:sd(oM der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft in Dresden. Herausgegeben von dem Redactions- ComitO. Jahrgang 1897. Mit 3 Tafeln und 3 Abbildungen im Text. Dresden. In Commission von Warnatz & Lehmann, K. Sachs. Hofbuchhändler. 1898. Inhalt des Jahrganges 1897. A. Sitzungsberichte. I. Section für Zoologie S. 3 und 17. — Drude, 0.: P. Matschie’s Karte der geographischen Verbreitung der Säugethiere, naturwissenschaftliche Nomenclatur S. 4. — Engel- hardt, H. : Vorlage einer Abhandlung über böhmische Tertiärpflanzen S. 4. — Kuntze, A. : Eine seltene Diptere vom Osterherge und eine Tanzmücke von Borkum S. 4. — Nitsche,H. : Arbeiten der biologischen Station zu Helgoland S. 3; Funde von Cancans -Larven und Noctua- Raupen auf dem Schnee im Erzgebirge, Dipteren -Familie der Pupipara S. 4; Hörnerformen der Hufthiere, Vorlagen S. 17. — Haspe, F.: Vorlagen S. 17. — Schiller, K.: Berichte der ornithologischen Beobachtungsstationen, neue Litteratur S. 3; Vorkommen des Mauerläufers in Sachsen S. 17. — Schneider, 0.: Entdeckungs- geschichte einer Pelzmilbe des Bibers, Thierwelt Borkums S. 3. II. Section für Botanik S. 4 und 17. — Drude, 0.: Historische Entwickelung der farbigen Pflanzenabbildungen S. 4; System- Anordnung zu floristischen Zwecken S. 5; Kobelt’s Studien zur Zoogeographie S. 18; neue Litteratur S. 19; und K. Wobst: Petition zur Erhaltung des mikroskopischen Museums S. 18. — Hof- mann, H.: Sächsische Mentha -Porrnen S. 18; Rubus -, Hieracien- und Bosen-Arten, neue Standorte von Asplenium germanicum und Euphrasia - Arten S. 19. — Nau- mann, F.: Seltenere Pflanzen von Gera S. 19. — Kitsche, H. : Demonstration einer blüthenbiologischen Tafel S. 17; praktischer Werth der Plankton-Forschung S. 18. — Haspe, F.: Convolvulus Soldanella L. von Norderney S. 17. — Schorler, B.: Das Süsswasser- Plankton, Neu-Erwerbungen der Flora Saxonica S. 18; Heise durch den Böhmer Wald S. 19. — Vetters, K.: Präparirte Blüthe von Passiflora S. 17. III. Section für Mineralogie und Geologie S. 6 und 19. — Bergt, W. : Geologische Beschaffenheit der Lausitz S. 6; neue Litteratur S. 6 und 7. — Engelhardt, H.: Tertiärpflanzen von Sardinien, neue Litteratur S. 21. — Kalkowsky, E.: Gebirgs- bau der skandinavischen Halbinsel, zur Erinnerung an C. Fr. Naumann ’s hundert- jährigen Geburtstag S. 6; über Hogenstein und Näpfstein S. 7; obligocäner Sandstein- gang an der Lausitzer Ueberschiebung bei Weinböhla, geologische Heliefkarte Sachsens von Dr. 0. Barth, neue Litteratur, Vorlagen S. 20. — Nessig, H. : Das tertiäre Thonlager von Löthhain S. 6; Diluvialsande bei Dresden S. 19. — Schiller, K. : Neue Litteratur S. 7. — Beschluss betr. Erwerbung der geologischen Reliefkarte Sachsens von Dr. 0. Barth S. 21. IT. Section für prähistorische Forschungen S. 7 und 21. — Deichmüller, J.: Massregeln zum Schutze und zur Erhaltung prähistorischer Alterthümer in Sachsen, Vorlagen S. 8; paläolithische Station bei Ehringsdorf bei Weimar, neolithische Funde von Casabra, Bronzedepotfund von Laubegast S. 21 ; Thier Zeichnungen auf einer Urne von Stetzsch, Burgwallfunde von Zehren S. 22. — Döring, H.: Neolithische Funde in Löbtau S. 8; der Burgwall bei Niederwartha S. 22. — Ebert, 0.: Vorgeschicht- liche Funde von Kudenitz bei Saaz, neue Litteratur S. 22. — Jentsch, A.: Vor- slavische Burgwarte bei Klotzsche S. 7. — Osborne, W.: Bericht über eine Reise nach Aegypten, prähistorische Funde bei Worms S. 7; gleichzeitiges Vorkommen des Menschen und des Mammuth in Sibirien, neue Litteratur S. 8. — Put sch er, W. : Vorlagen S. 7. V. Section für Physik und Chemie S. 8 und 22. — Fo erster, F.: Demonstration eines Apparates zur Sichtbarmachung der Complementärfarbe einer lichtstarken Farbe S. 9 ; Herstellung von Calciumcarbid im Hochofen S. 23 ; elektrochemische Darstellung von Jodoform S. 23. — Hall wachs, W. : Diflerentialspectrometer mit streifender Incidenz S. 23; Erzeugung Hertz’scher Wellen und Aussonderung ultrarother Wellen IV S. 24. — Hempel, W.: Ueber Acetylen S. 22. — Meyer, E. von: Justus von Liebig in seiner Bedeutung für den chemischen Unterricht S. 8; über colloidales Silber S. 28. — Schlossmann, A.: Chemie des Blutes S. 9. — Toepler, M. : Structur der Atomgewichtsskala S. 8. — Walther, R. : Natur der Flamme S. 8. VI. Section für Mathematik S. 9 und 24. — Gravelius, H. : Dynamik der Körper- systeme S. 24. — Helm, G.: Neuere mechanische Aufgaben aus der Technik S. 25. — Krause, M.: Einige Punkte aus der Theorie der elliptischen Functionen S. 9. — Naetsch, E.: Geodätische Linien auf Rotationsflächen S. 10. — Pockels, F.: Gegen- wärtige Kenntniss von der Dichtigkeit des Erdkörpers S. 9. VII. Hauptversammlungen S. 10 und 25. — Veränderungen im Mitgliederbestände S. 12 und 28. — Beamte der Isis im Jahre 1898 S. 80. — Kassenabschluss für 1896 S. 11 und 14. — Voranschlag für 1897 S. 11. — Freiwillige Beiträge zur Kasse S. 29. — Geschenk an die Bibliothek S. 28. — Bericht des Bibliothekars S. 32. — 25jähriges Jubiläum des Kassirers S. 27. — Massregeln zum Schutze und zur Erhaltung der vorgeschichtlichen Alterthümer S. 10, 12 und 27. — Petition um Erhaltung des mikro- skopischen Museums S. 28. — Lesemuseum in Dresden S. 10. — Verlegung der Osiris S. 28. — Vorlagen S. 11. — Deichmüller, J.: Neue Litteratur S. 10. — Drude, 0. : Floristischer Charakter des Elb Sandsteingebirges und der Lausitz im Vergleich zu dem böhmischen Mittelgebirge S. 11 ; die für den Schulunterricht wichtigsten Richtungen der modernen Botanik S. 25. — Fischer, H. : Technische Verfahren zur Trennung von Körpergemengen S. 11. — Gravelius, H.: Wettertypen und Hochwasserprognosen S. 27. — Helm, G.: Neue Litteratur S. 25. — Kalkowsky, E.: Erosionserscheinungen im Elbsandsteingebirge S. 11; Excursion des VII. internationalen Geologencongresses in den Ural S. 27. — Möhlau, R.: Grundlagen und Entwickelung der Färberei S. 11. — Nits che, H.: Stimmen der Thiere S. 12. — Salb ach, F. : Ueber Grundwasser unter besonderer Berücksichtigung der Dresdner Wasserwerke S. 27. — Schneider, 0.: Thierwelt von Borkum S. 11. — Töpler, A. : Hertz’sche Wellen und Telegraphie ohne Drähte S. 28. — Töpler, M.: Geschichtete Funkenentladungen in freier Luft S. 11. — Vater, H.: Ueber Krystalliten S. 10. — Excursionen: Ausflug nach den Tyssaer Wänden S. 11; nach Tharandt S. 12. B. Abhandlungen. Bergt, W. : Zur Geologie von San Domingo. S. 61. Deichmüller, J. : Ueber Massregeln zur Erhaltung und Erforschung der urgeschicht- lichen Alterthümer im Königreich Sachsen. S. 49. Deichmüller, J.: Eine vorgeschichtliche Niederlassung auf dem Pfaffenstein in der Sächsischen Schweiz, mit Taf. II. S. 73. Engelhardt, H.: Sardinische Tertiärpflanzen. S. 56. Hofmann, H. : Beiträge zur Flora Saxonica. S. 93. Kalkowsky, E. : Ueber einen obligocänen Sandsteingang ander Lausitzer Ueber- schiebung bei Weinböhla in Sachsen, mit Taf. III. S. 80. Kuntze, A. : Tethina illota Hai. S. 19. Menzel, P. : Beitrag zur Kenntniss der Tertiärflora des Jesuitengrabens bei Kundratitz, mit Taf. I. S. 3. Petraczek, W.: Ueber das Alter des Ueberquaders im sächsischen Elbthalgebirge. S. 24. Schneider, 0.: Ueber eine zuerst in Dresden aufgefundene neue Pelz milbe des Bibers. S. 21. Schorler, B.: Bereicherungen der Flora Saxonica in den Jahren 1896 und 1897. S. 65. Schorler, B. : Ein Beitrag zur Flora des Böhmerwaldes. S. 71. Toepler, M. : Ueber elektrische Gleitfunken von ausserordentlicher Länge, mit 3 Ab- bild. S. 41. Trouessart, E., und Schneider, 0.: Nachträge zu der Abhandlung von 0. Schneider: Ueber eine zuerst in Dresden aufgefundene neue Pelzmilbe des Bibers. S. 90. Die Autoren sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer Abhandlungen . Die Autoren erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf besonderen Wunsch 25 Sonder - Abzüge gratis, eine grössere Anzahl gegen Erstattung der Herstellungskosten. Sitzungsberichte der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft ISIS in Dresden. 1897. I. Section für Zoologie. Erste Sitzung am 21. Januar 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. H. Nit sehe. — Anwesend 27 Mitglieder. Privatus K. S chiller legt an Litteratur E. Hackel: Systematische Phylogenie, II. Theil. Phylogenie der wirbellosen Thiere, Berlin 1896, vor und giebt ein Referat ans den umfangreichen Berichten der ornitho- lo gisch en Be ob achtungs Stationen. Diese Berichte reichen zunächst bis 1894. Vorstand für die sächsischen Stationen ist Geh. Hofrath Dr. A. B. Meyer in Dresden. Die Zahl der sächsischen Stationen resp. Beobachter beträgt augenblicklich 21, die Beobachter sind besonders Forstleute und Lehrer. Es wurden für Sachsen bis jetzt Notizen über 280 Vogel- Arten gemacht, das sind zwei Drittel der deutschen Ornis. Herr K. Schiller führt speciell an die Beobachtungen über Baubvögel, Schwalben, den Kuckuck, und widmet am Schlüsse auch dem Anhänge der Berichte (über Säugethiere, Fische, Insecten etc.) seine Auf- merksamkeit. Bemerkungen zu dem Vortrage macht Prof. Dr. H. Nitsche. Prof. Dr. 0. Schneider giebt die merkwürdige Entdeckungsgeschichte einer auf dem Biber lebenden Milbe. (Vergl. Abhandlung III.) Ihre Synonyme lauten: Haptosoma truncatum Kramer, Histiophorus castoris Friedr. , Schizocarpus Mingaudi Trouessart. Welcher Bezeichnung die Priorität zu- kommt, ist noch nicht entschieden. • Prof. Dr. H. Nitsche berichtet über die Arbeiten der biologischen Station zu Helgoland und legt die bisher erschienenen Pub licationen vor. Zweite Sitzung am 18. März 1897 (in Gemeinschaft mit der Section für Botanik). Vorsitzender: Prof. Dr. H. Nitsche. — Anwesend 30 Mit- glieder. Prof. Dr. 0. Schneider vervollständigt seinen in der Hauptversamm- lung am 25. Februar 1897 gehaltenen Vortrag über die Thierwelt Bor- kums durch Anfügung eines speciellen Theiles. Der Vortragende beobachtete das Vorkommen folgender Arten: Säugethiere 14, Brutvögel 39, Beptilien 1 ( Lacerta vivipara eingeschleppt), Lurche 2, Käfer 860 ( — 930), Schmetterlinge 269 ( — 302), Hymenopteren 390 ( — 397), Dipteren 463, Geradflügler, Schnabelkerfe, Tausendfüssler 8, Spinnenthiere 180, Krebse 57 (—61), Würmer 17, Weichthiere 45 ( — 51), Polypen 3. Er macht ferner zahlreiche Bemerkungen über deren allgemeine Verbreitung, ihre Lebensweise und die besten Methoden des Sammelns. Eine grössere Anzahl vollständig neuer Arten wurde aufgefunden. 4 An Litteratur circnlirt v. Droste -Hülshoff: Die Yogelwelt Borkums, und zahlreiche entomologische Autsätze, darunter auch: „Zwei neue deutsche Käfer“, vom Vortragenden. An Präparaten legt Letzterer die Reptilien und Lurche in Spiritus vor und eine Aus- lese von Insecten, besonders Käfer, endlich eine Anzahl Süsswasser-Conchylien. Prof. Dr. 0. Drude hält einen Vortrag über P. Matschie’s Karte der geographischen Verbreitung der Säugethiere, und berichtet über neue, nach seiner Ansicht ungerechtfertigte Umtaufungen auf dem Gebiete der naturwissenschaftlichen Nomenclatur. Er empfiehlt dagegen als das, was die Wissenschaft am Köthigsten brauche, ein „Maximum der Stabilität und ein Minimum des Wechsels“. Prof. H. Engelhardt empfiehlt eine Abhandlung von Dr. P. Menzel über Tertiärpflanzen von Kundratitz in Böhmen zur Veröffentlichung in den Berichten der Isis. (Vergl. Abhandlung I.) Prof. Dr. H. Kitsche berichtet, dass in diesem Frühjahr im Neu- dorfer Staatsforstrevier im Erzgebirge in 700 m Höhe wieder einmal Larven von Cantharis und Raupen von Noctua ( Chareas) graminis in grosser Menge lebend auf dem Schnee gefunden wurden. Dritte Sitzung am 6. Mai 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. H. Kitsche. — Anwesend 23 Mitglieder. Prof. Dr. H. Kitsche hält im Anschluss an eine Abhandlung über Ascodipteron phyllofhinae nov. gen., nov sp., beschrieben von Dr. Aden- samer, Wien 1896, d. i. einen regressiv metamorphosirten stationären Parasiten in der Flughaut einer javanischen Fledermausart, einen Vortrag über die Dipteren-Familie der Pupipara. Ausgestellt sind eine Anzahl den Vortrag illustrirender mikroskopischer Präparate und Sammlungsobjecte. Bankier A. Kuntze legt eine von ihm neulich am Osterberge ge- sammelte seltene Diptere, Rhamphomyia platyptera Mg., vor, desgl. eine von ihm 1895 in Borkum gesammelte Tanzmücke, Tethina illota Hai. (Vergl. Abhandlung II.) II. Section für Botanik. Erste Sitzung am 4. Februar 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude. Der Vorsitzende spricht über die historische Entwickelung der farbigen Pflanzenabbildungen und erläutert an zahlreichen, aus der Bibliothek des botanischen Instituts der K. Technischen Hochschule vorgelegten Beispielen von den ältesten Kräuterbüchern an deren künst- lerische Darstellungsmethode und naturwissenschaftliche Correctheit. Die Wichtigkeit originaler Abbildungen (mit oder ohne Analysen) in ihrem Beruf, zusammen mit dem Herbarium die Grundlagen der mühsam nach Vollständigkeit ringenden systematischen Pflanzenbeschreibung und allgemein verständlichen Pflanzen- benennung als Mittel zum Zweck zu bilden, wird einleitend kurz hervorgehoben. 5 Nach Erläuterung der um 1500 — 1600 verfertigten ältesten Abbildungen und des Fortschrittes in der frühen Linnee’schen Periode (Hortus Romanus !) werden die grossen Kupfer werke aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts besprochen: Duhamel, Traite des arbres; Martius, Historia naturalis palmarum ; Wall ich, Plantae asiaticae rariores; Blume, Rumphia u. a. Als vollendetste colorirte Tafeln werden die Kupferdrucke der von G. F. W. Meyer unvollendet gelassenen „Flora Hannoverana“ bezeichnet, welche Hand -Aquarellen am nächsten kommen. Die Letzteren werden sodann in ausführlicher Demonstration im Herbarium - Saal vorgeführt, und zwar sowohl einige Umbelliferen aus der von P. de Candolle gegründeten systematischen Aquarellsammlung des botanischen Instituts zu . Montpellier, dem Vor- tragenden durch Prof. Charles Flahault freundlich geliehen, als einige Bände der grossen, von Friedrich August I. und II. hinter! assenen Pillnitzer Hof-Sammlung, einer besonderen Zierde des hiesigen botanischen Instituts. Dann aber führt der Vorsitzende als neuen Besitz des Instituts die etwa 100 Exemplare zählende Pflanzen- Aquarellsammlung des verstorbenen Fräulein Susanne von Zahn in ausgewählten Beispielen vor; diese reizenden, wundervoll naturgetreu und stimmungsvoll den natürlichen Standorten abgelauschten Aquarelle sind grösstentheils in den Alpen gemalt und erläutern somit unsere Specialherbarien der Alpenflora. Nach dem Tode der genialen Künstlerin, welche zeigte, dass auch noch heute liebevoller Fleiss Bilder schaffen kann, welche allen von der Naturforschung zu stellenden Ansprüchen an Naturtreue entsprechen, sind den testamentarisch ausgesprochenen Wünschen zufolge von der Familie von Zahn der botanischen Bibliothek geschenkt und von Herrn Buchhändler R. von Zahn überliefert. Zweite Sitzung am 3. Juni 1897 (im K. Botanischen Garten). Vor- sitzender: Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 23 Mitglieder. Prof. Dr. 0. Drude spricht über die System-Anordnung zu flo ristischen Zwecken. (Vergl. Isis 1886, Abhandl. X.) Für die Floristik möchte die übliche phylogenetische Anordnung des Systems ersetzt werden durch eine mehr dem praktischen Bedürfniss angepasste. Es empfiehlt sich durchaus, bei der Anordnung der Speciesliste mit den höchstentwickelten Pflanzen zu beginnen, um einen bestimmten, festen Ausgangspunkt zu haben. Bei der Ver- vollständigung der Specieslisten bis zu den vielleicht nur allgemein zu erwähnenden Gruppen der niedersten Organismen braucht man dann keine Inconsequenzen zu begehen; sonst zählt man Klassen als erste (Schizophyten u. a.) auf, von denen man gar nichts Floristisches nennt. Das De Candolle’sche System wird aber besser verlassen und die Anordnung den jetzt geklärten Ansichten betreffs der Anschlüsse zwischen den Familien angepasst. Die Stellung der Monocotylen zwischen den Gymnospermen und Dicotylen ist danach unrichtig, weil sie keinen Anschluss bieten, aber den richtigen Anschluss zerstören. Man stelle deswegen die Monocotylen an die Spitze, jedenfalls ganz isolirt. Es folgen dann die Leguminosen, Rosaceen, Compositen und verwandten Sympetalen, die Choripetalen (im Anschluss an die Ericaceen-Üleaceen) mit Euphorbiaceen, Ranuncula- ceen u. s. w., dann die Amentaceen (Casuarinen,) Coniferen, Gefäss-Kryptogamen, niedere Sporenpflanzen. ^ Wenn P. de Candolle aus zu Anfang des Jahrhunderts nicht richtig verstandenen Urtheilen über Blüthenmorphologie die Ranunculaceen aus lauter freien, unverwachsenen Organen aller vier Kreise als die höchst organisirte Familie ansah und ihnen die allmählich zunehmende Verwachsung anreihte, so ist das für uns jetzt kein Grund mehr, dasselbe zu thun. Aber mit klarem Blick hatte P. de Candolle eine besonders wichtige Verbindungsreihe zwischen Familien mit freiblätteriger und verwachsener Corolle erkannt, nämlich die der Calycifiorae perigynae und epigynae , endend mit Umbelliferae, Araliaceae, Cornaceae , mit den Sympetalae epigynae , also beginnend mit Caprif ’oliaceae, Rubiaceae, Dipsaceae u. s. w. Dies ist in der That eine der wichtigsten Verbindungsreihen (entsprechend etwa der A rchegoniaten-Reihe im Gesammtsystem) zwischen morphologisch sonst getrennt gehaltenen Systemgruppen, und dieselbe wird zerstört, wenn man die Dicotyledonen mit der Aufzählung der Compositae beginnen und mit den Ericaceae enden lässt, wie das die meisten modernen Darstellungen des entwickelungsgeschichtlichen Systems thun, so auch Engler-PrantFs bedeutendes und im Allgemeinen als systematische Grundlage wie kein anderes zu empfehlendes Werk. — Anderseits besteht eine nicht ganz so klare, aber doch nicht minder wichtige Verbindung zwischen den Sympetalen Ericaceae und 6 Oleaceae einerseits, und den choripetalen Euphorbiaceae mit anderen Discifloren und den Sapindaceae, Rhamnaceae u. s. w. anderseits, welche benutzt werden muss, um den Anschluss der Sympetalen nach der anderen Seite hin zu bewirken. Das Weitere ver- steht sich dann von seihst und es macht sich hei solcher Darstellung' des Systems für Diejenigen, welche sich an das in Koch, Garcke und unzähligen deutschen Floren gebräuchlich gewesene De Candolle’sche System gewöhnt haben, nur eine Umstellung der Hauptgruppen nöthig, die man leicht merken kann: man beginnt wie Endlicher und Eichler (im Syllabus 1. Aufl.) mit den Leguminosen und geht dann im Wesentlichen wie das De Candolle’sche System bis zum Schluss der CorolMoren ( Oleaceae , Aquifoliaceae ) weiter; den zuerst fortgelassenen Theil des De Candolle’schen Systems, also Ranun- culaceae bis Rhamnaceae, Rutaceae , lässt man nun in verkehrter Reihenfolge (mit den Rhamnaceae beginnend) folgen, und dann die Monochlamydeen u. s. w. bis zu den Coniferae hin, welche die Archegoniaten im weitesten Sinne eröffnen. Im Einzelnen besitzt ja Jeder nach den Traditionen, die wir schon besitzen, viel Bewegungsfreiheit , da der verschiedenen System dar Stellungen so viele sind, dass jeder Geschmack schon Muster und Vorlagen finden wird. Man vergleiche nur die Anordnungen in Garcke mit denen von Wünsche, Buchenaus Flora von Bremen, Wigand’s Flora von Hessen, Celakovsky’s Prodromus von Böhmen, Prantl’s Excursionsflora von Bayern und die neueste nach Engler-Prantl angeordnete Excursionsflora für Deutsch- Oesterreich und Istrien von Fritsch, um dies bestätigt zu finden. Zum Schluss sei wiederholt, dass ebenso, wie sich für das floristische System der Beginn mit den höchsten Pflanzen, den Angiospermen, und das Herahsteigen zu den Zellenpflanzen empfiehlt, es für einen methodischen Unterricht und ein planvolles System- werk aller Klassen und Familien sich gehört, entwickelungsgeschichtlich anzuordnen und demnach von unten nach oben aufzusteigen. Eine Flora ist aber kein Lehrbuch für Phylogenie der Pflanzen. III. Section für Mineralogie und Geologie. Erste Sitzung am 11. Februar 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kal- kowsky. — Anwesend 30 Mitglieder. Dr.W.B erg t berichtet überM. Bauer: Edelstein künde, Leipzig 1896, unter Erwähnung älterer, über denselben Stoff erschienener Litteratur. Dr. R. Nessig bespricht das tertiäre Thonlager von Löthhain bei Meissen. Einige Bemerkungen dazu werden von Prof. H. Engelhardt und Prof. Dr. E. Kalkowsky gemacht. Der Vorsitzende hält einen Vortrag über den Gebirgsbau der skandinavischen Halbinsel. Zweite Sitzung am 1. April 1897. Vorsitzender: Dr. W. Bergt. — Anwesend 26 Mitglieder. Der Vorsitzende legt vor J. E. Hibsch: Geologische Karte des böhmischen Mittelgebirges, Bl. I und III nebst Erläuterungen, und hält dann einen Vortrag über die geologische Beschaffenheit der Lausitz. Dritte Sitzung am 17. Juni 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kal- kowsky. — Anwesend 26 Mitglieder. Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung mit Worten der Erinnerung an Carl Friedrich Naumann, dessen hundertjährigen Geburtstages am 30. Mai in akademischen Kreisen gedacht worden ist. 7 Prof. H. Engelhardt und Prof. Dr. 0. Schneider fügen Bemerkungen nach ihrem persönlichen Verkehr mit Naumann hinzu. Die Werke Naumann’s und sein Bildniss sind vorgelegt. Bibliothekar K. Schiller macht auf eingegangene geologische Karten von Java, Russland und Mexiko aufmerksam. Dr, W. Bergt referirt über E. Dathe: Das schlesisch-sudetische Erdbeben am 11. Juni 1895 (Abh. d. K. Preuss. geol. Landesanstalt, n. F. Heft 22). Prof. Dr. E. Kalkowsky hält seinen angekündigten Vortrag über Rogenstein und Napfstein. IY. Section für prähistorische Forschungen. Erste Sitzung am 14. Januar 1897. Vorsitzender: Rentier W. Osborne. — Anwesend 11 Mitglieder. Der Vorsitzende berichtet über eine von ihm im vergangenen Herbste unternommene Reise nach Aegypten, insbesondere bespricht er die Frage, ob in Aegypten prähistorische Gegenstände Vorkommen. Die alten Aegypter treten schon in den ältesten Zeiten als ein „geschichtliches“ Volk auf, welches Baudenkmäler und Schriftzeichen hinterlassen hat. Die ältesten Denkmäler reichen bis über 4000 Jahre v. Chr. zurück, und in der Cheops - Pyramide, die 3733 v. Chr. erbaut ist, kommen schon Eisenklammern vor. Nach altägyptischen Inschriften sind die Aegypter kein autochthones Volk, sondern nach Aegypten einge- wandert; ob aber vor ihnen das Land schon bewohnt war oder oh sie in unbewohnte Gegenden einwanderten , lässt sich mit Bestimmtheit nicht feststellen. War das Land vor Einwanderung der Aegypter bewohnt, so könnte man erwarten, prähistorische Gegenstände als Hinterlassenschaft dieser Urbewohner zu finden. Bisher ist es aber nicht gelungen, das Vorhandensein prähistorischer Alterthümer in Aegypten mit voller Sicherheit festzustellen. Zwar sind dort in ziemlich grosser Anzahl Feuersteine ge- funden worden, die in ihren Formen den sogenannten Messern und Schabern der paläo- lithischen Zeit ähnlich sehen, aber gewiegte Kenner des Landes, wie Brugsch-Bey und Lepsius behaupten, dass diese Feuersteine keine künstlichen Gebilde seien, sondern dass die in der Wüste vorkommenden Feuersteinknollen infolge des Temperaturunter- schiedes von Tag und Nacht zersprungen und so Feuersteinsplitter entstanden seien, die paläolithischen Geräthen täuschend ähnlich sehen. Die Stein Werkzeuge, die man in Theben, Luxor und an anderen Orten findet (zwei Exemplare davon legt der Vor- tragende vor), sind nicht prähistorisch, sondern stammen aus den Gräbern der 18. Dynastie. Neuerdings wird berichtet, dass in der Nähe von Heluan prähistorische Feuerstein- artefacte gefunden worden seien, doch bedarf die Richtigkeit dieser Behauptung noch der wissenschaftlichen Bestätigung. Privatus W. Put scher legt eine Sammlung ägyptischer Alterthümer, Gemmen, Scarabaen etc. vor. Lehrer A. Jentsch bespricht eine vorslavische Burgwarte an der Priessnitz, oberhalb des Steinbruchs gegenüber der Eisenbahnstation Klotzsche, die in der Feder’schen Karte als „Burgstadl“ angegeben ist. Der Vorsitzende berichtet über einen bedeutenden Fund prä- historischer Gegenstände in der Nähe von Worms und legt die denselben behandelnde Schrift von C. Koehl: Neue prähistorische Funde aus Worms, vor. 8 Weiter bespricht er den in den Mittheil. d. Anthrop. Ges. in Wien erschienenen Aufsatz über das gleichzeitige Vorkommen von mensch- lichen Resten mit Mammuthknochen bei Tomsk in Sibirien und knüpft daran Vermuthungen über die Heimath der Urbewohner Europas. Zweite Sitzung am L. März 1897. Vorsitzender: Rentier 0 sborne. — Anwesend 18 Mitglieder. Dr. J. Deichmüller erstattet einen Bericht über zu ergreifende Massregeln zum Schutze und zur Erhaltung prähistorischer Alterthümer in Sachsen. Dem Beschlüsse der Hauptversammlung vom 25. Februar 1897 entsprechend, wählt die Section ein Comite (Dr. J. D e i c h m ü 1 1 e r , Rentier W. 0 s b o r n e und Lehrer H. D ö r i n g ), welches die Angelegenheit berathen und der Hauptversammlung Bericht erstatten soll. Dr. J. Deichmüller legt ein am nördlichen Russe des Valtenberges bei Niederneukirch gefundenes Beil aus Diabas vor. Lehrer H. Döring bespricht die in Löbtau in den letzten Jahren gemachten Funde aus neolit bischer Zeit, unter Vorlage zahlreicher Gefässsch erben, die meist das sogenannte Band-Ornament tragen. Rentier W. 0 sborne legt einen Aufsatz von Herb. A. Newton: Worship of Meteorites (Meteoriten -Cultus) aus dem Amer. Journ. of Science, Vol. III, Jan. 1897, vor. Y. Section für Physik und Chemie. Erste Sitzung am 7. Januar 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. W. Hall- wachs. Prof. Dr. E. von Meyer hält einen Vortrag über Justus von Liebig in seiner Bedeutung für den chemischen Unterricht. Dr. M. Toepler spricht über die Structur der Atomgewichts- skala. Der Inhalt dieses Vortrags ist in den Abhandlungen der Isis 1896, S. 28 u. f. ab- gedruckt. Zweite Sitzung am 18. Februar 1897. Vorsitzender: Dr. F. Förster. Dr. R. Walther spricht über die Natur der Flamme. Der Vortragende erörtert zunächst an der Hand von Versuchen die Ursachen, unter denen Verbrennung und Flammenbildung auftritt. Die Ursache des Leuchtens der gewöhnlichen Kohlenwasserstoffflamme hat man einerseits in der hohen Erhitzung der verbrennenden Gase selbst vermuthet, andererseits aber in der Abscheidung glühenden Kohlenstoffs in den verbrennenden Gasen. Letztere Ansicht ist allgemeiner angenommen worden, giebt aber keine Erklärung dafür, dass die Flammen von Wasserstoff oder Kohlenoxyd unter hohem Druck intensiv leuchtend werden. Die Leuchtkraft der gewöhnlichen Leuchtgasflammen kann erhöht werden durch Benutzung des Systems der „gespannten Flammen“ oder durch das Regenerativsystem, das namentlich von Siemens für die Praxis ausgebildet worden ist, ferner durch Zufuhr kohlenstoffreicher Materialien oder chemischer Agentien (Chloroform). 9 Die Entfeuchtung dagegen kann hervorgerufen werden durch Abkühlung, allzugrosse Ausströmungsgeschwindigkeit oder durch Verdünnung des Gases mit anderen Gasen. Alle diese Punkte werden durch Versuche erläutert. Dr. F. Förster führt einen Apparat vor, welcher durch schnelles Fallenlassen gefärbter Flüssigkeitssäulen zu zeigen gestattet, dass das Auge an der Stelle, wo es eben den Eindruck einer lichtstarken Farbe erhalten hat, unmittelbar nach Aufhören dieses Eindrucks an der gleichen Stelle statt Weiss die Complementärfarbe der eben verschwundenen sieht. Dritte Sitzung am 8. April 1897. Vorsitzender: Dr. F. Förster. Dr. A. H. Schlossmann hält einen Vortrag über die Chemie des Blutes. An der Hand von Demonstrationen werden die Bestandtheile des Blutes besprochen und im Anschluss hieran die Grundlagen der neueren Serumstherapie eingehend erörtert. In der sich anschliessenden Discussion macht der Vortragende noch interessante Mittheilungen über die jüngsten von Koch bekannt gegebenen Fortschritte in der Her- stellung und Anwendung des Tuberkulins, welches zur Zeit schon, besonders für die Erkrankung an Tuberkulose, werthvolle Dienste leistet. Yl. Section für Mathematik. Erste Sitzung am 14. Januar 1897. Vorsitzender: Prof. B. Patten- hausen. — Anwesend 8 Mitglieder. Geh. Hofrath Prof. Dr. M. Krause spricht über einige Punkte aus der Theorie der elliptischen Functionen. Vortragender zeigt zunächst, wie die Grössen sn («! + + «r), cn («J -F ...... -P «r), dn («1 -f ...... -f ar) durch die elliptischen Functionen sn u, cn u, dn u ausgedrückt werden können, wobei u der Beihe nach die YYerthe «1 , a9, . . . . «r annehmen kann. Diese Formeln, insbesondere die Formeln für die Sinusamplitude, werden für die Theorie der linearen homogenen Differentialgleichungen mit doppeltperiodischen Co effizienten verwandt, deren Integrale gebrochene transzendente Functionen sind. Die Anwendung besteht darin, dass mit Hilfe der genannten Formeln der Uebergang von der Productform der Integrale in die Summenform ermöglicht wird, soweit es sich um die Bestimmung des Argumentes der in der letzten Form vorkommenden Thetafunction handelt. Zweite Sitzung am 11. März 1897. Vorsitzender: Prof. B. Patten- hausen. — Anwesend 23 Mitglieder und Gäste. Prof. Dr. F. Pockels hält einen Vortrag über unsere gegenwärtige Kenntniss von der Dichtigkeit des Erdkörpers. Die Masse und somit die mittlere Dichtigkeit der Erde lassen sich aus der Schwer- kraft an der Erdoberfläche erst berechnen, wenn die Constante des Newton’schen Gravita- tionsgesetzes bekannt ist, und zu deren Bestimmung sind absolute Messungen der An- ziehung zweier bekannter Massen erforderlich. Ueber die zahlreichen zu diesem Zwecke unternommenen Untersuchungen giebt der Vortragende eine zusammenfassende Uebersicht unter besonderer Berücksichtigung der erst neuerdings abgeschlossenen, überaus sorg- fältigen Arbeiten von Boys einerseits, von Bicharz und Krigar- Menzel andererseits. 10 Der Erstere benutzte die Cavendish’sche Drehwage, konnte aber durch die Anwendung feiner Quarzfäden zur Suspension die anziehenden Massen auf einige kg, die angezogenen auf circa 1 g, den Hebelarm auf wenige cm reduciren und dennoch Ablenkungen von mehr als 1° erzielen, Richarz und Krigar- Menzel arbeiteten im Gegentheil mit sehr grossen Massen; sie massen mittelst einer feinen Hebelwage mit doppelten Gehängen die Anziehung eines nahezu cubischen Bleiklotzes von circa 100000 kg, der zwischen den oberen und unteren Wagschalen aufgebaut wurde. Aus beiden Untersuchungen ergab sich die mittlere Erddichte wenig grösser als 5,5 mit einem wahrscheinlichen Fehler von etwa 2 pro inille. Da die Dichte der oberflächlichen Erdschichten nur 2,5 — 3 beträgt, so muss die Dichte gegen den Erdmittelpunkt hin beträchtlich zunehmen. Ueber das Gesetz dieser Zunahme bietet, wie der Vortragende zum Schluss ausführt, das aus der Präcessionsbewegung und Abplattung ableitbare Trägheitsmoment der Erde' den einzigen Anhaltspunkt ; es lässt sich hiernach vermuthen, dass die Dichte im Erdmittel- punkt etwa 11,5 sein wird. Dritte Sitzung am 13. Mai 1897. Vorsitzender: Prof. B. Patten- ha usen. — Anwesend 12 Mitglieder und Gäste. Dr. E. Naetsch spricht über geodätische Linien auf Rotations- flächen. Nach allgemeinen analytischen Bemerkungen über Curvenscharen in der Ebene und auf krummen Flächen stellt der Vortragende die Differentialgleichung der geodätischen Linien auf Rotationsflächen dar und bespricht deren Integration nebst Folgerungen für einzelne Fälle. VII. Hauptversammlungen. Erste Sitzung am 28. Januar 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. G, Helm. — Anwesend 35 Mitglieder. Das vom Ausschuss für Begründung eines Lesemuseums in Dresden an die Isis gerichtete Ersuchen, die für die Bibliothek derselben ein- gegangenen Zeitschriften und angekauften Bücher zuerst für einige Zeit im Lesemuseum aufzulegen, wird abgelehnt, dagegen beschlossen, dem Lesemuseum alljährlich ein Verzeichniss der Bibliothekszugänge zu über- lassen. Dr. J. Deichmüller legt Köhler’s nützliche Vogelarten und ihre Eier, Berlin 1895, vor. Prof. Dr. H. Vater hält einen Vortrag über Krystalliten. Ueber den Inhalt dieses Vortrags vergl. Groth’s Zeitschrift für Krystallographie, XXVII. Bd., 5. Heft, S. 477-512. Zweite Sitzung am 25. Februar 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. — Anwesend 32 Mitglieder. Zur Vorlage kommt eine an den K. Sächs. Alterthumsverein gerichtete und von demselben der Isis überwiesene Denkschrift des Oberlehrers Dr. Pfau in Rochlitz, in welcher der Verfasser auf die Nothwendigkeit hin weist, baldigst ein Verzeichniss der im Lande noch vorhandenen ur- gescliichtlichen Alterthümer aufzunehmen und dieselben vor der Zerstörung und Verschleppung zu schützen. Die Hauptversammlung beschliesst, diese Angelegenheit der Section für prähistorische Forschungen zur Prüfung und Berichterstattung zu übergeben. 11 Dr. Fr. Raspe legt den Kassenabschluss für 1896 vor (s. S. 14). Als Rechnungsrevisoren werden Bankier A. Kuntze und Prof. Dr. K. Rohn gewählt. Der Voranschlag für 1897 wird einstimmig genehmigt. Prof. Dr. 0. Schneider hält dann den ersten, die allgemeinen Ver- hältnisse behandelnden Theil seines angekündigten Vortrags über die Thierwelt von Borkum. Ueber den speciellen Theil desselben vergl. Sitzung der Section für Zoologie am 18. März 1897. Dritte Sitzung am 25. März 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. — Anwesend 32 Mitglieder. Die Rechnungsrevisoren haben den Kassenabschluss für 1896 geprüft und für richtig befunden. Dem Kassirer wird Decharge ertheilt. Prof. Dr. R. Möhlau spricht unter Vorführung zahlreicher Experimente über die Grundlagen und die Entwickelung der Färberei. Dr. M. Toepler macht kurze Mittheilungen über geschichtete Funkenentladungen in freier Luft und bringt photographische Dar- stellungen derartiger Entladungen zur Ansicht. Vierte Sitzung am 29. April 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. — Anwesend 29 Mitglieder. Prof. H. R. Fischer spricht über technische Verfahren zur Trennung von Körpergemengen. Fünfte Sitzung am 20. Mai 1897 (im K. Botanischen Garten). Vor- sitzender: Prof. Dr. G. Helm. — Anwesend 48 Mitglieder und Gäste. Ausgestellt sind verschiedene blühende Gewächse aus dem K. Botani- schen Garten. Als Vorbereitung zu der für den Himmelfahrtstag geplanten Excursion nach den Tyssaer Wänden spricht Prof. Dr. 0. Drude über den floris tischen Charakter des Elb- sandsteingebirges und der Lausitz im Vergleich zu dem böhmi- schen Mittelgebirge, und Prof. Dr. E. Kalkowsky über Erosionserscheinungen im Elb- sandsteingebirge. Excursion am 27. Mai 1897. Am Himmelfahrtstage machte die Gesellschaft einen in der voran- gehenden Sitzung durch Prof. Dr. 0. Drude und Prof. Dr. E. Kalkowsky vorbereiteten Ausflug von Langhennersdorf durch das Bahrathal zum Zeisigstein, von da nach Tyssa mit seinen durch besondere Erosions- erscheinungen bemerkenswerthen Sandsteinwänden und dann zurück 12 über Hellendorf nach Berggiesshiibel. Es betheiligten sich 24 Mitglieder und Gäste. Das Wetter war für den weiten Marsch günstig. Apotheker R. Weber aus Königstein hatte freundlicher Weise von Markersbach an die Wegführung übernommen. Sechste Sitzung und Excursion am 24. Juni 1897. Ein zweiter Ausflug führte 39 Mitglieder und Gäste der Isis nach Tharandt, wo, nach kurzem Aufenthalt im dortigen Albertsalon, in der K. Forstakademie. Prof. Dr. H. Kitsche einen Vortrag mit Demonstrationen über die Stimmen der Thiere hielt. Nach einem Spaziergang durch den Forstgarten unter Führung von Geh. Hofrath Prof. Dr. E. Nobbe versammelten sich die Mitglieder auf dem Burgkeller zu einer kurzen Hauptversammlung. In derselben wird beschlossen, im Einvernehmen mit dem K. Sächs. Alterthumsverein, unter Beifügung einer von Dr. J. Deichmüller, Rentier W. Osborne und Lehrer H. Döring ausgearbeiteten Denkschrift, die Staatsregierung um Massregeln zur Belehrung über die Bedeutung und den Werth der urgeschichtlichen Funde und zum Schutze der im Lande noch vorhandenen zu ersuchen, und der Vorstand mit der Ausführung dieses Beschlusses beauftragt. Veränderungen im Mitgliederbestände. Gestorbene Mitglieder: Am 21. Januar 1897 verschied in Dresden nach langem Leiden der chilenische Consul Albert Alexander Engelmann, Bergdirector a. D., wirkliches Mitglied der Isis seit 1870. Am 1. Februar 1897 starb in Graz im 71. Lebensjahre der bekannte Phytopaläontologe Dr. Constantin Freiherr von Ettingshausen, Pro- fessor der Botanik an der dortigen Universität, Ehrenmitglied unserer Gesellschaft seit 1852. Am 20. Februar 1897 starb Robert Ewald Schur ig, Oberlehrer am Fletclier’schen Seminar in Dresden, wirkliches Mitglied seit 1877. In Lugano starb am 14. März 1897 im 80. Lebensjahre Dr. Adolf Kenngott, vormals Professor für Mineralogie an der Universität und am Polytechnikum in Zürich, Ehrenmitglied seit 1868. Am 25. März 1897 verschied in Dresden Privatus Richard Kramsta, ein eifriges und treues wirkliches Mitglied der Isis seit 1868. Am 30. März 1897 verschied Maler Alexander Flamant in Dresden, wirkliches Mitglied seit 1875. Seit 1883 gehörte der Verewigte dem Ver- waltungsrathe unserer Gesellschaft an. Am 20. Juni 1897 starb in Kopenhagen, 84 Jahre alt, Staatsrath Dr. med. et phil. Johannes Japetus Steenstrup, emer. Professor an der Universität Kopenhagen, Ehrenmitglied seit 1846. 18 Am 25. Juni 1897 starb in Breslau Geh. Bergrath Dr. Wilhelm Bunge, Oberbergrath a. D., correspondirendes Mitglied seit 1868. Am 28. Juni 1897 verschied im 74. Lebensjahre der K. Sachs. Kammer- herr Arthur Freiherr von Burgk, Mitglied der ersten Kammer der Ständeversammlung, Bergherr und Fideicommissbesitzer der seinen Namen tragenden bekannten Steinkohlenwerke des Plauen’schen Grundes bei Dresden. Unserer Gesellschaft gehörte der Verewigte seit 1886 als wirk- liches Mitglied an. Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder: Böttcher, Adolf, Realschul-Oberlehrer in Dresden, Calberla, Heinr., Privatus in Dresden, Gravelius, Harry, Dr. phil., Privatdocent an der K. Techn. Hochschule in Dresden, Pohle, Bich., Assistent am botanischen Institut der K. Te< in Plauen bei Dresden, am 20. Mai 1897 ; Beichardt, Alex. Wilib., Dr. phil., Gymnasial-Oberlehrer in Dresden, am 24. Juni 1897; Stiefelhagen, Hanns, Lehrer in Dresden, am 25. März 1897; Stresemann, Bich. Theod., Dr. phil., Apotheker in Dresden, am 28. Januar 1897. am 25. März 1897; hn. Hochschule, Kassenabschluss der ISIS vom Jahre 1896. Position. Einnahmen. Position. Ausgaben. 14 s I M 1 I io I ^HNOiOOOOOiOtOOCOOOCDOiO hTliOOCOO^HKHOCOOOCOOlO co h«coojhooco»ocdcocon 1 VO i— I CO r-l 1—1 öo 03 «3 .'S -S *03 *03 -e^ Ö ® S a «sIl* S CÖiSrQ S ,3 ö g-g-g ^ H O 0 ÖhS^PPPQ ODl fco a * g| - 1 pH &ß § bD äe ö 4-3 4^ ^#>Th CO pH CO C4-H 'T’J rrH C3 a *rt. ö c» =® h-p sWliJi d 03 rd rÖ C6 03 a d H-3 O rrS k>4 ö jHfllBBOiiljHÜ) d © 03 ®>rt ön I 03 02 l-trappH s.s s g gf4t3p3« 03 fcß C3 CO iO CO I I I I I I 18 I ISS I £3 1. 138 v>OOiO'^OOCOiOO?>Oi-IC0030tHQOiOO'vHO hCO-OOCOCOHOHOWCOiOOCO CO 05 CO ^CQO WO COHiO CO 00 CO 00 H 1—1 S lö 1 — I CO i— H i— I r~ I I I lOOCOOOCOOlO 1— lOCOOOCOOlO oocojocogoco« lO i— i CO i— I i— l xo 05 00 ö ' — I 03 S M 03 2 g S £ gq ö cS'g o . a f> rö a .S • g a 03 a p g SH *03 r?i ^bra a a a a a a S fcn g S d o • O • o O • O . 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Wurde f nacheinander 10, 20, .... 90 cm lang gewählt, wobei der 1 cm breite Stanniolstreifen stets unterhalb p1 endigte, und benutzte ich (bei L1 und L2 in Fig. 1) je zwei Schachtelbatterien, so erhielt ich die zugehörigen Primärfunkenlängen F der zweiten Zeile in nachstehender Tabelle, wenn F zwischen Polkugeln von 1 cm Durchmesser überging, die Werthe der dritten Zeile, wenn der Durchmesser letzterer 6 cm betrug. Tabelle II. f in cm .... 10 20 30 40 50 60 70 80 90 F in cm . . . . j 0,92 1,37 1,65 1,95 2,28 2,66 3,12 3,99 4,82 0,83 0,91 1,19 1,28 1,39 1,47 1,62 1,73 x 1,80 Die den Funkenlängen _F entsprechenden Potentialdifferenzen sind speciell für die hier benutzten Kugeln früher von Herrn J. Freyberg*) bestimmt worden; aus seinen Angaben ersieht man, dass den gefundenen beiden Werthe- folgen der Funkenlängen F sehr nahe ein und dieselbe algebraische Reihe der zugehörigen Potentialdifferenzen entspricht. Es gilt also angenähert der Satz: Gleichen Zuwüchsen der Potentialdifferenzen bei F ent- sprechen gleiche Zuwüchse der Funkenlänge /*, und zwar wächst für 3500 Volt Potentialsteigerung hei F der Gleitfunken f um 10 cm. Bemerkenswerth ist auch die relativ grosse Länge, welche F erreichen muss, damit sich die ersten 10 cm des Gleitfunkens ausbilden; dies gilt auch dann, wenn man bei p± und p2 statt der Polkugeln von 1 cm Durch- messer feine Metallspitzen anbringt. Inwieweit bei gegebenem fest eingestelltem f die zugehörige Funken- länge F (zw. Polkugeln von 6 cm Durchmesser) von der Breite des verwendeten Stanniolstreifens einerseits, von der Grösse der Batterien andererseits abhängt, zeigt folgende Tabelle. Tabelle III. Breite des Streifens in cm 1 2 4 8 12 32 f= 35 cm F in cm bei einer Leydnerflasche 1,57 1,51 1,17 1,53 1,70 1,96 F in cm bei einer Schachtelbatterie . 1,19 1,14 1,19 1,19 — F in cm hei zwei Schachtelbatterien 1,28 1,25 1,21 1,16 1,16 1,22 f — 70 cm F in cm hei einer Schachtelbatterie . 1,64 1,57 1,51 1,49 1,55 F in cm bei zwei Schachtelbatterien 1,58 1.53 1,49 1,46 1.50 1,75 *) J. Freyberg in Wied. Ann., 38, 1889, S. 231. 45 Man sieht, dass bei der benutzten Extrastromrolle möglichst grosse Batterien und Streifen von 4 bis 8 cm Breite besonders günstig sind. Da die Toeplermaschine zwischen Polkugeln von 6 cm Durchmesser leicht Funken bis zu 3,2 cm Länge lieferte, und die Batterien bei der benutzten Schal tweise ohne Gefährdung bis zu 2,5 cm lange Funken F anwenden Hessen, so hätte von dieser Seite einerweiteren wesentlichen Verlängerung der gleitenden Funken über 90 cm hinaus nichts im Wege gestanden. Jedoch wurden mir hierbei mehrmals Glasplatten zerschlagen, zum Theil wohl nur durch die, die Funkenbildung f begleitende heftige mechanische Erschütterung. Der längste mit der bisher behandelten Versuchsanordnung erhaltene Funken betrug f = 102 cm. Nicht ganz so lange, aber besonders laute und lichtstarke gleitende Funken erhielt ich auch, wenn an Stelle der Drahtrolle (bei W in Fig. 1) ein grosser Widerstand eingeschaltet wurde. So ergab ein Wasserwiderstand von etwa 4500 000 Ohm die Werthe der nachstehenden Tabelle, bei der die Versuchsanordnung im Uebrigen dieselbe war wie bei der dritten Tabelle. Tabelle IV. Breite des Streifens in cm 1 2 4 8 12 f = 35 cm F in cm bei einer Schachtelbatterie . . . 1,44 1,37 1,40 1,40 1,47 F in cm bei zwei Schachtelbatterien. . . 1,42 1,39 1,43 1,45 1,50 f =70 cm F in cm bei zwei Schachtelbatterien. . . 2,05 1,85 >2 Ein noch wesentlich günstigeres Verhältniss c er Funken ängen f und F als mittels Extrastromes erzielt man natürlich mit Hilfe geeigneter Paraffin-Transformatoren. Als Transformator wurde folgende Drahtrollencombination benutzt *) : primär die Rolle mit 28 Windungen 3 fach gewickelt, welche oben den Extrastrom zu liefern hatte, secundär 64 gut isolirte Windungen 1 mm starken Kupferdrahtes, gewickelt auf einen Glascylinder von 30 cm Durchmesser. Diese Spulen- combination gab, bei W in Fig. 1 eingeschaltet, bei Anwendung der Schwingungen von beiderseits je 2 Schachtelbatterien, in freier Luft zwischen Polkugeln von 6 cm Durchmesser sehr intensive Funken von mehr als 8 cm Länge. Bei diesen hohen Spannungen ist es aus ver- schiedenen, ohne Weiteres ersichtlichen Gründen vortheilhaft, nicht wie bisher p2 mit dem Stanniolstreifen zu verbinden, sondern beide Pole p± und p 2 frei auf die blanke Vorderseite der Platte zu legen und von den Polen isolirt auf der Rückseite . einen von p1 bis p% reichenden Stanniol- streifen aufzukleben. *) Es sind die von meinem Vater construirten und schon früher von demselben hei Ausführung der sog. Teslaversuche mittels Condensatorschwingungen mit Erfolg benutzten Spulen, welche in der Beschreibung jener Versuche in der "Wiener Zeitschr. für Elektrotechn. XXIII u. XXIV, 1894, mit III und IV bezeichnet sind. Vergl.auch: Abhandl. Isis Dresden 1894, S. 22. 46 Bei Anwendung von Glasplatten von 0,2 bis 0,3 cm Dicke war hier eine Vergrösserung der Funken auf 120 cm und mehr ohne Weiteres zu erreichen. Freilich waren diese mittels des Transformators erhaltenen Gleitfunken nicht so lichtstark und laut krachend wie die bisher be- handelten. Schliesslich schien, selbst bei Anwendung von beiderseits je zwei Schachtelbatterien, die von dem benutzten Transformator gelieferte Elektricitätsmenge zur Ladung der immer grösser werdenden Flächenstücke bei p± und p2 nicht mehr auszureichen. Funken bis zu 150 cm Länge erhielt ich aber in der That leicht, als ich die zu ladende Fläche mög- lichst verkleinerte. Dies geschieht am einfachsten, indem man die Gleit- funken an der Aussenfläche einer innen mit Stanniol belegten Glas -Röhre entlang schlagen lässt. Die Anwendung von Glasröhren empfiehlt sich auch wegen ihrer geringen Kostspieligkeit; ein weitaus prächtigeres Demonstrationsobject als die Gleitfunken längs Rohren bilden freilich solche längs grossen Platten. Bei sehr engen Rohren (z. B. von 5 mm äusserem Durchmesser) kann man zweckmässig die Innenbelegung durch einen von p± bis p2 reichenden Quecksilberfaden ersetzen. Der längste lückenlose gleitende Funken, den ich so mittels des oben beschriebenen Paraffin-Transformators her- steilen konnte, hatte, wie schon erwähnt, die sehr bedeutende Länge von f = 187 cm. Es sei noch bemerkt, dass ja hierbei auch bis auf etwa 30 cm dies- seits p± und jenseits p2 ein Stück Glasrohrwand geladen und entladen wurde; die fernstgelegenen Glaswandtheilchen, welche durch eine nur bei p± und p2 punktförmig unterbrochene Funkenbahn ihre Elektricität ausglichen, hatten also bei diesem längsten Funken einen Abstand von etwa 2,5 m. Man sieht aus dem Gesagten, dass sich ziemlich leicht gleitende Funken erstaunlicher Länge erzielen lassen. Weitere interessante Ver- suche, sowie eine Erklärung der Erscheinung werde ich nächstens an anderer Stelle mittheilen. Juli 1897. Physikalisches Institut d. K. Technischen Hochschule zu Dresden. JlbhandL. d, Isis in Dresdem, 1897. Taf.I. Sitzungsberichte $ der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft ISIS in Dresden. 1897, I. Section für Zoologie. Vierte Sitzung am 21. October 1897« Vorsitzender: Prof. Dr. H. Nit sehe. — 1 Anwesend 38 Mitglieder. Prof. Dr. H. Nits che bespricht den morphologischen Werth der ver- schiedenen Hö'rnerfor men der Hufthiere und schildert im Speciellen den Bau der Hörner des Rhinoceros, der Gemse, der Gabelgemse ( Anti - locapra americana) und der Giraffe, sowie der Geweihe der Hirsche. Er erläutert den Vortrag durch Demonstration verschiedener Präparate aus der Tharandter zoologischen Sammlung und durch eine von ihm ge- zeichnete Wandtafel. Hefr K. Schiller macht Mittheilung über das Vorkommen des ursprünglich der alpinen Ornis angehörenden Mauerläufers (Tichodroma muraria) in Sachsen und zwar an den Schramm steinen und in den Steinbrüchen bei Posteiwitz in der sächsischen Schweiz. Zusätze zu diesen Mittheilungen geben Prof. Dr. 0. Drude, Director A. Schöpf und Prof. Dr. H. Nitsche, welcher auch ein aus der säch- sischen Schweiz stammendes, ausgestopftes Exemplar dieses Vogels, der Tharandter zoologischen Sammlung gehörig, vorweist. Dr. Fr. Raspe weist einige von ihm in Norderney gesammelte zoo- logische Objecte vor. II. Section für Botanik. Dritte Sitzung am 4. November 1897 (in Gemeinschaft mit der Section für Zoologie). Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 41 Mitglieder und Gäste. Dr. Fr. Raspe legt schöne selbstgesammelte Exemplare von Convol- viilus Soldanella L. vor, welche Art von mediterraner Herkunft die deutsche Flora in den ostfriesischen Inseln (Norderney) erreicht. Oberlehrer K. Vetters zeigt eine Blüthe von Passiflora , welche in ganz ausgezeichneter Weise präparirt aus trockenem Sande hervorging. Prof. Dr. H. Nitsche demonstrirt eine von ihm nach der Natur für Vorlesungszwecke verfertigte blüth enbiologische Tafel in vier Ab- theilungen. 18 Darauf hält Dr. B. Schorler einen Vortrag über das Süsswasser- P lankton. Der Vortragende gielbt an der Hand der vor Kurzem erschienenen Arbeit von C. Schröter: „Die Schwebeflora unserer Seen“ und des ausführlicheren Werkes von Schröter und Kirchner: „Die Vegetation des Bodensees“ einen Ueberblick über die Geschichte der limnologischen Forschungen auf botanischem Gebiete und über die bisher erreichten Resulsate in Bezug auf die Abgrenzung und schärfere Fassung der einzelnen Begriffe, die Ausbildung geeigneter Fang- und Untersuchungsmethoden und die Kennt- niss der Wasserorganismen nach Arten und ihren Mengen- und Verbreitungsverhältnissen in den einzelnen Jahresabschnitten. Eingehender wird dann das eigentliche Phytoplankton nach Zusammensetzung und Anpassungserscheinungen besprochen. Zum Schluss regt der Vortragende wegen der grossen praktischen Bedeutung zu derartigen systematischen Untersuchungen in Sachsen an und empfiehlt die Moritzburger Teiche als namentlich für Dresdner Herren sehr geeignete Untersuchungsobjecte. Prof. Dr. H. Nitsclie weist auf den praktischen Werth der Plankton-Forschung hin, da das Plankton einen grossen Theil der Fischnahrung bildet. Man kann nach dem Plankton -Reichthum eines Teiches dessen Werth für die künstliche Fischzucht bestimmen. Prof. Dr. 0. Drude hält als Schluss der Tagesordnung einen Vortrag über Kobelt’s Studien zur Zoogeographie, Wiesbaden 1897. . Diese wichtige und interessante Abhandlung bespricht die Verbreitung der Mol- lusken in der paläarktischen Region und verwerthet unter grösseren Gesichtspunkten die Resultate für allgemeine Fragen der Biographie. Mit dem Verfasser muss man darin einig sein, dass die geographische Bedeutung der Schneckenverbreitung eine sehr hohe ist, da die Lebensweise dieser Thiere zufälligen Verschlagungen sehr Ungünstig ist, wenn auch die Erfahrungen an Burgruinen im Taunus und auf isolirten Kalkhügeln im norddeutschen Flachlande bestätigen, dass kleinere Entfernungen sicher überbrückt werden können. Es ist von grossem Interesse, dass sich die Molluskenreiche der Erde viel enger, als manche andere zoogeographische Eintheilungen, an die vom Referenten verfertigten Florenreich'e anschliessen , dass insbesondere ein holarktisches Reich ein- schliesslich Canada und der nördlichen Union der „Nordischen Flora“ entspricht, dass in diesen Molluskenreichen Nord- und Ost-Australien zu Papuasien-Melanesien gezogen wird, Südost- Australien dagegen mit Tasmanien und Neuseeland davon getrennt wird etc., auch laden die Südgrenzen der paläarktischen Molluskenfauna direct zu einem Vergleiche mit der Südgrenze der boreal-subtropischen Floren zwischen Sahara und dem Amur ein. Noch wichtiger erscheinen dem Referenten die vom Verfasser über gewisse Eiszeitfragen in Deutschland erzielten Resultate, wonach die jetzige Molluskenfauna und ihre geo- graphische Vertheilung älter ist als die grosse Eiszeitperiode, welche letztere demnach nicht als trennende Kluft, sondern als Episode erscheint. Vierte Sitzung am 9. December 1897 (Floristen- Abend). Vorsitzender: Oberlehrer K. Wobst. — Anwesend 26 Mitglieder. Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, dass in nächster Zeit eine Petition zur Erhaltung des Schubert’schen mikroskopischen Mu- seums für die Stadt Dresden in unserer Gesellschaft circuiiren wird und empfiehlt aus mancherlei Gründen ein wohlwollendes Entgegenkommen. Prof. Dr. 0. Drude schliesst sich diesen Ausführungen an unter Hin- weisen auf eine etwaige fernere Gestaltung des nützlichen Institutes. Dr. B. Schorler spricht über Neu-Erwerbungen für die Flora Saxonica, soweit thatsächliche Belegexemplare in dem Herbarium der K. Technischen Hochschule vorliegen (vergl. Abhandlung IX). Lehrer H. Hofmann- Grossenhain legt unter entsprechenden Erläu- terungen eine reiche Sammlung sächsischer Mentha- Formen vor, 19 lässt interessante sächsische Rubus- Arten circuliren mit Bemerkungen über die geographischen Verbreitungs- Areale und zeigt einzelne kritische Hieracien- und Rosen-Arten. Ausserdem theilt er noch neue Standorte von Asplenium ger- manicum und Euphrasia- Arten mit. Im Anschluss an diese Ausführungen legt Prof. Dr. 0. Drude ein Specialwerk: Les Labiees des Alpes maritimes par Briquet vor. Dr. B. Schorler referirt über eine in Gemeinschaft mit Prof. Dr. Drude unternommene Reise durch den Böhmerwald unter Angabe neuer Standorte (Yergl. Abhandlung X). Zur Ansicht ausgelegt werden seltenere Pflanzen von Gera, ge- sammelt durch Stabsarzt Dr. F. Naumann- Gera. III. Section für Mineralogie lind Geologie. Vierte Sitzung“ am 11» November 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kalkowsky. — Anwesend 45 Mitglieder und Gäste. Oberlehrer Dr. R. Nessig spricht über Diluvialsande bei Dresden. Auf der südöstlich von Dresden sich aushreitenden fruchtbaren Thallehmfläche sind zwischen Leuben, Grossdobritz nnd Tolkewitz sterile Sandhügel aufgesetzt, die eine dürftige Vegetation von Akazien, Birken und Kiefern tragen. Sowohl die Art der Abböschung nach West und Ost, wie ihr innerer Aufbau lassen diese Erhebungen als Elugsandhaufen erkennen. Sie bestehen nur aus sehr feinkörnigem Sande mit gut ge- rundeten Körnern, ohne jedes kiesige Material, nur an der Basis stellen sich Basalt- blöcke u. s. w. ein. Die ausgezeichnete Schichtung steigt am Westende der Hügel mit etwa 20 — 25° nach Ost an und verläuft dann wellig durch die Aufschlüsse. Discordante Schichtung, wie sie wässerige Sedimente zeigen, tritt nie auf. Dreikanter waren weder im Sande noch in der Umgehung aufzufinden, wohl wegen der tiefen Lage der Thal- lehmebene, auf der die Verwehung sich vollzog. Eine andere Art von Diluvialsand lagert am westlichen Thalhange des Plauenschen Grundes zwischen Döltzschen und der Jochhöhe, im Niveau der Horizontalen 250 bis 210. In der am „Fürstenwege“ angesetzten grossen Sandgrube von Christmann sind folgende Lagerungsverhältnisse erkennbar : Im Grunde des schönen Aufschlusses lagert vermuthlich verwitterter Pläner, da beim Tiefergraben sich reichlicher Wasserzufluss einstellte. Am auffälligsten ist die Schichtung der aufgeschlossenen Sande. Zu oberst lagert brauner, lehmiger, glimmerfreier und leidlich geschichteter Sand, im nördlichen Theile der Grube von den tiefer liegenden grauen Sanden durch eine graue, braun ge- flammte und zu Tage ausgehende Thonschicht getrennt. Die namentlich verwertheten unteren, grauen Sande zeigen eine eigenartig kuppelförmige Schichtung, die ausser- ordentlich scharf und ohne jede Schwankung mit etwa 20—25° nach dem Plauenschen Grunde zu, aber auch nach Nord, West und Süd einfällt. In den Sanden eingebettet lagern zahlreiche Plänerplatten bis 1 m Grösse, welche vollkommen in der Schichtung liegen und oft wie Nägel oder Bolzen aus der Grubenwand hervorragen. Kieslagen fehlen vollkommen, ebenso jede Discordanz, nur sind neben den Plänerstücken noch Geschiebe von nordischen Porphyren, von Feuerstein und namentlich von Syenit und Gesteinen des ßothliegenden im Sande eingebettet. Der Sand selbst ist zumeist stark zersetzter Syenitgrus, ohne eine Spur von Abrollung. Dazu gesellen sich kaolinisirte Feldspathfragmente , zahlreiche Splitterquarze neben vereinzelten gerundeten Quarzen, während Glimmer und Magneteisen so gut wie fehlen. Das Ganze bietet den Anblick einer gewaltigen Schutthalde. Auffällig sind weiter auf den grauen Sandwänden zahlreiche rostbraune Flecken von etwa Thalergrösse, in deren Centrum man meist ein kleines eisenschüssiges Pläner- 20 fragment entdeckt, Auch . grosse breite Flecken kommen vor. Schliesslich verdienen thonige Ballen von graubrauner Farbe Erwähnung, die im Sande sitzen und beim Auf- weichen und Abschlämmen Syenitgrus hinterlassen. Der dritte Aufschluss grober altdiluvialer Schotter befindet sich bei Mederpesterwitz. Dort lagern, durch spärlichen Syenitgrus gebunden, grosse Platten von Cenomansand- steinen, die man zu technischen Zwecken herausliest, neben Quarzen, Feuersteinen und nordischem Porphyrgeröll. Prof. Dr. E. Kalkowsky legt vor R. Nessig: Geologische Ex- cursionen in der Umgegend von Dresden, I. Theil, berichtet über einen oligocänen Sandsteingang an der Lau- sitzer U eher Schiebung bei Weinböhla (vergl. Abhandlung XII) und legt vor die Petrefacten des Ueberquaders zu der Abhandlung von W. Petraczek in diesem Jahrgang S. 24. Alsdann erläutert Prof. Dr. E. Kalkowsky an 17 Sectionen die von Dr. 0. Barth zur Reliefkarte verarbeitete geologische Special- karte des Königreichs Sachsen. Dr. med. Otto Barth in Lindhardt bei Naunhof hat in jahrelanger mühsamer Arbeit mit ausserordentlichem Geschick sämmtliche von der geologischen Landesanstalt in Leipzig unter der Direction des Geheimen Bergrathes Prof. Dr. H. Credner bearbeitete Sectionen der von dem K. Finanzministerium herausgegebenen geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen zu Reliefs verarbeitet; auf der sächsisch- thüringischen Industrie- Ausstellung zu Leipzig war das ganze Werk zum ersten Male dem grossen Publikum vorgeführt worden. Einige Sectionen, so das zu einem Tableau aus 6 Blättern ver- einigte Elbsandsteingebiet, die Umgegend von Dresden und das Elbthal bis über Meissen hinaus, Theile des Steilabfalles des Erzgebirges gegen Süden u. s. w. waren dem Vor- tragenden freundlichst für eine Erläuterung in der Isis übersandt worden. Dr. Barth hat es zuwege gebracht, die Reliefs aus je einem Abdruck der Sectionen herzustellen, ohne dass dabei irgendwie die Genauigkeit der Karten gestört worden ist; die Reliefs lassen sich ebenso lesen wie die ebenen Blätter. Dabei ist bei allen Gebirgs- sectionen das natürliche Verhältnis der Höhen zu den Längen streng eingehalten worden, nur bei den Blättern des flachen Leipziger Kreises und des Granulitgebietes wurde eine 1,6 bis 2 fache Ueberhöhung durchgeführt, da sonst die geringen Höhenunterschiede zu wenig hervorgetreten wären. Wer die Reliefs studirt, blickt gleichsam aus der Vogelperspective auf das Land hinab mit seinen flachen und steilen Bfergen, mit seinen engen und breiten Thälern. Er sieht aber noch mehr: die geologische Kartirung zeigt durch verschiedene Farben ja noch zugleich die Zusammensetzung der Berge, das Material, aus dem sie bestehen, an. Werfen wir einen Blick z. B. auf das Tableau mit dem Elb Sandsteingebirge , so sehen wir, wie sich auf den Urgesteinen der südöstlichen Ecke des Erzgebirges die Schichten des Quadersandsteins «‘lagern mit ihrem schwachen Einfallen nach NO, bis sie dort auf dem rechtenUfer der Elbe an der grossen Lausitzer Verwerfung ein plötz- liches Ende erreichen; man übersieht handgreiflich den Aufbau des Quadersandstein- gebietes aus einzelnen Schichtensystemen, das Hervortauchen seiner Unterlage im tiefen Elbthaleinschnitt nördlich von Tet sehen-, seine Zertheilung durch Erosion in die so mannigfaltig gestalteten Berge der sächsischen Schweiz, man sieht die Berge und Thäler vor sich mit ihren natürlichen Böschungen, und bei ganz schräger, einseitiger Beleuchtung wie durch die aufgehende Sonne tritt auf diesem Tableau die ganze Oberflächenbeschaffenheit des Gebietes vom hohen Schneeberg bis nach Pirna hin ganz vorzüglich hervor. Auf Section Zittau-Oybin sehen wir auch dort das Quadersandsteingebiet plötzlich am alten tiefer liegenden Granitgebiete abstossen, wir sehen die dortigen Basalt- und Phonolitli- berge sich über ihre älteste Grundlage erheben, wir sehen an der tiefsten Stelle die Braunkohlenformation auftreten; ein Blick auf das geologische Relief lehrt uns, die Oberflächengestaltung der dortigen Gegend ihrer Entstehung nach begreifen. Prachtvoll tritt auf der Section Oelsnitz die Widerstandsfähigkeit des Hofes umgewandelter Schiefer gegen Verwitterung gegenüber dem Granitstock, der ihn erzeugt hat, hervor;, auf der ebenen geologischen Karte kann man nur mit vieler Mühe unter den kräftigen, z. Th. dunklen Farben der geologischen Darstellung die Höhencurven und die Höhenverhält- nisse herausfinden — auf dem geologischen Relief liegt alles auf den ersten Blick klar vor Augen. So lassen sich an jedem Gebiete, an jeder Section der geologischen Relief- 21 karte die interessantesten und auch für den Geologen von Fach werthvollen Studien anstellen. Das Königreich Sachsen hatte zuerst eine geologische Uebersichtskarte, die des verewigten C. F. Naumann, aufzuweisen; die zweite Kartirung in grossem Massstabe und unter Aufwand von viel Arbeit und Sorge und von viel Mitteln ist soeben vollendet, und ihr Erfolg wird durch die bewundernswerthe Barth’sclie Reliefkarte in _ eindring- lichster Weise Jedermann offenbart. Ist doch eine geologische Reliefkarte im natür- lichen Massstabe der Höhen zu den Längen die vollkommenste Art der kartographischen Darstellung des geologischen Aufbaues eines Landes. Prof. H. Engelhardt giebt dem Wunsche Ausdruck, dass dieses müh- sam hergestellte, ausgezeichnete Anschauungsmittel nicht in Privathänden bleibe, sondern dem allgemeinen Studium zugänglich gemacht werde. Oberlehrer Dr. R. Nessig macht den Vorschlag, aus der Isis heraus den Antrag an das Ministerium zu stellen, diese Reliefkarte für Dresden zu erwerben; in gleichem Sinne sprechen sich Prof. H. Engelhardt, Prof. Dr. G. Helm, von Al vensleben, Dr. W. Bergt aus. Die mineralogisch - geologische Section der Isis hält es darnach ein- stimmig für äusserst wünschenswert!!, dass die geologische Reliefkarte von Dr. 0. Ilarth erworben und der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werde. Prof. H. Engelhardt legt eine Arbeit über Andrias -Reste aus der böhmischen Braunkohlenformation von G. Laube, Prag 1897, vor und berichtet über neue von ihm untersuchte tertiäre Pflanzenreste von Sardinien (vergl. Abhandlung VII). IV. Section für prähistorische Forschungen. Dritte Sitzung- ans 18. November 1897. Vorsitzender: Rentier W. Osborne. — Anwesend 18 Mitglieder. Dr. J. D'eichmüller berichtet über neue Erwerbungen der K. prä- historischen Sammlung in Dresden. Aus dem diluvialen Kalktuff von Ehringsdorf bei Weimar erhielt das Museum durch Steinbruchsbesitzer Kämpfe ausser Resten von Elephas , Rhinoceros , Cervus und einem Yogelei mehrere Kalktuffstücke mit eingeschlossenen Holzkohlen, Feuersteinsplittern und frisch zerschlagenen Kieselschief ergeröllen, welche darauf hin- weisen, dass sich auch hier, wie in dem benachbarten Taubach, eine Niederlassung des älteren Steinzeitmenschen befunden hat. Von der durch H. Döring 1896 bekannt gewordenen neolithischen Fundstelle auf dem Gaumnitzhügel bei Casabra südlich Oschatz werden eine Anzahl Stein- geräthe und ein Gefässscherben mit Bandverzierung vorgelegt, welche Lehrer Gutte in Casabra dort gesammelt und dem Museum geschenkt hat. In der daselbst angelegten Kiesgrube ist im Sommer d. J. auch eine Herdstelle aufgeschlossen gewesen. Im Herbst 1897 fanden Arbeiter auf einem der Firma T. J. Seidel gehörigen Felde südwestlich von Laubegast beim Pflügen in ca. 40 cm Tiefe ein grösseres, einem irdenen Gefässe eingelegtes Bronzedepot aus 36 Stücken im Gesammtge wicht von « 6,07 kg. Der Fund besteht aus 4 Knopfsicheln, 10 Sicheln mit Nietlöchern und 5 Bruch- stücken solcher, 4 angebrochenen Flügelkelten und 11 z. Th. zusammengehörigen Bruch- stücken, sowie einem schadhaften, grösseren Ringe mit imitirter Torsion. Das zur Auf- bewahrung benutzte doppelhenkelige Gefäss hat eine in den Gräberfeldern des Lausitzer Typus sehr häufige Form. Der werth volle Fund ist von dem Besitzer des Feldes der K. prähistorischen Sammlung als Geschenk überwiesen worden. 