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Jahrbuch
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Königlich Preussischen geologischen Landesanstalt und Bergakademie
Berlin
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J a li r ■ /
Band XIX.
JAN 1 1 1V94
J/8RARIES
Berlin.
Im Vertrieb bei der Simon SciiROPP’schen Hof-Landkartenhandlung
(J. H. Neumann).
1899.
I
1 11 h a 1 t.
I.
Mittlieilimgen aus der Anstalt.
1. Bericht über die Thätigkeit der Königl. geologischen Landesanstalt
im Jahre 1898
2. Arbeitsplan für die geologische Landesaufnahme im Jahre 1899
3. Mittheilungen der Mitarbeiter der I^önigl. geologischen Landesanstalt
über Ergebnisse der Aufnahmen im Jahre 1898 .
L. Beushausen und M. Koch: Mittheilungen über Aufnahmen auf Blatt Riefensbeek, im Ablagerungsgebiet des Bruchberg- quarzits und der Sieber-Grauwacke
F. Klockmann: Bericht über die Ergebnisse seiner letztjährigen
Aufnahmethätigkeit im Oberharz
Th. Ebkkt: Bericht über die Aufnahmen auf den Blättern Oster-
wieck und Vienenburg
A. VON Koenen: Bericht über die wissenschaftlichen Ergebnisse
der geologischen Aufnahmen im Jahre 1898
E. Zimmermann: Schichtenfolge und Gebirgsbau auf dem Blatte
Lehesten
E. Beyschlag: Bericht über die wissenschaftlichen Ergebnisse der
Aufnahmen des Jahres 1898
0. VON Linstow: Bericht über die Aufnahme auf Blatt Frankenau E. Kayser: Bericht über Aufnahmen auf den Blättern Oberscheld
und Ballersbach
H. Grebe: Bericht über die geologischen Aufnahmen des Jahres 1898 E. Holzapfel: Die cambrischen und ältesten Devon-Schichten in
der Gegend von Aachen
H Lorrtz: Bericht über die Ergebnisse der geologischen Auf- nahmen von 1898 in der Gegend von Hagen, Hohenlim- burg und Iserlohn
E. Dathe: lieber Eruptivgesteine aus der Umgebung von Landeck
in Schlesien
A. Leppla: Ueber geologische Untersuchungen im Vorlande des Riesen gebirges
G. Müller,: Bericht über die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner
Aufnahmen auf Blatt Lüneburg im Sommer 1898 . . .
Seite
VII
XX
XXVII
XXVII
XLVI
L
LIV
LX
LXXXVIll
XCIV
XCVI
XCIX
CV
CXVIl
CXXVI
CXXXI
cxxxv
a
Solitc
W. Koekt: Bericht über die Aufnahmearbeiten auf Blatt Artlen- burg . . . . ; CXLIII
H. Sciikoeder: Mittheilung über die geologischen Aufnahmen bei
Stade • CL
H. Monke: Bericht über die Aufnahmen auf den Blättern Horneburg
und Uetersen CLXin
F. Wahnschaefe: Ueber meine Aufnahmen in der Priegnitz . . CLXVI
W. Weissekmkl: Bericht über die Aufnahme von Blatt Schnacken-
burg CLXViii
P. Kuusch: Bericht über die Aufnahmen der Blätter Wartenberg
und Rosenthal CLXXiv
L. Schulte: Wissenschaftlicher Bericht zu Blatt Staffelde . . . CLXXix
J. Kohn: Bericht über Aufnahmen auf den Blättei’n Vietz und
Massin in den Jahren 1897 — 98 CLXXxr
R. MrcHAicL: Wissenschaftlicher Bericht zu Blatt Lippehne und
Schönow CLXXXiv
K. Keilhack: Bericht über die wissenschaftlichen Ergebnisse der
Aufnahmen des Sommers 1898 cxci
M. Schjiidt: Wissenschaftlicher Bericht über meine Aufnahmen
im Sommer 1898 cxcvi
G. Maas: Ueber einige Ergebnisse der Aufnahmen in der Gegend
von Tuchei Ccn
A. Jentzsch: Bericht über Aufnahmen in Westpreussen während
der Jahre 1897 und 1898 ccxviii
11. Gru.nek: Mittheilung über einige Ergebnisse meiner Aufnahmen
im Westpreussischen Arbeitsgebiete ....... ccxxxvii
0. Zeise: Bericht, über die Ergebnisse der Aufnahme des Blattes
Danzig ccxLV
B. Kühn: Bericht über die Aufnahme von Blatt Käsemark . . . CCLII
W. Wolff: Bericht über die wissenschaftlichen Ergebnisse der
Aufnahmen auf den Blättern Pranst und Trutenau . . . CCLVII
C. Gagel: Bericht über die Aufnahmearbeiten auf den Blättern
Lötzen, Steinort und Kruglanken CCLix
Paul Gustaf Kuause: Bericht ülier die Ergebnisse der Aufnahmen
auf Blatt Lötzen CCLXxn
Paul Gustaf Krause: Bericht über die Ergebnisse der Aufnahme
auf Blatt Aweyden CCLXXV
A. Klautzsch: Bericht über die wissenschaftlichen Ergebnisse der Aufnahmen auf den Blättern Lotzen, Gr. Steinort und
Aweyden im Jahre 1898 CCLXXVm
F. Kaunhowen: Wissenschaftliche Ergebnisse der Aufnahme auf
Blatt Gross-Stürlack CCLXXXi
F. -Kaunhowen: Wissenschaftliche Ergebnisse der Aufnahme von
Blatt Rosengarten CCLXXXV
4. Personal -Verhältnisse CCXCiii
II.
Abliandlnngen von Mitarbeitern der Königl. geologischen Landesanstalt.
Seite
Die TertiärablageruDgen im Reinhardswalde bei Cassel. Von Herrn Otto
VON Linstow in Berlin. (Tafel I.) 1
lieber einige Aufnahme- und Tiefbohr-Ergebnisse in der Danziger Gegend.
Von Herrn 0. Zeise in Berlin 24
Heber das Vorkommen von Glacialschrammen auf den Culmbildungen des Magdeburgischen bei Hundisburg. Von Herrn F. Wahnschaffe in
Berlin. (Tafel IV.) 52
Heber Thalbildungen in der Gegend von Posen. Von Herrn G. M.aas in
Berlin GG
Die Stillstandslagen des letzten Inlandeises und die hydrographische Ent- wickelung des pommerschen Küstengebietes. Von Herrn K. Keilhacic in Berlin. (Tafel VH — XX und ein besonders erscheinender Atlas) 90 Heber Kreidefossilien von der Insel Sachalin. Von Herrn R. Michael in
Berlin. (Tafel V u. VI.) 153
Bericht über eine Begehung der neugebauten Eisenbahnstrecken Corbetha- Deuben und Naumburg - Deuben , mit besonderer Rücksicht auf das Diluvium. Von Herrn E. Zimmermann in Berlin 165
Abliaiulhmgeii von ansserbalb der Königl. geologischen Landesanstalt stellenden Personen.
Das Hntercarbon von Magdeburg-Neustadt und seine Fauna. Von Herrn
W. WoLTERSTORFF in Magdeburg. (Tafel II u. Hl.) 3
Tektonische Störungen der triadischen Schichten bei Eckartsberga, Sulza
und Camburg. Von Herrn E. Schütze in Jena. (Tafel XXI — XXIV.) G5
Sach-Register 99
Orts-Register 114
Druckfehler und Berichtigungen 137
a
I.
Mittheilungen aus der Anstalt.
*1»
!
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«•
ii
• ?
1.
Bericht über die Tliätigkeit der Königlichen geologischen Landesanstalt ini Jahre 1898.
I. Die Aufnahmen im Gebirgslande.
Im Oberharz wurde von dem Landesgeoloo[en Professor Dr. i. Der iiaiz. Koch in Gemeinschaft mit dem Bezirkssreoloo^en Dr. Beushausen die Revision und theilweise Neukartirung des Antheils von Blatt Riefensbeek (G. A. 56; is) östlich des Bruchberg- Ackers aus- geführt und damit das genannte Blatt zum Abschluss gebracht.
Der erstere nahm ausserdem Revisionsbegehungen in den bereits früher kartirten Gebieten dieses Blattes westlich vom Bruchberg- Acker sowie im südöstlichen Theil des Blattes Osterode (G. A.
55; is) vor.
Im Mittelharz setzte Landesgeologe Professor Dr. Kooii die Untersuchungen über Verbreitung der Silurablagerungen und der Wissenbacher Schiefer im Bereiche des Blattes Wernigerode fort (G. A. 56; 9).
Bezirksiieolowe Dr. Beushausen setzte nach Abschluss der Arbeiten in Blatt Riefensbeek die Aufnahme des Blattes St. An- dreasberg (G. A. 56 ; u) auf der neuen topographischen Grund- lage fort und kartirte speciell die Tanner Grauwacke im SO. des Blattes. Ausserdem wurden von ihm einige Controlbegehungen
*) Gnidabtheiluiig 56, Blatt 13.
VIII
innerhalb des Blattes Zellerfeld und des nördlich anstossendetl Blattes Goslar ausgeführt (G. A. 56; 7, i).
Professor Dr. Klockmann beendete die Aufnahme und Re- vision der ihm übertragenen Autheile der Blätter Seesen, Osterode, Zellerfeld und Riefensbeek (G. A. 55; 12, 18. 56; 7, is), in dem Blatte Osterode unter Hülfeleistung des Hülfsgeologen Dr. Zeise bei der Aufnahme des Zechsteins und des Diluviums. Die ge- nannten 4 Blätter sind nunmehr zum Abschluss gelangt. Nördlich des Harzes beendete Professor Dr. Ebert seine Arbeiten inner- halb der Blätter Vienenburg und Osterwiek (G. A. 56; 2, :i).
Westlich des Harzes beendete Geheimer Bergrath Professor Dr. VON Koenen die Aufnahme der Blätter Dransfeld und Jühnde (G. A. 55; 27, 33), brachte Blatt Alfeld (G. A. 55; .3) dem Abschluss nahe und setzte die Aufnahme in den Blättern Elze, Hildesheim, Salzhemmendorf, Gronau, Sibesse, Bockenem (G. A. 41; 5i, 52, 56, .57, 58, 59), Eschershausen, Lamspringe, Dassel, Lauenburg und Hardegsen (G. A. 55; 2, 5, 9, 15, 20) fort.
Von dem Bezirksgeologen Dr. Müller wurde auf Blatt Drans- feld (G. A. 55; 27) eine Reihe von Tertiärpunkten gegen Diluvium und Trias abgegrenzt.
2. Thiiiiiigen. Professor Dr. Scheibe führte die zur Abfassung der Erläute- rung des Blattes Brotterode (G. A. 70; 7) nothwendigen Begehungen bis auf eine kurze Schlussrevisiou zu Ende.
Bezirksgeoloee Dr. Zimmermann beendete die Aufnahme der Blätter Lehesten, Lobenstein und Hirschberg in SO. -Thüringen, letztere beiden einschliesslich der über die südliche Blattgrcnze hin- ausreichenden Gebietstheile (G. A. 71; 31, 32, 3.3).
Derselbe führte eine Begehung der Eisenbahnlinien Corbetha- Deuben und Deuben-Naumburg aus.
Bergrath Frantzen führte die Aufnahme des Blattes Terffurt (G. A. 55; 54) bis auf einen kleinen bei Klein-Töpfer und Wan- fried liegenden Theil zu Ende.
3. Provinz Professor Dr. Beyschlag brachte die Aufnahme des Blattes
Hessen Nassau, ^ zeitweiliger H ülfeleistung des Plülfsgeologen
Dr. Zeise zum Abschluss.
ix
Die Aufnahme des aus den Blättern Wilhelmshöhe, Cassel, Besse und Kaufungen zusammengesetzten Gebietes ist damit be- endet.
Bezirksgeologe Dr. Denckmann beendete im Kellerwald-Gebiete die Aufnahme des Blattes Gilserberg und führte die des Blattes Frankenau unter zeitweiliger Hülfeleistung des Hülfsgeologen Dr. VON LinstoW dem Abschlüsse nahe (G. A. 68; 6. 54; 58).
Major VON Seyfried arbeitete im Gebiet des Blattes Schlüchtern (G. A. 69; .88).
Professor Dr. Holzapfel brachte die Blätter St.-Goarshausen, Algenroth und Caub zum Abschluss bis auf eine Revision der Diluvial- und Alluvialbildungen (G. A. 67 ; 5i, 52, 57).
Professor Dr. Kayser brachte zunächst die Kartirung des Blattes Dillenburg zum Abschluss, unterwarf sodann die silurischen Bildungen des Blattes Oberscheld nebst ihrer Umgebung einer völlig neuen Aufnahme und ging schliesslich dazu über, dieselbe Arbeit auch für das Blatt Ballersbach auszuführen (G. A. 67 ; 18.
68; 13, 19).
Landesgeologe Grebe beendete die Aufnahme des Blattes St.-Vith und führte die des Blattes Recht dem Abschluss nahe. Die Aufnahme des Blattes Malmedy wurde begonnen (G. A. 65 ; 47, 41, 35).
Bezirksgeologe Dr. Leppla stellte die Blätter Wittlich, Bern- kastel, Sohren, Neumagen, Morbach und Hottenbach druckfertig her (G. A. 80; 4, 5, 6, 10, 11, 12).
Landesgeologe Dr. Loretz führte die Kartirung der Blätter Iserlohn (G. A. 53; 39), Hagen (G. A. 53; .37), Schwerte (Hörde) (G. A. 53; 32) und Menden (G. A. 53; 33) weiter, wobei auf den beiden erstgenannten Blättern , sowie auf dem bereits früher kar- tirten Blatte Hohenlimburg (G. A. 53; 38) in dem bislang unge- gliederten Lenneschiefer eine Eintheilung in zwei Stufen (sowie einige weitere Unterscheidungen) durchgeführt wurden.
Derselbe setzte seine vergleichenden Begehungen im angren- zenden mitteldevonischen Gebirgslande fort.
Landesgeologe Dr. Dathe nahm zum Zwecke der Festlegung eines neuen Schutzbezirkes für die Landecker Mineralquellen das
4. Rlieili- liroviiiz.
5. Provinz Westfalen.
6. Provinz Schlesien.
X
7. Provinz Hannover.
8. Provinz ramlenburg.
Blatt Landeck (G. A. 76; 40) fast vollständig, von Blatt Wilhelms- thal (G. A. 76; 46) die nordwestlichste Ecke und von den Blättern Wölfelsdorf und Ullersdorf (G. A. 76; 39,45) die an die beiden vorigen anstossenden östlichen Grenzstriche auf.
Ferner wurde der 1200 Meter lange Querschlag in der 3. Tief- bausohle von der Fuchsgrube in Weissstein geologisch profilirt.
II. Die Aufnahmen im Flachlande.
Landesgeologe Dr. Schroeder bewirkte die Aufnahme des Messtischblattes Stade und ging nach Fertigstellung desselben auf Blatt Hagen über (G. A. 24; 19, 25). Zugleich führte er den neu eingetretenen Dr. Monke in die Arbeiten ein und kartirte mit demselben gemeinschaftlich den linkselbischen Theil des Blattes Uetersen (G. A. 24; 20).
Dr. Monke begann nach der Aufnahme der SW. -Ecke des Blattes Uetersen unter Leitung des Landesgeologen Dr. Schroeder die Bearbeitung des Blattes Horneburg (G. A. 24; 26) und stellte dasselbe in seinem linkselbischen Theile fertig.
Bezirksgeologe Dr. Müller begann die Kartirung der Blätter Lüneburg und Lauenburg (G. A. 25; 43, 3s) und brachte die des ersteren dem Abschlüsse nahe. Daneben führte er den neu ein- getretenen Dr. Koert in die Arbeiten ein.
Dr. Koert führte unter Leitung des Bezirksgeologen Dr. Müller die Aufnahme des Blattes Artlenburg (G. A. 25; 37) ans und brachte dieselbe dem Abschlüsse nahe.
Landesgeologe Professor Dr. Wahnschaffe führte von seinem bei Lenzen a/Elbe belegenen Arbeitsgebiet die Aufnahme des Blattes Schilde (G. A. 26; 57) aus und begann die Aufnahme des Blattes Perleberg (G. A. 26; 58), zugleich führte er den neu ein- getretenen Dr. Weissermel in die Arbeiten ein.
Dr. Weissermel begann und beendete unter Leitung des Landesgeologen Professor Dr. Wahnschaffe die Bearbeitung des Blattes Schnackenburg (G. A. 26; 56).
Landesgeologe Dr. Scfiroeder brachte unter gleichzeitiger Einführung des neu eingetretenen Dr. Monke in die Arbeiten das Blatt Soldin zum Abschluss (G. A. 46; 4).
XI
Hülfsgeologe Dr. Krusch setzte die Aufnahme des Blattes Wartenberg fort und ging nach Fertigstellung desselben auf Blatt Kosenthal über, von welchem die Südhälfte nahezu beendet wurde (G. A. 46; 8, 9).
Hülfsgeologe Dr. Michael begann und vollendete die Auf- nabme des Blattes Lippehne und ging sodann auf Blatt Schönow über, welches zur Hälfte kartirt wurde (G. A. 29; 58, 59). Ausser- dem untersuchte derselbe die Einschnitte der Bahnlinien Pyritz- Klein- Schönfeld , Pyritz-Prillwitz und Pyritz- Jaedickendorf (bis Kerkow).
Hülfsgeologe Dr. Schulte begann und vollendete die Auf- nahme des Blattes Staffelde (G. A. 46; lo).
Dr. Korn stellte zunächst das im Vorjahre begonnene Blatt Vietz in seiner Niederungshälfte fertig und ging sodann auf Blatt Massiu über, das zu fertiggestellt wurde (G. A. 46; 16, 22).
Kulturtechniker Dr. Wölfer brachte die Aufnahme des Blattes Tamsel zum Abschluss (G. A. 46; 21) und führte eine Schlussbe- gehung seiner aus 6 Blättern bestehenden früheren Aufnahmen (G. A. 46; i.s/i5, 19/21).
Geheimer Bergrath Professor Dr. Berendt führte in der durch Kevisionsreisen nicht in Anspruch genommenen Zeit die Aufnahme der zum Colberger Kreis gehörigen O. -Hälfte des Blattes Langen- hagen aus, welches damit abgeschlossen wurde (G. A. 1.3; 49).
Landesgeologe Dr. Keilhack bearbeitete die zum Greifen- berger Kreise gehörigen W. -Hälften der Blätter Langenhagen und Gützlafshagen (G. A. 13; 49, 55) sowie das Blatt Gr.-Sabow und brachte auch das Blatt Moratz durch Bearbeitung der nördlichen 2/3 zum Abschluss (G. A. 29; IG, is).
Hülfsgeologe Dr. Schmidt führte die Aufnahme des Blattes Gülzow zu Ende und begann und beendete darauf diejenige des Blattes Zickerke (G. A. 29; 10, 17).
Hülfsgeologe Dr. Kühn beendete die Aufnahme des Blattes Schocken, stellte durch eine Schlussbegehung Blatt Murowana- Goslin fertig (G. A. 48; 23, 29) und ging sodann in das Danziger Arbeitsgebiet über.
9. Provinz Pominern.
10. Provinz Posen.
11. Provinz iVestprenssen.
12. Provinz Ost])venssen.
xti
Professor Dr. Jentzsch stellte die Blätter Nickelswalde (G. A. 16; 4o) und Linowo, letzteres bis auf eine Ecke im NW. fertig und begann die Aufnahme der Blätter Schwetz und Sartowitz (G. A. 33; 31, 32, 35). Derselbe beging die geologischen Aufschlüsse der Hatfuferbahn Elbing-Frauenburg-Braunsberg.
Professor Dr. Grüner beendete die Aufnahme des Blattes Gollub und begann diejenige des Blattes Bahrendorf (G. A. 33;
53, 47).
Hülfsgeologe Dr. Zeise vollendete die Aufnahme des Blattes Danzig (G. A. 16; 38).
Hülfsgeologe Dr. Kühn begann und vollendete nach Abschluss seiner Arbeiten im Posen’schen die Aufnahme des Niederungsblattes Käsemark (G. A. 16; 46).
Dr. Wolfe führte die Aufnahme des Blattes Trutenau aus (G. A. 16; 45) und begann nach einer Revision des Blattes Praust sodann die Aufnahme der S. -Hälfte von Blatt Carthaus (G. A. 15; 42).
Hülfsgeologe Dr. Maas begann und beendete im Anschluss an Blatt Tuchei (G. A. 32; 28), in welchem eine Schlussbegehung vorgenommen wurde, die Aufnahme der Blätter Klonowo und Wodziwoda (G. A. 32; 34, 22).
Professor Dr. Klebs setzte die Aufnahmen im Kreise Sensburg fort und unternahm Revisionsbegehungen in den Blättern des Kreises Orteisburg.
Dr. Klautzsch wurde zunächst durch den Hülfsgeologen Dr. Gagel in die Aufnahmearbeit eingeführt und kartirte sodann unter Leitung des Professors Dr. Klebs einen Theil des Blattes Aweyden (G. A. 35; is).
Dr. Krause kartirte ebenso, nach Einführung in die Auf- nahmearbeit durch den Hülfsgeologen Dr. Gagel, unter Leitung des Professors Dr. Klebs einen weiteren Theil des Blattes Aweyden (G. A. 35; 18).
Hülfsgeologe Dr. Gagel nahm zunächst die Aufnah'mearbeiten auf Blatt Lötzen in Angriff, das mit Hülfe von Dr. Krause und Dr. Klautzsch fertig; gestellt wurde, begann sodann die Aufnahme
O 7 0
XIII
von Blatt Kruglanken, welches bis auf das Nordöstliche Viertel ebenfalls fertig gestellt wurde und nahm endlich noch einzelne Theile von Blatt Steinort auf (G. A. 19; 57, 58, 5i).
Hülfsgeologe Dr. Kaünhovrn brachte Blatt Rosengarten in der Aufnahme zum Abschluss und setzte die Arbeiten sodann auf Blatt Gross-Stuerlack fort, von welchem ^4 fertig gestellt wurde (G. A. 19; 50, 56).
Im Lauf des Jahres sind zur Publication y;elano:t:
o
A. Karten:
1. Lief. LXVII, enthaltend die Blätter Kreckow,
Stettin, Gr.-Christinenberg, Colbitzow, Pode-
juch und Alt- Damm 6 Blätter.
2. Lief. LXXVI, enthaltend die Blätter Wol- degk, Fahrenholz, Polssen, Passow, Cunow,
Greiffenberg, Augermünde und Schwedt . 8 »
3. Lief. LXXXV, enthaltend die Blätter Nieder- zehreu, Freistadt, Lessen und Schwellten . 4 »
zusammen 18 Blätter.
Es waren piiblicirt 416 »
Mithin sind im Ganzen publicirt . . . 434 Blätter.
Was den Stand der noch nicht publicirten Karteuarbeiten betrifft, so ist derselbe gegenwärtig folgender:
1. In der lithographischen Ausführung sind nahezu beendet:
Lief. LXIV, Gegend von Ilmenau . . 6 Blätter.
Lief. LXIX, Gegend von Kyritz ... 6 »
Lief. LXXIX, Gegend von Berukastel . 6 »
Lief. LXXX, Gegend von Oderberg . . 6 »
Lief. LXXXVl, Gegend von Garusee . 4 »
Lief. XCI , Gegend von Einbeck und
«Jühnde 4 »
Stand der Pablicationen.
zusammen 32 Blätter.
XIV
2. lu der lithographischen Ausführung begriffen
sind:
Lief. LII, Cfegend von Halle a/S. ... 7 Blätter.
Lief. LXXXI, Gegend von Freienwalde 5 »
Lief. LXXXIV, Gegend von Orteisburg 6 »
Lief. LXXXVII, Gegend von Gaudenitz 3 »
Lief. XC, Gegend von Neuiuark ... 5 » .
Lief XCII, Gegend von Cassel ... 4 »
Lief. XCin, Gegend von Pölitz ... 6 »
Lief. XCV, Gegend von Neudainrn . . 6 »
Lief. XCVIII, Gegend von Willen berg . 6 »
zusauuuen 1. u. 2. 80 Blätter.
3. lu der geologischen Aufnahme fertig, jedoch
noch nicht zur Publicatiou in Lieferungen
abgeschlossen 127 »
4. In der geologischen Bearbeitung begriffen . 179 »
Es sind mithin einschliesslich der publicirteu Blätter in der Anzahl von 4.34 »
im Ganzen 820 Blätter
zur Untersuchung gelangt.
B. Abhandlungen.
Neue Folge. Heft 25. G. Müller, Die Mollusken des Unter-
Senon von Brauuschweig und Ilsede.
Ausserdem sind noch folgende Abhandlungen im Druck und in der Lithographie befindlich:
1. Neue Folge. Heft 9. Beyschlag und Potonie, Ueber das
ßothliegende des Thüringer Waldes. Theil I : Zur Geologie des Thüringer
O Ö
Rothliegenden von F. Beyschlag.
2. Neue Folge. Heft 10. von Fritsch und Beyschlag, Das
jüngere Steiukohlengebirge und das Rothliegende in der Provinz Sachsen
u. s. w.
XV
3. Neue Fol^e. lieft 18. H. Schröder, Die Säiisfethierfaima des
Mosbacher Sandes.
4. Neue Folge. Heft 24. A. von Koenen, Die Mollusken des
Norddeutschen Neoconi.
5. Neue Folge. Heft 25. A. Leppla, Geologisch-hydrographische
Beschreibung des Niederschlao;s - Ge- bietes der Glatzer Neisse, oberhalb der Steine-Münduug.
Nach dein Berichte für das Jahr 1897 betrug die Gesainint- zahl der iin Handel debitirten Kartenblätter . . 38021 Blätter.
Im Jahre 1897 wurden verkauft:
|
von |
Lief. I, Ge |
gend |
von |
Nordhausen |
39 Bl. |
|
|
» |
>> H, |
» |
» |
Jena .... |
18 |
» |
|
» |
» HI, |
» |
Bleicherode |
27 |
» |
|
|
» |
» IV, |
» |
» , |
Erfurt |
9 |
» |
|
» |
» V, |
» |
» |
Petersberg . |
9 |
» |
|
» |
» VI, |
» |
» |
Saarbrücken |
||
|
I. Theil . . |
15 |
» |
||||
|
» |
» VII, |
» |
» |
Saarbrücken |
||
|
II. Theil . . |
40 |
» |
||||
|
» |
» VIII, |
» |
» |
Kiechelsdorf |
48 |
» |
|
» |
» IX, |
» |
des KyfFhäusers |
38 |
» |
|
|
» |
» X, |
» |
von |
Saarburg |
9 |
» |
|
» |
» XI, |
» |
» |
Nauen |
44 |
» |
|
» |
» XII, |
» |
» |
Naumburg a. S. |
35 |
» |
|
» |
» XIII, |
» |
» |
Gera .... |
27 |
» |
|
» |
» XIV, |
» |
» |
Berlin NW. |
30 |
» |
|
» |
» XV, |
» |
» |
Wiesbaden . |
44 |
» |
|
» |
» XVI, |
» |
» |
Mausfeld |
29 |
» |
|
» |
» XVII, |
» |
» |
Triptis |
14 |
» |
|
» |
» XVIII, |
» |
» |
Eislebeu . |
47 |
» |
|
» |
» XIX, |
» |
» |
Querfurt |
42 |
» |
|
» |
» XX, |
» |
» |
Berlin S. |
45 |
» |
608 Blätter.
Debit der rubHcationen.
Latus 38629 Blätter.
XVI
Transport 38629 Blätter.
|
von |
Lief. XXI, Geg. |
von |
Frankfurt a. M. |
15 |
Bl. |
|
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» |
» |
XXII, |
» |
Berlin SW. |
45 |
» |
|
» |
» |
XXIII, » |
» |
Erinschwerdt . |
48 |
» |
|
» |
» |
XXIV, |
» |
Tennstedt |
8 |
» |
|
» |
» |
XXV, , » |
» |
Mühlhausen |
4 |
» |
|
» |
» |
XXVI, |
» |
Berlin SO. . |
37 |
» |
|
» |
» |
XXVII, » |
» |
Lauterberg a. H. |
35 |
» |
|
» |
» |
XXVIII, » |
Rudolstadt . |
10 |
» |
|
|
» |
» |
XXIX, » |
» |
Berlin NO. . |
46 |
» |
|
» |
» |
XXX, » |
» |
Eisfeld in Thür. |
23 |
» |
|
» |
» |
XXXI, » |
» |
Limburg |
48 |
» |
|
» |
» |
XXXII, » |
» |
Gardelegen . |
24 |
» |
|
» |
» |
XXXIII, » |
» |
Schillingen . |
20 |
» |
|
» |
» |
XXXIV, » |
» |
Nassenheide |
26 |
» |
|
» |
» |
XXXV, » |
» |
Rathenow |
64 |
» |
|
» |
» |
XXXVI, » |
» |
Uersfeld . |
40 |
» |
|
» |
» |
XXXVII, » |
» |
Meiningen . |
25 |
» |
|
» |
» |
XXXVIII, » |
» |
Stendal . |
24 |
» |
|
» |
» |
XXXIX, » |
» |
Gotha |
13 |
» |
|
» |
» |
XL, |
» |
Saalfeld i. Thür. |
31 |
» |
|
» |
» |
XLI, » |
» |
Selters |
69 |
» |
|
» |
» |
XLIl, » |
» |
Tangerniünde |
23 |
» |
|
» |
» |
XLI II, » |
» |
Marienwerder . |
30 |
» |
|
» |
» |
XLIV, » |
» |
Ems .... |
57 |
» |
|
» |
» |
XLV, » |
» |
Melsungen . |
22 |
» |
|
» |
» |
XLVl, » |
» |
Birkenfeld . |
21 |
» |
|
» |
» |
XLVIl, » |
» |
Heilsberg |
30 |
» |
|
» |
» |
XLVIII, |
» |
Burg .... |
24 |
» |
|
» |
» |
XLIX, » |
» |
Bieber |
47 |
» |
|
» |
» |
L, » |
» |
Trier .... |
15 |
» |
|
» |
» |
LI, |
» |
Oberweiss |
13 |
» |
|
» |
» |
LI II, |
» |
Eberswalde . |
42 |
» |
|
» |
» |
LIV, |
» |
Brandenburg a/H. |
41 |
» |
1 020 Blätter.
Latus 39 649 Blätter.
XVII
Transport 39649 Blätter.
|
von |
Lief. LV, Geg. |
von |
Scbwarzbnrg |
19 Bl. |
|||
|
» |
» |
LVI, |
» |
» |
Hildburghauseu |
16 |
» |
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» |
» |
LVII, |
» |
» |
Greiz .... |
21 |
» |
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» |
» |
LVIII, |
» |
» |
Templin . |
35 |
» |
|
» |
» |
LIX, |
» |
» |
Neustettiu |
41 |
» |
|
» |
» |
LX, |
» |
» |
Heldburg |
7 |
» |
|
» |
» |
LXI, |
» |
» |
Barteustein . |
50 |
» |
|
» |
» |
LXII, |
» |
» |
Göttingeu |
46 |
» |
|
» |
» |
LXIII, |
» |
» |
Oberstein |
135 |
» |
|
» |
» |
LXV, |
» |
» |
Riesenbnrg . |
16 |
» |
|
» |
» |
LXVI, |
» |
» |
Prenzlau . |
155 |
» |
|
» |
» |
LXVIII, |
» |
» |
Wilsnack |
27 |
» |
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» |
» |
LXXI, |
» |
» |
Nörten |
45 |
» |
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» |
» |
LXXII, |
» |
» |
Coburg |
2 |
» |
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» |
» |
LXXIII, |
» |
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Müncheberg |
19 |
» |
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» |
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LXXIV, |
» |
■ » |
Bn blitz |
37 |
» |
|
» |
» |
LXXV, |
» |
» |
Rössel |
62 |
» |
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» |
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LXXXII, |
» |
» |
Schlawe . |
46 |
» |
|
» |
» |
LXXXIII, |
» |
» |
Rügeuwalde |
26 |
» |
|
» |
» |
LXXXV, |
» |
» |
F reystadt |
114 |
» |
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» |
» |
LXXXVIII |
» |
» |
Posen .... |
188 |
» |
|
» |
» |
LXXXIX |
» |
» |
Greifenbagen |
107 |
» |
1214 Blätter,
so dass iin Ganzen clurcli den Verkant debltirt sind: 40863 Blätter.
Von den Abhandlungen zur geologischen Specialkarte etc. sind verkauft worden:
|
Band I, |
Heft 1. (Eck, Rüdersdorf und Umgegend) |
4 Exemp |
|
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» » |
» 4. (Meyn, Insel Sylt) |
2 |
|
|
» II, |
» 2. (Orth, Rüdersdorf und Umgegend) |
1 |
» |
|
» », |
» 3. (Berendt, Der Nordwesten Berlins) |
4 |
» |
|
» III, |
, » 2. (Läufer u. Wahnsciiaffe, Boden- |
||
|
Untersucliuugeu) |
3 |
» |
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|
» » |
» 4. (Schütze, Niederschles. Steinkohlen- |
||
|
becken) |
2 |
» |
|
|
Jahrbuch 1898. |
b |
XVIII
Band IV, Heft 1. » » » 2 . » » » 4 .
» V, » 1.
» » » 3.
» » » 4 .
» VII, » 1.
» >> » 2.
» VIII, » 1.
(Schlüter, Echiniden) . . . .
(Koch, Homalonotus-Arteu) (Speyer, Bivalveu des Casseler Ter- tiär)
(Roemer, Die geologischen Verhält- nisse von Ilildesheim) . . . . (Läufer, Die Werder’schen Wein- berge)
(Liebe, üstthüriugen)
(Wahnschaffe , Umgegend von
Magdeburg)
(Berendt, Märkisch-Poininersches
Tertiär)
(Berendt und Dames, Uebersichts- karte von Berlin und Um2:ebunp'
O ö
1 : 100000)
» X, » 1 — 7. (von Koenen, Unter-Oligocän)
Neue Folge. » »
» »
» »
» »
» »
» »
» »
» »
» »
Heft 2. (Sterzel, Sigillarieu) .
» 3. (Beissel, Aachener Kreide)
» 7. (Uthemann, Braunkohlen -
Lagerstätten am Meissner) » 9. (Theil II. POTONIE, Flora des
Rothliegenden von Thü- ringen)
» 11. (Wölfer, Greolog. Special- karte u. Bodeneinschätzung) » 12. (Bücking, Der nordwestliche
Spessart)
» 13. (Dathe, Umgegend von Salz- brunn)
» 14. (Keilhack, Zusammenstel- lung von geolog. Schriften) » 16. (Holzapfel, Mitteldevon im rheinischen Gebirge)
» 17. (Beushausen, Lamellibrau- chiaten)
1 Exempl. 1 »
1 »
2 »
1 »
5 »
2 »
5 »
3 »
1 Exempl. 1 »
2 »
2 »
6 »
6 »
3 »
2 »
2 »
XIX
Neue Folge. Heft 19. » » » 20.
» » » 21.
» » »22.
» » » 25.
» » » 2(J.
» » » 27.
» » » 28.
(Ebert, Tiefbohrungen ln Oberschlesien) . . . .
