Google

This is a digital copy of a book that was preserved for generations on library shelves before it was carefully scanned by Google as part of a project to make the world's books discoverable online.

It has survived long enough for the copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject to copyright or whose legal copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books are our gateways to the past, representing a wealth of history, culture and knowledge that's often difficult to discover.

Marks, notations and other marginalia present in the original volume will appear in this file - a reminder of this book’s long journey from the publisher to a library and finally to you.

Usage guidelines Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the

public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken steps to prevent abuse by commercial parties, including placing technical restrictions on automated querying.

We also ask that you:

+ Make non-commercial use of the files We designed Google Book Search for use by individual personal, non-commercial purposes.

and we request that you use these files for

+ Refrain from automated querying Do not send automated queries of any sort to Google’s system: If you are conducting research on machine translation, optical character recognition or other areas where access to a large amount of text is helpful, please contact us. We encourage the use of public domain materials for these purposes and may be able to help.

+ Maintain attribution The Google “watermark” you see on each file is essential for informing people about this project and helping them find additional materials through Google Book Search. Please do not remove it.

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are responsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other countries. Whether a book is still in copyright varies from country to country, and we can’t offer guidance on whether any specific use of any specific book is allowed. Please do not assume that a book’s appearance in Google Book Search means it can be used in any manner anywhere in the world. Copyright infringement liability can be quite severe.

About Google Book Search

Google’s mission is to organize the world's information and to make it universally accessible and useful. Google Book Search helps readers discover the world’s books while helping authors and publishers reach new audiences. You can search through the full text of this book on the web atlhttp://books.google. com/]

Google

Über dieses Buch

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde.

Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist.

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei eine Erin- nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat.

Nutzungsrichtlinien

Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nichtsdestotrotz ist diese Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen.

Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien:

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden.

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen unter Umständen helfen.

+ Beibehaltung von Google-Markenelementen Das "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht.

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben.

Über Google Buchsuche

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser Welt zu entdecken, und unterstützt Autoren und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen. Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter|'http: //books .google.comldurchsuchen.

VENETIANISCHE

DEPESCHEN VOM KAISERHOFE.

VENETIANISCHE

DEPESCHEN VOM KAISERHOFE

(DISPACCI DI GERMANIA)

HERAUSGEGEBEN

VON

. DER HISTORISCHEN COMMISSION

DER

KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

DRITTER BAND.

e —____——_—

WIEN, 1895. IN COMMISSION BEI F. TEMPSKY

BUCHHANDLER DER KAIS. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

VENETIANISCHE

‘DEPESCHEN VOM KAISERHOFE

(DISPACCI DI GERMANIA)

HERAUSGEGEBEN VON DER HISTORISCHEN COMMISSION DER

KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

DRITTER BAND

D* GUSTAV TURBA. >

at

WIEN, 1895.

IN COMMISSION BEI F. TEMPSKY

BUCHHÄNDLER DER KAIS. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

Mel

DU 4 Ist;

Vv. 3

Druck von Adolf Holzhausen, k, und k. Hof- und Universitäts-Buchärucker in Wien.

Vorwort.

Mit dem vorliegenden, bis zum Ende der Regierung des Kaisers Maximilian des Zweiten reichenden Bande ist die Edition der venetianischen Depeschen vom Kaiserhofe zu dem Ziele ge- langt, welches ich bei Übernahme der Leitung dieses Werkes zunächst ins Auge gefasst hatte. Wie in dem zweiten, so be- schränkte sich jedoch auch in diesem dritten Bande die Leitung meinerseits auf die Auswahl des Materiales, welches eine un- erwartet reiche Ausbeute geliefert hat.

Die überaus mühsame und glückliche Forschung des Herrn Dr. Gustav Turba hat diese Ausbeute gewonnen; es ist ihm gelungen, die sämmtlichen in Betracht kommenden officiellen Excerpte der zumeist durch Feuer vernichteten Depeschen zu entziffern und hiedurch eine Continuität der Berichterstattung herzustellen, welche so manches Räthsel löst. Jetzt erst ist für die historische Darstellung dieser Zeit verwerthbar geworden, was in den vollständig erhaltenen Actenstücken der venetiani- schen Oratoren enthalten ist. Mit aller Deutlichkeit sprechen die zahlreichen, oft in wörtlicher Genauigkeit wiedergegebenen vertraulichen Mittheilungen und Klagen des sorgenvollen, und alem Anscheine nach nur gegen diese Diplomaten von San Marco oft rückhaltlosen, Kaisers Maximilian II.

Man hat irrig durchaus für eine ursprünglichere Quelle die Nuntiaturberichte gehalten, welche doch in der That sich

VI

für diese Zeit nur bei bestimmten Complicationen namentlich conciliarer Art besser als unsere Sammlung informiert erweisen dürften.

Ein wie weites Gebiet europäischer Geschichte vom Juli 1554 bis zum October 1576 trotz so mancher bedauerlichen Lücke des Materiales in dem nun vollendeten Bande aufgehellt wird, ist in der Einleitung eingehend dargelegt worden. Für die weitere Erforschung der Begebenheiten von 1538 bis 1576 werden sich aber hoffentlich auch die genauen Inhaltsverzeich-

nisse der nun vorliegenden Bearbeitung immer nützlich erweisen.

Natters bei Innsbruck, 19. August 1895.

Max Büdinger.

Einleitung.

Die Editionsprincipien, an denen bei den ersten zwei Dispaccibinden festgehalten wurde, sind auch in dem vorliegen- den, vom Jahre 1554 bis zum Tode Kaiser Maximilian’s II. (12. October 1576) reichenden Bande befolgt worden. Ebenso sind die Einzelheiten der Ausführung und die Gesichtspunkte für die Auswahl des Stoffes dieselben geblieben.) Die ge- drängtere Wiedergabe desselben ist diesesmal hauptsächlich durch seinen Inhalt, dann auch durch vergleichende Benützung und Verwertung der einschlägigen Quellen und Hilfsschriften möglich geworden. Ungedrucktes Material ist häufiger als bei den früheren Bänden herangezogen worden, und ich fühle mich in dieser Hinsicht zu besonderem Danke verpflichtet gegen die Directionen und gegen die Herren Beamten des kaiserlichen und königlichen geheimen Haus-, Hof- und Staatsarchivs und der Hofbibliothek in Wien. In gleicher Weise sei hier auch der Unterstützung gedacht, welche ich auf der hiesigen Uni- versitätsbibliothek von allen Seiten gefunden habe.

Das Personen- und Sachregister des vorliegenden Bandes ist von grösserem Umfange als das der früheren. Der Grund liegt darin, dass ein Drittel des Textes nicht” aus Original- depeschen besteht, sondern aus deren gleichzeitigen amtlichen Auszügen (Rubriche),*) oft in knappster Fassung, und dass das benützte archivalische Material sowie alle wichtiger scheinenden Anmerkungen im Register verwertet wurden.

Biographische Notizen über Gesandte Venedig's,

In Alberi’s Sammlung venetianischer Relationen?) ist der Lebensgang einiger Gesandten mitgetheilt worden, von denen

I) Siehe die Einleitung zum I. Bande, p. VIII sq., und die zum II. Bande. p. V, VIII. ?) Über diese vgl. unten p. XVII sq. 8) V.D.I, p.V A.8,

VIII Biographische Notizen.

in diesem Bande Depeschen veröffentlicht sind. Daher dürfte es hier genügen, nur eine kurze Übersicht über Reihenfolge und Dauer ihrer verschiedenen Legationen zu geben; denn gerade darin ist inzwischen unsere Kenntnis besser geworden. Doch bedürfen die folgenden Angaben der Ergänzung, beson- ders durch die handschriftlichen Schätze Venedig's.

Giovanni Cap(p)ello war der Sohn Lorenzo’s. 1545 be- kleidete er das Amt eines Savio di Terraferma!) und wurde am 14. März 1545 vom Senate zum ständigen Gesandten beim Kaiser gewählt. Er trat aber diesen Posten aus einem unbe- kannten Grunde nicht an.?) Im folgenden Jahre war er ober- ster Beamter (Capitän) in Padua.°) Am 6. October 1550 wurde er mit der Vertretung Venedig’s in Frankreich betraut.‘) Diese Gesandtschaft dürfte er aber erst im November oder December 1551 übernommen haben.) Seine Relation aus dem Jahre 1554 ist uns erhalten. ©) Am 4. April 1558 wurden er und der spätere Cardinal Bernardo Navager dazu bestimmt, im Namen der Republik Ferdinand I. zur Kaiserwiirde zu gratulieren. Dieser Aufgabe entledigte sich Navager am 18. September 1558 in lateinischer Rede, worauf der Graner Erzbischof Olah ftir den Kaiser dankte. Der Schlussbericht der Gesandten aus diesem Jahre?) bietet eine interessante, wenn auch kurze Charakte- ristik des Kaisers, seiner Söhne und seiner Schwiegertochter Maria, der Gemahlin König Maximilian’s. Capello starb im Jahre 1559.®)

Leonardo Contarini.?) Die erste seiner uns bekannten Legationen fällt ins Jahr 1561. Damals hatte er den Herzog von Mantua zu seiner Vermählung mit der Erzherzogin Elco- nore, der Tochter Kaiser Ferdinand’s I.,!°) im Namen Venedig’s

1) Vgl. V. D., Bd. I, p. X, Bd. II, p. XI, und unten S. 280 A. 3. 2) Cod. 6568 auf der Wiener Hofbibliothek.

8) Ebendas. und V. D. I, 439.138.

4 Cod. 6568.

5) V. D. II, p. XVII A. 5.

€) Bei Albèri, ser. I, II, 273 sg.

?) Bei Albèri, Appendice, 23 bis 32.

8) Cod. 6098.

9) Cod. 6097, f. 92.

10) Siehe unten S. 173 A. 6, 178.84 A 2, 180.55.

ET

. _ =

G. Capello, L. Contarini und G. Correr. IX

zu beglückwünschen. Am 29. Juli 1563!) wurde er dann zum ständigen Gesandten bei König Maximilian ernannt. In solcher Eigenschaft war er bei diesem damals der einzige accreditierte Vertreter einer auswärtigen Macht. Im November des Jahres 1563 überreichte ihm Contarini in Olmütz das Beglaubigungs- schreiben. Auch nachdem Maximilian durch den Tod seines Vaters die Kaiserwürde erlangt hatte, blieb Contarini bei ihm. Als dann der Gesandte durch Krankheit verhindert war, Maxi- milian auf dem Feldzuge in Ungarn zu begleiten, liess er sich von seinem Secretär Albini über den Verlauf des Krieges aus dem Lager berichten. Vor seiner Heimreise im November 1566 wurde er vom Kaiser zum Ritter geschlagen. ?)

1570 überbrachte er König Karl IX. die Glückwünsche der Republik zur Vermählung mit Elisabeth, der Tochter Kaiser Msximilian’s, und im folgenden Jahre hatte er nach dem Siege bei Lepanto als ausserordentlicher Gesandter verschiedene Auf- träge bei Don Juan von Österreich zu vollziehen. 1574 war er höchster Beamter (Capitän) in Brescia und starb im August 1576.

Giovanni Correr (Corraro),°) der Sohn Angelo's, wurde 1533 geboren. Seine diplomatische Thätigkeit begann mit einer wohl mehr als zweijährigen Legation in Savoyen, von wo er 1566 zurückkehrte.*) Vincenzo Tron?) war dort sein Nach- fllger. In demselben Jahre wurde Correr am 24. August zum ständigen Gesandten in Frankreich ernannt, wo er von 1567 bis 1569 weilte.)

Aber schon im December 1569 wurde er für den Ge- sandtenposten beim Kaiser bestimmt.’) Da man aber hoffte, dass Micheli Verhandlungen über Grenzfragen und über die Türkenliga in einer für Venedig günstigen Weise abschliessen werde, hielt man sein längeres Verweilen am Kaiserhofe für

1) Siehe unten 8. 241 A. 4.

*) Siehe unten 8. 371 A.

*) Näheres über ihn bei Albéri, ser. II, IV, 271 sg.

*) Seine Relation aus diesem Jahre ebendas., ser. II, V, 1 sg.

5, Ebendas., ser. II, V, 2.

*) Seine Relation ebendas., ser. I, IV, 177 sg. Depeschen von ihm aus dieser Zeit bei Rawdon Brown, Calendar of state papers and manuscripts.... etisting .... in Venice (London 1890), Bd. VII.

”) Siehe unten S. 522 A. 2.

X Biographische Notizen.

- néthig, so dass Correr erst am 16. August 1571 in Wien an- kam.!) Am 2. Juni 1574 trat er die Heimreise an.?) Seine Relation?) ist etwa im Mai oder Anfang Juni jenes Jahres ge- schrieben; denn dem Verfasser ist der Tod des französischen Königs Karl IX. (30. Mai 1574) noch nicht bekannt. Wenn eine handschriftliche Notiz richtig ist, wurde der Schlussbericht erst am 29. August 1578 durch Bartholomäus Comin vorgelegt (presentata).*) Es ist nicht unmöglich, dass bei dieser Verzöge- rung Rücksichten auf den Inhalt massgebend waren, da sich Corraro über das Verhältnis des Kaisers zu Deutschland, zu Böhmen und zu König Philipp in einer Weise äusserte,°) die den Kaiser verletzt hätte, wenn er davon unterrichtet worden wäre. Denn derlei Indiscretionen, die bei einer grösseren Körperschaft, wie sie der Senat der sechzig Pregadi war, trotz aller strengen Gesetze schwer zu vermeiden waren, konnten nicht dazu beitragen, die feindliche Stimmung zu bessern, welche seit dem treulosen Friedensschlusse Venedig’s mit den Türken in weiten Kreisen (wohl auch Italiens) herrschte.°) Seine Re- lation ist um so wertvoller, als uns die meisten seiner De- peschen nicht erhalten sind.)

Bald begani aber seine Thätigkeit auf anderem Boden. Denn am 6. Februar 1575 wurde er zum Baylo in Constanti- nopel®) und am 5. April 1578 zum Gesandten beim Papste Gregor XIII. ernannt. Über seine Thätigkeit in Rom während einunddreissig Monaten ist uns eine Relation?) vom Jahre 1581 erhalten. Noch in diesem Jahre wurde er mit drei Collegen dazu erwählt, die nach Spanien reisende Kaiserinwitwe Maria durch venetianisches Gebiet zu geleiten.!°) Er beschloss sein Leben im December 1583.

1) Siehe unten 8. 527 A. 3. ?) Ebendas.

8) Bei Fiedler, Fontes rerum Austriacarum, Wien 1870, XXX, 317f., vollständig, bei Albèri, ser. I, VI, 161, auszugsweise mitgetheilt.

4) Vgl. Fiedler, p. IX. 8) Ebendas., 325 f., 329, 331 f., 341 f.

6) Vgl. Correr’s Relation, 317, ferner Albèri, ser. II, IV, 163, und unten S. 524 f.

T) Siehe unten S. 512 A. 4, 522 A.3.

8) Albèri, Appendice, 421, 423, nota 17.

°®) Bei Alb£ri, ser. II, IV, 273 sg.

10) Siehe die Relation bei Fiedler 381 f.

G. Correr, G. da Lezze und G. Micheli. XI

Giovanni da Lezze war Procurator von San Marco, als er mit Marino di Cavalli am 7. Mai 1561 nach Paris kam, um König Karl IX. im Namen Venedig’s zur Thronbesteigung zu beglückwünschen.!) Eine ähnliche Aufgabe erhielten er und Michele Suriano am 23. Juni 1563 aus Anlass der Wahl Maxi- milian’s zum römischen Könige. ?)

Giovanni Micheli (Michiel). Ein uns unbekannter Sammler von Biographien bedeutender Venetianer, der in der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts lebte, hebt mit Recht hervor,?) dass Micheli als Gesandter mit den meisten Monarchen seiner Zeit verkehren durfte.

Seine diplomatische Thätigkeit begann 1551. In diesem Jahre erwartete er König Maximilian in Mailand und gab ihm durch venetianisches Gebiet das Ehrengeleite. Von 1554 bis 1557 war er Gesandter in England. Seit diesem Jahre, wo er mit König Philipp England verliess, bis zum Jahre 1602 gab es dort keinen beglaubigten Gesandten Venedig’s.*) Darauf wurde er an den französischen Hof gesandt, wo er vom 2. December 15575) bis zum October 1560°) verblieb. Über beide Legationen sind wir durch veröffentlichte Depeschen®) und Relationen®) wohl unterrichtet. Nach Frankreich kehrte er noch dreimal, jedesmal als ausserordentlicher Gesandter, zurück: 1572 und 1573 im Interesse des Friedens zwischen Spanien und Frank- reich, und 1575, um König Heinrich zu seiner Hochzeit mit Louise von Lothringen zu beglückwünschen. Die betreffenden Relationen sind uns erhalten,?) aber seine Depeschen aus dem Jahre 1572, die besonders wertvoll gewesen wären, weil er die

1) Rawdon Brown, Calendar, VII, p. 313 f.

3) Siehe unten S. 219.111.

3) Cod. 6097, f. 244" bis 246”.

*) Rawdon Brown VI.m, p. 1364 A., VII, Vorrede, p. VII.

5) Ebendas., VI.in, p. 1330.

6) Ebendas., VII, p. 269.

*) Paul Friedmann, Les döpäches de Giov. Michiel, ambassadeur de Venise en Angleterre (Venise 1869), wozu auch Pasini Verbesserungen und Zusätze veröffentlicht hat, und Rawdon Brown VII.

*) Bei Alberi, ser. I, II, 289, und III, 409, die zweite Relation nur im Auszuge und in englischer Übersetzung bei Rawdon Brown VII, p. 321 f.

*) Bei Albèri, ser. I, IV, 275 sg., 363 sg., 345 sg., 377 sg.

XII Biographische Notizen.

Greuel der Bartholomäusnacht erlebte, sind 1577 ebenso wie andere Depeschen mit Räumen des Dogenpalastes verbrannt.!)

Micheli war auch am Kaiserhofe wiederholt als ständiger und als ausserordentlicher Gesandter thätig. Das erste Mal ver- weilte er dort vom 17. November 1561 bis Anfang Juni 1564, das zweite Mal vom 10. November 1566 bis zum 25. September 1571.?) Seine Relation über die erste Gesandtschaft las er im Senate am 22. Juli 1564 vor, also drei Tage vor dem Tode Kaiser Ferdinand’s, die zweite am 24. November 1571.) In den Jahren 1577 und 1583 kam er als ausserordentlicher Ge- sandter an den Kaiserhof. In dem erstgenannten Jahre drückte sein Mitgesandter Leonardo Donado am 21. Juli dem Kaiser Rudolf das Beileid Venedig’s zum Tode Maximilian’s II. aus, Micheli erstattete aber nach der Heimkehr den Schlussbericht.*)

Noch dreier ausserordentlichen Missionen Micheli’s ist zu gedenken. Im Juli 1574 empfieng er mit drei Collegen den durch Wien, Venedig und Savoyen heimreisenden König Hein- rich in demselben Thale bei Venzone an der friaulischen Grenze, von wo er auch im September 1581, ebenfalls mit drei Collegen, die Kaiserinwitwe Maria auf deren Reise nach Spanien durch venetianisches Gebiet zu geleiten hatte.5) Endlich beglück- wünschte er 1579 den Grossherzog Franz von Toscana im Namen Venedig’s zu seiner Vermählung mit der Venetianerin Bianca Capello.

Micheli bekleidete auch viele Ämter der Republik und erreichte 1580 die Procuratie von San Marco. Als er am 26. December 1596 starb, zählte er mindestens 75 Jahre.

Leonardo Mocenigo wurde als der Sohn Antonio’s am 25. Juni 1522 geboren.®) Von seiner Verwendung im Staats- dienste ist uns nur seine zweijährige Legation am Wiener Hofe bekannt geworden. Diesen verliess er Mitte Juli 1559, erkrankte

1) Vgl. unten S. 522 A. 3; Albèri, Appendice, p. VIII, und Rawdon Brown VII, p. XIV, 484.

?) Siehe unten S. 198 A. 1, 275.135, 370 A. 4, 522 A. 2.

8) Bei Fiedler, 227 f. und 271 f.

+) Ebendas., 355 f.

5) Ebendas., 381 f.

6) Cod. 6098, f. 4947,

+ adagia), u Rm i

E, VI SEE ABER EIA IA Il

MU BRE 4 I zer Mit 10% he 1 i TA de er 1 È ‚durch den Inhalt ausgeschlossen. Pau an Ln ia

XIV Biographische Notizen.

liess Paulo Tiepolo als Nachfolger zurück. Aus dieser Zeit sind uns nur wenige Depeschen erhalten. Sein Schlussbericht ist noch unbekannt. !)

Am 18. Januar 1557 begann dann Suriano seine Thätig- keit in den Niederlanden bei Kaiser Karl V. und bei König Philipp II. Von diesem verabschiedete er sich am 8. Januar 1559?) und kehrte, wie er in seiner Finalrelation*) mittheilt, nach achtundzwanzigmonatlicher Abwesenheit in seine Heimat zurück. Viele seiner Depeschen aus diesen Jahren sind ver- öffentlicht.*) Doch lassen sich viele Lücken in der Bericht erstattung durch ein gleichzeitiges, noch unbenütztes Depeschen- register?) des Wiener Staatsarchivs ausfüllen.

Suriano durfte nicht lange der Ruhe geniessen; denn schon am 5. December 1559 wurde er zum ständigen Gesandten in Frankreich ernannt, kam aber erst gegen Ende October 1560 am Königshofe®) an, verblieb daselbst vierzehn Monate lang’) und trug Anfang 1562®) den Pregadi seine Relation vor. Ausser dieser ist auch ein grosser Theil seiner Depeschen veröffent- licht.9) 1563 war er Lezze’s College bei dessen Gratulations- mission an König Maximilian. 19)

Die bedeutendste Aufgabe, die er während seines fast dreijährigen Aufenthaltes in Rom (von Ende September 1568 bis September 1571) zu lösen hatte, war die Verhandlung über die Liga gegen die Türken. Ihr Abschluss erfolgte aber unter

1) Juräny, Ungarn im Zeitalter der Türkenherrschaft (Leipzig 1887, deutsche Übersetzung), citiert (8. 131, 132, 148) einen Gesandtschaftsbericht Soriano’s vom Jahre 1557, den die ungarische Akademiebibliothek besitzt. Diese Angabe beruht wohl auf einem Irrthume: entweder ist das Jahr 1554 gemeint, oder der Gesandte hiess Paulo Tiepolo; denn dieser kehrte im Jahre 1557 vom Hofe König Ferdinand’s heim. Vgl. Albèri, ser. II, IV, 163.

2) Vgl. den Depeschenband 5 des k. und k. geh. Haus-, Hof- und Staatsarchivs in Wien.

8) Bei Albèri, ser. I, III, 331 sg., im Auszuge, und in englischer Über- setzung bei Rawdon Brown VII, p. 327 f.

‘) Ebendas. im VI. und VII. Bande.

5) Vgl.oben A. 2 und V.D. I, p. XXI A. 1.

€) Rawdon Brown VII, p. 263.

?) Albéèri, ser. I, IV, 106.

8) Ebendas., 103 sg.

®) Bei Rawdon Brown, Bd. VII.

10) Vgl. oben p. XI.

M. Suriano, P. Tiepolo und V. Tron. XV

Beihilfe seines Collegen Giovanni Soranzo; denn dieser war ibm im September 1570 an die Seite gegeben worden, weil man bei Suriano zu grosse Nachgiebigkeit gegen den Papst bemerkt hatte. Suriano’s Relation ist darum eine Vertheidigungs- rede.!)

Paolo Tiepolo (1523 bis 1585). Über sein Leben hat schon Albèri*) Einiges mitgetheilt. Dies braucht daher hier nicht wiederholt zu werden.

Aus der Zeit seiner Anwesenheit am Hofe König Ferdi- nand’s in den Jahren 1554 bis 1557, wo ihn Leonardo Moce- nigo im September ablöste,?) ist im Wiener Staatsarchive nur eine Depesche vom Jahre 1556 erhalten.*) 1558 wurde er nach Brüssel gesandt, kam dort am 18. December dieses Jahres an,°) begleitete dann König Philipp nach Spanien und kehrte etwa Anfang 1563 heim. Seine Depeschen aus den voran- gehenden Jahren sind zum Theile veröffentlicht.) Ausser der bezüglichen Finalrelation sind zwei andere aus den Jahren 1569 und 1576 über seine mehrjährigen Legationen in Rom bekannt geworden.?) Schliesslich sei noch erwähnt, dass er 1581 mit drei Collegen der Kaiserinwitwe Maria durch venetianisches Gebiet das Geleite gab.*)

Vincenzo Tron (1533 bis 1582)?) wird schon vor dem 22. September 1565, wo er zum Gesandten in Savoyen ernannt wurde, 1°) im Dienste der Republik verwendet worden sein. Von späteren Diensten Tron’s ist nun seine Legation am Kaiserhofe genauer bekannt geworden. Dort verweilte er vom 14. Mai

1) Bei Alböri, ser. II, IV, 199.

3) ser. II, IV, 163 sg.

®) Denn dieser gibt in seiner Mitte August 1559 eingesandten Rela- tion an, dass seine Legation vierundzwanzig Monate gedauert habe, und Tie- polo trug seine Relation am 12. October 1557 vor. Albèri, ser. I, III, 143 sg., VI, 81.

4) Siehe unten S. 8 A.

5) Depeschenband 5 (f. 119”) im Wiener Staatsarchiv.

6% Bei Rawdon Brown, Bd. VII.

”) Bei Albèri, ser. I, V, 1 sg.; ser. II, IV, 164 sg., 203 sg.

*) Vgl. oben p. XII.

”) Cod. 6098, f. 7497.

10) Alberi, ser. II, IV, 272; vgl. oben p. IX.

XVI Ausfertigung und Beförderung der Dispacci.

1574!) bis gegen Mitte August 1577.?) Sein Schlussbericht?) scheint nicht viel später als der Micheli’s und Donado’s erstattet worden zu sein.*) Diese beiden waren nämlich im September 1577 von ihrer Condolenzmission bei Kaiser Rudolf zurück- gekehrt.

Depeschen, Rubriche und Finalrelationen.

Infolge genauer Schriftenvergleichung hat sich die Thatsache ergeben, dass sowohl die ersten, als die zweiten Ausfertigungen (Replicate) von Depeschen nicht von den Gesandten selbst, sondern von deren Secretären geschrieben wurden; sogar die Unterschriften stammen von diesen.) Correcturen von der Hand der Gesandten beweisen aber, dass diese die Reinschriften genau durchlasen; doch ist dies bei den zweiten Ausfertigungen nicht immer der Fall gewesen, weshalb dort mancher Fehler stehen blieb. Die Gesandten schrieben ihre Depeschen nur dann eigenhändig, wenn sie keinen Secretär zur Seite hatten. Das war in den Jahren 1566, 1573 und 1574) der Fall. Die Thätigkeit der Gesandtschaftssecretire war um so wichtiger, als sie an demselben Hofe wiederholt länger als die Gesandten verweilten. ?)

Die meisten Depeschen des vorliegenden Bandes sind mit der wöchentlich einmal vom Kaiserhofe nach Italien verkehren- den Post abgesendet worden. Es war Brauch, derlei Wochen- berichte auch dann abgehen zu lassen, wenn kein Anlass zu wichtigen Mittheilungen vorhanden war.®) Wenn der Kaiser in Wien oder in Pressburg weilte, erreichten die Depeschen Ve-

1) Siehe unten 8. 528 A. 1.

?) Rubrica zu einer uns nicht erhaltenen Depesche vom 11. August 1577. Wiener Staatsarchiv.

3) Unvollständig bei Albèri, ser. I, VI, 181 sg.

4) „Si remetteremo,“ so Äusserten sie damals, „alla relation oruatissima et giudiciosissima, che la Ser! V. haverà da lui.“ Fiedler 871.

5) Siehe unten 8.8 A., A. 1.

6) Vgl. unten S. 526 A. 1, 528 A. 1, 544 A. 4.

*) Vgl. unten S. 8 A. 1, 75 f.so und Alberi, ser. I, VI, 122.

8) So schreibt Micheli am 13. August 1571: „Non sarà per altro il presente spazzo à V. Ser‘ che per non intermettere il solito instituto di scri- vere per ogni ordinario“ (Postboten).

Lücken in den Depeschenreihen. Dorsualnoten XVII

nedig etwa in acht Tagen.!) In wichtigen und dringlichen An- gelegenheiten berichteten die Gesandten häufiger und benützten dann eigene Couriere. In der Regel wurde der vorhergehende Bericht in zweiter Ausfertigung mitgeschickt. Wenn alle Dis- pacci aus der Zeit von 1554 bis 1576 erhalten wären, so würden sie eine grössere Zahl von Fascikeln als sechs füllen; denn so vielen sind die Depeschen dieses Bandes entnommen. Die Berichte sind aber nur sehr unvollständig auf uns gekommen. Brände im Dogenpalaste, besonders der vom Jahre 1577, und Verluste infolge von nachlässiger Aufbewahrung in den dortigen Dachräumen?) haben den ursprünglichen Bestand bedeutend gelichtet. Spärlich sind die Reste aus den Jahren 1554 bis 1566. Abgesehen von kleineren Lücken fehlen noch Depeschen aus mehreren Monaten der Jahre 1570 und 1571, ferner die vom März 1572 bis zum März 1573 und fast alle, die an die Zehn gerichtet waren. Wenn auch Ergänzungen aus dem königlichen Staatsarchive in Venedig ausgeschlossen sind, °) so sei die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die vermissten Stücke wenigstens zum Theile, vielleicht aus Familienbesitz, in die Öffentlichkeit gelangen. Denn entgegen allen Verboten sind die Depeschenregister doch nicht immer abgegeben worden. *) Glücklicherweise besitzen wir vom Jahre 1558 angefangen 5) einen Controlbehelf für das Fehlende. Es sind dies Depeschen- ausziige, wie solche nicht bloss in der Kanzlei des Dogen, son- dern auch in der des Papstes angelegt wurden; dort hiessen sie Estratti,®) in Venedig Rubriche oder Robriche. Depeschenauszüge erscheinen ursprünglich in lateinischer Sprache auf der Rückseite der zuerst einlangenden Ausferti- gungen zwischen Empfangs- und Verlesungsvermerk,?) während die Dorsualnoten der später einlangenden Ausfertigungen meist nur in dem Aufgabsvermerk bestehen. Seit dem 1. März®) 1558,

1) Siehe unten 8. 358 A. *) Siehe unten 8.15 A. 1 und oben p. XII A. 1. °; Denn eine bezügliche Nachfrage daselbst ergab ein negatives Resultat. 4) Vgl. V.D.I, p. XXII. 5) Vgl. unten S. 17 A. 1. *) Einige derselben z. B. bei Theiner, Vetera monumenta Slavorum meridionalium (Zagrabiae 1875), 45 sq. N Vgl. V. D. I. 3.1, 436.126, ebenso unten 8. 15 A. 1 und 280.137 A. 2. *) Denn damit begann in Venedig das Jahr. Venetianische Depeschen vom Kaiserhofe. 11I. b

XVIII Rubricarii.

vielleicht auch früher, wurden derlei Auszüge, wohl infolge eines besonderen Beschlusses, nicht mehr in dorso geschrieben, sondern in eigene Hefte, welche Rubricarii genannt und nach Ländern geordnet wurden. Gleichzeitig wurde in den Dorsual- noten, die gewöhnlich von derselben Hand wie die Rubriche stammen,!) nach dem Empfangsvermerk R., Rub., r. oder rub. geschrieben, was rubricatae oder rubricandae [nämlich litterae] bedeuten könnte. Doch liegt es nahe, mit der ersten Deutung anzunehmen, dass der Auszug, wie früher in dorso, immer vor der Verlesung?) der Depeschen abgefasst wurde. Doch kommen einige Male Nachtragungen vor, welche die chronologische Reihen- folge stören. In solchen Fällen wird von dem Rubricator an der Stelle, wo der Auszug stehen sollte, auf jene verwiesen, wo die Eintragung zu finden ist. Einmal wird ausdrücklich wie zur Rechtfertigung am Rande einer an unrechter Stelle geschriebenen Rubrica bemerkt: „Non data in tempo“.?) Im Allgemeinen lässt sich aber behaupten, dass die Rubriche von Beamten der Dogenkanzlei in der Reihenfolge, in der sie an- kamen, und nicht lange darauf, niedergeschrieben worden sind.

