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NOV Ib ll?Ö4

Jahrbucher

des

kaiserlichen Löniglichen

polytechnischen Institutes

in Wien.

In yerbindang mit den Professoren des Institutes

herausgegeben

von dem Dtf«litor

Johann Joseph Prechtl^

h. wiffcJ. Bcficnuigtratli»» «ad Mitf U«d« »ckMrer g«lckit«i Ott«IUell«fttB*

tM»»»»»»#€tiMll

Vierter B^nd.

Mit acht Kupfertafeln, und einem Blatt Stahlabdrac^e.

Wien, 1823. '

Gedruckt und verlegt bei Carl Gerold.

I.

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Vorerinnerung.

Um den für diesen Band bestimmten Origi« nai- Abbandlungen den nötbigen Raum zu yerscbaf« feoy obne die Zahl der Bogen noch mehr eu vergrös- Sern, war man genöthigt, den Artikel von der Ge- schichte des Instituts , dann einen Theil der techno- lo^schen Notizen , endlich das Yerzeichnifs der fran-» zosischen nnd englischen Erfindungspatenie fiir das lerne Jahr hier wegzulassen. Diese Artikel werden in dem fünften Bande, dessen Druck bereits beginnt, und welcher diesem vierten baldigst nachfolgen wird, nachgetragen werden. Dieser fünfte Band wird zu- gleich ein vollständiges Sachregister über die bisher erschienenen fünf Bände enthalten, wodurch diese erste Reihe der Jahrbücher ein für sich abge* sdüossenes Ganzes bildet.

Wien, im X September i8a3.

Der Herausgiber.

Inhalt.

Salto Voreriimenuig.

L Beschreibiuig des National Fabriksprodukten - Kabi« nettes am k. k. polytechnischen Institute. * Von Karl Kmrmarseh^ As^tenten des Lehrfaches der Technologie i Einleitung ••••••«•• i

Beschreibung des National-Fabriksprodukten-Kabinettes 9 Metallarbeiten 9

Glaswaaren 64

Thonwaaren ....•••• 76

Holswaaren .90

Arbeiten aus Hom, Bein, Fischbein, Schildpat etc. 94

teoh- uad Basthüte 9^

Fabrikate *aus Leinen, Baum- und Schafwolle und

Seide «100

Arbeiten aus Menschen - und Thierhaarcn «138

Papier, und Fabrikate daraus . .143 Leder, und Fabrikate aus demselben .169

Verschiedene Produkte «167

Verseicbni& aller inlandischen Fabrikanten, Gewerbs- inhaber und Einsender überhaupt, von welchen bis snm Schlüsse des Jahres i8sa Beitrage fOr das National - Fabriksprodukten - Habinet einge- gangen waren ' «171

IL Abhandlung über die oberschlachtigeii Wasserrader« Ton Adam Murg , Assistenten und Repetitor der hd- hem Mathematik am k. polytechnischen Iipititute (mit Zeichnungen auf Taf. V ) 19B

HL Zusammenstellung aller bekannten Vorrichtungen cum Einspannen der durch Abdrehen su bearbeitenden Ge- genstande. Von Karl Karmarsch ^ Assistenten des Lehrfaches der Technologie am k. k. polytechnischen Institute (mit Zeichnungen auf Taf. t, II, IV, V, und VI ) s4i

VI

SMto

I. Von dem Einspannen auf der Drehbank a44 II. Von dem Einspannen auf dem Drehstulile 267

i

IV. Beschreibung eines neuen, leicht tragbaren, Baroskops zum Gebrauche^ beim Böhenmesseiil, statt des Höhen* Barometers. Vom Herausgeber (mit Zeichnungen auf .

Taf. VI) «84

Allgemeine Beschreibung des Instrumentes 294 Theorie und Gebrauch dieses Baroskops . 295 Art und Weise, mit demselben su beobachten . 998 Anleitung, dasselbe su verfertigen So6

Versuche und Bemeriiungen über den Moire metal- }\que. Von G. jfltmOtter, Professor der Technologie am k. k. polytec|iniscben Institute. (Als FqrtsetEung des im ersten Bande dieser Jahrbücher« 94 f. befindlichen Aufsataes) •••••• 3a8

VI. Beschreibung eines von dem Optiker Friedrich Voigt- Utnder in U fen verfertigten Instrumentes, welches bestimmt ist, die Festigkeit der Schafwolle zu messen* Von ICarl Kar mar seh , Assistenten des Lehrfachetf'der

Technologie (mit iLeichnungcn auf Taf. IV) « 347

«

VII« Über Schrauben und ihre Verfertigung. Von /?# AlU mütter^ Professor der Technologie am k. k. polytech« nischen Institute (mit Zeichnungen auf Taf . II 9

VI, VII und VIII) 363

'Einleitung . 363

A. Über die verschiedenen Arten von Schrauben 364

L Nach der Vorn^ der Gänge ' . 365

IL Nach der Richtung der Gänge 367

Beispiele von linken Schrauben 368

ni. Nach der Feinheit der Gänge , . 369

It. Nach der Anzahl der Gänge . . 369

Beispiele von mehrfachen Schrauben . 373

V. Schraubenähnliche Vorrichtungen . 377 *

Über die Verfertigung der Schrauben 378 I. Durch bloise VV^erkzeuge !• Für metallene Schrauben

a) Schraubenbleche •.•.'• 379

b) Kluppen . 38o

c) Gesenke 399

VH

n.

9, Für li5lfteme Sebnmbmi Mittelst der Drehbänke . I. Gemeine Drdibenb .

9. Patronen -Drehbank .

' Verfertigung der Schraobttflile

3. Grandjean't Drehbank ...

4. Drehbank mit metallenem Hegel 6. Drehbank mit einer schiefen FlSche 6* Drehbank mit beweglicher Schiene .

III. Blittelst eigener Schraubenschneidmaschinen I. mit Leitspindel und ^

a) feststehendem Zahn .

b) fortrückendem Zahn . . .9. Ramaden's Maschine ohne Leitspindel

IV. Ans freier Hand ^ .

C Über das Blaterial an den Schrauben »,

D. tfber einige besonder? Arten von Schrauben* mattem ..'••• «

VÜL Über die Verfertigung damasairter Säbelklingen , nach

der Hethode des Herrn Professors jfnton Crivelli»

Von Karl Karmarsch ^ Assistenten des Lehrfaches der

Technologie am k. k. polytechnischen Institute. (Mit

Zeichnungen auf Taf. III , Und fünf Stahlabdrücken) «

CL Ihitersuchnngen über eine besondere krumme Linie. Von Adam Burg^ Repetitor der hohem Mathematik am k. k. polytechnischen^ Institute. (Mit Zeichnun* gen auf Tat: VI) :

8mu 396

411

4i3 4ii

4a3

4s5

4«7

43i 436

446 448 449

455

463

5o8

Im Nachtrag su dem oben befindlichen Aufsatae Nro. VIII

übei^ die Verfertigung damasairter Säbelklingen . 53 1

Tf, 'Wissenschaftliche und technologisehe Notisen, ausge- sogen aus den englischen und fransosischen Zeitfchrif* ten. Von Earl Karmarseh^ Assistenten des Lehrfaches der Technologie 'am k. k. polytechnischen Institute« (Mit Zeichnungen auf Taf. I, III und IV) . .533 1) Nachricht yon den in Frankreich eingeführten Haehemirziegen ; nebst Bemerkungen über da» feine Wollenbaar einheimischer Ziegen, Sl 533.-^ a) Über einige Substansen, welche die Fähigkeit besitseDf Tagetabilische Stoffe tmverbrennlich

vra

8«it«

zp. macben, S. 64i» ^ 3) Ein Mittel, die Ver* falschung Ton Wecliseln dgl, bu yerhindem , S. 543. 4) Neue Buchdruclierpreue , S. 644* 5) Über Stereotypendruck , S. 644* "^ 6) -Be- « sclireibung einer Maschine , mit welcher zu glei- cher Zeit Eisenstangen serschnitten , und Blech- stüche durchgeschlagen werden können, S. 569. 7) Des Engländers T. Lane Verbesserung an der Drehbank, S. 670. «— 8) Brücke aus Draht, S. 571* •— 9) Verbesserungen an Krämpelmaschi- suen, 573. 10) Maschine zum Auswinden nassör Leinwand, S. 674* 11) Über verschie- dene Arten von Kugelmodeln, insbesondere « solche , bei denen das Abzwicken auf eine eigen-

thümliche Art geschieht, S. 574* «—12) Über das Schweifsen des Gufsstahls und Oufseisens, S. 578.«- i3) Verfertigung von Geweben aus Fferdehaar und Holsstreifen , S. 579.— i4) Ver- besserte Bereitung des Garbe-Extraktes, S^ 58a.— i5) Verbesserung im Drahtziehen, S. 683, ^— 16) Verbesserung in der Verfertigung musikali- scher Instrumente, 8. 584. "^ 17) Verbesserung in der Typographie. 8.585« 18) Neue Bänder an Stubenthüren , S. 587. 19) Neue Flachs- lyid Hanfbrech - Maschine, 587* -^ so) William Malier t Sicherheitsschlofs , S.588. ai) Neue Versuche über die Anwendung des Koch - und Glaubersalzes in der Glasfabrikation, 8.599« aa) Englisches Verfahren, damaszirte Gewchr- läufe zu brüniren, 8.593«— a3) Instrument zum Anspitzen der Zeichenstifte , 596. a4) Neue . Methode , zweifarbige gedruckte Zeuge zu ver- fertigen, 8.597. a5) Siderographie, 8«6oo. a6) Neue Anwendung der Lithographie, 6o5«

Xn. Verzeichnifs der in der österreichischen Monarchie im Jahre 181a auf Erfindungen , Entdeckungen und Ver- besserungen ertheilten Privilegien oder Patente 607

L

Kurze BesclireibuDg des National- Fabriks- Produkten- Kabinettes am k, k. polytechni- schen Institute.

Von

Karl Karmarsch,

Assistenten des Lehrfaches der Technologie.

Ei n 1 ei t un'g.

D

urch die Vorsorge der Staatsverwaltung war die indiistrielle Kultur des österreichischen Staates schon in den letzten Jahren auf einen ungemein be- deutenden Grad gehoben worden. Noch aber fehlte es an einer Anstalt^ welche einen vollkommenen und leichten Überblick über den Stand aller Fabrikations- zweige in der Monarchie zu gewähren vermocht; hätte. Eine Sammlung von Fabrikserzeugnissen in Privathänden konnte diesem Zwecke um so weni- ger entsprechen y je gröfsere Hindernisse ihrer all- gemeinen Benützbarkeit im Wege standen. Gleich- wohl mufste eine ausgewählte Übersicht der in dem grofsen österreichischen Staate existirenden Fabrika- tionszweige und ihres derzeitigen Zustandes sowohl für den Fabrikanten und Kaufmann^ als für das gebil- dete Publikum überhaupt von grofsem Interesse seyn. Diesem Bedürfnisse ist durch das National- Fabriks- Produkten- Kabinet am k. k. polytechnischen Insti- tute vollkommen abgeholfen worden*).

*) Xachslchendcs ist die in dem allerhöchst genehmigten Orga-

Jahrb. de« poljt* Intt. IV. Bd. ^

jDas genannte Kakinet sollte , seiner Bestimmung nach^- ein Yereinigungspunkt alles dessen seyn^ was

nisationsplane enthaltene Instrulttion ftir die Einrichtung dieser Sammlung.

1. Dieses Kabinet soll ein IVational- Fabriksproduliteii- Habinet darstellen, welches ssum Zwecke bat , durch die Auf- stellung charakteristischer Muster aus sammtlichen Produk- tionen der nützlichen Künste eine Übersicht sowohl des ge- fenwärtigen Zustandes der Vervollkommnung in diesen Ar- eiten, als auch des allmählichen Fortschreitens derselben, und dadurch ein Bild der Kulturstufe des inländischen lur dustricsustandcs «u gewähren. Das National- Fabrikspro- dukten- Kabinet soll daher eine so viel möglicl^ vollstän- dige Übersicht dessen gewähren , was die Kultur eines jeden Fabrikationsfeweiges tu. einer jeden und bestimmten Zeit auf eine ausgezeichnete Weise zu. charakterisiren vermag, so dafs in und aus demselben zu ersehien ist, .welche Stiife jeder" der verschiedenen Industriezweige dermahl oder bis BU einer bestimmten Zeit erreicht habe. Zur Vergleichung wären Atn verschiedenen Klassen der Fabriksprodukte* auch einige der in dem betreffenden Fache vorzüglichsten auslän- dischen Fabriksmuster beizugesellen«

s. Diese Sammlung kann dähdr blofs Musterstücke ent- halten , d. h. solche Arbeitsstücke , welche in ihrer Ausfüh* rune die Vollkommenheit eines bestimmten Fabrikations- Bweiges äuszuspret^hcn im Stande sind.

Es ist daher an der charakteristischen Auswahl dieser lUbinetsstücke Alles gelegen. Eine bloPse Zusammenhäut'nng Von Exetnplaren aller fabricirten Artikel würde endlich in ein fruchtloses und sich selbst aerstörendes Ohaos zerfallen«

4< In dieser Sammlung mufs daher das in jeder Zeitpe- ]*iod6 Vollendete und Vorzügliche dein ei'sten Blicke sich dar- stellen j es darf nicht erst unter einem Schwall mSttelmäfsi- ger und gemeiner Dinge mühsam und hier nur von Sachken- neim hervorgesucht werden mibsen. Alles, was in seiner Art nicht mustere und meisterhaft ist « oder sich durch eine be- sondere wesentlich charakteristische Verschiedenheit oder verschiedene Fabrikationsweise auszeichnet , und als solches nicht die Ansicht der Vervollkommnungtstttfe in dieser Art von Arbeiten zu geben vermag « kann daher in dieser Samm- lung keinen Platz finden« Der Fabrikant mufs es sich zur Ehre machen können , Wtenn Stücke seiner Fabrikation in das National- Fabriksprodukten- Kabinet aufgenommen werden«

Die Produkt« der bildenden Künste gehören nicht in dieses Kabinet«

in RücLsicfat auf die Gewerbs- Industrie des östeitei- diischen Kaberstaates wissenswürdig ist. Es sollte

6. Die Aufstellung dp% Kabinettes geschieht im Wesentli- eben in der Ordnung, nach welcher die empirische Techno- logie vorgetragen wird, da diese so gewählt wird, da(s die Kategorien am umfassendsten, und am wenigsten Wieder- bolungen möglich werden,

7. Die Fortsetzung der Muster eines bestimmten Fabri- liationsxweiges geschieht in chronologischer Ordnung , damit für jedes Jattr oder jede Epoche von Jahren die Übersicht der Fabrihationskultur rougiich werde. Jedem Stücke wird daher die Jahrzahl und der Nähme des Fabrikanten und der Fabrik , so daGi sie gehörig in die Augen fallen , beigefügt.

8. Zum Behufe der instruktiven technologischen Ansicht beginnt jede Reihe eines bestimmten, in seinen verschiedenen Unterabtheilungen geordneten und nach der Zeitfolge fort- laufenden Fabrikcweiges zuerst mit dem roheü Materiale in seinen verschiedenen Abänderungen , den nächsten Ver- arbeitungen dieses Materials und der stufenweisen Entwick- lung des fertigen Fabrikats aus demselben bis zu den vollen- deten Mustern ^ z. B. die Reihe der Wollenfabrikate beginnt mit den verschiedenen Sorten roher Wolle votl der gröbsten bis zur feinsten Qualität , die Gcspinnste aus denselben u. s. w. bis SU den verschiedenen fertigen Wollenzeugdn , wobei die Ordnung so ceschehen kann , dafs die fertigen Fabrikate

?;leicb in der Reine der ihnen zugehörigen mehr und minder einen Vrstoffe folgen. Auf diese Art ist dieses Habinet zu- gleich eine natürlich bildliche und instruktive technologische Darstellung.

9. in de> chronologischen Fortsetzung des Kabiilettes vrerden nur solche Gegenstäilde hinzugefügt , welche sich von den vorigen durch ihre Vervollkomninting untersdieiden. Es erhellet übrigens schon aus dem Vorigen , dafs bei ier Aus- wahl der Muster auf das, was in denselben Ghai'akteristiSchea und Auszeichnendes in der Fabrikation vorhanden sey , gese- hen iterden müsse, damit keine Anhäufung vdn Doubletten and wenig verschiedenen Dingen erfolge.

Das Fabriksproduktdn- Kabinet soll die National- Indu- strie in ihrer jedesmahligen höchsten Stufe darstellen, es luinn daher in Bezug auf die Verschiederfbeit unendlich man- nigfaltiger Muster und Nuancen einzelner Faf>rikationsarti- kei das Besehen einer Fabriks- oder Kaufmannsniederlage, z. D. einer grofsen Eisenhandlung , einer Tischlerniederlage, eincia Olaswaären- Magazins, einer Kattunniederlage elc^ nicht ent- behrlich machen wollen^

1*

aber nicht blofs den Stand dieser Industrie in einfem gewissen Zeitpunkte kenntlich machen; sondern ea

10. Bei der Aufstellung mufs daher auch, um der Aua> fuhrbarheit und der chronologischen Fortsetzung des Kabi- nets nicht im Wege su stehen , auf möglichste Ratimcrspar- nifs Rücksicht genommen werden , und es müssen daher un- ter Mustern , die fQr einen bestimmten Fabrihationseweig gleich charakteristisch sind , solche gew«Hhlt werden , die we- niger Raum einnehmen«

II« Eben so mufs bei den verschiedenen Fächern der Industrialproduktion die möglichste Gleichförmigkeit ii^ der Behandlung und in der Auswahl der Gegenstände beobachtet und ohne gebiethende Gründe bei dem einen Zweige nicht mehr ins Detail gegangen werden als bei dem andern, und als überhaupt der allgemeine Zweck es nothwendigmacht,

19. Die eigentlich chemischen Fabriksprodukte, als die verschiedenen Farben, metallischen Präparate u. s. w. werden nicht in diesem Kabinette, als mit dessen übrigen Theilen disharmonirend y aufgestellt; sondern sie haben ihren Plats in der chemischen Präparaten<^ammlung des allgemeinen che- mischen Laboratoriums, wo sie als gewöhnliche Fabriksprä- pärate den reinen chemischen Präparaten gegenüber stehen.

«

i3. Die Aufstellung ist überhaupt auf eine gut in die Augen fallende, mit dem Hauptzwecke zusammenstimmende Weise zu veranstalten , uYid jene Gegenstände , welche dem Verstauben ausgesetzt sind , sind auf eine zweckinätsige Weise in Glaskästen unterzubringen.

14. Fs ist die Pflicht des Vorstehers dieses Kabinets, sich mit den Fortschritten der verschiedenen Zweige der Indu- Btrialkultur stets in genauer Bekanntschaft zu erbalten, da- mit das Habinet in seiner chronologischen Fortsetzung auf keine Weise hinter den Vervollkommnungen der National- industrie zurückbleibe.

i5. Die zum Behufe des technologischen Vortrages no- thige Sammlung der verschiedeneu Werkzeuge theils in Na- tur, theils im Modell macht eine eigene für sich abgeson- derte Abtheilung des Kabinets aus , mit welcher sie sich an das Modellenkabinet des Instituts anschliefst. In dieser Ab- theilung werden die verschiedenen Werkzeuge in ihrer besten und vollendetsten Konstruktion in der dem Vortrage der Tech- nologie entsprechenden Ordnung der Handwerke aufgestellt.

16. Das Fabriksprodukten- Kabinet ist der Aufsicht und Sorgfalt des Professors der Technologie anvertraut, dem ein

erhielt die Bestimmung , die allmählichen Fortschritte derselben bis auf den gegenwärtigen Augenblick deut- lich vor Augen zu legen. Es sollte zeigen , wie jeder einzelne Fabrikationszweig nach und nach zu seiner jetzigen Vollkommenheit gelangt ist ; zu gleicher Zeit solhe es aber auch die Mängel nachweisen, welche in einem oder dem andern Fache noch zu * verbessern sind, und so dem Fabrikanten zur fortwährenden Ver- vollkommnung seines Industriezweiges Gelegenheit geben.

Um das dabei interessirte Publikum mit dem Be- stehen des National- Fabriksprodukten- Kabinettes und init dem angegebenen Zwecke desselben bekannt zu machen , zugleich auch , um die £linscndung von Mu^ slerstücken iiir dieses Kabinet zu bewirken, wurden die im zweiten Bande dieser Jahrbücher (S. XllI) be- schriebenen Schritte unternommen, deren Erfolg so bedeutend war, dafs die Sammlung schon jetzt den Nahmea eines A^ational' Fabriksprodukien- Kabinet- tes mit allem Rechte fuhrt.

Seit seinem Entstehen istnähmllchderReichthum dieses Kabinettes bis auf mehr als 160Q0 Stück ange- wachsen. Diese grofse Anzahl von Mustern aus fast allea Fabrikationszweigen nimmt bereits vier mit Glas- schränken versehene Säle ein, und wird bald noch weiter ausgedehnt werden können, wenn, wie zu er- warten steht, die Einsendungen von Seite der Herren Fabrikanten mit derselben Schnelligkeit, wie bisher, ge- schehen. Hierdurch ist also der Hauptzweck des Ka-

Assi-stciit und ein Saaldiencr unter dem Nahmen Aufseher untergeordnet sind.

17. Um aufser dcnjt^nigen Gegenständen , welche dem Fa- briksproduklen- Kabincite von den Erzcugcra selbst uncnl? geldlich dargebracht werden, alles zur Erwcilerung und hi- storischen Fortsetzung Dienemle nachschaffen zu können, ist ein jährliches Vcrlagsgcld von 1000 fl. bewilliget.

binets.^ eine Übersicbi des inländischeii Kunstfleifses SU geben, scbon gröfsten Theils erreicbt. Aufserdcm aber erfüllt diese Anstalt nocb mehrere andere , un- tergeordsete Zwecke , welcbe zumTbeil das Interesse der Fabrikanten unmittelbar betreffen. Da näbmlich die Sammlung dem Publikum zur Ansicht offen steht und auch häufige Besuche von Ausländern erhält^ so findet der Erzeuger, dessen Produkte hier aufgestellt sind^ die beste Gelegenheit, durch die geringe Auf- opferung einiger Muster seine Firma bekannt zu m^r eben, seinen Verdiensten die gebührende Anerken- nung , und seinen Erzeugnissen Absatz zu verschaffen.

Dieser Erfolg wird, durch das bei der Erweite- rung des ]Cabincttes befblgte Verfahren noch ungemein befördert; indem jedes Stück unmittelbar nach der Einsendung vortheilhaft aufgestellt , und mit einer den Nahmen und Wohnort des Erzeugers^oder Einsenders tragende^ Etikette versehen wird. Um die häufig einge- henden Nachfragen augenblicklich befriedigen zu könr nen, wird zugleich beim Kabinette ein vollständiges Ad-r drefsbuch über alle jene Fabrikanten und Gewerblrei- benden gehalten , welche Musterstücke zur Aufstelr lung eingeschickt haben ^). Endlich ist zur Erleichte- . rung der chronologischen Übersicht darauf gesehen worden, die früher bereits im Kabinette vorhanden ge- wesenen Stocke durch verschieden gefärbte Etiketten von den nach dem Jahre i8|6 eingelangten Gegen- ständen zu unterscheiden.

Aufser den inländischen Fabrikaten ist, dem Plane dieser Sammlung gemafs, eine gewisse (freilich verhältnifsmäfsig viel geringere) Anzahl , meist vom Ver- lagsgelde angeschaffler , ^nd dermahlen nahe au ioqq Stück betragender, ausländischer Erzeugnisse aufge- stellt worden. Pie Gründe dieser Mafsregel l^sse^ siqh

*) pi« Ansalil ^«rtclbf n bf trfi|jt icbon deriii|ib1en fibcr 909.

leicht finden. Bei manchen derselben wird das oft nicht gegriindete Vorurtheil für ausländische Fabri- Late am schnellsten und gründlichsten durch die Ver- gleichung mit den inländischen widerlegt. In solchen Fällen hingegen^ wo durch Lokal- und andere^ Ver- hältnisse die ausländischen Produkte einen unbestreit-r baren Vorzug erlangt haben ^ zeigt eine solche Verglei- chung einerseits den Grad ihrer relativen Vollkommen- heit, anderseits biethen jene Stücke dem Inländer Muster dar , an die er sich halten , und deren Nachah- mungen versuchen kann. Fälle, in denen Gegenstände verschiedener Art nach den im Kabinette befindlichen ausländischen Mustern verfertigt wurden, sind schon so häufig vorgekommen, da(s auch die Erweiterung dieser Abtheilimg der Samndung sehr zu wünschen ist.

Mit dem National-Fabriksprodukten-Kabinette ist endlich noch eine Werkzeugsammlung verbunden, die schon jetzt nahe an 3ooo Stück begreift, und de- ren hauptsächlichste Bestimmung die Erläuterung der tecbnologisehen Vorlesungen ist. Zu diesem Ende sind nicht nur die im Inlande gewöhnlichen, sondern auch eine grofse Zahl ausländischer (vorzüglich englischer) Werkzeuge, sämmtlich in vorzüglich schön gearbeite- ten Exemplaren, hier aufgestellt. Durch eine leicht Torzunehmende Vergleichung wird die Güte mancher ausländischen Fabrikate begreiflich , und der Inländer in den Stand gesetzt, seiner Arbeit, in manchen Fäl- len, gleiche Vollkommenheit zu geben. Diese Samm- lung wird von Handwerkern sehr häufig benützt , da sie ihnen bequeme Gelegenheit verschafft, sich ohne Kostenaufwand und Zeitverlust mit den vorzüglichsten in ihr Fach einschlagenden in- und ausländischen Er- findungen und Verbesserungen bekannt zu macheu. r Der Umstand, dafs man bei den meisten Fabrikaten zugleich die Mittel zeigen kann, durch welche diesel- ben hervorgebracht sind, verbindet diese Sammlung unmittelbar mit dem übrigen Theile des Kabinettes, und

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gewährt die schnellste wissenschafUiche Belehrung. Ihr Wer th wird endlich noch dadurch erhöht ^ dafs durch die Anfertigung ganzer Partien von Werkzeu- gen (z^ B. der Tischlerwerkzeuge) Arbeiter gebildet worden sind^ bei welchen man dieselben mit einer Sonst nicht zu erreichenden Genauigkeit erh«alten kann.

Sogrofs übrigens die gsfnze Sammlung ^ besonders jene der eigentlichen Fabrikate ^ schon jetzt geworden ist^ soläfstsich doch Vollständigkeit bei derselben um so weniger erwarten^ als die Einlieferungen freiwil- lig geschehen^ und daher einige Fächer fortwährend ziemhch mangelhaft bleiben müssen.

Durch die nachfolgende Beschreibung des Natio- nal-Fabriksprodukten- Kabinettes , welcbe unter den Augen ^ und nach dcmRathe des Herrn Professors der Technologie^ und Vorstehers dieses Kabinettes^ G. Alt- mütter, verfertigt worden ist, hofft man einem oft ausgesprochenen Wunsche aller Freunde der vater- ländischen Industrie entgegengekommen zu seyn. Sie umfafst den Zustand der Fabrikaten- Sammlung am Ende des Jahres 18:22; doch konnten darin nicht alle Nahmen jener Fabrikanten und Gewerbtreibenden auf- genommen werden, von denen Beiträge eingegangen sind , wenn der Aufsatz eine für diese Zeitschrift pas« sende Ausdehnung nicht überschreiten sollte. Jene bleiben daher einer später zu erscheinenden ausfuhr- licheren Beschreibung aufbehalten.

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Beschreibung des National - Fabriksprodukten-

Kabinettes.

I.Unter dem Reichthume des National- Fabriks- prodaklen-Kabinettes behaupten die Met alle und deren Verarbeitungen mit Recht den ersten Platz ^ da sie den wichtigsten Zweig der gewerblichen Industrie über- haupt^ und jener des österreichischen Staates insbe- sondere^ bilden. Die hierher gehörigen Fabrikate werden am fuglichsten in jener natürlichen Ordnung vorgenommen^ die sich bei ihrer Ansicht gleichsam von selbst ergibt^ und die^ obwohl keine eigentlich systematische Zusammenstellung.^ doch nach Möglich- keit immer vom Einfachem zum Komplicirteren fort- schreiteL Freilich kann hierbei die Yerfertiguogsart oder das Material allein nicht berücksichtigt werden : im Gegentheil mufs man auch die äufsere Beschaffen- hat der Erzeugnisse zu Rathe ziehen^ damit nicht zu unähnliche Fabrikate sich unmittelbar berühren. Wir machen demnach mit den rohen Metallen den Anfangs nnd beschreiben zugleich einige einfache Verarbei- tongen derselben; lassen hierauf die verschiedenen Arten von Blech und Drath^ nebst den daraus verfer- tigten Artikeln folgen;' ündschliefsen mit der Abhand- lung einiger mehr zusammengesetzten Fabrikations- zweige.

^. Allen übrigen in den technischen Gewerben verwendeten Metallen lassen wir^ billiger Weise ^ das Eisen vorangehen. Die Wichtigkeit des Eisens fiir die mechanischen Künste^ und selbst für das gemeine Leben braucht wohl hier nicht erst erörtert zu werden^ da es ohnediefs bekannt ist^ wie wenige Arbeiten wir ohne Hülfe dieses unschätzbaren Metalles auszuüben im Stande wären. Man darf sich nur auf die Noth- wendigkeit stählerner oder eiserner Werkzeuge zur Bearbeitung aller übrigen Metalle y . ferner des Holzes^ der Steine vl s. w. erinnern ^ um die Wahrheit die-

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ses Satzes bestätigt zu finden. Wie sehr darf sich demnach ein Land Gliick wünschen , welches so wie der österreichische Staat mit Eisen in unerschöpflicher Menge und von der vorziiglichsten Güte versenen ist ! In ganz Buropa dürfte^ aufser Schweden, vielleicht kein Reich dem österreichischen in der angegebenen Rücksicht vorzuziehen seyn. Diegröfsten und berühm- testen Eisenwerke sind in Steiermark und in eineoti Theile des Königueichs Illjrrien'y aufserdem besitzen aber auch die meisten übrigen Provinzen dieses Metall in bedeutender Menge.

3. Das Eisen wird in den Künsten unter drei verschiedenen Zuständen benützt : nähinlich als Roh- oder Gufseisen , als weiches Eisen oder Stangeneisen, und als Stahl.

Das Gufseisen (Roheisen) wird unmittelbar durch das Ausschmelzen der Eisenerze mit Kohle in den so genannten Hochöfen gewonnen. Fast jeder Hochofen liefert hierbei eine andere Sorte Roheisen^ dessen Qualität von der Beschaffenheit der Erze^ von dem Verhältnisse der angewendeten Kohlen und von andern Umständen abhängig ist. Man schätzt diese Gattung des Eisens in der Regel um so mehr , je dichter und. gleichförmiger sie im Gusse ausfälh^ und je geringer bei gleicher Härte ihre Sprödigkeit ist. Nach dieser Voraussetzung zu urthcilen^ mufs das Gufseisen von einigen böhmischen und mährischen Eisenwerken dem sonst so gerühmten steiermärkischen Eisen vorgezo* gen werden.

Man verwendet das Roheisen theils zur Darstel- lung des weichen Eisens , theils zu Gufs waaren verschie- dener Art. Zu dieser letztem Verwendung ist das Eisen tauglicher als alle übrigen Metalle , indem es nicht nur fast immer einen sehr dichten und blasenfreien Gufs liefert y sondern zugleich alle Züge der Formen genau ausfüllt. Wegen dieses Umstandes ist auch das

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Eisen eines Ton den wenigen Metallen^ aus welchen feine Gegenstände^ z. B. Medaillen, u. dgl. gegossen werden können^ die nach dem Gusse keiner Nach- hülfe mehr bedürfen. Bekanntlich liefert England unter allen Ländern in Europa die meisten Gufswaa- TCiij doch immer nur von gröberer Art; in Rücksicht auf das Feingiefsen sind vorzüglich mehrere Hütten- werke in der königlich preufsischen Provinz Schlesien berühmt. Im österreichischen Staate hat die Eiseur gielserei zwar erst in der neuesten Zeit Fortschritte zu machen angefangen, ist aber doch von mehreren Fabriken bereits auf einen ungewöhnlichen Grad der Vollkommenheit gehoben werden: so zwar, dafs grös- sere imd massivere Guiswaaren eben sowohl als feine Gegenstände von ausgezeichneter Güte und Schönheit erzeugt werden.

Die vorzüglichsten unter den inländischen Eisen- giefsereien haben dem National- Fabriksprodukten*Ka- hinette Muster ihrer Erzeugnisse eingeschickt. Fol- gende darunter müssen hier etwas mehr ausgezeich^ net werden:

Das Eisengufswerk Sr. Excellenz des Herrn Grafen von Wrhna zu Horzowicz in Böhmen (Berauner Kreis).