(Wahnschaffe, Uniiieffend
von Buckow)
(POTONIE, Floristische Glie- derung des deutschen Car- bon und Perm) . . . . (Dathe, Das schlesisch-sude- tische Erdbeben) .... (Müller, Molluskenfauna von Braunschweig und Ilsede) (Keilhack und Michael, Geologisches Literatur- Ver- zeichniss)
(Wagner, Muschelkalk von Jena) .......
(Berendt, Der tiefere Unter- grund Berlins) . . . .
Von den Jahrbüchern der geologischen Landes- anstalt und Bergakademie wurden verkauft
5 Exempl. 10 »
17 »
1 »
40 »
24 »
6 »
1 »
6 »
Von den sonstigen Karten und Schriften wurden verkauft:
Höhenschichtenkarte des Harzgebirges 2 Exempl.
Geologische Uebersichtskarte des Harzgeblrges . . 10 »
Weiss, Flora der Steinkohlenformation 34 »
Lossen und Dames, Karte der Umgegend von Thale 12 »
Geologische Karte der Stadt Berlin 19 »
Höhenschichtenkarte des Thüringer Waldes ... 5 »
Geologische Uebersichtskarte des Thüringer Waldes 31 »
XX
2.
Arbeitsplan
der Köiiigliclien geologischen Landesanstalt für das Jahr 1899.
I. Die Aufnahmen im Gebirgslande.
I. Der Harz und seine Umgebung.
Landesgeologe Professor Dr. Koch und Bezirksgeologe Dr. Beushausex werden die Aufnahme der Blätter Wernigerode, Derenburg, Braunlage, Elbingerode und Blankenburg (G. A. 56; 9, 10, 14, 15, 16) D weiterführen.
Dieselben werden ausserdem einige zur Druckfertigstellung der im Vorjahre in der Aufnahme vollendeten Blätter Seesen, Zellerfeld, Osterode und Riefensbeek erforderliche Begehungen vornehmen.
Professor Dr. Klockmann wird den zum Flarze gehörenden Theil des Blattes Hahausen (G. A. 55; g) bearbeiten.
Westlich des Harzes wird Geheimer Bergrath Professor Dr. VON Koenen die Aufnahme der Blätter Salzhemmendorf, Gronau, Sibesse, Bockenem (G. A. 42; 56, 57, 58, 59), Alfeld, Lamspringe, Dassel, Lauenburg und Hardegsen (G. A. 55 ; 3, 5, 9, 15, 21) weiter- führen, in den Blättern Dassel und Lauenburg unter zeitweiliger Mithülfe des Hülfsgeologen Dr. Schmidt.
b Gradabtheilung 5G, Blatt 9, 10, 14, 15, 16.
XXI
2. Thüringen.
Professor Dr. Scheibe wird die zur Druckfertigstellung des iin Vorjahre fertiggestellten Blattes Brotterode erforderlichen Schluss- begehungen ausführen (G. A. 70; 7).
Plülfsgeologe Dr. Zeise wird die Arbeiten zur Beendigung der in einzelnen Theilen bereits untersuchten Blätter Berlingerode, Heiligenstadt, Dingelstedt, Kella und Lengenfeld beginnen (G. A. 55; S6, 41, 42, 47, 48).
Bergrath Frantzen wird die Aufnahme der Blätter Treffurt und Langula zum Abschluss bringen (G. A. 55; 54. 56 ; 49).
Privatdocent Dr. Steuer wird die Aufnahme der Blätter Mölsen, Zeitz und Meuselwitz beginnen (G. A. 57; 53, 59, 6o).
Bezirkscfeolofie Dr. Zimmeemann wird die Aufnahme der Blätter Mielesdorf, Schönbach und Gefell ausführen (G. A. 71; 28, 29, 34). Derselbe wird die Staatsdomäne Querfurt geologisch-agronomisch untersuchen.
3. Provinz Hessen-Nassau.
a. Regierungsbezirk Cassel.
Bezirksgeologe Dr. Denckmann wird die zum Abschluss der Kellerwaldblätter Frankenau, Kellerwald, Rosenthal und Gilserberg (G. A. 54; 58, 59. 68; 4, 5) erforderlichen Arbeiten unter zeit-
weiliger Flülfeleistung des FliUfsgeologen Dr. von Linstow aus- führen.
Professor Dr. Bücking wird die Aufnahmen in den Blättern Hilders, Sondheim und Ostheim fortsetzen (G. A. 69; 29, 35, se).
Major VON Seyfried wird die Aufnahme des Blattes Schlüchtern weiterführen (G. A. 69; 38).
Professor Dr. Beyschlag wird die geologisch -agronomische Untersuchung der Staatsdomäne Witzenhausen ausführen.
b. Regierungsbezirk Wiesbaden.
Professor Dr. Kay'SER wird die Arbeiten in den Blättern Her- born und Ballersbach (G. A. 67 ; 24. 68; ,19) weiterführen.
XXII
Bezirksgeologe Dr. Leppla wird die Aufnahme der Blätter Pressberg-Büdesheim, Gemünden, Usingen und Homburg in An- grifi’ nehmen und zugleich eine Kevision der geologischen Dar- stellung des Taunus in den bereits herausgegebenen Blättern be- wirken (G. A. 67; 58. 68; 37, 38, 44).
Professor Dr. Holzapfel wird eine Schlussrevision der Blätter St. -Goarshausen, Algenroth und Caub (G. A. 67; 5i, 52, 5?) vor- nehmen und die Aufnahme der Blätter Weilburg und Weilmünster fortsetzen (G. A. 67; 36. 68; 3i).
Professor Dr. Wahnschaffe wird eine geologisch-agronomische Untersuchung in der Gegend von Geisenheim im Interesse des dortigen Obst- und Weinbaues ausführen.
Bezirksgeologe Dr. Leppla wird die Staatsdomänen Mechtilds- häuser Hof bei Wiesbaden und Simmern bei Siininern in der Rhein- provinz geologisch-agronomisch untersuchen.
4. Rheinprovinz.
Landesgeologe Grebe wird die Aufnahme der Blätter Malmedy und Recht beendigen und die der Blätter Elsenborn und Meyerode beginnen (G. A. 65; 35, 43. 36; 42).
Professor Dr. Holzapfel wird die Aufnahmen in der Um- gebung von Aachen weiterführen.
5. Provinz Westfalen.
Landesgeologe Dr. Loretz wird die Aufnahme der Blätter Schwerte, Menden und Iserlohn zum Abschluss bringen und die der Blätter Lüdenscheid und Altena beginnen (G. A. 53; 32, 33, 39, 44, 45).
Professor Dr. Beysci-ilag wird die Aufnahme der Blätter Lichtenau, Willebadessen, Kleinenberg und Peckelsheim in Angrifl' nehmen (G. A. 54; 22, 23, 28, 29).
6. Provinz Schlesien.
Landesgeologe Di-. Dathe wird die Aufnahme der Blätter Rudolfswaldau, Langenbielau, Wünscheiburg und Neurode druck- fertig hersteilen (G. A. 76; i9, 20, 25, 26).
XXIII
II. Die Aufnahmen im Flaclilande
mit besonderer Berücksichtigung der agronomischen
Verhältnisse.
I. Provinz Hannover.
Landesgeologe Dr. Schroeder wird in Gemeinschaft mit dem llülfsgeologen Dr. Monke die Blätter Uetersen und Hagen in der Aufnahme vollenden (G. A. 24; 20, 25) und sodann mit demselben die Arbeiten innerhalb der Blätter Neu-Kloster, Eversdorf, Buxte- hude, Hollenstedt, Harburg und Hittfeld in Angriff nehmen (G. A. 24; 32, 33, 34, 38, 39, 40).
Bezirksgeologe Dr. Müller wird die Aufnahme der Blätter Lauenburg und Lüneburg zu Ende führen (G. A. 25; 38, 43).
Hülfsgeologe Dr. Koert wird unter Leitung des Bezirks- geologen Dr. Müller die Aufnahme des Blattes Artlenburg be- enden und dann die der Blätter Stelle und Winsen beginnen (G. A. 25; 37. 24; 4i, 42).
Zur Aufklärung der Benrtheilung der geologischen Lagerungs- verhältnisse bei Stade und Lüneburg im Anschluss an bekannte Verhältnisse in benachbarten Schleswig -Holstein’schen Gebieten werden Landesgeologe Dr. Schroeder und Bezirksgeologe Dr. Müller Begehungen der Querlinien Uetersen -Neumünster bezw. Lauenburg-Lübeck ausführen.
Vom Bezirksgeologen Dr. Müller wird eine geologisch-agro- nomische Untersuchung der Staatsdomäne Königshorst bewirkt werden.
2. West-Priegnitz.
Landesgeologe Professor Dr. Wahnschaffe wird unter Hülfe- leistung des Hülfsgeologen Dr. Weissermel nach Fertigstellung des Blattes Perleberg (G. A. 26; 58) die Arbeiten nach N. gegen die Mecklenburg’sche Grenze hin in den Blättern Grabow, Balow, Hilsebeck, Gorlosen, Rambo w, Karstedt und Bäk fortsetzen (G. A. 26 ; 44, 45, 46, 49, 60, 51, 52).
XXIV
3. Mark Brandenburg.
Landesgeologe Dr. Keilhack wird die Bearbeitung der Blätter Drossen, Zielenzig, Reppen und Sternberg unter gleichzeitiger Ein- führung des Hülfsgeologen Dr. von Linstow in die Arbeiten in Angriff nehmen (G. A. 46; 34, 35, 40, 4i).
Hülfsgeologe Dr. Schmidt wird nach Beendigung der Arbeiten in den südhanuoverschen Blättern Dassel und Lauenburg dem Landesgeologen Dr. Kbilhack in der Gegend von Reppen Hülfe leisten.
Hülfsgeologe Dr. Michael wird das Blatt Schönow abschliessen und darauf das Blatt Bernstein aufnehmen (G. A. 29 ; 59, 6o).
Hülfsgeologe Dr. Keusch wird die Blätter Schildberg und Rosenthal fertig stellen (G. A. 46; 3, 9) und sodann die Aufnahme der östlich davon liegenden Blätter Karzig, Berlinchen, Gross- Fahlenwerder und Lotzen (G. A. 46; 5, 6, ii, 12) in Angriff nehmen.
Hülfsgeologe Dr. Korn wird nach Abschliessung des Blattes Massin die Aufnahme der vier anschliessenden Blätter Flohenwalde, Landsberg a/W., Költschen und Dechsel (G. A. 46; 16, 17, 18, 23, 24) beginnen.
Hülfsgeologe Dr. Schulte wird die Blätter Ahrenberg, Lychen, Ilimmelpfort und Dannenwalde in ihrem Preussischen Antheile auf- nehmen (G. A. 27 ; 47, 48, 54, 60).
Landesgeologe Dr. Scheoeder wird die Blätter Bärwalde, Fürstenfelde, Neudamm, Quartschen und Tamsel durch eine Schluss- begehung druckfertig stellen (G. A. 46; 13, 14, 15, 20, 21).
Von dem Hülfsgeologen Dr. Gagel wird die Staatsdomäne Alt-Landsberg, von dem Hülfsgeologen Dr. Korn die Staatsdomäne Dürren - Selchow, von dem Landesgeologen Dr. Keilhack die Staatsdomäne Lebus geologisch-agronomisch untersucht werden.
4. Provinz Pommern.
Geheimer Bergrath Professor Dr. Berendt wird in der von Revisionsreisen nicht in Anspruch genommenen Zeit die Aufnahme der Blätter Gützlaffshagen und Gross-Jestin fertig zu stellen suchen (G. A. 13; 55, 56).
XXV
Hülfsgeologe Dr. Schmidt wird die Blätter Dobberpt'uhl und Pribbernow durch eine Schlussrevision druckfertig hersteilen (G. A. 29; 9, 15). Derselbe wird die Staatsdomäne Grenzin geologisch- agronomisch untersuchen.
5. Provinz Westpreussen,
Hülfsgeologe Professor Dr. Jentzsch wird nach Fertigstellung der Blätter Schwetz und Sartowitz die Aufnahme der Blätter Warlubien und Laskowitz in Angriff nehmen (G. A. 3.3; 25, 26, 3i, 32). Derselbe wird die Staatsdomäne Rehden geologisch- agronomisch untersuchen.
Hülfsgeologe Dr. Maas wird die Bearbeitung der Blätter Lindenbusch, Lubiewo und der beiden östlich angrenzenden Blätter Alszanno und Bromke beginnen, wodurch die Verbindung des Auf- nahmegebietes bei Tuchei mit demjenigen an der Weichsel herbei- geführt wird (G. A. 32; 29, ,so, 35, se).
Professor Dr. Grüner wird das Blatt Bahrendorf beenden und die Aufnahme des Grenzblattes Szcwo ausführen (G. A. 33; 47, 58).
Hülfsgeologe Dr. Kühn wird die Bearbeitung der Blätter Quaschin und Zuckau und der nördlichen Hälfte des Blattes Cart- haus in Angriff' nehmen (G. A. 16; 31, 37. 15; 42).
Hülfsgeologe Dr. Wolfe wird nach Fertigstellung der südlichen
00 ö O
Hälfte des Blattes Carthaus die Bearbeitung der Blätter Busch- kau, Schadau und Gross-Trampken beginnen (G. A. 15; 42. 16;
43, 49, 50).
6. Provinz Ostpreussen.
Hülfsgeologe Professor Dr. Klebs wird die Aufnahme des Sensburg-Bischofsburger Gebietes unter Plülfeleistung des Hülfs- geologen Dr. Klautzsch und Dr. Krause weiterführen (G. A. 35 ;
4, 5, 6, 10, 11, 12, 17, 18).
Hülfsgeologe Dr. Gagel wird je nach dem Fortschreiten der topographischen Recognoscirungsarbeiten die Aufnahme der Blätter Angerburg, Gross- Steinort und Kruglanken ausführen (G. A. 19; 45, 51, 58).
XXVI
Hülfsgeologe Dr. Kaunhowen wird ebenso gemäss der Re- cognoscirung die Aufnahme der Blätter Drengfurt und Gross-Stür- lack (G. A. 19; 44, 56) bewirken.
Hülfsgeologe Professor Dr. Klees wird die Staatsdomänen Fischhausen und Heiligenwalde geologisch - agronomisch unter- suchen.
7. Provinz Schlesien.
Hülfsgeologe Dr. AIichael wird die Staatsdomänen Sacrau und Sczepanowit/. bei Oppeln geologisch-agronomisch untersuchen.
Anderweitige Arbeiten.
Von den Landesgeologen Professor Dr. Wahnsohaffe und Dr. Keilhaok und dem Bezirksgeologen Dr. Müller wird ein Kursus zur Einführung von Landwirthschaftslehrern in die Methoden der geologisch-agronomischen Aufnahme abgehalten werden.
XXVII
8.
Mittlieiluiigeii
dei* Mitarbeiter der Königliclieii geologiselieii Laiidesaiistalt über Ergeliiiisse der Aufiiahmeii im
Jahre 1898.
L. Beushausen und M. Koch: Mittheiluugeu über Auf- nahmen auf Blatt Kiefensbeek, im Ablageruugsgebiet des Bruch bergqu arzi ts und der Sieber-Grauwacke.
Die Aufnahmen erstreckten sich auf den Abschnitt des Blattes südöstlich der Kammlinie des Acker-Bruchberges, und zwar wurde von AI. Koch der Antheil desselben nordöstlich einer dem Kl. Kulmke bis zur Alünduug' folsfenden und von dort über den Königsberg nach dem Quarzthal gezogenen Linie, von L. BeüS- iiAUSEN der Theil südwestlich davon kartirt.
Der Kamm des Acker- Bruchberges und dessen beiderseitige Gehänge werden von den verschiedenartigen Gesteinen einge- nommen, welche den Schichten comp lex des sog. Bruch - bergqu arzits zusammensetzen. Auf Grund früherer Unter- suchungen 1) waren innerhalb desselben mehrere Horizonte unter- schieden worden, für deren Abtrennimg hauptsächlich petrogra- phische Gesichtspunkte maassgebend waren:
b M. Koch, Ueber Petrefactenfunde und Zusammensetzung der Quarzit- ablagerungen im Bruckberg- Acker- Gebiet. Dieses Jahrbuch für 1890, S. XXXII.
XXVIII
1. Die an den Verlauf des Kammes gebundene Region des Höhen- oder Kammquarzits (eigentlicher Bruch- bergquarzit), der sich aus klotzigen Bänken hellfarbiger, reiner und feinkörniger Quarzite mit Zwischenlagen milder, schwarzer Thonschiefer oder sandifj-schiefriffer Absätze auf- baut, letztere häutig erfüllt mit schlecht erhaltenen Pflanzen- resten. Ungleichkörnige und conglomeratische Quarzite, ferner Abarten mit deutlichem Gehalt au hellem Glimmer fehlen nicht, treten aber der Masse nach stark zurück.
2. Die Quarzitschichten des Nord westabfalls, die in der unteren Abtheiluug aus hellgrauen, milden, aber grobspal- teuden Thouschiefern mit verhältnissmässig spärlichen Ein- schaltungen feinkörniger Grauwacke, Grauwackenschiefer und verschieden beschafteuer qnarzitischer Gesteine, in der oberen über dem Kieselschiefer-Diabaszug des Breiten- und Allerberges folgenden Abtheilung aus glimmerigen Quarziten, Grauwackeuquarziten mit zurück- tretenden dunklen Thonsehiefermitteln besteht. Die Quar- zite werden im Allgemeinen um so reiner, je grössere Mächtigkeit sie aunehmen. Nach NW. hin grenzen die Schichten der unteren Abtheiluug au die Culmablage- ruusien der Sösemulde und zv/ar zunächst an Kieselschiefer mit Adinole und Eisenkiesel an, von denen sie, wie früher uachgewiesen wurde Q, transgredirend überlagert werden. Im nördlichen Abschnitt des Schichtenbandes, am Wolfs- kopf, Ifeukopf und auch weiterhin am Bruchberge macht sich ein sehr auffälliger Wechsel in der Zusammensetzung geltend, indem sich über die ganze Breite derbe Quarzite eiustellen, welche mit dem Höheuquarzit vollständige Ueber- einstimmuug: zeUeu. Höchst wahrscheinlich werden hier die Schichten des Nordwestabfalls in der That von Höheu- quarzit überlagert, dessen Fehlen im südlicKen Abschnitt auf Abtrawuno; vor Ablagerung des Culm zurückzuführen
h M. Koch, Zusammensetzung und Lagerungsverhältnisse 'der Schichten zwischen Bruchherg- Acker und dem Oberharzer-Diabaszug. Dieses Jahrbuch für 1894, S. 188.
XXIX
ist. Es spricht dafür hauptsächlich der Umstand, dass die Cuhnkieselschiefer au der Nordwestseite der Bruch- bergablageruugen nicht nur auf die Schichten im süd- lichen Abschnitt, sondern auch auf die derben Quarzite übergreifeu.
3. Die quarzitischen Grenzschichten des Südostab- falls, die sich in drei petrographisch vei’schiedeu ent- wickelte Zonen gliedern lassen:
a) eine an den Höhenquarzit sich auschliessende Zone, welche sich von diesem nur dadurch unterscheidet, dass an Stelle der Thonschieferzwischeulagen schwarze Kiesel- schiefer oder Alauuschiefer treten und sich neben Quar- ziten von der Beschafieuheit des Ilöheiiquarzlts auch unreine, dunklere und glasige Quarzite betheiligen.
b) eine mittlere Zone, welche sich aus krummschaligeu oder unregelmässig wulstigen, unreinen und zähen Quarziten und Quarzitschiefern mit Lagen von dunklem meist feingebäuderten Thonschiefer zusammensetzt. Auch hier zeigt sich das Verhalten, dass mit Anwachsen der quarzitischen Gesteiuskörper die Substanz au lieiuheit und Korugrösse zuuimmt.
c) endlich eine aus plattigem, sehr glimmerreichem Quarzit- saudsteiu und rothem oder roth- und ffiimg'ebändertem
o ö
Thonschiefer, stellenweise auch Wetz- und Kieselschiefer, bestehende Gesteiusfolge, mit welcher der Schichten- complex des Bruchbergquarzits nach SO. hin abschliesst.
Ausser diesen mehr oder weniger ausgeprägt quarzitischen Gliedern gehören dem Complex der Bruchberg-Acker- Ablagerungen verschiedene abweichend zusammengesetzte, besonders durch reiche Betheil ijxuuei: vou Diabasen ausa;ezeichnete Gesteinszonen an, die sich in Form langgestreckter Bänder zwischen die quarzitischen Schichten einschiebeu. Es ist hier vor allem der im Ausstrich 300 bis 400 Meter breite, weithin fortsetzeude Diabas-Kieselschiefer- zug zu ueuueu , der sich am Nordwestgehäuge des Acker-Bruch- berges nahe der Grenze des Höhenquarzits in die oben unter No. 2 genannten Schichten einlagert. Am Acker zeigt sich auf der ganzen
XXX
Länge des Bandes vom Scbindelnkopf bis nahe der Clausthal- Andreasberger Chaussee eine sehr gleichhleihende Schichtenfolge, vom Liegenden zum Hangenden: 1. Kieselschiefer mit Adi- nolen, Eisenkiesel und rothe oder roth- und grüngebän- derte Schiefer, in denen zahlreiche Diabaslager meist von geringer Mächtigkeit und Ausdehnung auftreten. 2. Graue oder graugrüne Platteuschiefer, in Folge hohen Glimmer- gehalts von schimmerndem, oft gradezu phyllitischem Glanz. Sie stehen in ihrer Beschalfenheit den Platteuschiefern der Tanner Grauwacke nahe (Mägdesprung u. s. w.), auch dadurch, dass sie zahl- reich Dictyodora und Nemertites-a\'t\gQ Formen enthalten. Durch allmählichen Gesteinswechsel gehen sie mehrorts in Quarzitschiefer (Gr. Ifeuthal, Gr. Oker, Rauhe Schacht u. s. w.) oder dunkle Wetz- nnd Kieselschiefer (Wolfsthal, Rauhe Schacht) über. Au Ein- lagerungen finden sich unreine versteiuerungsleere Kalksteine (Sösebett beiderseits des Gr. Ifenthals, Gr. Oker) und feinkörnige durch grössere Glimmerblättchen ausgezeichnete Grauwacken (Gr. Breitenberg). 3. Kiesel- und Wetz schiefer mit den gleichen Begleitgesteineu , nach oben hin mit einem mächtigen zusammen- hängenden Diabaslager abschliessend.
In der Fortsetzung des Zuges nach NO., am Nordwestabfall des Bruchberoes zeigt sich in Bezug auf seine Zusammensetzung die bemerkenswerthe Abweichung, dass die Gesteine der hangenden Zone (3), Kieselschiefer und Diabas, fehlen. Die Plattenschiefer nehmen hier nach oben hin (Quarzite verschiedener Beschaffenheit auf, die den Üebergaug znm Höheuquarzit vermitteln.
Ein zweiter schmälerer Zug, der in Folge starker Ueber- rollung der Gehänge mit Höhenquarzitschutt nur lückenhaft nach- gewieseu werden konnte, verläuft oberhalb des ersteren an der Grenze zwischen Höhenquarzit und den Schichten des Nordwest- abfalls. Seine Zusammensetzung ist insofern eine abweichende, als Diabase und Kieselschiefer — es sind dunkle oder graue Kiesel- und Wetzschiefer ohne Betheiligung von Adinole — andere Beschaffenheit zeigen und die dort mächtig entwickelten Platten- schiefer hier gänzlich fehlen. An ihrer Stelle finden sich als mittleres Glied des Zuges rothe oder roth und grüne Schiefer
XXXI
mit bank- oder linsenförmigen Einlagerungen sehr glimmerreicher Quarzitsandsteine derselben Art, wie sie an der Südostgrenze der Bruchbera:-Acker-Schichten ebenfalls in Verbindung mit rothem Schiefer auftreten (S. oben 3 c). Durch diese Einlagerungen wie auch sehr viel geringeren Glimmergehalt der Schiefer ist der Unterschied gegenüber den rothen Schiefern des ersten Zuges ge- geben, die wohl Diabase, aber niemals quarzitische Gesteine ent- halten und sich in ihrem reichen Glimmergehalt den rothen Cypri- dinenschiefern der Kieselschieferzüge im Westflügel der Sösemulde an die Seite stellen.
Ausser diesen beiden in ihrer Gliederung auf grössere Er- streckung hin nachgewieseiien Zügen finden sich in dem zwischen- liegendeu Schichtenstreifen gar nicht selten vereinzelte Glieder jener Gesteinsfolgeu, kürzere Diabaslager oder Kieselschieferbänder von geringerer Ausdehnung, bezeichnender Weise jedoch nur diese Glieder, nicht auch Platteuschiefer oder das rothe Schiefersystem mit seinen glimrnerreichen Quarziten. Kieselschiefer und Diabase sind die gleichen wie in dem unteren Zuge.
Was die Beschaffenheit der Diabase aubetrifft — um die petrographische Charakteristik der Bruchberg- Ablagerungen auch nach dieser Richtung hin zu vervollstäudigen — , so fehlen typische divergeutstrahlig- körnige Gesteine, wie sie im Wissen- bacher Schiefer im Mittelharz oder am Oberharzer Grüusteinzug, ferner in den Graptolithenschiefern des Ostharzes verbreitet sind, fast gänzlich. Ebenso wenig wurden porphyrische Varietäten (Labradorphorphyrite), die am Grüusteinzug wie in der Werni- geroder Gegend an die Schiefer des unteren Alitteldevon gebunden sind, beobachtet. Vorwaltend sind es mittel- bis feinkörnige Ge- steine von mehr rein körniger, Gabbro-ähulicher als divergeut- strahliger Structur; die feinkörnigen Varietäten mit ausgeprägter Neigung zu Variolit- Bildung. Sehr schöne Vai’iolite finden sich beispielsweise im Wolfsthal, im Gr. Mollenthal, am Gr. Breiteu- berge u. s. w. Durch diese Ausbildung stehen die Bruchberg- Acker- Diabase den Gesteinen jünger -devonischer Schichten, be- sonders den an der Grenze von Oberdevon und Culm liegenden Diabasen der hangenden Zone am Oberharzer Grüusteinzug sehr
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viel näher als denjenigen der tieferen Horizonte. Eine Ausnahme von dieser Ausbildung machen eigenthümlich entwickelte Diabase aus dem oberen Zuge, welche den anderen Vorkommen gegenüber durch grobes Korn, drüsige Structur und reichliche Zeolith- Bil- dung auffalleu.
Ueber die Altersstellung des Gesammtcomplexes der Acker-Bruchberg-Schichten, ebenso wie über die sti’ati- graphischen Beziehungen der einzelnen vorstehend beschriebeneu Horizonte geben die geologischen Verhältnisse weder am Bruch- berg-Acker selbst noch in dem äquivalenten Quarzitgebiet der Ecker und Bse uöi’dlich des Brockeumassivs hinreichende Auskunft, theils weil es bisher nicht gelungen ist, charakteristische Ver- steinerungen aufzutinden^), theils in Folge der üeberrollung der Gehänge mit Schuttmassen des am Kamme in Klippeuzügen auf- tretenden Höhenquarzits und des damit im Zusammenhänge stehenden Fehlens lückenloser Profile. Zwar konnte durch den Nachweis , dass die Culmschichten der Sösemulde die Quarzite trausgredirend überlagern, dann durch Auffindung des Plaupt- quarzits als selbständiges Glied neben dem Bruchbergquarzit an zahlreichen Punkten der Südostseite die üuhaltbarkeit der ver-
q Die Hoffnungen, welche in dieser Richtung an die letztjährigen Unter- suchungen geknüpft wurden, haben sich leider nicht erfüllt. Ausser meist schlecht erhaltenen Pflanzenresten in den schieferigen Zwischenlagen der Quarzite oder aus Grauwackeneinlagerungen der Plattenschiefer, sind an organischen Resten bisher bekannt: 1. Crinoidenstielglieder aus dem Höhenquarzit; 2. Lingnliden,
Disciniden und Conodonten aus den rothen Schiefern der beiden Kieselschiefer- Diabas- Züge des Nordwestabfalls und aus den ebenfalls rothen Schiefern der Grenzschichten der Südostseite (vergl. dieses Jahrbuch f. 1894, S. 192); 3. Stylio- linen, Tentaculiten und kleine schlecht erhaltene Brachiopoden und Zweischaler {Strophomena minor R., Orthis sp., Cardiomorpha artecostata Maur.) in hellgrauen glimmerigen und siJärlich Kieselgallen führenden Thonschiefei'n an einem neuen Fahrwege südlich der Rauhen Schacht, wenig östlich der Gr. Hölle. Das wenige Schritt breite, bisher alleinstehende Vorkommen gehört dem unteren Kiesel- schieferzuge an und wird beiderseits von Kieselschiefer und Adinole begrenzt. Wahrscheinlich hat man es mit einer eingeklemmten, daher ei'haltenen Trans- gressionsscholle der Wissenbacher Schiefer zu thuu, die ihrerseits von Culm trans- gredirend überlagert wird.
q M. Koch, dieses Jahrbuch für 1890, S. XXXDk
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scliiedenen älteren Auffassungen i) dargethan werden; es gelang ferner auf Grund schon 1892 im Klosterholz bei Ilseuburs: vor- genommener Üntersuchungen den Beweis zu erbringen, dass die fraglichen Ablagerungen älter sein müssen nicht nur als Haupt- quarzit, sondern auch als die bekannten Hercynkalke des Kloster- holzes, älter also als das tiefste im Harz bekannte Unterdevon; welcher Stufe im Liegenden dieser Schichten sie augehören, dar- über Hessen die Ermittelungen hier wie am Bruchberg-Acker je- doch im Stich. Erst die erfolgreichen Untersuchungen A. T3enck- mann’s im Kellerwalde brachten auch für den Harz weitere Klärung der Frage, indem sie den Nachweis lieferten, dass die doitigen dem Bruchberg- bezw. llsenburgquarzit entsprechenden Gesteine dem Obersilur unter den Schichten mit Cardiola inter- rupta augehören. Es sind daher jene Quarzitbildungen des Harzes ebenfalls als silurisch auzusprechen.
Stand es schon seit längerer Zeit fest, dass der Kammquai’zit (Wüstegartenquarzit) im Kellerwalde und im Harze (Höheu- quarzit) äquivalente Bildungen sind Q, so haben in den letzten Jahren mit Herrn Denckmann in beiden Gebieten vorgenom- mene Vergleichsbegehungen weiterhin erwiesen, dass sich die Gleichartigkeit auch auf einen Theil der übrigen unterschiedenen Quarzitstufen ausdehnt. So entspricht das oben unter 3 c be- schriebene rothe Schiefersystem mit Einlagerungen glimmerreicher Sandsteine den im Kellerwald unmittelbar über dem Wüstegarten- quarzit folgenden Ortbergschichten, wenn auch die rothen Schiefer
‘) F. A. Roejier rechnete den ßruchbergcjuarzit zuerst zum Spiriferensand- stein (Palaeontogr. III, 1854, S. 66), später zum Culm (ebenda S. 89); E. Kayser zum Hauptqnai'zit (Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. XXVIl, S. 958); Losskn sah ihn als Vertreter des Hauptcjuarzits und der im Hangenden folgenden Schichten bis zum Stringocephalenkalk an (Zeitschr. d. Deutscli. geol. Ges. XXIX, S. 624); A. Halpar endlich vermuthete in ihm Culin oder Oberdevon (dieses Jahrbuch für 1883, S. XXV).
^) M. Koch, Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. für 1897, S. 18 u. ebenda 1898, S. 26.
=) A. Denckmann, Bericht über Aufnahmen im Sommer 1894. Dieses Jahrb. für 1895, S. XXXII; Silur u. Unterdevon im Kellerwalde, ebenda für 1896, S. 144.
■*) Lossen, Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1877, S. 846.
Jahrbuch 1898.
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nicht die Mächtigkeit besitzen wie im Harz. Da nach A. DenCKMANN über die engen, stratigraphischen Beziehungen der beiden Horizonte kein Zweifel bestehen kann, ist die früher auf Grund petro- graphischer Aehnlichkeit mit Cypridinenschiefern ausgesprochene Vermnthuug t), dass die rothen Schiefer zum Oberdevou gehören, fallen zu lassen, ln Verbindung mit dem Ortbero-jrestein treten am Bruchberg-Acker , sowohl an der Südostgrenze wie in dem Gesteinszuge NW. des Kammes, Kiesel- und Wetzschiefer auf, die sich von den Kieselschieferschichten des unteren Zuges durch das Fehlen von rothen Schiefern und Adinole unterscheiden. Es finden sieh dagegen reichlich graue, fliutartige Kieselschiefer, die an gewisse -Gesteine der sich im Kellefwalde an die Ortbergschichten nach oben hin anschliessenden Rücklingsschiefer erinnern.
Eine weitere Analogie ergiebt sich aus dem Vergleich zwischen den Quarzitschichteu des Nordwestabfalls am Bruchberg- Acker und den im Kellerwald unter dem Kaminquarzit (Wüstegartenquarzit) folgenden Urfer Schichten. Zweifellos gehört ein Theil der ersteren und zwar die obere, zwischen den beiden Kieselschieferzügen lie- gende Abtheilung dieser von A. Denckmann aufgestellten Stufe au, obwohl sich in der Quantität der verschiedenen hierher gehörigen Gesteine und auch in der Sedimentation Unterschiede geltend machen. Damit steht in Uebereinstimmung, das die Plattenschiefer, das mittlere Glied des unteren Kieselschieferzuges (siehe oben S. XXX), wenn man Kieselschiefer und Diabase als nicht vorhanden anuimmt, in die gleiche Lage gelangen wie das tiefste Glied der Urfer Schichten am Kellerwalde, die Brünchenhainer Plattenschiefer. Abgesehen von der in beiden Gebieten gleichen petrographischen Beschaffenheit dieser Schichten spricht auch der mehrorts beob- achtete Uebergaug in quarzitische Gesteine dafür, dass sie nicht jüngeren Alters sind ^), sondern ein Glied in der Reihe der quarzitischeu Ablagerungen darstellen.
*) M. Koch, dieses Jahrbuch für 1894, S. 19'2.
ln der LossEN’schen Uebersichtskarte des Harzes sind die Plattenschiefer nach Angabe v. Gkoddeck’s vvold in Folge ilirer engen Verknüpfung mit Kiesel- schiefern von durchaus culmischem Charakter zu den Posidonienscliietern gestellt worden.
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Vertreter des jüngsten Gliedes der Urfer Stufe, der Scliiffel- borner Schiehteu des Kellerwaldes, sind am Bruchberg- Acker in der entsprechenden Stellung inehrorts beobachtet worden (Rauhe Schacht und Fahrweg südlich der Rauhen Schacht), besitzen aber weder die Verbreitung noch die Mächtigkeit, die ihnen dort zu- konnnen. Die oben unter 3 a erwähnten Schichten des Südostab- falls zeigen zwar z. Tb. ähnliche petrographische Entwicklung, ihr Auftreten zwischen Ortberggestein und Höhenquarzit entspricht iedoch nicht der stratigraphischen Stellung jener Schichten iin Kellerwalde. Nach ihrer Lage sind es ebenso wie die Schichten 3b, die dort ebenfalls nicht entwickelt zu sein scheinen, jüngere Bil- dungen als der Höhenquarzit.