Die nächste Frage, die sich aufdrängt, ist die, ob den Rubricatoren alle Depeschen, also auch die an die Zehn ge- richteten, anvertraut wurden. Diese Frage ist wohl zu verneinen, denn man findet im Rubricario nur selten eine Eintragung der wenigen uns erhaltenen Depeschen an die Zehn; ebenso fehlt in den Dorsualnoten die Bemerkung „Rubricatae“.*) Wenn trotz- dem in den Rubricarien einige der uns nicht erhaltenen De- peschen an die Zehn eingetragen erscheinen,5) so wird dies dadurch zu erklären sein, dass sie mit Bewilligung der Zehn den Pregadi mitgetheilt wurden; denn Solches geschah wohl öfter. Anderseits kam es gelegentlich vor, dass Theile von Depeschen an den Dogen im Senate nicht verlesen wurden.®)

1) Siehe im Register den Artikel „Rubricator“.

?) Siehe darüber unten S. 280.137, 301.100, 368.173 A. 3, 534.204 und 541.206 A. 1. 3) Rubricario, f. 288".

4 Vgl. unten S. 446 A., 533 f.304, 534 A. 1. In den „Rubricarii di Germania“ findet sich auf fol. 140v über einem freigelassenen Raume das Datum des 28. Mai 1563 mit der Bemerkung: „Tenuta in consiglio X.“

5) Siehe unten p. XXII A. 3 und S. 296. ı«r.

9) Siehe z. B. unten S. 368.173 A. 3 und 446 A.

Charakter der Rubriche. XIX

Wenn die Dispacci an die Zehn überhaupt in abgeson- derten Heften ausgezogen wurden, so geschah dies vermuthlich nur zu einer Zeit, wo das Interesse an der Wahrung ihres Ge- heimnisses bereits geschwunden war.

Was nun den Charakter der Rubriche anbelangt, so möge erwogen werden, dass unser Interesse für den Depescheninhalt ein anderes ist als das der Rubricatoren. Daher sind die Ru- briche theils ausführlicher, als wir sie benötliigt hätten, theils von schweigsamer Kürze. Trotzdem sind sie bei der Lücken- haftigkeit der erhaltenen Berichte ein unentbehrlicher Behelf zur Controle und häufig genug ein Ersatz für das Verlorene. Dies gilt besonders für die Jahre 1558 bis 1566, wo die Ar- beiten zweier ungenannten Rubricatoren (A und C) in einigen Fällen den Depeschen selbst vorzuziehen sind. Die Auszüge eines anderen Rubricators (B)!) nehmen aber mit den Jahren so sehr an Kürze zu, dass sie oftmals nicht viel mehr als Titel bieten. Bei allen kommen kleinere Irrungen und Auslassungen von Worten, Fehler gegen die Übereinstimmung im Satze vor, die bei nur einmaliger Durchsicht leicht hätten vermieden wer- den können. Wir haben es eben mit einer Arbeit zu thun, die nur dazu diente, eine durch schlagwortartige Randnoten erhöhte Übersicht über die Berichterstattung aus den einzelnen Ländern zu geben.

Die Rubriche sind bisher nicht benützt worden, wohl aber

ein Theil der Depeschen dieses Bandes. Becker,?) Bezold,*) Ritter,4) Frakndi®) und Wertheimer®) haben hiebei aus dem

1) Vgl. im Register „Rubricator A, B und C“.

?) Siehe unten S. 594 A. 3.

3) Siehe unten S. 400 A. 1, 457 A. 4, 477 A.2, 480 A.3, 492 A.3, 562.311 A. 5, 565 A. 2.

4) Siehe unten 8. 376.174 A. 1, 381.175 A. 3, 388.170 A. 2, 460.188 A. 1, 464.190 A. 3.

3) Siehe unten S. 236 f.130 (vgl. Ergänzungen und Berichtigungen), 404.178 A. 4, 405 A. 1, 468.101 A. 2, 3, 4, 471.101 A. 6, 474.199 A. 1, 479 A. 1, 488 A_2.

6) Siehe unten 8. 311.156 A. 5, 6, 312.156 A. 3, 314.157 A. 3, 321.150 A. 2, 322 A. 2, 323.159 A. 4, 325.100 A. 2, 329 A., 331 A. 3, 332 A. 2, 337.104 4.2, 338.164 A. 1, 346.107 A. 2, 347.167 A. 1, 2, 348.167 A. 2, 355.100 A. 3, 4, 356 A. 4, 357 A., A. 4, 360.170 A. 2, 360 A. 3, 361.170 A. 2, 861 A. 3, 362.170 4.1, 363.171 A. 4, 7, 364.171 A. 7, 374 A., 374.124 A. 1, 375 A.1, 379.175 A. 1.

p*

XX Finalrelationen.

k. k. geheimen Haus-, Hof- und Staatsarchive in Wien geschöpft; ihre bezüglichen, meist nur kleinen Citate sind aber in nicht immer zureichender Weise mitgetheilt. Rawdon Brown und sein Fortsetzer Cavendish Bentinck!) haben nach ersten oder zweiten Ausfertigungen und nach Abschriften der Originale des Wiener Staatsarchives Auszüge in wiederholt missglückter Übersetzung geboten.?) Die Depeschen bis zum Jahre 1566 haben Hopfen?) vor dem Erscheinen des vorliegenden Bandes gedruckt vorgelegen.

Bei der Lückenhaftigkeit der Depeschenreihen müssen wir leider einige Male mit den Schlussrelationen vorlieb nehmen. Denn es sei hier nochmals‘) hervorgehoben, dass diese nicht ohne rhetorische Kunstgriffe und Autoreneitelkeit im Senate vorgetragenen Resumés nur mit Vorsicht zu benützen sind, wenn sie auch wertvolle Nachrichten über Fürsten und unent- behrliches statistisches Material enthalten. Bei diesen Darstel- lungen wird sehr häufig chronologische Ordnung vermisst, ausserdem werden aus der mehrjährigen Berichterstattung nur die Thatsachen, ja sogar deren spätere Entstellungen,*) hervor- gehoben, die dem Verfasser zur Begründung seiner Urtheile dienen. Daher würde uns ohne die Depeschen unschätzbares, chronologisch geordnetes Detail verloren gehen, das uns erst in den Stand setzt, die Behauptungen der Finalrelationen zu überprüfen. Die wertvollsten Finalrelationen aus der in diesem Bande behandelten Zeit sind die Micheli’s aus den Jahren 1564 und 1571.°) Sie zeugen von langjähriger aufmerksamer Beob- achtung, von grosser Schärfe des Urtheils und von tiefem Ver- ständnisse für die Motive und Wandlungen kaiserlicher Politik. Die Relationen Mocenigo’s, Soranzo’s und Correr's aus dem

1) Siehe unten S. 111 f.51, 123 f.ss, 410 A. 2, 499 A., A. 1, 505 A.

2) Auch Schwarz und v. Voltelini haben die Depeschen zu besonderen Zwecken durchgesehen. Siehe unten S. 460 A.5 und 515 A.4.

®) Kaiser Maximilian II. und der Compromisskatholicismus (München 1895).

4) Siehe V. D.I, p. VI.

3) Vgl. z. B. Alvise Mocenigo’s Depeschen über die mit der Verhaftung des Landgrafen Philipp endenden Verhandlungen mit seiner Darstellung in der Finalrelation in den V. D. II, 760, Spalte 1, und bei Fiedler 171, dazu meine Abhandlung „Zur Verhaftung des Landgrafen Ph.“ (Wien 1894, Pro- gramm der Staatsoberrealschule im II. Bezirke Wien’s).

9) Siehe oben p. XII A. 3.

Ausserungen Kaiser Maximilian’s als Hauptquelle. XXI

Jahre 1559, beziehungsweise 1562 und 1574 können uns den Verlust ihrer Depeschen in keiner Weise ersetzen. Der Schluss- bericht Contarini’s fehlt ganz, der Tron’s!) zum Theile.

Vorzüge der vorliegenden Berichterstattung.

Die Republik Venedig unterhielt mit dem Kaiserhofe gute Beziehungen, die trotz häufiger Grenzconflicte und alter Ge- bietsstreitigkeiten doch nur selten?) getrübt wurden. Trotzdem warnen die Gesandten ihre Regierung nicht ohne Grund vor Vertrauensseligkeit;?) denn die Erinnerung an den Verlust von Marano (1543) vermochte Kaiser Ferdinand noch in seinen letzten Lebensjahren heftig aufzuregen.*) Als die Republik 1573 den Separatfrieden mit den Türken schloss, erfüllte solche Los- sagung von den Bundespflichten gegen Spanien und gegen den Papst auch den Kaiser Maximilian mit Unwillen. Doch kommt es 1575 wieder zu vertraulichen Mittheilungen des Kaisers an den Gesandten Venedig’s wie zwischen den besten Freunden. Denn Personen gegenüber, die ihm des Vertrauens würdig schienen, war Maximilian von einer Mittheilsamkeit und Offen- heit, dass sie selbst diejenigen als zu weit gehend bezeichneten, die damit geehrt wurden.) Er ist mit seinen Urtheilen selbst über seinen Schwager und späteren Schwiegersohn König Phi- lipp nicht zurückhaltend gewesen, und die venetianischen Ge- sandten verstanden es ganz besonders, aus dieser Schwäche Nutzen zu ziehen. So konnten sie bei zahlreichen Gelegen- heiten wichtige Mittheilungen und Ansichten des Kaisers über Fürsten und Begebenheiten meist wortgetreu berichten. Mit Unwillen sah der spanische Gesandte Chantonnay, der Bruder des Cardinals Granvelle, wie Micheli von dem Kaiser mehr als er selbst erfragte.°) Denn der Kaiser war mit Chantonnay un-

man

1) Siehe oben p. XVI A. 3.

* Siehen unten S. 102 f.«, 285 f.141.

®) Micheli’s Relation vom Jahre 1564 bei Fiedler 261, 265.

4) Siehe unten S. 102 f. «7.

5) Siehe Micheli’s Finalrelation bei Fiedler 242, 280 f., und Goetz, Maximilian’s Wahl zum römischen König (Würzburg 1891), 36.

©) Vgl. seinen Bericht an König Philipp vom 20. September 1567 (Docum. inéditos, CI, 276).

XXII Vorziige der vorliegenden Berichterstattung.

zufrieden und beklagte sich über ihn und über Vanegas, den zweiten Botschafter Spaniens, 1568 sogar dem venetianischen Gesandten gegenüber.?)

Die Oratoren Venedig’s hatten viele ungenannte Freunde und vielfache Beziehungen zu Personen in der Umgebung des Kaisers. Einige erfreuten sich sogar des Vertrauens spanischer Gesandten.?) Auch päpstliche Nuntien, besonders ihre Lands- leute Giovanni und Zaccaria Dolfino, sowie Commendone fanden sie gegen Venedig dienstbereit und waren mit ihnen häufig befreundet. Ebenso verdankten sie auch polnischen Botschaftern viele Mittheilungen. Unter den Personen in der Umgebung des Kaisers wird einmal dessen Hofmarschall und Kriegsrath Auers- perg als Freund Micheli’s erwähnt.?) Von den häufig an den Kaiserhof berufenen Räthen aus Ungarn suchte sich der Dal- matiner Verancsics, der 1569 Primas von Ungarn wurde, gegen Venedig aufmerksam zu zeigen.*)

Die so wohl unterrichteten venetianischen Berichterstatter bieten uns eine Menge von Nachrichten, welche zum Verständ- nisse des geschichtlichen Verlaufes und Zusammenhanges der politischen Begebenheiten Europas wichtig sind, während sie für religiöse Verhältnisse und für darauf bezügliche Verhand- lungen auf Reichs- und Landtagen nur so weit Interesse zeigen, als sie eine Wechselwirkung zwischen Religion und Politik er- kennen. Man darf in ihren Berichten nicht viele neue Auf- schlüsse über das Verhalten Maximilian’s in religiöser Beziehung suchen. Darüber unterrichten uns aber die bisher bis zum Jahre 1571 veröffentlichten Berichte der glaubenseifrigen spa- nischen Gesandten und der leider unvollständig mitgetheilte Briefwechsel König Philipp’s mit seiner ihm innig ergebenen Schwester, der um das Seelenheil ihres Gemahls und ihrer Kinder stets besorgten Kaiserin Maria.)

1) Siehe unten 8. 438 f.ıes, 487 A. 6.

?) So schreibt Luna am 5. September 1560 tiber Soranzo: „un hombre muy honrado y discreto ....tiene gran amistad y communicacion conmigo.“ Docum. inéditos, XCVIII, 172; vgl. ferner unten S. 321 A. 4, 333 A. 4, 558.210.

8) In dessen sonst unerheblicher Depesche an die Zehn vom 12. März 1571, von der nur eine Rubrica erhalten ist.

+) Vgl. unten 8. 67 A. 1, 474 A. 1.

5) Docum. inéditos, XCVIII, CI, CIII, CX. Vanegas bemerkt am 2. Juni 1568 von ihr: „No creo que vive en la tierra persona de mejor intencion

Begrenzung des folgenden Resumés. XXIII

Bei den guten Beziehungen zwischen Venedig und dem Kaiser waren die Vertreter einer an religiösen Fragen und Schwierigkeiten unbetheiligten Macht, wie sie Venedig war, als Berichterstatter in viel günstigerer Lage denn die päpstlichen Nuntien und Legaten. Abgesehen von wiederholter Störung des guten Verhältnisses zwischen Rom und Kaiser Maximilian hatte dieser auch sonst guten Grund, päpstlichen Vertretern gegen- über mit freimüthigen Äusserungen zurückhaltend zu sein. Überdies sei hier hervorgehoben, dass ihm Commendone durch- aus nicht sympathisch war.)

Allgemeine Ergebnisse.

Die im vorliegenden Bande erörterten Fragen sind zu zahlreich, als dass hier im Einzelnen darauf verwiesen werden könnte. Ich will mich daher darauf beschränken, nur das her- vorzuheben, was im Zusammenhalte mit anderen Quellen für das Verständnis der Politik der deutschen Habsburger, beson- ders aber für deren Verhältnis zu König Philipp von Spanien wichtig ist; denn dieses bildete im damaligen Europa mit Recht den Gegenstand lebhaftester Aufmerksamkeit.

Das Verhältnis Karl’s V. zu seinem Bruder und zu seinen Neffen begann sich zu trüben, als jener die Früchte seines Sieges in Deutschland für seinen einzigen Sohn, den künftigen König von Spanien, zu pflücken begann: 1548 kam das bur- gundische Erbe der Habsburger in ein unabhängigeres und, wie man damals meinte, spanische Herrschaft daselbst für immer sicherndes Verhältnis zum Reiche. Ebenso sollte Mailand?) durch Anerkennung auch weiblicher Succession mit Spanien unlösbar verbunden werden (1549). Dem Erben spanischer Obmacht in Europa und dem alleinigen Herrn der neuen Welt wurde auch das Kaiserthum als höchste Würde der Christen- heit zugedacht. Es ist bekannt, dass der Widerstand König Ferdinand’s und seines Sohnes Maximilian und der Widerwille

en todo y en las cosas de V. M. con grandissimo amor y hermandad.“ Docum inéditos, CI, 432.

!) Ebendas., CIII, 103.

*) Siehe im Register „Mailand“.

XXIV Allgemeine Ergebnisse.

der deutschen Fürsten gegen spanische Succession!) bewirkten, dass die scheinbare Nachgiebigkeit Ferdinand’s im Jahre 1551 keine praktische Bedeutung erlangte. So blieb ein grosser Theil der am 9. März jenes Jahres geheim geschlossenen Hausver- träge unausgeführt. Die Beziehungen zwischen spanischen und deutschen Habsburgern wurden aber immer unfreundlicher. Erzherzog Maximilian hatte sich überdies in den Jahren 1548 bis 1550 während seiner Statthalterschaft in Spanien?) mit tiefer Abneigung gegen spanisches Wesen erfüllt, die er sein ganzes Leben hindurch nur mit Mühe verhehlen konnte. Damals sah er in den Spaniern auch Gegner seiner eigenen ehrgeizigen Pläne.

Denn wie sein Vater bei den Successionsverhandlungen Absichten auf Mailand zu erkennen gegeben hatte,?) ja Even- tualansprüchen auf Spanien*) nicht entsagen wollte, so strebte er selbst nach der Statthalterschaft in den Niederlanden. Dies war einer der Zwecke seiner Reise dahin im Sommer des Jahres 1556. Ausserdem führte er dort Verhandlungen wegen der Übertragung des Kaiserthums an seinen Vater. Diese ver- zögerte sich aber bis zum März 1558; denn König Philipp war 1554 zum Reichsvicar über Siena und im Jahre 1556 über ganz Italien ernannt worden, und König Ferdinand weigerte sich, eine solche Schmälerung kaiserlicher Rechte nach der Annahme der Kaiserwürde zu bestätigen.°) Weder er, noch sein Sohn Maximilian haben dies jemals gethan. Anderseits erreichte dieser nicht die Statthalterschaft der Niederlande. Zu den Hauptgegnern einer solchen Verfügung gehörte, wie wir nun wissen, Cardinal Granvelle.°) Maximilian hat ihm dies, sowie die Karl V. bei den Successionsverhandlungen gelei- steten Dienste nie verzeihen können.?) Während seines Auf- enthaltes in den Niederlanden erwarb sich Maximilian dort

1) Vgl.V.D. II, p. XXXVII sq.

?) Dort weilte er vielleicht auch 1543. Hopfen, Maximilian I. und der Compromisskatholicismus, 16.

8) Siehe V. D. II, 496.10.

+) Ebendas., S. 511.204.

5) Siehe unten 9. 20 A. 8, 42 A. 5.

°) Siehe unten 8. 447 A.3.

7) Vgl. V. D. II, 487.194, 501.200 und unten 487.194.

Rivalität im Hause Habsburg. XXV

vile Sympathien. Micheli theilte 1564 mit, dass Maximilian mit Niederländern und mit Mailändern viel und in auffallend herablassender Weise verkehre.!) Während aber weibliche Nachfolge in Mailand im Januar 1564 definitiv anerkannt wurde, ?) blieb Maximilian in theils geheimer, theils offener Verbindung mit den Niederländern,®) wusste später um die Pläne der Auf- ständischen*) und trat seit 1566 wiederholt, aber niemals ohne Unwillen und Verdacht zu erregen, als Vermittler für sie auf. Als Ausgleichsbedingungen, über die er eine Zeitlang sogar auf einer Zusammenkunft mit König Philipp unterhandeln zu können hoffte,5) schwebten ihm hiebei vor: mindestens be- schränkte Duldung nichtkatholischen Gottesdienstes®) und, man darf es nun behaupten, von allem Anfange an die Statthalter- schaft eines Erzherzogs.?) Bei der Enthüllung der Verbindungen der Niederländer mit den Geächteten von Gotha im Jahre 1567 war er nicht zu bewegen, bestimmte Namen zu nennen.®) Dem Misstrauen der Spanier gegenüber deutete er aber an, dass ihm als Urheber der Reichsexecution gegen die Geächteten ein Ver- dienst an der rechtzeitigen Entdeckung und Vereitelung feind- licher Absichten gegen die Niederlande zukomme.*)

Wiederholt und in scharfen Worten missbilligte er das Verfahren der spanischen Regierung gegen die Niederländer; doch versicherte er dem venetianischen Gesandten in der feier- lichten Weise, dass die Hinrichtung Egmont’s und Hoorne’s ohne einen Befehl des Königs erfolgt sei. !°)

Bei seinen Vermittlungsversuchen verfolgte Maximilian nicht allein persönliche Zwecke, sondern trug auch der Miss- stimmung der deutschen Fürsten Rechnung, welche ihm die Förderung spanischer Gewaltmassregeln in den Niederlanden

I) Fiedler 260.

*) Vgl. unten 8.89 A. 1.

* Siehe unten S. 381.115 A. 5.

4) Ebendas., 8. 387.176 A. 4.

5) Ebendas., 8. 376 A. 4.

*) Ebendas., 8. 376.174, 541.20e.

*) Vgl. unten 8. 448.187, 548.301. *) Siehe unten 8. 407 A. 2.

*) Vgl. unten 8. 405 f.178, 423.181. 10) Siehe unten S. 457.1ss.

XXVI Allgemeine Ergebnisse.

sehr übel nahmen;!) denn es war immer ein dringendes Inter- esse der deutschen Habsburger, die Fürsten Deutschlands in guter Stimmung zu erhalten, um möglichst ausgiebige Türken- hilfe zur Behauptung Ungarns zu erlangen und um ihrem Hause die Nachfolge im Reiche zu sichern.

Ausserdem waren Sorgen um fürstliche Ausstattung so zahlreicher Nachkommenschaft,?) wie sie Maximilian besass, wie für sein Verhalten zu den Unterthanen,?) so für seine aus- wärtige Politik von grossem Einfluss.

Auch sein religiöses Verhalten ist von den genannten Rücksichten geleitet worden.

Wie die meisten Fürsten seiner Zeit hatte er nur geringes Verständnis für die trennenden Gegensätze der beiden in Deutsch- land gesetzlich anerkannten Kirchen*) und stand, wie viele seiner Zeitgenossen, sein ganzes Leben hindurch, trotz mancher Abweichungen von dem römischen Katholicismus,°) diesem viel näher als dem Protestantismus. ®)

Nach der im Jahre 1556 in den Niederlanden erlebten Enttäuschung liebte er es, seine Abweichungen von den Lehren der römischen Kirche offen zur Schau zu tragen, und gieng darauf aus, sich über die Aussichten für seine Wahl zum römi- schen König durch Specialmissionen an einzelne Fürsten zu informieren.") An dem Zwiste mit seinem Vater in den Jahren 1559 und 1560 trug nicht allein sein religiöses Verhalten, son- dern auch unbefriedigter Ehrgeiz schuld, weil ihm unabhängige Regentenstellung in Böhmen oder Ungarn wie früher,®) so da- mals wieder, versagt wurde.?) Wenn auch 1559 von protestan- tischen Fürsten der Wunsch nach der Abdankung Kaiser Fer- dinand’s I. zu Gunsten seines Sohnes laut geworden war,!°) so

1) Siehe unten 8. 453 A. 1.

2) Vgl. unten S. 414 f.ıso. ®) Siehe unten S. 460.1ss.

*) Hopfen, Kaiser Maximilian II. und der Compromisskatholicismus (München 1895), 5 f, 41 f., 59 f., 80.

5) Ebendas., 9 f., 39 f., 60, 85, 89, 113, 116 £., 121 f., 169 £.

©) Man hat solche Katholiken in jüngster Zeit Compromisskatholikem genannt und Kaiser Maximilian zu diesen gerechnet. Ebendas., 9 f., 12, 175.

7) Vgl. Goetz 36 & und unten S. 47.10.

8) Vgl. Hopfen 21 und 29.

®) Siehe unten S. 129 f.se, 131.57, 133.56, 145 f.se.

10) Sielie unten S. 95.42.

Zurückdrängung religiöser Überzeugungen durch Hauspolitik. XXVII

kam dieser doch bald zur Erkenntnis, dass seine Wahl ohne beruhigende Erklärungen bezüglich seines religiösen Verhaltens und ohne König Philipp’s Fürsprache, auch beim Papste, un- möglich sei. 1560 war Maximilian davon überzeugt, dass Phi- lipp nach der römischen Königswürde strebe.!) Es soll sogar noch 1567 zwischen beiden zu Verhandlungen gekommen sein und Maximilian sich gegen Bürgschaften für König Rudolf’s spätere Wahl bereit erklärt haben, die des Don Carlos zu unter- stützen.?)

Inzwischen hatte er gute Gründe, seine Abweichungen von den katholischen Lehren nicht in dem Masse wie früher kundzugeben. Denn es wurde ihm die Aussicht auf die Ver- mählung zweier Töchter mit dem Erben von Spanien und mit dem König von Portugal eröffnet, später wurde sogar die Mög- lichkeit der Succession Rudolf’s in Spanien bei Don Carlos’ immer deutlicher werdender Successionsunfähigkeit erwogen. Dazu kam noch die Unterstützung kaiserlicher Heiratsverhand- lungen in England für Erzherzog Karl und Einwirkungen von Seite seiner Gemahlin und König Philipp’s. Auch erhielt er im December 1561 päpstliche Dispens für geheime Communion unter beiderlei Gestalt. Freilich, die tiefer Eingeweihten, wie seine allgemein verehrte Gemahlin und die spanischen Bot- schafter, haben bezüglich des religiösen Verhaltens Maximilian’s noch oft König Philipp’s Hilfe anrufen müssen.

Die religiösen Schwierigkeiten in seinen Ländern bereiteten Maximilian viele Sorgen. ,0 könnte ich,“ rief er in November 1570 aus, „in dieses Feuer Wasser giessen!“?)

Mit bewundertem Geschicke,*) allerdings nicht ohne Zwei- deutigkeiten®) gegen den Papst, gegen König Philipp, gegen deutsche Fürsten und gegen seine Unterthanen, hat er sich wiederholt aus grossen Verlegenheiten geholfen, so 1568, als

er die dem Adel Österreichs gewährte Religionsconcession scheinbar zurückzog, ferner 1575, als König Rudolf's Krönung zum böhmischen Könige und dessen Wahl zum römischen Kö-

1) Vgl. unten 8. 137.60 A. 6, 138 A. 2.

%) Siehe unten 8. 411 f.ır0, 418 f.160.

®) Docum. inéditos, CX, 124.

+) Siehe unten 8. 465 sg.190 und Hopfen 91. 5) Vgl. Hopfen 67, 73, 91.

XXVIII Allgemeine Ergebnisse.

nige wegen religiöser Forderungen in Frage gestellt wurden. Seinem persönlichen Eingreifen gelang es jedesmal, Conflicte zwar nicht zu beseitigen, aber ihnen vorläufig auszuweichen oder sie zu verschieben. Hiebei kamen ihm die Wirkung seiner Beredsamkeit in mehreren Sprachen, sein leutseliges Wesen und der Zauber, den er als Gesellschafter ausübte,?!) trefflich zustatten.

Wenn er auch ein Meister der Verstellungskunst war,?) so that ihm König Philipp doch Unrecht, wenn er im Glauben an zu weit gehende Rücksichten, ja an Verstellung, der Mei- nung Ausdruck lieh, sein Schwager sei innerlich so christlich und katholisch gesinnt, wie er es sein solle,?) und wenn er ihn in einem Briefe,*) den man nicht ohne Bewegung liest, wie ein Vater daran erinnert, dass® Ehre und Ansehen im irdischen Leben das Höchste sei, besonders für einen Fürsten. Denn Max blieb seinen Glaubensmeinungen bis zum Tode treu, und zum Entsetzen der wenigen Spanier an seinem Hofe und an dem seiner Gemahlin sandte er 1571 in schwerer Krankheit nach einem nicht römisch-katholisch gesinnten Beichtvater,®) und auf dem Sterbebette lehnte er den Empfang der Sacramente ab, wahrscheinlich weil er die Seinigen nicht durch Communion unter beiderlei Gestalt verletzen wollte. ®)

Wie sein Vater, so wünschte auch er, dass auf dem Concil durchgreifende und einigende Kirchenreformen beschlossen wür- den. In seiner Rücksicht für die Protestanten gieng er hiebei natürlich noch weiter als sein Vater.’)

Eine erschöpfende Darlegung aller Motive, welche Kaiser, Papst und Frankreich in dem Wunsche nach der Schliessung des Concils einigten, ist wohl noch der Zukunft vorbehalten. Was den Kaiser und seinen Sohn Maximilian betrifft, so sahen

1) Vgl. Finalrelationen bei Fiedler 216, 242, 279, 336, und bei Alböri, ser. I, VI, 118 sg., und unten S. 478 A. 1, 488 A., 489 A.1.

?) Siehe unten 8. 488 A. und Fiedler 282. 3) „En lo interior yo creo que es tan cristiano y catolico como lo debe ser.“ Philipp an die Kaiserin, 12. März 1569 (Docum. inéditos, CIII, 167). 4) Vom 26. October 1569. Docum. inéditos, CIII, 301 sg. 5) Docum. inéditos, CX, 329. ®) Siehe Becker (der Titel unten 8. 594 A. 1) 812 ff. *) Hopfen 81 f., 85.

