pässau Inscr. sei. 1186 ( viginti ) viros (sic) ex senatus consulto rei publicae curandae — 89791 [ comiti 2 Augustorum nostrorum,] inter (viginti) consulares. Herodian dagegen sagt bloß 7, 10, 1 ox; Sk k c, tyjv 'Pcop.yjv sSy]Xa)'0'7] yj tou 7rpEoßuTOu teXeutyj — 3 tou 7tXelgtou t9]<; yvc6p.Y]<; Ma£ip,ov te xal BaXßivov ocveutovto^ auTOxpaTopa^ £7roiY](jav.
Nachdem die Nachricht von der Erhebung der beiden Gordiani zu Kaisern in Bom bekannt wurde, wählte der Senat Viginti viri rei publicae curandae, an deren Spitze Balbinus und Maximus stehen. Balbinus war bereits im Jahre 213 Mitconsul des Caracalla gewesen3, Maximus war Gonsul II und Praefectus urbi4. Wenn dennoch Balbinus an Rang ihm vorangeht, so war er consularis primae sententiae, also der Vormann des Senates. Diese Stellung ist in unserer Überlieferung so schwer zu erkennen, daß es einer besonderen Untersuchung bedarf, um sie klar zu stellen. Auszu¬ gehen ist von einer Bemerkung Vita Hadriani 8, 11 Serviano sororis viro, cui tantum detulit , ut ei venienti de cubiculo semper ocurrerit, tertium consulatum, nee secum tarnen , cum ille bis ante Hadrianum fuisset, ne esset secundae sententiae , non petenti ac sine precatione concessit. Mommsen5 erklärt diese Worte ,,daß Hadrian (cos 108. 118. 119) den Servianus (cos II 102) das dritte Consulat (für 134) gab — kann auf die Stimmordnung nicht gehen, da, wenn Servianus zurückgesetzt werden sollte und das dritte Consulat dafür in Betracht kam, ihm dies nicht bloß mit Hadrian, sondern
1 Nach einer Photographie, die Dessau mir zur Einsicht überlassen hat.
2 Rhein. Mus. 58, 542 von mir ergänzt; mir lag nur eine schlechte Kopie vor.
3 Heidelberger Sitzb. 1918, 6, 16.
4 Festschrift für Gomperz 233; Dittenberger, Inscr. Orient. 518.
5 Staatsr. 3, 976 Anm. 4.
76
A. von Domaszewski:
überhaupt nicht gegeben werden durfte; es muß gemeint sein, daß Hadrian ihn nicht für 118 oder 119 als Gollegen zuließ, da er in diesem Falle ihm im Range nachgestanden haben würde und die secunda sententia also auf die gemeinschaftliche Relation der beiden Consuln sich beziehe/' Wie dieser krause Gedankengang in den einfachen Worten liegen soll, ist mir gänzlich unerfindlich. Die Sententia ist doch keine Relatio, sondern gerade das Gegen¬ teil, die Antwort des Senators auf die Relatio des Gonsuls.
Vielmehr ist das Recht auf eine Relatio als erster eine sen¬ tentia zu äußern schon von Augustus dem angesehensten1 Senator verliehen worden. Das zeigen die Senatsverhandlungen unter Tiberius. Stets ist es Asinius Gallus2, dessen sententia zuerst oder auch allein genannt wird3; so war Tiberius, der so oft den Senatsverhandlungen anwohnte, gezwungen, immer die Meinung dieses ihm tödlich verhaßten Menschen4 als die maßgebende zu behandeln. An seine Stelle trat noch unter Tiberius M. Silanus5.
Seit den Flaviern wird das Gonsulat selbst an Private dreimal verliehen, dann bildeten die Gonsulares III die höchste Gruppe der Senatoren. Deshalb bekleiden Kaiser, wie Claudius, Nerva, Traianus, Hadrianus, Pius, Marcus, die streng nach der Consti¬ tution regieren, und die Mitherrschaft des Senates achten, schon am Anfänge der Regierung das dritte Gonsulat, gehen aber über diese Zahl nur unter bestimmten Bedingungen hinaus6. Der höchsten Klasse mußte der Princeps eben notwendig angehören. Der Consularis primae sententiae gehört daher auch notwendig der höchsten Klasse an. So verlieh Nerva das dritte Gonsulat bei Antritt der Regierung dem Verginius Rufus. Man muß annehmen,
1 Nicht der älteste Consularis. Das war bei Augustus’ Tode L. Do- mitius Ahenobarbus (cos 16 v. Chr.); er lebte bis 25 n. Chr. Prosop. 1, 17, 109.
2 Corsul an. 8 v. Chr. Es ist bemerkenswert, daß Augustus dem Schwie¬ gersöhne des Agrippa den Vorzug gab vor dem besser berechtigten Schwieger¬ söhne der Octavia.
3 Tacit. ann. 1, 8. 76. 77; 2, 32. 33. 35. 36; 4, 20. 30. Daß Tacitus in seinen Berichten immer der Stimmordnung folgt, zeigt allein schon, daß er die Akten des Senates selbst gelesen hat. Gerade der Fall 2, 32, wo Tacitus die sententia des Gallus später nennt, ist erst recht beweisend. Die Reihen¬ folge, in welcher über die einzelnen sententiae abgestimmt wurde, liegt beim Vorsitzenden. Hier war vermerkt, daß auch Asinius Gallus der sententia des L. Piso zugestimmt hatte. Tacitus folgt also deutlich dem Protokoll.
