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Verlag von R. Oldenbourg in München.

Die

Yereiiiigteii Staaten von Nord -Amerika.

Von

Dr. Friedrich Ratzel,

Professor di-r Erdkunde an der teelmisclien Hcichschulc zu Mnnclien.

Prospeet.

Die Arbeiten der Forscher und Sammler in den geographischen Wissenschaften und die Theihiahme des Publikums an denselben gehen launenhafte Wege. Manchmal leiden ganze Länder, selbst Erdtheile, unter einer Vernachlässigung, für welche man keinen thatsächlichen Grund findet, während die Theilnahme sich nach anderen Seiten hin aus Motiven concentrirt, welche man ebenso schwer erkennt. Es liegt darin etwas, das an die Unberechenbarkeit der Moden erinnert. Wenn Nord-Amerika und besonders derjenige Theil desselben, welcher von den Vereinigten Staaten eingenommen wird, zu den von der wissenschaftlichen Erdbeschreibung vernach- lässigten Gegenden der Erde gehört, so kann nur in dieser Willküi- eine Erklärung dafür gesucht werden. Man schütze nicht die Schwierigkeiten vor, welche durch die reissend schnelle und an tausend Punkten zugleich fortschreitende Entwickelung seiner Cultur- verhältnisse der Fixirung eines Gesammtbildes sich entgegenstellen! Diese müssen ja überall überwunden werden, wenn wir nicht von vornherein auf die Beschreibung dessen verzichten wollen, was nicht starr, nicht völlig unbeweglich ist. Man begreift es, wenn der Bildhauer vor einem jugendlichen Körper endlich den übergenauen

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Meissel sinken lässt, dessen langsamer Nachahmung die Natur mit der Raschheit ihres Wachsthums voraneilt ; aher in der Wissenschaft muss man sich immer entschliessen können, die Bilanz zu ziehen, ^venn es nothwendig ist.

Es ist kein Zweifel, dass der Mangel einer gründlichen Be- schreibung der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika eine der auffallendsten Lücken in unserer geographischen Literatur bildet. Weder in Deutschland, noch in England oder Frankreich und, was noch mehr heisst, selbst nicht in den Vereinigten Staaten ist in neuerer Zeit der Versuch gemacht worden, uns das Bild des hoch- wichtigen Landes nach den neuen Forschungen und Entdeckungen, die sich seit drei Jahrzehnten wahrhaft gedrängt haben, in ver- trauenswürdigen Zügen zu zeichnen. Der praktische Bedarf hat einige Versuche erzeugt, die in manchen Beziehungen nützlich ge- Avesen sind, an die es aber ungerecht wäre, den Massstab wahrhaft wissenschaftlicher Leistungen anzulegen. Wir in Deutschland haben seit Jahren auf Wappäus' Handbuch der Geographie und Statistik von Nord - Amerika, ein gründliches und gediegenes Werk,' zurück- greifen müssen, das 1855 und seitdem nicht mehr erschienen ist; wir haben daneben an minder eingehenden Arbeiten Karl Andree's Nord -Amerika gehabt, das nun ebenfalls über zwanzig Jahre alt. Es genügt aber, daran zu erinnern, dass man die eingehendere Erforschung der ganzen westlichen Hälfte des weiten Gebietes, die in geographischer Hinsicht die wichtigste genannt werden darf, erst von dem Beginne der grossen Wanderungen nach dem Far West, d. h. nach den Steppen und Gebirgen des Westens und nach Californien, an datirt, um sich klar zu machen, Avie unvollständig in den wichtigsten Abschnitten gegenwärtig diese zu ihrer Zeit vor- trefflichen Arbeiten sein müssen. Ohne im Mindesten die Pflicht der Dankbarkeit zu verletzen, welche wir ihren Verfassern schulden, dürfen "wir diese unsere deutschen Grundwerke über die Vereinigten Staaten als für unser heutiges Bedürfniss nicht mehr genügend erklären.

Bedarf es unter solchen Umständen des Hinweises auf die hervorragende Stellung, welche die junge gennanische Republik des

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Westens unter den Ländern der Erde einnimmt, um das Erscheinen einer neuen Geographie der Vereinigten Staaten zu begründen? Sollen 'wir erst hervorheben, dass in erster Reihe die iihysikalische Geographie ein hohes Interesse an der Schilderung eines Landes haben muss, das, während es nicht viel kleiner als Europa selbst, das einzige aussereuropäische Land genannt werden kann, das nach Oberflächengestalt, Bewässerung, geologischem Bau, Pflanzen- und Thierwelt genügend genau bekannt ist, um zu Vergleichen mit unserem Erdtheil herangezogen werden zu können? Bei einem grossen Ueberblick der Thatsachen der vergleichenden Erdkunde darf man wohl sagen, dass Europa und Nord- Amerika zusammeji mindestens vier Fünftel der Thatsachen liefern, auf welche diese Wissenschaft ihre Schlüsse gründet. Die beiden bestdurchforschten Eidtheile, sind sie es auch, die es am meisten zu kennen lohnt. Geht man gar in die Geschichte der Erde ein, so ist es nur von ihnen möglich, ein allgemeines Bild der geologischen Entwickelung und der Entwickelung ihrer Lebewelt zu entwerfen.

Sollen wir fernerhin daran erinnern, dass die Culturgeographie sich ausser mit Russland mit keinem gieichgrossen Staate civilisirter Völker zu beschäftigen hat? Dass die Vereinigten Staaten mit ihren nahezu 10 Millionen Q.Kil., ihren 45 Millionen Einwohnern, ihrem Handelsverkehr von 4 Milliarden, ihren Eisenbahnen von 120,000 Kil., ihren Telegraphen, Dampferlinien, Häfen, Gross- städten; ihrem Rassen- und Völkergemisch, welches Staats- und Gesellschaftsformen erzeugt, die wir in der Alten Welt nicht kennen ; ihrer Verpflanzung altweltlicher Culturproducte in den jungen Boden, der bald zur Versuchsstation aller hohen und niedern Erfindungen des Menschengeistes geworden scheint dass dieses seltsame, gährende, nervöse Volk, das dem Ethnographen das nie gesehene Schauspiel eines aus bekannten Elementen zu einem vorher unbe- kannten Typus erwachsenden Volkes bietet, dass dieser Staat, der grösste Freistaat der Neuzeit, der in 100 Jahren zu einer achtung- gebietenden AVeltmacht erwachsen ist, gekannt werden muss, und nicht oberflächlich, von Jedem, der überhaupt die moderne Welt verstehen will? Wir wollen uns hüten, die hundertmal gehörten Gemeinplätze

von der ausserordentliclieii Bedeutung und der gewaltigen Zukunft Amerika's neuerdings hier auszubreiten; wir wiederholen nur, dass, angesichts der vielseitigen Wichtigkeit dieses Staates und Volkes, das Unternehmen einer eingehenden Darstellung desselben nicht allein berechtigt, sondern vom wissenschaftlichen wie praktischen Standpunkt unzweifelhaft nothwendig ist. Es ist möglich, dass wir unsere Kräfte überschätzen, aber es ist nicht möglich, dasselbe mit der Bedeutung der Aufgabe zu thun, die wir uns gestellt haben.

Die Behandlung des StoÖ'es, welche wir gewälilt, ergibt sich schon aus der Inhaltsübersicht des I. Bandes. Dieselbe ver- sucht es, die wissenschaftliche Gründlichkeit mit allgemeiner Verständlichkeit und das rein geographische und völkerkundliche Interesse mit der praktischen Benützbarkeit zu verbinden. Der Geschäftsmann, der Auswanderer, der Zeitungsleser, jeder Freund der Erdkunde, wird sich, wie wir hoffen, ebensowenig vergeblich an dieses Buch um Auskunft wenden, wie der Gelehrte, und man hat eingedenk der Erfahrung, dass es oft weniger die Art des Inhaltes von einem Buche als die unklare Disposition und schwierige Erreichbarkeit desselben ist, welche den praktischen Gebrauch, besonders bei geographischen Werken, erschweren, der Anordnung des Stoffes nach seinen natürlichen Abschnitten, der Druckökonomie, der graphischen Veranschaulichung, dem Inhalts- verzeichniss und dem Register besondere Aufmerksamkeit zuge- wendet.

Es ist zunächst die wissenschaftliche Beschreibung und Zu- sammenfassung streng getrennt gehalten von der Schilderung ; die erstere nimmt den Allgemeinen, die letztere den Schildernden Theil ein. Während in diesem durch die Aneinanderreihung einer -Reihe von Naturbildern, theils nach eigener Anschauung des Verfassers, tlieils nach den zuverlässigstenGewährsmännern, wie Agassiz, Bartram, Cooper, Dodge, James, Norwood, B. Taylor, Pr. von Wied u. A. der Versuch gemacht wird, ein Naturgemälde der Vereinigten Staaten in den grössten Zügen zu entwerfen, das Treue mit künstlerischer Beschränkung auf das Charakteristische verbinde, ging im Allge-

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meinen Theil das Bestreben dahin, die verscliiedenen natürlichen Gruppen der geographischen Erscheinungen streng gesondert zu halten, dieselben erst unter allgemeinen Gesichtspunkten zu be- trachten, dann in ihre Theile zu zerlegen und jeden von diesen mit demjenigen Mass von Eingehen auf das Detail zu behandeln, welches nöthig erscheint, um dem Buche den Charakter eines praktischen Nachschlagebuches neben dem eines wissenschaftlichen Handbuches zu verleihen. In den allgemeinen Abschnitten ist dem genetischen und vergleichenden Element jene Beachtung gewidmet, welche die moderne Erdkunde erheischt; die Betonung der geologischen und erdgeschichtlichen Verhältnisse im ersten, der ethnographischen und geschichtlichen im zweiten Bande prägt diese genetische Auffassung aus, welche dazu dienen wird, die Erfassung mancher fremdartigen Erscheinung der amerikanischen Natur und des amerikanischen Lebens zu vertiefen, hoffentlich auch in einigen Fällen zu er- leichtern.

Von Gesinnung, die politische oder religiöse Schriften diktiren mag, hat man bei einer wissenschaftlichen Arbeit kein Recht, zu sprechen; die Gesinnung des Naturforschers und der Geograph ist Naturforscher ist in der Liebe zur Wahrheit vollständig umschlossen. Wir hoffen, ^ass man uns ganz von derselben ge- leitet finden wird. In jenen schwierigen Fragen der Culturgeographie, in denen kein Schluss nach naturwissenschaftlicher Methode ge- zogen, sondern zunächst nur eine möglichst breit basirte Meinung ausgesprochen werden kann (Beurtheilung des Volkscharakters, der politischen und socialen Verhältnisse und ähnl.) werden wir wenigstens versuchen, auf dem Grunde jener Methode in kühler neid- und neiguDgsloser Unbefangenheit zu verharren.

Bezüglich des Inhaltes des vorhegenden I. Bandes verweisen wir auf das nachstehende Inhaltsverzeichniss.

Der IL Band wird in ähnlichem Umfange wie der I. die natürlichen Culturbedingungen in dem Gebiete der Vereinigten Staaten, die einstige und jetzige Bevölkerung derselben nach ihrer ethnographischen nnd politischen Stellung, das Leben des Volks-

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körpers, wie es die Statistik darlegt, die Eiitwickeliing und die Einrichtungen der wirthschaftliclien und politischen Verhältnisse, das geistige Lehen in Literatur und Kunst, Wissenschaft und Schule in einer Reihe von allgemeiner gehaltenen Capiteln behandeln und mit einer eingehenden und auf die neuesten Quellen gestützten Beschreibung der einzelnen Staaten und Territorien, der Graf- schaften und Städte schliessen. Eine Reihe von Karten und Tabellen wird die graphisch darstellbaren Verhältnisse (Rassen und Nationalitäten, Dichtigkeit der Bevölkerung, Verbreitung gewisser Culturen, Verbreitung nutzbarer Mineralien u. dgl.) erläutern.

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Die

Vereinigten Staaten

von

Nord -Amerika.

Die

Vereinigten Staaten

von

Nord -Amerika.

Von

Dr. Friedrich Ratzel,

Professor der Erdkunde an der technischen Hoclischule zu Münclieii.

Erster Band.

Pl:)ysikalisclie Geograpliie und Naturchiarakter.

Mit 12 Holzsehnitten und 5 Karten in Farbendruck.

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München.

Druck und Verlag von R. Oldeubourg. 1878.

Physikalisehe Geographie

imd

Naturcharakter

der

Vereiiiie-teii Staaten von Nord-Aniorika.

Von

Dr. Friedrich Ratzel,

Professor der Erdtnnclf au der techniiichen HoehschuK' zn Mönchen.

Mit 12 Holzschnitten und 5 Karten in Farbendruck.

Müiiclieu.

Druck und Verlag von R. Oldenbourg 1878.

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Vorwort.

Da der Mangel eines neueren zusammenfassenden Werkes über die Geographie der Vereinigten Staaten von Nord -Amerika seit Jahren als eine der auffallendsten Lücken unserer Literatur bekannt ist, bedarf das Unternehmen, dessen erste Hälfte hier vorliegt, an und für sich gewiss keiner Rechtfertigung. Dagegen werden einige Worte über die Ziele, die es sich setzt und über die Anordnung des massenhaften Stoffes, den es in ein nicht allzu mosaikhaftes Bild zusammenzufassen strebte, hier nicht überflüssig sein. Der erste Zweck dieses Buches ist die Sammlung und wissenschaftlich geordnete Zusammenstellung derjenigen Thatsachen, welche die Gesammtheit «1er physikalisch - geographischen Erscheinungen und des Xaturcha- rakters der Vereinigten Staaten von Nord -Amerika ausmachen. Der zweite Band wird die Thatsachen der Culturgeographie in derselben Vollständigkeit darzubieten suchen, welche liier angestrebt ist, und das Ganze soll demgemäss eine ziemlich vollständige wissensciiaft- lich gehaltene Geographie der Vereinigten Staaten werden. Das Buch soll aber den Charakter eines praktischen Nachschlagebuches neben dem eines wissenschaftlichen Handbuches tragen. Es ist daher einerseits alles Theoretisiren vermieden, das zum Verständniss der

di

g Erscheinungen nicht nothwendig zu sein schien, andererseits aber der

Darstellung so viel Klarheit und, wo es möglich war, sogar Lesbarkeit

zu geben versucht, als mit dem massenhaften und meist spriulen Stoff

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VIII Vorwort.

vereiabar ist. Wer diesen Stoff kennt, wird zugeben, dass eine Samm- lung von Monographien aus der Geographie der Vereinigten Staaten eine sowohl leichtere als anziehendere und lohnendere Arbeit gewesen sein Avürde als diese zusammenhängende Darstellung, die der Raum- ökonomie zu Liebe oft bei den wissenschaftlich interessantesten Partien kürzen musste. Aber der Plan war nun einmal in diesen engeren Grenzen vorgezeichnet und es war in Ermangelung von noch tiefer eingehenden zusammenfassenden Arbeiten auch in wissenschaftlicher Beziehung von Werth ihn durchzuführen.

Um für die ununterbrochene, thatsächliche Darlegung der physikalisch - geographischen Thatsachen ßaum zu gewinnen, und um auf der anderen Seite das schildernde Element, dem ich eine grosse Wichtigkeit in der Beschreibung gerade eines so fernen Landes beilegen möchte, nicht zu verkürzen, ist die Beschreibung der ersteren so viel als möglich getrennt gehalten worden von der Schilderung der Landschaften. Ich glaubte dadurch ausserdem den Vortheil einer zusammenhängenden, jedesmal das ganze Land um- fassenden Darstellung jeder einzelnen Gruppe von physikalisch-geo- graphischen Thatsachen, wie Bodengestaltung, Bewässerung. Klima u. s. f. zu gewinnen, während bei der üblichen Vermengung derselben mit der landschaftlichen Schildening fast nothwendig eine Sonderung in verschiedene natürliche Provinzen eintreten musste. Hoffen wir, dass diese Auseinanderhaltung der beiden Ziele einer Landesbeschreibung sich zweckmässig erweise. Wenn irgend ein Tlieil unter dieser Trennung leidet, so ist es jedenfalls nicht der schildernde, dem die Möglichkeit der Zusammenfassung seines Materials zu abgerundeten Bildern nur förderlich sein kann.

Dass ich in einige Verhältnisse, wie in den geologischen Bau und die Entwickelung des Landes, die neueren Veränderungen durch Erd- beben, Erosion, Hebungen und Senkungen, ferner in die Beschaffen- heit des Meeresbodens, die Strömungen , Gezeiten, dann in die Ver- breitungsverhältnisse der Thiere und Pflanzen tiefer eingegangen bin als man es in den Länderbeschreibungen gewohnt ist, bedarf keiner

Vorwort. IX

Begründung. Es ist wenigstens von der Beschreibung eines so weiten Gebietes klar, dass sie nur dann möglichst treu sein kann, wenn sie möglichst breit fundirt ist. Dass es der Geographie gleich allen anderen einst rein beschreibenden Wissenschaften auch nicht erspart bleiben kann, sich immer mehr mit dem Werden der Dinge bekannt zu machen, um ihr Sein zu verstehen, dass sie daher den Zeugnissen der Geschichte eines Landes, wie sie besonders die Geologie bietet, nicht achtlos vorübergehen kami, dürfte ebenso klar sein.

Dass ich das vom geschlossenen Gebiet der Vereinigten Staaten weit abliegende, mit ganz anderen Naturverhältnissen begabte Territorium Alaska als eine auswärtige Besitzung betrachtet und demgemäss aus dem Rahmen der vorliegenden Arbeit ausgeschlossen habe, wird begreiflich erscheinen. In seiner politischen Stellung als Territorium der Vereinigten Staaten wird es dagegen im II. Band zu besprechen sein.

Auf eigener Anschauung beruht die Mehrzahl der Abschnitte im Schildernden Theile, bei welchen keine andere Quelle angegeben ist. Im Allgemeinen Th«il konnte dieselbe der Natur der Sache nach nicht in gleichem Masse ausgenützt werden. Die Quellenwerke, welche bei wichtigeren Angaben dort angeführt sind, können einen Massstab abgeben für die Ausdehnung, in der ich das wissenschaft- liche Material zu Rathe gezogen habe ; dasselbe ist sehr reich, aber zum Theil weit zertreut und durch grosse Verschiedenheit der Qualität manchmal schwierig zu verwerthen. Ich fühle mich in dieser Richtung besonders verpflichtet den Publikationen der Surveys, die im Auftrag der Vereinigten Staaten unter Hayden und Wheeler arbeiten, dann den langen und werthvollen Bändereihen des American Journal of Sience and Arts, den Reiseberichten von James (Long's Expedition), Lewis and Clarke, Ch. Lyell, D. D. Owen, Prinz v. Wied, Ch. Fremont, J. Fröbel, den Pacific Rail Road Reports, den Reports von J. D. Whitney, J. Hall, J. A. Cooper, Newberry, Humphrey's und Abbott. Die Kärtchen sind nach Originalen in J. Walker's Statistical Atlas und A. Schottes Table and Results of the Precipitation ver-

X Vorwort.

kleinert und vereinfacht. Von den Holzschnitten sind 1 und 2 aus Dana's El. of Geology, 3 aus Safford's Geology of Tennessee, 4 aus Fremont's Reports, 5 aus Schoolcraft's Upper Mississippi, (5 und 7 aus Humphreys and Abbott Report on Mississippi R., 8 aus einer Arbeit von Hilgard in American Journal of Science 1871 L, 9 der Arbeit Guyot's The Appalachian System, 10 und 11 Powell's Colorado Expedition, 12 J. Hall's Geology of New York Vol. 4 entnommen. Nach manchen Seiten hin habe ich Dank auszusprechen für Hülfe, die mir bei dieser Arbeit mit Rath und That geleistet wuide. Bei den ersten Materialsammlungen, welche auf meinen Aufenthalt in Amerika zurück datiren, verpflichteten mich besonders L. Agassiz in Cambridge, Spencer F. Baird, F. Endlich und Gill in Wash- ington , Meek in Jacksonville Flor. , Franz Behr in San Francisco durch werthvolle Aufklärungen und Mittheilungen. Später hat vor- züglich Prof. Francis A. Walker durch Uebersendung wichtiger Literatur mein Vorhaben gefördert. Das British Museum in London und das Geographische Institut in Gotha (J. Perthes) haben mir ihre Kartensammlungen in uneigennütziger Weise zugänglich gemacht. Meinen lieben Freunden und Collegen Moritz Wagner und Karl A. Zittel in München verdanke ich zahlreiche Anregungen, Mittheilungen und Literatur. Der allerherzlichste und wiederholte Dank sei aber auch hier meinen Freunden von der Kölnischen Zeitung, F. W. Schultze und Ludwig Du Mont, ausgesprochen, in deren Auftrag ich 1873 1875 einen grossen Theil des Gebietes bereiste, das ich hier beschreibe, und die mir damit die erste Anregung zum ein- gehenderen Studium der Geographie von Nord -Amerika und mittel- bar zur Abfassung dieses Werkes boten.

M ü n c h e a , im November 1877.

Friedrich Ratzel.

I n h a 1 1 s V e r z e i c h 11 i s s.

Einleitung.

Der westliche Erdtheil gegenüber dem iistliclieii 1. Blick auf Gesamiat- Amerika 2. Innerer Bau der westlichen Landmassc 2. Gegensatz zwischen West und Ost 4. Klima Amerika's.4. Ströme und Seen 5. Organisciie Welt 6. Nord- Amerika als geographische Individualität (J. Gliederung 7. Bewässerunu' H. Klima 8. Organische Welt 12.

Allgemeiner Theil. I. Begrenzung und Umriss.

Begrenzung. Naturgrenzen 17. Politische Grenzen 18. Ausdehnung und Umriss 20. Küstenlänge 21. Gliederung 21. Halbinseln 22. Inseln 22. Vorgebirge 24. Buchten 25. Verlauf der Küsten 2G. IL Geologischer Bau.

Allgemeine Verhältnisse 28. Urgesteine 29. Paläozoische Formationen 81. Mesozoische F. 32. Tertiäre F. 33. Alluvialbjldungen 34. Vulkanische Ge- steine 35. Anhang. Die geologische Ent Wickelung des Continentes. Vergleichung mit der geologischen Geschichte Europa's 35. Charakter derjenigen Nord -Amerika's 36. Der Kern des Continentes 37. Meer der Kreideformation 3!».

III. Oberflächengestaltung.

Grundzüge 41. Das Gebiet der Vereinigten Staaten ein Grosses Thal 42. Zerlegung in drei Thäler 44. Mittlere Höhe 45. Die Alleghanies 40. Aehn- lichkeit ihres Baues mit dem des Jura 47. Atlantic Slope 48. Hühenverhält- uisse 49. Das Grosse Thal der Alleghanies 50. Gliederung des Gebirges 50. Die N 0 r d - A 1 1 e g h a n i e s 52. Acadisclies Gebirgssystem 52. Gebirge von Maine 53. Gebirge von Neu -England: White Mts., Green Mts., Taconic Range, Hoosic Range 53. Adirondacks 54. Die Mittleren Alleghanies 55. South Mts. 5(5. Highlands 5G. Kitatinuy-Thal 56. Catskill Mts. 57. Die Süd -Alleghanies 57. Blue Ridge 56. Unaka Mts., Smoky Mts., Black Mts. 58. Cumberland Mts. 59. Die vorgelagerten Hochebenen 59. Seenplatte 59. Kentucky Plains 60. Thal von Ost -Tennessee. Cumberland Mts. 63. Thal von West -Tennessee 63. Mississippi Bottoms 64. Die Cordillereu 64. Begriff und JS'ame 64. Süd- grenze und Zusammenhang mit den Hochebenen von Mexico 65. Das Fundament der Cordillereu 66. Häufung der Kämme und Gipfel an gewissen Punkten 67. Orte höchster Erhebungen 67. Quellgebiete grosser Flüsse 68. Eintheilnng der Cordillereu 69. Das F e 1 s e n g e b i r g e 69. Gemeinsame Eigenschafton 70. Das Eigentliche Felseugebirge in Colorado 71, in Neu -Mexico 73. Passhölien 73.

XII Inhaltsverzeichniss.

Vorgeschobene Höhen 75. Wind River-Gruppe 75. Nfirdlicher Abschnitt des Felsengebirges (Geb. von Wyoming und Montana) 7<j. Black Hills 77. Andere vorgeschobene Höhen 7!S. Gebiet der Sierra Nevada 78. Gliederung 80. Die Sierra Nevada Californiens 81. Verhältniss zum Küsten- und Cascaden- gebirg 81. Cascadengebirgf 85. Das Südeude der Sierra Nevada 88. Das Küsten- gebirge 90. Die Hochebenen des Inneren 93. Das Grosse Becken 95. Wali- satch Mts. 97. Die Hochebenen östlich der Wahsatch Mts. 101. Die Cor- d illeren in Neu-Mexico und Arizona 103. Südende der Felsengebirge 104. Gila- Depression 105. Colorado -Plateau 107. Sierra Madre 108. Höhenzüge von Neu-Mexico 109. Colorado-Becken 111. Höhenzüge von Arizona 112. Canons 113. Mesas 114. Pässe der Cordilleren in Neu-Mexico 116. Die Eheneu und Hügelländer des Inneren 118. Die Hochebenen des Nordens 118. Drift 121. Das Flachland des Inneren 125. Die Hochebenen der Plains 127. Llano Esta- cado 128. Die Landhöhe von Texas 128. Ozark ISJts. 129. Die wellige (rolling) Prärie 130. Das atlantische Tiefland 132. Das Mississippi -Tiefland 134. Flo- rida 137. Anhang I. Der Meeresboden an den Küsten der Ver- einigten Staaten 140. Anhang II. Jüngere geotogische Verände- rungen 144. Vulkanische Thätigkeit 144. Erdbeben 145. Säculäre Schwank- ungen 149. Neubildungen imd Zerstörungen an der Küste 154.