Concilspolitik. Regierungsversicht Ferdinand’s I. XXIX

beide ihre Pläne bezüglich einer allgemeinen Kirchenreform bald gescheitert. Concilsbeschickung durch Deutschland und Zugeständnisse an die Protestanten blieben unerreichbar; über- dies galt es, noch die päpstliche Anerkennung der Wahl Maxi- milian’s zum römischen Könige zu erreichen, was eigentlich erst nach Ferdinand’s I. Tode geschah; auch über Laienkelch und Priesterehe wollte der Papst mit sich unterhandeln lassen: so gab denn Kaiser Ferdinand, unzufrieden mit den bisherigen Ergebnissen seiner Sorgen und Mühen und schon ernstlich krank,!) den Vorstellungen seines immer grösseren Einfluss gewinnenden Sohnes?) und dem Drängen des Papstes nach und willigte in die Schliessung des Concils. In schärfster Weise hat sich Maximilian, nachdem das Concil geschlossen war (4. De- cember 1563), über dieses geäussert: er nannte es eine Ver- sammlung von Menschen voll von Leidenschaften und persön- lichen Interessen.°) Im März 1564 bewilligte der Papst den facultativen Laienkelch, nicht aber die Priesterehe. Auch spätere Verhandlungen darüber blieben erfolglos.*)

Im April 1564 legte Kaiser Ferdinand alle Regierungs- gewalt in die Hände seines Erstgeborenen.5) Sein Beichtvater durfte ihn dann mit keinem Titel anreden. Man sieht, er war seinem Bruder Karl V. nicht unähnlich. Trotz all dem, was seit den Fünfzigerjahren zwischen ihnen vorgefallen war, nannte er ihn immer nur „seinen Herrn“.°)

Von Thatendrang und von Sehnsucht erfüllt, die seinem Vater entrissenen Gebiete Ungarns zurückzuerobern, ergriff Max die Zügel der Regierung. Er meinte, nichts könne ihm so sehr den Weg zur Unsterblichkeit bahnen wie der Krieg.’) Er war Zeuge des letzten Waffenerfolges seines Oheims Karl V.; denn er war im schmalkaldischen Kriege sein Begleiter. Am liebsten sprach er von militärischen Dingen.®) Mit dem hohen Fluge

!) Siehe unten 8. 229.11s.

* Hopfen 88 f.

8), Siehe unten S. 250.134.

*) Siehe im Register ,Laienkelch“ und ,Priesterehe“ und Hopfen 121 f. 5) Siehe unten S. 268.131 und Hopfen 88.

*) Capello, 1569, bei Albèri, Appendice 28.

*) Relation Micheli’s, 1564, bei Fiedler 243.

*) Cappello, 1558, bei Alberi, Appendice, 30.

XXX Allgemeine Ergebnisse.

seiner Gedanken!) standen aber seine Mittel und die Sorge um die Zukunft seiner vielen Kinder in peinlichstem Gegen- satze. Ruhmreiche Abwehr oder Bekämpfung der Türken war sein sehnlichster Wunsch. Solches wurde bald zur Nothwendig- keit, als der von dem Fürsten von Siebenbürgen aufgereizte Sultan gegen den Sohn seines vieljährigen Gegners Ferdinand zum letzten Male persönlich ins Feld zog.

Unter diesen Umständen mussten andere Rücksichten in den Hintergrund treten. Es versteht sich, dass alle enttäuscht wurden, welche Veränderungen im religiösen Zustande erwartet hatten. Wie Maximilian selbst bekannte, fand er bezüglich kirchlicher Forderungen seiner eigenen Erwartung gemäss auf dem Augsburger Reichstage des Jahres 1566 wenig Schwierig- keiten, und mit der Türkenhilfe, die dieser bewilligte, konnte er mit Recht zufrieden sein.?) Aber auch italienische und deutsche Fürsten sendeten Geld oder Truppen, Spanien und der Papst zahlten Subsidien. Die Länder des Kaisers und seiner Brüder gaben zwar nicht so viel, als man verlangte, aber immer- hin viel. Seit dem schmalkaldischen Kriege waren niemals so viele Truppen unter kaiserlicher Führung wie im Jahre 1566, denn Maximilian stand damals an der Spitze eines Heeres von mehr als 40.000 Mann. Zwei Drittel desselben bestanden aus Reitern. So viele waren in den spanisch-französischen Kriegen auf keiner Seite vereinigt gewesen. Dazu kamen aber noch Besatzungstruppen, ferner 20.000 Mann?) auf der Murinsel, die von Erzherzog Karl befehligt wurden, 6000 Mann unter Dersffy an der Neutra und 5000 Mann unter Schwendi bei Kaschau. Unter den Freiwilligen im Heere des Kaisers dienten Italiener, Franzosen, mit ihnen Heinrich von Guise, und Niederländer, darunter ein Bruder Wilhelm’s von Nassau- Oranien.*) Aber Maximilian war kein Feldherr, und in seiner Armee gab es niemand, dessen Autorität und Kriegserfahrung zu entscheidenden Entschlüssen hingerissen hätte. Die Rath- schläge des Befähigtesten unter ihnen, nämlich die Schwendi's,

1) Soranzo, 1563, bei Fiedler 216. ?) Siehe unten S. 354.169.

®) Vgl. unten S. 348.167.

4) Siehe unten S. 381 A. 5.

Der Türkenkrieg des Jahres 1566 und seine Folgen. XXXI

blieben unbeachtet, und dieser erhielt keine Verstärkungen. Dazu war der Nachrichtendienst äusserst schlecht, und auch die Disciplin liess zu wünschen übrig.

Infolge von Versäumnissen fiel Szigeth am 7. September, drei Tage nach dem verheimlichten Tode des Sultans, trotz der ruhmvollen Vertheidigung durch Zriny. Schon am 3. September hatte Gyula voreilig capituliert. Der Verdacht, dass der Com- mandant Kerecsényi hiebei sein Leben retten wollte, ist nicht unbegründet. Es wurde ihm gestattet, in ZApolya’s Dienste zu treten. So endete der Krieg, der mit der Eroberung von Vesz- prim und Totis einen günstigen Anfang genommen hatte, in unerwartet unglücklicher Weise. Abgesehen von nicht unbe- deutenden Territorialverlusten hatte auch das Ansehen des Kaisers starke Einbusse erlitten.

Der Misserfolg war von dauernder Wirkung für sein künftiges Verhalten: von nun an strebte er darnach, Frieden mit den Türken zu erhalten, und war dann ängstlich bemüht, ihn zu bewahren. Er meinte, ihnen die Angriffslust zu be- nehmen und ihre Abwehr zu erleichtern, wenn er erreichen könnte, dass die Kräfte Spaniens nicht in den Niederlanden verbraucht würden. Ebenso suchte er zur Vermeidung von Verwieklungen in Italien beizutragen.

Von Spanien empfieng er nach dem Jahre 1566, die Zeit seiner Bewerbungen in Polen ausgenommen, keine Unterstützung mehr, ebensowenig vom Papste.!) Es ist der letzte Erfolg seines Lebens gewesen, dass er nach einer Reihe kärglicher Bewilli- gungen 1576 cine ausgiebigere Reichshilfe für sechs Jahre er- hielt.) Bei dem Mangel an Opferwilligkeit des Reiches und seiner Unterthanen hatte er guten Grund, 1570 und 1571 eine zuwartende Haltung zu beobachten, als er wiederholt einge- laden wurde, der Liga gegen die Türken beizutreten, zu der er selbst die Anregung gegeben hatte. Zudem war von Spanien keine oder nur wenig Hilfe zu erwarten, und Polens Beitritt schien sehr ungewiss. Seine Zweifel an Venedig's Bundestreue bewahrheiteten sich durch den Separatfrieden mit den Türken im Jahre 1573. Vielleicht war auch die Rücksicht auf Deutsch-

.—___

!\ Siehe unten S. 403 A. 1. ?) Siehe unten S. 597.219.

XXXII Allgemeine Ergebnisse.

land massgebend, wo er bösen Gerüchten über eine katholische Liga den Boden entziehen und den Protestanten den Vorwand zu einem Bündnisse benehmen wollte. !)

Ausserdem war damals das Verhältnis des Kaisers zu dem Papste getrübt, seit dieser im Jahre 1569 Herzog Cosimo den Titel eines Grossherzogs von Toscana verliehen hatte. So em- pört sich auch Maximilian über den Eingriff in kaiserliche Rechte zeigte, so änderte er später, als er in finanzieller Be- drängnis war, seine ablehnende Haltung und erkannte 1576 den Grossherzogstitel und den Vorrang Franz von Medici’s vor den Herzogen Italiens urkundlich?) an.

Bei besseren Beziehungen zum heiligen Stuhle hat der Kaiser sich in der letzten Zeit seines Lebens wieder eingehender mit dem Projecte einer grossen Liga gegen die Türken be- schäftigt und darüber mit dem Czaren Verhandlungen geführt.°)

Vorher hatte er aber Manches erreicht, was ihn mit Be- friedigung erfüllen durfte. Seine älteste, überaus fromme und allgemein beliebte Tochter Anna, die er nach seinem Geständ- nisse mehr als alle seine Kinder liebte,*) war ursprünglich dem spanischen Thronerben Don Carlos zur Gemahlin bestimmt ge- wesen. Auf die Nachricht von der Verhaftung und später auf die von dem Tode (24. Juli 1568) des geisteskranken Prinzen ergieng sich der Kaiser in heftigen Vorwürfen gegen seinen Schwager. Diese waren schwerlich alle berechtigt5) und ver- stummten, als nach dem Tode der spanischen Königin Elisabetha (3. October 1568) die Hoffnung des Kaisers, Anna als Königim von Spanien zu sehen, in anderer Weise der Erfüllung ent- gegengieng. Von nun an liess er nie mehr ein abfälliges Urtheil über König Philipp hören. Nur seine Abneigung gegen die Spanier brachte er gelegentlich zum Ausdruck.®)

Wenn sich Maximilian schon früher in wichtigen Dingen ganz nach dem Willen Philipp’s richtete,?) obwohl er wünschte,

1) Vgl. Hopfen 186, 138, und unten 8. 473 A. 1, 486.10, 492 A. 3, 511 A.4. ?) Siehe im Register „Maximilian“.

3) Siehe im Register „Iwan“.

4) Docum. inéditos, CX, 104.

5) Vgl. im Register „Carlos“.

6) Micheli, 1571, bei Fiedler 302.

?) Vgl. unten 8. 463.189 und Fiedler 301.

Wandlungen und Resultate kaiserlicher Politik. XXXIII

dass man an Selbständigkeit seiner Entschliessungen glaube, !) so war dies von nun an noch mehr der Fall.

Im Jahre 1570, in dem Erzherzogin Anna Gemahlin König Philipp’s wurde, heiratete ihre Schwester Elisabeth (Isabella) den französischen König Karl IX.

Zwei Jahre später liess der Kaiser seinen Sohn Rudolf, der 1571 mit seinem Bruder Ernst aus Spanien zurückgekehrt war, zum König von Ungarn proclamieren und krönen. Der Ausdruck „Wahl“ konnte hiebei nicht, wie im Jahre 1563, ganz umgangen werden. Im Jahre 1569 wäre diese Krönung infolge gefährlicher Unzufriedenheit der Ungarn vermuthlich unmöglich gewesen. Die Klugheit des Kaisers latte damals grösseren Ab- fall seiner Anhänger zu Zäpolya, dem Fürsten von Siebenbürgen, zu vermeiden verstanden.

Dieser starb im März 1571 und damit wurden auch seine Heiratsverhandlungen mit dem Herzoge von Cleve abgebrochen, von deren günstigem Ergebnisse sein Unterhändler Bekes die Unterzeichnung vereinbarter Bestimmungen eines Friedens mit dem Kaiser abhängig gemacht hatte. Frühere Heiratsverhand- lungen mit Bayern waren wegen des unkatholischen Verhaltens Zäpolya’s gescheitert. Infolge der doppelzüngigen Politik des- selben blieben wiederholte Projecte einer Erwerbung Sieben-

bürgens unausgeführt. Nicht bloss Ehrgeiz und Ränkesucht, sondern auch Furcht vor Depossedierung durch die Türken hatten hiebei seine Politik geleitet. Die Entschädigungszusagen für diesen Fall waren in der That für ihn unannehmbar.

Im Interesse des Friedens mit den Türken begünstigte der Kaiser nicht Bekes’, sondern Bäthory’s Wahl zum Fürsten von Siebenbürgen (25. Mai 1571) und setzte es durch, dass dieser ihm und seinen Nachfolgern als Königen von Ungarn den Vasalleneid leistete. Békes' Feindseligkeiten gegen Bäthory brachten später den Frieden mit den Türken in Gefahr.

Am 7. Juli 1572 starb der letzte jagellonische König.

Schon 1559 und 1560 war von dem Plane die Rede, Erz- herzog Ferdinand mit einer Schwester König Siegmund’s zu vermählen und seine Nachfolge in Polen beschliessen zu lassen. Freilich bildete Erzherzog Ferdinand’s damals unbekannte Ehe

I) Siehe unten 8.464 A.2.

Venetianische Depeschen vom Kaiserhofe. III. c

XXXIV Allgemeine Ergebnisse.

mit Philippine Welser ein Hindernis. Ein anderes war die dauernde Entfremdung, die zwischen dem Polenkönig und den Habsburgern eintrat, theils weil dieser mit Katharina, der Schwe- ster Maximilian’s, in unglücklicher Ehe und später von ihr ge- trennt lebte, theils weil er vergebens die Rückgabe von Bari verlangte, das von seiner Mutter, der Königin Bona, König Philipp 1557 testamentarisch vermacht worden war. Die Kaiser Ferdinand und Maximilian bemühten sich wiederholt, aber ver- gebens um eine Zusammenkunft mit dem Polenkönig. 1569 kam es noch zu Verhandlungen über die Vermählung Erzherzog Karl’s mit der viel älteren polnischen Prinzessin Anna,!) die aber wegen der Abneigung des Erzherzogs gegen eine solche Ehe erfolglos blieben.?) Deswegen und weil Karl es ablehnte, Heiratsverhandlungen mit England fortzusetzen, soll das herz- liche Verhältnis des Kaisers zu seinem Bruder für kurze Zeit getrübt worden sein.?)

Nach dem Tode König Siegmund’s bewarb sich der Kaiser für seinen Sohn Ernst um die Krone Polens. Eine Zeitlang scheint er sogar an cine Vereinigung dieses Reiches mit Böhmen gedacht zu haben.4) So schmerzlich für ihn auch 1573 der Sieg der französischen Politik in Polen war (dies trübte die Beziehungen des Kaisers zu Frankreich für die folgenden Jahre), so zögerte er doch, als er infolge abermaliger Bewerbungen am 12. December 1575 zum Könige gewählt ward, mit der An- nahme dieser Wahl bis zum 24. März 1576. Mit erstaunlicher Offenheit entwickelte er hiebei dem venetianischen Gesandten seine Bedenken.°) Während er nun Verhandlungen mit dem Czaren über eine grosse Liga und über eventuelle Theilung Polens fortsetzte, gewann der Gegenkönig Bäthory immer mehr Anhänger. Wenige Tage vor seinem Tode drückte aber der Kaiser den Wunsch aus, dass im Interesse des Friedens mit den Türken eine Gesandtschaft des Papstes an den Czaren unter- bleiben möge.

1) Siehe unten 8.482 A. 3.

2) Micheli, 1571, bei Fiedler 309.

3) Ebendas.

4) Siehe unten S. 528.203 A. 5, 535 A. 2. 5) Siehe unten S. 581 f.aıe.

Verhältnis zu Polen. Tod Kaiser Maximilian’s II. XXXV

Er schied dann mit der Genugthuung aus dem Leben, von dem Reichstage trotz aller Schwierigkeiten, die auch die religiöse Frage bereitet hatte, eine ansehnliche Hilfe erlangt zu haben. Auch gewährte es ihm Befriedigung, dass ihm sein Sohn Rudolf, dessen Wahl er im Jahre 1575 durchgesetzt hatte, im Reiche folgen konnte. Dies verdankte er, wie früher bemerkt wurde, ?) seinen persönlichen Verhandlungen mit den Kurfürsten, dann aber auch der loyalen Unterstützung des Kurfürsten von Sachsen, der seit der Reichsexecution gegen die Geächteten von Gotha und seit der Gefangenhaltung des Sachsenherzogs Johann Friedrich des Mittleren in Wiener-Neustadt guten Grund hatte, die Absichten des Kaisers zu fördern. Der mässigende Einfluss dieses mächtigsten Kurfürsten bildete auch für die be- sonders von Kurpfalz und Frankreich ausgehenden und gegen die Habsburger gerichteten Bundesbestrebungen ein dauerndes Hindernis.

Abkürzungen.

. = Anmerkung. Cos? Cesarea. Christian®° Christianissimo. illustr®° illustrissimo. Mtà Maestà. rever@°, rev®° reverendissimo. Sertè Serenità. Stà Santità. ?) Sub Sublimità. V. D. = Venetianische Depeschen vom Kaiserhofe.

Ausserdem wurden folgende Zeichen verwendet:

[*....*] für chiffrierte Stellen der Originaldepeschen.

[[*], [*]] für je ein fehlendes Chiffrezeichen.

[....] für Ergänzungen des Textes.

[!] für ungewöhnliche oder im Zusammenhange auffallende Aus- drücke, Formen oder Wortstellungen.

T_T _——__m&

') Siehe oben p. XXVII sq. ?) Serenità, das in den Originalen ebenfalls durch S% gekürzt erscheint, wurde in diesem Bande stets durch Sertè wiedergegeben.

c*

Seite

Berichtigungen und Ergänzungen.

7.2, Z.9 von oben lies: ,Michiel“ statt „Michael“.

12.4, A.1, Z.3 lies: „Bischof von Erlau, zuletzt Erz] von“ statt: „Erzbischof von Erlau, zuletzt von“.

16.5, Textzeile 4 von unten ist zu „Romani“ als Anmerkung zutragen: „Darauf beztigliche, wahrscheinlich bei n Fürsten vorgebrachte Anregungen König Maximilian’s i 1556 lehnte der sächsische Kurfürst ab. Goetz, Maximi Wahl zum röm. Könige (Würzburg 1891), 37 f., 44 f., 4

17.6, A.1, 2.5 lies: ,colflegio,] R(ogatis]“ statt: „col[legio torum]“.

19, A.3, Z.9 von unten lies: „officio di“ statt: „officio «

32.13, A.4, Z. 2 lies: „von Maximilian von Gonzaga 155 lich“ statt: „von dem Herzoge von Ferrara“, und ergi Schlusse: „Wiener Staatsarchiv, Lehensacten Mantua“.

39, A.3, 2.2 lies: „Babou“ statt: „Babon“.

54.31, Dorsualnote lies: ,col[legio,] R[ogatis]“ statt: ,col[le;

gator]um*“. 56, A.5 lies: „1550 bis 1567“ statt: „(1550 bis 1557)“. 66 muss A. 2? so lauten: „Bald nach dieser Zusammenkı

Bruck an der Mur am 13. September) suchte der Mark; Kaiser vergeblich zu bestimmen, Maximilian’s Königsv den deutschen Fürsten anzuregen. Der vertrauliche Brief des Markgrafen Joh. von Br. mit Max II. (Zeitschr. für Gesch. und Landeskunde, 1878, XV, 115 ff., ferner Fors«ı zur deutschen Gesch., XVI, 564 f., und Goetz, a. a. O.,

71.38, Inhaltsangabe, Z. 2 lies: „Die von Kärnten“ statt: „i

76, 78 und 80, Columnentitel, lies: „S. Lando“ statt: „L. Mo:

82, A.4, Z.4 von unten lies: „unverzüglich“ statt: „st

120.53, Z. 2 von oben lies: „200 [sic]“ statt: „200%.

124.53, Textzeile 5 und 6 von oben theile ab: „gentil’ ho-mo „gentil’-homo*.

126, A.1, Z.8 von unten lies: „Tschernowitsch (Czeruc statt: „Tschernojewitsch“.

139, A.3, 2.2 lies: „von Gnesen“ statt: „von Polen“. 150, A.1, 2.5 lies: „Merey*“ statt: „Mercy“.

160.15, A. 3, Z. 1 lies: „Zaccaria Dolfino“ statt: „Dolfino“. 162.77, A. 1, Z. 4 lies: „Philibert“ statt: „Philipp“.

163.717, A. 1 lies: ,Bourdaisière“ statt: „Bourdaisiere“.

189, A. 1, Z.3 lies: „betreffen“ statt: „betrafen“, und Z. £ therischen“ statt: „Lutheraner“.

191 ist am Schlusse der Anmerkung 3 beizufügen: „Vgl. < Goetz, Maximilian’s II. Wahl, 62 ff., 66 f., 69 f.“.

Seite 210.108, 211.106, 222.113, 225,

237.120,

242.193, 252, s 258.127, s 274,

s 570.214,

Berichtigungen und Ergänzungen. XXXVII

A. 2 lies: „Karl (?)“ statt: „Karl*.

letzte Textzeile setze nach „bisogno“ ein Komma.

A.4, 2.7 von unten lies: „Königshofe“ statt: „Kaiserhofe“. A. 4 lies: „Sickel, a. a. O., 472“ statt: „ebendas., 472“.

Z. 7 von oben ergänze zu „l’arcivescovo“ folgende Anmer- kung: „Das Folgende ist fehlerhaft citiert in den Monum. Hung. hist., IV, 411 A. 2, 3“.

letzte Textzeile lies: „trattava“ statt „rattava“.

A.4, 2.5 lies: „Cormons“ statt: „Comorns“.

A. 1, letzte Zeile lies: „228 A. 1“ statt: „288 A. 1“.

A. 3, 2.5 lies: „Carnkowski“ statt: „Wolski“.

erste Zeile von oben lies: „Wien“ statt: „[Wien]“.

A. 5 lies: „148 und Micheli“ statt: „148, Micheli“.

A., Z. 5 lies: „20.000 fl. zum grossen Theile als Geschenk gegeben“ statt: „20.000 fl. geschenkt“.

A. 2, 2.17 von unten lies: „Nuvolera“ statt: „Nuvolara“. Z.9 von oben ergänze zu „Sava“ folgende Anmerkung: „Es ist die Mur gemeint. Siehe unten 9. 359 A. 2“.

A. 1, 2.7 von unten lies: „dass dort ein aus dem Französischen ins Deutsche übersetztes Buch“ statt: „dass dort ein Buch“. A.1, 2.4 von oben lies: „Mähren, Schlesien und von der Lausitz“ statt: „Mähren und Schlesien“.

Textzeile 5 von unten ergänze zu „polaca“ folgende Anmer- kung: „Anna Zajaczowska".

A. 1, Z.3 von unten lies: „Bäthory’s“ statt: „Zäpolya’s“.

A. 2, Z.3 von unten lies: „holten“ statt: „holte“.

A.1, 2.6 lies: „Correr’s“ statt: ,Tron's8“, ebenso Z.8 und 11: „Correr“ statt: „Tron“, und A. 4, Z.1: „Correr“ statt: „er“. Z.4 von oben gehört zu ,tanto“ als Anmerkung 2 Folgendes: „Das darüber stehende, von einem anderen Dechiffreur ge- schriebene ‚in mezo‘ ist von ihm wieder getilgt worden. Von ihm sind auch einige wenige, ursprünglich irrig oder gar nicht gelöste Worte geschrieben, beziehungsweise verbessert“.

Berichtigungen zum I. und II. Bande.

Band I, 8. 488.127, Dorsualnote lies: „L[ectae] c[ollegio,] R[ogatis]“ statt:

‚I, » Ly,

nL[ectae] c[ollegio] R[ogatorum]“. 6.4, erste Textzeile lies: „non“ statt: ,noi“, und tilge An- merkung 1, sowie die bezügliche Berichtigung p. XLVIII. 63.25, 2.5 lies: I’ uva“ statt: l’ una“.

s Il, 467, A. 2 lies: „Padniewski“ statt: „Padnieunski“. a IL, 646, A.2 lies: „Pedro Pacheco, Cardinal, Bischof“ statt:

Francisco Pacheco de Ceralbo, Cardinal, Erzbischof“.

1. Michele Suriano an den Dogen. Wien, 26, Juli 1554.)

Der Erzbischof von Salzburg hat auf seine Würde ver- zichtet und Kienburg’s Wahl gefördert, um heiraten zu können und um seines Reichthums sicher zu sein. Mit dem Bayernherzog ist er entzweit. Alle ungarischen Räthe folgten der Berufung nach Wien, nur der unzufriedene Palatin nicht. Auf die un- bestündigen Szekler ist kein Verlass. -- Dem König Ferdinand ist an Malvezzi’s Weiterreise zum Sultan nichts gelegen, da er die Pforte bis zu einem Siege der Perser hinhalten möchte, um noch Siebenbürgens Einbeziehung in den Frieden durchzusetzen.

Serenissime Princeps?) etc.

Scrissi l’ ultime mie alli 13. Dapoi in Germania non s'è Sentito niuna novità, et benchè Alberto) facci ogni cosa possi- bile per rimettersi un’altra volta, però fin’ hora non ha potuto far niente.

L’arcivescovo di Salzburgh,‘) barba del Duca di Baviera, tinalmente ha rinonciato l’arcivescovato al capitulo. Concor-

!) Die folgenden Depeschen aus den Jahren 1551, 1555, 1556 und 1557 befinden sich in dem Bande 1* (schwarz) des k. und k. geheimen Haus-, Huf- und Staatsarchivs in Wien. Es sind dies Originale, aber meist nur in Zweiter Ausfertigung (replicate oder duplicate [lettere]; vgl. V. D. I, 453.153 A. 1). Die ersten zwei Depeschen aus dem Jahre 1554 sind vermüge ihres Ursprungs und Inhalts hier wohl besser am Platze als im zweiten Bande.

2) Francesco Venier. Vgl. V. D. II, 666 A. 5. Personennamen, zu denen Erläuterungen in diesem Bande vermisst werden, mögen in den Registern der ersten beiden Bände nachgeschlagen werden.

® Markgraf Albrecht von Brandenburg-Culmbach begab sich damals nach Frankreich. Vgl. Voigt, Markgraf A. Alcibiades von Brandenburg-Culm- bach (Berlin 1852), II, 200 ff., Bucholtz, Gesch. . . . Ferdinand’s I. (Wien 1836), VIL 150 und V. D. II, 649.s54.

*) Ernst von Bayern, geb. 1500, 1517 bis 1540 Administrator von Passau, hierauf von Salzburg, resignierte am 16. Juli 1664 und starb am 7. December lò60. Pichler, Salzburgs Landesgesch. (Salzburg 1865), 374.

Venetianische Depeschen vom Kaiserhofe. III. 1

2 M. Suriano. 26. Juli 1554.

1 revano & quella dignità due cardinali: quel di Trento!) et quello di Augusta,?) et il vescovo di Patavia,°) ma la elettion è cascata in un canonico, chiamato domino Michiel Chiemburg,*

nato in Carintia, di famiglia assai nobile, ma povera, et si crede

che l'arcivescovo vecchio lo habbi favorito per qualche intel.

ligentia, che sia fra loro, o per dubbio che, se havesse uno d

quelli personaggi, non li mettesse in difficultà una grandissima

richezza che ha aquistata in tanti anni che ha tenuto quella dignità, la qual rende più di 200 mille scudi d’ entrata all’ anno

Dicesi che ha rinonciato per voler prender moglie, et che per

questa causa non si ha mai voluto metter in sacris, ma perchè

è hormai di grande età et indisposto, si crede più presto che,

conoscendo di non poter viver molto, habbi voluto salvar tutto

quello, che ha aquistato, per disponerlo dapoi la morte è modo suo, il che non li saria successo, se fusse morto arcivescovo; et se il Duca di Baviera stesse ben seco, saria ben per lui, ma vien ditto che non si amano et che nascerà qualche contro- versia fra loro”) per la heredità del Duca Lodovico,") il qual morì senza figlioli.

In Hongaria li Turchi di Buda, Alba Regal, Vesprimio et

Cinquechiesie [sic]?) sono convenuti insieme et hanno fatto passar

il Danubio tre canoni et alcuni pezzi di artegliarie da campagna

1) Cardinal Christoph von Madruzzo war seit 1535 Domherr von Salz- burg. Vgl. Riedel, Salzburgs Domherren (Mittheil. d. Gesellsch. f. S. Landes- kunde 1867, VII), 163. Über Madruzzo's Bewerbungen seit dem Jahre 1550 vgl. Druffel, Beiträge zur Reichsgesch. (München 1873, 1880) I, SS. 418, 441, 501, II, 191 und V. D. II, 449.184, 451 A. 4, 462 A.

?) Otto Truchsess von Waldburg.

®) Auch Wolfgang Graf von Salm (1540 bis 1555 Bischof von Passau) war Salzburger Dombherr seit 1537. Vgl. Riedel 187 und Pichler 375.

4) Michael Edler von Kienburg (die Schreibung Küenburg ist jünger). Vgl. Pirkmayer, Stilprobe aus dem XVI. Jahrh. (Mittheil. d. Gesellsch. f. S. Landeskunde 1884, XXIV) 300. Er war 1514 geboren, stammte aus [Win- disch-]Matrei in Tirol und starb als Erzbischof am 17. September 1560.

5) Über den Erbschaftsstreit des Erzbischofs mit dem Bayernherzoge vgl. Drutfel, Beiträge I., S. 374, 393, 407, 418, 516 f., 522, 576 A., 537, 692 ff, 667 f. und Il, 20f. Über den Versuch des Erzbischofs, seinen Sohn legiti- mieren zu lassen, und über das Streben des Bayernherzogs, das Erzbisthum für seine Familie zu retten, vgl. ebendas. I, 596, II, 20f. und V.D. II, 477.

%) Geb. 1495, 1508 bis 1545 Herzog von Bayern.

’) Stuhlweissenburg (Alba reale), Veszprim und Fünfkirchen.

Verzicht des Erzbischofs von Salzburg. 3

et dapoi sono ritornati alle sue guardie. Onde il seren®° Re, ı dubitando che vogliano far qualche impresa, ha convocati li conseglieri hongari!) in questa città, per far le provisioni neces- sare. Tutti sono venuti, eccetto il palatino,?) [*il qual intendo che è mal satisfatto, perchè li mesi passati, che si trattava della provisione sua, non ha havuta altra rissolutione[!] che di parole.*]?°)

Il seren®° Re li ha scritto una lettera nuovamente, et si crede che non mancharà di venire.

Dapoi expedita questa trattation con li Hongari, si dice publicamente che il seren®° Re andarà in Bohemia, ma fin’ hora non si ha niuna certezza.