4 Geschichte der röm. Kaiser l2 S. 308.
5 Dio 59, 8.
6 Heidelb. Sitzb. 1918, 6.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
77
daß er ihn zum consularis primae sententiae wählte. Denn als er noch in diesem Jahre starb, trat an seine Stelle Didius Gallus Fabricius Veiento1. Wenn Traian den Sext. Iulius Frontinus gleich¬ falls zum Gollegen im Antrittsconsulate wählte, so hat er eben auch ihm die prima sententia verliehen.
Als Hadrian im Jahre 125 von seiner ersten Reise nach Rom zurückkehrte, hätte man erwarten sollen, daß er das Gonsulat wieder übernehmen werde2. Er ernannte aber den Annius Verus zum Gonsul III und bevorzugte so die Familie, der er später die Nachfolge zuwandte. Auch Annius Verus wird zugleich Consularis primae sententiae geworden sein. Als er nach seiner Rückkehr im Jahre 1333 dem Servianus das dritte Consulat verlieh, geschah dies, wie die Vita Hadriani ausdrücklich sagt, ne esset secundae sententiae. D. h. er hatte bisher den zweiten Platz in der Liste des Senates gehabt und erhielt jetzt mit dem dritten Gonsulat den ersten. Seinen Schwiegersohn Cn. Pedanius Fuscus hatte Hadrian beim Regierungsantritt bereits im Jahre 117 zum Mit- consul gewählt. Die neue Bevorzugung des Servianus schien so das Erbrecht der Blutsverwandten des Kaisers zu sichern. Dennoch trug sich Hadrian in seiner letzten Krankheit mit dem Gedanken, den Annii die Nachfolge zuzuwenden. Diese Unsicherheit über die Thronfolge hat den 90 jährigen Servianus zu dem wahnwitzigen Versuch bestimmt, durch die Anerkennung der Palastwache die Herrschaft seinem Hause zu gewinnen4.
Ein echtes Zeugnis5 über eine Senatssitzung des 3. Jahr¬ hunderts, in der ein Senator primae sententiae erwähnt wird, findet sich in der Epitome 34, 3 Claudius vero cum ex fatalibus libris , quos inspici praeceperat , cognovisset, sententiae in senatu dicendae primi mortem remedium desiderari , Pomponio Basso , qui tune erat , se offerente ipse vitam suam haud passus responsa frustrar i dono reipublicae dedit , praefatus neminem tanti ordinis primas habere , quam imperatorem. Der Kaiser selbst steht an der Spitze
1 Plinius Epp. 9, 13, 19. 20. Er war also Gonsul III bereits unter Do¬ mitian.
2 Wie Traian nach dem ersten Dacerkriege.
3 Also damals ist Hadrian bereits in Rom. Das erste bekannte Datum seiner Anwesenheit ist aus dem Jahre 134.
4 Vita Hadriani 15, 8. 22, 9. Dio 69, 17.
5 Mommsen, Staatsr. 3, 976 Anm. 4 hat es übersehen; alle von ihm angeführten Stellen der Scriptores sind gefälscht.
78
A. von Domaszewski:
der Senatsliste1. Aber er nennt sieh nicht Princeps senatus. Nur Pertinax ließ sich so auf Denkmälern nennen, weil er nach der Willkürherrschaft des Commodus dem Beispiel des Marcus folgend wieder streng nach der Verfassung der Dyarchie regieren wollte. Tatsächlich ist der Consularis primae sententiae der Vormann des Senates. Daher erklärt sich der Doppelsinn des Orakels. Der Kaiser erfüllte die Prophezeiung nicht durch den Schlachtentod, aber durch den Tod an der Pest2.
Ein zweiter Bericht über eine Senatssitzung aus dem 3. Jahr¬ hundert ist schwer verstümmelt, Dio 78, 19, 4 xal tou p.sv Kapa- xaXXou ouSev p.aXXov £[p,sp,v7)v]TO, Ta Ss eiq e[xeivov 9s]povTa a XXox; [piv OUVs](7TeXXoV t6[t£ xal TY) 7Ua]paLTYja£l, TG)V [6vO(JLOCTCOV TOU EsOUYjpOU [xal tou] ’AvTomvou xa[l ax; evoouv ej^&paivov x[al Mayvov3] ys xal yjpcoa [xal Ta iot-jxoTa St,a tyjv [auTOu Y]ysp,o]viav ou4 [moTtu^, gn;] a7uo- 9avÜYj[a£Tat euüu«;], xal 7ravTa7iaaiv [al yvcS]p.ai tüocvtwv [avüpco7uco]v tg>v sv t9] rP[cop.Y) ovtcov] (jL£T£7ü£<70v [* TTjv yap] yspouaiav a[p,a 7} 'P<o(XY) 7üa]oa xal £7C(,(p[ojvY]a£i] p.ovY) £7riT[ip.Y)aaoav] xaxoupyY)o[ai piv £975] auTO e^aiTpjoai 8’ ic, 9u]yY)v spl5 8e[ei • xal piv]TOi xaT’ av8[pa 7uavT(o]v £po)T7]ü[£VTCOv 7ü£pl] Twv Tip.c5v [auTOu aXXoi] T£ ap,9ißoX[co<; a7T£xpl]vavTO xal ö[p.co<; 8’ av Sa]TOupvZvo<; [sSs^aTO ty]v al]Tiav Tpo7rov Tt[va £7ui]97)p,t£opiv[Y]v, ei (jiY) el^ t&v] OTpaTYjycov [eXe^e (jlt) ej^etvat. ol p.Y)[8spiaV ^Yj^OV 7U£pl t]oU TCpoüsZ] Val, Lva p.7) [6 Maxptvo^ 9Üo]vY]a7J 09101V. [xal TauT]a piv e£cd tou xaü[£OT7)]x6TOc; £y[£Vs]TO (ou yap [Jjv v]6p.ip,ov U7ü£p ou8evo<; [amap,a]TO<;6 cxs^t-v Tiva [sv tg) ßoJuXsuTYjpiG) p.7] [xeXeuJovto^ tou auTox[paTopo]<; ysvEaüat). Ich verstehe den Vorgang