IV. Ströme, Flüsse und Seen.

Günstige Bedingungen für grosse Süsswasser - Ansammlungen in Nord- Amerika 1.56. Die Strome und Flüsse 157. Haupt - Wasserscheiden 157. Eintheilung der Ströme und Flüsse 158. Stromgebiet des Mississippi 159. Missouri R. 160. Platte R. 163. Kansas R. 164. Der Obere Mississippi 165. Minnesota R. 169. Der Untere Mississippi 171. Ohio R. 172. Arkansas R. 175. Red R. des Südens 178. Das Delta 180. Sonstige Schwemmbildungen 189. reberschwemmungen 193. Mudlumps 195. Die Flussysteme des At- lantischen Abfalls 197. Flüsse von F^lorida 205. Das StTomsystem des S. Lorenz 209. Red R. des Nordens 211. Die Flüsse von Texas 213. Rio Grand del Norte 214. Anschwemmungen an der texanischen Küste 219. Der Colorado des Westens 220. Canons 222. Gila R. 223. Golf von Californien 226. Die Binnenflüsse des Grossen Beckens 228 Salzhaltige Flüsse 231. Das Stromgebiet des Columbia 231. Flüsse von Californien und Oregon 234. Die Seen 236. Ihre Vertheilung 236. Hochebenen Seen 237. Die Grossen Seen 237. Lake Superior 241. L. Huron 244. L. Michigan 244. L. Erie 246. Niagara Falls 247. L. Ontario 249. Kleinere Hochebenenseen 252; im Nordwesten 255; in New York 257; in Maine 258. Gebirgsseen 259; im Felsengebirge 260; in der Sierra Nevada 261 : im Küstengebirg 262. Tieflandseen 262; im Mississippi -Gebiet 262; in Texas 263 ; in Florida 264. Grosse Sümpfe 266. Wet Prairies 266. Abfluss- lose Seen 267. Der Grosse Salzsee 269. Weitere abfiusslose Seen des Grossen Beckens 272. Dry Lake 275. Gila - Lagune 275. Anhang I. Q u e 1 1 e n u n d Höhlen 276. Süsse Quellen 277. Salzquellen 279. Heisse Quellen 281. Geysergebiet des Yellowstone 583. Petroleum - Quellen 285. Höhlen 285. Anhang II. Zur Geschichte der Flüsse und Seen in den Vereinig- ten Staaten 287. Geschichte der Niagara -Fälle 292.

Tiilialtsvorzoifliniss. XIII

V. Das Klima.

Die Faktoiuii des Kliina's in l'iiiri.ss- und Hohengliediriing '2i)a. Klima der Osthälfte 303; der Westhälfte 30«; des Californischen Gebietes 308. Ver- breitung der WäriTK! 309. Die atmnspliäriscli o n N i ederschlägo 311. Die Luftströmungen 317. Stürme 31i). K 1 imati seh e Beson derhei ton einiger Regionen 326. Klima der Seercgion 327. Klimatisclio /u.'itändc des Hochlandes im Westen 329. Das californiscbc Klimagebiet 337. Die Jahreszeiten 339. Die extremeu Schwankungen 345. Schnee- und Wald- linie 348. Gletscher 351. Anhang I. Verschiedene atmosphärische Erscheinungen. Luftspiegelungen 355. Höhenrauch 350. Nordlichter 350. Anhang II. Gezeiten und Strömungen. Gezeiten der atlantischen 350. der pacifischen Küste 357. Golfstrom 358. l'aciüsclu' Kaltwasserströnuing 300. Küstennebel 360.

VI. Die Pflanzenwelt. Pflanzenwuchs und Klima 3(51. Natürliche Gebiete der Pflanzenver- breitung 302. Vergleich der nordamerikanischen mit der europäischen und nordasiatischen Pflanzenwelt 363. Das Waldgebiet 365. Verbreitung der Wälder 306. Wälder des Südens 308; des Westens .369. Riesenbäume 369. Flora der Seeregion 371. Torflager 374. Die T^ebergangs - Landschaft 375. Kräuter und Sträucher des Waldgebietes. Die Prärie- und Steppen - region 378. Die Prärie 379. Präriepflanzen 390. Die Steppe 381. Steppen- gewächse 382. Flora des Rio Grande - Gebietes 384. Die Wüste 385. Die californische Flora 388. Gebirgswälder 389. Aehnlichkeit mit der uiittel- meerischen Flora 391. Anhang L Die Entstehung der Prärien. Anhang H. Die Vertretung einjger wichtigeren Pflanzenfamilien in der Flora der Vereinigten Staaten 397.

VII. Die Thierwelt.

Die nearktische Region 405. Allgemeiner Charakter der Xhierwelt 405. Vergleich mit der paläarktischen Region 406. Vertretung der einzelnen Tliiergruppen 400. Säugethiere 406. Vögel 407. Reptilien 408. Amphibien und Fische 409. Wcichthiere 410. Insekten 410. Niedere Thiere 412. Na- t ü r 1 i c h e G e b i e t e d e r T h i e r V e r b r e i t u n g 41 2. Verbreitung einiger grösseren Säugethiere 417. Tiefenfauna der Grossen Seen 421. Korallenriffe 422. Anhang. Zur Geschichte des organischen Lebens in Nord -Amerika 423.

Schildernder Theil.

.Seite

I. Amerikanische Landscliaft < 429

II. Wald und Urwald in den nordöstlichen Staaten 433

IH. Die Herbstfärbung nordamerikanischer Wälder 440

IV. Der Hudson 447

V. Die Gebirgsnatur in den Alleghanies 1. 2. 3 45;)

VI. Neu -England 47;)

VII. Durch die Alleghanies von Pennsylvauieu 481

VHI. Allgemeiner Naturcharakter des Südens 485

XIV

Inhaltsverzeicliniss.

Seite

IX. Das Küstentieflaiul von Virgiuien und Carolina 4J>3

X. Oasen der Pine Barrens 495>

XI. Die Sumpf -Cypresse 504

XII Tropische Anklänge 508

XIII. Die Keys von Süd -Florida 514

XIV. Fluss - Scenerien 517

XV. Die Grossen Seen 525

XVI. Niagara 529

XVII. Die Seeregion des Nordwestens 539

XVIII. Uebergangslandschaft zwischen Wald- und Prärieregion . . . 544

XIX. Die Prärie 550

XX. Das Thal des mittleren Missouri 555

XXI. Die Steppen (The Plains) 558

XXII. p]in Blick in das Felsengebirge 1. 2. ^ 5G2

XXI II. Quer durch das grosse Becken 578

XXIV. Die Thierwelt der Prärien und Steppen 589

XXV. Bad Lands 594

XXVI. Californische Natur 596

XXVII. Mt. Dana und Fernblick von der Sierra ö()3

XXVIII. Das Yosemite - Thal 008

XXIX. Der äusserste Nordwesten 614

XXX. Der nördliche Theil des Grossen Beckens ül8

Nachträge 622

Tabellen.

I. Vergleichung der geologischen Formationen in Nord-Amerika und Enroi)a 631

II. Höhentafel 632

III. Meteorologische Tabellen:

1) Mittlere Jahres-, Sommer- und Wintertemperatur und die Niederschläge 635

2) Mittlerer Barometer- und Thermometerstand, Niederschläge und vor- herrschende Windrichtung auf den Stationen des I'. S. Signal Service

f. d. Jahr Oot. 1871 Sept. 1871 637

Verzeichniss der Abbildungen.

1) Das Kreidemeer Nord- Amerika's 39

2) Ideales Protil quer durch die Vereinigten Staaten 42

3) Profil von der Blue Ridge durch Tennessee zum Mississippi .... 60

4) Querprofil der Cordillereu 67

5) Die Mississippi - Quellen 166

6) Oberer Theil des Mississippi- Delta's 182

7) Südwest - Pass des Mississippi 186

8) Durchschnitt der Ablagerungen an den Mississippi - Mündungen . . . 196

9) Durchschnitt des Hudson - Thaies bei den Palisaden 201

10) Marble Canon 211

11) Schema des Gefälles des Colorado und Ohio -Mississippi 224

12) Kärtchen der Niagarafälle 248

Einleitung.

Der westliche Erdtheil gegenüber dem östlichen. Gemeinsame Grundzüge im

Aufbau Nord- und Südamerika's. Nordamerika als geographische Individualität :

Gliederung der Umrisse ; innere Gliederung durch die Stromsysteme ; klimatische

Verhältnisse; die Organismen.

Die Vereinigten Staaten von Nordamerika nehmen nur einen Theil des araerikanisclien Continentes ein, aber was diesen in Lage, Gestalt, Erstreckung vor anderen auszeichnet, muss auch in ihnen sich zur Geltung bringen, denn sie sind g-ross genug, um durch die ganze Breite des Continentes von Meer zu Meer sich zu erstrecken und nahezu das ganze Gebiet der nördlichen gemässigten Zone, soweit diese auf amerikanisches Land trifft, in sich zu fassen. In der Be- trachtung eines kleineren Gebietes kann man die grossen Züge des Continentes vernachlässigen, dem dasselbe angehört, weil sie dort oft hinter Bedingungen beschränkterer Art zurücktreten, aber in einem Lande von dieser Ausdehnung werden sich wenigstens die allgemeinsten Eigenschaften mit denen seines Continentes decken. Li Amerika, wo einige Grundzüge der Lage und Gestalt mit so grosser Beständigkeit von einem Ende bis zum andern festgehalten sind, wird diese Ueber- einstimmung sogar in h()herem Grade zu erwarten sein als in anderen Erdtheilen, und man wird allerdings selbst z, B. China leichter ohne jede Eücksicht auf Asien als ein Stück Erde für sich betrachten können, als man es bei dem Gebiete, das uns hier beschäftigt oder bei Canada oder selbst Brasilien wagen dürfte. Dort sind die sondernden Momente ebenso stark ausgeprägt, wie hier die vereinigenden.

E a t z {■ 1 , Amerika. I. 1

2 Einleitung.

Werfen wir daher einen Blick auf Gesammt- Amerika, auf das Ganze, ehe wir zur Betrachtung des Theiles übergehen, so ist vor allem nicht zu übersehen der hervortretendste Zug in der Gruppirung der Landmassen auf unserem Erdball, nämlich die Zutheilung Amerika's an die westliche und die der vier anderen Erdtheile an die östliche Halbkugel. Beim Vergleich der dadurch gebildeten zwei grossen Landmassen tritt die Zusammenschiebung der östlichen Erdtheile gegen die nördliche Hemisphäre in Gegensatz zu der langen lockeren Hingelagertheit des westlichen Erdtheils. Dazu, dass die östliche Landmasse an und für sich grösser ist als die west- liche, tritt noch diese Zusammenschiebung und bedingt einen Unter- schied beider Hemisphären hinsichtlich ihrer Continente, den man durch die Benennung continental und oceanisch kennzeichnet. Es wii'd damit ausgesprochen, dass auf der östlichen Erdhälfte mehr Land ist als auf der westlichen, auf dieser hingegen entsprechend ausgedehnteres Meer. Die Zusammendrängung nach Norden weist der östlichen Landmasse vorwiegend gemässigte Zonen an, während die westliche auf die verschiedenen Zonen nördlich und südlich vom Aequator vertheilt ist. Es ergibt sich ferner daraus, dass die öst- liche Landmasse vorzüglich im Sinn der Breite, die westliche in dem der Länge oder in meridionaler Richtung gelagert ist. Beide haben ungefähr 12,000 Kil. in ihrem längsten Durchmesser, aber die östliche ist doppelt so breit wie die westliche. Da nun die Klimate im Allgemeinen Gürtel parallel den Breitegraden um die Erde ziehen, so sind auf dem Westcontinent weiterstreckte Gebiete gleichen Klima's wie im östlichen nicht zu finden; jener hat zahl- reichere und beschränktere, dieser weniger, aber dafür weitaus grössere Klimagebiete.

Im inneren Bau der westlichen Welt tritt uns eine grosse Ein- fachheit entgegen, die der mannigfaltigen Gliederung der östlichen wiederum scharf entgegengesetzt ist. Kein Theil ist in dieser dem anderen ähnlich, während wir dort demselben klar hervortretenden Grundplan im Aufbau der südlichen wie der nördlichen Erdtheil- hälfte begegnen : Zwei Dreiecke, deren Spitzen nach Süden weisen und von denen das nördliche nordwestlich vom südlichen liegt ; ein Hoch- gebirg, die Cordilleren, das in beiden dem Westrand entlang läuft

Einleitung. 3

und sie gewissermassen verknüpft; weite Ebenen im Osten vor- gelagert und vom atlantischen Ocean durch Gebirge mittlerer Höhe geschieden; in der Mitte endlich der beiden Erdhälften die drei queren Gebirgszüge von Guayana, Venezuela und den grossen An- tillen — dieses sind die grossen Züge, gleichsam das Gerüst des Westcontinentes, deren Wiederkehr im Norden und Süden die Mannig- faltigkeit der äusseren wie innereji Gliederung ausschliesst, wie wir sie in der Alten Welt finden ^). Jene scharfen Sonderungen des Südens vom Norden, die hier so häufig und überall so fruchtbar

1) Dem Naturforscher tritt diese Einfachheit niclit minder klar entgegen als dem Geographen, der die Länder weniger nach ihrem Gewordensein als nach ihrem äusseren Bau und den Culturmöglichkeiten zu betrachten, welche sie dar- bieten. Man kann dieselbe nicht schärfer bezeichnen, als Dana es speciell für Nordamerika thut: „In Urariss und Aufbau setzt uns die Einfachheit des nord- amerikanischen Continentes in Erstaunen : Im Umriss ein Dreieck, die einfachste der mathematischen Figuren; der Oberflächengestalt nach nichts als eine weite Ebene zwischen zwei Gebirgszügen und an den Grenzen auf vier Seiten Meer." Dieselben Grundverhältnisse sind für Südamerika hervorzuheben. Dana sagt weiter mit besonderem Bezug auf die geologische Entwickelung Nordamerika's : „Amerika hat die Einfachheit eines einfach entwickelten Resultats, während Europa eine worlcl of complexities. Es ist mir eine Ecke der Alten Welt. Meere umgeben es im Westen und Norden, Festländer im Osten und Süden. Es war immer voll sich kreuzender Kräfte. Amerikanische Schichten erstrecken sich oft vom Atlantischen Meere bis zum Mississippi und östlich vom Felsen- gebirge ist nur Eine Bergkette jünger als das Silur. Europa zei'fällt in eine ganze Reihe von Ablagerungsbecken und hat Gebirge jeden Alters. Dieser weite Unterschied erklärt die grössere Yollständigkeit und Allgemeinheit geologischer Veränderungen in Amerika, die schärfereu Grenzen der Perioden und das klarere Hervortreten mancher geologischen Grundthatsachen." (Adress on American Geological HistorJ^ A. J. S. 1857. S. 305.) Aehulich auch H. Credner: „Weisen die tief eingeschnittenen, vorgebirgs- und halbinselreichen Küsten, die zahlreichen selbständigen Fluss- und Gebirgssysteme Eiu'opa's auf einen sehr verwickelten geognostischen Bau dieses Continentes hin, so lässt sich aus der grossartigen Einfachheit der Oberflächenverhältnisse Nordamerika's auf dessen weniger com- plicirte geologische Zusammensetzung schliessen." (Geogr. Mitth. 1871. 41.) Auch Südamerika ist, soweit wir es in dieser Beziehung kennen, geologisch un- gemein einfach gebaut und nicht ohne auch hierin einen gewissen Parallelismus mit Nordamerika zu zeigen, den übrigens die Aehnlichkeit der Oberflächengliederung in beiden Erdtheilhälfteu voraussehen lässt. Hartt hebt in seinen Scientific Results of a journey in Brazil 1870 47 JBf. besonders in Bezug auf das Hervor- treten des Urgebirges (Laurent. Formation), die Driftbildungen und neuere Oscilla- tionen der Küste diesen Parallelismus hervor. Vgl. F. Fötterle, Die Geologie von Südamerika in Geogr. Mitth. 1856. 187.

1*

4 Einleitung.

an bewegenden und belebenden Contrasten sind, fehlen in Amerika, wo die Sonderung östlicher von westlichen Gebieten viel mehr vor- wiegt. Man vergleiche die Contraste in Klima, Vegetation und Thierwelt, die in Asien zwischen dem Eismeer und dem indischen Ocean zusammengedrängt sind, mit den allmählichen Uebergängen, die in Nordamerika unmerklich von einer noch kälteren Eismeerküste nach der nicht minder warmen See des mexikanischen Golfes hinab- führen, und man wird die Wirkungen eines so grossen Unterschiedes der inneren Gliederung bedeutend nennen müssen. Von der polaren Flechtenvegetation am Mackenziefluss zu den Tannenwäldern Süd- canada's, den Eichenhainen Wisconsins, den kastanien- und wallnuss- reichen Laubwäldern des Ohiothaies, den Magnolien und Lorbeern des Golfgebietes geht es ohne Sprung, immer stufenweise, immer ver- mittelt und abgeglichen fast 4000 Kil. in nordsüdlicher Richtung. Nur hier kann das Kolibri seine Flüge in Regionen ausdehnen, die 9 Monate harten Winter haben, und die j\Iagnolie noch in nordischen Fichten- und Föhrenwäldern ihre tropische Pracht entfalten. Aber von dieser Vermittelung zwischen Süd und Nord hebt sich der Contrast zwischen Ost und West um so schärfer ab. Derselbe ist hier ins Extrem ausgebildet. Die üppigste Urwaldvegetation am östlichen liegt der Wüste am Westrand der Cordilleren gegenüber. Aber das Land westlich der Cordilleren ist im Allgemeinen ein zu kleiner Theil von Amerika, und sein LTnterschied vom Inneren ein zu extremer, als dass es so belebend zu wirken vermöchte, wie ähnliche Contraste in der Alten Welt. Der Westen ist hier durch denselben nur ärmer, unzugänglicher und ungastlicher geworden, und der Gegensatz hat nicht in dem Masse seiner Schärfe bereichernd auf die Gesammtnatur Amerikas zurückgewirkt.

Lidern der Westen die oceanische im Gegensatz zur continen- talen Welt der Osthälfte darstellt, ist er gleichzeitig die feuchtere gegenüber der trockeneren W^elt. Wir wollen keinen Werth auf die allgemeine Berechnung legen, welche der Tropenregion der Alten Welt 77, der Amerika's 115 Zoll jährlichen Regenfall zuspricht \), aber man kann mit Sicherheit behaupten, dass Nordamerika wenigstens

1) A. Guyot, Am. J. S. 1850. II. 168.

Eiiileitiinjj. 5

in gemässigten Breiten regenreiclier als Europa und dass die von Natur immer regenreichen Tropenregionen in Amerika weniger von regenarmen Steppen und Wüsten durchsetzt sind als in der Alten Welt. Gleichzeitig ist aber Amerika auch der weniger warme Erdtheil. ,. Mannigfaltige Ursachen, sagt A. von Humboldt, vermindern die Dürre und Wärme des neuen Welttheils. Schmalheit der vielfach ein- geschnittenen Feste in der n<)rdlichen Tropengegend,, wo eine flüssige Grundfläche der Atmosphäre einen minder warmen aufsteigenden Luftstrom darbietet; weite Ausdehnung gegen lieide beeiste Pole hin; ein freier Ocean, über den die tropischen kühlen Seewinde wegblasen; Flachheit der östlichen Küsten; Ströme kalten Meeres aus der antarktischen Region, welche, anfänglich von Südwesten nach Nordosten gerichtet, unter dem Parallelkreis von 35*^ S. B. an die Küste von Chili anschlagen und an den Küsten von Peru bis zum C. Parino nördlich vordringen, sich dann plötzlich gegen Westen wendend ; die Zahl quellenreicher Gebirgsketten, deren schneebedeckte Gipfel weit über alle Wolkenschichten emporstreben und an ihrem Abhang herabsteigende Luftströmungen veranlassen; die Fülle der Flüsse von ungeheuerer Breite, welche nach vielen Windungen stets die entfernteste Küste suchen; sandlose und darum minder erhitzbare Steppen; undurchdringliche Wälder, welche, den Boden vor den Sonnenstrahlen schützend oder durch ihre Blattfläche wärmestrahlend, die flussreiche Ebene am Aequator ausfüllen, und im Innern des Landes, wo Gebii'ge und Ocean am entlegensten sind, ungeheuere Massen theils eingesogenen, theils selbsterzeugten Wassers aushauchen : alle diese Verhältnisse gewähren dem flachen Theil von Amerika ein Klima, das mit dem afrikanischen durch Feuchtigkeit und Kühlung wunderbar contrastirt^)."

Fügt man zu jenem Reichthum an Niederschlägen die Ausdeh- nung der Flachländer, welche die Entwickelung grosser Stromsysteme so sehr begünstigen, und die für grosse Strombildungen so vortheil- hafte zusammengedrängte Lage der hohen Gebirge, so begreift man, dass Amerika der Erdtheil des Strom- und Seenreichthums ist. Süd- amerika ist durch Flussreichthum, Nordamerika durch Fluss- und

1) Ansichten der Natur, 1860. I. 11.

6 Einleitung.

Seenreiclithum ausgezeichnet. Der Amazonenstrom ist der grösste Strom der Erde und Nordamerika beherbergt die grössten und zahh-eichsten Süsswasserseen, von denen man behauptet hat, dass sie die Hälfte alles Süsswassers umschlössen, das auf unserem Planeten sich in Seen findet. Die Ueppigkeit der Vegetation, ausgeprägt in dem Artenreichthum der amerikanischen Florengebiete, in der grossen Zahl der Pflanzenformen, welche Amerika eigenthümlich sind, und in dem „üppigen saftstrotzenden Wüchse, jener Frondosität, welche der eigenthümliche Charakter des Neuen Continentes ist" ^), ist der natür- liche Ausdruck dieser Fülle des lebenspendenden Elementes. Aber selbst in ihrem Reichthum macht sich eine in keinem Florengebiet von Norden bis zum äussersten Süden fehlende amerikanische FamilienähnlichJceit geltend, die wieder auf den einfachen, die Wanderungen und Vermittelungen erleichternden Bau des Continentes, seinen Haupt- und Grundzug hinweist ^).

Ist nun auch die nördliche Erdtheilhälfte in vielen Punkten der südlichen ähnlich, so bleibt sie doch immer eine geographi- sche Einheit für sich, der eine so wenig gangbare und geologisch so junge Verknüpfung wie die mittelamerikanische Landenge oder die Inselbrücke der Antillen nichts Wesentliches von ihrer abge- schlossenen Individualität rauben konnte. Es ist zwar ein müssiges Bemühen, den westlichen Continent in ein Amerika und ein Columbia zu zerlegen, wie es versucht worden ist, zwei Erdtheile aus dem einen zu machen, denn die Grenzen unserer Erdtheile sind überhaupt zufällige Linien und man müsste dann folgerichtiger Weise auch Europa seinem Stammerdtheil Asien zurückgeben oder Afrika in

1) A. von Humboldt a. a. 0. I. 11.

2) Die Thier- und Meusclienwelt der beiden grossen Hälften unserer Erd- veste in Vergleich zu ziehen, wollen wir einstweilen unterlassen, wie wohl viel über den vegetativen oder von der Ueppigkeit des Urwaldes erdrückten Charakter der letzteren gesprochen wird, sowie über die Nachtheile, in denen im feuchten Amerika die Thierwelt sich befinde, deren Lebenselement trockene Wärme sei. Die nähere Betrachtung dieser beiden Reiche lehrt uns zu viele mehr in der jüngsten Geschichte der Erde als in der jetzigen Natur des Continentes be- gründete Bedingnisse thierischer und menschlicher Existenz kennen, als dass wir nicht die Ursachen ihrer Abweichungen von altweltlichen Verhältnissen mindestens ebenso sehr in erdgeschichtlichen als geographischen oder klima- tischen Zuständen vermuthen sollten.

Eiiileituiiff. 7

die zwei natürlichen Erdtlieile zerlegen, aus denen es von Norden und Süden lier zusammengewachsen ist. Mit solchen Grenzberichti- gungen wollen wir uns hier nicht beschäftigen. Immerhin ist aber die geograjibische Individualität Nordamerikas zu betonen, die bei aller Uebereinstimmung des Grundbaues sich derjenigen Südanierika's bestimmt gegenüberstellt. Es gibt ein Gesetz in der Gestaltung der Landmassen, welches den Südcontinenten gewisse gemeinsame Eigenschaften zuweist im Gegensatz zu den Nordcontinenten, und gerade in dem Verhältniss des südlichen Halbcontinentes von Amerika zum nördlichen ist der Unterschied am wenigsten zu übersehen, den dasselbe ausspricht. luselarm, halbinsellos, fast ungegliedert liegt Südamerika dem Zwillingserdtheil gegenüber, der gegen seinen Pol hin ebenso verbreitert und reich gegliedert erscheint, wie Süd- amerika in derselben Richtung verschmälert und gliederarm ist. In der That gibt die r e i c h e r e G 1 i e d e r u n g der Erdgestalt von Nordamerika eine nähere Verwandtschaft mit Europa als mit Süd- amerika"^). Nordamerika theilt mit Europa die „auf dem ganzen Erdtheil ganz einzige Analogie"' (C. Ritter), im Süden wie im Norden durch grosse mittelländische Meere bespült und von ihnen vielfach durchschnitten zu sein. Es hat vermöge seiner zahlreichen Buchten, Halbinseln und Inseln nächst Europa die grösste Küstenentwickelung (1 M. Küstenlänge auf 56 QM. Oberfläche, oder, das Verhältniss der Küstenlänge Europas zu seinem Flächeninhalt als 1 angenommen, 0,664; die Halbinseln, Landzungen und Küsteninseln von Nord- amerika nehmen, wenn man von den noch nicht genau bekannten arktischen absieht, ungefähr den zehnten Theil des Continentes in Anspruch , so dass sich die Glieder zum Bumpf wie 1 : 9 ver- halten). Nun fällt allerdings die grösste Gliederung in den nörd- lichen Theil des Continentes, wo jene culturfördernde Wirkung, welche man ihr zuschreibt, fast Null sein muss ; aber sie fehlt nicht im Osten, Süden und Westen und gibt diesen Theilen sicherlich ein Uebergewicht wenigstens über Nordasien, wenn sie dieselben auch nicht auf die Stufe Europa's zu heben vermag. Es ist ange- sichts dieser reichen Gliederung nach Norden zu, dass C. Ritter

1) Carl Ritter, Allgemeine Erdkunde. 1862. 238.