22 Der Vortragende legt ferner Abgüsse mehrerer Gefässsclierben vor, auf welchen neben zwei senkrecht stehenden Kreuzen auch zwei Thierzeichnungen, Füchse oder Hunde darstellend, eingeritzt sind. Die interessanten Stücke, deren nähere Beschreibung- später erfolgen soll, stammen aus dem bekannten Gräberfelde von Stetzsch bei Dresden. Eine Beihe Gefässscherben von dem Wall auf dem Burgberg bei Zehren an der Elbe beweisen, dass dieser Wall, wie die Heidenschanze bei Koschütz, ein doppel- schichtiger ist, bereits vor der Völkerwanderung benutzt und später wieder von einer slavischen Bevölkerung bewohnt worden ist. Lehrer H. Döring spricht über neue Burgwallfunde vom Burg- berg in Niederwartha. In den letzten Jahren wurde infolge der Erweiterung des am Südhange gelegenen Weinberges die Culturschicht aufs neue angeschnitten, und es fanden sich darin zahl- reiche Gefässbruchstücke, an welchen die bekannten charakteristischen Verzierungen in den verschiedensten Variationen zur Anwendung kommen. Unter den weiteren Funden sind bemerkenswert!! ein eisernes Messer, dessen Knochengriff Punktverzierungen zeigt, eine eiserne Pfeilspitze mit schneidenartiger Spitze und einige Thonscherben, deren Masse mehr oder weniger reichlich Graphit beigemengt ist. Lehrer 0. Ebert legt eine von der Provinzial- Commission zur Er- forschung und Erhaltung der Kunstdenkmäler in der Provinz Hannover 1897 herausgebene Anschauungstafel: Vor- und frühgeschichtliche Alterthümer aus der Provinz Hannover, vor und bespricht zum Schluss vorgeschichtliche Funde aus der Gegend von Kudenitz bei Saaz in Böhmen. V. Section für Physik und Chemie. Vierte Sitzung* am 7. October 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. W. Hall- wachs. — Anwesend 104 Mitglieder und Gäste. Geh. Hofrath Prof. Dr. W. Hempel spricht über Acetylen. Der Vortragende geht aus von der Gewinnung des Calciumcarbids nach dem von Wilson angegebenen, schon ziemlich wohlfeilen Verfahren, Glühen eines puiverförmigen Gemisches von Kohle und kohlensaurem Kalk im elektrischen Ofen, wobei die an- gewendeten Mengen der Gleichung Ca C03 + 4 C = Ca C| + 3 CO entsprechen müssen. Die Herstellung des Calciumcarbids nach diesem Verfahren und die Zersetzung des erhaltenen Productes durch Wasser unter Entwickelung von brenn- barem Acetylengas wird vorgeführt. Hieran schliessen sich Versuche über die An- wendung des mit Hilfe von Calciumcarbid gewonnenen Acetylens zu Beleuchtungszwecken. Durch mehrere Versuche wird der bedeutende Einfluss einer mehr oder weniger reich- lichen Beimengung von Sauerstoff auf die Explosibilität des Gases erläutert, und ferner gezeigt, wie auch ein Gehalt des Acetylens an selbstentzündlichem Phosphorwasserstoff, eine Folge der Verarbeitung phosphorhaltigen Bohmateriales bei der Carbidgewinnung, wohl zu beachtende Gefahren bringt. Die ausserordentliche Lichtentwickelung der Acetylenflammen — eine Acetylenlampe brennt viermal so hell wie ein Auerbrenner — und ihr jetzt schon niedriger Preis sprechen jedoch schon zu Gunsten des Acetylens. Dasselbe würde namentlich für diejenigen Zwecke in Frage kommen, für welche heute das Oelgas dient, wie für die Beleuchtung von Eisenbahnwagen und Seezeichen. Hinder- lich ist nur der Umstand, dass, wie ein Versuch lehrt, das comprimirte Gas im Falle einer Entzündung sich explosionsartig in seine Bestandtheile zerlegt, auch wenn es keinen Sauerstoff enthält. Da aber die Versuche, dieses Hinderniss durch Verdünnen mit anderen Gasen zu beseitigen, ergeben haben, dass ein Gemisch von 30% Acetylen 23 mit 70% Oelgas ohne Explosionsgefahr comprimirt werden kann, so ist nunmehr Aus- sicht vorhanden, die bessere Leuchtkraft des Acetylens für die angegebenen Zwecke nutzbar zu machen. Es folgen Mittheilungen und Versuche über die explosiven Verbindungen des Acetylens mit Metallen und über die unter Flammenerscheinung erfolgende Vereinigung des Grases mit Chlor. Bemerkt wird noch, dass das Calciumcarbid sich organischen Verbindungen gegen- über durchaus nicht so reactionsfähig gezeigt habe, wie man mit Rücksicht auf sein Verhalten zum Wasser gehofft hätte; dagegen seien die Carbide des Natriums reactions- fähiger. Der Vortragende macht noch einige Angaben über die Auflösung des Acetylens in Aceton und ihr Verhalten bei höherem Drucke. Im Anschluss an den Vortrag bemerkt Prof. Dr. F. Förster, nach einer Mittheilung von Dr. Rathenau sei man in Bitterfelcl im Begriffe, Calciumcarbid in continuirlichem Betriebe mittels einer dem Hochofen ähnlichen Vorrichtung darzustellen. Prof. Dr. E. von Meyer hält einen Vortrag über colloidales Silber. Der Vortragende berichtet über Untersuchungen, welche er mit Dr. Lottermoser angestellt hat, um die Bedingungen zu ermitteln, unter denen das colloidale, in Wasser mit schwarzbrauner Farbe lösliche Silber in das unlösliche übergeht. Die Untersuchungen sind von besonderem Interesse deshalb, weil es gelungen ist, das colloidale Silber durch Salben in den Blutkreislauf einzuführen und damit seine antiseptischen Wirkungen in alle Theile des Körpers zu tragen. In diesem Falle verhindern die Eiweissstoife des Blutes den unerwünschten Uebergang* in die unlösliche Form, welchen das Chlornatrium allein bewirken würde. Bei der Umwandlung des colloidalen Silbers in unlösliches durch Säuren ergeben sich Beziehungen zu der Affinität der Säuren. Halogene führen das colloidale Silber in die colloidalen Formen der entsprechenden Halogensilber Verbin- dungen über. _ Fünfte Sitzung am 2. Becember 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. W. Hall wachs. — Anwesend 52 Mitglieder. Prof. Dr. F. Förster spricht über die elektrochemische Dar- stellung von Jodoform. Wie ein vorgeführter Versuch lehrt, lässt sich die elektrochemische Darstellung von Jodoform in einer mit Soda versetzten Lösung von Jodkalium in verdünntem Alkohol bei etwa 60° und bei Stromdichten von 1 — 3 Amp. / qdm bewerkstelligen, wenn der Strom an einer Platinanode eintritt und an einer aus Platin oder Blei bestehenden, mit Pergamentpapier zu umhüllenden Kathode austritt. Die Stromausbeute beläuft sich je nach der gewählten Stromdichte auf 97 bis 80 %; die Aufarbeitung des Jodkaliums kann ebenfalls bei geeigneter Leitung des Verfahrens bis zu 80% der angewandten Salzmenge fortgeführt werden. Im Anschluss hieran werden die Erscheinungen bei der Elektrolyse wässriger J odkaliumlösungen erörtert; hierbei entsteht an der Anode Jod, an der Kathode unter Wasserstoff entwickelung Kalilauge, welche mit dem Jod zu Kaliumjodid und Kalinm- jodat sich umsetzt. Letzteres wird, im Gfegensatz zu Kaliumchlorat, durch den an der Kathode auftretenden Wasserstoff zu Kaliumjodid reducirt. Diese sich entgegenwirkenden Vorgänge führen im Allgemeinen schliesslich zu einem stationären Zustand im Elektro- lyten, welcher alsdann den Strom leitet, ohne chemische Aenderungen zu erfahren. Die Entstehung von unterj odigsaurem Kalium bei der Elektrolyse wässriger Jodkaliumlösungen konnte bei der grossen Zersetzlichkeit des Salzes nicht unmittelbar festgestellt werden. Dass sie aber als Zwischenstufe bei der Jodatbildung auftritt, zeigt die Entstehung des Jodoforms, welche, wie gezeigt wird, das Vorhandensein von unterj odigsaurem Alkali voraussetzt. Prof. Dr. W. Hallwachs hält einen Vortrag über sein Diff erential- spectrometer mit streifender Xncidenz und schildert die durch Tornöe eingeführte Anwendung dieses Apparates zur raschen und sicheren Bestimmung des Alkohol- und Extractgehaltes im Biere. 24 Derselbe berichtet ferner über die Erzeugung Hertz’scber Wellen von möglichst geringer Wellenlänge (6 mm Lebedew) und die Aus- sonderung ultrarot her Wellen von möglichst grosser Wellenlänge (0,03 mm Rubens). VI. Section für Mathematik. Vierte Sitzung am 14. October 1897. Vorsitzender: Prof. B. Patt en- tlausen. — Anwesend 11 Mitglieder. Dr. PI. Gravelius spricht über Dynamik der Körpersysteme. Der Vortragende giebt einige allgemeine Darlegungen zur Dynamik eines Systems starrer Körper, d. i. einer beliebigen endlichen Menge von starren Systemen, die in irgend welcher Abhängigkeit von einander oder auch vollkommen frei sein können, und zeigt zunächst, dass die allgemeine Elementarbewegung eines solchen Systems dadurch zu Stande kommt, dass jedes Individuum des Systems eine Windung um eine Axe ausführt. Es lässt sich dann nachweisen, dass eine solche Elementarbewegung eines Körper- systems charakterisirt ist, wenn die Windungsamplitude eines als ersten augenommenen Individuums aus dem System gegeben wird. Sind nämlich a1: a2, ... . die Axen für den ersten , zweiten , . . . . Körper , so lassen sich immer Axen a1 2, ö2 3 , . . . . finden von der Art, dass alt ax 2, a2, ferner a?: a23, a3 u. s. w. auf je einem Cylindroid liegen, und ist dann die Amplitude der Windung um a15 so lassen sich vermöge eines ele- mentaren Satzes die Amplituden a2, a8, mit Hilfe der eingeführten „inter- mediären“ Axen a12, a28, . . . . bestimmen. Die Reihe der ursprünglichen Axen a*, ajc, . . . . und der intermediären an wird von Sir .Robert Ball als Axenkette bezeich- net, und es lässt sich dann vermöge des eben Gesagten die Elementarbewegung eines Körpersystems als eine Windung um eine Kette bezeichnen. Ganz analog wird die Wirkung eines Kräftesystems auf ein Körpersystem sich darstellen lassen als eine Dyname auf einer Kette. Es wird nun die Zusammensetzung von Windungen um Ketten und Dynamen auf Ketten gezeigt und daraus der Begriff der Kettencoordinaten hergeleitet. Sind von allen Ketten, um die ein System sich bewegen kann, nur n von einander unabhängig, d. h. lässt sich keine der n Ketten aus 2 oder mehreren anderen der Gruppe herleiten, so hat das System Freiheit wten Grades. Zur Beschreibung seiner Bewegung sind dann n und nur n Coordinaten erforderlich, als welche die auf die einzelnen Fundamental- ketten bezogenen Amplituden dienen, also «ü1), .... Aus dem Ausdruck der Arbeit Äa, ß einer Dyname (auf der Kette «) in Bezug auf eine Windung (um die Kette ß) wird der Begriff der reciproken Ketten (Aa, ß — 0) und daran anschliessend der eines Systems von n coreciproken Ketten gewonnen. Ein solches System wird von nun ab als Ooordinatensystem benutzt, wobei sich für Aa,p ein sehr einfacher eleganter Ausdruck ergiebt. Mit Hilfe dieser Coordinaten werden die Lagrange’schen Bewegungsgleichungen für das Körpersystem gegeben. Aus einem von Sir Robert Ball aufgestellten Princip wird sodann eine Bedingungsgleichung für die kinetische Energie liergeleitet. Das angeführte Princip lässt sich so ausdriicken: Wenn ein um eine Kette sich bewegendes Körpersystem angehalten, in eine benachbarte Position auf der Kette verschoben und dann mit der ursprünglichen Geschwindigkeit um dieselbe Kette wieder in Bewegung gebracht wird, so ist seine kinetische Energie wie ursprünglich. (Das Princip ist durch Verallgemeinerung aus der Wahrnehmung gewonnen, dass die kinetische Energie eines um eine feste Axe sich drehenden Körpers unabhängig ist von dem Anfangsazimuth, von dem aus die Bewegung begonnen hat.) Mit Hilfe der vorhin erwähnten Bedingungs- gleichung für die kinetische Energie werden die Lagrange’schen Gleichungen trans- fonnirt und nach einigen weiteren Darlegungen über ein besonderes Ooordinatensystem, dessen Elemente nicht nur coreciprok, sondern auch conjugirt sind, eine äusserst ein- fache Form der Bewegungsgleichungen erlangt, welche den Euler’schen für die Drehung eines Körpers um einen festen Punkt ganz analog sind. 25 Bei der Discussion dieser Gleichungen werden die Beziehungen zwischen im- pulsiver und instantaner, Widerstands- und Beschleunigungskette besprochen und zum Schlüsse wird noch eine kurze Darstellung der permanenten Windungsaxen eines Körper- systems gegeben. Fünfte Sitzung am 9 .December 1897. Vorsitzender: Prof. B. Patt en- tlausen. — Anwesend 10 Mitglieder und Gäste. Prof. Dr. G. Helm spricht über neuere mechanische Aufgaben aus der Technik. Föppl und sein Assistent Klein haben die elastische Laval’sche Turbinenwelle und die Bewegung schnell umlaufender elastischer Hängespindeln theoretisch und . experi- mentell untersucht (Civilingenieur von 1895). Der Vortragende .zeigt, wie man dieselben Probleme mit Hilfe der zweiten Form der Lagrange’schen Differentialgleichungen der Bewegung behandeln kann. VII. Hau ptversammlungen. Siebente Sitzung am 80. September 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. — Anwesend 34 Mitglieder und Gäste. Prof. Dr. G. Helm begrüsst die als Gäste der Isis erschienenen Theib n eh in er an der 44. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner in Dresden und legt das neu erschienene Programm der K. Sächs. Bergakademie zu Freiberg für 1897 — 98 vor. Prof. Dr. 0. Drude hält den angekündigten Vortrag über; die für den Schulunterricht wichtigsten Richtungen der modernen Bo- t anik. Das Thema des heutigen Vortrages ist mit Rücksicht auf die in unserm Dresden weilenden Gäste aus den Kreisen deutscher Schulmänner gewählt, nicht etwa, uni eine Discussion über die Methodik des botanischen Unterrichts herbeizuführen — welche mir ganz fern liegt — sondern um zu bezeichnen, welche Ziele sich der Fachmann in diesem Gebiete der Wissenschaft von der Schule geleistet zu sehen wünscht, damit die drei hauptsächlichsten Punkte erreicht werden: 1. Achtung in den Kreisen der Gebildeten vor den Gegenständen, mit denen die Botanik auch schon auf den Anfangsstufen ihres Unterrichts sich zu beschäf- tigen hat; 2. Ueberlieferung einer Reihe nützlicher Kenntnisse aus dem weiten Umfange botanischer Wissenschaft an die Schuljugend aller späteren Berufskreise und ohne Rücksicht auf bestimmte Fachrichtungen; 3. Vorbereitung einer guten, in massigem Umfange gehaltenen Grundlage, auf welcher bei den Naturwissenschaften- Studierenden dann um so erfolgreicher der Hochschul -Unterricht auf bauen kann. Diese Grundlage, weil ganz anders gehalten als in den Sprachwissenschaften, bringt dann ganz von selbst einen Theil des G egengervichtes hervor, welches man von Mathematik und Naturwissenschaften jenen gegenüber geleistet sehen will und welches insbesondere für künftige Theologen, Philologen und Juristen nützlich weiterwirken soll.' Was von diesen als erstrebenswert!! bezeichneten Zielen erreicht werden kann, ist naturgemäss je nach dem Charakter der Schule und dem Klassenalter ihrer Schüler sehr verschieden und diese Unterschiede hervorzuheben gehört nicht hierher. Mit Rücksicht auf Punkt 3 denke ich selbst in diesem Vortrage an diejenigen Schulen, welche mit Reifezeugniss für ein späteres Hochschulstudium abschliessen. — Der hier zu behandelnde Gegenstand muss aber auch für unsere „Isis“ ein allgemeines Interesse haben, da mit 26 der Güte naturwissenschaftlichen Unterriclits auf den Schulen die Möglichkeit sich steigert, in naturforschenden Gesellschaften die Mitglieder gut vorbereitet zu finden. Wenn man für eine Wissenschaft Achtung und Liehe erwecken will, so ist es nothwendig, ihren inneren Geist zu erkennen zu gehen, und nicht etwa nur die äussere Form. Die Fehler, die in dieser Hinsicht auf botanischem Gebiete ziemlich allgemein noch heute begangen werden, lassen sich gar nicht verkennen und betreffen hauptsächlich das viel zu bedeutende Gewicht, welches der Namensgebung, den Nomenclaturfragen, zugewendet wird. Und doch ist dies nur fachmännischer Apparat als Mittel zum Zweck, und die Stunden in Botanik sollen durchaus nicht solche für Erlernen lateinischer Vocabeln sein. Es ist zu hoffen, dass die jetzt eingetretene Bewegung für Schaffung einheitlicher deutscher Pflanzenbenennungen für die Schule hier günstig einwirken und die Namen auf das Nothwendigste beschränken wird. Früher beschränkte sich der botanische Unterricht auf Organbeschreibung und die im Anschluss daran erlernte methodische Bestimmungskunst. Ich möchte vom Standpunkt der wissenschaftlichen Bedürfnisse diese Richtung als erste, formell gut durchgebildete Grundlage nicht aufgeben, da sie ein positives Wissen und Können schafft; nur darf sie nicht länger auf veraltetem Standpunkte beharren und muss dahin streben, die Kenntniss des Linneeffschen Systemes völlig zu beseitigen. Bestimmungs- schlüssel sind viel zweckmässiger auf jetziger Blüthenmorphologie aufzubauen und können für die Schule, in weiser Beschränkung auf typische Auswahlen, viel leichter zum Ziele führen, als unter Befolgung jener veralteten Methode. Nach meiner Meinung gehört aber eine Anleitung zur Kenntniss der gesammten deutschen Flora überhaupt nicht in die Schule, sondern in den Kreis besonderer Privatbeschäftigung oder fachmännischen Studiums. Würde nun nichts weiter betrieben als dieser Theil der Botanik, so wäre der Ver- gleich nicht unpassend, dass gleichsam die Grammatik einer fremden Sprache getrieben würde, ohne Lektüre der in ihr geschriebenen herrlichen Werke. Zur morphologischen Systematik müssen auch in der Schule Biologie und Physiologie hinzutreten! Ich weiss wohl, dass sich diese Forderung vielfach an der zu sehr beschränkten Stundenzahl stösst, allein auf Umwegen kann man ihr doch wohl gerecht werden. In der Schule können sehr wohl Fächer combinirt gelehrt werden, welche im Hochschul- unterricht besonderen Professoren zugewiesen sind. Und so ist das nächstliegende, die wichtigsten biologischen Kapitel über Anpassung, Vererbung, Fortpflanzung, Ab- hängigkeit von äusseren Einflüssen ' und Schutzmitteln gegen dieselben in Botanik und Zoologie zusammenzufassen und möglichst an das Ende des naturwissenschaftlichen Unter- richts zu legen. Dadurch wird den Schülern hauptsächlich das Verständniss der organi- schen Welt als einer besonderen, von der anorganischen himmelweit verschiedenen nahe gelegt, und hierauf hat die heutige Wissenschaft besonderen Nachdruck zu legen. Eine jReihe der wichtigsten experimental -physiologischen Vorgänge kann sodann mit Leichtigkeit in den Stunden für Chemie und Physik in den oberen Klassen behandelt werden, so besonders die überaus wichtige Ernährungslehre der Pflanzen in der Assi- milation der Kohlensäure durch die chlorophyllhaltigen Zellen, die Eigenschaften des Chlorophylls als eines spezifisch pflanzlichen Körpers, ferner die allen Organismen ge- meinsame Athmungsthätigkeit unter Ausscheidung von Kohlensäure zu jeder Tageszeit. Wenn dabei das Mikroskop gelegentlich zur Erklärung herangezogen oder auf Skioptikon- Deinonstration von Präparaten eingegangen werden kann, so ist es um so besser; übrigens leisten einige geschickt an der Wandtafel entworfene Figuren schon das Nothwendige. Wird durch die vorstehend genannten Gegenstände der richtige Geist der Botanik überliefert und Liebe zu ihr erweckt, so muss es sich schliesslich darum handeln, dem Schüler auch eine Reihe positiver Kenntnisse aus der Pflanzenkunde mit auf den Weg zu geben, die schliesslich gerade so Gegenstände der allgemeinen Bildung sein sollten, wie der Besitz von Geschichtsdaten, Kenntniss von Einwohnerzahlen, politischen Grenzen u. dergl. Es betrifft eine gute Auswahl aus der speziellen Pflanzenkunde. Mit Vergnügen habe ich öfters bemerkt, wie die Lehrer schon im botanischen An- fangsunterricht bemüht sind, ihren Schülern eine Kenntniss der einheimischen Baumarten einzuprägen, damit sie lernen, die Elemente des deutschen Waldes im Ausdruck so vieler landschaftlicher Schönheiten zu verstehen. Die geselligen Pflanzen und die Cultur- arten des Vaterlandes sollten vor allen anderen zur besonderen Betrachtung herange- zogen werden. Ganz reicht aber auch dies nicht aus, und es bleibt vieles im Anschluss an den geographischenünterricht zu sagen übrig, was von der grössesten Bedeutung für das Verständniss des Welthandels im Austausch seiner Produkte und zugleich für den wahren Charakter exotischer Länder ist. Bücher wie Humboldt’s „Kosmos“ liefern einen 27 Massstat) dafür, wie viel etwa von botanischen Charakterarten der Schnle zu erklären übrig bleibt, nm znr Erhöhung der allgemeinen Bildung beizutragen. Jetzt ist auch Deutschland ein Kolonien besitzendes .Reich geworden und zahlreiche Produkte ferner Länder mischen sich mit den selbsterzeugten auf unseren Märkten; für diese hat der Schüler naturgemäss ein grösseres Interesse, und dieses Interesse kann in Fortsetzung des botanischen Anfangsunterrichts unter Verzicht auf die umständliche botanische Be- schreibung und wissenschaftliche Namengebung leicht genährt werden. Es ist ja auch diese Richtung gar nicht mehr neu, sondern zahlreiche Lehrmittelsammlungen für den geographischen Unterricht bezeugen ihre stattgehabte Einbürgerung. — Zusammenfassend halte ich also dafür, dass die Befreiung des botanischen Unter- richts von unnöthigem Formalismus, namentlich von nomenclatorischem Beiwerk umfang- reicherer Art, die Belebung der morphologischen Kapitel durch später folgende biologische, die geschickte Vereinigung botanischer und zoologischer Charakterzüge und Weiterführung dieses Unterrichts in einzelnen Abschnitten des chemischen und als Belebung der Geo- graphie den wissenschaftlichen Interessen der Botanik dienen wird, so lange als dieser Wissenschaft allein nur ein verhältnissmässig kleiner Spielraum als selbstständiger Schul- disciplin eingeräumt werden kann. Dabei ist der individuellen Neigung und Thätigkeit des Lehrers ein der erweiterten Wissenschaft entsprechend erweitertes Feld gegeben, auf welchem er sich in eigener Fortarbeit viel besser bethätigen kann, als in der früher herrschenden einseitigen Be- schränkung. An der sich anschliessenden Debatte betheiligen sich Oberlehrer Dr. A. Witting, Prof. H. Engelhardt und Oberlehrer Taube -Naumburg. Dr. II. Gravelius spricht über Wettertypen und Hochwasser- prognosen. Achte Sitzung am 28. October 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. — Anwesend 82 Mitglieder und Gäste. Vorgelegt wird die Einladung zum 100jährigen Stiftungsfeste der naturhistorischen Gesellschaft in Hannover. Der Vorsitzende theilt mit, dass der II. Sächs. Alterthumsverein sich bereit erklärt hat, die um Schutz der vorgeschichtlichen Alterthümer in Sachsen ersuchenden Eingaben an die K. Ministerien gemeinschaftlich mit der Isis zu unterzeichnen. Prof. Dr. E. Kalkowsky berichtet eingehend über die Excursion des VII. internationalen, in St. Petersburg tagenden Geologen- Congresses in den Ural und bringt eine grosse Zahl trefflicher Photo- graphien zur Ansicht. Nennte Sitzung am 25. November 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. — Anwesend 49 Mitglieder. Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, dass nach Ablauf des Jahres 1897 Hofbuchhändler H. Warn atz 25 Jahre lang ununterbrochen dem Vorstande der Isis als Kassirer angehört hat. Der Vorsitzende wird beauftragt, Herrn H. Warnatz den Dank der Gesellschaft für die lang- jährige, mühevolle Verwaltung dieses Amtes schriftlich auszusprechen. Das Ergebniss der hierauf statutengemäss vorgenommenen Neuwahl der Beamten der Isis für 1898 ist auf S. 80 zusammengestellt. Ingenieur Frz. Salb ach spricht über Gr und wasser unter be- sonderer Berücksichtigung der Dresdner Wasserwerke. 28 Auf Antrag mehrerer Mitglieder beschliesst die Hauptversammlung, die Osiris -Vereinigungen nach dem Restaurant des Hauptbahnhofs (böh- mischen Bahnhofs) zu verlegen. Zehnte Sitzung am 18. Decemher 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. — Anwesend 143 Mitglieder und Gäste. Geh. Hofrath Prof. Dr. A. Töpler hält einen durch zahlreiche Ex- perimente erläuterten Vortrag über Hertz’sche Wellen und Tele- graphie ohne Drähte. Im Namen des Verfassers überreicht der Vorsitzende als Geschenk für die Gesellschaftsbibliothek das Werk von Dr. A. St übel: Die Vulkan- berge von Ecuador, Berlin 1897, 4° und giebt weiter eine Uebersicht über den gegenwärtigen Mitgliederbestand der Isis, nach welcher die Zahl der Ehrenmitglieder 34, der wirklichen Mitglieder 211 und die der correspondirenden 135 beträgt. Zum Schluss wird eine Petition vorgelesen und zur Unterzeichnung ausgelegt, in welcher Rath und Stadtverordnete von Dresden um Ankauf des mikroskopischen Museums von W. Schubert ersucht werden, um dieses werthvolle Institut der Stadt Dresden zu erhalten und der all- gemeinen Benutzung dauernd zugänglich zu machen. Der Vorsitzende wird beauftragt, die Petition im Namen der Gesellschaft zu unterzeichnen. Veränderungen isn Mitgliederbestände. Gestorbene Mitglieder: Am 18. Juli 1897 starb in Harlem Dr. T. C. Winkler, Gustos am dortigen Teyler Museum, correspondirendes Mitglied seit 1875. Am 8. August 1897 starb in Klotzsche bei Dresden der geniale Schöpfer der neuen Dresdner Bahnhofsanlagen Baurath Otto Klette, wirkliches Mitglied seit 1893. Am 2. September 1897 verschied in Dresden der Civilingenieur und Fabrikbesitzer Emil Kelling, wirkliches Mitglied seit 1879. Am 10. October 1897 starb in Pirna der Senior unserer correspon- direnden Mitglieder, Hofrath Dr. med. Emil Bech. Unserer Gesellschaft gehörte der Verewigte seit 1846 an. Im 74. Lebensjahre verschied am 22. November 1897 Dr. Oskar von Fr aas, Oberstudienrath und Director a. D. am K. Naturalien-Cabinet zu Stuttgart, Ehrenmitglied seit 1867. Am 5. December 1897 starb Consistorialrath Anton Buck, Pfarrer an der katholischen Kirche in Dresden-N., wirkliches Mitglied seit 1871. Neu auf ge nommene wirkliche Mitglieder: Bartel, Alfr., Assistent am chemischen Laboratorium in Tharandt, -am 18. December 1897; Beck, Heinr., Lehrer in Dresden, am 25. November 1897; 29 Drossbach, Gr. P., Dr. phil., in Deuben, am 28. October 1897; Flachs, Rieh., Dr. med., in Dresden, ] Grundier, Joh., Dr. med., in Dresden, / am 25. November 1897; Hähle, H., Dr. phil., Chemiker in Radebeul, 1 Hoyer, E., Dr. phil., Realschul-Oberlehrer in Dresden, Ludwig, Herrn,, Lehrer in Dresden, am 18.Decßmber Mollier, Rieh., Dr. phil., Prof, an der K. Technischen 1897; Hochschule in Dresden, Polscher, A., Zahnkünstler in Dresden, Schanz, Alfr., Dr. med., in Dresden, Schöpf, Adolf, Betriebsdirector des zoologischen Gartens in Dresden, Streit, Willi., Verlagsbuchhändler in Dresden, Umlauf, Karl, Dr. phil., Realgymnasial-Oberlehrer in Dresden, am 18. De- cember 1897; Wagner, P., Dr. phil., Realschul-Oberlehrer in Dresden, am 25. No- vember 1897. In die c or r es pondir enden Mitglieder sind übergetreten: Neubert, Gust. Ad., Hofrath, Professor a. D., in- Klotzsche bei Dresden; Schneider, Osk., Dr. phil., Professor a. D., in Blasewitz. am 25. November 1897; Freiwillige Beiträge zur Gesellschaftskasse zahlten : Dr. A m t h o r , Hannover , 3 Mk. ; Oberlehrer Dr. ßaclimann, Plauen i. V., 3 Mk. ; K. Bibliothek, Berlin, 3 Mk.; naturwissensch. Mo- delleur Blaschka, Hosterwitz, 3 Mk. 5 Pf.; Ingenieur Carstens, Varel, 3 Mk. ; Privatus Eisei, Gera, 3 Mk.; Prof. Dr. Hib sch , Liebwerd, 3 Mk.; Bürgerschullehrer Hofmann, Grossenhain, 3 Mk. ; Oberlehrer Dr. Lohr- mann, Annaberg, 3 Mk.; Betriebs -Ingenieur Prasse, Leipzig, 6 Mk.; Dr. Reiche, Santiago, Chile, 9 Mk.; Director Dr. Reidemeister, Schöne- beck, 3 Mk. ; Oberlehrer Seidel I, Zschopau, 3 Mk.; Oberlehrer Seidel II, Zschopau, 3 Mk.; Rittergutspachter Sieber, Grossgrabe, 3 Mk.; Fabrik- besitzer Siemens, Dresden, 100 Mk.; Chemiker Dr. Stauss, Hamburg, 3 Mk.; Oberlehrer Dr. Sterzei, Chemnitz, 3 Mk. ; Privatdocent Dr. Steuer, Jena, 3 Mk.; Oberlehrer Dr. Thallwitz, Pirna, 3 Mk. 5 Pf.; Baurath Wiechel, Chemnitz, 3 Mk., Oberlehrer Wolf f, Pirna, 3 Mk. 5 Pf.; Prof. Dr. Wünsche, Zwickau, 3 Mk. — In Summa 175 Mk. 15 Pf. H. Warn atz. BO Beamte der Isis im Jahre 1898. Vorstand. Erster Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. Zweiter Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt. Kassirer: Hofbuchhändler H. Warn atz. Directorium. Erster Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. Zweiter Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt. Als Sectionsvorstände: Dr. J. Deichmüller, Prof. Dr. 0. Drude, Prof. Dr. F. Förster, Prof. Dr. E. Kalkowsky, Prof. Dr. H. Nit sehe, Prof. Dr. K. Rohn, Erster Secretär: Dr. J. Deichmüller. Zweiter Secretär: Oberlehrer K. Vetters. Yerwaltimgsratli. Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt. 1. Civilingenieur und Fabrikbesitzer Fr. Siemens, 2. Geheimer Rath Prof. Dr. G. Zeuner, 3. Fabrikbesitzer L. Guthmann, 4. Privatus W. Putscher, 5. F abrikant E. Kiihnsche r f , 6. Dr. Fr. Raspe. Kassirer: Hofbuchhändler H. Warnatz. Bibliothekar: Privatus K. Schiller. Secretär: Oberlehrer K. Vetters. Sectionsfoeamte. I. Section für Zoologie. Vorstand: Prof. Dr. H. Nit sehe. Stellvertreter: Privatus K. Schiller. Protokollant: Institutsdirector A. Thümer. Stellvertreter: Dr. A. Naumann. II. Section für Botanik. Vorstand: Prof. Dr. 0. Drude. Stellvertreter: Oberlehrer K. Wobst. Protokollant: Garteninspector F. Le dien. Stellvertreter: Dr. A. Naumann. 31 III. Seetion für Mineralogie und Geologie. Vorstand: Prof. Dr. E. Kalkowsky. Stellvertreter: Privatdocent Dr. W. Bergt. Protokollant: Dr. H. Francke. Stellvertreter: Oberlehrer Dr. K. Nessig. IV. Seetion für Physik und Chemie. Vorstand: Prof. Dr. F. Förster. Stellvertreter: Prof. Dr. F. Pockels. Protokollant: Oberlehrer Dr. Gr. Schulze. Stellvertreter: Dr. R. Engelhardt. V. Seetion für prähistorische Forschungen. Vorstand: Dr. J. Deichmüller. Stellvertreter: Rentier W. Osborne. Protokollant: Taubstummenlehrer 0. Ebert. Stellvertreter: Lehrer A. R. Bergmann. VI. Seetion für Mathematik. Vorstand: Prof. Dr. K. Rohn. Stellvertreter: Oberlehrer Dr. A. Witting. Protokollant: Oberlehrer Dr. J. von Vieth. Stellvertreter: Privatdocent Dr. E. Naetsch. Hedactioiis - Comite. Besteht aus den Mitgliedern des Directoriums mit Ausnahme des zweiten Vorsitzenden und des zweiten Secretärs. Bericht des Bibliothekars. Im Jahre 1897 wurde die Bibliothek der „Isis“ durch folgende Zeit- schriften und Bücher vermehrt: A. Durch Tausch. I« Europa. 1. Deutschland. Altenburg : Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes. — Mitteil., neue Folge, 7. Bd. [Aa 69.] Annaber g -Buchholz : Verein für Naturkunde. Augsburg : Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben und Neuburg. Bamberg: Naturforschende Gesellschaft. Bautzen: Naturwissenschaft!. Gesellschaft „Isis“. — Bücherverzeichniss 1896. [Ab 85.] Berlin: Botanischer Verein der Provinz Brandenburg. — Verhandl., Jahrg.38. [Ca 6.] Berlin: Deutsche geologische Gesellschaft. — Zeitschr., Bd. 48, Heft 3 und 4; Bd. 49, Heft 1 und 2. [Da 17.] Berlin: Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. — Verhandl., Juni 1896 bis Juli 1897. [G 55.] Bonn: Natur historischer Verein der preussischen Rheinlande, Westfalens und des Reg. -Bez. Osnabrück. — Verhandl., 53. Jahrg., 2. Hälfte; 54. Jahrg., 1. Hälfte. [Aa 93.] Bonn: Niederrheinische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. • — Sitzungs- berichte, 1896, 2. Hälfte; 1897, 1. Hälfte. [Aa 322.] Braunschiveig: Verein für Naturwissenschaft. — 10. Jahresber. für 1895 — 97. '[Aa 245.] Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Abhandl., Bd. XIV, Heft 1 — 2. [Aa 2.] Breslau: Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. — 74. Jahresber., 1896, mit Ergänzungsheft bibliograph. Inhalts. [Aa 46.] Chemnitz: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. — 13. Bericht, 1892 — 95. [Aa 20.] Chemnitz: K. Sächsisches meteorologisches Institut. — Abhandl, Heft 2. [Ec 57b.] — Klima des Königreichs Sachsen, Heft 4. [Ec 79.] Danzig: Naturforschende Gesellschaft. — Schriften, Bd. IX, Heft 2. [Aa 80.] Ot'j O.) Darmstadt : Verein für Erdkunde und inittelrheinischer geologische]' Verein. — Notizbl., 4. Folge, 17. Heft. [Fa 8.] Donauescliingen : Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar und der angrenzenden Landestheile. Dresden : Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Jahresber., 1896 — 97. [Aa 47.] Dresden : K. Mineralogisch -geologisches und praehistorisches Museum. — Mittheil., Heft XII-XIII. [Db 51.] Dresden : K. Zoologisches Museum. Dresden: K. OefTentliche Bibliothek. Dresden: Verein für Erdkunde. Dresden: K. Sächsischer Altertumsverein. — Neues Archiv für sächs. Geschichte und Altertumskunde, Bd. XVIII. [G 75.] Dresden : Oekonomische Gesellschaft im Königreich Sachsen. — Mittheil., 1896- 97. |Ha 9.] Dresden: K. Thierärztliche Hochschule. — Bericht über das Veterinärwesen in Sachsen, 41. Jahrg. [Ha 26.] Dresden : K. Sächsische Technische Hochschule. — Die Bibliothek der Technischen Hochschule Dresden im Jahre 1896. [Je 101.] — Bericht über die K. Sächs. Techn. Hochschule a. d. Jahr 1896 — 97. [Je 63.] Dürkheim: Naturwissenschaftlicher Verein der Rheinpfalz „Pollichia“. — LIIL— LIV. Jahresber.; Mitteil. Nr. 10 — 11. [Aa 56.] Düsseldorf: Naturwissenschaftlicher Verein. Elberfeld : Naturwissenschaftlicher Verein. Emden: Naturforschende Gesellschaft. — 81. Jahresber., 1895 — 96. [Aa48.] Emden: Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer. — Jahrbücher, 11. — 12. Bd. [G 124.] Erfurt: K. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften. — Jahrbücher, Heft XXIII. [Aa 263.] Erlangen: Physikalisch-medicinischeSocietät. — Sitzungsber., 28. Heft, 1896. [Aa 212.J Frankfurt a. M.: Senckenbergische naturforschende Gesellschaft. — Bericht für 1897. [Aa 9 a.] Frankfurt a. M.: Physikalischer Verein. — Jahresber. für 1895 — 96. [Eb 35.] Frankfurt a. 0.: Naturwissenschaftlicher Verein des Regierungsbezirks Frankfurt. — „Helios“, 14. Bd. — Societatum litterae, Jahrg. X, Nr. 7—12; Jahrg. XI, Nr. 1—6. [Aa 282.] Freiberg: K. Sächs. Bergakademie. — Programm für das 132. Lehrjahr 1897- 98. [Aa 323.] Freiburg i. B.: Naturforschende Gesellschaft. Gera: Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften. — 36. bis 38. Jahresber. [Aa 49.] Giessen: Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — 31. Bericht. [Aa 26.] Görlitz: Naturforschende Gesellschaft. Görlitz: Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. — Neues Lau- sitzisches Magazin, Bd. 73, 1. Heft. [Aa 64.] Görlitz: Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz. Greifswald: Naturwissenschaftlicher Verein für Neu -Vorpommern und Rügen. — Mittheil., 28. Jahrg., 1896. [Aa 68.] Greif sivald: Geographische Gesellschaft. ** 34 Güstroiv: Verein der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. — Archiv, 49. — 50. Jahrg. [Aa 14.] Halle a. S.: Naturforschende Gesellschaft. Halle a. S.: Kais. Leopoldino-Carolinische deutsche Akademie. — Leopoldina, Heft XXXII, Nr. 12; Heft XXXIII, Nr. 1-11. [Aa 62.] Halle a. S.: Verein für Erdkunde. — Mitteil., Jahrg. 1897. [Fa 16.] Hamburg : Natur historisches Museum. Hamburg : Naturwissenschaftlicher Verein. — Abhandl., XV.Bd. [Aa293a.] — Verhandl., III. Folge, 4. Heft, 1896. Aa 293b.] Hamburg : Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung. Hanau : Wetterauische Gesellschaft für die gesammte Naturkunde. Hannover: Naturhistorische Gesellschaft. Hannover : Geographische Gesellschaft. Heidelberg: Naturhistorisch-medicinisch er Verein. — Verhandl., n. F., Bd. V, Heft 5. [Aa 90.] Hof: Nordoberfränkischer Verein für Natur-, Geschichts- und Landes- kunde. — Bericht I, 1896. [Aa 325.] Karlsruhe : Naturwissenschaftlicher Verein. Kassel: Verein für Naturkunde. Kassel: Verein für hessische Geschichte und Landeskunde, — Zeitschr., 20. — 21. Bd. u. 11. Suppl.; Mittheil., Jahrg. 1894—95. [Fa 21.] Kiel: Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig-Holstein. — Schriften, Bd. 11, Heft 1. [Aa 189.] Köln: Redaction der Gaea. — Natur und Leben, Jahrg. 33. [Aa 41.] Königsberg i. Fr.: Physikalisch -ökonomische Gesellschaft. — Schriften, 37. Jahrg., 1896. [Aa 81.] Königsberg i. Fr.: Altertums-Gesellschaft Prussia. Landshut: Botanischer Verein. Leipzig: Naturforschende Gesellschaft. — Sitzungsber. , Jahrg. 22 — 23. [Aa 202.] Leipzig: K. Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften. — Berichte über die Verhandl., mathem.-physikal. Klasse, 1896, IV— VI; 1897, I — IV. [Aa 296.] Leipzig: K. Sächsische geologische Landesuntersuchung. Lübben: Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte. — Mittheil., IV. Bd., Heft 7—8. [G 102.] Lübeck: Geographische Gesellschaft und naturhistor. Museum. — Mitteil., 2. Reihe, Heft 10 u. 11. [Aa 279b]. Lüneburg: Naturwissenschaftlicher Verein für das Fürstentum Lüneburg. Magdeburg: Naturwissenschaftlicher Verein. Mannheim: Verein für Naturkunde. Marburg: Gesellschaft zur Beförderung der gesammten Naturwissenschaften. — Sitzungsber., Jahrg. 1896. [Aa 266.] Meissen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft,, Isis“. — Beobacht, d. Isis- Wetterwarte zu Meissen i. J. 1896. [Ec 40.] Münster: Westfälischer Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst. — 24. Jahresber., Jahrg. 1895 —96. [Aa 231.] Neisse: Wissenschaftliche Gesellschaft „Philomathie“. Nürnberg: Naturhistorische Gesellschaft. — Jahresber. für 1896, nebst Abhandl., X. Bd., Heft 5. [Aa 5.] Offenbach: Verein für Naturkunde. 35 Osnabrück : Naturwissenschaftlicher Verein. — 11. Jahresber., 1895 — 96. [Aa 177.] Passau: Naturhis torisch er Verein. Posen'. Naturwissenschaftlicher Verein. — Zeitschr. der botan. Abtheil. , 2. Jahrg., Heft 2; 3. Jahrg., Heft 2; 4. Jahrg., Heft 1 — 2. [Aa 316.] Regensburg : Naturwissenschaftlicher Verein. Pegensburg : K. Bayerische botanische Gesellschaft. — Katalog der K. botan. Gesellschaft in Regensburg, II. Teil. [Cb 42b.] Peichenbach i. V.: Vogtländischer Verein für Naturkunde. Pentling en: Naturwissenschaftlicher Verein. Schneeberg: Wissenschaftlicher Verein. Stettin: Ornithologischer Verein. — Zeitschr. für Ornithologie und prakt. Geflügelzucht, Jahrg. XXI. [Bf 57.] Stuttgart : Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg. — Jahres- hefte, Jahrg. 55. [Aa 60.] Stuttgart : Württembergischer Altertumsverein. — Württemberg. Viertel- jahreshefte für Landesgeschichte, n. F., 5. Jahrg. [G 70.] Tharandt: Redaction der landwirtschaftlichen Versuchsstationen. — Land- wirtsch. Versuchsstationen, Bd. XLVIH, Heft 3—6; XLIX, Heft 1 — 3. (In der Bibliothek der Versuchsstation im botan. Garten.) Thorn: Coppernicus -Verein für Wissenschaft und Kunst. — 43. Jahresber. [Aa 145.] Trier: Gesellschaft für nützliche Forschungen. Ulm: Verein für Mathematik und Naturwissenschaften. Ulm: Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben. Weimar: Thüringischer botanischerVerein. — Mittheil;, n. F., 10. Heft. [Ca 23.] Wernigerode: Naturwissenschaftlicher Verein des Harzes. — Schriften, XI. Bd., 1896. [Aa 289.] Wiesbaden: Nassauischer Verein für Naturkunde. — Jahrbücher, Jahrg. 50. [Aa 43.] Würzburg: Physikalisch-medicinische Gesellschaft. — Sitzungsber., Jahrg. 1896. [Aa 85.] Zivickau: Verein für Naturkunde. — Jahresber. 1896. [Aa 179.] 2. Oesterreich-Ungarn. Aussig: Naturwissenschaftlicher Verein. Bistritz: Gewerbeschule. Brünn: Naturforschender Verein, — Verhandl., Bd. XXXIV— XXXV und 14. — 45. Ber. der meteorolog. Commission. [Aa 87.] Budapest: Ungarische geologische Gesellschaft. — Földtani Közlöny, XXVI. köt., 11. — 12. füz.; XXVII. köt., 1. — lO. füz. [Da 25.] Budapest: K. Ungarische naturwissenschaftliche Gesellschaft, und: Ungarische Akademie der Wissenschaften. Graz: Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark. — Mittheil., Jahrg. 1896. [Aa 72.] Hermannstadt: SiebenbürgischerV erein für Naturwissenschaften. — V erhandl. und Mittheil., XLVI. Jahrg. [Aa 94.] Iglo: Ungarischer Karpathen-Verein. Innsbruck: Naturwissenschaftlich-medicinischer Verein. — Berichte, 22.Jahrg. [Aa 171. J Klagenfurt : Naturhistorisches Landes -Museum von Kärnthen. — Jahrb., 24. Heft. [Aa 42.] — Diagramme der magnet. meteorol. Beobacht, zu Klagenfurt i. J. 1895 u. 1896. [Ec 64.] Krakau : Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, 1896, Nr. 9—10; 1897, Nr. 1-8. [Aa 302.] Laibach : Musealverein für Krain. Linz: Verein für Naturkunde in Oesterreich ob der Enns. Linz : Museum Francisco -Carolinum. — 55. Bericht nebst der 49. Liefe- rung der Beiträge zur Landeskunde von Oesterreich ob der Enns. [Fa 9.] Prag : Naturwissenschaftlicher Verein „Lotos“. Prag’. K. Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften. — Sitzungsber., mathem.-naturw. CL, 1896. [Aa 269.] — Jahresber. für 1896. [Aa 270.] Prag : Gesellschaft des Museums des Königreichs Böhmen. Prag: Lese- und Redehalle der deutschen Studenten. Prag: Ceska Akademie Cisare Frantiska Josefa. — Rozpravy, Trida 11, Rocnik 5. [Aa 313.] ■ — Bulletin international, classe des Sciences mathematiques et naturelles, Nr. III. [Aa 313 b.j Pressburg : Verein für Heil- und Naturkunde. Reichenberg : Verein der Naturfreunde. — Mittheil., Jahrg. 28. [Aa 70.] Salzburg: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. — Mittheilungen, Bd. XXXVI. [Aa 71.] Temesvär: Südungarische Gesellschaft für Naturwissenschaften. — Termes- zettudomänyi Füzetek, XXL köt. [Aa 216.] Trencsin: Naturwissenschaftlicher Verein für das Trencsiner Comitat. Triest : Museo civico di storia naturale. Triest: Societä Adriatica di scienze naturali. Wien: Kais. Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, Jahrg. 1896, Nr. 27; 1897, Nr. 1—26. [Aa 11.] Wien: Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. — Schriften, Bd. XXXVII. [Aa 82.] Wien: K. K. naturhistorisches Hofmuseum. ■ — Annalen, Bd. XI, Nr. 3 — 4; Bd. XII, Nr; 1. [Aa 280.] Wien: Anthropologische Gesellschaft. — Mittheil., Bd. XXVI, Heft 6; Bd. XXVII, Heft 1—5. [Bd 1.] Wien: K. K. geologische Reichsanstalt. — Verhandh, 1896, Nr. 13 — 18; 1897, Nr. 1—13. [Da 16.] - Jahrbuch, Bd. XIV— XVI; Bd. XVII, Heft 1. [Da 4.] Wien: K. K. geographische Gesellschaft. Wien : K. K. zoologisch-botanische Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XL VI, 10. Heft. [Aa 95.] Wien: Naturwissenschaftlicher Verein an der Universität. — Mittheil., 1896. [Aa 274.] Wien: Central - Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus. — Jahr- gang 1894—1896. [Ec 82.] 3. Rumänien. Bukarest: Institut meteorologique de Roumanie. — Annales, tomeXT, 1895. [Ec 75.] — Buletinul meteorologica, 1896. [Ec 75 b.] 37 4. Schweiz. Aarau : Aargauische naturforschende Gesellschaft. Basel: Naturforschende Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XI, Heft 3. [Aa 86.] Bern: Naturforschende Gesellschaft. — Mittheil.. 1895, Nr. 1373 — 98; 1896, Nr. 1399-1435. [Aa 254.] Bern: Schweizerische naturforschende Gesellschaft. — ■ Verhandl. der 78. [Zermatt 1895.] u. 79. [Zürich 1896.] Jahresversammlung. [Aa 255.] Chur: Naturforschende Gesellschaft Graubündens. Frauenfeld: Thurgauische naturforschende Gesellschaft. Freiburg: Societe Fribourgeoise des Sciences naturelles. St. Gallen: Naturforschende Gesellschaft. — Bericht für 1894 — 95. [Aa 23.] Lausanne: Societe Vaudoise des Sciences naturelles. — Bulletin, 3. ser., vol. XXXIX, no. 122; vol. XXXIII, no. 123 — 125. [Aa 248.] Neuchatel: Societe des Sciences naturelles. Schaffhausen: Schweizerische entomologische Gesellschaft. — Mittheil,, Vol. IX, Heft 10; Vol. X, Heft 1. [Bk 222.] Sion: La Murithienne, societe Valaisanne des Sciences naturelles. Zürich: Naturforschende Gesellschaft. — Viertel] ahrsschr. , Jahrg. 41, Supplement; Jahrg. 42, Heft 1 — 2. [Aa 96.] Zürich: Schweizerische botanische Gesellschaft. — Berichte, Heft 7. [Ca 24.] 5. Frankreich. Amiens: Societe Linneenne du nord de la France. — Bulletin mensuel, tome XII, no. 271—282. [Aa 252.] Bordeaux: Societe des Sciences physiques et naturelles. Cherbourg : Societe nationale des Sciences naturelles et mathematiques. Dijon: Academie des Sciences, arts et helles lettres. Le Alans: Societe d’agriculture, Sciences et arts de la Sarthe. — Bulletin, tome XXVII, fase. 4; tome XXVIII, fase. 1. .[Aa 221.] Lyon: Societe Linneenne. Lyon: Societe d’agriculture, d’histoire naturelle et des arts utiles. Lyon: Academie nationale des Sciences, helles lettres et arts. Paris: Societe zoologique de France. — Bulletin, tome XXL [Ba 24.] Toulouse: Societe Frangaise de botanique. 6. Belgien. Brüssel: Societe royale malacozoologique de Belgique. Brüssel: Societe entomologique de Belgique. — Annales, tome 39 — 40. [Bk 13.] — Memoires, tome III — V. [Bk 13 b.] Brüssel: Societe royale de botanique de Belgique. — Bulletin, tome XXXV. [Ca 16.] Gembloux: Station agronomique de l’etat. — Bulletin, no. 61 — 63. [Hb 75.] Lüttich : Societe geologique de Belgique. 7. Holland. Gent: Kruidkundig Genootschap „Dodonaea“. — Botanisch Jaarboek, 8. Jaargang, 1896. [Ca 21.] 38 Groningen ; Naturkim dig Qenootschap. — 96. Verslag, 1896. [Je 80.] Hartem: Musee Teyler. — Archives, ser. II, vol. V, p. 3. [Aa 217.] Hartem : Societe Hollandaise des Sciences. — Archives Neerlandaises, tome XXX, livr. 4-5; ser. II, tome I, livr. 1 — 3. [Aa 257.] 8. Luxemburg. Luxemburg : Societe de botanique. Luxemburg: Institut royal grand-ducal. — Publications, tome XXIY — XXY. [Aa 144.] Luxemburg : Verein Luxemburger Naturfreunde „Fauna“. — Mittheil., 1896. [ßa 26.] 9. Italien. Brescia: Ateneo. — Commentari per Fanno 1896. [Aa 199.] Catania: Accademia Gioenia di scienze naturale. — Atti, ser. IV, vol, 9* — Bullettino, fase. XLIV— XLIX. [Aa 149.] Florenz: E. Instituto. Florenz: Societa entomologica Italiana. — Bullettino, anno XXVIII, trim. 3-4. [Bk 193.] Mailand: Societa Italiana di scienze naturali. — Atti, vol. XXXVI, fase. 3 — 4; vol. XXXVII, fase. 1. [Aa 150.] — Memorie, tomo VI, fase. 1. [Aa 150b.] Mailand: B, Instituto Lombardo di scienze e lettere. — Eendiconti, ser. 2, vol. XXIX. [Aa 161.] . Modena: Societa di naturalisti. — Atti, ser. 3, vol. XIV, fase. 2. [Aa 148.] Padua: Societa Veneto Trentina di scienze naturali. — Atti, vol. III, fase. 1. [Aa 193.] Parma: Bedazione del Bullettino di paletnologia Italiana. — Bullettino, ser. III, anno XXII, no. 7 — 12; anno XXIII. [G 54.] Pisa: Societa Toscana di scienze naturali. — Memorie, vol. XV. [Aa 209. | Pom: Accademia dei Lincei. Pom : E. Comitato geologico d’Italia. — Bollettino, 1896, 4. trim. [Da 3.] Turin: Societa meteorologica Italiana. — Bollettino mensuale, ser. II, vol. XVI, no. 10 — 12; vol. XVII, no. 1 — 8. [Ec 2.] Venedig : E. Instituto Veneto di scienze, lettere e arti. Verona: Accademia d’agricoltura, arti e commercio. — Memoire, ser. III, vol. LXXII, fase. 3-4. [Ha 14.] 10. Grossbritannien und Irland. Dublin: Eoyal geological society of Irland. Edinburg: Geological Society. Edinburg: Scottish meteorological society. Glasgoiv: Natural history society. — Proceedings and transaetions, vol. IV, p. 3. [Aa 244.] Glasgoiv: Geological society. Manchester: Geological society. — Transaetions, vol. XXV, p. 1 — 11. [Da 20.] Neiccastle-upon-Tyne: Tyneside naturalists field club, und: Natural history society of Northumberland, Durham and N e wcastle-upon - Tyne. 39 11. Schweden, Norwegen. Bergen: Museum. — Aarbog for 1896. [Aa 294.] Christiania : Universität. — Barth, J. : Norronaskaller. Crania antiqua in parte Orientali Norvigiae meridionalis inventa. [Aa 25.] — Den Norske Nordhavs-Expedition 1876 — 78, Bd. XXIII u. XXIV. [Aa 251.] Christiania : Foreningen til Norske fortidsmindesmerkers bevaring. — Aars- beretning for 1895. [G 2.] — Kunst og bandverk fra Norges fortid, Supplement VII. [G 81.] Stockholm : Entomologiska Föreningen. — Entomologisk Tidskrift, Arg. 17. [Bk 12.1 Stockholm’. K. Vitterhets Historie och Antiqvitets Akademien. — Antiquarisk Tidskrift, Delen II— IX, Hft. 1-3; X, XI, 1-5; XII, XIII, 1-3; XIV, 2—3; XV, 1-2; XVI, 1—3. [G 135.] — Mänadsblad, 1887—93. [G 135 a.] Tromsoe: Museum. — Aarshefter, XVIII. [Aa 243.] Upsala: The geological institution of the university. - — Bulletin, vol. III, p. 1 (no. 5), 1895. [Da 30.] 12. Russland. Ekatharinenburg : Societe Ouralienne d’amateurs des Sciences naturelles. — Bulletin, tome XVIII, livr. 1; Rapports pour 1895. [Aa 259.] Helsingfors : Societas pro fauna et flora fennica. — Meddel., Heft 22. [Ba 20.] — Acta, vol. XI. [Ba 17.] — Botan. Sitzungsberichte, I — IV. [Cd 110b.] — Herbar. musei fennici. II, musci. [Cd 110.] Kharkow : Societe des naturalistes ä Funiversite imperiale. — Travaux, tome XXX. [Aa 224.] Kieiu : Societe des naturalistes. Moskau: Societe imperiale des naturalistes. — Bulletin, annee 1896, no. 3—4; annee 1897, no. 1. [Aa 134.] Odessa: Societe des naturalistes de la N ouvelle-Russie. — Memoires, tome XX, p. 2; tome XXI, p. 1. [Aa 256.] Petersburg : Kais, botanischer Garten. Petersburg : Comite geologique. — Bulletins, vol. XV, no. 5 — 9; vol. XVI, no. 1 — 2; supplem. au tome XV. [Da 23.] — Memoires, vol. XIV, no. 2, 4, 5; carte geologique, feuille 114: Astrachan. [Da 24.] Petersburg : Physikalisches Centralobservatorium. — Annalen, Jahrg. 1895. [Ec 7.] Petersburg: Academie imperiale des Sciences. — Bulletin, nouv. serie V, tome III, no. 2—5; tome IV — VI; tome VII, no. 1. [Aa 315.] Petersburg: Kaiserl. Russische mineralogische Gesellschaft. — Verhandle, 2. Ser., Bd. 32; Bd. 33, 2. Lief.; Bd. 34. [Da 29.] — Materialien zur Geologie Russlands, Bd. XV HL [Da 29b.] Piga: Naturforscher -Verein. — Korrespondenzblatt, XXXIX. [Aa 34.] II« A. merika. 1. Nord-Amerika. (Canada, Vereinigte Staaten, Mexiko.) Albany: New York state museum of natural history. — Annual report 48. [Äa 119.] 40 Baltimore: John Hopkins university. — University circulars, vol. XVI, no. 128 — 133. [Aa 278.] — American journal of mathematics, vol. VIII, no. 8—4. [Ea 38.] — American Chemical journal, vol. XVIII, no. 7 — 10; vol. XIX, no. 1—4. [Ed 60.] — - Studies in histor. and politic. Science, ser. XIV, no. 8 — 12; ser. 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XIII, Heft 3—4; Bd. XIV, Heft 1—2. [Ee 16.] Zeitschrift , Oesterreichische botanische, Jahrg. 47. [Ca 8.] Zeitung , botanische, Jahrg. 55. [Ca 9.] Abgeschlossen am 31. December 1897. C. Schiller, Bibliothekar der „Isis“. Zu besserer Ausnutzung unserer Bibliothek ist für die Mitglieder der „Isis“ ein Lesezirkel eingerichtet worden. Gegen einen jährlichen Beitrag von 3 Mark können eine grosse Anzahl Schriften bei Selbstbeförderung zu Hause gelesen werden. Anmeldungen nimmt der Bibliothekar entgegen. Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft ISIS in Dresden. 1897. VI. Ueber Massregeln zur Erhaltung und Erforschung der urgeschichtlichen Altertliümer im Königreich Sachsen. Yon Dy. J. Deicbmüller. Die geschichtlich verbürgten Nachrichten über die Entwickelung unseres Volkes fliessen um so spärlicher, je früheren Zeiten sie ent- stammen, und für die älteste Vergangenheit versiegen die Quellen der Ueb erlief erung gänzlich. Nur dunkle Andeutungen, welche die Sage giebt, und gelegentlich im heimischen Boden gefundene Gegenstände unbekannter Herkunft, welche aber zweifellose Spuren menschlicher Arbeit und Kunst- fertigkeit an sich tragen, beweisen, dass unsere Gegenden bereits zu einer Zeit, die weit vor dem Beginne der Geschichte zurückliegt, von Menschen bewohnt waren. Schon frühzeitig haben diese Zeugen einer urgeschichtlichen Ver- gangenheit unseres Volkes die Aufmerksamkeit denkender Menschen erregt, doch erst der Gegenwart ist es Vorbehalten geblieben, das Interesse für dieselben zu verallgemeinern, in weitere Kreise zu tragen und den hohen Werth dieser oft unscheinbaren Ueberreste für die Erforschung der Ur- geschichte zu würdigen. Sind die von so Manchem bespöttelten Scherben und Urnen, mangels schriftlicher Aufzeichnungen, oft doch die einzigen und letzten Zeugen des Vorlebens unserer Nation 1 Es muss daher die Pflicht eines jeden Vaterlandsfreundes sein, dafür Sorge zu tragen, dass diese spärlichen Ueberreste nicht vernichtet werden, sondern erhalten bleiben, und die letzten Erinnerungen an ein unter- gegangenes Geschlecht gesammelt werden. Denn nur hierdurch wird es möglich, das über der Urgeschichte unseres Landes schwebende Dunkel allmählich zu lichten und aus den schweigenden Zeugen der Vergangenheit die Geschichte seiner Bevölkerung zu erforschen. Die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der rasch lebenden Gegenwart mit ihren gewaltigen Fortschritten auf den Gebieten der Technik, der Industrie und der Landwirtschaft üben nun einen geradezu vernichtenden Einfluss auf das aus, was an altehrwürdigen Resten einer urgeschichtlichen Vergangenheit noch erhalten ist, und es ist hohe Zeit, dafür zu sorgen, dass die urgeschichtlichen Denkmäler, soweit sie noch vorhanden sind, mit allen Mitteln vor der Vernichtung geschützt oder, wenn ihre Beseitigung nicht zu umgehen ist, wenigstens der wissenschaft- lichen Forschung der Gegenwart und Zukunft in Sammlungen erhalten bleiben. 