1 Mommsen, Staatsr. 3, 969 f .
2 Über 25, 12, 6 vgl. S. 14.
3 So heißt Caracalla als divus, Dessau inscr. sei. III S. 290. Es muß etwas vorhergehen, daß das rjpwa überwiegt.
4 S7tt97)p.t£eat>at. ist acclamare Dio 54, 32. Gewöhnlicher ist emqxovetv
Dittenberger, inscr. Orient. 575, 34. So auch zu ergänzen Stud. Pal. V 7,8.
6 Es scheint, daß Dio durch den Zuruf: ,,refer, refer, perroga“ die Um¬ frage veranlaßte, der der Senat aus Angst vor Macrinus widerstrebte.
6 Mommsen, Staatsr. 3, 954 liest mit Bekker TrpaypaTo«;, aber das ist unmöglich. Wie sollte der Senat nur über Antrag des Kaisers verhandeln, besonders wenn dieser wie Macrinus gar nicht in Rom ist? Was für eine Bedeutung hätte dann das ius quartae relationis des Kaisers, das wenig¬ stens unter Pertinax sicher bestand 8,5,6 nec simul etiam imperium procon- sulare nec ius quartae relationis. Das ist ganz richtig überliefert. Der Mit¬ regent hat die quinta relatio 4, 6, 6 tribunicia potestate donatus est atque imperio extra urbem proconsulari addito iure quintae relationis. Aus diesen beiden
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
79
so: Der Senat hatte sich versammelt, um über die Consecratio des Caracalla auf Grund eines Antrags des Kaisers Macrinus Beschluß zu fassen. Die erste Acclamatio, welche der Einbringung des An¬ trages durch den Gonsul Saturninus vorherging, sprach schon die Consecratio aus, was Dio als gegen die Geschäftsordnung ver¬ stoßend, durch einen Zuruf ablehnt. Darauf bringt der Gonsul den Antrag auf die Consecratio des Caracalla ex auctoritate imperatoris Macrini Augusti ein und leitet die Umfrage ein. Bei der Beant¬ wortung der Relatio äußern die Senatoren ihre Sententiae in einer Weise, die auf die Versetzung des Dio in den Anklagezustand wegen Verletzung der Maiestas des Kaisers Macrinus hinausläuft. Schon will der Vorsitzende Consul diese Anklage gegen Dio erheben, als einer der Praetoren ihn daran hindert, weil eine Anklage vor dem Senat nur über Antrag des Kaisers stattfinden darf.
Auch für die weitere Untersuchung war es unerläßlich, die Stellung des Princeps senatus klarzulegen.
Daß die Quelle des Zosimus* 1 Dexippus ist, lehrt uns der Fälscher
19, 32, 3 Addidit Dexippus tantum odium fuisse Maximini , ut interfectis Gordianis viginti viros senatus creaverit , quos opponeret Maximino , in quibus fuerunt Balbinus et Maximus , quos contra eum principes fecerunt. Das Entscheidende für Dexippus Dar¬ stellung ist, daß Balbinus wie bei Zosimus vor Maximus genannt ist. Dieser Bericht des Dexippus ist in ausführlicher Fassung er¬ halten.
20, 9, 6 Post hoc Carthaginem ventum est (die Gordiani l und 11) cum pompa regali et fascibus laureatis , filiusque legatus patris , exemplo Scipionum , ut Dexippus [ Graecae historiae ] auctor est , pari potestate succinctus est. Das hat der Übersetzer bemerkt, der den Dexippus zur Ergänzung des Herodianus verwendet. Denn Hero- dian sagt nur 7, 7, 2 yj te goykXy]to<; ouveXüougoc — töv TopSiavov apa tü ulco SsßaoToix; avayopsuouai Und erwähnt noch den Tod des jüngeren Gordianus 7, 9, 7; aber auch hier nennt er nicht sein Amt als legatus des Vaters.
Stellen und 9, 3, 3 tribuniciam potestatem, ius proconsulare in patricias fami- lias relatus emeruit , hat der Fälscher 18,1; 2 ; 8. 21,8. 28,2 seinen Unsinn fabriziert. Vgl. auch Mommsen Staatsr. 3, 900 Anm. 1, wonach eine Anklage vor dem Senat der Zustimmung des Kaisers bedarf.