8 Eiuleitiing.

aussprach: ..Amerika scheint durch seine Gestaltung und Weltstellung dazu berufen, die Cultur des Menschengeschlechts am frühzeitigsten und am meisten gegen den Norden der Erde zu verbreiten". ^) Was aber die südliche Hälfte des Continentes durch ihre reiche Gliederung bereits an rascher Culturentwickelung gewonnen hat, darauf werden wir im Verfolg unserer Betrachtungen öfters zurück- zukommen haben.

Aufs ausgiebigste wird diese äussere Gliederung der Umrisse durch die innere ergänzt, welche gegeben ist in dem ausserordentlich reichen Netz der Ströme und Seen, die nach allen Weltgegenden sich aus der Mitte dieser Erdtheilhälfte hei:aus entfalten und nicht wie die ähnlich grossen und ausstrahlenden Nordasiens durch breite, unwegsame Hochflächen von einander getrennt sind. Durch diese reiche Bewässerung wird die in jedem Erdtheilinneren vorwaltende Neigung zur Wüstenbildung zurückgedrängt, der Waldwuchs und der Ackerbau begünstigt, die junge Cultur gefördert, der Verkehr erleichtert. Was würde Britisch Amerika ohne seine Ströme sein? Sie allein ermöglichen den Verkehr in der unwirthlichen Region des weiten Hudsonsbaigebietes und damit das Vordringen einer auf Jagd- und Fischfang gegründeten Halbcultur bis in die Länder jenseits des Polarkreises. In dem klimatisch begünstigteren Gebiete, das den Gegenstand unserer Betrachtungen bilden wird, haben beim Beichthum anderweitiger Hülfsquellen die Fluss- und Seensysteme nicht diese grosse Rolle zu spielen, aber ihre grossartige Entwickelung verleiht ihnen doch eine Bedeutung, von denen uns unsere kleineren europäischen Strom Verhältnisse keine Vorstellung geben.

Nicht ebenso günstig ist Nordamerika in klimatischer Beziehung gestellt. Hier hat es die Nachtheile in den Kauf zu nehmen, welche eine so bedeutende räumliche Ausdehnung immer im Gefolge hat. Das Meer übt in allen Breiten einen mildernden und anfeuchtenden Einfluss auf die Klimate, aber dieser heilsame Einfluss wird um so schwächer, je weiter man sich von seiner Quelle entfernt und je mehr Hindernisse sich dem LandeiuAvärtswehen der Feuchtigkeitsträger, der Seewinde entgegenstellen. Nordamerika

1) C. Ritter, Allgemeine Erdkuude. 1862. 239.

Eiuleituug. 9

hat weite Eegionen iii seinem Innern , die dem Einfluss der feuchtigkeitsbringenden Winde entzogen sind und deren Dürre an die asiatischen Hochstei^pen erinnert ; selbst eigentliche, vegetations- lose Wüsten fehlen ihm nicht. Aber diese Steppen und Wüsten erlangen nie die lückenlose Ausbreitung, welche ihnen Asien, Afrika und selbst das innere Ausstralien gestatten. Ihre Unterbrechung durch zahlreiche Flussläufe, die nie ganz wasserleer werden, unter- scheidet die nordamerikanischen Steppengebiete von jenen des Ostens. Man kann sagen, sie sind oasenreicher und ihre Oasen sind aus- gebreiteter. Der Grund davon liegt in dem Zusammentreffen der Hochgebirgsregionen mit den Regionen der Steppen, denn einerseits vermindern diese Gebirge durch ihre Lage die Feuchtigkeitszufuhr, andererseits sorgen sie durch ihre schneebedeckten Höhen dafür, dass die Wasserquellen nie versiegen. Der bemerkenswerthe Um- stand, dass die Quellgebiete der grössten nordamerikanischen Ströme räumlich mit den Steppenregionen zusammenfallen und dass sie alle in ihrem oberen Lauf grosse Strecken derselben durchfliessen, ist in dieser Beziehung bezeichnend und gehört zu den hervorragenden Charakterzügeu des Jiordamerikanischen .Continentes.

Klimatisch bleibt indessen Nordamerika entschieden weniger günstig gestellt als die in entsprechenden Breiten gegenüber liegenden Theile der Alten Welt. Wir haben die grössere Feuchtigkeit und geringere Wärme, die im Allgemeinen die westliche Landmasse aus- zeichnet, bereits hervorgehoben und für Nordamerika hat dieser Unter- schied ganz hervorragende Gültigkeit, ist aber nicht in allen seinen Theilen gleich entschieden oder in gleicher Richtung ausgeprägt. Man bemerkte ihn sehr früh, übertrieb ihn aber beim Mangel genauerer Beobachtungen so sehr, dass selbst Halley zur Erklärung der über- mässigen Kälte, die in Nordamerika herrschen sollte, die Hypothese aufstellte, dass einst die Erdachse ihren nördlichen Pol in Nord- amerika gehabt habe und dass jene Kälte eine Nachwirkung dieses Zustandes sei. Eine gründlichere Darstellung aller Verhältnisse, auf die jene allgemeine Regel gestützt werden kann, lieferte erst A. v. Humboldt in seiner ersten Schrift über die Isothermen ^), worin er

1) Kleinere Schriften, I. S. 251.

10 Einleitung.

das von Anderen übrigens schon angedeutete Gesetz der grösseren Kälte der Ost- und der grösseren Wärme der Westränder der Continente im Besonderen auf die klimatischen Verschiedenheiten z-sN-ischen Nordostamerika und Europa anwandte. Er sprach es damals aus, dass „selbst in den Zonen gleicher Jahrestemperatur auf den Ostküsten beider Continente die Winter strenger und die Sommer heisser als auf den Westküsten', und in dem seitdem oft wiederholten Vergleich : ,, So findet man in Newyork einen Sommer gleich dem in Rom und einen Winter wie in Kopenhagen, zu Quebec einen Pariser Sommer und einen Petersburger Winter" hob er den Gegensatz des extremen nordostamerikanischen zu dem mehr ab- gegHchenen westeuropäischen Klima hervor. Man hat seitdem die wissenschaftlich unfruchtbare Methode der Vergleichung des Klimas von einander gegenüberliegenden Küsten aufgegeben und statt des Gegensatzes vielmehr unerwartete Uebereinstimmungen gefunden, als man, wie es die Natur der Sache gebietet, die ein- ander entsprechenden Theile der beiden Erdtheile miteinander in Vergleich stellte. Man fand dann europäische Anklänge auf der West- und ostasiatische auf der Ostküste Nordamerika's ^). Man fand nun, dass sowohl in der Neuen als der Alten Welt der nörd- lichen Hemisphäre die Wärme am geringsten ist im Innern der Continente, dass sie gegen die Küste hin zunimmt und zvrar viel rascher und bis zu höheren Graden an den West- als an den Ost- küsten. Dann fand man aber ferner, dass im Unterschied gegen die entsprechenden Breiten der xilten W^elt Nordwestamerika doch noch kühler sei als Nordwesteuropa, dass auch Nordostamerika hinter Nordostasien zurückstehe, dass die Wärmeabnahme gegen Norden zu eine viel raschere in Nordamerika als in Europa- Asien,

1) „Der früher so scharf betonte Gegensatz erscheint als Folge der ein- seitigen Anschauung beider Continente und an die Stelle desselben tritt eine auffallende Uebereinstimmung, denn in der That erheben sich in beiden Con- tineuten die Isothermen vom Innern nach beiden Küsten hin, und zwar stärker an den westlichen als an den östlichen. Die Aufgabe ist daher eine andere geworden, es handelt sich nicht mehr darum, die einander zugewendeten Küsten der verschiedenen Continente mit einander zu vergleichen, sondern den all- mähligen Uebergang festzustellen zwischen den einander abgekehrten desselben Coutinentes." IL Dove, Klimatol. Beiträge. 1869. II. 1.

Einleitung. 11

und dass zu diesen Unteiscliieden der Wärmeverbreitung sich Unterschiede der Windrichtungen und Niederschhige gesellen, so dass jene allgemeine Uebereinstimmung für die unmittelbare Wahr- nehmung zurücktritt hinter den Wirkungen dieser abweichenden Verhältnisse. Es sind in erster Reihe die Meeresströmungen, denen man diese Störungen verdankt, dann die besonderen Verhältnisse, die in der Vertheilung von Land und Wasser, besonders an der Nordseite von Nordamerika zu bemerken sind, und die Eigenthümlichkeiten der Bodengestaltung. Schon im Klima der arktischen Regionen von Nordamerika sind hervorragende Besonderheiten zu erkennen. Die Isotherme von 0^, welche diese Zone im Süden begrenzt, steigt an der Ostküste bis 50 "^ N. B. herab und liegt an der Westküste bei 60. Kalte Winter und kalte Sommer bezeichnen diese Zone, deren mittlere Jahrestemperatur daher an einigen Punkten unter die tiefsten Grade herabgeht, die man anderswo beobachtet hat und die im Allgemeinen ein Gebiet negativer Isanomalen ist ^). In der ungemein raschen Wärmeabnahme nach Norden zu, welche den öst- lichen und binnenländischen Theil der nächstfolgenden gemässigten Zone charakterisirt, sehen wir ein Hebergreifen dieser abnorm kalten arktischen Region. Diese Abnahme ist nahezu doppelt so gross wie in Westeuropa. Man beobachtet in denselben Gebieten, die ausser Südcanada und Britisch Columbia vorzüglich das Gebiet der Vereinigten Staaten östlich der Cordilleren in sich fassen, eine geringere relative Feuchtigkeit als in den entsprechenden Zonen Europa-Asiens bei erheblich bedeutenderen Niederschlagsmengen. Die Regenmengen sind durchschnittlich doppelt so gross wie in Europa- Asien, aber beim Vorherrschen trockener Landwinde ist den- noch die Lufttrockenheit ein bezeichnender Zug des Klimans in den östlichen und binnenländischen Theilen. Die Monsunregen, welche

1) „Die mittlere Wärme eines Parallelkreises nenne ich seine normale Wärme, jeder Ort, dessen Temperatur höher ist, ist zu warm, jeder, dessen Tem- peratur unter sie herabsinkt, zu kalt. Ich nenne ferner die Abweichung der wirklichen Wärme eines Orts von der mittleren seiner geographischen Breite seine Anomalie." H. Dove, Klimatol. Beiträge. 1857. I. 4. Die Jahreslinien gleicher Anomalie, die Isanomalen sind negativ, d. h. zu kalt in ganz Nordamerika mit Ausnahme eines Streifens an der Westküste, der vom 70. bis zum 40. Breite- grad reicht und nach Innen zu seine Grenze am Ostfuss der Cordilleren findet.

1'2 Einleitung.

im Sommer die südliche Region dieser Zone benetzen, unterscheiden dieselbe scharf von unseren im Sommer trockenen südeuropäischen, westasiatiscben und nordafrikanischen Ländern. Im Westen dieses Gebietes nimmt der Regenfall, besonders der winterliche ab und bedingt ausgedehnte, wenn auch nicht lückenlose Steppenbildungen. Die Hochebene, die sich zum Ostfuss der Cordilleren erhebt, schliesst den grössten Theil der Südost-, die Cordilleren selbst die Südwest- Winde aus. Im pacifischen Küstengebiet sind die nordwestlichen Theile ausserordentlich regenreich, aber südlich vom 40. Breitegrad treten Winterregen mit regenarmen Sommern wie in unseren Mittel- meergebieten auf. Eine kalte Strömung kühlt die Küste Ober- californiens ab und gibt ihr einen kühlen Sommer. Die Länder um den californischen Golf sind bis zum 24. Breitegrad hinab durch den Niederschlagsmangel der Passatregionen ausgezeichnet, ebenso alles jenseits des Westrandes der Cordilleren nach binnen zu gelegene, den Seewinden entzogene Land.

Wir haben endlich ein tropisches Klimagebiet in Nordamerika, das Mexiko und Westindien umfasst und dessen Charakter, abgesehen von seiner Lage innerhalb der Wendekreise, auf dem Festland vorzüg- lich durch die Annäherung der Gebirge an die Küste und die weite Ausdehnung der Hochebenen im Innern bestimmt ist, während auf den Inseln Lage und Grösse mehrere klimatische Bezirke unterscheiden lassen, die vorzüglich durch Dauer und Intensität der zwei tropischen Regenzeiten unterschieden sind. Was die Wirkungen des Klima's dieser Tropenregion auf dasjenige des Gebietes der Ver. St. betrifft, so genügt ein Blick auf die Karte, um die Geringfügigkeit des in die Tropenregion der nördlichen Hemisphäre fallenden Landes im Vergleich zu der Meeresbedeckung desselben Gebietes erkennen zu' lassen. Das Land der nord- und mittelamerikanischen Tropenregion ist ohne nennenswerthen Einfluss auf das Klima der nördlicher gelegenen Theile, Avährend dieselben dem Meere des Golfes und Westindiens jenen hoch^dchtigen Sommermonsun danken, dessen wir bereits Erwähnung thaten.

In nicht geringem Grade trägt zur Individualisirung Nordame- rika's , besonders gegenüber der südlichen Erdtheilhälfte , seine 0 rgan ismenweit bei. Was wir über die pflanzliche, thierische

P^inleitnng. 13

und menschliche Bevölkerung allein des Gebietes der Ver. St. in den betreffenden Kapiteln zu berichten haben werden, wird als allgemeiner Grundzug derselben die nahe Verwandtschaft zu den Bewohnern der östlichen Erdtheile, besonders Nordeuropa's und Nordasiens erkennen lassen, eine Verwandtschaft, die indessen nur in einer Minderzahl von Fällen zu vollständiger Uebereinstimmung fortschreitet und im Allgemeinen bei der Aehnlichkeit und Annähe- rung stehen bleibt, welche die Merkmale gemeinsamer, aber entlegener Abstammung sind. Man kann es aber für ganz Nordamerika als das Grundgesetz seiner organischen Welt bezeichnen, dass dieselbe im innigsten Zusammenhang mit der organischen Welt der gesammten Nord-Hemisphäre geworden ist. Man kann dieses Gesetz weiter dahin ausführen, dass der Zusammenhang am innigsten ist im Norden, während von Süden her Einflüsse sich geltend machen, die Aus- strahlungen anderer Schöpfungsmittelpunkte darstellen als die, von denen der Norden seine Lebewelt empfing. In Nordamerika ist daher sowohl in der menschlichen, als thierischen, als pflanzlichen Bevölkerung die Uebereinstimmung mit der Alten Welt am grössten im Norden, wo sie in den arktischen, Regionen zu jener vollen Uebereinstimmung wird, die uns in der Circumpolarflora und -Fauna und in der hyperboräischen Menschenrasse entgegentritt. In der nächstsüdlichen subpolaren Zone tritt eine grössere Anzahl eigenthümlicher amerikanischer Arten auf, die aber ihre Nächst- verwandten noch fast ausnahmslos in altweltlichen Formenkreisen finden. Schon in der kalten gemässigten Zone und mehr noch in der warmen gemässigten erscheinen aber specifisch amerikanische Formen, die, wie die Cacteen und Baumlilien im Pflanzen-, gewisse Nager oder Kolibri's im Thierreich, Familien angehören, welche ausserhalb Amerika's nicht gefunden werden. Am weitesten ziehen diese fremdartigen Gestalten auf den dürren Hochebenen des Innern nach Norden. Ihre Verwandtschaftsbeziehungen weisen aber nach Süden zurück und es ist kein Zufall, dass sie im Westen Nord- amerika's, wo der räumliche wie klimatische Zusammenhang mit Mittel- und Südamerika am innigsten ist, ihre reichste Entfaltung finden. In Thieren und Pflanzen und selbst in der Cultur ist der Westen Nordamerika' s amerikanischer als der Osten. Dieser ent-

14 Einleitung.

fernt sich niclit soweit von den Formen der Alten Welt wie jener, nur am äussersten Südrande tritt auch er nahe genug an die west- indische Tropenregion, um in merklicher Weise die von dorther wirkenden Einflüsse in seiner Lebewelt auszuprägen. Eine entschiedene Annäherung an tropischen Naturcharakter ist indessen nur in den südlichen Theilen der Halbinsel Florida zu finden und hier ist es auch, wo die grosse Zahl rein amerikanischer Pflanzen- und Thier- geschlechter ähnlich wie im Westen die altweltlichen Anklänge übertönt; in den übrigen Bezirken des nordamerikanischen Südens dagegen sind diese die Kette, in deren Lücken jene nur einen lockeren Einschlag weben, der dann nach Norden zu sich sehr rasch verdünnt, ohne indessen innerhalb der Grenzen der gemässigten Zone ganz zu verschwinden. Die Leichtigkeit des Wanderns in nördlichen und südlichen Eichtungen, eine Folge der eigenthümlichen Bodengestaltung Nordamerika' s, tritt in beiden Thatsachen in ver- schiedener Ausprägung hervor: Die Massenverbreitung nordischer Formen bis an die Golfküste auf der einen und die weite Verbreitung von Süden kommender nach Norden auf der anderen Seite ist nur möglich durch die vorwiegend meridionale Gliederung Nordamerika' s, deren tiefgreifenden Einfluss auf die Lebewelt der ganzen Erdtheil- hälfte wir noch öfter zu betonen haben werden.

Allgemeiner Theil.

I. Begrenzung' und llmriss.

Die natürlichen Grenzen der Vereinigten Staaten. Politisclie Grenzlinien. Die Küstenlinie. Ihre Gliederung. Inseln. Halbinseln. Vorgebirge. Buchten. Mündungs- buchten. Allgemeine Form der Küstenliuie.

Begrenzung. Die Vereinigten Staaten (ohne Alaska) nehmen die südliche Hälfte von Nordamerika ein. Sie bilden die schmälere, aber die geschlossenere Hälfte, in deren Zusammenhang weder eine Hudsonsbai noch ein St. Lorenzgolf einschneidet. Es entspricht dieser Continental ausgebreiteten Lage, wenn der grösste Theil ihrer Grenze Meeresgrenze ist, wenn das Land vom atlantischen zum pacifischen Meere reicht und mit seinem Südrand einen grossen und wichtigen Theil jenes amerikanischen Mittelmeeres, des Golfes von Mexiko um- fasst. Auch ein Theil der Grenzen, die auf dem Festlande gezogen sind, hat natürliche Berechtigung. Ein Blick auf eine Vegetationskarte des nordamerikanischen Continentes lässt erkennen, dass die Nordgrenze des mexikanischen Vegetationsgebietes wenig südlich von der poli- tischen Südgrenze der Vereinigten Staaten gezogen wird, und auf eijier Höhenkarte sieht man diese politische Grenze das Depressions- gebiet durchziehen, welches zwischen dem Gila und Rio Grande eine natürliche Sonderung der eigentlich nordamerikanischen von den mexikanischen Gliedern der grossen Gebirgskette der Cordilleren erzeugt und dadurch zu einer der bedeutsamsten Erscheinungen in der Oberflächengestaltung Nordamerika's wird. Die Jahres-Isothermen ^on 15 '^ und 18*^ C. sind gleichfalls in der Gegend dieser Grenze ju ziehen, von der man deuniach behaupten kann, ohne zu viel zu sagen, dass sie nicht bloss eine politische, sondern auch, und in nicht

B a t z e 1 , Amerika. I. jj

18 I. Begrenzung und Umriss.

geringem Masse, eine Naturgrenze sei ^). Von der Nordgrenze kann dasselbe nicht gesagt werden. Schon ihre fast geometrisch regel- mässige Halbirung des Continentes von einem Rande bis zum andern macht es wahrscheinlich, dass sie auch manche Naturverhältnisse in derselben mit Naturgrenzen schwer vereinbaren Folgerichtigkeit halbiren werde und dem ist in der That so. Aber der Umstand, dass diese Grenze in so weiter Erstreckung im Sinn der geogra- phischen Breite, d. h. in derselben Pachtung gezogen ist, welche im Allgemeinen auch den Verlauf der Isothermen und der Vegetations- grenzen bezeichnet, lässt dieselbe immerhin nicht bedeutungslos in natürlicher Beziehung erscheinen. Sie scheidet allerdings in einer allgemeinen Weise die gemässigteren von den kälteren Theilen

1) Die Grenze ist übrigens von Anfang an mit Rücksicht auf den eigen- thümlichen Charakter des Landes gezogen worden, welches sie durchzieht, und mit Rücksicht auf den daraus folgenden Charakter einer Naturgrenze, der dem- selben in hohem Grade eigen ist : „Die Grenze ist gut", sagt mit sehr bezeichnenden Worten Major Emory, der Commissär, welcher seitens der Regierung der Ver. St. mit ihrer Feststellung betraut war, „und wenn die Ver. St. entschlossen sind, der Expansionskraft ihrer Institutionen und ihres Volkes zu widerstehen, die mir unvermeidlich zu sein scheint, und sich Grenzen zu setzen, ehe sie die Land- enge von Darien erreicht haben, so wird man wahrscheinlich vergebens auf dem ganzen Continente eine Grenzlinie suchen, die besser für diesen Zweck geeignet wäre. Es ist ein Glück, dass zwei Völker, die in Gesetzen, Glauben, Sitten und Bedürfnissen so sehr verschieden sind, von einander durch Grenzen getrennt werden, welche gleichzeitig grosse Unterschiede in der Naturbeschaffenheit des Landes bezeicluien." AVeiterhiu sagt Emory: „Ich beobachtete diese merkwürdige Depression (vom californischen Golf bis zum Pecos) bei einer Durchforschung des Landes im Jahr 1846 und lenkte auf dieselbe die Aufmerksamkeit des damaligen Staatssecretärs des Innern, Buchanans, worauf dieser unseren Gesandten, der über den Vertrag von Guadalupe Hidalgo verhandelte, verständigte, keine Grenz- linie nördlich von 32 o N. B. anzunehmen." (Report on the U. S. and Mex. Boundary Survey, 1857. I. 39 u. 41.) Mit diesen Rücksichten trafen übrigens auch Gründe militärischer Art und des Verkehres zusammen. Die Grenze von 1851, welche ziemlich weit nördlich von der heutigen verlief und in ihrer grössten Erstreckung dem Gila R. folgte, war für die Ver. St. ungünstig; sie schnitt die Communication zwischen den Grenzforts am Rio Grande und denen am Gila ab und ausserdem wurde es zu jener Zeit als ein besonders hoch anzuschlagender Nachtheil angesehen, dass sie die Giladepression Mexico überliess, während es doch ausser Zweifel zu stehen schien, dass die schon damals geplante Pacific- bahn nur in dieser Einsenkung die westliche Gebirgsmasse zu passiren vermöchte. Heute würde man den Zuwachs, den der Vertrag von 1853 brachte, weniger hoch anschlagen.

I. Begrenzung und IJmriss. IJ)

Nordamerikas. Die Laubwälder des Ostens, die hohen Nadelhölzer des Westens, die Prärien des Innern sie gehen sämmtlich niclit weit über den 49. Breitegrad hinaus, welcher die Nordgrenze in dem grössten Theil ihres Verlaufes bildet. Aber vielleicht zeichnet nichts so deutlich wenigstens die Annäherung auch der Nord- grenze der Vereinigten Staaten an gewisse Naturgrenzen als die Thatsache, dass sowohl am östlichen als am westlichen Ende dieser Grenze die Fjord- und Schärenbildungen, diese Küstenform von hervorragend klimatischer Bedeutung nur eben über dieselbe her- einragt. Wir finden Fjorde und Schären an der Ostküste bis nacli Maine, an der Westküste bis au den Pugetsund, sie berühren gewissermassen nur das Gebiet der Vereinigten Staaten, aber an allen Küsten im Norden derselben sind sie in der reichsten Aus- bildung vorhanden. Die klimatischen Bedingungen, welche zu ihrer Bildung unentbehrlich sind, waren also südlich von der heutigen Nordgrenze der Vereinigten Staaten, mit Ausnahme einer sehr schmalen Zone, in die eben die Nordküste von Maine und der Puget- Sund fallen, nicht mehr vorhanden.

Die politischen Grenzen der Vereinigten Staaten werden in der allmählichen Entwückelung zu ihrem heutigen Verlauf im Zusammenhang mit dem Werden der Vereinigten Staaten zu be- trachten sein, dessen aufsteigende Stufen sie so treffend bezeichnen. Für jetzt genügt es, ihren allgemeinen Verlauf zu kennzeichnen und zwar ist dieser gegeben: Im Norden durch den St. Croix, wo dieser in die Passamaquoddybai mündet, denselben entlang bis zu seiner Quelle, von dieser gerade nach Norden bis zum St. Johns R., in diesem bis zur Mündung des Francis R., in diesem zum Ausfluss des Sees Pohenagamook, von da sw. in gerader Linie zu einem Punkte an dem nw. Zweige des St. John, der 16 Kil. in gerader Linie entfernt von dem Hauptzweig des St. John angenommen wird ; von da wieder in gerader Linie in s. 10" w. Richtung bis zu dem Punkte, wo der Parallelkreis 46*^ 25 ' den sw. Zweig des St. John schneidet, dann s. diesem Zweige entlang bis zu seiner Quelle und auf der Wasserscheide zwischen St. Lorenz und Ocean bis zur Quelle eines der Arme des Connecticut (Hall R.) und an demselben hinab bis zum 45. Breitegrad und diesem entlang bis zum St. Lorenz. In diesem Strome verläuft nun die Grenze.

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20 I. Begrenzung und Umriss.

indem sie ihn balbirt, und ebenso verläuft sie, so genau es möglich, durch die Mitte des Ontario-, Erie- und Huronensees und der sie verbindenden; den Oberen See durchschneidet sie so, dass Isle Royale und alles südlicli von den Narrows und vom Arrow R. ge- legene Ufergelände, ungefähr V3 des Ganzen, in das Gebiet der Vereinigten Staaten föllt. Sie verlässt den Oberen See mit dem Arrow R., begleitet diesen nach dem Rainy Lake, steigt im Rainy R. nach dem Lake of the Woods hinab und geht von dessen Westrande dem 49. Breitegrad entlang, bis zum Ufer des Stilleu Meeres, wo ihr früher zweifelhafter Verlauf in der Strasse San Juan de Fuca seit dem Schiedsspruch unseres Kaisers (1872) dahin festgestellt ist, dass sie daselbst dem Haro-Canale folgt, welcher die Vancouver- Insel vom San Juan Archipel trennt. Der letztere ist damit dem Gebiete der Vereinigten Staaten zugefallen. Die Grenze gegen Mexiko läuft von der Mündung des Rio Grande bis zu 31 ^ 47 ' N. B., von da 160 Kil. direct westlich, dann südlich bis zu 31^ 20' N. B. und diesen Parallelkreis entlang bis 111*^ W. L., von diesem in gerader Linie nach einem Punkte am Colorado, der 32 Kil. unterhalb der Gilamündung liegt, und dann im Colorado aufwärts bis zu besagter Mündung und von dieser westwärts bis zu einem Punkte an der Küste, der eine Seemeile südlich vom südlichsten Punkte des Hafens von San Diego liegt. Beide Landgrenzen, die gegen Britisch Nordamerika wie gegen Mexiko, haben zusammen eine Länge von 16,200 Kil.