50 Die immer weiter fortschreitende Entwickelung unseres Eisenbahn- und Strassennetzes giebt sehr oft Veranlassung zur Entdeckung uralter Grabstätten, deren Bedeutung und Werth nur in den seltensten Fällen erkannt werden. Die im Erdboden ruhenden Urnen mit den Gebeinen unserer Vorfahren und den über den Culturzustand derselben vor Tausenden von Jahren Aufschluss gebenden, meist unscheinbaren Schmuck- und Ge- hrauclisgegenständen werden zumeist von den Arbeitern aus Unkenntniss oder in der Erwartung, darin Geld oder Werthsachen zu finden, zer- schlagen; die hei den Wasserbauten und Stromregulirungen sich nicht selten in den Flussgeröllen findenden, durch weiten Transport im fliessenden Wasser oft abgerollten und mehr oder weniger unkenntlich gewordenen uralten Stein- und Bronzegeräthe werden achtlos bei Seite geworfen oder wandern mit dem Flussschotter in die Ausfüllungsmassen von Untiefen oder in die Anschüttungen von Strassen- und Eisenbahnkörpern, in deren Innerem sie dann für immer verschwinden, wenn nicht zufällig das Auge eines kundigen Ingenieurs sie vorher erblickt oder ihre eigentümliche Form und ihr Material den Finder veranlasst, sie als Merkwürdigkeit auf- zuheben oder zu verkaufen, sodass sie in der Folge der wissenschaftlichen Forschung noch zugänglich werden. In gleicher Weise bewirkt die Forst- wirtschaft mit ihren ausgedehnten Bodenveränderungen und Rodungen, dass immer mehr urgeschichtliche Denkmäler verschwinden. Besonders häufig geschieht dies durch die moderne Landwirtschaft, deren verbesserte Hilfsmittel viel tiefer als die früheren in den Boden eindringen. Nur selten werden die beim Ackern vom Pfluge angeschnittenen, unter der Ackerkrume verborgenen Feuerstätten beachtet, an denen die Bewohner unseres Landes in der Steinzeit vor mehr als 3000 Jahren gesessen und in denen sie Hunderte von Gefässscherben, zerbrochene Steingeräthe und mancherlei Reste des täglichen Gebrauchs als letzte Zeugen ihrer An- wesenheit zurückgelassen haben. Vereinzelte, durch die Pflugschar zu Tage geförderte Steinwerkzeuge werden beim Ablesen der Felder auf die Stein- haufen an den Rainen und Buschrändern geworfen, wo sie entweder dem Hammer des Steinklopfers verfallen und zur Wegbesserung verwendet oder beseitigt werden, wenn bei den in der Jetztzeit häufigen Grundstücks- zusammenlegungen die Geröllhaufen mit den Feldrainen verschwinden. Die Gräberfelder der Metallzeit werden beim Pflügen zerstört, die zu Tage kommenden Gefässscherben bleiben unbeachtet liegen, bis atmosphärische Einflüsse sie zerstören oder unkenntlich machen, ohne dass ihr Vorkommen zuvor bekannt geworden ist und zu wissenschaftlicher Nachforschung Ver- anlassung gegeben hat. Die oft ausgedehnten Schanzen und Wälle, deren Anlage zumeist durch die während der Völkerwanderung eingewanderten Slaven in der zweiten Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrtausends erfolgte und die unzweifelhaft die reichsten Fundgruben für die Be- urtheilung der Cultur jener Zeit sind, werden abgetragen und geebnet, weil sie entweder ein Hinderniss für die Bestellung der Fluren bilden oder ihr aus Lehm, Mergel, Asche, Knochen etc. bestehendes Material sie in hohem Grade zur Verbesserung des Bodens geeignet macht. Unzählige dieser urgescliichtlichen Denkmäler sind bereits ver- schwunden, ihr ehemaliges Vorhandensein wird theils durch Sagen an- gedeutet, die sich an die Oertlichkeit knüpfen, theils ist es noch einzelnen älteren Leuten bekannt, mit deren Ableben aber auch jede Erinnerung an dieselben verschwinden wird; andere fallen in der Jetztzeit der Zerstörung 51 anheim. Wenn die Wissenschaft der Zukunft den jetzigen Geschlechtern nicht mit Recht den Vorwurf machen soll, dass sie aus Theilnahmlosigkeit die ehrwürdigen Zeugen der Vergangenheit zu Grunde gehen Hessen, wenn die Erforschung der Urgeschichte unseres Volkes nicht für immer lückenhaft oder auf unsicheren Combinationen begründet bleiben soll, ist es dringend nothwendig, bei Zeiten für durchgreifende Massregeln zum Schutze und zur wissenschaftlichen Durchforschung unserer Urgeschichtsdenkmäler Sorge zu tragen. Denn fast täglich ist dem Fachmann Gelegenheit geboten, zu beobachten, wie unsere heimischen Alterthümer nicht allein von Arbeitern, sondern auch von Leuten, bei denen man auf Grund ihrer Bildung wohl ein höheres wissenschaftliches Interesse voraussetzen könnte, aus Un- kenntnis vernichtet oder aus reinem Sammlerinteresse in einer für wissen- schaftliche Zwecke völlig ungeeigneten Weise dem heimischen Boden ent- nommen, wie die gefundenen Gegenstände verschleppt, zum Theil ins Ausland weggeführt, wie sie in Privatsammlungen aus Unwissenheit und Nachlässigkeit derart behandelt werden, dass der Besitzer nach Jahren oft selbst oder nach seinem Ableben dessen Erben nicht mehr wissen, woher die nicht selten unschätzbaren Funde stammen, wie in Folge einer derartigen Behandlung alljährlich eine grössere Zahl urgeschichtlicher Reste für die Wissenschaft verloren geht. Deshalb ist es wohl ein Gebot der Nothwendigkeit, dass hierin recht- zeitig eine Wandelung herbeigeführt werde vor Allem dadurch, dass in den weitesten Kreisen die nöthigen Kenntnisse über die Bedeutung und den wissenschaftlichen Werth und über eine sachgemässe Behandlung unserer Alterthumsfunde verbreitet und dass dieselben, soweit es möglich, gesetzlich gegen Zerstörung geschützt werden. Dass dies nur von Seiten des Staates geschehen kann, ist wohl zweifellos, wenn überhaupt ein Erfolg erreicht werden soll. In der richtigen Erkenntniss von der Wichtigkeit vorgeschichtlicher Alterthümer für die Klarlegung der Urgeschichte eines Landes haben nun verschiedene Staaten bereits seit Jahren durch Gesetze und Verordnungen für Erhaltung und Schutz der vorgeschichtlichen Denkmäler, für Belehrung der Bevölkerung in ausgedehntem Masse und für Inventarisirung der innerhalb der Landesgrenzen noch vorhandenen und zerstörten urgeschicht- lichen Reste, soweit letztere noch bekannt waren, gesorgt, so in den skandinavischen Ländern, in Preussen, Bayern, Württemberg, in den Ländern der österreichischen Monarchie. In Schulen und Seminarien wird den Schülern durch Wandtafeln, auf welchen die charakteristischen Typen verschiedener urgeschichtlicher Zeitabschnitte dargestellt sind, Anleitung gegeben, worauf vor Allem zu achten ist; die bei Staatsbauten, im Forst- wesen und staatlichen Landwirtschaftsbetriebe beschäftigten Techniker und Beamten sind auf dem Verordnungswege angewiesen, die gelegentlich gefundenen Alterthümer sofort einer staatlichen Centralstelle oder der Direction einer Staatssammlung anzuzeigen und es dieser hierdurch zu ermöglichen, rechtzeitig die zur Ausbeutung der Fundstelle nöthigen Mass- regeln zu ergreifen; strenge Verbote verhindern, dass Unberufene durch unvorsichtige Ausgrabung die auf Staats- oder Gemeindegrund gelegenen Denkmäler einer unbekannten Vorzeit beschädigen; vor Allem werden auch die im Lande vorhandenen urgescliichtlichen Reste inventarisirt, ehe sie der V ernichtung anheimfallen. Unschätzbare Erfolge der letzteren Massregel sind die werthvollen vorgeschichtlichen Fundkarten, welche z. B. unter Beihilfe 52 der Staatsregierungen für Westpreussen, die Mark Brandenburg, Hannover, Bayern, Holienzollern, Thüringen bereits erschienen oder in Vorbereitung sind. Innerhalb des Königreichs Sachsen ist in dieser Hinsicht bisher nur sehr wenig gethan worden; das Wenige beschränkt sich auf einige Ver- ordnungen, durch welche die Verwaltungsbehörden des Landes aufgefordert werden, derartige, bei staatlichen Bauten gemachte Funde zur Anzeige zu bringen, leider jedoch nicht bei den Staats- Sammlungen (Verordnung vom 1L Mai 1872). Welch’ geringen Erfolg diese Verordnungen gehabt haben, beweist z. B. der Fall, dass beim Bau des neuen Bahnhofes in Dresden -Friedrichstadt ein ausgedehntes Urnengräberfeld entdeckt wurde, aus welchem die Arbeiter Hunderte von Urnen vernichteten, ehe die Direction der K. prähistorischen Sammlung im Zwinger in Dresden Kenntniss von diesem reichhaltigen Fundplatze erhielt. Dann war es freilich zu spät, um noch eine grössere Anzahl der interessanten Fundgegenstände für die Staatssammlung zu retten. Sicher wäre dies bei einer sofortigen Anzeige der ersten Funde möglich gewesen. Unser Sachsenland ist durch seine geographische Lage im Herzen Deutschlands dazu berufen, zur Lösung wichtiger Fragen über den Zu- sammenhang der Culturen von Nord- und Süd-Europa nicht unwesentlich beizutragen. Deshalb ist es eine Pflicht unserer hohen Staatsregierung, auch ihrerseits zur Erhaltung und Erforschung der vorgeschichtlichen Denkmäler unserer engeren Heimath beizutragen. Wenn dies mit einiger Aussicht auf Erfolg geschehen soll, so ist in erster Linie dafür zu sorgen, dass diejenigen Berufsklassen, die durch ihre Thätigkeit am ehesten Gelegenheit haben, der Urgeschichtsforschung wirk- same Hilfe zu leisten — neben den Geistlichen vor Allem die Lehrer, Techniker, Forstleute und Landwirthe — auch in den Stand gesetzt werden, an den Lehranstalten, wo sie für ihren Beruf vor- gebildet werden, sich diejenigen Kenntnisse zu erwerben, die ihnen zu dem gedachten Zwecke später von Werth sind. Ihnen muss auf ihren Bildungsstätten eine allgemeine Uebersicht über die bis- herigen Resultate der Urgeschichtsforschung gegeben, ihnen muss an Fund- gegenständen oder an guten Abbildungen gezeigt werden, worauf sie in erster Linie zu achten und wie sie die Funde zu behandeln haben, um dieselben der wissenschaftlichen Forschung nutzbar zu machen. Wohl Niemand hat nun so viel Gelegenheit, ausserhalb der Städte auf den dörflichen Fluren, die naturgemäss noch heute die ergiebigsten Fundstellen von Ueberresten aus grauer, unbekannter Vorzeit sein müssen, auf urgeschichtliche Alterthümer zu achten und von den Landleuten und deren Kindern Kenntniss von solchen zu erlangen, wie die Lehrerschaft. Nicht zu unterschätzen ist hierbei das Vertrauen, welches gerade der Lehrer, in Gemeinschaft mit dem Geistlichen, bei unserer, bekanntlich oft recht schwer zugänglichen und misstrauischen Landbevölkerung geniesst. Ihm wird man sicher leichter eine Mittheilung geben, als einem un- bekannten Fremden oder von der Regierung gesendeten Beauftragten, vor Allem in Gegenden, wo dem Letzteren die Beherrschung der fremden Umgangssprache, wie in der Lausitz die wendische, Schwierigkeiten macht. Dem Lehrer muss Gelegenheit gegeben sein, auf seiner Bildungsstätte, dem Seminare, bei der Einführung in die Geschichte der Heimath auch das Interesse und das Verständniss für die heimische Vorgeschichte zu erlangen; hier müssen ihm die nothwendigsten Kenntnisse von der Wichtig- 53 keit und der Bedeutung der oft so unscheinbaren Ueberreste und von deren sachgemässer Behandlung gelehrt werden, damit er später in seinem ländlichen Wirkungskreise auf seine Schüler anregend einwirken und sie veranlassen kann, auf derartige Altsachen zu achten und sie ihm vorzu- legen, sodass er in den Stand gesetzt wird, dieselben zunächst zu er- halten und dann zu weiteren systematischen Nachforschungen Veranlassung zu geben. Dass hierzu die Anlage kleiner Lehrsammlungen vor- geschichtlicher Alterthümer ebenso nothwendig ist, wie für die natur- wissenschaftlichen Disciplinen, ist zweifellos. Derartige kleine Sammlungen brauchen ja nicht immer Originale zu enthalten; von werthvolleren und selteneren Sachen, wie Steinbeilen und Metallgegenständen, genügen auch gute, naturgetreue Nachbildungen. Die in mehreren anderen Staaten des deutschen Reiches als Unterrichtsmittel bereits eingeführten oder vorbe- reiteten Anschauungstafeln mit den wichtigsten vorgeschichtlichen Typen würden ausserdem eine zur Erreichung des Zweckes nicht zu unterschätzende Hilfe gewähren, wie es überhaupt höchst wünschenswerth wäre, derartige Tafeln als Anschauungsmittel an alle Schulen des Landes zu vertheilen. Doch nicht allein der Lehrer kann bei der Vorgeschichtsforschung mitwirken, auch andere Kreise, die in ihrer Thätigkeit auf die freie Natur mehr oder weniger angewiesen sind, müssen hier unterstützend eingreifen: Eisenbahn-, Wasserbau-, Strassenbautechniker, Forstleute und Landwirthe. Auch diese müssen auf ihren beruflichen Bildungsstätten in gleicher Weise wie die Lehrerschaft zur Hilfe bei der Erforschung der heimischen Vorgeschichte herangezogen und herangebildet werden. So wichtig und nothwendig nun auch diese in erster Linie auf Be- lehrung der Bevölkerung über die Bedeutung der heimischen Alterthümer gerichteten Massregeln sind , so kann durch dieselben allein der Zweck, die Erforschung der Urgeschichte unseres Volkes zu fördern und das über derselben schwebende Dunkel zu lichten, nicht erreicht werden, wenn nicht seitens des Staates auch die im Lande noch vorhandenen oder in Zukunft entdeckten Alterthümer durch Gesetze und Verordnungen nach Möglichkeit vor der Vernichtung geschützt werden. Es muss vor Allem verhindert werden, dass die urgeschichtlichen Alter- thümer vom Erdboden verschwinden oder ausser Landes wan- dern, ehe die heimische Forschung von ihrem Vorhandensein Kenntniss erlangt und ihre Bedeutung für die Urgeschichte des Landes festgestellt hat. Welche Massnahmen zur Erreichung dieses Zweckes zu ergreifen sein würden, lehrt das Beispiel anderer Staaten, wie Preussens, Oesterreichs, Skandinaviens, in welchen Fundgesetze und Verordnungen verbieten, dass die auf Staats- oder Gemeindegrund gelegenen Denkmäler aus urgeschicht- licher Zeit ohne Erlaubniss der Staatsregierung ausgegraben oder beseitigt werden. In Preussen z. B. haben die Minister für Landwirtschaft und des Inneren Verfügungen in Betreff der Liegenschaften der städtischen und ländlichen Gemeinden getroffen, nach welchen eigenmächtige Ausgrabungen und die Verschleppung der dabei gewonnenen Fundstücke untersagt sind, und die Denkmäler der Vorzeit ausdrücklich als Gegenstände von be- sonderem geschichtlichen und wissenschaftlichen Werthe erklärt werden, zu deren Veräusserung und wesentlicher Veränderung, insbesondere Auf- grabung, Blosslegung, Zerstörung ihres äusseren Ansehens, gänzlicher oder theilweiser Entfernung ihres Inhalts, sei es durch die Gemeinde selbst oder 54 mit ihrer Erlaubniss durch Dritte, ein Gemeindebeschluss — und auf Grund des gütigen Zuständigkeitsgesetzes, der Städte- und Landgemeinde Ordnung, dessen Genehmigung durch die Vorgesetzte Aufsichtsstelle erforderlich ist. In anderen Staaten bestimmen Gesetze und Verordnungen, dass alle urgeschichtlichen Denkmäler und Funde einer staatlichen Central- stelle angezeigt werden müssen. Als empfehlens wertheste Einrichtung dieser Art ist wohl die in Oesterreich eingesetzte „K. K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale“ zu bezeichnen, welche durch ihre in allen Ländern des ausgedehnten Reiches angestellten Conservatoren Kenntniss von den urgeschichtlichen Funden erlangt. Diese Conservatoren sind gleichzeitig verpflichtet, die Ausgrabung und Erhaltung der auf Staats- oder Gemeindegrund und, soweit die bestehenden Gesetze es gestatten, auch auf Privatboden ge- fundenen Alterthümer zu überwachen. Hierdurch wird nicht allein der Zerstörung derselben durch Laien oder Unberufene vorgebeugt, sondern es wird vor Allem auch erreicht, dass derartige Funde von Fachleuten geprüft werden können, ehe sie der Finder veräussert, und andererseits wird dem Staate zuerst Gelegenheit ge- geben, eventuell die für die Urgeschichte des Landes bedeutungsvollen Fund- gegenstände für die Staatssammlungen selbst zu erwerben, oder, wenn dies nicht unbedingt nöthig ist, Provinzialstädten oder Vereinen, welche für Erforschung und Erhaltung der heimischen Vorgeschichtsdenkmäler thätig sind, zu ermöglichen, dieselben für ihre Sammlungen anzukaufen, erforder- lichen Falls selbst durch vom Staate zu gewährende finanzielle Beihilfen. Eine ähnliche Einrichtung Hesse sich wohl leicht auch für das König- reich Sachsen treffen, wenn die hier seit dem vorigen Jahre bestehende „Königl. Sächsische Kommission für Geschichte“ durch Berufung eines oder mehrerer mit den urgeschichtlichen Verhältnissen Sachsens vertrauten Mitglieder erweitert und ihr Arbeitsgebiet auch auf die urgeschichtlichen Denkmäler ausgedehnt würde, oder, was wohl das Empfehlenswertheste und Richtigste wäre, die Direction der K. prähistorischen Sammlung in Dresden als diejenige staatliche Centralstelle ernannt würde, bei welcher die urgeschichtlichen Funde sofort anzuzeigen sind. Diese Anzeige pflicht müsste sich zunächst erstrecken auf alle Funde, welche auf Staatsgrund und bei Staatsunternehmungen gemacht w erden. Die hierbei beschäftigten Techniker, Forstleute, Landwirthe und anderen Beamten müssen verpflichtet werden, dieselben sofort bei der Commission oder bei der Direction der Staatssammlung anzuzeigen, damit diese bei ausgedehnteren Fundplätzen rechtzeitig weitere Massregeln zur wissenschaftlichen Ausbeutung ergreifen können, sowie die Fund- gegenstände selbst an die Staatssammlung zur Aufbewahrung abzuliefern, um eine Beschädigung oder Zerstörung derselben zu ver- hüten und so dem Staate die auf seinem Grund und Boden gefundenen Alterthümer zu erhalten. Zur vollständigen Erreichung dieses Zweckes ist es weiter unbedingt erforderlich, dass Ausgrabungen nach ur- geschichtlichen Alterthümern auf staatlichem Grund ohne Ge- nehmigung der Staatsregierung und ohne Hinzuziehung eines Sachverständigen streng untersagt werden, wie dies in einzelnen Fällen in Sachsen bereits geschehen ist, so z. B. für die interessante Gruppe von Hügelgräbern im Thümmlitzer Walde bei Leisnig auf dem Staatsforst- revier Seidewitz. 55 Die gleiche Anzeigepflicht und das Verbot unbefugter Aus- grabungen würde auch Gemeinden aufzuerlegen sein. Auch diese müssten gesetzlich verpflichtet werden, die auf ihrem Grundeigenthum entdeckten Alterthumsfunde der staatlichen Centralstelle sofort zu melden, und es müsste ihnen untersagt werden, dieselben zu veräussern, ehe deren wissenschaftlicher Werth von einem mit der Untersuchung beauftragten Fachmann geprüft worden ist. Dagegen dürfte es nach den bestehenden Gesetzen wohl rechtlich unmöglich sein, Gemeinden zu zwingen, die auf ihrem Grund und Boden gefundenen Alterthümer an die Staatssammlung abzugeben, selbst gegen eine vom Staate festgesetzte Entschädigung. Als höchst wünschenswerth wäre es zu bezeichnen, wenn auch Privat- leute veranlasst werden könnten, die auf ihrem Grundbesitz aufgefundenen Alterthümer zur Kenntniss einer staatlichen Commission zu bringen und eine wissenschaftliche Prüfung derselben zu gestatten. Um eine möglichst vollständige Uebersicht über alle im Lande vorhandenen urgeschichtlichen Alterthümer zu erlangen, würde es sich empfehlen, durch Vermittelung der K. Amtshauptmann- schaften und der Schulbehörden an alle Gemeindebehörden und auch an alle Lehrer des Landes Sammelbogen nach Muster des von der Vereinigung Thüringischer Alterthums -Vereine ausgegebenen mit dem Er- suchen zu versenden, dieselben, nach Eintragung aller ihnen in ihrem Wirkungsbereiche bekannt gewordenen Funde, an eine von der Staatsregierung bestimmte Centralstelle zurück- zusenden. Nur auf diese Weise würde es möglich werden, eine Inven- tarisirung aller urgeschichtlichen Ueberreste innerhalb der Landesgrenzen auszuführen und so einen Ueberblick über die Culturzustände des Landes vor dessen Eintritt in die Geschichte zu erlangen. VII. Sardinische Tertiärpflanzen. Von Prof. H. Engelhardt. Ein ziemlich reiches Material von pflanzlichen Tertiärfossilien Sar- diniens, das von Herrn Prof. Lovisato in Cagliari im Laufe der Jahre gesammelt wurde und mir durch die Vermittelung des Herrn Dr. Sterzei in Chemnitz zukam, konnte von mir durchgesehen werden. Es ist insofern von grossem Werthe, als uns über die in den tertiären Schichten dieser Insel eingeschlossenen Pflanzenreste bisher nur kärgliche Nachrichten zu- kamen*) und halte ich es deshalb für Pflicht, nachfolgende Notiz zu ver- öffentlichen, wobei ich mich auf die von oben genanntem Gelehrten ge- gebenen Altersangaben der Fundstätten beziehen werde. Mittleres Eocän. Aus dem äusserst feinkörnigen röthlichen Sandstein der Braunkohlen- grube von Bacu-Abis (Gonnesa, Dorf in der Provinz Cagliari): Sabal Lamanonis Heer (?). Es kann nur eine Vermuthung ausge- sprochen werden, da bloss tiefgefaltete, gestreifte Blattstrahlentheile vor- handen sind, die Rhachis aber fehlt. Juglans Ungeri Heer. Eine Platte mit Gegenplatte zeigt ein Blatt von der Grösse des in Rossmässler, Altsattel, Taf. 4, Fig. 16 abgebildeten; das andere ist 18 cm lang und hat 11 cm grösste Breite, ist somit das grösste bis jetzt bekannt gewordene. Beide sind wahre Prachtexemplare. Tongrien oder Aquitanien. Aus dem feinkörnigen festen Sandstein von Nurri (Dorf in der Pro- vinz Cagliari), welcher an unsere Süsswasserquarzite erinnert, aber sich durch die von ihm eingeschlossenen Conchilien und Seeigelgehäuse als marine Bildung erweist: Pinus Lardyana Heer. Mehrere Zapfenabdrücke, welche die Schilder, an einigen Stellen auch die vollständigen Schuppen sehr schön erhalten zeigen. Sonst noch eine Anzahl verletzte Zapfen. Pinus Ferrerii Massai. Ein Zapfenabdruck zeigt deutlich die kaum hervortretenden, an der Spitze gerundeten Schuppen, ein anderer auch die versteinerten Samen. *) Menegliini: Voyage en Sardaigne. — Bozzi: Sopra una specie pliocenica di Pino trovata a Castelsardo in Sardegna. 57 Pinus Haidingeri Ung. Ein Zapfen. Unbestimmbare Theile eines grösseren Zapfens. Stammstücke, von denen Partieen in Faserkalk, andere in Braun- kohle verwandelt sind. Möglicherweise Langliian. Aus den Thonmergeln des Beckens von Perfugas (Gemeinde in der Provinz Sassari an der Nordküste): Auf einem Blattfetzen , der die Nervatur von Apocynophyllum zeigt, befinden sich eine Anzahl kreisrunde oder etwas längliche Pilze, welche Sphaeria anmdus Gaud. nahestehen. Arundo Göpperti Heer. Ein Blattfetzen. Die Spitze eines Blattes, welches Salix angusta Al. Br. angehören dürfte. Grössere Blattstücke von Salix angusta Al. Br. V 'accinium Empetrites Ung. Ein wohlerhaltenes Blatt. Cfr. Carya Heeri Ett. Nur der untere Theil eines Blättchens ist zu sehen, der obere von anderen Pflanzenresten bedeckt. Soweit es erhalten, stimmt es mit den Blättchen dieser Art überein: Eucalyptus oceanica Ung. (?). Ein Blattspitzenstück. Aus demselben Becken von Sa E untana de Su Turchis: Ein Blattstück, höchst wahrscheinlich zu Apocynophyllum gehörig, mit Sphaeria sp. Palmacites sp. Blattstrahlentheile. Arundo Göpperti Heer. Ein Blattstück. Phragmites oeningensis Al. Br. Ein grosses Blattstück mit beinahe durchgängig gut erhaltener Nervatur. Ein kleineres. Ein Halmbruchstück von der Breite der Halme von Poacites repens Heer, auch so fein gestreift. Poacites caespitosus Heer. Ein Blattstück mit deutlich sichtbarer Nervatur. Poacites laevis Al. Br. Mehrere Blattstücke mit gut erhaltener Nervatur. Poacites Procaccinii Massai. Ein Blattstück. Cfr. Poacites arundinarius Ett. Ein kleines Bruchstück. Cyperites sp. Glyptostrohus europaeus Heer. Ein verästeltes und ein unverzweigtes Zweigstück. Quercus myrtilloides Ung. Ein Blatt. Cfr. Quercus Weberi Heer. Das Spitzenstück eines Blattes, das in Breite, Bezahnung und Nervatur mit den Schweizer Stücken übereinstimmt. V 'accinium reticulatum Al. Br. Ein Blatt. Santalum acheronticum Ett. Ein Blatt. Cfr. Gastrolobium andromedoides Massai. Vordere Hälfte eines Blattes. Gleditschia Wesseli Web. Ein Blättchen. Aus dem Becken von 0 schiri (Dorf in der Provinz Lassari im Norden) in einem viele Pflanzenreste umschliessenden Hornstein, der an der Ober- 58. fläche der Verwitterung anheimgefallen ist und da ein weisses dem Kessel- stein oder Kalktuff gleichendes Aussehen erhalten hat. (Bei einem grossen 3 cm dicken Stücke zeigen sich nur noch durch Verwitterungsmasse ge- trennte, aber auch bereits matt gewordene Hornsteinfragmente, an einer Stelle eine Ader von Chalcedon): Phragmites oeningensis Al. Br. Ein Stengelstück. Poacites laevis Al. Br. Ein Halmstück. Ein zweites gehört wahr- scheinlich hierher, wie auch eine grössere Anzahl von Abdrücken von solchen auf diese Art hindeuten mögen. Cfr. Poacites angustus Heer. Halmstücke von 1,5 mm Durchmesser. Poacites sp. Ein herausgeschältes Halm stück von 1 cm Durchmesser, das die Streifung nur an winziger Stelle zeigt, darum nicht näher bestimmt werden kann. Cyperites reticulatus Heer. Ein zusammengedrücktes Halmstück. Populus sp. Ein Stück Stengel mit länglichen Narben. Aus den sandigen Schiefern derselben Localität: Unbestimmbare Zweig- und Stengelstücke. LangMan. Aus dem sehr feinkörnigen dunkelgrauen Sandstein von Castelsardo (Festung und Hafenstadt an der Nordküste): Eine grosse Anzahl von Zapfen und Zapfenstücken, von denen vielfach nur einzelne Partieen sichtbar sind, welche z. Th. Spuren der Abrollung zeigen. Durch vorsichtiges Ausmeisseln Hessen sich manche derselben freilegen. Indem ich von der Beschreibung der einzelnen Stücke absehe, bemerke ich nur, dass ein Zapfen von Pinus sp. und mehrere Stamm- stücke sich in Calcit umgewandelt vorfanden, dann ein Stammstück, mit Teredogängen, die mit Calcit bekleidet oder ausgefüllt sind, ferner ein in Pechopal umgewandeltes Stammstück mit zahlreichen schmalen Jahresringen vorhanden waren. Die Zapfen erwiesen sich angehörig: Pinus Haiding eri Ung. Pinus Strozzi Gaud. Die Mehrzahl aller Zapfen. Pinus vexatoria Gaud. Pinus Laricio Thomasiana Göpp. Pinus pinastroides Ung. (?) Aus dem Thonmergel von Fangario bei Cagliari stammen eine grössere Anzahl von Fossilien. Die Blätter sind durchgängig mit einer verschieden dicken gelbbraunen bis rothen Eisenschicht bedeckt, welche dieselben von dem grauen Mergel stark abhebt, aber auch die Bestimmung wegen der Verwischung der Nervation, die nur stellenweise gut erkannt werden kann, äusserst schwierig, ja zuweilen ganz unmöglich macht, wes- halb eine Reihe als unbestimmbar bezeichnet werden musste. Einmal zeigte sich die Blattmasse abgesprengt und der Abdruck konnte als ebenso gut von Ficus als von Populus herrührend bezeichnet werden. Die übrigen Reste gehören an: Fasciculites sp., bestehend aus parallelen dichtgedrängten, festen weissen Gefässbündeln, welche in chocoladenbrauner erdiger Braunkohle lagern. 59 Petiolus Flabellariae. Arundo Göpperti Münst. sp. Ein Rhizom. Typha latissima Al. Br. Ein Blattstück. Cf. Pinus pinastroides Ung. Ein langer gespaltener Zapfen, an dem die Schilder nicht zu erkennen sind. Der übrige Theil der Schuppen ist entsprechend. Querem chlorophylla Ung. Drei Blätter. Ficus Maravignae Massai. Ein Blatt. Ficus obtusata Heer. Ein Blatt. Ficus Columetlae Massai. Ein Blatt. Ficus midtinervis Heer. Zwei Blattstücke; Laurus sp. Die Hälfte eines Blattes. Diospyros brachysepala Al. Br. (?) Mehrere Blätter. Bumelia Oreadum Ung. Zwei Blätter. Porana oeningensis Heer. Ein Blatt. Cfr. Magnolia Dianae Ung. Ein Blatt. Andromeda Vetidoniae Massai. Ein Blatt. Olea Osiris Ung. Drei Blätter. Arbutus diospyrifolius Massai. Ein Blatt. Erythroxylon laurinum Massai. Ein Blatt. Carya costata Stbg. sp. Mehrere wohl erhaltene Früchte. Juglans Blancheti Heer. Mehrere wohl erhaltene Früchte. Juglans acuminata Al. Br. Eine Nuss. Palaeolobium sotzJäanum Ung. Ein Blättchen. Microtropis Peddi Massai. Ein Blättchen. Cassia Berenices Ung. Zwei Blättchen. Cassia phaseolites Ung. Vier Blättchen. Leguminosites sp. Ein Stück einer Hülse; Im Uebrigen seien ein Blatt mit Minirlarvengängen, ein Ast mit Borken- käfergängen, eine grössere Zahl Stengelabdrücke, ein Stück sehr leichten, röthlich-braunen, wohl von einer dikotyledonen Pflanze herrührenden Lignits und mehrere Fruchtschalen erwähnt. Ein grosses Stück möchte ich als Zoophycus ähnlich bezeichnen. Bei ihm findet sich keine Spur organischer Masse. Es erweckt den Eindruck, als hätte fliessendes Wasser die nicht immer regelmässigen Vertiefungen und Erhöhungen hervorgerufen. Helvetien. Aus dem tlionigen Kalke des Monte San Micheli bei Cagliari: Arundo Göpperti Heer. Ein zusammengepresstes Rohrstück von 13 cm Länge und 5 cm Breite. Ein kleineres von derselben Breite. Cylindrites convolutus Fisch.- Ost. Eine grössere Anzahl Stücke von verschiedener Länge und Dicke, welche sehr an Spongia saxonica Gein. aus dem Quadergebirge Sachsens erinnern. Cylindrites compressus Fisch. -Ost. Eine grosse Anzahl Stücke. 60 Cylindrites sp. Ein fast durchgängig 4 cm im Durchmesser haltendes Stück zeichnet sich vor allen anderen aus. An der Aussenseite wechseln gerundete convexe Querleisten mit concaven Vertiefungen ab. Der an mehreren Stellen vollzogene Querbruch zeigt eine kreisförmige, gelblich gefärbte Kernpartie von etwa 2 cm Durchmesser, welche durch den ganzen Cylinder an Grösse und Farbe gleich bleibt und von einer 1 cm mächtigen Ringpartie von weissem thonigem Kalke umgeben wird. Der innere Cylinder zeigt an einer Stelle eine längliche, nur bis an die Rindenpartie hinanreichende Höhlung. Zusatz. Ein unter den Cylindriten liegendes Stück dürfte nichts anderes sein, als die Ausfüllung einer von einem Wurme herrührenden Röhre. Ein anderes erwies sich als ein viel Fischschuppen und Gräten zeigender, jedenfalls von einem Raubfische herrührender Coprolith. Localitäten ohne Angabe des geologischen Alters. Aus dem Mergel von Sanluri (Flecken in der Provinz Cagliari): Sphaeria pristina Ett. auf einem Grasblattstück. Aus dem feinkörnigen, harten, im Innern grauen, an der Oberfläche hellgelblichen Sandsteine von Man das (Flecken in der Provinz Cagliari): Drei gut erhaltene Bruchstücke von Zoophycus , welche mit Z. Brian - teus Massai, völlig übereinstimmen, daher von mir zu ihm gezogen werden. Massalongo lernte sie aus der oberen Kreide kennen. Von pflanzlicher Masse ist keine Spur vorhanden. Aus dem sehr feinen grauen Sandsteine von Gesico (Dorf in der Provinz Cagliari): Unbestimmbare Pflanzenreste monokotyledoner Natur (. Poacites ?) und Stengelabdrücke. Von Perdaliana (im Centrum der Insel) lagen Stücke ausgezeich- neter schwarzer, starrer Pechglanzkohle vor. Hervorzuheben sind ein breit gedrücktes Stammstück mit Quetschungserscheinungen und ein Stamm- stück, dessen Aussenpartie in braunem Lignit besteht, der, nach dem Querbruche zu urtheilen, aus der dicken Borke (ähnlich der von Pinus silvestris L.) einer Conifere entstanden zu sein scheint. Mikroskopische Untersuchung wird darüber nähere Auskunft geben. Aus den vulkanischen Tuffen des Beckens von Oschiri lagen vor Stücke mit einer Menge verkohlter Holzbröckchen, dann ein Stück mit grauem unverkohltem, sehr weichem Stengelchen. VIII. Zur Geologie von San Domingo. Von Dr. W. Bergt. Untersuchungen von Gesteinen und Versteinerungen aus Venezuela und von den Antillen, mit denen der Unterzeichnete beschäftigt ist, lieferten in Bezug auf die venezolanische Halbinsel Paraguanä, vor Allem aber für San Domingo auf der grossen Antilleninsel Haiti recht interessante Ergeb- gebnisse, welche hier kurz im V oraus mitgetheilt sein mögen. Auf Paraguanä ist neben anderen normalen archäischen, vielleicht auch paläozoischen Schiefern und Eruptivgesteinen eine ausgezeichnete Gabbro -„Formation“ entwickelt. Dieselbe besteht aus wechselreichen Gabbros, unter denen, wie in Schlesien von G. Rose, ein schwarzer zuweilen porphyrartiger Gabbro und ein grüner als zwei Hauptarten unterschieden werden können, ferner aus Amphiboliten, chromeisenreichen Serpentinen, Forellensteinen. Die Gabbro-,, Formation“ von Paraguanä bildet so ein vortreffliches Gegenstück zu den schlesischen Vorkommnissen. Die Ergebnisse für San Domingo berichtigen wesentlich das geologische Bild, welches Gabb*), der Verfasser einer ausführlichen Monographie von San Domingo, entworfen hat. Auf Gabb’s geologischer Karte von San Domingo sind mit besonderen Farben eingetragen: 1. Eruptivgesteine, 2. Kreide, 3. Miocän mit 2 Farben, 4. Postpliocän mit 2 Farben. Die Kreideschichten bilden nach Gabb den Untergrund der Insel, sind überhaupt hier die ältesten Gesteine. Sie wurden nebst einem Theil des Tertiärs durch riesige Massen eruptiver Gesteine in ihrer ursprünglichen Lagerung gestört, in Falten und Wellen gelegt und dabei metamorphosirt. Naturgemäss müssen dann diese Eruptivgesteine jünger sein als die gestörten und metamorphosirten Schichten. Sehr auffallend erscheint aber selbst Gabb die Thatsache, dass diese vermeintlichen jungcretaceischen und tertiären Eruptivgesteine in ihrer Zusammensetzung und in ihren wesentlichen Eigenschaften den ältesten Eruptivgesteinen zum Verwechseln gleichen. *) W. M. Gabb: On tbe topography and geology of Santo Domingo. Transact. of tbe Amer. Philosoph. Soc. Philadelphia, Vol. XV, new series, p. 49 — 259. 2 Karten. 62 Bei der Untersuchung der Gesteine von San Domingo erhoben sich nun in dem Unterzeichneten die stärksten Zweifel an der Richtigkeit der Gabb’schen Darstellung. Diese Zweifel erhielten bedeutende Nahrung namentlich durch zwei Umstände, 1. dadurch, dass Gabb die geologischen Verhältnisse noch nach der plutonistischen Theorie beurtheilt und deutet und durch sie zu dem erwähnten Ergebniss kommt, und 2. dadurch, dass Gabb’s Gesteinsbestimmungen selbst nach dem Stand der Petrographie um das Jahr 1870 unsicher, ja theilweise falsch sind. Dass in einer 1881 gedruckten Arbeit noch plutonistische Ansichten die Grundlage bilden, erklärt sich einigermassen daraus, dass die „geological Survey“ von Domingo unter Gabb’s Leitung bereits in den Jahren 1869 — 1871 stattgefunden hat, dass die Arbeit schon 1872 der American Philosophical Society vorgelegt, aber erst 1881 gedruckt worden ist. Da nach plutonistischer Anschauung die Eruptivmassen die Ursachen der Lagerungsstörung und Faltung der auf lagernden Schichten sind, müssen die ersteren jünger als die letzteren sein. Es verschwinden bei einer solchen Auffassung hier, wie es auch in anderen Gebieten, z. B. in den Alpen der Fall war, die älteren Gesteine zum Theil oder vollständig aus dem geologischen Bilde. Die petrographischen Begriffe und Bezeichnungen, deren sich Gabb bedient, sind zum Theil verschwommen, zum Theil selbst nach den damaligen Verhältnissen unrichtig. Die folgende Liste seiner petro- graphischen Ausdrücke giebt von dieser Unbestimmtheit nicht einmal eine genügende Vorstellung, weil darin die Fälle weggelassen sind, in denen Gabb nur eine äusserliche Beschreibung, nicht aber eine Bestimmung und Bezeichnung der Gesteine vornimmt. Gabb spricht von: Granitoid material und rocks, „es sind wenige oder keine wahren Granite vorhanden“; Syenit, fast immer aus Quarz (makroskopisch!), Feldspath und Horn- blende bestehend, Hauptgestein; Porphyr; Gneissoid rocks; Mica slate; Chloritic slate; Talcose und semitalcose slate; Clay slate; Jaspery slate; Metamorphosed cretaceous slate. Welche geologische Stellung die krystallinen Schiefer, die gneissoid rocks u. s. w. einnehmen, ist in Gabb’s Ausführungen nicht zu ersehen. Zum Theil mag er sie zu den intrusive rocks, zum grösseren Theil zu den metamorphosed cretaceous slates rechnen, welche eine hervorragende Rolle bei ihm spielen. Dabei bleibt man über dieselben sehr im Unklaren. Wir haben hier eines der schönsten Beispiele dafür, welchen ausgiebigen Gebrauch ältere Geologen, von denen Mancher „die Jungen“ wegen ihres vermeintlichen Fanatismus für Contact- und Dynamometamorphose scheel ansieht, von der Metamorphose der Gesteine machen und wie unklar und unbestimmt sie diese Metamorphose lassen. 63 Dem Unterzeichneten liegen aus den südlichen und südwestlichen Theilen Domingos folgende Gesteine vor: Aeltere Eruptivgesteine. Normale Glimmergranite und zwar vom Aussehen der Gehirgsgranite sowohl wie Ganggranite ; Protogingranite mit den deutlichsten Spuren des Druckes ; Hornblendegranite, schon makroskopisch so reich an grossen Quarz- körnern, dass eine Verwechselung mit Syenit ausgeschlossen ist; Syenit untergeordnet; Diorit, Quarzdiorit, ,,Blue beache“; Diabas, Quarzdiabas; Pikrit, Olivinfels, Serpentin. Jüngere Eruptivgesteine. Basalte in doleritischer, anamesitischer und basaltischer Ausbildung, letztere compact und feinporös lavaartig; Andesite, auf der kleinen Insel Alta Vela auch Trachyte. Krystalline Schiefer. Hornblendegneiss ; Pyroxengranulit ; Feinkörnige typische Hornblendeschiefer; Chloritische Hornblendeschiefer, dünnschiefrig, phyllitähnlich, gefaltet; Granatamphibolit, augithaltig, eklogitartig ; Chloritschiefer u. s. w. Während also nach Gabb Domingo eine Ausnahme bilden soll, indem nur junge Eruptivgesteine mit ganz altem Aussehen vorhanden seien, zeigt die obige Reihe, dass auch hier ganz normaler Weise der bekannte petrographische und geologische Gegensatz zwischen älteren und jüngeren Eruptivgesteinen besteht. Dass die Angabe Gabb’s, die intrusive rocks hätten die cretaceischen und tertiären Schichten gestört, durchbrochen, injicirt und verändert, nicht auf unanfechtbaren geologischen Beobacht- ungen beruht, sondern vielmehr eine aus theoretischen Voraussetzungen folgende, in die Natur hineingelegte Deutung der Verhältnisse darstellt, braucht nicht noch erwiesen zu werden. Die oben als ,, älter“ bezeichneten Eruptivgesteine unterscheiden sich durch ihren Erhaltungszustand, durch Umsetzungen und Mineralneubildungen auf das Deutlichste von den vul- kanischen Gesteinen; sie haben nicht einmal Aehnlichkeit mit den in ganz Amerika verbreiteten Uebergangsgesteinen (Propyliten, Andendiorit^n u. s. w.). Die älteren Eruptivgesteine von San Domingo sind nicht die Ursachen der Gebirgsbewegungen , sie wurden vielmehr selbst von letzteren mit- betroffen und tragen theilweise die Spuren derselben in Form der sog. dynamometamorphischen Erscheinungen; sie haben gemäss den auf der ganzen Erde gemachten tausendfältigen Beobachtungen und wegen der Hinfälligkeit der Gabb’schen Beweise so lange als „älter“ zu gelten, bis ihr jüngeres Alter unanfechtbar festgestellt ist, was kaum angenommen werden kann. Die krystallinen Schiefer, deren Reihe durch nicht blos gelegentliches, sondern systematisches Beobachten und Sammeln beträchtlich vervoll- ständigt werden dürfte, haben durchaus keinen contactmetamorphischen 64 Charakter; sie müssen als normale archäische Gesteine angesehen werden, dagegen sind sie theilweise wie die älteren Massengesteine durch Gebirgs- druck verändert, im Kleinen gefaltet. Das archäische Alter, welches P. Frazer*) für die Centralketten des südöstlichen Cuba feststellen konnte und das er für ganz Jamaika, für San Domingo, Puerto Pico und die Windwardinseln vermuthete, kann nun- mehr bestimmter für San Domingo angenommen werden. Wir haben demnach in San Domingo neben den jüngeren Schichten der Kreide und des Tertiärs auch als deren Unterlage ein wohlent- wickeltes archäisches Gebiet, welches mit den gleich- oder ähnlich beschaffenen Gebieten von Guatemala, der Halbinsel Yucatan, der Inseln Cuba, Jamaica, Puerto Rico, der Windwardinseln und des nördlichen Venezuela zu einem geologischen Ganzen gehört. Aehnlich wie in Guatemala das archäische und alteruptive Gebiet im Süden von einer mit jungen zum Theil noch thätigen Vulkanen besetzten Bruchlinie begrenzt wird (Suess, Antlitz I, 699), so scheint der Südrand von San Domingo (Haiti) von jungeruptiven Gebilden begleitet zu sein. *) P. Frazer: Archean characters of the rocks of the nucleal ranges of the Antilles. Report of the 15th meeting of the British Association 1888, London 1889, p. 654/5. IX. Bereicherungen der Flora Saxonica in den Jahren 1896 und 1897. Von Dr. B. Sehorler. Seit der letzten Veröffentlichung der neuen Funde unserer Flora in den Isis-Abhandlungen 1895, S. 89 sind eine grosse Anzahl neuer Eingänge für das Herbarium der Flora Saxonica zu verzeichnen, für die auch an dieser Stelle herzlich gedankt sei. In dem nachstehenden Verzeichniss sind nur die als Belegexemplare unserem Herbarium eingelieferten Pflanzen und zwar nur insoweit, als sie neue Funde oder neue Standorte darstellen, berücksichtigt. Es sind insbesondere folgende Herren, die sich an diesen Beiträgen betheiligten: F. Fritz sehe -Kötzschenbroda, Lehrer H. Hof- mann- Grossenhain, Hilfslehrer H. Müll er- Medingen, Apotheker Schlim- pert-Cölln hei Meissen, Dr. phil. Rieh. Schmidt-Leipzig und Bürger- schullehrer H. Stiefelhagen-Dresden. Sehr umfangreich und werthvoll ist namentlich die Sendung von Herrn Dr. Schmidt, der die Umgebung von Leipzig botanisch durchforschte und die wichtigen Resultate seiner Forschungen in einer Abhandlung unter dem Titel: „Beiträge zur Flora von Leipzig“ in den Berichten, der Natur- forschenden Gesellschaft zu Leipzig, Jahrgang 1895/96 niederlegte, die in ausserordentlich kritischer Durcharbeitung eine Menge interessanter Angaben über Verbreitung, Biologie etc. enthält, auf die deshalb hier nach- drücklichst hingewiesen sei. Einen Vorschlag in jener Abhandlung, der das Herbarium Florae Saxonicae betrifft, möchte ich auch zu dem meinigen machen. Dr. Schmidt schreibt: „Die Schaffung einer derartigen Centralstelle für alle floristischen Bestrebungen schätze ich — abgesehen von dem unmittel- bar in die Augen springenden Nutzen — - noch in einer besonderen Hinsicht sehr hoch. Ich meine: jetzt, wo diese Centralstelle erstanden ist, darf man verlangen, dass sie allgemein als Centralstelle respektiert wird; das will sagen: alle, nicht von anerkannten Autoritäten ausgehenden Veröffent- lichungen neuer sächsischer Standpunkte von wichtigen Pflanzen — erfolge die Veröffentlichung nun in Gesellschaftsschriften, Schulprogrammen, Floren oder sonstwo — haben so lange als nichtig und belanglos zu gelten, als nicht ein Belegexemplar von der betr. Oertlichkeit beim Dresdener Herhar eingereicht und die Richtigkeit der Bestimmung in den Isisberichten oder anderwärts bestätigt worden ist“. Es ist ja klar, dass es nur so möglich ist, allmählich ein richtiges Bild von der Vertheilung der Arten in unserem engeren Vaterlande zu 66 erhalten. Die genaue Feststellung der Vertheilung der einzelnen Arten nach den Territorien, nach der Höhe etc. muss das nächste, wenn auch nicht letzte Ziel der sächsischen Floristik sein, nachdem der Pflanzen- hestand in seinen einzelnen Arten bekannt ist. Es werden ja jedes Jahr neue Arten und Formen durch Anwendung einer schärferen, leider oft zu scharfen Analyse von alten längst bekannten Arten abgetrennt. Und es ist gewiss für Viele interessant, diesen bekannt gewordenen, oft recht minutiösen Abweichungen nachzuspüren oder solche selbst aufzufinden und die abweichende Form mit einem Namen zu belegen. So nöthig auch diese Thätigkeit bis zu einem gewissen Grade ist und so verdienstlich sie werden kann, wenn sie nur Mittel zum Zweck und nicht Selbstzweck ist, so darf man doch nie vergessen, dass die Artsplitterei und die Auffindung kleinster' Abweichungen nun und nimmer das letzte Ziel localfloristischer Bestre- bungen sein kann. Dadurch wird nur der Artenkatalog, die Florenliste eines Landes vergrössert, also die erste nächstliegende Aufgabe erfüllt. Eine weitere sehr wichtige Aufgabe ist, wie schon erwähnt, die genaue Feststellung der Vertheilung der einzelnen Arten und ihrer Bestände nach den Territorien (s. Drude: Deutschlands Pflanzengeographie, S. 18), der Höhe (sehr wichtig ist z. B. die Feststellung mittlerer normaler Höhen- grenzen für die Bestände der Niederungspflanzen, ibid. S. 71), den Forma- tionen etc. In dieser Hinsicht ist auch in unserem engeren Vaterlande noch viel zu thun. Es giebt ja bereits eine grosse Anzahl von Special- floren, die kleinere Theile Sachsens oder nur die nähere Umgebung ein- zelner Städte behandeln. Dadurch ist beispielsweise die Flora der Leipiger Gegend, des Vogtlandes, des oberen Erzgebirges, des Elbthales und der Lausitz allgemein bekannt geworden, während das von dem Gebiet der mittleren und unteren Mulde nicht in gleichem Masse gilt. Trotz alle- dem können wir bei vielen interessanten sächsischen Pflanzen nicht einmal die genauere Verbreitung nach und in den Territorien angeben, und für weitere Formationsstudien versagen diese Pflanzenlisten ganz. Auch auf das etwaige Fehlen oder Spärlicherwerden gewisser „gemeinen“ Pflanzen wird in denselben nicht genug geachtet. Die Bezeichnung „zerstreut“ oder höchstens „fehlt im Erzgebirge“ darf in Zukunft nicht mehr genügen. Hier kann jeder Pflanzenkenner an dem weiteren Fortschritt zu seinem Theile leicht mitarheiten, wenn er sich eben nicht damit begnügt und als einziges erstrebenswertes Ziel sich steckt, die Pflanze wohl bestimmt in seinem eigenen Herbarium zu vergraben. Dadurch wird kein Fortschritt erzielt und es geht die Arbeitskraft des Einzelnen auf floristischem Gebiet für die Allgemeinheit verloren. Wenn sich dagegen jeder Jünger der Seien tia amabilis bemüht, seine neuen Funde und Entdeckungen durch Ein- senden von Belegexemplaren an die Centralstelle allen Interessenten be- kannt und zugängig zu machen, so sichert er sich nicht nur für alle Zeiten das Recht der Priorität, sondern trägt auch sein Scherflein bei zum Aus- hau unserer Kenntnisse von der vaterländischen Flora. Dass auf die Weise eine etwa untergelaufene falsche Bestimmung am ersten corrigirt werden kann, ist ein weiterer Vorzug der eingesandten Belegexemplare. Besonders wichtig sind Belegexemplare von allen Pflanzen, die in der Excursions- flora von Wünsche als selten oder zerstreut angegeben sind, ferner solche von interessanten Pflanzen aus dem Gebiet der mittleren und unteren Mulde, aus der Umgehung der Städte Wurzen, Grimma, Colditz, Rochlitz, Mitt- weida, Waldheim, Rosswein, Döbeln, Oschatz und Dahlen. 67 Neben den beiden oben bezeicbneten Aufgaben der localen Floristik, Feststellung eines vollständigen Pfianzenkataloges und der genauen Ver- breitung der einzelnen Arten, kann dieselbe aber auch noch höheren Zwecken sich dienstbar erweisen, sie kann schätzbares Material liefern für die pflanzengeographische Bearbeitung der heimischen Vegetation. Man sollte sich immer daran erinnern, worauf Herr Prof. Drude an dieser Stelle schon öfters hingewiesen hat, dass nicht die Ausarbeitung einer systematischen und analytischen „ Flora“ unseres Landes, sondern einer Pflanzengeographie des- selben das Endziel aller botanischen Forschungen bleiben muss. Auch zur Erreichung dieses hohen Zieles kann jeder Florist in Sachsen seinen Beitrag liefern. Nur muss er sich daran gewöhnen, auf botanischen Excursionen Be- obachtungen anzustellen. Nicht die blosse Aufspürung eines neuen Stand- ortes genügt, es müssen auch sichere Beobachtungen über die Standortsver- hältnisse, über Besonnung, Bewässerung und Bodenarten, über Biologie, Vegetationsformen und Lebensbedürfnisse und namentlich auch über die Pflanzengesellschaft oder über die Formation gemacht werden, in der sich die gefundene Pflanze befindet. Werden derartige Beobachtungen aus- führlich auf den Etiquetten der eingesandten Pflanzen niedergelegt, so liefern diese werthvolles Material für spätere weitere pflanzengeographische Bearbeitungen. Das gilt natürlich ebensogut für Kryptogamen wie für Phanerogamen. Es braucht wohl nicht erst betont zu werden, dass unser Herbarium der Flora Saxonica auch diese bis zu den Algen herunter mit umfasst. . Getrocknete Moose und Pilze sind uns ebenso willkommen wie Algenauftragungen auf Papier oder mikroskopische Präparate (englisches oder kleineres Format) der letzteren. Möglichst ausführliche Etiquetten sind hier ebenso wichtig wie bei den Phanerogamen. Da auf den mikro- skopischen Präparaten für derartige Angaben kein genügender Platz vor- handen ist, so empfiehlt es sich, besondere Zettel mit diesen von der Länge des Präparates und beliebiger Breite beizulegen. Die neuen Funde sind diesmal nach dem von Wünsche in seiner Ex- cursionsflora von Sachsen befolgten Eichler’schen System aufgezählt. Es dürfte sich dieser Anschluss an Wünsche beim Nachtrag der neuen Stand- orte für viele als bequem erweisen. Convallaria majalis L. var. rosea Reichb. Dresden: Niederlössnitz im Gebüsch bei der Sennhütte (Fritzsche). Juncus tenuis Willd. Diese mehrjährige Binse unterscheidet sich von J. bufonius und compressus , mit denen sie eine gewisse Aehnlichkeit hat, leicht durch ihren aufrechten rasenartigen Wuchs, ihre meist gelbgrüne Farbe und durch das lange unterste Deckblatt an dem blatt- losen Stengel. Die nordamerikanische Art ist besonders in Westeuropa verbreitet, wandert aber neuerdings auch in Deutschland und breitet sich immer mehr aus. Von Sachsen wird sie zuerst von Reichenbach in seiner Flora Saxonica 1842 in dem Nachtrag, S. 452 erwähnt, und als Standort die Buschschenke bei Kemnitz zwischen Löbau und Bern- stadt angegeben. Auch Rabenhorst giebt in seiner 1859 erschienenen Flora von Sachsen nur diesen einen Standort an. Jetzt ist sie in der sächsischen Oberlausitz auf sandig-lehmigen Feld- und Waldwegen ziemlich verbreitet, wie ich im Sommer 1896 zu beobachten reichlich Gelegenheit hatte. Die Verbreitung in Sachsen gliedert sich dem grösseren schlesischen Areal westlich des Bober an, das gleichsam #* 68 eine Zunge nach Sachsen vorstreckt. Durch die Linien Görlitz-Reichen- bach-Löbau -Mehltheuer nördlich vom Czorneboh — Weiss-Nausslitz — in die Gegend von Bischofswerda und von hier über den Falkenberg nach Schluckenau- Seifhennersdorf - Grossschönau -Zittau wird diese Zunge ungefähr begrenzt. Ausser in der Oberlausitz kommt die Pflanze auch noch bei Leipzig vor. Kuntze, der die Art für einen Bastard J. compressusxeffusus hält, giebt in seiner Flora von Leipzig als Standorte Eutritzsch und Wurzen an. Nach Wünsche kommt sie neuerdings auch bei Tharandt vor. (Willkomm erwähnt sie in seiner Vegetationsschilderung der Umgegend von Tharandt im Tharandter Jahrbuch 1866 noch nicht.) Wie weit diese Binse an den beiden letzten Standorten bei Leipzig und Tharandt verbreitet ist und ob sie hier auch wandert, vermochte ich nicht festzustellen. Im Herbarium der Flora Saxonica finden sich von den beiden letzten Standorten keine Belegexemplare. Jedenfalls ist auf die weitere Ausbreitung dieser Art zu achten. Sparganium ramosum Huds. * neglectum Beeby. Die verschiedenen Formen des Sp. ramosum , die man jetzt unterscheidet (s. Ascherson und Gräb- ner’s Synopsis der mitteleuropäischen Flora, S. 280), lassen sich leicht an den Früchten erkennen. Sp. polyedrum hat ungestielte, verkehrt- pyramidenförmige, kurzgeschnäbelte, kantige Früchte, bei Sp. * neglec- tum dagegen sind sie deutlich gestielt, verkehrt-kegelförmig, allmählich in den Griffelrest verschmälert, sodass sie denen von Sp. simplex ähnlich werden. Die kugeligen Fruchtstände erscheinen daher mehr locker, stachelig-morgensternartig. Beim Trocknen werden die Frucht- stände bei Sp. * polyedrum und in geringerem Masse die ganze Pflanze schwärzlich, die von Sp. * neglectum dagegen meist gelblich. Das Sp. * neglectum ist nicht nur in Westeuropa, sondern auch in Deutschland und Oesterreich an den gleichen Standorten und vielfach in Gesell- schaft des Sp. * polyedrum weit verbreitet. Im Dresdner Herbarium fand ich das erstere unter Sp. ramosum in einem einzigen Exemplar, das Kochel im Jahre 1833 am Fusse des Balkan gesammelt hatte. Das erste sächsische Exemplar von Sp. * neglectum wurde von mir am 4. October 1896 in der Nähe des Dorfes Koselitz nordwestlich von Grossenhain gesammelt, wo es in einer teichartigen Ausschachtung der kleinen Köder bestandbildend auftritt. ln dem Bestände bemerkte ich vom Ufer aus kein Sp. * polyedrum, das sich an einer anderen Stelle derselben Ausschachtung in vereinzelten Exemplaren fand. Herr Fritzsche konnte dann zwei weitere Standorte dieser Varietät bei Kadeburg und Coswig feststellen. Der letztere ist ebenfalls eine Aus- schachtung, die erst seit ungefähr 3 Jahren besteht. Einen vierten Standort, Pausa im Vogtland, fand ich nachträglich in meinem eigenen Herbarium vertreten. Die Pflanze wurde von mir 1882, wenn ich nicht irre an einem Bache, als Sp. ramosum gesammelt. Von den gesammten Flxemplaren haben sich die von Radeburg etwas gebräunt beim Trocknen, die anderen sind entweder etwas gelblich geworden oder grün ge- blieben. Car ex teretiuscida Good. Grossenhain: Frauenhain bei Raden, in einem Moorgraben mit Hottonia palustris und Car ex Pseudo -Cyp er us. — longifolia Host. Dresden: im Dohnaer Kirchholz (Stiefelhagen). 69 Carex Buxbaumii Wahlbg. Dresden: auf einer sumpfigen Waldwiese bei Kötzschenbroda (Fritzsche). — obtusata Liljb. Der uralte, seit 1820 wieder bekannte, interessante Standort dieser Art am Bienitz existiert trotz der grossen Umwäl- zungen, die dieser Theil der Umgebung Leipzigs in der Neuzeit erfahren hat, noch immer. Dr. Schmidt sammelte sie laut der den eingesandten Pflanzen beiliegenden Etiquette im Mai 1895 auch in der Form A. capi- tata Peterm. Älopecurus agrestisL. Dieser Fuchsschwanz taucht von Zeit zu Zeit ein- mal in Sachsen auf, verschwindet aber eben so rasch wieder, ohne sich irgendwo wirklich einzubürgern. 1890 wurde er von Stiefelhagen bei Dresden auf Kleefeldern bei Cotta beobachtet und jetzt an das Her- barium abgeliefert. — arundinaceus Poir. (= A. nigricans Hornem.). Die Art wird in den Floren als in der Umgebung von Dresden nicht selten angegeben. Sie findet sich aus diesem Gebiet auch in einer Anzahl von Exemplaren von verschiedenen Sammlern im Herbarium der Flora Saxonica. Es stellte sich jedoch bei der Untersuchung dieser Exemplare heraus, dass kein einziges zu der echten A. arundinaceus Poir. gehört, sondern sämmtliche nur die eine Form des A. pratensis mit dunk- leren Aebrchen, die gewöhnlich als A. nigricans Sonder bezeichnet wird, darstellen. Das Vorkommen von A. arundinaceus Poir. im Elb- thal erscheint mir daher noch zweifelhaft und der Bestätigung be- dürftig. Das beste Unterscheidungsmerkmal der beiden nahe stehenden Arten, namentlich wenn der Wurzelstock nicht mit gesammelt worden ist, bieten immer noch die Hüllspelzen, die bei A. arundinaceus stark aus einander gehen, sodass das ganze Aehrchen glockenförmig, dem des A. geniculatus etwas ähnlich wird. Der obere Ausschnitt zwischen den beiden Hüllspelzen zeigt dabei stark concave Ränder, während diese bei A. pratensis fast gerade sind. Dadurch unterscheiden sich auch jene leicht mit A. arundinaceus zu verwechselnden Aehrchen von A. pra- tensis, die beim Trocknen etwas zu stark gepresst worden sind und nun an der Spitze auseinander spreitzen. -\Festuga rigida Kunth. Dresden: Elbufer im Gehege, 1891 in Menge (Stiefelhagen). Bromus mollis L. var. leiostachys Tausch. Dresden: Plauenscher Grund (Stiefelhagen). — patulus M. u. K. Dresden: Berliner Bahnhof nach den Schusterhäusern zu (Stiefelhagen 1891). Dürfte durch die Bahnhofsumbauten bereits wieder verschwunden sein. Die Angabe in Wünsche „zwischen Strehla und Lockwitz“, die Reichenbach’s Flora Saxonica entnommen ist, kann zu falschen Deutungen Veranlassung geben; es muss natürlich Strehlen heissen. f — squarrosus L. Dresden: Altstädter Elbquai mit Bromus arvensis , hier auch unter der typischen Form die Varietät villosus (Stiefelhagen 1891): Für diese Art gilt auch das von Älopecurus agrestis Gesagte. Goodyera repens R. Br. Zittau: am Oderwitzer Spitzberg (Hofmann). Cerastium brachypetalum Desp. Meissen: an den trocknen Hügeln vor Zadel (Stiefelhagen). 70 Silene nutans L. Exemplare mit rosenrothen Blüthen fand Fritzsche am 22. Mai 1897 in der Nieder -Lössnitz unterhalb der Friedensburg auf Geröll. Corydalis solida Sm. Am linken Röderufer oberhalb Radeburg unter Brombeer-Gestrüpp (Müller). f Viola suavis M. B. Dresden: in einem Hohlweg zwischen Naundorf und Lindenau (Fritzsche). Die Pflanze ist richtig bestimmt, kann aber an dem aufgefundenen Standorte ohne Zweifel nur ein Gartenflüchtling sein. Sie unterscheidet sich von den im Dresdner Herbarium liegen- den, von M. von Bieberstein selbst herrührenden Exemplaren der echten südeuropäischen Art nur durch ihren viel robusteren Wuchs. Trifolium hybridum L. var. elegans Savi (als Art). Die Varietät findet sich noch in verschiedenen Floren, auch in Wünsche’s Excursionsflora, als eigene Art neben T. hybridum aufgeführt, wozu meines Erachtens kein Grund vorliegt. Schon in den alten Floren von Döll, Neilreich und Anderen ist dieselbe zu Tr. hybridum gezogen worden, und die grösseren neueren Floren folgen diesem Beispiel. Die Unterschiede sind minimale und zum Theil sogar schwankend. Im Dresdner Herbarium befindet sich z. B. ein Exemplar, das nach der Etiquette von Savi selbst stammt, mit weichem hohlem Stengel. In dem Verzeichniss vogtländischer Pflanzen von Artzt, das in den Isis-Abhandlungen 1896, S. 1 erschienen ist, wird von dieser Form ein für Sachsen neuer Standort angegeben, nämlich Pausa im Vogtland. Derselbe ist jedoch zu streichen. Die Mittheilung dieses Standortes rührte seinerzeit von mir selbst her. Ich fand nämlich im Jahre 1885 auf trocknem Kieselschieferboden eine auf- fällige Form von Tr. hybridum mit sehr langen Blüthenstielen, welche es den gleichmässig rosen-rothen Blüthen gestatteten, sich in Hohl- cylinderform anzuordnen. Da mir damals kein Vergleichsmaterial und auch keine grössere Flora mit ausführlichen Diagnosen zur Verfügung stand, so vermochte ich die Form nicht richtig zu bestimmen. Höchst wahrscheinlich beruht auch das schon von Reichenbach angegebene Vorkommen „bei Zittau“ auf einer ähnlichen fehlerhaften Bestimmung. Im Herbarium der Flora Saxonica sind keine Belegexemplare vorhanden. Pirola umbellata L. Dresden: bei Medingen in lichtem Nadelwald (Müller). — chlorantha Sw. Dresden: sporadisch im Nadelwald bei Medingen (Müller). Anagallis caerulea Schreb. Dresden: bei Hermsdorf (Müller). Thrincia hirta Roth. Radeburg: bei Würschnitz, südlichster bis jetzt be- kannter Standort in Sachsen (Müller). j* Ambrosia artemisiifolia L. Meissen : bei Oberspaar und auf einem Stoppelacker bei Winkwitz (Schlimpert). X. Ein Beitrag zur Flora des Böhmerwaldes. Yon Dr. B. Sehorler. Ende Juli und Anfang August dieses Jahres machten Herr Prof. Dr. Drude und der Verfasser eine gemeinsame botanische Excursion nach dem Böhmerwald, die sich auf den ganzen Gebirgszug bayerischen und böhmischen Antheils vom Südfusse des Fichtelgebirges bis zum Dreisessel undBlöckenstein erstreckte. Obgleich hierbei nicht in erster Linie fioristische sondern pflanzengeographische Ziele verfolgt wurden, so konnten doch auch eine Anzahl neuer Standorte von Böhmerwaldpflanzen festgestellt werden, von denen die wichtigsten hier kurz mitgetheilt seien. Allosoms crispus Bernh. In Felsspalten am Arber in ca. 1400 m Höhe. Der Arber ragt mit seinem mehrzackigen Gneissgipfel über die Wald- grenze empor und trägt auf dieser unteren Hochgebirgsregion drei Formationen in ziemlich weiter Ausdehnung: die Borstgrasmatte mit Poa alpina , das Krummholz mit riesigen Mengen von Athyrium alpestre und die Formation der trockenen Felsen, die besonders durch Juncus trifidus , den ,, Gamsbart“, das „Edelweiss des Bayerischen Waldes“, und durch Agrostis rupestris charakterisirt wird. Zu der letzten gehört Allosorus , der wie Juncus trifidus in Gesteinsspalten wächst, nur nicht wie dieser auf den obersten sonnigen Kuppen, sondern mehr in schattigen, tieferen und humusreicheren Spalten. Dieser interessante Gebirgsfarn, der in den Alpen von 1000 — 2200 m häufig, von den mitteldeutschen Gebirgen aber nur im Riesengebirge und ganz ver- einzelt im Harz gefunden worden ist, wurde nach Sendtner zuerst von W. Gümbel für den Bayerischen Wald constatirt, seit dieser Zeit aber, so viel ich aus der Litteratur ersehen konnte, nicht wieder aufgefunden. Gümbel entdeckte ihn am Keitersberge, „um die Mitte desselben bei 3100'“, also im nordwestlichen Theile des zusammenhängenden Rückens zwischen dem Weissen und Schwarzen Regen, dessen südöstliches Ende der Arber darstellt, und der auch als Arbergebirge bezeichnet wird. Die Angaben in den Floren über das Vorkommen von Allosorus im Böhmerwalde stützen sich sämmtlich auf den Sendtner’schen Standort. Asplenium viride Huds. Mit dem vorigen in schattigen Felsspalten am Arbergipfel in einem einzigen Exemplar. Ich fand das Vorkommen dieses Farns im Böhmerwald nirgends angegeben. Scheuchzeria palustris L. In dem Prodromus der Flora von Böhmen und in den Resultaten der botanischen Durchforschung Böhmens werden 72 von Celakovsky nur der kleine Arbersee und das Weig&rfilz bei Kusch- warda als Standorte der Art für den Böhmerwald angegeben. Wir fanden sie auch im grossen Arbersee mit Scirpus caespitosus und Carex pauciflora auf einem schwimmenden Caricetum am nördlichen Ufer in geringer Anzahl von Exemplaren. Rhynchospora alba Yahl. In der Gesellschaft der vorigen Art am grossen Arbersee reichlich, ebenso Carex limosa , die nach Celakovsky bisher nur bei Kuschwarda und Schattawa und im höheren Theile des Böhmerwaldes in einem Sumpfe an dem Teufelsee bei Eisenstein gefunden worden ist. Wir sammelten die Art jedoch auch noch in dem Filz, das im Süden den kleinen Arbersee begrenzt, in ziemlicher Menge. Sie ist auch hier wie am grossen Arbersee mit Carex pauciflora vergesellschaftet, hier gesellt sich aber noch Calla palustris zu ihnen. — filiformis L. Ein neuer Standort dieser für den Böhmerwald sehr seltenen Pflanze, die nur aus zwei Filzen bei Fürstenhut bekannt ist, konnte in der Filz-Au südlich von Wallern festgestellt werden. Sie wächst hier truppweise in Moorgräben. Senecio subalpinus Koch. Am Arber bei 1000 m Höhe am Bodenmaiser Weg auf einer sumpfigen Wiese mit Homogyne alpina und Meum Mutellina ganz vereinzelt. XI. Eine vorgeschichtliche Niederlassung auf dem Pfaffenstein in der Sächsischen Schweiz. Yon Dr. J. Deichmüller. (Mit Tafel II.) Kaum ein anderer Landstrich Sachsens, das Erzgebirge ausgenommen, ist so arm an Ueberresten aus urgeschichtlicher Zeit wie das Elbsand- steingebirge. Bis vor Kurzem waren aus diesem Gebiet weder Gräber- felder noch Wohnstätten als Beweise einer Besiedelung desselben in der Vorzeit bekannt geworden; nur ganz vereinzelte Funde von Stein- und Bronzegeräthen im Thal der Elbe deuteten darauf bin, dass schon damals der Mensch versuchte, längs des Elbstroms in das unwirthsame Gebirge einzudringen. Neuere Funde haben jedoch gezeigt, dass einzelne der zum Theil schwer zugänglichen Felsen schon frühzeitig dem Menschen als Wohnstätte oder vorübergehender Zufluchtsort gedient haben, wie der bei Königstein an der Elbe gelegene Pfaffenstein. Bereits in den siebenziger Jahren haben Oberlehrer Emil Friede- mann und Maler Ernst Fischer zu wiederholten Malen auf einen an- scheinend uralten Wall hingewiesen, welcher am westlichen Fusse dieses Felsens den einzigen bequemen Zugang zu demselben abschliesst*), das Vorhandensein urgeschichtlicher Ansiedelungsreste auf dessen Hochfläche selbst aber wurde erst zwanzig Jahre später bekannt. Im Januar 1896 veröffentlichte H. Engert im Organ des Gebirgsvereins für die Sächsische Schweiz: ,,Ueber Berg und Thal“, No. 215, eine kurze Notiz, nach welcher der Bergwirth des Pfaffensteins, Herr Keiler, in der Nähe seines Gast- hauses beim Roden einer kleinen Waldfläche Mahlsteine und irdene Ge- fässe gefunden hatte; letztere sollten nach einer Angabe von Otto Ebert (a. a. 0. No. 217) solchen vom „Lausitzer Typus“ entsprechen. Einige mir inzwischen zur Begutachtung vorgelegte Gefässscherben bewiesen die Richtigkeit dieser Ansicht und veranlassten mich, im September 1896 während eines mehrtägigen Aufenthaltes auf dem Pfaffenstein eine Unter- suchung der Fundstelle vorzunehmen. Der Quadersandsteinfelsen des Pfaffensteins erhebt sich 2 km südlich Königstein an der Elbe bei Pfaffendorf mit mehr als 60 m hohen, senk- rechten, wild zerklüfteten Wänden über das umgebende Gelände; der südliche höchste Theil erreicht nach der topographischen Karte eine Meereshöhe von 428,6 m. An der Westseite führt in einer engen Schlucht *) Sitzungsber. Isis Dresden, 1876, 25; 1878, 25; 1882, 26. 74 ein steiler Anstieg zur Hochfläche des Felsens empor, welche eine un- regelmässig begrenzte, von NNW nach SSO gestreckte Ellipse von wenig mehr als 650 m Längen- und gegen 300 m Breitenausdehnung bildet. Die zerklüftete, durch Erosion und Verwitterung höckerig gestaltete Ober- fläche ist mit Heideibeergestrüpp und Nadelwald bedeckt und nur in der Umgebung des Wirthschaftsgebäudes, welches nahe der Mitte der Hoch- fläche in einer Bodeneinsenkung liegt, für Garten- und Feldanlagen urbar gemacht. Beim Roden einer etwa 270 □ m grossen Waldparzelle nord- östlich von dem in der Nähe des Gasthauses errichteten Aussichtsthurm wurden nun im Herbst 1895 die erwähnten Gefässreste und Mahlsteine entdeckt; einzelne Scherben fand ich selbst beim sorgfältigen Absuchen des Feldes noch in den Ackerfurchen verstreut. Eine Fortsetzung der Rodung durch Herrn Keiler im December 1897 führte dann zur Entdeckung weiterer Scherben und eines Mahlsteins, sowie einer Feuerstätte. Um einen Einblick in die Bodenverhältnisse an der Fundstelle zu er- langen, liess ich am Rande des Feldes auf noch unberührtem Boden eine Grube ausheben, in welcher nach Abräumen eines etwa 15 cm dicken Filzes von Heidelbeer- und Baumwurzeln zunächst eine 10 cm mächtige graue, lockere Sandschicht durchschnitten wurde, welche ihre Entstehung der Zusammenwehung und Anschwemmung der Sandkörner benachbarter verwitterter Sandsteine durch Wind und atmosphärische Niederschläge verdankt, wie die überall in den Vertiefungen der erodirten Felsenober- fläche angesammelten Sande. Unter dieser Schicht folgte sandiger, gelber, oft grau gefleckter, ungeschichteter Lehm, welchem an der oberen Grenze bis gegen 15 cm Tiefe vereinzelte stumpfkantige oder gut gerundete, bis über faustgrosse Gerolle regellos vertheilt eingelagert sind. Unter diesen Gerollen, deren mikroskopische Untersuchung ich Herrn Dr. W. Bergt verdanke, wiegt feinkörniger, weisser, gelblicher und röthlicher, zum Theil mit Muscovitblättchen gemengter Quarzfels vor, dazu gesellen sich Quarz, Hornstein, quarzitischer Sandstein, weiss geaderter Kieselschiefer-ähnlicher, durch Kohle schwarz gefärbter Quarzit, Quadersandstein, mikrogranitischer, krystallarm'er und glimmerhaltiger Quarzporphyr, Felsitporphyr und Feld- spathbasalt, selten ein faustgrosses Feuersteinbruchstück. Die dem Lehm beigemengten, gerundeten, rosafarbigen Quarzkörnchen verrathen deutlich ihren Ursprung aus dem Sandsteingebiet der Nachbarschaft, wie auch manche der oft scharf begrenzten grauen Flecke in den tieferen Lehm- schichten durch verwitterte, vollständig gelockerte Quadersandsteingerölle hervorgerufen werden. Die Ausdehnung dieser Lehmablagerung, deren untere Grenze bei 1,6 m Tiefe in der Grube noch nicht erreicht wurde, lässt sich nach dem in der Umgebung überall zu Tage austretenden Sand- stein des Untergrunds auf etwa 2000 □ m schätzen. Eine zweite derartige Lehmeinlagerung im Quadersandstein von circa 1000 □ m Flächeninhalt befindet sich südlich jener, durch anstehenden Sandstein davon getrennt, an der Stelle, wo jetzt das Gasthaus erbaut ist, dessen Südseite gegenüber unter einem 20 cm dicken Wurzelgeflecht 15 cm grauer, lockerer Sand, darunter 45 cm sandiger, gelber Lehm auf- geschlossen ist. Diese Lehmlager sind offenbar isolirte Reste altdiluvialer Schichten, welche in Vertiefungen der erodirten Oberfläche des Felsens zurückgeblieben sind. 75 Auf diese Ablagerungen sind nun auch die auf dem Pfaffenstein ent- deckten Reste einer urgeschichtlichen Cultur beschränkt. Auf der nörd- lichen Fundstelle am Aussichtsthurm wurden sie beim Umwenden der oberen Erdschichten auf der ganzen urbar gemachten Fläche verstreut gefunden; sie entstammen, wie die in der Versuchsgrube am Feldrande gesammelten Gefässscherben und Holzkohlen zeigen, der obersten Schicht des Lehmlagers, in welcher sie zerstreut eingelagert sind, während die überdeckende Sandschicht keine Artefacte enthält. Letztere ist hiernach erst in späterer Zeit, als der Platz von seinen Bewohnern bereits wieder verlassen war, durch Regen und Wind darüber geschwemmt und geweht worden, und hat so die Spuren einer mehrtausendjährigen Vergangenheit bis jetzt vor der Vernichtung und Zerstörung durch Menschenhand und atmosphärische Einflüsse unversehrt bewahrt. Auch im Bereich der zweiten Lehmablagerung am Gasthaus sind nach mündlichen Mittheilungen des Herrn Keiler beim Bau des Hauses von den Arbeitern Gefässreste ge- funden, aber vernichtet worden, eine Angabe, die bestätigt wird durch Auffindung von Scherben und Mahlsteinen auf dem Kartoffelfelde, welches auf dem nach dem Aussichtsthurm hin ansteigenden Hange dicht neben dem Gasthaus angelegt ist. Stark verwitterte Gefässscherben liegen hier nicht selten an der Erdoberfläche. Die Hinterlassenschaft der vorgeschichtlichen Bewohner des Pfaffen- steins besteht nun, wie schon erwähnt, in zahlreichen Scherben irdener Gefässe, in Mahl- und Reibsteinen und in einer Feuerstätte; Metallgegen- stände sind nicht aufgefunden worden. Die meisten der gesammelten Reste befinden sich noch auf dem Pfaffenstein, wo sie Herr Keiler in seiner Gastwirthschaft ausgestellt hat, ein kleiner Theil ist in den Besitz der Königl. prähistorischen Sammlung in Dresden übergegangen, zwei Mahlsteine besitzt Herr H. Engert in Dresden. Die Gefässtrümmer sind zumeist vereinzelte Bruchstücke ohne Zu- sammenhang, die nach Aussehen und Material von einer grösseren Zahl von Gefässen herrühren. Nur wenige Scherben konnten zu grösseren Stücken vereinigt werden; fast vollständig reconstruiren Hessen sich nur zwei Gefässe: ein doppeltgehenkelter Topf und ein Napf mit niedrigem Fuss. Ersterer stand nach Angabe des Herrn Keiler, welcher den Fund eigenhändig dem Boden entnahm, in geringer Tiefe aufrecht im Lehm und war in viele Stücke zerbrochen. Der durch Austrocknen hart gewordene Lehmkern war, als mir der Fund vorgelegt wurde, noch fast unversehrt und gab die ursprüngliche Form des Gefässes recht gut wieder, sodass ein Zusammensetzen der Bruchstücke mit Hülfe der dem Lehmkern noch an- haftenden Theile ohne grosse Schwierigkeit möglich war. Das Gefäss (Fig. 6) ist ein 19 % cm hoher Topf von eiförmig bauchiger Gestalt, mit niedrigem, eingeschnürtem Hals, der sich nach oben nur mässig erweitert; die beiden Henkel sind abgebrochen und nur durch die Ansatzstellen an- gedeutet; die Oberfläche des gelbgrauen Topfes ist glatt. Bruchstücke ähnlicher, auch aussen gerauhter Gefässe sind noch mehrfach vorhanden. Der Inhalt bestand nur aus dem sandigen Lehm der Fundstelle, ohne jede Spur von Knochenbeimengung. Das zweite Gefäss ist ein 14 cm hoher, doppelconischer Napf mit wagrecht umgelegtem Rand (Fig. 4), welcher auf einem niedrigen Fuss aufgesetzt ist; Fuss und mittlerer Theil des Gefässes sind mit je drei Horizontalfurchen verziert. Von einem grösseren weitbauchigen Napf mit niedrigem, senkrechtem Hals (Fig. 1) 76 ist die obere Hälfte erhalten, ebenso von einem ähnlichen, an dessen hohem, nach der Mündung conisch verengtem Hals zwei kleine Henkel angesetzt sind (Fig. 2). Von derartigen Näpfen befinden sich noch mehrere Bruchstücke in dem gesammelten Scherbenvorrath. Weiter sind vertreten Fragmente grösserer doppelconischer Näpfe, welche an dem bis- weilen kielartig vorstehenden grössten Umfange durch senkrechte oder schräge Einschnitte (Fig. 10) oder durch Fingereindrücke kettenartig ge- kerbt und zum Theil auf der Unterseite gerauht sind. Die Aussenseite einer kegelförmigen Tasse mit leicht gewölbter Wandung (Fig. 3) ist dicht mit radial gestellten, scharf eingeschnittenen Furchen bedeckt. Von Schüsseln sind niedrige, oben mehr oder weniger nach aussen umgebogene Handstücke vorhanden, die in das flache, mit Strichen verzierte Untertheil kantig oder gerundet übergehen (Fig. 11, 12); auf kleinere Schalen weisen Handstücke hin, die eine Reihe flacher, durch Fingereindrücke hervor- gerufener Gruben tragen (Fig. 7) oder durch scharfe Einschnitte gekerbt sind (Fig. 8). Auch Theile von Buckelgefässen sind erhalten, sowohl solche der gewöhnlichen Form, bei denen der Buckel durch einen elliptischen Hof vom Gefässbauch scharf abgesetzt ist, als auch solche, bei welchen der Buckel nur als flacher Höcker ohne Umrandung aus der Gefäss- wandung hervortritt (Fig. 9). Als Seltenheit ist das kleine Bruchstück eines Siebgefässes (Fig. 5) zu erwähnen. Ausserdem sind noch Reste zahlreicher anderer Gefässe vorhanden, deren Formen aber sich aus der geringen Grösse der Scherben nicht bestimmen lassen. Die meisten weisen auf solche von mässiger Wandungsstärke hin, doch fehlen auch dickwandige, mehr als centimeterstarke nicht. Das Material ist grobsandig, oft mit gröberen Quarzkörnern gemengt, die Farbe meist lichtbraun bis gelblich, auch ziegelroth. Mit den Gefässen zusammen sind zehn Mahlsteine und ein Klopf- oder Heibstein gefunden worden; drei der ersteren stammen von dem Kartoffel- felde am Gasthaus, der Rest von der Fundstelle am Aussichtsthurm. Die Mahlsteine haben dickplattige Form, sind mehr oder weniger viereckig, durch den Gebrauch einseitig eben oder concav abgeschliffen, auf der Unterseite zum Theil roh behauen und gerundet. Ihre Länge schwankt zwischen 26 und 40 cm, die Breite von 171/2 — 25 cm bei einer Dicke von 5 — 10 cm. Als Material zu drei derselben ist ein fester Quarz- sandstein, zu sieben ein braunrother Quarzporphyr verwendet — Gesteine, welche in der nächsten Umgebung des Pfaffen steins anstehend oder in grossen Geschieben nicht gefunden werden, und aus weiterer Entfernung nach der jetzigen Fundstelle gebracht worden sein müssen. Durch eine von Dr. W. Bergt ausgeführte mikroskopische Untersuchung des Quarzporphyrs hat sich nicht feststellen lassen, ob derselbe, wie man vermuthen könnte, aus dem grossen Altenberg-Zinnwalder Quarzporphyrgebiet herstammt. Als Klopf- oder Reibsteine dienten bis faustgrosse Quarzitgerölle, welche neben den ursprünglichen glatten, gerundeten Geschiebeflächen auch rauhe, ebene, durch den Gebrauch beim Zerkleinern der Körner- früchte entstandene Abnutzungsflächen aufweisen. Die auf Seite 74 erwähnte Feuerstelle wurde dicht neben der im September 1896 ausgehobenen Grube aufgefunden, war muldenförmig in den Lehm eingeschnitten und mit Erde und Holzkohlen angefüllt. Der Lehm der Grubenwandung hatte durch Einwirkung des Feuers ziegelrothe Färbung angenommen. — 77 Jlhhand/ d. Js/s //? Dresden J ISdZ Ta. f. IT. 78 Die hier aufgefiilirten Reste menschlicher Cultur gehören unzweifel- haft der vorgeschichlichen Zeit an, wie ein Vergleich mit ähnlichen von anderen Fundorten lehrt. In Form, Material und Herstellungsweise stimmen die Gefässe vollkommen mit denjenigen überein, die als charakte- ristisch für die älteren Gräberfelder des Lausitzer Typus angesehen werden und die sich allerorts finden, soweit dieser Typus in Sachsen und in den Nachbargebieten verbreitet ist: doppelconische Näpfe, eiförmige Töpfe mit ausladendem Rand, kegelförmige Tassen, flache Schalen und vor Allem Buckelgefässe. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Pfaffensteinfunde aus derselben Periode herrühren, wie die im nördlichen Flachlande Sachsens, in der Elbniederung thalabwärts Pirna und in einem Theil der Lausitz so häufigen älteren Urnenfeldern, aber es ist ausgeschlossen, dass sich ein derartiges Gräberfeld auch auf dem Pfaffenstein befunden hat. Dagegen spricht nicht allein die Beschaffenheit der Fundstücke: das Fehlen vollständiger Gefässe und calcinirter Menschenknochen, sondern auch die Lagerungsweise derselben in der dünnen Culturschicht, welche eine in späterer Zeit durch äussere Einflüsse bewirkte Verstreuung und Ver- schleppung ursprünglich zusammenhängender Gefässtheile ausschliesst. Es rühren die Scherben offenbar her von beim Gebrauch zertrümmerten Gefässen, deren Bruchstücke weggeworfen und so zufällig über die Fund- stellen verstreut wurden. Berücksichtigt man ferner die für die geringe Ausdehnung der Fundplätze verhältnissmässig grosse Zahl der zum häus- lichen Gebrauch bestimmten Handmühlen, das häufige Vorkommen von Holzkohlen in der Culturschicht und die Ueberreste alter Feuerstätten, so kann man kaum anders schliessen, als dass die vorliegenden Reste aus einer Ansiedelung stammen müssen, welche auf der Höhe des Pfaffensteins zu derselben Zeit bestand, in welcher in den Niederungen und im Flach- lande Sachsens die älteren Gräberfelder vom Lausitzer Typus angelegt wurden, das ist etwa in der Mitte des letzten vorchristlichen Jahrtausends, und dass der durch seine isolirte Lage und seine schroffen Felswände von Natur aus reichlich Schutz gewährende Pfaffensteinfelsen einer gleichen Bevölkerung, wie diejenige war, deren spärliche Ueberreste in jenen Gräber- feldern erhalten sind, zeitweise als sicherer Zufluchtsort gedient hat. Durch die Angaben von Friedemann und Fischer, nach welchen sich auf der Höhe des Pfaffensteins ein alter Opferaltar mit Spuren der Be- arbeitung durch Menschenhand befinden soll, könnte man veranlasst werden, den Felsen als eine Cultusstätte aus heidnischer Vorzeit aufzu- fassen. Eine Betrachtung des am westlichen Rande der Hochfläche ge- legenen, im Volksmunde als Opferstein, Druiden- oder Teufelssitz be- zeichneten Sandsteinblocks zeigt aber, dass dieser seine eigenthümliche Gestalt nicht der Arbeit der Menschenhand, sondern nur der durch atmosphärische Einflüsse bewirkten Verwitterung des ungleich harten Gesteins verdankt, wie nicht seltene, ähnlich geformte Blöcke im Ver- breitungsgebiet des Quadersandsteins. Eine Bezeichnung desselben als „Opferstein“ seiner Form wegen ist ebenso unberechtigt, wie die der dicht dabei befindlichen kesselförmigen Vertiefungen in der Felsenober- fläche als „Opferkessel“. Letztere sind wohl ebenfalls nur Folgen der Verwitterung des Sandsteins, wenn sie nicht, wie besonders der soge- nannte grosse „Opferkessel“, als alte Strudellöcher aufzufassen sind. Ueber das Alter und die Bestimmung des am westlichen Fusse des Felsens gelegenen Walles, wie über dessen Zusammenhang mit der An- 79 siedelung auf der Hochfläche lassen sich nur Vermuthungen aussprechen. Der aus Sand und grösseren Sandsteinstücken errichtete Wall schliesst den zur Höhe führenden und noch in der Jetztzeit vorwiegend benutzten Zugang zum Pfaffenstein bogenförmig ab und lehnt sich mit seinen Flanken an die den Fuss des Berges umgebende Trümmerhalde; seine Länge beträgt nach Fischer 50 — 60 Schritt, seine Höhe an der Stelle, wo er vom Zugangsweg durchschnitten wird, fast 1 1/2 m. Von einer nach Friedemann früher vorhandenen Bedeckung mit Geschieben aus dem Bielafluss ist jetzt nichts mehr zu sehen. Letzterer berichtet auch über die Auffindung zahlreicher Urnenscherben und einer fast 1/2 m mächtigen Kohlenschicht am Wall selbst, doch konnte mir Herr Friedemann keine Auskunft über den Verbleib dieser Funde geben. Weitere Nachforsch- ungen verbietet zur Zeit der niedere Waldbestand, welcher den Wall und seine Umgebung bedeckt. Lage und Form des Walles machen es allerdings wahrscheinlich, dass derselbe von den vorgeschichtlichen Be- wohnern des Pfaffensteins zum Schutze ihres Zufluchtsortes errichtet worden ist. Eine ähnliche Anlage ist vor Kurzem durch E. Wilisch*) vom Sandsteinfelsen des Oybin bei Zittau beschrieben worden, auf dessen Höhe sich ebenfalls Spuren einer vorgeschichtlichen Niederlassung gefunden haben, welche durch Wälle am Fusse des Felsens gedeckt wird. Eine sorgfältige Beobachtung anderer Felshochflächen im Quadersandstein- gebirge würde vielleicht die Zahl der Beweise für eine Besiedelung dieses Gebietes in vorgeschichtlicher Zeit noch vermehren. *) E. Wilisch: Zur Vorgeschichte des Oybin. Zittau 1897. 8°. 2 Tat. XII. Ueber einen oligocänen Sandsteingang an der Lausitzer Ueberscliiebung bei Weinböhla in Sachsen. Von Prof. Dr. Ernst Kalkowsky. (Mit Tafel III.) i-'v ^ * Gänge von Gesteinen, die gewöhnlich nur als sedimentäre Massen in Form von Schichten auftreten, sind als seltene und untergeordnete Gebirgsglieder schon lange bekannt; meist aber hat man sich gescheut, diese Gebilde geradezu Gänge zu nennen. Man hat sie vielmehr in ver- schiedenster Weise als Gesteinskämme, als Rücken, als Klüfte und Spalten schlechtweg, als Kluftausfüllungen, als gangähnliche Gebilde bezeichnet. Noch neuerdings schlug A. P. Pawlow in seiner Abhandlung: On dikes of oligocene sandstone in the neocomian clays of the district of Alatyr, in Russia, im Geol. Magazine Dec. IV, Vol. III, p. 49, 1896 vor, in einem solchen Falle von ,,neptunischen Gängen“ zu sprechen. So wenig wir aber in der Benennung der Lagerungsform einen Unterschied machen zwischen Gängen, bei denen die Klufterfüllung wesentlich durch chemische Processe zu Stande gekommen ist, und denjenigen, bei denen Eruptiv- gestein in eine Kluft eingedrungen ist, so wenig liegt doch wohl auch Veranlassung vor, eine plattenförmige Masse von klastischem Gestein in durchgreifender Lagerung anders denn als Gang zu bezeichnen. Dem- gemäss haben denn auch J. S. Diller in seiner die in Frage stehenden Erscheinungen in etwas umfassenderWeise berücksichtigenden Abhandlung: Sandstone dikes im Bull, of the geol. Soc. of America, Vol. I, p. 411, 1890 und W. Cross in seiner Arbeit: Intrusive sandstone dikes in granite, ebenda Vol. V, p. 225, 1894, und schliesslich doch auch Pawlow einfach von Gängen gesprochen. Diese Gelehrten haben ferner unzweifelhaft das Richtige getroffen, indem sie die betreffenden Ganggesteine, deren Haupt- gemengtheil allothigene Quarzkörner sind, ohne Umschweife Sandstein nannten; nur in gezwungener Weise könnte man in einem oder dem anderen solcher Fälle unter Betonung der genetischen Verhältnisse eine besondere Benennung zu rechtfertigen versuchen. Wenn in Nordamerika im nördlichen Californien und am Pikes Peak in Colorado zahlreiche und zum Theil mächtige und weithin verfolgbare Sandsteingänge auftreten, so dürfte doch auch der vereinzelte Sand- steingang bei Weinböhla in Sachsen Beachtung verdienen , weil er unter besonderen tectonischen Verhältnissen auftritt, und weil über sein Alter, seine Entstehung und seine Geschichte genaue Erkenntniss möglich ist. Und an und für sich ist doch ein Sfindsteingang ein immerhin seltenes geologisches Phänomen. 81 Bei Weinböhla im Elbthale, östlich von Meissen und nordwestlich von Dresden ist seit langer Zeit eine kleine, von der Vernichtung durch Erosion wegen besonderer Lagerungsverhältnisse bewahrt gebliebene Scholle von dem der Stufe des Inoceramus Brongniarti ungehörigen Pläner kalk abgebaut worden. Sie wurde zuletzt bei der Bearbeitung der Section Kötzschenbroda der geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen von Th. Siegert untersucht, der die Aufnahme der Section im Frühjahr 1890 abschloss. Als später der Abbau des Kalkes weiter nach Südosten vor- rückte, stiess man auf eine dünne, vertikale Sandstein-, , Mauer“ ; eine Notiz in einer Dresdner Zeitung hat leider keine Beachtung gefunden, wohl weil die ganze Erzählung zu phantastisch erschien. Mancherlei Beobachtungen sind allerdings damit versäumt worden. Als ich nach meiner Berufung nach Dresden die Brüche bei Weipböhla im Frühling 1895 zum ersten Male besuchte, erkannte ich die wahre Bedeutung des Bestes der vermeintlichen Mauer, zeichnete Skizzen, nahm Photographien auf und untersuchte das Gestein. Ich zögerte aber mit einer Veröffentlichung, weil der Werkführer des Bruches einen weiteren Abbau gerade an der Stelle des anstehenden Sandsteinganges in Aussicht stellte. Der Aufschluss ist aber nicht besser geworden, vielmehr jetzt schon fast ganz überrollt, und in diesem Herbste ist wohl der ganze Abbau des Weinböhlaer Kalkes zum Erliegen gekommen; in Zukunft ist weder der petrefactenreiche Pläner- kalk noch der Rest des Sandsteinganges mehr zugänglich; sie sind beide abgebaut, und die Brüche werden eingeebnet. Die ehemaligen Plänerkalkbrüche von Weinböhla sind ausser durch ihren Reichthum an Petrefacten für die Geologie Sachsens auch noch da- durch wichtig, dass in ihnen der grösste Aufschluss für die grosse Lausitzer Ueber Schiebung vorhanden war. In den Erläuterungen zur Section Kötzschenbroda sind die Profile, die durch den Abbau des Pläners bloss- gelegt wurden, abgebildet und beschrieben worden: die ganz flach in NO einfallenden Plänerschichten sind an der Ueberschiebung durch den Syenit in gleichmässiger Krümmung bis zur Ueberkippung aufgerichtet worden. An der jüngsten Abbaustelle zeigte sich zu unterst Plänerkalk, darüber Pläner mergel 3 m mächtig, dann Syenitgrus 1 m mächtig und zu oberst eine gegen das Elbthal bis zu einer Mächtigkeit von 9 m zunehmende Ablagerung von diluvialem Haidesand. In diesem Profile ist besonders wichtig, dass der Plänerkalk nochmals deutlich von Mergel überlagert wird, worüber ältere Angaben nicht berichten konnten. Es zeigt sich, dass bei Weinböhla in ganz derselben Weise wie bei Dresden-Strehlen der Kalkstein mit Inoceramus Brongniarti von Plänermergel unter- und über- lagert wird. Dieses System von Plänermergel und Plänerkalkstein wird nun durchs setzt von dem Sandsteingang, der noch auf eine Länge von ca. 12 m und eine Höhe von 6 m im Anstehenden untersucht werden konnte. Der Gang ist nach glaubwürdiger Aussage des Werkführers durch die ganze Breite des Bruches auf eine Strecke von ca. 50 m hindurchgegangen; zahlreiche Blöcke des Ganggesteins konnten noch als Fundamente für die Rohre und Gerüste zur Wasserbewältigung im Bruche und in der Nähe der Werkführerwohnung beobachtet werden, da man den Sandstein als einziges nicht zerfrierendes Gestein des Bruches fürsorglich ausgebeutet hatte. Der Sandsteingang hat in einzelnen solcher abgebauten Blöcke eine Mächtigkeit von 33 cm und mehr; in seinem anstehenden Rest betrug die 82 Mächtigkeit 40—44 cm. Die Seitenflächen sind nicht ganz aber doch im Allgemeinen eben. Der Gang streicht in seinen später zu erwähnenden Theilen N 60—65 0 0 geogr. Mer. und fällt mit 86 0 in N; in seinem noch zu beobachtenden Rest steht er also annähernd saiger und streicht ungefähr senkrecht gegen die allgemeine Richtung der Lausitzer Ueber- schiebung an dieser Stelle. Quer durch den Bruch hat der Gang Kalkstein und den darunter- liegenden Mergel, vielleicht auch den darüberliegenden Mergel, falls dieser dort vorhanden war, durchsetzt, doch war der Gang zur Zeit meines ersten Besuches in der Sohle des Bruches infolge Ueberschüttung durch Abraum bereits nicht mehr zu sehen; im Anstehenden an der östlichen Wand des Bruches durchsetzte er ebenfalls den Kalkstein und den unteren durch Aufrichtung und Ueberkippung hinter dem Kalkstein emportauchen- den Mergel. Diese Gesteine sind aber an der erwähnten Wand, wo sie dicht vor der hier leider doch nicht mehr aufgeschlossenen Ueberschiebungs- fläche liegen, vielfach von Klüften durchsetzt und zum Theil ganz zermalmt. So ist es zunächst nicht weiter auffällig, dass das linke und das rechte Nebengestein des Ganges in Bezug auf Kalkgehalt und Spaltbarkeit meist nicht ganz übereinstimmen. Von dem Nebengestein ist der Gang durch einen schwachen Lettenbesteg getrennt. Das Gestein des Ganges ist ein hellgrauer, kalkiger Sandstein; seine allothigenen Quarzkörner sind durch Kalkspath zu einem sehr festen und zähen Gestein verkittet. Die allothigenen Quarzkörner sind farblos, ohne äusseres oder eingelagertes Pigment. Sie haben die Form kantiger Bruchstücke mit geringer Rundung an manchen Stellen; selten sind gut abgerollte Körner. Ihre durchschnittliche Grösse ist 0,2 bis 0,3 mm; die meisten haben annähernd dieselbe Grösse, einige wenige sind auch etwas grösser. Zerkleinert man das Gestein gröblich, und entfernt man den Kalkspath durch Salzsäure, so findet man auch noch viel kleinere Quarz- bröckchen hinab bis zu den winzigsten Splitterchen, die im Wasser unter dem Mikroskop nicht zur Ruhe kommen. Die Menge dieses Quarzstaubes liess sich quantitativ aus im Folgenden zu erwähnenden Gründen nicht bestimmen; sie ist aber jedenfalls sehr gering im Verhältniss zu d$n gleichinässig grösseren Quarzkörnchen. In dem ausgeschlämmten feinen Staube konnten durchaus nur Bruchstückchen von Quarz und recht wenig Partikelchen von „Thon“ zu nennender Substanz gefunden werden: authigene Elemente, Neu- bildungen, waren nicht aufzufinden. Auch wenn Dünnschliffe mit ganz ver- dünnter Salzsäure langsam entkalkt werden, sind in dem wieder mit Canada- balsam-Lösung vorsichtig bedeckten Präparate authigene Gemengtheile (ab- gesehen von dem alsbald zu erwähnenden Eisenkies) nicht zu beobachten. Die Quarzkörner enthalten bald kleinere, bald grössere Flüssigkeits- einschlüsse, vereinzelt auch die für manche Granitquarze charakteristischen opaken Nüdelchen. Die meisten Körner bestehen aus einem Individuum, selten sind feinkörnige Aggregate als allothigene Körner. Undulöse Aus- löschung ist in den Quarzen recht häufig. Nur ganz vereinzelt waren braune Blättchen von Biotit und Blättchen von gestauchtem, ganz zersetztem Glimmer und Körner von anderen allo- thigenen Gemengtheilen unter dem Mikroskop zu finden. Feldspath fehlt durchaus; dagegen sind noch ganz vereinzelte „Viridit“-Körnchen zu er- wähnen, die Glaukonit sein könnten; es waren ihrer aber nur eines in je zwei Dünnschliffen zu finden. 83 Diese allothigenen Quarzkörner sind nun wesentlich durch. Kalk- spath cementirt. Der Kalkspath tritt in Körnern, meist ohne Zwillings- streifung, auf; nicht selten lässt sich ein Kalkspathindividuum zwischen mehreren Quarzkörnern hindurch verfolgen; im Schliff liegen wohl auch bisweilen Quarzkörner ganz isolirt im Kalkspath und anscheinend ganz von ihm umschlossen. Doch steckt der Kalkspath auch auf engsten Fugen zwischen den Quarzkörnern. Fast überall enthält der Kalkspath den vor- hin erwähnten allerfeinsten Quarzstaub in ungleichmässiger Vertheilung als Einschluss, so dass er dadurch ganz trübe erscheint. Die chemische Analyse ergab an vier Proben einen durchschnittlichen Gehalt des Sandsteins von 30 Procent kohlensauren Kalkes ; von Magnesia wurde in dem Carbonat auch nicht eine Spur gefunden. Es ist kein merk- barer oder sicherer Unterschied im Gehalt an Kalkspath zwischen mittleren und seitlichen Partien des Sandsteinganges vorhanden. Der Gehalt an Kalkspath ist nur in dem Gestein nicht ganz gleichmässig verth eilt, wie das auch die mikroskopische Analyse erkennen lässt. An manchen Stellen fehlt der Kalkspath gänzlich, die Gesteinsmasse ist dann porös; solche Stellen haben auffälliger Weise immer die Form von etwa 1 cm langen und 1 — 2 mm dicken Stäbchen, die auf den Flächen derjenigen Blöcke, die schon einige Jahre den Atmosphärilien ausgesetzt waren, als durch Staub und Buss dunkel gewordene Streifchen zu erkennen sind. Ursprung und Bedeutung dieser durchaus nicht überall in den Blöcken vorhandenen Gebilde kann ich nicht erklären. Kocht man Scherbchen des Sandsteins anhaltend mit starker Salz- säure, bis chemische Beactionen erkennen lassen, dass durchaus aller Kalkspath aufgelöst ist, so behalten die Scherbchen trotz des sehr hohen Kalkgehaltes im Gestein ihre Form; nur wenige Quarzkörnchen fallen ab. Die Extraction des Kalkspathes aus Stückchen des Sandsteins auch durch kochende concentrirte Salzsäure geht nur sehr langsam von Statten, und die ausgelaugten Stückchen stellten einen porösen, aber immerhin noch recht festen „cementlosenu Sandstein dar, dessen einzelne Sandkörner sich unter der Lupe mit einer starken Nadelspitze meist nur mit einiger Mühe loslösen lassen. Entkalkte Scherbchen des Sandsteins lassen sich zer- brechen und zerreiben, aber kleinere Stückchen von wenigen Millimetern Durchmesser kann man durch Druck zwischen den Fingern nicht in Sand- körner zertheilen. Aus diesem Grunde konnte der Quarzstaub nicht quantitativ bestimmt werden. Unter der Lupe zeigt sich, dass in der zerriebenen Masse neben vielen einzelnen Sandkörnern immer auch Aggregate von Sandkörnern in Menge vorhanden sind, in denen also die einzelnen Körner wirklich fest mit einander vereinigt sind. Ganz anders verhält sich der sogenannte krystallisirte Sandstein von Fontainebleau, der bei der Behandlung mit Salzsäure ganz zerfällt. Ausser dem Kalk- spath ist in dem Sandsteingange von Weinböhla in geringerer Menge noch Eisenkies als authigener Gemengtheil vorhanden, der zwar seinerseits auch manche Quarzkörnchen verkittet; da aber sonst durchaus keine anderen, fein vertheilten authigenen Gemengtheile, etwa Kieselsäure, in irgend einer Form vorhanden sind, so müssen die allothigenen Quarzkörner selbst unter einander Zusammenhängen, mit einander verschweisst sein. Das ist nun auch unter dem Mikroskope zu beobachten. Kantige Quarzkörner im Dünnschliff eines klastischen Gesteins sind ja namentlich bei irgendwie reichlich vorhandenem Kalkspath- Cement 84 scharf begrenzt, und man erkennt im polarisirten Lichte leicht, ob ein Quarzkorn aus einem oder aus mehreren Krystallkörnern besteht: im letzteren Falle sind die Grenzen zwischen den krystallinen Individuen im zerstreuten Lichte nicht zu erkennen. Mit Verwunderung sieht man nun in den Dünnschliffen dieses Gang-Sandsteins mit seinem reichlichen Kalk- cement, wie oft mehrere, zwei, drei, ja sechs und sieben und noch mehr kantige Quarzkörner an einzelnen Stellen oder mit einzelnen Spitzen so dicht, so eng neben einander sitzen, dass die Grenze zwischen ihnen im zerstreuten Lichte manchmal kaum, manchmal durchaus gar nicht wahr- nehmbar ist. Auch wenn man den Schliff entkalkt und dann seine nackte Oberfläche unter dem Mikroskope studirt, wird man an solchen Stellen keine Discontinuität wahrnehmen. Die Umrisse aber eines solchen Com- plexes von zwei allothigenen Quarzkörnern lassen meist keinen Zweifel daran auf kommen, dass wirklich zwei einstmals isolirte Quarzkörner mit einander verbunden sind: wenn ein Quarzkorn mit einer Spitze fest mit der breiten Seite eines anderen verbunden ist, dann muss man doch sagen, dass ein solcher Complex als einzelnes allothigenes Quarzkorn unmöglich ist. Es erweist sich als nöthig, für diese Erscheinung den neuen Begriff der ersehweissung von Qnarzkörnern^ einzuführen. Seltener ist in diesem Gestein die Erscheinung, dass nach Art der Gerolle mit Ein- drücken ein Quarzkorn mit kleinerem Krümmungsradius in eine Stelle eines anderen Quarzkorns von grösserem Krümmungsradius eingedrückt ist. Beide Erscheinungen aber weisen darauf hin, dass mechanische Kräfte bei der Entstehung des Sandsteinganges zur Entfaltung ge- kommen sind. Der Sandstein des Ganges enthält im Durchschnitt 30 Procent Kalk- spath. Da nun die specifischen Gewichte von Quarz und Kalkspath nur wenig von einander verschieden sind, so kann man, ohne einen Fehler zu begehen, auch 30 Volumprocente für den Kalkspath in Anspruch nehmen. Der durch Kalkspath verkittete lockere Sand hatte also ein Porenvolumen von 30 Procent, für diesen Fall ein sehr geringes Porenvolumen. Bei dichtester Lagerung gleichgrosser kugelförmiger Bodenbestandtheile beträgt das Porenvolumen 25,95 Procent. E. Rain ann schreibt dazu in seiner „Forst- lichen Bodenkunde und Standortslehre“, Berlin 1893: „es ist nicht ohne Bedeutung, dass feinkörnige Sande, welche den Boden von Seen oder den Untergrund von Mooren bilden, ein Porenvolumen besitzen, welches fast genau dem der theoretisch berechneten dichtesten Lagerung entspricht“; er giebt aber weiter nichts an über die besondere Beschaffenheit dieser Sande. An einer Probe von Braunkohlensand, dessen Körner alle scharf- kantig sind und einen Durchmesser von 0,1 — 0,4 mm besitzen, bestimmte ich das Porenvolumen zu 37,8 Procent, indem dabei der unter Wasser stehende Sand nur durch lange fortgesetztes Aufstossen des Masscylinders zu engster Lagerung seiner Theilchen gebracht wurde. Ein anderer Braun- kohlensand, der an einer Quelle entnommen war und fast gar keinen „Staub“ enthielt, wies sogar ein Porenvolumen von 40, o Procent bei einer sehr gleichmässigen Grösse der scharfkantigen Körner von 0,2 — 0,4 mm Durchmesser auf. Hieraus dürfte hervorgehen, dass der Sand des Sandsteinganges vor seiner Cementirung oder vielleicht auch noch während seiner Cementirung einer Pressung unterworfen gewesen ist, die einfach vom Nebengestein der mit Sand erfüllten Kluft, die sich wieder schliessen wollte, ausging. Dieser 85 Druck leitete nun die Verschweissung der Sandkörner ein, indem dabei wohl auch der in Lösung hinzugeführte kohlensaure Kalk als Lösungs- mittel, als Auflockerungsmittel der Grenzmolekeln der Quarze eine Rolle spielte. Es wurde schon oben erwähnt, dass als zweiter authigener Gemeng- theil in dem Gangsandstein Eisenkies vorhanden ist. Seine Individuen erscheinen als kleine, oft recht scharf ausgebildete Würfel von 0,03 bis 0,1 mm Kantenlänge. Der Eisenkies ist im Gestein in geringer Menge allgemein verbreitet; nicht selten tritt er dabei auch in Gruppen von Krystallen auf, die auch die Form von längeren, dünnen Stäben mit zackiger Oberfläche annehmen können. Die gute Formentwickelung der Eisenkieskryställchen scheint darauf hinzuweisen, dass sie sich vor dem Kalkspath, nicht gleichzeitig mit ihm gebildet haben. Damit stimmt es überein, dass der Sandsteingang in seiner Mitte in einer 2,5 — 3 cm mächtigen Lage recht reich an Eisenkies ist und dadurch eine gewisse Verwandtschaft mit Mineralgängen mit seitlich symmetrischer Structur erhält. Doch ist diese an Eisenkies reiche Mittelzone nicht immer vor- handen. Durch Umwandlung des Eisenkieses in Brauneisenstein und da- mit Hand in Hand gehende Auslaugung des Kalkspathes ist gelegentlich die Mittelzone in einen ganz mürben, eisenschüssigen Sandstein umge- wandelt worden. Eine besondere Kluft oder eine nur aus Eisenkies oder nur aus Kalkspath oder aus beiden Mineralien bestehende Mittelzone auch etwa von nur geringster Mächtigkeit ist aber niemals vorhanden. Sonst ist in der ganzen Masse des Sandsteinganges kein Kornunter- schied, keine vertikale Plattung, keine horizontale Schichtung zu be- obachten; abgesehen von der nicht immer vorhandenen an Eisenkies reicheren Mittelzone ist das Gestein des Ganges homogen. Höchstens sieht man im Dünnschliff bei schwacher Vergrösserung ein oder ein anderes Streifchen von feinerem Korn hervortreten; es wurde ja auch schon oben darauf hingewiesen, dass das Kalkspathcement nicht ganz gleichmässig vertheilt ist. Von accessorischen Bestandmassen wurden in dem Sandsteingange nur wenige Fetzen von Mergel in der Nähe der Saalbänder beobachtet, die offenbar unmittelbar vom Nebengestein herstammen. Wichtiger aber ist es, dass in den herumliegenden Sandsteinblöcken auch ein, und zwar trotz langem Suchen nur ein einziges Gerolle von Pläner mergel ge- funden wurde. Das Gerolle ist 11 cm lang und ca. 6 cm dick und breit, gut abgerundet, aber an dem einen Ende durch eine fast ebene Fläche, gleichsam eine Bruchfläche, begrenzt. Es ist ein dunkler Plänermergel mit einem, wenigstens jetzt als Einschluss im festen Gestein, geringen Gehalt an Kalkspath. Viele Blöcke des Sandsteinganges sind von Kalkspathadern von 2—10 mm Mächtigkeit durchzogen, die bald spärlicher, bald etwas reich- licher auftreten und regellos verth eilt sind, im Allgemeinen aber doch den Gang vielfach quer durchsetzen. Der ganze Gang hat offenbar eine Zerklüftung in Quadern aufgewiesen, so dass er den Steinbrechern wie eine Cyclopenmauer entgegentrat. Es besteht in ihm aber stellenweise, wie die umherliegenden Blöcke lehren, auch eine Zerklüftung mit Ver- schiebung der Stücke quer gegen die Gangplatte um 1 — 2 cm auf Klüften, die durch Kalkspath erfüllt sind. Die Seitenflächen des Ganges zeigen eben stellenweise scharfes Hervortreten oder Einsinken der Theilstiicke. 86 Auch das Nebengestein des Ganges ist ja mehrfach sowohl parallel dem- selben als senkrecht gegen ihn zerklüftet, und im Anstehenden fand sich nun der ganze Gang selbst zerbrochen und verworfen und zwar so, dass zwei Stücke des Ganges an einander vorbeigeschoben sind. Im Grundriss erscheint der Gang auf eine horizontale Strecke von 6,6 m doppelt. Die beiden schräg abgebrochenen Gangstücke berührten sich an der dem Kalkbruch zugewandten Seite, divergirten aber nach hinten um 30 cm. Die Stücke des Ganges sind aber offenbar nicht nur in horizon- taler Richtung an einander verschoben worden, sondern zugleich auch in verticaler verworfen, oder aber verschoben in einer gegen den Horizont geneigten Richtung, die sich wohl einfach durch die mit 35° in SW ein- fallenden Streifen eines ausgezeichneten Harnisches auf der inneren Seite des nördlichen Gangstückes (an der Seite dieses Gangstückes gegenüber dem anderen) bestimmen lässt. Der volle Betrag der schrägen Ver- schiebung liess sich an dem noch erhaltenen Reste des Ganges nicht mehr feststellen; die Verschiebung betrug noch wie oben angegeben 6,6 m, die Verwerfung im verticalen Profil ca. 1,5 m. Da der Sandsteingang ungefähr senkrecht zu der Richtung der grossen Lausitzer Verwerfung streicht und in ihrer unmittelbarsten Nachbarschaft aufsetzt, so ist wohl ohne Weiteres die Verschiebung des Ganges mit eben dieser Lausitzer Ueberschiebung in Zusammenhang zu bringen; man kann auch mit Recht vermuthen, dass die Harnischstreifen senkrecht auf der an der Stelle des Ganges gerade nicht mehr aufgeschlossenen Ueber- schiebungsfläche stehen, die somit unter 55° in NO einfallen würde, was sehr gut mit den älteren aus den Steinbrüchen von Weinböhla veröffent- lichten Profilen übereinstimmt. Zur Bestimmung des Alters des Sandsteinganges müssen wir, da Petrefacten in ihm fehlen, zunächst unsere Zuflucht nehmen zu einer Vergleichung des ursprünglich vorhandenen Sandes mit anderen Sanden und Sandsteinen der Umgegend. Von dem Haidesand, der jetzt den Gang oberflächlich verhüllte, kann sein Material nicht abstammen, denn die Körner des Haidesandes sind grösser, von mannigfaltigerer Beschaffen- heit und vor allem stark abgerollt und abgerundet. Und da der Sand- steingang augenscheinlich zur Zeit der Entstehung der Lausitzer Ueber- schiebung schon vorhanden und festes Gestein war, so kann er überhaupt nicht diluvialen Alters sein, da die Ueberschiebung älter ist. Der oben angeführte Syenitgrus, der älter ist als der Haidesand, kann ebenfalls nicht das Material geliefert haben, da er, abgesehen von seiner Zusammen- setzung, ein ganz locales Gebilde und nicht einmal über der Stelle des Sandsteinganges zur Ablagerung gelangt ist. Nun liegt über dem Brongniarti-Pläner resp. Quader im Elbthale bei Pirna in nicht allzu grosser Entfernung von Weinböhla noch der jüngere Ueberquader, den W. Petraczek in diesen Abhandlungen 1897, I. Heft, S. 24 fig. als dem Untersenon angehörig bestimmt hat. Der Ueberquader hat bei Pirna noch die bedeutende Mächtigkeit von über 50 m; er muss einstmals noch weiter nordwärts vorhanden gewesen sein. Dass also jetzt keine Relicte von ihm in der Gegend von Weinböhla Vorkommen, dass dort auch nicht mehr das Gebiet der Quadersandstein-Facies des Turons, sondern das der Pläner-Facies vorliegt, dürfte in dieser Frage nicht ent- scheidend sein. Aber die Körner des Ueberquaders sind stets gröber, mannig- faltigerer Art, und es sind für ihn, wie auch für manche älteren Quader- 87 Sandsteine rosarothe Quarzkörner vielfach geradezu charakteristisch. Könnte also einstmals über dem Pläner von Weinböhla auch noch eine Decke von Ueberquader vorhanden gewesen sein, so ist das doch schon nicht sehr wahrscheinlich, und ein anderer Ursprung des Sandes des Sandsteinganges stimmt besser mit den gegebenen Thatsachen überein. J. S. Diller hat für die Sandsteingänge im nördlichen Californien er- kannt, dass das Sandmaterial für dieselben aus der Tiefe emporgepresst worden ist. Der Pläner von Weinböhla liegt wahrscheinlich über einem wenig mächtigen System von cenomanen Schichten , die an dem weiter nordwärts gelegenen Tunnel bei Oberau von H. B. Geinitz untersucht worden sind und ,,aus einem theils kalkigen, theils kalkfreien, mehr oder weniger thonigen , dunkelgraugrünen bis schwarzgrünen , meist glaukonitischen Sandstein (Grünsandstein) und einem sandigen, glaukonitischen Mergel, welche nach ihrer Basis hin durch Aufnahme von Gerollen benachbarter Gesteine zu Conglomeraten werden“, bestehen (Erl. zu Sect. Kötzschen- broda, S. 34). Damit stimmt nun die Beschaffenheit des Sandsteinganges gar nicht überein, dem ja Glaukonit, man kann dreist sagen, ganz fehlt. Andere sedimentäre Formationen liegen aber weiter nicht unter dem Turon; die obere Kreide ruht in dortiger Gegend unmittelbar auf Granit, Syenit und Gneiss. Es, kann also das Material des Sandsteinganges nicht von unten emporgedrungen sein. Als jüngere Bildungen liegen nun auf dem krystallinen Grundgebirge noch oligocäne Kiese, Sande und Thone, die jetzt in der Nachbarschaft von Weinböhla nur noch in einzelnen Belicten erhalten sind, früher aber, vor der Zeit des Diluviums, entschieden eine grössere Verbreitung be- sessen haben. Die Sande sind bald feinkörnig, bald grobkörnig, sie ent- halten stellenweise, nicht immer, die festen Knollensteine. Das Sand- material der letzteren zeigt nun bei mikroskopischer Untersuchung in Grösse, Form und sonstiger Beschaffenheit der Quarzkörner, wie besonders durch oft vorhandene undulöse Auslöschung, ferner in dem Fehlen aller Feldspathbrocken und fast aller anderen mineralischen Gemengtheile die allergrösste Aehnlichkeit mit dem Material des Sandsteinganges. Es giebt feinkörnige Knollensteine, deren Quarzkörner namentlich auch in Bezug auf Grösse und Form so genau mit denen des Sandsteinganges übereinstimmen, wie dies nur überhaupt bei den allothigenen Quarzen klastischer Gesteine zu bestimmen möglich ist. Auch die oben in Bezug auf ihr Porenvolumen untersuchten sächsischen Braunkohlensande stimmen hiermit überein. Ueber die Plänerbrocken an den Saalbändern im Sandsteingange braucht weiter nichts ausgesagt zu werden; es sind das wenig weit transportirte Brocken des Nebengesteins. Das einzige im Sandsteingange gefundene Gerolle von Plänermergel spricht durch seine geringe Festigkeit für einen Transport aus der Nähe; der Plänermergel, sowohl der unter dem Pläner- kalkstein, wie der über ihm liegende, muss aber früher vor der Entstehung der Lausitzer Ueberschiebung,* vor der Ablagerung des Oligocäns eine weitere oberflächliche Verbreitung gehabt haben. Im Sande des Sand- steinganges kann das Stück Plänermergel nicht seine Form, etwa durch Bewegung und Verschiebung des Sandes erhalten haben; es fehlt neben dem Mergelgerölle aller Thon ebenso wie sonst in dem Gange, die Pläner- stücke im Gange sind ja sonst scharfkantige Fetzen, und die Form des Ge- rölles ist durchaus die eines Fluss- oder Ufergerölles, wobei noch daran 88 zu erinnern ist, dass es vor seiner Einhüllung im Sande des Ganges recht wohl einen etwas grösseren Gehalt an Kalkspath und dadurch grössere Festigkeit besessen haben kann. Da nun von Eocän, Miocän und Pliocän in der Gegend von Weinböhla nichts vorhanden ist und wohl wie überhaupt in diesem Theile Sachsens auch nie vorhanden gewesen ist, so muss nach Allem der Sand des Sand- steinganges den oligocänen Sanden entstammen, die hier niemals Petre- facten enthalten, deren Alter aber nach einer gefälligen Mittheilung von Herrn Professor Th. Siegert doch mit Sicherheit als unteroligocän ange- geben werden kann. Es bleibt nun noch übrig, die Entstehung und die Geschichte des Sandsteinganges von Weinböhla kurz zu skizziren. Nach der Ablagerung des turonen Pläners und vielleicht des Ueber- quaders wurde ein grosser Theil dieser Sedimente in der langen Zeit des oberen Senons und des Eocäns durch Erosion entfernt. Es schlugen sich in einzelnen Seebecken und vielleicht Flussläufen die Kiese, Sande und Thone des Unteroligocäns nieder, die im jüngeren Tertiär auch wieder durch Erosion zum grossen Theile entfernt wurden. Aber gegen das Ende der unteroligocänen Zeit beginnen im Gebiete der nachmaligen Lausitzer U eher Schiebung Bewegungen im Boden, Erdbeben, gleichsam Vorläufer der Ueberschiebung, einzutreten. Es reisst bei einem Erdbeben der Boden, das feste turone Gestein, in einer Spalte auf, in die sogleich der darüberliegende lockere unteroligocäne Sand eindringt. Der Sand ist über der Kluft in grösserer Mächtigkeit vorhanden, er füllt die Spalte augen- blicklich, es entsteht keine Schichtung in der Kluftausfüllung. Die Kluft will sich wieder schliessen, ihre Wände pressen den Sand zusammen, der bereits von den Sickerwassern durchtränkt ist. Aus diesen scheidet sich etwas Eisenkies ab, dann aber Kalkspath, der augenscheinlich dem Neben- gesteine entstammt. Dass in dem Sandsteingange Knollensteine fehlen, ist nicht im Geringsten auffällig; diese sind nicht in allen oligocänen Sand- ablagerungen vorhanden, und überdies sind es wohl jüngere Bildungen, über die uns allerdings eingehendere Untersuchungen noch fehlen. Der Sand- steingang entsteht also gegen Ende des Unteroligocäns oder gleich darnach. In dieser Zeit muss auch, nur noch wenig später, die Lausitzer Ueber- schiebung eingetreten sein; das Vorkommen der jüngeren Eruptivgesteine beiderseits der Ueberschiebung in der östlichen Lausitz, in der Zittauer Gegend, spricht dafür. Die Entstehung der Lausitzer Ueberschiebung hat zur Folge die Zertrümmerung und Verschiebung des Sandsteinganges, die Harnischbildung und die Durchtrümmerung mit Kalkspathadern: diese haben sich unzweifelhaft erst später nach der Verfestigung des Gangsandsteins gebildet, da mehrfach feinste Aederchen von Kalkspath mitten durch ein- zelne Quarzkörner hindurchgehen, deren gleiche optische Orientirung auf- weisende und deshalb augenscheinlich zusammengehörige Bruchstücke beiderseits eines Aederchens unter dem Mikroskope beobachtet werden konnten. Erosion entfernt im jüngeren Tertiär weitere Theile des Turons und des Oligocäns; unter einer Decke von diluvialem Haidesand bleibt uns der Sandsteingang erhalten als Zeuge vorweltlicher Erdbeben, als Seismograph, wie Pawlow sagt. Leider liess sich der Gang, der ja erst durch Steinbruchsbetrieb aufgeschlossen wurde, wegen der Decke von diluvialen Bildungen nicht weiter verfolgen; es wäre von hohem Interesse gewesen, festzustellen, ob der Gang noch über die Ueb er schiebungsfläche 89 hinaus in den Syenit fortsetzte oder nicht, denn darnach hätte sich sein Alter noch genauer oder noch sicherer bestimmen lassen. In der auf Taf. III nach einer Photographie wiedergegebenen Ansicht des Sandsteinganges fällt der undeutlich geschichtete Pläner im Vorder- gründe flach gegen den Beschauer ein ; im Hintergründe, im obersten Theil der Abbildung, stehen die Schichten fast saiger, indem sie sich bis dorthin auf eine Bildtiefe von 12 m in gleichmäßiger Wölbung aufgerichtet haben. XIII. Nachträge zu der Abhandlung von 0. Schneider: Ueber eine zuerst in Dresden aufgefundene neue Pelzmilbe des Bibers*). Von Dr. E. Trouessart und Prof. Dr. O. Schneider. Herr Dr. E. Trouessart hat die Redaction unserer Jahresberichte um Aufnahme des Nachstehenden ersucht: Paris, 15. Novembre 1897. Monsieur le President! On me communique une Note du Prof. 0. Schneider publiee dans les „Abh. Naturw. Ges. Isis in Dresden“, 1897, Heft I, sous ce titrp: „Ueber eine zuerst in Dresden aufgefundene neue Pelzmilbe des Bibers“, et dans laquelle M. G. Mingaud (de Nimes) et moi sommes accuses, en termes injurieux, d’avoir der ob e aux naturalistes Allemands la priorite de la de- couverte du Schizocarpus Mingaudi que j’ai decrit, dans les „Comptes- Rendus hebdomadaires de la Societe de Biologie“ du 31. Janvier 1896. On est surpris de voir M. 0. Schneider se meler de cette affaire qui ne le regarde pas, puisque, des l’annee 1892, il avait laisse a d’autres le soin de decrire l’Acarien. Messieurs Kramer et Friedrich, qui seuls pour- raient se considerer comme leses, n’ont pas reclame, et .je tiens de bonne source qu’ils n’ont pas Charge M. Schneider de le faire a leur place. Ma reporise sera facile et tres nette sur tous les points: 1. J’ignorais que M. 0, Schneider eut recolte l’Acarien sur le Castor des 1892. Je Tai appris seulement par la Note de M. Kramer sur Yllapto- soma truncaium publiee dans le „Zoologischer Anzeiger“ du 30. Mars 1896, deux mois apres la mienne. 2. J’ai connu l’existence d’un Acarien pilicole sur le Castor par une lettre de M. G. Mingaud en date du 8. Janvier 1896, relative au Platy- psyllus castoris. En me parlant, incidemment, de cet Acarien, decouvert par M. Friedrich au mois de Juillet 1895, M. Mingaud ne pensait pas commettre une indiscretion, puisque M. Friedrich ne lui avait pas demande le secret. Bien plus, M. Mingaud croyait V Histiopliorus castoris deja decrit et publie en Allemagne. 3. M. Mingaud ne m’a pas envoye de materiaux avant que les trois descriptions ne fussent publiees. J’ai decrit le Schizocarpus , comme je l’ai dit dans mes Communications successives, d’apres des Acariens re- *) Abhandl. naturwiss. Ges. Isis in Dresden, 1897, No. III. 91 cueillis par moi sur des peaux de Castor d’Amerique, au Museum d’Histoire Naturelle, et sur une peau de Castor du Rhone montee par M. Petit aine, naturaliste a Paris. Messieurs Kramer et Friedrich peuvent affirmer l’exactitude de tous ces faits. J’avais donc absolument le droit de decrire l’Acarien sans me preoccuper des etudes faites parallelement en Allemagne. Les naturalistes competents comprendront sans peine l’interet que presentait cette nou- velle forme, si specialisee, pour moi qui avais deja decrit toutes les autres formes de la sous-famille des Chirodiscinae, c’est-a-dire les genres Campylochirus , Chirodiscus et Labidocarpus , pres desquels vient se placer le Schizocarpus. J’espere qu’apres cette explication, M. Schneider regrettera une attaque que rien n’avait provoque, et surtout les expressions malsonnantes qui sont echappees a sa plume. Veuillez agreer, Monsieur le President, l’assurance de ma conside- ration distinguee, Dr. E. Trouessart. 112, Avenue Victor Hugo, Paris. Zu dem vorstehenden Briefe bemerkt Herr Prof. Dr. 0. Schneider: Meine Absicht bei der von Herrn Trouessart angegriffenen Besprechung ging dahin, die Thatsache, dass jene merkwürdige Milbe zuerst in Dresden und an einem Elbbiber gefunden worden, in den Berichten der Isis fest- zulegen, da diese sich insbesondere die Erforschung des engeren Vater- landes zur Aufgabe gestellt hat; ich war dazu umsomehr veranlasst, da Herr Professor Kramer jene an sich nöthigen Angaben in seiner Ver- öffentlichung nicht berücksichtigt hatte. Dass ich daran eine Mittheilung über das weitere Schicksal meiner Milben knüpfte, das war durchaus selbstverständlich und mein volles Recht, zumal da ich das neue Thier zuerst aufgefunden hatte, denn der Entdecker einer neuen Art hat auch Verdienst und Recht an derselben, und zwar oft mehr als der zufällige Beschreiber. Für die Ueberraschung des Herrn Trouessart fehlt also jeder Grund, dagegen bieten uns seine Mittheilungen Veranlassung genug zu berechtigtem Erstaunen. Herr E. Trouessart hat in seiner Veröffentlichung die von Mingaud (nach Friedrich’s Anweisung) gefundenen Milben an erster Stelle erwähnt und dann hinzugefügt, dass er das Thier dann auch an ausgestopften Bibern aus Kalifornien und vom Rhone wiedergefunden; er hat dasselbe nach Mingaud benannt und gelegentlich erwähnt, dass es nach dem Ab- sterben des Bibers noch einige Tage am Leben bleibe, was er an seinen alten, todten Stücken doch gewiss nicht hat beobachten können; wer hätte darnach vermuthen können, dass Herr E. Trouessart, wie er jetzt versichert, diese winzig kleine Milbe, bei der es sich nicht nur um Beschreibung einer neuen Art, sondern um Feststellung der Unterscheidungsmerkmale einer neuen Gattung handelte, lediglich nach den an ausgestopften Bibern ab- gelesenen, doch wohl Jahre (oder Jahrzehnte?) bereits todten, eingetrockneten Thieren beschrieben habe, ohne das frische Material herbeizuziehen, das er doch in ein oder zwei Tagen von Nimes her erhalten konnte? Für unsere Streitfrage ist übrigens die Thatsache, ob Herr Trouessart Mingaud’s Material mitbenutzt oder der Beschreibung nur Thiere zu Grunde gelegt 92 hat, die er auf Mingaud’s Anregung hin selbst gesammelt hat, durchaus unwesentlich, dagegen sehr werthvoll, dass er uns selbst mittheilt, Mingaud habe ihn benachrichtigt, dass Friedrich ein halbes Jahr früher eine Biber- milbe gefunden und dieselbe wohl bereits unter dem Namen Histiophorus castoris beschrieben und veröffentlicht habe, denn damit bestätigt er meine Yermuthung und giebt mir vollkommen recht. Herr E. Trouessart behauptet freilich, er habe also (!?) durchaus das Recht gehabt, die Milbe zu beschreiben, ohne sich um in Deutschland ausgeführte gleiche Untersuchungen zu kümmern, wir aber behaupten, er hatte dies Recht durchaus nicht, der wissenschaftliche Brauch verlangte vielmehr, dass er, ehe er an die Veröffentlichung ging, sich unbedingt erst Klarheit verschaffte, ob die fragliche Veröffentlichung Friedrich’s wirklich erfolgt sei und ob die in derselben beschriebene Milbe der, welche er beschreiben wollte, gleich oder nicht gleich sei; denn die Pflicht des be- schreibenden Gelehrten ist nur der Wissenschaft zu dienen und diese nicht mit Synonymen zu belasten, die im vorliegenden Falle um so schwerer wiegen, da sie auch die Gattung mitbetreffen. Des Herrn Trouessart Hin- weis darauf, dass die Milbe doch für ihn hätte besonderes Interesse haben müssen, da er alle anderen Formen der Unterfamilie Chirodiscinae be- schrieben habe, kann die Thatsache, dass er sein Interesse über das der Wissenschaft gestellt hat, weder ändern noch rechtfertigen, denn ein all- einiges Recht, ein Monopol, die Thiere einer bestimmten Gruppe zu be- schreiben, wird in der Wissenschaft Niemandem zuerkannt, noch viel weniger aber kann es sich Jemand selbst anmassen. Ich habe somit keine Ursache etwas zu bereuen, hoffe aber, dass nach dieser Aufklärung Herr E. Trouessart bedauern werde, der Wissen- schaft zum Schaden ein Thier mit neuen Namen belegt zu haben, das, wie er nach den ihm zugegangenen Mittheilungen sicher voraussetzen musste, bereits veröffentlicht und damit in gültiger Weise benannt worden war. Prof. Dr. Oskar Schneider. Blasewitz, Südstr. 5. XIY. Beiträge zur Flora Saxonica. Von Bürgerschullehrer H. Hofmann. Zum letzten Male wurden meine floristischen Beobachtungen im Jahre 1895 der botanischen Section der Gesellschaft „Isis“ vorgelegt und in dem entsprechenden Hefte ihrer Sitzungsberichte veröffentlicht. Es hat sich seitdem wieder eine ziemliche Menge neuer Beobachtungen angehäuft, so dass eine abermalige Veröffentlichung derselben lohnend er- scheint. Die Beobachtungen beziehen sich fast ausschliesslich auf die polymorphen Gattungen unserer Flora und es wurden die Belegexemplare am 9. December 1897 der botanischen Section der „Isis“ vorgelegt. Um Irrthümer, die sich gerade bei den kritischen Gattungen so leicht ein- schleichen und sich dann fast unausrottbar weiterschleppen, nach Mög- lichkeit zu vermeiden, habe ich meine Funde Autoritäten zur Bevision bez. zur Bestimmung vorgelegt. Ich bin in dieser Hinsicht den Herren Prof. Dr. Borb äs -Budapest (Mentha), H. Brau n- Wien {Mentha), Fr. Crepin- Brüssel (Rosa), Dr. W. 0. F ocke -Bremen (Ruhm), K. Friderichsen-Hoyer (Ruhus), 0. Gelert-Kopenhagen (Ruhm), Prof. Dr. Oborny-Znaim ( Hiera - cium ), Prof. Dr. Sagorski-Pforta (Rosa, Hieraemm) und Prof. Dr. Wett- stein Ritter von Westers heim- Prag (EupMasia) für ihre mir gütigst ge- währte Unterstützung und ihre Mühewaltung zu grossem Danke verpflichtet, und es ist mir eine angenehme Pflicht, demselben auch an dieser Stelle Ausdruck zu verleihen. Zu einigen Gattungen seien noch verschiedene Vorbemerkungen gestattet. Bieten die Brombeeren an sich schon manche Schwierigkeiten bezüg- lich der Ab- und Umgrenzung der Arten, so sind die Rubi corylifolii ob ihrer Widerspenstigkeit bei Versuchen, sie in ein System zu zwängen, ge- radezu verrufen. Diese Gruppe, welche ausser Ruhm caesius L. alle Zwischenformen zwischen R. caesius einerseits und den anderen An- gehörigen des Subgenus Euhatus andererseits umfasst, ist besonders reich im Norden entwickelt. Es waren daher namentlich skandinavische Bota- niker, welche sich besonders mit dieser Gruppe der Brombeeren befassten und versuchten, dieses Chaos zu entwirren. In neuester Zeit sind nament- lich die Herren K. Friderichsen und 0. G eiert nach dieser Richtung hin thätig gewesen und diese haben auch die deutschen Corylifolier in den Kreis ihrer Studien gezogen. Sie glauben gefunden zu haben, dass diese und speciell auch unsere sächsischen Formen zum Theil recht gut mit den nordischen übereinstimmen. Es kann daher nur zur Klärung dieser Gruppe beitragen, wenn wir uns bezüglich der Auffassung und Benennung der Arten diesen Botanikern anschliessen. 94 Zunächst schlagen die Herren 0. Gelert und K. Friderichsen vor*), alle diese Zwischenformen von R. caesius und den anderen Eubatus- Arten in eine Sammelart zusammenzufassen und die einzelnen Formen als Unter- arten zu betrachten. Dies lässt sich sehr wohl rechtfertigen, da trotz der oft bedeutenden Unterschiede der Corylifolier untereinander doch alle un- verkennbar die Merkmale gemeinsam haben, die ihnen R. caesius auf- geprägt hat: sitzende Seitenblättchen, breite Nebenblätter, verkürzte Blüthenstände etc. Die genannten Batographen gebrauchten in ihren „Rubi Daniae exsiccati“ für diese Gruppe zunächst den Namen Rubus milliformis , neuerdings verwendet aber K. Friderichsen in seiner Abhand- lung „Beiträge zur Kenntniss der Rubi corylifolii“ (Bot. Centralblatt LXXI, 1897) den älteren Namen R. corylifolius Smith im erweiterten Sinne. Es finden sich nun hin und wieder auch Pflanzen, die man mit völliger oder ziemlicher Sicherheit als directe Bastarde des R. caesius deuten kann, zumal wenn man das Consortium beachtet. Diese Pflanzen fallen nach ihren morphologischen Merkmalen auch unter den Begriff des R. corylifolius , aber dieselben sind natürlich mit der gebräuchlichen Be- zeichnung für Bastarde, die zugleich ihre Herkunft angiebt, zu versehen* Dies sollte aber eben nur dann stattfinden, wenn Alles, morphologische Beschaffenheit, Consortium etc., nur für die eine Deutung spricht. Meist kommen solche zweifellos primäre Bastarde in geringer Individuenzahl vor. Die weitverbreiteten Corylifolier sind häufig bezüglich ihres Ursprungs mehr als einer Deutung zugänglich. Auf blosses „Errathen“ hin, wie es gegenwärtig von verschiedenen Seiten beliebt wird, soll man aber keine Bastarde als solche aufstellen. Die Anordnung der Menthen habe ich nach dem System H. Braun’ s getroffen, wie er es in seiner Abhandlung ,,Ueber einige Arten und Formen der Gattung Mentha“ in den Verhandlungen der zoologisch -botanischen Gesellschaft in Wien, 1890, p. 351 aufgestellt hat. Die unten aufgeführten Formen entstammen zum grössten Theil dem bekannten Schülerthal bei Zittau. Die Ufer der Mand'au zeigen hier eine so üppige Fülle von In- dividuen und Formen, wie sie wohl selten auf einem so eng begrenzten Gebiete angetroffen wird. Es sind hier alle Bedingungen zur Entstehung von allen möglichen Bastardformen erfüllt und wahrscheinlich sind manche der angeführten Formen hybrider Abkunft. Leider haben aber elementare Ereignisse in den letzten Sommern eine beabsichtigte weitere Nachforschung nach dieser Richtung hin vereitelt. Fiiices. Aspidium montanum Aschers. Grossenhain: im Walde bei Brockwitz, 11. Juli 1896. Asplenium Germanicum Weis. Meissen: an Felsen bei der Buschmühle, mit A. septentrionale , während A. Trichomanes gegenwärtig zu fehlen scheint, 15. Juli 1896. — Oberlausitz: am Steinberg (Seidel’s Berg) bei Bertsdorf mit den Eltern sehr zahlreich. Hier auch die forma montana sehr schön entwickelt, 7. Juli 1896. PI. er. Sax. 49**). Am Roschers- *) „Danmarks og Slesvigs Rubi“, in Bot. Tidsskrift XVI, p. 100. **) „Plantae criticae Saxoniae“, herausgegeben vomRef., bringen in jährlichen Fasch kein von 25 Nummern die Formen unserer polymorphen Gattungen in getrockneten Exem- plaren. Gegenwärtig erscheint das 3. Fascikel. Diese Exsiccaten werden u. a. den öffent- 95 berge seltener, 12. August 1896. Am Breiteberge bei Grossschönau sparsam unter den Eltern, 1. October 1896. Cypcraceae. Car ex acuta Good x vulgaris Fr. Niederes Erzgebirge: am Tauwald- teiche bei Hohenstein, 24. Mai 1895. — Buxbaumii Wahlnb. Grossenhain: im grossen Spittelteiche, 11. Mai 1896. PI. er. Sax. 47. — stricta Good. Grossenhain: im grossen Spittelteiche in grosser Menge, 11. Mai 1896. PI. er. Sax. 46. Orckidaceae. Goodyera repens R. Br. Oberlausitz: am Oderwitzer Spitzberg, sparsam, 4. August 1897. Rosaceae, a) Rosa. Rosa trachyphylla Ran. var. marginata (Wallr.). Grossenhain: bei Por- schütz, 27. Juni 1896. — tomentosa Sm. var. einer ascens. (Dum.). Meissen: bei Löbsal, 20. Juni 1896. — tomentosa Sm. var. subglobosa Baker. Bei Grossenhain, 23. Juni 1896. — Gallica L. Grossenhain: im Grunde bei Blattersleben, sehr spärlich, 25. Juni 1897. — Gallica X dumetorum. Grossenhain: im Grunde bei Blattersleben, 19. September 1896. PI. er. Sax. 65. — G allicax coriifolia. Meissen: am Tunnel bei Oberau, 19. Juni 1897. b) Rubus. Subgen. Cylactis Raf. Rubus saxatilis L. Zittau: im Hofebusch zwischen Grossschönau und Spitz- kunnersdorf, 10. August 1897. Subgen. Eubatus Focke. 1. Suberecti Focke. / — sulcatus Yest. Meissen: am linken Elbufer, Sörnewitz" gegenüber, 10. Juli 1897. — nitidus Wh. et N. Grossenhain: an der Röder bei der Baudaer Mühle, 1. Juli 1896. Bei Thiendorf auf trockenem Sandboden, 22. Juni 1897. — Meissen: im Golkwalde häufig, 20. Juni 1896. PI. er. Sax. 26. Bei Weinböhla, 24. Juni 1896. — WTaldenburg: im Grünefelder Park, 6. Juli 1895. Im niederen Erzgebirge sowohl, als auch in der Lausitz scheint diese im Elbgebiet so häufige Art zu fehlen. Die Waldenburger Pflanze liehen Herbarien und naturhistorischen Sammlungen der Universität zu Leipzig, der Technischen Hochschule zu Dresden, der Forstacademie zu Tharandt, des Annen-Real- gymnasium zu Dresden, des Realgymnasium zu Zittau und des Seminars zu Zschopau einverleibt, und dadurch ist den Botanikern, welche sich für die nachstehend aufgezählten Funde und Formen interessiren, Gelegenheit geboten, dieselben einzusehen. 96 stimmt mit der mittelsächsischen vollständig überein und ist ebenso- wenig wie diese typischer R. nitidus , den ich aus Sachsen über- haupt noch nicht gesehen habe. II. Rhamnifolii Focke. Rubus sentiöosus Köhl. 1829 (= R. montanus' Wirtg. 1857). Meissen: im Golkwalde nicht selten, 27. Juni 1896. PI. er. Sax. 27. — Königs- brück: auf dem Keulenberge häufig, 22. Juni 1897. — Grossenhain: im Walde bei Gävernitz, 10. Juli 1897. — laciniatus Willd. Oberlausitz: bei Hirschfelde, wohl nur verwildert, 9. August 1897. III. Thyrsoidei Focke. — Vestii Focke. Zittau: im Neissthale, 9. August 1897. Diese bis jetzt aus Oesterreich -Ungarn und Bayern bekannte Art dürfte hier den nördlichsten Punkt ihrer Verbreitung erreichen. — candicans Wh. Elbthal: im Golkwalde, 8. Juli 1896. PI. er. Sax. 28. — thyrsanthus F. Elbthal: bei Scharfenberg, 10. Juli 1897; bei Coswig, 10. Juli 1897. — Oberlausitz: Paulsdorfer Spitzberg, 27. Juli 1897; bei Hirschfelde, 9. Juli 1897. — Saxonicus nov. spec. (= R. amygdalantkus var. subcandicans m. olim!) Schössling kräftig, hochbogig, kahl, am Grunde rundlich oder stumpf kantig, oberwärts kantig mit ebenen Flächen, an der Spitze etwas gefurcht, rothbraun, im Herbste wurzelnd, mit lanzettigen, etwas rückwärts geneigten, ca. 7 mm langen Stacheln bewehrt. Blatt- stiele behaart, mit gekrümmten Stacheln besetzt, am Grunde rinnig, sonst flach. Nebenblätter lineal. Blätter fünfzählig, bei älteren die Blättchen sich mit den Rändern deckend, grob gesägt; äussere Seitenblättchen deutlich gestielt, Stielchen derselben ziemlich central oder auch am Grunde der Stielchen der mittleren Blättchen entspringend. Blattstiel reichlich zweimal so lang als das Stielchen des Endblättchens und letzteres etwa dreimal so lang als sein Stielchen, elliptisch bis breit elliptisch, zugespitzt, am Grunde etwas herzförmig. Blättchen derb, oberseits kahl oder fast kahl, unterseits weichhaarig, besonders auf den Nerven, grauschimmernd. Blüthenzweige lang mit dreizähligen Blättern. Blüthenstand nur am Grunde durchblättert, lang und schmal, oft, namentlich an jüngeren Pflanzen, ganz traubig, kräftigere Inflorescenzen wenigstens unterwärts mit mehrblüthigen Aestchen. Achse und Aestchen (und Blüthenstiele) mit langen, ge- raden, rückwärts geneigten Stacheln bewehrt (ähnlich wie bei R. villi- caulis Koehl., nur etwas mässiger!). Kelchzipfel zur Blüthe- und Frucht- zeit zurückgeschlagen. Blumenblättchen schmal verkehrt eiförmig, in den Nagel verschmälert, weiss oder röthlich. Staubfäden rötli- lich, länger als die Griffel, nach dem Verblühen zusammenneigend. Früchte gut entwickelt. Blüthezeit: Ende Juni und Juli. R. Saxonicus wird wegen seines kahlen Schösslings und wegen des Baues seines Bliithenstandes den Thyrsoidei-Formen angeschlossen. Durch einige andere Merkmale, namentlich durch die Bewehrung des Blüthenstandes, erinnert er aber (namentlich in seiner Sonnenform!) auch an R. villicaulis Koehler. 97 Holienstein-Ernstthal: in der Nähe des Lampertusschachtes, 1. Jali 1895; beim Bade, 15. Juli 1895. — Waldenburg: im Walde an der Strasse nach Callenberg mit R. Cimbricus F., 26. Juni 1895. Rubus Silesiaciis Wh. Bei Königsbriick, gesammelt unter Führung des Herrn A. Schulz, 22. Juni 1897. IV. Villicaules Focke. — villicaulis Koehl. Elbthal: bei Diesbar häufig, 8. Juli 1896. PI. er. Sax. 80. — macrophyllus Wh. et N. Grossenhain: an humosen Stellen der Wälder nördlich von Grossenhain ziemlich häufig, z. B. Forsthaus Pfeife, 1. Juli 1896. PI. er. Sax. 52; Zabeltitz, 9. September 1896; im Walde bei Gävernitz, 10. Juli 1897. — Meissen: Wald bei Oberau, 15. Juli 1896. — hirtifolius Muell. etWirtg. Grossenhain: im Walde bei Gävernitz mit R. macrophyllus , senticosus , rudis, hirtus etc., 10. Juli 1897. — Niederes Erzgebirge: bei Hohenstein -Ernstthal, 3. Juli 1897. PL er. Sax. 53. V. Adenophori Focke. — glaucovirens Maas. Oberlausitz: am Löbauer Berge (= R. rhombi- folius aut. Lusat. non Weihe), 28. Juli 1896; Paulsdorfer Spitzberg, 27. Juli 1897. Die Pflanzen von diesen beiden Localitäten stimmen vollständig mit einander überein und stehen dem R. glaucovirens am nächsten, wenn sie sich auch nicht völlig mit ihm decken. Eine ähnliche Form auch bei Brockwitz bei Grossen- hain, 11. Juli 1896. — chaerophyllus Sagorski et Schultze (= R. Bellardii xplicatus Utsch, ist aber sicher kein primärer Bastard dieser Arten!). Diese gut charakterisirte Form ist im Zittauer Gebirge sehr häufig (Oybin, Jonsdorf, 31. Juli 1896) und drängt an manchen Oertlichkeiten alle anderen Arten in den Hintergrund (Breiteberg bei Grossschönau, 30. Juli 1895; Hofebusch zwischen Grossschönau und Spitzkunners- dorf, 10. August 1897). Ferner: Scheibenberg bei Zittau, 27. Juli 1896; Oderwitzer Spitzberg, 4. August 1897; Grosshennersdorfer Spitzberg, 27. Juli 1897; Neissthal, 28. Juli 1895. VI. Yestiti Focke. — pyramidalis Kaltenb. Meissen: bei Weinböhla, 17. Juli 1896. Pi. er. Sax. 31. VII. Badulae Focke. — radula Wh. Elbthal: Golkwald, 8. Juli 1896; Scharfenberg, 10. Juli 1897. — Oberlausitz: Breiteberg bei Grossschönau, 6. August 1897; Paulsdorfer Spitzberg, 27. Juli 1897. — rudis Wh. et N. Elbthal: im Golkwalde sehr häufig, 27. Juni 1896. PL er. Sax. 54; Seusslitzer Grund, 27. Juni 1896. — Grossenhain: Gävernitzer Wald, 10. Juli 1897. Diese Standorte sind die öst- lichsten dieser Art. — scaber Wh. et N. Oberlausitz: Breiteberg bei Grossschönau, sparsam, 6. August 1897. 98 bus piriicola nov. spec. Schösslinge aus bogigem Grunde nieder- liegend, im Herbste wurzelnd, nur kräftigere stumpfkantig, sonst rund- lich, kurzhaarig, mit Drüsen und Stachelchen massig besetzt. Grössere Stacheln ziemlich gleich, aus breiterem Grunde pfriemlich, etwas rückwärts geneigt, ca. 4 mm lang. Blätter 3 — 5 zählig ; Seitenblättchen deutlich gestielt. Endblättchen breit elliptisch oder verkehrt eiförmig, zugespitzt, am Grunde seicht herzförmig. Blattstiel am Grunde schwach rinnig, sonst eben, mit gekrümmten Stacheln besetzt. Neben- blätter schmal lineal-lanzettlich, mit Drüsen und Haaren bewimpert. Stielchen des Endblättchens kaum halb so lang als der Blattstiel, das Endblättchen reichlich dreimal so lang als sein Stielchen. Blättchen oberseits zerstreut, unterseits reichlicher kurzhaarig. Blüthenstand mit dreizähligen Blättern. Rispe mehr oder weniger entwickelt, unten durchblättert, nach oben kaum sich verjüngend. Rispenäste aufrecht abstehend, untere mit Beiästchen. Achse mit wenigen, ungleichgrossen Stacheln, abstehend behaart, mit Drüsen, welche die Haare nicht überragen. Blüthenstiele mit verschieden langen Drüsen, einzelnen Drüsenborsten und vereinzelten Nadeistacheln. Blüthen klein. Kelche graugrün, drüsig, mit einzelnen kleinen Nadelstacheln, nach dem Verblühen abstehend oder zurückgeschlagen. Blüthe weiss, Staubgefässe die Griffel kaum oder wenig überragend. Griffel roth. Früchte gut entwickelt. Beginn der Blüthe Ende Juni. In den Wäldern nördlich von Grossenhain nicht selten; Zabeltitz, 12. Juli 1897; Pfeifenholz, 12. Juli 1897. PI. er. Sax. 56. VIII. Hystrices Focke. Koehleri Wh. et N. Diese montane Art wächst in einem einzelnen Exemplare in trockenem Sande bei Diesbar, 8. Juli 1896. PI. er. Sax. 32. pygmaeus Wh. et N. Oberlausitz: bei Grossschönau, 10. August 1897. IX. Glandulosi Focke. hirtus W. et K. Grossenhain: Gävernitzer Wald, 10. Juli 1897. — Ober- lausitz: bei Jonsdorf eine Form mit röthlichen Blüthen und Griffeln, 31. Juli 1896. Am Breiteberge bei Grossschönau, 25. Juli 1896. PL er. Sax. 57. Guentheri Wh. et N. Oberlausitz: Wald bei Reichenau, 5. August 1896. Kaltenbachii Metsch. Oberlausitz: im Hardtbusch bei Reibersdorf, 2. August 1897. rivularis Muell. et Wirtg. Eine Form, welche „sich eng an R. serpens (Lusaticus Rost.) anschliesst“ (Focke!), auf dem Keulenberge bei Königsbrück, 22. Juni 1897. X. Corylifolii Focke. corylifolius (Sm.) Aresch. spec. coli. subsp. R. dissimulans (Lindeb.). Grossenhain: Zschieschener Windmühle, 15. Juni 1896. subsp. R. serrulatus Lindeb. Oberlausitz: Scheibenberg bei Zittau, 25. Juli 1897; Breiteberg bei Grossschönau, 10. August 1897. 