1 S. 75.
80
A. von Domaszewski:
20, 9, 7 Missa deinceps legatio Romam est cum litteris Gordiano- rum haec , quae gesta fuerant in Africa , indicans, quae per V alerianum principem senatus , qui postea imperavit, gratanter accepta est. Das ist wieder ganz entstellt durch den Fälscher, wie der Vergleich mit Zosimus lehrt. Valerianus war nicht damals Princeps senatus1, sondern erst unter Decius2, im Jahre 251, als er ihn entsandte, um den Aufstand in Italien zu unterdrücken. Im Jahre 250 war Gratus Princeps senatus3 4 5. Gelesen hat der Fälscher in seiner Vor¬ lage auch das Jahr, Decio et Grato consulibus in der Vita Decii. Denn er verwendet den Namen des Gratus für eine Fälschung. 25, 17, 1 Item epistola GallienP — quaeso igitur, mi Venuste, si mihi fidem exhibes , ut eum facias a Grato et Herenniano placari. Der Venustus dankt seinen Namen den Consuln a. 240, 20, 23, 4
Venusto et Sabino cos. und Herennianus 5 steht mit Recht hinter Gratus, da die Consuln des Jahres 251 Decius und Herennius Etruscus sind. Der Schluß ist ganz entstellt. Valerianus empfängt nicht die Gesandtschaft sondern überbringt die Botschaft, also stand quae a Valeriano — suscepta est wie bei Zosimus.
20, 9, 8 Missae sunt et ad amicos nobiles litterae, ut homines potentes et rem probarent et amiciores fierent ex amicis. Dieser Satz ist aus Herodian 7, 6, 3 eingeschoben. 10, 1 sed tanta gratulatione factos contra Maximinum imperatores senatus accepit ut non solum gesta haec probarent sed etiam viginti viros eligerent, inter quos erat Maximus sive Puppienus et Clodius Balbinus, qui ambo imperatores sunt creati, posteaquam Gordiani duo in Africa interempti sunt. Die Namen hat der Fälscher aus Aurelius Victor 26, 7 eingesetzt6. Vielmehr stand einfach wie bei Zosimus Balbinum et Maximum. Erst nach dem Tode der Gordiani7 erhielt, wie Herodian 7, 10, 1 berichtet, Maximus als der Kriegskundige den Vorrang vor Bal¬ binus. Und das steht auch, wieder nach Dexippus, in der Vita Gordiani 22, 1 post mortem duorum Gordianorum senatus trepidus et Maximinum vehementius timens ex viginti viris, quos ad rem publicam
1 Das konnte er schon nach seinem Alter nicht sein; er war damals einer der jüngsten Consulare. Auch besaß die Stellung Balbinus.
2 Heidelb. Sitzb. 1917, 1, 13.
3 Heidelb. Sitzb. 1918, 6, 18.
4 Vgl. S. 10.
5 Vgl. S. 40.
6 Vgl. S. 5.
7 Vgl. S. 75.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
81
tuendam delegerat , Puppienum sive Maximum et Clodium Balbinum Augustos appellavit. Denn auch Zosimus sagt bei der Ermordung der Kaiser 1, 16, 2 Moc£tp.ou xal BaXßtvou aTpocTicoTac; ocutco Tivas
iTravaoTY] aavT(ov.
Der Vorgang war also der, daß Balbinus und Maximus zuerst an der Spitze der viginti viri standen, und nach dem Tode der Gordiani I und II zu Kaisern gewählt wurden, als Maximus und Balbinus. Deshalb sagt die Inschrift1 comiti Augustorum nostrorum , inter viginti consulares. Die Senatskommission, soweit sie nicht schon auf dem Kriegsschauplatz tätig war2 oder in Rom blieb, folgte dem Maximus als Gomites ins Feld.
Es folgt 20, 10, 2—4. 8 die Erzählung wieder nach Dexippus. Denn alle diese Einzelheiten fehlen bei Herodianus. Der Bericht über Vitalianus stammt aus Herodian 7, 6, 4—7, 2. Zuerst in stärkster Verkürzung § 5, dann nochmals ausführlicher § 6. 7 mit den Worten eingeleitet de cuius morte haec fabella fertur. Das ist ein Zusatz der zweiten Fassung gewesen, wie in der Erzählung von Caracallas Ermordung3 4. Der Übersetzer legte also in diesem Abschnitt der Vita der Gordiani I und II den Dexippus zugrunde und ergänzte ihn aus Herodian.
Aus der Einleitung dieser Vita stammen 20, 1. 2 Gordiani non , ut quidam imperiti scriptores locuntur , duo sed tres fuerunt , idque docente Arriano , scriptore Graecae historiae , docente item Dexippo , Graeco auctore , potuerunt addiscere , qui etiamsi breviter , ad fidem tarnen omnia persecuti sunP. Horum Gordianus senior, id est primus, natus est patre Maecio Marullo, matre Ulpia Gordiana, originem paternam ex Gracchorum genere habuit, maternam ex Traiani imperatoris. Der eigentümliche Schriftsteller Arrianus erscheint wieder 19, 33, 3 et Dexippus et Arrianus et multi alii Graeci scrip- serunt Maximum et Balbinum imperatores contra Maximinum factos. 21, 1, 2: cum et Dexippus et Arrianus Maximum et Balbinum dicant ■electos contra Maximinum. Daß an allen drei Stellen mit Arrianus nur Herodianus gemeint sein kann, ist klar. Demnach hat der
1 Vgl. S. 75.
2 Wie Crispinus und Menophilus in Aquileia. Herodian 8, 2, 5. Prosop. 3, 341, 281.
3 S. 73.
4 Sicher interpoliert. Vgl. Le s sing, Lexikon s. v. breviter , fides typisch für den Fälscher. Das breviter allein beweist schon, daß er den Herodian nicht gelesen hat.