Eine sehr kostbare^ aus mehr als hundert Stü^ cken bestehende Sammlung vortrefilicher Gufswaaren bezeugt die aufserordcntlich schnellen Fortschritte, welche die genannte Anstalt durch die Liberalität ihres aligemein verehrten Eigen thümers seit Kurzem gemacht hat. Nicht wenige Stücke darunter kommen denPro- dukten der berühmtesten ausländischen Giefsereien an Schönheit und Schärfe des Gusses wenigstens gleich. Dazu müssen , nebst andern Gegenständen y einige Mer daillen mit Portraits^ verschiedene wie Muscheln gCT formte Tabatieren^ eine Anzahl von Leuchtern^ ein sehr zierliches Halskettchen ^ u. s. w. gerechnet wer^ den. Die Vorzüglichkeit der mit dem Werke zu Hör-

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zowicz verbundenen Yorriclitungen zum Abdrehen der Gufswaaren zeigt sich an einigen Altarleuchtern ^ und anderen Stücken^ die auch in dieser Hinsicht nichts zu wünschen übrig lassen. Ein 2'i Zoll hohes , von Holz abgeformtes Kreuz ist unter andern auch darum merkwürdige weil es ganz die Struktur des Holzes zeigte nnd somit einen auffallenden Beweis von der Fähigkeit des Eisens , selbst die feinsten Lineamente einer Form auszufüllen ^ liefert. Bekanntlich erhal- ten Eisenwaaren, die in eisernen Formen gegossen werden e eine bedeutende Härte , wovon die Ursache wahrscheinlich in der schnellen Abkühlung der Ober- fläche gesucht werden mufs. In England benutzt man diese Erfahrung bei der Verfertigung der zum Walzen des Eisenbleches bestimmten Zylinder , so wie zur Erzeugung ordinärer Schneidwaaren aus Gufs- eisen. Versuche der letzteren Art sind auch auf der gräflich Wrbna'schen Giefserei gemacht worden. Im Fabriksprodukten- Kabinette befindet sich eine kleine^ wahrscheinlich auf diese Art gegossene Schere, die eine vortreffliche Politur, auch eine ziemlich harte Schneide besitzt, und in beiden Rücksichten den eng- lischen, Musterstücken dieser Art, mit denen man sie hier vergleichen kann, vorzuziehen ist. Merkwür- dig ist endlich noch eine Zuckerzange , die, trotz der gewöhnlichen Sprödigkeit des Gufseisens, Elasticität genug besitzt, um sich nach Belieben zusammendrü- cken zu lassen. Vermuthlich hat sie diese auffallende Eigenschaft durch eine ähnliche Behandlung erhalten, als jene ist, mit deren Hülfe man in Frankreich den grofsen gufseisernen Geschirren ihre Zerbrechlichkeit zu benehmen weifs , worüber aber zur Zeit nichts Nähe- res bekannt geworden ist. Unter den übrigen Mustern müssen noch berührt werden: ein Paar Büsten Sr. kaiserl. jetzt regierenden Majestät; ein sehr schön und kunstreich ausgeführter liegender Löwe; eine grofse, durch ein eigen thümliches, künstliches Verfahren im Ganzen gegossene Kette ; zweischöüe, mit Laubwerk

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verzierte Yasen; eine ähnliche Zuckerdose ; eine ovale Platte mit erhaben erAufschrift ; ein Paar'sefajrfein gegos* seneOhrgehänge ; ein aus kleinen Medaillons zusammen- gesetztes Armband; mehrere Whistmarken; ein klei- nes , aufserordentlich zierlich gegossenes Schreibzeug ; mehrere Girandol- Leuchter u. s. w*^ die sämmtlich den hohen Aufschwung der Fabrik auf die ausgezeich- netste Weise beurkunden. Übrigens ist das Horzo- witzer Eisen von so trefflicher Beschaffenheit^ dafs es vor dem &ufs nicht erst iioch einmahl umgeschmolzen zu werden braucht^ sondern dafs auch die feipsten Stücke unmittelbar aus dem Hochofen gegossen wer- den. Ganz neuerlich hat man in dieser Fabrik auch nicht unglückliche Versuche gemacht^ gufseiseme Ge- schirre mit einem haltbaren Email zu überziehen ; eine Kunst ^ deren allgemeine Verbreitung auf die Brauch- barkeit solcher Geräthe den wichtigsten Einflufs ha- ben müiste.

Das (Tit) landgräfiich von Fürstenberg* sehe Eisen- ^o/swerk zu Neu- Joachimsthal in Böhmen (Be- rauner Kreis). '

Von dieser Anstalt besitzt das Kabinet mehrere sehr ausgezeichnete Gufswaarcn, unter denen eine Sammlung von vierzig schönen Medaillons y den herzog- lich lothringischen Stammbaum vorstellend y so wie eine zwei Fufs hohe Büste Sr. Erlaucht des Herrn Land- grafen Egon zu Fürstenberg vorzüglich bemerkt zu werden verdienen. Das letztere Stück ist besonders auch dariun merkvmrdig , weil man sich zu seiner Ver- fertigung einer Sandform bedient hat, ein Verfahren, welches zwar für die gewöhnliche Erzeugung ähnli- cher Stücke mit zu vielen Schwierigkeiten verbunden seyn würde, durch welches aber zugleich diese Büste eben einen grofsen technischen Werih erhält. Ein ovales , !23 Zoll grofses Medaillon, mit dem Portrait Seiner kaiserl. jetzt regierenden Majestät, spricht beson- ders durch trefiende Ähnlichkeit und durch eine ganz

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tadelfireie Ausführung des schwierigen Gusses 'den Kepner an.

Die £• k. Ararial- Eisengiefserei zu Maria -Zell in Steiermark (Brucker Kreis).

Diese Giefscrei ist Torzüglich durch die Ausfüh- rung gröfserer Maschinentheile berühmt. Das in der- selben erzeugte Eisen hat den Vorzug einer grofsen Festigkeit^ und läfst sich aufserdem , seiner beträcht- lichen Weichheit wegen ^ leicht feilen ^ und auf an- dere Art bearbeiten. Man findet im National- Fabriks- produkten <- Kabinette viele Muster aus dieser Fabrik aufgestellt, worunter nur einige der vorzüglichsten ausgehoben und hier etwas näher besprochen wer- den können. Das gröfste Stück ist eine 7 Zoll dicke, ^4 ZtoU lange , und ^78 Pfund schwere, zur Kattun- Appretur bottimmte Walze. Die Verfertigung solcher Walzen ist um so schwieriger, da sie, um ihrem Zwecke zu entsprechen, vollkommen rund und ganz gerade seyn müssen: zwei nur mit grofser Mühe zu erfüllende Bedingungen. Unter den kleineren Stücken bemerkt man eine Sammlung rein gegossener Medaillons, mehrere durchbrochene Verzierimgen u. s. w. Seit der letzten Zeit besitzt die Fabrik auch sehr genaue Vorrichtungen zum Drehen, die für die wei- tere Verarbeitung der Gufswaaren von grofscm Nutzen sind. Als Proben einer solchen Verarbeitung sind dem Kabinette zwei hohle offene ZyUnder von Beträchtli-» eher Gröfse übergeben worden. Der erste hat einen Durchmesser von i3 Zoll, und eine Lance von 22 Zoll; der andere ist 32 Zoll weit, und 17 ZoU hoch : beide sind von innen und aufsen genau abgedreht , und kaum X Linie in der Wand dick. Nicht weniger Aufmerk- samkeit verdient ein kleiner Ring, deralsDosenschlufs gebraucht werden kann., und bis zu der geringen Dicke eines J^apierbogens abgedreht ist, » Wenn man das Gesagte zusammen fafst , so kann man nicht umhin, die vortheilhafteste Meinung von der innern Einrieb«

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taug der Fabrik^ die unter der geschickten Leitung des eben so thätigen ak kenntniisreichen Herrn Hipp^ mann steht ^ zu/assen.

Eisengiefserei des (Tit.) Herrn Alt -Grafen Hugo Ton Saint zaBlansko ia Mähren (Brünner Kreis).

Die Gnfswaaren dieser Anstalt werden va Maschi- nen- Bestandtheilen wegen der Weichheit des Eisens und der grofsen Genauigkeit des Gusses gern gesucht, hn Jahre 1 8 19 hat der Herr Eigenthümer dieses Gufs- werkes ein ausschliefsendes Privilegium erhalten auf eine Art^ Rohren für Wasserleitungen u. d. gl. zu gies« sen. Die Haiiptschwierigkeit hei der Verfertigung solcher Rohren besteht in der geringen Neigung^ wdche das Eisen gleich allen Metallen besitzt^ sehr lange und engeHönlungen der Forcen YoUständig aus- luKUen. Gufseiserne Röhren^ die man freUich frü- her schon erzenste , hatten aus dieser Ursache immer sehr dicke Wände ^ und konnten daher nur um einen nnferhaltnifsmäfsig hohen Preis geliefert werden. Die- ses Anstand hat man hier auf eine sehr sinnreiche Art zu beseitigen gewufst^.so^ dafs die geringe Dicke ein Hauptverdienst der erwähnten Röhren ausmacht^ wie die Ansicht der imNational- Fabriksprodukten- Ka- binette aufgestellten Muster beweiset. Als ein wahre» Konststuck der Eisengiefserei mufs ein zum Absperren dsemer Kommunikationsröhren bestimmter Hann er- irihnt werden^ der mit höchster Genauigkeit ausge- filirt ist. Vor längerer Zeit wurden zu Blansko auch eiserne Dachschindeln gegossen ^ von denen das Fabriksprodukten- Kabinet ebenfalls mehrere besitzt. Sie sina von der Gröfse der gewöhnlichen Dachziegel, aber Ton einer unbedeutenden Dicke. Ihre Anwen- dung scheint jedoch mehrere Hindemisse gehabt zu haben, da man gegenwärtig die Erzeugung dieses Ar- tikeb wieder au]^egeben hat.

Das National- Fabriksprodukten* Kabinet besiut

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aufser den inlädidischen Erzeugnissen dieser Art eine Sammlung schöner Eisengufswaaren von dem königlich, preufsischen Hüttenwerke zu Gleiwitz in Schlesien^ so wie einige Stücke englischer Gufswaaren^ durcli deren unparteiische Vergleichung die Produkte inläii'- discher Giefsereien ganz und gar nicht in Schatten gestellt werden. Unter den englischen Mustern ins-» besondere mufs ein schöner^ verzinnter^ mit Ventil versehener Kochtopf erwähnt werden^ der, seiner zweckmäfsigen Einrichtung wegen ^ für kleine und grofse Haushaltungen Empfehlung verdient. Ebenso ist eine Kafiehmühle zu bemerken^ die zwar ganz or- dinärer Art ^ aber doch defs wegen interessant ist'^ weil der ganze untere Kasten derselben aus einem einzigen Stücke besteht. Jedes Stückchen daran ist gegossen, selbst die Schrauben [nicht ausgenommen y welche die einzelnen Theile zusammen zu halten bestimmt sind. Welch ein Gegenstück zu den gegossenen Magazinen und Brücken ^ denen der Kuostfleifs in der neuesten Zeit das Daseyn gegeben hat!

4- Das Stangeneisen (Schmiedeisen ^ Frischei- sen) ist^ in der Regel ^ das Produkt einer mit dem Roheisen vorgenommenen zweiten Schmelzung^ wo- bei dasselbe jener fremden Bestandtheile^ welche seine Sprödigkeit verursachen^ beraubt wird. Es ist immer um so besser^ und wird um so mehr geschätzt^ je gröfser seine Dehnbarkeit, und je weicher und gleich- förmiger es ist, weil diese drei Eigenschaften es vor- züglich zu allen Verwendungen brauchbar machen. Die Gestalt, unter welcher das Schmiedeisen im Handel gewöhnlich vorkommt, ist die von Stangen, welche nach dem Zwecke , wozu sie bestimmt sind, verschie- dene Formen haben, und abweichende Nahmen füh- ren. Die Verfertigung dieser Stangen geschieht in der Regel mittelst des Hammers, in einigen Fabriken aber auch durch gewisse Maschinen , welche aus Wal- zen bestehen, und weit schneller arbeiten. Diese letz-

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tere Methode verdankt man den Engländern ; sie ist aber bereits auch auf dem gräflich Egger'schen Eisen-' werke in Kämthen eingeführt worden.

Die österreichische Monarchie erzeugt das meiste nnd beste Stangeneisen in dem nördlichen Theile von Steiermark und in Kämthen y welche beide Provinzen fast alle übrigen Erbländer versorgen- Un- ter den inländischen Hammerwerken, welche demNa- tional-Fabriksprodukten-KabinetteMuster ihrer Erzeug« nisse eingeschickt haben , verdienen nachstehende besonders ausgezeichnet zu Werden :

Das Hammerwerk Seiner Durchlaucht des fieirn Für*- »ten FFlIhelm von Auersperg, zu Hof in lUjrrien (Meustädtler Kreis).

Das Hammerwerk auf der k. k. Bankäl - Herrschaft St* Qßrtrud in Kämthen (Klagenfurther Kreis)^

Diese Anstalt hat mehrere Zentner Stabeisen der jbesten Qualität zur Aufstellung eingeschickte

Das Hammerwerk des Fr4 von Eggenwald ^ bei Leo- ben m Steiermark 0iT\i(Aiev ILx eis) i

Mehrere gute Muster von Streckeisen, die be- sonders defswegen Aufmerksamkeit verdienen, weil sie mit rohen (unabgeschwefelten) Steinkohlen, de- ren Anwendung bei der Eisenmanipulation sonst grofse Schwierigkeiten macht, bereitet sind.

Das Werk des Herrn Grafen Ferdinand von Egger f zu Lipitzbach in Kämthen (Klagenfurther Kreis)^

Von dieser mit vollem Recht berühmten Anstalt^ die eine der wichtigsten ihrer Art in der Monarchie ist, besitzt das National -Fabriksprodukten-Kabinet eine schöne Sammlung von gev^alztem Fafsreifeisen, welches sich durch äufsere Schönheit und durch Güte gleich vortheilhaft auszeichnet. Die einzelnen Stücke

lakrK d. poljrt. Intt. IV. Bd. 2 ^

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haben lo bis i5 Fufs in der Länge ^ \ bis 5f Zoll in der Breite^ und sind durchaus von genau gleicher Dicke. Diese Fabrik hat auch Stangeneisen einge- schickt, ivelches durch eine das gewöhnliche Ver- jähren an Schnelligkeit weit übertreffende Methode^ mittelst Maschinen , verfertigt ist.

Das Schmelz- und Hammerwerk des Herrn Obersteiner zu Saidenhofen in Kärnthen (Yillacher Kreis).

Das Hammerwerk zu St. Sahator in Kärnthen (Kla* genfurther Kreis).

Diese dem Herrn Bischöfe von Gurk gehörige Anstalt hat mehrere Muster von Fafsreifen , Ringeisen, viereckigem und rundem Stangeneisen eingeschickt, Vielehe sämmtlich von vorzüglicher Qualität sind.

Die Lungauer Eisengewerkschaft zu Mauterndorf in Oesterreich (Salzachkreis).

Eine Sammlung der gewöhnlichen Eiaensorten Voü bester Beschaffenheit.

§• Die edelste Sorte des Eisens ist der Stahly der sich vom Roheisen sowohl als vom Stangeneisen am auffallendsten durch seine Fähigkeit, eine bedeu- tende Härte anzunehmen^ wenn erglühend gemacht, und (etwa durch Eintauchen in Wasser)* schnell ab- gekünlt wird^ unterscheidet. Aufserdem ist das kör- nige Ansehen der Bruchfläche eines seiner vorzüg- lichsten Kennzeichen 9 und man hält den Stahl für desto besser, je feiiier und gleichförmiger dieselbe in das Auge fällt. Damit der Stahl zur Verarbeitung tauge, mufs er > im ungehärteten Zustande, so dehn- bar und zäri als möglich seyn, und keine Ungänzen besitzen. Nach dem Hälrtcn ist aller Stahl spröde, und zwar steht diese Eigenschaft in geradem Ver- hältnisse mit der jedesmahligen Härte; daher besitzen harte stählerne Werkzeuge immer die unangenebme

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Eigenschaft, dafs sie bei einem heftigen Widerstände leicht abspringen oder zerbrechen.

Man unterscheidet den Stahl nach seiner Berei- tongsart in mehrere Hauptsorten, die zwar in den wesentlichen Eigenschaften überein kommen, sich aber an Güte nicht gleichen , und für verschiedene Ver- wendungen nicht in demselben Grade brauchbar sind. Der Schmelzstahl entsteht durch Umschmel- zen des so genannten stahlartigen Roheisens , und wird theils als Rohstahl (MocL) zu Sensen > Ha- cken und andern groben Schneidwerkzeugen verar- beitet, theils durch wiederhohltes Schmieden (Ger- ben) verfeinert, gleichförmiger gemacht^ und unter der Benennung Gerbstahl in den Handel gebrächt.

Durch Glühen von Stangeneisen in Berührung nut gewissen kohlehaltigen Substanzen erhält iilan den " Zementstahl (Brennstahl), der im rohen Zustande ▼on dem Ansehen seiner mit Blasen bedeckten Ober- ßicbe auch Blasenstahl genannt wird. Die feinste tind beste Sorte des Stahls ist der so genannte Gu/s- stahl j welcher durch vorsichtiges Umschmelzen in seiner Masse eine vollkommene Gleichförmigkeit er- langt bat. Die Fabrikation desselben wird mit der gröfsten Vollkommenheit bekatintlich nut* in England ausgeübt; doch können die Verdienste mehrerer in- ländischen Fabriken um diesen Gegenstand nicht anders als ehrenvoll erwähnt werden. Erst seit deni Anfange des gegenwärtigen Jahrhunderts istdieVer^ Fertigung des Gufsstahls in Oesterreich etwas allge- meiner zur Ausfiihrung gekommen , und bei den gros- sen Schwierigkeiten, welche sich ihr entgegen stel- len, wird sie noch jetzt als ein Geheimnifs bötrie- ben. Unter den Fabriken, welche eine c;röf$ere Menge dieses Produktes liefern , müssen jene des Herrii Für-r Sien von Schwarzenberg Murau in Steiermark ^ des Herrn Grafen von JSgger, endlich die der Herren

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M.Miller in IVien und J. Gerlach zu Reichenau, bey Gloggnitz , ausgezeichnet werden.

Ungeachtet die sämmtliche Stahlerzeugung in der österreichischen Monarchie von höchster Bedeutung ist y so kann doch durch sie die Einfuhr einiger eng- lischer Stahlsorten nicht entbehrlich gemacht werden. Besonders gilt dieses in Beziehung auf das Material zu ganz feinen Arbeiten^ wofiir noch immer jährlich eine bedeutende Summe in das Ausland geht. Fol- gende inländische Erzeuger^ -welche ihre Produkte dem National-Fabriksprodukten-Kabinette eingeschickt haben> müssen hier mit Auszeichnung erwähnt werden.

Jakob Boden, zu Oberwölz in Steiermark (Juden- burger Kreis)^

hat eine zahlreiche Sammlung der gewöhnlicheren Stahlsorten^ die sämmtlich guter Qualität sind^ zur Aufstellung übergeben«

Bordolo und Btumenfeldt ^ zu Poronin in Qalizien

(Sandecer Kreis)« *

Ausgestreckten und gegerbten Zementstahl von vorzügUcnerQualität^ die sich sowohl durch ein schönes und gleiches Ansehen der Bruchfläche y als durch den vollkommenen Mangel an unganzen Stellen kund gibt.

Joseph Ritter von Dietrich, zu Neumarktl in Illjrien

(Laibacher Kreis).

Rohen und gegerbten Brescianer Stahl von guter

BeschafTenheit. Alle Sorten dieses Stahles sind zurVer-

atheitung, so wie zur Annahme einer grofsen Härte

sehr geeignet, und stehen überhaupt dem besten Gufs-

stahl wenig nach«

# Herr Graf Franz von Egger, zu Oberfellach in Käm-y

then (Vilbcher Kreis). Dieser aufgeklärte Beförderer der inländisoben

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Stahlfabrikation läfst bereiü seit mehreren Jahren Gofs- stahl in grofser Menge und von ausgezeichneter Güte auf dem oben genannten Werke erzeugen^ wie auch £u Blech und Drath verarbeiten. Das National -Fabriks* produkten-Kabinet besitzt Muster von rohem sowohl , als von ausgestrecktem Gufsstahl y und von durch Wal- zen gezogenem und mittelst einer Schneidmaschine in Zaine oder Stangen geschnittenem Brennstahl. Alle diese ßtahlgattungen sind von so vorzüglicher Quäli^ tat^ dafs sie dem besten englischen Gufsstahl n!ishta nachgeben.

Joseph Gerlach , in FFien.

Aasgestreckten Gufsstahl. Hr. Gerlach hat, nach vorhergegangenen längeren Versuchen, die Gufsstahl- Erzeugung im Jahre 1817 auszuüben angefangen, und aof sein Verfahren ein ausschlie(sendes Privilegium er- halten. Er verfertigt auf seiner Fabrik zu Reichenau in Oesterreich (V. u. W. W.) zwei Sorten dieses Gufs- stahk: einen unschweifsbaren und einen schweifsba- ren. Da die Schweifsbarkeit eine Eigenschaft ist, welche selbst dem englischen Gufsstahle fehlt, so wird der Gerlach'sche Stahl häufig zu verschiedenen Gegenstanden verarbeitet; und man rühmt an ihm aus- serdem noch die Fähigkeit, eine aufserordentlich grofse Härte, so wie eine sehr schöne Politur anzunehmen. Diese letztere Eigenschaft, so wie der Mangel aller Ungänzen, fällt an einer vom Erfinder eingeschickten polirten Tischglocke sehr deutlich in die Augen. Hrn. .Ge/*/acÄ^ Privilegium erstreckt sich auch auf die Er- zeugung 4er von ihm henöxKi^ten feuerfesten Schmeh- tiegely von denen er dem Kabinette gleichfalls Muster übergeben hat.

Martin Miller ^ in TFien,

Dieser industriöse und thätigc Mann hat dem Natio- nal-Fabriksprodukten-Kabinette eine vollständigeSamm- lung der von ihmr erzeugten , oder durch Umschmcl-

zen verbesserten Stahlgattungcn übergeben y die theils zu Eisen- und Messingsägen ^ theils zu Uhrfedern, theils endlich ^u dem feinsten Blech und zu allen mögli- chen übrigen Arbeiten bestimmt^ und sämmtlich von ganz ausgezeichneter Qualität sind. Ein Artikel, den Hr. Miller bis jetzt in der gaqzen österreichischen Mo- narchie ausschliefsend verfertigt, sind die Zieheisen für Gold- und Silberdrathzieher, welche früher aus JFrankreich bezogen werden mufsten, nun aber von ihm in solcher Güte erzeugt werden, dafs sie selbst im Auslande, namentlich durch ^anz Deutschiandy Rufsland y die preufsischen Staaten und Holland häu- figen Absatz finden. Diese Zieheisen sind aus einer Masse verfertigt, die von dem Erzeuger Silberstahl «genannt wird , aber wahrscheinlich nicht reiner Stahl, sondern vielmehr eine stahlariige Mctall-Lcgirung ist, welche mit einer grofsen Harte doch einen gewissen Grad von Dehnbarkeit verbindet. Die letztere Eigen«« Schaft ist den erwähnten Zieheisen ganz unentbehr- lich, weil die feinen Löcher derselben häufig, um sie enger zu machen, mit dem Hamnier zugeklopft wer- den müssen. Hr. Miller verfertigt aufserdem Plält- walzen fiir Gold- und Silberfabriken, die gleichfalls eine eigene Art von Stahl nöthig machen, und, gleich den Zieheisen, sehr gesucht sind. Möchte dem Ver^ dienste dieses thätigen Mannes doch überall jene wohl- verdiente Würdigung zu Theil werden, die dasselbe }>ereits so häufig geniefst!

Seine Durchlaucht der Fürst Joseph i^on Schwarzen-? bergy zu Murau in Steiermark (Judenburger Kreis).

EineSammlung verschiedenerMuster von Rohstahl^^ Brescianer-Stahl, so genanntem Münzstahl (der zu Münzstämpeln und Stanzen gebraucht wird) , Feilei^- stahl, Klingenslahl u. s. w., sämmtlich von dergröfsten Gleichförmigkeit \n der Masse, und daher zu allen Ver- wendungen sehr brauchbar« Seil geraumer Zeit wird auf dem Werke zii Muraii^ welches (überhaupt meines

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der vorzüglichsten in der ganzen Monarchie ist^ auch vortrefflicher Gufssiahl producirt^ der dein englischen an Qualität fast ganz gleichkommt, in KücLsicht de« Preises aber demselben noch vorzuziehen ist.

Bartholomäus Staudacher, in JVien.

Von diesem Fabrikanten wurden im Jahre i8i3 Versuche über die Erzeugung von Gufsstahl (dem Vorgeben nach aus Schmiedeisen) angestellt, die man nicht anders als gelungen nennen kann. Die im National - Fabriksprodukten - Kabinette niedergelegten Proben sind von vorzüglich guter Qualität, und las- sen es recht sehr bedauern , dafs der Erfinder sein Verfahren im Grofsen ausüben zu können nicht in der I^ge war.

Das k. k. Haupthammerwerk znWejrer in Oester^

reich (Traunkreis).

£in^ bedeutende, aus vier und sechzig Stücken bestehende Sammlung der für den in- und ausländi- schen Verschleifs bestimmten Eisen- und St^lgattun- gen^ durchaus von guter QuaUtät.

G. Aus Eisen und Stahl werden , theils auf den Hammerwerken selbst, theils vorzüglich in der Nähe derselben, viele ordinäre, meist blofs geschmiedete Gegenstände erzeugt. Wir rechnen hieher: Pfannen^ Löffel, Hacken, Ketten^ Hufeisen, Steigbügel und anderes Reitgeräthe, ordinäre Schneidviiaren u. s. W. Diese Artikel sind , t^geachtet ihrer anscheinenden Geringfügigkeit, kein unbedeutender Zweig der Me- tallverarbeitung; denn sie verschaiTen in mehreren Provinzen der Monarchie vielen MenscTien Arbeit und Nahrung, wie z. B. in Steiermark y in Österreich oL der Enns, und zum Theil in Böhmen. Pro- dukte dieser Art besitzt das Nationaf-Fabriksprodukten- Kabinet unter andern von naciistehenden Erzeugern :

Michael Blümel, zu Himmelberg in Kämthen (Villadier Kreis) , hat mehrere Stück eiserne Pfannen eingeschickt^ wie sie gewöhnlich auf den Eisenhäm- mern in grofser Menge verfertigt werden. J. G. Eisner, in PPien, übergah dem Kabinette einige Ketten- schmiedarheiten, und nahmentlich unter andern eine 6 Fufs lange Mefskette ^ die durch ihre Schönheit dem Yerfertiger Ehre macht. Ähnliche Fabrikate haben Franz Krafft und Anton Rbdl, beide in Wien, ein- geliefert. — ^ Von dem Fabrikanten Felkenhauer^ zu Brück in Steiermark, hat das Fabriksprodukten-Kabi- net feine blankgefeilte , und zum Theil blau angelau- fene Schnallen, zum Gebrauch fiir Riemer und Sattler, erhalten, Franz Schaf zahl, zu Grätz, überlieferte eine Sammlung von SchnaUen verschiedener Gröfsje, die nicht durch das gewöh|iliche Verfahren , sondern mit Hülfe von Maschinen verfertigt sind. Versdhiedenes Reitgeräthe für die k. k. Armee, nahmentlich Sporen fiir die deutsche und ungarische Kavallerie, Kara- biner-Hacken, Steigbügel u. s. w. hat Daniel Fi- scher, zu St. JSgid in Österreich (V. 0. W. W^, einge- sandt. Gemeine Hackenschmied -Arbeiten sind ^von mehreren Fabrikanten eingeliefert worden. Joseph Posch, zu Saalfelden im Herzogthnme Salzburg, hat eine ganze Sammlung^ von Hufeisen für Pferde und andere Zugthiere zur Aufstellung überschickt. Jo- seph Majrr, zu Mühlbach, im Salzburgischen^ und die Messerschmied' Zunft zu Trattenbaoh in Österreich (Traunkreis) haben ordinäre Messer, die unter dem Landvolke sehr häufigen Absatz finden, eingesandt. .Von Seite des gräflich Salm'schen Eisenwerkes zu Blansko in Mähren besitzt das Fabriksprodukten-Ka- binet eine gut gearbeitete Tuchscherer-Schere. Vor leiten mufsten diese unentbehrlichen- Werkzeuge durchgehends aus dem Auslande eingeführt werden ', gegenwärtig aber besitzt Österreich bereits mehrere Fabriken, von denen dieselben in bester Qualität nach Ifiederländer und pfälzischer Art erzeugt werden.

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Muster von eisernen gestampften und fein verzinnten Löffeln haben, nebst andern, zwei böhmische Fabri« ken, nähmlich jene Sr. Excellcnz^ des Herrn Grafen yon Wrbruiy zu Horzowicz, und des Herrn Zenker ^ SU Neudeck (im Elnbogener Kreise) eingeliefert. ^ Endlich hat die Maultrommehnacher-Zunft zu Molle im österreichischen Traunkreise eine Sammlung von Maulirommeln verschiedener Gröfse hierher zur Auf- stellung übergeben. Dieses Falirikat ist von nicht ganz geringer Wichtigkeit, indem eine grofse Menge desselben in verschiedene Länder, ja selbst bis nach Amerika^ verführt wird.

7. Eine sehr bedeutende Sammlung besitzt das National - Fabriksprodukten - Kabinet von Sensen , «ft- chebi und Strohmessern. Djese Werkzeuge machen raien der Hauptartikel des Handels mit Eisenvraaren in dem österreichischen Staate aus; und noch hat kein auswärtiges Land die Fabrikation derselben bis aof den Grad der Vollkommenheit gebracht, mit wel- cher sie z. B. in Steiermark und in Österreich ob der Enns betrieben wird. Der Hauptgrund dieser merkwürdigen Erscheinung mag wohl in der eigen- thümlichen Beschaffenheit des inländischen Sensen- stahles liegen, der, ganz dem Zwecke seiner Verar- beitung gemäfs, zwar keine aufserordentliche Härte anzunehmen im Stande ist, dagegen aber eine sehr bedeutende Zähigkeit besitzt. Weil eben eine sehr harte und zugleich feine Schneide die Sensen und Sicheln weniger brauchbar machen würde , so ver- sehen die Engländer, welche ihrem Stahl die nö- thige Zähigkeit nicht zu geben wissen , diese Werk- zeuge mit sägenartigen Zähnen, wodurch das Aus- springen derselben erschwert wird. Der nähmlichen Vorsicht bedient man sich hin und wieder auch in Böhmen bei der Verfertigung dfer zum Schneiden des Getreides bestimmten Sicheln. Ein sprechen- der Beweis von der Güte der österreichischen und

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steiermärkischen Sensen ist der Umstand^ dafs sie in die verschiedensten Gegenden von Europa y ja selbst nach uimerikay versendet viverden; und die inländischen Sensenschraiede haben ihren zur Zeit noch ungeschwächten Kredit mitunter wehl auch der Sorgfalt zu danken^ womit sie ihrem Fabrikate die in jedem Lande beliebten und verlangten Formen zu geben gewohnt sind. Übrigens wird das Verfahren bei der Sensenfabrikation durchaus geheim gehalten^ ungeachtet es sich ganz gewifs von der Verfertigungsart andererSchneidwaaren wesentlich nicht unterscheidet.

Das National- Fabriksprodukten -Kab inet besitzt Muster von mehr als dreifsig Sensenschmieden und Sensenfabriken ^ deren gröfster Theil sich im nördli- chen Steiermark und im Traunkreise des Landes oh Aqv Enns befindet. Die Sensen^ welche in Böh- men und in Galizien fabrizirt werden y stehen y wie die Ansicht zeigt ^ den .übrigen an Qualität weit nach.

8. Einen weit wichtigern ^weig der Industrie^ als man y dem ersten Anblicke nach y vermuthen sollte^ machen die eisernen Nägel aus; denn bei einigem Nachdenken findet man leicht y dafs ein Fabrikat^ wel- ches in so unermefslicher Menge verbraucht wird^ wie dieses^ keine geringe Zahl von Händen durch seine Verfertigung beschäftigen müsse. Bekanntlich wird diese Verfertigung meist im Kleinen y d. h. von einzel- nen Nagelschmieden getrieben^ obwohl sich auch.grös- sere Fabriken damit abgeben; und dieser Umstand al- lein reicht schon hin y um die so häufig abweichende Beschaffenheit des Produktes zu erklären. Man fordert von guten Nägeln überhaupt^ dafs sie gerade genau vierkantige hart und *Spitzig seyen : Eigenschaften^ die nur eine gute Auswahl des Materials und eine sorg- fältige Bearbeitung dem Fabrikate mittheilen können.

Da die gewöhnliche Verfertigungsart der Nägel

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mittelst des Hammers ^ verglichen mit dem grofsen Be- darfes ziemlich langsam vor sich geht^ so hat man schon lange darauf gedacht^ Nägel mittelst Maschinen^ und zwar so zu verfertigen ^ dafs dahei nicht nur an Zeit^ sondern auch an Arbeitslohn und an Brennma- terial bedeutend erspart würde. Der erste Versuch dieser Art wurde im Jahre 1796 von einem Nordame- rikaner angestellt« Später brachten JE>ig/aw^ und /Va/iA:- reich dergleichen Maschinen zum Vorschein; und end- lich ist in der neuesten Zeit dieser Industriezweig auch im österreichischen Staate einheimisch gemacht wor- den. Hier erhielten nähmlich Finanz Schaf zahl und die Gebrüder Leppich (jener am 2. Mai i8i5, diese am I r. Julius 1818) ausschliefsende Privilegien auf die Verfertigung von Nägeln mit Hülfe von Maschinen. Es scheint jedoch^ dafs die Verfahrungsarten Beider vor- lüglich nur auf Schindclnägel anwendbar scyen^ de- ren Form die einfachste^ und daher am leichtesten hervorzubringen ist. Christian Ritter von Leitner hat die Schafzahlsche Nägel-Erzeugungs-Methode be- deutend verbessert, und auf seine Verbesserungen in Gemeinschaft mit dem Handeismanne S, Sartory in Grätz unter dem 4* Junius 1821 ein ausschliefsendes Privilegium erhalten.

Nebst mehreren andern haben nachstehende Er- zeuger dem National-Fabriksprodukten-Kabinette Mu- ster von Nägeln eingesendet:

Caspar Leppich , zu Hainfeld in Österreich

(V, O. W^. W.).

Vier verschiedene Sorten mit Maschinen verfertigter Schindelnägel, die von guter Qualität sind, und eine^ deutlichen Beweis von der Zw«fcmäfsigkeit ihrer Ver? fertigungsart liefern. Es ist zu hofl'cn, dafs HerrZe/;- pich in der Folge seine Erzeugnisse noch vervollkomm- nen, und ihnen auch die wenigen Vorziige, die ih xicn jetzt noch fehlen , mittheilen wird.

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Finanz Schaf zahl, zu Grätz in Steiermark,

hat dem National -Fabriksprodukten -Kabinette eine Sammlung von mehreren Sorten Nägeln übergeben, die mit Hülfe einigei^ von ihm erfundenen Maschinen verfertigt sind. Das Verfahren bei der Bereitung der- selben besteht hauptsächlich in der HerbeischafFung von Eisenschienen, die eine solche Gestalt haben, dafs sie der Quere nach zerschnitten, lauter schmale Streifen von der Form zweier an den Köpfen verbun- denen Nägel liefern. Die eingeschickten Muster die- ser Maschinen -Nägel sind zwar nicht tadelfrei, zeu- gen aber doch auf eine ehrenvolle Art von der Thätig- keit und vom Erfindungsgeiste des Verfertigers.