Di Transilvania non si ha niente di più di quello che scrissi per l’ultime mie, et benchè li Sciculit) si siano ressoluti per il Re, però ogn’un crede che per picciola occasione si muteranno di sententia, secondo il solito della instabilità loro.

Il Malvezzo°) non parte da Comar, finchè non ritorna un messo, mandato alla Porta, dicono publicamente, per haver il

1) Nach Fellner's Angabe (Zur Gesch. der österr. Centralverwaltung, Innsbruck 1887, in den Mittheil. d. Instit. f. österr. Gesch. VIII, 273) ist in Ferdinand’s I. Zeit nach dem Jahre 1539 weder ein ungarischer noch ein böhmischer Hofrath mehr nachweisbar. Vgl. Rosenthal, Die Behördenorgani- sation Kaiser Ferdinand’s I. (Archiv f. österr. Gesch. 1887, LXIX) 67, 68 A. 3 und V. D. II, 473.191, 518.207.

*) Thomas Nädasdy, geb. 1498, wurde 1538 Banus von Croatien, später index curiae und war vom März 1554 bis zum 2. Juni 1562 Palatin von Ungam. Vgl. Fellner 283 und Wurzbach, Biograph. Lexikon (Wien 1869) XX, 18 f,

> Die mit [*...*] bezeichneten Stellen des Textes sind chiffrierte Theile der Originaldepeschen. Die Chiffren der Depeschen vom 26. Juli 1554 bis zu der vom 24. Januar 1563 hat Herr Luigi Pasini aufgelöst. Chiffren- schlissel und Auflösungen sind im k. und k. geheimen Haus-, Hof- und Staats- archir in Wien aufbewahrt.

*, Die Szekler hatten ihre Privilegien am 26. April 1554 bestätigt er- halten. Fessler, Gesch. von Ungarn (Leipzig 1874) III, 567.

5) Johann Maria Malvezzi war schon mit dem Tribut nach Constan- tinopel abgereist, als ihn König Ferdinand in Komorn halten liess und von dem Sultan die Versicherung verlangte, dass er den Waffenstillstand überall denbachten und wegen Siebenbürgens keine Schwierigkeiten bereiten wolle. Nachdem die Antwort vom (26. September) eingetroffen war, wurde am 23. No- vember 1554 an Stelle des todkrauken Malvezzi der Niederländer Auger Ghislain de Busbecq, der Entdecker des Monumentum Ancyranum des Au- gustus, an den Sultan abgesaudt. König Ferdinand an seine Gesandten Zay

1*

4 M. Suriano. 8. August 1554.

1 salvo condutto, [*ma la verità è che il serenissimo [sic] nons cura di farlo partir, expettando qualche prospero successo de Sofi,!) et maxime che, havendosi il signor Turco lassato intende: come già scrissi,?) che voleva al tutto che la Transilvania fuss restituita,°) et che quanto & quella provintia non vuol altra sort di accordo. Si spera che con qualche rotta che egli habbia : rimoverà di questa opinione; et per questo fu mandato il mess il qual intertinirà [!] quelli signori con la speranza della venui del Malvezzo et con bona occasione vederà di ottener che nell trattatione della pace si possano comprender anchor le cose ı Transilvania.*]

Ricevi con debita riverentia le lettere di V. Ser" de 6 co li summarii da Constantinopoli, li quali furono communicati 8 condo l’ordine di quella, alla gratia della qual riverentemen mi ricommando.

Di Vienna alli 26 di luglio 1554. Di V. Ser'è divotissimo servitor Replicate.4) Michiel Surian, ambasciator.

2. Michele Suriano an den Dogen. Wien, 8. August 1554.

Die Conferenzen der ungarischen Riithe über Massregel gegen einen Türkenangriff sind ohne Ergebnis geblieben, we: die Geldnoth gross ist, und weil der Sultan die Beobachtui des Waffenstillstandes befohlen hat. Königin Isabella hat offe erklärt, so lange alles zur Wiedergewinnung Siebenbiirgens ve suchen zu wollen, bis alle ihre Forderungen erfüllt seien. Kön Ferdinand wird aber zögern, sie zu erfüllen, da er ihr nic.

traut. Der Prager Landtag wird der Hilfsforderung wegı

und Verancsics am 21. Juni und 6. November 1554 und deren Bericht vo 24. Juni 1554 in den Monum. Hung. historica (Pest 1858), IV, 270, 273 ff. u: bei Pray, Epist. procerum regni Hung. (Posonii MDCCCVI) III, 35.

1) Thamasp, 1523 bis 1576 Schah von Persien. Über die Erkläru: des Wortes ,Sophi“ siehe V. D. 1, 65.18.

2) Hat mir nicht vorgelegen.

3) Vgl. hierüber den Bericht der Gesandten Zay und Verancsies : König Ferdinand vom 29. Mai 1554 (Monum. Hung. hist. IV) 265.

4) Vgl. oben 8. 1.1 A. 1.

Friedensverbandlungen mit dem Sultan. 5

der Erschöpfung des Landes grosse Schwierigkeiten bereiten. 2 Der Herzog von Württemberg, die sächsischen Herzoge und andere Fürsten werden nach Böhmen kommen.

Replicate.!) Serenissime Princeps etc.

Alli 26 del passato scrissi l’ultime mie et con quelle man- dai la lettera,?) che scrive il seren”° Re al rever®° cardinal Paciecco?) per la liberation delli subditi di Vostra Ser', che sono schiavi‘) nel regno di Napoli.

Dapoi ho ricevute con debita riverentia le lettere della Ser“ Vra de 21 con li summarii da Constantinopoli et avisi della armata turchesca, li quali communicai alla M'è Regia se- condo il consueto. |

Vennero in questa città, [*come?°) scrissi,#) li consiglieri hongari, chiamati dal serenissimo [sic] per dar ordine alle pro- visione [!] che si avessero è far, in caso che li Turchi si mo- vessero è danni del regno; et benchè siano stati per molti giorni in diversi consulti, però non hanno conclusa niuna cosa di mo- mento, parte per la penuria del denaro, la qual è grandissima (et senza quello non può far niuna provisione che vaglia), parte anchora perchè, come mi ha detto il serenissimo di Boe- mia,") sono avisi da Buda, per riporto di un homo venuto nuo- vamente, che il signor Turco ha mandato à quel bassa un chiaus®) dalla Porta con commandamenti expressi che da lui

1) Siehe oben S. 1.1 A. 1.

*) Hat mir nicht vorgelegen.

3 Don Pedro de Pacheco war von 1553 bis 1555 Vicekimig von Nea- pel nnd starb im Alter von 60 Jahren 1560. Docnm. inéditos para la hist. de Espaia (Madrid 1858) XXIII, 140 ff. Damit ist die irrige Angabe in den V. D. II, 646.253 A. 2 richtiggestellt. Vgl. die Ergänzungen und Berichtigungen.

‘) Hs. chiavi.

5) Hs. r$, die Chiffre für das hier unmögliche perchè“, während r? come” bedeutet. (Nach Pasini’s Chiffrenschlüssel.)

©) Vgl. oben 8. 3.1.

*) Maximilian.

*) Tschausch, Thürhüter am Hofe des Sultans. Vgl. Kieffer und Bianchi, Dictionnaire turc-francais (Paris 1835 et 1837) I, 361. Die Tschausche waren ‚die officiellen Couriere des osmanischen Staates und Läufer beim Heere*“.

6 M. Suriano. 8. August 1554.

2 ct dalli sui siano servate le tregue con questa Maestà, et non si cerchi altro che conservar li luochi che hanno in c dia, per non tirarsi adosso nuova guerra, finchè quel sarà occupato in Persia. Per così fatto aviso pare è q signori di esser securi che per questo anno non si haverà n molestia da Turchi, ancora che la Regina Isabella!) et li a; per nome del figliolo fanno ogni cosa possibile per ricuper. Transilvania, perchè quella Regina si è lassata intender ch mente con questo serenissimo che non è per desister d: ogni tentativo per rihaver il suo, fin che Sua Maestà non a pie tutte le promesse, che li fece già quando li fu cessa q provincia.?) Et intendo che questo modo di proceder di q Regina fa che il serenissimo andarà più intertenuto in dar cutione alle promesse, perchè non si assecura che cella h: à cessar di darle questi disturbi, quando ben fusse satis Ma però stando con speranza che per il nuovo ordine signor?) li Turchi non siano per far niun moto questo : non si fa niuna provisione.*]

Et il serenissimo Re s’& rissoluto di andar la futura mana in Bohemia, et già ha mandato li ordini che quelli si del regno siano in ponto per il giorno di San Bortholamio che si darà principio alla dieta, nella quale si hanno da re, molte cose di quel regno, che per la longa absentia di Sw: sono disordinate. Si distribuiranno ancho certi officii che va et in ultimo si tratterà di haver un subsidio,?) [*il qual int da diverse vie che haverà grande difficultà, per esser regno, come loro dicono, exhausto da tante gravezze; n quello che succederà Vostra Serenità sarà avisata.*]

Salamon, Ungarn im Zeitalter der Tiirkenberrschaft, deutsch von (Leipzig 1887), 93.

1) Vel. Huber: Die Verhandlungen Fordinand’s I. mit Isabell: Siebenbürgen (Archiv für österr. Gesch., Wien 1891, LXXVIII) 35 f. Is konnte am 22. October 1556 in Klausenburg einziehen.

2) Im Vertrag von Weissenburg vom 19. Juli 1551.

3) Turco, nämlich des Sultans.

4) Vgl. die Landtagsbewilligung vom Jahre 1554 in den „Böhm: Landtagsverhandlungen ... von 1526 an...“ (Prag 1880) II, 674, w Gindely, Gesch. d. bö5bm. Finanzen (Denkschriften d. kais. Akad. d. Wisst philosoph.-histor. Cl., Wien 1869, XVIII) 169.

Königin Isabella’s Drohung. 7

Veniranno in Bohemia il Duca Augusto di Saxonia et li 2 figlioli,!) che furono del Duca Gioan Federico,?) ct il Duca de Vertimberg et altri principi,*) per haver dal seren”® Re le in- vestiture di diversi stati, per li quali li loro precessori et loro sono vassalli della corona di Bohemia. Onde si crede che sarà un grandissimo concorso di principi et signori & questa dieta . . .4)

Di Vienna alli 8 d’agosto 1554. Di V. Serenità divotissimo servitor Replicate. Michael Surian,5) ambaseiator.

n u mn

1) Johann Friedrich (II.) der Mittlere (1529 bis 1595), Johann Wil- beim (1530 bis 1573) und Johann Friedrich (III.) der Jüngere (1538 bis 1565).

*) Herzog Johann Friedrich war am 4. März 1554 gestorben.

*) Diese Zusammenkunft fand nicht statt. (Stälin, Württembergische Gesch., Stuttgart 1873, IV, 555; Bucholtz VII, 148 ff.; Beck, Johann Fried- rich der Mittlere, Weimar 1858, 135, 144 f.) Kurfürst August hatte jedoch am 14. April 1554 eine Zusammenkunft mit Erzherzog Ferdinand gehabt und einen Defensivbund gegen Markgraf Albrecht geschlossen (Bucholtz VII, 149). Die erwähnte Belehnung erfolgte erst 1557 (Beck 151, 211).

*) Ans diesem Grunde und wegen sehr grosser Auslagen, die er bisher gehabt habe, bittet Suriano den Dogen in den 17 Schlusszeilen (f. 73) um einen Kostenbeitrag.

5) Suriano verliess Wien am 21. August und kam am 28. August 1554 in Prag an. Auf seiner Reise durch Bähmen begleitete ihn im Anftrage Könie Ferdinand’s „der Commissär“ [Hanns?] Roggner [vgl. das Hofstaats- verzeichnis bei Oberlcitner im Archiv für österr. Gesch. XXVI, 26], der für ihn aufs Beste sorgte.

Die Depesche Suriano's an den Dogen vom 1. September 1554 if. 61" bis 627, 90 Zeilen) berichtet über diese Reise, ferner über die vom bthmischen Landtage verlangten Steuern [vgl. die LandtagsverhandIungen 673f] und tiber die bevorstehende Ankunft eines türkischen Gesandten.

Es folgen hierauf in dem Bande 1a (schwarz) zwei Originaldepeschen Snriano’e (,replicate“) an den Dogen, die eine vom 9., die andere vom ll August 1554 (zusammen 208 Zeilen, f. 55" bis 607). Sie betreffen eine von Venetianern begangene Grenzverletzung, über die sich Graf Sigismund von Lodron bei König Ferdinand und dieser bei Suriano beschwerte. Zwei Grafen von Lodron wurden nämlich in der Nacht vom 10. auf den 11. Juli 1554 von Verwandten und Anhängern eines verhafteten Schuldners anf grau- same Weise getödtet, weil einer der Grafen gedroht hatte, den Schuldner aufhängen zu lassen. König Ferdinand verlangte, dass die Schuldigen be- straft und die Verwandten der Ermordeten entschädigt würden. Der Gesandte sellte aber dieser Forderung die Behauptung entgegen, dass dies keine Staats- angelegenheit bilden könne, „perch& altramente ogni delitto che si facesse, dove introvenisse più di uno, si chiameria publico“.

8 L. Mocenigo. 23. September 1557.

3. Leonardo Mocenigo an den Dogen. Wien, 23. September 1557.')

Der niederösterreichische Landtag hat zwei Procent vom Grundertrag sammt einer Weinsteuer bewilligt, aber nur auf zwei Jahre, ausserdem eventuell einen Reisigen für je hundert Gulden Erträgnis. Grosse Einbringungskosten und allgemeine

In den Band la sind irrthiimlich auch die zweiten Ausfertigungen (replicate) zweier Depeschen gerathen, die Giovanni Formento, der Ge schäftsträger Venedigs beim Statthalter von Mailand (seit 1553), am 21. und 22. September 1555 in dem Feldlager [des Herzogs von Alba] bei Ponte- stura an den Dogen geschrieben hat (f. 64 bis 67).

Er berichtet darin über die Einnahme Volpiano’s vom 19. September, über die tapfere Vertheidigung durch Emanuel von Luna und Sigismund von Gonzaga, ferner über den Abmarsch kaiserlicher Truppen naclı Aste, Val- fen[i]era, Moncalvo, Cres[c]entino und San Germano (zusammen 1500 Mann), ebenso tiber Befehle zu Truppenwerbungen Ferdinand’s von Gonzaga, end- lich über einen misslungenen Anschlag französischer Truppen aus Casale auf Valenza. (Vgl. Adriani, Istoria de’ suoi tempi, Venezia 1587, p. 904 e 910.) Formento klagt schliesslich, dass er mit 70 Ducaten Monatsgehalt nicht die Hiilfte seiner Auslagen fiir Feldausriistung, Wohnungszins in Mailand, ferner für zwölf Diener, sieben Reitpferde und drei Maulesel bestreiten könne.

Die Schriftziige Formento's beweisen, dass er als Gesandtschafts- secretär in den Jahren 1546 bis 1548 Originale und gleichzeitige Copien der Depeschen Alvise Mocenigo's geschrieben hat. Sogar die Unter- schriften stammen von ihm. Daher muss ich zurücknehmen, was ich in den Jahren 1889 und 1892 (V. D. I, p. XXI und II, p. VII) behaupten zu dürfen glaubte. Vgl. unten A. 1.

Aus dem Jahre 1556 ist im Bande 1a nur eine Depesche Paulo Thie- polo’s an den Dogen aus Wien vom 19. September (f. 68, 34 Zeilen) ent- halten. Darin werden die Preisgebung Babocsa’s durch dic türkische Be- satzung infolge der Eroberung Korotna’s und die Niederlage kaiserlicher Truppen {bei Krasna-Horka vom 6. September] auf dem Rückzuge von „einer durch [Franz] Bebek’s Sohn [Georg] vertheidigten Burg in der Zips“ mit- getheilt. Die Verluste werden mit 4 Geschützen und 400 Mann angegeben. Darüber ist besser Hirn, Erzherzog Ferdinand II. von Tirol (Innsbruck 1885, 1888) I, 28 f. und Bucholtz VII, 335 f., 341, IX, 614f. zu vergleichen.

1) Original, ohne amtliche Inhaltsangabe in dorso, erste Ausfertigung, von der Hand Simone Lando’s, von dem alle uns erhaltenen Originaldepe- schen Leonardo Mocenigo’s geschrieben sind. Dies beweisen die Schriftztige in Lando’s Depesche an den Dogen vom 5. August 1559. Lando war schon 1550 und 1551 Gesandtschaftssecretär an dem Hofe König Ferdinand’s; denn die erhaltenen Originaldepeschen Badoer’s aus dieser Zeit (V. D. IL 484 A und 518.307 bis 524.209) zeigen Lando’s Schriftzüge.

Landtagsbewilligung. 9 Unzufriedenheit vermochten Kinig Ferdinand, auf vielerlei 3 früher bewilligte Abgaben zu verzichten. Die Truppen bei Raab werden wohl Siebenbürgen besetzen, das im Aufstande ist. König Ferdinand und seine Söhne sehen König Philipps Kriey und Erfolge ungern.

Serenissimo ,Principe.!)

Quelli della dieta, la qual s'intende dell'Austria inferiore, sono stati licentiati,?) havendo in essa deliberato di satisfar à Sua M* de due entrate*) et del datio del vino, come per l'ultime mie de 15 del presente‘) io scrissi alla Ser'® Vostra, il qual datio, se ben nella dieta passata”) fu concesso con obligo che'l danaro si spendesse integramente nelli bisogni della guerra, hora lo permetteno libero, che questa M* potrà di esso ser- virsi in quello che le tornerà bene. Hanno contentato anchora di andar & servir alla guerra con tanto numero de cavalli quanto importerà la loro entrata, aggravando ogni uno per ogni cento fiorini d’entrata de uno cavallo. Et questa obligatione haverà luogo solamente, andando Sua M* overo alcuno delli

!) Lorenzo Priuli, geb. 1479, war vom 14. Juni 1556 bis zum 17. Au- gust 1559 Doge von Venedig. Ihm folgte sein jtingerer Bruder Girolamo vom I. September 1559 bis zum 4. November 1567. Codex 6098 f. 616 und Co- dex 6564 (nicht foliiert) der Foscariui-Sammlung auf der Wiener Hofbibliothek.

7) Die Schlussschrift der Laudschaft ist vom 14. September 1558 datiert.

®) Unter entrata ist die taxierte Gült, d. i. das einprocentige Erträg- vis des landschaftlichen Grundbesitzes, zu verstehen. Oberleitner, Die Finanz- lage Niederösterreichs im XVI. Jahrh. (Archiv f. Kunde österr. Gesch., Wien 1863, XXX) 121.

*) Hat mir nicht vorgelegen.

5) Der Ausschuss der niederösterreichischen Stände, der in der letzten Januarwoche 1556 mit den Vertretern anderer Länder zusammengetreten war, sowie der Ende März 1556 versammelte Landtag Niederösterreichs hatten 2", Gülten, d. i. 172.612 fl., ferner im Nothfalle einen Reisigen von je hun- dert Pfund Geld und einen Büchsenschützen von je dreissig Unterthanen ge- währt, wenn der König oder einer seiner Söhne persönlich ins Feld ziehe. Stülz, Ausschusstag der füuf niederösterr. Lande (Archiv für österr. Gesch., Wien 1852, VIII) 159, 170 und die „Landtagshandlungen“ im niederösterr. Landesarchiv. Ein zweiter Landtag Niederösterreichs hatte in demselben Jahre am 30. October für das Jahr 1557 eine Gült, ferner eine Tranksteuer und „Aufschläge auf hohe Waren“ bewilligt. Oberleitner 39, 72 f. und Bocholtz VIII, 297.

10 L. Mocenigo. 23. September 1557.

3 figliuoli in persona nell’essercito. Voleva Sua M% che la con- cessione soprascritta s’ intendesse per tre anni, ma questi I’ hanno deliberata per due, mostrando che essi restano di compiacer la M'% Sua, non perchè non vogliano in ogni tempo et con ogni prontezza d'animo satisfar è suoi bisogni, ma perchè, metten- dosi tanto tempo è far nuova dieta, molte cose ruineriano, alle quali non si può proveder se non nel ridotto di essa.

Li datii, che quasi sopra tutte le cose nell’ altra dieta furono concessi è Sua M*, in questa sono stati levati, perchè, se ben di essi se ne doveria haver cavato molto, la spesa per scuoder il danaro et perchè non fussero defraudati importava però tanto che Sua M* ne veniva à ricever poco commodo. S’aggiongeva poi una universal mala satisfattione, la quale, accompagnata dalle sopradette cause, ha havuto forza di far restar Sua M' satisfatta de così fatta deliberatione.

Le due entrate et il datio del vino per questi due anni importeranno intorno 400 mille fiorini.!) sopra i quali potrà il Re per suoi bisogni et per quelli della guerra servirsi quando et di quanto piacerà.

Le genti da Taurino?) stano per levarsi, senza certezza che si habbia dell'impresa ch’elle siano per tentare; ma ha- vendo fatta provisione de molti carri et facendola tuttavia de molte biade per condurse dietro, si tiene che habbino per fine de oceupar la Transilvania. la quale è in grandissima sole vatione?) per la causa che io scrissi alla Ser“ Vra nelle prece- denti mie.!) Dovevano far in quel regno una dieta alli 19 del mese presente, nella quale si spera buona rissolutione & favore di questa M®. A Ruda si sono messi insieme intorno à 7 mille cavalli et. per quanto si vede. non sono numero da poter im- pedir la deliberatione de questo essercito.

l Der Ertrag der zwei Gülten wurde auf jibrlich 138.000 fl.. der des „Zipienmases* anf 50.000 fl. veranschlart. .Landtavhandlungen® im nieder- “sterr. Landesarchiv und Bucheltz VIII. 29%.

N Raab. Uber die Kriegservignisse in Ungarn im Jahre 1557 vgl. Fester. Gesch. von Ungaro Leipzig 1874. II. 575.

* Vel Fessler II. 576. wo die Ursachen der Misstimmnug der Sieben- bärger zeren Königin Isabella angegeben sind.

* Hat mir nicht vorzeleren.

Missstimmung über König Philipp’s Erfolge. 11

[*Ho di bon luogo che questa M* et li serenissimi sui 3 tiglioli vedeno con mala satisfattione la guerra che fa il sere- nissimo Re Filippo et la sua prosperità, perchè per causa della una non possono sperar aiuti nelli loro bisogni, havendo quel seren"° Re largo campo di escusarsi per le molte spese che per questa fa, et conoscendo de dover esser forciati de assentir che le loro gente vadino in suo servitio, sempre che seranno recer- cate. Dalla altra poi la presa di San Quintino!) et la reputa- tione, nella qual hora si trova quel serenissimo Re con la Chiesa, par che levi loro gran parte della grandezza, restando tanto lontani da lui di fortuna et di stato*] ...*) Gratis etc.

Di Vienna alli 23 settembre 1557.

Lunardo Mocenigo, ambasciator.

4. Leonardo Mocenigo an den Dogen. Wien, 8. October 1557.

Die Gesandten sind aus Constantinopel noch nicht zurück- gekehrt. Der Pascha von Ofen wollte durch die Sendung eines Boten nur Zeit zur Rüstung gewinnen. Die Türken sind nun an den Grenzen stark genug, sich zu vertheidigen. Zriny bat, nach dem bedrohten Croatien zurückkehren zu dürfen. Die Truppen werden aber ohnedies bald entlassen werden. Ihre Aufbietung wird dem Friedenswerke nur geschadet haben und die Auslagen werden fruchtlos sein. Der spanische Prediger Dr. Gallo hat König Max in dem katholischen Glauben zu stärken.

1) Über die Schlacht bei Saint-Quentin vom 10. August 1557, auf die am 27. August die Einnahme dieses Platzes folgte, vgl. Zeller, Henri II, Philipp IT.,, Bataille de St.-Qu. 1556— 1558 (Paris 1890); H. Stein, La bataille de St.-Qu. (ebendas. 1889); Asch van Wijch, Hooft-Grasfland, Wredenburch, De slag bij St.-Qu. (Utrecht 1890); ferner C'oleccion de documentos inéditos para la historia de Espana II, 189, 494 sg., IX, 4868sg.; Rawdon Brown, Ca- lendar of state papers and manuscripts existing in... Venice (London 1881) VI, 1243— 1252, und Lettenhove, Relations politiques des Pays-Bas et de TAngleterre (Paris 1882) I, 83 sv. Die ersten drei Werke waren mir nicht ruginglich.

®) In den 13 Schlusszeilen (f. 707, 71") berichtet Mocenigo, dass er die schon von seinem Vorgänger (Thiepolo) verhandelte Angelegenheit der Grenzcommissäre urgiert habe, dass aber König Ferdinand erklärt habe, noch keine Information erhalten zu haben.

12 L. Mocenigo. $. October 1557.

Replicate.

Serenissimo Principe.

Li ambassatori!) di questa M*, che ritornano da Constan- tinopoli, non sono per anchora gionti et, tardando tanto, si crede che siano stati intratenuti a Buda con l'occasione di quel chiaus, che mandò il bassa a questa M#*) per le cause, ch'io scrissi alla Ser“ Vra per quelle di 13 del presente.5) Il qual bassa, trovandosi all’ hora disarmato, ha voluto per questo mezzo avan- zar tempo, per poter unir buon numero de cavalli, come ha fatto, essendosi lui persuaso che le genti da Iaurino*) non si sariano mosse à suoi danni senza l’arfrlivo delli ambassaton in luogo sicuro.

Si trovano hora Turchi in tanto numero alli confini d’ Hon garia, che possono benissimo diffender le cose del suo signor, et così, come si credeva che'l muover l’essercito et mostrarsi animosi alli inimici fosse è proposito. per avantaggiar il negotio di questa M*, così all'incontro, non potendo hora queste genti far più cosa buona, essendo Turchi bastanti & diffendersi, si conosce che questo Re sia per haver molto disavantaggio, vo. lendo venir a qualche buona et honorata conclusione d°’ accordo.

*) Franz Zay von Csömör, Commandant der Donauflotte. und Anton Veranesics (1504 bis 1573). königlicher Secretàr nud Bischof von Fünfkirchen (vom November 1557 bis zum 18. October 1569 Erzbischof von Erlau, zu- letzt von Gran), waren von 1553 bis (Ende Angust: 1557 als Friedensunter- händler in Constantinopel thätig. Zay wurde auf der Rückreise durch Krank- heit aufgehalten. Am 18. October 1557 waren beide noch in Fischamend. Sie brachten die Forderung des Sultans, dass Szigeth geschleift werde. Mo- num. Hung. hist. V. 300—314, 104, Pray III, 126 f.; Katona, Hist. critica re gum Hungariae stirpis Austriacae (Budae MDCCXCVTII sq.) XXII, 455 et 1035; Bergmann, Medaillen auf berühmte und ausgezeichnete Männer (Wien 1844, 1857, Il, 83f.

2, Kasim (Kazzon), der Pascha von Ofen. liess am 24. September seine guten Dienste anbieten und anfragen: „quibus id in rebus eum facere et eciam. quum oratores...iam in itinere ac reditu sint, apud potentissimum Imperatorem [Sultanum] pro communi bono regni et ditionis Maiestatis Ve- strae agere et laborare velit.* Am 28. October schrieb er König Ferdinand, dass er die Beobachtung des Waffenstillstandes auftragsgemäss schon anbe fohlen habe. Wiener Staatsarchiv, Turcica 1537.

*, Hat mir nicht vorgelegen.

*) Vgl. oben S. 10.3.

Die Riistungen bleiben fruchtlos. 13

Il conte di Sdrin!) havendo nuova che quattro sanzacchi 4 erano gionti alli confini di Crovatia con buon numero de cavalli, per vendicarsi della rotta, che hebbero dal Lencovich,?) te- mendo che li luoghi suoi potessero haver qualche danno, ha mandato dall’essercito un suo secretario a questa M®, perchè i concedesse licentia di andar & diffender il suo et per aiutar gli altri, che sono è quei confini. Sua M*, per quanto 8’ in- tende, metterà tempo alcuni giorni & rissolverlo, dissegnando di licentiar le genti per tutto questo mese, non lassando il tempo et la diffesa, che hora hanno [sic] Turchi, luogo di speranza di poter far alcun acquisto, et così la spesa di questo essercito sarà stata in gran parte vana et dannosa, essendo stato per guardia et diffesa delli luoghi di questa troppo et per offesa poco, havendosi li Turchi in così pochi giorni assicurati da quel danno che temevano da queste genti.

Della rissolutione della dieta di Transilvania non si ha per anchora nuova alcuna, secondo la quale et il negotio, che haverà il Re con Turchi all’ar[rjivo delli ambassatori, così si procederà [sic] . . .?)

L’ultima volta, ch'io fui & compagnar questa M* alla messa, nel camino mi dimandò s’ io intendeva la lingua spagnola, ala qual risposi che alcune cose che havevano conformità con

n —_

1) Der berühmte Graf Nicolaus Zriny(i), genannt nach dem Schlosse Zrin (Serin), geb. 1518, seit 1542 Banus von Croatien und Slavonien. Csu- day, Die Zrinyi der ungar. Gesch. (Steinamanger 1884) konnte ich nicht benützen.

*) „Hans von Lenkhowitsch zum Freien Thurn an der Kulp(a)“, 1558 Oberst des steirischen, windischen, krainerischen und croatischen Grenzkriegs- volkes, schlug Anfang 1557 den Sandschak von Bosnien, Ferhad, zwischen Agram und Ivancs. Vgl. Fessler III, 575, Krones, Vorarbeiten zur Quellen- kunde und Gesch. des Landtagswesens der Steiermark (Beiträge zur Kunde steiermàrk. Geschichtsquellen, Graz 1867, IV) 62 und Hungarica 1558 des Wiener Staatsarchivs mit Lenkhowitsch’ Berichten.