Sitzungsberichte der Heidclb. Akad., philos.-hist. KI. 1918. 13. Abh.
6
82
A. von Domaszewski:
Fälscher den Namen Herodianus durch Arrianus ersetzt. Und zwar weil er 20, 29, 1 Arriano et Papo consulibus las. Wegen des Gleichklanges der Namen Arrianus und Herodianus erlaubte er sich die Conjectur, daß der Consul a. 243 ein und derselbe Mann sei mit dem Schriftsteller.
Der Übersetzer hatte allerdings, wie es auch Euagrius1 vor¬ schreibt, den Asinius Quadratus für die Geschichte des Parther- krieges unter Verus eingesehen. 5, 8, 4 quod quidem inter ceteros etiam Quadratus belli Parthici scriptor , incusatis Seleucenis , qui fidem primi ruperant , purgat. Deshalb muß man annehmen, daß er auch den Flavius Arrianus für den Partherkrieg Traians benützt hat. Aber die Vita Traiani hat der Fälscher nicht mehr gelesen2.
ln der Vita Gordiani 20, 2, 1 sind die imperiti scriptor es Eutropius und Aurelius Victor, die beide nur zwei Gordiani nennen. Originem paternam ex Gracchorum genere habuit , maternam ex Traiani imperatoris stammt aus Dexippus; denn es fehlt bei Herodian. Die Inschriften sichern die erste Bemerkung, da sie den Kaiser M. Antonius Gordianus Sempronianus nennen; so ist auch an der Richtigkeit der zweiten Bemerkung nicht zu zweifeln.
Einen zweiten Teil des Stammbaumes gibt der Fälscher 20, 4, 2 filia Maecia Faustina , quae nupta est Iunio Balbo und später erscheint 20,30,1 (Gordianus III) apud duces et milites adstante praefecto 3 Maecio Gordiano , adfini suo. Wie kommt die Familie des M. Antonius Gordianus dazu, das Gentile Maecia zu führen ? Das beruht auf einer wundervollen Kombination. Er erschloß es aus den Namen der Consules suffecti4 des Jahres 275, die 27,3, 2 Velius Cornificius Gordianus und Maecius Faltonius N icomachus heißen.
Marullus heißt der Vater nach dem Mimographen5 Servius ecl. 7, 27. Es entspricht dies seiner Idee von der Vererbung der Namen, daß nun im Sohne M. Antonius Gordianus die Wirkung dieses
1 Vgl. S. 59.
2 Vgl. S. 27.
3 Vgl. 107
4 Vgl. S. 7 und 106.
5 4, 8, 1 adepti imperium ita civiliter se arnbo egerunt, ut lenitatem Pii nemo desideraret, [ cum eos Marullus , sui temporis mimografus, cavillando im- pune perstringeret]. Der Satz ist interpoliert, wie der Zusammenhang zeigt, sowie die typischen Worte des Fälschers sui temporis und perstringere. Die richtige Zeitbestimmung entnahm er dem Servius, Prosop. 2, 351, 265. Da¬ gegen der folgende Satz ist echt funebre munus patri dederunt.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
83
Poetennamens hervortritt 20,3,1—4. Ganz erfunden hat der Fälscher die poetische Begabung des Gordianus nicht. Auch Dexippus muß sein Ingenium gepriesen haben. Denn bekanntlich hat Philostratus dem Gordianus die Vitae sophistarum gewidmet.
Die Mutter heißt Ulpia Gordiana , weil das ihrer Herkunft von Traianus entspricht und erhält das Cognomen Gordiana , damit es ein omen imperii ergibt.
Die Tochter Maecia Faustina ist, wie man auf einem großen Umwege erfährt, eine Tochter der Fabia Orestilla. 20, 17, 4 idem (Gordianus II) igitur natus patri primus ex Fabia Orestilla, Antonini pronepte , unde Caesarum quoque familiam contingere videbatur. Diese Fabia ist aber niemand anders als die Ceionia Fabia , die Schwester des Kaisers Verus, die er aus echten Stellen kannte1. Warum hat er sie Orestilla getauft ? Weil bei Sueton. Galig. 28 steht, daß der Kaiser die Livia Orestilla als erste Frau heiratete; so wird auch der Sohn der neuen Orestilla zum ersten Kinde der Ehe mit Gor¬ dianus I. Es ist wieder begreiflich, daß die Mutter ihre Tochter nach der Schwägerin Faustina benannte.