Ludwig Torre, zu T^Äwr/io im venetianisch-lomhar- dischen Königreiche (Prov. Brescia) ,

hat aufser einigen Mustern eiserner Nägel auch meh- rere kupferne SchiShägel eingeliefert. Alle diese Mu- ster zeichnen sich durch Schönheit der Arbeit sehr vortheilhafl aus,

9. Von welcher Wichtigkeit die Feilenfabrika- tlon für ein Land seyn müsse , in welchem , wie im österreichischen Staate, die Metallverarbeitungen ei- ne4 Haupt-Industriezweig ausmachen, braucht wohl hier nicht erst auseinander gesetzt zu werden. Es ist noch nicht sehr lange, dafs unsere Monarchie alle bes- seren Feilen, deren sie benöthigte , aus fremden Län- dern einführen n^ufste, da die gemeinen- Feilen , die in Steiermark so ungemein l^äufig erzeugt werden, fa§t durchaus voa der geringsten Qualität sind.

. Da die Güte und Brauchbarkeit einer Feile aufser dem Hiebe auch wesentlich von der Beschaffenheit des dazu verwendeten Stahls abhängig ist, so mufstennoth- wendiger Weise die Fortschritte, welche neuerlich im österreichischen Staate in der Stahlbcrcitung ge- macht worden sind, auf die Feilenfabrikation den gün-

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sügsten Einflufs äufsem« Dieser Umstand mag vrohl die Hauptursache scyn, dafs jetzt bei uns Feilen er- zeugt werden / die sich in allen Rücksichten den eng- lischen kühn an die Seite stellen können. Fieilich sind der Fabriken, die ihr Erzeugnifs bereits so vervoU- kommnet haben, zur Zeit noch wenif^e; aber die Bahn ist einmahl gebrochen , und es kann nicht feh- len, dafs in Zukunft die englischen und französischen Feilen durch inländische ganz werden verdrängt wer- den. Die Wahrscheinlichkeit dieses Ereignisses wird umso einleuchtender, wenn man bedenkt, dafs die Verbesserung der inländischen Feilen weder durch Mangel des nföthigen Materials, noch durch Unkennt-. nifs des Verfahrens behindert werden kann; sondern dafs ihre frühere geringe Vollkommenheit blofs in sol- chen Lokal-Verhältnissen , die mit der Zeit von selbst schwinden müssen , gegründet war.

Unter den inländischen Feilenfabrikanten, welche das National-Fabriksprodukten-Kabinet mit ihren Ein- sendungen bereichert haben, verdienen nachstehende i>eson4jers ausgezeichnet zu werden:.

Wilhelm Böck^ zu Waidhof en in Österreich

(V. O. W.W.)- Dieser geschickte Fabrikant hat dem Kabinette eine yoUständige Sammlung von allen Arten Uhrmacher- feilen übergeben, welche an Güte die schweizerischen weit übertreffen, und ohne Anstand mit den englischen, die fiir den inländischen Verbrauch ohnehin zu hoch im Preise stehen, konkurriren können. Das Verdienst des Hrii. Bock in diq^em Fache ist nm so gröfser, da. unsere Monarchie noch vor Kurzem keine einzige Fa- brik besafs, in der jene Feilen von solcher Vollkom- menheit verfertigt worden wären.

Joseph Ritter von^ Dietrich ^ zu Neumarktl in Ulf-

rien (Laibacher Kreis).

Das National -Fabriksprodukten- Kabinet besitzt

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von dieser Fabrik ein sehr zahlreiches und ausgei^ähl- tes Sortiment von Feilen und Raspeln jeder Gattung und Gröfse. Eine genaue Ansicht derselben zeigt > dafs sie weder an Feinheit y noch an Genauigkeit des Hiebes den besten englischen Werkzeugen dieser Art nachstehen \ und die Fabrik^ aus weicher sie hervor- gegangen sind, behauptet somit einen hohen Rang un-« ter den Fcilenfabriken des österreichischen Kaiserthu- mes« Bei dem Umstände, dafs die theuren englischen Feilen in der neueren Zeit mitunter sehr schlecht ge- veorden sind, und ihre Verwendung daher oft mit Nachtheilen verbunden seyn mufs, ist es sehr zu wün- schen, dafs inländische Arbeiter sich der wohlfeile- ren Feilen aus mehreren- einheimischen Fabriken he*- dienen, und, Falls sich unter diesen ein oder das andere weniger brauchbare Stück fände, damit die- selbe Nachsicht haben möchter, die sie bei den eng-^ lischen bis jetzt gehabt hatten. Zu solchen Versuchen sind die Feilen von Neumarktl um so mehr anzura«- then, als an ihnen in Rücksicht auf das Aufsere, wie auf den Hieb, die helle Farbe, die gerade Richtung nichts auszusetzen, und ihre innere Güte ebenfalls schon durch die Erfahrung zum Theil bewährt ist.

Daniel Fischer, zu St.Egid in Österreich (V. O.W.W.),

Die von diesem Fabrikanten erzeugten Feilen sind von ausgezeichneter Güte und Schönheit ; ihre grofse Brauchbarkeit beweist der Umstand , dafs sie, beson- ders diegröfsern, von vi,elen inländischen Metallarbei- tern den sonst so gerühmten englischen Feilen gleich- gesetzt, ihnen sogar vorgezogen werden Wenn man bedenkt, wie schwierig es oft ist, die verjährten Vor- urtheile in ähnlichen Fällen zu überwinden, so mufs man dem Verdienste des Hrn. Fischer die ihm gebüh- rende Würdigung zufliefsen lassen. Die dem National- Fabriksproduktcn-Kabinelte von ihm Übergebepen Mu* ster seiner Erzeugnisse bietben ein bequemes Mittel dar> das Gesagte zu beweisen« In der Fabrik des

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Herrn Fischer wird auch selbst dcr^ zur Feilenerzeu- guDg benöthigte Stahl ^ und zwar durch wiederhohltes Gerben des kärnthnerischcn Mockstahletf verfertigt. £ben daselbst sind auch Versuche zur Erzeugung yon Gnfsstahl unternommen worden^ die aber Lein sehr günstiges Resultat gegeben haben.

Mathias Lechner y zu Steier in Österreich (Traunkreis).

£inige Uhrmacher- und andere Feilen^ an denen ein feiner und gleichförmiger Hieb vorzüglich . zu be- merken ist. Einzelne Muster kommen den schönsten englischen Feilen an Schönheit ganz gleich.

Kendler, zu Werfen in Salzburgs

hat mehrere Muster von Bastard- und Sehlichtfeilen ^ so wie einige Uhrmacherfeilen zur Aufstellung einge- schickt. Sie sind sämmtlich von einem sehr schönen und gleichförmigen Hiebe.

Morandiniy zu Predazzo in 71,rol (Trienter Kreis).

Einige Feilen^ die den Hieb nicht auf diß ge- wöhnliche Art , sondern durch eine eigens zu diesem Zwecke konstruirte Maschine erhalten haben. Unge- achtet der grofsen Schwierigkeiten y die mit der Aus- führung einer solchen Maschine unvermeidlich ver- knüpft sind^ entsprechen doch die vorliegenden Mu- ^ ster allen Forderungen^ die an eine gute Feile in Rück- sicht aiif den Hieb gemacht werden können.

Fidel Schmidty zu Grätz in Steiermark ,

hat dem Fabriksprodukten- Kabinette mehrere Muster ▼OD feinen Uhrmacherfeilen übergeben^ die rüöksicht- lich ihrer äufsern Schönheit nichts zu wünschen übrig lassen^ und unter welchen ein Sortiment von so ge- nannten Maschinenfeilen ^ die nähmlich nicht aus freier Hand gehauen sind y hier vorzüglich ausgezeich*- net werden mufs.

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10. Nach dem Eisen ist tinstreiüg das Kupf^er dasjeuige Metall ^ welches nicht nur in gröfster Menge vor&ommt^ sondern auch am häufigsten verwendet wird. Der österreichische Staat ist auch damit hin- reichend versehen^ so dafs die Einfuhr von fremdem Kupfer nöthigen Falls ganz entbehrt werden könnte. Am meisten schätzt man das Kupfer von mehreren Werken in Kärnthen und Steiermark ^ aber auch das Bannater wird von den Arbeitern sehr gern verwendet. ' Der Kupfer -'Schmelzprozefs ist^ im Ganzen genom- men^ viel zusammengesetzter als die Hochofen -Mani- pulation; und die eigen thümliche Beschaffenheit der meisten Kupfererze macht die Darstellung dieses Me- talls im vollkommen reinen Zustande zu einer der schwierigsten Aufgaben der Hüttenkunde« Man mufs gestehen^ dafs viele inländische Kupferwerke in die- ,sem Punkte noch sehr zurück sina; so zwar, dafs wenige d6r in Osterreich erzeugten Kupfersorten die zu gewissen Verwendungen unumgänglich nöthige Reinheit/ und den damit verbundenen hohen Grad von Zähigkeit besitzen. Häufig verwenden daher die . einheimischen Drathzieher das russische Kopekenku- pfer, welche^ seiner Güte wegen berühmt ist.

Das Kupfer kommt im Handel fast immer in Ce* . stalt gröfscrer oder kleinerer runder Platten vor; das feinste ist das sogenannte Rosettenkupfer, welches vorzüglich zum Drathziehen, zu plattirten Waaren und zu besserem Kupfergeschirr verarbeitet wird. ImGrOs^ sen geschieht die Verarbeitung des Kupfers zu ordi- nären Waren, als Kesseln, Pfannen, Dachblech u.s.w« auf den Kupferhämmern ; mit der weitern Vollendung dieser Artikel beschäftigen sich die in Städten zer- streuten Kupferschmiede und andere Arbeiter. Zu Gufswaaren taugt das Kupfer nicht, da es beimGiefsea immer sehr porös und löcherig ausfällt. Das Natio- nal-Fabriksprodukten-Kabinet besitzt rohes Kupfer so- wohl, als verschiedene Kupferhammer«£r£eugnisse

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f

von meUreren inländischen Werken^ von denen di« vorzüglichsten an andern Orten noch ermähnt v?erden.

II. Aus Kupfer wird, in Verbindung mit Zink, eine für die Technik ganz ungemein wichtige Metall- Legirung bereitet, nähmlich das Messing. Diese Zu- sammensetzung ist zwar weniger dehnbar, dagegen aber viel härter, bedeutend leichtflüssiger, und zu Gufswaaren viel geschickter als das Kupfer, welches doch immer den Hauptbestandtheil davon ausmacht« Die Darstellung des Messings geschieht theils durch unmittelbare Vereinigung des Kupfers mit Zink j theils aber (and zwar am häufigsten) durch Schmejzen des Kupfers mit Galmei (einem Zinkerze) und Kohlenstaub (der als Reduktionsmittel dient). In Frankreich h.jt man in der neuesten Zeit auch sehr glückliche Ver- suche gemacht, dem Galmei die bis dahin unbenutzte Blende (natürliches schwefelhaltiges Zink) zu substi- luiren, und durch deren Hülfe ein Messing zu berei- ten, weiches eben so dehnbar ist als das gewöhnliche. Begreiflicher Weise kann bei allen diesen Verfahrungs- arten die Menge des mit dem Kupfer sich vereinigen- den Zinks nicht auf das Genaueste bestimmt^ werden, indem immer ein Theil dieses Metalles verflüchtigt oder verbrannt wird. Übrigens kommt so aufseror- dentlich viel auf das Verhältnifs beider Bestandtheile zu einander eben nicht an, wie auch die Erfahrung lehrt, dafs der Zinkgehah des Messings zwischen i5 und aS p. Ct. variirt. Je mehr aber, im Allgemeinen, das Messing Kupfer enthält, desto weicher und debn- barer fällt es aus ; eine unverhältnifsmäfsig grofse Menge Zink dagegen benimmt ihm nicht nur seine schöne Farbe, sondern macht es auch hart und spröde. Dafs endlich die Beschaffenheit dieser Legirung zum Thcil auch von der Reinheit der bei der Bereitung ange- wendeten Materialien sehr abhängig seyn müsse, braucht wohl kaum erinnert zu werden.

lakrk. 4. foljt. I«*t« IV. Bd. 3

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Das Messing wird häufig zu Gufswaaren i^crwen- det^ obwohl es zu diesem Zwecke weniger tauglich ist als Eisen ^ da es diePormen nie ganz scharf aus- füllt^ und daher in der Folge immer noch ausgearbei- tet werden mufs. Mit der Messinggiefserei beschäfti- gen sich theils ganz grofse Fabriken , theils einzelne so genannte Gelbgiefser> die sich ihr Messing meist selbst bereiten.

Eine besondere Sorte des Messin gs ist der Tom- bak y der sich durchweinen sehr grofsen Kupfergehalt unterscheidet^ und^ wiewohl ziemlich selten^ zu meh- reren Zwecken verwendet wird^ wo man eines sehr dehnbaren Materials benötbigt^ ^ie zu geprefsten Bronze waaren 9 zu dem unechten Blattgold u. s. w.

t Der österreichische Staat ist mit Messingfabriken hinlänglich versehen^ und das von denselben gelie- ferte Produkt ist in der Regel von so vorzüglicher Qua- lität^ dafs es zu den feinsten Arbeiten^ zu denen man das Material ifrüher gröfsten Theils aus Nürnberg be-- ziehen mufste^ verwendet werden kann. Die Ansicht der im National^Fabriksprodukteh-^Kabinette aufgestell- ten Messingwaaren kann dem Gesagten zur Bestätigung dienen; Wir heben hier einstweilen blofs einige von denjenigen Fabriken aus^ welche diesem Kabinette Messing-Gufswaaren eingeschickt haben^ da die übri- gen Erzeugnisse aus Messing noch besprochen wer- den sollen.

Anton Hainisch y Inhaber der Messingwaiiren-Fabrik zu Nadelburg in Österreich (V. U. W. W.)

Dieser Fabrik, die eine der gröfsten ihrer Art in der Monarchie ist, verdankt das Kabinet eine sehr schätzbare Reihe von Messing-Gufswaaren, worunter sich mehrere gröfsere und kleinere Becken, Pfannen^ Einsatzgewichte, Mörser, Glocken, Verzierungen auf Pferdegeschirr u, dergl. befinden, die sämmtlich so-

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wohl ganz rein gegossen^ als auch mit vielem Fleifse abgedreht und polirt sind. Die Fabrik zu JSadel' bürg zeichnete sich schon unter ihrem früheren Besi- tzer^ dem Grafen von Batthjraniy sehr vortheilhaft aus^ und sie hat sich in den letzten Jahren noch bedeutend yervoIikommneL Zu den ausgezeichnetsten Einrich- tungen derselben gehört das Abdrehen aller ^ selbst der kleinsten Gegenstände mittelst vom Wasser getrie* bener Vorrichtungen, ein Verfahren, wobei die Rein- heit und Genauigkeit der Arbeit keineswegs leidet« Nebst den oben genannten werden zu Nadelburg noch viele andere Artikel aus Gufsmessing, als Leuchter, Wagschalen, Pumpenröhren, Brunnenventile u. s. w. von bester Qualität und um sehr billige Preise ver^ fertiget«

Sebastian Ifaidegger, zu Stejrregg in Österreich.

Eiin sehr schöner, auf zwei Büchern stehender kleiner Sokrates-Kopf, welchen der genannte Verfer- tigter dem Kabinette zur Aufstellung überlassen hat, verdient wegen der grofsen Sorgfalt, mit der alle Theile desselben bearbeitet sind, das gröfste Lob.

Franz Winkler^ Eigenthümer der Metall waarenfabrik zu Ebersdorf m Österreich (V* u* W. W.).

Unter den Gufswaaren dieser Fabrik sind viele Stacke, die den höchsten Grad der Vollendung zei- gen, und weder an Reinheit des Gusses, noch an Schönheit und Zierlichkeit der Ausarbeitung etwas zu wünschen übrig lassen. Ein geschmackvoll verziertes Plätteisen ist unter allen am meisten werth, hier ins*- besondere angezeigt zu werden, denn seine Ausfuh« rang mufs für ein Meisterwerk der Messinggiefserei gehalten werden. Unter den übrigenrMusterstücten befinden sich mehrere gefirnifsie Tafelglocken, fein polirte und versilberte Leuchter, ein grofser, auf ein Hausthor anzubringender Löwenkopf, mehrere Stücke von so genanntem Fuhrmannsmessing u. s. w. Die Fa-

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brik des Herrn TVinkler zeichnet sich auch vorzügliclk in der Verfertigung der geprefsten und gefirnifstea Bronzewaaren aus^ wefswegen ihrer weiter unten noch, gedacht werden wird. '

Veit Schieferegger, za Radstadt \m Salzburger Kreise^

hat dem Fabriksprodukten- Kabinette eine Sammlung^ von Gufswaaren eingeschickt^ die zwar meist nur zu or- dinärem Gebrauche bestimmt^ nichts desto weniger aber in industrieller Hinsicht Yon grofser Wichtigkeit sind.

12. Das Bleiy welches nicht weniger unmittel* bar zur Yertirbeitung , als zum Hülfsmittel bei gewis- sen Arbeiten ^ z. B. beim Abtreiben des Silbers und Goldes verwendet^ sowie auch mehreren Metall -Le- girungen zugesetzt wird^ findet sich im österreichi- schen Staate sehr häufige und zwar vorzüglich in i^är/i- then^ Böhmen \xii6. Ungarn \ eine bedeutende Menge dieses Metalles wird sogar jährlich in das Ausland ge- schickt^ und bildet somit einen Zweig des österrei- chischen Aktivhandels. Was die Qualität der im In- lande gewonnenen Bleisorten betrifft^ so wird beson-* ders das kärnthnerische Blei wegen seiner Reinheit und Zähigkeit geschätzt^ und häufig zu den verschie- densten Zwecken verwendet Ein Hanptfabrikat aus Blei y welches auch in den österreichischen Staa- ten von sehr vorzüglicher Qualität erzeugt wird, ist das Flintenschrot. Das National- Fabriksproduktcn- Kabinet besitzt hiervon sehr zahlreiche Proben, und zwar, nebst andern^ aus nachstehenden Fabriken:

Hieronjmus Bögan , zu Chioggia , im Yenetianisch-

lombardischen Königreiche.

Joachim Schu/snich, in JYiest^

Simon TFallner^ zu Jrnoldstein in Kärnthen (Villa-

cher Kreis).

Diese Muster sind auf die ge wohnliche Art, nahm* lieh durch Abkühlen des zu Tropfen gebildeten Bleie» in Wasser erzeugt^ und zeigen demnach auch die.mit

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diesem Verfahren nothwendiger Weise Terbundenen MangeL Weil nähmlich die Berührung des Metalls mit dem Wasser in einem Zeitpunkte geschieht^ wo dasselbe noch bei weitem nicht fest geworden ist^ so alle&die Schrotkörner nie vollkommen rnnd aus ; und Tonäglich bemerkt man an jedem derselben eine kleine Vertiefung, welche von dem Einsinken des Bleies beim schnellen Erkalten der äufsern Rinde herrührt ; so wie man eine ähnliche Erscheinung auch beim Gies-* sen fast aller übrigen Metalle zu beobachten Gelegen- heit hat. In England hat man zuerst darauf gedacht, dieser UnToIlkommenheit des Flintenschrotes dadurch zu begegnen, dafs man die Abkühlung, und mithin das Erstarren der Bleitropfen einzig durch die Luft (wahrend des Falles von einem hohen Gerüste) gc* schehen liefs, weil sie hier weit langsamer und gleich- {ornuger vor sich geht. Auch im österreichischen Staate wird diese Fabrikations-Methode ausgeübt, und das NationalrFabriksprodukten-Kabinet besitzt Muster von solchem Patentschrot aus der Fabrik des

Philipp von Fen^ari^ zu Fillach in Kämthen,

welche durch den Fall von einem 24o Fufs hohen Tharme gebildet sind, und an vollkommener Rundung, so wie in jeder andern Hinsicht nichts zu wünschen übrig lassen.

1 3. Arbeiten und Fabrikate aus Zinn besitzt das JVational-Fabriksproilnkien-Kabinet von mehreren böh- mischen Fabriken, welche, besonders was gewisse Artikel, z.B. Galan terieWaaren, betrifft, vor allen übri- gen in der Monarchie den Rang behaupten; Aufser dem jetzt seltener angewendeten Speisegeschirr sind es hauptsächlich schön verzierte, zum Theil mitBron- zefarbe überzogene Tafelleuchter, Vasen, u. dergl., so wie verschiedene kleinere Gegenstände, die aus jenem Metall verfertigt, und häufig in den Handel ge- bracht werden. Zu den merkwürdigeren Stücken,

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t^elche das Kabinet in dieser Art besitzt , gehört ein. von dem Zinngiefser

Joseph Beitz in JVien

übergebener, aus mehreren durch das Löthen vereinig- ten Stücken bestehender Suppentopf^ der absichtliclx auf diese ungewöhnliche und sehr mühsame Art ver- fertigt worden ist^ weil sich daran die Geschicklich- leit des Arbeiters in einem vorzüglichen Grade ofien-* hart. Derselbe Erzeuger hat depi National - Fabriks- produkteurKabinette auch eine Form zum Giefsen zin- nerner Ketten^ deren Glieder^ ohne der Löthung zu. bedürfen^ in einander gegossen werden , zum Ge- schenke gemacht. Diese Form vereinigt eine grofse Einfachheit mit der möglichsten Bequemlichkeit beim Gebrauch; sie besteht aifs Mes3ing, und ist mit vie- lem Fleifs gearbeitet.

Ungeachtet der österreichische Staat in Böhmen mehrere sehr ergiebige Zinnbergwerke besitzt, so reicht doch die Ausbeute derselben nicht hin, den inländi- schen Bedarf zu decken ; und sowohl englisches als sachsisches Zinn behaupten «daher eine nicht unbedeu-^ tende Stelle in der Reihe der Eiafuhrs*Artikel. Das Zinn taugt vortrefflich zu Gufswaaren, und zwar nur um so besser, wenn es mit einem geringen Zusätze von Blei versehen ist, weil dann die aus Messing , Sandstein oder Gyps verfertigten Formen weit besser von demselben ausgefüllt vsrerden. Man verwendet die- ses Metall aufserdem, wie bekannt, zur Bereitung des Stanniols , zum Verzinnen, und zu vielen anderen , minder wichtigen Zwecken.

i4- Die Vortreflflichkeit der Waaren, welche im österreichischen Kaiserthume, und vorzüglich in Wien, aus den edlen Metallen ^ Gold pnd Silber, verfertigt werden, ist zu bekannt, als dafs sie fernerhin noch eines Beweises bedürfte. Zugleich aber bildet der

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höbe Preis dieser Erzeugnisse ein Hanpthindemifs der Elinsendung fiir dasNaüonal-Fabriksprodukten-Ka- binet. Das, was sich von solchen Arbeiten in dem genannten Kabinette befindet , beschränkt sich dem- nach gröfsten Theils auf einige unbedeutende Silber- arbeiten 9 unter denea wir die Muster echter Folie wtm BirrUtz in Wien erwähnen. Von Goldwaaren sind %o genannte Yenetianer Kettchen aus der Fabrik des Stephan Arnaud in l^enedig vorhanden. So wie die anter der obigen Benennung bekannten Kettchen, die mittelst sehr einfacher Handgriffe^ meist von Kindern^ aas Golddrath gebogen und gelöthet werden, über- haupt gesucht und berühmt sind, so zeichnen sich ins- besondere die vorliegenden Muster durch ihre äufserste Feinheit sehr vortheilhaftaus. Echtes Blattgold und Blattsilber haben Anton Jlornnacher, in Salzburgs nskd, Dominik Massaggio , zu f^enedig, dem Kabinette eingeschickt.

i5. Zwei ungemein wichtige Artikel der Metall- reranbeitung sind Blech und Drath.

Blech kann man im Allgemeinen jedes durch ir- gend ein Mittel in eine grofse, verhältnifsmäfsig dünne Flache ausgedehnte Stück Metall nennen , ungeachtet das Wort in dieser weiten Bedeutung nicht sehr häu- fig gebraucht wird. Alle dehnbaren Metalle lassen sich in Blech verwandeln; doch sind manche daher' ent- springende Benennungen (Bleiblech, Zinnblech etc.) nicht allgemein üblich. Die Mittel zur Hervorbringung des Bleches sind überhaupt zweierlei, je nachdem man nähmlich entweder mittelst des Hammers oder miltclst Walzwerken das Metall bearbeitet. Das Schlagen des Bleches durch den Hammer ist die älteste Art, und wurde wohl schon in der ersten Zeit, da man Metalle zu bearbeiten Jernte, erfunden. Es hat aber mehrere aufiallendeUnvoUkommenheiten, die sich selbst durch die gröfste Sorgfalt des damit beschäftigten Arbeiters nie i:anz beseitigen lassen« Vorzüglich ist der Umstand

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ZU bemerken^ dafs es fast zur UnmÖglichkeil gebort^ mittelst des Hammers^ der begreiflicher Weise nur eine Stelle nach der andern treffen kann^ ein voll« kommen gleich dickes Blech zu erzeugen j und welche -wichtige Nachtheile eine ungleiche Dicke dieses Fa* brikates für die folgende Verarbeitung desselben nach sich zieht ^ ist jedem Praktiker so gut bekannt und überhaupt so einleuchtend^ dafs es unnütz wäre^ dar- über menr Worte zu verlieren. Unbestreitbare Vor- züge hat in dieser und fast in jeder- andern (aufscr etwa in ökonomischer) Hinsicht die Anwendung von Walzwerken zur Blechfabrikation. Das gewalzte Blech fällt^ wenn anders mit einiger Vorsicht bei seiner Be- reitung verfahren wurde, immer viel glätter, gleich- formiger und schöner aus j ist daher zu allen Verwen- dungen viel brauchbarer als das geschlagene. Wie aus- ser oen genannten Eigenschaften der Mangel aller Schie- fern, Ungänzen u. dergl. jedes gute Blech überhaupt auszeichnet, so findet sich dieses letztere Kennzeichen auch insbesondere a4 dem meisten durch Walzen be- reiteten Bleche. Diese Umstände sind Ursachen gewe- sen an der Schnelligkeit , womit das Walzen des Ble- ches nach und nach fast in allen Ländern eingeführt wurde. In dem österreichischen Kaiserstaate gibt es zur Zeit schon eine bedeutende Anzahl von Fabriken, welche gewalztesEisen-, Stahl-, Kupfer-, Messingblech u. s.w. von der vollkommensten Qualität in den Handel liefern. Wc^nn noch irgend ein Mangel bei diesem In- dustriezweige zu verbessern ist, so liegt dieser ganz sicherlich in der noch nicht ganz gehobenen Schwie- rigkeit, die bendlhigtcn gufsei&ernen Walzen von der möglichsten Dauerhaftigkeit, und um mäfsige Preise zu erhalten.

Über die einzelnen ArtQH des Bleches scheint hier noch Folgendes im Allgemeinen zu bemerken nöthig.

Gutes und brauchbares Stahlblech wird im In-

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lande ooch nicht in so erofser Menge fabrizirt^ dafs der einheimische Bedarf dadurch gedeckt^ und die Einfahr von englischem Blech entbehrlich gemacht lifäre. Besonders wird diefs in jenen Fällen fühlbar^ D¥0 ans Stahlblech gewisse feinere Artikel^ z. B. Uhr- federn u. dergl. verfertigt werden sollen. Die Qua- iität des in der Monarchie erzeugten Eisenbleches hat sich seit Einfuhrung der Walzwerke bedeutend ver- bessert, und ist besonders in der letzten Zeit auf ei- nen hohen Grad gesteigert worden. Das Eisenblech wird zu manchen Anwendungen verzinnt j um seiner Oberflache eine gröfsere Schönheit zu geben^ und sie vor den zerstörenden Einflüssen der feuchten* Atmo- sphäre zu schützen. Solches verzinntes Blech kennt man unter der Benennung /iPe/^&/ecA. Eine gute Ver- zinnung soU weder zu dünn noch zu dick seyn : das Erstere , weil sie dann das Eisen vor der Einwirkung d^ Luft nicht hinlänglich zu schützen vermag ; das * Letztere , weil sie dann selten so gleichförmig und glatt ausfällt, als die Schönheit des Fabrikates es ver- langt Das zum Überzuge angewendete Zinn soll fer- üer so rein als möglich seyn , weil es nur in diesem FaDe lange Zeit seinen Glanz und seine 'weifse Farbe behält. Wo man die angegebenen Bedingungen ver- nachläfsiget wird man gar nie ein gutes^ schönes und branchbares Weifsblech verfertigen. Dieses ist unläug- W der Fall in fast allen inländischen Fabriken^ die skh mit der Erzeugung dieses Artikels abgehen. Wie man nach den neuesten Aufklärungen mit Sicherheit weifs^ gründet sich die Vorzüglichkeit des englischen Weifsbleches keineswegs auf besondere Kunstgiufie (deren Unkenntnifs dem Fabrikanten zur Entschul- digung dienen könnte); sondern einzig und allein auf die gute Qualität der Materialien^ und auf ein sorgfältiges Verfahren bei ihrer Anwendung. Die- ser Fall tritt überhaupt öfter ein, als man vielleicht denken mag j und würde man ihn hinreichend beher- rigen , so dürfte ein bedeutender Schritt zur Verbes-

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serung vieler Industriezweige schon gethan seyn. Haben wir jetzt eine Schattenseite der inländischen Blechfabrikation aufgedeckt^ so müssen wir im Folgen- den einem anderen Zweige derselben volle Gerechtig- keit widerfahren lassen. Die Erzeugung der Messinge und Kupferbleche steht nähmlich auf einer Stufe der Vollkommenheit^ die kaum etwas zu wünschen übrig läfst. Das Walzen dieser Bleche ist schon in sehr vie- len Fabriken eingeführt worden , und wird mit einer Präcision «lusgeübt, die dem Fabrikate. die gewünsch- testen Vorzüge ertheilt. Zinkblech wird erst seit Kurzem von mehreren Fabriken verfertigt j und seia Verbrauch ist noch ziemlich beschränkt^ da das Vor- iirtheil gegen die Anwendung desselben zum Dachde- cken noch nicht ganz hat beseitigt werden können. Wenn hier der Ort wäre^ über die Tauglichkeit des Zinkbleches zu dem genannten Zwecke ein Urtheil zufallen^ so liefsen sich ziemlich gleich viel Gründe fiir und gegen dieselbe aufzählen. Am meisten kommt aber Wohl auf eine längere Erfahrung an , deren Re- sultat zur Zeit noch nicht bekannt geworden ist. Ein Zinkblech jedoch^ welches mit eisernen Nägeln auf ein Schindeldach befestigt; und so allen Unbilden der Witterung ausgesetzt war^ wurde nach drei Jahren fast unverändert gefunden. Es wäre sehr gut, wenn Versuche dieser Art vergleichungsweise mit Kupfer- blech angestellt würden.

i6. Fast noch grö leeren Schwierigkeiten als die Blecherzeugung ^ unterliegt die Verfertigung des Dra-- thef-y wenn man anders die unerläfslichen Forderun- gen an dieses Fabrikat zumachen Willens ist. Bekannt- lich besteht das Hauptsächlichste der Drathfabrikation in dem Durchziehen von gewissen Metallfäden durch die stufenweise immer engeren Löcher der so genann- ten Zieheisen. Da diese Werkzeuge begreiflicher Weise von härterer N&tur seyn müssen, als das in Drath zu vor wandelnde Metall, so wächst mit der

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Härte dieses letztern auch die Schwierigkeit der Bear- heitung ; denn da z. B. Eisen- und Stahldrath nur mit sehr harten stählernen Zieheisen verfertigt werden können^ so hat man hei ihrer Erzeugung auch alle den harten stählernen Werkzeugen eigenthümlichen Unannehmlichkeiten zu überwinden. Das mit der Zeit unvermeidliche Ausspringen und Schartigwerden der Löcher in den Zieheisen schadet natürlich dem aus-» sem Ansehen des Drathes y und in vielen Fällen so- gar der Brauchbarkeit desselben. Zur Verfertigung des feinen Gold- und Silberdrathes h<'iben die Ziehei- sen wieder Eigenschaften nöthig , die sie fiir jeden an- dern Gebrauch fast untauglich machen würden. Es kommt nähmlich beim Ziehen dieser weichen Metalle weniger auf eine grofse Härte der Zieheisen, als viel- mehr darauf an , dafs die Löcher derselben die mö.g- lichstc Politur, und ihre ganze Masse einige Zähig- keit blitze; das Letztere vorzüglich defswegcn, weil man oft gezwungen ist , die jLöcher durch Hammer- schläge zu verengen. Sehr viel auch beruht übrigens hei der Drathfabrikation auf der Beschaffenheit des verwendeten Materials j aus schlechtem , unganzen Eisen z. B. wird man selbst mit den besten Werkzeu- gen keinen guten und brauchbaren Drath erhalten, mid so in allen Fällen. Diejenigen Metalle, welche am häufigsten zu Drath verarbeitet werden, sind Stahl, Eisen , Kupfer und Messing. Dräthe aus Zink , Blei und Zinn dienen wohl kaum (oder nur höchst sehen) zu technischem Gebrauch. Reines Zink läfst sich nur schwierig zu Drath ziehen, leichter wenn es mit et- was Blei versetzt ist. Der Professor der Technologie,, Herr Georg Altmütter , am k. k. polytechnischen In- stitute hat versuchsweise sehr feine Dräthe aus Zink und Blei verfertigt, und im Fabriksproduklen- Kabi- nette aufgestelh, welche wenigstens den Beweis lie- fern, dafs sich die genannten Metalle, wider die ge- wöhnliche Meinung, . zu einer beträchtlichen Dünne ausziehen lassen.

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17. Das NatioDal-Fabriksprodukten- Kabinet be- sitzt an Blech und Drath aus den verschiedensten Me- tallen einen grofsen Reichthum^ durch dessen Ansicht man sich am sichersten überzeugen kann, auf welcher hohen Stufe die Verfertigung dieser Artikel in unse- rer Monarchie sich befindet. Es sollen hier nur die vorzüglichsten jener Fabriken genannt werden, welche mit ihren Einsendungen die Sammlung bereichert ha- ben. Dahin gehören:

Die k. k. Ärarial-Messingfabrik zu Achenrain in Tirol.