99 subsp. R. Wahlbergii (Arrh.). Sachs. Schweiz: Schlossberg bei Wehlen, 17. Juli 1897. — Oberlausitz: Paulsdorfer Spitzberg, 27. Juli 1897. subsp. R. vexatus K. Friderichsen. Oberlausitz: Grosshenners- dorfer Spitzberg, 27. Juli 1897. subsp. R. cyclophi/llus Lindeb. Elbthal: Winkwitz bei Meissen, 18. Juni 1897. subsp. R. acuminatus Lindblom. Elbthal: im Golkwalde, 25. Juni 1897. — Oberlausitz: Löbauer Berg, 28. Juli 1896. subsp. fasciculatus (P. J. M.) var. ambifarius (P. J. M.). Ober- lausitz: auf dem Scheibenberge, 20. Juli 1897. subsp. fasciculatus (P. J. M.) var. macranthus K. Friderichsen. Oberlausitz: an der Schanze bei Zittau, 4. August 1897. subsp. oreogeton Focke var. polycarpus G. Braun. Elbthal: bei Diesbar, 14. Juni 1897. — Oberlausitz: auf dem Scheibenberge, 7. August 1897. f. ruber Focke (sec. Frid.). Grossenhain: auf dem Kupferberge, 19. Juni 1896. PI. er. Sax. 37 (als R. nemorosus Hayne). f. ad polycarpum vergens. Elbthal: Golkwald, 16. Juni 1897. — Sachs. Schweiz: bei Mockethal, 16. Juli 1897. — Ober- lausitz: am Breiteberg, 6. August 1897. subsp. oreogeton Focke var. montanu s Wimmer. Sachs. Schweiz: auf dem Schlossberge bei Wehlen, 17. Juli 1897. — Oberlausitz: auf dem Oderwitzer Spitzberge, 4. August 1897; am Breiteberge bei Grossschönau, 6. August 1897 ; am Löbauer Berge, 23. Juli 1897. Bastarde des R. caesius L. Rubus caesius L. x Idaeus L. Meissen: am Tunnel bei Oberau, 19. Juni 1897. PI. er. Sax. 61. — caesius L. X senticosus Koehl. Bei Dippelsdorf bei Moritzburg, 30. Juni 1897. — per-thyrsanthus x caesius. Sachs. Schweiz: zwischen Wehlen und Rathen, 17. Juli 1897. Scroplmlariaceae. Euphrasia nemorosa Pers. Oberlausitz: Grosshennersdorfer Spitzberg, 27. Juli 1897; Scheibenberg, 3. August 1897. — stricta Host. Meissen: Zadel, 30. August 1897; Weinböhla, 15. Juli 1896. — Grossenhain: Kupferberg, 28. August 1896. — Königsbrück: Reichenau, 7. September 1897. — Wehlen: Schlossberg, 17. Juli 1897. — Oberlausitz: Scheibenberg, 26. Juli 1895. — Rostkoviana Hayne. Grossenhain: Brockwitz, 11. Juli 1896. — Ober- lausitz: Grosshennersdorf, 27. Juli 1897. — gracilis Fr. Bei Zöblitz auf Serpentinhalden, 25. August 1895. ** 100 Lafol atae. Mentha. A. Eumentha Godr. Mentha nemorosa Wild. Schülerthal bei Zittau. — silvestris L. var. typica. Schülerthal bei Zittau, var. snbnemorosa Borb. Schülerthal bei Zittau, var. cuspidata (Opiz). „ „ „ var. serrata (Opiz). „ „ „ yar. Dossiana Desegl. et Dur. „ „ „ var. discolor (Opiz). „ „ „ — piperita L. f. genuina. Herwigsdorf bei Zittau, cult. B. Trichomentha H. Br. I. Tubulosae H. Br. — paludosa Sole. var. serotina (Host.). Schülerthal bei Zittau. — plicata Opiz yar. viretorum H. Br. „ „ „ — aquatica L. var. Ortmanniana (Opiz). ,, „ „ var. minoriflora Borb. ,, ,, ,, var. riparia (Schreb.). „ ,, ,, f. umbrosa (Opiz). ,, ,, „ f. angustata (Opiz). „ „ „ — verticillata L. Meissen: Laubach. var. tortuosa (Host.). Schülerthal bei Zittau, var. Motoliensis (Opiz). „ „ ,, var. elata (Host.). „ „ var. peduncularis (Boreau). ,, „ var. ovalifolia (Opiz). ,, „ „ var. heleophila H. Br. ,, „ ,, var. Beneschiana (Opiz). „ „ „ var. cechobrodensis (Opiz). ,, ,, „ var. Prachinensis (Opiz). „ „ „ var. statenicensis (Opiz). „ „ ,, var. eupatoriaefolia H. Br. „ „ „ var. Hardeggensis H. Br. Zittau: bei Hörnitz. II. Campanocalyces H. Br. — origanifolia Host. Zittau: bei Hörnitz. — parietariaefolia Becker. var. tenuifolia (Host.). Zittau: auf dem Scheibenberge, var. praticola (Opiz). Zittau: am Mandauufer. — Austriaca Jacq. Grossenhain, Meissen, Zittau etc. var. foliicoma (Opiz). An der Mandau bei Zittau, var. pulchella (Host.). Auf dem Scheibenberge. 101 var. multiflora (Host.). Zittau: bei Hörnitz. var. Zatecensis (Opiz). Zittau: bei Reichenau. Mentha palustris Mönch. var. Nusleensis (Opiz). An der Mandau bei Zittau. — arvensis L. Zittau: bei Hörnitz. C, Gentilis H. Br. — rubra Smith. var. resinosa (Opiz). Grossenhain: bei Walda, verwildert. — grata Host. Am Mandauufer bei Hainewalde. — gentilis L. Zittau: in Reichenau, cult. — Hofmanni H. Br. Hohenstein-Ernstthal. -- Zittau, cult. — B orbäsiana Briquet. var. suavifolia H. Br. Am Mandauufer im Schülerthal ; in Reichenau, cult. Compositae. Hieracium. Hieracium Peleterianum Mer. subsp. Peleterianum a genuinum 1. pilosissi- mum (Wallr.). Elbthal: in Weinbergen bei Seusslitz, 6. Juni 1896. PI. er. Sax. 68. — Diese Pflanze ist hier bereits am 21. Mai 1894 von Herrn F. Fritzsche gesammelt worden. — pachylodes Naeg. et Pet. nov. subsp. longicrinis Hofm. et Sagorski. Blätter lanzettlich, stumpflich. Stolonen verlängert, kürzer als bei H. Pilosella , dicklich, mit decrescirenden Blättern. Schäfte 1 selten 2, 17 — 24 cm hoch. Plülle 13— 14 mm lang, kugelig; Schuppen I, 5 — 2 mm breit, grau, hellrandig, zugespitzt. Haare an Hülle und Schaft reichlich, hell mit dunklem Fuss, am Schaft bis 8 mm lang, auf der Oberseite der Blätter mässig, etwas steif, an den Stolonen sehr reichlich, weiss, bis 10 mm lang. Drüsen an der Hülle fehlend oder sehr einzeln, am oberen Schaft mässig, nach unten sich ver- lierend. Flocken an der Hülle und an der Schaftspitze sehr reich- lich, Blätter oberseits nackt, Blattrücken grau. Blüthen gelb, rand- ständige aussen stark rothstreifig. Früchte abortiren. Blüthe- zeit Ende Mai und Anfang Juni. Die Pflanze ist sicher primärer Bastard von H. Pele- terianum Mer. und H. Pilosella subsp. vulgare , in deren Gesell- schaft sie wächst. Elbthal: in Weinbergen bei Seusslitz unterhalb Meissen, 31. Mai 1897. PI. er. Sax. 69. — chaetocephalum nov. hybr. = H. collinum x Peleterianum. Dieser Bastard wurde unter den Eltern im Muldenthale in 2 Exemplaren gefunden, wovon das eine mit möglichster Schonung des Wurzel- stockes gesammelt wurde. Dieses zeigt folgende Merkmale: Blätter breitlanzettlich; Stolonen dicklich, 13 cm lang, mit Anfangs increscirenden, dann schnell decrescirenden Blättern besetzt. Stengel dicklich, 20 cm hoch, aufrecht. Akladium 7,5 mm lang, Strahlen 2. Ordnung 3, obere sehr genähert, unterster aber weit 102 entfernt, in der unteren Hälfte des Stengels entspringend; Ord- nungen 3, Köpfe 6, Hülle rundlich, 9 — 10 mm lang, Schuppen fast 2 mm breit, lang zugespitzt, dunkel, breit grünrandig. Haare überall sehr reichlich, hell, an der Hülle ca. 4, am Stengel 5—7 und an den Stolonen bis 9 mm lang, auf den Blättern borstlich, 4 mm lang. Drüsen an der Hülle mässig, im Kopfstande und am oberen Stengel reichlich, abwärts fehlend. Flocken an der Hülle, im Kopf- stande und am oberen Stengel reichlich, auf dem Blattrücken mässig. Blüthen gelb, die randständigen aussen rothstreifig. Blüthezeit An- fang Juni. Diese Pflanze steht morphologisch dem H. Prussicum Naeg. et Pet. (= H. collinum x Pilosella) sehr nahe, ist aber durch die breiten Hüllkelchschuppen, die reiche, helle und lange Behaarung etc. deutlich als Abkömmling des H. Peleterianum charakterisirt. Muldenthal: an trockenen Abhängen bei Döbeln unter den Eltern, 9. Juni 1896. Hieracium Pilosella L. subsp. trichoscapum Naeg. et Pet. Elbthal: bei Seusslitz unterhalb Meissen, 31. Mai 1897. Hier finden sich kräftige Pilo- se^a-Formen, welche wegen ihrer grossen Hülle, ihren breiten Schuppen und ihrer reichen Behaarung zur genannten Subspecies gezogen werden müssen. Es ist interessant, dass dieselben gerade hier im Gebiete des H. Peleterianum auftreten, und es lässt sich die Möglichkeit nicht in Abrede stellen, dass diese Formen unter dem Einflüsse desselben ent- standen sind. — Auricula Lam. subsp. Magnauricula Naeg. et Pet. Muldenthal: Ab- hänge bei Döbeln, selten, 9. Juni 1896. . — collinum Gochn. subsp. collinum var. gorlicicum Naeg. et Pet. Ober- lausitz: bei Herrnhut, 12. Juni 1897. PI. er. Sas. 72. — collinum Gochn. subsp. cölliniforme Naeg. et Pet. Erzgebirge : bei Alten- berg, 18. Juli 1896. — Lausitzer Gebirge: zwischen Tollenstein und und Tannenberg, 8. Juni 1897. — flagellare Willd. Warnsdorf i. B.: bei Grund, 8. Juni 1897. — magyaricum Naeg. et Pet. subsp. cymanthum Naeg. et Pet. Ober- lausitz: zwischen Herrnhut und Grosshennersdorf, 12. Juni 1897. — florihundum Wimm, et Grab, subsp. erubescens Naeg. et Pet. Ober- lausitz: am Fusse des Scheibenberges, selten, 7. Juni 1897. PI. er. Sax. 74. — cymosum L. subsp. cymigerum Reichb. Lausitzer Gebirge: am Tannen- berge i. B., 8. Juni 1897. — umbelliferum Naeg. et Pet. subsp. Saxonicum Naeg. et Pet. Grossen- hain: bei Porschütz, 8. Juni 1896. — hyperdoxum Sagorski (== H. umbelliferum X Pilosella). Grossenhain : bei Porschütz unter den Eltern, 8. Juni 1896. — brachiatoides nov. hybr. = H. hyperdoxum Sag. x Pilosella L. Blätter lanzettlich, zugespitzt, selten etwas spatelig-lanzettlich. Sto- lonen zahlreich, dünn, mit decrescirenden Blättchen besetzt. Stengel 20 — 28 cm hoch, schlank, gabelig; Akladium x/4 — ]/2 ( — 1/1) des Stengels. Strahlen 2. Ordn. 1 ( — 2); Ordnungen 2; Kopfzahl 2 (■ — 3). Hülle 6 — 8 mm lang, rundlich; Schuppen 1 mm breit, spitz, 103 graulich, etwas heller gerandet. Haare an der Hülle zahlreich, 1 mm lang, am Stengel oben reichlich, dunkel, bis 3 mm lang, auf der Blatt- oberseite borstlich, ca. 3 mm lang. Drüsen an Hülle und oberem Stengel massig, abwärts fehlend. Flocken an Hülle, am oberen Stengel und Blattrücken reichlich. Blüthen gelb. Blüthezeit: An- fang Juni. Döbeln: an Strassenrändern bei Glaucha unter den Stammarten, 9. Juni 1896. Hieracium bifidum Waldst. et Kit. Lausitzer Gebirge: am Tollenstein, 8. Juni 1897 Grossenhain, im December 1897. Jbhandl . d. Isis in Dresden , 1897. Tafffl. IfH - t der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft in Dresden. Herausgegeben von dem Redactions - Comite. Jahrgang 1898. Mit 1 Tafel und 32 Abbildungen im Text. Dresden. In Commission der K. Sachs. Hofbuchhandlung H. Burdach. 1899. Inhalt des Jahrganges 1899. A. Sitzungsberichte. I. Section für Zoologie S. 3 und 19. — Jenke, A.: Vorlagen von Schizoneura lanigera S. 19. — Nit sehe, H.: Entwickelung und Wechsel der Hörner bei der amerikanischen Gabelantilope, Linne’sche Systematik der Säugethiere, elektrische Fische, R. Leuckart f S. 3; zoologische Reiseeindrücke aus England, Vorkommen von Leucaspius delineatus und Rhodeus amarus S. 19. — Reibisch, Th.: Binnenconchylien aus Ecuador S. 3; Einführung von Helix candicans im Plauenschen Grunde S. 4; und R. Ebert: Berichtigungen S. 4. — Schiller, K.: Vorlagen von Cyclops und Daphnia S. 19. — Schorler,B.: Kalkalgen des Süsswassers und ihre Beziehungen zu den sogenannten Furchensteinen S. 20, mit Bemerkungen von 0. Drude, H. Nitsche und P. Wagner. — Thallwitz, J. : Stärke der Schläge des Zitterrochens S. 4; Vorkommen von Sper- mophilus citillus im sächsischen Erzgebirge S. 19; über Hydroidpolypen und Medusen des Mittelmeeres S. 20, mit Bemerkungen von R. Ebert undH. N it sch e. — Vogel, CI.: Bastardirungsvorgänge bei Säugethieren S. 3, mit Bemerkungen von H. Nitsche und A. Schöpf. — Wagner, P. : Ueber Rillensteine S. 19. — Geschenke für die Biblio- thek S. 19. H. Section für Botanik S. 4 und 20. — Drude, 0.: Milchsaftröhren der Euphorbien, gegenwärtiger Stand der Nomenclaturfrage S. 4; stickstoffsammelnde Thätigkeit der Bodenbakterien S. 5; Resultate botanischer Reisen in Sachsen und Thüringen S. 20; neue Litteratur S. 5 und 20. — Fritz sehe, F.: Vorlagen von Blüthen- Abnormitäten S. 5. — Gründler, J.: Ueber Bacillariaceen S. 5. — Pohle, R. : Demonstration des Heu -Bakteriums, Beginn der Cambium - Thätigkeit bei Populus canadensis S. 5. — Schorler, B.: Antheil der Pflanzen an der Selbstreinigung der Flüsse S. 4; stein- zerstörende Algen S. 20; Bereicherungen der Flora Saxonica S. 21. — Stiefel- hagen, H.: Neue Carex- Formen und Hybriden S. 21. — Walther, R.: Neuer Desinfectionsapparat für geschlossene Räume S. 4. III. Section für Mineralogie und Geologie S. 5 und 21. — Bergt, W. : Geologie der Antillen, Bestimmung von Calamiten S. 6; neue Litteratur S. 6 und 21. — Engel- hardt, H. . Pflanzen aus dem Polirschiefer von Sulloditz, neue Litteratur S. 6. — Kalkowsky, E.: Zwillingsbildungen des Quarzes S. 5; Begriff und Werth der Edel- steine S. 6; neuer Aufschluss im Diluvium in Dresden, Vorlagen S. 21; neue Litte- ratur S. 5 und 6. — Naumann, E. : Concretionen im Glacialmergel S. 6. — N e s s i g , R : Studien über den Dresdner Haidesand S. 6; Graphit- Vorkommnisse im Lausitzer Granit bei Dresden S. 21. IY. Section für prähistorische Forschungen S. 6 und 21. — Deichmüller, J.: Schutz der vorgeschichtlichen Alterthümer, Bronzefund von Velem St. Veit S. 7; Vor- geschichte Sachsens, mit Vorlagen S. 21. — Döring, H. : Prähistorisches aus dem Muldenthal zwischen Nossen und Rosswein S. 21. — Ebert, 0.: Vorlagen S. 23. — Nitsche, H. : Die sogen. Wetzikonstäbe S. 6; uralte Formen von Angelgeräthen, über Fischspeere S. 7. — Excursion nach Lockwitz S. 7. Y. Section für Physik und Chemie S. 7 und 23. — Fo er st er, F.: Einwirkung von Chlor auf Alkalien S. 24. — Heger, R.: Optische Beobachtungen in den Alpen S. 23, mit Bemerkung von F. Pockels S. 24. — Lottermoser, A.: Das colloidale Quecksilber S. 9. — Möhlau, R.: Neue Anwendungsformen der Cellulose S. 23. — Pockels, F. : Die bei Blitzentladungen vorkommenden Stromstärken S. 8. — Schloss- mann, A.: Die Milch und ihre Bedeutung als Nahrungsmittel S. 9. — Toepler, M. : Schichtung elektrischer Funken und über Gleitfunken S, 8. — Walther, R.: Ueber Explosivstoffe S. 7. IV VI. Section für Mathematik S. 9 und 24. — Gravelius, H. : Grundgedanken der Gylden’schen Störungstheorie S. 25. — Krause, M.: Partialbruchzerlegung bei trans- cendenten Functionen S. 10. — Rohn, K.: Zusammensetzung von Bewegungen und reguläre Raumeintheilung S. 9; Eigenschaften der Curven 3. und 4. Ordnung S. 24; Methode der Construction des Krümmungskreises an einem der fünf gegebenen Punkte eines Kegelschnitts S. 25. — Witting, A.: Planimetrische Constructionen in be- grenzter Ebene S. 10. VII. Hauptversammlungen S. 11 und 25. — Veränderungen im Mitgliederbestände S. 13 und 26. — Beamte im Jahre 1899 S. 28. — Rechenschaftsbericht für 1897 S. 11 und 15. — Voranschlag für 1898 S. 11. — Freiwillige Beiträge zur Kasse S. 27. — Bericht des Bibliothekars S. 30. — Massregeln zum Schutz der vorgeschichtlichen Alterthümer S. 11, 12 und 25. — G. Zeuner’s 70. Geburtstag S. 25. — Bergt, W. : Geologie von Schantung (Kiautschou) S. 12. — E n g e 1 h a r d t, H. : Neue Litteratur S. 13. — F i s c h e r, H. : Die Westinghouse- Bremse S. 13. — Grosse, J.: Carl Gustav Carus in seiner Be- deutung für die Naturwissenschaften S. 11. — Krause, M. : Ueber Universität und Technische Hochschule S. 26. — Lewicki, E.: Ueber Centrifugalguss S. 12. — Lewicki, L.: Das maschinentechnische Laboratorium der K. Techn. Hochschule S. 11. — Lohmann, H. : Ueber Eishöhlen und Höhleneis S. 11. — Renk, F.: Das hygieinische Institut der K. Techn. Hochschule und die K. Centralstelle für öffent- liche Gesundheitspflege S. 26. — Schlossmann, A.: Neue Art der Wohnungsdes- infection S. 12; Reiseschilderungen aus Spanien S. 25. — Wagner, P. : Physikalische und geologische Untersuchungen der Böhmerwaldseen S. 12. — Excursionen nach Demitz bei Bischofswerda S. 12 und nach Plauen b. Dr. S. 25. B. Abhandlungen. Drude, 0.: Resultate der floristischen Reisen in Sachsen und Thüringen. S. 82. Engelhardt, H.: Sardinische Tertiärpflanzen. II. S. 101. Ha 11 wachs, W.: Ueber ein Doppeltrogrefractometer und Untersuchungen mit dem- selben an Lösungen von Bromcadmium, Zucker, Di- und Trichloressigsäure sowie deren Kaliumsalzen, mit 3 Abbildungen. S. 49. Nessig, R.: Studien über den Dresdner Haidesand. S. 27. Schlossmann, A.: Ueber die Bedeutung der Milch als Nahrungsmittel. S. 33. Schorler, B.: Bereicherungen der Flora Saxonica im Jahre 1898. S. 97. Thallwitz, J. : Ueber das Vorkommen des Ziesels in Sachsen. S. 95. Toepler, M. : Geschichtete Dauerentladung in freier Luft (Büschellichtbogen) und Righi’sche Kugelfunken, mit Tafel I und 29 Abbildungen. S. 3. Die Autoren sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer Abhandlungen . Die Autoren erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf besonderen Wunsch 25 Sonder - Abzüge gratis, eine grössere Anzahl gegen Erstattung der Herstellungskosten. Sitzungsberichte der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft ISIS in Dresden. 1898, I. Section für Zoologie. Erste Sitzung am 13. Januar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. H. Nit sehe. — Anwesend 27 Mitglieder. Lehrer CI. Vogel spricht über Bastardirungsvorgänge bei Säuge- thieren. Director A. Schöpf giebt im Anschluss hieran Mittheilungen über Kreuzungsversuche im Dresdner zoologischen Garten und Prof. Dr. H. Nitsche erwähnt noch die angeblich in Südamerika häufigeren und von den Franzosen „ chabin “ genannten Kreuzungen von Ziege und Schaf. Prof. Dr. H. Nitsche spricht ferner über Entwickelung und Wechsel der Hörner bei der amerikanischen Gabelantilope (Antilocapra americana) und berichtet unter Vorlage mikroskopischer Präparate über seine histologischen Untersuchungen ihrer Hornscheide. Zweite Sitzung am 3. März 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. H. Nitsche. — Anwesend 26 Mitglieder. Prof. Dr. H. Nitsche widmet dem am 6. Februar 1898 verstorbenen Ehrenmitgliede der Isis Prof. Dr. R. Leuckart einen Nachruf. Die Ver- sammlung ehrt das Andenken des berühmten Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Institutsdirector Th. Reibisch zeigt und bespricht von Dr. Th. Wolf gesammelte und von dem Redner bearbeitete Binnenconchylien aus Ecuador. Prof. Dr. H. Nitsche erläutert die Wandelungen, welche die Linne’sche Systematik der Säugethiere in den verschiedenen Aus- gaben des „Systema naturae“ durchgemacht hat, unter Vorlegung der wichtigeren Ausgaben dieses Werkes und eines in seinem Privatbesitz befindlichen Collegienheftes nach den Vorlesungen Linne’s vom Jahre 1748. Dritte Sitzung am 5. Mai 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. H. Nitsche. — Anwesend 36 Mitglieder. Prof. Dr. H. Nitsche spricht über die elektrischen Fische und erläutert seinen Vortrag durch Spirituspräparate und eine Tafel. 4 Dr. J. Thallwitz giebt im Anschluss Auskunft über die von ihm in der zoologischen Station zu Neapel beobachtete Stärke der Schläge des Zitterrochens. Institutsdirector Th. R ei bi sch und Prof. Dr. R. Ebert stellen einige in der „Zoologie“ von C. Baenitz, Berlin 1880, 8°, befindliche Angaben über Purpurschnecke und Bandwurm richtig. Institutsdirector Th. Reibisch berichtet über die Einführung von Helix candiccins im Plauenschen Grunde. Helix ( Xerophila ) candicans Ziegl., welche neuerdings auf einer Höhe neben dem Plauenschen Grunde gesammelt worden ist, gehört ursprünglich nicht in die sächsische Fauna. Weder Rossmaessler noch Andere gedenken ihrer in dieser Beziehung. Zur Erklärung dieses neuen Vorkommens theilt der Vortragende mit, dass er vor ungefähr 50 Jahren die Bekanntschaft eines Herrn Karl Grust gemacht habe, welcher die Ross- maessler’sche Iconographie eifrig stüdirte und fleissig darnach sammelte. Auf den vielen Sammeltouren, welche derselbe ausführte, prägte er sich auch die Bodenformen und deren Bestandteile, wo seine Lieblinge vorkamen, besonders ein. Einstmals, beim Be- suche des „Weissen Berges“ bei Prag, fand er eine ähnliche Bergform wie hier am „Plauenschen Grunde“ und fragte sich dabei: Ob wohl die Schnecken, die am „Weissen Berge“ Vorkommen, auch am „Plauenschen Grunde“ leben können? Um eine bestimmte Antwort auf seine Frage zu erhalten, sammelte er eine Menge Schnecken, die er für Helix ericetorum Müll, hielt, und siedelte dieselben als Colonisten auf der genannten Höhe an, wo sie noch heute lustig gedeihen. II. Section für Botanik. Erste Sitzung am 20. Januar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 27 Mitglieder, 2 Gäste. Prof. Dr. 0. Drude trägt vor über die Milchsaftröbren der Euphorbien, unter Vorführung eines abgeschnittenen Busches aus dem K. Botanischen Garten und zahlreicher mikroskopischer Präparate von Euphorbia piscatoria Ait., die letzteren hergestellt von Herrn R. Pohle, Assistenten am botanischen Institut der K. Technischen Hochschule. Hieran schliesst derselbe Mittheilungen über den gegenwärtigen Stand der Nomenclatur frage, insbesondere über die sehr massvoll gehaltene Erklärung der Beamten des Berliner botanischen Gartens und Museums. Dr. B. Schorler trägt vor über den Antheil der Pflanzen an der Selbstreinigung der Flüsse, speciell der Elbe bei Dresden. Eine ausführliche Untersuchung über diesen Gegenstand ist zunächst als Gut- achten an den Stadtrath zu Dresden vom Vortragenden ergangen und wird weiterhin verfolgt werden. Dieselbe befindet sich auch an anderer Stelle in Druck. Zweite Sitzung am 10. März 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 44 Mitglieder, 2 Gäste. Dr. R. Walther, Privatdocent für Chemie an der K. Technischen Hoch- schule, bespricht den von ihm construirten neuen Desinfectionsapparat, welcher geschlossene Räume mit dampfförmig zerstäubtem Eormaldehyd zu erfüllen bestimmt ist, und theilt die von Dr. med. A. Schloss mann 5 ausgeführten Controlen über die energische Wirkung auf die lebens- fähigsten Bakterien in Kürze mit. Assistent R. Pohle hat im botanischen Laboratorium eine mikro- skopische Demonstration des Heu-Bakteriums: Bacillus subtilis, mit intensiver Geisselfärbung veranstaltet und bespricht das hierbei an- gewendete Tinctionsverfahren. Prof. Dr. 0. Drude hält, anknüpfend an die ausführlichen Mit- theilungen von Nobbe in der November-Hauptversammlung 1896, einen kurz zusammenfassenden Vortrag über die jetzigen Anschauungen, welche der stickstoffsammelnden Thätigkeit der in den Leguminosen- Knöllchen vegetirenden Bodenbakterien gelten, besonders über die Frage nach Symbiose oder parasitärer Infection mit späterem für die Ernährung günstigen Erfolge. Vorgelegt werden Prof. Dr. A. Fischers Vorlesungen über Bakterien. Dritte Sitzung am 12. Mai 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 40 Mitglieder, 5 Gäste. Dr. med. J. Grün dl er hat mit 20 aufgestellten Mikroskopen, unter welchen die doppelte Anzahl auserlesener Präparate seiner selbst ver- fertigten Sammlung vorgeführt wird, einen grossen Demonstrationsvortrag über Bacillariaceen (Diatomeen) vorbereitet. ■ Der Vortragende erläutert das für die Aufbewahrung und den Einschluss der Bacillariaceen übliche Verfahren und die Herstellung der sogen. Typenplatten, ver- anschaulicht ausserdem den Gegenstand durch zahlreiche Tafelwerke seiner Privat- bibliothek, Assistent B. Pohle hält darauf eine zweite mikroskopische Demon- stration über den Beginn der Cambium-Thätigkeit bei Populus canadensis, verfolgt an einem dieser Beobachtung im botanischen Garten gewidmeten Exemplare im April und der ersten Mai -Dekade dieses Jahres. Vorgelegt werden von Herrn F. Fritzsche mehrere Blüthen-Ab- normitäten, besonders die Convallaria majalis fl. roseo von dem Original- Standorte in der Lössnitz, sowie vom Vorsitzenden verschiedene neuere Werke: Annals of R. Garden, Calcutta; F. von Müller: Salsolaceous plants; Tschirch: Anatomischer Atlas u. a. m. III. Section für Mineralogie und Geologie. Erste Sitzung am 3. Februar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kalkowsky. — Anwesend 41 Mitglieder und Gäste. Der Vorsitzende bespricht die Zwillingsbildungen des Quarzes unter Vorlegung von Zwillingen mit gekreuzten Axensystemen aus Japan und von Doppelzwillingen von Amethyst aus Brasilien nebst Präparaten. Sodann bespricht er ausführlich das Werk von Dr. Alphons Stübel: Die Vulkanberge von Ecuador, Berlin 1897, 4°. 6 Zweite Sitzung am 17. März 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kalkowsky. — Anwesend 29 Mitglieder und Gäste. Der Vorsitzende macht zu der von Herrn W. Put sc her ausgestellten Edelsteinsuite einige allgemeine Bemerkungen über den Begriff der Edelsteine und ihren Werth. Dr. W. Bergt hält seinen an gekündigten Vortrag über die Geologie der Antillen. Prof. Dr. E. Kalkowsky bespricht die zweite Hälfte der von Ober- lehrer Dr. E. Nessig als Programmschrift des Eealgymnasiums zu Dresden- Neustadt ausgearbeiteten „Geologischen Excursionen in der Umgegend von Dresden“. Prof. H. Engelhardt legt vor den ersten Theil des zweiten Bandes der Beschreibung der unter der Leitung von E. von Drygalski 1891 — 1893 ausgeführten Grönland-Expedition und berichtet über seine neuesten Untersuchungen von Pflanzen aus dem Polirschiefer von Sulloditz in Böhmen. Dritte Sitzung am 9. Juni 1898. Vorsitzender: Privatdocent Dr. W. Bergt. — Anwesend 32 Mitglieder und Gäste. Oberlehrer Dr. E. Nessig hält einen Vortrag über Studien über den Dresdner Haidesand. (Vergl. Abhandlung II.) Dr. E. Naumann berichtet über Concretionen im Glacialmergel von Sellbu in Norwegen und von den Imatrafällen in Finnland. Der Vorsitzende legt vor die neueste Arbeit von Geh. Eath Prof. Dr. II. B. G einitz: Die Calamarien der Steinkohlenformation und des Bothliegenden im Dresdner K. Mineralogisch-geologischen Museum, Leipzig 1898, 4°, und macht im Anschluss daran einige allgemeine Bemerkungen über die Bestimmung von Calamiten. IV. Section für prähistorische Forschungen. Erste Sitzung am 10. Februar 1898. Vorsitzender: Dr. J. Deich- müller. — Anwesend 27 Mitglieder. Prof. Dr. H. Nitsche spricht über die sogenannten Wetzikon- stäbe als angeblichen Beweis für die Existenz des Menschen zur Inter- glacialzeit in der Schweiz. Die in den interglacialen Scliieferkolüen von Wetzikon hei Zürich gefundenen, an- geblich durch Menschenhand zugespitzten Holzstücke, welche Kütimeyer für Zeugen der Existenz des Menschen zur Interglacialzeit in Europa erklärte, sind nach den neuesten Untersuchungen von C. Schröter (Festschr. d. naturforsch. Ges. Zürich, 1896, 2. Th. , S. 407 u. f.) nur herausgewitterte Aeste von Fichte und Kiefer, sogen. „Horn- äste“, ohne jede Spur menschlicher Bearbeitung. Der Vortragende legt verschiedene derartige, aus der Sammlung der K. Forstakademie Tharandt stammende Homäste, theils ausgewitterte, theils noch im Stammholz sitzende, vor. 7 Hieran schliesst derselbe Bemerkungen über uralte, bis heute im Nor- den und Osten von Europa erhaltene Formen von Angelgeräthen, ver- bunden mit Demonstrationen und der Vorlage von Schriften von 0. Grimm: Der erste Fischer und die erste Angel, und von F. Trybom: Angel- haken von Holz aus den Scheeren von Norbotten (Tidning för Idrott., No. 24, 1888). Diese Geräthe, die von den Karelen an den Nowgorod’schen Seen und den Finnen am Nordende des botnischen Meerbusens zum Fange grosser Aalraupen gebraucht werden, sind mit kleinen lebenden Fischen geköderte Setzangeln mit hölzernen Haken. Ein solcher Haken wird dadurch hergestellt, dass ein gerades Fichten- oder Birken- ästchen etwas ober- und unterhalb der Stelle, wo von ihm ein Seitenzweig abgeht, ab- geschnitten und zugespitzt wird. Der gleichfalls passend gekürzte und gespitzte Seiten- zweig bildet dann den Widerhaken, an dessen Ursprungsstelle die Angelleine angebunden wird. Der Haken wird derartig in den Köderfisch geschoben, dass nur der Seitenzweig am Bauche nach hinten vorragt und die Schnur in einer Schlinge um den Köder ge- legt ist. Prof. Dr. H. Nitsche erläutert noch den Bau der Fischspeere und die Art des Fischfangs mit denselben. Dr. J. Deichmüller berichtet über den Erfolg der Eingaben an die K. Ministerien, den Schutz der urgeschichtlichen Alterthümer in Sachsen betreffend, und bespricht einen zur Ansicht ausgestellten Bronzefund von Velem St. Veit in Ungarn unter Hinweis auf die Beschreibung dieses Fundes in den Mittheil. d. Wien, anthrop. Ges. 1897, XVII. Bd. Excursion am 18. Juni 1898. Unter Führung von Dr. J. Deichmüller besuchten 13 Mitglieder von Niedersedlitz aus zunächst die zum Bittergut Lockwitz gehörende Kies- grube westlich der Niedermühle, in welcher Herdstellen aus der jüngeren Steinzeit mit den charakteristischen Resten der Bandkeramik aufgeschlossen sind, und später den Burgberg südwestlich von Lockwitz, wo ein dort angelegter Steinbruch Gelegenheit gab, Gefässscherben aus slavischer Zeit in reichlicher Menge zu sammeln. Y. Section für Physik lind Chemie. Erste Sitzung am 17. Februar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. F. Foerster. — Anwesend 53 Mitglieder und Gäste. Privatdocent Dr. R. Walther spricht über Explosivstoffe und er- läutert seinen Vortrag durch Versuche und durch Vorlage von Präparaten. Nach einem geschichtlichen Ueberblick über die Erfindung des Schiesspulvers, seine Herstellung und Yerbrennungsproducte (feste und gasförmige) geht der Vortragende von diesen impulsiven auf die fulminanten Explosivstoffe (Knallquecksilber, Knallgold, Acetylen -Metallverbindungen) über, von denen das Knallquecksilber als Carbyloxim- quecksilber (C=NO)2Hg in neuester Zeit von Nef erkannt wurde. Seit 1832 nitrirte man Stärke, Holzfaser u. s. w. und gelangte 1845 (Böttger) zur Schiesswolle, dem Vorläufer des Dynamits. Dieses Del, als Trinitroglycerin 1845 von Sobrero entdeckt, 8 wurde 1866 durch Nobel praktisch anwendbar gemacht durch seine Vereinigung mit Kieselguhr. Hierauf folgte die Entdeckung der Sprenggelatine und 1886 die des rauch- losen Pulvers (Schiessbaumwolle und Pikrinsäure). Technische Darstellung der Schiess- baumwolle, ihre Anwendung und Wirkung, sowie eine eingehende Besprechung des Nitroglycerins neben den Pikraten bilden den Schluss des Vortrags. Zweite Sitzung am 24. März 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. F. Pockels. — Anwesend 40 Mitglieder. Prof. Dr. F. Pockels spricht über die bei Blitzentladungen vor- kommenden Stromstärken. Der Vortragende erwähnt zunächst die bisher vorliegenden Schätzungen der bei Blitzschlägen auftretenden mittleren Stromstärken durch W. Kohlrausch und die Be- rechnung der entladenen Elektricitätsmenge durch E. Riecke. Sodann bespricht er seine eigenen Versuche über die Magnetisirung von Basaltstäben durch nicht oscillirende Batterieentladungen, durch welche nachgewiesen ist, dass die remanente Magnetisirung als Mass für das Maximum der Entladungsstromstärke dienen kann. Es wird ein solcher Versuch vorgeführt, bei dem ein in einigen Centimetern Abstand neben einer gerad- linigen Strecke des Schliessungskreises der Batterie liegendes kurzes Basaltprisma durch eine nicht oscillirende Entladung von 1500 Ampere maximaler Stromstärke stark magne- tisirt wurde, durch eine viel stärkere oscillirende Entladung dagegen gar nicht, ja sogar den vorhandenen Magnetismus ganz verlor. Da nun die Blitze aller Wahrscheinlichkeit nach nicht oscillirende Entladungen sind, so glaubt der Vortragende, dass diese Methode auch zur Ermittelung von deren Maximalstromstärke würde dienen können, indem man an besonders exponirten Blitzableitern Basaltstäbe in geeigneter Weise anbrächte. In Er- mangelung derartiger Beobachtungen konnte zunächst nur eine rohe Schätzung der Stärke von Blitzschlägen, welche an W aldbäumen auf Basaltbergen ihre Spuren hinter- lassen haben, durch Messung des magnetischen Momentes von am Eusse dieser Bäume gesammelten Basaltstücken ausgeführt werden; es ergaben sich dabei in 3 Fällen für die Maximalstromstärke untere Grenzwerthe von 6400—10800 Ampöre. Der Vortragende schliesst mit der an die Isis - Mitglieder gerichteten Bitte, ihm von ähnlichen etwa in den benachbarten Basaltgebieten beobachteten Fällen Mittheilung zu machen. Dr. M. Toepler spricht über die Schichtung elektrischer Funken und über Gleitfunken. Der Vortragende bespricht zunächst die eigenthümliche Erscheinung, dass bei Elektricitätsentladung durch Luft oder Gase die Intensität der Licht- und Wärme- entwickelung nicht an allen Stellen der Entladungsbahn (des Funkens, Blitzes, Licht- bogens u. s. w.) die gleiche ist. Es bilden sich sogen. Schichten (Licht- oder Wärme- schichten) aus, d. h. Stellen grösserer und kleinerer Licht- und Wärmewirkung folgen einander in mehr oder minder grosser Regelmässigkeit. Nach Besprechung hierher ge- höriger Beobachtungen von A. Toepler, Lehmann, Kayser, von Obermayer u. A. wird die noch wenig beachtete Erscheinung , dass auch der Metalldampf dünner (durch eine Batterieentladung zerstäubter) Metalldrähte unter Umständen klar geschichtet ist, ein- gehender behandelt. Nach Projection von geschichteten Metalldampf- Niederschlägen verschiedener zerstäubter Drähte wird die Bildung von Gleitfunken längs Metallpulver, auf Wasseroberflächen und Gipsplatten, sowie auf einseitig metallisch belegten Glas- platten (vergl. hierzu Abh. d. naturwissenschaftl. Ges. Isis in Dresden, 1897, S. 41) be- sprochen. Vortragender weist nach, dass man zwei Arten von Gleitfunken zu unter- scheiden hat; die Ausbildung des langen Gleitfunkenkanales kann entweder durch eine einmal in geeigneter Weise an den Gleitfunkenpolen auftretende Potentialdifferenz veranlasst werden, oder auch dadurch, dass letztere mehrmals innerhalb sehr kurzer Zeit (im Rhythmus elektrischer Oscillationen) ihr Vorzeichen wechselt. Gleit- funken von mehr als einem Meter Länge werden zum Schlüsse vorgeführt. 9 Dritte Sitzung am 23. Juni 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. F. Foerster. — Anwesend 37 Mitglieder und Gäste. Dr. A. Schlossinann spricht über die Milch und ihre Bedeutung als Nahrungsmittel und erläutert den Vortrag durch Versuche und Vorlegung von Präparaten. (Vergl. Abhandlung III.) Dr. A. Lottermoser spricht über das collo'idale Quecksilber. Anschliessend an die Arbeiten E. von Meyers und des Vortragenden über colloidales Silber versuchte Letzterer auch Quecksilber in colloidaler Form zu gewinnen. Nach vielen vergeblichen Versuchen, dasselbe durch Einwirkung der verschiedensten Reductionsmittel auf Quecksilbersalze, namentlich Quecksilber oxydulnitrat, zu gewinnen, wobei meist un- lösliches graues Metall entstand, führte endlich die Anwendung von Zinnoxydulsalzen zum Ziele. Zur technischen Gewinnung wird eine Lösung von Zinnoxydulnitrat ver- wendet, welches, mit einer Lösung von Quecksilberoxydulnitrat versetzt, eine tiefbraune Flüssigkeit, die Lösung des collo'idalen Quecksilbers, giebt, aus welcher durch Ammon- citrat dasselbe in fester Form ausgesalzen wird. Andere Zinnoxydulsalze, namentlich Zinnchlorür, zu verwenden bietet noch einige Schwierigkeiten, doch hofft der Vortragende, durch fortgesetzte Versuche dieselben zu heben. Zinnoxydulsulfat erzeugt einen tiefbraunen Niederschlag, welcher als Analogon des Goldpurpurs des Cassius als ein basischer Zinnsalzniederschlag, auf dem sich colloidales Quecksilber abgeschieden hat, angesehen werden muss. Das Präparat, welches von der Firma von Heyden in Radebeul fabricirt wird, soll in der Medicin als Ersatz des gewöhnlichen Quecksilbers dienen; Versuche in dieser Richtung sollen in der nächsten Zeit beginnen. Das collo'idale Quecksilber wird wegen seiner Löslichkeit in Wasser entschiedene Vortheile vor dem gewöhnlichen Quecksilber bieten. Yl. Section für Mathematik. Erste Sitzung am 10. Februar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. K. Rohn. — Anwesend 13 Mitglieder und Gäste. Prof. Dr. K. Rohn spricht über Zusammensetzung von Beweg- ungen und reguläre Raumeintheilung. Die reguläre Raumeintheilung oder, was damit gleichbedeutend ist, die reguläre Anordnung von Punkten im Raume ist von grösster Bedeutung für die Erklärung der Molekularstructur der Krystalle. Um nicht die Grenzflächen der Krystalle in Betracht ziehen zu müssen, denkt man sich die reguläre Anordnung der Punkte ins Unbegrenzte fortgesetzt; dann kann man diese Anordnung so definiren, dass man sagt: jeder Punkt des unbegrenzten Systems sei von der Gesammtheit der übrigen Punkte in ganz gleicher Weise umgeben, wie jeder andere. Darin liegt aber das Mittel, solche reguläre Punkt- systeme zu erzeugen; denn nach der Definition wird es Bewegungen des Raumes in sich geben, bei welchen das reguläre Punktsystem mit sich selbst zur Deckung kommt. Solcher Raumbewegungen werden unendlich viele existiren und zwar wird dabei irgend ein Punkt des Systems in einen beliebigen anderen übergeführt werden können. Um- gekehrt kann man aus einem Punkte alle übrigen Punkte des Systems ableiten, indem man ihn alle jene Raumbewegungen ausführen lässt. Diese Raumbewegungen bilden aber eine Gruppe, d. h. : Kennt man irgend zwei Raumbewegungen, welche das reguläre Punktsystem mit sich selbst zur Deckung bringen, so thun dies auch alle Raum- bewegungen, die sich aus jenen beiden durch Wiederholung und Combination zusammen- setzen lasUu; das liegt ja ganz auf der Hand. Eine allgemeine Raumbewegung lässt sich aber durch eine Schraubenbewegung ersetzen. Giebt es also irgend zwei Schrauben- bewegungen, welche das reguläre Punktsystem in sich überführen, so thun dies alle Schraubenbewegungen, die aus jenen durch Wiederholung und Zusammensetzung her- vorgehen. Mit anderen Worten: Aus einem Punkte erhält man alle Punkte des regu- lären Systems , indem man ihn allen Bewegungen unterwirft , die sich aus zwei Schraubungen durch Wiederholung und Combination ergeben. 10 Es wird mm die Frage sein, ob man mit zwei beliebigen Schraubungen ein regu- läres Punktsystem erzeugen kann. Zum näheren Studium dieser Frage werden zunächst die Zusammensetzung und Zerlegung von Bewegungen in der Ebene (Drehung und Schiebung), und sodann von Bewegungen im Baume (Drehung, Schiebung und Schraubung) besprochen. Als die wichtigsten Sätze hierbei mögen folgende beide her- vorgehoben werden: 1. Jede Schraubung um eine Axe kann ersetzt werden durch eine Schraubung um irgend eine dazu parallele Axe und eine vorausgehende oder nach- folgende Schiebung; die zu den Schraubungen gehörigen Winkel sind gleich. 2. Zwei aufeinanderfolgende Schraubungen lassen sich durch eine einzige Schraubung ersetzen; Axenrichtung und Winkel der letzteren hängen nur von den Axenrichtungen und Winkeln der ersteren ab. Diese Abhängigkeit ist die gleiche, wenn man statt der Schraubungen drei Drehungen um drei durch einen Punkt laufende Axen ausführt, wenn nur die Drehungsaxen den bez. Schraubenaxen parallel und die Drehungswinkel den bez. Schraubungs winkeln gleich sind. Mit Hilfe dieser Sätze wird hierauf ein Beweis von Schön flies entwickelt, worin gezeigt wird, dass man im Allgemeinen aus zwei Schraubungen durch Zusammensetzung stets beliebig kleine Schraubungen ableiten kann, d. h. solche, die sich in eine beliebig kleine Schiebung und in eine beliebig kleine Drehung zerlegen lassen. Nur wenn die Schraubungs winkel für die beiden Schraubungen ganzzahlige Theile von 2 n sind, lassen sich aus ihnen keine beliebig kleinen Schraubungen ableiten. Im ersten Falle werden die Punkte des regulären Systems beliebig dicht bei einander liegen. Solche Systeme können aber nicht die Anordnung der Moleküle eines Krystalls repräsentiren , denn die Abstände dieser Moleküle von einander werden zwar sehr klein, aber immerhin endlich sein. Es werden also nur zwei Schraubungen, deren Winkel ganzzahlige Teile von 2 n sind, zur Erzeugung regulärer Punktsysteme, wie sie die Molekularstructur fordert, Verwendung finden können. Daraus geht sofort hervor, dass es auch reine Schiebungen in der Dichtung der Schraubenaxen giebt, welche das reguläre Punktsystem in sich selbst überführen. Das Punktsystem lässt sich demzufolge in mehrere Punktgitter auf- lösen, wobei jedes Gitter einer regulären Eintheilung des Baumes in Parallelepipeda entspricht. Diese Bemerkung ermöglicht aber die Aufsuchung aller regulären Punkt- systeme. Zweite Sitzung am 14. April 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. K. Rohn. — Anwesend 9 Mitglieder. Dr. A.Witting spricht über planimetrische Constructionen in begrenzter Ebene. Der Vortragende führt zunächst ein Beispiel dafür an, dass bei sehr bekannten planimetrischen Elementaraufgaben nicht immer die einfachsten mit Zirkel und Lineal möglichen Constructionen ausgeführt zu werden pflegen. Sodann wird an einer Anzahl Fundamentalaufgaben gezeigt, wie eine exacte Construction praktisch möglich ist, wenn einzelne der gegebenen Punkte ausserhalb des Bandes des Beissbretts liegen. Dabei wurde insbesondere angenommen, dass sich gegebene Geraden in weiter Ferne unter so spitzen Winkeln schneiden, dass Parallelverschiebungen und Aehnlichkeitsconstructionen ausgeschlossen werden müssen. Den Schluss bilden einige Aufgaben, bei denen Punkte in unendliche Entfernung gerückt waren. Dritte Sitzung am 16. Juni 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. K. Rohn. — Anwesend 10 Mitglieder. Geh. Hofrath Prof. Dr. M. Krause spricht über Partialbruch- zerlegung bei transcendenten Functionen. Gegenstand des Vortrags bildet ein Beweis des berühmten Mittag-Leffler’schen Theorems über die Zerlegung der sogen, gebrochenen transcendenten Functionen. Zu den elementaren Begriffen der ganzen rationalen und der gebrochenen rationalen Function hat die neuere Functionentheorie zwei naturgemässe Gegenstücke geschaffen: die Begriffe der ganzen transcendenten und der gebrochenen transcendenten Function. Nachdem Weierstrass gezeigt hatte, dass jede ganze transcendente Function mit einer endlichen oder unendlichen Anzahl von Nullstellen in ähnlicher Weise wie eine 11 ganze rationale Function als ein Product von Ausdrücken darstellbar ist, deren jeder nur an einer Stelle verschwindet, lag die Yermuthung nahe, dass jede gebrochene trans- cendente Function sich ähnlich wie eine gebrochene rationale Function als eine Summe von Ausdrücken darstellen lassen werde, die im Endlichen nur je eine ausserwesentliche singuläre Stelle besitzen. Diese Yermuthung wurde durch das genannte Theorem be- stätigt. — Vortragender zeigt nun, im Anschluss an Betrachtungen, welche H. Burk- hardt in seinem jüngst erschienenen „Lehrbuch der Functionentheorie“ angestellt hat, dass der schwierige und umständliche Beweis, den Mittag-Leffler ursprünglich für sein Theorem gegeben hat, durch einen kürzeren und wesentlich einfacheren ersetzt werden kann. An der kurzen Besprechung, die sich an den Vortrag knüpft, be- theiligen sich Prof. Dr. K. Rohn und Dr. A. Witting. VII. Hauptversammlungen. Erste Sitzung am 27. Januar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. — Anwesend 54 Mitglieder und Gäste. Oberlehrer Dr. H. Lohmann spricht über Eishöhlen und Höhleneis. Vortragender erläutert an einer grossen Zahl von Zeichnungen, Photographien, Gips- und Paraffinabgüssen den Charakter der Eishöhlen und die Structur und Art der Entstehung des in denselben abgelagerten Eises. Eine eingehende Bearbeitung dieses Gegenstandes durch den Vortragenden wird voraussichtlich in der Zeitschrift des deutsch- österreichischen Alpenvereins veröffentlicht werden. Dr. med. J. Grosse spricht über Carl Gustav Carus in seiner Bedeutung für die Naturwissenschaften. Zum Schluss giebt der Vorsitzende eine kurze Uebersicht über die bis- her erzielten Erfolge der Eingaben, in welchen die Isis und der K. Sachs. Alterthumsverein bei den K. Ministerien um Schutz der vorgeschichtlichen Alterthümer des Landes nachgesucht haben. Zweite Sitzung am 24. Februar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. — Anwesend 44 Mitglieder und Gäste. Der Vorsitzende des Verwaltungsraths, Prof. H. Engelhardt, legt den Rechenschaftsbericht für 1897 (s. S. 15) und den Voranschlag für 1898 vor. Letzterer wird einstimmig genehmigt. Als Rechnungsrevisoren werden Bankier A. Kuntze und Architect R. Günther gewählt. Geh. Hofrath Prof. L. Lewicki spricht über das maschinen- technische Laboratorium der K. Technischen Hochschule. Hieran schliesst sich unter der Führung des Vortragenden eine Be- sichtigung dieses Laboratoriums und seiner Einrichtungen. Dritte Sitzung am 31. März 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. — Anwesend 24 Mitglieder und Gäste. Nachdem der Rechenschaftsbericht für 1897 von den Rechnungs- revisoren geprüft und richtig befunden worden ist, wird dem Kassirer Decharge er th eilt. 12 Oberlehrer Dr. P. Wagner spricht über die physikalischen und geologischen Untersuchungen der Böhmerwaldseen und erläutert seinen Vortrag durch zahlreiche Photographien und Zeichnungen. Vergl. hierzu: Wissenschaftl. Veröffentlich, d. Vereins für Erdkunde zu Leipzig, 1898, Bd. IV. Vierte Sitzung am 28. April 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. — Anwesend 31 Mitglieder und Gäste. Das K. Sächs. Ministerium des Innern wünscht die Einreichung eines Entwurfs einer kurzen Belehrung und Anweisung über die den urgeschicht- liclien Alterthümern zu widmende Beachtung und Fürsorge. Mit der Bearbeitung eines solchen Entwurfs wird Dr. J. Deichmüller beauftragt. Ingenieur E. Lewicki hält unter Vorführung von Experimenten einen Vortrag über Centrifugalguss. Vergl. hierzu: Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, Bd. XLII. An den Vortrag schliesst sich eine kurze Discussion. Fünfte Sitzung und Excursion am 19. Mai 1898. 14 Mitglieder der Dresdner Isis vereinigten sich in Demitz bei Bischofswerda mit fünf Mitgliedern der Bautzner Schwestergesellschaft zu einem gemein- schaftlichen Ausflug in das Granitgebiet der dortigen Gegend. Nach Besichtigung der dicht an der Haltestelle Demitz aufgedeckten Gletscher schliffe und Rundhöcker auf dem Granit wanderten die Theil- nehmer unter Führung des Herrn E. Rodig, Geschäftsführers der Firma C. G. Kunath, nach dem Klosterberg, um hier die Lagerungsverhältnisse und die Gewinnung des Granits in den ausgedehnten Steinbrüchen kennen zu lernen. Hieran schloss sich unter Vorsitz von Prof. H. Engelhardt eine kurze Hauptversammlung im Bahnhofsrestaurant Demitz, in welcher verschiedene geschäftliche Angelegenheiten erledigt wurden. Eine Fusswanderung nach Bischofswerda schloss den vom Wetter begünstigten Ausflug ab. Sechste Sitzung am 26. Mai 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. — Anwesend 43 Mitglieder und Gäste. Dr. med. A. Schlossmann spricht über eine neue Art derWohnungs- Desinfection durch Zerstäuben von Formaldehyd und führt den hierzu benutzten Apparat in Thätigkeit vor. Privatdocent Dr. W. Bergt hält einen Vortrag über die Geologie von Schantung (Kiautschou). 13 Siebente Sitzung am 30. Juni 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. — Anwesend 48 Mitglieder und Gäste. Prof. H. Engelhardt legt vor und bespricht die „Jubiläumsschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens der Gelsenkirchener Bergwerksactien- gesellschaft zu Bheinelbe bei Gelsenkirchen“, Düsseldorf 1898, 4°, mit zahlreichen Tafeln. Prof. H. Fischer hält einen Demonstrationsvortrag über die Westinghouse-Bremse, an welchen sich eine kurze Debatte anschliesst. Veränderungen im Mitgliederbestände. Gestorbene Mitglieder: Am 7. Februar 1898 starb in Leipzig Geh. Rath Dr. Rudolf Leuckart, Professor der Zoologie und Zootomie an der dortigen Uni- versität, einer der hervorragendsten und verdientesten Zoologen der Gegenwart. Unserer Gesellschaft gehörte der Verewigte seit 1869 als Ehrenmitglied an. Am 12. April 1898 starb in München Geh. Rath Dr. Fridolin von Sandberger, bis vor kurzer Zeit Professor der Mineralogie und Geo- logie an der Universität Würzburg, correspondirendes Mitglied der Isis seit 1862. Am 17. April 1898 verschied in Cambridge, Mass., im Alter yon 74 Jahren Jules Marcou, früher Professor der paläontologischen Geo- logie am Polytechnikum in Zürich, später Staatsgeolog der Vereinigten Staaten von Nordamerika, bekannt durch seine Forschungen im Gebiete der „Dyas“, Ehrenmitglied unserer Gesellschaft seit 1866. Am 22. April 1898 starb in Celle im 83. Lebensjahr Oberappellations- rath a. D. Dr. Karl Nöldeke, bekannt als Florist wie als Bearbeiter der hannoverschen Landesgeschichte, Ehrenmitglied der Isis seit 1888. Am 18. Juni 1898 starb in München Dr. Karl Wilhelm von Gümbel, K. Bayerischer Oberbergdirector und Professor an der dortigen Universität, ein um die geologische Erforschung Bayerns hochverdienter Gelehrter, seit 1860 Ehrenmitglied unserer Gesellschaft. Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder: Biedermann, Paul, Dr. phil., Realgymnasial-Oberlehrer in Dresden, am 27. Januar 1898; Heinrich, Karl, Buchdruckereibesitzer in Dresden, am 24. Februar 1898; Henke, Rieh., Prof. Dr., Conrector am Annenrealgymnasium in Dresden, am 27. Januar 1898; Jorre, Friedr., Dr. phil., Chemiker in Dresden, am 30. Juni 1898; von Laffert, Rieh., Major in Dresden, am 27. Januar 1898; Lewicki, Ernst, Ingenieur und Adjunct am Maschinenbau-Laboratorium der K. Techn. Hochschule in Dresden, am 19. Mai 1898; Lottermoser, Alfr., Dr. phil., Assistent am anorg.-chem. Laboratorium der K. Teclm. Hochschule in Dresden, am 30. Juni 1898; 14 Mühlfriedei, Rieh., Bezirksschullehrer in Dresden, am 27. Januar 1898; Müller, Erich, Dr. phil., Chemiker in Dresden, am 30. Juni 1898; Paulack, Theodor, Apotheker in Dresden, am 24. Februar 1898; Prinzhorn, Joh. Ludw., Realschuldirector in Dresden, am 27. Januar 1898; Röhner, Wilh., Bezirksschullehrer in Dresden, am 31. März 1898; Scheid hau er, Rieh., Civilingenieur in Dresden, am 19. Mai 1898; Struve, Alex., Dr. phil., Fabrikbesitzer in Dresden, ) 9 . v , Viehmeyer, Herrn., Bezirksschullehrer in Dresden, > am ' ® rUar Wähmann, Friedr., Bezirksschullehrer in Dresden, ) Aus den correspondirenden in die wirklichen Mitglieder sind übergetreten: Menzel, Paul, Dr. med., in Dresden; Thallwitz, Joh., Dr. phil., Realschul-Oberlehrer in Dresden. Kassenabschluss der ISIS vom Jahre 1897. Position. Einnahmen. Position. Ausgaben. 15 18« I I I I 1 3 I uC5ffiOfflHHCD>CO^OOfflOb ’SlObCOHQOCOCOHOCOOOCOOlfl ZO HtfJOlHHOOCOlOCOQOCO^ S T~J IC i— i CO HH d • PH ö-o CD xfi CD CD -s«' d grd' o 5 d 05!^*' S CÖ^’rO CD Jj S ? ® O ÖD d ÖD CD ÖD • d •I d 3.ß • CB q_| Qf+i -H 'cd TÄ CÖ d *rt d cb r-t3 .£§ hj -H . ö "m d 05 *Jj .tn 9 «3 e3 Ph 4h ^ * 2**8 .O d cd Sh .d o3 >-2 ‘ ^ S ’S ® oM pI S 4) O O ® Ci-rt <ü Ö a:pH CD ÖD W\ Ci CO ^ iO CO 3> I I I I ! I 13 i |£& ISS I ISS CO 05 00 d r— I (X) 05 dd ui 05 'S H 1 J.g £ §qP 8 db'ö O .. . 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Geschichtete Dauerentladung in freier Lnft (Büschel- lichtbogen) und Kighi’sche Kugelfunken. Yon Dr. Max Toepler. (Mit Tafel I.) An anderem Orte*) habe ich angegeben, wie man leicht geschichtete elektrische Entladungen in freier Luft erhalten kann und zugleich nach- gewiesen, dass die Gesetze der Schichtenbildung ähnlich sind denen der bekannten Schichtung des sogenannten Anodenlichtes in stark evacuirten Rohren. Ich stellte mir nun die Aufgabe, erstgenannte geschichtete Entladungs- art in ihrer Gestalt und Farbenanordnung der einzelnen Lichtschichten über einen möglichst grossen Druckbereich zu verfolgen. Es zeigte sich hier- bei, dass im ganzen Bereiche von Atmosphärendruck bis zu 0,oi cm Queck- silberdruck abwärts eine einheitliche Beschreibung der in Rede stehenden Erscheinung möglich ist, worüber im Nachfolgenden be- richtet wird. Es wird sich dabei zeigen, dass eine von Herrn A. Wüllner**) beobachtete Form der Ruhmkorffentladung, sowie eine von Herrn A. Righi***) eingehend untersuchte stark verlangsamte Entladungsart grosser Leydener Batterien (von ihm „Kugelfunken“ genannt) mit der von mir behandelten geschichteten Entladung identisch sind, nur beschränken sich die Unter- suchungen von Herrn Wüllner und Herrn Righi auf Drucke zwischen 5 und 1 cm. Die nähere Beschreibung der Lichterscheinungen im Uebergangs- gebiete zwischen Kugelfunken und der bekannten gewöhnlichen geschich- teten Entladung (in Geisslerröhren bei niedrigstem Drucke) wird ergeben, dass in demselben Rohre bei gleichem Drucke je nach der Stromstärke beide schichtenbildenden Entladungsarten auf- treten können. Bei der bedeutenden Veränderlichkeit der Schichtenstellung je nach der Stromstärke ist sowohl die Ruhmkorff- als auch die (durch Widerstände im Schliessungskreise stark verlangsamte) Batterieentladung zur Unter- suchung der Schichtung wenig geeignet, da bei beiden die Stromstärke während jeder einzelnen Entladung variirt. Ich habe daher in vorliegender Notiz von diesen Hilfsmitteln abgesehen und einfach den directen Ström *) M. Toepler, Wied. Ami. 63, 1897, p. 109. **) A. Wüllner, Pogg. Ann. Jubelband 1874, p. 32. ***) A. Righi, Lum. Electr, 42, 1891, p. 501 u. 604; Mem. Accad. Bol. 1895, p. 445. 4 einer 60 plattigen Toepler’schen Maschine benutzt*). Der Maschinenstrom ist bei Einschaltung grosser Flüssigkeitswid erstände als nahe constant zu betrachten; auch ist seine mittlere Intensität, wie bekannt, innerhalb recht weiter Grenzen unabhängig von der Spannungsdifferenz der Maschinen- pole, er bot also für meinen Zweck ganz besonders günstige Verhält- nisse. Die Art des entstehenden Entladungsvorganges in einer im Stromkreise befindlichen Funkenstrecke hängt ausser von der mittleren Stromstärke vor Allem ab von der Grösse und Anordnung eingeschalteter Widerstände, der Schlagweite, dem Drucke der Luft im Schlagraume und der Tempe- ratur in letzterem. Die Entladung kann dem zeitlichen Verlaufe nach ausgesprochen discontinuirlich, nahe continuirlich oder, soweit zu er- kennen, continuirlich sein**); eine scharfe Grenze zwischen diesen Ent- ladungsarten giebt es freilich nicht. In vorliegender Arbeit wird nun fast ausschliesslich die Schichtenbildung bei nahe continuirlicher Entladung (Dauerentladung) behandelt werden; als nahe continuirlich glaube ich die untersuchte Art von elektrischen Lichtbogen, abgesehen von anderen Gründen, deshalb bezeichnen zu dürfen, weil sie, wie man im rotirenden Spiegel erkennt, zumeist zwar aus einer zeitlich mehr oder minder zusammengedrängten Reihe von Partialentladungen bestand, zwischen denen jedoch der Lichtbogen nie ganz erlosch (vergl. z. B. Phot. 17). Seine Intensität schwankte nur zwischen mehr oder minder einander an Lichtstärke nahe kommenden Leuchtmaximis und Minimis ***). Herr 0. Lehmann unterscheidet bekanntlich f) vier Typen der (leuch- tenden) Entladung durch Gase, Glimm-, Büschel-, Streifen- und Funken- entladung. Will man eine Zuordnung vornehmen, so hätte man die geschichtete Dauerentladung (nahe continuirliche Entladung) und demnach auch die Righi’schen Kugelfunken als specielle Fälle der Büschelentladung aufzufassen; man würde sie dann zweckmässigerweise als „BiiscSielliclitfeogen^ zu bezeichnen haben. Ich halte es jedoch für möglich, dass bei eingehenderem Studium die nahe continuirliche Entladungsform den Weg zu einer einheitlichen Beschreibung aller Entladungsformen durch Luft zeigen wird. Um eine klare und richtige Auffassung der Lichterscheinungen zu erleichtern, glaubte ich, soweit es möglich war, besonderes Gewicht auf eine Ergänzung des Textes und seiner Figuren durch photographische Darstellungen legen zu müssen. Ich habe deshalb von meinen mehr als 400 Einzelaufnahmen der Entladungen die am meisten charakteristischen auf der beigegebenen Tafel No. I mitgetheilt. Ein Verzeichniss der Photo- gramme mit Angaben über zugehörige Einzelheiten findet sich am Schlüsse *) Nur wo die Stromstärke der benutzten Maschine nicht voll ausreicht, habe ich ganz vorübergehend zur langsamen Batterieentladung gegriffen. **) Ob es im strengsten Sinne continuirliche Entladung selbst durch verdünnte Gase überhaupt giebt, ist bekanntlich noch immer zweifelhaft. ***) Schaltet man in den Schliessungskreis einer grösseren Influenzmaschine hinter- einander ein Geisslerrohr und eine Eunkenstrecke , so erhält man in ersterem keine Schichtenbildung, solange in der Funkenstrecke der Maschinenstrom in Form einer Reihe zeitlich getrennter Einzelfunken übergeht (vergl. E. Wiedemann, Wied. Ann. 20, 1883, p. 760). Schichtung im Geisslerrohre trat aber in der Regel mit dem Augenblicke ein, in dem in der Funkenstrecke an Stelle der Einzelfunken nahe continuirliche Entladung zur Ausbildung kam; dies rechtfertigt gleichfalls die Bezeichnung „nahe continuirlich“. f) Q. Lehmann, Wied. Ann. 11, 1880, p. 687; 22, 1884, p. 305. 5 der Abhandlung. Es sei jedoch schon hier vörausbemerkt, dass die Photo- gramme 1 bis 16, 23 bis 31 und 36 bis 45 Lichterscheinungen wiedergeben, welche bei constantem Drucke und constanter Stromstärke beliebig lange (stundenlang) nahe ungeändert dauernd die gleichen bleiben. Die Photographien 1 bis 11 zeigen derartige Dauererscheinungen in freier Luft, desgleichen 12 bis 16 in Glasröhren bei Atmosphärendruck, 23 bis 31 bei etwa 5 cm Druck, 36 bis 45 schliesslich bei niedrigsten Drucken unter 0,02 cm). Die Photogramme 17 bis 21 geben geschichtete Batterieentladungen in freier Luft wieder. Die Lichterscheinungen in unmittelbarer Nähe der Kathode sind bei höheren Drucken wegen ihrer geringen räumlichen Ausdehnung nur auf Original-Photogrammen klar zu unterscheiden*). Es sei daher schon hier ein für alle Mal bemerkt, dass bei nahe continuirlicher Entladung (ganz wie bei den bekannten Lichterscheinungen in Geisslerröhren) bei allen Drucken an der Kathode auftreten: der dunkele (Goldstein’s) Kathodenraum, das helle Kathodenlicht, der Trennungsraum**) (Faraday’s Dunkelraum), auf letzteren folgten dann die übrigen Lichter, deren Beschreibung Auf- gabe der vorliegenden Arbeit sein wird. I. Nahe contiirairliche Entladung (Büschellichtbogen) in freier Luft. Im Vergleiche zu den Lichterscheinungen in sehr verdünnten Bäumen erscheint die geschichtete Entladung in freier Luft als ein räumlich sehr zusammengedrängtes Gebilde. Besonders der interessanteste Theil, das Funkengebiet in der Nähe des negativen Poles, ist so zusammengeschrumpft, dass eine genaue Beobachtung desselben schwer ist. Wir denken uns da- her die für die Beobachtung günstigste Versuchsanordnung hergestellt: negativer Maschinenpol, metallische Leitung, negative Polspitze — Funken- strecke mit Halbleiter (Basaltplatte)***) — positive Polspitze, metallische Leitung, positiver Maschinenpol. 1. Metallspitze Kathode — Halbleiter Anode. Liegt der Halbleiter an der positiven Metallspitze an, so beobachtet man, solange der Schlagraum zwischen ihm und der negativen Polspitze klein ist, bei wachsender Stromstärke Folgendes: Bei geringer Stromstärke tritt an der Metall- Kathode zunächst der bekannte negative Büschel auf, bestehend aus hellster weissvioletter Aus- *) Von den Beproductionen auf Tat. I lässt Phot. 21 manche Details recht gut erkennen. **) Diese Bezeichnungen sind von E. Wiedemann eingeführt; vergl. Wied. Ann. 20, 1883, p. 757. ***) Die Vorzüge speciell des Basaltes bestehen darin, dass in ihm ein gegen Zerstörung widerstandsfähiges, leitendes Material (Magnetit) in kleinsten Theilen gleich- mässig vertheilt ist, während in dem sonst auch recht geeigneten Schiefer die Kohle- theilchen rasch verbrennen. Auch zwischen Metallkathode und einer Alkoholoberfläche als Anode erhielt ich schön geschichtete Kugelfunken. Selbst vorgeschaltete Geissler- rohre können die Ausbildung geschichteter nahe continuirlicher Entladung in freien Luftstrecken begünstigen. 6 4 + >// ft Fig. i—ß' trittsfläche (dem hellen Kathodenlichte) und dem von ihm durch einen verwaschenen dunklen Trennungsraum geschie- denen Büschel (Fig. 1). Aus der Mitte des Letzteren wächst bei gesteigerter Stromintensität eine rosa gefärbte Licht- spitze heraus (Fig. 2), welche bei weiter vermehrter Strom- stärke nach dem Halbleiter zu sich verlängert. Die Ober- fläche des Halbleiters, d. h. die Anode, zeigt unterdessen folgende Lichtentwickelung. Aus einer violetten Lichthaut (Phot. 1) wächst ein violetter Lichtpilz*) heraus (Fig. 3). Trifft bei grösserer Stromintensität der positive Lichtpilz mit der ,j negativen Lichtspitze zusammen, so weicht er ihr aus + (Fig. 4 und Phot. 2). Diese Deformation, sowie die Rotation, welche der deformirte Lichtpilz bei weiter vermehrter Stromstärke um die negative Lichtspitze zuweilen aus- führt (Fig. 5 und Phot. 3) dürfte durch den von der nega- -f- tiven Polspitze ausgehenden heissen Luftstrom veranlasst werden. Schliesslich verschmelzen die beiden Theile der Lichterscheinung (Fig. 6 sowie Phot. 4 und 5); hierbei wird, soviel sich erkennen liess**), die Lichtspitze zur _j_ ersten Schicht, d. h. zum zweiten Lichte (das helle Kathoden- licht als erstes gezählt), der Lichtpilz zur zweiten Schicht, d. h. zum dritten Lichte. Der Abstand des dritten Lichtes von der Kathode nimmt mit weiter gesteigerter Strom- i stärke erst rasch, dann langsamer ab (Phot. 6, 7 und 8 zeigt dies bei grösserer Schlagweite***); hierbei ändert sich auch die Färbung der einzelnen Dauerfunkentheile in der Weise, dass die Lichtspitze (resp. erste Schicht) ziegelrothe, der Lichtpilz (resp. zweite Schicht) dagegen karminrothe Färbung annimmt f). Der geschilderte allmähliche Uebergang aus Büschelentladung in. die nahe continuirliche liess sich nur bei der hier angegebenen Yersuchs- anordnung und nur bei kleinen Schlagweiten (unter 0,5 cm) beobachten. Im Allgemeinen tritt bei successiver Stromvermehrung zunächst ein Funken- strom an die Stelle der Büschelentladung und erst bei wesentlich höherer Stromintensität geht die zeitlich discontinuirliche Funkenfolge in Dauer- entladung über. Letztere erscheint dann sogleich in dem der Poldistanz und Stromstärke entsprechenden Entwickelungsstadium (Phot. 9 zeigt ver- grössert dieses Stadium für 2 cm Schlagweite). Die längsten Dauer- funken, die ich erhalten konnte, waren ca. 8 cm lang (Phot. 10 zeigt verkleinert Dauerentladung bei 5 cm Schlagweite, vergl. auch Phot. 11). Die Lichtgestalt langer Funken differirt von der kurzer nur insofern, als zu f7// . f//m» ^ *) Der obere Theil des Pilzes kann sich bei constant erhaltenem Strome von dem Stiele ablösen und nach der Kathode zu in Bewegung setzen, wobei er rasch ver- blasst; das neu entstehende Pilzende kann dies wiederholen u. s. f. (Vergl. hierzu Abschnitt 8 und Fig. 18.) **) Dieser Uebergang bedarf noch eingehenderer Untersuchung; wahrscheinlich liegen genau genommen die Verhältnisse nicht immer ganz so einfach, wie hier ge- schildert ist. ***) Ueber die Abhängigkeit des Kathodenabstandes des zweiten Lichtes von der Stromstärke vergl. das Ende des sechsten Abschnittes. f ) Besonders deutlich tritt dieser Unterschied der Färbung bei niedrigeren Gas- drücken hervor. Man kann diese Färbung als typisch für Luft (bei mittleren Strom- stärken) ansehen. Vergl. auch 0. Lehmann, Zeitschr. f. phys. Chemie, XVIII, p. 104. 