Den Namen des Schwiegersohnes Iunius Baibus könnte man für echt halten, wäre der Zusammenhang ein anderer. Denn ein Iunius Baibus ist im Jahre 203 Subpraefectus vigilum , dessen Sohn der Gonsularis im Jahre 238 sein könnte. Erwähnt hat auch Dexippus den Schwiegersohn. Denn wir lesen in der Epitome2 von Gordianus III 27, 1 Ortus Bomae clarissimo patre , was aber zur Herkunft von einem Subpraefectus vigilum, der aus dem Centurionat3 hervorgeht, keineswegs stimmt. Dagegen kannte der Fälscher gerade im Jahre 238 einen echten Gonsul suffectus Iunius Silanus 4, dem er also das Gentile entnahm. An einer anderen Stelle nennt er einen erfundenen Cornelius Baibus5. Dieser Name Baibus dient auch für Balbinus Stammbaum 21, 7 Balbinus — familiae vetustissimae , ut ipse dicebat , a Balbo Cornelio Theofane originem ducens , qui per Gnaeum Pompeium civitatem meruerat , cum esset suae patriae nobilissimus idemque historiae scriptor 6.
1 Prosop. 1, 50, 109. Vgl. auch hier S. 129.
2 Vgl. S. 23.
3 Rangordnung S. 159.
4 S. 88.
0 11, 4M Marcus Antoninus ad Cornelium Balbum. Diese Bezeichnung des Kaisers Marcus ist seine eigene Marke, S. 42 Anm. 3.
6 Drumann 42, 555. Man darf aber nicht emendieren.
84
A. von Domaszewski:
Er hat den Theofanes mit seinem Adoptivsohn Cornelius Baibus verschmolzen, um so in dem historiae scriptor eine Art von Zeugen zu gewinnen. Das Richtige las er in seinem Commentar zu Cicero in einer Glosse über Pompeius1.
Über die Herkunft des Gordianus III heißt es 20, 23, 1 Dexip- pus quidem adseverat ex filio Gordiani tertium Gordianum esse natum. Dasselbe sagt Zosimus 1, 16, 1 ropSiavw ü-avepou toutwv Övtl TuaiSt, der also den Dexippus wiedergibt. Da die Ansicht des Dexippus als Variante vom Übersetzer notiert ist, so folgte der Übersetzer selbst der auch durch die Inschriften2 als richtig erwiesenen Angabe des Herodianus 7, 10, 7 9jv tl 7uou8iov, 1% TopSiavou üuyaTpo^ texvov, tw izoLTmoi 6p.wvup.ov. Deshalb steht auch in der Epitome 27 Gordianus nepos Gordiani ex filia. Dagegen Vita Gordiani 22, 6 amabatur autem merito avi et avunculi sive patris ist wieder vom Fälscher interpoliert.
Das Merkwürdigste in der Darstellung des Dexippus, wie sie Zosimus erhalten hat, ist die Art, wie er die Stellung des Maximus und Balbinus an der Spitze jenes Senatsausschusses der zwanzig Consulares bezeichnet. Zosimus 1, 14, 2 Ix toutwv ocuto- xpavopa«; £X6p.£voi Suo, BaXßtvov xal Ma£ip,ov d. h. sie wurden nicht zu Augusti, sondern nur zu Senatsfeldherren imperatores gewählt. Denn für Augustus gebraucht Zosimus stets ßaoiAeuc und ebenso Dexippus selbst, Excerpt. histor. 1, 380—386. Ebenso steht auch in der Stelle aus Dexippus Vita Gordiani 10, 1 qui ambo imperatores sunt creati 3. Nach dieser Auffassung sind Maximus und Balbinus gar nicht Principes. Daraus erklärt sich erst die ganz entstellte Schilderung ihres Unterganges. Zosimus 1, 15, 2 TauTT) tolvov a7raXXay£VT£<; tou Szouc, (der Sieg über Maximinus) tt]v ex AißuY]<; twv ßaaiXlwv av£p,£vov a<pi£iv. Die Ereignisse sind hier so verschoben, daß die Gordiani I und II noch nach Maximinus Tode die rechtmäßigen Herrscher sind4. Darum heißt es weiter bei Zosimus 1, 16, 1 Twv Se ßia x^&vo*; sv tcd 7uXeiv a7roXopivwv, TopSiava) üocTEpou toutcov ovti 7uoaSi t/)v twv oXwv Yjy£p.oviav rj yEpouoia 7uap£Swx£v, e<p* oO 7cpoXaßo6o7)<; xaT7]9£iac; 6 cPwp.ouwv av leto 8y)p.o<;, tou ßaaiXico^ <jxy]vt,xoi<; te xal yup.vt.xot«; aywcri tou<; 7uoXiTa<; a7rayay6vTO<; *
1 8.54.
2 Prosop. 1, 99, 666.
3 S. 80.
4 Ebenso Zonaras 3, 127, 23 — 32, er schöpft aus der Chronik des Sathas, Mes. Bibliothece 7,36, 15f.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
85
7uavTcov Se cocTtsp Ix xapou ßaüio<; avac^yjXavTcov, ImßouXY) xava tou ßaaiXsuovTO«; XaFpala gvvigtoltoci, Ma£ip,ou xal BaXßlvou CTpaTicoTa<; auTW Tt-vac; l7ravaaTY]<javT(ov • y]c, <p(opaF£Üj7)£ aÖTol te ol Tqq axsocopta^ ap$avT£<; avatpouvrat xal tcov xouvwv7]aavTcov auTOL<; ol 7üoXXoL Hier sind die Vorgänge wie wir sie aus Herodian 8, 8 kennen1, auf das gröbste entstellt. Gordianus III ist der rechtmäßige Herrscher, der unmittelbar auf die Gordiani I. II folgt, Maximus und Balbinus sind Aufrührer. Das ist geschehen, um das Erbrecht des Gordia¬ nus III außer Zweifel zu stellen und demgemäß ist er auch der Sohn des Gordianus II Augustus.