Unter der zahlreichen Sammlung von Blech- und Drathmustern, welche das Kabinet dieser Fabrik ver- dankt, zeichnet sich ein Sortiment von Zinkblech sehr vortheilhaft aus ; die einzelnen Tafeln desselben sind so schön,« und zeigen eine solche Biegsamkeit^ dafs ihre Anwendbarkeit zum Dachdecken kaum zu be- zweifeln seyn dürfte« Um alle bei diesem Gebrauche etwli eintretenden Anstände zu beseitigen, verfertigt die Fabrik auch Nägel aus Zink, welche die sonst üb-, liehen eisernen ersetzen, und mithin alle Gefahr ei- ner galvanisch-elektrischen Wirkung (die spnst bei der Berührung verschiedenartiger Metalle einzutreten, und schnell zerstörend zu wirken pflegt) beseitigen. Be- sondere Erwähnung verdienen noch ein paar Muster von so genanntem Tabakzink ^ nähmlichdünn gewalz- tem Zinkblech , welches statt des Bleies zum Einpa- cken des Schnupftabalis verwendet werden soll. Diese Proben sind zwar sehr schön, dürften aber ihrem Zwecke darum picht vollkommen entsprechen, weil das Zink von Säuren, , Salzein u. dergL, die der auf gewöhnliche Art gebeitzte Tabak enthält, weit leich- ter als Blei angegriffen wird. Die eingegangenen Muster von lichtem und schwarzem Taf elmesstng , fer- ner die Tombakbleche, lassen iCi^Rücksicbt auf äus- sere Schönheit, als gleichförmige Dicke, Glätte und Reinheit der Oberfläche, nichts zu wünschen übrig. Eben so sind die harten und weichen Spheiben^ und

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Musterdräthe aus Messing, Kupfer, Zink und Tom- bak ¥on guter Beschaflfenheit.

G. Bortolan, zu Treviso innlomLardisch-veneüani-

sehen Königreiche.

Bie aus dieser Fabrik im Kabinette befindlichen Metallwaaren verdienen eine sehr lobende Erwähnung. Aufser mehreren Mustern voa Kupfer- und Stahldrath, die alle mit Billigkeit an si^ zu stellenden Forderun- gen im reichlichen Mafse erfüllen, bemerkt man dar- unter einige gewalzte Kupfer- und Stahlbleche, die, migeachtet ihrer beträchtlichen Länge und Breite, doch Ton der vollkommensten Gleichförmigkeit, und so schön sind, dafs die Fabrik, in der sie erzeugt wurden, al- lerdings unter die vorzüglichsten ihrer Art gerechnet irerden darf. Ein nicht minderes Lob mufs man dem gewalzten Bleiblech, worunter sich eine 6 Fufs lange imd gegen 3 Fufs breite Tafel befindet, ertheilen. Die schönen Proben von Rundstahl verdienen um so mehr ausgezeichnet zu werden , da dieses Fabrikat aufser- dem in der österreichischen Monarchie fast gar nicht erzeugt wird, sondern fiir den Verbrauch der inlän- dischen Uhrmacher durchaus den Engländern abge- nommen werdiBu mufs. Merkwürdig sind endlich noch, die kupfernen Münzplatten, welche in dreierlei Gröfse (aof ganze, halbe und Viertel-Bajocchi) verfertigt, und lach dem römischen Kirchenstaate versendet werden. Alle diese Artikel sind von der gewünschtesten Voll- lommenheit, und ihre Ausfuhrung. gereicht der Fa- brik zur gröfsten Ehre.

Die Schwarz- und Weifsblechfabrik des Herrn Grafen Ferdinand yon Egger, zxxLipitzbach in Kürnthen.

Diese Fabrik, deren, wegen der Einsendung von Stangeneisen, bereits oben rühmlich gedacht worden ist, bat dem National-Fabjiksprodukten-Kabincite ein loUständiges Sortiment von gewalztem einfachen und doppelten Schwarzbleche zur Aufstellung übergeben.

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ff

Die gröfsten Tafeln desselben sind 36 Zoll lang, und 21 Zoll breit; man bemerkt daran weder Ungleichhei- ten in der Dicke, noch sonstige Mängel, die der äus- sern Schönheit des Fabrikats Eintrag thun würden.

Das Zink Walzwerk der Herren jP/ac^ undÄeiV, zuJEh-

dersdorf in Schlesien . '

Diese noch nicht long bestehende Fabrik hat ftir das Kabinet Muster von gewalztem Zink-, Kupfer* und Eisenblech eingeschickt, die sich durch Gröfse der Dimensionen und durch Schönheit gleich vortheil- haft auszeichnen. Unter den Zinkblechen insbesondere befinden sich Tafeln von 7 bis 10 Fufs Länge, die dessen ungeachtet keine gerechte Forderung unbefrie- digt lassen.

Eugen Gianicelli, zu Frauenthal in Osterreich

(V. 0. W. W.). Eine zahlreiche Sammlung von Eisend rath -Mu- slern, welche dieser Fabrikant dem Kabinette einge- sendet hat, verdient hier seiner Vorzüglichkeit we- gen rühmlich erwähnt zu werden. Selbst die dicksten Sorten zeichnen sich dadurch aus, dafs man an ih- nen nicht di^den gewöhnlichen Drathso häufig ver- unstaltenden Zangenbisse bemerkt. Unter den feine- ren Gattungen befinden sich mehrere Proben von Sai- ten- und Kardätschen-D rath, denen ebenfalls in Hin- sicht auf Reinheit und Gleichförmigkeit vorzügliches Lob ertheilt werden mufs*

Die k. k. priv. Messingfabrik des "Rvn. jdnton Hainischy zu Nadelburg in Österreich (V. u. W. W.).

Diese Fabrik, welche seit ihrem Bestehen sich durch die Güte der Erzeugnisse einen ausgezeichnet ten und wohl gegründeten Ruf erworben hat, verfer- tigt aufser allen Sorten Messingdrath auch Messing- und Tombakbleche von der besten Qualität. Die von derselben eingelieferten Mcssioggufswaaren sind frü-

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her sdbon besprochen worden. Die im Fabriksprodu)Lr ten-Kabinette aufgestellten Muster vonRolI-^ Tafel« und geijfalziem Uhrmacher -Messing sind von der schön- sten Farbe und der äufsersten Reinheit. Eine Sorte Ton schwarzem Messingblech , die zu den im Orient sehr gesuchten türkischen Bechern verarbeiiet wird, . glaubt man darunter insbesondere erwähnen zu müsr sen. Ausgezeichnet schön sind die Tombakbleche, be- sonders die für Metallschläger zur Verfertigung des nnechten Blattgoldes bestimmten. Muster von Zink- blech, weldies Herr Hainisch schon vor mehreren Jahren erzeugen liefs, verdienen um so liiehr* Auf- merksamkeit , als der Gebrauch desselben zur Dach- deckung bei uns nach und nach allgemeiner zu wer- den anfangt.

Die Fabrik von leonischen Waaren, zu Schwatz in

Tirol

Von dieser Anstalt, welche' unter der Firma Knapp und von Brentano bekannt, übrigens aber ein gemeinschaftliches Eigenthum mehrerer adeligen Familien ist, hat das Fabriksprodukten -Kabinet eine Sammlung verschiedener Arbeiten aus unechtem Gold- und Silberdrath aufzuweisen. Runder und geplätteter Silber- und Golddrath, die Kantillen, Gold- und Sil- berkettchen , die Füttern und mehrere andere in dem Sortimente befindliche Artikel sind musterhaft gear- beitet, und zeigen einen so hohen Grad der Vollkom- menheit, dafs sie sich durch das^ Ansehen von den echten Waaren dieser Art nicht unterscheiden lassen. Die Verwendung des leonischen Drathcs zu Borten n. dergl. ist hinlänglich bekannt, und e$ gibt im öster- reichischen Staate mehrere Fabriken^ welche derglei- chen Waaren von der vorzüglichsten Qualität liefern. Hiervon erwähnen wir gelegenheitlich die des Caje^ tan Giussani, va Mailandy aer das Fabriksprodukten- Kabinet mit einer trefflichen Auswahl seiner Erzeug- nisse beschenkt hat«

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G. Neitter, zu Krems in Steiermark (Grauer Krei$)^

hat mehrere Muster von schwarzem und verzmntem Eisenblech eingeschickt^ die sich sehr zu ihrem Yor- theile auszeichnen. Nebst andern Stücken bemerkt man darunter ein paar kleine Platten, deren die eine schwfirz, die andere verzinnt ist. Beide sind v^egen der ganz ungewöhnlichen Feinheit und Glätte, das letztere aber aufserdem noch durch die Schönheit der Verzinnung, welche sich der besten englischen an die Seite stellen darf, merkwürdig. Schade, dafs keine einzige inländische Fabrik die Erzeugung des verzinn- ten Eisenbleches mit der an diesen Mustern bemerk- bareil Sorgfalt ausübt; wir würden dann leicht die Einfuhr des englischen Weifsbleches gänzlich ent- behren können.

l)ie k. k. ArariaI-Messingfabrikzu/v*/7r^e7i^Aa/ in Steier- mark (Marburger Kreis).

Verschiedene Muster von Messingblech und Mcs- singdrath , die sämmtlich den lang gegründeten guten Ruf dieser Fabrik auf das Bieste bewähren. Unter dem Nahmen des Grätzer Messings werden diese Erzeug- nisse von Uhrmachern und andernMetallarbeirern sehr stark gesucht,' und denen vieler andern Fabriken vor- gezogen. Dieser Umstand hat einige der letztern so- gar veranlafst, einer ihrer besten Messingsorten eben- falls die Benennung Grätzer Messing beizulegen. Der eigentliche Vorzug des Grätzer Messings besteht in seiner Weichheit, und in der Leichtigkeit, mit wel- cher er sich biegen, hämmern und treiben läfst.

Die Metallwaarenfabrik der Gebrüder von Rosthorn, in der Öde (Österreich y V. u. W. W.).

Die Herren Eigenthümer dieser in jeder Rück- sicht'VoUcndeten Fabriksanstalt haben dem Kabinette ein ungemein schätzbares Geschenk mit einer ausge- zeichneten Sammlung ihrer Erzeugnisse gemacht, wel- ches in Hinsicht sowohl des beträchtlichen inneren

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Weithes, als der technisdhen Vollkommenheit aller dnzelnen Stücke die höchste Beachtung verdient Diese talentvollen ttnd thäligeii Männer haben durch weitläufige und mit aufserordentlicShen Kosten verbun- dene Anstalten die schwierigsten Aufgaben in ihrem Industriezweige slücklith gelöst j und hierdurch* zur Vervoilkommnung und Ausbreitung desselben yi unse-^ rer Monarchie wesentlich beigetragen. Beweise da-^ von lierern vorziiglich ihre geWalsten Kupfdr-^ Zink-^ Tombak- und Messidgbleche; Zink- und Kupferble- che (von denen die erstem ihrer niedrigen Preise we- gen mit unbestreitbarem Vortheil zur Dadbdeckurig benutzt werden) sind bei beträchtlicher ^ oft sogar ungewöhnlicher ötöke (iiähunlich 0 Füfs Länge und 3Ftt(s Breite) von der äüfsetsted Heinheit^ und $o biegsam , dafs sie ohne den geringsten Anstand zil al-* len sewohdlicih tofkommenden Arbeiten« verwendet werdeli können. Das Näbmliche gilt von den tersdiie-^ denen Sorten des gesehlagenen und gewalzten Mes- singbleches, die durchaus sehr rein^ zäh^ und von schöner Farbe sind. Man bemerkt darudter Proben von 9o genanntem Plaitirmesiingj eid Eraieugnifs der von Rosthorn'sdhen Fabrik ^ welciies wegen seiner ge- ringen Dicke und Vdr^eüglidhen Geschmeidigkeit von allen Consnmenten sehr gesucht üdd gelobt wird* Die Yer/ertigudg desselben geschieht durch Walzen^ vireil nun nur atii diesem Wege dc^m Produkte die gröfste Vollkommenheit. geben kand^ In der Sammlung be- imdet sich ein Muster von solchem gewalzten Plattir- nessing ^ vvelches ^ Fufs Länge besitzt. Tombakble- che werden von der gröfsten bis zur geringsten Dicke zum Gebratiehe tut Metallschläger in der Fabrik ver» fertigt. Die Drathmdster sieichnen sich besonders durch den Umstand ads^ dafs jedes einzelne (obwohl meh- rere Pfunde an Girev^icht) selbst bei ded feineren Num- mern 9 aus einem eld^igäd F&den besteht^ Alf Bei- spiel erwähnt man blofs eines Ringes vod feinem Kla- vieraaiten-Draih ^ der nicht weniger als i^aSFufsIang,

U 4. p«»l]rt« iMt« IV. 4

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und dürcli diese ganze Länge vollkommen glatt und gleichförmig ist, Endlich verfertigt die Pahrik auch den vierkantigen Drath zu Regenschirmen^ so v^ie alle Gattungen von sehr weichem Kupfer- und Zink- drath. Überhaupt liefert die ganze Sammlung der genannten Erzeugnisse einen erfreuÜchen Beweis voa den auffallend raschen Fortschritten, welche die Fa- hrikation dieser Waarea durch die Talente und den unermirdeten Fleifs der von Rosthorn'schen Brüder gemacht hat, und stellt diese letzteren selbst in die Reihe der achtungswerthesten inländischen Fabriks- Unlernehmer, von denen Andere nicht nur vortrefi-- liche Materialien, sondern auch manche unentbehrli- che Hülfsmittel , z. B. Sehr schön und genau gearbei- tete Wälzen aus Gufsstahl (welche, ebenfalls auf Ver- langen geliefert werden), erhalten können. Möge das hier Gesagte dazu beitragen, die Anerkennung ihrer Verdienste allgemein zu machen.

Martin Miller^ in Wien. .

Es ist gewife eine erfreuliche Erscheinung fiir je- den Vaierlandsfreund, bedeutende FabrikationszWeige^ die vorher das Ausland als Monopol besafs, in die Heimath verpflanzt zu sehen, weil durch ein solches Ereignifs der National-Reichthum einen Zuwachs, und der allgemeine Wohlstand eine neue Stütze erhält. Diese Betrachtung dringt sich unwillkürlich auf. Wenn man die Erzeugnisse des rastlos thätigen Fabri- kanten Martin Miller einiger Aufmerksamkeit * wür- digt. Schon früher ist von mehrereil derselben die Rede gewesen, nahmentlich von den im National -Fa- briksprödukten-Kabinfette befindlichen Stahlmustern und Drathzieheisen , von denen besonders die letztern. alle Einfuhr aus dem Auslände etitbehrlich machen ; hier j^rübrigt uns noch von einigen ändern Artikeln zu sprechen, die ebenfalls von nicht geringer Wich- tigkeit sind. Hr. Miller hat fiähmlich dem Kabinette ein Sortiment ^er von ihm erzeugten Stahlbleche über-

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»

geLen, welche den besten englischen nicht nächste^ hen^ und zu allen Verwendungen voUkonunen taug- lich sind. Dasselbe gilt von den nach deutscher und französischer Art verfertigten Uhrfedern^ die^ yfenii sie auch den strengsten Forderungen nicht: ganz ent- sprechen sollten^ doch immer einen Theil . der Ein-^ iiihr fremder Federn enthehrlic|i machen können.

Andreas Tbpper y iu ScheibS ih Österreich

(V. 0- W. W).

Dieser durch die Güte Seiner Produkte ausge^ zeichnete Fabrikant hat dem Kabinette viele Muster von gewalztem Eisenblecih zur Aufstellung übergeben^ die in jeder Rücksicht vollkommen genaünt werden dürfen. ^Hr. röpperhai im Jahre 1821. ein aüsschKcs- sendes Privilegium auf eine zur Erzeugung von Eisen- und Stahlblech bestimmte Streckmaschine erhalten^

i8. Unter den vorzüglicheren Artikeln j welche

aus Blech Verfertigt werden^ und von denen das Na<*

tJOoaf-Fabriksprodükten-Kabinet eine gtöfsere Anzahl

Muster besitzt^ erwähnen wir zuerst ^v Klämpner-^

waarens Von den Fab rikanten ^ welche derlei Artikel

zur Aufstellung eingeschickt häben^ verdient vorzüglich

Käf4 Derriuihy xh 'Pilnfhaüs bei VFierij

genannt zu werden. Dieser jndustriösc Unternehmer,- dessen hier mit besonderer Auszeichnung gedacht wer- den mufs^ hat dem Kabinette mehrere sehr gelungene Proben seiner Erzeugnisse . zum Geschenk gemacht. Zu den schönsten Stücken darunter gehört eine kleine argand^sche^ aus moicirtem^rün lakirien Blech verfer- tigte, mit Bronze verziertel Lampe j sovvie eine nach des Einsenders eigener Erfindung kohstrüirte Käffeh-^ maschine, aufweiche Ictzterel ihm in Geraeinschaft mit Hrn. Ignaz Meißner ein ausschliefsendes Privile« giam. ertheilt wurde. Merkvvürdig sind auch ein paar Nachdamnen« die zugleich ats Uhren gehraucht wer-

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den Lonnen ^ indem durch die Menge des verbrannten Ohles auf einem Zifierblatte die Stunde angezeigt Iwrird. Wenn auch diese artige^ von Frankreich in der neuesten Zeit ausgegangene Erfindung den genann- ten Zweck nicht vollkommen erfüllt^ so bleibt wenig- stens den vorliegenden Exemplaren das Verdienst ei«-* nergeschmackvoUen Ausführung^ welches Hr. Demuth überhaupt allen seinen Fabrikaten mitsutheüen ge- wohnt ist. VorKÜglich gearbeitete Stücke sind auch, eipe nach neuer Art verfertigte KaSehmaschine von TCarl DellaviUa zu Baden; ein messingener Uhrka- sten von Johann Weinmann y und eine mit vier Dillen versehene grofse Hänglampe aus Messingblech^ von Alois Reiberger. Die beiden zuletzt genannten Ver- fertiger sind in Ff^ieh etablirt.

Einige sehr scbon gearbeitete Stücke aus moirir- tem Blech besitzt das Kabinet auch von den FabrikaO:- ten Georg Ptfnti und Brüder in Mailand, die defs- halb erwähnt werden müssen«

Für die Fabrikation der Luxuswaaren aus Blech hat sich in den letztvergangenen Jahren durch die Er- findung des Moir^ m^tallique ein neues Feld geöffnet. Der Franzose Allard, dem diese fiir Wissenschaft und .Kunst gleich interessante und wichtige Entde- ckung zugehört^ wurde wahrscheinlich durch Znfall auf dieselbe geleitet. Das sonderbare , sehr gefällige Ansehen des moirirten Weifsbleches hat den daraus verfertigten Artikeln bald allgemeinen Eingang ver- schafft, und ist Ursache gewesen, 'dafs man sich auch, in andern Ländern viele Mühe gegeben hat, dasselbe hervorzubringen. Der Professor der Technologie am k. polytechnischen Institute, Hr. G. Altmütter, war im österreichischen Staate der erste, der über die Er- scheinung des Moir^ m^tallique kritische Versuche ^a- Sestellt, und die bei seiner Bereitung zu beoBachten- en Verfahruügsarten auf allgemeine Regeln zurück-

§ i.

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geführt hat ^)« Ganz neuerlich ist es ihm gelungen^ den Moire auch auf Stanniol (Zinnfolie) hervorzubrin- gen; und die von dieser Arbeit Im National -Fabriks- produkteii-Kabinette aufgestellten Proben unterschei- den sich von den ebenfalls hier befindlichen englischen Mustern blofs durch d¥d mindere Qualität des inlän- dischen Material^s (des Stanniols)^ welche natürlich auch auf das Aeufsere, nähmlich auf die Schönheit der Zeichnungen^ einigen Einflufs Hat. Arbeiten ans moirirtem Blech werden gegenwärtig bereits in be- trichtficher Menge erzeugt; und es ist nur Schade, dafs eben die grofse Quantität, welche von solchen Artikeln abgesetzt wird, auf die Güte und Schönheit derselben fast durchaus einen nachtheiligen Einflufs geauisert hat. Denn^ ungeachtet die geringe Quali- tät des inländischen verzinnten Eisenbleches die Ar^ hdter geavningen hat^ zur Y er wendimg von enelischem Weilsblech ihre Zuflucht zu nehmen , so kommen doch nur die Erzeugnisse weniger Fabriken (worunter yonughcL jene des schon erwähnten Hrn. Demuth nrecfanen ist) den französischen ganz gleich. Das £abinet besitzt Muster aus AUardts Fabrik, die sich nicht nnr durch schöne Zeichnungen , sondern auch dorch geschmackvolle Farben Wahl und durch dieVor- trafSichkeit des Firnisses auszeichnen , und zur siche- ren Bestätigtmg des Gesagten dienen können.

IQ. Ein Fabrikat , von dem das National-Fabriks- prodokten-Kabinet eine sehr zahlreiche und ausge- wählte Sammlung aufzuweisen hat, sind die aus Mes- singblech geprefsten oder gestampften Bronzewaaren, welche in der österreichischen Moüarchie von vorzüg- Schönbeit verfertigt werden. Gestampfte Ka- und ähnliche Verzierungen sind in der neuem Zeit mit Recht so sehr behebt geworden, dafs sie die aus Messing gegossenen, welche friaher. aJ(lge-

*) Jahrb* des polytechn« Instit* B<L 1 9 S. 94*

fiieii^ im Gebrauche waren ^ verdrängt haben, Dio lenglißchen und französischen Waaren dieser Art, wel- che sonst fiir die vorzüglichsten .gehalten vvurden, sind jiir uqser Inland schon seit mehreren Jahre|i ganz (Entbehrlich geworden ; ja fiir ipanche der aus cinhei- piischen Fabriken hervorgehenden Stüpke fällt die Ver? gleichung mit den genannten ausländischen Produl^ten offenbar zum Vqrtl^eil aus, wobei noch zu bemerken kommt, d^fs in Hücksichtdes Preises die ustcrreichi- schen Fabriken keine Konkurrenz zu furchten b^ben ; selbst von Seite der englischen nicht, von denen docl}. eine Beeinträchtigung dipser Ar( am meisten zi^ evr vvartef^ y^äre^

Unter den hierher gehörigen Fabriken ^^ welche dasKabinct mit ihren Einsendungeil bereichert haben, sind die , der Herrefi Franz JVinkler un4 Feil ^iß forzüglicl^sten«

Die Erzeugnisse des Hrn. Fram Jf^nkler^ der 9eipe ^rofse &|etallwaarenfabrik zu Ebersdovfy unferij Jf^ien, eublirt hat, sipd, sowohl in Rücksicht auf Sphönl^eit der Formen, als in Ansehung des Firnisses, Wpdurch sie ihre goldähnliche Farbe erhalten, ohne (sigentlich vergoldet zuscyn, des gröfsten Lobes vverth, und halten die Vergleichung mit den neben ihnea aufgestelUei^ englischen- qhnc Nachtheil aus, Was den erwähnten Firnifs l^etriffk, so kann die Farbe dessel- ben nach [ßcUeben der Abnehmer niiancirt werden. Die meisten io^ Fabriksprodukten -Kabinette befindli- chen Muster $ind zwar etwas zu röthlich, um die ' Farbe einerVergoldung täuschend nachzuahmen; doch, richtet mqn sich in der Fabrik, n^^türlicher Weise, .nach dem Gcschr^ncke des abnehmcndcH Publikums, welches seine Neigung fiir eine solche etwas dunklere Nuance ausgesprochen hat. Dieser Geschnlack läfst sich übrigens um so leichter billigen, da zur Verzie- rung der bei uns fast durchaus gebräuchlichen dunkel

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politirten Möbel aus Nufsbaumholz eine etwas rodili- che Farbe weit besser taugt ^ als eine rein goldgelbe. Um die Möglichkeit einer Vergleicbung^ mit den aus- ländischen Bronzewaaren vollkommen zu machen^ hat Hr. Winkler einige Stücke nach gewissen im Kabi- netie befindlichen englischen Mustern verfertigen Us-^ sen^ die ihren Vorbildern in keiner Rücksicht nach- stehen, und noch den Yortheil haben, dafs sie ver- hältoilsmäfsig wohlfeiler zu stehen kommeUt

Aus der Fabrik des Franz Feil in Wien (welche nun nach dessen Tode y von der Frau Wittwe fortge- führt wird) besitzt das Kabinet zwei grofse Tableaux mit gestampften Blecbverzierungen, die jeden Kenner durch die Keinheit imd Schärfe ihrer (meist nach An- tiken gebildeten) geschmackvollen Formen befriedi- jffJL Die genannte Fabrik ist defswegea schon seit Jahren beriihmt, und sie hat ihren guten Ruf zu kei- ner Zeit auf das Spiel gesetzt. Ihre Erzeugnisse wer- den nicht nur zur Verzierung von Möbeln häufig ver- wendet^ sondern auch zu andern Zwecken^ z, B. qJs Afodelle iiir die Eisengiefserei ^ für tbönerne Verzie- rungen auf Öfen und dergl* benützt,

ao. Die Fabrikation der Nähnadeln gehört unter diejenigen Industriezweige^ welche in dem österrei- chischen Staate noch nicht so weit vervollkommnet sind^ dafs ihre Produkte denen aus mehreren frem- den Ländern^ und nahmentlich den englischen ^ an Gute und Brauchbarkeit gleich kämen. Die englischen Nadeln haben vor den inländischen den Vorzug einer grofsen Härte und einer schönen Politur^ Eigenschaf- ten^ denen sie vorzüglich ihre Berühmtheit verdan- ken. Die Fehler^ welche an den meisten in Öster- reich^ auch in Deutschland überhaupt erzeugten Sahnadeln gerügt werden müssen^ sind der fast gänz- liche Mangel an Härte ^ und die oft mit wenig Sorgfalt angeschliffenen^ und daher ziemlich kolbigen Spiuen,

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welche natürliicher Weise den Gebrauch sehr erschwe- ren. Aller dieser Umstände ungeachtet gibt es doch manche Nadelfabriken im Inlande, deren Erzeugnisse 4en englischen nicht sehr viel nachstehen , wie denn gucb mehrere im Naitonal-Fabriksprodukien-Kabinetto beCndliche Proben den Beweis lieferp können , daf« die Verfertigung der Nähnadehi in der letzten Zet( einige nicht unbedeutende Fortschritte gernacht hat. Vorzüglich verdient in dieser Rücksicht ein zahlrciT ches Sortiment aller Gattungen Nähnadehi erwähut zi|. werden, welches 4er Fabrikant jinton Liegte, zvl Neuftkirchen in Österreich (V, U, W, W.) jtur hxdr Stellung eingeschickt hat, und das allerdings demVer? fertiger Ehre macht, wenn inan aunh nicht behaup- ten kann , dafs diese Muster mit dem englischen Fa? brikate in allen Rücksichteii zu konkurriren im Stande seyn. Unter den englischen Nähnadeln, die jm Fa? briksprodukten - Kabinette ^ur Vergleichung mit den inländischen aufgestellt sind, bemerkt man auch sol- che , deren Öhre vergoldet sind. Da aber der Preis dieser Gattungen etwas niedriger ist, als der der ge- wöhnlichen, so kann man daraus mit Rech); sphlies? sen, dafs die von kaufmannischem Spekulationsgeiste beseelten Engländer jene artige Verzierung bjofs ge- wählt haben, um auch ihren minder guten Erzeugnis* sen Absatz zu verschaffen. Im Iniande werden der- gleichen NAhnadela noch nicht (Erzeugt.

31. Als eineA ähnlichen Fabrikales gedenken wir hier auch der Stecknadeln , deren Verfertigung wohl von gröfser.er Wichtigkeit seyn möchte , als man ge- wöhnlieh denkt, da eine unglaubliche Menge dersel- ben täglich verbraucht wird. Das Pabriksprodukten- Kabinet besitzt auch hiervon zahlreiche Muster, durch, deren Ansicht man sich (wenn es erst noch nöthig wäre) von der Vollkommenheit dieses unbedeutena scheinenden Fabrikates überzeugen könnte. Greise Aufmerksamkeit verdient ein in der neuesten Zeit ge-

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mtchter Versuch^ der (hKin abzweckt ^ die Kopfe aus einer eigenen MetaU - Zusammensetzung zu giea- sen. . Dals dadurch die Verfertigung der Stecknadeln weit einfacher gemacht, und in kürzerer Zeit be- werkstelliget werden könne ^ sieht jeder ein^ dem das gewöhnliche Verfahren beim Anköpfen bekannt ist« In Aachen besitzt dermahlen ein gewisser ilf/^eo/t eine solche Stecknadel -Fabrik^ die taglich eine unee- heore Menge Nadeln «erzeugt^ über deren Manipuia- üons-'Art beim Giefsen aber noch wenig bekannt isL Durch die allerböchste Gnade Sr. Majestät des Kaisers erhielt das Fabriksprodukten - Kabinet ein Sortiment solcher Stecknadeln aus Migeoris Fabrik, die ¥rirklich ein sehr schönes Ansehen haben ^ und sich, da sie verzinnt sind, von den gewöhnlichen nidii unterscheiden lassen« Hr. Professor Altmütter bat sich viele Muhe gegeben, ein anpassendes Ver- fibrea fiir das Giefsen der Nadelköpfe auszudenken, und hat schon vor einiger Zeit eine Form zu diesem Zwe^e für die mit dem Fabriksprodukten - Kabi* Jieice verbundene WerkzeugsammiuDg verfertigen lusen, die mit allen Nebentheilen ganz nach seiner eigenen Erfindung und Angabe ausgeführt ist. Übri- gens hat noch kein inländischer Fabrikant die Ver* üertigung der Stecknadeln mit angegossenen Köpfen versucht, ungeachtet dieselbe ohne Zweifel eine he* deutende Kostenejrsparimg bewirken könnte«

aa. Von jenen Fabrikaten, welche blofs aus Drath erzeugt werden, berühren wir hier noch die eisernen und messingenen Bandketten des Eustach Seider in FFien, welche der genannte Erzeuger dem Kabinette zum Geschenke gemacht hat. Diese Ket- ten, ursprünglich eine Erfmdung des berühmten französischen Mechanikers f^aucanson, verfertigte man bis jetzt entweder mit einer von' dem Letztem sn diesem Behuf e angegebenen Maschine , - oder aber mit HiUfe weniger Werkzeuge aus freier Hand« Dafs

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besonders das eben genanifte Verfahren aufserordent* lieb zeitraubend und mühsam >sejn müsse ^ unterliegt keinem Zweifel mehr^ wenn man die Gestalt der Kettenglieder aufmerksam untersucht hat. Schon vor mehreren Jahren hat man in einigen österreichischea Fabriken versucht^ sich der Bandketten zu bedienen; allein man war bald gezwungen^ dieses Vorhaben wieder aufsugeben, da die Verfertigung derselben aus freier Hand zu kostbar gewesen seyn würde^ und die erzeugten Ketten doch keine grofse Genauigkeit besitzen konnten. Gegenwärtig hat der schon ge«' nannte Schlosser Eustach Seider ein Paar Maschi^ nen erfunden und selbst gebaut, mittelst welchen er die F^aucansorCsfAiAXi Ketten von allen Dimensionen und mit der gröfsten Gleichförmigkeit gearbeitet^ zu liefern in den Stand gesetzt ist. Die Zwecke, zu welchen diese Art Ketten verwendet werden können^ sind sehr zahlreich. Man wird sich ihrer mit Vor- theil überall bedienen , wo man sonst Schnüre oder Seile oder gewöhnliche Ketten anzuwenden gezv^un- gen war^ also bei Schleifsteinen , Spinn -und Kratz-* maschioen, Drehbänken, Bratenwendern; ferner zum Aufziehen von Lasten, Ur s. w. Zu allen diesen Bestimmungen eignen sie sich vorzüglich defswegen, weil sie nicht nur eine aufserordcntliche Festigkeit besitzen, sondern sich auch weder drehen noch zie-» hen können , und wegen ihrer bandförmigen Gestalt leicht um ein Rad oder eine W^Ue gewickelt wer- den können, -^

^3. Eine der .interessanteren Abtheilungen des Fabriksprodukten* Kabinettes macht die bedeutende Sammlung von Schlössern aus, welche thcils von den Verfertigern Eingesendet, theils auf Kosten des jährlich festgesetzten Verlagsgeldes angeschafft wor- den sind. Sowohl gemeine, als sogenannte Vexier- und Sicherheitsschlösser finden sich hier in grofser Anzahl, und meistentheils mit vorzüglichem Fleifs

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gearbeitet. Mehrere Schlosser ^ deren Einrichtung eine grofse Sicherheit verspricht ^ und die daher einer ftUgemeincren Verbreitung werth zu scyn schienen^ sind nach englischen Zeichnungen von hiesigen Ar- beitern verfertigt; und im Kabinette aufgestellt wor- den; von andern Arten findet man hier auch englische oder französische Originale^ die^ da sie zürn Theil wenig bekannt sind^ zur Nachahmung Gelegenheit geben« Vorzügliche Erwähnung verdienen die soge- nannten Bramah*schen Patentschlösser *) die durch Veranlassung des Herrn Professors Altmütter gegenwärtig in Wien schon auf Bestellung zu haben sind. Merkwürdig ist ein grofses Thorschlofs^ des- sen Einrichtung zwar auf BramaKs Princip gegrün- det ist^ welches sich aber von flen gewöhnlichen Patentschlössern dadurch unterscheidet ^ dafs es von beiden Seiten gesperrt werden kann. Die Leichtig- keit, mit welcher das OShen und Sperren dieses Schlosses ; ungeachtet der geringen Gröfse des kaum I Zoll langen Schlüssels^ vor sich geht^ erregt bil- 1^ Erstaunen. Der Verfertiger davon ist Hr. Georg Schuster, Werkmeister im k. k. polytechnischen lastitute, ein überaus geschickter Arbeiter. Ferner müssen die von Herrn Professor CrwelU in Mailandy 10 wie von den Engländern Mallet, Strutt und So- nerford erfundenen Sicherheitsschlösser mit Aus- leichnung genannt werden ^). Als ein wahres Kunst- werk berühren wir zum Schlüsse ein grofses^ von dem Schlosser Adam Graf in Ischl (Österreich, Trann- kreis) eingeschicktes Vorlegschlofs , an welchem die Schärfe und Reinheit des Feilstriches , der Politur,' und überhaupt der ganzen Ausführung, den vollen- deten Meister beurkunden , so wie dieses Schlofs durch seine vielen Vorzüge überhaupt zu einem der aller- schätzbarsten Stücke des Kabinettes gestämpelt ist.