Trotz der nahen Uebereinstirnmung und der vielfachen Ver- gleichspunkte zwischen Bruchberg - Acker und Kellerwald bleiben doch auch Abweichungen bestehen. Ausser den eben erwähnten Schichten fehlen am Kellerwalde die mächtig entwickelten Ablaece- rungen des Nordwestabfalls zwischen dem Culm der Sösemulde und dem unteren Kieselschiefer- Diabaszuge, ferner finden von den Ge- steinen des letzteren Kieselschiefer, rothe Schiefer und Diabase keine Vertretung. Was zunächst die ersteren anbetriflft, so hat man es, da sie im Liegenden der Platteuschiefer auftreten und man von SO. nach NW. in immer ältere Glieder der Bruchberg- Ablagerungen gelangt, höchst wahrscheinlich mit Schichten zu thun, die älter sind als die Urfer, die sich aber ihrer ganzen Entwicklung nach dieser Stufe anschliesseu. Die Stellung; der Kieselschiefer und Diabase kann verschiedener Auffassung unterliegen. Es ist oben schon darauf hingewieseu worden, dass die ersteren nicht sibi- rischen, sondern durch Verknüpfung mit Adinole und Eiseukiesel culmischen Habitus zeigen, die rothen Schiefer den Cypridinen- Schiefern, die Diabase den Gesteinen an der Grenze des Ober- devons zum Culm gleichen. Entweder stellt mau die Gesteine auf Grund ihrer engen Verbindung mit silurischen Platteuschiefern zum Silur und findet sich mit der die petrographische Charakteristik der Sedimente allerdings verwirrenden Thatsache ab, dass sich im Silur local Gesteine einstellen, die wir gewohnt sind in viel jüngeren Schichten auzutrefien, oder man legt Gewicht auf die
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petrographische Ausbildung und zieht sie zum Culm bezw. Ober- devon. Unter Zugrundelegung der letzteren, wohl das Richtige treffenden Auffassung würde sich der Kieselschiefer-Diabaszug nur als ein Rest der von W. her auf die Silurschichten übergreifenden Transgressionsdecke von Culin und Cypridinenschichten darstellen, der seine Erhaltung und seine langgestreckte Form der Ablagerung in einer Abrasionsrinne bezw. der Eiufaltung in die Quarzitschichteu verdankt. Er tritt damit dem durch Quarzitbäuder (-Sattelfalten) vielfach unterbrochenen und in einzelne Züge aufgelösten i), sicher culmischen Kieselschieferbande auf der Nordwestgrenze des Ge- sammtcomplexes der Rruchberg-Ackerschichten an die Seite, mit dem er auch weiter nach N. hin am Nordwestabfall des Bruch- bero-es zusammenzufliessen scheint. Bei Annahme einer local
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verschieden weit ausgreifenden und in die Tiefe gehenden Ab- rasion vor Ablagerung des Culm, würde das Auftreten von silu- rischen Plattenschiefern zwischen den Culnddeselschiefern kaum noch etwas Auffälliges haben. Eine solche Deutung findet ihre Stütze in verschiedenen Erscheinungen, die sonst schwer zu erklären wären; dahin gehört, dass die Plattenschiefer von den fraglichen Schichten nicht nur flankirt, sondern auch in ihrem Zusammen- hänge fpier zum Streichen durch die Gesteine culmischer Be- schaffenheit recht häutig unterbrochen werderr, ferner, dass ein- zelne Kieselschieferbänder oder Diabase gleicher Beschaffenheit auch noch im Hangenden des Zuges, also in jüngeren Schichten als Plattenschiefer scheinbar als Einlagerung Vorkommen ; vor Allem spricht jedoch dafür das Fehlen jener Gesteine auf grosse Erstreckung hin neben den Plattenschiefern (Gr. Ifenthal, Bruch- berg), ferner das Angrenzen derselben im Streichen an verschiedene Glieder der Quarzitablageruugen , theils an Schichten des Nord- westabfälls (südlicher Theil des Ackers), theils an Quarzite von der Entwicklung des Höhenf[uarzits (Wolfskopf, Ifenkopf und Bruch bei’g).
Au den mächtigen Schichtencomplex der Bruchbergquarzite schliesst sich im SO. der längs des ganzen Bergrückens nachge-
’) Vergl. M. Koch, dieses Jalirbucli für 189t, S. 187.
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wiesene geringmächtige Horizont des H anptq uarzits an, der sich durch seine Fauna als oberstes Unterdevon (= obere Coblenz- schichten z. Th ?) erweist') und wold transgredirend über dem Brnchbergqnarzit liegt. Die Zahl der bekannten Versteinernngs- f'nndpnukte vermehrt sich um einen weiteren zwischen Gross- kastenhai lind Goldeuke an der ans dem Thale der grossen Lonau nach dem Acker hiuanf'fiihrenden Chaussee östlich von ihrer scharfen Umbieo-nu" ans westlicher in nördliche llichtnim. In milden, dick- bankio-eu, gelb verwitternden Schiefern mit Kieselgalleu fanden sich hier Cryphaeus sp., Orthoceras sp., AUerismu cf. inßatum Stein., Spirifer anhiennennis ScilN., Sp. cari/iutus ScilN., Sp. subciispidatus Schn., Chonetes surcimduta ScHL. und Steinkerne von Cyatho- phyllmn sp. (heterophyllum M. E. II.?)
Auf die Schichten des IIaiipt<[iiarzits folgt ohne scharfe Grenze, stellenweise aber auch, soweit zu beobachten, im unmittel- baren Anschluss an den Brnchbergqnarzit, weiter nach SO. ein System von meist stark verrnschelten imd geijuetschten Schiefern mit Eiulagernngeu von mulmig braun verwitternden Knollen nn- reinen Kalkes, Kieselschiefern, linsen- oder bankförmigen Grau- wacken, grauen Graiiwackensandsteinen und Quarziten und ferner, anscheinend besonders im liegenden Theile, von Kieselgallen und stellenweise bläulich grauen Fliutkuollen. Ausgezeichnet ist dieses Schiefersystem des weiteren durch das Auftreten von Diabasen, und zwar sowohl körnigen Diabasen wie Diabasmaudelsteinen. In den Schiefern finden sich, wo sie nicht zu arg gequetscht sind, Stylioliuen und Tentacnliteu, so z. B. an der Bärengarten-Chaussee westlich vom Lonauer Jagdhause, im Hohlwege vom Sattel des grossen Mittelberges zur Ackerchaussec, am Rückenwege des grossen Wnrzeluberges, hier uüi Strophomena mOo/Tl., Buchiola sexeostata^d.., und schlecht erhaltenen Orthoceren, und anderwärts; ans den Kalk- kuolleu gelang es an zwei Punkten, am neuen Forstwege über dem Gelben Loche und in dem den nördlichsten Zufluss des Schwarzen Kulmke bildenden Wasserrisse an der Verlorenen Ecke eine kleine Fauna zusammenznbringeu, die folgende Arten enthält;
b L. Beushausen, Die Fauna des Hauptquarzits am Acker -Bruchberge, dieses Jahrbuch f. 1896, S. 282.
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Phacops sp.
Orthoceras sp.
Tentaculites cf. sulcatus R. Styliolina laevigata R. Cardiola sp. u.
Anoplotheca lepida Goldf.
Cyrtina heteroclita Defr. Stropliomena minor R. Orthis sp.
Clionetes sp. Crinoidenstiele.
Kleine Eiuzelkoralleu.
Pleurodictyum sp.
So spärlich diese Fauna auch ist, so weist sie doch deutliche Beziehungen zur Fauna der Oberharzer Wissenbacher Schiefer auf, und dieser Umstand in Verbindung mit der Thatsache, dass der fragliche Schichtencomplex im Hangenden des Hauptquarzits auftritt, die charakteristischen Diabase enthält und ausserdem beim Lonauer Jagdhause in der unmittelbar über dem Hauptquarzit lagernden sogenannten Acidaspis-Bank eine Fauna führt, die noch mehr an die der Wissenbacher Schiefer gemahnt^), spricht dafür, dass das Schiefersystem den Wissenbacher Schiefern zu parallelisiren und somit dem unteren Mitteldevon zuzurechneu ist. Diese Deutung wird durch das in den gleichartigen Schiefern der Hirschkappe westlich vom Forsthaus Schluft entdeckte Vor- kommen von Mimoceras gracile v. M. ganz wesentlich bekräftigt.
Die Kieselgallenschiefer weisen im nördlichen Abschnitt des Schieferbandes stellenweise (Schwarze Schluft, Mönchskappe, Hirschkappe und Ausgeschlagener Weg unweit Forsthaus Schluft) ziemliche grosse, bis 40 Meter erreichende Mächtigkeit auf. Sie liegen hier überall au der Grenze des Hauptquarzits, zwischen diesem und dem eigentlichen Wissenbacher Schiefer. Die aus sehr unreinem, dunklem, kieseligem Kalk bestehenden Kiesel- gallen enthalten spärlich organische » Reste; an den beiden zu- letzt genannten Punkten wurden die folgenden Versteinerungen gesammelt:
Cryphaeus cf. laciniatus R. Tentaculites sidcatus R.
Homalonotus? Euomphalus sp.
Phyllocaridenreste. Pleurotomaria sp.
Orthoceren. Cardiola sp.
0 Beushausen a. a. 0. S. 304/5,
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Spirifer arduennensin Schn. Diacinu sp.
Cyrtina heteroclita Defr. Lingula sp.
Criuoideiistiele.
An der vom Hauptquarzit bezw. Bruclibergquarzit abgekehrteii südöstlichen Seite wird das System der Wissenbacher Schiefer begleitet von einem immer nur schmalen, aber nichtsdestoweniger überall nachweisbaren Bande von Grauwacken, die z. Th. fein- körnig, z. Th. aber auch mittel- bis grobkörnige Feldspathgrau- wacken sind. An diese schmale Grauwackenzone schliesst sich längs des ganzen Acker-Bruchberges ein System von Kiesel- und Wetzschiefern au, welches auch innerhalb des südöstlich fol- genden Gebietes der Sieber- Grauwacke in Gestalt mehr oder minder langer, meist schmaler Züge auftritt. Die Kieselschiefer sind z. Th. schwarze Lydite, z. Th. hellfarbig, grau oder bläu- lichgrau, bilden seltener mächtige reine Massen, sondern sind ge- wöhnlich mit verschiedenfarbigen, besonders roth, auch grünlich gefärbten und dann Adinole ähnlichen Wetzschieferu vergesell- schaftet. Ganz untergeordnet treten in ihnen dunkle, dichte oder sehr feinkörnige, tief dunkelbraun verwitternde Kalke in Linsen oder dünnen Bänken auf, anscheinend völlig vensteineruugsleer.
Eines eigenthümlicheu Gesteins ist hier noch Erwähnung zu thun, welches im Marienthale südlich vom Lonauer Jagdhause au der Nordwest- und Südost^reuze des in der Sieber -Grauwacke
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auftreteudeu Kieselschieferzuges Berglöcher -Brakberg im Bach- bette aufgeschlossen ist. Es stehen hier zwischen der Grauwacke und dem Kieselschiefer sehr dunkle, feinkörnige Quarzite au, die äusserlich ganz wie schwarze Kieselschiefer ausseheu und auch wie diese dünuplattig abgesondert sind. Das Gestein ist sonst nirgends beobachtet worden, und da in unmittelbarster Nähe Störungen durchsetzen, könnte man an Dislocationsmetamorphose denken.
Im obersten Theile des Thaies der Grossen Steinau wurde mitten im Kieselschiefer ein sehr untergeordnetes Diabasvorkommeu nachgewiesen.
Innig verknüft mit den Kiesel- und Wetzschiefern ist der Schichteuconqilex der Sieb er- Grau wacke, die den grössten
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Tlieil des imtersuchteii Gebietes einuimmt und über die südliche Blattgrenze hinaus auf das Blatt Lauterberg übergreift bis zu einer Linie, die von Herzberg über das Hohe Feld nach dem Forsthause Königsbof (Bl. Riefensbeek) verläuft. An die Kiesel- und Wetzscbiefer schliessen sieb zunächst meist geringmächtige, durch dünne, sandige Lao-eu ofebändei’te Thonschiefer und Grau- wackenscliiefer au, die durch Aufnahme von zuerst dünnen Lagen plattiger Grauwacken schnell in eine Wecbsellagerung von Schiefern und plattigen Grauwacken übergehen, auf die weiterhin derbe Grauwacken folgen, in denen untergeordnet, aber allgemein ver- breitet, meist kleinkörnige Conglomerate auftreten, wohl immer als unresrelmässiff llnseuförmir>:e, von der normalen Grauwacke nicht scharf geschiedene Einlagerungen. Die derben Grauwacken
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bilden mächtige Mittel, die durch plattige Grauwacken und Grau- wackenschiefer von einander getrennt werden; sie sind meist mittel- bis grobkörnig, seltener feinkörnig und gehen unvermerkt in die Conglomerate über. Dagegen sind die plattigen Grauwacken fast immer sehr feinkörnig bis makroskopisch fast dicht und zeichnen sich wie die Grauwackenschiefer gewöhnlich durch zahl- reiche weisse Glimmerschüppchen auf den Schichtflächen aus. Im Marienthale, an der Südostgrenze des Kieselschieferzuges Berg- löcher-Brakberg, und im Schmelzerthale oberhalb der obersten Wiese wurden im Bachhette lokal roth und grün gefärbte Grau- wackenschiefer mit eingelagerten plattigen Grauwacken beobachtet, die auf der einen Seite an Störungen grenzen und auf der anderen Seite unmerklich in gewöhnliche Grauwackenschiefer übergehen.
Organische Reste wurden, abgesehen von häutigen, aber stets schlecht eihaltenen Pflauzenresten in efen Bandschiefern, nirircnds
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beobachtet. Aus diesem Grunde und wegen der nicht unzwei- deutigen Lagerungsverhältnisse ist die Frage nach dem Alter der Sieber-Grauw'acke und der mit ihr verknüpften Kieselschieferzüge nicht ohne weiteres zu lösen; es wird dazu vor allem noch eine genaue Begehung ihrer Südostgrenze auf Blatt Lauterherg er- forderlich sein. Als Anhaltspunkte für die Erörterung der Alters- frage sind folgende anzuführeu:
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]. Alle Beobachtungen sprechen dafür, dass die Kiesel- und Wetzschiefer das Liegende, die Grauwacken das Hangende sind.
2. Die Kiesel- und Wetzschiefer mit den eingelagerten dunklen Kalken sind gänzlich verschieden von den silu- rischen Kieselschiefern, Wetzschiefern und Phittenkalken iiu äussersten SO. des Blattes Biefensheek in der Um- gebung von St. Andreasberg (s. u.), haben dagegen grosse Aehnlichkeit mit den Kiesclschiefern des Culm.
3. Die Sieber-Grauwacke unterscheidet sich in ihrer Zu- sammensetzung, besonders auch durch das Fehlen der be- zeichnenden Plattenschiefer, deutlich von der Tauner Grauwacke der angrenzenden Blätter Lauterberg und St. Andreasberg, erinnert dagegen in vielen Beziehungen, vor allem auch durch die charakteristische Wechsellagerung plattiger, sehr feinkörniger Grauwacken mit Granwackeu- schiefern, an die Culmgrauwacken des Oberharzes nord- westlich vom Acker-Brnchbergc. Autfallen muss es in- dessen, dass ein den Posidonienschiefern entsprechender Schieferhorizont über den Kieselschieferu nicht entwickelt ist und rosidonia Becheri aller Bemühungen ungeachtet nicht nachzuweisen war.
An die Sieber-Grauwacke schliessen sich, die äusserste Südost- ecke des Blattes einnehmend, Schichten an, die dem weithin fort- setzenden, an Finlagerungeu von Kiesel-Wetzschiefern, Kalken und Diab äsen reichen Schiefeibande nördlich der Sattelaxengrauwacken angehören. Diese früher zum Unteren Wieder Schiefer gerechneten Schichten müssen weo-en ihrer Uebereinstimmuim mit den (Jardiola
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interrupta führenden Ablagerungen im Täunenthal bei Oehrenfeld und den petrographisch gleichen Schichten südlich von Werni- gerode^}, ferner mit den Densberger Kalken der Urfer Schichten im Kellerwalde als silurisch angesprocheii werden.
Im nördlichen Abschnitt des kartirten Gebietes fällt ein Theil der vorstehend beschriebenen Schichten, Wissenbachcr Schiefer,
b M. Koch, dieses Jahrbuch, für 1898, S. 25.
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Sieber-Grauwacke und die zugehörigen Kieselschieferzonen, in den Contactring des Brockengranits, welcher an der östlichen Blatt- grenze in zwei grösseren, mit dem Massiv in unmittelbarem Zu- sammenhänge stehenden Partieeu auftritt, am Schlufter Kopf und an dem linken Gehänge des Kl. Sonnenthals. Ueber die Metamor- phose der verschiedenen Gesteine ist kaum etwas Neues zu be- richten. Die unreinen Kalksteine der Kiesel- und Wetzschiefer- zonen zeigen die bekannte Umbildung zu dichten Kalksilicathorn- felsen von grauer oder grünlicher Farbe mit dem unbewaffneten Auge nur selten sichtbaren Krystallisationen von Coutactmineralien. Die Schiefer sind in einer äusseren Zone des Ringes in meist sehr feiugefleckte Knotenthonschiefer, in der Nähe des Granits in schwarze, splittrige Hornfelse, die sog. Kieselschieferfelse IIaüS- mann’s umgewandelt. Von Interesse dürfte es sein, dass die Kieselschiefer im inneren Ringe der Umkrystallisirung zu mehr oder weniger reinen und hellfarbigen Quarziten unterliegen. Es findet dadurch eine frühere Beobachtung an neuem Orte Bestäti- gung.
Betreffs der Lafjerungsverhältnisse ist Folgendes zu be- merken: Das Schichtenstreichen hält sich wie im nordwestlichen Oberharze an die Stunden 3 — 5. In der südöstlichen Raudzone des Bruchberges und auch in dem raudlichen Kieselschieferzuge herrscht mehr oder minder steiles Nordwestfällen, also überkippte Lagerung; es verkehrt 'sich jedoch innerhalb des letzteren schon an zahlreichen Stellen in südöstliches Fallen. Im Gebiete der Sieber-Grauwacke treten beide Fallrichtungen auf; ln den Kiesel- schieferzügen inmitten der Grauwacken Hess sich inehrfach nach- weisen, dass im Fortstreichen das Fallen aus • der einen in die andere Richtung übergeht, also windschiefe Falten vorhanden sind.
Streichende Störungen sind jedenfalls vorhanden, aber nicht mit Sicherheit nachgewiesen worden, dagegen sind Quer- vorwerfungen sehr häufig und im Randgebiete des Acker-Bruch- berges zum Theil schon früher erkannt worden. Auch in die eintönigen Grauwackengebiete hinein lassen sie sich durch Quell- liuien, auffällige Schichtenstöruugen, besonders in den Aufschlüssen
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der Bacbbetten, und z. Th. durch Ausfüllung mit Gangniineralien weiter verfolgen und sind in ausgezeichneter Weise durch die Verschiebungen der inmitten der Grauwacke auftretenden Kiesel- schieferzüge nachweisbar. In der Regel ist, wie im nordwestlichen Oberharze, die jeweils nördlich einer Verwerfung gelegene Schichtenzone gegen O. verschoben, und zwar sowohl bei NW.- wie bei SO. -Fallen: Verschiebung in entgegengesetztem Sinne kommt bei N W.-fallenden Schichten vor. Das Streichen der Verwerfungen liegt, wie jenseits des Bruchberges, vorwiegend in den Stunden 7 — 9, flacher und steiler streichende Verwerfungen treten mehr zurück.
In den Aufschlüssen beobachtet man besonders dreierlei Arten von Schichteustöruugeu an Verwerfungen; 1. Stauchung und wirre Ineiuanderquetschung der Schichten, vielfach verbunden mit Zer- trümmerung; so können derbe Grauwackenbänke völlig zerdrückt und die einzelnen Theile förmlich in die umgebenden Schiefer hineingeknetet sein, wobei die letzteren bochgradig zerquetscht und ganz wirr gefaltet und gestaucht siiuD). 2. Plötzliches Ab- brechen und Umbiegen der Schichten im Streichen. .3. Am häufigsten Schleppung der Schichten au der Verwerfung; und zwar beobachtet man auf der einen Seite der Verwerfung ge- wöhnlich ein ganz oder fast mit deren Verlauf übereinstimmendes Schichtenstreichen, das von der Verwerfung abgewaudt, allmäblich in die normale Streichrichtuug in h. 3 — 5 übergeht, auf der anderen Seite der Verwerfung entweder unverändertes, meist aber steileres Streichen der Schichten (h. 12 — 2), das gleichfalls in das normale übergeht. Selbstverständlich ist diese Schleppung abhängig von der Richtung, in der die Bewegung der Schichten au der Verwer- fung stattfaud; es scheint aber auch eine bestimmte Beziehung
’) Die gleiche Erscheinung beobachtet man z. B. auch bei geringmächtigen Diabasen, deren einzelne abgequetschte, in den umgebenden Schiefer eingeknetete Stücke dann den Eindruck von Bomben machen. Nach meiner auf Beobach- tungen an Ort und Stelle gegründeten Ueberzeugung handelt es sich auch bei den bekannten, von Rinne (N. Jahrb. f. Min. Beil.-Bd. X, S. 379 ff.) näher be- schriebenen »Diabasbomben« von Juliushütte mindestens zum guten Theil um solche abgequetschten Stücke geringmächtiger Diabasmassen. Jedenfalls mahnen solche Beobachtungen zur Vorsicht. Beushausen.
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zwischen der ßewegungsrichtung und dem Einfällen der Verwer- fungen vorhanden zu sein, denn das Streichen in h. 12 — 2 beob- achtet man, wo das Fallen der Verwerfung erkennbar ist, immer am Hangenden, die Schleppung in h. 7 — 9 am Liegenden der Ver- werfung.
Von Mineralausfüllungen der Verwerfungsspalten ist der (^uarz häufig. Mächtigere und auf grössere Erstreckung nach- weisbare Quarzgänge setzen am Königsberg, in der Nähe der Schlösserkappe und des Gr. Königsthals, ferner an der Süd- und Nordgrenze der Granitpartie der Waage und des Schlufter Kopfs auf. Die letzteren Gänge sind Verwerfer und geben, wie E. Kayser Q nachgewiesen hat, die Ursache für das auffällige Vorspringen jener Granitpartie nach W. hin ab. Der Gang an der Nordgrenze lässt sich weit über die Endigung des Granits verfolgen. Er führt am Schlufter Kopf oberflächlich Eisenerze, namentlich Eisenglanz, haf aber in der Tiefe auch Kupfererze geliefert, auf die im Anfänge des vorigen Jahrhunderts an der Südspitze des Sonnenkopfs Berg- bau umgegaugen ist. Auch der erwähnte Quarzgang am Königs- berge ist im Kulmkethale ehedem auf Kupfererze bebaut worden.
Im übrigen Gebiete der Sieber -Grauwacke ist das Ganff- gestein der quarzführenden Gänge, soweit beobachtet, eine quarzige, von Quarz in zahlreichen Schnüren und geringmächtigen Trümern durchzogene Grauwacke. Im Kieselschiefer des oberen Goldenke- Thales treten streichende Quarzgänge auf. In derberen Massen findet sich Schwerspath als Gangausfüllung, zuweilen mit Quarz vergesellschaftet. Er scheint jedoch immer nur längere oder kürzere Mittel in den Gangspalteu zu bilden, da auf demselben Gange Strecken, wo man ihn auf Schritt und Tritt antrifi’t, mit solchen abwechseln, wo man vergeblich nach einer Spiir dieses Minerals sucht. Die Hauptverbreitung der Schwerspathgänge liegt im mitU leren und südöstlichen Theile des untersuchten Gebietes, vor allem am Königs- und Sieberberge; doch wurde auch ein Gang im oberen Ende des Lonauer Birkenthaies am Langfast westlich Sieber und
') Das Spaltensystem am Südwestabfall des Brockenmassivs, dieses Jahrb. für 1881, S. 454.
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ein anderer noch an den »Berglöchern«, der Sndostwand des Thaies der Grossen Steinau, nahe dem Westrande des Blattes aufgefuuden.
Von Erzen tritt auf den Schwerspathgängen am Königs- berge Rotheiseustein auf, der bis zur Mitte dieses Jahrhunderts Gegenstand eines lebhaften, seit etwa 1550 umgehenden Eigen- löhuer-Bergbaues war. Doch scheint der Eisenstein nicht au die Schwerspathfüllung gebunden zu sein, denn auf manchen Schacht- und Stollenhalden findet man ausser Resten des geförderten Erzes nur eisenschüssige Grauwacken, oft noch mit Eisensteiuriuden, während in den Halden benachbarter Eisensteinsofäuo;e massenhaft Schwerspath enthalten ist.
Eisenstein, derber Rotheiseustein und Glaskopf, findet sich ferner in zahlreichen Gäimen am Eisensteiusberije und dem ffCßfen-
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überliegenden Gehänge des Königsbergs. Sie zeigen im Allge- meinen das gleiche Streichen wie die Eisenerz führenden Schwer- spathgänge, enthalten aber Quarz und Kalkspath als Gangart.
Seltener als die Eiseusteinsgäuge sind Schwerspathgäuge mit Kupfererzen, Vertreter der Laulerberger Gangformation. Durch alten Bergbau aufgeschlossen ist ein solcher Gang diclit oberhalb der Mündung des Kulmke in die Sieber am rechten Ufer des Kulmke, wenige Schritte über der Cbausseebrücke, auf dem nach alten Nachrichten Kupferkies, Buutkupfererz und Kupfer- glanz einbrachen; einige ähnliche Gänge setzen am Nordhange des Sieberberges auf.
Der Brnchbergquarzit neigt wie alle Quarzite zur Klippen- bildung; die Klippen sind meist von wahren Felsenmeereu um- geben, die sich oft den Hang eine grosse Strecke weit hiuabziehen; Quarzitschutt bedeckt, z. Th. in grosser Mächtigkeit, überall die Hänge des Bruebberges bis weit unterbalb des anstehenden Quar- zits. Nur in den meist steil abstürzeudeu Wasserrissen, mit denen die Thäler oben am Bruchberge beginnen, und die durch Schnee- schmelze und Regengüsse immer wieder rein gefegt werden, so- wie an den Böschungen neu angelegter Forstwege sind unter dem Quarzitschutt die anstehenden Schichten aufgeschlossen. In der Karte musste der Quarzitschutt unterdrückt werden, um die de-
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voDiscbc Randzoue des Bruchberges überhaupt darstellen zu können. Die tiefer gelegenen Theile der Thäler sind bis auf die Racbbetten, in denen fast überall das anstehende Gestein zu beobachten ist, säinintlicb mit grobem Schutt erfüllt. Im Siebertbale sind zwei ältere Terrassen vorhanden, deren höhere indessen nur noch in vereinzelten Resten erhalten ist, während die tiefere, nur einige Meter über dem Flusse gelegene, sich bis zu seinem Austritte aus dem Gebirge verfolgen lässt. Auf ihr liegt das Dorf Sieber.
F. Klockmann: Bericht über die Ergebnisse seiner letztjährigen Aufnahmethätigkeit im Oberharz.
Die vier Oberharzer Messtischblätter Seesen , Zellerfeld, Osterode und Riefensbeek können nunmehr in den vom Unter- zeichneten bearbeiteten Antheilen bis auf eine letzte Revision als in der Kartirung abgeschlossen gelten. Die dabei in den letzten Jahren erzielten neuen Resultate und sonstige Erfahrungen sind im Nachfolgenden kurz zusammeugestellt.
Das wichtigste Ergebniss bezieht sich auf die Gliederung und den stratigraphischeu Aufbau des Oberharzer Culms, worüber bisher immer noch Zweifel bestanden, die aber jetzt als völlig be- seitigt anzusehen sind.
Es war eine Streitfrage der letzten Jahre gewesen, ob die von V. Groddeck aufgestellte Gliederung des mächtigen Grau- wacken- und Schiefersystems oberhalb der Posidonienschiefer, das dem Oberharz sein charakteristisches petrographisches Gepräge verleiht, aufrecht zu erhalten sei oder nicht. Nach v. Groddeck sollte dieses Schichteusystem ganz regelmässig in eine untere Ab- theilung, die Clausthaler Grauwacke, und in eine obere, die Gründer Grauwacke, zerfallen. Es hat sich nun herausgestellt, dass weniger eine selbständige Aufeinanderfolge als eine Stell- vertretung, also Faciesausbildung, stattfindet. Im südöstl. Theil des Oberharzes diesseits des Bruchberges, speciell in der Um- gebuna; des Diabaszuges und auf der Clausthaler Hochfläche herrschen Schiefer und schiefrige Grauwacken vor, in denen zahl- reiche Lager plattiger Grauwacken, aber auch eine Reihe derber, wenn auch wenig mächtiger Grauwackenbänke eingeschaltet sind.
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Dagegen treten iin nordwestl. Gebiet, in der (degend von Grund und Lautenthal, die Scliiefer immer mehr zurück; sie schrumpfen zu schwachen Zwischenlagern der allein den petrographischen Charakter dieses Theils des Oberharzes ausmachenden mächtigen Grauwacken zusammen.
Die Grauwacken können sich über das gesammte Gelände und in allen Niveaux oberhalb der Posidouienschiefer conglome- ratisch entwickeln; meist geht jedoch das Korn dieser Conglomerate nicht über Erbsengrösse hinaus und es ist ganz einseitig der Milchquarz, der zu dieser Grösse anschwillt, während die übrigen Bestandtheile sich im Gement verstecken. Dabei zeigt sich, dass die Conglomerate vielfach nur linsen- und streifenartige Ein- lagerungen in der normalen derben Grauwacke bilden, sodass eine kartographische Ausscheidung derselben, wie sie v. Groddeck an- gestrebt hat, nicht nur nicht möglich ist, sondern den Thatsachen geradezu Zwang anthut.
Ausgeschlossen sind allerdings davon die bekannten groben, durch ihre merkwürdige Zusammensetzung ausgezeichneten Con- glomerate des Prinzenteichs, die sich in schmalen, aber weit er- streckenden und z. Th. «-eo-abelten Streifen scharf verfoliien und daher auch kartographisch aushalten lassen. Während v. Ghoddeck diesen Prinzenteich-Conglomeraten eine sehr hohe Lage oberhalb der Posidonienschiefer zuweist, trilft dies nach den neuen Er- fahrungen nicht zu; sie gehören den tieferen Grauwackenbänken in dem Schiefersystem über den Posidonienschiefern an.
Im Devon des Blattes Seesen hat sich in Uebereinstimmung mit der von Beüshausen zuerst nachgewiesenen allgemeinen Ver- breitung der Büdesheimer Schiefer im Oberharz ein ausgedehntes und ganz regelmässiges Auftreten derselben in der Lautenthaler Devonsenke nachweisen lassen. Sie zeigen alle die von Beushausen angegebenen Merkmale, im Besonderen sind sie durch die massen- hafte Anhäufung von Styliolinen ausgezeichnet. Die in der Um- gebung von Lautenthal ebenfiills weit verbreiteten Clypridiuen- schiefer werden in fji’össter Regel mässickeit und grösserer Mächtig- keit von den Büdesheimer Schiefern unterteuft. Ein besonders ausgezeichnetes Profil des Devons auf Blatt Seesen liefert der
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Bielstein bei Lauteuthal und der sich ihm anschliessende Sparren- berg. Unter den Kieselschiefern, deren interessante Windungen seit Hausmann’s Zeiten bekannt sind und deren bildliche Dar- stelluno; in alle creolog-ische Lehrbücher übera:eg’ano;eu ist, foLen typisch entwickelte Cypridinenschiefer mit eiugelagerten Kalk- bänken, in denen Clymenia gefunden wurde. Die letzten 200 Meter des am Fuss des Bielsteins entlang ziehenden Fussweges werden von Cypridinenschiefer begleitet; nach Ueherschreitung des Dölbe- thals finden sich am Anstieg des Sparrenberges in kleine Plättchen zerbröckelnde Schiefer und in diesen eingelagerte Kalkbänke, in denen Strinc/ocephalus Burtini angetroften wurde. Dann folgen in mächtigen Steinbrüchen entblösst die Wissenhacher Schiefer als tiefstes Niveau des bei Lautenthal vorkommenden Devons.
In tektonischer Beziehung werden immer die zahlreichen Bruch- linien, die in sehr enger Beziehung zu den Oberharzer Erzgäugen stehen, das grösste Interesse in Anspruch nehmen. Bei dem monotonen petrographischen Charakter des Oberharzes ist der Nachweis und die kartographische Festlegung dieser Bruchlinien nicht immer ganz leicht. Es erscheint daher ffanz zweckmässier, einmal die Merkmale und Methoden zu ihrer Auftindung klar- zulegen, was in einem selbständigen Aufsatz in diesem Jahrbuch geschehen soll.
Auch ausserhalb des Harzer Kerngebirges aus der Zechsteiu- umrandung sind einige neue Wahrnehmungen zu berichten.
Zu den bei Seesen bekannten Vorkommnissen des Zechstein- conglomerats werden die erscheinenden Karten noch ein neues zu verzeichnen haben. Bemerkenswerth bleibt es, wie das in der Umgegend von Seesen auftretende Conglomerat petrographisch so verschieden ist von den nur wenige Kilometer südlich gelegenen Fundpunkten der Gegend zwischen Grund und Osterode. Wäh- rend hier das kalkige Cement und eine schmutzig gelbe Farbe vorwiegen, stellt das entsprechende Gestein bei Seesen grobkörnige bis couglomeratische Sandsteine von rothbrauner Färbung dar, die die ältere, jetzt aufgegebene Auffassung, wonach es sich um llothliegeudes handeln sollte, wohl begreiflich erscheinen lassen.
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Zu deu auftalligsten Ersclieimingeii gehört es, dass das Hache Erosionsthal, das den Westrand des Harzes von Seesen über Osterode bis nach Herzberg begleitet und dabei die Zechstein- ablagerungen in eine östliche und eine westliche Partie theilt, auch einen wesentlichen Unterschied in der Zusammensetzung des Zechsteins bedingt.
Auf der östlichen Hälfte, also am unmittelbaren Harzrande, fehlt der Gyps des Mittleren Zechsteins, dessen steil aufragende Ivänder bei ihrer beträchtlichen Höbe auf der anderen Seite des Thaies einen so charakteristischen landschaftlichen Zug in der Um- säumung des West- und Südharzes hervorbriugeu. Wohl treten zu beiden Seiten massig und zellig ausgebildete Dolomite auf, aber östlich der Thalsenke als Hangendes der Kalke des Unteren Zechsteins, westlich als Hangendes der genannten Gypse. Aber es zeigt sich, dass die Dolomite längs des Harzrandes in der öst- lichen Partie vollständig zerbrochen sind und die Beschaffenheit einer echten Breccie angenommen haben. Ferner liegt sie nicht mit ebenen Flächen den plattigen Kalken des Unteren Zechsteins auf, sondern in unregelmässiger Form; vielfach schieben sich fuss- grosse Höhl ungeu, die zweifellos der Auslaugung ihre Entstehung verdanken, zwischen beide Gesteine ein oder es stellt sich eine sandig-dolomitische, auch wohl thonig-schmierige Ablagerung von ein paar Centimeter Dicke als Zwischenlagerung ein. Alles weist darauf hin, dass auch am unmittelbaren Westrand des Harzes der Gyps gerade so gut, wenn auch vielleicht in geringerer Mächtig- keit, entwickelt war, wie er sich jetzt noch im Westen des vor- genannten Erosiousthales zeigt, dass er aber der Auslaugung zum Opfer gefallen und die hangende Dolomitdecke eiugestürzt ist, aus welch’ letzterer sich alsdann eine dolomitische Breccie heraus- gebildet hat, während die dolomitischen Saude und Thone als Uösungsriickstände, als Aequivaleute der Mausfeld ischen Aschen zu gelten habeiP). Einen besonderen geologischen Werth erlangt die geschilderte oeolop:ische Verschiedenheit in dem Aufbau der
’) Vergl. hierzu den Aufsatz von 0. Simcvkr, Die Zechsteiuformation des westlichen Harzrandes, in diesem Jahrbuch für 1881.