7 der ersten karminrothen Schicht noch weitere hinzutreten, einfache Wieder- holungen der ersten. Es erscheint mir daher zweckmässig, die Schichten- zählung nicht mit dem oben als ziegelroth (in Luft) gekennzeichneten Lichte zu beginnen, sondern mit der ersten karminrothen Schicht Die vollständige Lichtgestalt der Dauerentladung zerfällt also in: [Metallkathode] helles weissviolettes Kathodenlicht mit Trennungsraum — zweites (ziegelrothes) Licht — drittes, karminrothes Licht, eventuell in eine Anzahl karminrother Schichten zerfallend — Anodendunkelraum — zahlreiche aequivalente *) positive Glimmlichtpunkte [Halbleiter]. Für die Schichtung des karminrothen Lichtes gilt nun: Die Schichten haften an der Kathode; (genauer in Hinsicht auf Abschnitt 4 und 7: Die Schichten des negativen Antheiles haften an der Kathode; bei Schlagweitenvergrös serung treten mehr und mehr neue Schichten aus der ausgezeichneten Stelle resp. dem dunklen Anodenraume hervor, und umgekehrt ver- schwinden sie daselbst bei Schlagweitenverkleinerung). Mit wachsender Stromstärke verringert sich sowohl der Abstand der ersten (karminrothen) Schicht von der Kathode, als auch der gegenseitige Schichtenabstand; bei constanter Schlagweite treten demnach zu den schon vorhandenen neue Schichten aus der Anode (genauer: aus der ausgezeichneten Stelle resp. dem Anodendunkelraume) hervor. Die Schichten sind wahrscheinlich völlig aequidistant, wenn die Entladungsbahn gleich breit, d. h. die Stromdichte auf derselben die gleiche bleibt**). Die Schichten wenden in freier Luft der Kathode stets die abgekugelte, der Anode die zugespitzte Seite zu (vergl. Phot. 5 bis 11 sowie 19; Phot. 12 bis 16, Schichten in Glasröhren zeigend, gehören nicht hierher). Während der Dauerentladung herrscht in der Nähe der Funkenbahn eine starke Luftbewegung von der Kathodenspitze nach dem Halbleiter hin. Mit dem bekannten Schlierenapparate meines Vaters erkennt man, dass sich an die Kathodenspitze ein Kegel heisser Luft ansetzt, dessen Spitze das helle Kathodenlicht ist. In der Nähe der Kegelachse befindet sich der Dauerfunken, d. h. der leuchtende Theil des gesammten Entladungs- vorganges. Bei Anwendung momentaner Beleuchtung konnte ich mit dem Schlierenapparate erkennen, dass in den leuchtenden Dauerfunken- theilen (karminrothen Schichten) eine höhere Temperatur herrscht als in den dunklen Zwischenräumen***). Im langsam rotirenden Spiegel erscheint der Dauerfunken meist als mattes Lichtband, welches von hellen Partialentladungen durchsetzt ist (vergl. die Einleitung). Man bemerkt nun folgende auffallende Thatsache. Die Bilder der Partialentladungen stehen um so schiefer im Lichtbande, je rascher der Spiegel rotirt; der Sinn der Neigung hängt vom Sinne der Spiegel- *) „Aequivalent“ in dem Sinne, als sie zusammen eine einzige ausgedehntere Glimmfläche ersetzen. **) Da hei Gegenüberstellung von Metallspitze und Halbleiter die Strombahn sich nach dem Halbleiter zu öffnet und somit die Stromdichte abnimmt, so drängen sich die Schichten meist nach der Metallspitze zu etwas zusammen. Siehe Phot. 17, 18, 19, 20. (Dies gilt sowohl, wenn letztere Kathode als auch, wenn sie Anode ist). ***) Die Temperatur im Dauerfunken ist nicht unerheblich ; Siegellack schmilzt und entzündet sich an ihm wie in einem Kerzenlichte, dünne Glasfäden werden geschmolzen. 8 drehung ab. Dies scheint darauf hinzuweisen*), dass das Aufleuchten der einzelnen Schichten jeder Partialentladung nicht gleichzei- tig, sondern (von der Kathode ausgehend) nach einander erfolgt. 2. Metallspitze Anode — Halbleiter Kathode. War die Metallspitze Anode, lag also der Halbleiter an der negativen Metallspitze an, so änderte sich der Charakter der Licht- erscheinungen nur insofern, als es nicht möglich war, auch bei schwachen Strömen Dauerentladungen zu erhalten. Vielmehr trat bei allmählicher Stromstärkenvermehrung selbst bei kleinen Polabständen der Dauerfunken plötzlich in voller Ausbildung an die Stelle der discontinuirlichen Funken- folge. Figuren 7, 8 und 9 geben verschiedene Formen der discontinuir- lichen Entladung, Figuren 10, 11 und 12 der Dauerentladung. Letztere zeigt auch hier von der Kathode (Halbleiter) ausgehend den Trennungs- raum, einen ziegelrothen (paraboloidischen) Lichtstumpf (oder auch mehrere, aequivalente, in einander zusammenfliessende) und das karminrothe Licht. Bemerkenswerth für das Verständniss der Analogien der Lichterscheinungen in freier Luft und in gasverdünnten Räumen ist es, dass, wie Fig. 11 andeutet, manchmal vor dem karminrothen Lichtkolben nach der Kathode zu noch ein ziegelrothes Lichtwölkchen erscheint; zuweilen ist dieses auch mit dem ziegelrothen Licht- paraboloide durch eine lichtschwache Brücke ver- bunden (Fig. 12). Das ziegelrothe Licht kann also in zwei lichtstärkste Theile, einen am Trennungsraume und einen zweiten am karminrothen Lichte zerfallen. Bei Verlängerung der Funken gilt hier dasselbe wie oben; es treten auf der Funkenbahn Wieder- holungen der ersten karminrothen Schicht auf. Diese Schichten haften bei S chlagweiten vergrös- serung an der Anode, oder vielmehr mit Hinweis auf Abschnitt 7 an der ausgezei chneten Stelle, welche sich hier stets nahe am Halbleiter ausbildete. Die Lichterscheinungen der Dauerentladung unterscheiden sich also nicht wesentlich, wenn der Halbleiter Kathode oder wenn er Anode ist. Natürlich kann man auch zwischen zwei Halbleitern geschichtete Dauerentladung erhalten. Für die richtige Auffassung der zeitlich disconti- nuirlichen Entladung ist noch hervorzuheben, dass sich das karminrothe Licht offenbar schon bei dieser angedeutet findet in dem Stiele des bekannten positiven Lichtpinsels (siehe Figuren 7 bis 9**). *) Leider wird die Deutung von Beobachtungen im rotirenden Spiegel ausser durch häufige Unregelmässigkeiten auch dadurch erschwert, dass auch hei grösserer Schlagweite die Dauerfunkenbahn oft rotirt, und zwar beschreibt sie hierbei einen Kegelmantel, dessen Spitze in dem hellen Kathodenlichte liegt. Der Einfluss der Luftbewegung infolge der Spiegeldrehung war leicht (durch eine zwischengeschobene Glasplatte) auszuschliessen. **) Die Färbung des hellen Stieles in Fig. 7—9 ist karminroth bis violettroth, des lichtschwächeren Theiles violettblau bis blau. Eine der Fig. 9 gleichende Entladungs- form (gewundene, halb roth und blau gefärbte Lichtfäden) tritt bei niederen Drucken häufig auf ; vergl. Abschnitt 9 und Photogr. 23 und 24. Fig. 7—9 . + + + Fig. 10—13. + — «&f§|P> + 9 3. Halbleiter mitten im Schlagramne. Steht ein plattenförmiger Halbleiter frei mitten zwischen zwei gleichbeschaffenen Metallpolen, so dass links und rechts je ein Zwischenraum bleibt, so bilden sich natürlich zwei Funken aus, deren einer Metall als Kathode, Halbleiterplatte als Anode hat, der andere um- gekehrt. Nur bei Anwendung sehr starker Ströme erhielt ich hier ausnahms- weise beiderseits Dauerfunken. Diese zeigen dann das Aussehen wie Fig. 6 und 10 combinirt. Die Entladung erfolgt also in diesem Falle voll- ständigster Ausbildung nach dem Schema: [Metallkathode] helles Kathoden- licht mit Trennungsraum, — zweites (ziegelrothes) Licht, — drittes eventuell geschichtetes (karminrothes) Licht, — Anodendunkelraum, — zahlreiche aequivalente Anodenglimmstellen [Halbleiter] zahlreiche aequivalente helle Kathodenlichter mit zugehörigen Trennungsräumen - — zu einem zusammen- fliessende aequivalente zweite (ziegelrothe) Lichter, — drittes, karmin- rothes, eventuell geschichtetes Licht, — Anodenglimmen [Metallanode]. In der Regel erhält man jedoch nach der Seite der Metallkathode bei Weitem leichter Dauerentladung als auf der anderen Seite, auf letzte- rer tritt meist discontinuirliche Entladung auf; wir haben daher meist etwa Fig. 8 mit Fig. 6 combinirt*). Hieraus erklärt es sich, dass der Anblick des positiven und negativen Antheiles meist sehr verschieden ist. (Vergl. Fig. 1, 2 und 3 meiner Eingangs citirten Arbeit in Wied. Ann.) 4. Haften der Schichten an den Elektroden. Der Satz, dass alle Schichten an einer Elektrode haften, hat nur als Grenzfall volle Giltigkeit. Bei Dauerfunken zwischen Metallelektroden tritt dagegen in der Regel der Fall ein, dass ein Theil der Schichten an der Kathode, ein andrer jedoch bis zu einem gewissen Grade an der Anode haftet**). Aber auch bei Anwendung eines Halbleiters als Anode kann man derartige Entladungen erhalten. Bei Phot. 11 war z. B. die Versuchsanordnung folgende: positiver Maschinenpol, grosser Wasserwider- stand, Metallspitze, 2 cm starke Basaltplatte, — Funkenstrecke — Messing- polspitze, negativer Maschinenpol. Um die successive Entwickelung der Lichterscheinungen bei geänderter Schlagweite in einem Bilde zu erhalten, wurde die Kathodenspitze während der Aufnahme continuirlich zurück- gezogen, und zugleich die photographische Platte langsam senkrecht zur Funkenrichtung verschoben. Das so entstandene merkwürdige Photo- gramm 11 zeigt, dass hier in der That nicht alle Schichten sich mit der bewegten Kathode verschoben haben. Da, wie Eingangs erwähnt, die mittlere Stromstärke (bei gleichmässigem Gange der Maschine) unabhängig von der Schlagweite ist, so zeigt Phot. 11, dass für die an der Kathode haftenden Schichten der Satz gilt: Der Ab- stand der Schichten von der Kathode ist, hei gleichbleibender Stromstärke, unabhängig von der Schlagweite des Dauerfunkens. Für die Beurtheilung des Wesens der Schichtenbildung ist die That- *) Dieser Unterschied steht im Einklänge mit den Versuchsergehnissen von G. Wiede- mann und Eühlmann über das verschiedene Ausströmen positiver und negativer Elektri- zität. Vergl. Wied., Elektr., Bd. IV, S. 462. 1885. **) Es ist dies wahrscheinlich eine analoge Erscheinung, wie sie hei Entladung in einzelnen Funken in der Regel eintritt, nämlich der Zerfall jedes Funkens in einen positiven und einen negativen Antheil; vergl. hierzu Abschn. 7. 10 Sache von hoher Wichtigkeit, dass (wie Phot. 11 dreimal wiederholt er- kennen lässt) zwei Schichten ohne Weiteres ganz allmählich aus einer entstehen oder umgekehrt verschmelzen können*). Dies deutet darauf hin, dass die Schichten keineswegs als eine Art stehender Schwingungen aufzufassen sind. Auf weitere Erschein- ungen, die in demselben Sinne sprechen, werden wir bei der Leuchtmassen- bildung in gasverdünnten Räumen stossen. 5. Entladung in Glasröhren. Ganz besonders schön ausgebildet waren die Lichterscheinungen, manchmal bei Dauerentladung in engen (mit der freien Luft communi- cirenden) Glasröhren. Phot. 12 bis 16 zeigen die hier auftretende Gestalt und Ausbildung der einzelnen Lichter in einem 5 mm weiten Glasrohre bei etwa 5 cm Distanz der Metallpolspitzen, wenn in den Schliessungskreis ein grosser Basalt- oder Alkoholwiderstand eingeschaltet war. Hier nahmen die karminrothen Schichten schon ganz das Aussehen an, welches sie, wie wir sehen werden, auch in Glasröhren bei nur geringem Luftdrucke zeigen (vergl. hierzu z. B. Phot. 29 bis 31). Die Photogramme 12 bis 16 sind aufgenommen bei je etwas vermehrter Stromstärke; die Erscheinung beginnt (Phot. 12) mit zeitlich getrennt das ganze Rohr erfüllenden Lichterscheinungen, welche beim Anwachsen der Stromstärke in geschichtete Dauerentladung (Phot. 13 bis 16) übergeht. Ein Vergleich der Phot. 13, 14 und 15 lässt die allmähliche Umwandlung einer Schicht in zwei durch Stromstärkenvermehrung erkennen (ganz analog wie oben bei Phot. 11 durch Schlagweitenvergrösserung). Das Glasrohr erwärmte sich beim Stromdurchgange jedesmal in kurzer Zeit so sehr, dass bald die ganze Entladung weiterhin durch das leitend gewordene Glas erfolgte. Fig. 13 zeigt in schematischer Zeichnung die Lichtentwickelung in Fig. 13. abj b2 c1 c2 c3 Glasröhren bei Atmosphärendruck; es folgen nach einander: (nach Goldstein’s Dunkelraum zunächst) a = helles Kathodenlicht, (dann Trennungsraum, hierauf) h± = erstes Lichtmaximum des zweiten ziegelrothen Lichtes, (lichtschwaches Gebiet) b2 = zweites Maximum des zweiten, ziegelrothen Lichtes, cv c2 und c3 drei Schichten des dritten, karminrothen Lichtes. Fig. 13 kann als typisch betrachtet werden für die nahe continuir- liche Entladung in Glasröhren (auch bei niedrigeren Drucken)**). *) Bemerkenswerth ist auch , dass ein zur Erde abgeleiteter Draht (abgesehen von einer Ablenkung der Funkenbahn) in der Umgebung seines dem Dauerfunken auf etwa 0,o5 cm genäherten freien Endes eine dunkle Stelle in der Funkenbahn erzeugt, ohne den Dauerfunken zu zerstören; auf diese Weise lässt sich z. B. eine Schicht des Dauer- funkens während der Drahtannäherung in zwei Hälften zertheilen. **) Zu berücksichtigen ist freilich, dass diese Lichtgestalt sich etwas ändert, je nach der speciellen Lage der ausgezeichneten Stelle in ihr (vergl. Abschnitt 7 und 12). 11 6. Verlangsamte Batterieentladung. Unter den zeitlich discontinuirlichen Entladungen in einzelnen Funken steht der nahe continuirlichen wohl am nächsten die (in der 1. c. von mir angegebenen Weise) stark verlangsamte Entladung grosser Leyde- ner Batterien. Jede derartige Entladung besteht (ähnlich dem kurzen Ruhmkorfffunken) aus einem die Entladung einleitenden Initialfunken und dem darauf folgenden nahe continuirlichen langsamen Abfliessen der Elek- tricität mit rasch abnehmender Stromintensität in der sogenannten Aureole ; schliesslich erlischt der langsame Funken und nach einiger Zeit setzt eine neue Entladung mit einem neuen Initialfunken ein. Die Abnahme der Stromintensität während jeder langsamen Entladung erklärt es, dass die zu Beginn derselben dicht gedrängten Schichten während jeder Entladung mehr oder minder auseinander-, von der Kathode abrücken. Phot. 17 zeigt derartige stark verlangsamte Batterieentladungen (Metallkathode, Basaltanode), Phot. 18 eine weniger verlangsamte (zwischen Metallelektro- den*). Ist bei kleineren Schlagweiten die Stromzuführung hinreichend ergiebig, um Dauerentladung zu geben, so kann auch die Batterieentladung nur der Dauerentladung die Strombahn öffnen; für letztere dient die Batterie weiterhin**) nur noch als stromregulirendes Sammelbecken. Phot. 19 zeigt einen solchen Uebergang einer langsamen Batterieentladung in Dauer- entladung; zugleich erkennt man hier besonders deutlich die Auflösung der Entladung in geschichtete Partialfunken. Als eine dritte Form langsamer Batterieentladungen kann man schliess- lich diejenigen auffassen, bei denen unter sehr grosser Rückstandsbildung die Reihe der Partialentladungen abbricht, noch ehe die mittlere Stromstärke der Entladung wesentlich abgenommen hat, d. h. ehe sich die Schichtenstellung im Schlagraume geändert hatte. Nur solche nach Kurzem abbrechende Entladungen können natürlich auf photographischen Platten, die während der Aufnahme ruhten, Photogramme mit klarer Schichtung hervorrufen (vergl. Phot. 20). Trotz der Inconstanz der Stromstärke langsamer Batterieentladungen, wird man letztere für das Studium der geschichteten Entladung zunächst kaum ganz entbehren können, da die in ihnen auftretenden (hohen Spannungen und zugleich) grossen Stromstärken auf anderem Wege nur sehr schwer zu erreichen sind. So konnte ich nur an langsamen Batterie- entladungen (vergl. Phot. 21, eine Vergrösserung des betreffenden Theiles einer langsamen Batterieentladung nach Art von Phot. 17) constatiren, dass sich das lichtschwache ziegelrot he Licht mit abnehmender Stromstärke der Kathode resp. dem hellen Kathodenlichte nähert, während (wie im ersten Abschnitte schon angegeben) die karminrothen Schichten sich gleichzeitig von der Kathode entfernen. *) Bei Phot. 17, 18, 19 und 21 war die photographische Platte während der Aufnahme gleichmässig schnell (je circa 1 cm pro Secunde) bewegt worden; bei Phot. 20 ruhte die Platte während der Aufnahme. Auf Phot. 18 und 21 erkennt man deutlich den Initial- funken. Derselbe besteht, soweit meine Photogramme erkennen lassen, aus dem hellen Kathodenlichte, dem (sehr verwaschenen) Trennungsraum und einer in der Regel unge- schichteten Lichtsäule. In Phot. 21 hegt die Kathode unten, sonst links. **) Natürlich ist stets gleichmässiger Gang der stromgebenden Maschine während der Versuche vorausgesetzt. 12 7. Metallelektroden ohne Halbleiter; ausgezeichnete Stelle*) der Entladung. Stehen sich zwei Metallelektroden in grösserer Entfernung als Kathode und Anode gegenüber, so bildet sich bei genügender Potentialdifferenz auf ersterer der bekannte negative Büschel, auf letzterer der in der Regel gestielte positive Lichtpinsel. In ihnen lassen sich meist nur folgende Lichttheile der Dauerentladung wiedererkennen: [Metallkathode] helles Kathodenlicht mit Trennungsraum — zweites, hier meist violett, nicht ziegelroth gefärbtes Licht ■ — . . . . [Luftschicht ohne Licht] .... — drittes (karminrothes) Licht, d. h. Stiel des positiven Pinsels — Anodenglimmen [Metallanode]. Bei dem Nähern der Elektroden bleibt (Widerstände im Schliessungskreise vorausgesetzt) das dunkle Luftstück, welches gewissermassen die Rolle eines Halbleiters (einer gasförmigen Zwischen- elektrode) in der Funkenbahn spielt, auch hei nahestehenden Elektroden erhalten. Jeder einzelne verlangsamte Funken resp. der Dauerfunken zerfällt deutlich in zwei Theile, in einen negativen und in einen positiven Antheil (vergleichbar dem negativen und dem positiven Büschel); der erhöhten Stromdichte entsprechend, ist hier jedoch die Ausbildung der Lichter eine vollkommenere. Man erkennt jetzt: [Metallkathode] helles Kathodenlicht mit Trennungsraum . . . \ zweites (ziegelrothes) Licht JnegativerFunkenantheil, drittes (karminrothes) Licht resp. seine Schichten ) schmale dunkle Luftschicht (ausgezeichnete Dunkelstelle), drittes (karminrothes) Licht, meist ungeschichtet 1 positiver Funkenantheil, Anodenglimmen J [Metallanode]. Folgen eine Reihe verlangsamter Einzelentladungen rasch hinter ein- ander, oder geht der Funkenstrom in Dauerentladung über, so kann die sich ausbildende, heftige, von den Elektroden abgewandte Bewegung erhitzter Luft einen wesentlichen Einfluss auf die Gestalt der Funken- bahn, speciell auch auf Lage und Ausbildung der ausgezeichneten Dunkel- stelle zwischen positivem und negativem Antheile haben. Dies lässt sich durch folgendes Experiment zeigen. Zwei Metallspitzen seien einander bei a und c (Fig. 14) gegenübergestellt. Die Ent- fernungen ab, bc, cd, da, seien je ca. 2 cm, dann geht der Funkenstrom (resp. der Dauerfunken) von a über b nach c. Der negative Antheil reicht von c bis b, der positive von a bis b. Bei b liegt die aus- gezeichnete Dunkelstelle zwischen dem posi- tiven und negativen Antheile, wohl zu unterscheiden von dem bei c angedeuteten dunklen (GoldsteiiTschen) Kathodenraum und dem gleichfalls bei c angegebenen Trennungsraum (dem Faraday’schen Dunkel- raume zwischen Kathoden und Anodenlicht Fig.14. *) Vergl. Wiedemann, Elektr. IV, §§ 816, 861, 868 und 1012. 13 in hochverdünnten Geisslerrohren). Hierbei kann jeder der beiden Antheile für sich mehr oder minder klar geschichtet sein. In der Verlängerung von ab und cb kann man je einen warmen Luftstrom fühlen (welcher z. B. im Stande ist, bis auf ca. 2 cm von b entfernt Wachs zu schmelzen*). Am bezeichnendsten ist aber folgende Erscheinung. Bewegt man die Kathode c parallel sich selbst langsam nach d hin, so verschiebt sich auch mit ihr der negative Antheil cb parallel sich selbst, während der positive Antheil successive kürzer und kürzer wird. Schliesslich ver- schwindet letzterer ganz, wenn die Kathode die Stelle d erreicht hat; von d nach a findet jetzt geradlinig Entladung nur negativen Charakters statt. Gerade umgekehrt verschwindet der negative Antheil, wenn die Kathode von c nach b hin, oder die Anode von a nach d hin sich selbst parallel verschoben werden. Stehen sich die Elektroden direkt gegen- über, sind also die Gebläse unter 180° gegeneinander gerichtet, so liegt die ausgezeichnete Stelle bald hier bald dort auf der Funkenbahn, meist bekanntlich näher der Kathode als der Anode. Mit dem Schlierenapparate erkennt man, dass auch hier die ausgezeichnete Dunkelstelle stets dort liegt, wo die beiden warmen Luftströmungen aufeinander treffen. Hierdurch erst gewinnen wir volles Verständniss der in den vorigen Abschnitten geschilderten Lichtgestalten bei nahe continuirlicher Entladung unter Anwendung von Halbleiter elektroden. Eine spitze Metallelektrode begünstigt mechanisch und elektrisch die Ausbildung des zugehörigen Gebläses, eine plattenförmige Halbleiter- elektrode erschwert sie. Dies giebt uns einen Anhalt, wo wir in den behandelten Lichter- scheinungen die ausgezeichnete Stelle zu suchen haben. Fehlt das positive Gebläse ganz, so erkennen wir die ausgezeichnete Stelle wieder in dem in diesem Falle meist zu beobachtenden auffallend ausgedehnten Anodendunkelraume zwischen Anodenglimmen und den karminrothen Schichten des negativen Antheiles. Das Anodenglimmen ist der letzte Rest des unterdrückten positiven Antheiles (vergl. Phot. 17, 19, 20 und 21). Fehlt das negative Gebläse ganz, so finden wir die ausgezeichnete Stelle meist als einen ausgedehnten Dunkelraum wieder, welche zwischen der letzten karminrothen Schicht des positiven Antheiles und dem ziegel- rothen Lichte des negativen liegt; von letzterem bleibt also nur die helle Austrittsfläche und das ziegelrothe Licht erhalten (vergl. Fig. 10). Häufig freilich ist in diesem Falle die ausgezeichnete Stelle nur wenig markirt, wie bei Fig. 11 und 12. Oft verschmelzen auch die Lichter beider Antheile continuirlich in einander**), wobei jedoch die ausgezeichnete Stelle nur scheinbar ver- schwindet. Ihr Vorhandensein und ihre Lage ist dann nur indirect z. B. aus dem Verhalten der Lichttheile bei Aenderung der Schlagweite (wie in Phot. 11 Abschn. 4) oder der Stromsstärke (wie in Phot. 13 bis 16 Abschn. 5) zu erkennen; auch der Schlierenapparat kann hier gute Dienste leisten. *) Besonders bequem und deutlich lassen sich die beiden Luftströme (des positiven und des negativen Funkenanth eiles) natürlich mit dem Schlierenapparate beobachten. **) Hierher gehört u. A. Fig. 5 und 6 sowie Phot. 4 bis mit 10 ; in Fig. 3 und 4 sowie in Phot. 2 und 3 gehörte der Lichtpilz sicher zum positiven Antheile, die wenig markirte ausgezeichnete Stelle liegt hier zwischen ihm und dem ziegelrothen Lichte. 14 Das letzte Beispiel und vor Allem das Auftreten der ausgezeichneten Stelle auch in luftverdünnten Bäumen (wo von heftigen Luftströmungen kaum die Bede sein kann, vergl. Abschn. 12) zeigt, dass zwar in freier Luft die Lage der ausgezeichneten Stelle durch Luftströmungen beeinflusst wird, dass jedoch elektrische Vorgänge ihre Ausbildung veranlassen. Die ausgezeichnete Stelle zwischen negativem und positivem Antheile ist vielfach untersucht worden. Sie lässt sich bekanntlich sogar bei immer weniger verlangsamten Entladungen beobachten, bis weit in den Be- reich nichtoscillirender Funkenentladung hinein. Es liegt demnach nahe, das oben angegebene Schema der Lichterfolge auch hier als das zu Grunde liegende anzusehen, wenn auch die Lichterscheinung, wohl infolge ihrer Helligkeit, keine Unterschiede mehr auf der Funkenbahn zeigt, und solche nur noch an den verschiedenen Wärme Wirkungen längs derselben (z. B. mittels des Schlierenapparates) *) nachweisbar sind. Selbstverständlich kann man jedoch bei dem hervorragend mitbestimmenden Einflüsse von Zufälligkeiten auf die Funkenbildung bei dieser bis ins Einzelne gehende Begelmässigkeit nicht erwarten. Ganz besonders deutlich lässt sich bekanntlich die ausgezeichnete Stelle oft in den Bussspuren erkennen, welche Funken, längs berusster Glasplatten entlang schlagend, hinterlassen*). Nach Beobachtungen meines Vaters kann man sogar das Auftreten eines augenförmigen Bussgebildes an der ausgezeichneten Stelle als Kriterium dafür betrachten, dass die Bussspuren gebende Entladung soeben nicht mehr oscillirend, sondern gleichgerichtet (jedoch noch ohne Partialfunkenbildung) erfolgte; Phot. 22 zeigt in natürlicher Grösse das Bild einer derartigen Bussspur mit aus- gezeichneter Stelle. Die Unzulänglichkeit unserer Kenntniss über das Wesen der ausgezeichneten Stelle und über den Einfluss ihrer Lage in der Funkenbahn auf die Lichterscheinung der elektrischen Entladung ist sicher das Haupthinderniss, welches uns noch immer von einer einheitlichen Auffassungsweise der letzteren (und zwar nicht nur bei höheren Drucken) fernhält. II. Nahe continuirliche Entladung (Büschellichtbogen) in verdünnter Luft. Mit abnehmendem Drucke nimmt die Längendimension der Lichter rasch zu, und nur in langen Bohren lassen sich infolge dessen bei niederen Drucken alle Lichter vollkommen ausgebildet erhalten. Da in dem Druckbereiche von 76 cm bis ca. 5 cm hinunter, soviel ich beobachten konnte, der Charakter der Lichterscheinungen sich in regel- mässiger Weise stetig ändert, so genügt es, für die vorliegende qualitative Untersuchung die Ausbildung der Lichter zu schildern, wie wir sie bei Drucken um 5 cm wiederfinden. Erst bei weiter abnehmendem Drucke treten dann wesentliche Complicationen ein. Um mich möglichst davor zu schützen, auf Nebenerscheinungen Ge- wicht zu legen, welche nur von dem Einflüsse der Bohrwand herrühren, habe ich die Entladung in verschieden weiten Bohren beobachtet. Freilich konnte ich in weiten Bohren manche der erwarteten Erscheinungen bei Dauerentladung selbst mit der benutzten 60 plattigen Toepler’schen Maschine nur schwer oder überhaupt nicht erhalten. *) A. Toepler, Wien. Acad. Anz. 1874, Nr. 13, p. 105; Pogg*. Ann. 134, p. 194. 15 8. Rohr A. In einen 15 cm weiten 60 cm hohen Glascylinder (Fig. 15) führte von oben durch eine 1 cm starke Glasplatte ein Messingstab (umhüllt von einer den Elektricitätsaustritt verhindernden Glasröhre), dessen Ende eine Messingkugel trug. Den Luftabschluss unten bewirkte eine 2 cm starke Schieferplatte. Eine gut functionirende Wasserstrahlpumpe hielt den Innenraum constant auf dem Maximum der von ihr geleisteten Verdünn- ung (ca. 3 cm). Die höchst mannigfachen Lichterscheinungen, welche man hier beobach- ten kann, sind Vergrösserungen der entsprechenden bei Atmosphärendruck. Speciell die bei nahe continuirlichem Stromdurchgange auftretenden Entladungsformen sind denen in freier Luft (z. B. Fig. 3) ganz ähnlich. (Vergl. Fig. 16 — 19 in 1/8 natürlicher Grösse und Fig. 20 in *j2 natürlicher Grösse.) 16 sehr lichtschwache ziegelrothe Lichtmasse. Wird die Polkugel auf 15 cm Abstand zurückgezogen (vergl. Fig. 16), so erhebt sich über der Schiefer- platte eine ca. 1 cm breite karminrothe Lichtsäule mit karminrothem End- knoten; letzterer ist von einem schwachen, ziegelrothen Lichte- umhüllt. Wird der negative Pol bis ca. 40 cm von der Schief erplatte entfernt (Fig. 17 und 18), so erhebt sich die positive karminrothe Lichtsäule etwa 10 cm hoch mit ca. 2 cm dickem Endknoten. Bei starkem Strome bewegt sich letzterer langsam auf und nieder und kann sich auch von der Lichtsäule ganz loslösen (Fig. 17), ja bei weiter vermehrter, consta nt er mittlerer Strom- stärke stösst diese Lichtsäule successive eine Beihe gleicher Lichtkugeln von sich, welche langsam nach oben der Kathode zuschweben*,) hierbei jedoch je immer lichtschwächer werden, bis sie ganz verschwinden, wenn sie etwa die Hälfte des "Weges zum negativen Pole zurückgelegt haben (Fig. 18). Diese Erscheinung vollzieht sich innerhalb eines sehr lichtschwachen, ziegel- rothen Lichtcylinders. Die Lichterscheinungen am negativen Pole sind bekannt; sie bestehen aus hellem Kathodenlichte mit Trennungsraume und dem ziegelrothen Lichtparaboloide; diese Lichter waren zusammen etwa 0,5 cm lang. Ist der Schiefer Kathode (Fig. 19), so erhebt sich über einer grossen Zahl aequivalenter violetter Lichtpunkte (dem hellen Kathodenlichte) eine bis zu 5 cm hohe, 1 cm breite ziegelrothe Lichtsäule von paraboloidischer Begrenzung (Fig. 19). Unter Umständen bildet sich auch über jeder ein- zelnen hellen Kathodenschicht je das zugehörige ziegelrothe Theilparaholoid aus (Fig. 20); diese Paraboloide convergiren dann nach einem gemeinsamen lichtlosen Mittelpunkte und es gewährt einen eigenartigen Anblick, wie sich alle bei zufälliger Lagenänderung des lichtlosen Centrums gemein- sam hin- und herneigen; diese Erscheinung beweist, dass auch die unsicht- bare, lichtlose Entladung zwischen den Lichtern an den Elektroden nur auf verhältnissmässig schmaler Bahn erfolgt. Aus der (Metall-) Anode wuchs hier das nur ca. 1 cm lange karmin- rothe Anodenlicht keulenartig heraus (Fig. 19); an das knotige Ende setzte sich auch hier eine sehr lichtschwache ziegelrothe Lichtsäule an. Der ausgedehnte Dunkelraum zwischen den Lichtern an der Kathode und denen an der Anode entspricht offenbar der ausgezeichneten Stelle des siebenten Abschnittes. Zu voller Ausbildung der Lichterscheinungen reichte der Maschinen- strom nicht aus ; mit grossen Batterien konnte ich, wie zu erwarten, auch hier ganz wie in freier Luft langsame Entladungen mit mehreren (je etwa 5 cm langen und 0,5 cm breiten) karminrothen Schichten erhalten. 9. Rohr B. Als ich hei Drucken um 2 cm an Stelle des 16 cm weiten Rohres ein solches von 3 cm Weite und 82,8 cm Abstand der beiden Kupfer- polspitzen benutzte, erhielt ich den oben beschriebenen ähnliche Licht- erscheinungen. Diese bildeten sich meist in der Achse des Rohres aus und füllten den Querschnitt desselben noch an keiner Stelle. *) Derartige bei constanter Stromstärke wandernde Leuchtkugeln konnte ich bei Atmosphärendruck nur ganz ausnahmsweise (vergl. Anmerkung zu Abschn. 1) beobachten; hier waren sie oft und leicht zu erhalten. 17 Die Photogramme 23 bis 27, aufgenommen bei immer grösseren aber je constanten mittleren Stromstärken (und je 5 Secunden Belichtung), zeigen die zu besprechenden Lichterscheinungen. Auf das helle Kathodenlicht mit Dunkelraum folgt auch hier das erste Lichtmaximum des zweiten, ziegelrothen Lichtes, diese Lichter sind jedoch auf den Photogrammen wegen ihrer geringen räumlichen Ausdehnung nicht von einander zu unterscheiden*). Nach dem ausgedehnten lichtschwachen Theile des ziegelrothen Lichtes folgt dann, als lange ziegelrothe Lichtsäule, dessen zweites Lichtmaximum. Als auffallendster Lichttheil folgte schliesslich das hier sehr helle dritte, karminrothe Licht. Charakteristisch war auch hier für dieses Licht sein pilzartiges, der Kathode zugekehrtes Ende. Photogramm 28 zeigt das Grenzgebiet zwischen ziegelrothem und karminrothem Lichte nochmals, jedoch nur mit 1 Sec. Belichtung, um den bedeutenden Helligkeitsunter- schied beider Lichttheile deutlich zu machen. Vorübergehend konnte ich auch schon in diesem Rohre einen Zerfall des karminrothen Lichtes in (drei) ruhende, klare Schichten — Leucht- massen, Lichtwolken — erhalten. Die Photogramme 23 bis 28 zeigen aber auch folgende interessante Thatsache ; man sieht, dass das karminrothe Licht schon bei ausgesprochen zeitlich discontinuirlichen Entladungen, auf Funkenbahnen, welche sonst von einer Schichtung noch keine Spur zeigen (vergl. Phot. 23 und 24), deutlich zu erkennen ist. In all den Fällen, in denen in gasverdünnten Räumen die discontinuirliche Entladung aus Lichtfäden besteht, die je aus einem blauen Theile nach der Kathode zu und einem röthlichen, violettrothen oder karminrothen nach der Anode hin bestehen, müssen wir in dieser Zwei- theilung einen Ansatz zur Ausbildung des zweiten und dritten Lichtes erkennen, mit der angegebenen, den veränderten Verhältnissen ent- sprechenden Farbentönung. Der rothe Theil der Lichtfäden in (engen) Glasröhren und niederen Drucken entspricht hiernach und nach den Bemerkungen in Abschn. 2 dem Stiele des positiven Büschels in freier Luft **). 10. Rohr C. Bei constanter Stromstärke absolut ruhende Schichten des dritten karminrothen Lichtes (Righi’sche Leuchtmassen — • „masse luminose“) erhielt ich im Druckbereiche um 5 cm mit den verfügbaren Stromintensi- täten erst in einem noch etwas engeren Rohre als dem im vorigen Ab- schnitte benutzten. In dem hier verwendeten 2,3 cm (im Lichten) weiten Rohre standen sich im Abstande von 61,5 cm als Elektroden zwei Aluminium scheiben *) Das erste Lichtmaximum des ziegelrothen Lichtes zeigte hier oft einen eigen- tümlichen Zerfall in dichtgedrängte Schichten, Unterabteilungen. ^-i Stromvermehrung begünstigte diese secundäre Schichtung , welche 9* sich am hellsten und deutlichsten nach dem Trennungsraum zu aus- bildete. Fig. 21 zeigt (vergrössert) diese Erscheinung. An der m, m§m Metallkathode K liegt zunächst das helle Kathodenlicht, m etwas J grösserer Entfernung folgt das in Rede stehende geschichtete ziegel- rothe Licht. Der Abstand der ersten Schicht des letzteren von der Kathode nahm zu mit zunehmender Stromstärke. **) Die karminrothe Lichtsäule zeigt die Tendenz spiraliger Anordnung mit conti- nuirlicher Rotation (auf welche hier nicht eingegangen werden soll), man sieht sie in Phot. 23 bis 27 angedeutet. * 18 gegenüber, den Roh rquer schnitt fast vollständig ausfüllend. Um auch schon bei schwachem Strome und höheren Drucken nahe continuirliche Entladung zu erhalten, war auch hier der Kathode ein (kleiner) Flüssigkeits- Widerstand vorgeschaltet. Bei Drucken oberhalb 5,5 cm wurde das Rohr, wenn überhaupt, nur von zeitlich getrennten (discontinuirlichen) Funkenentladungen durchsetzt. Bei einem Drucke von 5,3 cm und schwachem Strome war die Entladung auch noch discontinuirlich; jeder Funken bestand (ganz wie im vorigen Abschnitte behandelt) aus einer blauen Hälfte nach der Kathode zu und einer rothen Anodenhälfte. Bei Stromvermehrung erschienen dann die analogen Lichterscheinungen wie Phot. 23 bis 27, nur waren sie hier licht- schwächer und unvollkommen ausgebildet*). Wurde (nach Erreichung des Stadiums, welches Phot. 27 entsprach) die Stromstärke weiter vermehrt, so schnürte sich der der Kathode nächste Theil des karminrothen Lichtes ab und bildete eine bei constantem Strome absolut ruhende Schicht, eine Righi’sche Leuchtmasse. Zugleich zerfiel der übrige Theil des karminrothen Lichtes in eine Reihe von Leucht- massen; letztere ruhten aber bei constantem Strome keineswegs, vielmehr stiess die Anode beständig Leuchtmassen von sich, welche, nach der Ka- thode zu eilend, in dem Augenblicke erloschen, wo sie die erste, ruhende Leuchtmasse erreichten. War der Strom weiter verstärkt worden, so bildete sich zwischen der ersten ruhenden Leuchtmasse und der Anode eine zweite, gleichfalls ruhende Leuchtmasse aus. Die von der Anode aus wandernden Massen erloschen jetzt beim Erreichen der zweiten ruhenden Leuchtmasse. Dieser Process wiederholte sich bei abermaliger passender Stromver- mehrung; eine dritte Leuchtmasse wurde fest, sodass schliesslich das 61,5 cm lange Rohr bei constantem Strome drei (oder mehr) beliebig lange, absolut ruhig stehende Leuchtmassen zeigte (vergl. Phot. 31**). Ging, nachdem sich die drei ruhenden Schichten gebildet hatten, längere Zeit ein constanter, möglichst starker Strom durch das Rohr, so wurden, offenbar im Zusammenhänge mit den Temperaturverhältnissen, die ruhenden Leuchtmassen immer stabilere Gebilde. Wurde jetzt die Stromstärke successive geändert, so erschienen wandernde Schichten nur vorübergehend. Es galten jetzt folgende Sätze: Die ruhenden Leuchtmassen sind nahe aequidistant. Die Leuchtintensität der Leuchtmassen ist bei den von der Kathode fernsten am geringsten (vergl. Phot. 30 und 31). Mit zunehmender Stromstärke nimmt sowohl der Abstand der ersten ruhenden Leuchtmasse von der Kathode, als auch der Abstand je zweier ruhender Leuchtmassen von einander ab. Mit abnehmender Stromstärke verschwand daher eine Leuchtmasse nach der anderen in der Anode; im Schlagraum bilden sich nur so viel ruhende Leuchtmassen aus, als der Stromstärke entsprechend zwischen Anode und Kathode Platz haben. Es sind das dieselben Sätze, die, wie nachgewiesen wurde, auch für die Schichtenbildung in freier Luft Geltung haben. *) Besonders lichtschwach war Mer meist der zweite Theil des ziegelrothen Lichtes. **) Wurde das Bohr C in geeigneter Weise vorgewärmt, so erfolgte in ihm auch schon bei Drucken von 9 cm und mehr die Bildung ruhender Leuchtmassen. 19 Phot. 29, 30 und 31 (aufgenommen mit je 5 Secunden Beleuchtungs- dauer) zeigen für 5,3 cm Druck geschichtete Entladung (Kugelfunken) mit ruhenden Leuchtmassen bei je constantem Strome und zwar Phot. 29 bei kleinster (ca. 1/2000 Amp.), Phot. 30 bei grösserer und Phot. 31 bei grösster (ca. 1/600 Amp.) Stromstärke. Das zweite Lichtmaximum des ziegelrothen Lichtes war im benutzten Rohre meist sehr lichtschwach*), das erste dagegen sehr deutlich; dieses entfernt sich (ebenso wie bei Atmosphärendruck, vergl. Abschn. 6) mit wachsender Stromstärke von der Kathode. Auch das helle Kathodenlicht mit Trennungsraum war scharf ausgebildet**). 11. Nahe eontinuirliehe Entladung (Büsehellichtbogen) und Righi’sehe Kugelfunken. Die Lichterscheinungen der untersuchten Entladungsart zeigen also vom Atmosphärendruck bis zu 5 cm herab genau die gleichen charak- teristischen Gestaltseigenthümlichkeiten und die gleiche Anordnung der Lichter, zeigen auch qualitativ die gleiche Abhängigkeit von der Strom- stärke. Ueber die hier von mir behandelte Entladungsart liegen meines Wissens bisher nur zwei eingehendere Untersuchungen vor, nämlich die schon Eingangs erwähnten***) von A. Wüllner und A. Righi, beide für den Druckbereich um 5 cm. Dass die von mir behandelte „nahe eontinuirliehe“ Entladungsart (Dauerfunken, Büschellichtbogen) mit der von genannten Beobachtern untersuchten, von A. Righi als „Kugelfunken“ bezeichneten, identisch ist, lehrt ohne Weiteres ein Vergleich meiner Phot. 29, 30 und 31 mit den von Righi mitgetheilten Abbildungen. Bei der hier untersuchten geschichteten Entladungsart (Righi’schen Kugelfunken) mit Leuchtmassen erfolgt der Elektricitätsfluss zwischen den Elektroden offenbar streckenweise fast lichtlos auf breiter, streckenweise mit Lichtentwickelung auf enger Bahn f). Diese Bahnverengerung kann sehr weit gehen, und man hat wahrscheinlich jede Leuchtmasse aufzufassen als einen Funken zwischen lichtlosen Räumen, Gaselektroden ff). Die Leuchtmassenbildung besteht also in einem Zerfalle des Gesammtfunkens in mehr oder minder ausgedehnte Theilfunken (gewissermassen unter Ein- fügung gasförmiger Zwischenelektroden fff ). Hieraus erklärt sich unge- *) Daher ist auch auf Phot. 29 bis 31 die ziegelrothe Lichtsäule nicht zu sehen. Es sei gleich hier vorausgreifend bemerkt, dass, wohl aus demselben Grunde, auch auf den Photogrammen von Righi die ziegelrothe Lichtsäule fast ausnahmslos fehlt; dagegen findet sie sich deutlich wiedergegehen auf der Zeichnung von Wüllner; 1. c. Taf. I, Eig. 4. **) Wegen ihrer Kleinheit ist die Lichterfolge an der Kathode auf den Phot. 29 bis 31 nicht klar zu unterscheiden. ***) Vergl. die Litteraturangah e in der Einleitung. Zur nahe continuirlichen Ent- ladungsart gehören auch die Entladungsformen, welche 0. Lehmann, Zeitschr. f. phys.^ Chemie 18, 107, 1895 beschreibt; jedoch war hierbei die Schlagweite zu klein im Ver- hältnisse zu dem geringen Drucke und zu der grossen Rohrweite, als dass sich Leucht- massen hätten bilden können; dagegen ist bei diesen Formen die ausgezeichnete Stelle gut zu erkennen. f ) Die Glasfluor es cenz um die Orte des Leuchtens in der Rohrachse täuscht leicht bei erster Betrachtung. ff) Die elektrische Ladung der Glaswand ist hei engen Rohren ebenfalls zu be- rücksichtigen. fff) Vergl. die ähnliche Deutung von Righi, Lum. El. 42, 1891, p. 613. ** 20 zwungen die Möglichkeit des leichten Verschmelzens zweier Schichten (vergl. Abschnitt 4), sowie die Mehrzahl der Erscheinungen, welche im folgenden Abschnitte behandelt werden sollen. Um speciell das Wandern der Schichten mit oder gegen den elektrischen Strom zu erklären, braucht man nur anzunehmen, dass durch die Leuchtmassen um ein Geringes weniger resp. mehr Elektricität in der Zeiteinheit fiiesst als durch die dunklen Zwischenräume. 12. Gegeneinander wandernde Leuehtmassen. In den vorangegangenen Abschnitten sind wir fast ausschliesslich Licht- erscheinungen begegnet, deren Theile ihre Lage im Schlagraume bei con- stanter Stromstärke und constantem Drucke constant beibehalten. Ganz anderen Verhältnissen begegnete ich jedoch (bei dem zuletzt benutzten Rohre C) in dem Druckbereiche zwischen 4,6 cm und 0,8 cm. Sank der Druck nämlich unter 4,6 cm, so wurde mehr und mehr der Zustand im Rohrinnern labil in Bezug auf das Entstehen von Leuchtmassen. Zur Ausbildung ruhender Leuchtmassen kam es hier überhaupt nicht mehr, oder nur ganz vorübergehend. Zunächst, hei Drucken um 4 cm, bildete das zweite Lichtmaximum des ziegelrothen Lichtes wie bei höherem Drucke noch eine zusammen- hängende lange Lichtsäule *). Die bei constanter Stromstärke rasch wandernden Schichten des karminrothen Lichtes Hessen sich aber nicht mehr durch Stromvermehrung fest machen**); sie erloschen auch hier, sobald sie das Ende der ziegelrothen Lichtsäule erreichten. Bei möglichst starkem constanten Strome trat nun noch eine weitere höchst bemerkenswerthe Complication der Leuchtmassenbildung ein. Bei constantem Strome beobachtete ich folgende sich beliebig oft in nahe gleichen Zeiten wiederholende Erscheinung. Das der Anode zugekehrte Ende des ziegelrothen Lichtes rückte nach der Anode zu vor, schliesslich löste sich von der ziegelrothen Lichtsäule ein Säulenstück (von nicht immer gleicher Länge***) ab, welches sich langsam nach der Anode zu in Bewegung setzte, während das neue Ende der ziegelrothen Licht- säule nach der Kathode zu zurückschnellte. Phot. 32 bis 35 zeigen das der Anode zugekehrte Ende der ziegelrothen Lichtsäule in verschiedenen Stadien des Losreissens langsam der Anode zuwandernder Leuchtmassen. Man kann den Process der Losreissung von Leuchtmassen beschleu- nigen oder auch unter Verhältnissen, hei denen er noch nicht spontan erfolgt, hervorrufen, indem man mit der Hand von der Kathode nach der Anode zu an der ziegelrothen Lichtsäule längs des Glasrohres entlang streicht f); die so erzeugte Schicht setzt dann ebenso wie eine selbständig gebildete beim Wegziehen der Hand ihren Weg nach der Anode zu fort, *) Es kam sogar vor , dass das ziegelrothe Licht sich bis auf etwa 5 cm der Anode näherte, also beinahe 60 cm lang war. **) Die Wanderungsgeschwindigkeit nahm zu mit wachsender Stromstärke. Bei sehr raschem Wandern modificirte sich die Gestalt der Leuchtmassen etwas; diese wurden mehr und mehr asymmetrisch und ihr vorauseilendes Ende kugelte sich pilzartig ah. ***) Das bei gleichem Drucke und gleicher Stromstärke sich ablösende Säulenstück war 5 bis 20 cm lang; die ganze Lichtsäule des ziegelrothen Lichtes kann man daher auch auffassen als eine ruhende Leuchtmasse von grosser Länge, welche die Fähigkeit besitzt, sich beliebig zu theilen. *f) Die Umspannung mit der Hand wirkt analog einer Rohrverengerung in dem Sinne, als die letztere nach Righi die Ausbildung einer Leuchtschicht erleichtert. 21 bis sie auf eine der von der Anode ihr entgegenkommenden Leuchtmassen des karminrothen Lichtes trifft*). Wir haben also zwei Schaaren von Leuchtmassen, die eine zeigt von der Kathode langsam fortwandernde, die andere von der Anode aus der ersteren rasch entgegeneilende Leucht- massen. Es bildeten sich also ganz wie bei Atmosphären druck (vergl. Abschnitt 4) zwei von einander unabhängige Systeme von Schichten, nur ruhten dort die Schichten (bei ruhenden Elektroden), hier wandern sie; es kann demnach hier wie dort dte Entladung als in einen positiven und negativen Antheil (je mit selbständiger Schichten- bildung) zerfallend angesehen werden**). In dem Zusammentreff- punkte der gegen einander wandernden Leuchtmassen erkennen wir dem- nach die ausgezeichnete Stelle (vergl. Abschn. 7) wieder. Besonders auffallend war es hierbei, dass sich beim Aufeinandertreffen zweier Schichten weder mit blossem Auge noch im rotirenden Spiegel irgend welche Eigentümlichkeit zeigte; zwei aufein andertreffende Leuchtmassen verschmelzen zunächst; die verschmolzene Licht- säule verkürzt sich mehr und mehr und verschwin det schliess- lich spurlos ***). Die Ausgleichstelle, bis zu welcher die von der Anode aus wandernden Leuchtmassen nach der Kathode zu Vordringen, rückt sowohl mit wach- sender Stromstärke, als auch mit wachsender Verdünnung immer weiter nach der Kathode zu vor; der negative Antheil der Entladung verkürzt sich dem, entsprechend. Mit abnehmendem Drucke verwischen sich die Lichterscheinungen und bei Drucken unter 0,8 waren zwar bei schwachem Strome noch deutlich ruhende Leuchtmassen zu erkennen, diese flössen je- doch bei Stromvermehrung (ohne deutliche Ausbildung wandernder Schichten) in einander und verschmolzen schliesslich zu einer homogenen Lichtsäule. 13. Letzte Spuren der nahe continuirliehen Entladungsart. Die Grenzverhältnisse zwischen nahe continuirlicher Entladung und dem bekannten Phänomen der zeitlich continuirliehen Entladung in Geisslerrohren hat man sich etwa folgendermassen zu denken. Die Grenzstromstärke, bei der soeben die letztgenannte (continuirliche) Entladungsart auftritt, nimmt *) Oft genügte ein Bewegen der Hand schon im Abstande von 10 cm vom Bohre, um eine derartig fortschreitende successive Entladung auszulösen; man sieht, in wie hohem Grade die Entwickelung der Lichtphänomene von äusseren Umständen abhängig sein kann. **) Zu genauerer Untersuchung müssten wohl die Elektroden in den Kohren ver- schieblich gemacht werden, auch müsste der Einfluss der Anordnung des Widerstandes im Stromkreise berücksichtigt werden. ***) Auf die vielfachen Eigentümlichkeiten der wandernden Leuchtmassen einzu- gehen, würde zu weit führen; es sei nur noch auf einige sicher zu beobachtende That- sachen hingewiesen. Die Wanderungsgeschwindigkeit der von der Kathode wegwan- dernden Leuchtmassen war stets geringer als diejenige der entgegenkommenden. Bei höheren Drucken zeigten erstere mehr ziegelrote, letztere mehr karminrote Färbung; mit abnehmendem Drucke verschwand bald dieser Farbenunterschied (bei den hier be- nutzten höheren Drucken spielt der Quecksilberdampf bez. der Schichtenfärbung noch keine wesentliche Bolle). Es kam vor, dass das ganze Bohr bis zur Anode hin, nur Leuchtmassen enthielt, die von der Kathode weg wanderten ; erfolgte dies Wandern hinreichend langsam (ca. 1 cm per Secunde), so konnte man deutlich erkennen, dass die Leuchtmassen nicht in der Anode allmählich untertauchten, sondern je ganz succes- sive an der Grenze eines erst hierdurch bemerkbar werdenden (bis zu 2 cm langen) 22 rasch ab mit abnehmendem Drucke* *). Das Stromstärkengebiet der nahe continuirlichen Entladungsart wird daher mit abnehmendem Drucke immer schmäler und unterhalb 0,8 cm geht die discontinuirliche Entladung bei successiver Stromverstärkung meist direct in die continuirliche über. Einen bestimmten Druck (oder Druckbereich), welcher etwa die Grenze zwischen Schichtenbildung durch Leuchtmassen und der gewöhnlichen Schichtung des Anodenlichtes niedrigster Drucke bildet, giebt es nicht. Ich konnte vielmehr selbst bei so geringen Drucken, bei denen das Anodenlicht schon längst in der bekannten Weise deutlich geschichtet war, in der Regel noch die nahe continuirliche Entladungsart unzweifel- haft erkennen, wenn ich nur auf die Lichterbildung bei sehr schwachen Strömen mein Augenmerk rich- tete. Hierbei bin ich auf manche eigenthiimliche Erscheinungen ge- stossen, von denen die bemerkens- wertheste im Fol- - - genden geschildert ist. Böi einem Drucke von 0,007 cm Hg. er- hielt ich im Rohre C folgende Licht- entwickelung. Bei sehr schwa- chem mittleren Strome ruhte nahe der Anode in der Rohrachse eine Lichtsäule , deren freies Ende (vergl. den Pfeil der Fig. 22) nach der Kathode hin rhyth- misch aufzuckte. Bei etwas stärkerem Strome war zu erkennen Goldstein’s Dunkel- raum, helles Kathodenlicht mit ziemlich ausgedehnten Glimmlichtstrahlen Fig. 22. | < Fiq.23. W a b c d s Fig. 24. 1 Jgf s Fig. 25. [ j§| # # Fig. 2 6. Fig. 27. Fig. Fig. IIB l 4 zk laoaacc üt CCCXEXl * ccacxx: Anodendunkelraumes verschwanden. (Die Leuchtmassen, welche nach der Kathode zu wandern, kamen dagegen direct aus der Metallanode heraus.) Die Ausbildung eines ausgedehnten, scharf begrenzten Anodendunkelraumes scheint demnach nur stattzufinden, wenn der negative Entladungsantheil bis nahe zur Anode heranreicht. Dasselbe war auch bei nahe continuirlicher Entladung in freier Luft zu beobachten (vergl. Phot. 17, und 20 mit 11). Der Anodendunkelraum dürfte also hier (vergl. Abschn. 7) der ausgezeichneten Stelle entsprechen. Die Anode selbst zeigt auch hier ganz wie im analogen Falle bei Atmosphärendruck zahlreiche Anoden- glimmpunkte, d. h. den letzten Pest des positiven Antheiles. *) Vergl. die Zahlenangaben von Hittorf, Wied. Ann. 20, 1883, p. 722. Es wird jedoch sicher möglich sein, bei allen Drucken die einzelnen Entladungsarten ganz all- mählich in einander überzuführen, wenn man nur die Versuchsbedingungen geeignet wählt. 23 (a in Figur 23)*) und Trennungsraum, eine äusserst matte ziegelrothe Licht- säule (b), eine matte rothe ruhende Leuchtmasse (c) und nach der Anode zu eine Lichtsäule (d)**). Es war also die nahe continuirliche Ent- ladungsart bei einem Drucke unter 0,oi cm noch sicher zu be- obachten! Näherte ich in diesem Stadium die Hand oder ein Stück abgeleitetes Stanniol (S in Figur 24 und 25) dem Rohre, so bildete sich im Rohre auf der abgewandten Seite eine Leuchtmasse, ganz wie bei höheren Drucken; diese zerfiel aber hier in eine Reihe von Schichten (vergl. Fig. 24 und 25). Diese lichtschwache secundäre Schichtung ähnelte der Schichtenbildung des bekannten Anodenlichtes, ist aber mit dieser keineswegs zu verwechseln. Bei stärkerem Strome erschien plötzlich die helle, rosa gefärbte Säule des bekannten Anodenlichtes (Figur 26); es zeigte, der Verdünnung entsprechend, schon deutlich seine bekannte Geisslerrohr - Schichtung. Zwischen seiner ersten Schicht und der Kathode blieb aber deutlich ein lichtschwaches ziegelrothes Lichtwölkchen (w) zu erkennen***). Näherte ich jetzt, wie oben, Hand oder Stanniol (S in Figur 27, 28 und 29), so wurde die Säule des bekannten Anodenlichtes nur wenig beeinflusst, um so mehr aber das ziegelrothe Lichtwölkchen. Hierbei zeigte sich, dass diese Lichtwolke nur ein Theil einer die Anodenlichtsäule mindestens 20 cm wreit durchdringenden, von dieser aber so gut wie unabhängigen Lichterscheinung war. Durch Nähern des Leiters S liess sich auch jetzt noch (ganz wie in Figur 24 und 25) aus der Rohrmitte an die entgegen- gesetzte Rohrwand eine geschichtete Lichtsäule drängen (Figur 27 und 28), ganz, als ob die ihrerseits geschichtete Anodenlichtsäule gar nicht vor- handen wäre. Durch Verschieben des Leiters längs des Glasrohres liess sich constatiren, dass das vom Leiter bewegte Schichtensystem stets die erste Schicht gegenüber der Berührungsstelle des Leiters ausbildete; dass an dieser ersten Schicht nach der Anode zu eine ganze Reihe (10 bis 15) weitere aequidistante Schichten hingen, welche bei einer durch Bewegung des Leiters veranlassten Verschiebung der ersten Schicht sämmtlich mit- genommen wurden, dass diese lichtschwache zweite Schichtung auch vor- handen war bei Abwesenheit des Leiters und dass die lichtschwachen Schichten in diesem Falle meist zusammenfielen mit den Schichten des Anodenlichtes (mit Ausnahme der ersten, der schwachen Lichtwolke). Es hatte demnach ganz den Anschein, als ob zwei von einander un- abhängige, gegen äussere Einflüsse verschieden empfindliche Lichterschei- nungen, jede mit selbständiger Schichtung, sich durchdrängen. Mehr- maliges Lufteinlassen in das Rohr und erneutes Auspumpen, Vorschalten von Widerständen an Anode oder Kathode, Ableitung von Kathode oder Anode zur Erde, alles dies änderte die Erscheinung nicht wesentlich. Durch Stromstärkenvermehrung bis zu 1/600 Ampere konnte freilich die *) Fig. 22 und 23 sind etwa in 1/8 nat. Grösse, Fig. 24 bis 29 etwa in y4 nat. Grösse schematisch gezeichnet, jedoch ohne genaue Innehaltung der relativen Grössenverhältnisse der Lichter. **) Auch lichtschwache, verwaschene, wandernde Leuchtmassen waren in diesem Stadium (im rotirenden Spiegel) ah und zu zu bemerken. ***) Mit der ersten Anodenschicht war das Lichtwölkchen keineswegs zu verwechseln; es war wesentlich lichtschwächer als alle Anodenschichten, auch stand es von der ersten derselben weiter ab als die Anodenschichten unter einander. Auch sonst zeigte die Lichtwolke besondere Eigenthümlichkeiten. 24 Schichtenzahl des Geissler’schen Anodenlichtes vermehrt, die eigentüm- liche lichtschwache zweite Entladungserscheinung aber nicht zum Erlöschen gebracht werden. Beobachtungen im rotirenden Spiegel schienen darauf hinzudeuten, dass beide Entladungsarten zeitlich rasch alterni- rend im Rohr auftraten. Bei Verdünnungen unter 0,oi cm nimmt die Ausdehnung und Licht- intensität der Glimmlichtstrahlen rasch zu, ebenso die Gla'sfluorescenz, (erzeugt durch die alle Schichten allmählich durchdringenden Kathoden- strahlen). Im Glanze dieser Lichterscheinungen verschwindet zuerst das (ziegelrothe) Lichtwölkchen, dann auch das mehr und mehr verblassende geschichtete Anodenlicht, schliesslich erstrahlt das ganze 60 cm lange Glasrohr im blendenden hellgrünen Fluorescenzlichte und sendet seiner ganzen Länge nach die bekannten Röntgenstrahlen aus. Trotz der in diesem Abschnitte geschilderten und anderer weniger interessanten Complicationen der Erscheinungen ist es kaum zweifelhaft, dass die nahe continuirliche Entladungsart (Kugelfunken, Büschellichtbogen) und die gewöhnliche continuirliche Geisslerrohrentladung sich ohne Un- stätigkeit ineinander überführen lassen, dass beide Entladungen derselben Art sind. Die gewöhnlich auftretende Anodenlichtsäule der continuirlichen Ent- ladung ist wahrscheinlich aufzufassen als eine Leuchtmasse (resp. auch nach den Angaben am Schlüsse des 12. Abschnittes als mehrere vollständig ineinander geflossene Leuchtmassen) des positiven Antheiles. Der aus- gezeichneten Stelle entspricht dann das Gebiet zwischen der Anodenlicht- säule und dem ziegelrothen Lichtwölkchen, wir haben also dieselbe Entladungsform vor uns, welche Fig. 10 Abschnitt 2 für den Elektricitätsdurchgang durch Funkenstrecken in freier Luft zeigt. Fehlt, wie es wohl in der Regel der Fall ist, das ziegelrothe Licht ganz, so fallen Trennungsraum und ausgezeichnete Stelle zusammen. Bei der Entladung in freier Luft (Fig. 10) bildete sich, wie schon an- gegeben, die ausgezeichnete Stelle immer in nahe gleichem Abstande von der Halbleiterkathode aus, das positive karminrothe Licht endigte stets in gleicher Entfernung von der Kathode ; das Analogon hierzu ist die von Faraday bemerkte Thatsache, dass die Anodenlichtsäule (in gasverdünnten Räumen) bei Verschieben der Elektroden stets in nahe demselben Abstande von der Kathode endigt. In Abschnitt 7 wurde nun gezeigt, dass die Entladungsform der Fig. 10 nur ein Specialfall einer allgemeineren, vollständigeren ist, deren Schema sich gleichfalls in Abschnitt 7 angegeben findet. Wir haben demnach anzunehmen, dass auch die gewöhnliche Geisslerrohrentladung (ebenso wie ihr Analogon Fig. 10) nur ein (in der Regel auftretender) specieller Fall einer ganzen Anzahl möglicher Entladungsformen ist*), deren Lichterbildung sich auf das Abschnitt 7 angegebene allgemeinere Schema zurückführen lässt. Letzteres würde freilich noch durch einige erst in gasverdünnten Räumen zu beobachtende Einzelheiten zu er- gänzen sein. *) Welche Entladungsform speciell bei den Beobachtungen im Abschnitt 13 mit der gewöhnlichen alternirend auftrat, muss dahingestellt bleiben. Mehrere Schichten- systeme bei denselben Druckbedingungen beobachtete auch Y. Felix; vergl. Sitzungsber. des naturwiss. Vereins f. Schleswig-Holstein, Bd. XI, 1896, p. 21. 25 Der Zerfall der Anodenlichtsäule in die bekannten Anodenschichten (vergl. Phot. 36 — 45) ist nur ein specieller Fall der oft zu beobachtenden Thatsache, dass ausgedehntere Lichter leicht in Unterabtheilungen zer- fallen (wie es z. B. Fig. 21 für das erste Lichtmaximum des ziegelrothen Lichtes zeigt; vergl. vor Allem auch Fig. 24). Diese Schichtung des (Greissler’schen) Anodenlichtes ist nach den verschiedensten Seiten durch- forscht. Der Vollständigkeit halber sei durch Phot. 36 bis 45 für das Rohr C die Abhängigkeit der Stellung dieser Schichten von Druck und Stromstärke illustrirt*); zugleich wollte ich durch den Anblick letzterer Photogramme im Vergleiche mit Phot. 29, 30 und 31 den grossen Unter- schied zwischen dem Zerfalle der Gesammtentladung in Leuchtmassen und der Schichtung des Anodenlichtes anschaulich hervortreten lassen. Beiden Schichtenbildungen (Leuchtmassen und Anodenschichten) sind gemeinsam : Die Abnahme der Ausbildungsschärfe der Schichten mit zunehmender Entfernung von der Kathode. Die Aequidistanz der Schichten. Die Abnahme des Abstandes benachbarter Schichten mit wachsender Stromstärke. Dagegen unterscheiden sich beide Schichtungsarten dadurch, dass bei höheren Drucken die erste der alsdann entstehenden Leuchtraassen (von der Kathode aus gezählt) mit wachsender Stromstärke sich der Kathode nähert, während die erste Anodenschicht der bei niederen Drucken entstehenden Lichterscheinung sich mit wachsender Stromstärke von der Kathode entfernt (vergl. Phot. 29 bis 31 mit 36 bis 40). In dem Druckbereiche, in welchem beide Schichtungserscheinungen zugleich auftreten, besitzen die „Leuchtmassen“ viel grössere (ca. die 10 fache) Längenausdehnung als die Anodenschichten. Januar 1898. Physikalisches Institut der K. Technischen Hochschule zu Dresden. *) Es war hierbei No. des Phot. 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 Druck in cm Hg Mittl. Strömst, in Tausentel 0,019 0,019 0,019 0,019 0,019 0,0027 0,0027 0,0027 0,0027 0,0027 Ampere 0,27 0,56 0,88 1,18 1,42 0,31 0,58 0,89 1,17 1,51 Bei allen Photogrammen (36 bis 45) war die Expositionszeit die gleiche , je ca. 5 Secunden. Da bei Stromvermehrung der Abstand der ersten Anodenschicht von der Kathode zu-, der Abstand der Schichten unter einander jedoch abnimmt, so rückt zwar die erste Anodenschicht bei Stromvermehrung von der Kathode ab, gleichzeitig kommen jedoch ferner stehende Schichten der Kathode näher (vergl. in Phot. 41 bis 45 die Lagen- änderung der ersten etwa mit der zehnten Schicht , beide von der Kathode aus ge- zählt). 26 Erklärung zu Tafel I. No. der Photo- graphie Ver- grösser- ung (Gegenst.= 1) Druck in cm Queck- silber Kathode Anode Abschn., indem das Phot, be- handelt ist Phot.-Pl. während der Auf- nahme Art der Ent- ladung 1 his 5 2 ca. 76 Messingsp. Basaltpl. 1 ruhend nahe con- 6 bis 9 2 99 1 « l tinuirl. 10 0,70 99 19 n 1 99 (Entldg. in 11 0,70 » 99 » 4 bewegt (frei er Luft 12 bis 16 0,70 ca. 76 Messingsp. Messingsp. 5 ruhend i. Griasrohr 17 bis 19 0,63 ca. 76 Messingkugel Basaltpl. 6 bewegt I Verlangs. 20 0,76 „ „ Scbieferpl. 6 ruhend 1 Batterieentl. 21 1,5 99 99 Basaltpl. 6 bewegt I in freier Luft 22 1 - — — 7 — 23 bis 28 0,138 ca. 4 Kupfersp. Kupfersp. 9 ruhend (nahe cont. 29 bis 31 0,158 5,3 Alum.-Pl. Alum.-Pl. 10 99 > Entl. bei 32 bis 35 0,25 ca. 4 J? 99 12 J Luftverd. 36 bis 40 0,167 0,019 99 9? 13 99 40 bis 45 0,167 0,0027 99 19 13 »9 Alle Photogramme geben elektrische Entladungen in Luft wieder. Die Kathode liegt in allen Photogrammen links (nur in Phot. 21 unten, in Phot. 22 oben). Die je zusammengehörigen Phot. 1—5, 6 — 8, 12 — 16, 23 — 27, 29—31, 36 — 40, 41 — 45 zeigen Lichterscheinungen je unter sonst gleichen Umständen nur bei schrittweise vermehrter Stromstärke. II. Studien über den Dresdner Haidesand. Von Oberlehrer Dr. R. Nessig. Wenn es heute nicht mehr zweifelhaft erscheint, dass die ausgedehnten Ablagerungen sandiger Sedimente, sowohl im Dresdner Elbthalkessel, wie am Abfalle und auf der Lausitzer Hochfläche selbst, den Fluthen der diluvialen Elbe zuzuschreiben sind, so wissen wir doch über die Herkunft des klastischen Materials, über die Antheilnahme von eruptiven und von Schichtgesteinen der näheren und weiteren Umgehung noch recht wenig. Im Allgemeinen begnügt man sich damit, die Beisteuer zur Sandbildung den im heutigen Stromgebiet der Elbe anstehenden Felsarten zuzuschreiben, obwohl viele dieser Gesteine, z. B. die Lausitzer Granite, nach ihrem grusigen Zerfall und nach Abrollung der discreten Gesteinspartikel so wenig charakteristische Bestandtheile liefern, dass man sie aus dem wirren Durch- einander der Sandkörner nicht mehr auf ihr Ursprungsgebiet zurückführen kann. Was vom Granite gilt, lässt sich auch von dem archäischen Grund- gebirge sagen, welches bei der jedenfalls ganz erheblichen Erosion der Wasserläufe im Quellgebiet der Elbe angeschnitten und nach der Zer- störung als von granitischen Zerfallproducten nicht unterscheidbares Ge- trümmer den Schwemmgebilden einverleibt worden ist. Es erscheint dem- nach geradezu unmöglich, die im Elbsande, Thalsande und Haidesande vorherrschenden, gewöhnlichen Quarze, das relativ widerstandsfähigste Material dieser Bildungen, auf Granit oder Gneiss zurückzuführen. Anders steht es mit den spärlicheren Quarzen von grauer bis graublauer, ja bis- weilen Cordierit-ähnlicher Färbung, bei denen es möglicherweise gelingen wird, das Ursprungsgebiet zu ermitteln. Es dürften die grauen bis rauch- grauen Quarze zumeist aus dem Granitit oder einglimmerigen Granit der Lausitz und des Kiesengebirgsmassivs, die mehr Cordierit-ähnlichen *) aus dem nur in untergeordneteren Partieen im Granitit vorkommenden, zwei- glimmerigen Granit stammen. So beobachtete Jokely**) Cordierit-ähnliche, hlaugraue Quarze im Granit von Hohenwald und Wetzwalde im Isergebirge, und mir gelang es, solche ganz charakteristische Quarze zu entdecken in einer Probe von rothliegenden Conglomeraten, die ich aus Schlesien, von dem am Bober gelegenen Frauenberge zwischen Löwenberg und Lähn *) Erläuterungen zu der geologischen Uebersiehtskarte von Schlesien, von Dr. Georg Gürich. Breslau 1890, S. 9 und 13. **) Jahrbuch der geologischen Reichsanstalt 1859, S. 376; vergl. auch Zirkel: Petrographie II, S. 7. 