3) Die folgenden 19 Zeilen (f. 72”) berichten, dass der polnische König nach dem Abschlusse des Friedens mit Livland [vom 5. September 1557 den Grafen Johann Wilhelm von Fürstenberg,] den Meister des deutschen Ordens in Livland,] zu sich geladen und ihm den Tribut von 10.000 Thaler und die 400.000 Thaler Kriegskostenentschädigung erlassen habe (donatione). Vgl. Dumont, Corps diplomatique (Amsterdam 1728) V, 1. 14 svv.; Dogiel, Codex diplomaticus regni Poloniae (Vilnae 1738) V, 210 sq., und Allg. deutsche Biogr., 1878, VIII, 246. Ä

14 L. Mocenigo. 8. October 1557.

4 la nostra io l’intendeva benissimo. „Voi udirete,“ mi disse Sua M®%, ,questa mattina un predicator spagnolo, i qual è tenuto grandissimo homo.“ Questo è chiamato il Dottor Gallo. È prete di età e molto pratico et intendente della scrittura. Ha de bene- ficii buona entrata, oltra la quale li questo Re per intra tenimento 2 mille fiorini all'anno. [*Confesso due volte in Spagna il serenissimo Re di Boemia, al qual Sua Altezza presta molta fede et porta gran rispetto. È stato hora chiamato da questa M*, per giovar quanto potrà al serenissimo Re Massimiliano sopra detto,!) persuadendolo et tenendolo ben confirmato nella obbedienza della chiesa et alla vera credenza delle cose della religione.* ]

Domani si espetta esso serenissimo Re, il “quale doppo la rissolutione della dieta si parti da Graz?) et s'è firmato alcuni giorni in Neustot?) per suoi piaceri di caccia. Et questa anchora è stata cinque giorni lontana de qui tre leghe per così fatta causa. Gratiae etc?.

Di Vienna, alli 8 di ottobre 1557.

Lunardo Mocenigo, ambassator.

D. Leonardo Mocenigo an den Dogen. Frankfurt, 3. März 1558,

Auf die Eingebung der französisch Gesinnten wurde von den Kurfürsten ohne Ferdinand’s Theilnahme beschlossen, nur den Verzicht auf die Reichsverwaltung anzunehmen. Darauf giengen aber die kaiserlichen Gesandten nicht ein. Darum ist

1) Über die erfolglose Sendung des Magisters Dr. Gallo und die reli- giöse Gesinnung Maximilian’s vgl. Maurenbrecher, Beiträge zur Gesch. Max IL (Sybel’s Hist. Zeitschr. 1874, XXXII) 263; ferner Reimann, Die religiöse Ent- wicklung Max II. (ebendas. 1866, XV) 17f., und Rawdon Brown, Calendar of state-papers, VI, m. p. 1428.

*) Der Grazer Landtag (9. bis 21. September 1557) bewilligte andert- halb Gülten (s. oben S. 9.s A. 3) nebst einem Rüst- und Wartgeld (zusammen 108.372 fl.) und eine Tranksteuer. Krones, Vorarbeiten 63 und Die landes- fürstl. und landschaftl. Patente (Beiträge zur Kunde steiermärk. Geschichts- quellen 1883, XIX) 53.

8) Wiener-Neustadt.

Dr. Gallo’s Aufgabe. 15

ı Übertragung der Kaiserwürde an Ferdinand beschlossen. 5 m der Königswahl kann wohl bei seinen Lebzeiten keine ide sein.

[Rubrica].!) 1558, di 3 marzo.

Che?) l’ Elettor di Colonia?) alli 25 di febraio gionse à ancfort et fo visitato al suo alloggiamento dal seren"° Re, il al Elettor, se ben mostrò grande amore et reverentia à Sua 3 nondimeno è creduto esser di animo francese. Che nel desimo giorno vi gionsero il principe d’ Oranges*‘) et il dottor it’) con la commission dell’ Imperator circa la renuntia del-

!) Oder robrica. Mit diesem amtlichen, gleichzeitigen Depeschenauszug rinnt die Reihe der Rubrichehefte in den „Rubricarii di Germania“ aus ı Jahren 1558 bis 1758, von denen 61 Fascikel (nicht ohne Lücken) in n k. und k. geheimen Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien aufbewahrt d. Die ersten Blätter der Rubriche sind grösstentheils von demselben amten der Dogenkanzlei verfasst und geschrieben worden, von dem auch ‘Dorsualnoten der wenigen, bereits veröffentlichten Originaldepeschen ıd zwar der ersten Ausfertigungen) aus den Jahren 1515 bis 1552 stammen 1.V.D.1, 438.127, II 143 A., 484 A., 518.207 A. 1). Wir wollen ihn im Fol- ıden immer Rubricator A nennen.

Diese erste Rubrica hat aber ein anderer Rubricator (B) geschrieben. enso wie viele Depeschenbände (vgl. V. D. II, 410.171 A. 1 und 427.178 2), so haben auch die Rubriche durch das Regenwasser gelitten, das zu en in die Dachräume des Dogenpalastes drang (Cecchetti, Costituzione rica degli Archivi Veneti antichi 1200—1872, in den Atti dell’ Istituto neto, 1872/3, ser. IV, II, 55 sg). Daher fehlen auf den ersten zwölf eng- chriebenen Blättern die unteren Zeilen ganz, und die sehr blasse, ohne- s nicht leicht lesbare Schrift bot stellenweise sehr grosse Schwierigkeiten. 1 die Originaldepeschen vorhanden sind, wird wiederholt Gelegenheit zur rgleichong mit den Rubriche geboten werden. Vgl. die Depeschen vom März, 13. August, 15. und 27. September 1558, sowie die vom 5. Octo- ‘1559.

*) Das zu ergänzende scrive“ (dafür auch „dice* und Ähnliches) wird ır häufig ausgelassen.

”, Anton von Schaumburg, vom 26. October 1556 bis zum 18. Juni 98 Erzbischof von Köln.

*, Vgl. V. D. IL 217.95 A. 2.

4) Dr. Georg Sigismund Seld. Über die Zeit der Übernahme des Reichs- eekanzleramtes in Diensten Karl's V. und später Ferdinand’s I. vgl. Druffel

16 L. Mocenigo. 3. März 1558.

6 l’imperio'!) al seren”° di Romani [sic]. Che ridutto il convento) Sua M“ ringratiò li Elettori che vi si fussero ridutti et espose la causa di far detto convento, et esposta anco da prefati ora. tori la sua commissione et volontà di S. Cesarea M®, fo rispo sto da uno delli Elettori che seriano tutti insieme et poi se gli faria risposta, li quali, ridutti soli senza Sua M'è, sono andati riservati, per non offender li principi. Ma quelli che dependono da Francesi consigliorno che non si admettesse la rinoncia li bera, ma la administration dell’imperio, riservando la dignità all’ Imperator. La qual risolutione andorno è communicar è Sua M®, prima che la facessero intender alli oratori, et intesa da essi oratori, dissero, haver commissione di non accettar alcuna conditione, perchè Sua M* Cesarea, non potendo essercitar il cargo dell’imperio, vole esser libera.) Et egli‘) da uno che interviene in tutti li consulti è fatto certo che li Elettori sono per ciò risoluti di publicar il serenissimo [sic] de Romani Im- perator,°) ma fatta prima la capitulatione,*) alla qual sii obligato il novo Imperator, si trattava all’ hora di far elettione di Re de Romani, per non metter difficultà alla ditta rinoncia et per altri rispetti, che scrive. Et si crede che in vita di Sua M# non si parlarà di farne elettione. Et questo ragionamento ri- cerca [che sia] tenuto secreto.

(Allgem. Dentsche Biogr., Leipzig 1891, XXXIII) 673 f., ferner Winter, Der ordo consilii von 1550 (Archiv f. österr. Gesch., 1892, LXXIX), 120 A. 2, Fellner 284, Docum. inéditos XCVIII, 44, und unten die Depesche Mocenigo's vom 5. Januar 1569. Mit Oranien und Seld war auch der kaiserliche Secretär Wolfgang Haller gekommen. Joh. Wilh. Hofmann, Sammlung ungedruckter Nachrichten, Documente und Urkunden (Halle 1736) 18 f.

!) Von der Hand desselben Rubricators (B) sind mit anderer Tinte die Worte „della renoncia dell’imperio“ als Marginalnote nachgetragen worden.

2) Nach den Angaben des Zeugen bei Hofmann S. 19 noch am 25. Fe bruar 1558.

8) Uber den Verlauf der Berathungen und Verhandlungen vgl. Hof- mann 19 bis 49.

*) Damit pflegen die Rubricatoren den jeweiligen venetianischen Ge- sandten zu meinen.

5) Vgl. den Bericht Oranien’s vom 8. März 1558 an König Philipp bei Groen van Prinsterer, Archives ou correspondance inedite de la maison d’Orange-Nassau (Leide 1841) serie I, I 30 sv.

°) Die Wahlcapitulation vom 14. März 1558 bei Dumont V, 1, 17 sw.

Verhandlungen wegen der Kaiserwlirde. 17

6. Leonardo Mocenigo an den Dogen. Frankfurt, 14. März 1558.')

Mocenigo beschreibt die Feierlichkeit der Verlesung der Verzichturkunde Karl’s V. und der Proclamation Ferdinand’s rum Kaiser. Herzog Christoph ist angekommen, um den Kaiser einzuladen, über Württemberg heimzureisen. Ferdinand mil aber einen andern Weg nehmen. Der polnische König lässt den Kaiser bitten, Bari’s Restitution zu befitrworten.

Replicate. Serenissimo Principe.

Hoggi due hore doppo mezzo giorno si ridusse la M* Ce- sarea nella chiesa di San Bartholameo [sic] con tutti li Elettori, nella quale stettero per un pezzo retirati insieme per satisfar, per quanto si diceva, alli giuramenti, et doppo comparsero sopra un palco accomodato et adornato, per far la publicatione del- Imperatore. Era Sua Cesarea M* con il manto imperiale, et li Elettori nell’ habito antico. Li ecclesiastici?) havevano li loro di scarlatto, fodrati di armelini, et li seculari di veluto creme-

1) Aus dem Depeschenbande 1a (schwarz) des k. und k. geheimen Haus-, Hof- und Staatsarchivs in Wien (f. 82”). Die vorhergehende Originaldepesche Mocenigo's an den Dogen ist vom 8. März 1558 (f. 80) datiert. Die Dorsual- note von der Hand des Rubricators A lautet: „8 martii 1558, receptae 24, Germania, ex Franchfordia. R[ubricatae]. L[ectae] colflegio] R[ogatorum].“ Der Vermerk „Rubricatae“ (abgekürzt R., auch Rub. oder rub.) ist nur bei den ersten Ausfertigangen von Originaldepeschen und bei den tm Wiener Statsarchive aufbewahrten nieht vor dem Jahre 1558 nachweisbar.

In der genannten Depesche (49 Zeilen) berichtet Mocenigo, dass die Anerkennung Ferdinand’s als Kaiser bevorstehe, und dass der Nuntius [An- tenio Agustin (Agostini), Bischof von Lerida (Alife)], vor zwei Tagen mit der Eilpost angekommen sei, „persuadendosi che si dovesse parlar in esso [con- vento} delle cose della religione“, ferner dass er drei Breven an die geist- lichen Kurfürsten gebracht, und dass König Ferdinand ihm erklärt habe: „che bora non si ragionerà di questa materia“. Der grössere Theil der Depesche betrifft Grenzstreitigkeiten mit Venedig. Vgl. Schmid, Die deutsche Kaiser- ud Königswahl und die röm. Curie 1558 bis 1620 (Histor. Jahrbuch, Mün- chen 1886, VI) 5 ff. und Rawdon Brown, Calendar, VI p. 1435.

®) Daniel Brendel von Homburg, (1555 bis 1682) Erzbischof von Mainz, Anton von Schaumburg, Erzbischof von Cöln, und Johann von der Layen, (1586 bis 1567) Ersbischof von Trier.

Venetianische Depeschen vom Kaiserhofe. Ill. 2

18 L. Mocenigo. 14. März 1558.

6 sino, fodrati medesimamente della sopradetta pelle. Teneva il palatino!) in mano il mondo, il Duca di Sassonia portava la spada, et il marchese di Brandemburg il settro. Sentato che fu l'Imperatore con gli Elettori insieme, il principe d’ Oranges si presentò è Sua Cesarea M' et ad cessi et disse alcune poche parole, reportandosi è quanto si conteniva in una scrittura, che fu poi letta alla presentia d’ ogniuno per il Dottor Celt, et questa è la medesima, che contiene la renuncia libera dell’ imperio,?) della qual per altre mie ne scrissi alla Ser“ Vra, et fornita la lettura di essa, il rever"° di Magontia, il quale ha il carico di cancellier?) dell’imperio per le cose di Germania, andò da cias- cun delli Elettori per la licentia della publicatione, et così la fece far al suo cancellier,*) et restò Sua Cesarea M* publicata Imperatore et, doppo spogliata, fu sotto baldachino accom- pagnata all’alloggiamento dalli Elettori, li quali questa sera in- sieme con molti altri principi haveranno solenissimo banchetto da Sua Cesarea M®.

Io procurerò domani l’audientia, per satisfar è quell’officio con lei, che mi persuado esser mente della Ser“ Vra, et così non mancarò anchora di fare il medesimo con li seren"! suoi figliuoli secondo che mi venirano l’ occasioni.

È arrivato qui il Duca di Virtimberg, accompagnato da cento cavalli armati, per invitar Sua M* Cesarea è far qualche alloggiamento nel suo paese, ma lei è rissoluta di tener altra strada.

L’ambassator®) di Polonia, che già partì da Praga, è hors ritornato,. perchè questa M*è facci officio col seren"° Re Filippo, acciochè li restituisca il ducato di Bari, del quale lui dalla Re

1) Otto Heinrich, vom 26. Februar 1556 bis zum 12. Februar 1559 Kurfürst,

?) Die Verzichturkunde Karl’s V. vom 3. August 1556 bei Hofmann 33 f. und 50 f. Vgl. Maurenbrecher (Hist. Zeitschr. L) 48.

8) Über dieses Amt vgl. Seeliger, Erzkanzler und Reichskanzleien (Innsbruck 1889), besonders 8. 110 f., 131, 133, 153 ff.

*) Johann Andreas Mösspach von Lindenfels, Domdechant zu Mainz Vgl. die Beschreibung eines Augenzeugen bei Hofmann, 49—63.

°) Dr. Martin Kromer, königlicher Secretär und Canonicus. Hipler e Zakrzewski, Hosii epistolae (Acta hist... . Poloniae . . ., Cracoviae 1886, IX, n. p. 966. Polonica (1558) des Wiener Staatsarchivs.

Proclamation Ferdinand’s zum Kaiser. 19

‚) sua madre, si tiene indebitamente privato, et ha man- 6 anco altra persona?) a quel seren"° Re, per praticar et arar la sopradetta restitutione. Gratis etc.

Da Francfort, alli 14 di marzo 1558.

Lunardo Mocenigo, ambasciator.*)

7. ardo Mocenigo an den Dogen. Frankfurt, 20. März 1558.

Der Fürst von Oranien und der sächsische Kurfürst sind reist, der Kaiser wartet noch, bis der Herzog von Cleve

1) Königin Bona starb am 20. November 1557 in Bari. Sie hatte in ı Testamente, das der polnische König für unterschoben hielt, König sp zum Erben aller ihrer Besitzungen in Italien eingesetzt. Das Herzog- besass sie als Erbgut ihrer Mutter Isabella von Aragonien, der Tochter \önigs Alfons von Neapel. Sie hatte sich vergebens bemüht, von König pp mit der Investitur auch die Bestätigung des ihr vom Kaiser ver- aen Vererbungsrechtes zu erhalteu. Die Erwerbung Bari’s strebten an: z Sigismund August von Polen, König Ferdinand und die Herzogin fine von Lothringen, eine Zeit lang auch Papst Paul IV. für seine Fa- und der Herzog von Alba. Hosii epistolae (Acta hist... . Poloniae... 33 f., 9665 f.; Quadra's Bericht vom 9. Juli 1558 in den Documentos in- s (Madrid 1891) XCVIII, 19 sg.; Rawdon Brown, Calendar VI. mn, p. 1401, , 1419, 1435, 1438 f., 1449, 1452 f., 1457, 1463 und 1469; Papiers d’état ardinal de Granvelle (Paris 1844) IV, 384, V, 625 svv.; V. D. II, 417.174 459.187, 467.100, 642 f. ss1 A. 4, 655.265 A. 1; Duruy, Le cardinal Carlo fa (Paris 1882) 262, 266, 268.

N) Albert Kryski war vor Mitte Februar 1558 zu König Philipp abge-

Hosii epistolae, p. 952.

8) Die Dorsualnote „Rubricatae“ fehlt wie auf dieser, so auf allen en Ausfertigungen der Depeschen, den Fall wohl ausgenommen, dass rste Ausfertigung später oder gar nicht anlangte. Die Rubrica von der | des Rubricators A lautet folgendermassen:

„Scrive la solemnità fatta nella publication del serenissimo Re de Ro- in Imperator in loco del serenissimo Carlo, che ha renuntiato l’imperio. opera di esser udito da Sua M*, per far officio die congratulation in » del dominio cum la M* Sua et cum li seren"' figlioli, come si offerirà casione. Che era gionto il Duca di Virthimberg cum 100 cavalli ar- | per invitar Sua Mtè Cesarea ad far qualche allogiamento nel suo stato, xe Sua Mt è rissoluta far altra strada. Che l’orator di Pollonia, qual .da Praga, è ritornato, acciò quella M*è faci officio cum il Re Philippo restituisca il ducato di Barri, del qual loco dalla Regina, sua madre, ane indebitamente privato, et ha mandato uno altro & quel Re, per pro- r la ditta restitutione.“

9g

20 L. Mocenigo. 20. März 1558.

? ankommt. Die Kurfürsten sind belehnt worden. Der Reich tag wird in Nürnberg gehalten werden. Mocenigo gratulierk dem Kaiser und dem Erzherzog Karl.

[Rubrica.] Die 20 mensis supradicti [martii].

Che dopoi la publication dell’Imperator partì il principe di Oranges, donato de 3 mazi de zebollini!) di valuta di du- cati 1500 et zoglie?) per ducati 6 mille, mandate alla Duchessa di Saxonia.*) Che tutti li Electori [sic] hanno tolta la investitura da Sua M*, et il pallatino secretamente‘) per le cause scritte, li altri publicamente. Quelli della cità [!] iurorno fideltà, et Sua gli confermò li sui privilegii.

Che è stà ordinata una dieta in Norimber[g] per li primi di novembre, et se ben si dovea far in Augusta per le cause scritte, li Electori sono contentati et promesso [sic] di venir.)

Scrive l’ officio di congratulation fatto in nome del dominio cum Sua M* Cesarea, sperando che la [invi]gilerà al beneficio della christianità et al commodo del dominio,°) et la grata re sposta di Sua Mt, la qual affirmò, haver exhortato per mezo delli seren"' figlioli?) et altri Imperator ad non renuntiar l’ imperio,')

1) Für zibellini. 2) Für gioje.

8) Über diese vgl. Weber, Anna Kurfürstin von Sachsen, Leipzig 1865.

4) Die Kurfürsten von Mainz und von der Pfalz wurden „in der kai serlichen Kammer“, Andere unter freiem Himmel belehnt. Häberlin, Neueste deutsche Reichsgesch. (Halle 1776) III, 448.

5) Über die Verhandlungen in Frankfurt vgl. Maurenbrecher, Beiträge zur deutschen Gesch. (Sybel’s Hist. Zeitschr. 1883, L) 51, 56, 68, 74, und Wolf, Zur Gesch. der deutschen Protestanten (Zwickau 1888) 120 f.

5) Darunter ist hier wie im Folgenden stets Venedig gemeint.

”) Im Herbste des Jahres 1555 war Erzherzog Ferdinand und im Sommer des folgenden König Max zu Kaiser Karl in die Niederlande gereist. Vgl. Maurenbrecher, Beiträge zur Gesch. Maximilian’s (Sybel’s Hist. Zeitsehr. 1874, XXXII) 268, 259 f., und (Hist. Zeitschr. 1883, L) 17 ff.; Koch, Quellen zur Gesch. des Kaisers Maximilian II. (Leipzig 1867 u. 1861) I, 3 ff.; Rawdoa Brown, Calendar VI, 221 f., 236 f., 474f., 483, 501, 531, b41f., 544 f., 550£; Hirn, Erzherzog Ferdinand I, 23.

*) Ausser den Schwierigkeiten, die König Ferdinand von Frankreich und von dem Papste von diesem unter Anderem wohl auch wegen der Au- stoss erregenden religiösen Gesinnung Maximilian’s, des voraussichtlichen Reichsnachfolgers befürchtete, verursachte auch die Weigerung Ferdinand'e,

Der Kaiser über Karl’s V. Verzicht. 91

yromettendo di tuorli!) tutte le fatiche, ma, non havendo [volulto, 7 > stà forzata obedirlo.

Communicò li summarii?) è Sua M%, qual ne hebe u ratio.

Dice l’officio fatto cum il principe Carolo, ralegrandosi lella grandeza del seren"° padre et la grata resposta. Che era xartito il Duca di Saxonia, et dimane partirà l’ Imperator, qual xpecta il Duca di [Cleve]s, suo genero. Li altri partirano presto, et il marchese di Brandimburg accompagnerà Sua M* fino è ... ?], et lui orator partirà dimane per Vienna.?)

König Philipp zum Reichsvicar für Italien zu ernennen, beziehungsweise seine Emennung vom 16. Januar 1556 zu bestätigen, die Verzögerung der Abdan- kung, trotzdem bei der Kinderlosigkeit Maria’s von England die Aussicht auf eine Heirat des Erzherzogs Ferdinand mit der voraussichtlichen Thronfolgerin Elisabeth verlockend genug war. Ferdinand scheint sich übrigens auf die Niederlande oder Mailand Hoffnungen gemacht und eine derartige Abfindung sach dem Tode seiner Mutter (1555) beansprucht zu haben. Vgl. Rawdon Brown VI, p. XXXII sq., 97, 214 f., 221 f., 1079, 1474; Maurenbrecher (Sybel’s Hist. Zeitschr. XXXII) 256, 260, (ebendas. L) 21, 25 f., 27 ff., 48 f., 51; Schmid (Hist, Jahrb. VI) 5f.; V. D. II, 496.108, 611.204 und Documentos inéditos II, 489 ag., XCVIII, 11 sg.

1) „Tuor“ für ,torre, togliere".

2) Darunter sind summarii di Costantinopoli, Nachrichten aus Constan- tinopel, gemeint.

®2) Eine zweite Depesche vom 20. März 1558 war, wie aus einigen erhaltenen Worten der vierzeiligen Rubrica hervorgeht, ein Empfehlungs- schreiben für einen Hauptmann, der aus kaiserlichen Diensten in venetia- nische zu treten wünschte.

Die folgenden zwei Depeschen Mocenigo’s sind aus Wieu vom 16. und vom 22. April 1558. Von der ersten ist das Original erhalten (f. 84” bis 857, 84 Zeilen), von der zweiten besitzen wir nur die Rubrica aus der Feder des Rubricators B (f. 2", 7 Zeilen). Die Rubrica der ersten hat auf einem fehlen- den Blatistück gestanden.

In der Depesche vom 16. April 1558 berichtet Mocenigo dem Dogen, er babe auf seiner Rückreise bis nach Donauwörth einen andern Weg als der Kaiser genommen, nämlich den über Mainz, Speier, Esslingen, Ulm und Augsburg, das ihm Wein verehrt habe. In Donauwörth sei er von dem Car- dinal [Otto Truchsess von Waldburg] erwartet und eingeladen worden, die Osterseit in Dillingen zuzubringen, was er habe ablehnen müssen. Der Car- dina) habe ihm mitgetheilt, Cardinal [Carlo] Caraffa sei sechs Tage bei ihm geblieben und von König Philipp beschenkt und zufriedengestellt worden, [* et che il Pontefice et tutti li sui sariano sempre di bona mente et have- riano bona intelligentia con quel serenissimo Re ...*]. Der Kaiser sei von

92 L. Mocenigo. 1. Mai 1558.

8 8. Leonardo Mocenigo an den Dogen. [Wien], 1. Mai 1558,

Weil der Pascha von Ofen von der Königin Isabella beim Sultan verklagt worden war, dass er ihr Hilfe versagt habe, behandelte er kaiserliche Gesandte, die von ihm gewünschte Uhren als Geschenke überbrachten, wie Spione und verbrannte eine Grenzstadt. Der ungarische Reichstag wird bald gehalten werden. Mocenigo gratulierte der Königin [von Böhmen]. König Max wünscht freien Besitz Böhmens; der Kaiser kann sich aber des einträglichsten unter seinen Ländern nicht ent- äussern. Der Kaiser empfahl den Venetianern, vor den Türken auch im Frieden auf der Hut zu sein.

[Rubrica.]!) Die prima maii 1558.

Che il signor Turco ha commandato al bassa di Buda?) che, quando serà richiesto dalla Regina di Transilvania de aiuto, l’habia & darlo. Il qual bassa, essendo stà ben tractato [sic] dal seren"° Imperator, ha negato alla Regina quanto ha diman- dato. Unde è stà forzata querellar contra esso bassa. Il qual,

Donauwörth, wo ihn Cardinal Truchsess erwartet habe, nach Ingolstadt ge- fahren, dort habe er mit dem bayerischen Herzogspaar einen Tag verwailt, um hierauf die Donaureise fortzusetzen. Regensburg, Linz, Wien und andere Orte hätten ihm [vergoldete Silber]becher und zusammen ungefähr 12.000 fi. als Ehrengeschenke gegeben. Zuletzt werden die Feierlichkeiten beim Empfange des Kaisers in Krems und Wien beschrieben. Vgl. Rawdon Brown, Calendar VI, un. p. 1401, 1404, 1412f., 1437 £., 1449, 1452 f., 1454, 1456£, 1459, 1463, 1471 ff., und Ferdinand’s Itinerar in den Forschungen zur deut- schen Gesch., 1862, I, 394.

In der Depesche vom 22. April 1558 berichtet Mocenigo dem Dogen, dass er dem Kaiser das Beileid zum Tode seiner Schwester Eleonore [sie starb am 18. Februar] ausgedrückt und Venedigs Glückwunsch zur Erhebung auf den Kaiserthron dargebracht habe, (wofür Martin von Guzman auf seiner Reise zum Papste dem Dogen danken werde,) und dass der Herzog von Aar- schot [Philipp de Croi] mit König Philipp’s Glückwunsche für den Kaiser angelangt sei.

1) Von der Hand des Rubricators A.

?) Casim, nach dem Tode Ali’s seit 1567 bis gegen Ende des Jahres 1558 Pascha von Ofen. Siehe Bucholtz VII, 349 und oben S. 12.4.

Be tt 2. seen 2

Feindseligkeiten des Paschas von Ofen. 23

timendo [!] di qualche ruina si è risoluto di iustificarsi cum il 8 danno dell’ Imperator!) et, tolta occasione, già alcuni mesi fece intender è Sua M* Cresarea che li mandasse un bel horologio, et havendo comprati [sic] 3 è Franchfort per talleri 1000, ha mandati al seren"° Maximiliano, acciò fussero mandati è Buda, et li mandò per dui gentilhomini, alli quali, gionti et presentati li horologi, fece dir, in luogo di ringratiare Sua M'è Cesarea, che non erano horologii da lui et valeano 60 talleri, et esser mandati doi anco per officii de cortesia. Li qual partiti, et te- mendo di esser retenuti (dicendo il bassa che erano venuti per veder il luogo et come era munito) et querelati, deliberorno di figirsene. Che dapoi partiti fec[e il] bassa . . .?) sachezare et brusare?) una villa nelli confini, et prese molti subditi di Sua Cesarea, li quali, assicurati della suspension delle arme, habitavano . .... 1) sicuramente. Et ben la Regina si è doluta alla Porta, mostrando, lui haver intelligentia cum Imperatore ..... ando*) fare intender che sia inimicissimo di Sua M*, et non haver compiaciuta la Regina ...... 4) danno, potrà seguir al suo signor.

Che si expectavano presto li principali d[el regno di Hungjaria cusì ecclesiastici come seculari, per far una dieta, nella qual [si haverà di far resolut]ioni contra Tur[chi]... .5) ‘amore (?) che] porta al dominio, et desiderar, li venisse occa- sione di poter mostrar l'animo suo prompto et sincero al com- modo del dominio.

Scrive l’officio fatto di alegreza et di duolo®) cum la seren® Regina,?’) se ben il exnuntio®) et altri oratori non hanno voluto fare, et la resposta grata di prefata Regina.

!) Darnach ist Fessler's Angabe (Ill, 578) bezüglich der Ursache, wes- wegen der Pascha die Feindseligkeiten wieder eröffnete, zu verbessern.

2) Hs. scorsa? Die ungarischen und die türkischen Acten des Wiener Stastsarchivs bieten hierüber nichts.

3) Für saccheggiare et bruciare.

4) Durch Regenwasser unleserlich geworden oder zerstört.

5) Die folgenden zwölf Zeilen haben auf einem fehlenden Blattstücke gestanden. Sie betrafen vermuthlich den dem Könige Max dargebrachten Glückwunsch zur Erhebung seines Vaters auf den Kaiserthron und gleich- zeitig die Condolenz wegen des Todes der Königin Eleonore.

©, Hs. datolo. Vgl. oben S. 22 A.

7) Maria, Gemahlin König Maximilian’s.

*) Agostini, dessen Abberufung damals erfolgte. Vgl. unten 8. 28 f. 11.

94 L. Mocenigo. 1. Mai 1558.

Che era partito il seren"° Maximiliano per Boldestorf!) cum consiglio de medici, per intrar nel bagno, come fece l’anno passato, sperando, debba sentir beneficio alla sua in- dispositione et giovamento al stomaco. Altri dicono che ha tro- vata questa occasion, per non star appresso lo Imperator, et che non retornerà in quella?) cit[t]a, fino che Sua M* Cesarea sia per partir per Hungaria, mostrando, esser necessario che I’ Imperator dia potestà libera de alcuno stato, il qual voluntieri [sic] lo metteria in Graza cum il governo della Stiria, Carinthia et Carniola, et che lui, Re Maximiliano, procura haver il suo regno libero,?) del qual il padre non puol privarse, essendo la entrata di esso la più libera‘) che l’habia delli regni et stati sui et il maggior fundamento delle sue spese.

Communicò li summarii è Sua M* Cssarea, la qual hebe gratie al dominio. Dopoi dimandò se era vero, fusse scoperto uno trattato in Cypri over in Corphü5) et che per tal causa il dominio facesse tanta armata. Rispose,®) de ciò non saper cosa alcuna, ma che, quando ussiria armata turchescha, il dominio anchor lui armaria. Replicò Sua M* che armata de importantia non si fa per l’ordinario etc. [!. Laudò Sua M* il dominio circa la deliberation fatta, et che [sic] da Turchi bisognava guardarsi, se ben cum loro se habia pace. Et subiunse”) uno exemplo videlicet: „uno forte castello, una bella donna et uno bello cavallo bisogna guardarlo, haverli cura et conservarlo,

1) Waltersdorf (bei Pottendorf in Niederösterreich), wo sich König Mar auch 1561 aufhielt. Docum. inéditos XCVIII, 212.