Jahrbuch 1898.
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Zechsteiuablagermigen und die durch zahlreiche Aufschlüsse zu coütrolirende Deutung dadurch, dass sie ein Analogon abgiebt zn dem Fehlen des Steinsalzes im Oberen Zechstein des Eichsfeldes. Auch hier ist, wie in der Nachbarschaft, ursprünglich Steinsalz vorhanden gewesen, das aber ansgelaugt wurde und an dessen Stelle eine Breccie des nachbrechendeu Unteren Buntsaudsteins getreten ist.
Ein zweiter Unterschied, den die den Harzrand begleitende Thalfurche hervorbriugt, betritft das Auftreten des Gypses im Oberen Zechstein. Während im östlichen Theil der Gyps sich nur in Klumpen und Linsen in den oberen Zechsteinletten eiugelagert findet, ragt er im westlichen Theil, z. B. westlich von Osterode in Kuppen und in zusammenhängenden Zügen aus denselben her- vor. Hier ist aber der Unterschied so zu erklären, dass von vorn- herein die Mächtigkeit der oberen Zecbsteinbildungen mit der Entfernung vom Harzraude znnimmt.
Ein letzter Unterschied bezieht sich auf den äusseren Habitus der Stinkkalke des Mittleren Zechsteins, worauf in dem auge- zogenen Aufsatz von Speyer schon hiugewiesen wird. Diese Stiukkalke sind längs des Harzraudes in Form sehr dünnplattiger Stinkschiefer entwickelt, während sie westlich des genannten Thals kaum je als Schiefer, sondern durchgängig als dickplattige Kalk- steine, ja geradezu als Werksteiiibänke ausgebildet sind.
Th. Ebert: Bericht über die Aufnahmen auf den Blättern Osterwieck und Vienenburg.
Auf Blatt Osterwieck treten im südlichen Theil des Gr. Fallsteins an der N. -Grenze zwei hercynisch streichende, von Keuper umsäumten Muschelkalksättel aus der Kreidelandschaft hervor. Die Abgrenzung des Unteren Keupers am Gr. Fallstein hat er- geben, dass dieser die sattelförmige Erhebung des Berges in un- gestörter Lagerung mitgemacht hat und fast die ganze Fläche zwischen den Schichten der Muschelkalk- und Kreideformation ein- nimmt, während der Mittlere Keuper meist von Schichten der letz- teren bedeckt wird. Nur im NW. des Blattes sind zwei kleinere Flächen dessell)en, am Tannenberg und am Kl. Fallstein vorhanden;
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letztere gehört zu einer grösseren , auf dem anstossenden Blatt Veltheim sich verbreitenden Partie. Auf dem Ostabhang des Fall- steins lagert Unterer Keuper, nach der Niederung des Auebaches hin Schotterlehm, welcher vielleicht Mittleren Keuper bedeckt. Oestlich vom Auebach zieht sich die Trias in einem Bogen süd- östlich zu der Erhebung des Huyberges hinauf. Auf Blatt Oster- wieck ist noch die westliche Abhangfläche desselben und ein Theil der südlichen untersucht. Hier sind die Lagerungsverhältnisse andere als am Fallstein. Der Mittlere Keuper nimmt nämlich den 'Grössten Theil der Abdachuim der Höhe ein. Im höheren Niveau
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sind die Nodosenschichten vorhanden. Der Untere Keuper liegt nur in einer schmalen Fläche am Westabhang und stösst nach S. an einer Verwerfung ab, welche dasselbe nordwestliche Streichen hat wie die aufgebrochenen Sättel im Oberen Muschelkalk auf dem Gr. Fallstein. Wegen des Auftretens von Mittlerem Keuper Öst- lich der Aue im Niveau des auf der W. -Seite sich verbreitenden Fhiteren Keupers wird also durch die Thalsohle des Auebaches l)ei Deersheim ein Verwurf in SSW. — NNO. -Richtung verlaufen. Südlich von Deersheim ist derselbe dadurch im Auethal festgestellt, dass westlich desselben an der Untei’eu Abdachung des Gr. Fall- steins die Schichten der Kreideformation bis zum Turon ein durch- schnittliches Einfallen von 62® nach SW. haben und deshalb auf der Karte nur eine schmale Fläche einnehmen, während östlich vom Auethal die Fläche dieser Kreideschichten doppelt so breit ist in Folge eines schwächeren Einfallwinkels. Verlängert man übrigens diesen Verwurf in südlicher Richtung, so verläuft er im Ilsethal nach dem Harze hin. Dass er auch dort vorhanden ist, zeigt die bei Berssel befindliche Biegung des llsethales aus dieser Richtung nach NW. über Osterwieck.
Im SW. -Theil des Blattes wurde durch die Abgrenzung des llsenburgmergels gegen den Schotterlehm eine Abweichung in der Ablajierunff der im Allsremeinen immer erst an dem schmalen Vor- plateau vorkommenden diluvialen Schichten insofern nachgewiesen, als unterhalb des Schauenschen und Wasserlebener Holzes nahe der Grenze zwischen beiden Waldgebieten der Schotterlehm in breiter Fläche sich südlich bis zum Sassberg und westlich bis zur
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Chaussee von Schauen nach Stapelburg auf das Plateau hinaufzieht. Die westliche Grenze macht südlich von der Försterei im Schauen- schen Walde einen Bogen nach S.
Im südöstlichen Gebiet ergab die Aufnahme, dass bei Langeln und in seiner Umgebung der Ilsenburgmergel eine grössere Fläche einnimmt. Am Fuss der Hügelabhänge lagert hier meist humoser Lösslehm.
Auf Blatt Vienenburg finden sich ältere geologische Schichten in dem Horst des Harlyberges, nämlich Buntsandstein und der Wellenkalk. Der Harlyberg, im nordwestlichen Theil des Blattes gelegen, ist durch eine Aufsattelung entstanden, welche einen Längs- axenbruch veranlasste, wodurch ein Verwurf der südlichen Hälfte des Sattels erfolo;te. Demo-emäss haben die Schichten ein nord- nordöstliches Einfallen mit 45®. Bei dieser mit Verwurf verbundenen Aufsattelung sind im östlichen, ca. ^2 Kilometer im Längsstreichen langen Abschlusstheil im Einzelnen noch stärkere Störungen der Ijageruugsverhältnisse erfolgt. In einem Aufschluss an dem am Clstabhang liegenden Eisenbahndamm konnte ich feststellen, dass hier von den über dem Wellenkalk lagernden Kreideschichten der Cnvieripläner und das Untersenon ein fast senkrechtes Einfallen nach SW. hatten, oben die Schichten gebogen. An einem Weg, welcher am Ostabhang im Walde von dem Aufschluss nach S. ver- läuft, lagert zunächst noch der Labiatuspläner mit dem gleichen Einfallen. An seiner Grenze gegen den Rhotomagensispläner ist im Hügelzug eine thalförmige Einbuchtung zu bemerken, deren nördliche, aus Labiatuspläner gebildete Seitenfläche noch ziemlich steil abfällt, auch Rutschungen zeigt, während die südliche weniger steil abfällt und wellig geböscht ist. In der engen Thalsohle geht wahrscheinlich eine Bruchlinie in nordwestlicher Richtung hindurch, da die Schichten des Cenomans, des Wellenkalkes und des Bunt- sandsteins nach NO. und etwas weniger steil einfallen. Dieser östliche Theil des Harlyberges wird im W. durch zwei Thälchen begrenzt, von denen das tiefere und längere am südlichen Abhang des Berges, ein flacheres am nördlichen sich befindet. Beide haben in ihrem Verlauf meist ein Streichen wie der Ostabhang. In dem westlichen Gebiet dieser Thaleinbuchtungen ist das Einfallen ein
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schwächeres und konnte im nahe lieji;enden Steinhruch im Mittleren Buntsandstein mit 45*^ festgestellt werden. Betrachtet man diese Jjagerungsverhältnisse, so weisen dieselben auf zwei SSW. — NNO. verlaufende Bruchlinien, von denen die eine au der westlichen Seite, die andere an der östlichen dieses Ilügelgebietes verläuft.
In Folge dieser Lagerung der Schichten tritt auf dem süd- lichen Abhang des Harlyberges der Untere Buntsandstein nur am östlichen untersten Theil desselben zu Tage. Den grössten Theil desselben nimmt der Mittlere Buntsandsteiu ein, den Kamm des Berges und den oberen Theil des nördlichen Gehänges der Wellen- kalk, während der Obere Buntsandsteiu (Röth) meist in schmalem Zuge am oberen steilen Gehänge lagert und Gypshügel bildet. Am nördlichen Abfalle des Harlyberges folgen auf den Wellen- kalk die Cenoman-, Turou- und Untersenonschichten. Die beiden ersteren Formationsglieder lagern am ganzen Abhang an der Ober- fläche, die Schichten des Untersenons nur in der östlichen Hälfte, da sie ausserdem von Schotterlehm bedeckt sind.
Dass die Schichten der Kreideformation in dem südlich vom Harlyberg gelegenen, von der Oker im O. begrenzten Gebiete erst am Langenberge bei Harzburg an die Oberfläche kommen, hier mit steilem Einfallen nach dem Harz hin, hängt mit dem Absinken des südlichen Theiles des Sattels zusammen. Durch Bohrungen auf Steinsalz ist erwiesen, dass die abgesunkenen Buntsandstein- Schichten nicht sehr tief unter der Erdoberfläche liegen.
Der Ilsenburgmergel, dessen Vorkommen am Langenberg und Harlyberg schon besprochen wurde, ist durch die Aufnahme nur noch in der östlichen Hälfte des Blattes nachgewiesen. Derselbe nimmt im südöstlichen Gebiete eine grosse, ausgedehnte, im All- gemeinen dreieckförmige Fläche ein. Vom Dorfe Lochtum, welches in der Luftlinie 3,5 Kilometer von der S. -Grenze der Karte liegt, verläuft die W. -Grenze dieser Fläche in dreimal wechselnder Richtung von N. nach S. bis zum Karteuraiid. Hier hat der Ilsen- burgmergel bis zum Eckerbach eine Ausdehnung von 4,5 Kilometer. Die O. -Grenze, welche meist eine nordwestliche Richtung hat, ver- läuft bis Abbenrode an dem Eckerbach. Bei Lochtum macht sic einen Bogen nach N., dessen Durchmesser nur einen Kilometer
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beträgt. — Von Suderode (in der Mitte des nordöstlichen Gebietes gelegen) zieht sich der llsenburginergel in schmaler Breite am Stimmeckenbach bis znm Sassberg am östlichen Kartenrand (2 Kilo- meter vom südlichen Kartenrand). Südlich von Suderode gabelt sich von dieser Fläche eine nur wenig über den Eisenbahndamm der Halleschen Bahn reichende und verläuft in derselben Richtung. Schliesslich befindet sich bei Lüttgenrode am östlichen Kartenrand (3 Kilometer vom N.-Rand) eine kleine Fläche, welche sich auf Blatt Osterwieck fortsetzt.
Von den Diluvialschichten nimmt der Schotterlehm den grössten Theil des Blattes ein. Humoser Lösslehm lagert von Wiedelah (in der Mitte der Karte gelegen) östlich vom Eckergraben bis zur N. -Grenze des Blattes, auch auf einer höhei’en Thalterrasse zwischen der Oker und dem Eckergraben. Ebenfalls im nördlichen Karten- gebiet, nämlich im östlich gelegenen, nimmt er noch eine grössere Fläche ein in der Umgebung von Rimbeck am Ilsethal bis Suderode.
In der Okerniederung, sowohl im südwestlichen Laufe der- selben, als auch ira nördlichen liegen mächtige altalluviale Terrassen von Schotter.
A. VON Koenen: Ueber die wissenschaftlichen Ergeb- nisse der geologischen Aufnahmen im Jahre 1898.
Im Jahre 1898 wurde unter Anderen die sogenannte Ilils- mulde mit ihrer weiteren Umgebung und die Gronauer Ki-eide- mulde (früher beschrieben von Förster, Inauguraldissertation, Göttingen 1876) oder »die Sieben-Berge« bei Alfeld aufgenommen und ergaben einige tektonisch interessante Resultate. In beiden Kreidemulden treten nur verhältnissmässig unbedeutende Störungen auf gegenüber den gewaltigen Dislocationen , welche in den um- gebenden älteren Schichten von Durbers, Wermbter und mir selbst früher schon beobachtet und zum Theil beschrieben wurden.
Es möge aber erwähnt werden, dass Herr Kloos 1896^) be- hauptete, das Leinethal zwischen Freden und Banteln liege nicht
b Festschrift d. herzogl. - technischen Hoclischule für die 69. Versammlung deutscher Naturfürscher u. Aerzte in Bi-aunschweig S. 255.
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in einer Sattelspalte, wie wir angenoniinen hatten, sondern auf einer Ueberschicbuug, und auf meine Erwiderung an seiner An- sicht festhielt; in einem im Herbst 1898 in industriellen Jllättern veröffentlichten Berichte des Herrn Kloos und des Vorstandes der Kali-Gewerkschaft Hohenzollern bei Freden über das Ergeb- niss ihres Schachtes ist aber endgültig von Sattelspalte und den Flügeln derselben die Rede, und ein zugleich von Herrn Kloos entworfenes Profil zeigt wenigstens einen Sattel , wenn es auch sonst keineswegs zutriff’t und namentlich die vielfach zerrissenen, getrennten Schollen von Buntsandstein als zusammenhängend dar- stellt.
In beiden Kreidemulden bildet der ausschliesslich dem Unte- ren Gault angehöi’ige, gegen 60 Meter mächtige Hilssandstein je nach seiner relativen Höhenlage mehr oder minder hohe Berg- rücken, am Südende der Gronauer Kreidemulde und fast um die ganze Hilsmulde sogar recht scharfe Kämme, und nur stellenweise treten in letzterer die au 100 Meter mächtigen Flammeumergel, welche durch wenige Meter Thon mit Belemnites mviiimts vom Hilssandstein getrennt werden, noch höher und schärfer hervor, doch immer mit einem mehr oder minder deutlichen Absatz. Der Pläner des Cenoman (gegen 40 Meter) und Turon ist in der Hils- nmlde nur in zwei grösseren Schollen (ersterer noch in einem Fetzen) vorhanden, zeigen aber ebenfalls deutliche Absätze auf den unteren mürben Mergeln des Cenoman und dem mürben rothen und grauen Pläner des Unteren Turon, ganz wie an den Sieben-Bergen, deren Steilhaug und Hauptmasse aus Turon besteht.
Mindestens der nördliche Theil der Siebenberge enthält aber eine ehemalige Abrasionsfläche, auf welcher dann ein Absatz, eine Stufe, zwischen Cenoman und Turon nicht vorhanden ist. Die harten, weisseu Kalke des oberen Cenoman bilden sonst überall einen mässig hohen Steilhaug, welcher den hohen Steilhang des wohl 100 Meter mächtigen Turon -Pläners lunsäumt. Zahlreiche Querthäler durchbrechen nun diese verschiedenen, dem Schichten-
b Neues Jahrbuch für 1898, I, S. 68. Siehe auch II, S. 155.
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streichen folgeiifleu Bergrücken, doch ist an verschiedenen Stellen, so B. östlicli von Alfeld, in hohem Grade anffällig, dass in
dem Cenoman - Bücken solche Qnerthäler wesentlich häufiger lind also näher an einander anftreten, als in denen des Flammen- mergels und des Turons. Zugleich lässt sich mehrfach erkennen, dass, wie schon Wermbter hervorhob, anf den beiden Seiten eines (Juerthales die Schichten ein verschiedenes Einfallen be- sitzen, oder die Rücken gegen einander verschoben erscheinen, so dass die Qnerthäler durch Qnerbrüche bedingt sind. Diese sind somit in dem weniger mächtigen Cenoman am zahlreichsten nnd setzen zum Theil weder in den Flammenmergel, noch in das Tnron fort, müssen also ihre Ausgleichung durch Bewegungen in den mürben Schichten in seinem Hangenden und Liegenden ge- funden haben.
Besonders auf der Nordostseite der Gronauer Kreidemulde zeigen ferner zahlreiche Steiubrüche, welche fast immer im harten Pläner des oberen Cenoman betrieben werden, dass auf den Rücken zwischen je zwei Querthälern die Schichten auch in ihrem allgemeinen Streichen immer ein Gewölbe bilden und nach den Querthälern zu verhältnissmässig stark einfallen, so dass diese ziemlich engen Synklinal-Falteu entsprechen. Es fallen aber alle Schichten auf der Nordostseite wesentlich flacher ein als auf der Südwestseite, während sie im südöstlichsten Theile der Kreidemulde zum Theil fast horizontal liegen. Die Qnerthäler und die mit ihnen verbundenen Quer -Verwerfungen oder Fältelungen reichen aber oft genug nur wenig in das Tnron hinein und sind auf der Hoch- fläche desselben, wo die Schichten annähernd horizontal liegen, gar nicht mehr bemerkbar. Mit dieser verschiedenen Aufrichtung der Schichten mag die erwähnte Verschiedenheit in ihrer Lage- rung oder besser nuregehnässigen Lagerung Zusammenhängen, indem hei der Aufrichtung oder Muldenbieguno; der Schichten die
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weniger mächtigen Schichteufolgen festerer Gesteine stärker vei’- schobeu oder gefältelt wurden, als die mächtigeren.
Das Neocom ist unter dem Hilssandstein nur durch Thoue vertreten, welche wohl 20 — 30 Meter Mächtigkeit erlangen mögen und verschiedenen Horizonten des Neocom nngehören, aber nur
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an wenigen Stellen in geringer yVnsdelinung aufgeschlossen sind oder doch waren. Jedenfalls ist al)er auch das Untere Neocoin an vier Stellen zwischen Alfeld und dem Südende der Kreide- inulde durch bezeichnende Fossilien nachgewiesen. Es liegt aber in der Kegel auf Amaltheenthou oder Posidonienschiefer, i in Norden wohl auch auf noch etwas jüngeren Jurabildungen, aber in der Ziegeleithongrube au der Glashütte Westerberg, östlich von h'reden, auf dein Ainaltheeuthou ohne recht scharfe Grenze, uanientlich ohne dass irgend welche Gerolle eine Grenze andeuten.
Der Lias hat ferner auf der Südostseite der Kreideinuldc eine so geringe Ausdehnung, dass unmöglich seine unteren Zonen vollständig vorhanden sein können; ebenso fehlt dort fast überall der Rhätkeuper, der Kohleukeiiper, ein Theil des Gypskeupers und auch des Oberen Muschelkalkes. In der Ziegeleithongrube bei Everode N. Freden lagen aber kleine Schollen von Li as mit Amm. Planorbis und von Rhätkeuper unmittelbar auf den rothen Mergeln des Gypskeupers nicht concordant, sondern entweder hinaufgeschoben, oder etwa hängen geblieben bei dem Herabsiuken der übrigen Liasschichten. Dieses letztere ist aber jedenfalls wahrscheinlicher, da alle übrigen Schichten des Keupers und des Lias in das Liegende verworfen, gleichsam abgesunkeu sind. Die Hauptmasse des Muschelkalkes und des darunter folgenden Bunt- sandsteius liegt zwar steiler geneigt, aber sonst weniger gestört, namentlich durch (^uerbrüche. Diese Dislocationeii würden dann mit der Entstehung des Sattels Kreiensen oder Freden-Bantelu in Zusammenhang zu bringen sein, in dessen Spalte ein Specialsattel von Trias liegt, abgesehen von den eingesunkenen Schollen von Tertiärgebirge und Unterer Kreide. Aus diesem Grunde habe ich schon früher (Nachrichten der Köuigl. Ges. d.Wissensch. Göttingen 1895, 2, S. 2) die Vermuthung ausgesprochen, dass die Gronauer Kreidemulde auf einer Ueberschiebungsfläche über dem Lias liegen dürfte. Ob aber unter der Mulde auch alle höheren Schichten des Alittleren und Oberen Jura vorhanden sind, wird wohl erst festgestellt werden, wenn etwa ein Kali-Bohrloch bei Sack bis zu genügender Tiefe hergestellt wird. Anderenfalls ist schwer eine Erklärung für die schon von Wrumbtrh hervorgehobene Erschei-
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nung zu finden, dass unter der Gronauer Kreidcmnlde gerade die mächtigen, festen Kalke des Oberen Jura fehlen, welche nur wenige Kilometer südwestlich am Selter so hohe Klippen und Steilhäuge bedingen. Im Uebrigen sind die Begleiterscheinungen bei der Auf- faltung des Fredeu-Alfeld-Bantelner Sattels so mauuichfaltige und wechselnde, dass es sehr gewagt erscheint, auf Grund der immer- hin spärlichen Aufschlüsse weitgehende Folgerungen auszusprechen bezüglich der Lagerung von Schichten im tieferen Untergründe.
In der Ililsinulde bedingen nun zwar geringfügige Störungen die Einsattlungen des Hils- Kammes östlich und nordöstlich von Holzen, sowie westlich und südlich von Delligsen, aber der Flammenmergel, der Cenoman- und Tnrou-Pläner im Inneren der Mulde liegen ziemlich ungestört, abgesehen von Rutschungen des Flammenmergels in einzelnen Districteu. Dagegen bietet die Um- gebung der Hilsinulde ganz andere Verhältnisse als die Gronauer Kreidemulde. Auf ihrer Nordostseite im Süden folgen stellenweise vom Selter au alle Schichten des Oberen Jura, die Schichten des Amm. gigas^ die Plattenkalke, Münder-Mergel, Serj)ulit, Purbeck- kalk und auch der Wälderthou scheinbar ganz regelmässig über- einander bis zu den Neocom-Thonen und dem Hilssaudstein. An anderen Stellen, namentlich nordwestlich voir Delligsen, werden mehrfach einzelne Schichtenfolgeu durch streichende oder spiess- eckige Verwerfungen abgeschnitteu, während andere eine nuver- hältnissmässig grosse Breite erlangen.
Am Südostende der Hilsinulde setzt aber, wie ich schon früher gelegentlich ausgeführt habe, die Haupt- Verwerfung, welche die Jurabilduugen des Selter bei Naensen abschneidet, nicht durch den Hilskamm, wie Braun.s meinte, sondern läuft an dessen Süd- südwest- und später Südwest-Raud entlang und bedingt wohl mit die zahlreichen, dort anftretendeu Absenkungen von Hilssaudsteiu- Scholleu sowie die Erdfall- oder Graben -artigen Einseuknugen der Oberfläche unterhalb des eigentlichen Kammes. In diesem Gebiet nimmt aber die Verwerfung mehr den Cliarakter einer Ueberschiebnng an und vei-liei't allmählich ihre Sprunghöhe, viel- leicht mit unter dem Einfluss einer Reihe von geringfügigen Süd- Nordbrüchen, welche schon von M. Schmidt (Inauguraldissertation,
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Göttingen 1894) etwas weiter südlich liei Bartshausen und Avends- hausen in der Trias nachgewiesen wurden, aber in den Thonen des Lias und Braunen Jura nicht wohl verfolgt werden können, zumal da diese meist von mächtigem Hilssandstein-Schutt bedeckt sind. Jedenfalls ist bei Wenzen der Obere Muschelkalk viel weiter vom Hilskamme entfernt aber auch flacher gelagert, als bei Eimen und Vorwohle.
Nun hat zwar Brauns in seinen »Beiträgen zur Stratigraphie und Paläontologie der Hilsmulde« erkannt, dass nördlich von Eimen sowie von Wenzen Schichten des Braunen Jura gerutscht in einem Niveau liegen, in welchem im Fortstreichen Lias liegt, hat dies aber auf seiner Karte in einer Weise dargestellt, die ein sehr wunderliches Bild giebt und sicher nicht zutrifft; es sind vielmehr grössere Schollen von Thonen des Lias und Braunen Jur a, von der Bahnlinie bis in das Dorf Wenzen, sowie bei Eimen und Mainzholzen in den Bahn -Einschnitten vorhanden, welche vom Gehänge des Hils hierher gerutscht sind. Finden sich doch dieselben Schichten mit Amm. Württenhergicus etc. in den Wasser- rissen in weit höherem Niveau noch anstehend. Leider sind die Eisenbahneinschuitte, welche so i’eiche Ausbeute au Fossilien ge- liefert haben, jetzt fast ganz überwachsen.
Ob au dem südsüdwestlicheir Hange unter dem Hilssand- stein Thone des Neocom anstehen, konnte nicht festgestellt wer- den, da Aufschlüsse ganz fehlen, und Fossilien nicht gefunden wurden, doch möchte ich es annehmen, da unter ähnlichen Ver- hältnissen rings um die Gronauer Kreidemulde Neocom- Thone unter dem Hilssaudstein liegen, und da sie weiter nach Nord- westen sicher nachgewiesen sind. Die höchsten, darunter fol- genden Schichten dürften die Thone mit Ostrea Knorri oder Amm. Wüi'ttenbergicus sein, unter welchen dann der übrige Braune Jura und der Lias anscheinend regelmässig lagern; durch einen langen, anscheinend zwischen zwei Verwerfungen liegenden Streifen von Gypskeuper wird al)er daun der fJas vom Oberen Muschelkalk getrennt.
Etwa vom Bohlwege nördlich Vorwohle an kommen nun unter dem Hilsthou nach einander, als Anfang des »Ith«, immer höhere
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Schichten des Jura, also der Ornatenthou, Koralleuoohth, Kiinme- ridge, die Amm. -Schichten , Eiinbeckhänser Plattenkalke,
Münder-Mergel, Pnrbeck-Schichteu und Wälderthon hervor, ähn- lich, wie dies von Roemer auf seiner geologischen Karte Blatt Hildesheini dargestellt wurde, so dass die Sprunghöhe der Störung immer geringer wird, und diese selbst au der nordwestlichen Um- biegung des Hilskammes sich fast auf Null reducirt. Im Fort- streichen bei Fölziehausen und Capellenhagen sind annähernd streichende Verwerfungen wieder zu erkennen, aber ein Zusammen- hang mit der oben besprochenen Störung konnte in dem dicht bewaldeten Gebiet noch nicht nachgewieseu werden. Die Ueber- schiebung bleibt jedenfalls auf dem Hilssaudstein beschränkt.
Nördlich von der llilsmulde wird daun der Thon des Neocom wesentlich breiter, und der Wälderthon nimmt in der Weenzer Forst eine Fläche von ca. 4 Kilometer Breite ein; beide werden aber auf der Nordwestseite der Hilsmulde bis Delligsen allmählich wieder schmaler, so dass dort ihre Breite zusammen nur noch etwa 700 Meter beträgt.
Vielleicht geben die Aufnahmen in den angrenzenden Ge- bieten noch weiteren Anhalt zur Beurtheilung dieser immerhin ungewöhnlichen Lagerungsverhältuisse.
F. Zimmermann : Schichtenfolge und Gebirgsbau auf dem Blatte Lehesten. (Bericht über die 1898 vollendeten Auf- nahmen dieses Blattes.) Mit einer Kartenskizze i. M. 1 : 100000.
Am Aufbau des Blattgebietes betheiligen sich alle Formationen des Thüringischen Schiefergebirges vom obersten Cambrium bis zum oberen Culm, jedoch in verschiedenem Maasse der oberfläch- lichen Ausdehnung, so zwar, dass Culmschichten fast sieben Achtel dei- Blattfläche l)edeckeu und Cambrium bis Oberdevou nur entlang einem Theile des Nordrandes einen 2 bis 4 Kilometer breiten Streifen bilden, wie es die beigegebene, schematisch ver- einfachte Kartenskizze zeigt, an die im Norden noch ein schmaler Streifen des Blattes Prol)stzella angefügt ist ^).
') Ein Profilbild, von Lndwigstadt nach Brennersgrün verlaufend, habe ich einem unter dem Titel »Die geologische Kartirung der Gegend von Lehesten« (Lehesten, Neumeister, 1897. 8^*. 37 S.) gedruckten populären Vortrage beigegeben.
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A. Die Schichtenfolge und -Beschaffenheit.
Als älteste Scliicliten treten die gebänderten Pliycoden- schiefer mit dem bezeiclmenden Fossil anf, den Südrand der von Gümbel so genannten Lanensteiner Cambriuminsel bildend. —
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Darüber folgt gewöhnlich ein Quarzit von einer mir in Ost- thüringen sonst nicht bekannten Beschaffenheit, nämlich ungebändert, oft sogar klotzig und mit Quarz reichlich durchtrümert, frei von Fossilien. Die Mächtigkeit mag 30 Meter wohl nicht übersteigen. Ob Liebe in diesem Gestein einen Vertreter seines »unteren Quarzits des Untersilnrs« erblickt oder es zum Cambrinm ge- rechnet hätte, vermag ich nicht zu sagen; auf der Karte habe ich es, nm des Anschlusses an die Darstellung auf Blatt Gräfeuthal willen, als besondere Zone des Cambriums dargestellt.
Mit sehr grellem Gesteluswechsel, ohne Uebergänge oder Wechsellageruug, folgt der nach seiner gewöhnlichsten Ausbildung von Gümbel und Loretz »Griffelschiefer« genannte Asaphus- H orizont des unteren Untersilurs. Es fehlt also, wie es entsprechend auch schon für die nächsten westlichen Nachbargebiete Loretz hervorgehoben hat, der »untere Thuringithorizout«. Dagegen tritt der » obere Th ur ingith o rizo nt « mehrfach deutlich, wenn auch nicht im Zusammenhang verfolgbar, auf; er hat hier eine sein- geringe Mächtigkeit (von wenigen Decimetern bis vielleicht 2 Meter); die auf ihu bei Neuhüttendorf vor ein paar Jahren neu gerichteten Schürfversuche haben deswegen und wohl auch wegen un- genügender Beschaffenheit des Erzes nicht zu einem Abbau ge- führt, wie er doch neuerdings auf denselben Erzhorizout bei dem auf dem Nachbarblatt Gräfeuthal gelegenen Schmiedefeld in so grossem Maassstabe betrieben wird.
Der schon vom östlichen Nachbarblatt Lobeustein an ostwärts wohl allenthalten entwickelte »obere« oder »Hauptquarzit« des Untersilnrs ist auf Blatt Lehesten nur an einer Stelle durch Spuren angedeutet.
Infolge dessen und zufolge der vorhandenen Gesteinsübergäiige ist die Grenze zwischen den genannten Griffelschiefern und dem auch »Le der schiefer« benannten »oberen« oder »Haupt- schiefer« des Untersilurs eine fliesseude, meist schwer zu bestimmende; wo der obere Thuringit zu beobachten war, wurde er als Grenzhorizout benutzt. Die von Loretz schon früher zwischen Gräfeuthal und Saalfeld beobachteten bis fanstgrossen Quarzitknollen in diesem oberen Schiefer fand ich nördlich von
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Thünahof nicht selten wieder, doch ohne Versteinerungen. Viel- leicht aber stammt doch aus einem solchen Knollen eine von mir neu, leider nur unter Wegeschotter, l)ei Neuhüttendorf aufge- fuudene, leider nicht näher bestimmbare ('ijstidee^ ähnlich den Echinosphäriten, wie sie Loretz aus solchen Knollen mehrfach beschrieben hat. Diese Knollen liegen ganz vereinzelt in normalem Schiefer; sind es nicht verkieselte Concretionen , sondern Ge- rolle (eine Frage, die ich noch nicht habe befriedigend mir be- antworten können), dann verdient dieser Schiefer mit Recht den Namen »Geröllthonschiefer«, — einen Namen, den Kal- KOWSKY einem culmischen Gestein unseres Blattes meines Er- achtens zu Unrecht gegeben hat (siehe nachher unter Culm!).
Vom Mittel- und Obersilur ist hier nur zu berichten, dass — für thüriuMsche Verhältnisse — ersteres sehr o-erino; mächtief, letzteres — und besonders der Ockerkalk darin — ansehnlich mächtig ist (messbar aufgeschlossen in einem Steinbruche bei Ludwigstadt sind allerdings nur 8 bis 9 Meter), und dass beide, noch nach Art ihres gewöhnlichen Auftretens im LoRETz’schen westthüringischeu Aufnahmegebiete, aber abweichend vom öst- lichen Thüringen, zusammenhängende Bänder neben einander aut der Karte bilden, welche vielleicht nur zufolge schlechter Auf- schlüsse (Ueberschotterung) oder durch Verwerfungen LTnter- brechungen besitzen. Das Mittelsilur ist sehr arm au Kiesel- schiefem, darum auch nicht durch Steiubrüche aufgeschlossen. Die ziemlich spärlichen Graptolithen waren fast sämmtlich gerade Monograpten, mochten sie nun aus dem Alaunschiefer unter oder über dem Ockerkalk stammen. Als thüringische Seltenheit ver- dient Erwähnung, dass die hangenden Alaunschiefer bei Ottendort an einer Stelle sehr zahlreiche, aber schlechte Orthoceren geliefert haben. —
Am Wege von Ebersdorf nach Katzewich ist in vorzüglichem Aufschluss zu beobachten, dass über dem schwarzen obersilurischen Ahuiuschiefer sogleich die unterdevonischeu Kalkknoten- schiefer folgen; am Wege von Ludwigstadt nach Thünahof ist dies Verhältuiss beider Schichten nicht so sicher festzustellen, ebensowenig zur Zeit an einem Wege von Ottendort auf den
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Winterberg, wo gerade die Schichten zwischen Ocker- und Tenta- cnlitenkalk nicht aufgeschlossen sind (Gümbel erwähnt allerdings vom Winterberg einen guten Aufschluss, doch ist dessen Lage nicht mehr genau festzustelleu). Am Mühlberg bei Ottendorf end- lich liegt Tentaculitenkalk zwischen zwei Diabasen in jedenfalls fast senkrechter Schichtenlage und ist durch diese Grünsteine umgewandelt worden.
, Die höheren Schichten des Unterdevons sind die bekannten Thonschiefer, die zum Theil überreich, zum Theil auch wieder ganz arm au Ten tacul iten sind und oft quarzitische Lagen von wenigen Millimetern Stärke eingeschaltet enthalten; je nach Lage der Schieferung ist das Gestein dann ein schieferblau und w'eiss- gebänderter Bordenschiefer, oder es trennen sich die Quarzitlagen ganz von den Schieferlagen und zeigen dann nicht selten auf den Schichtflächen jene oft beschriebenen Nereiten u. s. w. Als Be- sonderheit ist zu erwähnen, dass die Schiefer am Winter- und Schwarzenberg in einzelnen Lagen glitzernde Kryställchen von Ottrelith reichlichst enthalten, und dass das Unterdevon am Bahn- hof Ludwigstadt dem oberen Untersilur ungewöhnlich ähnlich aus- sieht. — Im Unterdevon sind an verschiedenen Stellen, besonders am Winterberge, nicht bloss Schürfe auf Dachschiefer angelegt, sondern zum Theil schon bis zu grösseren Brüchen emporgewachsen, die aber doch zur Zeit sämmtlich eino-e^ano-eu sind.