Ausdehnung und Umriss. Innerhalb dieser Grenzen und seiner Meeresgrenzen ist das Gebiet der Vereinigten Staaten in der Weise gelegen, dass sein nördlichster Punkt durch den 49. Breite- grad, sein südlichster durch Cap Sable (24^ 50' N. B.), sein östlicher durch C. Quoddy Head (66'' 59' W. L.), sein westlichster durch Cap. Mendocino (124 '^ 32' W. L.) gegeben ist. Seine Ausdehnung zwischen Norden und Süden beträgt 1285, zwischen Osten und Westen 4625 Kil. und sein Flächeninhalt ist auf 7,838,300 QKil. zu beziffern ^).

1) Also 142,352 geogr. oder 3,026,494 engl. M. Mit Alaska, das übrigens nicht genau vermessen ist, 9,933,680 nKil. oder 3,603,884 e. M. oder 169,509 g. M. (Behm u. Wagner. Bevölkerung der Erde in Geogr. Mittli. Erg. Heft. 35, S. 64.)

I. Begrenzung und rnniss. 21

Die Küstenläiige der Verein. Staaten -wurde im Jahr 1858 nach damals erneuerten Messungen auf 7064 Kil. berechnet, wovon 3036 auf die atlantische, 1866 auf die pacifische und 2162 auf die Golf- küste kommen ^). Diese Küstenlänge ist im Vergleich zu der Grösse des Landes nicht bedeutend; sie hält vor allem keinen Vergleich aus mit der europäischen . zu der sie sich nur wie 1 : 4 verhält. Indessen ist Küstenlänge kein unveränderlicher Begriif, den man ohne Rücksicht auf seine nähere Bestimmung vergleichen könnte. Da es seine Beziehung zu den Culturmöglichkeiten eines Gebietes ist, welche ihm besonderen Werth verleiht, so ist er in Bezug auf dieselben näher zu bestimmen ^). Die Küstenlänge des Gebietes der Ver. St. ist nun vorzüglich darum eine verhältnissmässig geringe, weil ihm bedeutende Inseln und Halbinseln fehlen ; aber dafür sind seine Küsten in reichem Masse mit einer Eigenschaft begabt, welche in der angedeuteten Eichtung wichtiger ist. als aller Insel- und Halbinselreichthum, nämlich mit Zugänglichkeit durch reichliche und tief einschneidende Buchten und durch die Mündungen hoch hinauf schiffbarer Ströme und Flüsse. Man darf die Behauptung wagen, dass Europa mit all seiner reichen Umrissgliederung auf keiner einzigen Küstenstrecke so zugänglich sei und so viele vor- treffliche Häfen habe, wie die atlantische Küste von Nordamerika. Die Zugänglichkeit ist nicht ebenso gross an der pacifischen Küste, wohl aber ist auch diese sehr buchten- und hafenreich. Der Golf von Mexiko aber nimmt als ein Abschnitt der reichgegliederten westindischen Region an den Vorzügen Theil, welche diese sogar unserem Mittelmeer an natürlicher Begünstigtheit haben vergleichen

1) Report ou the Hist. and Progr. of the American Coast Survey. 1858. 46.

2) „Blickt mau auf dem Erdball umher, so zeigen sich die Gliederungen, die isolirteren Theile der Erdflächen, die Gestadestrecken, die Halbinseln, die Inseln fast überall als die am reichsten begabten Erdstelleu, auf denen die frühesten und grössten Eutwickelungen sich conceutrireu konnten. Mit der Ver- vielfachung und Entwickelung der Organe hebt sich überall der Adel der Organismen . . . Wir wiederholen es : nicht die absolute Grösse, nicht die Masse und das Gewicht des Materiellen, sondern die Form, die gegliederte und höher orgauisirte Form errang das Uebergewicht und trug das ihrige zur Entscheidung des Schicksals der Völker der Erde bei." C. Ritter, Allgemeine Erdkunde. 1862. 216.

22 I. Begreuzimg und Umriss.

lassen. Man mag also wohl sagen, dass die Keime eines Völker- verkeln-s, die allerersten Anregungen zu Wanderungen und Austausch hier keinen so fruchtbaren Boden gefunden haben würden wie z. B. in den Inselfluren des ägäischen oder des jonischen Meeres oder selbst wie in Antillenmeergebieten, wo der Reichthum und die Annäherung der Festlandküsten und Inseln, der Buchten und Halb- inseln so gross sind, dass selbst der träumende Geist eines Neger- volkes sich hier aufs Meer hätte hinausgelockt, zu kühnen Unter- nehmungen angespornt fühlen müssen. Aber die eigene Art von Umrissgliederung, die wdr gerade an der Seite finden, die für die Cultur Nordamerikas die "\\'ichtigste war, nämlich an der Europa zugewandten atlantischen Küste, hat Nordamerika in hohem Grade geeignet gemacht zur Lösung der Aufgabe, die ihm in der Verbreitung und Entwickelung der Cultur über die Erde zugefallen ist. „Durch die günstigste Hafenbildung, Insulirung und Küstenstellung gegen die nordostatlantische Westseite Europa's mit analogen Temj^eratur- verhältnissen wurde das so hafenreiche Ostgestade Nordamerika's von Anfang an ganz vorzüglich am emi)fänglichsten ausgerüstet für die Aufnahme einer europäischen Civilisation . . . Nordamerika w'ar durch seine maritime Lage zur nothwendigen, wiederholten Schifferentdeckung von Europa (nicht von Asien) aus bestimmt ^) " Die grossen Elemente der Gliederung sind wie gesagt an der Küste der Ver. St. nur in geringer Zahl vertreten. Als scharf, abgesonderte Glieder treten von Halbinseln nur Delaware (15,950 □Kil.) und Florida (60,500 QKil.) an der atlantischen Küste und von Inseln nur Long Island (2420 | |Kil.) in einer Grösse hervor, die hinter der Masse des Festlandes, ihres Rumpfes, nicht verschwindet. Alle andern Halbinseln und Inseln sind entweder zu wenig scharf vom Festland abgesetzt oder von zu geringer räumlicher Ausdehnung, um selbständig hervorzutreten. Man kann zu einer grossen Gruppe die zahllosen kleineu Inseln an der Küste von Maine (Gran d ^I e n a n, Mt. D e s e r t u. a. ) zusammenfassen ; die südlich vom Ostvorsprung der Neuenglandküste bei C. Cod gelegenen

1) C. Ritter, lieber räumliche Anordnuugeu auf der Aussenseite des Erd- balls. 1850. 32.

I. Begrenzung und rmriss. 23

Nantucket, Marthas Vineyard, Peiiikese, Block, Fislier I. bilden eine andere natürliche Gruppe; Staten Island und Man- hattan in der New -York -Bai schliessen sich an Long Island an. Die Felseninseln hören damit auf. Indem die Flachküste jetzt vor- herrchend wird, begleiten Düneninseln, zerrissenen Nehrungen ent- stammend, die Südküste von Long Island, die New-Jersey und Dela- Avareküste und wiederholen sich von da an, indem sie auch stellen- weise noch zu zusammenhängenden Landstreifen, Nehrungen ver- bunden sind, bis zur Südspitze Florida's und über diese hinaus an der Golfküste. In dieser Region sind diejenigen Abschnitte der Küste, welche frei von vorgelagerten Inseln, Inselstrichen oder Landstreifen sind, seltener als die, an denen solche Gebilde sich finden. Es ist Flachküstencharakter. Aber an der Südspitze Florida's treten in den Keys ') die Werke riffbauender Korallen, deren Nordgrenze sich bis hierherauf erstreckt, mit diesen Schwemmgebilden in Verbindung und erzeugen besonders in der Kette der Florida Keys und Pine Keys zahlreiche kleine Inseln, die im Aufbau an ihren Korallen- ursprung, in der Anordnung aber an den Nehrungsboden erinnern, dem sie entsteigen. Die Tortugas sind ächte Koralleninseln. Die Golfküste hat entsprechend ihrem durchaus flachen Charakter zahlreiche Küsteninseln und noch ausgedehntere Nehrungen, als die Südhälfte der atlantischen Küste. Von den Inseln sind nennenswerth S. Vincent und S. Georges gegenüber der Appalachicolamündung, die Chandeleur-Inseln, Ile au Breton, Hörn, Grozier und Marsh -Ins ein an beiden Seiten des Mississippideltas. Die Küste des Stillen Meeres macht da, wo sie in das Gebiet der Ver- einigten Staaten fällt, keine Ausnahme von der Inselarmuth, die sie auszeichnet. Sie ist durchaus Steilküste, der nur an einigen Stellen Dünen- und Flachuferstrecken eingeschaltet sind. Ihre wenigen luseln sind demnach gebirgig und zwar fast durchaus vulkanisch. An der südcalifornischen Küste liegen die einen, am Nordrand der Oregon- küste die anderen, die Mitte ist inselleer. Jenes sind Sa. Cruz, Sa. Rosa, S. Miguel, Sa. Catalina, S. Nicolas, S. demente

1) Amerikanisirt tür das spanische „C«t/o", das Felseninsel, Riflf. Bank bedeutet.

24 I. Begrenzung und Umriss.

und einige Klippen. Dieses die bereits oben erwähnte Gruppe der Haro-Inseln in der Strasse San Juan de Fuca und südlich von ihr im Adrairalty Inlet gelegene Fjordinseln.

Vorgebirge und Buchten, indem sie vorwiegend die leichteren Aussprünge und Einschnitte bezeichnen, sind am meisten geeignet, die kleineren, jaraktisch aber darum nicht weniger wichtigen Gliederungen eines Landes auszudrücken. Es entspricht dem oben angedeuteten Detailcharakter der Küsten-Gliederung der Vereinigten Staaten, wenn eine grosse Anzahl von Buchten und bedeutenderen Landvorsprüngen an derselben unterschieden werden und wenn in Folge dieser mannigfaltigen Einzelgliederung diese Küste zu den hafenreichsten gehört.

Die bemerkenswertheren Vorgebirge sind:

An der atlantischen Küste:

C. Ann 42« 38' N. B.,

C. Cod 42 0 2',

C. Henlopen 38° 47',

C. May 38« 37',

C. Charles 37« 12',

C. Henay 36« 56',

C. Hatteras 35« 14',

C. Lookout 34« 25',

C. Flor 33« 50',

C. Canaveral 28« 16',

C. Florida 25« 41',

C. Sable 24« 58'.

An der Golfküste: C. S. Blas 29« 36'.

An der pacifischen Küste : C. Arguello 34« 25', C. Mendocino 40« 25', C. Orford 42« 51', C. Disappointment 46« 20', C. Flattery 48« 26'.

I. Begrenzung und Umriss. 25

Die hauptsächlichsten Buchten sind:

An der atlantischen Küste: Penobscot-Bai (Maine), Massachusetts-B., C. Cod-B., Buzzard-B., Long Island-Sund (New-York), Delaware-B. (New-Jersey und Delaware), Chesapeake-B. (Maryland und Virginia), Albemarle-Sund,

Massachusetts,

_ ,. ^ , , Nordcarolina,

ramlico-ound,

An der Golfküste

Tampa-B.

Appalachee-B. > Florida,

Pensacola-B.

Mobile-B. (Alabama),

Atchafalaya-B. (Louisiana),

Galveston-B.,

T.T , T -r. f Texas, Matagorda-B. J

An der pacifischen Küste:

San Diego-B.,

Monterey-B.,

San Francisco-B.,

Trinidad-B.,

Californien,

Gray's Harbour (Oregon), Puget-Sund (Washington Territory).

Einige von diesen Buchten, wie Pennobscot-Bay, Long Island Sund, Delaware-Bai, Galveston-Bai sind gleichzeitig die Mündungen bedeutenderer Flüsse. Von buchtenartig einschneidenden F 1 u s s - mün düngen sind ihnen anzureihen die Mündungen folgender Flüsse: Kennebec, Potomac, James, Neuse, Capefear, Pedee, Cooper, Savannah, St. John, Pease-Creek, Chocktawhatschee, Escambio, Pearl, S. Antonio und Guadalupe, Nueces, Colorado, Columbia.

Unabhängig von diesen gliedernden Ein- und Aussprüngen verlaufen die Linien, die den Umriss des Landes im

26 I. Begrenzung und Umrias.

Grossen bestimmen. Auch sie sind nicht ohne Bedeutung für den allgemeinen Naturcharakter und für die Culturstellung des Landes. Hier ist zunächst das eigeuthümlich stufenförmige Zurück- fallen der atlantischen Küste nach Südwesten hin hervorzuheben. Die ganze Ostküste von Nordamerika nimmt an demselben Theil. Nehmen wir Grönland, das fast unbewohnte, aus, so ist Cap Race auf Neufundland der Europa am nächsten gelegene Punkt Amerikas und wii- sehen von hier die Küstenlinie gleichsam in drei grossen Stufen südwestwärts zurückfallen, Stufen, die durch Cap Breton in Neuschottland, Cap Cod an der neuengländischen Küste, Cap Hatteras an der von Nord-Carolina bezeichnet sind; südlich von Cap Hatteras schneidet das Meer in flachem Bogen in das Land ein, aber Florida, die Halbinsel, mit der es sich wieder gegen Osten ausbiegt, bleibt weit hinter der nördlichen Küste zurück.

Diese Anordnung wirkt in klimatischer Beziehung mildernd auf das Küstenklima, indem sie so ausgedehnte Strecken der Küste den Südwinden darbietet. Sie ist aber besonders wichtig für den Verkehr mit Europa und es wird z. B. leicht begreiflich, wenn man dieselbe betrachtet, wie alle unmittelbar von Europa ausgehenden Versuche zur Entdeckung Nordamerika's den Continent immer zuerst bei jenen nördlichen Vorsprüngen, vor Allem bei Neufundland, Labrador, Neuschottland, auffanden, zumal der Weg von Europa nach Amerika, welcher etwas über die direkte Verbindungslinie nach Norden hin- ausgeht, auch aus Gründen der Wind- und Strömungsverhältnisse sicherer und kürzer ist als jene Linie.

Die scharfe Scheidung der ostatlantischen von der südatlan- tischen oder Golfküste, welche beide fast rechtwinklig aufeinander treffen und dazu noch durch die gerad am Winkel des Zusammen- trefl"ens vorspringende Halbinsel Florida auseinander gehalten smd, ist ein weiterer bedeutsamer Zug in den allgemeinen Umi-iss- und Lageverhältuissen. Diese scharfe Ecke bei Florida wird eine That- sache von tellurischer Bedeutung durch die Wirkung, die sie auf den Warmwasserstrom des mexikanischen Meerbusens ausübt, der erst durch die Zusammendrängung, die er in der Floridastrasse erleidet, zu dem Fluss im Meere wird, als welcher er erscheint, nachdem er diese Ecke passü't hat. Dass jenseits derselben die

I. Begrenzung und Umriss. 27

atlantische Küste so entscliiedeii gpgen Süden gekehrt ist, erscheint gleiclifalls als Ursache weitreichender klimatischer Wirkungen. Der Sommermonsiin , der dem ganzen Süden der Ver. St. seinen eigen- thümlichen Klimacharakter aufprägt, die tief ins Innere dringenden Südwinde, das Mass von Feuchtigkeit, welches von hier nach Norden getragen wird, sind hervorragende Thatsachen, welche mitbedingt sind durch die Richtung der nordamerikanischen Golfküste. Nicht ebenso viel Wichtigkeit ist wohl der eigenthümlich regelmässigen Auswölbung zuzuschreiben, durch welche die Küstenlinie der Ver. St. am Stillen Meere ausgezeichnet ist; aber es scheint zweifellos, dass das Klima Californien's mitbestimmt wird durch das Zurück- treten seiner Küste von der Berührung mit dem kalten Strom, der von Norden an der Küste herabkouimt und die Gegend von San Francisco noch eben anläuft. Auch ist es für die Metropole dieses Gebietes, San Francisco, nicht ohne Wichtigkeit, dass es durch seine Lage so nahe dem Scheitel dieser Vorwölbung um volle 6 Längen- grade weiter in das Meer hinausgerückt ist als die südcalifornischen Plätze auf der einen und die am Puget-Sund und in Nord-Oregon gelegenen auf der anderen Seite.

II. Geologisclier Bau.

Anhang: Geologische Entwickeluug des Contiuentes.

Der geologische Bau des Bodens der Vereinigten Staaten ist seinen allgemeinsten Zügen nach aus unserem geo- logischen Kärtchen zu erkennen, das nach der dritten Ausgabe der Hitchcock-Blake'schen Karte verkleinert ist. (Tafel I). Schon ein vergleichender üeberblick über die Flächenausbreitung der geo- logischen Formationen oder Formationencomplexe , welche durch verschiedene Farben von einander getrennt sind, zeigt einige That- sachen von allgemeinem Werthe, die man als charakteristisch bezeichnen kann für die Geologie des Gebietes, das wir hier betrachten. Die auffallend starke Entwickelung der Formationen, die man als die paläozoischen oder j)aläolithischen zusammenzufassen pflegt (silurische, devonische und Kohlenformation) bestimmt wesentlich den geologischen Bau der östlichen Hälfte der Vereinigten Staaten. Eine so zusammen- hängende Masse paläozoischer Schichten ist uns auf europäischem Boden nicht bekannt. In zweiter Reihe steht hinsichtlich der Flächenausbreitung die Tertiärformation, in dritter das, was die amerikanischen Geologen als Eozoic zusammenfassen und was nach der bei uns gebräuchlichen Benennungsweise als die Azoische oder Urgesteins-Formation zu bezeichnen ist, in vierter die Kreide. Am wenigsten verbreitet sind die triassischen und jurassischen Schichten, die Alluvialgebilde und die vulkanischen Gesteine. Der Leser versuche auf einer geologischen Karte von Europa ein Gebiet von annähernd gleicher Ausdehnung in Parallele zu setzen mit dem hier nieder- gelegten und er wdrd den grossen Unterschied auf den ersten Blick erkennen. Hier in Amerika eine vorwiegend massige, zusammen- hängende, dort in Europa im scharfen Gegensatz eine ebenso aus-

CEaiOCISCKE KARTE DER VEREIMtGTIN STAATEN.

II. Geologischer Bau. 29

geprägt zersplitterte und durcheinander geschobene Lagerung der Formationen. Aber allerdings ist dies nur derselbe Unterschied, den die Vergleichuug der Umrisslinien und den nicht minder auch die Vergleichuug der Oberflächengestalt hervortreten lässt. Wie Nordamerika geologisch massig, compakt gebaut ist, so sind auch seine Umrisse viel weniger mannigfaltig, viel ungegliederter und seine Oberflächenverhältnisse viel einfacher als die irgend eines gleich grossen Theiles von Europa. OÖenbar haben wir in dieser dreifachen Uebereinstimmung Ursachen und Wirkungen vor uns: Die Ursachen in den geologischen Verhältnissen und deren Wirkungen in den Umrissformen und in der Oberflächengestalt. In geogra- phischer Beziehung sind es aber ohne Zweifel die gegenseitigen Lagerungsverhältnisse der Schichten, welche uns den geologischen Bau des Landes am interessantesten erscheinen lassen. Hier werden die Beziehungen zwischen geologischem Aufbau, Bodengestalt und Umriss greifbar und in der Aneinanderreihung der aufeinander folgenden Formationen tritt uns die Bildungsgeschichte Nordamerikas, d. h. das allmähliche Hervor- und Zusammenwachsen des Continentes aus dem Meere mit einer Deutlichkeit entgegen, die oft überraschend ist und eben auch wieder eine Folge der grossartigen Einfachheit ist, welche man als den Grundzug im geologischen Bau des ganzen nordamerikanischen Festlandes bezeichnen kann.

Die ältesten Formationen, die der Urgesteine, nehmen drei Zonen zusammenhängenden Vorkommens ein, ausserhalb deren sie nur ganz zerstreut gefunden werden. Dem Ost- und Westrand des Landes ziehen sie in grossen Massen entlang und von Norden ragen sie über die Grenze vom atlantischen Meer bis in die Region der Mississippiquellen herein, während sie im Süden ganz fehlen und im Inneren nur in kleineren inselartigen Massen vorkommen. Der östliche oder atlantische Zug der Urgesteine ist am breitesten entwickelt an seinem nördlichen und südlichen Ende und ist am schmälsten, ja fast unterbrochen in der Gegend von New- York. Wir werden sehen, dass ähnliche Verhältnisse beim AUeghanygebirg beobachtet werden, dessen breiteste Entwickelung an das Nord- und Südende, in die Abschnitte des Acadischen Gebirges und der Blue Itidge fallen und dessen Zusammenhane; durch die breite Einsenkung,

30 n. Geologischer Bau.

in wolcher Hudson und Mohawk fliessen, gerade bei New- York fast gänzlich unterbrochen ist. Es fällt in der That diese Urgesteinszone des Ostens nicht bloss zusammen mit dem Gebirge der Alleghanies, sondern ..sie bildet die Gebirgsregion der östlichen Staaten" (C. H. Hitchcock). Auch da, wo die Urgesteinsregion von Norden her über die Grenze hereinragt, sehen wir sie zusammenfallen mit den Landholicn. welche die Wasserscheide bilden zwischen St. Lorenz- strom, Mississip])! und Saskatschawan. Der Hauteur de Terres und dem Coteau des Prairies liegen Urgesteinsformationen zu Grunde und dieselben bilden zusammen mit dem Urgesteinszug des Alle- ghanysystems gleichsam den erhöhten Rand des weiten Flachlandes, das von der östlichen Hälfte des Mississippi-Stromsystems, d. h. von Flüssen bewässert wird, die vorzüglich von diesem Rande nach Süden und Westen zusammenströmen. Nach einem weiten Zwischen- räume, der mit Sedimentärschichten ausgefüllt und nur durch die Granitinseln der Black Hills im Norden und die neumexikanischen Berge im Süden unterbrochen ist, stossen wir, nach Westen gehend, auf eine dritte Urgesteinszone, deren Zusammenhang mit den Gebirgs- massen, die das westliche Dritttheil Nordamerikas bedecken, sofort in die Augen springt. Es sind vorwiegend Granite und Gneisse, die über- all als der Kern oder als das Gerüste der Cordilleren hervortreten und ganz besonders da nicht fehlen, wo diese Gebirge sich zu wirklichen Hochgebirgsgipfeln erheben. Zwei Hauptzüge treten besonders hervor : Einer am östlichen, der andere am westlichen Rand, jener entspricht dem Felsengebirge und seinen südlichen Ausläufern, dieser der californischen Sierra Nevada und dem Cascadengebirge, in das jene sich nach Norden hin fortsetzt. Zwischen beiden liegt ein wahrer Archipel von Gneiss- und Granitinseln, die aus der Decke von Tertiärschichten hervorstechen, welche den Grund des ,. Grossen Beckens'-'' bedecken. Sie entsprechen Hiihenzügen, welche das Innere dieser gebirgsumschlossenen Hochebene in allen Richtungen und oft netzartig durchsetzen.

Wenn man sieht, wie in den Rahmen dieser drei grossen Ur- gesteinszonen die Schichten der Sedimentärformationen wie in ein hochrandiges Becken eingelagert sind, kann man nicht umhin zu erkennen, dass auch aus geologischem Gesichtspunkt jene Ansicht

II. Geologischer Bau. 31

nicht unberechtigt erscheint, welche das ganze Gebiet der Ver. St. einem grossen nach Süden geöffnetem Thale vergleicht, dessen einen Hand das Alleghanysystem, den anderen die Cordilleren bilden nnd dessen Abschluss im Norden durch die Landhöhen gegeben ist, welche dort die grosse Wasserscheide bilden. Nur muss man an ein me er erfülltes Thal dabei denken. In der That ist es be- merkenswerth, wie alle bedeutenderen Flüsse dieses grossen Gebietes ohne Ausnahme ilire Quellen und ihren Oberlauf in den drei Ur- gesteinszonen haben, und wie die meisten von ihnen dem Gebiete der Sedimentärformationen zuströmen, um sich dort zu dem grossen Stromgebiete des Mississippi zu vereinigen, welches das Grosse Thal der inneren Ver. St. erfüllt.

Die massige Entwickelung der paläozoischen Formationen tritt uns weiter entgegen, wenn wir unseren Blick auf die Ver- breitung der Sedimentärformationen richten. Im Osten sind auf der Karte Silur- und Devonformation, im Westen mit beiden noch die Kohlenformation vereinigt, welche man daselbst noch nicht von den übrigen paläozoischen Formationen zu trennen vermochte. Die Dj9iS, soweit sie entwickelt ist, findet ihren Platz bei der Kohlen- formation, von der die amerikanischen Geologen sie bis jetzt nicht scharf getrennt haben. Wir sehen also auf der Karte die paläo- zoischen Schichten im Osten durch zwei, im Westen durch eine Farbe dargestellt. Wie sie als grosse Beckenausfüllung den ganzen Winkel einnehmen, den die canadische Seenplatte mit dem Alle- ghanys bildet, wurde hervorgehoben. In drei Hauptmassen und einigen zerstreuten Fetzen ist im Osten die Kohlenformation mitten in die devonischen und silurischen Schichten eingebettet, aber die produldive KoJdenformation ist vorzüglich in den zwei östlichen Ein- lagerungen zu finden, von denen die eine sich dem Westrand der Alle- ghanies entlang, die andere zwischen Michigansee und Ohio erstreckt. Im Westen finden sich die paläozoischen Schichten vorzüglich ver- treten durch den unteren Theil der Kohlenformation (Carboniferous Limestone, Bergkalk), aber man hat bei Santa Fe und weiter süd- lich im Thal des Rio Grande auch die produktive Kohlenformation mit nicht unerheblichen Flötzen aufgeschlossen. Im Allgemeinen sind die paläozoisclien Schichten am stärksten vertreten am Ostrand

32 n. Geologischer Bau.

der Urgesteinszorie, und im Inneren des Grossen Beckens, wo sie stellenweis massig auftreten, aber sie sind sehr gering entwickelt in der westlichen Hälfte des Gebirges und fehlen ganz im Cascaden- gebirge. ' Sie sind stellenweis so stark gehoben, dass sie (z. B. in den Bergen um den Grossen Salzsee) Gipfel von 4000 m. bilden, aber wo sie am verbreitetsten auftreten, nämlich am mittleren Colorado in Arizona, sind sie fast ungestört und bilden dort zusammen mit einigen jüngeren und älteren Schichten die sogenannten Colo- radopläteaus, in welche der Colorado und seine Zuflüsse die Ab- gründe ihrer Caiions eingegraben haben.