>) Jahrbücher des k. k. polyt. Instit. Bd* I. S. 3 14*

«) Diese Jahrb. Bd. I. S. 299 , nnd Bd. III. S. 466. , ifi^

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Unter den andei-weitigen hier aufgestellten ScUosser- arbeiten verdient vorzüglich ein schön gearbeiteter Glaser - Bleizug (ModeU) von Michael Holzer, zu Saaljelden im Salzburgs, und einige aus Eisenblech getriebene Verzierungen^ (nahmenüich eine grofse Rose^ u. dgl.) von Joseph Stockinßer in fFien, er^ wähnt zu v^erdcn.

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2i4* Das National * Fabriksprodukten - Kabinet besitzt eine vollständige Sammlung der bei der k. k, Armee üblichen Gewehrgattungen, die mit einer Präcision gearbeitet sind, welche wirklich kaum etwas zu wün« sehen übrig läfst. Die Verfertigung der einzelnen Theile dieser Waffen, z. B. der Flintenläufe, j^t- schiebt von zerstreuten Meistern, die Zusammen- Setzung derselben, und die Vollendung des Ganzen wird in besondern, Gewehrfabriken, die das Aera- Tium auf eigene Kosten betreibt, vorgenommen. Aus« «er den Feuergewehren für die Infanterie , den Kara« binern und Pistolen für die Kavallerie , und den ge- zogenen Gewehren für die Jäger- Corps, befindet sich in dieser Sammlung eine sogenannte JCeil* FFind" büchse von der Erfindung des Mechanikers Girar^ donif aus welcher zwanzig Schüsse gemacht werden können, ohne dafs eine neue Ladung nöthig vrird. Dieser Zweck wird durch ein besonderes Kugelma- gazin erreicht, welches sich zur Seite des gezogenen Laufes befindet, und aus dem vor jedem Scbusse durch einen blofsen Druck eine Kugel ohne Zeitver- lust in den Lauf gebracht wird. Unter den Privat- Gewehrfabrikanten hat Johann Schaschi, zu Ferlach in Kärnthen, dessen Erzeugnisse schon lange be- rühmt und geliebt sind, dem Fabriksprodukten -Ka- binette mehrere sehr schön gearbeitete Feuergewehrei und darunter einige, die mit sogenalm'ten Drath- laufen versehen sind , eingeschickt.

Der Aehnlichkeit des Zweckes wegen f

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nun hier noch der Säbel - und Degenklingen ^ wo- ton das Fabriksprodakten- Kabinet ebenfalls eine nicht unbedeutende Sammlung besiut. Es befinden sich dininter , aufser den fiir das k. k. Militär bestimmten Säbehi^ eine echt türkische damascirte Säbelklinge^ 8o wiQr.mehrere Klingen aus der schon lange Zeit be- rühmten Fabrik zu Solingen j im kÖnigl. preufstschen Regierungsbezirk Düsseldorf, welche Se. k. k. Ma-^ jestät dem Kabinette allergnädigst zum Geschenk ge^ nucht hau Höchst schätzuar ist besonders auch eine Sammlung damascirter Klingen^ die nach einer ^ ton Hm. Professor j4. Crwelli fn Mailand erfundenen^ aoiserordentlich sinnreichen Methode verfertiget ^ und den türkischen vollkommen ähnlich sind. Herr Cri^ vettf hat das beste Verfahren^ solche Klingen zu ver* fertigen ^ bereits bekannt gemacht ^)y daher wir uns einer Auseinandersetzung desselben enthalten. Nur so viel oiufs bemerkt werden , dafs die Zeichnungen »(den Säbeln aufserordentlich mannigfaltig, von sehr venciiiedener Gröfse, durchaus aber von ungemeiner Sdböiiheit sind*

35« Tiie ieinBvexi Stahlwaaren y wozu hier, aus- ser den verschiedenen aus Stahl verfertigten Luxus- Waaren , auch alle bessern Schneid waaren gerechnet Verden , bilden eine Klasse vott" Fabrikaten , deren Verfertigung sich in der östen*eichischen Monarchie sdt wenigen Jahren auf eine sehr hohe Stufe der Voll- kommenheit gehoben bat. Dazu hat nun die Verbes- lernng un4 Verbreitung der Stahlbereitung offenbar das meiste beigetragen, obschon auch manche andere Umstände mit Ursache gewesen sind, dafs die Vor- fiebe für englische Stahlwaaren nach und nach fast bis zam blofsen Vorurtheil herabgesunken ist. Durch die Betrachtung der vielen im National -Fabrikspro- dulten- Kabinette aufgestelltea Stahlwaaren, und

*) S. den IIL Bd. dieser Jahrbücher, u;il den gegenwartigen«

di^Fch deren Vergleichung mit englischen Produkten kann man sich von dem Gesagten.. die vollste Üljer- Beugung verschaffen^ Es fallt schwer^ von jenen jb^/ssern Fabriken^ welche Muster ihrer Erzeugnisse eingeschickt haben ^ eine der andern nachzusetzen;' naan wird sich daher begnü.geo^ von den vorzüglich- sten nur etwas mehr als die Nahmen anzuführen. : Eine der ausgezeichnetsten ist die des Herrn Ignaz Sign RöslePx zu Nixdorf in Böhmen (Leitmeritzer Kreis.), deren Messet^ Scheren und andere feine, in jeuglisdbem und französischem Geschmack gearbei- tete Stahl waaren von grofser Schönheit^ und selbst in den Nebentheilen mit aller Genauigkeit ausgeführt i^ind* I Pie Rasirm^sser dieser Fabrik werden von den ep^lischen weder an. Politur nock an Güte des Ma- terials .übertro^en# -^ £ben so vorzüglich und .von nicht minderer Schönheit sind die Kasirmesser . chi- rurgischen Instrumente u. des Michael Beitider in ßaden (Österreich). Anton Heindl^ :,-^^" dolph Riedler und Leopold Doppler in Stejrer, (Österreich^ Traunkreis), haben aem Kabinette vor- trefflich gearbeitete Schneidwaaren übergeben. £i- pige sehr schön gearbeitete, Stücke ^, worunter sich ein nach englischer Art verfertigter Federschneider und Feder aÜxüpfer^ dann ein künstlich eingerichte-^ ter Korkzieher befindet, besitzt dasselbe voii /?om£- nik^JBauer in PFien, einem aufserordentlich gesckick- tj^p Arhditery d.9^ .ynter andcri;i auch fiir die niit dein Fabriksprodukten -Kabinette verbundene Werkzeue- san^folung einen künstlichen Schraubstock ' yerfer- tigte^ der ohne Zweifel zu den merkwürdigsten Stücken dieser * Art> die je gemacht worden sind^ gehört* Verschiedene andere Artikel aus Stalil, 9ls . Lijchtscheren , Näbklssenj Korkzieher u. s. w,, sind von Seite der (P. T.) gräflich von 2^^w^*/^v achen StahlwaarenKaorik bei Alagenjfurth in Kdrn^ then, und von Michael Pfurtsdheuer zu Fulpmcs in Tirol eingegangen } vieler ander Fabriken nicl^t

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za gedenlen > die Wir blofs Mangels an Raum t^egen hier übergehen müssen^ und von denen besonders eine grofse Anzahl zu Steter im österreichischen Traunkreisc ihren Sitz hat. Wir erwähnen zum Schiasse noch einiger im Kabinette befmdlichen eng»- lischen Stahlwaaren y die mit Nutzen zur Verglei- chan«; den inländischen an die Scite-gestellt wurden. Ein Rasirmesser von TVootz , ein schönes achiklingi*- ges Federmesser, eine aus Gufsstahl verfertigte Blu^ menschere^ einige Korkzieher^ verdienen darunter in Absicht auf ihre schöne Ausarbeitung vieles Lob; dagegen andere Stücke, z. B. ein gewöhnliclier Fe-^ derschneider, den hohen Begriffen , die wir Festlän-^ der von den brittischen Waaren zu haben gewohnt nndj ganz und gar nicht entsprechen.

26. Einen nicht unwichtigen Zweig der MetalU Verarbeitung bilden endlich auch die metallenen Ktei*- dierknopfe. Das Fabriksprodukten -Kabinet besitzt solche Knöpfe von den verschiedensten Arten ^ so^ wo&Jganz ordinäre, die zum Gebrauch des Landvolk iesaas Zinn oder einer weifsen Metall -Legirung ge«

Eilen werden, als ganz feine, die -aus plattirtem pferblech verfertigt, zum Theil auch versilbert oder ▼crgoldet werden. Der Gebrauch der Metall^ bopfe hat in der neuern Zeit bekanntlich sehr ab- RDommen , wenir];stens hat man aufgehört , so viel ormf zu verwenden, als dieses früher der Fall Vfstrl tUier ist denn auch die Erzeugung dieses Fabrikates MUt von minderer Wichtigkeit , obwohl noch viele Fabriken daran Beschäftigung finden. Nahmentlieh tnstiren mehrere dieser letztern in TVieiiy deren Produkte alle Forderimgen des Kenners hinreichend Lelriedigen. Gottfried JVilda ^und Johann Ltber^ )eide in Wien, haben dem Kabinette Muster von Hetanknöpfen übergeben, die sowohl wegen der Schönheit der Plattirung und Vergoldung, als in Hin- nebt auf alle iibrigen Eigenschaften volle» Lob ▼er-' &nen. .

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97' Haben wir bis jeut von den im Fabrikspro- dukten- Kabinette befindlichen Metall waaren dasNö-* thigste ausgehoben , so gehen wir nun zu einem zwar minder wichtigen , doch aber noch höchst bedeuten«- den Industriezweig über^nähmlich zu denGlaswaaren m

So leicht es überhaupt ist^ Glas zu machen , so Ungeheuren Schwierigkeiten unterliegt die Verferti- gung eines von allen Un Vollkommenheiten freien Gla« sei. Der Umstände > welche auf die physischen und chemischen Eigenschaften dieses unschätzbaren Kunst«- Produktes Einflufs haben , gibt es so mancherlei^ dais «s jederzeit Air ein nicht geringes Verdienst einer Fabrik angesehen werden mufs, wenn dieselbe ihr Erzeugnifs siöglicbst zu vervollkommnen bestrebt ist. Lange Zeit schon sind in dieser Rücksicht die Glas- fabriken des österreichischen Staates ^ nahmentlich die in Böhmen, auf das Vortheilhafteste bekannt. Eine vollkommene Farbenlosigkeit und Durchsichtig- keit^ vereinigt mit den geschmackvollsten Formea und Verzierungen, sichern den bessern böhmischen jGläsern den Rang vor allen übrigen , selbst vor den englischen. Die letztern haben die Unbequemlichkeit einer grofsen Schwere, die in dem bedeutenden Ge- balt an Bleioxyd ihren Grund hat. Dieser Zusatz^ der zwar das Schmelzen des Glfises erleichtert, gibt ihm. aber zugleich auch einen oft sehr menklichea Stich in das Gelbliche, und vermindert seine Härte dergestalt, dafs die Politur, sie mag anfänglich wies schön immer seyn , sich bald abnützt. Freilich haben in der letzten Zeit auch einige böhmische Fabriken angefangen, Bleiglas zu verfertigen; aber so allge- mein, wie in England, ist dieser Gebrauch docb nicht. . Von der Vorzüglichkeit der inländischen Glas- waaren gibt zwar schon die Ansicht einer einzigen Niederlage einen beiläufigen Begriff*; um wie viel deutlicher mufs dieser aber werden , wenn man Ge-^ legenheit hat, das Beste, wasi det Kunstfleifs so vieler

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Erseoger geleistet, auf einem Punkte vereinigt zu se-> hen ! Uas Letztere ist der Fall im National - Fabrika* Produkten - Kabinette. Von den ordinärsten und von den feinsten Gläsern finden sich hier zahlreiche Mu- ster aufgestellt, und wenn man ja die Behauptung wagen darf, die Glasfabrikation habe ihre VoUkom- menheit erreicht, so läfst sie sich doch am sichersten aus der Vergleichung der schönen Stücke mit den schönsten ableiten ! ?

Die Beschränktheit des Raumes erlaubt hier nur die vorzüglichsten Fabriken zu nennen, deren voll--, endete Produkte das Kabinet zieren. Zu diesen ge- bort vorerst die gräflich Johann von Harrach'sche Glasfabrik zu Neueweit in Böhmen, auf der Herr- schaft Siarkenbaqh (Bidczower Kreis), deren Pro- diikie einen hohen Grad der Vollendung zeigen. Schönheit der Masse und Zierlichkeit des Schnittes zeidmen alle Muster der weifsen Gläser sehr vortbeil&aft aus. Unter den einzelnen Stücken wol- len^ wfr nur eine grofse (26 Zoll hohe), nach englischer Art geschliffene Vase, eine ovale Fruchtschale mit dem feinsten Silberschliff, ein Paar brillantirte Tafel- leachter, endlich ein vollständiges , aus i53 Stücken bestehendes Tafelservice, nebst Dessert- und Punsch- anfsatz erwähnen. Auch 'Proben von gefärbten Glä- iera aus dieser Fabrik findet man hier aufgestellt ; als eisen meergrünen und einen himmelblauen Blumen- topf, eine schwarze Zuckerbüchse mit Schnittverzie- rong, deren feinste Züge, wie es scheint, mit dem Diamant hervorgebracht sind, einige Teller, ein Un- tersatz aus Beinglas, u. s. w. Mehrere dieser Stücke sind mattgeschliffen , und fast alle mit goldenen Strei- fen und Bordüren auf das Geschmackvollste verziert. Die graflich Harrach^sdiG Fabrik ist bisher im In- lande die einzige , welche die in Frankreich ge- bräuchliche Incrustation von Figuren u. dergl. in Glas versucht, und mit Beihülfe des Professors Herrn

tAxh. 4. polju Ust, lY. Bf}. 5

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G. jiltmüUer glücklich ausgeführt hat. Em im Kabinette befindliches Muster dieser schönen Arbeit läfst recht sehr wünschen, dafs dieselbe allgemeiner verbreitet, und zu verschiedenen Zwecken angewen- det werden möge.

Der (Tit.) Herr Graf von Bucquojr, als Eigen- thümer der Georgcnthaler und Silberberger Glashüt- ten bei Gr atzen im Bud weiser Kreise Böhmens, hat dem Kabinette eine sehr schätzbare Sammlung von Glaswaaren zum Geschenke gemacht. Es befindet sich darunter oine grofse, von dem Glasmeister «Tb- seph Mejrr verfertigte Vase, die sowohl dcurch die Weifse der Masse, als durch den schönen Schnitt, die Bewunderung aller Kenner erregt. Noch vorzüg- licher sind zwei Weinbouteillen und eine kleinere Vase , an denen nicht die geringste Spur einer Farbe zu bemerken ist, und welche in dieser Rücksicht bei- nahe alle im Kabinette befindlichen^ und yrahr- scheinlich auch alle lemahls Verfertigten Glaswaaren übertreffen. Auf aer Georgenthaler Glashütte wcr- den-s^eit einigen Jahren verschiedene Gegenstände aus einer schwarzen, glasartigen Masse verfertigt, welche so vortrefilich sind, dafs sie alle frühem Versuche der Art weit hinter sich lassen. Auf die Verferti* gung dieses Erzeugnisses, welches unter dem Nah- men Hjralith scbon angefangen hat, ein sehr beUeb- ter Artikel zu werden , hat der Herr Graf von Buc- ijuoy im Jahre 1830 «(in ausschliefsendes Privilegium erhalten. Das Fabriksprodukten- Kabinet besitzt auch davon mehrere Muster , deren ausgezeichnete Schön« hcit Bewunderung verdient, und worunter man be- sonders eine zwölfeckige, 37 Zoll im Durchmesser haltende, ganz blasenfreie und herrlich poUrte Tisclv- pfatte, ferner eine kleinere ovale Platte, die jener an Schönheit nichts nachgibt , einen schönen Stöpsel- krug, und mehrere kleinere Stücke bemerkt. Malt geschliffen gleichen solche Gegenstände im äufsern

6?

Ansehen dem schwarzen Wedgwood^ oder fein ge- schwärztem Gufseisen. Wer die Schwierigkeiten kennt, die sich der Erzeugung eines vollkommen schwarzen Glases entgegen setzen , wird mit Vergnü- gen hemerken , dafs der Herr Graf von Bucquor sei- nen friihern Verdiensten um die Glasfabrikation durch die Erfindung des Hyaliths die Krone aufge- setzt hat. Ein glücklicher Gedanke war es, die aus Hyalith verfertigten Geschirre zu vergolden. Von dem prächtigen Anblicke , der dadurch entsieht, lie- fert eine dem Kabinet übergebene Schale den gül- tigsten Beweis. In der letztern Zeit hat man auf der Georgenthaler Hütte auch angefangen, dem Hyalith verschiedene andere Farben zu geben, wovon einige im Kabinette befindliche Musterstücke den Beweis liefern. Eine rothbraune, höchst regelmäßig mar- morirte Potpourri -Vase > ein rothes Blumeogeschirr u. s.w., welche man hierunter bemeikt, lassen nicht den geringsten V^unsch in Absicht auf Schönheit der Farben, der Formen, des Schliffes unerfüllt«

Von den Herren Zieh (Vater und Sohn) zu Jo* achimsthal in Oesterreich (V. O. M. B.) besitzt das Kabinet Muster des vortrefHichsten Krystallgla- tes , und nahmentlich zwei Teller aus Bleiglas von ganz besonderer Schönheit. Diese Fabrikanten haben auf Veranlassung' Sr. Excellenz des Staatsministers Herrn Grafen von Säur au y zuerst den in England erfundenen so genannten Silberschnitt > der sich vor* zugllch auf flachen Gegenständen ausnimmt, beim Schleifen der Gläser angewendet. Ein von ihnen ver- fertigtes, und von Sr. Majestät dem Kaiser dem Ka- binette geschenktes Trinkglas ist, in Rücksicht des Schnittes, nicht nur das schönste Stück in der gan- zen Sammlung^ sondern gewifs auch eines der schön- sten y die je gemacht worden sind. Man bewundert daran , aufser vielen andern Verzierungen, 4^e zierli- chen und geschmackvollen Schriftzüge des Nahmens

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vFranz*, ,vf eiche wenigstens eine Linie hoch über die Fläche. des Glases hervor stehen^ und nicht im mindesten jene. Härte zeigen , die oft selbst an den schönsten geschnittenen Glaswaaren so merklich ist. Dem Vernehmen nach hat das Schleifen dieses einzi-

fen Stückes dem geschickten Yerfertiger beinahe ein ahr Zeit gekostet^ worüber man sich nicht wundern wird^ wenn man die dabei zu überwinden gewese- nen Schwierigkeiten mit der Leistung des Künstlers zusammen stellt.

Eine Zierde des Kabinettes ist ein ^ofser^ aus 8 Servicen bestehender^ und 66 einzelne Stücke ent- [ haltender Glasaufsatz, welchen die privilegirte Glas- handlungsgcsellschaft zu Blottendorf in Böhmen (Leitmeritzer Kreis) eingeschickt hat. £r zeichnet sich zwar weniger durch vollkommene Farbenlosig- keit der Masse; als durch den schönen Schnitt aus, ist aber demungeachtet ein nicht unbedeutendes Kunstwerk.

Unter den gröfsern Glasarbeiten sind zwei Vasen aus Beinglas von ungewöhnlichen Dimensionen (stG Zoll Höhe) und sehr schlanken geschmackvollen For- men, welche Michael Adler y zu Laukau ia Böhmen (Czaslauer Kreis), eingeschickt hat, einer besonders lobenden Erwähnung werth. Sier fallen durch das erhaben vergoldete Laub werk auf dem weifsen Grunde prächtig ii) das Auge.

Von den übrjgen Glasfabrikanten, deren Erzeug- nisse sich im Kabinette befinden, nennen wir vor- zugsweise noch folgende :

M. A. Binnert und Florian Kittel ^ zu Ulrichsthal in Böhmen (Leitmeritzer E^reis),

haben mehrere Muster von geschnittenem Krystall- glas zur Aulstellung überliefert. Darunter ist beson-

Ö9

den ein Trinkglas bemerkenswerth 9 welches mit einer mythologischen Vorstellung von ungewöhnlich reiner und richtiger Zeichnung verziert ist.

Fr. Egermann, zu Bhttendorf in Böhmen (Leit-

meritzcr Kreis).

Glasmnster mit eingebrannten gelben Figuren^ worunter sich eine matt geschliffene Zuckerbüchse und ein geschnittener Pokal vorzüglich auszeichnen. Egermann war einer der ersten^ welche diese schöne, und vor kurzem noch viel besprochene Farbe (zu deren Hervorbringung mittelst Hornsilber sich übrigens schon in Kunkels Glasmacherkunst eine Vor- schrift findet) auf Glas angewendet haben,

Freiherr von Hackeinberg ^ zu Hirschenstein in

Österreich (V. O. M. B ).

Em grofser^ runder Glassturz^ nach einer von Heam Jockei (in Pf^ien) erfundenen , und ausschlies- scnd privilegirten Methode verfertigt. Dem Vorge- hen nach ist das Glas ohne Alkali oder Salz über- haupt^ sonst aber durch die gewöhnlichen Mittel gc^ schmolzen; wahrscheinlich mufs dieser Ausdruck so verstanden werden , dafs nicht das Alkali in der ge- wöhnlichen Gestalt, sondern statt desselben ein Al- kali enthaltender Körper angewendet vrarde. Ge- genwärtig wird^ so viel man weifs^ dieses Verfahren nicht mehr ausgeübt^ ungeachtet es sich vielleicht mit Vortheil hatte anwenden lassen. Das vorliegende Master ist^ obwohl etwas grünlich^ doch frei von Blasen^ Streifen und ähnlichen Fehlern.

Joseph Hoffmann ^ zu Tiechobus in Böhmen (Tar

horer Kreis).

m

Dieser Fabrikant hat dem Kabinette mehrere Stacke von weifsem Hohlglas übergeben^ welche in Riieksicht sowohl der Farbenlosigkeit als der übrigen äofsern Eigenschaften alles Lob verdienen.

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Anton Franz Lechner in Wien.

Lusterbestandtheile von so genanntem ktlnstli-- chem BergkrystalL Dieses erst vor kurzer Zeit von Herrn Lechner erfundene Fabrikat verdient wirklich, einige Aufmerksamkeit^ falls man auch gestehen müfste ;, dafs die pomphaften Ankündigungen . dessel- ben übertrieben^ und der Nähme nicht ganz passend seyen. Die Eigenheit desselben besteht in den vielen Sprüngen^ womit jedes Stück durchzogen ist, und welche das durchgehende Licht auf eine solche Art brechen^ dafs hierdurch ein viel stärkeres Farben- spiel entsteht^ als bei den gewöhnlichen Lustern. Das Verfahren , wodurch Herr ZecÄTier diese Sprünge hervorbringt^ ist nich): bekannt^ aber maii kann sich durch einen Verbuch leicht überzeugen^ dafs fedes dicke Glasstück dadurch , dafs man e^ erwärmt^ und dann in kaltes Wasser wirft ^ zu künstlichem Berg* krystall wird. Die Anwendbarkeit dieses letztem zu Lustersteinen u. dgl. unterliegt nicht nur keinem Zweifel y sondern hat sich durch die Erfahrung auf das Beste bewährt.

Johann Meyr^ zu Kaltenbach in Böhmen (Pra^

chiner Kreis );i

hat dem Kabinette zwei grofse Glasstürze einge- sandt, die wegen der Bedeutenheit ihrer Dimensio- neil merkwürdig sind. Einer derselben ist kreisrund, hat 3i Zoll Höhe und i3-J- Zoll Weite; der andere, oval, ist etwas tleiner. Die Schwierigkeil des Bla- sens und Abkühlcns solcher grofsen Stücke ist es vor-' züglich , welche das Verdienstliche bei ihrer Verfer- tigung begründet.

Joseph Meyr, Glasfabrikant zu Jfdolph, auf der fürst- lich Schwarzenbergischen Herrschaft Winterberg in

Böhmen (Prachiner Kreis). ,

Eine Saladiere und ein Fruchtkorb mit Unter- satz, beide mit herrlich ausgeführtem Silberscbnitt

7'

und zn den Meisterwerken gehörend^ welche den lang gegründeten Ruf Herrn Alejr^s immer mehr be- festigen.

«

Raimund Nowakh, zu Langerswald in Steier- mark^ (Marburger Kreis).

Ein geschnittener Pokal aus schönem Krystall- glas^ und einige andere ähnliche Stücke^ welche der genannte Erzeuger für das Fabriksprodukten- Kabinet e'mgeschickt hat^ verdienen in Absicht auf die Schön- heit der Masse und des Schnittes vieles Lob.

Das Fabriksprodukten -Kabinet besitzt aufserdem Tafelglas und ordinäres Hohlglas aus mehr als 3o Fa- briken. Als eines der seltensten Stücke bemerken Vu' darunter eine grofse geblasene Glastafel , welche Tucksichtlich der Dimensionen (54 ^^oU Länge ^ 35 Ziott Breite) wohl wenige ihres Gleichen haben wird.

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Gelegenheitlich verdient auch mit vielem Lobe ein Sortiment von sehr schön geschliffenen Brillen-- gläsern erwähnt zu werden , welches Joseph Selva zu Fenedig. zur Aufstellung eingeschickt hat.

28. Ein wichtiger Zweig der Glas -Industrie ist die VcB&rtigung der Spiegel, die zum Theil wie das Tafelglas geblasen ,' meist aber^ besonders was die grSisem betrifft^ mit eigenen Handgriffen gegossen werden. Im österreichischen Staate ist die Spiegel- fabrikation von nicht geringer Bedeutung ; besonders existiren in Böhmen viele Fabriken dieser Art^ de- ren Produkte sehr geschätzt^ und weit verfuhrt werden. Meist werden jedoch nur kleine Spie- gel^ die nicht über 3o Zoll hoch und 20 Zoll breit sind^ erzeugt. Die Ursaciie davon liegt so* wohl in dem Mangel an Absatz gröfserer Stücke^ als in der Schwierigkeit sie zu verfertigen ^ weil Ta- feln von bedeutendem Dimensionen nicht geblasen werden können^ und der Gufs derselben selten so

7^

rein und fehlerfrei gerath , dafs man nicht gezyrnngen wärei sie in mehrere Theile zu zerschneiden. .

Das Fabriksprodukten -Kahinel besitzt ^iele Mu- ster sowohl von belegtem als von unbelegtem Spiegel- glas, aus mehreren, besonders böhmischen Fabriken.

Der gröfste dermahjen im Kabinette befindliche Spiegel ist in der k. k. Ärarial - Fabrik Neuhaus un- fern PFien verfertigt. Seine Höhe beträgt loo, seine Breite 5o Zoll. In Absicht auf Reinheit des Gusses und Genauigkeit des Schlifles erfüllt derselbe jede Forderung. Das nähmliche gilt von einem kleineren, 60 Zoll hohen und 3o Zoll breiten Spiegel , der dem ersteren in keinem Punkte nachsteht. Merkwürdig ist ferner ein anderer Spiegel, 78 Zoll hoch, 38 Zoll breit, der zu Neuhaus versuchsweise aus Glauber- glas verfertigt wurde. Es ist dieses derselbe , dessen in dem zweiten Bande dieser Jahrbücher, S. ai2, ge- dacht wird.

Ein 34 und 2 a Zoll grofser, geblasener Spiegel aus der gräflich ÄiVi^^'schen Fabrik zu Birgstein in Böhmen y der mit Fassetten und figurirten Feldern sehr geschmackvoll verziert ist, verdient aufserdem^ der Reinheit des Glases wegen, erwähnt zu werden.

Auszuzeichnen ist endlich noch ein 36 Zoll ho- her, 23 Zoll breiter Spiegel, von Dominik Viamin in f^enedifff welcher sidi besonders dadurch em-

Efiehk, dafs er, bei einer bewunderungswürdigen einheit und Helligkeit des Glases, die Bilder nicht beträchtlich verzieht, eine Eigenschaft, die leider oft die kostbarsten Stücke entbehren.

!29. Zu den bemerkenswerthesten Mustern unter den Glaswaaren , welche das Kabinet besitzt, gehö^ ren die Erzeugnisse des geschickten Glasbläsers, Glas«

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nnd Wachsperleii - Fabrikanten Anton Schwefel in Wien. Unter denselben befindet sich ein Tableau mit vortrefflich gearbeiteten y weifsen und gefärbten HoUperlen und Tropfen von den verschiedensten For- men. Diese Artikel^ welche wohl selten in solcher Mamrigfaltigkeit beisammen angetroffen , oder von einer und derselben Fabrik verfertigt werden^ die- nen vortrefflich^ die Geschicklichkeit und den gedie- genen Geschmack des Künstlers zu seigen. Beson- ders merkwürdig ist ein kleines ^ ganz aus gefärbtem Schmelzglas gebildetes ^ Blumenkörbchen. , Nicht minder schätzbar sind die verschiedenen physikali- schen und chemischen Apparate^ von denen der Ein- sender alle Arten ^ die sich vor der Schmelzlampe verfertigen lassen ^ in bester Qualität liefert. Es be- finden sich darunter vortreffliche fFelter^sche Röhren und Trichter^ JVtchoIson^sche und andere Aräometer^ Thennometer^ Temperamentgläser ^ ein Wasserham- mer, ^e so genannte Blut- Zirkulationsmaschine, ein Heronsbrunnen , eine Feuerfontäne, ein aus fei- nen GJasfäden bestehender Reikerbusch, eine Sand- n&r, tt. s. w. Erwähnung verdienen aufserdem die zum Gebrauch in Seidenzeugfabriken bestimmten Ringe nnd Maillons, so wie die künstlichen Augen> die alle mit vorzüglichem ^leifse ausgeführt sind. Das Ganze der von Herrn Schwefel dem Kabinette über- gebenen Gegenstände gewährt die erfreuliche Über- seugiing y dafs alle noch so künstlichen Glasbläserar- beiten ^ über deren Herbeischaffung man oft genug in Verlegenheit ist, von diesem talentvollen und indu- itriosen Manne ohne Anstand in der nöthigen Yoll- konuonenheit zu erhalten seyn werden. ~

3o. Unter die vollendetsten Produkte der Glas- maeherkunst gehören ohne Zweifel die so genannten Glasflüsse oder unechten Edelsteine. Man kann zwar nicht läugnen, dafs die Erzeugung eines voll- koDunen durchsichtigen und ungefärbten Krysiallgla^

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ses eine der schwierigsten Aufgaben fiir den prakii- schen Hyalurgen sey; indessen erfordert doch die Verfertigung aer Glasflüsse, wenn dieselben anders ganz naturgetreue Nachahmungen der Edelsteine seyn sollen, fast eben so viele Kunstfertigkeit, weil nicht nur die Grundlage dieser Gompositionen durchaus ein möglichst ungefärbtes Krystallglas seyn mufs, son- dern weil auch sehr viel von der gehörigen Auswahl und schicklichen Vermischung der färbenden Stoffe (Metalloxyde) abhängt.

Von jeher sind die Fabriken in der Umgegend von Fenedig, besonders zu Murano, wegen der Er- zeugung der Glasflüsse berühmt gewesen, und sie haben ihren vortheilhaften Ruf bis auf die gegenwär- tige Zeit so vollkommen behauptet, dafs nicht nur ihre Produkte an Qualität keineswegs abgenommen haben, sondern dafs dieselben auch an Schönheit die Erzeugnisse aller übrigen europäischen Fabriken über- treffen. Diese Behauptung wird jeder Kenner bei der Ansicht der im Fabriksprodukten - Kabinet auf- gestellten Muster gerechtfertigt finden, wozu die Ver- gleichung mit den ebenfalls hier befindlichen Proben aus böhmischen Fabriken wesentlich beizutragen im Stande ist.

Von den Fabrikanten F. Francesconi und A. Barbini zu Murano besitzt da« Kabinet eine grofse Anzahl massiver und hohler, glatter und fassettirler Glasperlen, durchaus von den schönsten Farben, und zum Theil von sehr beträchtlicher Gröfse. Merk- würdig sind darunter gewisse Sorten, die auf der Oberfläche durch ein besonderes Verfahren bemahlt sind. Dieses Verfahren besteht, der Hauptsache nach 9 in der Anwendung dünner Stängelchen aus sehr leichtflüssigem Glase, mit den auf die erhitzten Per- len Züge gemacht werden. Hierbei schmilzt das Ende eines solcheii Stängelchens, und überzieht so

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das zu bemahlende Stück mit einer dünnen Lage Ton Email.

Sehr anziehend ist dem Kenner ein Tabicaü mit Schmnckwaaren aus der Fabrik des Herrn G. B, Bar- baria zu Venedigs welches Se. kaiserliche Majestät dem Kabinette zum Geschenke gemacht hat. Auf einem hölzernen schwarz politirten Gestelle be- findet sich ein mit Perlen gesticktes Mittelfelde um- geben von vier im Kreise gelegten Perlenschnuren^ und dreifsig viereckigen geschlifienen Plättchen aus sehr verschieden gefärbten Glassorten. Diese Stücke zeichnen sich durch Lebhaftigkeit der Farben, so wie durch Reinheit und Blasenlosigkeit der Masse, und Schönheit des Schliffes vortheilhaft aus. Von dem nähmlichen Erzeuger sind hier auch zwei grofsc nmde gläserne Schalen aufgestellt, aus weifsemBein- ^as, und von aufscn mit einem purpurrothen Über- zuge bekleidet, welcher ihnen ein wahrhaft prächti- ges Ansehen gibt, besonders da das erwähnte Roth em seltenes und schwer hervorzubringendes Feuer besitzt.

In den venetianischen Fabriken, und nahmentlich tnch in der des Barbaria^yrerdeti die verschiedenen Sorten des weifsen, gelben, schwarzen, blauen, u. s. w. Beinglases verfertigt, die von den Emailleurs und Uhrzifferblattmachern fast in ganz Europa so sehr gesucht , und in so grofscr Menge verbraucht werden.

Ein minder kostbarer, aber nichts desto weni-? gcr seines häufigen Verbrauches wegen wichtiger Artikel sind die venetianischen Stickperlen, von de- nen das Kabinet ebenfalls ein vollständiges Sortiment (aus HO Bünden bestehend) aufzuweisen hat.