Das ist nicht die Darstellung eines Historikers, sondern ein Panegyricus, der den jungen Kaiser verherrlicht. Eben diesen Charakter trägt aber die ganze Schilderung der Regierung des Gordianus III, wie wir sie in der Vita Gordianorum lesen 20, 23; 26, 1. 3— 27, 3; 28, 1 und zwar wieder in völliger Übereinstimmung mit Zosimus. Am deutlichsten ist dies
20, 23, 6 et adulescens Gordianus — duxit uxorem filiam Misithei 2, doctissimi viri , quem causa eloquentiae dignum parentela sua putavit et praefectum statim fecit. post quod non puerile iam et contemptibile videbatur imperium , si quidem et optimi soceri con- siliis adiuvaretur .
Zosimus 1, 17, 2 !v toutco Stj 7rpö<; yap,ov ay£Tat PopSiavoi; Tip/yjaixXlouc; ü-uyarlpa, tojv Im toxiSeuoel Staßov)T6w avSpo^, öv uTuap^ov Trjc, auXyjs ava<kl£ac; e8o£ev to 8ia to vlov t/]C, YjXixlac; tyj xY]8£p.ovla twv 7üpayp.aTcov IXXeZttov ava7uXY)poüv.
Es hat immer befremden müssen, daß der Schwiegervater des Gordianus C. Furius Sabinus AquilaTimesitheus3 in der griechischen Überlieferung bei Zosimus Tip.Y]atxXY)<; bei Sathas p. 36 Ti[AY)aoxX7j<; oder Tip.L<uxX7)<; (bei Zonaras 3, 130, 2 Ti(ju<joxXy)<;) heißt. Das Rätsel löst sich, sobald man erkennt, daß Dexippus den Mann Ti(X7]Gt8-£0£ 6 xal 0e(juotoxXy)<; genannt hat, d. h. er verglich den Persersieger mit dem großen Athener. Ein Vergleich, der eben aus dem Panegyricus stammt, den Dexippus für die Geschichte Gor¬ dians benützte.
1 Vgl. Rhein. Mus. 57,509. Westd. Corresp. Bl. 1907,25.
2 Misitheus 20,23,4; 28, 1 ist eine Gorruptel von Timesitheus , die der Fälscher in seinem Exemplar vorfand. Die anderen Stellen, wo er den Namen nennt, sind gefälscht.
3 Dessau, inscr. sei. 1330.
86
A. von Domaszewski:
Warum aber gab Dexippus dieser Darstellung der Regierung Gordians, obwohl er den Herodian las, trotz allen Entstellungen den Vorzug ? Darauf gibt es nur eine Antwort. Er selbst hat als junger Mann in Athen die Festrede auf den Persersieg gehalten, und als er im Alter die Xpovixa schrieb, seiner eigenen Darstellung mehr getraut als dem wahrheitsgemäßen Bericht des Herodian.
Nicht nur in der Auffassung des Knaben Gordianus ist Dexippus durch den Einfluß des Hofes bestimmt worden, noch stärker ist die Wirkung, die Gallienus auf ihn geübt hat.
Gallienus hatte unter dem Einfluß des Germanischen Gefolg¬ schaftswesens die neue Institution der Protectores geschaffen. Die Art, wie aus diesen Protectores divini lateris die höheren Führer im Heer und im Staat hervorgehen, ist eine bewußte Nachahmung der Bevorzugung, welche die st atpoi in Alexanders Staat ge¬ nießen1. Das ist auch die Auffassung des Dexippus Exc. hist. 1, 386, 20 (Aurelianus) xal SioCknzovTow ot> paXa ct>)(vc5v Y]p.epc5v, tyjv ts ap.9* auTov Ta^iv sTaipixvjv, xal ootj 8opu<popia toö ap^ovTOc;, tcüv ts ouppiaywv öaoi 9)aav Bav&yjXwv, xal Touq 6(/,Y)psusLv auTco Soü-svTa«; 7uatSoc<; STrayopLsvo^ xal at>TÖ<; S7r’ ’lTaXia^ e^yjXauvs gtuodSy) Sia ttjv tcov 5 Iouü'OUYYwv aüFt,«; Trapoualav. Diese sTaipuaj t die den Prätorianern entgegengesetzt wird, können nur die protectores divini lateris sein.
Der Hellenismus, in dem Gallienus sich gefiel2, ließ dem Dexip¬ pus das Ringen des Kaisers mit den Gegenkaisern jener Zeit und den Zerfall des alten Reiches der Imperatoren als ein Gegenbild erscheinen der Kämpfe um das Erbe Alexanders des Großen. Das hat ihn bestimmt, nochmals Ta (xsTa ’AXs^avSpov in vier Büchern zu schreiben. Unmittelbar aus dem Geiste jener Zeit ist dieses Werk entstanden.
Die schwierigen Daten, die auch in diesen Viten der Über¬ setzer hinzugefügt hatte, um die unklare Chronologie des Dexippus und Herodianus festzustellen, bedürfen einer neuen Erörterung3. Durch die früher behandelten Daten4 hatte ich dargelegt, daß die
1 Die Analogie beider Institutionen kann ich hier nicht entwickeln.
2 Gesch. der röm. Kaiser2 S. 302. 306. Vgl. auch Num. Z. 1911, 2.
3 Heidelb. Sitzb. 1917, 1, 9 — 11. Im wesentlichen hatte ich auch dort schon das Richtige getroffen.
4 8. 61 f.