2) „Quella* vom Standpunkte des Rubricators A in Venedig.

®) Dass Maximilian früher die Statthalterschaft der Niederlande ins Auge gefasst habe, ist nach Maurenbrecher (Beiträge zur Gesch. Maximilian's, 256, 259 f.) wahrscheinlich. Vgl. über die 1556 zwischen König Max und dem Kaiser geführten Verhandlungen Rawdon Brown VI, 474f., 483, 501, 531, 541 f., ö44f., 550 f., 552, 566 und 590.

4) Vgl. Gindely, Gesch. der böhm. Finanzen, 108 und unten die De pesche vom 28. November 1558.

8) Morosini (Mauroceni, Historia veneta, Venetiis 1623) berichtet (p. 298) ausführlich über die Verstirkungen, die damals nach Corfù und Cypern ab- giengen. Anfang Juni näherte sich die türkische Flotte den unteritalischen Küsten.

6) Hs. rispona.

7) Für soggiunse.

Der Kaiser und König Max. Venedig vor den Türken gewarnt. 25

perchè altramente, se ben lo amico di questi o di quella se 9 impatronisse, non è tenuto & restitutione, se intende haver rotta la pace,“ cum addur questo: haver imparato cum la per- dita di uno castello de importantia in Hungaria in tempo de tregue.

9. Leonardo Mocenigo an den Dogen. [Wien], 6. Mai 1558.

Der Kaiser verlangte von dem Clerus Böhmens ein An- lhen ohne Sicherstellung und befahl, im Weigerungsfalle geist- liche Güter zu verpfänden. Das Olmiitzer Capitel wandte sich daher an den Kaiser, der Bischof an den Nuntius, welcher er- klärte, dass der Papst Guzman vielleicht nicht empfangen werde.

[Rubrica.]!) Di 6 ditto [maggio!.

Che’ l1 signor Francesco della Torre,?) destinato da Sua Cesarea ambassator apresso il dominio, differirà alquanto di venire) per alcune cause sue particolare [!], et per ciò Sua M% havea da novo commesso al signor Martin Gusmano che si firmasse in Venetia 4 giorni, per essequir la commission che gli havea data.)

Che Sua Mt ricercò già dal clero del regno di Bohemia°) denari ad imprestito senza alcun assignamento, ma molti si

!) Von der Hand des Rubricators B.

*) Oder Franz von Thurm, blieb als kaiserlicher Gesandter in Venedig bis zu seinem Tode am 11. August 1566. Sickel, Zur Gesch. des Concils von Trient (Wien 1870) 1f. Bis zur Ankunft Thurm’s war Domingo de Gaztelu Geschäftsträger König Ferdinand’s in Venedig.

3) Am 23. April 1558 hatte Mocenigo berichtet, dass er auf vertrau- lichem Wege erfahren habe, der Kaiser habe Torre befohlen, sogleich nach Venedig abzureisen, „pensando che ’l Pontefice si potesse persuader chel fir- marsi [Hs. firmasse] il signor Martino [de Guzman] in questa città [Venezia] fusse non per satisfar all’ officio di cerimonia, ma per negociare cose de im- portantia“ (Rubricator A).

+) Vgl. oben 8. 22 A.

5) Darüber theilt weder Bucholtz (VII, 297 f., 347), noch Oberleitner {Finanzen und Kriegswesen, Archiv für österr. Gesch. XXII), noch Gindely (Gesch. der böhm. Finanzen) etwas mit. Der Dank Ferdinand’s an Pius IV.

26 - L. Mocenigo. 6 und 14. Mai 1558.

9 sono escusati di impotentia. Et havendo Sua M' commandato che siano impegnati li beni ecclesiastici è quelli, non volessero pagare, il capitolo di Olmuz ha mandato dui canonici è Sua M*, per mostrarli la sua impotentia, et il vescovo!) ne ha scritto al noncio, il qual ha ditto che forsi il Pontefice non admetterà il signor Martin Gusmano,?) mandato da Sua M% Cesarea, perchè la tolera molte cose contra la religione, come perchè senza l’auttorità di Sua Santità aggrava il clero . . .?)

10. Leonardo Mocenigo an den Dogen. [Wien], 14. Mai 1558,

Die Olmiitzer Canoniker erhielten den Bescheid, zwischen Zahlung und Güterverlust zu wählen. Aus Furcht hatten sie auf die Vermittlung des Nuntius verzichtet. Der Kaiser hat befohlen, dass man sich in Ungarn auf die Defensive beschränk.

[Rubrica.]*) Die 14 maii 1558.

Scrive la resolutione di Cesare, data alli canonici del re- verendo episcopo et capitulo di Olomuz: di haver li dinari re- chiesti, aut se privino delli loro beni. Li quali voleano servirsi del favor del reverendo nuntio pontifico, ma per timor sono astreti non servirsi altramente, et hanno scritto al prefato re- verendo episcopo et capitulo: se resolvino. Et da questo principio tengono per certo che tutti li beni della chiesa tra poco tempo si convertirano è commodo di Sua M'è Cresarea.

(in einem Briefe vom 4. Januar 1562) für die Absolvierung „a quibuscunque poenis et censuris, si quas forsan incurrissemus propter bona ecclesiastica in hoc regno nostro Bohoemiae“ ist nun verständlich. Schmid (Hist. Jahrb. VI) 17, 33. |

1) Marcus Kuön, 1553 bis 1565 Bischof von Olmiitz.

2) Vgl. Schmid a. a. O. 8 ff.

®) Der Inhalt der folgenden fünf Zeilen betrifft die Bitte König Phi- lipps um Bewilligung zur Werbung von 3000 böhmischen Schanzgräbern nnd die briefliche Forderung des Paschas von Ofen, die Befestigungsarbeiten in Babocsa einzustellen (vgl. Bucholtz VII, 349). Die letzten drei bis fünf Zeilen fehlen ganz.

4) Wie die folgenden zwei Rubriche von der Hand des Rubricators A.

Geldforderungen an den Clerus. Befehle zur Defensive. 27

Che Sua M% è resoluta questo anno non mover le arme 10 in Hungaria, se ben Turchi gli dessero occasione, non havendo modo da senza aiuto dell’imperio, qual non se puol!) haver se non cum deliberation de dieta, qual si farà il mese di no- vembre venturo. Perhò?) Sua M* ha scritto & tutti li governa- tori et capi,°) sono nelle terre et castelli alli contini: che deb- bano nelli luoghi haver tante genti che possino bastar per diffesa et haver munitioni habundantemente ‘) et avisar quello fa bisogno, acciò si possi proveder in tempo. Et de Vienna mandano ogni giorno farine è basso .. .°)

11. Leonardo Mocenigo an den Dogen. [Wien], 18. Mai 1558.

Der Nuntius ist abberufen worden und verkleidet abgereist. Der Kaiser klagte über französische Umtriebe. Rustan Paschas Stellung, meinte er, sei durch den Tod der „Sultanin“ ver-

1) Für può.

2) Für però.

3) Das Relativum fehlt in den Rubriche sehr häufig.

4) Für abbondantemente.

>) Die 15 Schlusszeilen (f. 3) enthalten eine Nachricht aus Augsburg, dass Juan Manrique de Lara auf seiner Reise nach Neapel 200 Reitern noch glücklich entronnen sei, die von [Philipp Franz], dem Bruder des bei Saint- Quentin gefangenen Rheingrafen [Johann Philipp vgl. Docum. inéditos II, 491 f.), gesandt worden seien. Ferner wird angegeben, dass zwei Gesandte von Lucca und einer von Mantua zur Gratulation und zum Empfange der Investitur angelangt seien, dann dass der Kaiser krank sei, und dass König Max ,von den Biidern“ zuriickgekehrt sei.

Juan Manrique de Lara war im April 1558 zum Vicekönig von Neapel ernannt worden, weil Herzog Alba sich in Gegenwart König Philipp's ge- weigert hatte, nach Italien zuriickzukehren, als man ihm statt der verlangten 800.000 Ducaten (500.000 fiir Mailand und 300.000 fiir Neapel) nur 700.000 anweisen wollte. |* „König Philipp fühlte sich beleidigt“ und antwortete nach Sariano's Angabe: „Adunque bisognerà che vi vadi io“. Alba erwiderte, er wolle nicht den Verlust der italienischen Gebiete riskieren und zugleich seine Ehre. Sein und seiner Söhne Leben wolle er für Seine Majestät hingeben, „ma l’honore lo vuole per et non vuol darlo a niuno.*] Darauf entschloss sich der König |* più arditamente di quello che ogn'uno aspettava *], Man- rique sum Vicekönig von Neapel und den Herzog von Sessa zum Statthalter von Mailand zu ernennen. (Michele Suriano an den Dogen, Briissel, 20. und 24 April 1558, Depeschenband 5 des Wiener Staatsarchivs, f. 77" bis 79”.)

28 L. Mocenigo. 18. Mai 1558.

11 ändert worden. Die Türken würden sich beruhigen. Er theilte auch mit, wie er den Nuntius verabschiedet habe, und das Guzman seine Reise nach Rom fortsetzen werde. Der steierische Landtag ist wegen der Grenzvertheidigung einberufen worden. Mocenigo sagte die Reise zweier venetianischen Gesandten an. Er räth Venedig, die Lage Ferdinands zu Verhandlungen in der Uskokenfrage auszuniltzen.

(Rubrica. | 15 mensis suprascripti.

Che quel reverendo nuntio ha receputo breve del Ponti fice et lettere del rever®° Caraffa,!) per le qual gli è commesso, debba rechieder licentia dell’ Imperator et ritornarsene & Roma.!) Il qual subito fece dimandar audientia, et se ben Sua M* era vexata dalla febre, ge la concesse et, impetrata essa licentia, subito è partito, vestito nelli habiti del paese, acciò nel camino non gli sia fatto qualche insulto. Il che ha datto è Sua M* molto travaglio, se ben alcuni ne habino sentito apiacer.

Che si era alegrato cum Sua M che la vedea in piedi et sperava, serà libera dalla febre. Referì gratie Sua M*, la qual disse che li medici iudicavano, haveria uno altro parosismo, et lei voler star in expectation di duo.

Communicò li summarii?) è Sua M*, qual disse, il tutto esser vero, et che Sua [M"] havea avisi fino de 15 cum affir- mar, Francesi far cattivi‘) officii per il dominio”) et tutti...) Che la Sultana?) era morta, et che le cosse [!] del signor Rusten®) non passerano nell’avenir come nel passato. Che suo

1) Carlo Caraffa (1519 bis 1561), seit 1555 Cardinal. Vgl. Duruy, Le cardinal C. C. (Paris 1882) 24, 337, und Rawdon Brown, Indices zum VL und zum VII. Bande.

?) Vgl. Schmid a. a. O. 6, ferner Reimann, Der Streit zwischen Papst- thum und Kaiserthum 1558 (Forschungen zur deutschen Gesch., Göttingen 1865, V) 302 f., und Quadra's Bericht aus Wien vom 13. Juni 1558 (Docum. inéditos II, 14).

3) Vgl. oben S. 21.7 A. 2.

4) Von anderer [?] Hand in ,boni“ verändert.

5) Vgl. oben S. 20.7 A. 6.

€) Unleserliches Wort.

?, Roxolane Churrem. Siehe V.D.I, 320.81 A. 1.

8) Rustem Pascha. Siehe V. D.I, 472.188 A. 1.

Abberufang des Nuntius. 29

tor!) non patisse, et spera che Turchi si acquieterano, et 11 iunse,?) la furia di Turchi esser [sic], per esser stà fabri-

> ...5) & Boboz,*) loco nel tempo di tregue occupato da (chi et recuperato per il seren"° Ferdinando. Hebbe gratie ua M“ della communication.

Disse poi che era partito il reverendo nuntio, et non in- lendo la causa, era remasto maravigliato. Respose Sua M*: ni [!] cognoscete, come io, il cervello del Pontefice et li altri cognoscono.“ Che la sera precedente il prefato nuntio era to ad [!] sua visitation et monstroli [!] il breve del Pontifice » dovesse rechieder licentia, per volersi servir di lui in altro, che mandjeria uno altro. Al qual respose che’l fusse n venuto. Cussì li disse, andasse, [et vene]ndo altro repre- tante del Pontefice, lo vederà voluntiera [sic], et quando non mira, ........ Ja. Dimandd°) s[e al signor] Martino, qual si era mato in Castelnuovo,°) [doppo questa risjolution del Pontifice mandaria novo ordine da Sua M*. Respose che [il signor ırtino deve continuar i]l suo camino. [Com]municd la electi[on ta dal dominio di duo 8 ..... 7) Maestà Sua Cesarea, [per] isfare ... *) et morti li homini et le mercantie rettenute, et ni giorno si sentono?) cose nove et strane.

Se Turchi farano questo anno impresa in Hungaria, come xstrano di fare, non havendo Cesare modo di un quatrino,!°) cose di quel regno porteriano periculo.

Quelli della Stiria sono chiamati da Sua M*, perchè liberino diffendersi alli confini. Ha fatto l’Imperator la sua

1) Ogier-Ghislain de Busbecq (1522 bis 1592) war seit 1555 Gesandter inig Ferdinand’s beim Sultan. Biogr. nationale... de Belgique (Bruxelles 72) III, 179 sv. *) Für soggiunse.

® Hier vergass der Rubricator „una fortezza“ oder Ähnliches zu ireiben.

*) Babocsa, das 1555 verloren worden war, wurde 1556 wieder ge- nen. Hirn, Erzherzog Ferdinand I, 287.

5) Der Gesandte. Vgl. oben S. 16.5 A. 4.

*) Castelnuovo Rangone (Modena)?

”) Die in der Hs. fehlenden Worte bezogen sich auf die Wahl ausser- ientlicher Gesandten an den Kaiser, was sich aus den Schlusssätzen ergibt.

% In der Hs. fehlen fünf Zeilen, die auf abgefallenen Blattstiickchen standen haben.

*) Hs. sentone. 10) 4 bagattini !/, soldo.

30 L. Mocenigo. 24. Mai 1558.

11 proposta et expecta la resolutione. Racorda al dominio che, andando li oratori & Sua M%, portassero li processi formati circa li danni fatti da Uscochi et del favor et intelligentia, hanno cum il capitano di Segna,!) perchè trovandossi [sic] l' Im- perator cum il Pontefice nel modo, si vede, dubitando di gran- dissimo exercito in Hungaria, et essendo l’imperio confusissimo, grande avantazo?) haveria il dominio tractar è questo tempo tal materia.

Racommanda al dominio il suo secretario?) per qualche subvention da comparer cum li novi oratori‘) alla Cesarea M°.

12. Leonardo Mocenigo an den Dogen, [Wien], 24, Mai 1558.

Die Türken besetzten Tata, nachdem es der Commandant verlassen hatte, weil die verlangte Verstärkung ausgeblieben war. Er wurde darum verhaftet. Die zusammenberufenen ungarischen Räthe empfahlen Massregeln zur Grenzsicherung. Die Geld. beschaffung aber, erklärten sie, sei Sache des Kaisers. Der Abt von Weingarten ist in Gefangenschaft gerathen. Deutsch land ist in Verwirrung.

1) Uskoken aus Zengg beraubten venetianische Unterthanen, wahr- scheinlich in Veglia, weshalb die venetianische Regierung Eigenthum von Zenggern sequestrieren liess. Der Capitän von Zengg, dem man strafbares Einverständnis mit den Räubern nachweisen konnte, wurde durch einen andern ersetzt. Eine Untersuchungscommission kehrte unverrichteter Sache im April 1558 zurück, da Venedigs Vertreter ausgeblieben waren. Am 20. November schlug der Kaiser wieder eine Zusammenkunft beiderseitiger Commissäre zu St. Veit bei Fiumo vor. Über diese Dinge berichtete Mocenigo in den meist nur auszugsweise (in Rubriche) erhaltenen Depeschen vom 23. April, 24. Mai, 14. Juni, 15. Juli, 13. und 16. August, 26. September, 30. October, 20. November, 18. und 27. December 1558, endlich in den vom 7. und 28. Januar 1559.

2) Fir avvantaggio.

3) Simone Lando. Siehe oben S. 8.3 A. 1.

*) Giovanni Capello und Bernardo Navager, deren Ernennung am

4. April 1558 erfolgt war. Codex 6568 (f. 187) der Wiener Hofbibliothek (Foscarini-Sammlung).

Verlust Tata’s. Conferenzen mit ungar. Räthen. 31

[Rubrica.| Die 24 maii 1558.

. + +) Scrive, Turchi haver preso il loco di Tatta?) di im- portantia [sic], per haver il passo in sua libertà di andar & Jaurino®) et sopra il Danubio verso Comar.*) Che il capitano”) di quel loco havea fatto instantia alla Csesarea M% ad [!] pro- veder di genti, munition et altro, altramente quel loco se per- deria, et vedendo che le provision tardavano, si è partito cum roba et fameglia et andato è Comar, del che Turchi aveduti, mandorno da Alba regal et Vesprimia 500 cavalli et lo presero nel modo,5) scrive. Che il capitano fugito è Comar di ordine de Sua M*è esser [!] stà rettenuto cum tutta la fameglia, et quelli alti sono fugiti de lì, li qual, Sua M* vuol, siano puniti seve- ramente.

Che tutti quelli di Hungaria sono venuti, per consegliar quanto farà bisogno. Che, havendo dimandato che provision si firano, disse quello:?) che Cesare et li Hungari si ritrovavano nel termine di uno honorato zentilhomo cum alcuni sui amici, quali indicavano, havesse molti denari, etc. (per esser lo exemplo longo). Et cusì Sua M% chiama questi, quali dicono: bisogna questa et quella fortificatione videlicet proveder de fanti et ca- valli, et il tutto piace all’Imperator, al®) qual, quando dimanda cum che si farano quelle facende, respondeno, esser chiamati da Sua M“% „per dir poi il parer nostro“ [sic], et delle provi- sioni lassar il pensier è Sua M®. Et non havendo Sua M* modo questo anno di soccorrer al bisogno di Hungaria, et mo-

!) Den ersten fünf Zeilen (f, 3”) zufolge erbat Mocenigo Verhaltungs- befehle in der Uskokenfrage.

7) Tata (Totis) wurde am 1. Mai 1558 überrumpelt.

*) Raab.

*) Komorn. '

5) Johannes Eszekius (nach der Angabe Katona’s XXIII, 49). Die- ser gieng also nicht in „Privatangelegenheiten“ nach Komorn. Vgl. Bucholtz VII, 343.

*) Das Relativum bleibt häufig weg.

*) Der Befragte.

*) Ha. la.

12

32 L. Mocenigo. 7. Juni 1558.

12 vendossi Turchi cum molte forze, va è pericolo di perder!) il resto di quel regno.

Che in Suevia sono andati alcuni cavalli armati dell’ abbate Vaingarten,?) homo molto rico et cortese, dal qual essendo stà accarezati, fornito il disnar, lo presero et lo condussero in luogo che non se scia, et chi dicono, esser morto, altri, tenuto pre- gione, per trazer da lui bona taglia.

Che ogni giorno vengono avisi & Sua M*, la Germani trovarsi in grande confusione, il che gli molestia.

Che l’orator di Mantua?) non è stà espedito, trovando Imperator difficultà di poter satisfar al Duca suo cum wir Lucera‘) cum quel suo ducato, et in questa materia scrive lon- gamente.

Che alli oratori di Luca ha confirmati li loro privilegii, ha voluto che pagino cosa alcuna, et tra duo giorni par tirano.

13. Leonardo Mocenigo an den Dogen. [Wien], 7. Juni 1558,

Der Kaiser wurde von den Kurfürsten ermächtigt, die Rückstände der Reichshilfen zu erheben und frei zu verwenden. Die Ausschüsse der Stände von Steiermark, Kärnten und Krain lehnten ab, in die Erhebung der zuletzt gewährten Summen zu willigen. Ein türkischer Gesandter rechtfertigte Tata's Be- setzung, ein anderer, vielleicht ein Spion, hatte ein Empfehlungs schreiben der Rectoren von Zara und forderte die Befreiung eines unauffindbaren Türken. Der mantuanische Gesandie empfieng die Belehnung.

ı) Hs. wiederholt: di perder.

?) Gerwig Bleirer, Abt von Weingarten und Ochsenhausen. Vgl. V.D. II, p. IL.

®) Annibale de’ Cavriani empfieng die Belehnung am 1. Juni 1568.

4) Für Luzzara, das Wilhelm, (1650 bis 1587) Herzog von Mantua, von dem Herzog von Ferrara erworben hatte. Volta, Compendio ... della storia di Mantova (Mantova 1831) IIl, 72 sg.

Ablelhnende Antwort der Stände. 33

[Rubrica].!) Die 7 mensis [iunii].)

Che Imperator ha rechiesto & quelli della Carinthia et Stiria®) havendo ottenuto dalli Electori di scuoder et libera- mente spender tutto il dinaro, resta debitor l’imperio‘) delle dite passate’) che per causa delli aiuti contra Turchi vo- lessero assentir che Sua M' cum loro satisfactione [potesse] seuoder quello, sono obligati per la dieta passata‘) ai confini secundo li bisogni, cum altre parole in tal materia. Tolsero la proposition di Sua et dopoi consegliata quelli della Carin- thia et Stiria dissero, non haver tanta libertà di alterar la deli- beration della dieta, dolendossi che, non essendo occorso alcun disordine per il passato in quelli loci, dove hanno messo genti et pagate [sic], Sua M'è vogli alterar li ordini et confirmati da Sua M*. Dice la resposta di quelli della Carniola”) conforme à quella delle altre provincie ma più mite. Che l’ Imperator, mosso da simil resolution, cum brusche parole tutti licentiò, li quali non operarno cosa alcuna, cognoscendo essi, per quanto ha da loro medesimi inteso, la necessità di Sua M*è cusì grande?)

!) Von der Hand des Rubricators A, der die folgenden Rubriche bis zu der vom 6. August 1558 geschrieben hat.

* Hs. supra dicti.

* Gemeint ist der Wiener Ausschusslandtag der drei Länder Steier- mark, Kärnten und Krain, der vom 18. Mai bis ungefähr zum 15. Juni 1558 versammelt war. Krones, Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichts- quellen (Graz 1867, IV.) 64.

+) Hs. imperico.

8) Der Kaiser bat damals König Philipp, wenigstens die niederländische Quote dieser Rückstände zu zahlen, erhielt aber nichts. Maurenbrecher, Beiträge zur Reichsgesch. 56; Ritter, Deutsche Gesch. (Stuttgart 1889), I. 96.

©) Der Grazer Aprillandtag des Jahres 1558 hatte die doppelte Gült, ferner einen Reisigen von je 100 Pfund Geld und 2000 Büchsenschützen be- willig. Krones, Beiträge 64.

*) Der krainerische Landtag bewilligte aber noch in diesem Jahre unter anderm 60.000 fl. jährlich für ein Quadriennium. Dimitz, Gesch. Krains (Laibach 1874), I. 191.

*) Am 23. April 1558 hatte der Kaiser dem Markgrafen Hans von Brandenburg um 20.000 Thaler die Steuer- und Biergelder der Herrschaften Beeskow und Storkow verkauft, die er sich im vorhergehenden Jahre beim Ver- ksufe der Herrschaften noch vorbehalten hatte. Kletke, Regesta hist. Neomar- chicae (Märkische Forschungen, Berlin 1876, XIII.), 336f.

Venetianische Depeschen vom Kaiserhofe. III. 3

13

13

34 ° L. Mocenigo. 7. Juni 1558.

che ‘| dinaro serà speso in altro che nelli bisogni della guerra, et che seriano sforzati cum nova graveza è guardare li confini, essendo vero che non si inganino.

Che sono venuti duo Turchi è Sua M*, uno del bassa di Buda, per dolersi che alli confini li subditi del signor!) dalle genti sue in tempo di tregue siano robbati ct molestati et che, seguendo li ladri fino è Tatta, per castigarli, sono stati forciati di intrar et impatronirsi di esso loco, aftfirmando che sempre farano cusì, se non serà dato ordine alli confini che la tregua habi loco. Dimandd ancho che, essendo stà fortificato Baboz?) in tempo de suspension de arme, debba l’Imperator ruinark, altramente che ’1 suo signor, il bassa, userà forza. L’altro è venuto per la via de Lubiana, accompagnato da molta guardia, essendo opinion che sia spion et venuto per veder il paese. Et gionto, li sono stà tolte tutte le scritture, tra le qual vi eran lettere delli rectori de Zara ad esso orator?) in suo favor, le qual 4 giorni dopoi gionto da un servitor del mareschial*) glie fu [?]°) portate, le qual per li respetti, scrive, mandò per il se- cretario Aiger è Sua M'* cum rechieder da Sua M* che per sua satisfaction potesse andar & visitarlo. Sua M* disse che | Turco era mandato [da Selim, che è primogenito]*) figliol del signor?) per la liberation di un Turco, qual credeva esser in poter de Sua M* aut delli sui, et havendo fatto cercar, non lo

1) Turco: Der Sultan.

?) Babocsa. Vgl. Bucholtz VII. 349.

3) Mocenigo.

4) Johann Trautson, (seit 1541) Freiherr zu Sprechenstein, Oberst- hofmarschall und kaiserlicher geheimer Rath, starb achtzigjährig am 29. De- cember 1589. Bergmann, Medaillen, II. 220 ff; Luna über ihn in den Docum. inéditos XCVIII. 310; Oberleitner (Archiv f. österr. Gesch. XXVI.) 14.

5) Die dritte Person der Einzahl statt der Mehrzahl ist in der Depeschen- sprache nicht selten.

6) Die Lesung „da....... primogenito“ ist nach der Hs. unsicher, ergibt sich aber aus einem Briefe des Kaisers an Selim vom 4. Juni 1588, worin es heisst: „Dilectio Vra rogat pro quodam eius ministro nomine Murat Aga, qui cum Venetias iussu Dilectionis Vrae iter faceret mari, per Segnienses aut alios Uscocos vel milites captus esse dicatur. (Concept, Turcica 1558, Wiener Staatsarchiv.)

") Turco, nämlich des Sultans. Selim, 1524 geboren, war der älteste Sohn Roxolane's.

Ankunft türkischer Gesandten. 35

trova. Che le lettere de credenza sono cum la bolla d’oro et scritte 13 cum [in]chiostro, et che li sui le tengono autentiche. „Rengra-

tiate l’orator dell’ officio et........ r le!) lettere, et non havendo commission dal dominio, non accade. Andiate è fa ......... 1) lo expedirà tra due gfiorni]'. Che Sua M* non ha voluto admetter alcuno ............. 1) et & quello di [sulltan Selin tiene guardie [?] et che l’officio fatt[o........... 1) ne]cessario, et che] non serà despiaciuto al dominio. De Hungjaria.......... 1) che], Turchi [non fa]rano motto fin ritorni l’homo d[e........ 3)

non havendo altro per fine che ben vicinare, et haver mandate esse lettere al suo orator cum la commission,*) ut in letteris.

Fu investito l’orator di Mantua in nome del Duca suo di quel ducato et Lucera,*) havendola Sua M*è unita cum quello cum le condition, ut in letteris.®)

14. Leonardo Mocenigo an den Dogen. [Wien], 14. Juni 1558,

Ständische Reiterei marschiert an die Grenze. Der Kaiser ut krank, König Max führt die Geschäfte. Dieser erklärte, der Kaiser sei von dem päpstlichen Stuhle schon 1531 anerkannt wrden. Der Papst schade nur seiner eigenen Autorität, beson- ders bei seinem üblen Verhältnis zu König Philipp. Olmützer Cmmiker boten 4000 fl, der Kaiser verlangte aber 8000 fl. gegen Sicherstellung. Hosius ist angekommen.

!) Lücken an schadhaften Stellen der Handschrift.

?) Hier fehlen vier Zeilen.

*) Vermuthlich in der Uskokenfrage.

4) Vgl. oben 8. 32.12 A. 4.

5) In der Depesche vom 1. Juni 1558 (achtzehnzeilige Rubrica, f. 37, mit einer grössern Lücke) berichtete Mocenigo, die Türken seien mit Tata’s Befestigung beschäftigt, dem Capitän von Raab sei die angesuchte Hilfe versagt worden. [Nach einer Lücke:] Der Kaiser habe das Ansehen bei den Türken und in Deutschland verloren (essendogli tolta la reputatione), wo er gehasst werde, ,perchè continua nella obedientia verso la sede apostolica.“ Fran- cesco della Torre habe, „um zu gehorchen, die Regierung von Gradisca“ Johann von Hoyos („Ogios“) übergeben, „con nota che non pregiudichi alle sue ragioni“.

3*

14

36 L. Mocenigo. 14. Juni 1588.

[Rubrica].!) 14 iunii 1558.

...?) Che, non havendo voluto quelli della Stiria, Carinthia et Carniola alterar la deliberation della dieta,*) l’ Imperator è stà astretto dalla necessità permetter che quelle provincie facino 400 cavalli, per mandar alli confini, come fecero l’ anno passato. Etiam l’ Austria et paese de Linz ne farano altri 300 per Jaurino, et ritrovandosi il fiol di Felz,*) il qual ha servito cum carico di collonello in Italia il seren” Re Philippo..... 39) &°) stà chiamato da Sua M% Cesarea per darli carico in Hungaria

Che Sua è vexata da febre dopia terzana, exstimata dalli medici, quali vogliono, stia in lecto et non negotii.

Che ’} seren®° Re Maximiliano era ritornato dal bagno”) et ha tutto il manegio alle mani: si reduce, conto, hors cum li conseglieri et quelli della guerra,*) come facea !’In- perator.

Ha visitata Sua Mt? et communicati li summarii.”) Disse Sua M*, haver lettere da Roma, et continuò che’l Pontefice persevera nel suo humor. Guardate come vuol introdur il Pontefice cum questo principio di electione dell’ imperio. Gusmano fin hora deve esser partito.!°) Si farà quel conto di Sua Santità che ella merita: non hebbe la chiesa in alcun tempo il più obe- diente figliol della M* Cesarea, la qual, essendo stà recogno-

1) Wie die folgenden Rubriche zu den Depeschen aus den Monatera Juni und Juli 1558 von dem Rubricator A geschrieben.

2) Die ersten neun Zeilen (f. 11”) betreffen Verhandlungen tiber Uskoken.