Endlich erwähnen wir einer Sammlung von Glas- pasten, welche von den Zöglingen der Mosaikschule

ia Mailand verfertigt ^ und dem Kabinette einge- schickt worden sind. Sie besteht 9us 290 rohen Mu- stern von den verschiedenartigsten Farben, .und aus 95 Sorten eckigen und anders gestalteten Stangelchen von der Art , wie sie «ur Verfertigung der bekannten Mosaikarbeiten Anwendung finden. Eine Haupt- schwierigkeit bei der Verfertigung dieser Glasmassen liegt in der Nothwendigkeit einer vollkommenen Un- durchsichtigkeit^ durch welche zugleich den Farben nichts an Lebhaftigkeit ^genommen werden soll. Eine viereckige Charnierdose aus so genanntem Por- pbrino (einer rothen Glasmasse, die früher nur in Mom verfertigt wurde) ist wegen ihrer schönen Farbe, wegen der Reinheit der Masse und wegen der Schön- heit des Schliffes merkwürdig.

3i. Von den TTionwaaren, deren Verfertigung, wie bekannt, einen der wichtigsten Industriezweige bildet, besitzt das National -Fabriksprodukten -Ka- binet nicht weniger zahlreiche Muster, als von so vielen andern Artikeln. Es wird wohl nicht leicht ein Fabrikat geben, welches in so vielen Abstufungen der Schönheit und Vollkommenheit einerseits un- sere nöthigsten Bedürfnisse befriediget, und ander- seits wieder den höchsten Forderungen der Kunst entspricht, wie dieses. Die Ziegel, jenes unentbehr- liche Baumaterial ; die gemeinen Kochgeschirre^ de- ren Preise mit ihrer Nützlichkeit in so vortheilhaftem Verhältnisse stehen ; die bessern Sorten von Fayance^ Steingut, u. w., endlich das vollendete Porzellan, ein Kunstwerk in jeder Rücksicht, wenn es anders mitFleifs und Sorgfalt bereitet ist; alle diese Pro- dukte des Kunstfleifses müssen uns zur Bewunderung veranlassen des menschlichen Erfindungsgeistes , der ein und das nähmliche Material, den .Thon, auf so viele Arten zu veredeln und anzuwenden gewufst hat.

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3a. Die Beschränktheit des Ramnes zwingt uns^ die gemeinen Thonwaaren kurz zu behandeln^ zu* mahl da dieselben , ihrer Natur nach , nur einen ge* ringen Theil des Fabriksprodukten -Kabinettes aus- machen. Wir rechnen hierher^ aufser den Ziegeln und den gemeinen Töpfergeschirren ^ auch die be- lannien Graphitwaaren. Von diesen besitzt das Kabinet mehrere Muster aus Oberösterreich, wo dieselbe^ fast ausschliefslich irerfevtigt werden. Ein (or viele Zwecke^ z. B. für Chemiker^ Goldarbeiter n. s. w. sehr wichtiger Artikel sind die schwarzen Schmelztiegel, welche nnter der Benennung Po^- sauer^ oder Ipser- Tiegel verkauft, und in unglaub- licher Menge angewendet werden. Sie bestehen aus gemeinem Thon , und verdanken ihre äufsern Eigen- schaften sowohl, als ihre Feuerfestigkeit einem be- trac^tltchen Gehalte an Graphit oder ReifsbleL Im Handel kommen dieselben gewöhnlich einsatzweise, und von sehr verschiedener Gröfse vor. Zu den or- dinären Thonwaaren müssen endlich auch die ver- scbiedenen Gattungen von weifsen und gefärbten Ta- Aüip/eif en köpfen gßtSihli yr er den, wovon das Kabi^. aet ebenfalls zahlreiche Proben besitzt. Als die schönsten zeichnen sich darunter besonders jene des Melchior ' Germain in Grätz aus. Sie sind von ver- schiedenen Farben , als schwarz , roth , braun , gelb 0. s. w. , durchaus mit erhabenen Verzierungen ver- sehen , und von sehr gefälligen Formen.

Unter den ausländischen im Kabinette befindli- chen Töpferwaaren ist hier besonders ein englischer %o genannter fFein- und Butterkühler ( PFine- and Butter Cooler) zu bemerken. Dieses Geschirr, aus einer nnglasirten, porösen rothen Thonmasse, und mit einer gläsernen Einsatzschale versehen, dient, wexm es in Wasser getaucht worden ist, Nahrungs- mittel längere Zeit kühl zu erhalten. Seine Wir- kung'griindet sich auf die Verdunstung des einge-

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saugten Wassers^ und ist daher ganz dieselbe y welche an den spanischen Alcarrazas und französis.chen Hfdrocerämes gerühmt wird. Vielleicht nimmt sich einmahl ein inländischer Töpfer die Mühe^ ähnliche Geschirre ^ bei deren Bereitung es blofs auf einen ge«- wissen Grad von Porosität der Masse ankommt^ zu verfertigen/ Dafs dabei nur wenige Schwierigkeiten sich in den Weg legen dürften y beweiset schon die ' bekannte Erfahrung^ welcher zu Folge Wasser in manchen gemeinen Töpfergeschirren aufserordentlich lange kalt bleibt«

33. Auf die gewöhnlichen Töpfergeschirre folgt in der Qualität unmittelbar die so genannte Fayance oder Majolika y welche fälschlich im gemeinen Le- ben «S'^em^e^^ genannt wird. Die Geschirre, welche unter diesen Benennungen vorkommen, sipd nicht alle von einerlei Art. Einige davon unterscheiden sich von der ordinären Waare blofs durch die weifse, undurchsichtige Glasur, und besitzen demnach alle Fehler derselben. Dagegen wird die eigentliche Fayance immer aus weifsem Thon (oder solchem der sich weifs brennt) verfertigt, mit weit mehr Sorgfalt bearbeitet, mit einer durchsichtigen Glasur verse« hen, und oft sogar mit schöner Mahlerei verziert« Sie unterscheidet sich vom Porzellan hauptsächlich durch ihre geringere Dichtigkeit,, welche in der schwächern, beim Brennen angewandten Hitze ihren Grund hat« Eine grofse Zahl von Fabriken, welche solche Fayance verfertigen , haben Muster dieses Er- zeugnisses dem Kabinette übergeben. Wir werden darunter nur die vorzüglichsten ausheben.

jinton de Cente in Tf^. Neustadt {Österreich Y.

U. W. W.).

Dieser Erzeuger hat dem National -Fabrikspro- dukten - Kabinette niehrere sehr schöne Musterslückc zur Aufstellung übergeben, worunter sich ein Paar

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filumengeschif ro , eine grofse Vase , und eine klei- nere nnglasirte^ in antikem Geschmack verfertigte Vase befinden. Besonders die letztere^ welche aus ganz weifsem Thon verfertigt ist ^ verdient grofscsLob^ sowohl was die Masse ^ als was die geschmackvolle Form betrifft.

Joseph Doyaky zu JVilhelmsburg in Österreich (V,

O. W. W.).

Einige sehr niedliche v Suppentöpfe ^ mehrere Speiseteller ^ und ein Paar herrlich geformte Blumen« Vasen. Alle diese Stücke zeichnen sich' in Absicht auf die schöne weifse Farbe der Glasur ganz beson* ders aus ^ und übertreffen hierin fast alle im Kabinette aufgestellten Muster. Wenn man die Schwierigkeiten kennt y welche sich der Hervorbringung einer so aii£serordeiitlich schönen Glasur in den Weg stellen*)^ so mu£s man dem Verdienste der Fabrik , welche sie alle glücUich zu beseitigen gewufst hat^ volle Ge« rechtfgieit widerfahren lassen. Wird nun noch bei der Ausführung auf geschmackvolle Formen und auf die Auswahl des Thons die nöthige Sorgfalt gewen- det^ so mufs noth wendiger Weise jenes schöne Re- snltat zum Vorschein kommen^ welches die genann- ten Stücke auf so erfreuliche Art beurkunden.

Joseph HardtmutKs Wittwe in Wien.

Eine der ausgezeichnetsten Fabriksanstalten in der österreichischen IVfonarchie war^ und ist noch die des Joseph Uardtmuth ^ welche nun nach dem Tode des Gründers, von dessen Wittwe und Söhnen fort- geführt wird. Sie liefert nicht nur sehr schöne weifse Fayance, sondern auch viele andere Artikel , von de- nen sich Muster im Fabriksprodukten- Kabiuette befinden.

*) Diese Schwierit^ltcircn sind so bedeutend, dafs unter a)len Tupfern in Wien nur etwa zwei bis drei sind , wekbe eine vollkommen weifse Glasur zu verfertigen wissen.

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Die chemischen Geraihschaften^ als Retorten^ Abrauchschalen u. dgl. aus eigentlich so genanntem Steingut sind so bekannt^ und werden so allgemein gebraucht , dafs über ihre Vorzüglichkeit kein Zwei- fel obwaltet. Ein anderes , nicht minder wichtiges Erzeugnifs sind die verschiedenen Sorten von Blei- stiften^ denen die Fabrik einen grofsen Theil ihres Rufes zu verdanken hat. Die feinern Gattungen der- selben eignen sich zum Zeichnen selbst besser als die englischen, deren zu grofse Weichheit manche Un- bequemlichkeiten verursacht Ihr Gebrauch ist da- her sehr verbreitet, sie machen den Mangel der eng-* lischen Stifte unfuhlbar, und werden z. B. vom k. k. Generalstabe in grofser Menge angewendet. Erwäh- nung verdient hier das sinnreiche Verfahren, wo- durch man in dieser Fabrik das Reifsblei in die Form dünner vierkantiger Stängelchen bringt, die dann, nach Verschiedenheit der Güte , in Lindenholz , Roth- eiben-, Erlen- oder Zedemholz gefafst werden. Man 'bedient sich nähmlich dazu nicht der Säge, wie sonst gewöhnlich, ^sondern die Masse wird im wei- chen , teigartigen Zustande durch den mit viereckigen Lpchern versehenen Boden eines GefSTses geprefst; beiläufig so, wie der Teig, v^oraus die bekannten italienischen Fadennudeln bereitet werden. Auch gefafste und ungefafste Rothstifte, und so genannte schwarze Kreide liefert die Fabrik von guter Qualität, defsgleichen eine schöne und gute Tusche nach chi- nesischer Art. Eine Gattung elastischer Schreib tafeln, auf welchen mit Schieferstiften eben so leicht zu schreiben ist, als auf den steinernen, und die vor jenen noch den Vorzug der Leichtigkeit, Unzerbrech- lichkeit und Wohlfeilheit haben , mufs hier besonders angeführt und mit vielem Lobe erwähnt werden. Die Vortrefflichkeit dieses Fabrikates wird auch so allge- mein anerkannt, dafs durch dasselbe die eigentlichen Schiefertafeln in Schulen und zu' anderem Gebrauche fast ganz verdrängt sind. Zu den Waaren^ derea

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Verfertigung der ffardtmutli'schcn Fabrik eigen- tliuailicU gehört^ mufd endlich noch der so genannte künstliche Bimsstein gezählt yverden, eine Masse ^ die wegen ihrer grofseu Rauhigkeit und Schärfe zum Schleifen fiir Metallarbeiter besser taugt, als selbst der natürliche Bimsstein. Fafst man die Verdienfite, welche sich die I/arätmuth^sche Fabrik seit vielen Jahren um so verschiedenartige Industriezweige er- worben hat, zusamqien, und bedenkt man, dafs die Gründung derselben in eine Zeit fällt, wo der öster- reichische Kunstfleifs noch auf einer ziemlich niedri- gen Stufe stand , so mufs man dieser der Monarchie in gleichem Grade zur Ehre und zum Nutzen gerei« cheudeh Anstalt volles Gedeihen wünschen.

jilois Martin Hujsly zu Schwatz in TiroL

Unter den von diesem Fabrikanten dem Kabinette eingesandten Geschirren zeichnet sich ein Suppen- topf durch seine ungewöhnliche Gröfsc, und zugleich dtu-ch seine geringe Dicke aus. Merkv)^ürdig ist aus- serdem ein zierlich durchbrochenes Obstkörbchen *nebst einem ehen solchen Teller, welche beide Stücke in allen Rucksichten dem Vericrtiger Ehre machen.

Franz Leinwather, zu .S'. Polten in Osterreich

(V. O, W. W.).

Aufser mehreren andern Stücken hat dieser Er- zeuger dem Kabinette einen grofscn weifs glasurten Tempel zum Geschenke gemacht, dessen Ausführung ein Meisterstück der Töpferkunst genannt zu werden verdient, indßm nicht nur die verschiedenen daran befindlichen Verzierungen mit Geschmack angebracht sind, sondern auch die Glasur so dünn und gleich- förmig aufgetragen ist, dafs die feineren Vertiefungen nicht davon ausgefüllt werden. Wer das in diesem letztern Umstände begründete Verdienst nicht zu würdigen weifs, der betrachte die gewöhnlichen thö- oemen Ofen, und er wird sich überzeugen, dafs oft

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die schönsten Verzierangen durch die zu dick aufge- tragene^ und in Tropfen zusammen geflossene Glasur heinahe unkenntlich gemacht werden^ und demnach allen Werth verlieren. Übrigens geben die grau mar-« morirten Säulen^ die durchgebrochenen Yerzierun- gen und die mit gröfster Schönheit geformten Figu* ren dem Ganzen eii^ sehr gefälliges Ansehen«

Joseph Mayer ^ zu Tannowa in Böhmen (Klat-

tauer Kreis),

hat mehrere Muster von Fajance eingeschickt, vvor- unter besonders zwei artige kleine Vasen wegen ih* rer geschmackvollen Mahlerei erwähnt zu weirden yer* dienen«

Laurenz Marihart, zu FPkigram in Österreich,

(V. ü. W. W.)-

Ein Paar, gemahlte, mit Untersätzen versehene Suppentöpfe, ferner ein nach Art des Porzellans blau hemahlter SpeisetcUer , und zwei Potpourri- Vasen mit bunte/ Mahlerei und aufgelegten Figiu*en. Alie diese Siiicke zeichnen sich durch angenehme Formen und durch Schönheit der Mahlerei aus« '

Die Fayancefabrik des Freiherrn Johann von Schö-- nau. zu DaUwitz in Böhmen.

Diese Anstalt, eine der vorzüglichsten ihrer Art' in iSöAmen ) ist wegen der Güte ihrer Erzeugnisse, die zum Theil mit Steinkohlen gebrannt werden, be- rühmt. Unter den Mustern, welche sich von ihr im Fabriksprodukten -Kabinette befinden, erwähtien wir nur zwei if\ Zoll hohe Vasen , eine gereifte Sa- ladicre, und ein Fruchtkörbchen mit Untersatz, als die vorzüglichsten Stücke, welche sich durch eine ungewöhnliche Weifse der Glasur sehr zu ihrem Vortheile auszeichnen Ein Paar Terrinen sind ins- besondere noch wegen der eigenthümlichen Gestalt ihrer Untersätze bemcrkenswerth, welche so geformt

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sind, dafi nicht leicht etwas versdiüttet werden kann»

Die Faljrik des Herrn Grafen von VFrtby ^ eu Teinitz in Böhmen y welcher vielleicht der erste Rang unter den höhmischen Fayancefahriken gebührt^ hat das Kabinet schon vor längerer Zeit mit vielen -ausgewählten Musierstücken bereichert« Wir heben darunter nur einige aus^ und nennen demnach ein Paar schön verzierte^ zum Theil vergoldete Tafel" aufsätze nach englischer Art ; einen» feinen weifsen Suppentopf mit braunen und vergoldeten Dekoration neu \ eine grofse ^ mit vielen durchbrochenen Verzieh rangen versehene Yase, u. w. JMehrere andere Stacke zeichnen sich durch treffliche und geschmack-» voUe Mahlerci aus^ wie z. B. zwei Speiseteller mit den Porträten Ihrer kaiserlichen Majestäten^ und eine ovale Schüssel mit der Ansicht des Teinitzer Fabriks- gebäudes. Im Ganzen gewähren diese Muster einen überzeugenden Beweis von der hohen Stufe der VoU^ lommenheit ^ auf veelche die genannte Fabrik ihre Erzeugnisse zu heben gewufst hat*

34* Von der Fayance unterscheidet sich das ei- gentliche Steingut sowohl durch seine gröfsere Härte^ irdche es beim Brennen annimmt, als durch die Art der Glasur^ welche nicht besonders aufgetragen, son-* dem mittelst einer durch Kochsalz bewirkten anfan^ genden Schmelzung der Oberfläche selbst hervorgC'* bracht Wird.. Aus dieser Masse werden viele ordi«- näre Geschirre, z. Krüge, Schalen, ferner che*- mische Geräthschaften^ u. w. vetlcrtigt^ die jedoch durchaus den Fehler haben , dafs ^e Abwechslungen der Temperatur nichtsehr gut zu ertragen im Stande sind« Im österreichischen Kais^rstaate ist die Fabrikat!'' on dieser Art Waare noch nicht sehr alt ; derVerdienste^ welche sich die ^ar^^mi^^A*sche Fabrik in JVien dar« um erworben hat^ ist bereits gedacht worden.

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Das Fabriksprodukten - Kabinet besitzt besonder« vFele Muster von englischem Steingutgeschirr^ die sich sowohl durc][i Güte und Schönheit der Masse, als durch yerschiedene Verzierungen s^hr Jbemerkens* wer th machen. Auf mehreren derselben befinden sich sehr schöne violette und schwarze Abdrücke von Kupferstichen^ andere sind mit eihabenen Figuren geziert^ an allen aber bemerkt man jene Vollendung, welche die Engländer diesem Fabrikat in so hohem Grade zu geben wissen. Was insbesondere die An- bringung yon Kupferstichen auf diesen Geschirren betriSt^ so ist zu bedauern^, dafs ein solches Verfah- ren im Inlande fast gar nicht ausgeübt wird, da doch die damit verbundenen Schwierigkeiten so bedeutend eben nicht seyn können^ und da aufserdem schon mehrere Vorschriften zu diesem Zwecke vorhanden sind. Es ist gar kein Zweifel ^ dafs man die ordinär- sten Geschirre durch Abdrücke von in Kupfer ge- stochenen Bordüren u. dgl., welche einer' feinen Mahlerei sehr ähnlich sehen , verzieren könnte , wie das auch einige unter den erwähnten englischen Mu- stern beweisen.

.Wir erwähnen hier noch der aus so genannter Porzellarttiegel'^ Masse verfertigten Gegenstände, welche die gräflich Falkeiiharri sehe Steingeschirr- fabrik zu Dnoß (Österreich, V. O. M. B.) dem Ka- binette übergeben hat. Aufser einem Stück einer Wasserleitungsröhre befind i\n sich darunter mehrere Rssensteine, Ofen- und Gebläseplatien , Boststangen u. s. w., deren Brauchbarkeit durch wicderhohlte Erfahrungen bestätiget ist« Einen beisondern Vorzug gibt ihnen die Eigenschaft, dafs sie nicht springen, wenn man sie glühend in kaltes Wasser taucht. Dar- aus geht^die Anwendtfarktsit dieser Masse zu Herd- platten, ferner zu allen Gattungen Windöfen , u. dgl. nnläugbar hervor. Ihre fast absolute Unzerstörbar- kck in der liitze eignet sie vortrefflich für alle jene

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Arbeiter^ die ein faefuges^ dauerndes Feuer unter- halten müssen^ zur Umstellung der Essen ^ in wel- cher Rücksicht die daraus verfcrti{;tcn Platten bedeu- tende Vorzüge ¥or den Graphitplatten besitzen. Die in der Fabrik zu Drofs verfertigten Schmelztie- gel kommen an Qualität den Hessischen gleich, und werden häufig statt dieser verwendet.

35. Eine dem Porzellan nahe kommende aufser- ordentlich schöne Thonwaarc ist das^nach seinem Erfinder^ einem Engländer^ so genannte TFed^ gwood. Die Fabrikation desselben scheint seit dem Tode des berühmten Erßndcrs sehr in Abnahme ge- kommen zu seyn j ungeachtet die daraus verfertigten Geschirre wegen ihrer herrlichen^ meist nach Antiken gebildeten Formen , so wie wegen der schönen und mannigfaltigen Farben^ allgemein geschätzt werden. Das Kabinet besitzt^ theik durch Ankauf^ theils durch die' Güte des priv. Grofshänd' ts >/. von Coith 'in Wien^ eine ziemlich vollständigt^ höchst interessante Sammlung der englischen Wedgwood- Sorten. Vor- süglich schön sind^ aufser der rothbraunen und gel- ben Waare {Terra cotta und Bamboo), das blaue und grüne Jasper, auf welches die zartesten, aus weifsem Thon verfertigten Figuren mit einer Schärfe und Genauigkeit aufgelegt sind, die Bewunderung verdient. Die blauen Stücke insbesondere sind theils durch die ganze Masse gefärbt , theils blofs mit einer dünnen Lage von feurigem, sehr intensiven Blau über- zogen« Eine grofsc Kanne mit erhabenen Figuren, ein Schreibzeug nach TVedgwood^s Erfindung, ein Tafelleuchter u. s. w. aus so 'genanntem Basaltgut {Basaltes) gehören zu den schönsten Stücken dieser Sammlung. Die Masse derselben besitzt eine tief »chwarze Farbe, und eine glatte, feinkörnige Ober- fläche; ihre Härte ist sehr bedeutend, und verspricht ' demnach eine ungewöhnliche Daucrhafiigkeitv TVed-- gwood verfertigte aus seiner Composiiion nicht nur

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Geschirr« aller Art . sondern auch Bfisten ^ Statuen^ Basreliefs^ so wie Medaillen und Kameen ^ yon wel- chen letzteren das Kabinet ebenfalls eine bedeutende Menge ))6sitzt.

Alle' die äufsern und innern Vorzüge des TyedgwoocVs niufsten natürlicher Weise zur Nach- ahmung desselben auf dem festen Lande Veranlassung geben. Dafs eine solche Nacbahmung nicht gerin- gen Schwierigkeiten unterliegen würde ^ war leicl^t voraus zu sehen ,. da die Außindung und Zubereitung tauglicher Materialien ^^ sowie das Formen derGefafse und der darauf anzubringenden Verzierungen mit be- deutenden Kosten verbunden ist. Dessen ungeachtet ist es auch in unserm Inlande gelungen, Wedgwood, von vorzüglicher Qualität zu erzeugen , wie viele im Fabriksproduklen^ Kabinette befindliche Muster zur Genüge beweisen. Einige frühere Versuche dieser Art sind von Leinwather in S, Polten^ und von der gräflich /^r^^'schen Fabrik zu Teinitz in Böhmen angestellt worden. Leinwather hat dem Kabinette eine kleine Vase von Basaltgut übergeben, welche sich zwar durch schöne Verzierungen empfiehlt, aber we- der die dunkle Schwärze, noch die Härte des engli- schen Fabrikates besitzt. Die gräflich fVrtbr*si^^ Fabrik richtete ihr Augenmerk auf die Nachahmung des blauen Jasper,, konnte aber, wie zwei von ihr eingesandte Blumentöpfe beweisen, weder die schöne Farbe, Hoch die Feinheit der Figuren, welche die echte Waare dieser Art auszeichnen, vollkommen erreichen. Weit glücklicher sind die Ben^ühungen einer unlängst iax Fräin in Mähren entstandenen, dem Herrn Grafen Stanislaus von Mniszek gehörigen Fabrik gewesen, die unter der Leitung des Herrn Mathias Raufer schon viele den englischen gans .gleich kommende Stücke geliefert hat. Eine jgrofsc ovale Tasse von schwarzer Composition zeichnet sich unter den im Kabinette aufgestellten Mustern durch

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eine tief schwarze Farbe, dann durch ihre geringe Dicke y so wie durch den Umstand aus , dafs sie nicht im Mindesten geworfen oder verzogen ist« Man be- merlt ferner einen weifsen, mit Laubwerk sehr schön verzierten Teller, einen schwarzen Tabak pfeifenkopf und viele andere Stucke von gelber, brauner, rother und schwarzer Farbe. An Feinheit der Masse , und an Härtelassjcn diese Muster nichts zu wünschen übrige Die Hervorbringung der an dem engli- schen Wedgwood so beliebten kobaltblauen Farbe aber scheint der Fabrik noch nicht gelungen zu seynj allein bei der Thätigkeit der Verwaltung läfst sich fiir die Zukunft auch die Beseitigung der hierbei Sutt findenden Schwierigkeiten erwarten.

3G. Unter den ausländischen Töpferwaaren, vfdche das Kabinet besitzt, befinden sich auch meh- . rere Muster von dem in£/t^Zan^ verfertigten metallisch glänzeaden Geschirre, welches dort unter der Be- nennung China with metallic lustre bekannt ist. Äaf der Oberfläche haben solche Stücke ein .vollkom- men aietallisch es Ansehen, und man würde sie auch leicht für MeuU halten, wenn nicht die Schwere unci der Bruch das Gegentheil bewiesen. Es gibt vor- säglich zwei Sorten dieser Waace, nähmlich eine weiise und eine rothe. Die erste gleicht sehr nahe dem mit Platin überzogenen Porzellan , die andere aber hat eine helle Kupferfarbe. Der glänzende Über^ zog bekleidet die Geschirre entweder von beiden Sei* ten, oder auch nur von aufsen;' er ist übrigens aus^ serordentlich dünn, und Kegt nur wie ein schwacher Anflug auf der Oberfläche des Ganzen. Wie von Vie- len mit grofser Wahrscheinlichkeit behauptet wird, widersteht der metallische Glanz der Wärme nicht, sondern trübt sich und verschwindet endlich ganz; Quecksilber und kochendes Königswasser haben da- gegen keine Wirkung auf ihn. Die Masse der Ge* schirre ist ordinärer, aber fein zubereiteter rother

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Thon, der unmittelliar mit einer dünnen Schichte Ton dünkel^^riinem Glas überzogen ist; auf dem letztern liegt erst der metallische Anflug. Vielleicht dienen diese wenigen Bemerkungen einem inländischen Fa- ]brikanten zum Wegweiser hei der Nachahmung die- ses Artikels^ dessen Anwendung zu Prunkgeschirreo u. dgl, wohl Wünschenswerth wäre. Durch mehrere nach anzustellende Versuche dürfte man sich freihch nicht von der Lösung der Aufgabe abschrecken lassen ; dafür wäre aber auch auf. einen bedeutenden Absatz des Fabrikates, welches jetzt noch von den Englän- dern ausschliefslich verfertigt wird, mit Sicherheit zu rechnen.

S/- Von Porzellan y als. dem edelsten Produkte der Töpferkunst, besitzt das Kabinet zahheiche Mu- ster, und zwar vorzüglich aus der alten, und lange wegen der Vollkommenheit ihrer Erzengnisse berühm- ten Ararialfabrik in IVien. Diese Anstalt, welche seit ihrer Gründung, während einer mehr als hundert- jährigen Dauer, nie aufgehört hat Fortschritte zu machen , zeichnet sicii gegenwärtig vor allen Porzel- lanfabriken der Welt durch Mahlerei und Vergoldung ganz vorzüglich aus. Die Bereitung der Farben ist von ihr auf einen so hohen Grad der Vollkommenheit gebracht worden, dafs dadurch selbst die strengsten Forderungen der Kunst auf das Vollständigste befrie- digt werd<m, und dafs Gemähide auf Porzellan mit einer unglaublichen Weichheit, Mannigfaltigkeit und Vollendung ausgeführt werden können. Als Beweis des Gesagten dient ein im Kabinette aufgestelltes, von Joseph ^igg im Jahre 1821 gemahltes, 16^ Zoll hohes Blumensiück, und mehrere andere Stücke, von denen man bedauern mufs, dafs «olcbcr Aufwand von Kunst auf ein dem Zerbrechen sowenig widerstehep- des Material angewendet ist. Die Mannigfaltigkeit der Farben, welche die Fabrik hervorzubringen im Stande ist, ersieht man aus einer Sammlung von verschie*

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dentlich bemaUten Eaflehschalen , an denen die Schönheit der Farben und der in den Zeichnungen herrschende Geschmack gleich bewunderungswürdig sind. Wie weit dieselbe es in der Schönheit ihrer Vergoldung gebracht habe, davon sieht man den Be- weis an fast allen Stücken, die sich hier befinden« Wir heben darunter vorzüglich eine ganz mit Gold bedeckte, 19 Zoll hohe Vase aus, auf welcher sich einige herrlich gemahlte Medaillons befinden ; ferner ein weifses, mit Gold gestreiftes Frühstückservice, u. s. w. Auch von der Anwendung des metallischen Platins iui polirten Znstande und als Bronze findet man an einigen Kaffehschalcn Beispiele. Von so ge* naontem Biskuit oder nnglasirtem Porzellan besitzt das Kabinet eine 3^ Zoll hohe, auf einem glasurten Untersatze ruhende Büste Sr. Majestät des Kaisers. Die ubrigei) kleinern Stücke übergehen wir, der Kürze wegen , ungeachtet gewifs jedes derselben einzeln einer Betrachtung würdig wäre, und heben zum Schlüsse nur noch eine bemahlte und vergoldete Kaf- febscfaale aus, die sich durch ihre aufserordentlich ^erioge Dicke sehr vorthcilhaft bemerkbar macht, und hierin dem chinesischen Porzellan nahe kommt.

Unter den inländischen Privat-Porzellanfabriken hat die der Gebrüder ffaidinger , zu Einbogen in Böhmen f dem Kabinette Master ihrer Erzeugnisse eingeschickt, welche sich besonders durch eine aus-- serst gleiche, nicht poröse und sehr weifse Glasur vorthetlkaft auszeichnen. Die einzelnen Stücke sind wenig durchscheinend, sehr dünn gearbeitet, und beim Brennen nicht im Mindesten verzogen. Das für Private so schwierige* Unternehmen einer Porzellan- fabr^k zeichnet sich in diesem Falle noch vorzüglich dadurch aus, dafs zum Brennen ausschliefsond nur Steinkohlen angewendet werden, wodurch allein die niedrigen Preise dieser Waare begreiflich , und die Bemühungen der Erzeuger fiir die Industrie über-?

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batipt j)Tir tun so Schätzbarer werden. Ein dieser Fabrik eigen thiimliches Produkt sind die aus einer besonders harten Masse bebtehenden Reibschaleiiy welche durchaus sehr gelobt werden.

Zur Vergleicbung mit den inländischen Erzeuge nissen dieser Art, sind im Kabinette auch mehrere Muster von ausländischem , und nahmentlich von fran- zösischem und englischem Porzellan aufgestellt.

Das erstere, aus einer Privatfstbrik zu Paris ^ zeich- net sich durch eine schöne VVeifse und durch die rein geflossene Glasur aus. Ein Stück darunter ist nach Art des Merinosdruckes bemahlt^ andere haben hohe Figuren, deren Zwischenräume nicht, wie es sonst oft geschieht, von der Glasur aufgefüllt und unkenntlich gemacht sind. Die Mahlerei auf dem hier befindlichen englischen Porzellan ist zwar ganz mittelmäfsig, dafür besitzt aber die Masse einen be- deutenden Grad von Schönheit, und die Stücke sind sehr dünn gearbeitet. Zum Nachtheil dieses Fabri- kates mufs man bemerken, dafs es wahrscheinlich 60 genanntes Frittenporzellan ist, nähmlich eine Masse, die sich in ihrer Zusammensetzung und in ihren Eigenschaften sehr dem Glase nähert. . -— Er- wähnung verdienen endlich noch die Muster von einer Art Porzellan , so genannter /ron*^^o/ie WarCy von Mason in London\ welche den Fall auf einen stei- nernen Boden ohne Nachtheil soll aushalten können. Die im Kabinette vorfindigen Musterstücke dieses Ap- tikels sind auf eine höchst sonderbare Art , ganz in chinesischem Gcschmacke (der wohl eigentlich gar kein Geschmack ist) bemahlt, und dessen ungeachtet scheint die Waare in, England Liebhaber gefunden 9u haben.

38. Unter den im Fabriksprodukten - Kabinette uufges teilten HoUwanren^ derea Beschreibung wir

nnmiiehr beginnezi^ befinden §ich mehrere ganz or^ dinare , wie z. B. eine Sammlung von Tabakpfeifen- köpfen aus der ungarischen Militärgränze ; einige höl- zerne Flaschen aus Siebenbürgen, welche dort unter dem Nahmen Csoture häufig verfertigt und gehraucht werden^ u. s. w. Von diesen sprechen wir hier nicht Weiler, da sie zu unbedeutend sind. Hil%egep tbeilen wir die übrigen Holzarbeiten in zwei Klassen, nähmlich in die Tischler -- imd in die Drechslerar^ betten^

Von den Tischlerarbeiten zeichnet sich eine schöne, mit Rüsternflader fourniertc, äusserst ge-^ schoiackvoll gearbeitete, mit Bronze verzierte Näh- SchatuUe voir Ernst Seifferth in Wien besonders aus. Der Verfertiger davon, ein sehr geschickter Arbeiter, ist auch zur Herstellung einer vollständigen in der Werkzeugsaqamlung des Kabinettes befindli- chen Saite von Tischlcrwerkzeugen , die in jeder Rücksicht voUkonunen genannt zu werden verdienen, heonut worden ; er hat sich aufsejrdem' durch die Er- fifldang e'uier so genannten mechanischen W^äsch«* rolle (Mange) , deren Bewegung durch einen gerin- gen Kraftaufwand bewerkstelligt wird , hervorgethan. Zu den schönsten Stücken gehört auch eine grofse, mit Eschenflader belegte. Von Joseph JRienzler, zu Bregenz^ in Tirol, eingesandte Schreib -Schatulle, die wegen der Genauigkeit ihrer Arbeit gelobt zu werden verdient. Eben so müssen eine kleinere, aus Bergrüstern- Flader verfertigte, roth politirte Scha^ tnlle von Joseph Frey , zu Garsten in Österreich (Traunkreis) , und ein Kästchen aus Rotheibenhojz, mit Vexier, , von Mathias Eder, zn Saatfelden im Salzburg,, lobend erwähnt werden. Merkwürdig ist endlich ein grofses, von Franz Frank in Wien verfertigtes Ki*euz, welches* aus mehr als loo Holz- stücken künstlicher W^eise ohne Leim, Nägel odet Schrauben so zusammengefugt ist, dafs^ um es zu

zerlegen^ eine eigene Fertigkeit nuthig ist« DcrVer- iV^g^^ ^at hierdurch 'eine genaue Kenntnifß der hei Holzarheiten im Grofsen^ so oft vorkommenden Art von Zusammenfügung beurkundet.