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Als nächste Schicht lässt sich meist recht gut ein nicht blauer, sondern schwarzer, oft düunblättriger, ungebäudeter Schiefer aussoudern, der auf Blatt Probstzella auf der Karte schon be- sonders ausgeschiedeu und hier auch schon zum Mittel de von gestellt ist; er hat zuweilen dünne, unbedeutende Zwiscbenlager von Kieselschiefer, der so gut wie frei von Q.uarzadorn ist. Ein guter Name für diese leicht kenntlichen und gut leitenden Schich- ten wäre sehr erwünscht. Den Namen Lehmscliiefer, den Gümbel vermuthlich für diese Schichten vorgeschlugen hat, kann ich als einen passenden niclit bezeicliuen. Auch diese Schiefer sind an mehreren Stellen als (schlechte) Dachschiefer gewonnen worden; doch ist kein Bruch mehr in Betrieb.
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Das höhere Mittel de von besteht aus mittelkörnigen Grau- wacken, feinkörnigeren Grauwackensandsteinen und grauen bis bläulichen milden Thonschiefern, die alle in unregelmässiger, dünnschichtiger Wechsellagerung mit einander sich befinden, doch so, dass unten die Grauwacken und Sandsteine, oben die Thonschiefer vorherrschen. Diabasisch-tuföges Material, das anderwärts in Ost- thüringen einen wichtigen, wenn auch mehr mikroskopischen Be- standtheil aller Schichten dieses Horizonts anszumachen scheint und jedenfalls die Ui’sache der braunen Verwitterung (zu »Braun- wacke« und »Braunschiefer« ist), ist nicht in bemerkbarer Menge vorhanden. An Versteinerungen sind Crinoidenglieder, ein paar kleine Einzelkorallen und unbestimmbare Pflanzenreste zu nennen, anderes ist nicht gefunden.
Die bläulichen, meist etwas heller gebänderten hängendsten Thonschiefer gehen in die schimmelgrünen, ebenfalls etwas ge- bänderten, Cypridinen-führenden Schiefer des untersten Ober- devons über, die den Büdesheimer Schiefern Westdeutsch- lands und des Harzes mindestens sehr nahe stehen, wenn nicht damit identisch sind. Im Rehbachstollen der Oertelsbrüche Hessen sich schöne grüne, ebene Dachschieferplatten daraus spalten, doch bat man keinen grösseren Versuch gemacht.
Dem unteren Oberdevon sind auch noch violette Thon- schiefer zuzurechnen, die das Hangende der grünen bilden, und ihrerseits im Hangenden oft sehr kalkreich werden, derart, dass der — ursprünglich wahrscheinlich in Knollen oder Knoten an- gehäufte — Kalk jetzt, zufolge der intensiven Schieferung, in Form dünner (1 bis 2 Millimeter), aber bi’eiter (bis über 1 Deci- meter) linsenförmiger Blätter von hellröthlicher Farbe zwischen dem dunkleren Schiefer auftritt. Auch auf diesen Schiefer ist ein Dachschieferschurf unternommen worden, aber nach kurzem Ver- such wieder aufgegeben. An Versteinerungen haben sich nur kleine Crinoidenglieder, lagenweise gehäuft, gefunden. Dieser violette Schiefer fehlt westlich von Ludwigstadt ganz, ist aber von der Locpiitz oberhalb Otteudorf ab nach O. soweit verbreitet, als das Oberdevon auf dem Blattgelnete zu Tage geht, fehlt dagegen
Jalirlnu’h 1898.
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wieder auf den zunächst benachbarten Theilen des Nachbarblattes Lobenstein; ein ähnlicher Schiefer tritt erst in dessen entfernteren Theilen wieder auf und zwar wohl wieder verbunden mit grünem Schiefer, aber anscheinend im oberen Oberdevon.
Der mittlere Theil des Oberdevons von Blatt Lehesten wird von hellgrauen Knollenkalken gebildet, die Versteinerungen bisher nicht geliefert haben. Ihre Mächtigkeit mag — schätzungs- weise — 10 bis 15 Meter betragen. Im Osttheil des Blattes sind sie etwas krystallinischer und schiefriger als im Westtheil, was wohl auf nachträgliche Vorgänge zurückzuführen ist.
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Das obere Oberdevon wird von bläu lieh schwarzen, etwas schülfrigen Thonschieferu mit meist nur recht spärlichen, aber grossen (bis faustgrossen) Kalkkuollen gebildet und von blauschwarzen, hell verwitternden quarzitischen Sandsteinen. Stellenweise scheint es, als ob der Quarzit die hängendste Schicht bilde, an anderen Stellen wird er aber noch von dem dunklen, Kalkknoteu führenden Thonschiefer auch überlagert, ln diesem Schiefer fand ich spärlichst Posidonomya oenusta. —
Im Oberdevon finden sich mehrfach sclialsteinartige bis fast rein massige Grünsteine eingelagert, deren genauere petro- graphische Bestimmung noch aussteht. Ihr unterster, übrigens weit verbreiteter Horizont ist in der oberen Partie der Büdes- heimer Schiefer; ein anderer Horizont scheint in den allerobersten dunklen Schiefern zu liegen, ist aber nur südwestlich der Stadt Lehesten bei der Schiefermühle beobachtet ; die Lagerungsverhält- nisse dieses letzteren Schalsteins siud sehr unklar. — Echte, wenn auch nur fein- bis mittelstückige D iabas b recci en treten endlich noch inselartig aus Culmschichten hervor, dürften aber doch, da der Culm sonst frei von Diabaslagern ist, dem Oberdevon zuzu- rechnen sein. Ein paar dieser kleinen Inseln ragen nordöstlich bei Röttersdoi’f aus anscheinend nicht den untersten oder unteren, sondern aus etwas höheren Schichten des Unterculms empor. Mit der Diabasbreccieninsel an der Schmiedebacher Mühle ist auch ein sericitisch flaseriger, feinkrystallinischer, dünnschiefriger Kalk verbunden, den ich sonst nur noch von der Lindenmühle bei Wurzbach kenne, welchen Gümbel noch als uutersilurisch be-
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zeichnet hatte; die Mächtigkeit hiervon mag wohl nicht über 5 Meter betragen.
Ehe wir zum Culm übergehen, ist noch der sonstigen Diabase zu gedenken, die ja in der Hauptmasse vorculmisch sind. Es ist hier eine beachtenswerthe Erscheinung, dass im Westen — bis fast nach Ludwigstadt — solche Eruptivgesteine in allen Schichten ganz fehlen, von da ab aber nach Osten immer häutiger werden, und zwar nicht in einer, sondern ziemlich in allen Formationen vom Mittelsilur, ja stellenweise schon vom Cambrium an aufwärts. Abgesehen von einmen sehr dünnen Lagern im Unterdevon die feinkörnig und blasig sind, sind auf Bl. Lehesten alle klein- bis mittelkörnig; manche scheinen epidio- ritisirt zu sein. Hervorzuheben ist, dass ein durch Feldspath- krystalle porphyrischer Diabas eine charakteristische Zwischenlage im schwarzen Schiefer des unteren Mitteldevons, und ein recht normaler, gleichkörniger Diabas die hangende Grenze eben dieses Schiefers bildet. Ob diese körnigen Diabase ehemalige Ober- flächenergüsse oder aber Intrusivlager sind, war nicht mit Sicherheit oder Wahrscheinlichkeit zu entscheiden.
Am »Bergle« nordöstlich von Schmiedebach tritt auch im Mittel- devon dichter bis blasiger Diabas auf und zwar theilweise strotzend von schönen Variolen, also ein echter Variolit.
Die C ul m fo r m ati o u hatte, als ich an die Kartirung des Blattes ging, durch ihre hier ausserordentliche räumliche Aus- dehnung in mir die Hoffnung erweckt, dass ich endlich durch Erkennung und kartographische Aussonderung einer Mehrzahl von einzelnen Horizonten eine genauere Gliederung würde durch- führen können, als bisher auf den thüringischen Culinblättern möglich gewesen war; aus diesem Grunde habe ich auch den bayerischen Gebietsantheil des Blattes eingehender untersucht. Ich hatte dabei mein Vertrauen auf die so charakteristischen Gesteine einmal jenes Quarzites, der vom Wetzstein (dem höchsten Berge des Frankenwaldes) her bekannt war, anderseits des von Kalkowsky beschriebenen »Geröllthonschiefers« gesetzt. Leider ist meine Hoffnung nur theilweise erfVillt worden; der Werth der bisherigen, von »Willkür« und »geologischem Taktgefühl« bei Ent-
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Scheidung über das »Vorherrschen« von Schiefer einerseits, mittel- körniger Grauwacke anderseits bestinunten Gliederung in Unteren und in Oberen Culm al)er ist mir recht zweifelhaft geworden. Neue Arten von Versteinerungen habe ich nicht gefunden, nicht einmal (von einer einzigen Oertlichkeit abgesehen^) den auf dem Nachbar- blatt Probstzella ziemlich häufigen Palaeoj)hycus ßmbriafus, der dort ein bestimmtes Niveau (oder mindestens eine besondere Art Sand- stein) inne zu halten schien, wiedergefuuden ; und die sonstigen, übrigens auch nur spärlichen Versteinerungen Archaeocalamües scro- hicidatus und Dictyodora JAeheana haben sich wiederum als nicht für bestimmte Horizonte leitend, sondern als so gut wie allgemein verbreitet erwiesen.
Was die Erkennung der culmischen Schichtenfolge aus den rjaa;eruna[sverhältnissen betrifft, so begegnet diese auf dem Blatte Lehesten ganz besonderen Schwierigkeiten. Zunächst verlaufen nämlich die Hanptthäler , in denen die besten Aufschlüsse über Streichen und Fallen zu finden sind, vorzugsweise im Streichen der Schichten oder nur sehr spitzwinklig dazu, sodass es schwer hält, auf grössere Strecken gute Querprofile zu erhalten. Ferner ist die — im übrigen Ostthüriugen bisher nur sehr selten beobachtete — L^eberkippung der Schichtfalten hier im Silur- und Devon- gebiet mehrfach nachzuweisen und in vielen culmischen Dach- schieferbrüchen auf Querwänden häufig sehr schön in kleinem Alaassstabe zu überschauen; man muss darum auch in den anderen Culmo:ebieten selbst bei fortwährend sfleichgerichtetem Einfällen mit der Möglichkeit rechnen, dass das, was man für concoi’dante Einlagerung halten möchte, eine sattel- oder muldenförmige Ein- faltung oder gar ein ganzes System solcher Isoklinalfalten ist. Drittens ist — in denselben ebengenannten Gebieten — die gerade mit Sehichtenüberkippuug so häufig verbundene Ausbildung streichender oder mindestens sehr spiesseckiger V erwerfungen, die meist mit der Faltenüberkippung gleichsinnig einfallen, eben- falls thatsächlich nachzuweisen oder gar direct zu beobachten, darum in den andern Gebieten ebenfalls zu vermutheu; ja sie sind
0 Nur dicht südlich bei Ludwigstadt fand ich zwei E.’cemplaro.
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dort, wie ich dank dem Vorliaudenseiii der so eigenartigen KALKOWSKY’schen Coiiglonieratschicht aus deren genau verfolgter Oberflächenverbreitung schliessen muss, thatsächlich bis ganz in die Südwestecke des Blattes hinein vorhanden, ohne dass diese Verwerfuneen sich sonst noch durch irjrend welche Oberflächen- erscheinungen, (^uellbilduugen und dergl., bemerkbar machen. Es mag darum oft genug das scheinbare Auskeilen einer Schicht, bezw. das scheinbare Uebergehen einer Facies (Grauwacke) in eine andere (Schiefer), auf solche sonst nicht weiter nachweisbare streichende oder spiesseckige Verwerfungen zurückzuführen sein. Viertens sind auch mehrere Qu er spalten nachgewiesen, viele andere vielleicht aber auch sonst noch vorhanden; manche dieser Spalten zeigen aber das sehr schwer erklärliche Verhalten, dass sie auf eine 2;ewisse Strecke mit deutlicher Schichteuverwerfuinr verbunden sind, im weiteren Verlaufe aber, z. Th. schon in ganz geringer Entfernung, von einer charakteristischen Schicht ganz glatt gequert werden. Endlich ist auch noch jene allgemein verbreitete, in unserm Falle aber recht bedeutend sich geltend machende Schwierigkeit zu neunen, die in denjenigen weiten Flächeuräumeu, wo man nur auf lose Steine im Feld- und Wald- boden angewiesen ist, durch die verschi ed eu e Ve r witt e ru ugs - fähigkeit mit einander wechselnder Bildungen (Schiefer und Grauwacke) erzeugt wird, die aber von Ort zu Ort wechselt, so- dass bald die Schiefer, bald die Grauwacken in relativ erhöhtem Maasse ans den Lesesteineu verschwunden sind.
Lauter dem Zusammentrelien all dieser Schwierigkeiten habe ich mir nun folgendes Bild über die Einzelschichtenfolge in unserm Cuhn, zunächst in der Osthälfte des Blattes, gebildet;
Im Anschluss an das oberste Devon zieht sich concordant mit diesem jene Reihe von Thonschieferschichteu mit wohl einzelnen oder selbst häutigen Sandsteinlagen, aber ohne’) eigentliche Grau- wackelageu hin, welche der Träger fast aller culmischeu Dach-
b Nur an ein paar ganz vereinzelten Stellen östlicli von Lehesten haben sich einzelne, anscheinend einer und derselben Bank entstammende Brocken echter und zwar gleich ziemlich grober Grauwacken gefunden; diese Bank kann aber nur sehr gering mächtig sein und ist gewiss ganz vereinzelt.
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sch ieferbrik'lie ist, durch die der Ort Lehesten fast weltberühnit rreworden ist, insl)esondere also der a;rosseii Oertelschen und herrschaftlichen Brüche bei Lehesten nnd aller Brüche zwischen Ludwigstadt und Ebersdorf. Diese Schichtenreihe lässt sich wieder eiutheilen in eine unterste, wenige Meter mächtige Zone schwarzer Schiefer (mit dunklem Strich) : Liebe’s Russschiefer, in denen auch die miss- bis apfelgrossen, kugelrunden bis ellip- soidischen Concretioneu Vorkommen, die Liebe Geoden genannt hat; während Graf von Solms für die Geoden desselben Horizontes bei Saalfeld eine Zusammensetzung ans vorwiegend Kalkphosphat uachgewiesen hat, bestehen die Lehestener vorwiegend ans schwar- zer kieselschieferartiger Masse (mit 20 — 24 pCt. SiO-2 und nur etwa 12 pCt. Kalkphosphat). Aus diesem Horizont stammt auch die Sphenojyteris Guilehni imperatoris Weiss, während Cardiopteris, Archaeopteris nnd Odontopteris, wie sie v. Fritsch (Z. f. Nat. Bd. 70? Leipzig 1897) noch von dem Nachbarblatt Probstzella beschrieben hat, fehlen; nur Lepidostrobus cf. Faudelii ist in schön verkiesten Exempla- ren, sowie grosse Calarniten in schlechter Erhaltung noch gefunden, und die Geoden sind oft reich an Radiolarien. Diese dunkeln Schiefer liefern z. Th. sehr dünne, aber nicht die besten, haltbarsten Dach- schiefer. Alle diese Schiefer aus der Umcrebune; von Lehesten und Schmiedebach enthalten viel feinvertheilten, meist mikroskopischen, seltener makroskopischen Schwefelkies, und liefern, auf die Halde ge- worfen nnd dort der Oxydation ausgesetzt, reichliche Mengen von Eisen- und Thouerdesulhit; die aus diesen Brüchen und Halden ab- fliessenden Bäche wirken durch diese Stoffe schädlich auf die um- gebende Wieseuvegctation ein nnd setzen auf ihrem Boden anfangs rostbraune Eisen-, später gemischte gelbe, endlich weisse Thonerde- uiederschläge ab. Das Hinwegfliessen über kalkhaltiges Oberdevon scheint eine schnellere Befreiung des Bachwassers von dem Eisen zur Folge zu haben. Im Sormitzthale reichen die weisseu Absätze bis fast nach Lentenberg abwärts, über 6 Kilometer vom letzten Schieferbruch entfernt; im Loquitzthale hören sie schon in Ludwigstadt, 5 Kilometer von ihrer Heimath in den Herrschafts- brüchen, auf. Die Scliiefer des Ludwigstadt-Ebersdorfer Gebietes selbst aber beeinflussen die abfliesseuden Wässer nicht, Trogenbach
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und Taugwitz sind also frei von Absätzen ; ob die Schiefer keinen Schwefelkies oder einen nicht so leicht verwitternden enthalten, bedarf noch der Untersuchung.
Die »dunkeln« Schiefer gehen durch »halbdunkle« in den »blauen Stein«, die gesuchteste Waare, über. In diesem ist der Schwefelkies fast ganz in den Ins fast 2 Meter grossen »Kieskälbern« oder »Säuen« concentrirt. Noch höher folgt der »Bordenschiefer«, bei dem die einzelnen Schichten gewisse, sich oft auch in der Farbe ausdrückende Unterschiede besitzen, die unter dem Eintluss der Schieferung’ eben die »Bordenbilduug« l^e wirkt haben. Der Bordenschiefer der Herrschaftsbrüche besitzt Spaltflächen, die leb- haft an diejenige riesiger polysynthetischer Feldspathkrystalle er- innern. In den Bordenschiefern der Oertelsbrüche treten die ältesten Dictijodora-\\e^iQ auf. Die noch höheren Schichten, die nur noch Schürfe, aber keine andauernden Brüche auf Dachschiefer veranlasst haben, zeichnen sich durch nichts besonderes aus; sie haben meist schon deutlich sandige Zwisehenlagen.
Man möchte vermuthen, dass die noch weiter von der aus- streichenden Devongrenze entfernten (z. Z. verlassenen) Schiefer- brüche an der Westseite des Lehestener Kulms und im Birkigt bei Lehesten noch höheren Horizonten angehören; da sie aber wieder dunkel sind, ist nicht ausgeschlossen, dass hier Wieder- aulFaltungen der tiefsten Zone, der »Russschiefer«, vorliegen. Sind mir aucJi die kleinen »Cxeoden«, die das beweisen könnten, nicht bekannt geworden, so wird man doch in der angedeuteten Vermuthung dadurch bestärkt, dass nun auch wieder Quarzite sich einstellen, die denen des obersten Devons im Handstück zum Verwechseln gleichen. Es sind das die Quarzite, welche den Bergzug des Wetzsteins und des Kulms bilden und die ich darum als »Wetzsteinsquarzit« kurz bezeichnen möchte, wenn auch der Name den Gedanken an eine Benutzung aufkommen lässt, der das Gestein nicht unterliegt, vielleicht selbst ganz unfähig ist. (Es wird nur zu Wegeschutt und Pflastersteinen gewonnen). Für
b Ich schreibe den deutsclien Bergnamen Kulm immer mit K, den aus dem Englischen übernommenen Formationsnamen Culm stets mit C.
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dieselbe Verniutliuug, dass diese Quarzite dem Devon angeboren können, und dann also eine Emporsattelung darstellen würden, spricht weiter auch der Umstand, dass jenseit einer wichtigen Querspalte, welche den Quarzitzug des Wetzsteins am Südwestfusse dieses Berges abschneidet, ein allerdings sehr viel schmälerer Zug eines gleichartigen Quarzites, ebenfalls vielfach mit »dunkeln« Schiefern verbunden, in der Tiefe des Dobragruudes weithin i) fortsetzt und die Mitte eines U/2 bis zwei Kilometer breiten grauwackeufreieu Schieferstreifens zwischen breiten Granwackeuzoueu einuimmt, den ich als Untercnlm kartirt habe und als »Dobrathalsattel« bezeichnen möchte; ja im »dunkeln« oder »Russschiefer« dieses Zuges am Heiligeuholze bei Tschiru, habe ich sogar ein paar »Geoden« ge- funden. Endlich'^) spricht für das oberdevonische Alter des Wetz- seiusquarzits auch noch der Umstand, dass derselbe im Westtheile von Blatt Lehesten ebenso wie auch sonst in Ostthüringeu fehlt und darum eine Aufsatteluug des weltverbreiteten Devonquarzits leichter anzunehmeu ist als eine culmische Faciesbildung: von so
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geringer Ausbreitung. — Wenn ich aber trotz alledem vorläutig doch bei letzterer Annahme und bei der ihr entspreeheudeu karto- graphischen Darstellung bleibe, so veranlasst mich dazu einerseits der Fund schlecht erhaltener, aus Oberdevouquarzit aber mir über- haupt noch nicht bekannter Pflanzenreste in einem Quarzitbruch au der Lehesteu-Breunersgrüner Strasse, anderseits die ungewöhn- lich grosse Mächtigkeit von ein paar hundert Metern, die der sonst nur etwa 10 — 15 Meter mächtige Oberdevouquarzit am Wetzstein 3) haben würde, vor allem aber das nach den bisherigen Beobachtungen gänzliche Fehlen anderer charakteristischer Ober- devongesteine, z. B. der dunklen Kalkkuotenschiefer. Dass mitten im Quarzitgebiete Streifen von Russschiefer zu Tage treten, lässt sich ebensogut unter der Annahme erklären, dass dies Einlage-
*) Von mir bis zur Blattgrenze bei Rappoltengrün verfolgt.
Auf den Umstand, dass im Gebiete dieses Quarzites recente Torfmoore nicht selten sind, während solche sonst im ganzen Thüringischen Culmgebiet zu den grössten Ausnahmen gehören, wahrscheinlich, weil die daraus entspringenden Wasser ungeeignet sind, wäre vielleicht auch noch hinzuweisen.
Alle Aufschlüsse des Wetzsteinsc|uarzitos zeigen gleichsinniges Fallen nach NW.
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rungen iin culinisclien Quarzit, wie dass es Einfaltungeii von Culiu im devonischen (Quarzit sind. Blcihcn wir also vorläufig dabei, dass der Wetzsteiusejuarzit uuterculinisch ist, so würde er vielleicht als eine compactere Quarzitanhäutung an Stelle des ähnlichen, aber sonst mit vielen Schiefern dünnschichtig wechsellagernden Palacophi/cufi ßmbriafus-G este'ms zu deuten sein, welches, wie ge- sagt, auf dem Nachharblatt Probstzella so verbreitet ist. Zu dieser besonderen Vermuthuug hat mich die Ausbildung des Quarzits am Kuhn bei Ilöttersdorf gebracht, welche von der am Wetzstein im Sinne einer Annäherung au das Firnbriatm-Gestein einigermaassen abweicht; ein Fund eines P. pmbriatm ist allerdings nicht zu ver- zeichnen. — So hat sich also die auf den Wetzsteinsquarzit in stratigraphischer Hinsicht gesetzte Hoffnung nicht sicher bewährt.
Geht mau vom Wetzsteiusquarzit w'eiter nach Südost, also auf jeden Fall iu’s Hangende, so kommen wieder verschiedene zunächst grauwackeufreie T houschiefer, zu denen u. a. auch die schwefelkiesfreieu Bordeuschiefer der Böttersdorfer Brüche im Kohrbach gehören. Die nach ihrer Haltbarkeit vorzüglichen Schiefer des Bruches Hoffnung bieten Dictyodora in derselben Erhaltung dar wie die Brüche des ostwärts benachbarten Wurz- bach.
Noch weiter nach Südosten bis an die Blattgrenze folgt ein zwei- bis dreimaliger Wechsel von ^/4 bis 1 Kilometer breiten uordostwärts streichenden Zonen von Granwacken-Thouschiefer- Wechsellagerungeu einerseits, und von reineren Thonschiefern andrerseits. Diesen Wechsel habe ich auf der Karte als einen solchen von Ober- und Dnterculm dargestellt, also als ein System von Sätteln und Aluldeu: den in dem unsymmetrischen Auftreten gröberer Grauwacken (mit Bröckcheu bis über Erbsengrösse) in einer dieser Zonen begründeten scheinbaren Widerspruch habe ich mir durch die Annahme einer streichenden Verwerfung zu lösen gesucht, die allerdings sonst nicht weiter zu belegen ist. Die genannte grobe Bank scheint leider nicht im Zusammenhang ver- folgbar zu sein; auch konnte ich nicht feststellen, ob sie nur in Einzahl vorhanden ist oder ob mehrere ähnliche Bänke existiren. Andere Ausscheidungen oder stratigraphische Beobachtungen waren
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in der bisher vorzugsweise zu Gruudo gelegten Osthälfte des Blattes nicht zu machen.
Wenden wir uns der W esthälfte zu, so müssen wir zur Be- gründnug dieser Trennung vorauschicken, dass diese durch die schon S. LXXll erwähnte, grosse, schon früher von üÜmbel (siehe Fichtelgebirge S. 548) erkannte Verwerfung natürlich gegeben ist, die in hercyuischer Richtung streichend vom Eiseuberg (uordw'est- lich von Ludwigstadt) aus, zwischen Lanenhaiu und den herr- schaftlichen Schieferbrücheu hindurch, nach der Loquitzqnelle zu verfolgen ist, den Südwestfuss des Wetzsteius abschueidet und dann ihre Deutlichkeit verliert; sie fällt also ungefähr mit der einen Blattdiagonale zusammen.
Südwestlich von dieser Spalte nimmt nun grauwackeufreier Uuterculm nur im Norden einen verhältnissmässig schmalen Raum ein. In seinen untersten Schichten zeigt er keine Abweichung von dem Verhalten im Osttheile des Blattes, der Wetzsteinsquar- zit aber fehlt, wie gesagt, und höhere Schichten (dem Rötters- dorfer Dachschieferhorizont entsprechend) lassen sich darum nicht unterscheiden.
Als Grenze gegen das Obercnlmgebiet Hess sich dort, d. h. zwischen Lanenhaiu und Ebersdorf, nur eine sehr unregelmässige Linie ziemlich willkürlich feststellen, die aus Stücken verschiedener Art (durch Erosion beeinflusster Ausstrich gefalteter Schichtflächen, Quer- und streichende Verwerfungen, vielleicht selbst nur schein- bare, durch Verwitterung und Verschotterung beeinflusste Grenzen) zusammengesetzt ist. Eine Specialgliederuug der grossen Ober- cuhnfläche war gar nicht möglich, bis allein auf die Ausscheidung jenes eigeuthümlicheu, 18 — 20 Meter mächtigen Couglomerates, für welches Kalkowsky 1) den Namen Geröllthouschiefer eiu- führen wollte.
Dieses Couglomerat ist in dem sonst so einförmigen Obercnlm für den Geologen ein erfrischender, wieder Reiz verleihender Anhaltepunkt von hoher Wichtigkeit. KalkowsfvY hat in seiner
') Kalkowsky, Geröll - Thon schiefer glacialen Ur.^prungs im Culm des Frankenwaldes. Zeitsch. d. Deutsch, geol. Ges. 1893, 69 — 8G.
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ausführlichen Gesteinshescljreibung vor allem die Frage nach der Gesteinsentstehunü: berücksichtigt und ist bei seiner eingehenden Frörteruug der verschiedenen Möglichkeiten zu dem Schlüsse gekommen, dass nur Eisschollen im Stande gewesen wären, Fluss- gerölle von den vorhandenen Grössen soweit von der Küste hin- weg in das »Culrnmeer« hinein zu transportiren, wie man anzu- nehmen genöthigt sei, und dass auch nur die Auhänfung der durch Abschmelzung ans diesen Schollen unregelmässig nieder- fallenden Frachtmassen eine solche Dnrcheinandermischuug von sehr grossen und schweren Geröllen mit millionenfach kleineren Schlammpartikelchen, in allen GrössenzwischenstnfeiG), ergeben könne, wie sie thatsächlich zn beobachten sei. Diesen Ausführungen ist entgegenznhalten, dass für denCulm, insbesondere für die Haupt- masse des thüringischen, eine marine Entstehung noch längst nicht bewiesen, ja, nicht einmal wahrscheinlich ist, da wir höchstens ein paar geringe Einlagerungen durch die Menge der darin enthalte- nen Crinoideuglieder als marine anerkennen können, sonst aber unzweifelhafte Meeresversteinerungeu unbekannt, von näher be- stimmbaren Resten aber nur noch Landpflanzen vertreten sind. Der von Kalkowsky betonte Punkt, dass Meerwasser die Sedimentation beschleunige, dürfte also wahrscheinlich aus der Beachtung füg- lich herausfalleu. Wenn ich nun auch nicht abgeneigt hin, ent- gegen Kalkowsky und wohl auch vielen anderen Geologen, nnsereu Cnlm im grossen Ganzen als eine S üss wasse rb ild ung auzn- sehen, so will ich damit die Entstehung des Couglomeratlagers noch längst nicht erklärt haben, diese Erklärung bleibt vielmehr auch von meinem Standpunkte ans eine schwierige. Nach meiner Erinnerung aber haben manche andere Conglomerate, z. B. das vom Ranbschloss bei Dörrberg in den Goldlanterer Schichten des
') Bei dieser Art der Zusammensetzung macht aber das Gestein im grossen Ganzen gar nicht den Eindruck eines »Thonschiefers mit Geröllen«, viel eher den einer Grauwacke mit Geröllen. Da aber der Begriff Conglomerat ganz gut definirt und darnach auch gar nicht so vieldeutig ist, sehe ich nicht ein, warum man den Namen nur deswegen, weil er zuweilen auch falsch angewandt worden ist, in die Rumpelkammer werfen soll. Ich werde also unser Gestein auch weiterhin Conglomerat nennen. Als »Geröllthonschiefer« kann ich nur ein Gestein wie das vorhin beim oberen Untersilur beschriebene anerkennen.
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Thüringer Waldes, eine ganz gleiche Structiir, und eine für dieses Congloinerat aufzustellende Erklärung dürfte vielleicht auch für unser Culincongloinerat gelten. Uebrigens wird man letzteres erst noch kartographisch über weitere Gebiete festlegen, sowie auch die Herkunft seiner Gerolle eingehender untersuchen müssen, ehe man alles zusammen hat, was bezüglich der Genesis als Grund- lage zu Hypothesen nöthig ist. Ich kann gerade hierzu noch einige Beiträge liefern. Das gleiche Gestein, vielleicht demselben Horizont angehörig, habe ich au mehreren Stellen des angeblichen Untercnlmsattels von Plotheu-Volkmannsdorf auf ^ Blatt Pörmitz gefunden, und es wäre wünschenswerth, wenn es . von diesen Stellen aus systematisch weiter verfolgt würde; Liebe hat es lei- der nicht ausgeschiedeu, weil er es für eine örtlich gar zu be- schränkte Bildung hielt. Auf Blatt Schleiz setzt eine ebenfalls ziemlich grob conglomeratische, vielleicht mit der Volkmau nsdorfer identische Bank, in einer Breite von 10 Meter quer zum Streichen, als ein natürliches Felsenwehr durch die Saale am Fusse des Teufelsberges unterhalb Burgk. Fundorte auf den Blättern Liebeu- grüu u. Ziegenrück habe ich in den zugehörigen Erläuterungen (S. 20 bezw. S. 5) angegeben. Leider habe ich bei den dortigen Aufnahmen diese Conglomeratbank nicht systematisch verfolgt. Möchte dies nachträglich noch von irgend einer Seite geschehen! — Ich habe endlich als letztes mir z. Z. bekanntes Conglomeratlager im höhereiPj thüringischen Culm dasjenige zu uenueu, welches ich auf dem als Blatt Titschendorf bezeichneten südlichen Anhang au Blatt Lobensteiu in den Abtheiluugen 30 und 37 des Bodacherbrunner Forstes o-efundeu habe; dieses Gestein könnte allenfalls in manchen Proben als Geröllthonschiefer bezeichnet werden. Es streicht freilich in allergrösster Nähe an der einen Seite eines Devonsattels entlang, da es aber auf der andern Seite fehlt, darf mau wohl das Vor- handensein einer streichenden Verwerfung zwischen Congloinerat und Devon annehmeu. In die streichende Fortsetzung dieses Conglomerates nach SW. könnte vielleicht jener Zug fallen, der
') Ueber Conglomerate im mitersteii Cnlm mancher Gebiete werde icli gelegentlich an anderer Stelle berichten.
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nach Gümbel (Fichtelgeb. S. 553) über das Mauthaus nach dem Gänsehügel bei Nurn zu verfolgen ist.
Was die Art und Herkunft der Gerolle l)etrift’t, so dürften hier folgende Ergänzungen zu Kalkowsky von Wichtig- keit sein. Das allerhäutigste Geröllgestein ist ein grauer, glasiger, feinkörniger (Quarzit, wie er vielleicht im Cambrium des westlichen thüringischen Schiefergebirges, aber weder im Cambrium noch im Silur Ostthüriugeus vorkommt; auf eigentliche Phycodenschichteu zurückführbare Gerölle sind mir nicht aufgestossen. Die Heimath der (ziemlich reichlichen) Granite anzugebeu ist mir unmöglich, von Diabas habe ich, wenn die Bestimmung der zersetzten maudel- steinartigeu Masse richtig ist, e i n Geröll, von Kalkstein gar keines gefunden. Dagegen kommen an ein paar Stellen der von Kalkowsky beschriebenen frischen Eisenbahnaufschlüsse kugelige, feinkörnige Gi’auwackenmassen cul mischen Aussehens von solcher Grösse vor, wie sie kein anderes Geröll zeigt; ich beobachtete an einem solchen nördlich der Basteis Mühle 40x60 Centi- meter Durchmesser! Wären schon, abgesehen von ihrer Grösse, solche Gerölle von Cnlm in Culm bemerkenswerth , so sind noch auflalliger die von mir in Mehrzahl gefundenen Gerölle von grauem, weissem und rothem Quarzporphyr, von aplitischem Granit, von porphyrischem Aplit, und selbst eines von Lamprophyr; sie gleichen in hohem Maasse manchen Gesteinen, die als Gänge im thüringischen Scliiefergebirge bekannt sind und die im allgemeinen in Thüringen als post-culmisch gegolten haben.
Ueber das Vorkommen des Conglomeratlagers selbst ist noch folgendes hinzuzufügen. Wegen seiner wissenschaftlichen Beden-
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tung habe ich es sehr sorgfältig verfolgt und auch auf der Kartenskizze eingetragen. Während es aber an gewissen Stellen in malerischen, gewaltigen Pelsmauern^) und Blockmeeren sich auffällig bemerkbar macht, ist es au anderen Stellen ganz und gar zerfallen, nicht bloss in die einzelnen Gerölle, sodass mau ein diluviales Schotterlager vor sich zu haben vermeinen könnte (Knock bei Teuschuitz), sondern auch diese Gerölle selbst
') Die höchsten (bis 20 Meter) Mauern sind leider ganz im Wald versteckt zwischen Teuschuitz und der Finkenmühle südlich ausserhalb Blatt Lehesten.