Voii den Schichten, die man als mesozoische oder sekun- däre bezeichnet, sind die drei verschiedenen Hauptgruppen in sehr verschiedener Ausdehnung vertreten. Die triassischen und jurassischen nehmen nur an drei Punkten nennenswerthe Räume ein, nämlich im Südwesten (Nordtexas, Indianerterritorium, Südkansas), am Ost- rand der Felsengebirge und in der nördlichen Hälfte der AUeghanys. In geringerem Masse treten jurassische und wahrscheinlich auch triassische Schichten am Westabhang der Sierra Nevada hervor, wo sie in hohem Grade metamorphosirt und zu den Hauptträgern der Metallführung dieser berühmten Gold- und Kupferregionen geworden sind. In den AUeghanys sind es vorwiegend Sandsteine, im Südwesten gypsreiche rothe Schiefer, Mergel und Sandsteine, am Ostabhang der Felsengebirge Sandsteine und Mergel, durch welche sie ver- treten sind.

Ungleich grossartiger ist die jüngste der sekundären Schichten- gruppen, die Kreide entwickelt. Der räumlichen Ausdehnung nach betrachtet, bedeckt sie nächst der Tertiärformation die weitesten Gebiete. Fast überall tritt sie mit dieser gemeinsam auf und zwar an ihrem inneren Rande, wie es in der Natur der Sache liegt. Sie trennt dadurch fast überall die Tertiärgebilde von den älteren Formationen. Am wenigsten massig ist sie im Osten entwickelt, wo sie am Ostrand der Alleghanies von Long Island bis Wasliington in einem schmalen Streifen zwischen Urgebirg und Tertiär einge- schaltet ist. Zahlreiche kleinere, inselartig aus den Tertiärschichten hervorragende Kreidebildungen stellen eine lockere Verbindung her zwischen diesem Kreidestreifen und einem zweiten mächtigeren Complex

II. Geologischer Bau. 33

derselben Formation, welcher um den Süd- und Südwestrand der Alleghanies sich hreit herumbiegt und vom oberen Appalachicola bis zur Ohiomündung den Uebergang aus den alten Formationen des Ostens 7a\ dem grossen Tertiärbecken des Untaren Mississippi bildet. Alle anderen liemerkensAverthen Kreidebildungen gehören dem Westen an und zerfallen in zwei grössere Massen, welche ge- sondert sind durch die grossen Gebirge des Westens. Oestlich von dieser Gebirgsschranke sehen wir die Kreide in mehreren breiten zusammenhängenden Bändern von Süd bis Nord das ganze Gebiet der Union durchziehen. Tertiärbildungen und gehobene Urgesteins- massen sind zwischen sie eingeschaltet, ohne ihren Zusammen- hang zu zerstören. Sie ist in besonders breiten Massen im südwest- lichen Texas und in Neumexiko entwickelt, dann im Plateaugebiet des oberen Colorado, im unteren Missouri- und oberen Red-Pdver- gebiet, und endlich im Gebiet der oberen Zuflüsse des Missouri (Territ. Montana). Zusammen mit den Tertiärbildungen füllt über- haupt die Kreide fast das ganze Becken aus, das zwischen Cordilleren und Mississippi sich durch .die Mitte der Union vom Golf von Mexiko bis zu den canadischen Seen erstreckt. In ähnlicher Lagerungsweise kehrt dann auch am Westrand des Continentes zwischen den Cor- dilleren und dem Stillen Meer die Kreide wieder, wo sie in Cali- fornien den grössten Antheil an der Bildung des Küstengebirges nimmt, das mit der Sierra Nevada zusammen ein altes Tertiärbecken einschliesst und wo sie am Puget-Sund in Verbindung mit Tertiär- schichten in einer starken Entwickelung auftritt, welche gegen Norden, gegen Britisch Columbia und Yancouvers- Island hin noch zunimmt.

Die Ter tiärformation findet ihre mächtigste zusammen- hängende Entwickelung in der Osthälfte des Continentes, wo sie nach aussen von den älteren Formationen in einem Gürtel von wechselnder aber zum Theil mächtiger Breite abgelagert ist, der vom Cap Cod in Massachusetts ziemlicli gleichlaufend der Küsten- linie sich um den ganzen älteren Kern des Continentes bis zur Rio Grande-Mündung zieht. Tief in das Innere des Landes dringt dieser Tertiärgürtel im Mississippithal ein, wo er bis zur Ohio-Mündung hinaufreicht. Eine zweite Gruppe von Tertiärljildungen , welche

K a t z e 1 , Amftrika. I. ;\

34 II. Geologischer Bau.

gleichfalls grosse Strecken Landes hedeckt, ist die bereits erwähnte im oberen und mittleren Missourigebiet, welche rings von Kreide umschlossen die ganze Mitte der Plains einnimmt. Die Bergoase der Black Hills macht einen tiefen Einschnitt von Osten her in dieselbe, ohne indessen ihren Zusammenhang aufzuheben. Nach Westen hin steht sie gleich der Kreide mit einer weiteren, eben- falls sehr ausgedehnten Tertiärformatiou in Verbindung, welche aber nicht wie sie zusammenliängend, sondern von einem wahren Schwärme von inselartig hervorragenden Massen von Urgesteinen und Gesteinen paläozoischer Formation durchbrochen ist. Es ist die Tertiärformation, die einen grossen Theil der Hochebenen bedeckt, welche zwischen Felsengebirg und Sierra Nevada die Region der grossen inneren Becken bilden. Ihre vielfache Durchbrochenheit und Zerstücktheit, welche in Utah . Nevada , Arizona , Wyoming einen der charakte- ristischsten Züge in die geologische Karte von Nordamerika zeichnet, ist keine alleinstehende Thatsache, sondern wird ergänzt durch die sehr starke Abweichung, welche der geologische und paläontologische Charakter dieser Tertiärbildungeu im Vergleich mit den östlicher und westlicher gelegenen aufweist. Im Tertiär des Ostens und meist auch der Plains haben wir ausgeprägte Meeresablagerungen, während wir hier vor Brack- und Süsswasserbildungen stehen, die unzweifelhaft in seichten, stark zurückweichenden Meeresarmen und Seen sich ab- setzten. Eine weitere grosse Tertiärablagerung, deren ursprünglichen Zusammenhang die spätere theilweise Bedeckung mit vulkanischen Auswurfsgesteinen nicht verhüllen kann, füllt von Südcalifornien bis zum Puget-Sund den Zwischenraum aus, den Sierra Nevada und Cascadengebh'ge einer- und das Küstengebirge andererseits zwischen sich lassen.

Die Alluvialbildungeji sind auf der Karte nur im Osten scharf gesondert, avo sie überall nach aussen von der Tertiär- formation liegen. Die Bildung einer Halbinsel wie Florida durch Anhäufung moderner Schwemmgebilde ist der hervorragendste Zug im Gebiet des nordamerikanischen Alluvium. Es ist überhaupt eine der bemerkenswerthesten Thatsachen der vergleichenden Geologie und Geographie und wird als solche weiter zu besprechen sein. Die bedeutende Ausdehnung des Alluvialgebietes im Mississippithal,

II. Geologischer Bau. 35

sowohl nach Breite als Länge, ist eine weitere Thatsache, die Beach- tung verdient. Im Westen umgeben grossere und kleinere Alluvial- gehiete jeden Binnensee und Salzsumpf als die Produkte des allmäh- lichen Zurücktretens der stehenden Gewässer in dieser Begion. Sie sind wegen mangelnder Erforschung auf der Karte nur in Avenigen Fällen vom Tertiär getrennt, in das sie allerdings oft ganz un- merklich übergehen.

Vulkanische Gesteine shid auf denjenigen Theil des Gebietes der Vereinigten Staaten beschränkt, welcher westlich von 103" W. L. gelegen ist. Oestlich von hier felilen alle Spuren vulkanischer Thätigkeit wir zählen natürlich nicht alle Erd- beben zu denselben , nach Westen zu werden sie immer häufiger, bis wir in der Sierra Nevada und dem Cascadengebirge die grosse Vulkanregion der Vereinigten Staaten betreten, deren Mächtigkeit die innere und ursprüngliche Aehnlichkeit der süd- und nordamerikanischen Cordilleren klar vor Augen bringt. Mächtige Vulkane, die von ausgedehnten Lavabetten, alten Gesteinsströmen umgeben werden, bilden einen der auszeichnenden und hervortretenden Züge in der Geologie des fernen Westens. 'Im Thal des Columbia- und Snake-B. ist ein Lavafeld 5 Längen- u)id 3 Breitengrade weit zu verfolgen. Ein grosser Theil des Cascadengebirges besteht aus übereinander gelagerten Lavabetten, die am Durchl)ruch des Colum- bia-R. über 1000 m. mächtig auf horizontalen mittel- und spättertiären Schichten ruhen. Grosse Lavabetten und erloschene Vulkane sind auch auf der Hochebene zwischen Felsengebirg und Sierra nicht selten. Das berühmte Geysergebiet am Olleren Yellowstone, sowie zahlreiche andere heisse Quellen sind Zeugen der einst so mächtigen und noch nicht ganz erloschenen vulkanischen Thätigkeit in diesem Gebiete.

Die geologische Entwickelung Nordamerika's '). Die Zustände, welche in den verschiedenen geologischen Zeiträumen derjenige Theil der

1) Es scheint, dass die geologischen Ereignisse auf der ganzen nördlichen Hemisphäre im Allgemeinen sich in Gang und Aufeinanderfolge niemals weit von dem Plane entfernton, den man für die Verhältnisse unseres kleinen euroiiäischen Erdtheils nach dem Studium der Thatsachen hat feststellen können. Aber darum ist jene unveränderte T^ebertragung des europäischen geologischen Formations- gerüstes mit allen seinen Tinter- und Unterunterahtheilungen und seinen will-

3*

36 II. Geologischer Bau.

Erde durclilicf, der lieute das Gebiet der Vereinigten Staaten darstellt, sind zu sehr abhängig von der allgemeinen geologischen Greschichte Nord- amerika's, als dass wir sie abgelöst von derselben betrachten könnten. Um so weniger ist diess möglich, als unsere Kenntnisse des geologischen Baues der Vereinigten Staaten noch zu wenig ins Einzelne gehen ; die all- gemeinen Grundzüge aber, die wir von demselben kennen, sind meisten- theils gleichzeitig die Grundzüge der Geologie von Nordamerika.

Den grössten Theil von Nordamerika bedecken geschichtete versteine- rungführende Gesteine der paläo - , meso- und känozoischen Formationen. Auf verhältnissmässig nicht sehr ausgedehnten Strecken fehlen dieselben unter Umständen welche den Schluss erlauben, dass liier von jeher nicht die Bedingungen zur Ablagerung solcher Formationen gegeben waren, d. h. dass hier niemals eines der Meere stand, die zu verschiedenen Zeiten verschiedene Theile von Nordamerika bedeckten und ihre Niederschläge über dieselben ausbreiteten. Diese Strecken azoischer Gesteine, um welche wie um einen Krystallisationskern die jüngeren Formationen sich anlagerten, bilden in den nördlichen Theilen von Nordamerika eine weite Zone, die vom atlantischen zum stillen Meere in einem grossen Bogen zieht, der nur mit seinem äusseren Scheitel in das Gebiet der Vereinigten Staaten hineinragt. Die östliche und südliche Hälfte der Halbinsel Labrador, Canada nördlich vom St. Lorenz und den Grossen Seen und das Hudsonsbai-Gebiet zwischen der Seenkette und den jüngeren Formationen längs der Hudsonsbai fallen in diesen Niicleus des ameri-

kürlichen und lokalen Benennungen, wie sie die älteren amerikanischen Geologen versuchten, noch nicht nothwendig und nicht einmal nützlich. Sehr wahr sagte Dana schon 1855 : „Jeder Continent hat seine eigenen Perioden und Epochen und die Geologen New -Yorks und der anderen Staaten waren weise genug, diese Thatsache anzuerkennen und au europäischen Unterabtheilungen vorüberzugehen. Für Kreide und Tertiär ist dieses Prinzip ebenso wahr wie für Silur oder Devon. Cromwell's Diktatur machte Epoche in der englischen, nicht aber in der chine- sischen Geschichte. Wir müssen die Reste der Vorzeit genauer kennen, ehe wir sagen, dass irgend ein Naturereigniss in Amerika gleichzeitig gewesen sei mit einem ähnlichen in Europa. Die Einheit der geologischen Geschichte liegt im Fortschritt des Lebens und in den grossen j)hy&ikalischen Ursachen der Ver- änderungen, nicht aber in der Aufeinanderfolge der Schichten" (J. D. Dana, Adress on American Geological History, Am. J. S. 1856. II. 307). Diese Worte kann mau immer unterschreiben und vor allem den letzten Satz. Selbst ein Ueber- mass in der Bildung neuer Schieliten, Gruppen und Namen, das unser Gedächt- niss allzusehr zu belasten droht, ist Wünschenswerther als die Sucht, überall Europa wiederzufinden. Jene lässt immerhin die Thatsachen gelten wie sie sind, diese thut ilinen Unrecht. Auch in der vergleichenden Zusammenstellung nordamerikanischer und europäischer Formationen (Tabellenanhaug, Tab. I) möchten wir daher nur eine lockere, verdeutlichende, nicht eine zwingende Parallelisirung gegeben haben.

II. Geologischer Bau. 37

kanischen Continentcs, wie ihn Dana nennt. Inselartige vereinzelte Stücke azoischen Gebietes liegen im nördlichen New- York, südlich vom Lake Superior, in den Ozark Mountains, den Black Hills u. a. 0. Es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass Streifen azoischen Fedlandes an der Stelle der heutigen Bergketten der Alleghanies und der Sierra schon über die Silurnieere hervorragten, aber wir kennen noch nicht genügend die Geologie dieser beiden grossen Gebirge, um diess mit Sicher- heit behaupten zu können.

An diesen Kern legten sich im Süden die Niederschläge aus den Meeren der älteren Silur zeit in Schichten an, deren vorwiegend horizontale Lagerung eine Zeit der Ruhe für diesen Erdtheil andeutet. Die drei Gruppen, in welche die amerikanischen Geologen diese unteren silurischen Schichten eintheilen, entsprechen langsamen Niveauänderungen. Die unterste, die Potsdamgruppe (welche der europäischen Primordial- formation entsiiricht) ist offenbar in einem seichten, von Sandbänken durch- zogenen und unterbrochenen Meere abgelagert, das allmählich zu einem tieferen Meere wurde, in Avelchem die darauf folgende Tren ton gruppe mit Kalksteinchichten von continentaler Erstreckung und die Hudson- gruppe mit abwechselnden Schiefern und Kalksteinen sich bildeten. Trappausbrüche fanden während der Ablagerung der Potsdamgruppe in dem Gebiet südlich vom Oberen See statt. Die Hebungen und Senkungen und die verschiedenen Ablagerungen dieser Zeit waren nicht lokal wie etwa die der Tertiärzeit, sondern von grossartiger Ausdehnung. Die Masse des Continentes wurde in diesen und den folgenden paläozoischen Zeiträumen gebildet. Eigentliche Oceane in unserem Sinn, tiefe, in weiter Ausdehnung ununterbrochene Meere gab es wohl nicht, aber ebensowenig wüssten wir von unzweifelhaften Süsswasserbildungcn zu berichten. Auch im Oberen Silur (Niagara-, Salina- und Heldcr- berg-Gruppe) dauert dieser Zustand einer vorwiegend seichten, häutig wechselnden Meeresbedeckung und der Mangel der Süsswasserbildungcn fort. Man will Landpflanzen in Formationen dieses Zeitraumes gefunden haben, aber ihr w^ahrer Charakter ist noch zweifelhaft. Im Allgemeinen waren die Xiveauänderungen in der ganzen Silurzeit grösser und zahl- reicher am Ostrand des Silurbeckens, an den Alleghanies, als im Innern. Wir finden dort mächtigere Ablagerungen, in denen häufiger Wechsel von Sandstein und Schiefer die Kalksteine unterbricht, während im Innei-n, im Westen minder mächtige, aber einförmigere und viel weiter ausgebreitete Ablagerungen vorwiegend kalkiger Natur die Silurformatton charakterisiren.

Dem Kern des Continentes wuchs in der D e v o n z e i t ein grosses Stück Festland im Süden und kleinere Stücke an allen anderen Seiten zu. Die Alleghanies und die Sierra waren zunächst nur durch landarme Insel- reilien und Riffe vertreten. Landpflanzen traten um die Zeit der mittleren

451058

38 II- Geologischer Bau.

Dcvüiibilduiigcn zuerst in grösseren Massen auf. In derselben Zeit er- scheinen die ersten Wirbelthierreste, also bedeutend später als in Europa. Man theilt die Devonformation in Nordamerika in fünf Gruppen, welche die Namen Oriskany-, Corniferous-, Hamilton-, Chemung-und Catskillgruppe tragen und deren Gesteine vorwiegend aus Sandsteinen und Schiefern bestehen.

Eine Periode ausgedehnter Kalksteinbildungen zeigt gegen das Ende der paläozoischen Zeit eine Senkung der bisher so vorwiegend seichten Meeres- böden an; es ist die Zeit der Berg- oder Kohlenkalkbildung, welche von den amerikanischen Geologen als Subcarboniferous Period be- zeichnet wird. Die darauf folgende Zeit der eigentlichen Steinkohlen- formation ist dagegen wieder eine Zeit der Hebung, welche mit der Ablagerung von Conglomeraten (Millstone grit) und Sandsteinen, jene vor- wiegend im Osten, diese im Westen und Süden begann. Wo heute Kohlen- Hötze aufgeschlossen werden, war damals Festland und dieses Festland er- streckte sich weithin als einförmige Ebene und Sumpf, wo die Steinkohlen- pÜanzen unter wesentlich gleichen Lebensbedingungen vegetirten. Während so im Osten neuerdings Land zuwuchs, bestand, nach Westen gedrängt, das subcarbonische Meer im Gebiet der heutigen Rocky Mts. fort und mochte in dieser Region mit dem Meere im Norden zusammenhängen. Im Westen allein ist es auch, dass Schichten abgelagert wurden, vor- wiegend Kallisteiue, welche nach Alter und organischen Einschlüssen unserer europäischen Dyas- oder P erm form ation entsprechen. Nord- amerika östlich des Mississippi war mit der Kohlenformation im Wesent- lichen fertig, es wuchs nur nach Süden und Südwesten in den folgenden Perioden noch erheblich weiter.

In den älteren Formationen der Sekundärperiode fehlen in Nordamerika die scharfen Unterscheidungen, welche wir in der Trias und dem Jura von Europa wahrnehmen. Beide Formationen scheinen in Nord- amerika eine zusammenhängende Reihe von Ablagerungen zu bilden und sind vorzüglich ausgezeichnet durch eine grosse Armutli an Fossilresten. Man schreibt diess dem Umstand zu, dass die älteren Sekundärformationen des inneren Nordamerika in einem Binnenmeere zur Ablagerung ge- langten, das keine oder nur geringe Verbindung mit dem Meere hatte, und ähnlich arm an organischem Leben war wie der heutige Grosse Salzsee. Vielleicht war dieses Meer ein Rest desjenigen, aus dem in den vorher- gehenden Perioden der Bergkalk sich abgesetzt hatte. In der Juraperiode scheint eine etwas tiefere Senkung dieses Binnenmeer mit dem Ocean ver- bunden und es mit neuen organischen Formen bereichert zu haben. In noch höherem Grade scheinen Senkungen in der Kreideperiode statt- gefunden zu haben, wo ein Meer aus dem heutigen Golf von Mexiko mindestens bis in das obere Missourigebiet und (nach Ablagerungen der

IT. Geologischer Bau.

39

Krcideformation im Mackcuzicgcbiet zu schliessen) sogar bis zum Eismeer reichte, so class das heutige Nordamerika sich damals aus zwei ungleich grossen Theilen, einem östlichen und einem westlichen zusammensetzte. (Fig. 1.) Mississippi und Ohio bestanden bereits, aber dieser dürfte der grössere von beiden gewesen sein, da sein Quellgebiet grösstentheils schon seine heutige Erhebung gewonnen hatte, während der Mississippi aus einem flachen, der Bildung grosser Ströme wahrscheinlich ungünstigeren Gebiete kam. Kleinere Strecken wuchsen ausser an den Rändern des nordamerika- nischen Kreide-Mittelmeeres in dieser Periode am pacifischen und atlantischen Rand und am Südende der AUeghanies dem Continente zu.

Fig. 1

Das Kreidcmt'pr Nordamerilcirs. (Nar-li Ilaiia.) Mo, Giebiet des Oberen Missouri.

In der Tertiärperiode fügte sich dem Continent im Osten und Süden ein grosser Theil des Niederungsgebietes der atlantischen Küste und des Mississippithaies an, ferner im Westen diejenige Landmasse, welche die zwei Hälften zusammenkittete, in die der Continent noch zur Kreidezeit zerfallen war. Gleichzeitig fällt in diese Zeit die wichtigste Gebirgserliebung . nämlich die der Ilochgebirgskette im Westen und des californischen Küstengebirges. Damit war das nordamerikanische Festland so ziemlich in der Ausdehnung fertig, wie wir es heute sehen. Die nordamerikanischen Tertiärgebilde bezeichnen im Allgemeinen den Ueber- gang von Meer zu Festland, der mit diesen Landhebungen verknüpft war

40 II- Geologischer Bau.

niid bestehen dcsshalb häufig aus Brackwasser- und Süsswasserbildungen. Die Hebung, weklic die atlantisch i Flachküste zwischen New- York und Florida in der Breite entstehen Hess, in der wir dieselbe heute sehen, fand im miocänen Abschnitt der Tertiärperiode, die der Halbinsel Florida wahrscheinlich im pliocänen und noch später statt. Durch die Hebungen im Westen fiel in diese Zeit auch der Anfang der Ausbildung der grossen nordwestamerikanischen Stromsysteme, besonders des Missouri und Colorado. In die posttertiäre Zeit fallen vorzüglich nur noch innere geolo- gische Veränderungen, deren letztes Ziel die Ausgleichung der Verschieden- heiten zu sein scheint, welche durch die Hebungen und Senkungen in den früheren Perioden entstanden sind. Mit Thal- und Seebildungen, Drift- und anderen Schuttablagerungen, Erosion und Herausbildung der Gebirgs- iormen, Torf- und Koralleubildung erfüllt sich die geologische Thätigkeit dieser Zeit. Vulkanische Eruptionen treten ihnen in beschränkten Gebieten zur Seite. Nur an der Südost- und Südküste fährt eine nicht unbedeutende Landhebung fort, dem Continent neue Gebiete anzufügen, während minder merkliche Schwankungen, vorwiegend Senkungen, welche an der nördlichen atlantischen Küste bis nach Labrador hinauf vorkommen sollen, möglicher Weise an der Verschiebung des Continentes in entgegengesetzter Richtung thätig sind*).

1) Ueher diese und auderc Veränderungen der Umrisse und Bodeugestalt siebe den betreffenden Abschnitt am Ende des nächsten Capitels.

HO HIN KARTE DER VEREIN IGTEN STAATEN,

III. Oberfläclieiigestaltimg'.

Ihre Grniulzüge. Der Thalcliarakter des südlicheu Nordamerika. Einwände gegen denselben. Drei Thäler statt eines. Vertheilung der Hoch- nnd Tiefländer. Mittlere Höhe. Die Allegbanies. Allgemeine Gliederung. Der atlantische Küstenstrich. Die Acadische Gebirgsgruppe. White und Green Mountains. Die Adirondacks. Die AUeghanies von Pennsylvanien. Blue Ridge. Die Südalleghanies. Der Westabfall. Das Gebirgsland des Westens. Die Cordilleren. Das Hochland und die Gebirgszüge. Das Felsengebirge. Die Sierra Nevada und das Cascadeugel)irge. Das californische Küsteugebirge. Das Thal von Californien. Die Hochebenen der Cordilleren. Das Grosse Becken des Inneren. Die Wahsatch- kette und andere Gebirge der inneren Hochebenen. Die Gebii'gszüge von Arizona und Neu-Mexiko. Texas. Die Hochebene im Norden. Allgemeiner Bau von Britisch - Nordamerika. Der Strich um den 49. Breitegrad. Die Seenplatte. Hauteur des terres. Die Coteaux. Drift. Das Flachland des Inneren. Allgemeine Gestaltung. Abfall von den AUeghanies und dem Felsengebirg. Bergzüge. Das Tiefland. Mississippibecken. Florida. Anhang I. Der Meeres- boden an den Küsten der Vereinigten Staaten. Anhang II. Jüngere Veränderungen der Oberflächengestalt.

Die Oberflächeiigestaltung des Gebietes der Ver- einigten Staaten ist bestimmt durch die zwei grossen Gebirgsketten, welche dasselbe dem Stillen und dem Atlantischen Meere entlang durchziehen, und durch die vorwiegend flache Beschaffenheit des weiten Landes, welcheszwischendiesengelegenist. Eine Senkung des nord- amerikanischen Continentes um 300 m. würde das Eismeer in der Linie der Grossen Seen in Verbindung setzen mit dem Golf von Mexiko und eine Senkung von nicht ganz 200 m. mehr Avürde das ganze Festland in zwei ungleiche, scharf voneinander geschiedene Hälften zerlegen. Den Kern der einen grösseren würden die Cordilleren bilden, den der kleineren die südlichen und mittleren AUeghanies, während der nördliche Theil des Alleghanysystems zu einigen kleinen

42 ni. Oberflächeiigestaltunpf.