8) Vgl. oben S. 33.13.

*) Wohl für Vels (vgl. V. D. I. 438.137). Caspar von Vels war kaiser- licher Rath, Hatschierenhauptmann und Oberstkämmerer des Ersherzogs Karl. Ob hier unter seinem Sohne Christoph Otto Moriz gemeint ist, vermag ich nicht anzugeben. Bergmann I. 240.

5) Hier vermisst man einige Worte, die der Rubricator ohne Absicht wegliess.

6) Hs. et.

?) Vgl. oben 8. 24.s A. 1.

®) Ueber den 1556 eingerichteten Hofkriegsrath vgl. Rosenthal, Die Behördenorganisation, 146.

9) Vgl. oben 8. 21.7 A. 2.

10) Erst am 14. Juli verliess er Rom. Vgl. Schmid a. a. O. 9 ff. 22 f., %.

König Max tiber die Haltung des Papstes. 37

sciuta per Re de Romani del 1530!) in qua da tutti li principi 14 et Pontefici che sono stati et da questo anchor, non meritava di haver disturbo, vacando l’imperio nella successione. Questo à nui*) non importa molto; ma[?] ben apporterà preiudicio alla suctorità del Pontefice, il qual non ha acceptato l’ accordo cum il Re Philippo,*) qual mette delle difficultà.“

Ringratiò Sua M* della communication et si dolse della infirmità dell’ Imperator. Disse, haver havuto del male et re- dutto in deboleza, ma si rehaveria in brevi [sic] giorni.

Il vescovo et canonici di Olomuz hanno mandati nuovi canonici all’ Imperator cum resolucion di darli 4 mille) fiorini imprestito, essendo assignatoli fundo sicuro, et pregino[!] Sua MS è non voler nell’avenir turbar la loro quiete, alterar il suo mramento et impedir li officii della chiesa, non astringendoli & tuor5) quello che non deveno possono. Ha resposto Sua M* che vuole 8 mille fiorini et farà la chiesa sicura et pagerà [!] tanto interesse, acciò li officii non patiscono,°) quanto haverano per la provision del dinaro.

1) Die Königswahl geschah am B., die Krönung am 11. Januar 1581 (nach venetianischem Jahresbeginn 1580).

*) Für „noi*, wie „vui“ für ,voi" oder „pui“ für „poi“.

*) Es handelt sich hiebei wohl um die in Brüssel geführten, in den Hauptsachen erfolglosen Unterhandlungen des für König Philipp gewonnenen Cardinals Carlo Caraffa wegen der Ausführung des im September 1557 ge- shlossenen Vertrages von Cave, wozu noch unerledigte Fragen kirchlicher Jarisdietion kamen. Duruy 270, 284, 286 f, 402 svv.; Philippson, Philipp II. und das Papstthum (Sybel’s Hist. Zeitschr. 1878, XXXIX.) 287, 289 f.

Am 13. Juli 1558 schrieb Suriano dem Dogen und den Zehn, in den letzten Tagen sei, wie er insgeheim erfahren habe, ein Secretär Juan’s [de] Figueroa, des Castellans von Mailand, angekommen, um die für dessen Sendung nach Rom nöthige Instruction zu holen. {*,Et fra le altre cose,“ berichtet er ferner, „si tratta de darli una lettera del serenmo Re, con la quale possa in ogni occasione mover in un subito quella gente che vorrà del regno di Napoli et condurla o à Roma, o dove li metterà più conto nel stato della chiesa, senza haver bisogno di scriver di qua, di espettar risposta, et pare che il dissegno sia questo che, come il Figueroa sia & Roma, se vede nel Pontefice o nelli nepoti intentione di concluder secondo l'accordo già proposto, usi con 8. Santità et con loro ogni termine di amorevolezza, ma se li vede andar diffe- rendo, li conduca adosso quel numero di gente che li parerà all’ improvisa

che basti per farli rissolver o per assicurarsi di loro“. .*] (Depeschenband 5 des Wiener Staatsarchivs, f. 93 7). 4) Durchweg für mila. 8) Für: torre, togliere. €) Hs. patriscono.

38 L. Mocenigo. 25. Juni 1558.

Che era gionto il reverendo episcopo di Varmia,!) il qual è signor in temporal di parte della Prussia. Va a Roma, chia. mato dal Pontefice.) È homo di aetà[!] et molta doctrina, havendo scritto per la religion contra lutherani.®) Ha lettere‘) di credenza del Re di Pollonia all’ Imperator, per alegrarsi del- l’imperio. Si intertenirà qualche giorno per far questo officio.

15. Leonardo Mocenigo an den Dogen. [Wien], 25. Juni [1558]

Als die Ungarn aufgefordert wurden, die Grenzplätz selbst zu verproviantieren, erklärten sie, ihre eigenen Schlösser sichern zu müssen. König Max theilte mit, dass Guzman in Auftrage des Papstes besucht worden sei und daraus Hoffnung schòpfe. Die Abreise der venetianischen Gesandten wurde urgiert, vermuthlich, weil der Kaiser besorgt, die Haltung de Papstes könne einen Aufschub bewirken. Ein Mansfelder Graf, der in französischen Diensten gestanden hat, sucht für sich, für Verwandte und für den Magdeburger Erzbischof um

Belehnung nach. [Rubrica]. 25 mensis suprascripti [!]. Che’] seren"° M[aximiliano più vo]lte ha exhortati li signor (!] Hungari è munir di victualia le cità [!] et cafstelli alli confini, non] potendo l’ Imperator questo anno per mancamento de dinari

deffender................ e]t?) munirle de grani. Ma essi si sono excusati di dar com ................. [essend]o 5) forzati tener li

1) Stanislaus (Hosz) IHosius (15604 bis 1579), seit 1551 Bischof von Ermeland, wurde 1561 Cardinal. Hipler et Zakrzewski, Stanisl. Hosii epist. (Acta hist..... Poloniae..... Cracoviae 1879, 1886 IV., IX.).

?) Die Berufungsbreven des Papstes vom 18. December 1557 und vom 8. März 1558 bei Hipler und Zakrzewski (Acta hist. Poloniae IX.) 931 und 964 f.

®) Vgl. darüber Acta hist. Pol. t. IV, p. VII, XXVII sq.; t. IX, p. XXDE

*) Die Instruction des Königs Sigismund August für Hosius aus Wilns vom 16. (!) April 1558 ebendas. IX. 960 sqy. Das königliche Credenzschreibes und die Gratulationsschreiben des polnischen KUnigspaares vom 25. April 1551 im Wiener Staatsarchiv (Polonica 1558).

®) Das Fehlende hat auf einem durch Feuchtigkeit zerstörten Blat1 stücke gestanden.

Hosius. Nachrichten Guzmans. Venetian. Gesandtschaft. 39

Che, essendo andato il suo secretario è pallazo [!] et veduto fa dal Re Maximiliano, che volea seder alla ...sa, ricordandosi di farli intender qualche particular delle lettere del signor Mar- tino, gli fece dire che le lettere, havea ricepute, non conteneano più di quello Sua M* havea communicato ad lui, orator, et che, havendo la Cxsarea M* più freschi avisi, gli dicea che, essendo certo il Pontifice della partita del signor Martino, mandò ad visitarlo et excusarsi: si era tardato tanto à far quell’ officio, monstrando che l’importantia del negocio l’havea intertenuto; gli facea intender che, poi era stato tanto tempo rettirato, potea, per passar il rincresimento [!], ussir et veder la cita.®) Per il qual officio esso signor Martino si era intertenuto et spera di accommodar il suo negotio, vedendo il Pontifice humiliato.

Che era venuto uno che monstra esser antiquo servitor del dominio et gli disse che, pensando al commodo delli oratori dessignati all’ Imperator, „mi volea avertir acciò facesse intender è sue signorie che torneria è maggior loro commodo è venir presto è satisfar il loro carico, perchè potria occorrer cosa al- Imperator, che lo astringesse andar in Bohemia, et essendo il viagio più longo, veniriano è sentir maggior incommodo“. Hebe gratie dell’aricordo, et quanto al partir delli oratori, respose come nelle lettere. Et circa al partir dell’ Imperator non vedea, fusse in termine di ponersi in viagio cussì presto, havendo patito per il male passato, intendendossi [!], quel regno haver bisogno di Sua M*. Che, essendo questa persona continuo‘) cum il mareschial,5) dalle parole ha iudicato, esser stà mandato, et Sua M*è haver opinione che, quando le cose di Roma conti-

1) Das Fehlende hat auf einem durch Feuchtigkeit zerstörten Blatt- stücke gestanden.

?) Hier fehlen in der Hs. vier Zeilen.

*) Vgl. Reimann (Forschungen zur deutschen Gesch. V.) 305 f., ferner Babon an König Heinrich, Rom, 11. Juni 1558 (Ribier, Lettres et mémoires (Paris 1677) IL 744sv.; Schmid a. a. O. 14, 22, und unten die Depesche vom 18. August 1558.

4) Hs.: continue.

5) Trautson; vgl. oben S. 34.13 A. 4.

40 L. Mocenigo. 25. und 28. Juni 1558.

15 nuassero nel modo primo, monstrando Sua Santità di non volerla haver per legittimamente electo all’ imperio, che 1] dominio metteria tempo à mandar li oratori, il che, quando cussì fusse che la deliberation di mandarli pendesse dalla resolutione del negotio del signor Martino, desidera, esser avisato, per saper risponder, si fusse ricercato.

La infirmità haver lassato l’Imperator tanto debile che difficilmente si va rehavendo; ha principiato è levar, ma non negotia.

Che era venuto uno delli conti di Mansfelt,!) qual jha] ser. vito il Christianissimo contra l’Imperator, per pigliar investi tura del contado cum alcuni altri, mandati dalli altri conti;’) et per excusarsi del servitio prestato come contumace. Monstra, esser mal satisfatto del Christian®°, non essendo stato intiera- mente pagato. Affirma, esser creditor di 30 mille talleri. Ha commission di pigliar l'investitura per il vescovo di Matgen- burg,?) fig[ljiol dell’ Elector brandeburgense,?) il qual dalla s[e]de apostolica non ha havuta la confirmatione, per ritrovarsi uno altro electo,?) et pende il iudicio è Roma. Sua M*è non lo in- vestirà et t[u]tti serano satisfatti.

Che il principe Ferdinando da Praga gli ha scritto che debea®) scriver al dominio che siano castigati alcuni, quali hanno scritto et stampato contra il doctor Mathiolo, qual è al suo

1) Albrecht von Mansfeld?

?) Die Belehnungsurkunde für die Grafen Hans Georg, Peter Ernst, Hans Albrecht, Hans Hoyer, Hans’ Ernst und für den unmündigen Bruno, sowie für Gebhart und Albrecht von Mansfeld ist erst vom 9. October 1558 und die Vollmacht der fünf zuerst genannten Grafen für Heinrich den Jungen Reuss von Plauen und für den Kanzler Melchior Nickel zum Empfang der Belehnung vom 20. Juli 1558 datiert. (Wiener Staatsarchiv, Lehensacten, Mansfeld).

8) Sigismund (1538 bis 1566) wurde nach dem Tode seines ältern Bruders Friedrich 1552 zum Erzbischof postuliert. Über ihn und über die Verträge zwischen Erzstift und Stadt Magdeburg vom 22. August 1555, 29. Januar 1558 und 26. März 1562 vgl. Janicke in der Allgem. Deutschen Biogr. (Leipzig 1892) XXXIV, 294 f.

4) Christoph Graf von Stolberg (1524 bis 1581) behauptete sich im Halberstadt bis 1557. P. Lentzii Hist. episcop. Magdeburgensium (Magde- burgi 1738) 158.

5) doveva.

Ankunft des Grafen von Mansfeld. 41

servitio. De ciò ne particular information alli Reformatori 16 del studio,!) et quando non fusse suo carico, prega il dominio, mandar esse lettere dove gli parerà che la iusticia habia luoco,

et monstri [!] di tener conto del principe.

10. Leonardo Mocenigo an den Dogen. [Wien], 28. Juni 1558,

Die Aufstellung österreichischer Reiterei wurde mit Zu- stimmung des Kaisers aufgeschoben, weil sich dieser durch eine Beschwerde in Constantinopel Ruhe an der Grenze verspricht. Ludwig Madruzzo und De la Quadra sind angekommen, jener, um dem Kaiser zu gratulieren, dieser, um ein Verbot des Dienstnehmens in Frankreich zu erwirken.

[Rubrica]. Die 28 iunii 1558.

Che li 400 cavalli, sono obligate dar la Stiria, Carinthia et Carniola, sono in esser et fariano la monstra [sic] nelli lochi et sotto li capitani, nomina, et serano divisi alli confini di Croatia, come vorà il capitano Lencovich, qual ha ordine da Ceesare. Li 300 cavalli, deve far I’ Austria et [il] paese de Linz per difesa di Jaurino, non sono stà condutti, essendo quelli del paese creditori de molti dinari per spese fatte, si risolverano, se non intendino, li Turchi esser vicini, et che Cesare, cre- dendo, Turchi star nelli termini sui, si contenta, se differisca ù farli et è risolto mandar lettere & Constantinopoli, per dolersi che Tatta sia stà tolta in tempo di tregue,?) sperando sicurar le cose sue et persuadendosi che Turchi alli confini, intendendo l'an}jlata di queste alla Porta, non se unirano è danni sui.

Che sono ven[uti djui [capitani] et molti altri, hanno [carico], quali sono alla deffesa de cità [!] et luoghi di Hunglaria, per dimandar al] I’ Imperator li loro avanzi, essendo creditori de 15 pagh]e, monstrando [1] che li luog[h]i ................ itati,°) non essendo le g[enti] satisfatte interamente, havendo li soldati

1) di Padova, Aufsichtsbehörde über die dortige Hochschule. !) Vgl. Bucholtz VII. 860. !) Lücke an schadhafter Stelle der Hs.

42 L. Mocenigo. 25. und 28. Juni 1558.

Lirerii zie zen. !) hanno potuto ....la s[.......]!) all’ Imperator, essendo rettirato, l'hanno .................. !) luto dar & Sua M* Cesarea, ma [si proleur............. 3) venendo occasione

comprerà qualche castello in Moravia over Bohemia, per render certa Sua M* che desidera esser fidel servitor di casa di Austria.*)

Che il rever®° di Trento ha mandato il reverendo electo suo nepote,*) per alegrarsi cum Cesare et seren"' figlioli della dignità imperiale, che ha satisfatto all’ officio et partirà tra pochi giorni.

Il seren"° Re Philippo ha mandato il reverendo episcopo del Aquilla®) è Cesare perchè procuri cum Sua M* tal provi. sione alle cose di Germania che Francesi non si possino servir, come farano, di queste genti & danni sui, la qual provision è impossibile, per esser molti principali di Germania di animo più francese che thodesco.

Scrive particularmente la infirmità, patisse.

1) Lücken an schadhaften Stellen der Hs.

2) Hier fehlen 3 Zeilen (för).

®) Bezieht sich dies auf Mansfeld?

4) Johann (Ludwig) Madruzzo, Sohn von Christophs Bruder Ludwig, geboren 1532, 1549 Administrator, 1567 Bischof von Trient, 1561 Cardinal, gest. 1600. Bergmann I. 29.

5) Don Alvaro de la Quadra, seit 1553 Bischof von Aquila (in den Abruzzen), königlicher Caplan, wurde im December 1558 nach England gesandt, wo er auch als Nachfolger des Grafen von Feria (seit Mai 1559) bis zu seinem Tode am 31. August 1563 verblieb. Docum. inéditos (Madrid 1886) LXXXVIL 188f.

Die Instructionen für Quadra vom 21. Mai 1558 bezogen sich besonders auf König Philipps Gutachten über die Fortsetzung der Friedensunterhand- lungen mit den Türken und auf die Wiederaufnahme der Verhandlungen wegen des Reichsvicariats in Italien. Docum. inéditos XCVIII. 5 —14; Mauren- brecher (Sybel's Histor. Zeitschr. L.) 5öf., 58f.; Turcica 1558 des Wiener Staatsarchivs; vgl. auch oben S. 20.7 A. 8.

Über die Sendung Quadra’s berichtete Suriano am 21. Mai 1558 dem Dogen Folgendes: „Der Bischof von Aquila werde in zwei Tagen nach Venedig reisen, wo er sich festzusetzen gedenke, [*essendo in mal conto appresso Sua Santità, et non havendo più il Duca d' Alva in Italia, che lo sustenti, ma per mostrar di partir con qualche negotio, ha tenuto modo*] che Sua Mtà li ha dato cargo d’andar all’ Imperator nuovo & far officio ...... per queste genti thedesche, che passano in Francia et che fanno le strade mal sicure.“ (Depeschenband 5 (f82") des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs.)

Quadra’s Aufgabe. Gutachten der ungarischen Räthe. 43

17. Leonardo Mocenigo an den Dogen. [Wien], 6. Juli [1558],

Die ungarischen Räthe sagen, Ungarn könne nur behauptet werden, wenn ein Erzherzog dort weile. Dies ist der Kosten halber unmöglich. Tata’s Commandant wurde hingerichtet. Die Türken bedrohen schon den Donauverkehr. Das Verbot des Dienstnehmens in Frankreich wird für die gegenwärtig dort Dienenden wohl ohne Folgen bleiben. Der Kaiser verlüsst krankheitshalber Wien. Hosius und Madruzzo sind abgereist.

[Rubrica]. Die 6 iulii [1558].

Che Turchi non fano moto alcuno nelli confini, et l’ Im- perator retarda le provisioni, sperando, non habino è bisognar, et per non haver modo di exequir quanto è stà aricordato et consegliato. Che li Hungari non sono partiti; attendono ad expedir cose particular, tardando la loro dieta per la indispo- sition di Sua M*. Dicono che I’ Imperator non conserverà l’ Hun- garia, non deliberando di tener uno delli principi, sui figlioli, nel regno, et questo è impossibile per la spesa, convenirà fare, tenendolo è quel governo, perchè si anderà scorendo cum def- fender li confini al meglio, potrà.

Il capitan, qual arbandonò!) Tatta et era pregione in Comar, fu fatto morir,?) il qual per tormenti dateli non ha con- fessato, haver havuta intelligentia cum Turchi.

Il capitano della armata, tiene Sua M* nel Danubio & Comar, venuto & Vienna, ha detto all’ Imperator che, poi che Turchi hanno preso Tatta, correno molte fiate fino al fiume, et bisogna usar molta diligentia et avertir l’armata, la qual potrebe pericolar, et si conosce la importantia del loco.

Ha prohibito Sua M% & ciascaduno di Germania sotto la disgratia dell’imperio di andar al servitio del Christianissimo, et la provision è stata tarda et fatta per lo episcopo dell’ Aquilla,

1) Für: abbandonò, wie arlevare für allevare, oder arpigiare für appi- gliarsi. Patriarchi, Vocabolario veneziano e padovano (Padova 1796), 12.

*) Katona (XXIII 49 sq.) gibt den 16. Juli 1568 als Tag dieser Hiorichtung an.

17

44 L. Mocenigo. 15. Juli 1558.

17 qual fu mandato dal Re Philippo & questo fine, et si tien per fermo che per questo non debba venir danno alcuno & quelli che si attrovino è quel servitio, et precipue & quelli, si sono offerti molte volte per il passato di servir il seren®° Re Philippo et l’Imperator, quali dall’uno dall’ altro sono stà abbra- zati, tra quali è il figliol!) del Duca Joan Federico di Saxonia.

Che ’1 rever®° archiepiscopo di Collonia, [1] Elector,?) è morto, et serà electo?) uno conte di Mansfelt, canonico di quella città.

Vedendo l’ Imperator, non potersi rehaver di quel modo, porta il tempo, ha deliberato per conseglio de medici di andar per otto giorni fuori della cità [!] et procurar di avanzar sanità. Che Sua M' va in cochio per la terra et giardini, et per rela. tion de medici, quali lo visitano per la sua gamba, [con] poca alteratione che li sopragiongesse potria devenir hetica, essendo redutta in extrema magreza.

Che il reverendo episcopo di Varmia era partito per Roma et dimane partirà lo electo di Trento, havendo l’uno satisfatto per il Re de Polonia et l’altro per il rever”° cardinal, suo cio.)

18. Leonardo Mocenigo an den Dogen. [Wien], 15. Juli 1558,

Man besorgt, dass der Erzbischof von Trier wegen der Einnahme Diedenhofens zu Frankreich hinneigen werde. Der Kaiser liess dem Papste mittheilen, dass er dessen Verhalten auf dem Reichstage [zur Sprache bringen werde]. Den ungarischen „Rebellen“ wurde ein strategisch wichtiger Ort genommen.

1) Johann Wilhelm (1530 bis 1573) war mit seinem Bruder Johann Friedrich dem französischen Könige seit März 1558 verpflichtet und diente in Frankreich. Vgl. Wülcker in der Allgem. deutsch. Biogr. XIV, 344 und Rawdon Brown VI.m p. 1462 f.

%) Hs. electer.

3) Nach dem Tode des Erzbischofs Anton von Schaumburg am 18. Juni 1558 wurde am 26. Juli Graf Johann Gebhard von Mansfeld, ein Sohn des Grafen Ernst II., an seine Stelle gewählt. Häberlin III. 459.

4) für: zio.

Fall Diedenhofens. Auftrag an Guzman. Waffenerfolg in Ungarn. 45

[Rubrica]. Die 15 iulii 1558. . . + .!) Che la presa di Tio[nv]illa®) da Francesi è repu-

tata de importantia per respetto dell’ archiepiscopo di Trevere, [il quale, perchè] confina cum il ducato di Lucimburg,*) serà

forzato monstrarse*) francese [et dependerà....... ]5) dal voler del Christian®°. Che del negotio del signor Martino non 8i................ 5)

inteso che l’Imperator gli ha commesso che ’1 debbi continuar

partir intimation................. a°) che, havendo Sua M* man- dato per riconoscer la sede [apostolica .................. )5) è per monstrar nella dieta,’) si [fJar&, il poco conto, è stà. .............. 8)

li rebelli di quella M#, havendo inteso la resolution sua di non mover arme alli confini, per non dar occasione è Turchi di venir cum genti à sui danni et & temptar qualche impresa de importantia, erano fat[t]i cussì insolenti che non solum hanno depredato il paese fino è Cassovia,®) ma hanno dato principio a fortificar certo castello, per impedir il passo tra Strigonia!°) et quella città. Unde è stato forciato il capitano,!!) nomina, mettersi in campagna cum 2 mille fanti et andar al loco, fortifi- cavano, il qual cum morte de 200 de inimici è restato in poter del capitano, nel qual hanno trovato tre pezi di artellaria grossa. Li qual rebelli si sono rettirati.!?)

Che l’Imperator per alcuni giorni era andato è Neustot,!?) accompagnato etc. [sic!]

1) Die ersten fünf Zeilen (f. 6”) betreffen die Uskoken. Vgl. oben 8.30.11 A, 1.

?) Diedenhofen wurde am 22. Juni 1558 genommen. Vgl. Michiel(e)’s Berichte vom Juni und vom 2. Juli 1558 bei Rawdon Brown Vlıu, p. 1506, 1508 f., 1512.

*) Luxemburg. 4) Hs. monstrassce.

5) Lücken an schadhaften Stellen der Hs. 6) Für: avanti. 7) Vgl. Reimann (Forschungen V), 307 und Schmid, 9.

*) Hier fehlen vier Zeilen. ®) Kaschau. 10) Gran.

1!) Emerich Thelekessy (1497 bis 1560). Komäromy, E. Th. (1889), citiert in den Jahresberichten der Geschichtswissenschaft, XII. Jahrg. (Berlin 1891), III. 210.

) Über die Waffenerfolge Thelekessy’s vgl. Katona XXIII, 57 qq.

2) Wiener- Neustadt.

18

19

46 L. Mocenigd. 22. Juli 1558.

19. Leonardo Mocenigo an den Dogen. [Wien], 22. Juli 1558,

Die Geistlichen irren, wenn sie glauben, wegen der gefor- derten Anlehen beim Kaiser mehr auszurichten als bei Köny Max. Die Hofkammer gibt Pfandbriefe auf geistliches Gut aus. Die Waffenerfolge der Franzosen missfallen König Max, aber nur deshalb, weil er besorgt, dass die rheinischen Kur- fürsten auf die Seite der Franzosen treten würden, und das kein deutscher Fürst mehr Kaiser werde. Der siegreich [Thelekessy] lässt auf Wunsch des Kaisers türkisches Gebiet ungeschädigt. Der Kaiser dürfte Thurm’s Ansprüche auf Gradiska durch eine Entschädigung abfinden. Die bevor- stehende Abreise der venetianischen Gesandten hat die kaiser- liche Familie und den Hof sehr befriedigt.

[Rubrica]. 22 iulii 1558.

Che erano venuti molti ecclesiastici ad aggravarsi dell’ im- prestedo [!] dimandato dall’ Imperator, come ha fatto ad Olomuz,') sono comparsi anti?) il Re Maximiliano, parendo che la causa loro sia per haver maggior avantagio cum Sua M'è Cresarea di quanto haverebe havuto cum Sua Alteza, et se inganano, per esser l’ Imperator resoluto che tutti pagino [!], et se lo persuade anchor ordinario [sic], et per l’information havuta Sua M* in Bohemia et altri stati sui ne trarà 200 mille fiorini.

Che quelli della camera,*) per trovar cum presteza il da- naro, si vagliono da particulari, assignandoli fundi delle chiese, de quali non potrano esser spogliati se non serano integramente satisfatti di quanto harano exbursato, et & questo modo in brevi tempo tutti cascherano in mano de seculari, et le chiese resterano arbandonate.*) Et oltra li imprestiti le graveze ordinarie sono tanto grande et molti conventi poveri, che sono forzati andar

1) Vgl. oben S. 37.14 und 26.10.

2) Für: davanti (ante); vgl. oben 8. 46.18 A. 6.

®) Uber die Hofkammer siehe Rosenthal, 112 ff. Die Namen wohl der meisten Hofkammerräthe im Archiv f. österr. Gesch. XXVI. 14.

4) Für: abbandonate. Siche oben S. 43.17 A. 1.

Kaiserliche Pfandbriefe auf Kirchengut. 47

debitori, nei beni di quelli si fa poi presta et severa execution, 19 parendo & quelli che hanno il carico di meritar molto di cussì fatto proceder.

Sente il seren®° Maximiliano grande passione della pro- sperità!) di Francesi nel ducato de Lucimburg, non perchè li despiacia il danno del Re Philippo,?) ma perchè teme, essendo uno exercito victorioso alli confini del stato delli Electori eccle- siastici, essi si scoprino francesi, cum la qual resolution |’ im- perio nell’ avenire ussirà di casa di Austria [non] solamente, ma etiam di Germania, essendo il pallatino più francese che thedesco.

Che il capitano continua persequitar li rebelli et cerca di impatronirsi delli lochi loro, et già ne ha presi alcuni di poco momento. Fa etiam delli danni nelli confini della Regina di Transilvania, per haver esso capitano et altri, servono all’ Im- perator, respetto alli lochi posseduti da Turchi, per esser questo voler dell’ Imperator.

Fu expeditta [!] la causa del signor Francesco della Torre à favor suo circa le iurisdiction, pretende*) haver nel territorio di Gradisca, et & questo effecto era venuto alla corte il signor Joan de Ogios,*) capitano di quel loco, per voler che l’ Impe- rator li dia il governo libero over proveda di altra persona. Che quelli della guerra5) l’ hanno udito et suspeso quel spazo, fino l' Imperator l’ udirà. Et si crede che Sua M*è debba astringer il signor Francesco cum altra recompensa più utile & ciederli le ragion sue, cum le qual acquieterà il signor Jo. Ogios.

È ritornato l’Imperator, il qual si sente assai meglio, se ben non avanza di collore [!] et di carne. Volea Sua M* voltarsi verso altri parti, per mutar aere, ma li medici non hanno voluto per le cause, scrive.

Che Sua M* ha inteso che li oratori del dominio erano per partir tra pochi giorni et ne ha apiacer et similmente li

1) Hs. wiederholt „della prosperità.“

7) Vgl. oben 8. 11.3.

3) Ha. pretender.

*) „Juan de Hoios“ (Hoyos), vor 1558 Hauptmann von Triest. Krones, Vorarbeiten, 62, und ein Brief Hoyos' aus dem Jahre 1557 im Wiener Staats- archiv (Hungarica 1567.)

°) Vgl. oben 8. 36.14 A. 8.

48 L. Mocenigo. 30. Juli 1558.

20 seren"' figlioli et tutta la corte della resolution del dominio, perchè temeano, dovessero tardar fino si vedesse che fine haria il negotio di Roma.!) Il rever®° di Patavia?) ha mandato è pigliar l’ investiture dall’Imperator, et sono stà expeditti li sui agenti.

20. Leonardo Mocenigo an den Dogen. [Wien], 30. Juli [1558].

Die Türken gaben die Erbauung eines Donauforts auf. Di flüchtigen Bewohner Tata’s sind zurückgerufen worden. Bevo sich der ungarische Clerus auf dem nächsten Reichstage i Unterhandlungen über Maximilian’s Königswahl einlassen wird will er eine stärkere Bürgschaft in der Religionsfrage verlangen als sie der [KrönungsJeid bietet. Der Kaiser wird von de: Erblanden neue Steuern fordern. Alvaro de Sande hat au der Durchreise nach Italien dem Kaiser über den Krieg berichten und ihn zu bitten, Werbungen in Tirol zu gestatten

[Rubrica]. Die 30 mensis suprascripti [!]

Che Turchi haveano preparati legnami, per far uno fort tra Tatta et Coronter,?) il che haveria impedito il transito all armata dell’ Imperator de discorrer per il fiume, ma sono sopra seduti, iudicassi, per respetto del homo*) mandato da Sua M' alla Porta, aut temendo che essa se li debba opponer, ma Su M“ non ha fatta [ris]olution alcuna, et quando la facessero [sic non poteriano impedir l’opera loro, [per la qjual [oper]a Turck

1) Von der Hand des Rubricators B ist als Marginalnote nachgetrager nOratori del dominio, desiderati dall’ Imperator.“

7) Wolfgang von Closen, von 1555 bis 1561 Bischof von Passau.

®) Korothna.