28 erhielt. Diese Mineralkörner sind mit Sicherheit auf die Hirschberger Graniteinlagerung zurückzuführen. Im Gegensatz hierzu fehlen die blauen Quarze in einer Probe des Rothliegenden vom „Rothen Berge44 zwischen Löwenberg und Hagendorf, da Granit in der Umgebung nicht auftritt. Koch günstiger wie für diese grauen und graublauen Quarze scheinen die Verhältnisse für die in den Sanden so auffälligen, gelblichen und rosen- rothen Körner dieses Minerals zu liegen. Sie finden sich nicht nur in den recenten Flusssanden des Elbstromes, sondern auch in den diluvialen Thal- und Haidesanden, ja sie bilden einen oft recht häufigen Bestandtheil vieler grobkörnigen Quadersandsteine, besonders des Brongniarti-Hori- zontes. *) Massenhaft konnte ich dieselben im verwitterten Sandstein des mittleren Gipfels der Kaiserkrone, im Quader oberhalb des Schramm- thores und an anderen Orten nachweisen. Was zunächst die Färbung dieser Körner anbetrifft, so scheint die rosenrothe Farbe bewirkt zu werden durch Titan oxyd-haltiges Eisenoxyd, welches die ganze Mineralmasse gleichmässig durchtränkt, auf feinsten Haarrissen und Mikrospalten infiltrirt erscheint. Daher erklärt es sich auch, dass eine Behandlung mit Säuren keine Entfärbung zur Folge hatte. Um nun zu entscheiden, ob etwa ein Gehalt an Bitumen die Färbung bewirkt, wurden rothe Quarzkörner im Gebläsefeuer geglüht, aber keine Zerstörung der färbenden Substanz erzielt, im Gegentheil, die gelblichen Quarze wurden durch das Glühen zu rosenrothen, eine Erscheinung, die uns erkennen lässt, dass das gelbfärbende Pigment Eisenoxydhydrat ist, welches durch Wasserverlust in Eisenoxyd übergeht. Woher stammen nun diese charakteristischen Bestandtheile der schüttigen Sande wie der cementirten Sandsteine? Dass diese Körner in die diluvialen Sande zumeist erst aus zerstörten Quadersandsteinen gelangt sind, ist bei der weiten Verbreitung derselben in solchen Felsarten und bei der ausgiebigen und noch heute fortgesetzten Erosion dieses cretaceischen Schichtencomplexes leicht einzusehen, anders steht es mit der Frage, von woher diese farbigen Mineralkörner in die Sandsteine gelangt sind. Nimmt man die geologischen Karten der Sudeten und des Böhmerlandes zur Hand, überhaupt des Elbstromgebietes, so erkennt man, dass die Urgesteine, Gneiss- und Glimmerschiefer zumal, ebenso der Granit grosse zusammen- hängende Areale einnehmen, dass aber die Sedimentärformationen in mehr oder minder zerschlitzten und isolirten Lappen und Fetzen erscheinen. Dies gilt namentlich von den Bildungen der oberen Kreide, weniger von denen der Cenomanstufe, besonders aber noch von dem Rothliegenden und dem Silur. Es unterliegt keinem Zweifel, dass alle diese Formationen einst zusammenhängende Gesteinsfelder gebildet haben, dass aber eine gewaltige Erosion und Abtragung sie auf die heute noch vorhandenen Reste reducirt hat. Am greifbarsten ist die Ausnagung der cenomanen Felsgebilde im Gebiet der Heuscheuer, wo die Adersbacher und Weckelsdorfer Felslabyrinthe eine verständliche Sprache reden. Die Formation nun, welche infolge ihrer beträchtlichen Abtragung namentlich in Frage kommt, wenn es sich darum handelt, für unsere rothen Elbquarze die Heimath zu ermitteln, ist das Rothliegende. Es findet sich am Nordabfalle des Riesen- und Eulengebirges im Verein mit dem Zechstein in vielen isolirten Fetzen erhalten, füllt im *) Sect. Königstein, S. 12; Isisberichte 1895, S. 78, und 1897, S. 27. 29 Süden den Innenraum der Waldenburger Kohlenmulde*) aus, in dessen Mitte es vom Kreidegebirge überdeckt wird, und greift dann bei Schatzlar über das Carbon in einem inselartigen Reste über, der letzte Zeuge der einst zwischen dem nordböhmischen Rothliegenden und dem der Glatzer Mulde vorhanden gewesenen Verbindung. Hier, wo eine intensive Erosion den Zusammenhang zerstörte, fliesst heute ein Nebenfluss der Elbe, die bei Josephstadt in die Elbe sich ergiessende Aupa, die unterhalb Trautenau noch Zuflüsse aus dem Rothliegenden -Rest von Schatzlar und dem der Waldenburger Carbonmulde empfängt. In Nordböhmen bildet das von der Aupa und Elbe durchflossene Rothliegende eine breite Zone, die zwischen Iser und Aupa auf dem krystallinischen Schiefermantel der Riesengebirgs- Granitellipse aufruht. Hier, meine ich, hat man den Ursprung vieler Be- standtheile des Quaders und der Thal- und Haidesande, vielleicht auch die Heimath unserer farbigen Quarze zu suchen. Die Gesteine, welche daselbst das Rothliegende aufbauen, sind rothe Sandsteine und Conglomerate, **) und von den letzteren wird berichtet, dass sie namentlich aus Quarzen bestehen. Auch das Gebiet des Rothliegenden, welches sich nördlich von Pilsen ausdehnt und von der Beraun durchflossen wird, dürfte mit seinen Zerstörungsproducten zur Sandbildung des Elbstromes beigetragen haben, zugleich mit den silurischen Kieselschiefern, die im Berauner, Rakonitzer und Leitmeritzer Kreis von der Uslawa, Rakonitza und Beraun aufge- nommen und in die Elbe eingeschwemmt worden sind, in deren jüngsten Geröllabsätzen sie so häufig erkennbar sind.***) Wir haben bisher das Rothliegende nur für die Mitbildung der Quader- und Diluvialschichten in Anspruch genommen, doch sind auch von einem böhmischen Geologen, Herrn Prof. Hibschf) Gerolle und Geschiebe aus dem Rothliegenden im Tertiär (Oligocänsande) erkannt und ein Transport aus dem Osten des Böhmerlandes nach dem Elbgebiet angenommen worden. Selbstverständlich haben auch die vom Ostabhange des Böhmerwaldes und vom mährischen Hügelland herabkommenden Zuflüsse des Elbstromes sich an der Schutt- und Geröllabfuhr betheiligt, doch kommen dieselben aus Gebieten, wo fast ausschliesslich archäische Schichten abgetragen, also keine charakteristischen Gesteinstrümmer geliefert wurden. Bei der ausseror- dentlichen Mächtigkeit der noch vorhandenen Kreideformation muss auf eine ganz gewaltige Abtragung in den archäischen Gebieten sowohl, wie im Bereich der paläozoischen Formationen geschlossen werden, die in der meso- zoischen Zeit fortgesetzt, in der Zeit des Diluviums ihr Maximum erreichte und die z. B. in der heutigen sächsischen Schweiz fast den ganzen Ueber- quader abtrug, der sicher einst in grösserer Ausdehnung den Oberquader be- deckte. In der Richtung der Elbthalspalte wurde die Erosion weiter ge- führt, bis bei Niedergrund die Grundschwelle des Lausitzer Granites erreicht und das canonartige Elbthal fertiggestellt wurde. Leider ist es mir bisher noch nicht gelungen, geeignete Proben des Rothliegenden vom Südfusse des Sudetenzuges zu erhalten, um die Frage nach der Herkunft der rosen- rothen Quarze endgültig zu entscheiden, immerhin aber hat die Prüfung der schon erwähnten Proben des Rothliegenden, wie es in der Umgebung von *) G. Gürich, a. a. 0. S.90; Credner: Geologie, 8. Aufl., 1897, S.510. **) G. Gürich, a. a. 0. S. 91. ***) F. Zirkel: Petrographie III, S. 545. f) J. E. Hibsch: Geologische Karte des böhmischen Mittelgebirges , Blatt I (Tetschen), S. 27; Blatt III (Bensen), S. 9, 10. 30 Löwenberg entwickelt ist, die Abstammung der fraglichen Mineralkörner aus dieser Formation höchst wahrscheinlich gemacht. Vor einer Täuschung hat man sich bei diesen Untersuchungen zu hüten. Die feinkörnigen Trümmer- gesteine, wie sie auch in unserem Döhlener Becken Vorkommen und im Profil des Windbergesund des Backofenfelsens aufgeschlossen sind, enthalten gleichfalls zahlreiche durch eisenschüssigen Detritus pigmentirte Quarze, doch hier durchdringt das färbende Eisenoxyd meist nicht das Mineral- korn, sondern überzieht es nur als abwaschbare oder durch Säure ent- fernbare Haut. Die Betheiligung der rothen und gelben Quarze an der Zusammen- setzung der diluvialen und recenten Sande des Elbthales ist meist eine solche, dass von einem Einflüsse auf die allgemeine Färbung dieser schüttigen Sedimente nicht wohl geredet werden kann. Der Farbenton wird vornehmlich bestimmt durch die überwiegenden grauen und weissen Quarze und die anderen Gesteinspartikel, unter denen die gerundeten Grusbrocken des Lausitzer Granites bisweilen eine hervorragende Rolle spielen. In der Hauptsache wird die Färbung durch einen mehr oder minder starken Gehalt von Eisenoxydhydrat bedingt, der den Sanden eine gelbliche Farbe verleiht. Neben diesem vorherrschenden Farbenton sind es besonders noch zwei Färbungen, die unser Interesse erregen, einmal die intensiv dunkelrothbraune Pigmentirung , wie sie im Bereich des Eisenborngrundes und in der Sandstufe südlich vom Wolfshügel entwickelt ist, und eine fast schneeweisse, an Oligocänsande erinnernde Beschaffenheit. Die chemische Prüfung der rothbraunen Sande ergab, dass die als Pigment- haut die Sandkörner überziehende Schicht vorzugsweise aus Eisenoxyd und etwas Manganoxyd besteht. Woher rührt aber der starke Eisengehalt dieser Sedimente? Nun der Name Eisenbornbach verräth uns schon, dass er seinen Ursprung an einem Orte hat, wo eisenhaltiges Wasser dem Boden entquillt, und damit sind wir zugleich in ein Gebiet unseres Haideplateaus verwiesen, in dem mir die Lösung der interessanten Frage nach der Her- kunft des Eisenpigmentes in schöner Weise gelungen ist. Wie bekannt, enthält unsere Haide zwischen dem der Elbe zuge- wandten Steilrande und dem erst in Lausitzer Richtung eingeschnittenen, dann in die zwischen dem Meissner und Lausitzer Massiv vorhandene Ver- werfungskluft einlenkenden Priessnitzbache ein zerlapptes Sumpfgebiet. Das granitische Grundgebirge weist vielfach Senkungen und flach mulden- förmige Vertiefungen auf, die meist miteinander communiciren. Vereinzelt heben sich Rücken und Buckel des Grundgebirges aus dem flachen Sumpf- lande heraus, so dass es dadurch seinen zerlappten Charakter gewinnt. In früheren Zeiten jedenfalls fast abflusslos, wird es jetzt durch eine Anzahl kleiner Rinnsale, welche die granitische Randschwelle durchsägt haben, nach der Elbe zu durch das verlorene Wasser, den Eisenbornbach, den Gutebornbach, den Mordgrund- und den Loschwitzbach entwässert. Auch nordwärts, nach der Priessnitz zu findet eine theilweise Entwässerung statt. Wenn nun durch die muldenförmigen Depressionen des Granites die Gelegenheit zur Bildung von Moorgebieten gegeben war, so wurde sie factisch bewirkt durch die Verwitterung dieses Gesteines, dessen Zer- setzungsrückstände bekanntlich Wasser undurchlässige Thone sind. Dieser mechanisch-chemische Umwandlungsprocess liess aber auch Minerallösungen entstehen, die theils durch die natürlichen Abzugskanäle fortgeführt, theils im Sumpfgebiet zurückgehalten wurden und dort Mineralstoffe zur Aus- 31 Scheidung brachten. Ein solcher Bestandtheil ist das Eisen. Vergleicht man chemische Analysen von Graniten im frischen und im angewitterten, schliesslich im verwitterten Zustande, so erkennt man sofort eine relative Anreicherung der Kieselsäure, der Thonerde und des Eisens, während der Alkaliengehalt schnell abnimmt. Zum Vergleich dienen drei Analysen des Granites vom Hauzenberg bei Passau.*) I. II. III. Frisch: Verwittert: Gefüge gelockert: Si 02 . . . . 73,13 73,71 73,78 A1.2 ü3 . . . 10,50 10,78 11,61 Fe2 03 . . . 3,16 3,18 3,76 Mg 0 . . . . 1,12 0,82 0,99 K20 . . . . 9,04 8,51 7,07 Na, 0 . . . . 1,80 0,92 0,33 H20 . . . . 0,45 0,92 1,76. Diese Zunahme namentlich des Eisenoxydgehaltes unter gleichzeitiger Abnahme des Gehaltes von Eisenoxydul wurde neuerdings von der geo- logischen Landesuntersuchung des Grossherzogthums Hessen am Granit von Weinheim**) beobachtet. In unserer Haide, wo in den Depressionen die Verwitterung des Granites grosse Fortschritte gemacht und thonige Lagen im Grunde geschaffen hat, sind nun die Bedingungen für die Abfuhr der durch die Granitverwitterung geschaffenen Rückstände verschieden. Stellen- weise wird nach der Vergrusung, d. h. nach dem schüttigen Zerfall der Felsart, das zersetzte Gestein schnell seiner leicht abschlämmbaren Be- standtheil e, wie der Glimmerblättchen beraubt, es verliert beim Abrollen der Grusbrocken in den Rinnsalen alsbald die braune, auf hohen Eisen- gehalt deutende Färbung, und die in kürzester Frist abgerollten Körner erscheinen dann als Bestandtheile des Sandes in den Bächen. Ein Ort, wo man dies auf einer Strecke von wenigen Metern beobachten kann, ist der Wassergraben zur Rechten der Strasse, die 'von der Haidemühle auf- wärts nach der Hofewiese führt. Nicht immer aber gelangen die Ver- witterungsproducte gleich in schnellfliessende Gewässer. In den Sumpf- regionen schwängern • sich die stagnirenden Wasser mehr und mehr mit Mineralsolutionen und es kommt alsbald zum Absatz dieser Producte, namentlich der Eisenverbindungen gewöhnlich direct auf dem in der Zer- setzung begriffenen Granitgesteine, dessen Feldspath, mehr noch dessen Glimmer das Eisen geliefert haben. So kommt es zur Bildung von Braun- eisen, und wo organische Säuren mitwirken, zur Bildung von Raseneisen- stein,***) während das in Lösung bleibende und vom fliessenden Wasser weggeführte Eisen sich entweder in den von den Abflussrinnen durch- schnittenen Sandschichten absetzt und dieselben dann roth färbt oder durch die Lebensthätigkeit von Mikroorganismen allmählich ausgeschieden wird. Es ist mir gelungen, in der Umgebung des Flügel C, zwischen Schneise 16 und 14, wo man in diesem Frühjahr gerodet und neue Culturen angelegt hat, die Verwitterung des Granites, der hier übrigens von einem schönen Schriftgranitgang durchsetzt zu werden scheint, die Eisenab- *) Zirkel: Petrographie II, S. 31. **) Erläuterungen zur geol. Karte des Grossherzogthums Hessen, IV. Lieferung: Blätter Zwingenberg und Bensheim, S. 42. ***) Vergl. Section Pülnitz, S. 56. 32 Scheidung in Form von Brauneisen und Raseneisen nachzuweisen. Wir sehen hier den übrigens nicht aufgeschlossenen, sondern nur in Form von zahlreichen Fragmenten im Moorboden eingebetteten Granit mit einer eisenschüssigen Yerwitterungskruste auftreten, die sich bei fortschreitender Zersetzung verdickt und auf welcher alsbald kleine Inkrustate von Braun- eisen sich zeigen, bis endlich bei dem schaligen und schüttigen Zerfall des alterirten Gesteines das Eisenerz die restirenden Granitkerne und den sandigen Schutt verkittet und in mehr oder minder dicken, schwammigen Lagen im Boden zur Ausscheidung gelangt. Was hier von dem Eisen- gehalt in das Bereich der Abflussrinnen gelangt, erscheint alsbald als schmierig rostbrauner Belag auf dem Boden der leise sickernden und träge rinnenden Wasseradern. Die chemische Untersuchung der Brauneisenerze ergab neben dem Eisenoxyd nur einen schwachen Gehalt von Manganoxyd, ein Umstand, der seine Erklärung darin findet, dass die Granite über- haupt entweder gar kein Mangan oder nur Spuren desselben enthalten. Bekannt ist ein Mangangehalt eigentlich nur von britischen Graniten. Auffällig bleibt nun noch, dass gerade in diesem Sumpfgebiet, wo die färbenden Eisensolutionen Alles durchdringen, ganz schneeweisse Haide- sande Vorkommen, und zwar entweder auf breiten, höher liegenden Moor- rücken oberflächlich oder in den Abflussrinnen schnellfliessender Ge- wässer. Hier ist es das schnell zu Thal rinnende Wasser, auf höher ge- legenen Moorrücken das aufschlagende Regenwasser, welches den Eisen- schuss rasch auswäscht und Quarze und Granitkörner ohne Brauneisen- steinhaut zurücklässt. Interessant ist hier ein Vergleich mit der rasch fliessenden Priessnitz. Zum Zwecke der Wasserversorgung der Militäranstalten der Albertstadt hat man vor Kurzem drei Bohrlöcher unten im Grunde zwischen der „Neuen Brücke“ und der „Küchenbrücke“ geschlagen, aber in den durch- teuften Sanden keine oder nur unbedeutende Spuren von Eisenschuss beobachtet. Die Bohrlöcher stehen bei 25,50 na Tiefe im kiesigen Haide- sande, der neben zahlreichen rosenrothen und gelben Quarzen in den Kies- lagen auffällig viel Geschiebe von böhmischen Basalten aufwies, zum Zeugniss dafür, dass auch hier die diluvialen Gewässer böhmisches Ge- schiebematerial zum Absatz brachten. III. Ucber die Bedeutung der Milch als Nahrungsmittel. Yon Dr. med. Arthur SeMossmann. Unter Milch versteht man ein Secret des thierischen Körpers, das von gewissen Thierarten, nämlich den Sängethieren, und zwar im Allgemeinen nur von den weiblichen Individuen dieser Klasse und auch nur in gewissen Entwickelungsphasen ausgeschieden wird. Das Organ, dem die Secretion der Milch zukommt, sind bekanntlich die Brustdrüsen, die im Anschluss an die der Befruchtung folgenden Vorgänge während der Schwanger- schaft resp. Trächtigkeit sich successive entwickeln und so in der Lage sind, nach der Geburt dem jungen Individuum, das bisher direct alles zu seinem Aufbau Möthige von der Mutter bezogen hatte, wenigstens in- direct noch eine gewisse Zeit in ähnlicher Weise als Nahrungsquelle zu dienen. Die Ernährung des eigenen Jungen, das ist also die Aufgabe der Milch eines jeden Individuums und dieser seiner Aufgabe vermag die Milch einer jeden Thierart auch vollständig gerecht zu werden, denn die Milch jeder Thierart enthält alles das, was das betreffende Junge zum Aufbau seines Körpers sowie zum Unterhalt seiner vitalen Functionen wenigstens für eine gewisse Zeit seines Lebens bedarf. Hierüber lässt ja schon die tägliche Erfahrung gar keinen Zweifel auf kommen, die uns immer von Neuem zeigt, wie durch die Milch des mütterlichen Organismus das junge Säugethier und allen voran der junge Mensch in seiner Ent- wickelung gefördert wird. Da somit die Milch jeder Säugethierart für kürzere oder längere Zeit Individuen derselben Klasse als einzige Nahrung dient und auch genügt, so müssen wir die Milch als ein Nahrungsmittel im allerweitesten Sinne dieses Wortes auffassen. Ja, kein anderes Nahrungs- mittel kann sich der Milch in dieser Beziehung an die Seite stellen, da keins im Stande ist, für sich allein genossen dauernd dem Menschen in irgend einer Phase seines Lebens alles das zuzuführen, was er zur Ver- richtung der ihm obliegenden Lebensthätigkeiten bedarf. Ist die Milch ein vollständiges Nahrungsmittel, das den Anforderungen des Säuglings als einzige Nahrung ganz genügt, so muss sie auch alles enthalten, was zur Unterhaltung des thierischen Lebens erfahrungsgemäss unbedingt nöthig ist, nämlich Wasser, Eiweiss, Fett, Kohlehydrate und anorganische Salze, denn aus diesen Bestandtheilen setzt sich ja bekanntlich der thierische Körper zusammen, und da fortgesetzt einzelne Theile dieser Substanzen zu Grunde gehen und ausgeschieden werden, so muss eben für ihren Ersatz Sorge getragen werden. Dieser fundamentalen Anforderung wird also die Milch in vollem Maasse gerecht, indem sie alle diese Bestand- 34 theile enthält. Ich füge hier gleich ein, dass das quantitative Verhältnis, in dem die verschiedenen Bestandtheile der Milch zu einander stehen, ein sehr verschiedenes ist, je nachdem von welchem Säugethiere die Milch stammt; ja, auch bei ein und derselben Thierart ist ganz abgesehen von individuellen oder durch die Ernährung bedingten Verschiedenheiten die Zusammensetzung quantitativ keine ganz gleichmässige , sondern je nach der seit der Geburt des Jungen verflossenen Zeit in gewissen Grenzen differirend. Auf die Bedeutung dieser Thatsachen komme ich nochmals zurück. Die Milch aller Thierarten ist eine weissliche bis weisslich- gelbe Flüssigkeit, die zum grössten Theile aus Wasser besteht und die übrigen Bestandtheile theils gelöst, theils in suspendirtem Zustande enthält. Be- trachten wir zunächst den Wassergehalt, so ist derselbe bei den ver- schiedenen Thierarten ganz besonderen Schwankungen unterworfen und übt natürlich auf Farbe und Consistenz der Milch einen ganz hervor- ragenden Einfluss aus. So enthält z. B. die Milch des Delphins nur etwa 48 °/0 Wasser, während bei den uns vorwiegend interessirenden Milcharten, nämlich der Kuhmilch und etwa noch der Frauenmilch, auch vielleicht noch der Ziegen- und Eselsmilch der Wassergehalt ein bedeutend höherer ist und zwischen 85 und 90 °/0 schwankt (siehe auch Tabelle auf Seite 38). In dem das Constituens der Milch bildenden Wasser gelöst finden sich die Kohlehydrate, die anorganischen Salze und ein Theil der stick- stoffhaltigen Substanzen. Von Kohlehydraten findet sich in der Milch aller uns interessirenden Thierarten ein und dasselbe und zwar nur dieses eine, nämlich der Milchzucker. Der Milchzucker gehört zu der Klasse der Disaccharide und es ist eine jedenfalls auffällige und bis jetzt noch nicht genügend erklärte Thatsache, warum die Milch gerade ausschliesslich einen Repräsentanten dieser Zuckerart enthält an Stelle der sonst im Thierkörper verbreiteteren Monosaccharide. Diese Thatsache wird um so auffallender, wenn wir berücksichtigen, dass der Milchzucker im Organismus des jungen Individuums erst wieder in Monosaccharide gespalten wird, ehe er zur Ver- brennung gelangt. Es zerfällt der Milchzucker dabei in seine beiden Componenten, in Galactose und Dextrose. Somit findet in der Milchdrüse zunächst eine Synthese statt; denn unzweifelhaft wird der Milchzucker daselbst aus den Hexosen des Blutes aufgebaut, und dieses synthetische Product wird im jugendlichen Organismus sofort wieder gespalten. Man könnte nun daran denken, dass die Bindung der beiden Hexosen als ein Vorgang aufzufassen sei, der dazu dient, dem jugendlichen Organismus Spann- kräfte zuzuführen derart, dass durch die Spaltung des Milchzuckers mehr Wärmequellen zugeführt würden, als wie wenn einfach die beiden Hexosen direct consumirt würden. Diese von mir ursprünglich gehegte Anschauung ist jedoch eine irrige, denn wie mir Herr Professor Ostwald, an den ich mich als die auf diesem Gebiete hervorragendste Capacität wandte, freund- lichst mittheilte, beträgt die Verbrennungswärme der Galactose 6586 Calorien, die der Dextrose 6646 Calorien, in Summa also 13 232 Calorien, die des Milchzuckers 13 259 Calorien (alles auf ein Gramm Molekulargewicht be- rechnet). Es wird somit also beim Zerfall des Milchzuckers eine geringe Wärmemenge gebunden, da diese aber nur 2 pro Mille von der gesammten Verbrennungswärme beträgt, so kommt sie praktisch nicht in Betracht. Dahingegen weist mich Professor Ostwald auf ein anderes Moment hin, das in der That sehr beachtenswert!! ist und uns den Schlüssel für die be- 35 sprochene Erscheinung an die Hand geben dürfte. Es liegt ja die Noth- wendigkeit vor, dass der mütterliche Organismus den Milchzucker aus dem Blute aufspeichern muss, da ja die Zellen der Brustdrüse und das diese umspülende Serum während der Ruhezeiten, während der Zeiten also, in welchen Anforderungen an die Drüse nicht gestellt werden, dafür besorgt sein müssen, alle die Stoffe, die bei der Milchausscheidung von Nöthen sind, in grösserer Menge in Vorrath bereit zu stellen. Der Organismus des Kindes hat umgekehrt die Aufgabe, den Milchzucker der Verdauung zugänglich zu machen. Da nun aller Wahrscheinlichkeit nach Milchzucker schwerer dissociirt als seine Bestandteile, so ist seine Bildung in der Milchzelle ein ebenso nützlicher Vorgang als seine Spaltung im Darme des Kindes. Was die Menge an Milchzucker anbetrifft, die in den verschiedenen Milch- arten enthalten ist, so steht die Frauenmilch obenan mit einem Gehalt von 6, ja sogar häufig noch höherem bis zu 7 °/0 reichendem Gehalt, während die Kuhmilch nur 3,5—4 °/0 aufzuweisen hat; Ziege und Esel stehen in dieser Beziehung zwischen Kuh und Mensch. An anorganischen Bestandteilen übertrifft die Kuhmilch ganz bedeutend die der anderen Haustiere sowie des Menschen; ihr nahe steht die Ziege, es folgen Esel und Mensch. Der Gehalt an Salzen beeinflusst im Speciellen ebenso wie die Gesammtzusammensetzung der Milch überhaupt die Entwickelung des jungen Individuums und so konnte erst vor Kurzem Pröscher*) in Bunge’s Laboratorium zeigen, wie der Aschengehalt und die Gewichtszunahme in einem ganz eclatanten Verhältniss zu einander stehen. Dabei ergiebt sich Folgendes: Es verdoppelt sein Gewicht von der Geburt ab der Mensch in 180 Tagen, Asche der menschlichen Milch 2,2 das Pferd „ 60 „ Aschengehalt der Milch . . 4,1 das Rind „ 41 „ „ „ „ . . 8,o der Hund „ 8 „ „ „ „ . . 13, l pro Mille. In ähnlicher Weise habe ich**) bereits vor geraumer Zeit auf den Zusammenhang zwischen der Zusammensetzung der Milch und der Ent- wickelung der verschiedenen Thierarten hinweisen können. Gelöst finden sich endlich in der Milch gewisse stickstoffhaltige Be- standteile der Milch, so in erster Linie die sogenannten Extractivstoffe, die wohl in keiner Milch fehlen und die direct aus dem Blute stammen. Erwähnenswert, weniger durch die Wichtigkeit, die sie für den Werth der Milch besitzen, als durch die Regelmässigkeit ihres Vorkommens, sind Harnstoff, Kreatin und Kreatinin. Ungleich bedeutungsvoller sind die- jenigen stickstoffhaltigen Substanzen, die in der Milch gelöst enthalten sind und sich unbedingt nur zu den Eiweisskörpern rechnen lassen. Es enthält nämlich die Milch aller Thiere, soweit man bisher dieselbe darauf- hin untersucht hat, ebenso wie die der Frau ausser dem Hauptmilch- eiweisskörper, dem Casein, noch andere Eiweisskörper, die sich gerade in Bezug auf die Art und Weise, wie sie in der Milch enthalten sind, von diesem unterscheiden. Das Casein nämlich ist nicht eigentlich in der Milch gelöst, es ist vielmehr in derselben in einem Zustande enthalten, den man als den der colloidalen Quellung bezeichnen kann. Gerade in neuester Zeit haben ja derartige colloidale Körper das Interesse der *) Zeitschr. für physiol. Chemie, Bd. XXIV. **) Zeitschr. für physiol. Chemie, Bd. XXII. 36 Chemiker in hohem Grade erregt und ich brauche nur an die Mittheilungen der Herren Professor von Meyer und Dr. Lottermoser in dieser Gesell- schaft über das von ihnen dargestellte colloidale Silber und Quecksilber zu erinnern. Nun, ganz ähnlich scheint die Sache sich bei dem Casein zu verhalten, auch dieses findet sich in einem colloidalen Zustande in der Milch. Neben dem Casein enthält nun die Milch noch andere Eiweiss- körper, die im Gegensatz hierzu . wirklich gelöst sind. Es sind dies Globulin und vor Allem ein Albumin, also ein Körper, der dem Serum- albumin des Blutes und dem Ovalbumin des Hühnereies sehr nahe steht und mit diesen die Eigenschaft gemein hat, bei höheren Temperaturen zu coaguliren, andererseits aber sehr leicht resorbirbar zu sein. In Bezug auf das Verhältniss, in dem Casein zu dem gelösten Eiweiss steht, finden sich nun ganz eclatante Unterschiede zwischen den verschiedenen Milcharten. Wenn auch so manches in dieser Beziehung noch strittig ist, so lassen sich doch zwei Thatsachen als fest erwiesen annehmen, erstlich einmal, dass die Milch aller Thierarten unmittelbar nach der Geburt des Jungen wesentlich mehr an gelöstem Eiweiss im Verhältniss zum Gesammteiweiss enthält, als in späteren Stillperioden. Das geht so weit, dass die Milch der ersten Tage oder Wochen so viel gelöstes Eiweiss und zwar im Speciellen gerade Lactalbumin enthält, dass dieses seine Eigenschaft, bei Erhitzung zu gerinnen, auf die gesammte Milch überträgt. Wenn Sie also eine solche Milch sieden, so gerinnt dieselbe in feinen Flocken. Man benennt eine solche Milch, die sich auch anderweit in Bezug auf ihre Zusammensetzung noch wesentlich von der der späteren Milchperiode unterscheidet, Colostrum. Dieser colostrale Zustand der Milch hält bei den verschiedenen Thierarten verschieden lange an, im Allgemeinen etwa 10 Tage in maximo. Es nimmt alsdann der Gehalt an Lactalbumin ganz wesentlich ab. Als zweite Thatsache in dieser Beziehung müssen wir aber daran festhalten, dass keine andere Milchart relativ im Verhältniss zum Gesammteiweiss soviel Albumin dauernd enthält als die Frauenmilch. Hierin ist einer der Hauptunterschiede zwischen Frauen- und Kuhmilch begründet, hierin liegt aber auch die Ursache zu der ebenso bedauerlichen als bisher durch nichts aus der Welt zu schaffenden Thatsache, dass Säuglinge die Kuhmilch um so viel schlechter vertragen als die Mutter- milch. Der Grund für diese Thatsachen wird uns leicht verständlich, wenn wir uns vergegenwärtigen, welche Schicksale denn die Eiweisskörper der Milch bei ihrer Verdauung im thierischen Organismus erleiden. Wenn die Milch in den Magen kommt, so gelangt dieselbe nämlich zur Gerinnung. Diese Gerinnung beruht darauf, dass das Casein ausgefällt wird und zwar kommt diese Ausfällung durch zwei Momente zu Stande, einmal nämlich durch die saure Reaction des Magensaftes, die in erster Linie durch den Gehalt an Salzsäure desselben bedingt ist, und zweitens durch die Gegen- wart eines durch die Magendrüsen abgeschiedenen Fermentes, des Lab- fermentes, dem eben die merkwürdige Eigenschaft zukommt, die Gerinnung des Caseins herbeizuführen. Wenn Sie den Labmagen eines Kalbes mit Glycerin ausziehen und sich auf diese Weise eine Lablösung beschaffen, oder wenn Sie ein getrocknetes Stück Kalbsmagen in eine beliebig grosse Menge Milch, in 5 — 10 Liter werfen und die Milch etwa eine halbe Stunde auf Körpertemperatur — 37 Grad Celsius — erwärmen, so gerinnt die ge- sammte Milch zu einem dicken Kuchen, über dem eine durchsichtige Flüssigkeitsschicht, das Milchsei um, steht, das aus dem Wasser, den Kohle- 37 hydraten, den Salzen sowie dem gelösten Eiweiss bestellt, während das ganze Casein ausgefällt ist und eben den vorerwähnten Kuchen bildet. Aehnlich wohl, aber nicht gerade analog, ist das Schicksal der Milch im Magen des lebenden Thieres, nur kommt es hier nicht zur Bildung eines zusammenhängenden Coagulums, vielmehr bewirkt die motorische Kraft des Magens, dass der Inhalt desselben bei der Verdauung fortgesetzt be- wegt wird, es bilden sich dabei also statt eines zusammenhängenden Gerinnsels zahlreiche kleine. Die Grösse und die Festigkeit dieser Ge- rinnsel ist nun einerseits eine recht verschiedene je nach der Milchart, denn offenbar ist das Casein der verschiedenen Milcharten nicht ein und derselbe Körper, sondern es sind chemisch verschiedene, wenn auch zu einer grossen Familie gehörige Körper. Die verschiedenen Caseinarten haben aber die Eigenschaft, verschieden zu gerinnen, und zwar gerinnt am feinflockigsten das Casein der Frauenmilch, während das der Kuh- milch im Gegensatz hierzu sehr compacte, zähe Gerinnsel bildet. Aber noch durch andere Umstände wird die Gerinnungsart des Caseins beeinflusst. So hängt dieselbe wesentlich von dem Fettgehalt der Milch mit ab, indem die Coagula um so feinflockiger, um so zarter werden, je mehr Fett in der Milch enthalten ist. Der weit verbreitete Glaube, dass eine magere Milch leichter zu verdauen ist als eine fette, ist daher in dieser Allgemein- heit gefasst als Irrthum zu bezeichnen. Weiter hängt die Gerinnungsart des Caseins von der procentualen Menge ab, die dieselbe an Casein ent- hält. Eine Milch, die wenig Casein enthält oder bei der der Caseingehalt durch Verdünnen herabgesetzt worden ist, wird immer feinflockiger aus- geschieden werden als eine mit höherem Caseingehalt. Endlich spielt in gleicher Richtung auch die Gegenwart von gelöstem Eiweiss eine bedeu- tende Rolle. Aus allen diesen Punkten ist ersichtlich, dass die Frauen- milch vor der Kuhmilch — ich will mich auf die Gegenüberstellung dieser beiden Milcharten beschränken — in jeder Beziehung den Vortheil der feineren Caseingerinnung voraushaben muss. Denn einmal enthält die Frauenmilch ein Casein, das schon an und für sich ungleich feiner gerinnt, dann enthält die Frauenmilch noch nicht einmal ganz 1 °/0 Casein, während die Kuhmilch gegen 3 °/o aufzuweisen hat, ferner ist die Frauenmilch relativ viel fettreicher, denn dieselbe schwankt in ihrem Fettgehalt zwischen 3 und 4 °/0,, während unsere Marktmilch selten viel über 3 °/0 enthält, endlich aber finden wir in der Frauen- milch ganz bedeutende Mengen gelösten Fiweisses, während die Kuh- milch hierin sehr arm ist. So sind denn alle Bedingungen gegeben, die dazu führen müssen, dass die Frauenmilch im kindlichen Magen sehr fein und zartflockig gerinnt, während die Kuhmilch in zähen compacten Coagulis durch den Magensaft niedergeschlagen wird. Die Art der Milch- gerinnung ist aber von allergrösstem Einfluss, denn die Ausscheidung in Coagulis bedeutet ja nur den ersten Schritt bei der Verdauung, müssen doch nunmehr die Milchgerinnsel ordentlich von den Säften des Magens und des Darmes durchtränkt werden und die Caseinflocken wieder gelöst und in solche Eiweisskörper übergeführt werden, die sich zur directen Aufsaugung durch die Drüsen des Darmes eignen. Es ist aber ohne Weiteres leicht verständlich, dass eine feine zarte Caseinflocke leichter von den Verdauungssäften angegriffen und gelöst werden kann, als ein zähes dickes Coagulum. Der Vortheil der Frauenmilch vor der Kuhmilch ist somit ein doppelter, erstlich enthält dieselbe einen namhaften Theil 38 ilires Eiweisses gar nicht als Casein, sondern als Albumin, und dieser Eiweisskörper braucht gar nicht erst coagulirt und wieder gelöst zu werden, sondern kann direct im Magen und Darm aufgesaugt werden, andererseits wird das Casein der Frauenmilch bei der Verdauung des Kindes feiner ausgeschieden und rascher und vollständiger wieder gelöst. Ungelöste Eiweissmassen, die, um verdaut zu werden, lange im Darme weilen müssen, bilden aber eine grosse Gefahr für das betreffende Individuum, da es alsdann leicht zur Fäulniss und zur Zersetzung der im Darmkanal stagni- renden Eiweissmassen kommen kann, die zu den schwersten Erscheinungen, zu langwierigen Darmkatarrhen und dem erschreckenden Bilde der Kinder- cholera zu führen vermögen. Der Verdauungsapparat des Menschen und vor Allem der des Kindes, ist eben von dem des Thieres — hier des Kalbes — - wesentlich verschieden eingerichtet. Wer je den mächtigen Magen eines neugeborenen Kalbes und dasselbe Organ eines jungen Kindes ge- sehen hat, dem wird es auch völlig selbstverständlich erscheinen, dass eine Aufgabe, die von dem ersteren spielend gelöst wird, von dem letzteren nicht verlangt werden kann, und dass jeder Versuch zu dauernden Schä- digungen führen muss. Von der Darreichung unverdünnter Kuhmilch ist man denn auch wenigstens bei jüngeren Säuglingen völlig abgekommen und versucht auf mancherlei mehr oder weniger zweckmässige Art und Weise die Unterschiede zwischen Kuh- und Frauenmilch auszugleichen, deren Erörterung an dieser Stelle uns freilich zu weit führen würde. Durchschnittliche Zusammensetzung der Milch in Procent: Frau Kuh Ziege Esel Fett .... 3,5 -4,0 3,0 3,5 3,5— 4,0 0,3 — 1,0 Eiweiss . . . 0,8— 1,2 3,0 — 3,5 2,8 — 3,3 1,2 — 1,8 Milchzucker 6,0 — 7,0 3,5— 4,5 4,o— 4,5 4,5— 5,5 Salz .... 0,25 0,70 87—88 0,70 0,35 Wasser . . . 88—89 86—87 88—89 Was das Fett der Milch anbetrifft, so ist es in derselben in feinsten kleinen Tröpfchen suspendirt und keineswegs in gelöstem Zustande. Um das in der Milch suspendirte Fett zu lösen, ist es nöthig, die feine aus Eiweiss bestehende Membran, die jedes dieser nur mikroskopisch wahr- nehmbaren Fetttröpfchen umgiebt, zu lösen, was durch eine geringe Menge von Säure oder Lauge mit Leichtigkeit geschehen kann. Alsdann kann man das Milchfett in Aether oder Amylalkohol lösen und seine Menge gewichtsanalytisch, volumetrisch oder aerometrisch feststellen. Wie schon erwähnt, beträgt der Fettgehalt unserer Marktmilch in der Regel 3 °/0, bei geeigneter Fütterung gelingt es aber, eine Kuhmilch zu erzielen, die ungleich fettreicher, die 4, ja 5 °/0 Fett enthält. Die Frauenmilch enthält in der Regel 31/2 — 4 °/0 Fett, doch spielt auch hier die Ernährung eine wichtige Rolle. Etwa gleich in Bezug auf den Fettgehalt kommt der Frauenmilch der Fettgehalt der Ziegenmilch, während die Eselsmilch, die eine veraltete Lehranschauung für der Muttermilch sehr ähnlich hielt, von dieser aber sich mehr als irgend eine andere Milchart unterscheidet, kaum 1 °/0, häufig sogar noch viel weniger Fett enthält und sich somit als völlig ungeeignet zur Ernährung von Säuglingen erweist, für die schon der hohe 39 Preis hinderlich sein würde. In Bezug auf die Art, in der sich das Fett in der Milch findet, wäre noch zu erwähnen, dass die Fettkügelchen am kleinsten, dass die Yertheilung derselben am feinsten in der Frauen- milch ist, während die Milch aller übrigen Thierarten grössere Fett- tröpfchen enthält. Die Zusammensetzung der Milch lässt es ohne Weiteres als verständ- lich erscheinen, dass die Ausnutzung, die die Milch im menschlichen Ver- dauungskanal erfährt, eine ganz vorzügliche ist. Das letzte Wort über diese Frage ist zwar noch nicht gesprochen, doch lässt sich so viel mit Sicherheit sagen, dass in vielen Fällen, vor Allem dann, wenn keine allzu reiche Zufuhr statthat, der Säugling die Muttermilch nahezu ideal ausnutzt, das heisst, dass alle in der Nahrung enthaltene Energie auch seinem Organis- mus zu Gute kommt und nicht unverbraucht wieder ausgeschieden wird. In ganz besonderem Maassstabe gilt dies für die Kohlehydrate, nicht viel weniger für das Eiweiss, während von Salzen und Fett sich mitunter etwas grössere Mengen in den Stühlen wiederfinden, doch dürfte nur ausnahmsweise der Verlust mehr als 10 °/0 betragen, wenn die Er- nährung eine genau beobachtete war. Etwas schlechter, immerhin aber noch ausgezeichnet wird die Kuhmilch vom Kinde wie vom Erwachsenen ausgenutzt. Während aber für das Kind die Milch als einzige Nahrung genügt, ja, während der ersten Monate seines Lebens sogar seine einzige Nahrung bilden muss, wenn anders man seine Lebensaussichten nicht ge- fährden will, kann man einen Erwachsenen nicht dauernd rationell mit Milch ernähren, wie eine kurze Betrachtung der einschlägigen Verhältnisse uns ohne Weiteres erkennen lässt. Ein erwachsener arbeitender Mann bedarf täglich, um die Ausgaben seines Stoffwechsels zu decken, 105 Gramm Eiweiss, 50 Gramm Fett und 400 — 500 Gramm Kohlehydrate. Diese be- nöthigten 105 Gramm Eiweiss würden sich in 3^2 Liter Milch finden (pro Liter 3 °/0 Eiweiss gerechnet), mit diesen 3x/2 Liter Milch würde der Be- treffende auch 105 Gramm Fett consumiren, an Kohlehydraten jedoch kaum 140 Gramm aufnehmen. Nun enthalten ja die 372 Liter Milch statt der benöthigten 50 Gramm Fett deren 105, also 55 Gramm mehr, und diese 55 Gramm Fett entsprechen etwa 125 Gramm Kohlehydrat, da 1 Gramm Fett 9,3 Calorien, 1 Gramm Kohlehydrat 4,1 Calorien ausmacht, und bei der Ernährung des Erwachsenen eine Vertretung der einzelnen Nahrungs- mittel in gewissem Grade nach ihrem Calorienwerthe möglich ist. Immer- hin würden dem mit 3 Liter Milch genährten Individuum noch 140 bis 240 Gramm Kohlehydrat fehlen. Es müsste somit hierfür eine entsprechende Menge Brot mitgenossen werden. Eine ausschliessliche Milchernährung hat übrigens den Nachtheil für Erwachsene, dass sich gegen den ausschliess- lichen Genuss von Milch in Bälde ein Widerwille einstellt. Ist eine aus- schliessliche Milchernährung, abgesehen vom frühen Kindesalter, also un- rationell und verwerflich, so ist doch die Milch ein ganz vorzügliches und überaus wohlfeiles Hilfsmittel bei der Ernährung und verdiente als solches sogar noch viel mehr Beachtung, als ihr hier bei uns zu Theil wird. Ganz besonders in der Form der milchhaltigen Mehlspeisen, wie man solche in Oesterreich und auch in Süddeutschland geniesst, kann dieselbe für die Tafel von Arm und Reich empfohlen werden. Wie billig man in der Milch Nährstoffe zu kaufen bekommt, zeigt folgende Rechnung: Für eine Mark erhält man circa 6 Liter Milch mit 180 Gramm Eiweiss, 180 Gramm Fett und mit 240 Gramm Kohlehydraten. Für dasselbe Geld erhält man 40 1 Kilo Ochsenfleisch und dabei sogar blos eine geringe Qualität, und mit diesem Kilo mageren Ochsenfleisches 210 Gramm Eiweiss, 17 Gramm Fett und so gut wie gar keine Kohlehydrate. Hierbei ist pro Pfund Rindfleisch nur 50 Pf. gesetzt, was entschieden doch bei den heutigen Fleischpreisen zu niedrig gegriffen sein dürfte. Aus dem eben Angeführten geht hervor, welche Bedeutung die Milch als Nahrungsmittel hat, und lässt es erklärlich erscheinen, dass der Milch- consum ein ganz bedeutender ist, und die Milchgewinnung und der Ver- kehr und Handel mit Milch eine Ausdehnung angenommen hat, die der ferner Stehende in der Regel wohl unterschätzen dürfte. So consumirt Dresden — ich entnehme diese Zahlen einer sehr lesenswerthen Schrift des Herrn Dr. Pfund — täglich etwa 90000 Liter Milch, von denen 5500 in der Stadt selbst producirt werden, 33000 Liter werden per Wagen von den umliegenden Ortschaften eingeführt und 51000, also der bei Weitem grösste Theil, kommt per Bahn, also wie man wohl annehmen kann, aus dem weiteren Umkreise der Stadt. Dabei erweist sich Dresden durchaus nicht als eine stark Milch consumirende Stadt, da ja pro Tag und Kopf noch nicht einmal ein Drittelliter verbraucht wird. Ein derartiger Consumartikel, als den wir somit die Milch betrachten müssen, wird natürlich, umsomehr als sehr zahlreiche und ökonomisch schwache Hände bei Gewinnung, Transport und Verkauf in Betracht kommen, menschlicher Habsucht als willkommenes Ausnutzungsobject dienen, und in der That giebt es kein Nahrungsmittel, das so oft verfälscht oder minderwerthig in den Handel gebracht wird, deshalb ist die Aufmerksam- keit der Behörden schon seit langer Zeit auf den Wandel und Handel der Milch gerichtet. Fassen wir zunächst die Verfälschungen, denen die Milch ausgesetzt ist, ins Auge, so ist als die häufigst vorkommende diejenige anzusehen, die durch Wasserzusatz das Volumen der Milch vermehren, und, da ja allgemein nach volumetrischen Maassen gekauft wird, somit die zu er- zielende Einnahme erhöhen will. Der Nachweis des erfolgten Wasser- zusatzes kann mit grossen Schwierigkeiten verknüpft sein, vorausgesetzt, dass der Milchfälscher vorsichtig zu Werke geht, was ja glücklicherweise nicht der Fall zu sein pflegt. So vermag der Nachweis von Salpetersäure, die sich im Brunnenwasser fast ausnahmslos findet, während sie der reinen Milch stets fehlt, schon zur Erkennung des Wasserzusatzes hinzuführen. An und für sich wird ja ein Wasserzusatz zur Milch sogar häufig nöthig sein, wenn man dieselbe zum Beispiel kleinen Kindern geben will, und natürlich kann man einer Mutter, die ihrem Säugling die Milch ent- sprechend verdünnt, keine Fälschung vorwerfen. Die Benachtheiligung aber, die der Milchkäufer durch den Wasserzusatz seitens des Milch- producenten oder seitens des Miichhändlers erfährt, liegt einmal darin, dass die werthvollen, der Ernährung dienenden Bestandteile hierdurch verdünnt werden, der Käufer somit weniger davon erhält, als er in dem Glauben, reine Milch zu erhalten, bezahlt. Andererseits ist das zu- gesetzte Wasser aber meist von recht fragwürdiger Güte und Reinheit und kann so direct zu Gesundheitsschädigungen führen. Da sich ein be- deutenderer Wasserzusatz, besonders wenn derselbe zu an und für sich schon nicht sehr guter Milch erfolgt, sich leicht durch die durchsichtige bläuliche Farbe der so behandelten Milch verräth, so wird nicht selten durch Zusatz von Stärke, Mehl oder sogar von Gyps die Farbe wieder 41 aufgebessert. Natürlich ist der Nachweis dieser Körper unschwer zu er- bringen. Eine weitere und wohl die allerhäufigste betrügerische Manipulation, der die Milch unterworfen wird, ist die des Abrahmens. Bekanntlich ist die Sahne, das Milchfett das relativ Werthvollste an der ganzen Milch, da diese ja in ihrer Verarbeitung zu Butter sowie in ihrer Verwendung als Sahne und Schlagsahne viel begehrt ist. Es liegt also sehr nahe, dass man die Milch durch Abschöpfen des sich oben abscheidenden Fettes von einem Theil ihrer werthvollsten Nährsubstanzen beraubt. An und für sich ist ein derartiges Vorgehen durchaus nichts Ungerechtes und geschieht in allen Molkereien, ja die moderne Technik hat sogar vortreff- liche Apparate ersonnen, mit Hilfe deren es möglich ist, das Fett aus der Milch so gut wie vollständig abzuscheiden. Die so mit Centrifugen ent- fettete Milch nennt man Magermilch. Unbedingt nöthig und zu verlangen ist es nun aber, dass der Käufer der Milch genau weiss, ob er säinmt- liche von vornherein in der Milch befindliche Bestandtheile der Milch auch wirklich erhält oder ob solche derselben entnommen worden sind. Daher fordert mit Recht die Behörde, dass jedes Milchgefäss eine genaue Be- zeichnung trägt, ob in derselben Magermilch oder Vollmilch enthalten ist. So kann sich der Käufer genügend orientiren und entweder eine Milch erstehen, die nur einen Theil der naturgemäss in ihr vorkommenden Nähr- stoffe enthält, oder aber eine, die in dieser Beziehung vollwerthig ist. Der Kauf von Magermilch bedeutet übrigens keinen Nachtheil, sondern vielmehr sogar einen Vortheil für den Käufer und ist daher armen Leuten anzurathen, denn der Marktpreis der Magermilch ist im Verhältnis zu den darin enthaltenen Nährstoff einheiten ein geringerer, wie die folgende Er- wägung zeigt: Ein Liter Vollmilch enthält in 30 Gramm Fett 273 Calorien, in 30 Gramm Eiweiss 123 Calorien und in 45 Gramm Milchzucker 184 Calorien, zusammen 580 Calorien; ein Liter centrifugirte Magermilch enthält etwa 3 Gramm Fett entsprechend 27 Calorien, wieder 30 Gramm Eiweiss mit 123 Calorien und 45 Gramm Milchzucker mit 187 Calorien, zusammen 333 Calorien. Es enthält also die Magermilch etwa 56 °/0 der hi der Voll- milch zu findenden Nährstoffe in Calorien, der Preis derselben ist jedoch nur wenig mehr als ein Drittel der Vollmilch, da nach der Regel für einen Liter gute Vollmilch 18, für einen Liter Magermilch nur 7 Pf. gezahlt werden. Die Magermilch ist somit nicht nur absolut, sondern auch relativ billiger als die Vollmilch. Freilich muss das dabei weniger verabreichte Fett auf andere Weise dem Organismus zugeführt werden. Ganz anders ist die Entrahmung natürlich zu beurtheilen, wenn dieselbe ohne Vorwissen des Käufers geschehen ist, wie dies überaus häufig vorkommt. Es sind daher gesetzliche Bestimmungen getroffen, die der Entrahmung der Milch Einhalt gebieten sollen. Doch leiden alle hierauf abzielenden Maassregeln unter der Schwierigkeit, sie exact durchzuführen. Da nämlich der Fett- gehalt bei verschiedenen Kühen — und um Kuhmilch handelt es sich ja so gut wie ausschliesslich — nach Rasse und Ernährungsart äusserst ver- schieden ist, so lässt sich natürlich keine Zahl finden, die wirklich als stricte Grenze aufgefasst werden kann, bis zu der der Fettgehalt in minimo sinken darf. An verschiedenen Orten ist diese Grenze verschieden hoch angenommen, hier bei uns beträgt dieselbe zur Zeit 3 °/0. Enthält also eine Milch weniger als 3 °/0 Fett, so wird angenommen, dass dieselbe ent- weder abgerahmt oder mit Wasser verdünnt worden ist. Nach beiden 42 Seiten hin wird diese Annahme freilich im einzelnen Falle falsch sein, können. Einmal steht es nämlich demjenigen Milchproducenten oder Milch- händler, dessen Milch etwa 3LI2 — 4 °/0 oder mehr Fett enthält, frei, seine Milch bis auf einen Fettgehalt von 3 °/0 abzurahmen, ohne dass er für diese That Entdeckung oder Strafe zu erwarten hat, andererseits kann es aber auch Vorkommen, dass eine Milch wirklich nur 2,9 oder sogar noch weniger Fett enthält, ohne dass irgend ein betrügerischer Eingriff erfolgt ist, und der Betreffende kann somit in den falschen Verdacht der Milchpanscherei kommen. Die Controle der Milch erfolgt hier durch Beamte der Wohlfahrtspolizei, die alle diejenigen Milcharten, die ihnen verdächtig erscheinen, der Behörde zur Vornahme der chemischen Analyse anzuhalten haben. Zur vorläufigen Bestimmung des Fettgehaltes an Ort und Stelle der Entrahmung dienen calorimetrische Methoden, verbunden mit der Bestim- mung des specifischen Gewichts. Alle diese Methoden sind vollkommen un- genügend und es steht zu erhoffen, dass seitens der Wohlfahrtspolizei nunmehr eine neue zur Einführung gelangt, die allen Anforderungen, die man an eine marktpolizeiliche stellen darf, genügt, und zwar sowohl in Bezug auf die Einfachheit und Schnelligkeit in der Ausführung, als auch in Bezug auf die Genauigkeit. Es ist dies die Gerber’sche Methode, die vermittelst einer Hugershoff’schen Centrifuge volumetrisch den Fettgehalt der Milch ermittelt. Es werden zu diesem Zwecke in bestimmten graduirten Messgefässen 11 Cubikcentimeter Milch mit 10 Cubikcentimeter concentrirter Schwefelsäure versetzt und hierdurch die Eiweisskörper zunächst ausgefällt und alsdann wieder zur Lösung gebracht; hierauf wird 1 Cubikcentimeter Amylalkohol zugesetzt, der das Fett in durchsichtiger Flüssigkeit löst, und das Gemisch gut centrifugirt. Man vermag in kurzer Zeit den Fettgehalt direct abzulesen. Die ganze Methode gestattet, eine grosse Anzahl von Bestimmungen zu gleicher Zeit vorzunehmen, und ich kann aus vielen Hunderten von Unter- suchungen, die ich auf diese Weise mit der Milch verschiedener Thierarten vorgenommen habe, bestätigen, dass die Bestimmung eine überaus genaue ist, die mit den gewichtsanalytisch gefundenen Besultaten sehr gut überein- stimmt. Die Abrahmung der Milch hat uns schon darauf hinweisen lassen, dass manche Milch nur sehr wenig Fett enthält; und solche Milch, die von vornherein sehr fettarm ist, müssen wir als minderwerthig bezeichnen. Statt im Melkeimer verdünnen nämlich manche Milchproducenten die Milch schon im Euter des Thieres, indem sie demselben eine wasserreiche, an festen Bestandth eilen, vor Allem an Fett arme Nahrung gewähren. Auf diese Weise bringen sie die Kühe dahin, viel, aber fettarme Milch zu geben. Die Grossconsumenten wissen sich nun neuerdings sehr gut gegen derartige Manipulationen zu schützen, indem sie die Milch nicht mehr per Liter, sondern nach dem gelieferten Fett bezahlen. Sie untersuchen jeden Tag auf die vorhin angedeutete Weise die zur Ablieferung gebrachte Milch und bezahlen dieselbe je nach ihrem Fettgehalte mit höherem oder geringerem Preise. Eine immer weitere Verbreitung dieser Maassnahmen lässt er- hoffen, dass die Landwirthe mehr und mehr auch in ihrem Interesse darauf sehen werden, eine fetthaltige Milch zu produciren. Als minderwerthig ist ferner ausnahmslos alle Milch zu bezeichnen, die von kranken Thieren stammt. Dem Laien erscheint dies eigentlich ganz selbstverständlich, doch ist man in Wirklichkeit noch sehr weit davon entfernt, diese Forderung des Hygienikers anzuerkennen. Ja, vor 43 nicht langer Zeit hat ein Oekonom in der vom preussischen Ministerium zur Besprechung dieser Fragen zusammengerufenen Commission erklärt, dass bei Durchführung einer solchen Forderung die Landwirthe es sich wohl überlegen würden, weiter Milchwirthschaft zu betreiben. Diese Behauptung entbehrt jeder Berechtigung, denn diejenigen Oekonomen, die ausschliesslich gesundes Vieh zur Milchgewinnung benutzen, machen hierbei brillante Geschäfte. Betrübend ist allerdings die Thatsache, dass es in ganz Deutschland wohl kaum ein Dutzend Ställe giebt, in denen nur gesundes Vieh steht. Bei den meisten Ställen leiden ein Drittel, die Hälfte oder noch mehr Thiere an der Perlsucht, dieser der Tuberkulose des Menschen entsprechenden Krankheit, welche in gar nicht zu seltenen Fällen auch wirklich auf diese Weise eben durch den Genuss der rohen, von perlsüchtigen Thieren stammenden Milch auf den Menschen übertragen wird. Ebenso können auch die Erreger anderer Seuchen auf den Menschen überschleppt werden. Ebenfalls als minderwerthig ist alle diejenige Milch zu bezeichnen, die nicht sauber gemolken und nicht zweckentsprechend aufbewahrt wird. Schon was die Reinlichkeitsverhältnisse in den Ställen anbelangt, so be- kommt man da manchmal fast Unglaubliches in Bezug auf Unreinlichkeit zu sehen. Ein Herkules würde da an der Möglichkeit einer Säuberung verzagen. Der Volksmund rechnet übrigens hiermit schon als einer fest- stehenden Thatsache und nennt eben einen besonders schmutzigen Ort einen Stall. Dieses Vorurtheil zu widerlegen ist der erste Schritt auf dem Wege der Besserung. Es ist nämlich eine durch die Erfahrung immer wieder bestätigte Thatsache, dass durch Unsauberkeit bei der Gewinnung und der Auf- bewahrung der Milch die Haltbarkeit derselben nachtheilig beeinflusst wird. Es kommen, wenn man nicht die nöthigen Vorsichtsmaassregeln bewahrt, in die von Haus aus keimfreie Milch zahlreiche Mikroorganismen hinein, die sich in dem für ihre Entwickelung sehr geeigneten Nährboden, zumal wenn die Aussentemperatur hierzu günstig ist, schrankenlos vermehren. Hierbei findet eine Veränderung statt, die der regelmässig im Magen ein- tretenden bis zu einem gewissen Grade ähnelt; nämlich auch durch die Vermehrung der Mikroorganismen kann es zu einer Gerinnung der Milch kommen, indem der Milchzucker in Milchsäure gespalten wird. Ist auf diese Weise eine bestimmte Menge Milchsäure entstanden, so kommt es durch dieselbe ebenso zur Gerinnung der Milch, wie durch die Salzsäure des Magens. Andere Keime wieder, die durch Unsauberkeit in die Milch gelangen können, sind noch verhängnisvoller gerade dadurch, dass sie keine Säurebildner sind; sie vermehren sich, ohne zur Gerinnung zu führen. Gerade die Gerinnung der Milch ist aber auch dem Laien ein deutlicher Hinweis darauf, dass die betreffende Milch verdorben ist. Im Uebrigen ist es ja bekannt, dass auch eine sauer gewordene Milch sich sehr gut zur Nahrung eignen kann und von manchen Menschen sehr gern genommen wird. Gefährlich ist aber jede angesäuerte Milch für kleine Kinder, die auf den Genuss derselben schwer zu erkranken pflegen. Für diese und ebenso für Erwachsene kann aber eine nicht sauere Milch auch im höchsten Grade schädlich sein, wenn dieselbe die vorhin erwähnten anderen Keime enthält. Von der Zahl der Mikroorganismen, die sich in der Kuhmilch finden, wenn diese nicht sauber gemolken worden ist, kann sich der mit diesen Verhältnissen nicht Vertraute kaum eine Vorstellung machen. So 44 kann es Vorkommen, dass in einer Milch, die noch nicht einmal so weit verdorben ist, dass sie durch Gerinnung Jedermann als minderwerthig ins Auge fällt, im Cubikcentimeter 15 Millionen Keime enthalten sind. Ausser den Keimen enthält jedoch eine unsauber gemolkene Milch auch noch eine beträchtliche Menge anderer directer Verunreinigungen. Auf diese That- sache ist zuerst von einem Mitgliede unserer Gesellschaft, Herrn Professor Renk, mit dem nöthigen Nachdruck hingewiesen und zugleich eine Methode ausgesonnen worden, mit Hülfe derselben es leicht gelingt, die Menge des Milchschmutzes zu bestimmen. Es ist nun die Pflicht des Milchproducenten, uns eine Milch zu liefern, die möglichst wenig Keime und möglichst wenig Milchschmutz enthält. Die ideale Forderung, ganz keimfreie und reinliche Milch zu erhalten, würde sich ja doch vorläufig noch nicht realisiren lassen, den guten Willen hierzu könnte man aber wenigstens verlangen. Die Ställe müssten luftig gebaut sein, und ebenso wie unsere Wohnungspolizei darauf sieht, dass in keinem Raume mehr Menschen zusammengepfercht werden, als hygienisch gedacht darin Platz haben, ebenso müsste jedem Landwirth, der die Milch seiner Kühe zu Markt bringen will, genau vorgezeichnet sein, wie geräumig und wie hoch sein Stall sein muss. Ebenso erwächst der Behörde meines Erachtens die Pflicht, die Entwässerungs- und Ent- kothungsvorrichtungen zu überwachen. Mindestens einmal am Tage ist der helle geräumige Idealstall sorgfältig zu reinigen. Vor dem Melken sind die Euter der Thiere ahzuwaschen, desgleichen die Hände des Melkenden sorgfältigst zu säubern. Das übliche schmutzige Kostüm, das die Schweizer oder Kuhmägde dabei zu tragen pflegen, vermag den Appetit auf die so gemolkene Milch auch nicht zu erhöhen und die Haltbarkeit der Milch nicht günstig zu beeinflussen. Man wird dem melkenden Personal zweck- entsprechend weisse Kittel zum Anziehen geben und schliesslich auch noch dafür Sorge tragen, dass die Kuh nicht mit ihrem Schwänze die Milch zu verunreinigen vermag. Die ersten Striche lässt man nicht in den Melk- eimer, sondern in ein extra Gefäss, da diese ersten Portionen der Milch noch die in den Milchgängen sitzenden Unreinlichkeiten mit enthalten. Dieselbe kann an die Schweine verfüttert werden oder ist sofort abzu- kochen, um dann auch noch für menschlichen Gebrauch geniesshar zu sein. Die Gefässe, in welche hinein gemolken wird, müssen peinlichst sauber, wenn möglich durch Auskochen oder Sterilisiren im Dampfe keimfrei gemacht sein. Die gemolkene Milch ist sofort zuzudecken und andauernd zugedeckt zu halten, auch das Umschütten in andere Gefässe möglichst zu vermeiden. Aeusserst wichtig ist ferner, dass die Milch sofort nach dem Melken nach Möglichkeit abgekühlt wird, jedenfalls soll die Temperatur, auf der sie erhalten wird, nicht über 8 Grad Celsius liegen, denn es entwickeln sich hei einer derartig niedrigen Temperatur die eventuell doch in die Milch gelangten Keime gar nicht oder doch nur spärlich und langsam. Auch beim Transport in das Haus des Abnehmers und bis zum Consum soll die Milch andauernd auf gleicher Temperatur erhalten werden. Eine so ge- wonnene Milch — natürlich unter der Voraussetzung, dass sie ausschliess- lich von gesunden Thieren stammt, ist als tadellose Milch zu bezeichnen und könnte innerhalb 24 Stunden nach der erfolgten Gewinnung anstands- los von Gross und Klein sogar in unabgekochtem Zustande genossen werden. Freilich in der Wirklichkeit, da wird es heute wohl kaum irgendwo eine Milch gehen, die diesen idealen Anforderungen entspricht. Ich freilich für meine Person zweifle nicht daran, dass wir noch einmal hierzu ge- / 45 langen werden. Wie viel Zeit bis dahin vergehen wird, wie viele Tausende von Kindern vorher noch zu Grunde gehen werden, bis man durch Schaffung der nöthigen Thierseuchen- und Milchhandelsgesetze die erwünschte Sicher- heit hierin schaffen wird, das steht dahin. An unermüdlichen Mahnern wird es nicht fehlen. Natürlich wird es nicht möglich sein, all den auf- gestellten Forderungen auf einmal gleich Geltung zu schaffen. Zweierlei thut aber eiligst Noth; einmal nämlich, dass wenigstens diejenige Milch, die unter dem Namen Kindermilch verkauft wird, im Wesentlichen den oben aufgestellten Grundsätzen entsprechend gewonnen werden muss; denn jetzt bedeutet die Bezeichnung Kindermilch vielfach weiter nichts, als dass das betreffende Product theurer ist als andere Milch. Zum anderen aber müssten staatliche oder städtische Musterställe eingerichtet werden, in denen den Landwirthen gezeigt wird, wie man eine ideale Milch gewinnen kann, und aus denen nicht nur für die entsprechenden Krankenanstalten eine einwandfreie Milch ge- wonnen wird, sondern auch die ärmeren Bevölkerungsschichten mit einem tadellosen und preiswerthen Product besonders zum Zwecke der Säuglingsernährung versorgt werden könnten. Da ja viele Städte Landbesitz haben, ist der Gedanke jedenfalls ausführbar. Heute sind wir nun noch sehr weit davon entfernt, diese Idealmilch zu einem Idealpreise uns im städtischen Musterstall holen zu können, wir müssen also erwägen, wie wir uns vor den Gefahren schützen können, die uns aus dem Genüsse weniger subtil gewonnener Milch drohen. Bis zu einem gewissen Grade giebt uns nun das Abkochen und noch mehr das Sterilisiren eine relative Sicherheit, da ja bei einer höheren, dem Siede- punkt nahe liegenden Temperatur die meisten Mikroorganismen zu Grunde gehen. Freilich verliert die Milch durch das Kochen und Sterilisiren in ganz beträchtlichem Grade an Nährwerth. Ganz neuerdings hat man übrigens auf einem dem Kochen gerade entgegengesetzten Wege eine Ver- besserung der einschlägigen Verhältnisse erstrebt, indem man die Milch unmittelbar nach dem Melken zum Gefrieren gebracht hat. Dadurch kann man die Milch auch beliebig lange haltbar machen und milcharme Gegenden durch die Milch aus milchreichen Gegenden entsprechend ver- sorgen. In einer sehr geschickten Weise benutzt die Firma Gebr. Pfund bereits diese Verbesserung der Molkerei-Technik, indem sie in die Milch, die sie auf ihren Wagen zu den Kunden fahren lässt, solche Stücken ge- frorene Milch hineinwirft. Hierdurch wird die Temperatur der Milch herabgedrückt und die Wahrscheinlichkeit ihres Verderbens herabgesetzt. Ich bin am Schlüsse meiner Auseinandersetzung; sollte dieselbe den Er- folg haben, dass Sie mit mir die enorme Wichtigkeit der Milch als Nahrungs- mittel anerkennen, und dass Sie Jeder von seiner Stelle aus die Besserung besserungsbedürftiger Zustände in Bezug auf Gewinnung und Vertrieb derselben erstreben wollen, so hat dieselbe in vollstem Maasse ihren Zweck erreicht. Sitzungsberichte der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft ISIS in Dresden. 