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sind wieder verwittert uud zerfallen (Sandgrube 1 Kilometer nord- östlich von Teusclinitz); und so mag es kommen, dass manche Vorkommnisse der Beobachtung gäuzlich entgehen können. — Von dem Aufschluss an der Kohlmühle lässt sich das Lager nur wenig weiter verfolgen nach SW., hört dann aber plötzlich spur- los auf; von der Basteis Mühle an kann man es aber fast zusam- menhängend im Bogen zuerst uordostwärts nach den Hasslacher Gartenäckern verfolgen; am Nordfuss des Zilliug-Hügels kehrt es wieder westwärts an die Eisenbahn zurück, überschreitet das Thal uud zieht sich daun südwestwärts gegen die Steiubacher Mühle, hin, wo es etwa beim Kilometer 24,1. die Chaussee im dortigen Thale erreicht. In diesem wird der Zug gerade einen Kilometer nordwärts verschoben, beginnt also wieder im Dorfe Steinbach und zieht sich südwestwärts bis zum Winterberg, erleidet hier wieder eine Verschiebung nach Norden uud setzt dann von neuem in der alten Richtung fort, in der ich es bis zur Aumühle im Oelschnitz- thale unterhalb Windheim und Hirschfeld verfolgt habe. Ein anderer Zug, vermuthlich die um 2 Kilometer ostwärts verschobene Eortsetzuug dessen an der Basteis Mühle, streicht von der genann- ten Sandgrube aus östlich von Teusclinitz vorbei auf das südliche Nachbarblatt hinüber, auf dem ich ihn vorläufig noch 2 Kilometer weit, nämlich bis zum Reuthhügel östlich von Wickeudorf, verfolgt habe. Eine Reihe kleiner isolirter, aber den genannten Hauptzügen benachbarter, von diesen durch k'altuug uud Erosion oder durch Verwerfuuffeu getrennter Flecke sind künftio- aus der oreologischeu Karte zu ersehen; sie sind ohne Einfluss auf das Gesammtbild, welches uns, in Verbindung mit dem vielorts zu beobachtenden Einfällen, eine grosse nordöstlich streichende, zugleich aber sich im NO., an den Garteuäckern bei Hasslach, heraushebende Mulde darstellt, welche durch eine untergeordnete (schon von Kalkowsky erwähnte) Sattelbilduug an der Bastelsmühle, vor allem aber durch spiesseckige und (nach ihrer Lage nicht genau bestimmbar ge- wesene) quere Verwerfungen sehr verunstaltet ist. Die innerhalb dieser Mulde, die wir nach dem Hauptorte darin die Teusch- nitzer Mulde nennen wollen, gelegenen Schichten müssen als die (im Bereich unserer Karte) jüngsten des Ol)erculms gelten; die in
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der Osthälfte des Blattes auftretenden Oberculmschichten dürften, weil dort die Cougloineratbank nicht beobachtet ist, sämintlich zu den älteren gehören.
Das Congloinerat hat mir östlich von Teuschnitz als be- merkeuswerthe Seltenheit einen Abdruck eines Calamiten, jeden- falls Archaeocalamites^ geliefert, sonst aber ist es anscheinend frei von Versteinerungen. Dagegen hat der Schiefer in seinem Liegen- den, wie in seinem Hangenden Dictyodora Liebeana mehrfach dar- geboten, und ein Exemplar derselben gerade aus diesen Schichten (östlich bei Teuschnitz) ist das besterhalteue von den vielen Hun- derten, die mir überhaupt in die Hand gekommen sind. Dass die Kegelspitzen der Dictyodora übrigens nach oben gerichtet sind, habe ich von neuem wieder im Anstehenden im Dorfe Hasslach (sowie an einem neuen Fundorte bei Wnrzbach auf Blatt Loben- stein) beobachten können.
Es ist schliesslich noch zu erwähnen, dass gerade in der hangenden und nächsten liegenden Nachbarschaft des Conglomerat- horizontes Thon schiefer in ziemlich mächtigen, bezw. aus- gebreiteten Massen in solcher Reinheit und zum Theil auch solcher Beschaffenheit Vorkommen, dass man sie, ohne Kenntniss der Lagerungsvei’hältnisse, leicht für Unterculm kartiren würde. Auch die Grauwackenbäuke, von denen die unterste, sogleich auf dem Congloinerat gelagerte und zu beiden Seiten der Haslach nördlich der Bastelsmühle durch Steinbrüche aufgeschlossene eine compacte, durch keinerlei Schichtfugen und keine Gesteinsabänderung: unter- brochene Bank von 6 Meter Mächtigkeit darstellt, zeigen oft eine Beschaffenheit (Keichthum an Qnarzköruchen und Glimmerblätt- chen), die ich bisher am häufigsten bei unterculmischen Grau- wackenbänken gefunden habe und darum bisher als einigermaassen charakteristisch anseheu zu dürfen glaubte.
Andrerseits haben viele Schiefer, und zwar gerade im SW. des Blattes, eine jugendlichere, ursprünglichere Beschaffenheit darin gewahrt, dass sie nach Art mancher Schieferthone oder selbst mancher Keupermergel mit unregelmässig muscheligem Bruch kiirz- bis selbst grusig-kleinbröckelig sind, also von Schieferung gänzlich unbeeinflusst. Der Gesteinshabitns ist dadurch ein von dem der
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Dachschiefer ausserordentlich abweichender imd so jugendlicher, dass man daraus beinahe auf postculmisches Alter schliessen möchte.
Auch die Grrauwacken auf dem Plateau westlich von Teusch- nitz zeigen noch eine Besonderheit gegenüber allen sonstigen Ge- steinen des Blattgebietes darin, dass sie regional secundär ge- röthet sind. Ich habe die Vermuthung, dass diese Röthung in irgend einer Weise mit dem Rothliegenden zusammenhängt, welches ja jetzt noch gei'ade diesem Blattgebietstheile am nächsten (bei Rothenkirchen auf dem südwestlichen Nachbarblatt) ansteht und fi'üher vermiithlich auch noch weiter nordwärts heraufgereicht hat. (In gleicher Weise zeigen ja auch am Nordrande des Schiefer- gebirges, in der Nähe des Zechsteins und Rothliegenden, fast allenthalben die Schiefer und Grauwacken, gleichgültig ob cul misch oder älter, bis hinab zu den cambrischen, eine Röthung, die den- selben Schichten in centraleren Theilen des Gebirges abgeht!) —
Bevor ich zur Tektonik des Blattes Lehesten übergehe, will ich nur noch kurz erwähnen, dass — aber fast nur in der Nord- ostecke — auch eine AnzahL) m eso vulkan ischer Eruptiv- gänge auftreten, und zwar zahlreiche lamprophyrische (z. Th. von PöHLMANN beschriebene), nämlich Kersantit und Tonalitporphyrit (= Paläophyr Gümbel), sowie ein dem Quarzporphyr von Lichten- tanne (Blatt Probstzella) gleichender, jedenfalls seine Fortsetzung bildender Gangzug in der Nordostecke des Blattes, — und ein 7 Meter mächtiger Gang eines Mesodiabas mit etwa 1 Decimeter mächtigem, dichtem, also melaphyrischem Saalband im äussersten Südosten. Letzterer Gang ist das Nordwestende eines Gangzuges, den ich zunächst bis Ileinersberg I)ei Nordhalben, 4 Kilometer weit, südostwärts verfolgt habe, der aber, wie ich vermuthe, noch (12 Kilometer) geradlinig weiter bis Lippertsgrün und vielleicht noch viel weiter fortsetzt; von letzterem Orte wenigstens bildet Gümbel in seinem »Fichtelgebirge« den Schliff eines unzweifel- haft hierher gehörenden Ganggesteines ab! Es würde das ein
*) Auf cloin boigegebeuou Kilrtclion sind nur einige der wiclitigeren einge- tragen, verselientlicb mit allzu iibortriebener Milclitigkeit.
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paralleler und ebenflxlls exclusiver (d. li. von andern mesovnlkanischen (längen sich möglichst fernhaltender) Gangzug sein wie jener des gleichen Gesteins, welcher mir jetzt von Saalfeld bis Hirschberg a/s. auf 40 Kilometer Erstreckung mit immer nur kleinen Unter- brechungen bekannt ist.
Der Lichtentanner Quarzporphyrgang verläuft auf einer von der Hauptverwerfung spiesseckig nach SO. abzweigenden Seiten- verwerfung. Da es wahrscheinlicher ist, dass er diese Spalte be- nutzt, also vorgefuuden hat, als dass die Verwerfung einen prä- existirenden Gang benutzt hätte, und da dieser Porphyrgang ver- muthlich ein carbonisches oder permisches Alter besitzt, so ist auch ein palaeozoisches Alter für die se Sei ten Verwerfung wahr- scheinlicher als ein tertiäres, welches die parallelen Schiefergebirgs- randspalteu besitzen. Ueber das Alter der Hauptverwerfung ist damit aber immer noch nichts präjudicirt, und dieses ist also auch heute noch zwischen Perm -Carbon und Tertiär zweifelhaft und wird es, da die Aufnahmen abgeschlossen sind, nun auch wohl bleiixen. Dasselbe gilt auch für die zahlreichen anderen hercyni- scheu Spalten unseres Schiefergebirges. —
Die Erwähnung, dass der äusserste Nordostwinkel des Blattes, östlich der Kl. Sormitz, schon in den Contacthof des Henn- b erg- Granits gehört, leitet endlich zur Tektonik des Blattes selbst über.
B. Der Gebirgsbau.
Um den Gebirgsbau des Blattes zu verstehen, müssen wdr dasselbe zunächst nach seiner allgemeinen Lage im gesammten thüringischen Schiefergebirge zu begreifen suchen.
Ich habe schon vor längerer ZeitQ die grosse, SW. — NO.- streichende von Culm erfüllte Mulde, die sich nordwestlich vor dem von Cainbrium eingenommenen »Ostthüringischen Haupt- sattel« hinzieht, die »Ostthüringische Hauptmulde« ge-
') Erläuterungen zu Blatt Liebengrün 1888, S. 25; Zeitsclir. d. Deutsch, geol. Ges. 1893, S. 322; dieses Jahrbuch für 1894, S. LVIII).
2) Ich habe a. a. 0. auch ausehiandergesetzt , was ich unter »Hauptsattel« und »llauptmulde« verstehe. Es sind das also Zusammenfassungen unlei'geord-
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Jahrbuch 1808.
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naiint; ihre Achse streicht etwa von Neustadt und Ziegenrück her auf den Hennberg zu.
Auf dem Südwesttheil des Schiefergebirges ist ebenfalls eine grosse, SW. — NO.-streicbeude, von Cuhn erfüllte Hauptmulde vor- handen, die sich einerseits au den (allgemein tektonisch als Sattel aiifzufasseuden) Müuchberger Gneiss, andrerseits an den (von Loretz nachgewiesenen) Phyllitsattel aulehut, den ich den »Süd- wes 1 1 h ü r i u g i s chen Haupts attel« neunen möchte; es ist das dieselbe Hauptmulde, deren innerste nud tiefste Speciahnulde ich vorhin als die »Teuschnitzer Mulde« bezeichnet habe, wäh- rend ich den südostwärts an letztere sich zunächst anschliessenden Specialsattel oben (S. LXXH) den »Dobrathalsattel« genannt habe. Dieser » Süd west thüringischen Hauptmulde« also gehört unser Blattgebiet vorzugsweise an i).
Deren Achse zeigt ebenfalls wieder ungefähr auf den Heuue- berg hin, und man würde die »Ost- und die Südwesttbüringische Hauptmulde« gar nicht getrennt auiführen und benennen dürfen, wenn nicht beide durch eine grosse Querwerfung, die Gräfen- t h a 1 - L i c h t e n ta n n e - H e n u b e r g - L o b e n s t e i n e r H a u p t v e r- werfuug, die grösste Verwerfung unseres Schiefergebirges, und zugleich durch einen Quersattel scharf von einander getrennt wären, von welch’ letzterem aber, dank der ebengeuannten annähernd auf seinem Kamm hinlaufendeu Verwerfung, nur der Südwestflügel noch deutlich erhalten geblieben ist, während der Nordostflügel um z. Th. gewiss weit über 1000 Meter in die Tiefe versank.
Diesen Quersattel, der für das hercyuische Faltensystera Thü- ringens die Rolle eines Sattels oberster Ordnung, eines Haupt- sattels, spielt, will ich vorläufig den »Probstzella-Loben- steiner Hau pt- Quersattel« nennen. Für das Vorhandensein
neter Falten in derselben Weise, wie man an einer Ammonitensutur gewisse Gruppen von Fältclien und Zälinchen zu den als »Externlobus, Externsattel etc.« bezeiclmeten Loben und Sätteln oberster Ordnung zusamnienfasst.
') Die von Gümbkl (Fichtelgebirge, S. 549) z. Th. auch für unser Blatt an- gegebenen »Hauptsättel« sind innerhalb dieser Mulde oberster Ordnung nur Falten von zweiter Ordnung und dürften übrigens wohl vor einer genaueren Kartirung z. Th. nicht Stand halten.
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dieses Quersattels ist es ein guter Beweis, dass das Congloinerat der Teuschnitzer Mulde nacli NO. sich nicht bis an und über die durch die Lichtentanner Spalte annähernd inarkirte Sattelachse fortsetzt, sondern in weiter Entfernung davor bogenförmig sich wieder zurückweudet. Ganz entsprechend reicht die grosse Ober- culmfläche der Ostthüringischen Mulde nicht in voller Breite bis au die Gräfenthal-Lobeusteiner Spalte heran, sondern wird, je weiter nach SW., um so mehr, durch die an Zahl und Ausbreituno- sich vergrösserndeu und unter einander sich verbindenden Unter- culmsättel (zweiter Ordnung) verdrängt, sodass nur zwei unter- geordnete Oberculmmulden noch die Spalte erreichen.
Die cambrischen 1), silurischeu und devonischen Schichten von Blatt Lehesten gehören nun dem stehen gebliebenen Südwestflügel dieses Sattels, und zwar dessen nordwestlicher Hälfte au, welche von der auf dem Nachbarblatt Lobenstein befindlichen Südosthälfte eben durch die quer hindurchsetzende Ost- und Südwest-Thüringische ITauptmulde getrennt ist. Aber nur der Westtheil der vorcnl- mischen Schichten auf unserm Blatte, also der Theil zwischen Ludwigstadt und Ebersdorf, zeigt in der That auch die diesem Sattel entsprechende Anordnung der Schichten (die ältesten im N., die jüngeren nach S. und SW. folgend) rein und deutlich; der Osttheil, zwischen Ludwigstadt und Lehesten, dagegen zeigt durch sein Nordoststreichen schon wieder seine Abhängigkeit von der niederländischen Hauptmulden-Richtung an.
Gerade da nun, wo die niederländische Achse der letzteren Mulde und die hercyuische Achse des Lobenstein-Probstzellaer- Quersattels sich kreuzen, ist der Heuu berg - Grauitstock emporgedrungen, derart jedoch, dass auch er noch von der ge- nannten grossen Verwerfung halbirt und sein Nordosttheil in die Tiefe gesenkt wurde ^). Dieser wichtige Knotenpunkt in der Tektonik Thüringens also ist es, der gerade in die Nordost- ecke des Blattes entfällt.
*) lieber den inselartig vollkommenen Absclilnss des Lauensteiner Cambriums von der westlich gelegenen Hauptmasse dieser Formation werde ich gelegentlich an anderer Stelle reden.
Vergl. Erläuterungen zu Blatt Liebengrün, S. 31.
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Die Gräfenthal-Li(;htentanuer Hanptverwerfung läuft, wie noch kurz bemerkt sei, knapp nördlich von unserni Blatte hin und hat 2:erade in diesem Theile ihres Verlaufes eine einio-ermaassen auf- fällige, nämlich annähernd ostwestliche Richtung, welche Liebe eine Zeit lang veranlasst hat, dieser Verwerfung ein von dem der reinhercynischen Spalten abweichendes Alter zuzuschreiben.
Gegenüber dem bisher gegebenen tektonischen Bilde erweisen sich die nun noch zu schildernden Verhältnisse nur als weniger wesentliche, wenn auch immerhin reizvolle Einzelheiten.
Um zunächst bei den Verwerfungen zu bleiben, so hat die Kai'tenaufnahme mehrere mit der Lichtentanner Spalte sub- parallele kennen gelehrt. Die wichtigste von diesen ist die weiter oben schon besprochene, in der einen Blattdiagonale verlaufende Ludwigstadt-Wetzsteiner Spalte; bei ihr ist der Südwest- tlügel der gesunkene; sie hat eine ziemlich rein hercynische Richtung.
Die zweite wichtige Spalte ist die mehr nach OSO streichende Ludwigstadt-Ottendorf-Lehestener Spalte, bei der der Nordflügel gesunken ist; sie zeichnet sich durch eine ungewöhn- lieh grosse Zahl auf ihr entspringender Quellen aus, von denen aus die genannten drei Orte sich mit Wasser versorgen. Beide Verwerfungen lassen sich beim Eintritt in das tiefere Untersilur nicht mehr verfolgen, wie sie auch im Culm sich zu verlieren scheinen; immerhin ist die erste auf 9, die zweite auf 6 Kilometer Länge nachweisbar. Zwischen beiden ist ein nach NW. sich zu einer Spitze verschmälernder Horst stehen geblieben, den mau den » L udwigstadter Horst« nennen kann.
Ein dritter besonders bemerkenswerther Sjialtenzug verläuft vom Westeude von Ebersdorf aus nach SO. und ist — mit Unter- brechungen — über das ganze Blatt hin bis nach Tschirn an der besonderen Eigenthümlichkeit zu verfolgen, dass neben ihm auf ein paar Meter (vielleicht höchstens 20) das Gestein meist von kirschrothem Eisenoxyd, durchaus oder fleckig, geröthet ist, wäh- rend — von ein paar sehr kleinen, ebenfalls linearen Stellen und der oben (S. LXXX) genannten fläcbenhaften Region westlich von
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Teuschnitz abgesehen — Ivötluing secmulärer Art nirgends ant- tritt. Iin Ileiligenholz bei Tschirn ist die Eisenausscheidnng auf dieser Spalte sogar so stark gewesen, dass dort früher ein kleiner Berghau betrieben worden ist. Sonst sind, wie nebenbei bemerkt sei, Mineral- oder gar Erzausseheiduugeu auf den anfgeführten Spalten gänzlich unbekannt. Nicht überall, aber doch meistens, ist die Ebersdorf-Tschirner Röthelspalte auch mit unbedeutenden Ver- werfungen i) verknüpft; was sie aber noch ganz besonders merk- würdig macht, ist der Umstand, dass auf ihr bei Ebersdorf winzig kleine Partien sehr viel älteren Gesteins, als wie das Nebengestein ist, eingeschlosseu, also empor ge(( uetscht*^) sind, nämlich oberer Schiefer des Uutersilurs und Ockerkalk zwischen Uuterdevon einerseits, Mittel- und Oberdevon andererseits; diese Schollen haben eine Länge von 150 bis 220 Metern, bei nur etwa der halben Breite. — Es sei noch bemerkt, dass von dieser her- cynischeu Spalte aus mehrere (3 bis 4) kleine S[>ältchen in an- nähernd nordsüdlicher Richtung fiederförmig abgeheu, die am Eisen- berg bei Ludwigstadt das Devon durchsetzen und verschieben.
Mit der Ebersdorf-Tschirner Röthel-Spalte parallel läuft end- lich in etwa U/2 Kilometer Abstand noch eine Linie, welche — sonst nicht bemerkbar — sich nur durch das Auftreten zahl- reicher, kalter, ausdauernder Quellen hervorthut; diese Quellen- spalte ist nördlich neben dem Rennsteig hin vom westlichen Blatt- raude aus am Waldhaus vorbei bis zum Bahnhof Steinbach (4^2 Kilometer weit) zu verfolgen und bringt an letzterem Orte sogar eines der im Culmgebiet so seltenen Torflager zustande. — Eine grosse Zahl hercynisch gerichteter Verwerfungen von kür- zerem Verlauf sind ausserdem vorhanden und aus der Karten- skizze ersichtlicb; dass die (nur vermutheten) zwei Qucrspalten, die die Südostbälfte der Teuschnitzer Mulde durchsetzen, nach
0 Den schmalen Quarzitzug des Dobrathalsattels schneidet sie bemerkens- werther Weise anscheinend ohne jede Verwerfung.
Zu vergleichen dem von mir besprochenen Auftreten des Röths und Mitt- leren Buntsandsteins auf einigen Spalten der Blankenburg-Gothaer Störungszorie auf den Blättern Stadtilm und Plaue.
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ihrer Lage erst recht hypothetisch sind, wurde schon angedeutet. — Das Alter dieser Spalten ist oben behandelt woi’den.
Streichende Verwerfungen sind jedenfalls nicht selten, aber gewöhnlich recht schwer nachweisbar. Vennuthlich läuft eine solche durch die Sohle der Aue wiesen bei Lehesten, ist nach- her (weiter nach NO.) anscheinend mehrmals durch Querverwer- fungen verschoben und scheint schliesslich am NW.-Fuss des Engelsberges hei Schmiedehach zwischen unterem und oberem Mitteldevon zu verlaufen. Eine andere streichende Verwerfung wird man wohl an der Nordwestseite des Dobrathalsattels, wenig- stens in seinem südlichen Theile annehmen müssen, weil da das Conglomerat in gar zu grosse Nähe mit dem untersten Unterculm geräth; die nähere Lage dieser Spalte kartographisch festzustellen habe ich aber nicht vermocht.
In den Schieferbrüchen gehören Verwerfungen, die annähernd dem Schichtenstreichen folgen, oft zwar nicht ebenflächig verlaufen, aber im allgemeinen dem Schichtenfallen gleichsinnig, nur etwas steiler gerichtet sind, und mit einer 3 bis 10 bis 50 cm dicken Masse zerriebenen, wassergetränkten, breiartigen Schiefers erfüllt sind (analog den »Kuscheln« im Harze), zu den allerhäufigsten Erscheinungen und werden da gewöhnlich »Dreckschwarten« ge- nannt; diese »Schwarten« dienen beim Betrieb als naturgemäss gegebene Grenzflächen für die einzelnen Schiefercomplexe, die gerade abgebaut werden sollen, und sind darum nicht selten in breiter Erstreckung jahrelang zu sehen, bis der weitere Betrieb zu einer nächsten derartigen Fläche vorrückt. Da diese Flächen die ver- schiedensten Neigungen und manche kleine Abweichungen im Streichen haben, so stossen oft ihrer zwei spitzwinkelig zusammen, schliessen auch mit anderen solchen Paaren linsenförmige grössere Gebirgskörper ein. Sie lassen sich an den senkrechten Schram- wänden der Schieferbrüche oft als Linien verfolgen, auf denen ein geringer Wasseraustritt stattfindet; auf ein paar solcher Flächen sind an denselben Wänden auch schon geringe moderne Ver- schiebungen (um 1 bis 2 Centimeter) beobachtet worden, die aber wohl nicht eine tektonische natürliche Ursache haben, sondern auf die künstliche einseitige Entlastung zurückzuführen sind.
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Am Schlüsse verdient endlich noch die Fal ten üb er ki pp ung eine besondere Besprechung, die sich namentlich auf der Osthälfte des Blattes sehr häutig beobachten lässt und in einer Annäherung der Schichtenlage au ein isokliuales Einfallen nach NW. besteht. Da auch die Schieferung, die ja in dem Nordtheile des Blattes so intensiv und allgemein auftrltt, dass ich oben aus Unter-, Mittel- nnd Oberdevon und verschiedenen Horizonten des Culms Dach- schiefer-Schürfe und -Brüche aufführen konnte, nach NW. eiufällt (mit Abweichungen nach N. und W.), so muss mau sich allerdings hüten, dass man nicht für Schichtung ansieht, was Schieferung ist. Aber es lassen sich sowohl aus natürlichen Profilausichteu, welche die Querwände in den Schieferbrücheu bieten (am schönsten im Bruche Bäreustein, weniger schön auf den Herrschaftlichen, sehr undeutlich auf den Oertels-Brüchen), und wo die Arbeiter für die daran sichtbaren zickzackartig hin- und hergewundcuen (»ge- leierten«) Schichtlinien den Namen »Leierfratzen« gebrauchen, als auch aus anderen Verhältnissen gute Belege entnehmen. So fällt z. B. am Wege von Lehesten nach der Schiefermühle, kurz vor dieser, der dunkle Schiefer und Quarzit des obersten Oberdevons immer nach NW. unter die helle Kalke des mittleren Oberdevons ein. Letztere selbst fallen neben der Eisenbahn von Lehesten nach Ludwigstadt, kurz ehe sie die bayrische Landesgrenze er- reicht, unter die älteren Schichten des violetten Schiefers ein, unter denen sie auch orographisch liegen! In dem Oertelschen Bruche in Ludwigstadt sieht man an einer hohen senkrechten Schram- wand die oberstdevonischen Kalkknotenschiefer oben, die unterst- culmischen Schiefer darunter anstehen. Am schönsten aber zeigt ein verfallener kleiner Schieferschurf am Nordabhang der Bäreubachs- hölzer, der vom Nordrand des Blattes zwischen Lehesten und Steiubach a. H. durchschnitten wird, die verkehrte Uebereinander- lageruug der Schichten; in dem dort vorherrschenden Mitteldevon bildet Oberdevon eine kleine Einmulduug; der in dem Bruche aufsreschlossene Nordwestschenkel dieser Mulde hat 25*^ Einfällen nach NW. und es liegen zu oberst, am Eingang in den Bruch, noch als Abraum die Grauwacke des mittleren Mitteldevons, — darunter weiter hinten die den Gegenstand des Betriebes bildenden
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bläulichen^), gebänderten Schiefer des obersten Mitteldevous in einer Mächtigkeit von nur 1,6 Metern — , darunter endlich die grün- lichen, kalkig dünngebäuderten Lagen des untersten Oberdevons.
Es sei noch bemerkt, dass auch Gümbel schon die Um- stürzung der Schichten an der Laueusteiner Cambriuminsel be- obachtet und erwähnt hat, sodass diese Lagerung hier die häufigere zu sein scheint, mindestens zwischen den beiden grossen Quer- spalten Probstzella-Henuberg einerseits, Ludwigstadt-Wetzstein- südfuss andererseits, und dass mit ihr vielleicht auch die zwischen diesen Spalten besonders weit durch die Formationen verbreitete und besonders gut entwickelte Schieferung, und damit gerade der Aufschwung der Lehestener Schieferindustrie zusammenhängt.
F. Beyschläg: Bericht über die wissenschaftlichen Ergebnisse der Aufnahmen des Jahres 1898.
Der Abschluss der geologischen Aufnahme der Umgegend
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von Cassel hat in Sonderheit am Habichtswald einige Ergebnisse von allgemeinerem Interesse geliefert. Die hauptsächlichsten der- selben beziehen sich auf die Verbreitung und Lagerungs- Verhält- nisse der verschiedenen Tertiär-Stufen.
Kaum an einer anderen Stelle in Nieder-Hessen dürfte das Tertiär in solcher Vollständigkeit entwickelt sein, als am Habichts- wald. Das generelle Profil steht seit längerer Zeit fest. Die Ablagerungen beginnen mit braunkohlenführeuden Süsswasser-
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Iiildungeu unteroligocänen Alters, welche am Ostfuss des Habichts- waldes beginnend, ein Band um dieses Gebirge, sowie um seine südlichen Ausläufer, den Baunsberg und die Langen Berge, schlingen. Darüber folgen die marinen Bildungen des mitteloligo- cänen llupel-Thones (Septarienthones), dann die versteinerungs- reichen oberoligocänen Casseler Meeressande und über diesen endlich, der Hauptsache nach das Plateau des Habichtswaldes
9 Die genannten bläulichen Schiefer zeigten die benierkenswerthe Er- scheinung an einzelnen der gewonnenen Dachplatten, dass diese aus verschiedenen, gegen einander verschobenen Stücken (reibungsbreccienartig, aber ohne leere Iläume) bestanden, durch welche alle jedoch die Schieferung ganz einheitlich hindurchsetzte, sodass also die Zerstückelung vor der Ausbildung der Schieferung erfolgt sein muss,
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bedeckend, die ebenfalls brauidvohlefübrenden Süsswasserbildungen des Uuter-Miocäns. Das Tertiär findet scbliesslicli seinen Ab- schluss in den der jüngeren Mioeän-Zeit angehürendeu Ergüssen von JEisalt und den zugehörigen, mit geringen Sediinent-Zwischen-
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lagen wechselnden Tuffen.
Bemerkenswertb und für die Auffassung auch der übrigen Tertiär-Gebiete Nieder-IIesseus von Wichtigkeit ist nun das eigen- thündiche gegenseitige Lagerungs- Verhältniss dieser Schichten. Am auffälligsten erscheint dabei das häufige Aussetzeu der marinen Ablagerungen, die doch ihrer Natur nach eigentlich die gleich- mässigst verbreiteten Glieder des Tertiärs sein müssten. So sind z. B. vom Rupelthou offenbar nur unbedeutende Reste au der Nordseite des Habichtswaldes, in Sonderheit um den Bühl, daun aber auch am Erleulocli erhalten geblieben, während weder im Wilhelmshöher Parkgebiet, noch auf der Südseite des Habichts- waldes oder au den Laugen Bergen irgend eine Stelle mit Sicher- heit uachgewieseu werden konnte, wo Rupelthou ansteht.
Im Gegensatz dazu nehmen die unteroligoeänen Süsswasser- bildungen an Alächfigkeit und Bedeutung in der Richtung von N. nach S. allmählich zu. An der Firnskuppe und dem Lampert liegen wohl die nördlichsten Punkte, au denen ein kümmerlicher Bergbau auf die unteroligoeänen Braunkohlen getrieben wurde. Auch am nördlichen Ausgange des Parkes von Wilhelmshöhe haben die bergbaulichen Versuche wenig Erfolg gehabt. Gilt auch das Gleiche von den Unternehmungen an der Kohleustrasse unter dem Kuhberge und in der Nähe der Rasen-Allee in der Döuehe, sowie in der unmittelbaren Nähe von Nordhausen, so ist doch bei allen diesen Lokalitäten bereits ein erhebliches Anwachsen der Alächtigkeit des Unteroligoeäns erkennbar, das sich von da in breiter Fläche über Altenbauna, Alteuritte, Grossenritte und Besse verbreitet.
Lückenhaft, wie die Verbreitung des marinen Mittel-Oligocäns, ist auch diejenige des Oberoligoeäns. Selbst wenn man annimmt, dass die ausserordentliche Lieberdeckung mit basaltischem Gehänge- schutt, wie sie die Abhänge des Habichtswaldes überzieht, an manchen Stellen die Auffindung dieser marinen Bildungen er-
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Schwert oder unmöglich macht, so bleiben doch immer Stellen genug, wo mit grosser Sicherheit behauptet werden kann, dass die marinen Schichten fehlen, und somit die miocänen Süsswasser- bildungen entweder unmittelbar auf die unteroligocänen Süsswasser- Ablageruugen oder vielleicht sogar direct auf die triadische Unter- lage des Tertiärs sich auflegen.
Ein solches örtliches Fehlen der marinen Ablafferungen kann seine Ursache nur iu einer nachträglichen Zerstörung der ursprüng- lich auf weitem Raume gleichmässig gebildeten Schichten haben. Wären an einer Stelle des Profiles stets gleichzeitig die beiden marinen Ablagerungen zu vermissen, so würde die Ursache der Erscheinung lediglich in der Erosionswirkung der miocänen süssen Wässer zu suchen sein; da aber thatsächlich in vielen Fällen, wo der Rupelthou fehlt, die Casseler Meeressande direct auf der Brauu- kohlenformation des Unteroligocäns liegt, so muss die Zerstörung der marinen, mitteloligocänen Ablagerungen bereits in der Ober- oligocäuzeit durch die Abrasion des damaligen Meeres erfolgt sein. Wo nur Oberoligocäu oder beide marine Ablagerungen zerstört worden sind, ist die Ursache wohl in miocäner Erosiouswirkung zu suchen. Diese letztere ist ausserordentlich deutlich erkennbar in den flussthalähnlichen Durchfurcbungen, welche die Braunkohlen- bildungen des Habichtswalder Plateaus vor Ablagerung der Basalt- tufie erfahren haben. Beim fiskalischen Bergbau auf dem Habichts- wald sowohl, als auch bei den Privat-Betrieben an seinen Rändern sind dergleichen mit Basalttuff erfüllte Erosionsriuuen wiederholt getroffen und genauer verfolgt worden. Reste solcher Rinnen- Füllungen ziehen sich weit hinunter nach der Fulda und sind zum Theil bis fast auf das Niveau des unterlagernden Buntsandsteins ausgetieft.
Für die Kenutuiss der unteroligocänen braunkohlenführenden Bildungen, wie sie sich am Ostfusse des Habichtswaldes und der Langen Berge hinziehen, sind die zahlreichen, aber sämmtlich fruchtlosen bergmännischen Versuche von Bedeutung, welche der Ingenieur Rosrnthal in Cassel zur Erschliessung von Braunkohleu- flötzen in dieser Stufe durchgeführt hat. Sie haben zu dem Er- gebniss geführt, dass auf der erwähnten Erstreckung sich iu grosser
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Gleichmässigkeit ein minderwertliiges Kolilenflötz von 1 bis 2 Meter M ächtijikeit erstreckt, orelegeutlich von uubedeuteucleren Nelien-
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flötzen bo'gleitet. Ihren oberen Abschluss finden diese Süsswasser- bilduugen in den Melanienthonen , welche schon durch Dunkeus Schilderungen vom Schenkelsberge und vom westlichen Ausgange des Dorfes Nordhausen bekannt sind. Der Kalkreichthum dieser hängendsten, den Melauieuschichten Gross-Almerodes wohl äqui- valenten Bildungen, hat sich in Form unregelmässiger Concretionen verdichtet, die am Nordfusse des Scheukelsbergcs und bei Nord- hausen versteiueruugs-führend , an der Mergelgrube bei Reugers- hauseu und am westlichen Ausgange von Altenbauna dagegen ohne deutliche Fossilreste anstehend nachzuweisen sind. Dem gleichen Niveau gehören die Thoue an, welche am südlichen Steilufer der Leisel zwischen Grossenritte und Kirchbauna anstehend, grosse, glatte Concretionen von Kalk umschliessen, in denen namentlich Limnaeus pachygaster häutig ist. Es dürften dies die gleichen Thone sein, die im Epsdorfer Grund bei Marburg austehen.
Für den mitteloligocänen Rupelthon liegt der beste Auf- schluss an der Nordseite des Bühls unfern Weimar. Hier werden bei Ausbeutung des Thons in einer Grube die kopfgrosseu, flach scheibenförmigen Septarieii beiseite geworfen und finden sich auch sonst vielfach am Südhange des Bühls, sowie au dem Wege, der von Weimar nach dem Haugarstein hinaufführt.