Inselgruppen zusammenschwände. Die Scheidung würde eine noch viel entschiedenere sein, als sie zur Kreidezeit war, wo ein hreiter Meeresarni längs des Ostrandes der Cordilleren sich von NW. nach SO. zog (Fig. 1. S. 39); denn vieles Land im N. und NO., das unter 400 m. liegt, war schon zur Kreidezeit trocken.

Wenn man den Blick nur auf die grossen Züge richtet, so ist es demnach unmöglich, im Gehiet der Vereinigten Staaten mehr als drei grosse liegionen nach der Oberflächengestaltung zu unterscheiden: Die Gebirgsmasse der Cordilleren im Westen, das Kettengebirg der Alleghanies im Osten und zwischen beiden das Flach- und Hügelland, welches sie verbindet. Vereinzelte Hügelzüge, wie sie Arkansas und Missouri durchziehen, verschwinden bei ihrer geringen Ausdehnung vor der Masse des Flachlandes, aus dem sie sich erheben. Man kann sich eine einfachere und dabei doch wirksamere Gliederuncf einer so

w a ij c

Fig. 2. Ideales Profil quer durch die Vereinigten Staaten vom Atlantischen (E) zum Stillen Meere (W) gelegt, d Alleghanies. c Mississippithal, h Fel.sengehirg. a Sierra Nevada.

grossen Landmasse nicht denken. Es sind eigentlich die Elemente einer T h a 1 b i 1 d u n g , welche hier vereinigt sind : Das Flachland die Thalsohle, die Gebirge rechts und links die Umrandung. Und in der That beruht ein grosser Theil der Bedeutung, welche diese Gliederung für das Land hat, darin, dass die zwei grossen Gebirgs- züge dem zwischen ihnen gelegenen Flachlaiul gegenüber klimatisch und hydographisch eine ähnliche Rolle spielen, wie die umrandenden Gebirge gegenüber einer Thalsohle und nicht mit LTurecht hat man daher diese drei grossen orographischen Elemente des südlichen Nordamerika als die Wände und den Grund eines grossen Thal- beckens angesprochen. Der Mississippi, dessen weitverzweigtes Strom- system seine Quellen gleichzeitig in den Alleghanies und den Felsen- gebirgen hat, der Hauptstrom Nordamerika's. ist selbstverständlich der Strom, dem dieses grosse Thal angehört, der es bewässert und durchfliesst.

Derartigen allgemeinen Vergleichen sollte indessen immer nur eine anleitende und anregende Bedeutung zugewiesen werden und

III. übertläcbongestaltuiig. 43

nie sollten sie die Gruiulluge sachlicher Betiachtiingcn bilden, nie zu leitenden Gedanken erhoben weiden. Es sind doch immer nur Analogien und als solche mehr zur Findung, als zur Durch- bildung und Anwendung der Ideen tauglich. Der Vergleich Nord- amerika's mit einem grossen Thale, der im Mund der Historiker und der weitblickenden von oben her betrachtenden Geister vortreff- lich klingt, weil er den unabsehbar weiten Schauplatz einer jugend- lichen Culturentwickelung mit Einem Worte in die Sehweite unseres geistigen Auges rückt ^) , dieser Vergleich hat der rein geographi- schen Betrachtung eher geschadet, da er zu sehr in den Vordergrund geschoben, zu weit ausgesponnen wurde. Unversehens leitet eine solche angenehme Idee unsere Vorstellungen ii-re. Hinter dem Grossen Thal traten alle anderen Eigenthümlichkeiten der Ober- flächengestalt dieses so mannigfaltig gearteten Gebietes zurück. Das konnte man sich im Osten noch gefallen lassen, wo der Küstenstreif zwischen Alleghanies und Atlantischem Ocean schmal genug ist, um in das Ostgeliämje des Thaies zu verschwinden. Aber wie im Westen? Hier haben wir etwas mehr als eine Thaleinfassung vor uns. Dafür ist dieses Hochland, das ein volles Dritttheil des Gebietes der Vereinigten Staaten einnimmt, doch etwas zu ausge- dehnt. Es ist wahr, dass es nicht die glückliche Lage, die reiche Zukunft des Mississippibeckens hat, aber als orographische Erschei- nung steht es ebenbürtig neben ihm. Es umschliesst seinerseits oelbst ein Becken von grossen Dimensionen (Fremonts Grcat Basiu),

1) So z. ß. weim A. de Tocqueville sagt : „Dieses weite Gebiet bildet ein einziges Thal, dessen eine Wand sich von den runden Kuppen der Alleghanies herubsenkt. während die andere zu den Gipfeln der Felsengebirge liinansteigt. Jm Grund des Thaies Hiesst ein gewaltiger Strom , in welchen von allen Seiten die Flüsse münden, die von diesen Gebirgen herkommen . . . Das Thal, welches der Mississippi bewässert, ist wie für ihn allein geschaffen, er theilt hier wie ein Gott des Alterthums Gut und Uebel aus. In seiner Nähe entfaltet die Natur eine unerscliöpfliche Fruchtbarkeit, aber je mehr man sich von seinen Ufern entfernt, um so geringer wird die Kraft der Vegetation, der Boden wird arm und die wenigen Ptianzen haben ein schwächliches Wachsthum ... Im Ganzen ist das Mississippithal der grossartigste Wohnplatz, den Gott dem Menschen bereitet hat." Democratie en Amex'ique. I. 21. An vielen Stellen gebraucht Tocqueville den Ausdruck Thal in demselben einen halben Continent umfassen- den Sinn.

44 III. Oberflächengestaltung.

drei der grössteii Stromsysteme des Coiitiiients, Columbia, Colorado und Kio Grande entspringen, fliessen und münden in seinen Grenzen, in seinen beiden Hochgebirgen beherbergt es die höchsten bis jetzt gemessenen Gipfel Nordamerikas, überhaupt die einzigen wahren Hochgebirge unseres Gebietes und eine zusammenhängende Hoch- landmasse von gleicher Höhe und Ausdehnung findet sich überhaupt nur in Asien wieder. Es würde bei der Bedeutung, welche dem- nach ohne Zweifel diesem Avestlichen Hochlanddrittel zukommt, jedenfalls besser den thatsächlichen Verhältnissen entsprechen, wenn man sich das Gebiet der Vereinigten Staaten unter dem Bilde zweier Thäler vorstellte, die durch drei Gebirge begrenzt wären : Das Mississippibecken zwischen Alleghanies und Felsengebirg und das Hochlandbecken des Westens zwischen Felsengebirg und Sien-a Nevada. Sogar noch ein drittes Thalgebiet, das zwischen Sierra Nevada und Küstengebirg am Stillen Meer gelegene, könnte im äussersten Westen angegliedert werden, so dass nur der Atlantische Küstensaum ausserhalb des Rahmens dieser Gliederung in aneinander gereihte Thäler zu bleiben hätte. Doch genug der Vergleiche und Ueberblicke ! Treten wir lieber an die Dinge selbst heran und sehen wir zu, ob sie nicht vielleicht werthvollere Gesetze an sich selbst ausprägen.

0 r ograp bischer Gesammt Charakter. Mittle reHöhe. Die 0 r 0 g r a p h i s c h e n V e r h ä 1 1 n i s s e des Gebietes der Vereinigten Staaten, wie Nordamerika's überhaupt, sind bestimmt, wie be- reits hervorgehoben, durch die grossen Gebirge, welche den Continent durchziehen und die Ebenen, welche zwischen beiden eingelagert sind. Die Zusammendrängung der Gebirge in eine öst- liche und westliche Gruppe lässt einerseits den Ebenen freien Raum, sich zwischen ihnen weit auszubreiten, und schränkt andererseits die Mittelgebirge und Hügelländer in engere Grenzen ein als sie z. B. im grössten Theile von Europa linden. Ein Blick auf die Höhen- karte (Tafel H) lässt das üeberwiegen der geringen und der starken Erhebungen gegenüber den mittleren klar hervortreten. Wir haben ausgedehnte Tiefländer an den östlichen und südlichen Küsten, im Gebiete des unteren und mittleren Mississippi, flache Erhebungen zwischen bOO und 1200 m. nelimen den grössten Theil des Nordens

III. Oberflächeiigestaltuiig. 45

und des Innern ein, nur geringe Theile des Gebietes östlicli von 100" W. L. erheben sich über 1200 m. : es sind die Hauptketten des AUeghanygebirges. Aber westlich von dieser Linie sind es ge- rade diese Erhebungen, die über 1200 und auf weite Erstreckungen sogar über IHOO m. hinausgehenden, welche den Oberflächencha- i-akter vorwiegend bestimmen. Südlich des 45. Breitegrads sind sie im Westen ebenso vorherrschend wie sie im Osten selten sind, und es wird der richtigste allgemeine Ausdruck für die Höhenverhältnisse des Gebietes der Ver. St. sein, zu sagen : Im Osten überwiegen Höhen unter, im Westen über 1000 m. ; dort sind die hypso- metrischen Extreme nach der Tiefe, hier nach der Höhe zu gelegen. Vermittelnde Zonen, wo Höhen von 1000 1200 m., aber mehr in Ebenen, als iji Gebirgsform vorwalten, sind in den Strich nörd- lich vom 45. Breitegrad und in der Region zwischen dem 100. Länge- grad und einer Linie vom Nordrand des Michigansee' s bis zur Pecosmündung gegeben. Der Westen unseres Gebietes ist demnach höher als der Osten, der Norden höher als der Süden. In der Thatsache, dass als mittlere Höhe südöstlicher Staaten wie Floridas und Lousianas 18 bezw. 23 m. berechnet werden, während man westlichen wie Wyoming Territ. (2195 m.), Colorado (1982 m.), Arizona (1830 m.), das 9 und 10 fache an mittlerer Höhe zuspricht, prägt sich der grosse Unterschied und die weite Verbreitung ex- tremer Höhenverhältnisse im Gebiet der Ver. St. klar aus.

Für die mittlere Höhe der Ver. St. liegt eine mit der n()thigen Gründlichkeit gearbeitete Bestimmung noch nicht vor. Eine solche ist auf dem gegenwärtigen Standpunkt der hypsometrischen Erforschung des fraglichen Gebietes auch noch gar nicht möglich. Es ist nur als eine Schätzung von annähernder Richtigkeit anzu- nehmen, was neuerdings .1. M. Toner als jNlittelhöhe des Gebietes der Ver. St. berechnet hat. Er gibt (j48 m. ^) , während A. von Humboldt, allerdings vor mehr als dreissig Jahren, als unsere wissenschaftliche Kenntniss Nordamerika's noch hiichst mangelliaft war und hinsichtlich des Westens eine solche eigentlich gar

1) J. M. Toner, Dictionary of olcvatioiis etc. in tlie U.S., New-York 1874, angef. in G. M. 1874. 438.

46 ni. Oberflächengestaltung.

nicht bestand, 228 m. für ganz Nordamerika angab ^). Da aber die grossen, seitdem gemachten Fortscliritte vorwiegend in der Entdeckung und Aufnahme neuer Gebirgs- und Hochebenengebiete im Westen und Norden Nordamerika's bestanden, während die Kenntniss der Höhenverhältnisse der nordamerikanischen Tiefländer so ziemlich auf dem Punkte stehen blieb, wo Humboldt sie kannte, so ist mit Sicherheit anzunehmen, dass die Humboldt'sche Zahl, die übrigens von den amerikanischen Autoritäten noch immer festge- halten wird (s. z. B. Dana, Elements of Geology Rev. Ed. S. 15), zu niedrig gegriffen ist und wahrscheinlich kommt die erstgenannte des amerikanischen Berechners der Wahrheit näher.

Der natürlichen Gliederung des nordamerikanischen Continentes folgend, werden wir die Oberflächengestalt des Gebietes der Ver. St. in der Reihenfolge seiner hervortretenden Naturabschnitte be- trachten. Die Alleghanies, die uns mit ihrem bestimmenden Einfluss auf den Verlauf der atlantischen Küstenlinie im Osten zuerst entgegen treten, das Gebirgsland des Westens, das ähnlich nach der pacifischeii Seite hin den Continent begrenzt, das Tafelland des Nordens mit seinen zahllosen Seen und den Quellen bedeutender Ströme, welches, wenn auch locker, jene ver- bindet , und das M i s s i s s i p p i b e c k e n , das thalartig den weiten Raum zwischen ihnen ausfüllt: diese vier orographischen Haupt- züge unseres Gebietes werden gewssermassen die Rahmen bilden, in welche wir das Bild seiner Bodengestaltung einzuzeichnen ver- suchen.

Die Alleghanies. Das langgestreckte Kettengebirge, welches die zwischen dem atlantischen Meere und dem Mississippithal gelegene

1) Asie centrale 1843. I. 175. Humboldt berechnet dort die Oberfläche von der Panama - Landenge an bis zur Barrowstrasse auf 607.000 □jNI., wovon er 328,000 den plaines et savannes pre^qne contimies des Inneren und des Nordens zuweist. 1520 m. nimmt er für die mittlere Höhe der Gebirgsmassen des Westens, 760 für die der Alleghanies an. Die erstere Zahl ist sicher zu niedrig gegrifi'en und dass das Areal jener Hochländer nur auf 48,000 QM. veranschlagt wird, war nur auf Grund der Annahme möglich , dass die Gebirge des nordamerika- nischen Westens schmale Kettengebirge seien. Auch die nicht unbedeutende mittlere Erhebung der Tafelländer des Nordens und des Inneren ist nicht genügend in Rechnung gezogen.

III. Oberflächengestaltung. 47

Osthälfte der Ver. St. fast in ihrer ganzen Länge von Südwest nach Nordost durchzieht, wird gewöhnlich Das Allefihany-Syiiteni oder auch kurzweg Die Alloghanlcs genaiuit. Die amerikanischen Geographen legen ihm wohl auch den etwas allgemeiner klingenden Namen Appa- lachian Mountain- System bei, und beschränken den Begrift' der Alleghanies auf eine besondere Kette, welche nur einen Theil dieses Gebirgssystems ausmacht. Aber der gebräuchlichere Ausdruck Alle- ghany- System, den wir anwenden, kann keine Missverständnisse hervor- rufen, da wir unter einem Gebirgssystem nie einen Theil eines Gebirges, sondern immer nur ein zusammenhängendes Ganze, eine natürliche Gruppe von Gebirgsgliedern verstehen. Die Alleghany Mts. sind nur ein Gebirgsglied.

Von Gaspe an der Mündungsbucht des St. Lorenz bis zum Rand des Schwemmlandes, das den südlichen Theil des Staates Alabama bildet, erstreckt sich dieses Gebirgsystem in einer Länge von 2000 Kil. Seine Breite überschreitet nicht das Mass von 300 Kil. und ist im grössten Theile der Erstreckung auf durchschnittlich 200 Kil. zu schätzen. Von einzelnen Beugungen abgesehen, welche das Gesammt- bild des Gebirgsverlaufs als eine Wellenlinie erscheinen lassen, wird in der ganzen Erstreckung die Richtung Südwest und Nordost streng festgehalten. Dieser lange Gebirgszug besteht aus einer grösseren Anzahl von Gebirgsketten, die einen ausgeprägten Parallelismus zeigen, wie wir ihn in Europa wohl nur vom Juragebirge kennen^), und die vorwiegend dem östlichen Theile der Erhebung angehören, und aus einer Hochebene, die dem westlichen und nordwestlichen

1) Guyot hat zuerst die Aebiiliclikeit hervorgehoben , welche im Bau der Alleghanies und des Juragebirges herrscht (On the Appalachian Mt.-Syst. 1861. 10). In der That ist der ausgeprägte Parallelismus der Ketten beiden gemeinsam. Auch J. D. Whitney findet diesen Vergleich treffend. Ausser dem Parallelismus der Ketten hebt er auch die grosse Gleichförmigkeit in Verlauf und Höhe, welche sie auf weite Strecken bewahren, als eine Eigenschaft hervor, welche beiden Gebirgen gemein ist. Dagegen begründet aber allerdings das Vorhandeusein zweier so sehr verschiedener Parallelzonen, wie sie in den Ketten und den Plateauregionen der Alleghanies auftreten, einen nicht zu übersehenden Unter- schied, denn die Alleghanies werden durch sie zu einem viel weniger einfachen Gebirgsbau als es der Jura ist. Immerhin sind aber die Alleghanies dem Jura vergleichbarer als die Cordillere es den Alpen ist. In Walker Stat. Atlas. 1876. iJ.

48 III. Oberrtächengestaltung.

Theile angehört. Die Basis des ganzen Gebirges ist im Osten be- grenzt durch das Atlantische Meer, im Westen durch den Ohio, den Erie- und Ontariosee und den St. Lorenzstrom.

Dass der Abfall des Gebirges gegen das Meer zu ein ziem- lich gleichförmiger und unvermittelter ist, geht schon daraus hervor, dass die im Ganzen sehr einfache Küstenlinie des Atlantischen Meeres in derselben Richtung verläuft wie das Alleghany - System und dass sie in ihi-en Hauptumrissen den hervortretendsten Beu- gungen desselben folgt. In der That treten so wenig im Osten wie im Westen irgend hervorragende Glieder aus dem Gebirgssystem heraus. Indessen ist die Abfallebene, d. h. das Land, das vom Fuss des Gebirges sich zum Meere zieht, im Norden schmäler als im Süden. Ihre Breite beträgt durchschnittlich 90 Kil. in Neuengland, in der Breite von New -York verschwindet sie fast, aber gegen Süden verbreitert sie sich mählich, bis iji Süd -Carolina sich 330 Kil. Land zwischen Meer und Gebirg geschaltet haben. In derselben Richtung, wie die Breite, wächst auch die Höhe ihres Ansteigens. Die Gebirge erheben sich im Norden aus ihr bei 150, im Süden bei 300 m. Im Allgemeinen ist indessen der Fall vom Fuss des Gebirges bis zum Meer dennoch im Norden ein steilerer als im Süden ^ ) ; der Abfall nach Westen, nach dem Inneren des Continentes zu, ist dagegen durch die Einschaltung des Tafellandes ein viel langsamerer als nach Osten. Noch am Ohio ist dieses west- liche Tafelland über 300 m. hoch und das Bett dieses Flusses ist

1) lu New- York bildet der Atlantic Slope noch fast ebenso wenig wie in Neu-England einen besonderen Abschnitt der Obertlächengestaltung, aber schon in Pennsylvanien tritt er scharf geschieden zwischen Meer und Gebirg hervor. Er bildet hier wie in Delaware und Marjland eine wellige Ebene von grosser Fruchtbarkeit, die nicht bloss vom Meeresspiegel bis zum Fuss des Gebirges, sondern auch in der Richtung des Gebirges, also in südwestlicher Richtung an- steigt. Sie erhebt sich im Nordosten bis zu 45, im Südwesten bis zu 90 m. am Fuss des Gebirges und dieses allmähliche Ansteigen in südwestlicher Richtung setzt sich bis nach Südcarolina fort, wo bei gleichzeitiger Verbreiterung des Atlantic Slope die Erhebung desselben 300 m. eiTeicht. Breite und sanfte Landschaftsformen, Fruchtbarkeit, reiche Bewässerung zeichnen von hier bis hinab nach Georgia diesen natürlichen und hochwichtigen Abschnitt des atlan- tischen Nordamerika aus. S. Rogers, Geol. of Pennsylvania. 185y. I. 4.

ITI. OherflächeugestaltiiiifT. 49

stellenweis bis zu 160 m. in dasselbe eingegraben. Aus demselben Grunde wird hier auch die Begrenzung unbestimmter. Was das südliche und niu'dliche Ende des Alleghanysystems betrifft, so werden Avir dasselbe bei Betrachtung der einzelnen Glieder des Gebirges näher kennen zu lernen Gelegenheit haben. Zur Vervollständigung des Gesammtbildes hier nur soviel, dass nach Norden hin ein Ueber- gang in die aus Urgestein bestehenden Tafelländer von Untercanada und Labrador stattfindet, während nach Süden das Gebirge ganz allmählich sich erniedrigt, um endlich unter das Flachland gewisser- massen unterzutauchen, das den Rand des mexikanischen ^Meerbusens umgibt.

Für die Höhen Verhältnisse des Alleghanysystems ist es bezeichnend, dass die falten- oder runzelartigen, parallelen Gebirgs- ketten, aus denen es so vorwiegend zusammengesetzt ist, auf weite Erstreckungen von derselben Höhe sind und dass die Kämme viel mehr hervortreten als die Gipfel. Kulme Erhebungen sucht man in diesem Gebirge vergebens; eine Gleichförmigkeit, welche nichts hochgebirgsartig Gewaltsames aufkommen lässt, beherrscht das ganze System '). Kein Theil des Gebirges überragt irgend einen anderen in hervorragender Weise. Die bedeutendsten Erhebungen sind in der südlichen Hälfte des Gebirges zusammengedrängt, wo einige wenige über 2000 m. aufragen eine Höhe, die allerdings nur wenig die mittleren Gipfelhöhen der nördlichen und mittleren Theile übertrifft.

Nur unklar, ge^vissermassen verwischt heben sich zwei longi- tudinale Erhebungszonen aus der grösseren Zahl der Parallelketten heraus. Die eine liegt nach der atlantischen Seite, der Seite der Gebirgsketten hin. die andere nach der westlichen, wo das Tafelland vorherrscht. Wenn wir daher das Gebirge von der atlantischen Seite her überschreiten, kommen wir über eine Ebene, die immer welliger wird, indem sie langsam zum Fuss des Gebirges ansteigt,

1) Am aiitfallendsten ist diese Gleichförmigkeit in den mittleren Iheilen des Gebirges, in den Staaten New- York. New-Jersey nnd Pennsylvania. Dort bietet es das Bild „langer, zusammenhängender Bergwände, deren blaue Kanten eine einförmige, selten von Gipfeln oder Klippen unterbrochene Linie an den Horizont zeichnen." Guj-ot, On the Appalachian Mt. System. 1861, 10.

Ratzel, Amerika. I. 4

')() III. Oherflächengestaltung.

dann in ein Gebii'ge aus Parallelketten und Längsthälern und end- lich über eine Reihe von Tafelländern, die leicht nach Nordwesten zu geneigt und von tiefen Querthälern durchschnitten sind.

Viel deutlicher tritt hingegen eine Einsen kung hervor, welche das ganze System seiner Länge nach durchzieht, indessen nichts als ein natürliches Produkt dieser beiden Erhebungszonen ist. Es ist gleichsam der negative Ausdruck derselben und man hat es treffend als die Negative Axe des Systems bezeichnet. Es ist das Grosse Thal der Alleghanies^), das im Norden vom Cham- plainsee und dem Hudson ausgefüllt ist, das in Pennsylvania dem Susquehanna, in Virginia dem Potomac, in Tennessee dem Tennessee zum breiten Thale dient. Es trägt in seiner Erstreckung verschiedene Namen. In Pennsylvania heisst es Cumberland Valley oder Kittatinny Valley, weiter südlich Virginia Valley, in Tennessee Valley of East Tennessee. Im Nordosten und in der Mitte des Systems ist es durchschnittlich nicht mehr als 30 Kil. breit, in Virginia ist es noch schmäler und breitet sich aber in Tennessee bis zu 90 Kil. Durch- messer aus. Die auffallende Continuität dieser langgestreckten Einsenkung, welche von keiner einzigen bedeutenden Bodenanschwel- lung unterbrochen wird, ist einer der bemerkenswerthesten Charakter- züge in der Urographie von Nordamerika. Für den Verkehr zwischen Nord und Süd und für die Aufschliessung der Bodenschätze der Alleghanies ist das Grosse Thal längst von hoher Bedeutung geworden. Wir werden noch öfters auf dasselbe zurückzukommen haben.

Wenn auch die Gliederung des Alleghanysystems zurück- tritt hinter dem Zusammenhang und der Aehnlichkeit der einzelnen Theile, welche hervorragendere Züge desselben sind als die Zerfäl- lung und die Verschiedenheiten, so sind doch ge"wässe natürliche Marksteine vorhanden, die eine Gliederung des Gebirges erleichtern, und gewisse innere Verhältnisse, welche dieselbe erheischen. Es sind zunächst bedeutende geologische Unterschiede wahrzunehmen. Eine nördliche Abtheilung ist geologisch bedeutend älter als die

1) Von Rogers The Great Appdlachiun Valley, von Gnyot The Central Vallexj genannt. Als orographisclien Zug von bedeutender Grösse, scharfer Ausprägung und hervorragender wirthschattlicher Bedeutung bezeichnet man es in den Ost- staaten auch einfach als The Great Valley of the Älleyhuntes.