4) Philippus Baldus, der Ende Juni 1558 mit Briefen an den Sulta (vom 23. Juni), an Rustem Pascha und an Busbecq (vom 27. Juni) abgerei war. Die Schwierigkeiten bei den Unterhandlungen bestanden darin, da: die Türken die Schleifung der Festungswerke von Szigeth, die Einstellung di Befestigungsarbeiten in Babocsa und die Nachzahlung des Tributes verlangte: während der Kaiser die Rückgabe Tata’s forderte. Bucholtz VII. 360; Wien Staatsarchiv, Turcica 1558.

Forderung der ungarischen Prälaten für die Königswahl. 49

resterano patrfoni] del fiume dal forte in giù, et la insula de 20 Co[mar]!) non staria bene.

Che il gover[natore] di Tatta, vedendo che quel loco era vodo de bafbitanti................... 3°) ha fatto inti[mare] è quelli che sono fugiti che, volendo ritornar al golverno............ ,]3) seranno admesls]i [libera]mente et conservati senza graveza alcuna sense *)farano ..... li quali, quando ritornassero, et si fusse servata la [tregua] ............. 3) gratia dell’ Imperator, es- sendo stato loro capitano dopoi de ribello.*)

Ha inteso che nella prima dieta di Hungaria Sua M# di- segna proponer il seren"° Re Maximiliano perchè sia electo Re et lassarli il governo libero di quel regno. Et perchè il numero de prelati, entra in ditta dieta, è molto potente, se ben sono servitori dell’ Imperator, havendo havute abbatie et episcopati, li vien affirmato che, prima entrino,°) vogliono in questa reso- lution ben intendersi et firmar le cose vere, temendo ognuno di questi prelati che cum la vita dell’ Imperator habino & terminar le chiesie®) di quelli regni et stati, dove resterà il dominio al Re Maximiliano, et da certo ha inteso che vorano altro che sacramenti per cautione, conoscendosi che questa non è bona securtà cum questi principi, subiungendo:?) Guardate, orator, come sono tractati quelli di Bohemia et di tutte le provincie di quel regno et quelli di Austria contra la fede. Et il iura- mento, che Sua M* è: di non aggravar alcuno et lassiar tutti nella loro libertà.“

Che’] Re Maximiliano partirà per Graz, essendo stato in- vitato alla dieta della Stiria per il primo di septembre, dopo la qual farà quella del paese de Linz et è mezo octobre quella di Carinthia et Carniola, et l’Imperator al mezo di agosto farà

2) Comorn.

?) Lücken an schadhaften Stellen der Hs.

*) Hier fehlen vier Zeilen, die sich auf kleine Waffenerfolge Thelekessy’s besogen haben dürften.

*) Dies scheint sich auf die am 6. August (siehe unten) berichtete Begnadigung Gabriel Perényi's zu beziehen.

) Ergänze: „in questa negoziazione“, oder „in questa cosa“, oder Ähnliches.

*) Wiederholt für chiese. Siehe oben 8. 2.1 A. 7.

") Soggiungendo.

Venetianische Depeschen vom Kaiserhofe. III. 4

50 L. Mocenigo. 30. Juli 1558.

20 quella dell’ Austria inferior. Che l’anno passato queste provincie contentorno dar duo entrate!) ct meza all’anno per tre anni è Sua M*, da esser spesi nella guerra contra Turchi. Hora non havendo potutto [!] ottener l’Imperator che quel dinaro, che resta è spendersi, li fusse dato liberamente, vol metter nova graveza per li bisogni sui, et manda il seren"° Maximiliano in quelle provincie, essendo molto grato è ciascuno rispetto alla religione.

Dum?) Alvaro di Sande,*) mandato da Re Philippo in Italia, è arivato [!] de lì, per dar conto all’ Imperator delle cose della guerra et per procurar licentia da Sua M* Cesarea di poter trazer uno collonello®) di genti del Tirol, et havendo servito Sua M* in Hungaria cum una banda di gente spagnola, essendo creditor di alcuni dinari, ha procurato haver il suo restante, et perchè le cose di quella corte sono longe [sic], dove intervien il dinaro, per non mancar al Re suo, parte, havendo havuts bona intention da Sua M* Cesarea, lassiando il carico ad altri per la resolutione.

Che’l signor Joan di Ogios, dopo fatta suspender la sen- tentia fatta in favor del signor Francesco della Torre, [dimandò] audientia dall’Imperator. Non volse udirlo, ma lo rimesse al conseglio, nel qual parlò per le ragion di Csesare et sue. Gli fu resposto, per li agenti del signor Francesco esser stà tagliata la sententia, et resta al governo di Gradisca nel modo, era il quondam signor Nicold®) et signor Francesco‘) sopraditto.’)

1) Der Grazer Landtag vom September 1557 bewilligte nur 1!/, Gülten, Rüst- und Wartgeld, zusammen 108.372 fl. Krones, Vorarbeiten, 63.

2) Für: Don.

3) Alvaro de S. Siehe V. D. I, 504 A. 4. Surian schrieb am 21. Mai 1558 dem Dogen, dass Alvaro de Sande als maestro di campo nach Neapel reisen werde. (Depeschenband 5 des Wiener Staatsarchivs, f. 827.)

*) Colonnello, nicht selten in der Bedeutung von reggimento.

5) Vgl. V. D. I 438.127, II. 446 A.

6) Vgl. oben S. 47.19.

7) Es folgt eine Rubrica zu der uns nicht erhaltenen Depesche Moce- nigo's vom 6. August 1558. (f. 6v, 7”, 25 Zeilen, von denen zwei ganz, drei theilweise fehlen.) Mocenigo berichtete damals, man glaube, dass Guzman, der zurückgekehrt sei, in Florenz über eine Heirat des Prinzen [Franz von Medici] mit einer Erzherzogin verhandelt habe, dass aber Herzog Cosimo wegen der grösseren Ausstattung, die der französische König [einer Prinzessin)

Mission Alvaro’s de Sande. bI

21. Leonardo Mocenigo an den Dogen. Wien, 13, August 1558.')

Guzman wurde seinen Mittheilungen zufolge erst in Venedig von der Stimmung des Papstes unterrichtet. Dieser war bei der halb öffentlichen Audienz, die er endlich gewährte, ungemein liebenswürdig und drang vergeblich in Guzman, sich etwas aus- zubitten. Guzman lehnte es auch ab, ein Breve zu befördern, das Ferdinand nur König nannte. Der Kaiser hat befohlen, gegen Sectierer und verheiratete Priester einzuschreiten.

Serenissimo Principe.

Non ho havuto modo di veder prima il signor Gusmano dopo il suo ritorno da Roma che l'’ altro hieri, che fu il giorno di San Lorenzo, essendo io andato ad accompagnar |’ Imperatore ala messa secondo il mio ordinario, con la qual occasione m’ allegrai di vederlo ritornato sano, et della satisfattione, che sentiva ogn’ uno della prudentia et desterità, che egli haveva mostrata et usata nel negotio suo. Mi corrispose sua signoria con affettuose parole, tenendosi molto satisfatto dell’ honore et cortesia, che le ha fatto la Ser“ Vra, et mi disse poi: , Signor ambasciator, quando io partì dalla corte per Roma, mandato dalla M** Cesarea per riconoscer la sede apostolica, non haveva l'Imperator aviso alcuno dell’ animo et dell’ humore del Ponti- fce,?) perchè non mi haveria mandato, o se pure si fusse

geben könne, auf dessen Seite tibertreten werde, besonders, wenn er die französischen Plätze in Toscana bekommen könne. Der Kaiser habe „auf verschiedene Dinge“ eine neue Steuer gelegt. Der Capitän von Kaschau si auf dem Marsche gegen Szerencs (Hs.: Kerenz) angegriffen worden und habe 350 Mann verloren. 200 Mann seien in Wien für Kaschau geworben worden. Gabriel Peréuyi's Unterhändler hätten es unterlassen, den kaiserlichen Begnadigungsbrief [an]zunehmen, da der ungarische Kanzler dafür 1300 fl. verlangt habe [vgl. Katona XXIII 61, 101]. Der Schluss der Rubrica erwähnt die kaiserliche Vermittlung in dem Streite [Georg Friedrich’s] von Branden- burg mit den fränkischen Bundesständen [siehe unten S. 63.26] und die Leichen- feierlichkeiten für die Königin Eleonore, denen König Max fernblieb „per le cause, che scrive“. Vgl. Reimann, Die religiöse Entwicklung Maximi- han's IL, 18.

!) Original, aus dem Depeschenbande 1a des Staatsarchivs in Wien.

*) Der Papst zürnte darüber, dass Ferdinand den „Notar und Inter- nontias" Jakob Linterius von dem Frankfurter Kurfürstentag ferngehalten

4*

21

52 L. Mocenigo. 18. August 1558.

21 rissoluto ch’ io andassi, mi haveria data altra lettera di credenza di quella ch’ io portai, perchè non mi serviva questa se non per una audientia publica et una privata. In Venetia!) fui avisato dell’ opinione di Sua Santità, volsi però ch’ ella im- pedisse il mio viaggio, et l'Imperatore ne restò molto contento. Son stato in Roma molti giorni,?) come sapete. Alla fine, essendo Sua Beatitudine certa ch’ io me ne doveva ritornare, mi ad- messe,?) et fu la mia una audientia, in tutto publica, in tutto privata, perchè erano presenti alcuni pochi cardinali sola- mente. Io satisfeci è quanto doveva & nome dell’ Imperatore. Mi accolse Sua Santità et mi rispose con li più grati modi et le più dolci parole che si possa imaginar huomo. Fece parlando longhissime digressioni et finalmente chiamò il rever®° Caraffa et li disse: , Pigliate questa lettera di Sua M*è et fattele risponder che habbiamo veduto il signor Martino con molta nostra conten- tezza et che fra pochi giorni le manderemo un noncio.“*) Io con questo presi licentia, concludendo nel fine del mio parlare: che pregava la M# di Dio che questo non dovesse esser ]’ ultimo Imperatore che mandasse & riconoscer la sede apostolica, et nel partire mi fece Sua Santità instantia grandissima ch' io volesse dimandarle alcuna gratia per me o per qualch’ altro de miei. Della qual offerta havendola ringratiata et detto che non

hatte (Schmid, a. a. O., 5). In dem Entschuldigungsschreiben aus Prag vom 1. Februar 1558, das wohl Linterius selbst zu seiner Rechtfertigung dem Papste überbrachte, erklärt König Ferdinand, er habe es für gerathener gehalten, dass Linterius derzeit zurückkehre („propter certas rationes et causas, quas ei coram exposuimus“) und nicht die Ankunft des Nuntius dem Auftrage gemäss abwarte. (Wiener Staatsarchiv, Romana, Hofcorrespondenz fasc. 4.) Vgl. oben 8.17, A.1.

1) Der spanische Gesandte ‘Vargas unterrichtete ihn in Venedig, wo er am 29. April ankam, ,iiber das, was er summarisch dem Kaiser ilber die Haltung des Papstes beziiglich der Renuntiation geschrieben hatte“. Daher sandte er den Courier Waldhauser (,Balthauser“) um Verhaltungsbefehle nach Wien. (Romana, Hofcorrespondenz fasc. 10.)

2) Vom 13. Mai bis zum 14. Juli 1558. Schmid, 10, 26.

3) Am 13. Juli. Schmid, 25 f.

4) Ugo Buuncompagni (1502 —1585), der spätere Papst Gregor XIII, damals zum Bischof von Viesti ernannt, gieng aus dem unten in der Depesche vom 27. September 1558 angegebenen Grunde nicht ab, vielleicht auch wegen des kaiserlichen Antwortschreibens an den Papst. Vgl. Schmid, 27, und Moroni, Dizionario di erudizione storico-ecclesiastica (Venezia 1852) LVI, 264 sg.

Gusman über die Obedienszgesandtschaft. 53

haveva da supplicarle cosa alcuna, chiamò li rever"i Paccecho!) 21 et Caraffa et disse loro: , Vogliamo che siate testimonii, che si siamo offerti di compiacer il signor Martino di quello che ne havesse ricercato et che non ha voluto cosa alcuna.“ Con che io partì, et nell’ uscir della stantia uscì ancho?) meco il rever° Caraffa, al quale io dissi che non facesse lettera alcuna per darla è me, perchè io non vorrei, havendo portato un Imperator in Roma, riportar un Re in Germania, ma che, volendo Sua Santità scriver, mandasse la lettera per altri, sapendo io molto bene che il Pontifice haveria dato è Sua M* nome di Re et non de [!] Imperatore, come ha ancho fatto. Mi rispose sua signoria rever®* che, non volendo io la lettera, ch’ ella si man- deria per altra strada. Hora son qui, et alla M* Cesarea questa opinione del Pontifice importa poco, et il danno sarà tutto della sede apostolica, nof si acquietando Sua Santità, ma spero che il tempo la farà riconoscere.“ Et havendole detto io che era certo, che così seguiria, messe fine & questo ragionamento, il quale ho voluto scriver alla Ser'* Vra, se ben mi persuado che il clarissimo ambasciator,?) che è appresso Sua Santità, haverà ancho?) scritto el medesimo di tempo in tempo & quel Seren®° Dominio, perchè da molti incontri il Principe traze poi certa nssolutione delle cose.

Ha questa M* scritto per tutte le sue provintie è quelli che hanno carico: che non debbano permetter alcuna religione, che si scuopri di nuovo et che si debba proceder contra, et . rettener quelli sacerdoti che hanno moglie et, se ben si vede che questo è fatto per placar et acquistarsi il Pontifice, però non è restata Sua M* Cesarea di risponder alla lettera,*) che le è venuta da Sua Santità, per quanto mi è affirmato, in modo che potrebbe [!] ritornar le cose nelli primi termini di alteratione, ma persuadendosi l'Imperatore che il cardinal di Pisa,°) desti-

1) Pacheco.

*) Hs. anchò, das aus ancuò (auch ancüo) in der Bedeutung von oggi entstanden ist. Boerio und Patriarchi unter „ancud.“

*) Alvise Mocenigo, seit Mitte März 1558 in Rom. Rawdon Brown, Vim p. 1469 f. und V. D. I. p. XIV sq., XXI sq.

4‘) Breve und Antwort fehlen im Wiener Staatsarchiv. (Gtitige Mit- theilung des Herrn Dr. v. Voltelini.)

4) ScipioneRebiba(1504—1577),seit 1556 Erzbischof von Pisa und Cardinal.

54 L. Mocenigo. 19. August 1558.

21 nato in Polonia, sia già in viagio, con il quale haverà Sua MS negotio, per quanto si ragiona, si è ella assicurata è slargar la mano in scrivere, essendo certa che le commissioni non si ritrattano facilmente, et che dopo la colora!) ritorna il giudicio all’ huomo ....... 2) Gratis etc.

Di Vienna, alli 13 di agosto 1558.

Lunardo Mocenigo, ambasciator.

Die Dorsualnote?) dieser Originaldepesche lautet:

13 augusti 1558, r[eceptae] 23, orator apud Imperatorem electum, ex Vienna.

Rubiricatae]. L[ectae] collegio] R[ogator]um.*)

1) Fiir collera.

2) In den letzten 28 Zeilen (f. 37) wird berichtet, der Kanzler von

Görz, Campana, sei an den Kaiserhof berufen worden, und der Kaiser habe Johann Hoyos, den Hauptmann von Gradisca, ferner Jakob [von] Lamberg, den Präsidenten von Krain, und Antonio dalla Torre, den Hauptmann von Triest, mit drei Ersatzmännern zu Grenzcommissären ernannt. Die venetia- nischen würden hoffentlich rechtzeitig eintreffen. Die Tiroler hätten um Bestätigung und Ausführung eines Privilegs Kaiser Maximilian’s [vom Jahre

1518) gebeten, worin dem nächsten Verwandten eines Erblassers [ein Viertel des Geldwerthes] fällig gewordener Lehen mit dem Rechte zugesichert werde, die übrigen Viertel um ihren fünfzehnfachen Ertrag zu kaufen. Der Kaiser

habe die Sache an den Hofrath gewiesen. Vgl. Egger, Gesch. Tirols (Innsbruck 1876) II. 63 f.

®) Die Dorsualnote stammt von dem Rubricator B, der Folgendes als Rubrica (f?r, 18 Zeilen) eingetragen hat:

Che si ha ritrovato col signor Martin Gusmano, ritornato da Roma, il qual si dimostrò molto satisfatto dell’ honor et della cortesia che gli fo usuta dal dominio, et gli narrò particolarmente quanto havea negociato & Roma, come etiam scrive. Che Sua Maestà Cesarea ha scritto per tutte le pro- vincie à quelli che hanno cargo che non debbano permetter alcuna religione che si scoprisse da novo ma proceder contra quelli sacerdoti che hanno moglie, il che se ben fa per placar il Pontefice, intende nondimeno che alla lettera de Sua Santità ha fatto risposta tale che potrebbe farla di novo alterare. Uber den Inhalt der letzten zwölf theilweise lückenhaften Zeilen (7”) vergleiche die vorige Anmerkung. +) Pregadi.

Guzmann über den kaiserlichen Hofprediger. 55

22. Leonardo Mocenigo an den Dogen. [Wien], 19. August 1558.

Guzman theilte mit, der Bischof von Gurk sei nicht recht- gliubig. Der Papst wolle das Recht der Kaiserwahl usurpieren. Der Cardinal von Pisa werde auch mit dem Kaiser verhandeln. Der polnische Gesandte glaubt, der Cardinal werde es bei König Sigismund August rechtfertigen, dass ein polnischer Bischof die päpstliche Bestätigung nicht erhalten habe.

[Rubrica.] ) Idem orator.?) 19 augusti 1558.

Che essendossi[!] ritrovato cum il signor Martino®) in chiesa, dove predicava il vescovo gurgen[se]') et cognoscendolo°) non sincero nella religion) et predicar à satisfaction di quel populo senza offender l’ Imperator, et resoluto di non udirlo, disse che Sua doveria far che ’1 prefato episcopo si lassasse meglio intender, et che sua signoria l’ intendeva et non vuol udirlo?) altramente, et crede che [quj]elli, concorreno, habino la vera intelligentia et il vero sentimento d[elle] sue parole.

1) Die Rubriche zu den Depeschen aus der Zeit vom 16. August bis sum 20. September 1558 hat der Rubricator A geschrieben. In der Rubrica gu tiner Depesche Mocenigo’s vom 16. August 1558 (f 77) ist ausser der Uskokenangelegenheit von einer Beschwerde des Kaisers über zwangsweise Einforderung venetianischer Zölle bei Triestiner Ölfrachten die Rede, wobei empfohlen wird, De’ Cavalli’s Berichte aus dem Jahre 1541 über damalige Beschlässe einzusehen. Über derlei Beschwerden und über die Forderung der Zollfreiheit ist in Depeschen des Jahres 1568 noch berichtet worden: am 26. September von Capello und Navagero (Depeschenband 1a, f.91 bis 93), am 30. October (Rubrica, f.12Y) von Mocenigo, am 20. November und am ??. December (Rubriche, f. 137, 15) von dessen Secretär Lando. Vgl. V. D. II. (482.18 A. 3., 516.205 A. 2.)

*) Als Randbemerkung von derselben Hand. In der oben in Anm. 1 mgeftibrten Rubrica steht als Marginalnote: „Orator Mocenicus.“

5) Gusman.

4) Urban, 1566 bis zu seinem Tode 1573 Bischof von Gurk, seit 1556 König Ferdinand's Hofprediger.

5) Hs.: conoscendelo.

°) Vgl. Reimann, Die religiöse Entwicklung Max II, 8. 17.

”) Hs.: uldirlo.

22

56 L. Mocenigo. 19. August 1558.

22 Disse poi che!) veniva il rever®° [di Pisa]?) del[...... 3) Po]llonia; harà ancho negotio cum l’Imperator et senti....... . . [risoluti]one,?) porterà questo rever® del Pontefice. „Va in Pollo[nia ............... ]*) cose della religion, ma il fine serà che vorà co...................... quel Re, et vi prometto, ne harà Lieieeri ze rino 4) persona al seren"° Re...............ar) stati et il volersi usurpar la election dell’ imperio, ma che il mondo è hormai chiarito.“

Che I’ orator di Pollonia gli havea detto, pensar che l’ an- data del rever®° cardinal al suo Re fusse, per haver eletto Sua un episcopato di molta importantia per uno”) che ne tenea un altro minor,®) che il Pontefice,") per haver mala information, non l’ havea confirmato, che il reverendo già di Verona,®) hora di Bergomo, [!] havea fatta & Sua Santità, la qual & satisfaction del Re havea già designato un vescovo,?) perchè andasse è iustificarsi de questo, et non poter pensar qual occasion habia fatto mutar il Pontefice, è mandar hora un cardinal ....... 10)

1) Hs.: chel. 2) Vgl. oben S. 53.21, A. 6.

8) Liicken an schadhaften Stellen der Handschrift.

4) In der Hs. fehlt fast eine ganze Zeile.

6) Jakob Uchanski (1550 bis 1557), Bischof von Chelm, war 1557 zum Bischofe von Kujavien ernannt worden. Für das Bisthum Chelm war der Vicekanzler Johann Przerembski ausersehen worden. Beide starben als Erz- bischöfe von Gnesen, Przerembski 1562, Uchanski als sein Nachfolger 1581. Über die Verhandlungen mit Rom vgl. Hosii epist. (Acta IX.) 9383, 952, 960, 972 sq., 868.

©) Hs. minsor.

? Hs. pntert.

8) Alvise Lippomano war seit Juli 1558 Bischof von Bergamo. Er weilte als päpstlicher Nuntius am polnischen Hofe vom October 1555 bis zum Februar 1557 und kehrte am 20. Juni 1557 nach Rom zurück. (Hosü epist. 606, 787, 849.) Er starb am 15. August 1559. Moroni, Dizionario, XXXVIII, 301.

®) Camillo Mentuato, 1544 bis zu seinem Tode 1560 Bischof von Satriano-Campagna. Vgl. unten die Depesche vom 27. September 1558.

10) Aus den 27 Schlusszeilen (f. 8") erfahren wir Folgendes: Der pol- nische Gesandte theilte Mocenigo mit, dass sein König entschlossen sei, seine Gesandten bei König Philipp und in Neapel, vielleicht auch ihn selbst, ab- zuberufen (levar), und klagte über geringe Rücksicht (poco conto) „des Hauses Österreich“ für den Polenkönig, trotzdem dass dieser zum zweiten Male des Kaisers Eidam sei. König Philipp habe beschlossen, die Angelegenheit von Bari durch „die von Neapel“ entscheiden zu lassen. Bevor ein Urtheil

Vermuthliche Aufgabe des Cardinals Rebiba. 57

23. nardo Mocenigo an den Dogen. [Wien], 26. August 1558.

Der Kaiser muss wegen seiner Geldnoth und wegen des ern Angriffes der Türken von seinen Ländern Geldhilfen lern. Der Wiener Landtag ist gerne bereit, statt der gefor- ten 1,200.000 fl. für sechs Jahre 516.000 fl. für [drei] re, ferner eine Tranksteuer und eventuellen persönlichen ug zu gewähren. Die ganze Abgabe trifft nur den Bauer. Der Pascha von Ofen kam nach Tata. Man rieth ihm, die iau durch ein Fort zu sperren.

[Rubrica.]

Die 26 mensis suprascripti.,

Che ritrovandossi Cssare in bisogno de dinari, potendo cautione per tanti che suppliscano alle sue spese ordinarie, essendo certo di haver l’ anno venturo uno numeroso exer- de Turchi in Hungaria, et risolta [di] dimandar alli stati tanta summa de dinari che possi s[upjplire et alli bisogni a guerra et & quelli di Sua M*, ha dato principio alla dieta a [pro]vincia [dell’ Austria], et & quelli redutti ha dimandato per le [spese della guerra li diano per]!) anni 6 fiorini ) mille all’ anjno et uno homo pagato ................. 2) i] restando li altri ...... o obli[go] di servir cum [la per- ı del principe]?) cum quel numero [de cavalli che to]cca è UDO LL... debino oblig[arsi di dar 300 mille fiorini

lt worden sei (nascia), habe er einen Theil des Herzogthums vergabt ensato). Mocenigo berichtet ferner, die Absicht des Ofener Paschas, tige Burgen von Privatbesitzern durch Verrath zu nehmen, sei zweimal itelt worden. Der Capitän von Erlau habe sich mit der Hälfte des für sohn Monate schuldigen Soldes nicht abfinden lassen. Ungarn schwebe in der Geldnoth des Kaisers in Gefahr (certo pericolo). Schliesslich len Festlichkeiten wegen der Hochzeit einer Hofdame (damisella) mit m Freiherrn von Roggendorf erwähnt.

1) Die Ergänzungen an den schadhaften Stellen der Handschrift ergeben aus der Rubrica zu der Depesche vom 5. September 1558.

#7) Gewöhnlich der dreissigste Mann.

*) Diese Ergänzung wird durch das Folgende und durch die Rubrica ler Depesche vom 15. October 1558 gesichert.

283

58 G. Capello und B. Navagero. 26. August 1558.

23 nel medesimo tempo, per satis]far alli debiti, si attrova, offeren- doli remetter l’ obligo, lianno per deliberation della dieta passata, et ill] datio del vino.

Che quelli della dieta si erano resolti darli duo entrate e meza [per tre anni]!), che in questo tempo importano fiorini 516 mille,?) et pagar l’ homo è piedi, offerendo quel numero de cavalli che tocca alla provincia, quando uno delli principi in persona vadi alla guerra, il qual importa 690 cavalli. Si sono liberati dall’ obligo, haveano per la dieta passata, et contentano che ’1 datio del vino debba continuare fino al [15]61, qual datio importa fiorini 50 mille all’ anno.8) Li qual si sono monstrati]|] prompti et cortesi al suo principe, tornando tutta la graveza sopra il contadino,?) qual non entra in dieta et non puol usare le sue ragioni, pagando li ecclesiastici, baroni et nobili et cita- dini [!] per la stima delle loro entrate. Scrive le cause, conce- deno il datio del vino, ut in litteris.

Che questa resolution di quella provincia è [!] piaciuta al- l’ Imperator, ma il tempo non serve che, volendo haver modo di far obligation per molta summa de dinari........ ,5) et si crede che Sua M* serà compiaciuta et, seguendo, haverà modo di prevalersi da quella provincia di uno million et 332 mille fiorini, comprehendendo |[!] il datio del vino.

Che il bassa di Buda si attrova in Alba regale‘) cum 6 mille cavalli et è venuto per fortificar Tatta et veder il sitto; che è stato consegliato di’) far uno forte, per impatronirsi del fiume, et ritornerà subito, lassato bon ordine alle cose necessarie per la fortification.

Communicò & Sua M“ li summarii da Constantinopoli,*) pregando Sua servirsi di esso [!] in quello gli tornava bene,

1) Vom Rubricator weggelassen. Die Ergänzung ist aber nothwendig, wie sich aus der Rubrica zur Depesche vom 5. September und aus den unten folgenden Beträgen von 516.000 fl. und 1,332.000 fl. ergibt.

2) Nämlich jährlich 172.000 ff.

3) Vgl. Bucholtz VIII, 297.

4) Vgl. Oberleitner, Die Abgaben der Bauernschaften Niederösterreichs (Wien 1864).

5) Hier müssen wieder einige Worte weggelassen worden sein.

6) Stuhlweissenburg. ”) Hs. per.

5) Am Rande von der Hand des Rubricators B nachgetragen: „Communi- cation de summarii.“

Wiener Landtagsverhandlungen. 59

senza monstrar di haverlo dal dominio. Molto rengratiò Sua 23 M* il dominio et, mettendosi la mano al petto più volte, disse che facesse certo il dominio che quanto harà de tempo in tempo userà in modo che non li apporterà preiudicio. Et inteso tutto

! aviso, stando sopra di sè, disse: Questo è qualche cosa; staremo è veder“......... 1}

24.

Giovanni Capello und Bernardo Navagero an den Dogen. [Spilimbergo],") 30. August 1558.

Auf der Reise an den Kaiserhof besuchten die Gesandten den Cardinal Tournon. Dieser erklärte, dass Venedigs Mittler- dienste fur den Frieden, den er stets befürwortet habe, geeig- neter als die des Papstes seien.

[Rubrica.]?) Oratores ad Cssarem electum.*) 30 augusti 1508.

Che haveano receputa la loro commissione et solicitariano il loro camino verso dove si attroverà la M* Cesarea. Che è

1) Es folgen noch 23 Zeilen (f. 8”). Aus diesen erfährt man, dass Mocenigo König Max vor dessen Abreise nach Graz Nachrichten aus Constan- tinopel mittheilte und ihn bat, Venedigs Versicherung guter Gesinnung entgegenzunehmen, wenn es der ausserordentlichen venetianischen Gesandt- schaft weder auf der Her- noch auf der Rückreise gelingen sollte, ihren Auftrag zu erfüllen. In Betreff der Mission des „Cardinals von Pisa“ bemerkte der König: „che le cose della Cesarea M* cum la sede apostolica pas- serano [!*] come succederanno quelle del seren=° Re Philippo cum il Christia- nissimo.“

Der vorher eingetragenen Rubrica (f. 8’, zwei Zeilen) zufolge bat Mocenigo am 28. August um Erhöhung seines Gehaltes, da er nun Gesandter beim Kaiser sei. Am 15. October dankte er für die Gewährung dieser Er- höhung. (Rubrica, f. 127).

* Westlich von Udine. Der Aufgabsort ergibt sich aus den Anfangs- worten der Depesche vom 15. September: „Da Spilimbergo noi doi scrivessemo AV. Sertà del ricever della Sua commissione.“

*) Diese Rubrica ist vor derjenigen eingetragen, die tiber die Depesche Mocenigo's aus Wien vom 16. August 1558 verfasst worden ist. Die Depesche ius Spilimbergo konnte eben früher einlangen.

+) Als Randbemerkung.

60 L. Mocenigo. 30. August und 5. September 1558.

24 Coneglano!) visitorno il rever®° Tormone,?) il qual officio fu gratissimo, et ne hebe gratie al dominio. Poi subiunse le grande preparation di guerra, facea il Christianissimo,?) et che volun- tieria [sic] haria veduto seguir la pace, la qual sempre ha [più] procurata et desiderata che tanti apparati di guerra, et che à redurla & fine non vedea il meglior mezo che quello del dominio*) per la molta auctorità, quella ha cum cadauna di quelle M®.

Resposero, il dominio haverla sempre desiderata et non haver in diversi tempi mancato da quelli officii, havea iudicato à proposito, allegando sua signoria per testimonio, la qual, con- firmando quello, haveano ditto, replico che ciò desiderava summa- mente per beneficio della christianità et che come cardinal haria