Die meisten Fundpunkte des Oberoligocäns sind aus der Litteratur bekannt, so diejenigen am Erlenloch, am Saudkopf und Apolloberge im Park von Wilhelmshöhe, ferner vom Panchesborn, etc. Neu hinzu kommen eine Reihe von Punkten, die die bisher bekannten verbinden, so am Höhgras unterhalb der Försterei, daun gegenüber am Dörnberge hart au dem Waldrand, au dem Wege, welcher vom Orte auf der Ostseite des Berges zur Höhe führt, ferner auf der Ostseite des Ahnathales am Braudkopf und unter dem Hühnerberge. Auch der Punkt in der Sandgrube auf der Rothenditmolder Hute unfern der Kreuzung der Rasen-Allee mit der alten Wolfhager Strasse dürfte ebenso wie derjenige bei den Fuchslöchern neu sein. Unter dem Forsthanse am Kuhberg wurden die oberoligoeänen Glaukonitsande mehrfach erbohrt, sie stehen
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ferner Petrefacten fülircnd unfern der Schiessstände in der Döuche hart am Fnsswege, der vom Pnlverhanse nach dem Steinernen Schweinchen führt, an. Hieran schliessen sich neu erschlossene Punkte am Sandkopf und auf der Saubreite unter dem Brassels- herge, endlich solche auf der O.- und S. -Seite des Baunsberges, die beiden letzteren numittelbar am Waldrande. Die Fuudpuuktc am Lai}gen Triesch unter dem Dachsberge und am Eichberge bei Hoof ergänzen die bisher bekannten Funde im Firnsbachthale und am Panchesboru.
Bemerkensw'erth ist endlich, dass neuerdings auf dem Plateau des Habichtswaldes durch eine Bohrung, welche unfern des gegen- wärtigen Hanptförderschachtes des fiskalischen Werkes am Grossen Steinhaufen unter Tage in einem blinden Schächtchen, dessen Sohle das directe Flötzliegende bildet, angesetzt wurde, das ma- rine Oberoligocän als Basis der Braunkohlen-Formatiou in einer Tiefe von 84,6 Meter d. h. bei 105 Meter unter der Hängebank des Schachtes oder bei 189,6 Meter unter Tage erbohrt ist. Dieser Punkt dürfte in seiner Höhenlage am nächsten dem bekannten Auftreten des Meeressaudes im Oberen Ahnathal liegen.
Ueber die miocäue Braunkohlen-Formatiou ist ebenfalls einiges neue zu berichten. Die Ideutificirung der im fiskalischen Felde gehanten Flötzpartien mit jenen, welche auf den östlich angrenzenden Privat- Gruben , in Sonderheit auf der im Druselthale gelegenen Zeche Friedrich-Wilhelm ausgebentet wurden, ist erschwert durch den Umstand, dass die vorerwähnten, mit Basalttuft’ erfüllten Aus- waschnngsrinnen und dazu auch kleinere Verwerfungen einen un- mittelbaren Zusammenhang der Flötze unterbrochen haben; trotz- dem sind sie bisher als Theile eines und desselbigeu Flötzes, des sog. Habichtswalder Hanptflötzes, angesehen worden. Bohrungen, die in neuerer Zeit im Druselthal und im Anschluss daran auch im fiskalischen Felde ansgeführt worden sind, zeigen nun, dass die bisherige Flötz- Ideutificirung unzutreffend ist, und dass das im Druselthale ausstreichende Flötz der Giuhe Friedrich Wilhelm ident ist mit dem im fiskalischen Felde nur auf geringe Erstreckung gehanten Edötz Busse, während die Fortsetzung des Habichts- walder Hanptflötzes im Felde Friedrich- Wilhelm noch uuverritzt
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ansteht und ca. 40 Meter tief unter dem bislier gebauten P'lötz liegt.
Von wissenschaftlichem Interesse dürfte die weite Verbreitung der Kieselschiefergerölle, welche aus dem Edergebiet stammen, innerhalb der sandigen Süsswasser- Ablagerungen des Miocäns so- wohl, als in den Basalttufien insofern sein, als sie Zeugniss geben davon, dass die thalbildende Erosion in der Miocänzeit bereits ähnliche Wege einschlug als heute. Solche Kieselschiefergerölle
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verbreiten sich weit ab von der heutigen Eder und Fulda, steigen hinauf bis auf die Söhre, wo sie am Stellberg gefunden sind, zeigen sich ferner bei Ober-Kaufungen und sind noch weit hinein in den Reinhardswald zu verfolgen. Selbst die unteroligocänen fluviatileu Ablagerungen scheinen nicht völlig frei von diesen Geröllen des Edergebietes zu sein.
Die Uebertragung des vorgeschilderten Untersuchungsergeb- uisses am Habichtswald auf andere bisher bezüglich ihrer Alters- stellung unsichere Ablagerungen Niederhessens lässt folgende Auf- fassung begründet erscheinen. Am ITirschberge bei Gross-Almerode lagern die braunkohlenführenden Tertiärschichten in einer durch die Kreuzung zweier Graben- Verwerfungen bedingten Senke. Der untere Theil derselben, bis einschliesslich zu den Melanienthonen, gehört nach Analogie mit den Vorkommnissen bei Nordhausen und am Schenkelsberge zum Unteroligocän. Die ursprünglich dar- über abgelagerten marinen Bildungen des Mittel- und Oberoligocäns sind zerstört und so lagern denn die höheren Klötze, in Sonder- heit diejenigen des Hirschberges, die dem Alter nach äquivalent den mioeänen Flötzen des Habichtswaldes sind, hier unmittelbar und direkt auf dem Unteroligocän. Die Wirkung' der Zerstörunij der marinen Ablacjerunfren zeigt sich deutlich noch in dem Um-
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stand, dass die obere Ahtheilung der Süsswasserbildungen, d. h. die Klötze der Gruben Hirschberg und Maria am Hirschberg ab- weichend gelagert sind zu den tieferen Klötzen der Faulbacher Mulde.
Am Meissner, am Bielstein bei Gross-Almerode, und bei Erm- schwerd sind nur Aequivalente der oberen Braunkohlenbildung, also des Miocäns, vorhanden. Das Gleiche gilt von den Vorkomm-
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nissen am Grossen Beiger Kopf und am Stellberge bei Watten- bacb, während bei dem in einer Grabenversenkung liegenden Vor- kommen von Oberkaufungen das Tertiär-Profil von den schon durch Beyrich festgestellten Süsswasserablagerungen des Unteroligocäus an vollständig bis zum marinen Oberoligocän des Gelben Berges bei Niederkaufungen vorhanden ist.
O. V. Linstow: Bericht über die Aufnahme auf Blatt F ranken au.
Die diesjährigen Aufnahmearbeiteu beschränkten sich auf den südwestlichen Theil des Blattes Frankenau, der, abgesehen von wenig verbreiteten Quartärbildungen ausschliesslich von Gliedern der Buutsandsteinformation zusammengesetzt wird. Es ist ent- wickelt der gesammte Untere Buntsandstein und die untere Ab- theilung des Mittleren; die nächst jüngere Stufe, die B aus and - steinzoue des mittleren Buntsaudsteins ist auf Blatt Frankenau nur an einer einzigen Stelle (1,1 Kilometer nord- westlich von Oberholzhausen) als eingesunkener Graben vorhanden.
Die Grenze dieser Glieder gegen ältere Ablagerungen, näm- lich Culm und Zechstein, ist theils durch nordwest-südöstlich streichende Verwerfungen von wohl jungtertiärem Alter bedingt, theils überlagert der Buntsandstein concordant Conglomerate des oberen Zechsteins. Diese Conglomerate wurden von Leppla ^) zum Buutsandstein gezogen, Denckmann ^) hat aber mit Recht auf die Zugehörigkeit dieser Bildung zum Frankeuberger Perm hiugewiesen, welcher Ansicht auch jetzt kartographisch Rechnung getragen ist.
Was die allgemeine Lagerung des Buntsandsteins betrifft, so ist hervorzvdieben, dass seine sämmtlichen Glieder horizontal oder fast horizontal gelagert sind, selbst in der Nähe von Verwerfungen und innerhalb eingesunkener Gräben. Wenn trotzdem auf der Karte die Grenzlinien von Unterem Buntsaudstein ffeo;en Mittleren
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') Leppla, lieber die Zechsteinform. u. d. unt. Buntsandst. in Waldekisehen. Dieses Jahrbuch für 1890, S. 75.
Df.nckman.n, die Frankeuberger Periubildungen. Dieses Jahrbuch ff) r 189 1 , S. 259 u. 260.
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zuweilen erheblich von der Niveaulinie abweichen, so ist dies wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass Verwerfungen ge- ringerer Sprunghöhe vorhanden sind, deren kartographische Fest- legung nicht möglich war.
Die Verwerfungen erreichen im Gebiete des Buntsandsteins selbst niemals eine grössere Ausdehnung und sind bei der Gleich- artigkeit der Gesteine besonders schwer zu verfolgen. Sie verlaufen theils nord west -südöstlich, theils rechtwinklig dazu, theils noch anders, folgen also keiner ausgesprochenen Richtung. Die Form der eingesunkenen Partien zeigt fast niemals die eines typischen Grabens, sondern in der Regel die eines Keiles, d. h. die be- grenzenden Verwerfungen verlaufen divergirend. Tn einzelnen, bestimmten Fällen sind durch die Verwerfungen zum Theil sehr mächtige Quellen bedingt, doch können letztere in anderen Fällen auch auf der Grenze von grobkörnigem durchlässigen (Mittleren) gegen thonig- sandigen undurchlässigen (Unteren) Buntsandstein entspringen. Die immerhin recht auffällige Keilform der Gräben von Mittlerem Buntsandstein in Unterem ist wohl darauf zurück- zuführen, dass das vom Verfasser aufgenommene Gebiet zwischen den Schenkeln eines annähernd rechten Winkels Hegt, in dem sich die nördlichen Randverwerfungen der (tektonischen) »Franken- bersrer Bucht« treffen.
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In der Nähe von Verwerfungen ist der Sandstein öfters stark mit Eisenhydroxyd imprägnirt (»Eisenschalen«) und besitzt daun eine dunkle Farbe sowie quarzitisches Gefüge.
Petrographisch setzt sich der Untere Buntsandstein aus feinkörnigen rothen oder bräunlich-rothen Sandsteinen zusammen, deren Quarzkörner durch ein vorwiegend thoniges Bindemittel mit einander verkittet sind und öfters, besonders bei düunplattiger Entwicklung, Einlagerungen von Thouschiefer enthalten. Im west- lichen Theil unseres Gebietes ist die untere Stufe des Unteren Buntsandsteins dickbänkig ausgebildet und wird zu technischen Zwecken ausgebeutet (Bausandsteinzone des hinteren Buntsand- steins).
Der Mittlere Buntsandstein wird durch dickbänkige, grob- körnige Sandsteine eingeleitet, die fast regelmässig eine deutliche
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Terrainkante bedingen. Darüber folgen wieder feinkörnige Sand- steine, die denen des Unteren Bnntsandsteins ausserordentlich älmlicb werden. Eine etwas andere Färbung, die mangelnde Fähigkeit, sich in senkrecht begrenzte Stücke abzusondern, eine öfters wahrzunehmende quarzitische Ausbildung können unter Um- ständen als Unterscheidungsmerkmale dienen.
Auffallend ist es, dass die eben erwähnten Terrainkanten niemals auf eine längere Erstreckung hin zu verfolgen sind. In der Regel sind sie nur auf einer Seite eines Höhenzuges entwickelt, während die andere Seite sich ganz allmählich ohne eine Spur einer Terrainkante abseukt.
Die in den Grenzschichten vom Unteren zum Mittleren Bunt- sandstein benachbarter Gegenden (Blatt Rosentlial) häufiger auf- tretende Gercillia MitrcMsoni Gein. hat sich bis jetzt noch nicht nachweisen lassen.
Von Quartärbilduugen , die sich fast regelmässig nur auf einer Seite des Thaies oder der Abhänge vorfinden, sind unter- schieden worden: diluvialer Schotter, diluvialer Lehm und jüngere, alluviale Bildungen. Der Schotter, der älter ist als der diluviale Lehm, findet sich in einzelnen, fast in gleicher Höhe befindlichen Terrassen und besteht ausschliesslich aus Buntsandsteiugeröllen im Gegensatz zu den zahlreichen und verschiedenaltrigeu Schotter- Terrassen des nahen Eder-Thales im Westen des Gebietes.
Kayser: Ueber Aufnahmen auf den Blättern Ober- scheld und Ballersbach.
Die im Sommer 1898 ausgeführten Aufnahmen auf dem Blatte Oberscheld haben in erster Linie den nahezu 3 Kilometer breiten Zug silurischer Gesteine betroffen, der den südöstlichen Tlieil der Karte zwischen Uebernthal und Günterod im N. und Nieder- Weidbach im S. einnimmt.
Das älteste Glied des hessisch-nassauischeu Silur, die weiter östlich (besonders in der Umgebung von Gladenbach) so ent- wickelten Ar cosenquarzite sammt den sie begleitenden Kalken, Kiesel- und Alaunschiefern und Diabasen, ist im kartirten Gel)iete nirgends I)eoI)achtet worden. Die tiefsten, hier zu Tage tretenden
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Schichten bestehen vielmehr aus Plattenschiefern, die in genau derselben Beschaffenheit, wie bei Sinn an der Dill, an vielen Stellen — so südöstlich Günterod längs der Fahrstrasse nach Nieder- Weidbach, am Kesslersberge westlich des Weges Günterod — ■ Nieder-Weidbach, auf der rechten Thalseite zwischen Bischoften und der Pfeiffers-Mühle — ausgebildet sind. Darüber folgt ein mäch- tiges System feldspathführender, vielfach plattig ent- wickelter Grauwacken und Grauwackenschiefer mit unter- geordneten Einlagerungen von Platteukalken (Gladeubacher Kalk) und Kiesel- und Wetzschiefern, das den Urfer Schichten Denckmann’s im Kellerwalde entspricht und das herrschende Ge- stein im Silur der Blätter Oberscheld und Ballersbach darstellt. Ueber diesen Grauwacken folgen graue, sehr dünnschichtige, glimmerreiche Quarzite und dunkle, lyditartige Kiesel- schiefer, die zusammen ein leicht kenntliches, bereits vom Dill- thale bis in die Nähe des Salzbödethales verfolgtes, Denckmann's Schiffelbo rner Schichten entsprechendes Glied des Hinter- länder Silur ausmachen. Die im Kellerwalde über den genannten Schichten liegenden, weissen, oft löcheiagen, klippenbilden- den Quarzite des Wüstegartens sind in ganz übereinstimmen- der Ausbildung auch zwischen Günterod und Offenbach entwickelt, allerdings immer nur in kleinen, höchstens ^2 Kilometer laugen und ein paar 100 Meter breiten Schollen, wie die des Wilden- steius bei Offenbach und des Saudberges südöstlich Uebernthal. Am letztgenannten Punkte ist das Gestein stellenweise zu locke- rem Saud aufgelöst, der auf den benachbarten Eisenhütten früher als Formsand benutzt worden ist. Die hängendste Zone des Kellerwälder Silur, die Kücklingschiefer, die Graptolithen-führendeu Kieselgalleuschiefer des Steinhorus bei Schönau u. s. w., konnten im Bereiche des Blattes Oberscheld bisher nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden.
Wie schon die vielfachen Schichtenwiederholungen innerhalb des in Rede stehenden Silurzuges beweisen, ist dessen Tektonik eine sehr vei'wickelte. Querzerreissuugen spielen hier, wie auf dem ganzen Blatte Oberscheld, eine grosse Rolle. Leider ist es
Jahrbuch 1898.
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aber bei der starken Waldbedeckiing und dem damit ziisammen- liängendeu Mangel an Anl'schlCissen ausserordentlich schwer, die Störnna'slinien anf weitere Erstrecknuo- zu verfolgen und den Schichtenban in seinen Einzelheiten klarznlegen.
Im N. wird der Silurzug von einem durchschnittlich kaum 1/2 Kilometer breiten Culm -Bande begleitet. Das Silur grenzt in- dess uirffends unmittelbar an den Culm an: vielmehr liest zwischen beiden immer ein schmaler Streifen ober-, mittel- oder gar nnter- devonischer Gesteine. Offenbar bilden diese Gesteine eine erste, von S. her auf den Culm emporgeschobene Schichtenreihe, eine erste Schuppe, während das im S. des devonischen Gesteins- bandes folgende Silur einer zweiten Schuppe entspricht. Beide Geberschiebnngslinien lassen sich trotz vielfacher Zerreissnngen von Offeubach bis über den O.-lvand des Blattes Oberscheld hinaus verfolgen. Ihnen nahezu parallel verläuft 1 — 2 Kilometer weiter nördlich eine dritte, die aus der Gegend von Bicken (Blatt Ballersbach) über Eisemroth und Hartenrod bis nach Wommels- hausen verfolgt werden konnte und mittel- und nnterdevouische Schichten von im N. anstossendem oberdevonischem Deckdiabas bezw. Culm trennt. Abermals 2 — 31/2 Kilometer weiter nördlich ist endlich noch eine vierte grosse Ueberschiebung vor- handen, die anf der Ostseite des Weihbachthaies beginnt und von dort mindestens bis in die Gegend von Bottenhorn in der NO. -Ecke des Blattes fortsetzt. Sie scheidet den Eisem- roth-Botteuhorner Zug von Tentaculitenschiefer von der nördlich angrenzenden Culmgrauwackeu. Längs aller vier genannten Linien sind die älteren Schichten von S. her anf die Jüngern empor- geschoben.
In seiner südlichen Fortsetzung anf Blatt Ballersbach wird der fragliche Silnrzug, der hier die waldigen Höhen der »Hörre« bildet, noch breiter als auf Blatt Oberscheld. Seine Zusammen- setzung ist im Allgemeinen dieselbe, wie auf dem letzteren; nur scheinen die weissen Klippen(|narzite im Bereiche des Blattes Ballersbach gänzlich zn fehlen. Im N. der Silurzoue sind auch die tektonischen Verhältnisse ganz ähnliche, wie anf Blatt Ober- scheld: auch hier fällt der N.-Rand des Silur mit einer ersten
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Uebersclii ebu ug zusammen, die im N. uocb von drei weite- ren begleitet wird. Im S. des Silurzuges aber gestalten die Ver- hältnisse sich dadurch etwas al)weichend, dass auf ein schmales Band von Ober-Coblenzschicliten, welche das Silur zunächst über- lagern, Culmgrauwacken folgen, die bei nahezu wagerechter Lage- rung fast den ganzen Flächeuraum zwischen Katzenfurt, Kölsch- hansen, Oberlemp, Altenkirchen, Gr. Altenstädten und Hohensolms einnehmen — weitaus die grösste, im ganzen Dillgebiet und hessischen Hinterlande auftreteude Culmpartie. In der Gegend von Ahrdt und Mudersbach aber beginnt im O. einer cfrossen Querverwerfung, die nahezu mit dem flachen, breiten, nach S. ge- richteten obersten Stücke des Aarthaies zusammenfällt, ein zweiter, südlicher Parallelzug von silurischen Gestei neu. Dieser Zug setzt sich nach NO. noch weit auf die Blätter Rodheim und Gladenbach fort und bleibt von dem nördlichen Silurzuge durch eine breite Zone von Ober-Coblenzschichten getrennt, die den hohen Rücken des Schueeberges zwischen Oberweidbach und Rossbach und weiter östlich die stattlichen Bergkuppen des Hemme- rich bei Rodenhausen sowie die der Koppe und des Dreis- berges im W. des Salzbödethales zusammensetzen.
II. Grebe : Bericht über die geologischen Aufnahmen des Jahres 1898.
Die geologischen Aufnahmen des Jahres 1898 erstreckten sich über den mittleren und südlichen Theil des Kreises Mahnedy (Blatt Mahnedy, Recht und Meyerode), dann wurden Revisions- ari »eiten auf den zum Abschlüsse gelangten Blatt St. Vith vorge- nommen. In diesem Gebiete, das einen Theil des Hohen Venn einschliesst, erscheint vorherrschend Cambrium und Unter-Devon, ferner das eigenthümliche sogenannte Conglomerat von Malmedy (Obei'- Rothliegendes), welches in grosser Mächtigkeit in einer 1 — 2 Kilometer breiten Partie durch grosse von SW. nach NO. streichende Verwerfungen in das Cambrium eingekeilt ist. Tertiär trifft man auf den Plateaus nordwestlich und nordöstlich von Mal- medy und in einigen kleinen Partien westlich von St. Vith an.
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Im Cambrium des Gebirgsstockes von Stavelot (Hohes Venn) batte Dumont drei Abtbeilungen unterschieden: Devillien, Revinien und Sahnien, welche Gosselet durch Zusamiuenziehung der beiden unteren in einen, Devillo-Revinien , auf zwei Abtheilungen be- schränkt.
Die untere Abtheilung (Devillo-Revinien) in der Um- gegend von Malmedy und südlich von da bis Recht besteht aus dunklen, grauen und blauseh warzen, zuweilen ganz schwarzen, oft glänzenden phyllitischen Schiefern, die häufig mit Quarziten (Venngrauwacke) von schwarzer, hellgrauer und röthlicher Farbe wechsellagern. In den Schiefern und Quarziten sind häufig kleinere und grössere Pyritkrystalle ausgeschieden. Die Schichten streichen von SW. nach NO. in den Stunden von 3 — 4 und fallen gegen SO. ein, und zwar bis zu 60*^.
Die obere Abtheilung des Cambriums (Salmien) (Salm- Schichten) ist südlich von Recht am Nordrande des Emmelser Waldes durch Steinbrüche und mehrere Stollen aufgeschlossen. Die Schichten dieser Abtheilung liegen in der nordöstlichen Fort- setzung der mächtigen Schieferzone von Vieil-Salm, sie setzen bei Poteaux über die Landesgrenze. Der Schiefer (Phyllit) ist meist glänzend, hat eine grau- violette, bläulich- und grünlich-schwarze Färbung und ist dadurch leicht erkennbar, dass er mit zahlreichen bis stecknadelkopfgrossen, braunrothen und rothbraunen Eisenglanz- körnchen gesprenkelt ist; ferner kommt als wesentlicher Bestand- theil Glimmer (Sericit) darin vor, dann auch Granat, wie mikro- skopische Untersuchungen ergeben haben. Den bei Vieil-Salm so häufig vorkommenden Wetzschiefer trifft man bei Recht nur spärlich an, ebenso den Ottrelith-führenden Schiefer. Die Schiefer erscheinen theils in mehr oder weniger dicken Bänken, theils in dünnblättriger Beschaffenheit. Die dünnblättrigen Schiefer werden als Dachschiefer gewonnen, welche zwei Lager bilden, von denen das untere 7 — 8 Meter, das obere 6 Meter mächtig ist; beide sind durch ein 1,50 Meter starkes Zwischenmittel getrennt. Die Schiefer streichen Stunde 5 und Fallen mit 55*^ SO. ein. Im
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Iliingenclen desselben sind in dem oberen Stollen südlieh von Fe(.‘kelsljorn (Keclit) 20—30 Meter mächtige Conglomerute und ca. 10 Meter mächtige Arcosen des untersten Unter-Devon (Ge- dinne-Schichten) aufgeschlossen, welche concordant den Salm- schichten aufgelagert sind.
Unteres Unter - Devon.
Unteres Unter-Devon (Schichten von Weismes, Gedinne- schichten). Dasselbe erscheint in zwei Stufen, wovon die untere aus Conglomeraten und Quarziten, dann wcissem Quarzsandstein und kaolinreichein Sandstein (Arcose) besteht. Die Conglomerate sind meist grober und sehr fester Beschaffeidieit, sie schliessen Geschiebe von Quarzit, Grauwacke und weissem Quarz ein, welche oft Faust-, nicht selten auch Kopfgrösse erreichen. Die Arcosen sind fein- und grobkörnige Sandsteine von meist weisser, hellgrauer und röthlicher Färbung. Dieselben sind bei Weismes, am Wege nach Malmedy vielfach durch Steinbrüche aufgeschlossen, ebenso an der Bahn von Weismes nach Malmedy, dann auch südwestlich von Ondenval. Die Schichten, oftmals dicke Bänke, fallen bis zu 40*^ gegen SO. ein. Westlich von Montenau am östlichen Ge- hänge von Wolfsbusch kommen viele Blöcke von Conglomerat und Arcosen vor; 70 — 80 Meter über dem Amelthal im Walde des Wolfsbusch ragt ein Fels von grobem Conglomerat hervor, dessen Schichten Stunde 3 streichen und 40^ SO- einfallen.
Viele Blöcke von Conglomerat und Arcose liegen am Waldrande, westlich vom Schwarzen Venn bei Born (Blatt Recht), dann zu beiden Seiten der Strasse von Born nach Engelsdorf (1 — 2 Kilo- meter von Born) und im Emmelser Walde. Westlich vom Wege von Recht nach Rodt (Blatt St. Vith) sind auf der Höhe im Emmelser Wald die Conglomerate und Arcosen durch eine grössere Anzidil sehr alter Steinbrüche, die z. Th. 10 — 15 Meter Tiefe haben, aufgeschlossen, in denen Mühlsteine gewonnen worden sind. Im südwestlichen Fortstreichen der in den Steinbrüchen aufge- schlossenen Schichten ragt auf der rechten Seite des Rechter Baches eine hohe Felskuppe hervor, die aus grobem Conglomerat Quarzit und Arcose besteht. Streichen der Schichten Stunde 6
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mit 50*^ SO. Einfallen. Auf den sogenannten Hucken, westlich von der Schlommefurth (Rodtier) Mühle kommen wieder eine grosse Anzahl alter Fingen vor, die von ausgedehntem Steinbruchshetrieb herrühren. Die hier aufgeschlossenen Conglomerate, Quarzite und Arcosen sind von derselben Beschaffenheit wie im Emmelser Walde. Der auch hier von SW. nach NO. verlaufende Pingenzug liegt nicht in dem unmittelbaren Fortstreichen von dem im Emmelser Walde, sondern 800 — 000 Meter im Hangenden, jedenfalls in Folge einer Verwerfung, die von SO. nach NW. streicht. Weiter nach SW. verlaufen die Conglomerate und Arcosen über die bel- gische Grenze nach Salm Chateau, wo sie ebenfalls durch Stein- brüche aufgeschlossen sind.
Nordwestlich von Weismes sind die Conglomerate und Arcosen auf dem Plateau zwischen Libomont und G’doumont viel ver- breitet; im Warchethal, 500 Meter unterhalb Reinhardstein, treten sie in hohen Felswänden hervor und fallen steil gegen SO. ein. — E. Kayser fand bei Arimont auf der Südseite des von Weis- mes nach Malmedy führenden Thaies ca. Stunde südlich von G’doumont in der Arcose Versteinerungen: eine ziemlich grosse, stark querverlängerte Chonetes- kleine Einzelkelche von Cyatho- fhyllum- und Cystiphyllum - Arten und Rensselaeria strigiceps. Zwischen G’doumont und Walk kommen an zwei Stellen Abdrücke und Kerne von Versteinerungen in der Arcose vor, die nicht sehr deutlich sind. Dewalque hat schon vor vielen Jahren eine grössere Anzahl Versteinerungen hier gefunden, die von de Köninck beschrieben sind, nämlich Athyris rustica, A. reticularis var. aspera, Chonetes Omalina^ Leptaena rigida, Cystiphyllum protundum^ Spirifer Du7nontianus, Rhynchonella aequicostata.
Die obere Stufe der Schichten von Weismes besteht aus einem Wechsel von dickeren und dünneren, rothen, grünen und blauschwarzen phyllitischen Schiefern mit schiefrigem Sandstein und Grauwacke. Der Schiefer ist häufig violet gefleckt und zeigt oft unregelmässige Höhlungen. Diese Schichten sind vielfach auf- geschlossen bei Montenau, Weismes und besonders gut entblösst im Warchethal zwischen Reinhardtstein und Champagne, wo die- selben mit 45 — (100 jjejT-en SO, einfallen.
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Mittleres Unter- Devon.
Der Taunusquarzit ist am Südrande des Eminelser Waldes, nördlich und südwestlich von Nieder- Eminelser Heide durch viele kleine Steinbrüche aufgeschlossen; er dehnt sich von da als 1/2 — 1 Kilometer breiter Streifen gegen SW. über Rodt und Oherst- K rornbach in’s Belgische und von Nieder-Emmelser Hütte gegen NO. nach Born hin aus. Hier dürfte der Taunusquarzit an einer grossen von SO. nach NW. streichenden Verwerfung abschneiden, auf deren nordöstlicher Seite er bei Faimonville durcii Steinbrüche aufgeschlossen ist. Von da setzt er über Beiair weiter fort und ist am rechten Ufer der Warche unterhalb Weywertz (Blatt Bütgen- liaeh) und dann in Steinbrüchen westlich von Elsenborn entblösst.
Der Taunusquarzit ist hier meist von geringer Festigkeit und geht oft in quarzitischeu Sandstein über; er ist weiss, grau und gelblich gefärbt und tritt in Bänken bis zu ^2 Meter Stärke auf. Die Quarzitschichten streichen nordwestlich von Rodt (Blatt St. Vith) in Stunde 5 und fallen mit 45 gegen SO. ein; bei Born streichen sie Stunde 3 mit 600 SO. Einfallen.
Das Material, welches in den Steinbrüchen westlich von Elsenborn gewonnen wird, dient als Werkstein, das aus den Stein- brüchen bei Beiair, Faimonville und nordwestlich von Emmels zum Strassenbau.
Die obere Stufe des mittleren Unter-Devon, der Hunsrück- Schiefer, nimmt in der St. Vither Gegend eine Breite von nur 6 — 7 Kilometer ein, nämlich von Nieder-Emmelser Heide bis Wiesenbach, südöstlich von St. Vith. Dagegen erreicht er östlich von Weisines zwischen Weywertz und Mürringen (Blatt Bütgen- bach) eine solche von 10 Kilometer. Auch in der südwestlichen Fortsetzung, jenseits der belgischen und luxemburgischen Grenze, dehnt er sich in ansehnlicher Breite zumal in der Gegend von Ulflingen aus. In seiner typischen Entwickelung, meist als dünn- blättriger, blauschwarzer Schiefer von mattem Ansehen, kommt der Hunsrück-Schiefer bei St. Vith, sowie nördlich von da nahe der Grenze gegen den Taunusquarzit bei Nieder-Emmelser Heide, ferner östlich von St. Vith am Prümerberg vor. Auch in der Gegend
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von Amei (Blatt Meyerode) , woselbst früher eine kleine Ge- winnung darauf bestand, und Bütgenbach erscheint er stellenweise als mehr oder weniger dunkelblättriger Schiefer von meist blau- schwarzer Farbe. Sonst ist der Hunsrück-Schiefer hier gewöhnlich dickschiefrig, eben- und unebenflächig, zeigt vielfach eine wellige und widstige Oberfläche und eine stengelige und grifteiförmige Ab- sonderung; ausser blauschwarz ist er grauschwarz, zuweilen auch gelblich und röthlich gefärbt. Er wechselt oft mit dickeren und dünneren Bänken von Grauwacken- und quarzitischem Sandstein in der Stärke von 0,5 — 1 Meter.
Die Schichten streichen von SW. nach NO. zwischen Stunde 4 und 5 und fallen meist gegen SO. bis zu 60 o ein. An der Grenze gegen die auflagernden Unter-Coblenz-Schichten erscheint besonders häufig ein Wechsel von mehr oder weniger dickem Schiefer mit Grauwacke und quarzitischem Sandstein. Oi'gauische Reste sind in dem Hunsrückschiefer nirgends angetrofien worden.
Oberes Unter-Devon (Coblenzschichten).
Die unteren Coblenzschichten beginnen im Hangenden dei- Hunsrückschiefer etwa D/2 Kilometer südöstlich vom Bahnhof St. Vith und dehnen sich in die Breite bis zur Our hin aus, ein ca. 7 Kilometer breites Band bildend. Die Grenzlinie zwischen dem II unsrückschiefer und den unteren Coblenzschichten dürfte von der luxemburgischen Grenze zwischen Aldringen und Espeler (Blatt St. Vith), dann über Thommer Mühle, Galhausen, Wiesenimch, Walerode (Blatt St. Vith) und von da über Wehreth und Hons- feld (Blatt Meyerode) verlaufen. Die unteren Coblenzschichten sind am besten in den Bahneinschnitten zwischen Wiesenbach und Bahnhof Lommersweiler (Blatt St. Vith) aufgeschlossen; sie er- scheinen in mehr oder weniger dicken Bänken von feinkörnigem Sandstein, der oft in Quarzit übergeht; dieselben wechsellagern mit dicken und dünnen Schiefern. Die Schiefer sind oft hell- und dunkelgrau, mitunter auch blaugrau und schwarz gefärbt.
Biegungen, Faltungen und Knickungen, Sattel- und Mulden- bildungen kommen oft vor.
Pyrit ist in grösseren und kleineren Krystallen häufig im Schiefer ausgeschieden, sowie Milchquarz in Adern und Gängen.
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(Bahnhof Lommersweiler und zwischen Klein- und Ciross-IIardt, östlich von Grüfflingen.) Thierische Reste haben sich an folgen- den drei Stellen gefunden: nordöstlich von Masjielt, bei llassel- bach (westlich vom Bahnhof Loniinersweiler), dann am Wege von Oudler nach Thommen, und zwar Pleurodictyum lyvoblematicuni^ Tentaculiteu, undeutliche Zweischaler, Bruchstücke von Spiriferen und Crinoiden.
Tertiär.
Tertiär kommt westlich und südwestlich von St. Vith vor und besteht in Ablagerungen von Lehm, stellenweise auch Thon bis zu 1 Meter Mächtigkeit, mit einzelnen, mehr oder weniger ab- gerundeten Quarzgeröllen und zwar auf den kleinen Plateaus süd- lich von Hinderhausen, am Wege nach Weisten, auf dem Hasselt zwischen Hinderhausen und Neundorf, auf dem Gericht zwischen Braunlauf und Grüfflingen, zwischen Thommen und Aldringen und daun an der belgischen Grenze westlich von Hinderhausen und Maldingen.
Ausgedehnte tertiäre Ablagerungen findet man auf den Höhen in der Umgegend von Malmedy. Bei Bernister, nördlich von Malmedy, ist gelblicher Thon, gelber und weisser Sand 3 — 4 Meter mächtig aufgeschlossen, damit kommen faustgrosse, weisse Quarz- gerölle und Quarzconglomerat in Blöcken vor. Quarzgerölle be- decken das Plateau Aisance de Meiz, nördlich von Beurnenville.
Auf der Höhe von Chödes, links vom Wege nach Walk, sind Gruben, in denen Quarzgerölle aufgeschlossen sind; mitunter kommen hier auch Geschiebe von Chalcedon und Feuerstein vor, in denen sich kleine Echinoiden fanden.