III . Oberllächengestaltung. 51

Theile, welche südlich davon liegen. Sic muss zur Zeit der Siliir- und Devonforraation gehoben worden sein, während der ganze Rest des Systems erst nach der Kohlenzeit auftauchte. Gleichzeitig ist dieser nördliche Theil vom südlichen getrennt durch eine Einseu- kung, welche eine scharfe Grenzlinie innerhalb des Gebirges bildet. Es ist die Einsenkung, in der der Mohawk und Hudson fliessen und diese Einsenkung erhebt sich nirgends über 43 m., so dass eine Erhöhung des Meeresniveaus um diesen Betrag den ganzen Nordosten der Ver. St. sammt einem guten Stück von Canada zur Insel machen würde. Auch in der allgemeinen Richtung der Höhen- züge unterscheidet sich diese nördliche Abtheilung von der süd- licheren Hauptmasse des Gebirgssystemes, indem sie weniger ausgeprägt südAvestlich und nordöstlich ist. Sie neigt eher dazu, eine südnördliche zu werden. Endlich macht der in der Mitte des Systems so streng durchgeführte Parallelismus hier einer unregelmässigeren Gliederung Platz, welche zu einem Zerfall des Gebirges in mehrere verschiedene Gruppen führt. Diese nördliche Abtheilung des Alleghanysystems wird im Norden vom Meer und im Süden vom Hudson begrenzt und fällt also vorzüglich in das Gebiet d>er Neuengland-Staaten. Man kann sie desshalb als die Gebirgsgrupj)e von Neueng- land bezeichnen. Südlich von der Mohawk-Hudson-Depression schliesst sich an sie die mittlere Abtheilung des Gebirges an, welche man im Süden durch den Kanawha R. begrenzt. Diese Abthei- lung bildet einen nach Westen convexen Bogen, der im Norden und Süden am schmälsten und in der Mitte am breitesten ist, so dass er eine halbmondförmige Gestalt annimmt. Diess ist der Theil des Alleghanysystems, welcher dessen charakteristische Eigenschaften am schärfsten ausprägt. Im Osten aus einer grösseren Zahl paralleler, gleichförmiger, massig hoher Ketten zusammengesetzt, im Westen zu einem sanft abfallenden Tafelland herabsteigend, zwischen beiden das Grosse Thal der Alleghanies einschliessend, ist es der eigentlich typische Abschnitt des Gebirges und es ist ein günstiger Zufall, dass es diese mittlere Gruppe ist, von welcher der Name für das ganze AUeghany- System hergenommen wurde. Man bezeichnet sie am besten einfach als die M i 1 1 1 e r e n A 1 1 e g h a n i e s. In der dritten und südlichsten Abtheilung, welche die Region zwischen New-River und den letzten

52 III. Oberttächengestaltung.

Ausläufern des Gebirges umfasst, begegnet man neben einer stärkeren Erhebung der Kämme und Gipfel einer grösseren Verschiedenheit des eigentlichen Gebirgsbaues. Die Richtung wird entschiedener südwestlich, die östliche Randkette hebt sich schärfer von den weiter westlich gelegenen Ketten hervor, als es in den Mittleren AUeyhanies der Fall war, und indem ihre Gebirgsmassen sich ver- breitern und erhöhen , entsteht hier in den Südlichen Alle- ghanies die höchste und massigste, in jeder Hinsicht gebirgshafteste Region des Gebirges in den Gruppen der Iron-, Unaka- und Smoky-Mts.

Die Nord- All eghanies. Dieser Abschnitt des grossen Kettengebirgs zerfällt in drei Theile : 1) die A d i r o n d a c k s zwischen Mohawk-Hudson, Champlainsee, St. Lorenz und Ontariosee; 2) die Neuengländische Gruppe östlich vom Mohawk-Hudson und Champlainsee ; 3) deren Verlängerung, das Nordende des ganzen Systems, das vom Quellgebiet des Connectitut durch Canada und Neubraunschweig zieht: die A cadische Gruppe.

Die beiden letzten Abschnitte, die Nördlichen A 1 1 e g h a n i e s (auch Acadisches Gebirgssystem genannt) durchziehen das ganze Ge- biet, das nach Norden und Osten von der grossen Hudson-Champlain- Richelieu-Depression gelegen ist, aber sie durchziehen es nicht als eine gewissermassen fremdartige, aus der Tiefe emporgestiegene Ge- birgsmasse, sondern das ganze Land ist ein grosses Felsplateau, von welchem die verschiedenen Gebirgszüge nur die höher emporragenden Theile darstellen. Drift, d. h. Scliwemmschutt von eiszeitlicher Her- kunft überlagert nur zerstreut und in dünnen Schichten viele Tlieile dieses Felsgebietes, an dessen Zusammensetzung Gneiss und Granit den grössten Antheil haben. Diese Urgesteinsunterlage mit ihrer dünnen und lückenhaften Driftdecke erinnert an schwedische und schottische Verhältnisse und man sieht diese geologische Aehnlichkeit in der Landschaft, der Bewässerung, den Bedingungen des Ackerbaus sich häufig wiederholen. Zahlreiche Hügel, einige Bergketten und zwei grössere Gebirgsmassen heben sich aus demselben hervor. Im Norden, im Staate Maine überwiegt gleichwie in den an- grenzenden Theilen von Canada entschieden der Charakter des Tafellandes. Kein eigentliches Gebirge, nur höhere Hügel be-

III. überfläclicugostaltung. 5;$

zeichnen dort den Oberfläcliencharacter ; über die Felsontafel, deren mittlere Höhe zwischen 300 und 600 m. schwankt, steigt am höchsten an die Gruppe des Mt. Katahdin (1642 m.), die völlig in der Richtung der White Mts. gelegen, mit ihr durch eine Hügelkette verbunden ist. Nach Westen hin zieht fast parallel eine zweite Kette, die der Heights ofLand, die einen solchen culminirenden Gipfel nicht besitzt, aber ähnlich wie die erste mit den erst weiter südlich zu grösserer Entfaltung gelangenden Bergketten zusammenhängt. Sie endigt im Süden fast gleichweit entfernt von den Hauptgipfeln der White und Green Mts., von denen sie wie eine gemeinsame Abzweigung nordostwärts ausstrahlt. Nennenswert!! ist die bedeu- tendste Erhebung Mt. Gasford (1402 m.). Der Tafellandcharakter wird auch nach Süden hin gewahrt, wo noch in Sicht des Meeres der Grand Sachem zu 514 m. ansteigt und gegen den Long Island- Sund das felsige Land nur ganz allmählich von seiner im Norden 250 300 m. betragenden Mittelhöhe abfällt. Als ein weites Becken ist das Connecticut-Thal in dieses Tafelland gesenkt und beiderseits umranden es bedeutende Bergketten. Westlich vom Thale des Con- necticut, zwischen ihm und dem Thale des Hudson, zieht die Kette der Taconic oder Taghan ik Range (Mt. Everett 803 m.), parallel mit ihr die Hoosik Range, die zusammen mit jener als der süd- lichere Theil der Green Mts. betrachtet werden kann. Im Saddle Mt. (1098 m.) treten beide zusammen und von hier zieht nun in ziemlich l)eständiger nördlicher Richtung die zusammenhängende Kette der Green Mts. bis an den Abfall in das St. Lorenzthal in der Nähe von Quebec. Moody Mt. kann als das Nordeude dieser Kette bezeichnet werden. Mt. Mansfield (1350 m.) und Killington Peak (1287 m.) sind ihre hervorragendsten Gipfel. Zu bedeutenderen Höhen steigt aber das System im Osten des Connecticutbeckens an. Dort bilden in New- Hampshire die White Mts. ein kleines Gebirgsmassiv mit einer grösseren Anzahl von über 1500 m. hohen Gipfeln. Mt. Wa- shington, der höchste von ihnen, der höchste Berg zugleich der Nord- und Mittel - Alleghanies , erreicht 1919 m. ^). Zahlreiche

1) Wie kiiii irgendwie Iiervorrageiuler Berg im Gebiet der Ver. St. zu finden ist, dessen Höbe nicbt zu irgend einer Zeit überschätzt worden wäre, so ist auch Mt. Washington lange Zeit weit höher geschätzt worden als er wirk-

."il III. Oborflächongestiiltung.

kleinere Höhenzüge gehen von diesem kleinen Massiv aus oder erheben sich selbständig aus dem Felsenplateau. Ich nenne die Blue Hills bei Boston (180 m.), die Calcot Mts. und Chain Hills am Unteren Connecticut, jene am rechten, diese am linken Ufer, die einzeln aufstrebenden Bergrücken Sunapee (1413), Monadnock (1133), Wachusett (914), endlich das Felseneiland Mt. Desert (488) an der Küste von Maine.

Im Westen dieser neuengländischen Höhenzüge erhebt sich die Gruppe der Adirondacks im nördlichen New- York als eine eigene, geographisch wohlgesonderte Gebirgsregion, in sich zusammenhängend und von der Umgebung fast inselartig durch die drei grossen Thäler der St. Lorenz, Champlain und Mohawk geschieden, nach denen sie ziemlich gleichmässig abfällt. Wiewohl diese Erhebungsmasse aus- geprägter in einer Richtung als in den andern, nämlich südlich und nördlich, etwa von Little Falls im Mohawkthal bis zu Trembleau Point am Lake Champlain zieht, bietet sie dennoch keine Erhebungsaxe, sondern, wie ihr allseitiger Abfall anzeigt, nur einen Culminationspunkt und stellt, geologisch betrachtet, die Wirkung einer einzigen grossen Hebung dar. Auch in den Bewässerungsverhältnissen prägt sich dieser centrale Aufbau aus, denn wir haben keine langgestreckte, firstartige Vfasserscheide wie in anderen Theilen der Alleghanies, sondern die Gewässer fliessen nach allen Richtungen der Windrose ab. Auch scheint die hebende Kraft ihre ganze Energie auf eine bestimmte Region gerichtet zu haben, die zwischen St. Lorenz und Lake Cham- plain gelegen ist und an deren Grenze sie spurlos erlischt. In scharfem Gegensatz zu den neuengländischen Bergen, die sich allmählich in das canadische Hochland verlieren, hört diese neWyorker Gebirgs- gruppe am St. Lorenzthal eben so plötzlich auf, wie sie unver- mittelt aus dem Mohawk- und Hudsonthale sich erhob. Man unter- scheidet in dieser Erhebungsmasse trotz ihres innigen inneren Zu-

lich ist. Die erste Messung (1784) bestimmte ihn auf eher mehr denn weniger als 10,000 Fuss, eine zweite (1804) auf 7005, eine dritte (1814) auf 6225 Fuss oder 1898 m. Die zwei zuverlässigsten unter den neueren Messungen sind eine trigonometrische von Coast Survey ausgeführt, und eine barometrische von A. Guyot; jene gibt 1919, diese 1918 m. an. Die erstere Messung scheint die zuverlässigste von allen zu sein, die bisher augestellt wurden.

III. Oberflächeugestaltiiug. 55

sammenliaiiges verschiedene natürliche Abschnitte. Als Tongue Mts., auch Palmertown oder Polack Mts. bezeichnet man einen östlichen Zug, der von Saratoga bis Ticonderoga reicht, wo er auf der Landenge zwischen Champlain- und Georgesee endigt. Am Westrand des Georgesees zieht eine andere Gruppe hin , die als Kayada rossera Mts. bezeichnet wird und ihr Ende bei Crown Point und Port Henry am Champlainsee findet (Pharao's Mt.). Weiter nach Westen zieht eine dritte Gruppe, die bei Split Rock am Cham- plainsee endigt und als East Moriah Range (Dix's Peak) von der West Moriah Range unterschieden wird, welche ihr Nord- ende bei Willsborough am Champlainsee findet. Die Gebirgsgruppe, welche Avestlich von diesen von Little Falls bis Trembleau Point zieht, die längste und breiteste von allen, ist die Gruppe der A d i r 0 11 d a c k s im engeren Sinne ^) , welche die höchsten Gipfel dieses Systems (Mt. Marcy oder Tahawu 1540 m.) umschliesst. Es ist diess gleichzeitig der am weitesten nach Westen hinausgerückte der Adirondack- Gebirgszüge, von dem ein Tafelland mit allmäh- licher Senkung gegen die Seenregion des St. Lorenzsystems, zunächst gegen den Ontariosee abfällt.

Indem wir die Hudson-Depression überschreiten, betreten wir das Gebiet dei- Mittleren A 1 1 e g h a n i e s , wo sofort ein ganz anderer Typus von Gebirgsbau uns entgegentritt. In Neuengland war der Kettencharakter nicht zu verkennen, aber es war schwer die Grenze zu bestimmeji, wo das Tafelland mit seinen zahllosen Einzelerhebungen aufhörte und wo die doch nicht ganz klar ausge- prägten Gebirgsketten anfingen. Es bedarf des in die Augen sprin- genden Parallelismus im Laufe des Hudson und des Connecticut mit den begleitenden Gebirgen, die ihre Thalränder krönen, um den Parallelismus der Ketten herauszufinden. Anders hier: In Pennsylvanien und Virginien kann das Alleghanygebirge, ungeachtet der grossen Einförmigkeit seiner allgemeinen Gestaltverhältnisse,

1) Entgegen dem gewöhnlichen Sprachgebrauch beschränkt E. Emmons (Geology of New- York. 1842. IL 11) den Namen Adirondacks auf die höchste Partie dieses Abschnittes, eine Gruppe vereinzelter Gipfel, zu denen der höchste Punkt der ganzen Erhebungsmassen gehört. Er fasst dagegen den ganzen Abschnitt zusammen als Clinton Ranjfe.

5t) III. Oberfläclieiigestiiltung.

vermöge seiuer ausgezeichueteii Längsgliederung in mehrere natür- liche Abschnitte zerlegt werden. Zunächst sind die South Mts. (auch First Belt, Erste Reihe genannt) abzusondern, welche den Abfall des Gebirges nach der atlantischen Ebene zu bilden; sie zerfallen in einen jiördlichen und einen südlichen Zug. Der erstere hängt zusammen mit den Jersey Highlands und den New- Y 0 r k H i g h 1 a n d s und liegt in der Richtung der Green Mts, von Vermont, der andere ist als ein Ausläufer der Blue Ridge von Virginien zu betrachten. Beide Züge erheben sich zu durch- schnittlich nur 200 m. hohen Hügelketten über die atlantische El)ene und verdienen den Namen von Bergen nur wegen ihrer innigen Verbindung mit den mächtigeren Theilen des Alleghany- systems. Ihr äusserer Eindruck ist indessen gebirgsartiger als man nach ihrer geringen Höhe erwarten sollte ; denn sie erheben sich ziemlich unvermittelt und steil und oft sind ihre Höhen noch mit Resten des einstigen Urwaldkleides bedeckt. Das Kitatinny- Thal ist der zweite natürliche Abschnitt der pennsylvanischen AUeghanies; südlich von den South Mts., im Norden von der Kitatinny kette begrenzt, ist es nichts anderes als der nördliche Theil des Grossen Tliales, welches als eine langgestreckte Furche das ganze AUeghanysystem durchzieht. In seiner nordsüdlichen Erstreckung steigt es von 50 m. im Norden bis 180 m. im Süden. Auch dieses allmähliche Ansteigen ist ein Theil der Massenerhebung, welche im ganzen System von Nordost gegen Südwest hin zunimmt, bis sie in Virginien 600 m. erreicht. Die Oberfläche des Thaies ist wellig und hügelig. In dritter Reihe folgt die eigentliche Gebirgskette der AUeghanies, lange, schmale Höhenzüge von sehr gleichförmiger Erhebung, die getrennt sind durch lange und enge Paralleltliäler. Bald ziehen diese Kämme ununter- brochen einige Meilen dahin, dann sind sie wieder in regelmässigen Zwischenräumen eingeschnitten. Oft vereinigen sich zwei Höhen- züge, nachdem sie eine längere Strecke parallel gelaufen sind, an beiden Enden und schliessen dadurch ein langelliptisches oder kahnförmiges Thal ein. Kleine Tafelländer von der Höhe der Kämme treten nicht selten mitten unter den letzteren auf und haben den Ajischein, als ob sie durch Verschmelzung von mehreren derselben

in. Oberflächeiigestaltung. 57

entstanden wären *). Nach Nordost fällt diese Kette mit den Catskill und Helderberg Mts. (Round Top 1160) gegen den Hudson ab; im Südwesten, wo sie unter dem Namen Clinch Mts. erscheint, geht sie ohne Lücke in die Ketten der Südalle- ghanies über. Weiter nach Westen hinaus entsprechen die L a u r e I und Chestnut Mts. den südlicheren Cumberland Mts. Tennessee's und das Tafelland von Ohio den Plains von Kentucky und dem Westabfall Tennessee's in's Mississippithal.

In den Süd- Alleghanies finden wir nach dem auffallenden Parallelismus der mittleren gewissermassen wie im Spiegelbild eine ähnliche Abweichung von dem regelmässigen Bau der Gesammtkettc wieder wie an ihrem Nordende, eine ähnliche stärkere Erhebung, die auf dem Grund einer um 250 350 m. höheren Gebirgsbasis sich noch bedeutender von der allgemeinen Kammhöhe der Kette abhebt, ein ähnlich mächtigeres Hervortreten der laurentischen und huroni- schen Schiefer und Gneisse, welche zwar nirgends im ganzen Verlauf des Gebirges verschwinden, besonders breit aber am Süd- und Nordende, den gebirgigsten Theilen des ganzen Systems, hervortreten. Man kann den Anfang dieses Südabschnittes beim Quellgebiete des New R. (Kanawha) suchen. Die eigentliche Blue Ridge erfährt hier eine leichte Beugung nach Südwesten, während ein ostwärts ab- zweigender Gebirgszug ihren Namen erhält und bei 1500 1750 m. Höhe die Wasserscheide zwischen den Gewässern des Küstenstriches und denen des Golfes bildet. So wie in den mittleren Alleghanies es die Blue Ridge, die östliche Kette war, welche von den im Innern des Gebirges entspringenden Gewässern durchbrochen wurde, so ist

1) Prinz Max von Wied sagt vom ersten Anblick der östlichen Kette dieses Theiles der Alleghanies : „Sie zeigt keine charakteristisch gebildete Kuppen oder ausgezeichnete Formen, wesshalb ihr Totalaublick nichts Malerisches hat. Diesen Charakter, wenig ausgezeichnete Umrisse zu haben, zeigen, mit Ausnahme einiger Gegenden, besonders der schönen Catskill Mts., die meisten Landschaften von Nordamerika." (Reisen in N.-Am. I. 70.) Aehnlich Michaux : „Das Gebirge besteht nur aus hintereinanderliegenden Kämmen, deren Zwischenräume von einer Menge kleiner Hügel ausgefüllt sind. Wenn man sich auf den höchsten Gipfeln befindet, so gibt die Menge dieser Erhebungen, die mit demselben Urwald be- deckt sind wie das flachere Land, und wo man noch kaum eine menschliche Wohnung wahrnimmt, fast dasselbe Bild wie das Meer nach einem Sturme." Mich«,ux, Voyage ä l'Ouest des Mts. Allegh. 1804. 40.

58 III. Oburfläcbengestaltung.

es nun die westliclie^ die Kette der Unaka und Smoky Mts., welche durch ähnliche Durchbrechungen die Funktion der Wasserscheide verliert. Aber der Parallelismus und der innere Zusammenhang der Gebirgsketten, der bisher so streng festgehalten war, geht hier überhaupt verloren. Die Ostkette ist aus zahlreichen Gebirgsbruch- stücken zusammengesetzt, die kaum zu einer zusammenhängenden und regelmässigen Kette verbunden sind. Ihre Richtung wechselt häufig und sie bildet zahlreiche Curven. Ebenso ist ihre Erhebung unregelmässig. Einige Gruppen von 1500 m. und mehr sind durch lange Depressionen unterbrochen, in denen sich Klüfte bis zu 700 m., also nahezu zur Höhe der inneren Hochthäler vertiefen. Die westliche Kette hängt inniger zusammen, ist im Ganzen höher, regel- mässiger in Richtung und Erhebung und wächst sehr gleichförmig von 1500 bis nahezu 2000 m. Die Gebirgsbasis wächst bis 300 m. und das Niveau der Thäler, die zwischen den beiden Hauptketten eingeschlossen sind, beträgt 600 bis 800 m. Ihre Breite nimmt nach Süden hin zu, beträgt erst 50, dann bis zu 80 Kil. Zahl- reiche querlaufende Gebirgszüge, Querriegel, sondern dieselben von einander ab und schaffen Becken . in deren jedem ein anderer Zufluss des Tennessee seine Quellen und seinen Oberlauf hat. Der nördlichste von diesen Querriegeln wird südlich vom Quell- gebiet des New. -R. durch die Roan und Big Yellow Mts. gebildet: ein nordwestlicher Ausläufer der Black Mts., der bis zum Bald Mt. sich erstreckt, ist der nächste; dann folgen die Pisgah mit den New Found Mts., die Great Balsam Mts., die Cowee Mts., die Nantihala mit den Valley River Mts. Die Gruppe der Black Mts. (Black Dome, auch Mitchell's oder Clingmann's Peak 2045 m., Balsam Cone oder Mt. Guyot 2034 m.), die die höchsten Gipfel des ganzen Systems umschliesst, gehört z. Th. diesen Querriegeln, z. Th. der Blue Ridge an. Nach Westen sind diese Thalbecken von den zwar nur locker zusammenhängenden, aber in ihrem allgemeinen südwestlichen und nordöstlichen Streichen vollkommen übereinstimmenden Ketten der Iron, Smoky und Unaka Mountains (Smoky Dome in den Sraoky Mts. 2030 m.) abgeschlossen. Es folgt dann die Fortsetzung des Grossen Tfiales, welches nach Süden zu an Höhe in der Weise abnimmt, dass es in

III. Oberflächengestaltung. 59

Virginien noch bis zu 800 m. ansteigt, um in Tennessee, wo es dafür sich bis nahe an 100 Kil. in die Breite ausdehnt, nicht über 300 m. Meereshöhe sich zu erheben. Clinch und Cumberland Mountains, die bereits dem Abfall des Systems angehören, be- grenzen dieses Thal im Westen.

Ein hervorragend ausgedehntes und wichtiges Glied des Alle- ghanysystems wird durch die Hochebenen gebildet, die nach Nord- westen und Westen von den eigentlichen Gebirgsketten abfallen. Im Norden sind dieselben topograjihisch wie geognostisch als Fortsetzung des Tafellandes zu betrachten, auf dem die neuengländischen und acadischen Gebirgszüge sich erheben. Sie treten mit ihren Schiefern und mit der unteren Silurformation an den St. Lorenz heran, dessen Felsenbette sie am rechten Ufer von den Seen bis zum Meere bilden und an dessen unteren Laufe sie mit der Urgesteinszone zusammen- hängen, die nordöstlich von den Grossen Seen sich in Britisch Amerika weit nach Westen erstreckt. Nach Westen findet wesent- lich dasselbe statt. Im nördlichen New-York laufen die Gebirgszüge in ein ganz flachhügeliges, seenreiches Land aus, und ihr am weitesten nach Westen vorgeschobener Posten, Whiteface (ca. 1500 m.), hebt sich schon inselartig aus dem flacheren Lande heraus, das sich gegen den L. Ontario hin nordwvHrts senkt und unmerklich in die Seenplatte, die niedrige Hochebene übergeht, auf der bei 71 m. dieser See gelegen ist. Weiterhin fällt das Gebiet des Staates Ohio ganz in diesen westlichen Abfall der Alleghanies und wird durch ihn zu einer Reihe von flachen Hochebenen, welche von einer leichten Erhöhung, die nicht über 200 m. über den Spiegel des Eriesees sich erhebt, wasserscheidend durchzogen werden. Südwärts nach dem Ohio zu haben dieselben einen langen und leichten, nach dem Eriesee, dessen Spiegel in 172 m. M. H. liegt, einen steileren Abfall. Die grösste absolute Höhe dieser ganzen Region scheint ein Punkt der Wasserscheide zwischen Scioto und Miami zu sein, der auf 470 m. angegeben wird^).

1) J. S. Newberry, Bericht über die Geol. Aiifu. von Ohio. 1873. I. 40. Nach Newberry's Ihitersuchungen wirft eine grosse Zahl von Gesteinst'alten, parallel den Faltungen der Alleghanies und wahrscheinlich gleichalterig und von den gleichen Ursachen bestimmt wie sie , die Oberfläche dieser Hochebene in

III. 0])erflächeugestaltiiug.

Jackson

Teiinesse K.

Mississippi i^ g^ijpjj -g^ ^|gj. Westabfall im All-

gemeinen üiograpliiscli nicht erheblich ver- schieden von dem im Norden. Die Ver- schiedenheit liegt auf der geologischen Seite, Avo die Zusammenziehimg der oberen Steinkohlenformation in ein schmales Band und ihre Ersetzung durch Kalksteingebilde devonischer und carbonischer Abstammung auch die Oberflächengestalt beeinflusst. Die Kalkplateaux der Kentucky Piain s und Tennessee"s gehören hierher. Das charakteristischste Bild der Verhältnisse, die zwischen Gebirg und Mississippi hier herrschen, bietet der Staat Tennessee, welcher als ein Streifen von 1 ^ 55 ' Breite sich von der Unakakette bis zum Missis-

Nasiiviiie sippi hinab zieht. Die verschiedenen Ab-

schnitte, aus denen sich dieser verhältniss- mässig schmale Landstreifen zusammen- gliedert, geben in ihrer Aneinanderreihung, wie sie hier in der Natur vorkommen, eine sehr gute Vorstellung von dem all- mählichen Abfall und der Gliederung der Alleghanies gegen Westen zu. Die Gliede-

cumberiaud Mts. i"iing ist gerade hier eine so klare, dass man über ihre Elemente nicht im Zweifel

Tenuesse R. ggjj^ kami. Selbst die naive, unmetho-

cieveiaud dischc, aber oft sehr treffende (reographie

Blut' Kidge

tiache Wellen, deren syuklimale Zwischenräume die Thäler der nordsüdlich strömenden Ohio- Zuflüsse bilden. Sie deuten wahrscheinlich die äussersten Wellenkreise der hebenden Wirkung an, welchen die Alleghanies ihr Dasein verdanken. Vielfach sind sie durch die Driftablagerungen bedeckt und an und für sich zu wenig markirt, um als Faktoren der Oberflächeugestaltung be- deutend hervorzutreteu.