Eines gröfsern Details darf die Erfindung des TiscMers, Peter Pfdffy vorraahls in TVieUj gewür- digt werden, welche darin besteht^ dafs hölzerne Gegenstände mit Fournieren aus einer eigenthümli- chen y von Holz ganz verschiedenen Masse belegt werden. Von dieser Art ist ein im Kabinet aufge- stelltes 4 Fnfs hohes Postament in Gestalt einer ab- gekürzten Säule y auf welchem sich derzeit eine in Eisen^ufs ausgeführte Büste Sr. Majdstät des Kaisers befindet. Das Ganze dieses Stückes gewährt einen prächtigen Anblick , und macht dem Verfertiger in jeder Bücksicht Ehre« Die künstlichen Fouruiere, deren Zusammensetzung derselbe jederzeit als ein Geheimnifs behandelte , die aber in ihrer Mischung nur sehr wenig Säge^äne und ganz und gar keinen Leim enthalten^ übertreffen an äufserer Schönheit alle bekannten Holzarten sehr weit; indem sich die Zeichnung (die nicht oberflächlich ist^ sondern durch die ganze Masse geht) itiehr derjenigen nähert^ die man an eini<i[en der beliebtesten Marmorsorten be« merkt. Da die Masse uicht porös und faserig ist^ so nimmt sie eine vortrefülche Politur an; sie läfst sich willkürlich biegen^ so^ dafs damit olle Krümmungen^ Stäbe ; Hohlkehlen u. s.w. (ournirt werden können^ und verträgt sogar die Einwirkung von kochendem Wasser ohne Schaden. In Absicht auf die Dauerhaf- tigkeit läfst sich schon defswegen etwas Vorzügliches erwarten, weil die Mischung meist Stoffe enthält, welche von atmosphärischen Einflüssen nicht verän- dert werden ; als direcrer Beweis aber von der Vor- trefHichkeit dieses Fabrikates kann der Umstand die- nen , dafs das oben erwähnte Postament im Sommer fSaa bereits a[ Jahre im' Kabinette aufgestellt^ und

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dehei ofi der Einwirkung der Sonne ausgesetzt "war^ ohne sich während dieser Zeit nur im Mindesten ver« ändert zu haben. Die Vorzüglichkeit derMassa-Four- niere findet aber nicht nur hierin, sondern auch in der Leichtigkeit einen Grund , mit welcher von dem Yerfertiger die Färbe derselben, innerhalb gewisser Gränzen, modificirt werden kann. Das erwähnte Postament gleicht einem rothbraunen, mit weifsön Flecken versehenen Marmor; das Kabinet besitzt aber auch ein Paar Spiegelrahmen, so wie einige, kleinere Stucke von grünlich grauer Farbe, die ebenfalls auf das Auge eine sehr angenehme* Wirkung hervorbrin- gen. Der Nutzen dieser Erfindung könnte, unter günstigen Umständeä^ sehr bedeutend werden. Ab« gesehen davon, dafs ihre Anwendung den häufigen Gebrauch theurer ausländischer Hölzer vermindern vrurde ; so lassen aych die verschiedenen Farben und XeicVmiuigen noch unendliche Abänderungen zu, und es liefse sich vielleicht kaum etwas Prächtigeres den- ken, als ein Prunkgemach, nach der'Art alter Mar- mor-Mosaik, mit Parketten aus dieser Masse belegt, wozu sie sich wegen ihrer grofsen Festigkeit ganz vorzüglich eignen würde.

39. Das Kabinet besitzt eine schöne Sammlung von Drechslerwaaren aus verschiedenen Holzgattun- gMi , welche Johann Casadoro zu J^enedig einge- schickt hat. £s befindet sich darunter ein Topf mit Deckel und Untertasse aus Holz vom Vogelbeerbaüm {Sorbus aucuparia), ein vollständiges Schreibzeug aus Oiivenholz, ein kleines Service aus Rothcibenholz, eine Vase von etruskischer Form , auf einer abgestutz- ten Säule vom Holze der Pignolenkioferi(jF¥nM^pmea); ferner ein Schachbret aus allen im venetianischenGe- biethe vorkommenden edleren Holzarien, mit Figuren aus Rotheiben-'und Olivenholz, nebst vielen anderen Stucken, die sich nicht weniger als diie genannten durch geschmackvolle Formen and durch tadclfreio

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Ausarbeitung den Beifall der Kenner erwerben. «— Zu den schönern Stücken dieser Art gehört auch noch eine elektrische Zündmaschine von Mathias Kinner in Pf^ien ; dann eine hohle , innen mit einem aus dem Ganzen gedrehten Stern versehene Kugel aus Birnbaumholz, von Georg Klackl, zu Ischl in Österreich ( Traunkreis ) ;' endlich ein aus i8 ver- schiedenen Holzarten bestehender Garnhaspel^ und ein JModell des serbischen Spinnrades, beide aus der ungarischen Militärgränze. Besonders das letztere ist, aus Buzbaumholz, mit seltener Präcision und Rein- heit gearbeitet. Aufserdem erwähnen wir eines Schneidzeuges fiir hölzerne Schrauben, verfertigt von jinton Majerm fVien, einem geschickten Arbeiter, der nicht nur mehrere ähnliche gröfsere und kleinere Schneidzeuge, sondern auch eine vollständige Samm- lung der Binder -Werkzeuge für die mi]L dem Kabi- nette vereinigte Werkzeugsammlung mit grofsem Flei&e hergestellt hat.

Von. ausländischen Hofedrechslerwaaren besiut das Kabinet wenige Stücke, unter denen wir nur einen i,^ Zoll weiten Becher aufiihren wollen, der als Einsätze fünfzig stufenweise immer kleiner yi^^* dende Becher von der Dicke eines feinen Papiers be- sitzt. Dieses Stück, sowie einige andere, sind aus dem königl. baierischen Ländchen Berchtoldsgaden, welches wegen seiner Holzwaaren - Verfertigung lange bekannt und berühmt ist.

4o« Der Ähnlichkeit wegen berühren wir hier sogleich die aus Uorn, Bein, Schildpat u. dgL ver- fertigten Waaren, von denen das Kabinet eine nicht unbedeutende Sammlung aufweisen kann. Gegen- stände dieser Art sind vorzüglich von nachstehenden Erzeugern eingeliefert wordeni

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Franz Auer^ Kammmacher in tVicriy

hat dem Kabinette nebst mehreren andern Slücken eiaen aus neun Theilen durch ein mühsames und künsdiches Verfahren zusammengelötheten schildpd- tenen Kamm übergeben , der sich besonders dadurch auszeichnet^ dafs man an ihm nicht die mindeste Spur der Löthstellen bemerkt. Ein anderer^ aus dorchsich tigern ungarischem Hörn bestehender dop- pelter Kamin ^ der beim^ Zerscli neiden sogleich zwei bis auf das Zuspitzen der Zähne fertige Kämme gibt^ zeigt sehr deutlich die Art, wie man, um Material zu sparen, bei der Bildung solcher Stücke zu Werke geht; er zeichnet sich übrigens nicht nur in dieser instruktiven Hinsicht, sondern auch durch die Rein* heil der Bearbeitung aus.

Peter Verla y in Mailands

Kamme aus Büfifelhom, die aehr schön gearbei* tei sind.

Johann Dino^ in Wien*

Von diesem durch die Mannigfaltigkeit und Vor- ziiglichkdit seiner Erzeugnisse ausgezeichneten Fa* bnkanten besitzt das Kabinet eine zahlreiche Samm- lang geprefster Dosen aus Schildpat und Hörn , de- ren einzelne Stücke sich sämmtlich durch Schönheit der Desseins in hohem Grade bemerkbar machen. Es befinden sich darunter mehrere Schildpat -Densen, die theils aus dem Ganzen bereitet, theils aus kleinen Stucken zusammengeprefst, und mit den geschmack- Tollsten guillochirten Zeichnungen geziert sincl; fer- ner einige aus Hörn verfertigte, mit Schildpat belegte oder piattirte Dosen, u. s. w. Die zum Pressen nö- thigcn Formen, welche theils gravirt, gröfsten Theils aber guillochirt sind , werden von Herrn Dino selbst ▼erfertigt; denn nur durch dieses Verfahren entsteht die Möglichkeit, es den lang berühmten französischen Fabrikaten dieser Art gleich zu tliun» Herr Dinö hat

dieses Problieai so glücklich gelost ^ dafs ihm unstrei- tig ein Rang unter den vorzüglichsten Fabrikanten des Inlandes gebührt.

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Joseph Dextery in Wien.

Die Fabrikate aus Hörn und ähnlichen Materia- lien^ nahmentlich LöfTel und Gabeln, aus Büffelhorny Kämme aus Elfenbein und Schildpat u. s. w. befrie- digen an Schönheit und Vollendung alle Forderun- gen des Kenners^ so^^dafs dem Yerfertiger das Lob eines fleifsigen und thätigen Arbeiters mit allem Rechte ertheilt zu werden verdient.

Ferdinand Kretsch.nann , zu Gorz in Illyrien.

Verschiedene -Kämme^ worunter sich ein ausge- beitztem Uorn verfertigter durchbrochener Frauen- zynmerkamm besonders auszeichnet. .

' M. A^ MuzziOy zu Plcenza im lombardisch -vene-

tianischen Königreiche.

Muster yoti natürlichem und künsilichem Fisch- bein, beide von besonderer Schönheit, und zu ver- schiedenen Artikeln^ wie Spazierstöckeu> Mafsstäben u. dgl. verarbeitet^ .welche sehr fleifsig ausgeführt sind.

Fictor Falädiery in Wien.

Aus der Kammfabrik dieses industriösen und ge- schickten Mannes besitzt das Kabiuet mehrere vor- zügliche Musterstücke, welche in jeder* Rücksicht für meisterhaft gelten können. Merkwürdig ist dar- unter, ein gekrümmter, 5i Fufs im Bogen langer, aus einem einzigen ungarischen Ochseahorn durch Aufschneiden in schraubenförmigen Windungeo ver- Icrtigter Kamm^ ferner ein grofser, aus zwei Stückeü gelb gefärbten Hernes zusarpmengelöthcter Kamm, « endlich eine ringförmig gestaltete HornpLitte, diein- und auswendig nach Art eines Kammes mit Zähnen

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Tersehen ist. An allen diesen Stucken bewundert man vorzugsweise die grofse Reinheit und Schönheit der Zähne ^ welchen Herr Valadler durch ein eigen- thümUches sinnreiches Verfahren die vollkommenste Rundung zu geben weifs.

Franz Findling y zu Hietzing unfern Wien^

bat zwei grofse durchbrochen gearbeitete kammför- mige Schilder^ einen geraden Kamm und ein Etui^ sämmtlich von Elfenbein^ das letzlere mit schildpa- tenen und elfenbeinernen Kämmen versehen^ über« geben. Die durchbrochene Arbeit an diesen Stücken ist so zart und rein^ dafs sie den alten berühmten Elfenb einarbeiten y die in den Kunsikabinetten so all- gemeine Bewunderung erregen^ an fleifsigcr Bcarbei^ tung gleich kommen^ sie an Eleganz der Formen aber sogar weit überirefTcn. Wenn man bedenkt^ dafs diö gegenwärtige Zeit allen langwierigen und mühsamen Kunstarbeiten wegen Thcurung des Arbeitslohnes wenig günstig ist; dafs dagegen jene älteren Arbeiten onter Umständen verfertigt wurden^ die dem Künst- ler in jeder Rücksicht weit ermunternder waren : so mufs man der vollendeten Meisterschaft des Herrn Findling Gerechtigkeit widerfahren lassen, und wün- schen^ dafs es ihm nie an Gelegenheit fehlen müge^ sein seltenes Talent fernerhin zu üben.

Joseph Heifslery zu Sterzing ^ und Michael Pf urt-- scheller y zu Fulpmes in Tirol y

haben dem Kabinette mehrere Arbeiten^ als Löffel^ Dosen u. s. w. aus weifsem tirolischem Ochsen- horn eingeschickt^ welches an Farbe und Undurch- sichtigkeit fast dem Beine gleicht^ durch Erwärmung aber durchscheinend wird, wie gemeines Hörn. Ein- gravirte und schwarz eingeriebene Verzierungen ge- ben diesen nationalen Kunstprodukten ein sehr arti- ges und gefälliges Ansehen.

J«hrb. 4. polyt. Inst. IV. Dd. n

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Mßihias W^anschkay zu Gmunden in Österreich

ob der JEnns.

Aufser einem Tabakpieifenkopfe von Buxbaum- holtj der mit erhaben geschnittenen Landschaften und Figuren sehr artig verziert ist^ besitzt das Kabi-^ net von dem genannten Einsender ein Paar zu einem Pfeifenkopf und einem Pulverhorn zugerichtete Gern- senhörnet*.

Unter den ausländischen Arbeiten^ vvelche der Ähnliclikeit des Materials wegen hierher gehören^ sind besonders einige Gegenstände aus Holzapfels Fabrik in London bemerkänswerth. Wir nennen davon eine Sammlung theils aus Elfenbein^ thcils aus Ko- kosnufS'Verferiigtet Damensteine ^ einen ovalen elfen- beinernen Becher init durchbrochenem Untersatze^ ein Schreibzeug un4 ein Nadelbüchschen aus Kokoisnufs. Alle diese Stücke sind mit sehr geschmackvollen Ver- zierungen versehen^ und die Damensteine insbeson- dere mit den mannigfaltigsten Desseins guillochirt. Viele davon sind von solcher Art^ dafs ihre Ausführung mittelst einer gemeiiien Guillochirmaschine als eine unmögliche Sache betrachtet vrerden mufs; daher dieselben dem inländischen Künstler wohl als ein der Nachahmung würdiges Fabrikat aufgestellt wer- den können.

4i. Ein für manche Theils der österreichischen Moiiarchie nicht ünbedeutefidös Fabrikat sind die Stroh ^ und Basthüte, von denen die letztem un- eigentlich ihren Nahmen führen^ da sie aus schma- len und dünnen Holzstreifen (meist Weidenholz) be- stehen.

Ordinäre Strohhüte besitzt das Kabinet von Franz Verhounig, zu Jauchen in Illjrrien (Laibacher Kreis). Sie sind aus ganzem Stroh verfertigt^ theils von der

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natürlichen Farbe desselben ^ theils aach schwarz ge* färbt, und werden von dem Landvolke in Krain häu- fig getragen.

Feinere Hüte, nach Florentiner Art aus unge*- spaltenem ^troh verfertigt, sind von Margaretha Costa in Venedig eingeschickt worden. Diese zeich- nen sich durch ihre Feinheit (da sie bis 70 Bänder im Rande besitzen) vortheilhaft aus, und würden eine vollkommene Nachahmung der echten Florenti- ner-Hüte genannt werden können, wenn sie den- selben an Schönheit der Farbe eben so,' wie in ihren übrigen Eigenschaften gleich kämen. Eine vollstän- dige Sammlung von feinem und gröberem Flechtstroh, ist gleich^Us aus dem Yenetianischen eingegangen.

Strohgewebe, deren Kette aus Seide > deren Eintrag aus gespaltenem Stroh besteht^ und die zur Verfertigung der so genannten Patent -Strohhüte be- stimmt sind; ferner Strohbordüren, und sogar Mu- ster von ausgezeichnet schönem, in ßöhmen ver- sucbsweise erzeugtem Spaltstroh hat die Fabrik der HU. Joseph Fidler und Comp., zm Leitmeritz, dem Kabinette übetgebem

Die Busthüte gehören zu den eigeiithümlichen Erzeugnissen des südlichen Europa, und werden in der Monarchie fast ausschliefsena in Italien verfer- tigL Sie bestehen eben so aus einzelnen Bändern wie die Strohhüte, werden aber nicht durch Zu- sammennähen dieser letztern, sondern blofs durch Pressen erzeugt; die Bjlnder selbst sind mit den ge- wöhnlichen Handgriffen aus dünnen unc^ schmalen Holzstrejfen geflochten. Peter, Cinghiani und Jo- seph Lanzoni in Mantua^ und Nikolaus Parogchi in Venedig haben theils fertige Baslhüte, theils ro- hes Material und so genannte Bastplaiien, aus wel- chen die Hüte verfertigt werden , eingeschickt. Von

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lOO

dem zuletzt genannten Fabrikanten insbesondere besitzt das Kabinet viele ^ gröfsten Theils gefärbte (gelbe, braune, grüne, schwarze, rotbe) Hüte, die mit grofsem Fleifse verfertigt sind.

Hier erwähnen wir noch, um der Ähnlichkeit des Materiales willen, der von Jnton Ferrari zu Iseovoi lombardisch -venetianischcn Königreiche (Prov. Brescia) eingeschickten Stricke aus Lindenbast, von einer Lange bis qo Fufs ; ferner der Stricke aus spa- nischem Ginster {Genista hispanica^ ital. Erba Sparta j oder E. spagna), welche Joseph Bonaldo, zu 672/o^g^za, zur Aufstellung überliefert hat; endlich eines von dem Korbflechter Müller, zu Przemisl in Ga/tzfe/2 verfertigten Körbchens in Form einer Lampe, welches, nebst einer von demselben Einsender her- rührenden Tasse, in Rücksicht auf die zierliche und geschmackvolle Arbeit alles Lob verdient.

^2. Einen der vollständigsten und weitläufigsten Theile desKabinettes bilden die verschiedenartigen Fa- brikate aus Leinen, Baum- und Schafwolle und Seide. !Da die Zahl der Einsender, welche Muster von den in diese grgfse Rubrik gehörigen Gegenständen zur Au/stellung übergeben haben , sich nahe an dreihun- dert beläuft, so wird ma'n sich im Nachfolgenden da-' mit begnügen, nur die vorzüglichsten unter densel- ben anzuführen , indem der dem gcfjenwärtigen Auf- satze zustehende Raum keine detaillirte Aufzählung gestattet, und die letzte auch, ohne Erläuterung, wenig Interesse haben würde.

43. Wir erwähnen vorerst einer grofsen Samm- lung von gehecheltem Flachse , welche Muster aus fast allen Provinzen des Kaiserthumes , vorzüglich aber aus dem an diesem Materiale so reichen Böhmen enthält.

ICI

Der Fkehsbaa ist seit einigen Jahrsehenden über- all, und somit auch in unserer Monarchie ^ bedea- ten4 von seiner ehemahligen Höhe herab gekommen^ "woran die häufiger gewordene Verwendung der Baum- wolle und Baumwollenfabrikate gewifs die vorzüglich- ste Schuld trägt; Indessen würde man einen grofsen Fehlschlufs thun^ wollte man annehmen^ dafs dieses durch die Zeitumstände begünstigte Mifsverh'ältnifs zwischen der Kultur eines einheimischen^ in vielen Kücksiohten vorzüglichen Webemateriales ^ und der Verarbeitung eines uns immer fremd bleibenden Stof- fes jemahls bis zur gänzlichen Beseitigung des erste- ren gedeihen könne; denn^ ungeachtet bis jetzt alle Bestrebungen^ den Flachs zu etwas zu machen^ was er nicht ist, und niemahls werden wird (Versuche über Flachsveredlung, Flacbsverfeinerung, Ersparung des Röstens etc. etc.) mifslun^n sind, so wird doch Kiemand läugnen, dafs gewisse nützliche Eigenschaf- ten demselben f&r immer einen Rang unter den We- bematerialien sichern müssen. Hat daher auch die Leinen- Industrie in der neuern Zeit viel gelitten; ist sie auch nicht im Stande, mit der unaufhaltsam fort- gebenden Baumwollen -Industrie gleichen Schritt zu halten ; so bleibt doch dem Vaterlande ein Erwerb- zweig gesichert, der/ so viele sieiner Bewohner seit Jahrhunderten dankbar genährt hat.

Erfreuliche Beweise von den neuerlichen Fortr* schritten des Flachsbaues liefern unter andern meh- rere im Kabinet befindliche Muster von zubereitetem Flachs^ welcher, für den Gebrauch der Niederlän- der Industrie -Anstalt zu Prag in Böhmen erzeugt wurde, und dessen Feinheit wirklich Bewunderung verdient.

44- Unter den Leinen- Gespinnstertf welche das Kabinet aufzuweisen hat, befinden sich sehr vor- xügliche^ und in jeder Rücksicht ausgezeichnete Mu-

ster. Darunter verdient vorerst ein zahlreiehes , von f^alerio Cozzatti, zu P.elugo in TI^o/ eingeschick- tes Garn -Sortiment mit vielem Lobe erv?ähnt zuv?er- den y indem dasselbe Strehne von aufserordentlicher Feinheit enthält^ welche^ sowie die übrigen^ eine ungewöhnliche Gleichförmigkeit des Fadens zeigen. Aufser vielen andern Handgespinnsiten^ die wir der Kürze wegen übergehen, machen sich besonders die Maschinengarne von FFurm und Pausinger in FFien, und von Girard in Hirienberg nächst Baden , be- merkbar.

Den HH. Tfurm und Pausinger gebührt das Verdienst, allen übrigen Fabriken mit der Einfuhrung der Flachsspinnmaschinen im österreichischen Staate vorangegangen zu seyn, da sie ihr Etablissement liun schon seit z6hn Jahren (seit i8i3*) mit Erfolg betrei- ben, und auf die von ihnen selbst erfundenen Ma- schinen im Jahre i8i7*eia ausschliefsendes Privile- gium erhalten haben. Von den Mustern, vvelche die gemannten industriösen Unternehmer dem Kabinette übergeben haben, verdient das sehr gleiche und feine Garn ^aus mascbinirtem Werg ganz vorzügliche Auf- merksamkeit. Dafs bei der Spinnmethode der HH. Wurm und Pausinger der Flachs in seiner vollkom- menen Länge versponnen , und dem Garn dadurch eine ausgezeichnete Festigkeit ertheilt wird, ist si- cherlich nicht das geringste Verdienst derselben.

Die ausgedehnte Fabrik des i8i5 durch die Staatsverwaltung nach Österreich berufenen, und bald darauf ansehnlich unterstützten Franzosen Phi- lipp Girard, deren ausschliefsendes Privilegium sich vom i8. September des genannten Jahres datirt, hat seit der Zeit ihrer Gründunfi; mit bedeutenden Sehrit-

.V « 'all

*) Hermbitädti Bulletin des Neuesten ctfc. Bd. XII. S. i5. I'oJgg.

ten sieh ihrer YoUkommedheit genähert. Die toh dem Eigenthümer übergebeneil Proben deiner Ge- tpinnste verdienen^ nebst einigen daraus gewebten Leinwanduinstern^ billiges Lob, sowohl was ihre grofse Feinheit, als was die Gleichheit und Schönheit des Fadens betrifft.

Endlich müssen noch die Muster Ton« türkisch- roth gefärbtem Leinen -, Hanf- und Werggarn des Daniel Robbiatiy zu Monza im venetianisch ^ lom- bardischen Königreiche, lobend erwähnt werden.

45. Der Ähnlichkeit wegen gehören hierher auch eiü

Paar sehr bedeutende Sortimente von gebleichtem

Leioenzwim, welche die Fabrikanten Joseph Fila-

Uniy zu Solo im venetianisch r lombardischen König«

reidie (Prov. Brescia), und fFeiß und Röster, zu

Würhenthal in k. k. Schlesien^ Behufs der öffentH-

eben Aufstellung eingeschickt habep. Beide erfüllen

alle Forderungen ; welche man an dieses so häufig

gesDcfaie Fabrikat billiger Weise stellen kann: sie

zeichnen sich in Rücksicht sowohl der Feinheit und

Weifse y als der Schönheit und Gleichförmigkeit der

Drehung sehr zu ihrem Yortheile aus.

Sehr Yorzüglich ist auch ein von Johann Hin* kelnumny zu HoheneWe in Böhmen , eingesandtes Strehnchen Spitzenzwirn von solcher Feinheit^ dafs der 5333 Fufs lange Faden nicht mehr als 60 Gran wiegt 9 und also den mittelfeinen Sorten des beriihm- ten niederländiscBen Spitzenzwirns ungefähr gleich kommt.

46- Zahlreiche Musterstückc besitzt das Nationair Fabriksprodukten- Kabinet im Fache der Leinen We- berei^ eines Industriezweiges^ dernQch jetzt für die Monarchie von gröfster Wichtigkeit ist^ ungeachtet ein grofser Theil der Leinenzeuge y besonders der ge-

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färbten und gedruckten^ jetzt meist durch die vroU- feileren (aber freilich weniger dauerhaften) Baum- i?vollenzcuge verdrängt ist. Die vorzüglichsten der hier zu nennenden Einsender sind nachstehende:

jinton Borghiy zu Canale in Illjrien (Görzer

Kreis).

Dieser Fabrikant hat dem Kabinette schön gear- beitete Muster von Tischzeug , versohiedenförmig ge- streifter und gev^ürfelter Leinwand^ Bettzeugen u. 8. v^. übergeben^ 'die wegen ihrer Yortref&ichkeit ge- rühmt zu werden verdienen.

JBernard und Jakob Bocchini, zu Pioue im vene« lianisch- lombardischen Königreiche (Prov. Padua).

Gewürfelte und gestreifte Leinwand^ auch solche mit baumwollenem Eintrags ferner Schnupftücher u. s. von grofser Schönheit.

Michael Bayerleitkner, in TJ^ien.

Säcke ohne Naht^ aus einem geköperten^ zum Theil mit Baumwolle gemischten Gewebe^ und von grofser Brauchbarkeit, besonders zur Aufbewahrung von Geld^ da hier kein Betrug durch Aufschneiden und nachfolgendes Zunähen der Naht möglich ist. Diese Säcke , deren Verfertigung von jedem Weber auf einem gewöhnlichen Stuhl leicht vorgenommen werden kann*)^ besitzen nähmlich blofs an den Sei- ten zwei schmale, ganz glatt wie Leinwand gewebte Leisten, vsrährend der Boden ohne Unterbrechung ans den Eintragfaden gebildet ist. Beim Gebrauche kon^men die erwähnten Leisten in das^ Innere des Sackes, und gefährden daher die Sicherheit und Bo-

*) Da» der kais. ös'err. priv. Wiener-Zeitung vom 17, Februar 1811, No 39, beiliegenfle Amtsblatt No. i4 rnthält eiRr, auf höhere Anordnung bekannt gemachte ausführliche Bc- frchreihnng von Bayerleithners Methode, Säcke ohne Naht XU weben.

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qaemlicfakeit desselben auf keine Weise. Nur steht iiiJ>efurchten9 dafs vielleicht durch wiederhohltes Waschen ein Ausfasern der Leisten , und so das Zer- xeissen des Sackes bald herbei geführt werden könnte. " Ungeachtet Bajerleithner keineswegs der Erste ist^ iety selbst im österreichischen Staate^ sackförmige Gewehe ohne Naht verfertigte, so verdient doch seine Methode wegen ihrer grofsen Einfachheit vielen ande- ren vorgezogen und allgemeiner eingeführt zu wer* den. In diesem Anbetrachte war es eine sehr zweck- dienliche Mafsregel-y dafs dem Erfinder höhern Orts sein Geheimnifs abgekauft , bekannt gemacht^ und die Beschreibung 9 zur weiteren Verbreitung^ auch in das Italienische übersetzt wurde. Der Erfolg davon war auffallend. Kurze Zeit darauf wurden bereits im Arbeits- und Strafhause zu Mailand Säcke von bedeutender Gröfse nach Bajrerleithners Me- thode verfertigt , wie die dem Kabinette von den ge- nannten Anstalten eingeschickten Muster beweisen. In dem dasigen Arbeitsbause änderte man das Yer- fä&ren dergestalt ab, dafs die Säcke eine einzige, am Boden befindliche Leiste erhielten , wodurch freilich das Fahrikat vereinfacht, aber die Dauerhaftigkeit desselben wieder etwas vermindert wird, da /begreif- licher Weise y gerade der Boden Aes Sackes jederzeit am meisten zu tragen hat.

Johann JESerl, in Grätz.

Grobe, durch Aufkratzen rauh gemachte Ge- webe, oder so genannte Kotzen aus Hanf, welche als ein ziemlich ungewöhnliches Fabrikat Aufmerk- samkeit verdienen.

Joseph Gerlin, in Venedig. Segeltuch von verschied^enen Gattungen, die un- ter den Nahmen Cavallina y fladana, Cottonina tt. s. w. vorkommen. Die letztgenannte Sorte besteht uar zum Theil aus Hanfgarn, da der Eintrag grpbe«

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BaamwoIIengarn ist. Da Bur wenige Fabriken mit der jErzeugung dieses Artikels sich abgeben , so ver- dienen die vorliegenden Master um so mehr Lob , als sie überdiefs auch weder an Gleichförmigkeit, noch an der erforderlichen Dichtigkeit des Gewebes das Mindeste zu wünschen übrig lassen.

Eine ähnliche y aber noch vollständigere Samm- lung der verschiedenen Arten von Segelleinwand hat das Kabiüet aus dem zum Königreiche lUjrrien gehö- rigen österreichischen Küstenlande erhalten. Die Breite aller dieser Muster beträgt j- bis ^ Wiener El- len, und auch davon sind mehrere (wie Fustagno d Anconay Fustagno di Rimini u. s. w.) halb aus Baumwolle, die übrigen hingegen (Tela di Cento, Lunetta di f^enezic^ u. f.) ganz aus Hanfgarn ver- fertiget.

Die gräflich ff arr ach' sehe Leinw^dfabrik zu Jana-

Witz in Mähren.

Aufser einigen Mustern von vortreflflich gear- beitetem Leinendumast hat diese Fabrik dem Kabi- nette ein sehr schönes, aus Leinengarn und Seide ge- mischtes Kaffehtuch übergeben , welches sich durch Schönheit der Zeichnung und Vollendung der Arbeit in gleichem Grade auszeichnet.

Hanisch y zu Wamsdorf in Böhmen.

« Damast aus gebleichtem und ungebleichtem Lei- nengarn, von denen das erstere die Figuren, das letztere den Grund bildet. Waaren dieser Art sind^ ihres schönen Ansehens wegen, sehr beliebt.

Joseph Fr. Riesling y zu Hohenelbe in Böhmen

(Bidczower Kreis).

Mehrere Muster von feiner und mittelfeiner ge- bleichter Leinwand, so wie von Schleier, welche diesef Erzeuger zur Aufstellung eingeschickt hat^

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▼erdienen "wegen ihrer Schönheit eine besonders lo- hende Erwähnung.

Die Zünfte der Leinweher eu S. Georgen, Fron- kenmarkt und PHlkermarkt in Österreich oh der

EnnSy

haben dem Kabinette eine grofse Anzahl Muster von ordinärer und feiner^ gehleichter und ungebleich- ter JLeinwand, geflammten und gestreiften Bettzeu- gen o« dgl. eingeschickt, die sämmtlich wegen des in der Arbeit sichtbaren Fleifses zu rühmen sind.

Stolle und Söhne j zu Wamsdorf in Böhmen.

Damast- Tischzeug vtja sehr gut^r Qualität und grofser Schönheit.

Andretis Fogel und Sohn, ?u Snecznajr in Böh- men (Königgrätzer Kreis).

Rohe und gebleichte Leinwand von besonde* Ter Schönheit.

47- Ein föi* die Industrie im Allgemeinen zwar nicht sehr bedeutender ^ dagegen aber für gewisse Theile der österreichischen Monarchie desto wichti- gerer Erwerbzweig ist die Verfertigung der Spitzen. Erst seit dem Anfange des gegenwärtigen Jahrhun- derts^ um welche Zeit durch die auf "allerhöchste Anordnung nach Wien berufenen niederländischen Arbeiterinnen die Fabrikation der feineren Spitzen in die Erblande verpflanzt wurde ^ hat sich dieser Indu-^ striezweig bedeutend zu heben angefangen; unge- achtet sich schon früher eine beträchtliche Menschen- menge damit beschäftigt hatte. Durch eiqq vervoll- kommnete Behandlung des Flachses beim Bau und hei der Zi}bereitung<, so wie durch die Anlegung von Spitzenschulen in i9ö Amen ^ ist seit dem ein grofser £hriit vorwärts gethan worden ^ soy dafs das Beste?

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hea der in R^de befiadlichen Fabrikatton för eine lange Zukunft gesichert zu seyn scheint.

I

Pas National -Fabriksprodukten -Kabinet besitzt, aufser vielen Mustern von gemeinen groben Zwirn- spitzen aus Böhmen ^ Tirol und einigen andern Pro- vinzen^ eine prachtvolle Sammlung aller Arten von Spitzen aus der Privatfabrik der Schv^estern Vanden- cruys in f^ien {Döblinig bei Wien) und der so ge- nannten Niederländer ^ Industrieanstalt in Prag.

Die Familie Pandencruj's yrurde vor beiläufig zvranzig Jahren' auf Staatskosten von Brüssel nach fVien berufen y um hier eine Spitzenfabrik zu grün- den^ deren Fortführung ihr späterhin mit kaiserlicher Unterstützung als Privat- Unternehmung überlassen worden ist. Das ausgezeichnetste Produkt dieser An- stalt unter den im Fabriksprodukten -Kabinette auf- gestellten Mustern^ ein wahres Prachtstück^ ist ein vier Fufs im Quadrat grofser Schirm^ mit eingenähten Figuren, die einen ungeheuren Fleifs und eine er- staunliche .Geduld in der Ausarbeitung beurkunden. Kleinere Stücke, als einzelne Figuren, Streifen, Ja- bots u. s. w. lassen eben so sehr den Geschmack lA der Zeichnung als die mühsame Ausführung be- wundern.

«

Eine Filiale der Wiener Fabrik ist die Nieder- länder Inditstrieanstalt zu ^Pragy welche, so wie jene, vom Ärarium beträchtlich unterstützt, und viel- leicht nur dadurch in ihrem Flor erhalten v/ird. Von ihr hat das Kabinet ^ine nicht weniger merkwürdige Sammlung von ausgezeichneten Musterstücken aufzu- weisen, welche dadurch noch interessanter wird, dafs ihr Proben des in Böhmen selbst erzeugten rohen, zugerichteten y gesponnenen und gezwirnten Flach- ses beigefügt sind.

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Gelegenlieidich können hier y der Seltenheit we- gen , einige Fabrikate, nähmlich Bänder, Handschuhe und Spitzen aus gesponnenem Asbest erwähnt wer- den. Die Yerfertigerin dessell^en ist Madame Z. Perpentiy zu Como im venetianisch - lombardischen Königreiche.

48. Das National -Fabriksprodukten -Kabinet be- sitzt keine weitläufige Sammlung roher Baumwolle, da dieser Artikel eine Rubrik der am polytechnischen Institute befindlichen Materialwaaren- Sammlung bil- det; doch erwähnen wir hier einiger, vor mehreren Jahren (1811) im Banate und der Militärgränze (um TemeswiiTy Karlowitz, Peterwardein) versuchs- weise erzeugten Baumwollensorten, die aber, wie die vorliegenden Muster zeigen, von schlechter Be- schaffenheitsind, und, der Erfahrung zu Folge, kaum bisKro. 56 verspinnbar amsfielen.