E. Holzapfel: Die ca mb rischen und ältesten Devon- Schichten in der Gegend von Aachen.
Die ältesten palaeozoischen Ablagerungen der Gegend von Aachen sind schon öfter Gegenstand von Mittheilungen gewesen. Nachdem von Dechen 1876 über die devonischen Conglomerate in der Umgebung des Cambrium im Plohen Venn berichtete (Verh. des Nat.-hist. Vereins von Rheinland 1876), habe ich 1882 inder- seiben Zeitschrift eine Studie über die Lagerung des Devon
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zwisolien Roer- und Vichttlial veröffentliclit. Beide Arbeiten waren das Ergebniss einzelner Excursionen, vor Allem von Begehungen der Thalprotile, die bei den schwierigen Lagerungsverhältnissen unmöglich endgiltige Resultate ergeben konnten. In späteren Publicationen von GOSSELET und Dewalque, also von For- schern, denen eine ausgezeichnete Kenntniss der gleichen Ab- lagerunsen im Gebiet der belgischen und französischen Ardennen zur Seite steht, sind denn auch mehrere der in meiner Arbeit mitgetheilten Beobachtungen und der gegebenen Deutungen be- stritten und corrigirt worden, ebenso wie Angaben von Dechen’s mehrfach richtig gestellt wurden. Die geologische Specialaufnahme der letzten Jahre hat ergeben, dass meine Auffassung in der That in vielen Fällen unrichtig war, vor Allem die im Anschluss an VON Dechen vertretene Ansicht von dem Nichtvorhandensein der Discordanz zwischen Cambrium und Devon. Dass eine solche thatsächlich vorhanden ist, unterliegt keinem Zweifel mehr. Ausser- dem scheinen aber auch noch höhere Unter-Devonschichteu eine übergreifende Lagerung zu besitzen, was freilich noch nicht in der gleichen Weise sichergestellt ist. Andrerseits zeigen die Dar- stellungen der Karte, welche Gosselet seinem grossen Werke TArdenne beigegeben hat, sowie die geologische Uebersichtskarte Belgiens von Dewalque in den einschlägigen Verhältnissen mancherlei Ungenauigkeiten, wie das ja bei derartigen Karten nicht anders sein kann, vorzüglich in einem Gebiet, welches nie- mals im Detail erforscht wurde. Auch die meiner Arbeit beige- gebene Kartenskizze giebt, wie nach dem Gesagten natürlich er- scheinen muss, ein unrichtiges Bild von dem Bau des betreffenden Gel)ietes. Es erscheint daher zweckmässig, eine kurze Uebcrsicht über die Verbreitung der beiden cambrischen Stufen und der tiefsten Devonstufe zu geben, und ihre Entwickelung zu schildern, wenn auch die Studien dieser Ablagerungen noch nicht zum Abschluss gediehen sind, zumal die Veröffentlichung der betreffenden Special- karten noch einige Jahre ausstehen wird.
Das Cambrium besteht auf den Blättern Eupen, Rötgen, Stollberg, Lendersdorf und Nideggen aus zwei Stufen, di(> sich genau mit den im belgischen und französischen Ardennengebiet
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unterschiedenen Ahtheilungen decken, einer unteren aus Quarziten und Pliylliten, und einer oberen aus Quarzphylliten und Pliylliten bestehenden.
Die erstere, das Systeme lievinien Dumont’s, die Assise des riautes Fanges Gosselet’s, wird zweckmässig als die Venn-Stute bezeichnet — von der grossen Verbreitung im Hohen Venn — und baut sich auf aus Quarziten und stets dunkel gefärbten, schwarzen oder schwarzblauen Pliylliten. Die Quarzite sind im Gebiete der genannten Blätter vielfach hellfarbig , oft weiss. Die sonst so verbreiteten oder vorwaltenden dunklen bis schwarzen Farben trifft man verhältnissmässig selten. Gewöhnlich ist das Gestein von zahlreichen Qnarzadern durchzogen, dünnplattig bis mässig dick, selten dick geschichtet, und bildet Lagen von wenigen Centimetern bis zu vielen Metern, die durch Phyllite von einander getrennt sind. Gute Aufschlüsse sind selten, wegen der starken Schotterbildung des Quarzites. Selbst an steilen Thal- rändern, wie im Weserthal bei Eupen, ist Alles von Quarzitschutt bedeckt, der die Schiefer fast ganz verhüllt, und auf den Höhen treten diese überhaupt nicht hervor. Gut zu beobachten ist die Zusammensetzung der Stufe u. A. im Hillthal bei Eupen und im Thale des Dreiläger- und Vichtbaches zwischen Lammersdorf und Rott. — Von anderen Gesteinen als den genannten wurde nur bei Lammersdorf ein ziemlich grobkörniger, grau gefärbter und glimmerreicher Sandstein beobachtet. — Im Hillthal bei Eupen liegt die nördliche Grenze der Stufe bei der Kammgarnspinnerei, und die hier hervortretenden Quarzitfelsen bestehen aus typischen Venn- Quarziten. Auch die aus mächtigen Blöcken bestehenden Rösseln und die anstehenden Klippen der Binster-Felsen (im Volksmunde Binster-Rotschen genannt), welche von Dechen für unterdevonisch hielt, sind zur Vennstufe zu rechnen. Im Weserthal liegt die obere Grenze dicht unterhalb der Mündung des Getzbachthales, auf der Höhe zwischen Hill und Weser aber ist sie undeutlich. Hier liegen in grosser Verbreitung nnterdevonische Gesteine in Brocken und Blöcken umher , und stehen an den Sammei- teichen der Eupener Wasserleitung an, und zwar Gesteine, die nicht dem tiefsten Unter-Devon angehören. Weiterhin liegt
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an dem Gehänge des Hillthales, ol)('rhalb der Binster Felsen, eine durch die Lagerungsf'orm der Schichten erkennbare kleine Midde der Gedinne-Stnfe, welche über die Höhe nach dem Weserthal zu bisher nicht verfolgt werden konnte. Sehr wahrscheinlich stammen aber aus ihr die Conglomeratbrocken, welche E. Kayser 1870 im Chausseegraben an der Chaussee von Eupen nach Montjoie beob- achtete.
Vom VV^eserthal aus läuft die Grenze der Vennstufe dicht nördlich des Forsthauses Mospert vorbei, auf Münsterbildchen an der Strasse Rötgen-Schmidhof zu. Im Kotter Wald, am Struffelt, springt sie dann plötzlich stark nach S. zurück, in welcher Weise, ist noch nicht aufgeklärt, verläuft dann am Schüttelpnhl und in der Rothen Kaul wieder in normaler Richtung in einer Entfernung von etwa 2000 rn von dem Kamm des Rückens Langschoss. Oestlich der Strasse Jägerhaiis-Zweifall wendet sie sich steiler nach NNO. und tritt auf Blatt Stollberg über, erreicht aber Blatt Lendersdorf bezw. das Wehethal nicht mehr. Die Südgrenze der Venn-Stufe ist auf Blatt Eupen nicht vorhanden, auf Blatt Rötgen läuft sie dicht am Bahnhofe Lammersdorf, ziemlich steil nach NNO. gerichtet, etwas südlich des Jägerhauses vorbei durch den Todtenbruch. Das Wehethal erreichen die Schichten der Venn- Stufe nicht mehr. Solcher Gestalt bilden die Quarzite und Phyllite der Venn-Stufe eine Zone, welche südlich von Eupen noch eine be- deutende Breite besitzt, von der Kammgarnspinnerei im Ilillthal bis fast zur Richel-Ley bei Reicheustein im Roerthal, d. h. fast 15 Kilometer. Beim Jägerhause auf Langschoss beträgt die Breite nur noch ca. 3 Kilometer und das Wehethal erreichen, wie er- wähnt, die Schichten der Venn-Stufe überhaupt nicht.
Auf beiden Seiten wird die Venn-Stufe von einer Zone von Schichten der Salm-Stufe begleitet, die eine sehr wechselnde Aus- breitung besitzt.
Bei Eupen ist die nördliche dieser Zonen sehr schmal, im Hillthal kaum 200 Meter breit; beim Forsthaus Mospert und bei Vennkreuz mag die Breite 700 — 1000 Meter betragen — genau liess sie sich noch nicht feststellen — , und je weiter nach N., um so breiter wird die Zone. Auf der südlichen Zone liegt
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der Ort Lammersdorf. Von hier zieht sie in einer Breite von über 1 Kilometer durch den Iiollesl)roicher Wald und den Todten Bruch. Im Wehethal und dessen Umo-ebnuo; besitzen dann die Salm-Schichten eine ausserordentliche Ausbreitung, indem sie fast durchweg die Gehänge dieses Thaies und seiner Nebeuthäler bilden. Die nördliche Grenze verläuft demzufoDe sehr unregel- massig. Von Eupen an zieht sie mit normaler Richtung ungefähr bis Rott, springt hier mit der tieferen Stufe nach S. zurück und läuft dann auf das Forsthaus Jägersfahrt im Hasselbachthal zu. Von hier aus hat sie im Allgemeinen eine nördliche Richtung, läuft aber nicht gradlinig, sondern springt, offenbar an Ver- werfungen, treppenförmig mehrmals nach NW. vor, bis in das Thal westlich vom Forsthause Süssendell, folgt dann wieder dem Schicditenstreichen bis Bend, um hier von Neuem eine SO.-NW.- Richtung anznnehmen, bis in die Nähe der Strasse Gressenich- Schewenhütte. Weiterhin fällt sie eine kleine Strecke zusammen mit dem Wehethal, verlässt dieses aber schon halbwegs zwischen Schewenhütte und der Bleimühle, verläuft aber in ganz geringer Entfernung von ihm über die Höhe, sodass die an dem östlichen Thalrand anstehenden devonischen Gesteine nur eine schmale Coulisse bilden. Bei der Mündung des oberhalb Pützmühle sich öffnenden Seitenthaies streicht die Grenze des Cambrium wieder im Wehethal aus, und folgt diesem bis zur Mündung des Sür- baches. Dann springt sie einige 100 Meter nach SO. zurück, folgt darauf wieder dem Streichen der Schichten bis etwa halbwegs Jüngersdorf und triÜt hier mit der südlichen Begrenzung unter einem spitzen Winkel zusammen. Diese Südgrenze verläuft von dem genannten Vereinigungspunkt in flachem, nach O. convexem Bogen bis zur Lauvenburg, folgt dann dem Lauf des nach S. an- steigenden Thaies, wendet sich dann im Bogen nach O. bezw. ONO. über die Höhe und folgt etwa dem Thale des Forellen- baches, biegt aber bald nach S. um, durchquert den Schwarzen- broicher Bach etwa 1 Kilometer unterhalb der Klosterruinen, und behält auch bis über den Ursprungsbach hinaus noch die NS.- Richtung bei, wendet sich dann aber mehr nach SW. und erreicht das Thönbachthal dort, wo dieses die scharfe Biegung nach S.
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macht, biegt aber sofort wieder nach NO. um, bis zu dem scharfen Knick, den der Renn- Weg auf der Höhe des Hochwaldes macht, wo sie sich wieder nach SW. wendet, und, mehrfach verworfen, das Thönbachthal dort wieder erreicht, wo die in diesem entlang führende Strasse in mehreren starken Krümmungen zur Höhe anzusteio;en beginnt. Von hier aus nimmt sie im Allgemeinen einen nord-südlichen Verlauf mit schwacher Abweichung nach W., sodass sie das Wehethal erst südwestlich von Germeter schneidet. Im Einzelnen ist der Verlauf auf dieser Strecke noch nicht festgelegt, ebensowenig wie der weiteren, nunmehr wieder eine südwestliche Richtung annehmenden Fortsetzung, in der sie in geringer Ent- fernung von den Quarziten der Venn-Stufe auf den südlichen Aus- gang von Lammersdorf und von hier nach Paustenbach streicht. Dieses oftmalige Vor- und Zurückspringen der oberen Grenze des Cambrium ist theils auf Faltungen zurückzuführen, besonders auf der Südseite, theils aber auf Verwerfungen, besonders auf der Nordseite, Verwerfungen, die zuweilen eine grosse Bedeutung haben, und im weiter nördlich liegenden Gebiet z. Th. schon lange bekannt sind. So scheint die senkrecht zum Schichtenstreichen verlaufende Grenze zwischen Bend und Gressenich die südliche Fortsetzung der Sandgewand des Eschweiler Kohlenreviers zu sein. Dass diese grosse Störung noch weiter nach SO. zieht, erkennt man in dem einförmigen Phyllitgebiet an dein gelegent- lichen Auftreten von Gangbreccien, in denen Schieferbrocken durch ein spärliches, schwach .eisenschüssiges Gement lose ver- kittet sind. Nichts anderes als eine solche Gangbreccie ist auch das Gestein, welches von Dechen am Wege von Schewenhütte nach Schwarzenbroich beobachtete (Verhandl. des Naturhist. Ver- eins von Rheinl. u. Westf. 1876, S. 11) und für das Basel- Conglomerat des Gedinnien hielt. Wie Gosselet angiebt, stehen an diesem Wege nur cambrische Phyllite und Quarzphyllite an. Typische Quarzphyllite sind auch die gelegentlich roth gefärbten Gesteine, welche oberhalb Schewenhütte im Wehethal in einigen Brüchen gewonnen werden, um als Werksteine, vor allem als Be- lagplatten Verwendung zu finden. VON Dechen hielt dieselben gleichfalls für unterdevonisch.
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Innorbalb clioser weiten, vom Cambrinm eingenommenen G<‘- biete wechseln Quarz|ibyllite mit Pbylliten in scbeinlnir ganz regel- loser Weise ab, bald berrscbt das eine, bald das andere Gestein aiit weite Strecdcen vor, ohne dass sieb bisher hätte erkennen lassen, welches eine höhere und welches eine tiefere Lage ein- nimmt. — In die Salm-Stnie gehören auch die Dachschiefer des Wehethaies, in denen als Seltenheit dünne Lagen von Wetz- schiefer Vorkommen, die weiter im S. häufiger sind. Andere Ge- steine sind nnr in geringer Entwickelung vorhanden. Zu er- wähnen ist, dasss innerhalb der Qnarzphyllite die quarzitischen bezw. sandigen Lagen gelegentlich dicker, als gewöhnlich, werden, wie im unteren Thönhachthal , bei Schewenhütte, südlich von Süssendell u. a. 0., während die schiefrigen Lagen stark zurück- treten, sodass das Gestein den Eindruck eines Grauwackensand- steines macht. Ganz vereinzelt — im Thale des rothen Baches — haben solche Lagen auch wohl ein gröberes Korn, und nehmen reichlich Glimmerschüppchen auf.
Von Versteinerungen wurde bisher nur Dictyonema lieol)- achtet, am häufigsten an der neuen Strasse, welche von Hürtgen in das Wehethal führt, kurz bevor sie dieses erreicht. —
An die oben skizzirte Grenzlinie des Cambriums stösst das Unter - Devon, aber mit verschiedenen Schichteucomplexen. Die unteren Stufen des Unter- Devon scheinen eine überirreifende Lage- ruug zu besitzen.
Die tiefste Unter-Devonstufe ist die von Gedinne. Sie be- steht normal aus zwei Unterabtheilungeu, einer tieferen, aus einem Basal- Conglomerat — Conglomerat von Fepin — und Arcosen bestehend, und einer oberen, die sich aus bunten — grünen, violetten und rothen — Schiefern und sehr charakteristischen grünen, grobkörnigen Quarziten auf baut. Nirgendwo in dem Ge- biet der genannten Kartenblätter wurde indessen in einem Profil die vollständige Reihenfolge dieser Schichten l)eobachtet, und vor allem ist die untere Abtheilung meist unvollständig. So scheinen die Arcosen auf der Nordseite des Cambrinm zu fehlen.
b Mit einer Ausnahme (Lammersdorf), wo aber die Lagerungsverhältnisse wenig klar sind.
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In der Gegend von Lammersdorf wurde das Basal-Conglomerat bisher nur an einer Stelle beobachtet, und zwar bei der Neuen Mühle an der Strasse nach Simmerath. Hier hebt sich aus den devonischen Schichten ein schmaler Sattel von cambrischen Phyl- liten heraus, der aber nur in der Thalsohle zu beobachten ist, und nicht bis zur Höhe durchzustossen scheint. Es bildet so die Gedinne- Stufe von Lammersdorf eine Mulde, wie es scheint von nicht sehr einfachem Bau, der durch die Discordanz des Devon, die sich hier aus dem Kartenbilde ergiebt, noch ver- wickelter erscheint. Auf dem Südflügel, im Walde bei der Neuen Mühle, tritt das Conglomerat in ansehnlichen Felsen mit rasch wechselndem Streichen (h. 4 — h. 11) auf, lässt sich aber nur einige hundert Meter weit verfolgen. Auf dem Nordflügel der Mulde, also auf dem Südflügel des cambrischen Hauptsattels, wurde das Conglomerat nicht beobachtet. Die Gesteine , welche von Dechen als solches angiebt, bei Paustenbach, Bickerath und am Lammersdorfer Schützen platz sind Sericit-Quarz-Phyllite, und mit Gosselet und Dewalque als metamorphosirte Arcosen an- zusehen, wie denn fast auf dem ganzen Südflügel die tiefere Zone der Gedinnestufe, wo sie überhaupt auftritt, theil weise auch die höhere, metamorphosirt erscheint. — Die festen Conglomerate ferner, zwischen der Lammersdorfer Mühle und Rollesbroich, ge- hören wohl einem höheren Niveau an, über den bunten Scbiefern. Das erste Auftreten des echten Basal-Conglomerates auf der Grenze gegen den cambrischen Sattel wurde am Peterberge, öst- lich vom Forsthause Jägerhaus beobachtet. Hier findet es sich in losen Blöcken am Anfänge der in’s Wehethal hinabführenden Forststrasse, von wo es von Dechen erwähnt, in der Sohle des Peterbaches, sowie des Baches, der in diesen oberhalb Kalll)rück mündet, und steht auf dem Peterberge im Walde in mehreren Felsen an. Der genaue Verlauf konnte aber noch nicht fest- gestellt werden, scheint aber wenig regelmässig zu sein. Im Wehethal abwärts wurde das Conglomerat nicht beobachtet. Nacli VON Dechen soll es westlich von Germeter, sowie im Walde. Loscheid anstehen. Diese Gebiete sind noch nicht untersucht worden. Es fehlt an der Strasse von Grosshau in’s Wehethal,
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ist dagegen ini Thönbachthal auf der Grenze von Cambrium und Devon in einen alten Steinbruch aufgeschlossen, und besonders in dem Nebenthale des Thönbaches, das unterhalb des Forst- hauses Grosshau mündet. Hier steht es in ansehnlichen Felsen an, die jetzt z. Th. bei der Anlage eines neuen Forstweges weg- gebrochen worden sind. Am Ausgange des nächst nördlichen Seitenthaies Hegt gleichfalls auf der Grenze von Cambrium und Devon eine schwache Conglomeratlage. Die Schichten sind in diesem Gebiet stark verworfen und in kleinere Falten gelegt, und der Zusammenhang der einzelnen Vorkommen ist noch festzu- legen. Weiter nach N. wurde nirgends an der unteren Grenze des Devon das Conglomerat beobachtet. Es scheint hier zu fehlen und ebenso auf der Nordseite des Cambi’ium bis in die Gegend von Eupen. Es finden sich zwar an mehreren Stellen Conglomerate, sie gehören aber durchweg einem höheren Niveau an, wie das Conglomerat von Rollesbroich. — Wo auf der Südseite des Cam- brium das Basal-Conglomerat auftritt, erscheint es metamorphosirt. Das Bindemittel der Gerölle, die vorwiegend aus Quarz bestehen, ist meist ein sericitisches Mineral.
Bei Eupen tritt das Conglomerat besonders schön im Wescr- thal bei der Försterei Langesthal an beiden Thalrändern auf, am südlichen in mehreren Zügen, was eine Muldenbildung andeutet, ol)wohl die Lagerung nicht zu erkennen ist, während sie im Hill- thal deutlich ist. Hier sind die Conglomerate auf beiden Mulden- flügeln nur von fferinger Mächtigkeit. Ob es von hier nach NO. hin, in der Gegend von Venn-Kreuz, im Ketteniser und Raerener Wald vorhanden ist, bedarf noch der Aufklärung. —
Während auf der Südseite des Cambrium das Verhältniss des Conglomerates zu den unterlagernden Salm - Schichten nicht klar erkannt werden kann , zeigt das Profil am Forsthaus Langesthal im Weserthal auf das Klarste die Discordanz zwischen beiden.
Die Arcose von Weismes ist in normaler Ausbildung im Ge- biete der untersuchten Kartenblätter nicht entwickelt. Wo sie auftritt, erscheint sie in weitgehender Metamorphosirung, welche
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Jahrbuch 189S.
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naturgemäss in erster Linie die Feldspath-, bezw. Kaolin-Bestand- theile ergriffen hat, in vielen Fällen aber auch eine Unikrystalli- sirung des Quarzes bewirkte. Nur dort, wo die ersteren stark zurücktreten, wie in einigen Bänken am Schützenplatze von Lam- mersdorf, gleicht das Gestein noch den normalen Arcosen der Gegend von Weismes und Recht.
Wie erwähnt, fehlt die Arcose auf der ganzen Nordseite des Cambrium. Hier folgen über dem Basal-Conglomerat, wo dieses auftritt, unmittelbar die bunten Schiefer. Aber auch auf der Süd- seite ist sie auf der Strecke von Jüngersdorf bis nach Hürtgen hin nicht beobachtet, und noch im Thönbachthal liegen, wie im Weserthal, bunte Schiefer unmittelbar über dem Conglomerat. In der Gegend von Lammersdorf ist die Arcose dagegen stark ent- wickelt und am Schützenplatz, an der Neuen Mühle, bei Bicke- rath etc. gut aufgeschlossen. Die Sericit-Quarz-Phyllite, in derben Bänken anstehend, bilden gern vorspringende Felspartien; viele kleinere Steinbrüche sind in ihnen geöffnet, da das Gestein, be- sonders die quarzreichen Abänderungen, als Wegebau-Material viel verwandt wird.
Von hier zieht die Zone der metamorphosirten Arcosen nach NO. durch den Rollesbroicher Wald nach dem Petersberg. Da die östlichen Gehänge des oberen Wehethaies und die hier ein- mündenden Nebenthäler noch nicht untersucht sind, ist die nörd- liche Endigung der Arcosezone noch nicht bekannt. —
Die obere Abtheilung der Gedinne-Stufe, von Gosselet als Schistes bigarres de Beaumont bezeichnet, tritt in charakte- ristischer Ausbildung vornehmlich in der Gegend von Lammersdorf auf, wo die Gehänge des oberen Kallthales bis zur Kommerscheider Brücke einen ausgezeichneten Einblick in diese Zone gewähren. Sie besteht hier aus bunten, meist violetten und grünen, oft ge- fleckten und geflammten Schiefern, mit stark glänzenden Schiefer- flächen, und von phyllitischem Aussehen, ein Zeichen, dass hier auch diese höheren Schichten der Gedinne-Stufe metamorphosirt sind. Manche Lagen enthalten zahlreiche, unregelmässig gestaltete, selten über haselnussgrosse Löcher, welche mit einem schwarz- braunen Mulm angefüllt sind, offenbar dem Rückstand von aufge-
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lösten Kalkknöllchen. Zwischen den Schiefern treten Qiiarzitlager von verschiedener Mächtigkeit auf. Das Gestein ist meist dünn geschichtet, bis dünnplättig, grobkörnig, mit vielen hellen Glimraer- schüppchen auf den rauhen Schichtllächen und von sehr charakte- ristischer, hellgrüner Färbung.
In dieser Zusammensetzung lässt sich die Zone durch den Rollesbroicher Wald in’s obere Wehethal verfolgen, doch treten hier Quarzite nur vereinzelt auf. Noch im oberen Thönbachthal treten die bunten Schiefer in ihrer charakteristischen BeschaflPenheit und gelegentlich kleine Knöllchen von unreinem Kalk enthaltend, aber ohne phyllitisches Aussehen, in der Nähe des Forsthauses Grosshau auf. Andererseits aber finden sich hier schon in ansehn- licher Verbreitung Schiefer von brennendrother Farbe, aber noch mit den Zwischenlagen der bezeichnenden Quarzite. Am nörd- lichen Abhang des Hochwaldes sind ganz ähnliche, oder gleiche rothe Schiefer in grosser Ausdehnung vorhanden, aber die mit ihnen wechselnden sandigen Gesteine haben eine abweichende Beschatfenheit, es sind verschieden, meist aber gelb-grau gefärbte Arcose-Quarzite, mit zahllosen, bis stecknadelknopfgrossen Körn- chen von weissem, grauem oder gelbem Kaolin. Ganz gleiche Ge- steine finden sich weiter südlich bei Simmerath, Witzerath und Rollesbroich im Hangenden der bunten Gedinne-Schiefer, wechseln hier aber nicht mit rothen, sondern mit blauen und grauen Schiefern. Es ist z. Z. noch zweifelhaft, ob diese Gesteine noch der Gedinne- Stufe oder einer anderen angehören, etwa der Siegener Stufe, wohin sie Gosselet wenigstens theilweise rechnet. Typische Gedinne-Schichten , welche bei der gleichartigen Ausbildung der rothen Schiefer auch in höheren Schichten, nur an den grünen Quarziten erkannt werden können, sind am ganzen Nordabfall des Hochwaldes, am Knosterberg und im Meroder Wald noch nicht beobachtet worden. Allenthalben scheinen hier die Arcose-Quarzite z. Th. mit rothen Schiefern wechselnd, unmittelbar dem Cambrium zu folgen. Nur in einem kleinen Steinbruch, etwa 500 Meter südlich der Laufenburg, sieht man einige Bänke der grünen Quarzite unter rothen Schiefern, rothen Sandsteinen und Arcose- Quarziten anstehen, ohne sie an der Oberfläche verfolgen zu
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können. — Auch auf der Nordseite des Canibriiun fehlen zunächst Gedinne-Gesteine. Bis Schewenhütte stossen die Salm- Schichten in Folge von Verwerfungen an alle möglichen Schichten des Carbon, des Ober- und Mittel -Devon, sowie des höheren Unter- Devon. Südwestlich von Schewenhütte, im Gressenicher Wald, sowie zwischen Forsthaus Süssendell und Mausbach erlangen dann die Arcose-Quarzite wieder. eine bedeutende Ausdehnung. Hier er- kennt J. Gosselet in ihnen Taunusien (Siegener Stufe). Das Vichtbachthal erreichen sie aber nicht, sondern schneiden vorher an einer Querstörung ab. Sie erscheinen wieder im Hasselbach- thal, und in ihrem Liegenden treten beim Forsthaus Jägersfahrt auch typische grüne Gedinne- Quarzite auf, mit rothen Schiefern wechselnd. Sie bilden nur eine schmale Zone, welche an das Cambrium grenzt, wohl mit einer Verwerfung, lassen sich über die Höhe nach NO. hin nicht verfolgen, und sind auch in beiden Fischbachthälern nicht vorhanden. Wohl aber treten Ge- dinne-Schichten im Streichen nach SW. im Salchbachthale auf, und sind hier durch einen neuen Forstweg schön entblösst. Der weitere Verlauf nach SW. ist noch nicht bekannt, indessen sind sie beim Forsthaus Kott nachgewiesen , während die hier auftretenden, auch bei von Dechen erwähnten , dünnen Conglomeratlagen sehr wahrscheinlich höheren Schichten, der Stufe der Arcose- Quarzite, angehören, in denen solche Conglomeratlagen an vielen Punkten beobachtet werden können. — Erst in der Gegend von Eupeu sind die Schichten der oberen Gedinne-Stufe wieder beob- achtet worden. Im Weserthal lagern sie auf den Basal-Conglo- meraten und führen die bezeichnenden Quarzitz wischenlagen. Die Farbe ist hier noch vorwiegend roth, wenn auch nicht so grell roth, wie weiter nach NO. Daneben treten aber auch vielfach schon violette, violettrothe und grüngefleckte Schiefer auf. An mehreren Stellen sind Bänke mit zahlreichen Knollen eines unreinen Kalkes vorhanden. Ferner finden sich hier die von von Dechen erwähnten Conglomerate, in denen die Gerölle durch rothe Schiefer- masse verkittet sind, xluch in der kleinen Mulde oberhalb der Binsterfelsen im Hillthal ist diese Lage rother, conglomeratischer Schiefer vorhanden und tritt auf beiden Aluldentlügeln zwischen
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dem Sdiiefer auf. Ueljeilagert werden die bunten Schiefer auch hei Ein)en von den Arcose- Quarziten , die anfangs mit rothen Schiefern wechsellagern, und an mehreren Stellen dünne Conglo- meratlagen enthalten, die aus Quarzgeröllen bestehen und ein Bindemittel besitzen, welches mit den Arcose-Quarziten überein- stimmt.
H. LüRETZ: Bericht über die Ergebnisse der geo-
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logischen Aufnahmen von 1898 in der Gegend von
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n agen, Hohenlimburg und Iserlohn.
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x\uf Grund fortgesetzter Begehungen im Gebiete der Blätter Ilagen, Hohenlimburg und Iserlohn, sowie angrenzender Gebirgs- theile, sind vom Verfasser im dortigen Leuneschiefer zwei Stufen unterschieden und auf der Karte zur Darstellung gebracht worden.
In der älteren Stufe herrschen in beträchtlicher Verbreitung, doch nicht ausschliesslich, mächtige Eolgen von festen, zum Theil etwas quarzitisch beschaffenen, Grauwackensandsteinbäuken, mit weicheren, thonschieferigeu bis schieferthonigen Zwischenbänkeu, welche Folgen, namentlich in den weicheren Schichten, an der Erdoberfläche leicht einer mehr oder minder tief eingreifenden, secundäreu Röthung der ursprünglich schwach grünlichen Färbung unterliegen, so dass daraus oft ein einigermaassen buntes Ansehen des anstehenden , wie des mehr schollig als plattig zerfallenen Gesteinsmateriales hervorgeht. Doch giebt es in anderen hierher- gehörigen Strecken auch anhaltende Folgen thonschieferiger Zwi- schenlagen von ziemlich dunkler (dindcelblauschwarzer) Färl)ung, (bei denen ausnahmsweise auch griffelige Absonderung vorkomint), welche nicht zu der erwähnten Röthung neigen. (Beispielsweise auf Blatt Hohenlimburg im Lennethal bei Obstfeld und au der Dümpeler Leie, sowie abwärts bei Nachrodt und aufwärts au der Südostseite des Wixberges, im Kleff' und in der Brachteubeck bei Altena u. s. w.) Kalk scheint in dieser Stufe zu fehleu, oder tritt doch sehr zurück.
In der jüngeren Stufe herrschen im Ganzen mehr dünn- bankige bis plattige, dabei oft uneben wellig geschichtete Folgen von Grauwackeuschiefer und -Sandstein, mit grauer bis schmutzig
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graiigrimlicher Färbung, ohne jene seenndäre Ivötliung. Das Ge- stein wird hier öfters etwas kalkhaltig, ja cs legen sich förinliche Kalkzwischenlager, oft reich au Resten von Korallen, auch Crino- iden und anderen Versteiuernngen ein.
Rei Versleichnuff der westlich augfrenzeuden Geilend von
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Schwelm und Barmen zeigt es sich, dass die in den oben ge- nannten Blättern unterschiedenen Stufen und die für die west- lichere Gegend schon vor mehr als 10 Jahren von WaldsciimidtI) anfgestellten Gruppen oder Stufen des »Granwackensandsteins« und des »Granwackenthonschiefers« sich im Allgemeinen ent- sprechen.
Was die ältere Stufe betrifit, so ist eine weitere Eiutheilnng derselben im Gebiete der oben genannten drei Blätter, bis jetzt wenigstens, nicht gelungen. Doch hat es sich als ausführbar er- wiesen, die in der Gegend von Altena, auf Blatt Iserlohn vor- kommenden, versteineruugsführenden Schichten von Eileringsen und Hegenscheid, mit der bei einer anderen Gelegenheit'^) er- wähnten, in Spiriferensandsteinfacies erhaltenen Fauna, innerhalb der älteren Stufe, von der sie wohl ein Zwischenlager bilden, kartographisch auszuscheiden. Das betretfende Gestein bricht in mässig dicken , ebenen Platten von recht gleichbleibender Be- schaffenheit und ohne wesentliche, anders geartete Zwischenlagen; es ist feinsandig, nicht quarzitisch, und dem entsprechend ist der Verwitterungshoden einigermaassen sandig. Die untere Grenze dieser Schichten, gegen den liegenden Grauwackensandstein, lässt sich beiläufig angeben, wenn sie auch wegen der Gesteinsübergäuge nicht scharf ist. Schon im Bereiche der Eileringser Schichten, doch ziemlich tief, liegt mindestens eine Bank, die ganz voll ist von dem in der Literatur öfter als Remselaeria {1') amygdala resp. caiqua aufge- führteu Brachiopod. Die neue Fahrstrasse vom Liuscheider Bach bei Altena ostwärts auf die Höhe hat sie angeschnitten. Doch scheint es, dass die genannte Form auch schon erheblich tiefer
') Dr. Eiinst W.vldsch.miijt, »Die mitteldevonisclieii Schichten des Wupper- thals bei Elberfeld und Barmen«. Elberfeld 1888.
Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1898, Prot. S. 12 ff.
cxrs
iin Grauwackcusamlsteiu vorkoimiit i). Auch die Crinoidenstiel- abdrücke, die in Meuge in den Eileringser Platten voikonnncn, finden sich schon tiefer iin Grauwackensandstein.
Was, abgesehen von der Eileringser Fauna, die Versteine- rungsführung dieser Lenneschieferstufe belangt, so gehören die Ijei einer anderen Gelegenheit angeführten Formen: Animyenia |■henanu Beush., Modiomorpha cf westfalica Beush., Bellerophoit, sp., Discina sp., hierher. Das Verhalten scheint in der Regel so zu sein , dass zwischen langen Folgen von versteinerungsleeren Schichten einzelne an Petrefacten sehr reiche Lagen liegen. Die Erhaltung pflegt in Form von Steinkernen, mitunter auch Sculptur- steinkeruen zu sein. Eine mit Modiomorpha ci\ - ‘ivestfalica erfüllte flank dunklen Schiefers, ganz ähnlich der a. a. O. aus der Gegend von Gevelsberg auf Blaff Hagen erwähnten, habe ich im letzten Sommer im Brachtenbeckthale bei Altena gefunden.
Die Beziehung zwischen unserer jüngeren oder oberen Stufe und dem, was Waldsctimidt als »Grauwackenthonschiefer« bezeichnet, ist übrigens derart, dass die Schichtenfolge des letzteren bei Elberfeld -Barmen nur einen Theil derjenigen darstellt, welche unsererseits auf Blatt Iserlohn zur oberen Stufe gezogen worden ist.
Das Hauptgestein ist hier, wie gesagt, ein meist nicht dick- plattiger Grauwackenschiefer, der zum Theil rauh, sandig oder glimmerig- sandig ist, zum Theil in’s thonschieferige verläuft, in gewissen Bänken auch, wie schon bemerkt, einen Kalkgehalt be- sitzt und dann l)raune Verfärbungen erfährt und leicht verwittert. Innerhalb der ganzen Stufe würde das äussere Ansehen des Schiefers ziemlich monoton sein, wenn nicht einzelne anders beschaffene Zwischenlager, namenflich Kalkbänke und gewisse andere Schichten eingeschaltet wären.
Diese letzteren nun sind besonders gut bei Evingsen und bei Ihmert (Blatt Iserlohn), ausserdem auch gut zwischen Pillingsen und Nachrodt (Blatt Hohenlimburg) aufgeschlossen. Sie mögen als Evingser Schichten bezeichnet werden. Sie bestehen aus einer
b feil fand sie im Bereiche der unteren Stufe aucli bei Herlsen, westlich von Wiblingwerde, auf Blatt Hohenlimburg.
Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1898, Prot. S. 14 ff. ,
cxx
ziemlicl)
starken
Folge
von
meist
ebenschiclitigeu,
saiuligeu
bis
thonigen
Bänken,
die
bei
der
Verwitterung
eine
gelbe
oder
brann-
gelbe,
mitunter
ancb
rotbgelbe
Färbung
annelnnen,
wie
sie
sonst
bei
den
Lennescbieferu
nicht
gewöhnlich
ist.
Diese
Schichten
bilden
zwischen
der
Einförmigkeit
der
Granwackenschiefer
einen