Die Personennamen bei den Scriptores historiae Augustae.
87
Consulliste den Todestag des Herrschers verzeichnete1 und so zu¬ gleich den Beginn der Herrschaft des Nachfolgers bestimmte, wenn nicht eine Unterbrechung in der Besetzung des Principates ein¬ trat. Am längsten dauerte sie bei dem Tode des Aurelianüs und wird daher von den Schriftstellern als Interregnum bezeichnet. Aber auch im Jahre 238 ist einige Zeit verflossen, bis der Tod der Gordiani in Rom bekannt wurde.
Es ist nun auf einem Fragment einer stadtrömischen Inschrift
ein merkwürdiges Datum erhalten2 . V idus Maias M. Aurelius
Augustorum trium libertus December a. 238. Die tres Augusti können nur Maximus, Balbinus und Gordianus III sein3. Das Zusammentreffen dieses Datums mit dem Datum des Fälschers für die Wahl des Maximus und Balbinus zu Kaisern 21, 1, 1 VII idus Iulias und den Arvalakten p. CCXXIII VI id. für die Vota im Namen Gordians kann kein bloßer Zufall sein. Denn anfangs M a i müssen Maximus und Balbinus nach den alexandrinischen Münzen zu Kaisern gewählt worden sein. Es wird also beim Fälscher Maias zu ändern sein und derselbe Monatsname ist in den Arvalakten einzusetzen. Die Vota wurden auch für Maximus und Balbinus geleistet, aber bei der Übertragung des Protokolls auf den Stein, die nach dem Herkommen für das ganze Jahr erst im folgenden Jahre statt fand4, hat man notwendigerweise die toten Kaiser weggelassen. Dann aber ist 19, 16, 1 VI kal. Iuliarum für den Tag der Wahl der Gordiani I und II auch in Maias zu ändern. Und es ist dies vielmehr der Tag ihres Todes. Der Zeit¬ raum vom 26. April, dem Todestag der Gordiani I und II und dem
1 Deshalb nennt der Chronograph a. 354, sowie Eusebius in der Chronik stets den Ort des Todes. Der Todestag ist im Chronographen nur für Traian erhalten (Heidelb. Sitzb. 1917, 1, 4) und im Chronicon Paschale für Nerva und Marcus (Heidelb. Sitzb. 1918, 6, 12). Auch Eusebius schöpft aus der Consulliste. Er nennt wie der Chronograph a. 354 Forum Flaminii als Todes¬ ort des Gallus, während die Historiker Interamnae nennen. Das Hauptheer des Aemilianus stand also im Forum Flaminii, Gallus in Interamnae, als die Katastrophe sich vollzog.
2 C. I. L. VI 816. In dem indexlosen Bande, der schon gegen 40000 Inschriften umfaßt, war mir das Datum früher entgangen.
3 In dieser verkürzten Nennung wird schon seit Septimius Severus der dritte Herrscher, wenn er auch wie Geta und hier Gordianus nur Caesar ist, als Augustus miteinbegriffen.
4 Vgl. Heidelb. Sitzb. 1918, 6, 10.
88
A. von Domaszewski:
9. Mai, dem Tag der Wahl des Maximus und Balbinus1 zu Augusti und des Gordianus III zum Caesar ist auch ein Interregnum. Der Fälscher hat also wie auch in den andern Fällen2 nur die Monats¬ namen geändert, vielleicht weil er beide Daten mit dem Todestag des Maximinus, dem 7. Juli3 in Zusammenhang brachte.
Der Fälscher nennt als Consul suffectus der angeblichen Wahl der Gordiani einen Iunius Silanus. Dieser Name wird echt sein, weil die Übersetzung die Consules suffecti bei den Daten nennt4 und dann geben seine Quellen, die er für die Namensfälschung gebraucht5, bei der Erwähnung eines Silanus nicht das Gentile. Der zweite Consul taucht auf 19, 26, 5 Cuspidius Celerinus beantragt Ehren6 für Maximus, Balbinus und Gordianus. Daß dieser Name7 8 echt ist, beweist eine Inschrift, die einen Cuspidius Flaminius Severus 8 als Statthalter Cappadociens eben unter diesen Kaisern nennt.
Für das zweite Datum, der Wahl des Maximus und Balbinus, nennt der Fälscher keinen Consul, wohl aber erscheint 21, 2, 1 Vectius Sabinus ex familia Ulpiorum rogato consule in der Verhand¬ lung über die Wahl. Die familia Ulpiorum stammt aus seiner eigenen Bemerkung 17, 16, 2 Sabinum consularem virum , ad quem libros Ulpianus scripsit. Dagegen diese Familie der Vectii ist in dieser Zeit so gut bezeugt9, daß man den Namen Vectius für echt halten muß, besonders wegen des Aufputzes, mit dem er diesen Namen geschmückt hat10.
Dasselbe gilt endlich für 21, 17, 2 Claudius Iulianus (Consul); gerade Männer dieses Namens erscheinen unter den Senatoren
1 Es verschiebt sic