Das Spinnen der Baumwolle ist, seitdem der Verbrauch baumwollener Zeuge so sehr überhand genommen hat, ein fiir die österreichische Monarchie vf^icbtiger Erwerbzweig geworden, und ist es selbst jetzt noch, da dieser Tbeil der Industrie doch seit mehreren Jahren bedeutend durch die Zeitumstände gelitten hat. Die Einführung der Spintimaschinen nach englischer Art, welche ntin bereits allgemein verbreitet sind, und die Stelle der Handspinnerei mit gröfstem Yortheil ersetzen, datirt sich im Inlandeerst seit ungefähr zwanzig Jahren. Der höchste Flor in>- ländiicher Spinnereien fäHt in die Zeit der Napoleon'- schen Contincntalsperre: der seither eingejLretene allgemeine Friede hat viele Fabriken ins Stocken ge- bracht, und da gegenwärtig alle feineren Garnsorten (von Nro. 5o Mule und Nro. 12 Water aufwärts) aus der Fremde einzuführen erlaubt sind, die heimischen Spinnereien aber,' des hohen Zolles tmgeachtet, mit den englischen Erzeugnissen nicht zu konkurriren ver-

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mögea^ so befindet sicli die inländische Zeugweberei in einem lästigen Abhängigkeits- Zustande. Die Fein- spinnerei wird eben wegen dieser Unfähigkeit der Konkurrenz gleichsam nur als Ausnahme betrieben, und somit. steht der ganze Industriezweig tiefer, als es eigentlich möglich wäre. Die freie Konkurrenz mit dem monopolisirenden Engländer drückt den Muth des österreichischen Fabrikanten nieder , statt, wie sie es unter günstigem LokalitaCs- und Zeitumstän- den wohl ihm Stanae wäre , ihn aufzurichten.

Das National- Fabriksprodukten -Kabinet besitzt eine interessante Sammlung englischer BaumwoUen- gespinnste , und zwar Mulegam in einzelnen Schnel- lern von Nro. 5^ bis 200. Von den inländischen Ma- schiuensninnereien haben hauptsächlich jiachfolgende Proben inrer Erzeugnisse eingeschickt:

Die Maschinengespinnst- Fabrik des Freiherrn von JBrai^ , zu Schönau in Österreich (V. U. W. W.).

Mulegam aus niacedonischer und westindischer, und Watergarn aus macedonischer Wolle; jenes bis zur Feinheits - Nummer 80 > dieses bis Nro. 36. Die Garne sind durchaus 'sehr schön ^ und lassen in Ab- sicht auf die Gleichheit des Fadens nichts zu wün- sehen übrig. Von jeder Sorte besitzt das Kabinet An fünf englische Pfund schweres Packet«

Der .Spinnfabrikant Friedrich Eimannsberger , zu Gattern in Tirol (Bregenzer Kreis).

Mehrere Garnsorten in kleinen Mustern, . von den Feiuheits - Nummern 36 bis 4^, aus Louisiana- und Surinam -Baumwolle.

Die k. k. priv. Mascbinengespianst^Fabrik zu Pot- tendorf in Österreich (V. U. W. W.}.

Diese, einer zahlreichen Privatgesellschaft gekö- rige Anstalt wurde im Jahre 180:2 gegründet, und

III

ist gegenwärtig die ausgedehnteste ihrer Art in der Monarchie j sie arheiteie vor ungefähr sieben oder acht Jahren mit mehr als zweihundert Maschinen^ worunter nur der achte Theil für Watergarn ^ weil die^ Gespinnstsorte weniger gesucht und verbraucht -wird, als das Mulegarn. Dem Kabinette hat diese Fabrik eine höchst bedeutende Sammlung ganz vortrefflicher Game zum Geschenk gemacht. Von der Feinheit der darunter befindlichen Muster^ welche durchaus in cinpfiindigen Packcten bestehen^ gibt nachfolgende Übersicht einen Begrifi: Macedonisches Mulegarn, Prima Sorte Nro. 20 bis 40; Secunda Nro. 5o bis 60; macedonisches Watergarn Nro. iöbis:28; indisches Mulegarn, Prima JVro. 4o his 90; -r- Se- conda Nro. 3o bis 160; indisches Watergarn, Prima Nro. 4o bis 5o ; Secunda Nro. 3o bis /40 ,

gebleichtes macedonisches Strickgarn (gezwirnt) Nro.

bis 3G; indisches Stickgarn Nro. 26 bis 44;

indisches £jreppgarn Nro. 32', türkischrothes

Gam^ Prima Nro. 44*

Unter den genannten Sorten verdient noch ins- besondere die letzte^ nähmlich das türkischroth ge- färbte Garn , einer ehrenvollen Erwähnung ^ indem es an Feuer der Farbe nicht das Geringste zu wünschen übrig läfst^ un4 in dieser Rücksicht gewifs mit einem jeden andern wetteifern kann. Auch das Kreppgarn mufs einer besonders lobenden Auszeichnung gewür- digt werden«

Die Maschifienspinnerei der Freiherren Johann und Karl von Futhon, zu Teesdörf in Österreich

(V. U. W. W).

Sehr schöne 9 bis Nro. ioo reichende Mulegarne^ Prima und Secunda Sorte ^ aus macedonischer^ uild westindischer Wolle.- Das freiherrlich von Puthon*^ sehe Etablissement gehört zu den bedeutendsten in der Monarchie.

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Die Spinnfabrik von Rhomberg \md Lenz , zn Dorn- bim in Tirol (Bregenzer Kreis).

Einzelne Strehuchea von Muiegarn^ darunter das feinste Nro. 70.

i)ie Spinnerei des Joseph pon TTiorkton, zu Minr kendorf in Österreich (V. U. W. W.)»

Maschinen - Watergarn aus macedoiiischer Baum- "wolle^ von den Feinheits- Nummern 3o bis 58.

Das Färben des türkischrothen BaumveoUgarnes wird von mehreren Fabriken mit bestem Erfolge be- trieben. Muster solchen Garnes besitzt das Kabinet von der Pottendorfer Spinnfabrik^ ^ie schon erwähnt; aufserdem haben Peter Zanoluy zu Monzaixa vene- tiaiiisch - lombardischen Königreiche, und Jakob Bröcking, in Wien, Muster von diesem Fabrikate übergeben, die alle Forderungen befriedigen, und einen erfreulichen Beweis von den Fortschritten die- ses ^ Zweiges der Färberei ablegen.

49. Die Sammlung der verschiedenen Arten von JBaumwollenzeugen macht einen der schätzbarsten und interessantesten Theile des Kabinettes aus. Un- ter der greisen Anzahl von Fabriken , welche ab- gleichen Erzeugnisse eingeschickt haben, befinden sich mehrere sehr ausgezeichnete Etablissements, de- ren Besitzer wegen ihrer Industrie lobend angeführt zu werden verdienen. Diese sind hauptsächlich fol- gende.

Biassoni und Robbiati , zu Monza im venetianisch^

lombardischen Königreiche*

Unter den von dieser Fabrik übergebenen schätz- baren Stücken befinden sich weifse musselinene Schnupftücher, ein yveifses, eben solches Umhäng- tuch, Muster von Perkai u. s. w., die sämmtlich sehr schöA gearbeitet und von bedeutender Feinheit sind.

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Gebriider Colombo, zu Monza ,

baben eise AnzabI gewürfelter baumwollener Scbnupf- tücher und äbnlicbe Zeuge zur Aufstellung einge- schickt.

Karl Damm, in PTien.

, Dieser iudustriöse Fabrikant zeichnet sich beson- ders durch die Verfertigung solcher Artikel aus, die fiir den Frauenzimmerputz bestimmt sind. Das Ka* binet besitzt von ibm gestreiften, zum Theil mit Schafwolle oder Seide untermischten Baumwollen« Battist, ein schönes, mit Seide eingewebtes Tüll' Tuch, sogenannten Schlangen- Tüll, Damast- Tüll^ und ähnUche Zeuge, die sich sowohl durch Feinheit und Leichtigkeit, als durch Zierlichkeit in den Des- seins auszeichnen. Besonders beo^erkenswerth scheint e'm durchbrocbenes Bordurkleid durch die Zartheit seiner Ausführung , welche nichts zu wünscben übrig lafst; mehrerer anderer Musterstücke nicht zu ge- denken.

Gehruder Erjcleben, zu Landskron in Böhmen

(Chrudimer Kreis).

Sehr schöne, mit Walzen bedruckte Kattun« muster^ welche rücksichtUch der Genauigkeit in der Ausführung alle Wünsche des Kenners befriedi- gen. Jedermann kennt die grofsen Vörtheile des Walzendruckes in Absicht siuf Ökonomie und Erspa- ruBg des bei den gewöbnlichen Formen nöibigen Rapportirens ; Jedermann weifs aber auch die bei sei- ner Ausübung eintretenden Scbwierigkeiten zu beur- theilcn, welche von den Gebrüdern JGrxfeÄe/i gl ück- hch überwunden worden sind. Vorzüglich bemer- kcnswerlh unter den eingesandten Mustern ist ein Stück mit geraden Streifen, und ein anderes mit sehr enge , in regelmäfsigen Entfernungen stehenden Punkten.

^Mkt^. 4. pol/t. last. IV. 114. 8

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Joseph Fussenegger, zu. Dombim in Tirol (Bre*

genzer Kreis) ^

hat viele Master von sehr schön gesticktem Musselin, nahmentlich , aufser mehreren kleineren Frohen, vier iiher eine Elle im Quadrat grofse Umhängtücher ein« geschickt, die viel Fleifs in der Bearbeitung zeigen.

Fr* Fröhlich und Söhne, zu Wamsdorf in Böhmen.

Unter den von diesen Fahrikanten eingegange- nen Mustern erwähnen wir als' vorzüglich ein lo El- len langes , mit 8 verschiedenen Desseins versehenes Stück Dimities oder Wallis von grofser Schönheit. Nicht minder ausgezeichnet ist ein Stück Baumwollen-Sammt^ v^elches auf einer Länge von 7 Ellen mit sieben ver- schiedenen farbigen Desseins sehr geschmackvoll be- druckt ist. Diese beiden sehr gelungenen Erzeugnisse berechtigen zu dem günstigsten Urtheile über die Fa-- brik> aus welcher sie hervorgegangen sind«

C. An Hafferl, in Linz*

Mehrere sehr schöne Muster von gedrucktem Baumwolleh - Barchent , 1/velche um so bemerkens- werther sind , da sie nur von l/irenigen Fabrikanten verfertigt werden.

Kaspar Hirt ^ in Mailand.

^ Verschieden bedrückte Kattune oder Calicoes, auch bäumwollne Schnupftücher mit sehr gut gewähl- ten Desseins«

Heerburger und Khombergy «u Dornbirn in Tirol.

Dieses Handelshaus betreibt nicht sowohl eine eigene Fabrik, als vielmehr nimmt dasselbe gewisse baumwollene Zeuge, wie weifsen Perkai, glatten^ ee- stickten und genähten Musselin u. dgl. den in der Umgegend von Dornbirn ansäfsigen Webern zum Yerschleifse ab. Das Kabinet besitzt zahlreiche Mu- ster von den genannten Artikeln, *welche durdiaus schön und mit Fleifs gearbeitet sind.

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Ignaz tind Philipp HacLS^ beide in PFien,

haben dem Fabriksprodukten - Kabinette Muster von verschiedenen^ zu Putzwaaren dienenden Zeugen über- geben. Darunter zeichnen sich ein Paar fagonnirte Tüll - Bajaderen von Philipp Haas durch ihre Schön- heit aas. Nicht weniger vorzüglich sind die Proben von farbig broschirtem und fa9onnirtem Tüll , Vielehe diese beiden Fabrikanten zur Aufstellung überreicht haben. Die ganze. Sammlqng ihrer Erzeugnisse kann^ nebst' so vielen anderen im Kabinette befindlichen Husierstücken ^ zum Beweise der Fortschritte die- nen, -welche die Baumwollenzeug -Fabrikation seit mehreren Jahren gemacht hat.

Anton Holljr y in Wien^

Ein sehr schön gearbeitetes Damenkleid aus Ya-

peur mit zweifacher TülU Bordur; /dann eine TüU-

Bayadere von grofser Schönheit, welche beiden Stücke

wegen ihrer sorgfältigen und genauen Ausführung

alles Lob verdienen.

Die Sckwanenstädter BaumwoUenwaaren - Fabrik von Jennjf Ablj und Comp.y in Österreich

(Innkreis.)

Eine bedeutende Fabriks«» Anstalt^ welche dem Kabinette mehrere sehr g(sluDgene Proben ihrer Er- zeugnisse zur öfTentlichen Aufstellung eingeschickt hat. Die darunter befindlichen Muster von glattem Perkai ^ glattem und fa9onnirtem TüU^ weifsem Pi- €fi6 u. 5. w., verdienen vieles Lob.

Simon Juraneck ^ iti Wien

Ein 3 Ellen langes Stück von sehr feinem Perkai (ans Gespinnst von Nro. lao) mufs wegen der Schön- heit und Gleichförmigkeit des Gewebes rühmlich er- wähnt werden. Schade, dafs alle Zeuge von dieser^ und selbst noch von weit minderer Feinheit durchaus ans englischem Garn verfertigt werden, indem die

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inländischen Spinnereien theils nicht über Nro. 80 hinauf spinnen^ theils auch in der Wohifqilheit ihrer feinqren Gespinnste es den Engländern nicht gleich thun können.

Die k. k. priv. Kettenhofer Kattunfabrik ^ nächst Schwächat in Österreich (V. Ü. W. W.). Eine zahlreiche Sammlung von Musterstücken aus dieser-, unter der Leitung des thätigen und kennt* nifsreichen DirectorsHrn. Johann Ziegler siehenden Fabrik verdient um so mehr Beichtung , als die letz- ten Jahre dem Fortschreiten dieses Industriezweiges mehr hinderlich als fördernd waren. Im Jahre 1770 gegründet^ hob sich die Fabrik seit 1782, wo sie nur 3o Drucktische in Bewegung setzte^ immer mehr, so, dafs sie nach Verlauf von üo Jahren bereits über 4i>ooo Handarbeiter beschäftigte, worunter 36,ooo Spinner, iiS^ Weber, 128 Drucker u. s. w. Die Eigenthümer haben seit dieser Zeit weder Kosten noch Anstrengung gespart, um, den Zeitumständen gemäfs, die Fabrikation tn vervollkommnen, neue Entdeckungen und Verbesserungen des In- und Aus- landes zu benützen, und so den ihr gebührenden R^og mit Würde behaupten zu können. Die Anwendung von Dampfl^esseln beim Bleichen, seit iSiöo; dieihä- tige Mitwirkung zur Einführung der Maschinenspin- nerei um das Jahr 1802; die Etablirung^ einer Wal- zendruckmaschine (der ersten in der Monarchie) 180G; die Anwendung der chemischen Bleiche seit 1808; die Errichtung einer grofsen Fabrik von chemischen Produkten i8io; die Benützung der Lithographie für den Kattundruck seit 181 4: dieses sind die glän- zendsten Epochen des Flors dieser Fabrik, welche über alle ähnlichen Anstalten der Monarchie hervor- ragt, ungeachtet die letzten ungünstigen Jahre auch auf sie von sehr nachtheiligem Einflüsse gewesen sind. Schon lange zeichnet sich dieselbe vorzüglich durch die Ausführung der schönsten und geschmackvollsten

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Desseins auf gedruckten Baumwollen «^ und Schafwol- len-Stoffen aus. Vorzüglich bemerkenswerth ist un- ter den im Kabinette befindlichen Mustern ein 4 EUea langer und 2 Ellen breiter Merinos -Shawl', der'blofs durch den Druck die echten Shawls auf das täu- schendste nachahmt. Eine feine schafwollene Decke, mehrere eben solche Tücher (worunter einige in

Jersischem Geschmack) mit aufserordentlich feinen ^esseins^ sind von grofser Eleganz und hoher Yoll- kommenheit. Unter den Baumwollenzeugen sind mehrere türkischrothe Muster^ und solche mit sehr schönem Walzen- und Lapisdruck. Von der gelun- genen Anwendung des Steindruckes auf Kattun lie- fert ein auf diese Art mit einem Blumenstraufs verzier- tes Kaffehtuch, dessen Vortrefflichkeit von allen Ken- nern bewundert wird^ den Beweis. Die ganze Samm- lung gewährt schon an und für sich eine Übersicht des ausgedehnten Fabriks- Betriebes /und durch die Darbringung derselben haben die Besitzer der Anstalt sowohl sich ^ als der österreichischen National- Ehre ein i>ieibendes Denkmahl gesetzt.

Kramer und Comp., in Mailand.

Die unter der obigen Firma bestehende Fabrik gehört zu' den vorzüglicheren in dem österreichi- schen Staate überhaupt^ und im venetianisch-lom- hardischen Königreiche insbesondere. Das Kabinet besitzt von ihr mehrere sehr schön gedruckte Calico- Muster^ ein baumwollenes türkischrothes Tuch mit farbiger Bordur^ nebst andern vorzüglichen Stücken^ deren Ansicht einen erfreulichen Beweis gewährt, dafs auch ^ie italienischen Provinzen den übrigen Theilen des Kaiserstaates an Industrie mit Glück nacheifern.

Joseph Kiuzaureck, in TFien*

Die Artikel, welche dieser Fabrikant zur Auf- stellung eingeliefert hat^ zeichnen sich sämmtlich

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" durch Solidität und Gesdunack in der Bearbeitung aus. Man bemerkt darunter eine zwei Eilen lange baumwollene Bayadere^ einige gefärbte Halskrau- sen^ Garnirangs- Streifen 9 Muster von quadrillirtem Vapeur u. w.

Die Manchesterfabiik von /. E. KlapperrotKs Er- Ben, zu Schönberg in Mähren (OUmützer Kreis).

Das Kabinet besitzt eine beträchtliche Anzahl Muster aus dieser schon lange bestehenden, und durch die Güte ihrer Produkte ausgezeichnßten Fabriksan- stalt. Trisliflich gearbeitet ist der weifse geschnürte Sommer - Manchester ; ilim stehen die schwarzen, blauen und rothen Sorten des aufgeschnittenen oder Winter - Manchesters nicht nach, welqhe sich durch Schönheit der Farben und Dichtigkeit des Gewebes bemerkbar iqachen^ und eben so wenig lassen die mit verschiedenen Farben (als gelb, grün, roth, blau) gedfucktei^ Gattungen dem Kenner etwas zu wün- schen iibrig.

Franz Leitenberger y zu Cosmanojs in Böhmen

(Bunzlaüer Kreis).

Unter denjenigen Fabrikanten, welche der in^ ländischen Baumwollen- Industrie durch ihre Bemü- hungen forderlich gewesen silid, cebuhrt Herrn Fr. Leiienberger eine der ersten Stellen *). Er hat dem Kabinette zwei gedruckte baumwollene Tüpher über- geben, die d0^ Stämpel der Vollendung an sjch tra- gen, und ihrem Verfertiger jm besonderer £hre ge- ' reichen. D^s eine vpn beiden ist türkischroth gefärbt, und# mit einer schönen farbigen Bprdur versehen. D21S herrliche Roth desselben hs)t seine Haltbar- keit dadurch bewährt, dafs es im Son^mer iSaa^

' ■. ^ . . '

. *) Zum Bevyeise der Anerkennung seiner Verdienste, hat Se, Majestät der Kaiser dem Herrn front Leitenhergwr im Jahre 1818 die grofse Civil -Ehrcnmedaille gnädigst zu ver* leihen geruhet.

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nachdem es bereits drei Jahre der ungeschwachten Einwirkung von Licht und Sonne ausgesetzt war^ sich noch nicht im Mindesten verändert zeigte. Seiner vollkommenen Ausführung vregen kann dieses Stück nui Recht fiir eines der vollkommensten gehalten vrerden^ die vielleicht je verfertigt worden sind. Das andere Stück > ein grofses baumwollenes Umhängtuch mit i^osenrother Blumen -Bordur und weifs geätztem Grunde^ verdient gleichfalb vielem Lob.

Lazarus Nikolaus^' in FFien^

Ein orientalisches Kaffehtuch von braunem Dop* pel-Crois^ mit einem 4Seckigen^ farbig gedruckten Stern. Der Vater dieses Fabrikanten gab sich zuerst im österreichischen Staate mit dem Drucken orienta^ hscher Waaren ab.

Alois Mofy ZQ Hohenelbe in Böhmen.

Mehrere Muster von feinem Baumiyollen-Battisi^ die sehr schön gearbeitet sind«

Anton Machay in TFien^

Zwei Dameukleider aus Baumwollen -Battist^ das eine mit Seide broschirt und mit einer schönen Bor- dur versehen , das andere von so genanntem Spenal. Beide sind sehr schön gearbeitet.

Philipp Reinwald, in Wien.

£in Paar Muster von sehr feinem Vapeur , beide ans englischem Gacn^^ von Nro. sSo und 280 , den höchsten Nummern^ die im österreichischen Staate verarbeitet werden.

Joseph Stucchi, zu Monza im venetianisch - lom?

bardischen Königreiche.

Feine baumwollene Tücher.

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. Scotti und Comp., in Mailand.

Ein in chinesischem Geschmacke hedrncktes Baum wollcntuch und Muster von.sehr schönem La- pisdruck.

Dominik Staurenghi, zu Monza.

Schöne Muster von Perkai und gefärhtem haum- woUnem Croisc.

.Franz- TForm, zu Neuforstwalde in Böhmen.

Dieses thätigen Fabrik -Inhabers^ welcher dem Kabinette ein sehr schön und dicht gearbeitetes Stück Manchester zum Geschenke gemacht hat , ist im III. Bande dieser Jahrbücher {S. 897) rühmliche Erwäh- nung geschehen , woselbst man auch mehrere Details

über (ue Ausdehnung seiner Anstalt finden wird.

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Alexander Vogel, zu Wels in Österreich ob der

Enns,

hat dem Kabinette einige gedruckte baumwollene Tücher übergeben^ die in mehreren Rücksichten ge- lobt zu werden verdienen.

5o. Die rohe Schafwolle macht keinen Be- standiheil des Fabriksprodukten- Kabinettes^ sondern der am polytechnischen Institute bestehenden Mate- rialwaaren - Sammlung aus. Dagegen besitzt dieses Kabinet eine bedeutende Menge Schaf wollen - Ge- spinnste von verschiedenen -Einsendern; sehr schöne verschiedenfarbige Muster^ unter andern von Blasius Ebely in PFien^ und von Franz Mangln in Salz- burg.^ ^— Z. Schuld, in Brunn, hat Muster von sehr gut gesponnenem^ so genanntem Harrasgarn; und die gräflich JEsterhazfsche Fabrik zu Ats, nächst Komorn in Ungarn , feines Wollengarn von beson- derer Schönheit eingeliefert; mehrerer anderer Fa- briken nicht zu gedenken.

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5i. Sehr gut ist das National- Fabrilsprodukten- Kabinet mit verschiedenen Arten von Schafwollen^ Stoffen^ vorzügIi<^ Tuch und einigen andern Zeug- gattungen^ versehen. * Die Sammlung dieser Muster vermag einen genauen Überblick dieses iur unsere Monarchie so höchst wichtigen Industriezweiges zu geben ; Mangels an Raum wegen mässen wir uns aber hier damit begnügen^ die vorzüglichsten Fabriken nahmhaft zu machen, deren mehr oder weniger voll- endete Erzeugnisse im Kabinette aufgestellt sind. Da- zu gehören die nachfolgenden ;

Johann Bigmann y in Brunn.

Feines Tuch, worunter ein Muster blaues Vigo- gne-Tuch vorzüglich bemerkbar ist«

Gebrüder Boschetti,

Jagazzaro und Rübini i

Franz Rossi upd

Lorenz Scomason ; sämmtlich zu Schio \m lonibar- disch - venetianischen Königreiche.

Tücher von verschiedenen Farben,

Johann Erbisti^ zu Ferpna.

Muster von blauem und 'schwarzem, sehr feinem Tuch«

Gebrüder Edle von Moro^ zu Fiktring in Kärnthen.

Die verdienten Fabriksr Unternehmer sind Be- sitzer einer der gröfstcn und wichtigsten Tuchmanu- faktaren in der Monarchie. Die Yorzüglichkeit ihrer Erzeugnisse wird durch die Ansicht der im Kabinette aufgestellten Muster bestätigt, unter denen sich nicht ein einziges befindet, woran man nicht mit Recht die Schönheit der Farbe und die ungewöhnliche Feinheit liewunderte. Oben an steht ein Stück scharlachro-i thesTuch, ein anderes von weifser, und eines von

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schwarzer Farbe, welche sämmüich den alten Ruf der von iWoro'schcn Fabrik auf das Neue beurkunden. Man sieht hier auch Proben von schwarzem und scfaar- lachrothem Kasimir, der in keiner Rucksicht et^nras zu wünschen übri^ läfst.

Die freiherrlioh von P^^/ion'schc Tuchfabrik, zu Na-

miest in Mähren.

Schöne Tuchmuster, unter denen einsehr feines, mit so genanntem Ofenheimerroth (einem in Wien erfundenen Surrogat der Kochenille) trefHich schar- lachroth gefärbtes Stück, vorzugsweise erwähnt wer- den mufs.

Die k. k. Ararial-^JVollerizeugfahrik zu Linz in

Österreich ob der Enns^

Diese sci( einer langen Reihe von Jahren (seit 16^3) bestehende Anstalt, welche unter die ausge- dehntesten Manufakturen nicht nur im österreichischen Staate, sondern auch in ganz Deutschland gehört, beschäftigt sich dermählen vorzüglich mit der Erzeu- gung von Teppichen, wefs wegen» ihrer noch gedacht werden wird. Von den gemeineren WoUenzeugen, welche daselbst verfertigt werden, besitzt das Kabi- net eine zahlreiche und vollständige Sammlung 9 wor- unter der gewässerte und gedruckte BerH^n, die ver- schiedenen Sorten von Konzent, Xalmank, Tamis, Chalon, Satin, Droguet u. s. w. besonders ausgezeichnet zu Werden verdienen. Die Mode hat gegenwärtig die genannten Stoffe fast ganz verdrängt, und somit ist auch ihre Fabrikation nur mehr von geringer Wich- tigkeit ; ungeachtet sie wegefl der ihnen eigenen Leich- tigkeit und Dauerhaftigkeit wohl wieder in Aufns^iqe zu kommen verdienten.*

Von niehr Bedeutung sind die aus feiner ge-* k^mmter Wolle verfertigten, und in verscl^iedepptt färben yorkoiumendcn , crpisirtcn Merinos r Zeuge^

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welche häufig auf DamenUeidei^ und Shawls verwen- det werden« Die davon im Kabinette vorfindigen MoAer zeigen einen hohen Grad der Vollendung, ob- wohl einige davon den sächsischen , französischen und englischen Geweben dieser Art nicht ganz gleich kom- men. Erwähnung verdienen auch die aus so genann- tem Serailtuch verfertigten , und mit verschiedenen, theils gedruckten, theils geätzten Desseins versehenen Tischdecken, welche sich durch die Schönheit der Farben and durch die gute Wahl der Zeichnung sehr vortheilhaft auszeichnen. Die ganze, aus mehr als 70 Musterstücken bestehende Sammlung macbt einen sehr schätzbaren Theil des Kabinettes aus, und ist vollkommen geeignet , einen Begriff von dem Zustande der Wollenzeugfabrikation im österreichischen Staate zu geben.

*

5a, Ein der Ähnlichkeit wegen hierher gehöriger JLrukel sind die roth gefärbten türkischen Käppcken, welche aus Wollengarn gestrickt, oder auf dem Simmpfwirkerstuhle verfertigt, im Übrigen aber ganz wie das Tuch zubereitet , nähmUch gewalkt , gerauht, geschoren und geprefst werden« Aufser den eigent- lichen kleinen Käppchen setzen wir in diese Rubrik auch die hohen Janitscharen - Mützen , Mar- trosenhauben und Tuneserkappen. Die Fabrika- tion dieser Waare , welche, häufig nach der Türkei geht, ist im österreichischen Staate nichts weniger als unwicbtig. Die beiden Fabrikanten, Joseph Preuer und J. Rosa, zu Linz, der Strumpfwirker fVinter^ in GräiZf endlich Anton Broito, in P^enedig, haben dem Kabinette Muster dieser Art übergeben. Aufser- dem besitzt dasselbe eine Tuneserkappe, welche iu Wien versuchsweise mit dem oben erwähnten Ofenr heimecTOth sehr schön gefärbt wurde.

Von den auswärtigen Ländern liefert vorzüglich Frankreich eine grofse Menge türkischer Käppohon

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für den Gebrauch des Orients. Eine 'der bedeutend- sten Fabriken hierin ist die zu Orleans unter der Firma Benoit, Merat et Desfrancs existiceftde, von deren Erzeugnissen das Kabinct durch die Güie des Wiener Grofshändlers ^ Herrn Joseph Patera^ mehrere Proben erhahen hat*

53. Eine grofse und ziemlich vollständige Samm- lung von roher und fiUrter Seide , vtrelche das Ka- binet besitzt^ umfafst, aufser ,den meisten italieni- schen Sorten^ sehr viele ostindische.

Die italienischen Seiden -Sorten^ welche zusam- men eine nahe aus 60 Mustern bestehende Sammlung bilden^ rühren von verschiedenen Einsendern her, von denen wir nuV Flaminio Ascoli^ Joh. B. Zb- magniniy Isaak SinigagUuy Anton Cumarlonder, und Joseph Juchj in Görz; ferner Andrea Mar- silliy zu Ro^eredo u. s. w. nennen.

Die ostindischen Seidenmuster, 45 an der Zahl, sind ein verehrliches Geschenk Sr. kaisörl. Hoheit des Erzherzogs Johann; es befindet sich darunter auch ein Muster ganz weifse chinesische Seide von aulser- ordentlicher Feinheit.

Hierher gehört auoh eine sehr schätzbare Samm- lung von gesponnener Floretseide, in 27 Sorten, die sämrntlich aus mehreren Fabriken der Schweiz , z. B, des Johann Georg BurkU, Johann Conr. Pesta- LutZy in Ziirch u. s. w. herrühren. Für den inlän- dischen Verbrauch sind diese Gespinnste bisher im- mer vom Auslande eingeführt worden , da sich keine inländische Fabrik, der beschwerlichen Zubereitung wegen, mit der EÜrzeugung derselben abgibt.

G. Ä Ars^ediy zu f^erona, hat dem Kabinette jftin vollständiges Sortiment der apprctirtex) und gefärb«

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ten Seidengattungen eingeschickt^ iivelchcs aus 33 Mastern besteht^ und rücksichtlich seiner Schönheit jeder Forderung entspricht. Als Gegenstück hierzu verdient eine, 3^ kleine Muster enthallende Sanim* lung original chinesischer Seide erv^äbnt zu werden, die sich durch aufserordentlich lebhafte Farben und darch den Umstand auszeichnet, dafs beim Färben der Glanz und d^s Ansehen der Seide überhaupt nicht das Mindeste gelitten hat. Dem geschicktesten europäischen Seidenfärber können diese Muster zur Nachahmung aufgestellt werden.

54- Von- Welcher Wichtigkeit die Verfertigung der Seidenzeuge für die österreichische Monarchie sey, ist allgemein bekannt ; die Ansicht der im Na* tional- Fabriksprodukten -Kabinette aufgestellten Mu- ster kann aber auch den Beweis liefern, dafs viele in- ländische Fabriken die Waaren dieser Art von einer ungemeinen Vollkommenheit hervorbringen. Nur Schade , dafs ungünstige Zeitumstände diesen Fabri- iations zweig , gleich so vielen anderen, herabgebracht haben. Nachstehend folgen die Nahmen der vorzüg- lichsten unter denjenigen Erzeugern, welche das Ka- binet mit Beiträgen bereichert haben.

Christoph Ritter von jindreä und Comp. , zu Neu-- Stadt in Österreich (V. U. W. W.)-

Eine schöne, aus ^4 Mustern bestellende Samm- long verschiedener Seidenzeuge, nahmentlich Damast^ Ribbs, Goldstoif, und vorzüglich Samml, der von den mannigfaltigsten Farben und durchaus gut gear-* beitet ist. Mehrere Arten von. faconnirten Seidenzeu- gen machen sich ebenfalls durch die Solidität ihrer Ausführung bemerkbar«

Ignaz Bejrwinkler, in Wien.

Ein Stück weifsen Atlas von ^ Elle Länge und ^- Elle Breite, in welches eine mitBluqien gefüllte Vase

eilibroschirt ist. Dieses Stück zeicliiiet sieb durch geschincickvoUe Auswahl und Anordnung der Farben, und durch treffliche Bearbeitung in gleichem Grade aus. Es kann in allen Rücksichten ftir ein Meister- stück der Weberei gelten^ und gereicht dem Kunst* sinne des Yerfertigers .zu grofser Ehre.

Johann Di/>iasiy zu Ala in TlroL

Ein Stück dunkelblauer Sammt^ welches dieser Fabrikant^ Behufs der Aufstellung ^ eingeschickt hat, verdient alles Lob , sowohl wegen der Dichtheit des Flors , als in Rücksicht auf die Schönheit der Farbe.

Constanza Ferrari , zu Verona.

Mehrere 'Muster von geblümten und gestreiften Zeugen aus gesponnenen Seid^nabfällen^ oder so ge- nannter Bavella.

Joseph Gryller, in Wien.

Ein Hoseniräger aus Atlas mit einbroschirten Blumen und eingewebten Drathfedern^ dann eine Brieftasche n)^Jt seidenem Überzüge^ in welchen zwei Jagdstücke mit Farben eingewebt sind« Beide Stücke verdienen wegen der Zierlichkeit^ mit welcher sie ausgeführt sind, volles Lob.- Auf eine eigen thümlicbe Verfertigungsart solcher Artikel hat Herr Grjrller im . Jahre 1821 (19. August) ein ausschliefsendes Privi* legium erhalten.

^ Chr. G. Hornhostely in Wien.

Diesem ausgezeichneten Fabrikanten verdankt das Kabinet ungefähr 4o Muster verschiedener Sei- denzeuge. Ein in Sammt mit Farben gewebtes Ma- donnenbild ist darunter das vorzüglichste Stück.