1898, I. Section für Zoologie. Vierte Sitzung am 6. October 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. H. Nitsche. — Anwesend 40 Mitglieder. Prof. Dr. 0. Schneider überreicht durch Vermittelung des Vorsitzen- den für die Bibliothek der Gesellschaft ein Exemplar seiner neuesten Arbeit: Die Thierwelt der Nordsee-Insel Borkum unter Berück- sichtigung der von den übrigen ostfriesischen Inseln bekannten Arten. (Sonder -Abdruck aus den Abhandl., herausgeg. vom naturwissenschaftl. Verein zu Bremen, Bd. XVI, Heft 1.) Lehrer A. Jenke zeigt verschiedene von ihm im Zimmer gezüchtete Entwickelungsstufen der Blutlaus, Schizoneura lanigera , vor. Dr. P. Wagner legt einige sogenannte Billensteine aus dem Starn- berger See vor und bespricht die augenblicklichen, noch nicht ganz ge- klärten Anschauungen über deren Entstehung, welche meist der Thätig- keit von Insectenlarven zugeschrieben wird. Prof. Dr. H. Nitsche berichtet über seine zoologischen Reise- eindrücke aus England. Der Vortragende hat an dem vierten internationalen Zoologencongresse, der Ende August in Cambridge tagte, theilgenommen, das Rothschildmuseum zu Tring, den Hirsch- park des Herzogs von Bedford, den zoologischen Garten und die grossen Sammlungen zu London, sowie das Aquarium in Brighton besucht und schildert in zwangloser Plauderei die so gewonnenen reichen Eindrücke. Dr. J. Thallwitz berichtet über das Vorkommen des Ziesels, Spermophilus citillus , im sächsischen Erzgebirge. (Vergl. Abhand- lung VI.) Prof. Dr. H. Nitsche theilt mit, dass er kürzlich das Vorkommen des Moderlieschens, Leucaspius delineatus, und des Bitterlings, Rhodens amarus, in einigen der Moritzburger Teiche, im Jäger- teiche und oberen Altenteiche feststellen konnte. Herr K. Schiller legt mikroskopische Präparate kleiner Crustaceen aus der Elbe vor, besonders aus den Gattungen Cyclops und Daphnia. Fünfte Sitzung am 1. Deceinber 1898 (in Gemeinschaft mit der Section für Botanik). Vorsitzender: Prof. Dr. H. Nitsche. — Anwesend 32 Mitglieder. Dr. J. Grosse überreicht durch den Vorsitzenden für die Bibliothek der Gesellschaft einen Abdruck seines in der Gesellschaft für Natur- und 20 Heilkunde in Dresden gehaltenen und in deren Jahresberichte 1897 — 98 veröffentlichten Vortrags: Leuckart in seiner Bedeutung für die Natur- und Heilkunde. Dr. J. Thallwitz spricht über Hydroidpolypen und Medusen des Mittelmeeres und erläutert seinen Vortrag durch zahlreiche mikrosko- pische Präparate und Wandtafeln. Er giebt ferner auf Anregung von Prof. Dr. 0. Drude Auskunft über die bei der Herstellung der Präparate angewandten Methoden. Anschliessende Bemerkungen machen Prof. Dr. R. Ebert und Prof. Dr. H. Nitsche, welch’ Letzterer berichtet, dass es neuerdings Hickson ge- lungen ist, auch bei Hydroidpolypen mit Kalkskelett, bei der so variabeln Gattung Millepora , medusoide und zwar männliche Geschlechtsindividuen nachzuweisen. Dr. B. Schorler spricht im Anschluss an R. Chodat: Rtudes de biologie lacustre (Genf 1898) über Kalkalgen des Süsswassers und ihre Be- ziehungen zu den sogenannten „Furchensteinen“. Zu der noch nicht endgiltig gelösten Frage über die Entstehung der letzteren sprechen Dr. P. Wagner, Prof. Dr. H. Nitsche und Prof. Dr. 0. Drude. II. Section für Botanik. Vierte Sitzung am 20« October 1898 (in Gemeinschaft mit der Section für Zoologie). Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 39 Mitglieder und 2 Gäste. Prof. Dr. 0. Drude hält einen Vortrag über die Resultate bota- nischer Reisen in Sachsen und Thüringen. (Vergl. Abhandlung V.) Die Reisen bezweckten das Studium des pflanzengeographischen Charakters des hercynischen Ländergebietes für das vom Vortragenden in Angriff genommene Buch: Grundzüge der Pflanzenverbreitung im hercynischen Berg- und Hügellande, welches einen Theil der in der „Vegetation der Erdeu von Engler- Drude erscheinenden (etwa .12) pflanzengeographischen Monographien des deutschen Ländergebietes bilden wird. Der Vortragende betont schliesslich das Bedürfniss, zur Erhöhung des Verständ- nisses für das organische Leben in den uns zunächst umgebenden Ländern auch die Verbreitungsverhältnisse der Thiere mit den getroffenen pflanzengeographischen Ein- theilungen in Vergleich zu bringen und zu erproben, in wie weit deren Lebensbedin- gungen an die Existenz bestimmter Formationen geknüpft sind, welche nur einzelnen Landschaften angehören (z. B. steppenartig bekleidete Geröllhänge, Hochmoore, Gebirgs- wald u. s. w.). Dr. B. Schorler berichtet über steinzerstörende Algen, deren Wirkung Vielen bis dahin als Spuren von thierischer Thätigkeit er- schienen war. Vergl. auch die zoologisch -botanische Section vom 1. December d. J. Fünfte Sitzung am 8. December 1898 (Floristenabend). Vorsitzender: Oberlehrer K. Wobst. — Anwesend 28 Mitglieder. Prof. Dr. 0. Drude legt vor und bespricht eingehend die Schrift von W. M ei gen: Die deutschen Pflanzennamen, Berlin 1898, und macht ferner 21 eine kurze Mittheilung über eine vortreffliche süddeutsche Localflora von Dr. R. Gradmann: Pflanzenleben der Schwäbischen Alb, 2 Bände, Tübingen 1898; über dieselbe soll später ausführlicher berichtet werdeo. Hierauf hält Lehrer H. Stiefelhagen seinen angekündigten Vortrag: Neue Carex- Formen und -Hybriden und erläutert denselben durch viele von ihm selbst gesammelte charakteristische Belegexemplare. Zum Schlüsse berichtet Dr. B. Schorler über Bereicherungen der Flora Saxonica und bringt die im K. Herbarium eingegangenen zahl- reichen Pflanzen zur Vorlage. (Vergl. Abhandlung VII.) III. Section für Mineralogie und Geologie. Vierte Sitzung am 3. November 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kalkowsky. — Anwesend 42 Mitglieder und Gäste. Dr. W. Bergt bespricht die Abhandlung von H. Credner: Die säch- sischen Erdbeben während der Jahre 1889 — 97 (K. S. Ges. d. Wissensch. math.-phys. CI. Bd. 24). Prof. Dr. E. Kalkowsky macht auf einen neuen Aufschluss im Diluvium beim Schnittpunkte der Reichenbach- und Franklinstrasse in Dresden aufmerksam; derselbe legt einige für das K. Mineralogische Museum neu erworbene Mineralien vor und berichtet über einige Verände- rungen im K. Mineralogisch -geologischen Museum. Fünfte Sitzung am 15. December 1898. Vorsitzender: Privatdocent Dr. W. Bergt. — Anwesend 32 Mitglieder. Oberlehrer Dr. R. Nessig hält seinen angekündigten Vortrag über Graphit-Vorkommnisse im Lausitzer Granit südlich von Dresden. IV. Section für prähistorische Forschungen. Zweite Sitzung am 17. November 1898. Vorsitzender: Dr. J. Deich- müller. — Anwesend 28 Mitglieder und Gäste. Dr. J. Deichmüller hält einen Vortrag über die Vorgeschichte Sachsens. Zur Vorlage kommen hierbei merovingische Funde aus Skelettgräbern und die Ab- bildung eines Hacksilberfundes aus Sachsen. Lehrer H. Döring spricht über Prähistorisches aus dem Mulden- thal zwischen Nossen und Rosswein. Der Vortragende berichtet über die von ihm auf einer prähistorischen Excursion gewonnenen Beobachtungen, welche sich auf die bereits von Preusker (Blicke in die vaterländische Vorzeit III, S. 230) erwähnten Burg wälle auf dem Rodig bei Nossen, auf dem Burgberg bei Gleisberg und der Wund er bürg bei Rosswein erstrecken. 22 Bei wiederholten Besuchen der genannten Oertlichkeiten stellte sich der Vortragende die Aufgabe, auch andere hervortretende Höhen der Thalgehänge zu besichtigen und auf das Vorhandensein von Burgwällen hin zu prüfen. Es gelang ihm hierbei, ganz nahe bei Nossen einen in der Litteratur der Alterthumswissenschaft noch unbekannten Wall, der selbst von den nächsten Anwohnern nicht gekannt war, aufzufinden. Die Höhe wird in der Gregend als Texeisberg, Dechantsberg oder Diegensberg bezeichnet und liegt den Buinen des Klosters Altzella direct gegenüber. Der Burgwall liegt auf steiler Felshöhe an der Mulde ca. 50 m über dem Wasser- spiegel des Flusses. Die Felswände des Muldenthaies werden hier von Diabastuffen oder Schalsteinen gebildet und gehören den cambrischen Grünsteinen an. Auf der direct über einem Steinbruch liegenden Höhe wurde ein 190 Schritt langer, unregelmässig geformter Wall vorgefunden, der den Innenraum nach W, N und 0 schützt, während nach S hin der Steilabsturz natürlichen Schutz bietet. Der Wall hat eine Höhe von 1,5 m und wird an zwei Seiten durch verschlacktes Gestein gebildet, an der Nord- seite dagegen ist ein Erd wall zu erkennen. Es konnte leider wegen des dichten Wald- bestandes nicht festgestellt werden, ob unter demselben der Schlackenwall verborgen liegt. Das Auftreten der verschlackten Masse beschränkte sich nicht blos auf einzelne, aus verschiedenen Stücken zusammengeschmolzene Klumpen, wie man sie auf Burg- wällen fast, überall findet und als „Burgwallschlacke“ bezeichnet, sondern es ragen hier gemäuerartige Schlackenmassen aus dem Waldboden hervor, sodass man wohl die Anlage einen Schlackenwall nennen darf. Bisher sind innerhalb des Königreichs Sachsen drei derartige Wälle aufgefunden worden und zwar auf dem Stromberge bei Weissenberg, auf dem Rothstein und auf dem Löbauer Berge. Die Annahme, dass verschlackte Wälle innerhalb Sachsens nur in der Lausitz auftreten, ist nach Auffindung des Schlacken- walls auf dem Texeisberge bei Nossen als eine irrige zu bezeichnen. Auf dem Walle wurden keinerlei Artefacte gefunden. In einer Entfernung von 70 Schritt nach N zeigten sich zwei parallele Wallgräben, welche in der Richtung von NO nach SW sich zur Muldenaue hinabsenken. Die Ge- sammtlänge der Gräben beträgt 356 Schritt. Die Anlage wird von der Nossen -Lom- matzscher Bahnlinie so geschnitten, dass auf den nordöstlichen Theil 220 Schritt und auf den südwestlichen 135 Schritt kommen. Die Tiefe des äusseren Grabens beträgt ca. 2V8 m, die des inneren dagegen 1 m. Der zwischen beiden Gräben gelegene Wall ragt nicht über das Niveau des Waldbodens hervor. Da die hier beobachtete Erscheinung von den auf Burgwällen sonst vorhandenen Wallanlagen wesentlich abweicht, so ist eine sichere Deutung zur Zeit nicht möglich. Wahrscheinlich stammt die Anlage nicht aus der urgeschichtlichen, sondern aus früh- geschichtlicher Zeit und wurde nicht zum Zwecke der Abwehr von Feinden, sondern zur Abgrenzung eines grösseren Besitzgebietes angelegt. Es könnten die parallel ver- laufenden Gräben demnach als eine Art Limes oder Grenzgräben betrachtet werden. Derartige Parallelgräben sind in der Gegend noch häufig anzutreffen, z. B. zwischen Kammergut Altzella und der Chaussee, an der „Alten Zelle“ im Zellwald (Semmelflügel), am neuen Wege nach Siebenlehn und an der Grube „Gesegnete Bergmanns Hoffnung“ in Obergruna. Der Zellwald bietet noch manche räthselhafte Erscheinung und stellt sowohl dem Historiker als auch dem Urgeschichtsforscher manche Aufgabe, deren Lösung der Zu- kunft Vorbehalten bleiben wird. Das reiche Urkundenmaterial aus dem Cistercienser- kloster Altzella vermag vielleicht noch über die frühgeschichtliche Zeit jener Gegend einiges Licht zu verbreiten, sodass ein Schein desselben auch dem Prähistoriker zugute kommt. In der Nähe der „Alten Zelle“ im Zellwald fand der Vortragende noch Scherben von spätslavischem Typus. Hier mögen am Ufer des Pietschbaches die slavischen Bewohner bis ins zwölfte Jahrhundert gewohnt haben. Darauf deutet die älteste Klosteranlage hin, welche zwischen 1141 und 1146 sich hier befand. Diesen ersten Versuch, den Wald zu lichten und das Land anzubauen und vor Allem die heidnischen Bewohner zu bekehren, machten die schwarzen Mönche (also Brüder vom Benedictinerorden). Tammo von Strehla, der das Stück Wald vom Bisthum Meissen zu Lehen hatte, gab es unter Einwilligung des Bischofs Meginward an die schwarzen Mönche ab. Das hier erbaute Kloster war der heiligen Walpurgis gewidmet, wurde aber wegen der Rauhigkeit der Gegend von den Mönchen bald wieder verlassen. Das 1162 gegründete Cistercienserkloster Altzella wurde an anderer Stelle, näm- lich an der Mündung des Pietschbaches in die Mulde errichtet, also da, wo wir heute die Klosterruinen bemerken. Die schwarzen Mönche, also jene ersten Ansiedler 23 hatten sich die Bekehrung der Wenden zur besonderen Aufgabe gemacht. Sie mögen also wohl durch die Anwesenheit der Slaven am Pietschbache zu jener Niederlassung im Zellwald veranlasst worden sein. — Möge es der vergleichenden For- schung gelingen, das Dunkel, welches über der Urgeschichte dieser Gregend liegt, zu durchdringen. Zum Schluss wird ein schönes Räuchergefäss aus dem Urnenfeld von Stetzsch aus der Sammlung des Lehrers 0. Ebert vorgelegt. V. Section für Physik und Chemie. Yierte Sitzung am 10. November 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. F. Fo erster. — Anwesend 50 Mitglieder und Gäste. Prof. Dr. R. Möhlau hält einen Vortrag über neue Anwendungs- formen der Cellulose und erläutert seine Ausführungen durch Versuche und zahlreiche Vorlagen. Die neuere Richtung der Textilindustrie erhält ihr Gepräge wesentlich dadurch, dass sie die Cellulosefaser chemisch umzuwandeln sucht Sie fusst damit in erster Linie auf der Entdeckung John Mercer’s, welcher zeigte, dass die Cellulosefaser durch Be- handeln mit Natronlauge tiefgreifende Veränderungen erfährt. Die Faser wird stärker und kürzer, ihre Wand verdickt sich, während das Lumen auf ein feines Capillarrohr zusammenschrumpft ; zugleich ist aber auch ihre Affinität gegenüber Farbstoffen grösser geworden. Praktische Bedeutung erhielten die Mercer’schen Versuche zunächst durch Depouilly, welcher die Schrumpfung der Baumwollenfaser bei Einwirkung von Natronlauge benutzte, um einen Kreppeffect der Gewebe zu erreichen. Es gelang ihm, diesen Effect auch auf reinem Baumwollengewebe durch streifenweises Bedrucken mit Natronlauge zu erzielen unter Anwendung einer entsprechend aufgetragenen Reserve aus Leinöl und Gummi arabicum. Thomas und Prevost ferner vermochten der Baumwolle einen seidenartigen Glanz zu ertheilen, indem sie durch Ausrecken während des Mercerisirens die Schrumpf- ung der Faser verhinderten und darauf in ausgerecktem Zustande auswuschen. Nur gewisse Baumwollsorten erwiesen sich für diesen Zweck geeignet, namentlich die ägyp- tische Baumwolle. Die nähere Untersuchung zeigt, dass die betreffenden Sorten eine leicht veränderliche Cuticula besitzen, welche bei dem Spannungsprocess jedenfalls sich mechanisch loslöst. Als ein weiteres Product der chemischen Umwandlung von Cellulose tritt sodann die Viscose auf, ein lösliches Cellulosexanthogenat, welches sich beim Behandeln der Faser mit Natronlauge und Schwefelkohlenstoff ergiebt. Dieses Präparat lässt sich leicht beliebig formen und ermöglicht auch die einfache Herstellung sogenannter Opalin- artikel, da sich auf Geweben, welche mit Viscose bedruckt wurden, schon durch die Trockenwärme regenerirte Cellulose unabwaschbar ausscheidet. Die von de Chardonnet aus Collodium erhaltene sogenannte künstliche Seide besitzt leider wenig Zugfestigkeit, besonders im feuchten Zustande. Als neuestes Cellulosepräparat erscheint das Pegamoid, ein aus Nitrocellulose gewonnener Lederersatz, sehr widerstandsfähig gegen Wasser und Seifen, infolge seiner glatten Oberfläche nicht schmutzend. Durch dünnes Aufträgen des Pegamoids auf Ge- webe erhält man Stoffe mit seidenartigem Glanz, durch Aufträgen einer dickeren Schicht wachstuchartige Stoffe. Prof. Dr. R. Heger macht Mittheilungen über zwei optische Be- obachtungen in den Alpen. An dem durch besonders klares Wasser ausgezeichneten Karersee erschien — von einem Boote aus gesehen — in sehr auffälliger Weise das Brechungsbild wagerechter Stellen des Bodens in Gestalt einer unter dem Boote vertieften Schüssel mit breitem, flachem, dem Spiegel rasch sich näherndem Rande. Die beim Durchgang durch eine 24 ebene Grenzfläche zweier Mittel gebrochenen Strahlen eines Punktes A sind bekanntlich nach der Brechung nicht mehr Strahlen eines Punktes, selbst nicht, wenn man sich auf Betrachtung eines sehr dünnen Kegels beschränkt (des in die Pupille gelangenden Lichtes) ; das dünne Strahlenbüschel, das in einer Ebene enthalten ist, die zur brechenden Ebene senkrecht steht, ergiebt einen wesentlich anderen Bildpunkt, als die Mantellinien des Umdrehungskegels, der den mittleren dieser Strahlen als Mantellinie, A zur Spitze und auf der brechenden Ebene einen Parallelkreis hat. Nach den Beobachtungen scheint das Auge den erstgenannten Bildpunkt zu bevorzugen. Die andere Beobachtung betrifft das Auftreten schöner Beugungserscheinungen beim Durchgänge des Sonnenlichtes durch Nadelbäume, besonders beim Auf- und Unter- gang der Sonne. Erheblich über der Geraden Sonne-Beobachter stehende Bäume erscheinen in glänzender Gluth, anfangs orangegelb, mit bräunlicher Tönung der dichteren Theile, näher der Sonne weissglühend. Prof. Dr. F. Pockels macht auf ähnliche, aus der Litteratur bekannte Beobachtungen aufmerksam; auch in unseren Gegenden ist Gelegenheit, diese auffällig schöne Erscheinung wahrzunehmen, nur tritt sie infolge der geringeren Feinheit und Klarheit der Luft viel seltener und wohl kaum je so schön auf wie im Hochgebirge. Prof. Dr. F. Foerster berichtet über die Einwirkung von Chlor auf Alkalien, insbesondere über den Process der Chloratbildung und über die Deutung der Vorgänge bei der elektrolytischen Gewinnung von Kaliumchlorat. VI. Section für Mathematik. Vierte Sitzung am 13. October 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. K. Rohn. — Anwesend 13 Mitglieder. Prof. Dr. K. Rohn spricht über einige Eigenschaften der Curven dritter und vierter Ordnung, abgeleitet aus den Schnittpunkt- systemsätzen. In dem Vortrage werden zunächst in bekannter Weise die Schnittpunktssystem- sätze für ebene Curven abgeleitet, um dann an einzelnen Beispielen zu zeigen, wie mannigfach die Anwendung derselben sich gestalten kann. So folgt der Pascal’sche Satz für einen Kegelschnitt oder ein Geradenpaar daraus. Ebenso ergiebt sich der Satz: Schreibt man einem Kegelschnitt ein Achteck ein, so schneiden die ungeraden Seiten die geraden in acht Punkten eines neuen Kegelschnitts; beide Achtecke besitzen also die nämlichen ungeraden und die nämlichen geraden Seiten. Noch verschiedene andere Sätze über Kegelschnitte können aus jenen Sätzen abgeleitet werden. Für die Curven dritter Ordnung ergeben sich mit ihrer Hilfe folgende Resultate. Alle Kegelschnitte durch vier feste Punkte einer Curve dritter Ordnung schneiden diese in Punktepaaren, deren Verbindungslinien durch den nämlichen Punkt auf ihr, den Rest- punkt, gehen. Die drei reellen Wendepunkte einer solchen Curve liegen auf einer Ge- raden. Aus jedem Punkt der Curve kann man vier Tangenten an dieselbe legen; ihre Berührungspunkte liegen auf einem Kegelschnitt, der die Curve in jenem Punkt berührt. Die Verbindungslinien dieser vier Berührungspunkte schneiden sich paarweise auf der Curve dritter Ordnung. Im Speciellen liegen die Berührungspunkte der drei Tangenten aus einem Wendepunkte auf einer Geraden. Für die Curven vierter Ordnung führen die Schnittpunktssystemsätze zu den Systemen von viermal berührenden Kegelschnitten und den Doppeltangenten. Jedem System gehören sechs Doppeltangentenpaare an, die Berührungspunkte je zweier Paare liegen auf einem Kegelschnitt u. s. w. 25 Fünfte Sitzung am 8. December 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. K. Rohn. — Anwesend 11 Mitglieder. Dr. H. Gravelins spricht über einen Grundgedanken der Gylden- schen Störungstheorie. In einer kurzen historischen Einleitung werden die älteren Methoden zur Ermitte- lung der absoluten Störungen der Planeten nach ihren grundlegenden Principien skizzirt. Es wird gezeigt, dafs — ganz abgesehen von der keineswegs immer hinreichend ver- sicherten Convergenz dieser Methoden — der Grund dafür, dass diese Methoden für eine Darstellung der Störungen auf 50 bis 100 Jahre hinaus nicht ausreichen, in dem Festhalten der Kepler’schen Bahn auch für die gestörte Bewegung zu suchen ist. In- dem der Vortragende eine Darlegung der Gylden’schen Integrationsmethoden und Con- vergenzbeweise für später sich vorbehält, entwickelt er, vom Begriff der periplegmati- schen Curve ausgehend, die Gleichung der absoluten Bahn Gylden’s. Prof. Dr. K. Rohn zeigt mit Hilfe eines Satzes von den perspectiven Figuren eine einfache Methode, den Krümmungskreis an einem d'er fünf gegebenen Punkte eines Kegelschnitts zu con- struiren. Die Construction erfordert nur das Zeichnen von Parallelen und Normalen. VII. Hauptversammlungen. Achte Sitzung und Excursion am 29. September 1898. Am Nachmittag dieses Tages besichtigten 20 Mitglieder die Hof- kunstmühle und Oelfabrik von T. Bienert in Plauen b. Dr., deren Einrichtungen ihnen in der zuvorkommendsten Weise durch Ingenieur F. Pleissner erläutert wurden. Hieran schloss sich eine Hauptversammlung im Rathskeller- Restaurant zu Plauen, in welcher unter Vorsitz von Prof. H. Engel- hardt geschäftliche Angelegenheiten erledigt werden und Dr. J. Deichmüller die von ihm auf Veranlassung des K. Ministeriums des Innern entworfene „Belehrung und Anweisung über die den urgeschicht- liehen Alterthümern zu widmende Beachtung und Fürsorge“, Dresden 1898, vorlegt. Neunte Sitzung am 27. October 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. — Anwesend 64 Mitglieder und Gäste. Dr. med. A. Schlossmann hält einen Vortrag über seine Reise nach Spanien und erläutert denselben durch eine grosse Anzahl von Photo- graphien und Projectionsbildern. Zehnte Sitzung am 24. November 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. — Anwesend 51 Mitglieder und Gäste. Zunächst werden die Beamten der Gesellschaft für das Jahr 1899 gewählt. (Vergl. die Uebersicht auf Seite 28.) Hierauf wird beschlossen, Geh. Hofrath Prof. Dr. G. Zeuner zu seinem 70. Geburtstage die Glückwünsche der Gesellschaft durch den Vorstand in 26 Gemeinschaft mit dem ersten Secretär und dem Bibliothekar überbringen zu lassen. Geh. Hofrath Prof. Dr. M. Krause spricht nun über Universität und Technische Hochschule. An den Vortrag schliesst sich eine lebhafte Debatte. Elfte Sitzung am 22. December 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm. — Anwesend 54 Mitglieder und Gäste. Der Vorsitzende giebt eine Uebersicht über den gegenwärtigen Mit- gliederbestand der Gesellschaft, nach welcher die Zahl der wirklichen Mitglieder gegen das Vorjahr um 19 gewachsen (z. Z. 230), die der Ehren- mitglieder um 6 (28) und die der correspondirenden Mitglieder um 3 (132) zurückgegangen ist. Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Fr. Renk hält einen Vortrag über das hygienische Institut der K. Technischen Hochschule und die K. Centralstelle für öffentliche Gesundheitspflege. Der Vortragende giebt einen kurzen Ueberblick über Geschichte, Entwickelung und Zweck beider jetzt in einem Raume vereinten und unter einer Direction stehenden Institute und erläutert an einem ausgestellten Plane die Vertheilung der einzelnen Ab- theilungen in den beiden Geschossen des Hauses und deren Bestimmung. Ein unter Führung des Vortragenden unternommener Rundgang durch die verschiedenen Räume giebt den Anwesenden Gelegenheit, Einblick in die Thätigkeit beider Institute zu nehmen. Veränderungen im Mitgliederbestände. Gestorbene Mitglieder: Am 7. August 1898 starb James Hall, Professor und Director des New- York State Museum in Albany, einer der bedeutendsten amerikani- schen Paläontologen, Ehrenmitglied der Isis seit 1873. Am 25. September 1898 verstarb in St. Germain- en-Laye im Alter von 77 Jahren Gabriel de Mortillet, Professor und Subdirector der Ecole d’anthropologie de Paris, correspondirendes Mitglied seit 1867. Am 15. October 1898 verschied inDresden Dr. Ewald Albert Geissler, Professor an der K. Thierärztlichen Hochschule und Apothekenrevisor, wirk- liches Mitglied seit 1877. Am 14. November 1898 starb in Charlottenburg Oberberghauptmann und Ministerial director a. D. Dr. Albert Ludwig Serlo, Ehrenmitglied seit 1870. Am 8. December 1898 starb Maler Karl Friedrich Seidel in Wein- böhla, wirkliches Mitglied seit 1860. Der Verewigte gehörte in den Jahren 1867 — 68, 1875 — 76 und 1878 — 81 dem Vorstande der Section für Botanik als erster oder zweiter Vorsitzender an und hat verschiedene botanische Beobachtungen in unseren Sitzungsberichten veröffentlicht, die letzte noch im Jahre 1888 über Peucedanum aegopodioides. Am 10. December 1898 starb in Tharandt Alfred Bartel, Assistent am chemischen Laboratorium der K. Forstakademie, wirkliches Mitglied seit 1897. 27 Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder: Baensch, Wilh., Buchdruckerei und Verlagshandlung in Dresden, am 24. November 1898; Berger, Karl, Dr. med. in Dresden, am 22. Decemher 1898; Bidlingmaier, Friedr., Assistent am physikalischen Laboratorium der K. Technischen Hochschule in Dresden, am 24. November 1898; Dickhoff, Alphons, Privatus in Blasewitz, am 27. October 1898; Lehmann, Georg, K. Hofbuchhändler in Dresden, am 29. September 1898; Müller, Felix, Prof. Dr., in Oberloschwitz, am 24. November 1898; Naumann, Ernst, Dr. phil., Assistent am mineral.-geologischen Institut der K. Technischen Hochschule in Dresden, am 29. September 1898; Osborne, Wilh., Dr. phil., Chemiker in Radebeul, am 24. November 1898; Range, Ernst Albert, K. Strassen- und Wasserbauinspector in Dresden, Richter, Wilh., Dr. med. in Dresden, Schmidt, Hermann, Lehrer in Dresden, am 24. November 1898; Sommer, Karl, Gymnasiallehrer a. D. in Meissen, am 22. Decemher 1898; Thoss, Friedr. Aug., Seminaroberlehrer in Plauen bei Dr., am 29. Sep- tember 1898. In die correspondirenden Mitglieder ist übergetreten: von Baensch, William, K. Hofverlagsbuchhändler, in Stralsund. am 27. October 1898. Freiwillige Beiträge zur Gesellschaftskasse zahlten: Dr. Amthor, Hannover, 3 Mk.; Prof. Dr. Bach mann, Plauen i. V., 3 Mk.; K. Bibliothek, Berlin, 3 Mk.; naturwissensch. Modelleur Blaschka, Hosterwitz, 3 Mk. 5 Pf.; Privatus Eisei, Gera, 3 Mk.; Berg- meister Hartung, Lobenstein, 5 Mk.; Prof. Dr. Hibscli, Liehwerd, 3 Mk. 1 Pf.; Bürgerschullehrer Hof mann, Grossenhain, 3 Mk.; Apotheker Dr. Lange, Werningshausen, 6 Mk. 10 Pf.; Oberlehrer Dr. Lohr mann, Anna- berg, 3 Mk.; Stabsarzt Dr. Naumann, Gera, 3 Mk.; Oberlehrer Nau- mann, Bautzen, 6 Mk.; Betriebsingenieur Prasse, Leipzig, 3 Mk.; Dr. Reiche, Santiago, Chile, 3 Mk.; Director Dr. Reidemeister, Schöne- beck, 3 Mk.; Prof. Dr. Schneider, Blasewitz, 10 Mk.; Oberlehrer Seidel I, Zschopau, 3 Mk. 10 Pf.; Rittergutspachter Sieber, Grossgrabe, 3 Mk. 15 Pf.; Fabrikbesitzer Siemens, Dresden, 100 Mk.; Chemiker Dr. Stauss, Ham- burg, 3 Mk ; Oberlehrer Dr. Sterzei, Chemnitz, 3 Mk.; Privatdocent Dr. Steuer, Jena, 3 Mk.; Prof. Dr. Vater, Tharandt, 3 Mk. 5 Pf.; Baurath Wiechel, Chemnitz, 3 Mk. 15 Pf.; Oberlehrer Wolff, Pirna, 3 Mk.; Prof. Dr. Wünsche, Zwickau, 3 Mk. — • In Summa 190 Mk. 61 Pf. H. Warnatz. 28 Beamte der Isis im Jahre 1899. Torstand. Erster Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kalkowsky. Zweiter Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt. Kassirer: Hofbuchhändler G. Lehmann. « Directorium. Erster Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kalkowsky. Zweiter Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt. Als Sectionsvorstände: Privatdocent Dr. W. Bergt, Dr. J. Deichmüller, Prof. Dr. 0. Drude, Prof. Dr. F. Förster, Prof. Dr. H. Kitsche, Prof. Dr. K. Rohn. Erster Secretär: Dr. J. Deichmüller. Zweiter Secretär: Institutsdirector A. Thümer. V erwaltungsrath. Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt. Mitglieder: 1. Fabrikbesitzer L. Guthmann, 2. Privatus W. Putscher, 3. Fabrikant E. Kühnscherf, 4. Dr. Fr. Raspe, 5. Prof. H. Fischer, 6. Fabrikbesitzer Fr. Siemens. Kassirer: Hofbuchhändler G. Lehmann. Bibliothekar : Privatus K. Schiller. Secretär: Institutsdirector A. Thümer. Sectionslbeamte. I. Seetion für Zoologie. Vorstand: Prof. Dr. H. Kitsche. Stellvertreter : Oberlehrer Dr. J. Thallwitz. Protokollant: Institutsdirector A. Thümer. Stellvertreter: Dr. A. Kaumann. II. Seetion für Botanik. Vorstand: Prof. Dr. 0. Drude. Stellvertreter: Oberlehrer K. Wobst. Protokollant: Garteninspector F. Le dien. Stellvertreter: Dr. A. K aumann. 29 III. Section für Mineralogie und Geologie. Vorstand: Privatdocent Dr. W. Bergt. Stellvertreter: Oberlehrer Dr. R. Nessig. Protokollant: Dr. H. Francke. Stellvertreter: Dr. E. Naumann. IV. Section für Physik und Chemie. Vorstand: Prof. Dr. F. Förster. Stellvertreter: Prof. Dr. F. Pockels. Protokollant: Oberlehrer Dr. 0. Schulze. Stellvertreter: Dr. R. Engelhardt. V. Section für prähistorische Forschungen. Vorstand: Dr. J. Deichmüller. Stellvertreter: Lehrer H. Döring. Protokollant: Lehrer 0. Ebert. Stellvertreter: Lehrer A. J ent sch. VI. Section für Mathematik. Vorstand: Prof. Dr. K. Rohn. Stellvertreter: Oberlehrer Dr. A. Witting. Protokollant: Oberlehrer Dr. J. von Vieth. Stellvertreter: Privatdocent Dr. E. Nätsch. Redactions - Comite. Besteht aus den Mitgliedern des Directoriums mit Ausnahme des zweiten Vorsitzenden und des zweiten Secretärs. Bericht des Bibliothekars. Im Jahre 1898 wurde die Bibliothek der „Isis“ durch folgende Zeit- schriften und Bücher vermehrt: A. Durch Tausch. I. Europa. 1. Deutschland. Altenburg : Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes. Annaber g -Buchholz : Verein für Naturkunde. Augsburg : Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben und Neuburg. Bamberg: Naturforschende Gesellschaft. Bautzen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“. — Sitzungsber. und Abhandl., 1896—97. [Aa 327.] Berlin: Botanischer Verein der Provinz Brandenburg. — Verhandl., Jahrg. 39. [Ca 6.] Berlin: Deutsche geologische Gesellschaft. — Zeitschr., Bd. 49, Heft 3 und 4; Bd. 50, Heft 1 und 2. [Da 17.] Berlin: Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. — Verhandl., October 1897 bis Mai 1898. [G 55.] Bonn: Naturhistorischer Verein der preussischen Rheinlande, Westfalens und des Reg. -Bez. Osnabrück. — Verhandl., 54. Jahrg., 2. Hälfte. [Aa 93.] Bonn: Niederrheinische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Sitzungs- ber., 1897, 2. Hälfte. [Aa 322.] Braunschiveig: Verein für Naturwissenschaft. Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Abhandl., Bd. XIV, Heft 3; Bd. XV, Heft 2. [Aa 2.] Breslau: Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. — 75. Jahre sb er., 1897, mit Ergänzungsheft bibliograph. Inhalts. [Aa 46.] Chemnitz: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. Chemnitz: K. Sächsisches meteorologisches Institut. — Abhandl., Heft 3. [Ec 57b.] — Klima des Königreichs Sachsen, Heft 5. [Ec 79.] — Jahrbuch, XIII. Jahrg., 3. Abth.; XIV. Jahrg., 1. u. 2. Abth. [Ec 57.] Danzig: Naturforschende Gesellschaft. Darmstadt: Verein für Erdkunde und mittelrheinischer geologischer Verein. — Notizbl., 4. Folge, 18. Heft. [Fa 8.] Donaueschingen: Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar und der angrenzenden Landestheile. Dresden: Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Jahresber., 1897 — 98. [Aa 47.] 31 Dresden : Gesellschaft für Botanik und Gartenbau ,, Flora“. — Sitzungsber. und Abhandl., n. F., Jhrg. 1 — 2, mit Bücherverzeichnis. [Ca 26.] Dresden : K. Mineralogisch -geologisches und praehistorisches Museum. — Mittheil., Heft XIV. [Db 51.] Dresden : K. Zoologisches und Anthrop.-ethnogr. Museum. — Catalog der Handbibliothek. [Je 117.] Dresden : K. Oeffentliche Bibliothek. Dresden : Verein für Erdkunde. — Jahresberichte, Jahr. XXVI. [Fa 6.] Dresden: K. Sächsischer Altertums verein. — Neues Archiv für Sachs. Geschichte und Altertumskunde, Bd. XIX. [G 75.] — Die Samm- lung des K. Sachs. Altertums Vereins in ihren Hauptwerken. Lief. 1, Bl. I-X. [G 75 b.] Dresden: Oekonomische Gesellschaft im Königreich Sachsen. — Mittheil. 1892—93, 1897—98. [Ha 9.] Dresden: K. Thierärztliche Hochschule. — Bericht über das Veterinär wesen in Sachsen, 33., 37., 40. und 42. Jahrg. [Ha 26.] Dresden: K. Sächsische Technische Hochschule. — Bericht über die K. Sachs. Techn. Hochschule a. d. Jahr 1897 — 98. [Je 63.] — Personalverz. Nr. X— XVIII. [Je 63 b.] Dürkheim: Naturwissenschaftlicher Verein der Rheinpfalz „Pollichia“. Düsseldorf: Naturwissenschaftlicher Verein. Elberfeld: Naturwissenschaftlicher Verein. Emden: Naturforschende Gesellschaft. — 82. Jahresbericht, 1896 — 97. [Aa 48.] Emden: Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer. Erfurt: K. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften. — Jahrbücher, Heft XXIV. [Aa 263.] Erlangen: Physikalisch-medicinisclieSocietät. — Sitzungsber., 29. Heft, 1897. [Aa 212.J Frankfurt a. M.: Senckenbergische naturforschende Gesellschaft. — Bericht für 1898. [Aa 9 a.] Frankfurt a. M.: Physikalischer Verein. — Jahresber. für 1896 — 97. [Eb 35.] Frankfurt a. 0.: Naturwissenschaftlicher Verein des Regierungsbezirks Frankfurt. — * „Helios“, 15. Bd. — Societatum litterae, Jahrg. XI, Nr. 7 — 12; Jahrg. XII, Nr. 1 — 4. [Aa 282.] Freiberg: K. Sächs. Bergakademie. — Programm für das 133. Lehrjahr 1898-99. [Aa 323.] Freiburg i. B.: Naturforschende Gesellschaft. Gera: Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften. Giessen: Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Görlitz: Naturforschende Gesellschaft. — Abhandl., 22. Bd. [Aa 3.] Görlitz: Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. — Neues Lau- sitzisches Magazin, Bd. 73, 2. Heft; Bd. 74. [Aa 64.] Görlitz: Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz. Greifswald: Naturwissenschaftlicher Verein für Neu -Vorpommern und Rügen. — Mittheil., 29. Jahrg., 1897. [Aa 68.] Greif sivald: Geographische Gesellschaft. — Jahresber. Nr. VI, II. Theil, 1896-98. [Fa 20.] Guben: Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte. — Mittheil., V. Bd., Heft 1 — 7. [G 102.] 32 Güstroiv : Verein der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. Halle a. S.: Naturforschende Gesellschaft. Halle a. S.: Kais. Leopoldino-Carolinische deutsche Akademie. — Leopoldina, Heft XXXIII, Nr. 12; Heft XXXIV, Nr. 1—11. [Aa 62.] Halle a. Sr. Verein für Erdkunde. — Mitteil., Jahrg. 1898. [Fa 16.] Hamburg'. Naturhistorisches Museum. — Jahrbücher, Jahrg. XIV, mit Bei- heft 1—5. [Aa 276.] Hamburg : Naturwissenschaftlicher Verein. — Verhandl., IV. Folge, 5. Heft. 1897. [Aa 293b.] Hamburg'. Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung. Hanau: Wetterauische Gesellschaft für die gesammte Naturkunde. Hannover: Naturhistorische Gesellschaft. — Jahresber., 44. — 47. Bd. [Festschrift.] [Aa 52.] Hannover: Geographische Gesellschaft. Heidelberg : Naturhistorisch -medicinischer Verein. Hof: Nordoberfränkischer Verein für Natur-, Geschichts- und Landes- kunde. Karlsruhe: Naturwissenschaftlicher Verein. Kassel: Verein für Naturkunde. — Abhandl. und Berichte, Nr. 42 u. 43. [Aa 242.] Kassel: Verein für hessische Geschichte und Landeskunde. — Zeitschr., 22. — 23. Bd. u. 12. Suppl.; Mittheil., Jahrg. 1896 — 97. [Fa 21.] Kiel: Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig -Holstein. Köln: Redaction der Gaea. — Natur und Leben, Jahrg. 34. [Aa 41.] Königsberg i. Pr.: Physikalisch -ökonomische Gesellschaft. — Schriften, 38. Jahrg., 1897. [Aa 81.] Köniasberq i. Pr.: Altertums-Gesellschaft Prussia. — Sitzungsber. Nr. 46, 1890 [G 114.] Krefeld: Verein für Naturkunde. — Jahresber. II und III, 1895 — 98. [Aa 329.] Landshut: Botanischer Verein. — Bericht 15. [Ca 14.] Leipzig: Naturforschende Gesellschaft. Leipzig: K. Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften. — Berichte über die Verhandl., mathem.-physikal. Klasse, 1897, V— VI; 1898, I — V. [Aa 296.] Leipzig: K. Sächsische geologische Landesuntersuchung. — Geologische Specialkarte des Königreichs Sachsen: Sect. Ostritz-Bern stadt, Bl. 73; Sect. Hinterhermsdorf- Daubitz, BL 86; Sect. Plirschfelde- Reichenau, Bl. 89; Sect. Zittau -Oybin -Lausche, Bl. 107; Sect. Bobenneukirch- Gattendorf, Bl. 150, mit 5 Heften Erläuterungen. [De 146.] Lübeck: Geographische Gesellschaft und naturhistorisches Museum. Lüneburg: Naturwissenschaftlicher Verein für das Fürstentum Lüneburg. — Jahresheft XIV, 1896 — 98. [Aa 210.] Magdeburg: Naturwissenschaftlicher Verein. — Jahresber. und Abhandl., Jahrg. 1896-98. [Aa 173.] Mannheim: Verein für Naturkunde. Marburg: Gesellschaft zur Beförderung der gesummten Naturwissenschaften. — Sitzungsber., Jahrg. 1897. [Aa 266.] Meissen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“. — Beobacht, d. Isis- Wetterwarte zu Meissen i. J. 1897. [Ec 40.] 33 Münster : Westfälischer Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst. — 25. Jahresber., Jahrg. 1896—97. [Ca 231.] Neisse: Wissenschaftliche Gesellschaft „Philomathie“. - — Bericht, 25.-28., 1888-96. [Aa 28.] Nürnberg : Naturhistorische Gesellschaft. — Jahresber. für 1897, nebst Abhandl., XI. Bd. [Aa 5.] Offenbach : Verein für Naturkunde. Osnabrück : Naturwissenschaftlicher Verein. — 12. Jahresber., 1897. [Aa 177. J Passau : Naturhistorischer Verein. — 17. Bericht für 1896 — 97. [Aa 55. J Posen : Naturwissenschaftlicher Verein. — Zeitschr. der botan. Abtheil., 4. Jahrg., Heft 3; 5. Jahrg., Heft 1—2. [Aa 316.] Regensburg\ Naturwissenschaftlicher Verein. — Berichte, Heft VI, 1896—97. [Aa 295.] Regensburg: K. Bayerische botanische Gesellschaft. Reichenbach i. V .: Vogtländischer Verein für Naturkunde. — Mitteil., Jahrg. 29. [Aa 70.] Reutlingen'. Naturwissenschaftlicher Verein. Schneeberg: Wissenschaftlicher Verein. Stettin: Ornithologischer Verein. — Zeitschr. für Ornithologie und prakt. Geflügelzucht, Jahrg. XXII. [Bf 57.] Stuttgart : Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg. — Jahres- hefte, Jahrg. 54. [Aa 60.] Stuttgart: Württembergischer Altertums verein. — Württemberg. Viertel- jahrshefte für Landesgeschichte, n. F., 6.-7. Jahrg. [G 70.] Tharandt: Redaction der landwirtschaftlichen Versuchsstationen. — Land- wirtsch. Versuchsstationen, Bd. XLIX, Heft 4 — 6; L; LI, Heft 1. (In der Bibliothek der Versuchsstation im botan. Garten.) Thorn: Coppernicus -Verein für Wissenschaft und Kunst. Trier: Gesellschaft für nützliche Forschungen. Ulm: Verein für Mathematik und Naturwissenschaften. — Jahreshefte, 8. Jahrg. [Aa 299.] Ulm: Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben. Weimar: Thüringischer botanischer Verein. — Mittheil., n. F., 11. Heft. [Ca 23.] Wernigerode: Naturwissenschaftlicher Verein des Harzes. Wiesbaden: Nassauischer Verein für Naturkunde. — Jahrbücher, Jahrg. 51. [Aa 43.] Würzburg: Physikalisch-medicinische Gesellschaft. — Sitzungsber., Jahrg. 1897. [Aa 85.] Zivickau: Verein für Naturkunde. — Jahresber. 1897. [Aa 179.] 2. Oesterreich-Ungarn. Aussig: Naturwissenschaftlicher Verein. Bistritz: Gewerbeschule. Brünn: Naturforschender Verein. Budapest: Ungarische geologische Gesellschaft. — Földtani Közlöny, XXVII. köt., 11. — 12. füz.; XXVIII. köt., 1. — 9. füz. [Da 25.] Budapest: K. Ungarische naturwissenschaftliche Gesellschaft, und: Ungarische Akademie der Wissenschaften. — Mathemat. und naturwissenschaftl. Berichte, Bd. 13. [Ea 37.] Graz: Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark. — MittheiL, Jahrg. 1897. [Aa 72.] Hermannstadt: SiebenbürgischerV erein für Naturwissenschaften. — V erhandl. und MittheiL, XLVII. Jahrg. [Aa 94.] Iglo: Ungarischer Karpathen -Verein. — Jahrbuch, XXV. Jahrg. [Aa 198.] Innsbruck: Naturwissenschaftlich -medicinischer Verein. Klagenfurt: Naturhistorisches Landes -Museum von Kärnthen. — Festschrift z. 50jähr. Bestehen, 1898. [Aa 42.] Krakau: Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, 1897, Nr. 9—10; 1898, Nr. 1—4 und 6 — 8. [Aa 302.] Laibach: Musealverein für Krain. Linz: Verein für Naturkunde in Oesterreich ob der Enns. — Jahres- ber. 19, 26 und 27. [Aa 213.] Linz: Museum F rancisco-Carolinum. — 56. Bericht nebst der 50. Lieferung der Beiträge zur Landeskunde von Oesterreich ob der Enns. [Fa 9.] Hag: Naturwissenschaftlicher Verein „Lotos“. Prag: K. Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften. — Sitzungsber., mathem.-naturw. CI., 1897. [Aa 269.] — Jahresber. für 1897. [Aa 270.] Prag: Gesellschaft des Museums des Königreichs Böhmen. — Pamätky archaeologicke, dilu XVII, ses. 4 — 8; XVIII, ses. 1 — 2. [G 71.] Prag: Lese- und Redehalle der deutschen Studenten. Prag: Ceska Akademie Cisare Frantiska Josefa. — Rozpravy, Trida II, Rocnik 6. [Aa 313.] — Bulletin international, classe des Sciences mathematiques et naturelles, Nr. IV. [Aa 313 b.J Pressburg: Verein für Heil- und Naturkunde. — Verhandl., n. F., Heft 9. [Aa 92.] Reichenberg : Verein der Naturfreunde. — Mittheil., Jahrg. 29. [Aa 70.] Salzburg: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. — Mittheilungen, Bd. XXXVII und XXXVIII. [Aa 71.] Temesvär: Südungarische Gesellschaft für Naturwissenschaften. — Termes- zettudomänyi Füzetek, XXII. köt., füz. 2 — 3. [Aa 216.] Trencsin: Naturwissenschaftlicher Verein des Trencsiner Comitates. — Jahresheft, Jahrg. XIX— XX. [Aa 277.] Triest: Museo civico di storia naturale. Triest: Societä Adriatica di scienze naturali. Wien: Kais. Akademie der Wissenschaften. * — Anzeiger, Jahrg. 1897, Nr. 27; 1898, Nr. 1—12. [Aa 11.] Wien : Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. — Schriften, Bd. XXXVIII. [Aa 82.] Wien: K. K. naturhistorisches Hofmuseum. — Annalen, Bd. XII, Nr. 2 — 4; Bd. XIII, Nr. 1. [Aa 280/ Wien: Anthropologische Gesellschaft. — MittheiL, Bd. XXVII, Heft 6; Bd. XXVIII, Heft 1—4. [Bd 1.] Wien: K. K. geologische Reichsanstalt. — Verhandl., 1897, Nr. 14 — 18; 1898, Nr. 1 — 12. [Da 16.] — AbhandL, Bd. XVII, Heft 4. [Da 1.] Wien: K. K. zoologisch-botanische Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XLVII. [Aa 95.] Wien: Naturwissenschaftlicher Verein an der Universität. Wien: Central - Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus. — Jahr- bücher, Jahrg. 1894 und 1897. [Ec 82.] 35 3. Rumänien. Bukarest : Institut meteorologique de Roumanie. — Annales, tome XII, 1896. [Ec 75.] 4. Schweiz. Aarau : Aargauische naturforschende Gesellschaft. — Mitteil., Heft VIII. [Aa 317.] Basel: Naturforschende Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XII, Heft 1. [Aa 86.] Bern : Naturforschende Gesellschaft. Bern : Schweizerische naturforschende Gesellschaft. Chur : Naturforschende Gesellschaft Grauhündens. — Jahresber., n. F., Jahrg. XXXVI, XL und XLI. [Aa 51.] Frauenfeld : Thurgauische naturforschende Gesellschaft. — Mitteil., Heft 13. [Aa 261.] ^ ^ Freiburg : Societe Fribourgeoise des Sciences naturelles. — Compte rendu, 1893—97. [Aa 264.] St. Gallen: Naturforschende Gesellschaft. — Bericht für 1895 — 96. [Aa 23.] Lausanne: Societe Vaudoise des Sciences naturelles. — Bulletin, 4. ser., yoI. XXXIII, no. 126; vol. XXXIV, no. 127 — 129. [Aa 248.] Neuchatel : Societe des Sciences naturelles. Schaffhausen: Schweizerische entomologische Gesellschaft. — Mittheil., Vol. X, Heft 2—4. [Bk 222.] Sion: La Murithienne, societe Valaisanne des Sciences naturelles. — Bulletin, fäsc. XXVI. [Ca 13.] Zürich: Naturforschende Gesellschaft. — Viertel] ahrsschr. , Jahrg. 42, Heft 3 — 4; Jahrg. 43, Heft 1—3. [Aa 96.] — Neujahrsblatt für 1898. [Aa 96b.] Zürich: Schweizerische botanische Gesellschaft. — Berichte, Heft 8. [Ca 24.] 5. Frankreich. Amiens: Societe Linneenne du nord de la France. — Memoires, tome IX, 1892 — 98. [Aa 252 b.] — Bulletin mensuel, tome XIII, no. 283 — 292. [Aa 252.] Bordeaux: Societe des Sciences physiques et naturelles. — Memoires, ser. 5, tome I — II; III, cah. 1; proces-verbaux, annee 1896 — 97. [Aa 253.] Cherbourg: Societe nationale des Sciences naturelles et mathematiques. — Memoires, tome XXX. [Aa 137.] Dijon: Academie des Sciences, arts et belles lettres. — Memoires, ser. 4, tome V. [Aa 138.] Le Mans: Societe d’agriculture, Sciences et arts de la Sarthe. — Bulletin, tome XXVIII, fase. 2 — 3. [Aa 221.] Lyon: Societe Linneenne. — Annales, tome 43 — 44. [Aa 132.] Lyon: Societe d’agriculture, d’histoire naturelle et des arts utiles. — Annales, ser. 7, tome 4. [Aa 133.] Lyon: Academie nationale des Sciences, belles lettres et arts. — Memoires, ser. 3, tome 4. [Aa 139.] Paris: Societe zoologique de France. — Bulletin, tome XXII. [Ba 24.] Toulouse: Societe Franchise de botanique. - Bulletin mensuel, tome XIII, Nr. 147—156. [Ca 18.] 36 6. Belgien. Brüssel : Societe royale malacologique de Belgique. — Annales, tome XXVIII — XXX [, fase. 1. [Bi 1.] — Proces-verbaux des seances, tome XXV— XXVII, Jan. — Juli. [Bi 4.] Brüssel: Societe entomologique de Belgique. — Annales, tome 41. [Bk 13.] — Memoires, tome VI. [Bk 13 b.] Brüssel: Societe royale de botanique de Belgique. — Bulletin, tome XXXVI. [Ca 16.] Gembloux: Station agronomique de l’etat. — Bulletin, no. 64 — 65. [Hb 75.] Lüttich: Societe geologique de Belgique. 7. Holland. Gent: Kruidkundig Genootschap „Dodonaea“. Groningen: Naturkundig Genootschap. — 97. Verslag, 1897. [Je 80.] Hartem: Musee Teyler. — Archives, ser. II, vol. V, p. 4; vol. VI, p. 1 — 2. [Aa 217.]^ ^ ; . Hartem: Societe Hollandaise des Sciences. — Archives Neerlandaises, ser. II, tome I, livr. 4—5; tome II, livr. 1. [Aa 257.] 8. Luxemburg. Luxemburg: Societe botanique du Grandduche de Luxembourg. — Recueil des memoires et des travaux, no. XIII. [Ca 11.] Luxemburg: Institut royal grand-ducal. Luxemburg: Verein Luxemburger Naturfreunde .,Fauna‘;. — Mittheil., 1897. [Ba 26.] 9. Italien. Brescia: Ateneo. — Commentari per Fanno 1897. [Aa 199.] Catania: Accademia Gioenia di scienze naturale. — Atti, ser. IV, vol. 10 — 11. — Bollettino, fase. L, LH— LIV. [Aa 149.] Florenz: B. Instituto. — Sect. f. Physik und Naturgesch., Bd. 19 — 21; Sect. f. Medicin, 7. Publicat. [Aa 229.] Florenz: Societa entomologica Italiana. — Bullettino, anno XIX. [Bk 193.] Mailand: Societa Italiana di scienze naturali. — Atti, vol. XXXVII, fase. 2—3. [Aa 150.] Mailand: R. Instituto Lombardo di scienze e lettere. — Rendiconti, ser. 2. vol. XXX. [Aa 161.] — Memorie, vol. XVIII, fase. 2-5. [Aa 167.J Modena: Societa dei naturalisti. Padua: Societa Veneto Trentina di scienze naturali. — Bullettino, tomo VI, no. 3. [Aa 193b.] Parma: Redazione del Bullettino di paletnologia Italiana. — Bullettino, ser. III, anno XXIII, no. 7 — 12; anno XXIV, no. 1—3. [G 54.] Pisa: Societa Toscana di scienze naturali. — Processi verbali, vol. X (22. XI. 96—4. VII. 97); vol. XI (28. XI. 97—1. V. 98). [Aa 209.] Rom: Accademia dei Lincei. — Atti, Rendiconti, ser. 5, vol. V— VII, 2. sem., fase. 1 — 10. [Aa 226.] Rom: R. Comitato geologico dTtalia. 37 Turin : Societä meteorologica Italiana. — Bollettino mensuale, sei*. II, Y0l. XVII, no. 9—12; vol. XVIII, no. 1-8. [Ec 2.] Venedig : R. Instituto Veneto cli scienze, lettere e arti. Verona: Accademia di Verona. — Memoire, ser. III, vol. LXXIII, fase. 1 — 2. [Ha 14.] 10. Grossbritannien und Irland. Dublin: Royal geological society of Irland. Edinburg: Geological Society. — Transactions, vol. VII, p. 3. [Da 14.] Edinburg: Scottish meteorological society. — Journal, 3. ser., no. 13 — 14. [Ec 3.] Glasgow: Natural history society. — Transactions, vol. V, p. 1. [Aa 244.] Glasgow: Geological society. Manchester: Geological society. — Transactions, vol. XXV, p. 12—15, 20-21. [Da 20.] . Newcastle-upon-Tyne: Tyneside naturalists field club, und: Natural history society of Northumberland, Durham and Newcastle-upon-Tyne. — Nat. history transactions, vol. XIII, p. 2. [Aa 126.] 11. Schweden, Norwegen. Bergen: Museum. — Aarbog for 1897. [Aa 294.] Christiania: Universität. — Universitets- Programm for 2. sem. 1894. [Aa 251.] Christiania: Foreningen til Norske fortidsmindesmerkers bevaring. — Aars- beretning for 1896. [G 2.] — Kunst og handverk fra Norges fortid, 2. Reihe, 2. Heft. [G 71.] Stockholm: Entomologiska Föreningen. — Entomologisk Tidskrift, Arg. 18. [Bk 12.1 Stockholm: K. Vitterhets Historie och Antiqvitets Akademien. — Antiquarisk Tidskrift, Del XVI, 4. [G 135.] — Mänadsblad, 1894. [G 135 a.] Tromsoe: Museum. — Aarsberetning 1894. [Aa 243.] Upsala: The geological institution of the university. — Bulletin, vol. III, p. 2 (no. 6), 1897. [Da 30.] 12. Russland. Ekathar inenhur g: Societe Ouralienne d’amateurs des Sciences naturelles. — Bulletin, tome XVI, livr. 2; tome XVII; tome XtX, livr. 1. [Aa 259.] Helsingfors : Societas pro fauna et flora fennica. Kharkow: Societe des naturalistes ä l’universite imperiale. — Travaux, tome XXXI u. XXXII. [Aa 224.] Kiew: Societe des naturalistes. — Memoires, tome XIV, livr. 2; tome XV, livr. 1 — 2. [Aa 298.] Moskau: Societe imperiale des naturalistes. — Bulletin, annee 1897, no. 2 — 4; annee 1898, no. 1. [Aa 134.] Odessa: Societe des naturalistes de la Nouvelle-Russie. — Memoires, tome XXI, p. 2; tome XXII, p. 1. [Aa 256.] Petersburg: Kais, botanischer Garten. — Acta horti Petropolitani, tom. XIV, fase. 2. [Ca 10.] 38 Petersburg : Comite geologique. — Bulletins, vol. XVI, no. 3 — 9; vol. XVII, no. 1 — 5; supplem. au tome XVI. [Da 23.] — Memoires, vol. XVI, no. 1. [Da 24.] Petersburg : Physikalisches Centralobservatorium. — Annalen, Jahrg. 1896. [Ec ?.] . / Petersburg : Academie imperiale des Sciences. — Bulletin, nouv. serie V, tome VII, no. 2—5; tome VIII, no. 1—4. [Aa 315.] Petersburg : Kaiserl. Russische mineralogische Gesellschaft. — Verhanal., 2. Ser., Bd. 35. [Da 29.] Riga: Naturforscher -Verein. — Korrespondenzblatt, XL— XLI. [Aa 34.] II. Amerika. 1. Nord -Amerika. (Canada, Vereinigte Staaten, Mexiko.) Albany : New York state museum of natural history. Baltimore : John Hopkins university. — University circulars, vol. XVII, no. 134 — 136. [Aa 278.] — American journal of mathematics, vol. XIX; XX, no. 1—3. [Ea 38.] — American Chemical journal, vol. XIX, 5—10; vol. XX, no. 1—7. [Ed 60.] — Studies in histor. and politic. Science, ser. XV, no. 6—12; ser. XVI, no. 1 — 9. 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VI, Abth. 4 (Aves), Lief. 50 — 52; Abth. 5 (Mammalia), Lief. 51 — 53. [Bb 54.] Hedivigia, Bd. 37. [Ca 2.] Jahrbuch des Schweizer Alpenclub. Jahrg. 33. [Fa 5.] Monatsschrift, deutsche botanische, Jahrg. 16. [Ca 22.] Nachrichten, entomologische, Jahrg. 14. [Bk 235.] (Vom Isis-Lesezirkel.) 42 Natur , Jahrg. 46. [Aa 76.] (Vom Isis-Lesezirkel.) Falaeontographical society, London, vol. L — LI. [Da 10.] Prähistorische Blätter , Jahrg. X. [G 112.] Wochenschrift , naturwissenschaftliche, Bd. XIII. [Aa 311.] (Vom Isis-Lese- zirkel.) Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften, Bd. 70, Nr. 3— -6; Bd. 71, Nr. 1—3. [Ca 98.] Zeitschrift für Meteorologie, Bd. 16. [Ec 66J Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie, Bd. XIV, Heft 3 — 4; Bd. XV, Heft 1 — 2. [Ee 16.] Zeitschrift , Oesterreichische botanische, Jahrg. 48. [Ca 8.] Zeitung , botanische, Jahrg. 56. [Ca 9.] Abgeschlossen am 31. December 1898. C. Schiller, Bibliothekar der „Isis“. Zu besserer Ausnutzung unserer Bibliothek ist für die Mitglieder der „Isis“ ein Lesezirkel eingerichtet worden. Gegen einen jährlichen Beitrag von 3 Mark können eine grosse Anzahl Schriften bei Selbstbeförderung der Lesemappen zu Hause gelesen werden. Anmeldungen nimmt der Biblio- thekar entgegen. Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft ISIS in Dresden. 1898. IV. Ueber ein Doppeltrogrefractoineter und Unter- suchungen mit demselben .an Lösungen von Bromcad- uiium, Zucker, Di- und Trichloressigsäure sowie deren Kaliumsalzen. Yon Wilhelm Hallwachs. § 1. Einleitung. Vor einiger Zeit habe ich eine Differentialmethode mit streifender Incidenz zur Bestimmung der Unterschiede der Lichtbrechungsverhältnisse von Lösungen beschrieben*). Diese Methode eignet sich insbesondere für verdünnte Lösungen und gestattet Brechungsunterschiede bis zu etwa 3X10“4 hinab mit grosser Genauigkeit auszuwerthen, also in einem Gebiet zu arbeiten, welches sonst nur mit dem Interferentialrefractor zu erreichen ist. Sie füllt eine Lücke aus, zwischen dem mit letzterem ohne unbequem grosse Streifenzahlen oder zu dünnen Flüssigkeitsschichten zu durchmessenden Gebiet und demjenigen, welches mit den gewöhnlichen Prismen- oder totalrefractometrischen Methoden genügend grosse Ab- lenkungen ergiebt. Früher konnte ich die Methode nur durch wenige Versuche stützen. Inzwischen ist dieselbe von Herrn Tornöe in die technische Bieranalyse eingeführt worden**). In letzter Zeit habe ich die Müsse gefunden die Methode weiter zu verfolgen und durch Messungen damit völlig sicher zu stellen. Früher war 1. c. das Umfüll verfahren angewendet worden, weil gerade nur zwei geeignete Planplatten zur Verfügung standen. Unter Anwendung von drei Planplatten lässt sich das Umfüllen vermeiden, indem statt dessen der Trog von entgegengesetzten Seiten her beobachtet wird. *) W. Hallwachs, Wied. Ann. 50, 1893, p. 577. **) W. Hallwaöhs, 68. Naturforschervers. 1896, II, 1, p. 54; H. Tornöe, Spectrometrisch-aräometrische Bieranalyse mit Hilfe des Differentialprisma’s von Hallwachs. Zeitschr. für das gesammte Brauwesen (München, Oldenbourg) XX, 1897; E. Prior, Bayerisches Brauerjournal (Nürnberg, Tümmel) VII, 1897, p. 469; s. a. Pharmaceutische Centralhalle (Berlin, Springer) 38, 1897, p. 871. Herr Tornöe hat Tafeln berechnet, welche gestatten, direct aus den mittelst meiner Methode gewonnenen Ablesungen und dem aräometrisch bestimmten specifischen Grewicht der Biere Alkohol- und Extractgehalt zu entnehmen. Diese Tafeln sind im Verein mit einem von Herrn Tornöe zum vorliegenden Zweck möglichst einfach construirten Spectrometer und Doppeltrog von Schmidt & Haensch für 265 M. zu beziehen. 50 Dieses zweite Verfahren benutzte schon Herr Tornöe, der sich für seine Zwecke mit einem Trog aus Spiegelglas begnügen konnte. Die grösste Schärfe der Beobachtungen ergiebt sich, wenn sowohl umgefüllt als auch hei jeder Füllart von entgegengesetzten Seiten beobachtet wird. Das Folgende geht einerseits auf die Methode selbst weiter ein, giebt die Theorie des Umdrehverfalirens, Untersuchungen über den Genauigkeits- grad, den Temperatureinfluss u. s. w., andererseits sucht es durch geeignete Wahl der Messobjecte eine Vervollständigung meiner früheren Unter- suchungen über Lichtbrechung und Dichte zu liefern*). Dieser Gegen- stand erhielt in letzter Zeit weitere Förderung durch Arbeiten von Dijken**) in derselben und solche von Leblanc und Rohland***) in ähnlicher Richtung. § 2. Yersuchsanordnung.f) Die Glasplatten für den Doppeltrog lieferte Steinheil ff). Während Stirn- und Rückplatte (B. u. C. Fig. 1), welche aus dickerem Glas bestehen können, so gut waren, dass ihr Keilwinkel unter 0,5" blieb, dem kleinsten mit meinen Mitteln noch erkennbaren Betrag, hatte die nothwendigerweise dünnere Scheidewand einen solchen von 4". Durch geeignetes. Ausschneiden dieser Platte aus dem Ganzen wurde erstrebt, die brechende Kante mög- lichst horizontal zu stellen, was soweit gelang, dass in einem Horizontal- schnitt der Keilwinkel nur noch 1,3" betrug (s. p. 61). Das Zusammen- kitten des Troges, dessen weitere, aus Spiegelglas bestehende Platten ebenfalls von Steinheil herrührten, besorgte ich selbst und verwendete dabei theilweise Asphalt, da das früher verwendete Wachs und Colophonium bei Temperaturänderungen zuweilen abspringt, was Aenderungen der Trogwinkel veranlasste. Hart gewordener Asphaltlack mit etwas Chloro- form dickflüssig in der Wärme angerührt, kittete ausserordentlich constant. Der Winkel / (Fig. 1) . zwischen Stirn- und Rückplatte betrug z. B. Januar 1898 4' 2", August 1898 wieder 4' 2". Da der Nonius des Spectro- metersfff) 20" angab und 5" im Allgemeinen zu schätzen gestattete, ist die Uebereinstimmung beider Werthe zum Theil Zufall. Um die erforderliche Temperaturconstanz zu erhalten, befand sich das Spectrometer in einem fensterlosen Zimmer des Sockelgeschosses, welches, rings von anderen Zimmern umgeben, keine Aussenwand besass. Die Temperatur hielt sich viel constanter wie in den „Räumen für constante Temperatur“ im Keller, welche ich früher a. a. 0. benutzte. Ueber Nacht traten nur Aenderungen von 0,1° ein. Durch Heizen der einen, Lüften der anderen umliegenden Zimmer und Oetfnen der geeigneten, vom Beobachtungsraum zu diesen führenden Thüren liess sich die Temperatur auch während des Arbeitens halten. *) W. Hallwachs, Gott. Nachr. 1892, Nr. 9; Wied. Ann. 47, 1892, p. 380; 50, 1893, p. 577; 53, 1894, p. 1; 55, 1895, p. 282. | **) Dijken, De Moleculairrefractie van verdunde Zoutoplossingen. Diss. Groningen (Hoitsema) 1897; s. ferner Borgesius, Wied. Ann. 54, 1895, p 221. ***) Leblanc und Hohl and, Zeitschr. f. phys. Chem. XIX, 2, 1896, p. 261; s. a. Leblanc, 1. c. IV, 1889, p. 553. f) S. a. Wied. Ann. 50, 1893, p. 580 und 581. ff) Tröge aus prima Glas wird derselbe zu ca. 90 M. incl. Kittung (Asphalt) liefern, fff) Das Spectrometer hatte mir Herr A. Toepler die Freundlichkeit zu leihen, wofür ich ihm auch hier meinen besten Dank ausspreche. 51 Eine Nische von 120 cm Höhe ging nach einem der Nebenzimmer durch eine 60 cm starke Wand hindurch. Vom Beobachtungsraum schloss dieselbe ein Glasfenster, vom Nebenraum ein Holzladen ab. In der Nische befand sich oben eine Glühlampe, welche den Beobachtungsraum erleuchtete, und in der Höhe des Spectrometers die Natriumflamme für die Versuche. Letztere wurde mit Na Br gespeist, um auch bei sehr geringen Brechungsdifferenzen die genügende Lichtstärke zu erhalten. Zur Beinigung des mit Klebwachs auf dem Spectrometer befestigten Troges dienten wie früher Schlauchpipetten, zum Umrühren kleine Federchen. Alle zu verwendenden Flüssigkeiten wurden vor der Einfüllung auf die Temperatur des Beohachtungsraumes gebracht, gewöhnlich dadurch, dass sie über Nacht darin standen. Die Temperaturbestimmung der Flüssigkeiten geschah gewöhnlich mit einem in 1j10, zuweilen mit einem in 1/50 Grad getheilten Thermometer. Im Allgemeinen lag ein Deckel auf dem Trog. Zwei am Bande des letzteren aufgehängte Blenden schlossen die eine Troghälfte vorn, die andere hinten gegen das Licht ab, z. B. im Fall der Fig. 1, bei Beobachtung von Sj aus die linke Hälfte von B und die rechte von C. Namentlich bei kleinen Brechungsdifferenzen ist der dadurch erzielte Schutz des Beobachters gegen Blendung unerlässlich. Bei den Nonienablesungen lieferte ein Glühlämpchen das Licht. § 3. Theorie des Umdreirangs Verfahrens. Der folgende Paragraph enthält die Herleitung der Beziehung zwischen den mittelst des „Umdrehungsverfahrens“ (s. nächster Absatz) beobachteten Winkeln und der Brechungs- differenz der beiden Flüssigkeiten unter Berück- sichtigung der Unvoll- kommenheit des Paral- lelismus zwischen Stirn- und Bückplatte, sowie der Keilförmigkeit und der Orientirungsfehler der Scheidewand. Auch der im Allgemeinen zu vernach- lässigende Einfluss von Keil- förmigkeit der Stirn- und Bückplatte gelangt zur Be- sprechung. Die an der Grundformel n — nA = sin2c* rrr*)' welche auch hier gilt, anzu- bringenden Correctionen fallen, wenn auch die Herleitung derselben nicht ganz kurz abgemacht werden kann, schliesslich doch sehr einfach aus. ;) Wied'. Ann. 50, 1893, p. 577. 52 Beim „Umdrehungsverfahren“ tritt zuerst das Licht von Lt aus (Fig. 1) in die mit Wasser (bezw. der Flüssigkeit mit n0) gefüllte Zelle D und dann in die Scheidewand A ein. Der letztere streifende Strahl ist in der Figur eingezeichnet. Das auf unendlich stehende Fernrohr wird zuerst auf die in der Richtung S4 auftretende Grenze zwischen hell und dunkel eingestellt und, nachdem sodann die Lichtquelle nach L4 verbracht ist, auf die in der Richtung S4 erscheinende Grenze. Statt die Lichtquelle zu verstellen, dreht man einfacher das ganze Spectrometer auf seinem Zapfen so herum, dass die Richtung L4 von der Lichtquelle bestrichen werden kann. Während dessen muss der Trog mit seinem Theilkreis bezw. seinen Nonien fest verbunden bleiben. Es ist aufzusuchen die Beziehung des gemessenen 2$. S4 S4 zu den Winkeln a± und welche diese Richtungen mit den Normalen Nß und Nc der Rück- und Stirnplatte machen, und der Zusammenhang von a± und cq mit dem Brechungsunterschied n — n0 der in E und D befindlichen Flüssigkeiten. Es mögen bezeichnen (vergl. Fig. 1): y den sehr kleinen Winkel zwischen den möglichst parallel auf- zukittenden Platten B und C; er ist positiv gerechnet, wenn seine Spitze nach der Zelle mit dem grösseren Brechungsexponent n hin liegt (wie in der Figur gezeichnet), anderenfalls ist er negativ; d den Keil winkel der Scheidewand A; für denselben berücksichtigt die folgende Rechnung Werthe von 1 — 5". Feinste Planplatten haben zwar geringere Winkel, aber nur bei genügender Dicke, die für die Scheidewand des Temperaturausgleichs halber nicht anwendbar ist; sv e2, f3, s4 den Ueberschuss der Winkel, welchen die Scheidewand mit der Stirn- und Rückplatte bildet, über 90°; N den Brechungsexponent der Scheidewand; n, n0 den höheren bezw. den tieferen der Brechungsexponenten der beiden Flüssigkeiten; in unserem Falle bezieht sich n0 auf Wasser; eq und die Winkel, welche die Grenzstrahlen S4 und S4 mit der Normale Nc bezw. NB bilden; N' die Abkürzung für yN2 — nj; cp den 2$. S4 S4. Dann ist, wie früher hergeleitet*) 1) sin = (l — |) 'Sjv? — (n0 — N' S) 2 + s± (n0 — N' &). Mittelst entsprechender Herleitung würde sich finden: 2) sin «4 = (l y n2-K + N' + *4 (n0 + N' = n0y 2 cos a * Au = -f- 2 COS M Nennen wir den wegen corrigirten Winkelf mcott, so ist 180 9) | ^corr d- )^corr = ^ + J^-180“^ — jp , y_ 2 ^ 2 (sfH (ä-1)' 2 K \COS M Für kleine Werthe von m nimmt die Correction den einfachen Werth — 1 . y — y, speciell falls n0 sich auf Wasser bezieht dt -- an, so dass in 2 : 0 letzterem, häufigsten Fall 180 — (p (%corr 2 y . 6 ’ 180 — cp ' 2~ ist. Mcorr und m' corr würden bei absolut richtiger Beobachtung einander gleich sein, ihr Unterschied liefert daher ein Urtheil über die Genauigkeit der Beobachtungen; y lässt sich natürlich mit grosser Genauigkeit direct bestimmen. Unter Einführung von Mcorr erhalten wir als Schlussformel 10) sin^corr ^corr 180 — cp _J_ y I 2 iS 2 wo cp der beobachtete Winkel, y der Trogwinkel ist (s. pag. 52), und das obere Vorzeichen gilt, falls die Flüssigkeit mit n nach der Spitze, das untere, falls sie nach der Oeffnung des 2$. y hin liegt (Fig. 2 und 3). Genauigkeit der Formel. Die weitere Ueberrechnung der Fehler zeigt, dass sämmtliche eingeführten Vernachlässigungen im Zusammen- wirken das Resultat n— n0 nur um 1 — -2 Milliontel seines Werthes bei sehr guten Trögen (s = 2'; y = 2'; d = 1,5"), um 1 bis 2X10-5 bei schlech- teren Trögen (e = 10' ; y — 5'; d = 5"-) beeinflussen. Zur Erzielung letzterer Genauigkeit müssten indess die Winkel auf einige Zehntelsecunden scharf beobachtet sein, was sich natürlich nicht erreichen lässt. Die einfache Schlussfor m el 1 0) berü ck sich tigt da her alle Co rrectionen, welche erforderlich sind, um keine den Beobachtungsfehlern gegenüber in Betracht kommenden Fehler in n — ;n0 zu veranlassen. Wird für die nämlichen Flüssigkeiten auf beide Weisen, a und b, beobachtet, so liefert 6a) und 6b), da sich pi weghebt: sin2& 4- sin2ß:' n — n0 = jr-7 — r v — 2 (n + n0) 56 Berechnen wir abkürzend: 2 « = «-|-«' (180 — corr s 12’5 — 1 s W5 1 1000 v(s — 1) er >