III. Olx'rflächengestnllnnp'. 61

des Volkes, die allerdings in Nordamerika etwas reger betrieben wird als bei uns, selbst die populäre Anschauung hat die meisten dieser orographisclien Glieder im Sijrachgebrauch längst gesondert. Im Osten haben wir zunächst die Unakakette, eine südliche Fortsetzung der Smoky-Range, die ihrerseits als das südliche Glied der grossen Ostmauer der Alleghany - Gebirgsmasse aufzufassen ist. Wiewohl schon so nahe dem Punkte, wo drei Breitegrade weiter südlich die Alleghanies sich in der Tiefebene des Golflandes ver- lieren, ist die Unakakette, eine der massigsten Erhebungen, zu denen es dieses Gebirge bringt; doch stehen ihre Gipfel an Höhe um etwas Weniges hinter denen der Smoky-Range zurück. Am Westabhang dieser Kette, wo die Gebirgsnatur der Alleghanies sich kurz vor dem Abschluss noch einmal grossartig entfaltet, steigen wir in das Thal von Ost-Tennessee herab, das der Tennessee in seinem oberen Lauf in südwestlicher Richtung durch- strömt. Ein Blick auf die Karte lehrt, dass wir es hier mit einem Abschnitt der grossen Einsenkung zu thun liaben, welche parallel mit den Höhenzügen der Alleghanies vom Susquehanna bis zum Alabama zieht. Es ist allerdijigs kein glattes Wiesenthal, denn zahllose Höhenzüge, die sich von der Unakakette herabsenken oder parallel mit derselben in der Fortsetzung der grossen West- kette in nordöstlich - südwestlicher Richtung das Thal durchziehen, erfüllen dasselbe und einige von ihnen, wie die Clinch Mountains, erheben sich wie eigene kleine Gebirge in dem Thal, dessen Sohle sie allerdings in keinem Falle um mehr denn 300 m. überragen, Ihrer Form nach fallen sie fast alle unter den Begriff Bidges, denn sie stellen sich immer nur als scharfe schmale Kämme ohne be- deutende Einsenkungen oder Gipfelbildungen dar. Eine Gruppe, welche unter den Namen Red Knohs oder lied IIlUs geht, macht hiervon eine Ausnahme, da sie aus Sandsteinrücken besteht, die durch tiefe Einsenkungen von einander getrennt sind. Aber das Streichen dieser Erhebungen ist durchaus parallel dem der Alle- ghanies selber und es ist natürlich, dass auch die GeAvässer die ent- sprechende Nordost- und Südwest-Richtung nehmen. Es folgt hieraus auch, dass in Tennessee das Wandern across the eounfrif eine schwere Aufgabe heisst, während nichts leichter ist, als iq) oder

62 HI. Oberflächengestaltung.

doivn von einem Ende bis zum anderen das Thal zu durchziehen*). Das Tafelland des sogenannten Cumberland- Gebirges schliesst sich im Westen an Ost - Tennessee an. Auch ihm ist das Nordost- und Südwest-Streichen mit der Alleghanykette gemein. Es ist eine Sandsteinplatte von 100 120 Kil. Breite und durchschnittHch 60 m. MeereshöhC; welche auf einer Kalkunterlage ruht. Seine Oberfläche ist sanft gewellt, doch ohne jeden tieferen Einschnitt, so dass wieder seine Ueberschreitung in querer Richtung noch seine Durchreisung in Nordost - Südwest - Richtung erhebliche Schwierigkeiten bietet. An Piidges, den schmalen scharfen Kämmen, die vorzüglich aus senkrecht aufragenden Sandsteinschichten bestehen, fehlt es auch hier nicht und ebensowenig an Hügelzügen, die das Tafelland streckenweise in ein Gebirge verwandeln. Der Ost- Abfall ist steil und an vielen Punkten durchaus unvermittelt mit dem Niveau des Thaies von Ost-Tennessee, Avährend nach Westen hin das Tafelland nicht bloss durch zahl- reiche pfeilerartige Ausläufer, sondern auch durch eine weiter aus- greifende Bodenerhebung von den tiefer liegenden westlichen Theilen getrennt ist. Vom Tafelland der Cumberlandberge herabsteigend, bewegt man sich bis gegen das Thal des unteren Tennesseeflusses hin in einer durchschnittlichen Meereshöhe von 280 320 m. Dieses niedere Tafelland, die Highlcmcls genannt, ist eine Kalksteinplatte, in welche aber ungefähr in der jVIitte eine beckenartige Vertiefung eingesenkt ist. Jene besteht in ihrer ganzen Erstreckung aus Berg- kalk, während das Central Basin, wie jene Vertiefung genannt wird, einen Grund von obersilurischen Gesteinen aufweist. Dieses Becken, 27 Meilen lang und 12 15 Meilen breit, liegt in einer mittleren Höhe von 130 160 m. ; bei seinem fruchtbaren Boden, seiner centralen Lage und dem leichten Verkehr, den es gestattet, ist es der bevölkertste Theil des Staates, der Garten von Tennessee. Nashvüle, die Haupthandelsstadt des Staates, liegt in seiner Mitte.

1) In diesem Thal von Ost-Tennessee, das eine der schönsten und frucht- barsten Gegenden von Nordamerika ist, kommt auch die Thalform der Covea, unter der der Amerikaner ein weites, rings von hohen Bergen umschlossenes Thal, einen Thalgrund versteht, vorzüglich zur Ausbildung. Zahlreiche Thal- gründe dieser Art liegen zwischen den Ausläufern der Fnaka- und der Cumber- landberge.

III. OboiHächengestaltung. GS

Die amerikanischen Geologen sind geneigt, diese Vertiefung als ein altes Seebecken aufzufassen. Jedenfalls lässt sein geologischer Bau keinen Zweifel darüber, dass es durch Erosion der Bergkalkschichten entstand, welche ursprünglich die ganze Oberfläche der Highlands bis zum unteren Tennessee-Thal ohne Unterbrechung bedeckten. Geht man, immer in der Richtung der Längserstreckung des Staates, von diesem Centralbecken aus weiter gegen Westen, so überschreitet man neuerdings die Highlands, da dieselben ja das Becken von allen Seiten umfassen. Sie sind hier indessen schon bedeutend niedriger geworden als in der östlichen Hälfte und ihre mittlere Meeresluihe beträgt nur noch 200 m. Von ihnen steigt man neuerdings in eine tiefergelegene Region hinab, in das Thal von West- Tennessee. Der Tennessee, durch die Cumberlandberge von seinem südöstlichen Laufe abgelenkt, den wir ihn im Thal von Ost-Tennessee verfolgen sahen, umfliesst das Tafelland der Highlands im Süden und dann im Westen, wo er in ziemlich rein nördlicher Richtung zum Ohio hinabgeht. Es ist dieses von Süden nach Norden, gerichtete Thal, in welches wir hinabsteigen, indem wir von den Highlands nach Westen gehen. Es ist ein schmaler Erosionscanal von nicht mehr als 16 Kil. mittlerer Weite, der in die Kalksteine der Highlands eingeschnitten ist. Seine beiden Ufer gehören sowohl den geo- grai)hischen als den orographischen Merkmalen nach entschieden dem Gebiete dieses Hochlandes an. Erst einige Meilen westlich von diesem Thal taucht der Bergkalk unter jüngere Formationen, die sich dann allmähhch gegen das Tiefland des Mississippi zu senken. Sie bilden den Slope oder Abhang von West-Tennessee, der indessen keinen sanften gleichmässigen Fall zeigt. Er wird in seinem öst- lichen Theile von einer Erhebung von 120 140 m. durchzogen, welche die Wasserscheide zwischen Ohio und Mississippi bildet, und fällt gegen die Fläche des Mississippithals mit jenen steilen, bastionen- artigen Hügeln ab, welche als die Bluffs einen so hervorragenden Zug in der landschafthchen Physiognomie des Mississippithaies bilden. Zwischen jener Wasserscheide und diesem steilen Abfall senkt sich allerdings das Land mählich gegen den Mississippi hinab, dessen Spiegel hier bei normal niederem Wasserstand 52 m. hoch liegt. Die Erhebung der Bluffs über dem Mississippi schwankt in der

64 111. Oberflächengestaltnng.

Gegend von Memphis, die wir hier zunächst im Auge haben, zwischen 15 und 58 m. Die Mississippi-BoUoms, die Anschwemmungsehenen des grossen Stromes bilden das letzte Glied in der Kette der geologisch, orographisch und landschaftlich so sehr verschiedenen Formationen, welche wir vom Westkamm der Alleghanies bis hieher verfolgten. Ein grosser Theil der Bottoms steht regelmässig mehrere Monate unter Wasser, ein anderer ist von Altwassern, Seen und Sümpfen eingenommen, und nur der kleinste Theil ist angebaut. In der Gegend von Memphis, wo ihr Gebiet auf einen schmäleren Streif zusammengedrängt ist, als weiter oben und unten, Jiiisst seine Breite 60, an der Nordgrenze Tennessee's 70 Kil. Wie im Osten die Bluifs, so bildet im Westen eine ähnliche Bildung, Crowley's Ridge, die Grenze dieses Thalbodens.

Die Cordilleren^) sind im Allgemeinen in der nördlichen Erd- theilhälfte Amerika's breiter entwickelt und reicher in ihrem Inneren gegliedert als in der südlichen, und sie erreichen das höchste Mass von Verbreiterung und Gliederung gerade m dem Gebiete der Ver- einigten Staaten. Nachdem sie in Mittelamerika und Mexiko sich weit von dem Charakter der südamerikanischen Hochgebirgskette,

1) Ich behalte mit J. D. Whitney deu spauischeu Namen Las Cordilleras für die Gesammtheit der westlichen Gebirgserhebungen Nordamerika's bei: „Da mit der Zeit der Name Audes ohne den Zusatz Cordilleras sich als Bezeichnung für alle Westgebirge Südamerika's fest eingebürgert hat, so schlage ich vor, den letzteren ausschliesslich auf die nordamerikauischen Westgebirge anzuwenden . . . Es ist übrigens mehr Grund vorhanden, die Gebirgskette des nordamerikanischen Westens als Die Cordilleren zu bezeichnen, als es für die südamerikanische der Fall ist, denn die letztere, die viel einfacher in ihrem Aufbau, besteht aus einigen grossen Gebirgszügen und nicht aus einer grossen Anzahl kleinere (Cor- dilleras) wie jene." (Yosemite Guide Book. 1870. 26.) Uebrigeus wurde von den ersten Erforschern auch der Name Andes für das Felsengebirg angewandt, z. B. in James' Account of an Exped. to the Rocky Mts., 1823. I. 79. Die Nomenclatur der verschiedenen Abschnitte dieser Gebirgskette ist, um diess gleich hier zu bemerken, leider noch in einem sehr verwirrten Zustand. So gibt es für die Bezeichnung Rocky Mts., Felsengebirge, ganz verschiedene Be- deutungen; denn einmal umfasst dieselbe bis zur Behriugsstrasse hinauf die ganze Masse der östlichen Gebirgsgruppen der nordamerikanischen Cordilleren, dann wieder bloss die Gruppen, welche in der Parkregion (nördliches Neu- MexUco, Colorado, südliches Wyoming) sich erheben oder bei anderen in etwas weiterer Fassung den Ostrand der Cordillere, soweit diese nicht wieder zu einer einfachen Gebirgskette geworden ist, also bis etwa 5.5 " N. B., der Nordgrenze

III. Oberflächengestaltung. 65

der Anden, entfernt hatte, dort durch Ueherwiegen niedriger Tafel- länder mit nur zerstreut aufgesetzten Vulkanschloten ohne be- deutendere Gesammterliehung, hier durch ehenso entschiedenes Vor- wiegen gewaltiger Hochebenenbildungen über minder bedeutende Gebirgsketten, kehrt nun im eigentlichen Nordamerika die Gebirgs- raasse des Westens wieder zu einem Typus zurück, der in Südamerika häufiger zur Ausprägung gelangt war und welcher bezeichnet ist durch die Einschliessung grosser Hochebenen zwischen hohen Ketten- gebirgen. Zwar erreichen dabei weder diese noch jene so grosse Erhebungen wie in Bolivia oder in Columbia und Ecuador, aber die Breitenausdehnung der Hochebene und die Zahl und reiche Gliederung ihrer Gebirge ist dafür viel grösser.

Wir haben zunächst im südHchen Theile der Hochgebirgsregion unseres Gebietes einen Ausläufer der mexikanischen Hochebene, des Tafellandes von Neu- Spanien. Die Gebirge aber, die am Ost- und Westrand dieses Tafellandes und zum Theil auf seiner Oberfläche selbst hinziehen, setzen sich nicht über die Naturgrenze hinaus fort, welche im Nordwesten von dem Gila-Plateau und im Nordosten durch das breite Thal des Rio Grande gebildet wird. Wir begegnen dagegen nördlich von der Grenze der Ver. St. einem neuen Abschnitt der Cordilleren ; aber die ebengenannte Einsenkung, welche zwischen Gila und Rio Grande die Gebirgsmassen Mexiko's von denen des eigent- lichen Nordamerika, des Rumpfes dieses Continentes scheidet, und welche den auf dem mittelamerikanischen Landstreifen mehrfach vorkommenden Einsenkungen (Panama, Tehuantepec) entspricht, ist die letzte ihrer Art, denn nördlich von ihr zieht nun die Cordillere mit unverändert hochgebirgshaftem Charakter durch die ganze Continentalhäfte bis über den Polarkreis hinaus. Sie zeigt auch hierin eine grössere Analogie mit den südamerikanischen Anden als

ihrer starken Verbreiterung in den Hochländern des Westens der Ver. St. Und welche Grenze soll man ihr gegen Westen zu ziehen? Wie und wo ist sie von den Wahsatch Mts. oder von der Uintah-Gruppe abzusondern? Wir werden die einzelnen Gebirgsgruppen so scharf wie möglich zu dofiuiren suchen, aber wir werden uns dabei in keinem einzigen Falle mit allen Autoritäten in Ueber- einstimmuiig tindeu , denn gerade die Erforscher und besten Kenner jener Regionen weichen in iluer Auffassung der einzelneu Gebirgsgruppen weit von einander ab.

R a t z e 1 , Amurikii. I. 5

GG III. Oberflächengestaltung,

mit den räumlich näher liegenden mittelamerikanischen und mexi- kanischen Gebirgsketten und diese Analogie, die über eine so weite Kluft weg sich erhält, ist einer der Gründe, die am überzeugendsten ftir den tieferen Zusammenhang der ganzen westHchen Gebirgs- massen, sowohl Süd-, als Mittel-, als Nordamerika's sprechen, einen Zusammenhang, von dem man übrigens nicht glauben sollte, dass er überhaupt angezweifelt werden könne ^).

Sehen wir einstweilen ab von den Kämmen und Gipfeln, deren allzu starke Betonung in einer so complicirt gebauten und vor- wiegend breitmassigen Hochgebirgsregion wie dieser nordamerika- nischen eher geeignet ist, den Einblick in. das Gemeinsame der Erscheinungen zu erschweren, so finden wir, dass eine Hochebene von wechselnder, aber unter die Höhe von 1200 m. nicht herabgehender Erhebung die gemeinsame Grundlage aller der anscheinend so ge- setzlos bald gehäuften, bald zerstreuten Gebirgszüge bildet. Dieses

1) Man rauss den Ausdruck, das die nordamerikanischen Cordilleren einen Theil des grossen westamerikanischeu Erhehungssystems bilden, nicht mit der missverständliclien Behauptung verwechseln, dass sie eine Fortsetzung der süd- amerikanischen seien. Diese letztere hat Anlass zu vielen Debatten gegeben, die indessen angesichts der so klar vor Augen liegenden Thatsachen ganz unnütz sind. Der Zusammenhang im Kahmen des grossen Gebirgssystems der Cordilleren wird nicht aufgehoben durch Unterbrechungen der Continuität, wie sie au den Isthmen von Panama und Tehuantejjec oder am unteren Colorado und Rio Grande ein- treten ; auf der anderen Seite lassen es solche Unterbrechungen offenbar nicht zu, dass man von einer Fortsetzung , z. B. der Sierra Madre in die Felsengebirge rede. Die Glieder einer Kette setzen sich auch nicht in einander fort, aber sie bilden doch ein zusammenhängendes Ganze. So ist es mit diesen Gliedern der Cordilleren. Dieselben verdanken ihren Zusammenhang einer Kraft oder einer Summe von Kräften, die alle in derselben Richtung wirkten, gerade wie die Kette ihren Zusammenhang einer Kraft dankt, welche die einzelnen Glieder im Hinblick auf ein gemeinsames Ziel mit einander verband. Die zerstreuten, aber unschwer in Eine Linie zu bringenden Hügel, die ein Maulwurf über ver- schiedenen Punkten eines Ganges aufwirft, bieten vielleicht ein noch treffenderes Bild dieses Zusammenhanges, der keine Fortsetzung ist. Indessen liefert gerade dieser Streit über Zusammenhang oder Geschiedenheit der einzelnen Gruppen der Cordilleren einen Beweis für die Oberflächlichkeit der landläufigen Betrachtung der Hochgebirge, welche über den äusserlich allerdings mächtigeren Kämmen und Gipfeln die soviel massigeren Gesammterhebungen vergisst, Er- hebungen, welche zwar nur die Fundameute der Hochgebirge, aber als solche wichtiger als alle hochragenden Kämme und Gipfel sind. Wo sich die Basis fortsetzt, braucht man nach dem Verbleib der Sierren nicht zu fragen.

III. Oberdäcbengestaltung.

67

Rs-Bj mnos

•S1W

nie fehlende Fundament einer so be- deutenden Hochebene ist die allge- meinste Eigenschaft der gesammten Erhobungsmasse, und man muss ihre Be- ständigkeit als einen auszeichnenden Charakterzug derselben hervorheben und diess um so mehr, als ^'^"^^ "'^^ die Anhäufung der Kämme und Gijifel auf ge- wissen Punkten und nach gewissen Kichtungen einen grossen Theil dieses Fundamentes frei lässt, wo dasselbe dann als wichtiger integrirender Theil des ganzen Gebirgssystemes nicht zu ver- kennen ist.

Als zweite gesetzliche Erscheinung tritt die eben erwähnte Häufung der Kämme und Gipfel an gewissen Punkten und nach gewissen Richtungen hervor. Zwischen dem 35. und 45. Breitegrad ist die Häufung der Kämme und Gipfel am West- und Ostrand der Erhebungsmasse so ausgeprägt , dass ^ man gewöhnlich diese Region als ein breites Hoch- ebenenbecken bezeichnet, welches nur am Rande im AVesten und Osten von Gebirgsketten ein- gefasst sei. Diess klingt indessen etwas zu schematisch. Man kann wohl die im Westen begrenzende Gebirgsmassse als eine Gel)irgskette bezeichnen, aber im Osten tritt nie diejenige einfache Gruppirung der Gebirge hervor, welche eine solche Benennung rechtfertigen würde: die begrenzende Gebirgsmasse bildet doppelte und dreifache, parallele und convergirende, strahlen- förmig angeordnete, gitterförmig verbundene Ketten und nur ihre Zusammenhäufung am Ost- rand gibt einen Grund ab, diese alle unter ge- meinsame Gesichtspunkte zu bringen. Südlich vom 35. und nördlich vom 45. Breitegrad tritt aber selbst diese Häufung an beiden Rändern, hier

68 III. Oberflächengestaltiuig.

gegen die Annäherung und Verbindung der beiden Kamm- und Gipfel- systeme, die sich jenseits des 50. Breitegrades zur einfacheren Nord- cordillere verschmelzen, dort gegen die allgemeine Verflachung der Reliefformen zurück, welche nun die an sich minder bedeutenden Er- hebungen der inneren Hochebene, des Beckens, zu grösserer Geltung kommen lassen und damit das Uebergewicht der Randgruppen aufheben.

Als dritte Thatsache von allgemeiner Gültigkeit ist zu nennen das Vorkommen der höchsten Gipfel nur in den eben bezeichneten westlichen und östlichen Randgebirgs- m a s s e n , und zwar in einer Zone von etwa 500 Kil. Breite, deren Mittellinie von Denver nach Monterey westsüdwestlich verläuft und in der Sierra Nevada die Mt. Whitney -Gruppe, dann die höchsten Theile der Wahsatch Mts. und in Colorado die Hochgipfel der Sawatch- und Park-Gruppe berührt.

Endlich ist es in vierter Linie bezeichnend für die Relief- verhältnisse des ganzen Gebirgsgebietes und erlangt damit die Be- deutung einer allgemeinen Eigenschaft desselben, dass von den Ge- wässern, die in diesen quellenreichen Regionen entspringen, sämmt- liche grössere Ströme ihre Quellen in zwei beschränkten Abschnitten der östlichen Randgruppe haben, und zwar Missouri, Yellowstone, N. Platte, Snake R. (Columbia) und Green R. (Colorado) in der Wind River - Gruppe, Arkansas, Rio Grande, Grand R. (Colorado), S. Platte (Missouri) in der Park Range. Dass die Erhebungsmasse von diesen östlichen Randgebirgen nach Osten, Nordosten, Nordwesten, Südwesten und Süden abfällt, wird aus der Richtung klar, die alle diese Ströme einschlagen. Auf die Bedeutung dieser merkwürdigen Concentration der Quellgebiete für die Ge- schichte dieses Erhebungssystems werden wir zurükkommen. Aber dass es von der grössten praktischen Bedeutung ist, wenn eine so hochgelegene, von Gebirgen umrandete Region in dieser Weise von Gebirgswassern durchflössen ist, die möglichst lange Wege auf ihr einschlagen und sogar, wie Columbia und Colorado, ihre ganze Breite kreuzen, ehe sie das Gebirg verlassen, ist ein Schluss,.der sich aufdrängt. Es liegt hierin eineBegünstigung der ganzen westliclien Erhebungsmasse, welche dieselbe in Klima und

III. ObcrliäehengiiStaltuiijf. 69

Cultiirföliigkeit über alle anderen gebirgigen Hochebenen von gleicher Ausdclmung erhebt. Eine weitere allgemeine Eigenschaft dieser Erhebungsmasse ist damit gegeben, eine Eigenschaft, welche von weitreichenden Folgen für die natürliche Oekonomie eines halben Continentes ist.

Abschnitte natürlicher Gliederung, welche sich aus den Cor- dilleren Nordamerika's im Gebiet der Vereinigten Staaten hervor- heben, sind die Gebirge, welche ihren Ostrand bilden, gewöhnlich als Fei sengebirg (Rocky Mountains) zusammengefasst ; die Ge- birge des Westrandes, welche sich in die zwei grossen Gruppen der S i e r r a N e V a d a und des Küste ngebirges vertheilen ; die Hoch- ebene des Grossen Beckens, welche zwischen beiden gelegen ist; Gebirge, welche auf der Hochebene sieb erheben, ohne deutliche Beziehungen zu den östlichen oder westlichen Rand- gruppen kund zu geben; endlich die Gebirge Neu-Mexiko's und Arizona's, welche als die südlichen Vertreter der Ost- und West- gruppe und der Gebirge der Hochebenen erscheinen, ohne bei meist vereinzeltem Hervortauchen, bei unzusammenhängender Anordnung, bei allgemein geringerer Höhe sowohl der Gipfel als auch der Basis, von der sie aufsteigen, eine nähere Zusammengehörigkeit mit den- selben klar erkennen zu lassen.

Das Felsengebirg, der Ostwall der ganzen Erhebungsmasse, zeigt einen Bau von bemerkenswerther Eigenthümlichkeit. Es hat wenig von dem inneren Zusammenhang und der Gleichförmigkeit, welche die Westmauer, die Sierra, auszeichnet. Wir haben wohl eine Reihe zusammenhängender Gebirgszüge, selbst eigentliche Ge- birgsketten, aber häufig unterbrechen breite Depressionen dieselben und ihre Richtung . erscheint bei näherer Betrachtung als eine sehr wechselnde, ebenso die Erhebung, welche stellenweise durch Zu- sammendrängung einer grossen Anzahl von Gipfeln eine sehr be- deutende wird, um dann wieder weite Strecken hin auf niedrigeren Stufen zu verharren. Es erscheint auf den ersten Blick schwer, eine tiefere Ordnung in diesem Gewirr von Gebirgsketten und Ge- birgsmassen zu entdecken. Nur negative Eigenschaften treten scharf hervor, wie der Mangel einer durchgehenden Kammlinie, einer fest- gehaltenen Richtung des Streichens der einzelnen Gebirgsketten, eines

70 ni. Oberflächengestaltiiiig.

festen Zusammenhangs der Gebirgsglieder , der besonders bei den fast unverl)unden hinausgeschobenen vereinzelten Gebirgsgruppen wie den Black Hills, Little Rocky Mts. u. a. auffällt. Gegen sie treten gewisse Verhältnisse des Aufl^aues, die auf grössere Strecken hin festgehalten sind, zurück. Man kann z. B. für die südliche Hälfte des Felsengebirges von der Sierra Moro bis hinauf zu den Snow Mts. die Einschaltung von Querketten zwischen die Längsgebirge, und die merkwürdigen gebirgsumrandeten Becken, welche dadurch entstehen, die Parks, als eine Eigenthümlichkeit des Gebirges be- zeichnen, welche besonders im Vergleich mit der Sierra klar hervor- tritt. Aber diese Eigenthümlichkeit reicht weder im Süden noch im Norden über die angegebenen Grenzen hinaus. Im nördlichen Theil, soweit derselbe dem Gebiet der Ver. Staaten angehört, treten im Gegensatz dazu parallele Längsketten als die ausschliesslichen Produkte der gebirgsbildenden Kraft hervor, und im Süden, wo übrigens die Erhebungen zu gering sind, um Gebirgsbecken von der Grossartigkeit der Colorado-Parks zu erzeugen, ist dieselbe Richtung wenigstens die weitaus vorwiegende. Für jene Querriegel fehlt nörd- lich wie südlich jede deutliche Vertretung. Aber auch die Längs- ketten sind immer nur auf kurze Entfernungen mit einander in Ver- bindung zu setzen. So ist z. B. der Zusammenhang der Laramie Range mit der Front Range klar; ob aber die Wind River -Gruppe der Park Range entspricht, ist schon zweifelhafter und wo das südliche Aequivalent der Bighorn Mts. liege, wird Niemand zu sagen wagen, wie sehr auch die auffallende Aehnlichkeit, die sie in Form und Lage mit der Laramie Range bieten, wenigstens den Versuch nahe zu legen scheint, sie mit dieser Nachbarkette zu vergleichen ^).

1) Scheint nicht das Vorkommen von ausgebogenen Gebirgsketten, wie es Laramie und Bighorn Range und in minderem Grade fast alle östlichen Rand- ketten von Santa Fe bis zur Nordgreuze sind, eine gesetzliche Erscheinung zu sein ? Es ist in der That merkwürdig, dass gerade in diesen östlichen Raudketten die Ausbiegung nach Osten, und nur sie, so häufig sich wiederholt, während in allen übrigen Theilen des Gebirges gebogene Ketten selten und in solcher Aneinander- roiluuig niclit mehr vorkommen. Die Geologie, welche uns lehrt, dass krystal- linische Urgesteine so gut den gebogenen wie den geraden Ketten des Felsen- gebirges zu Grunde liegen, lässt den ursächlichen Kern dieses eigenthümlichen Verhältnisses ebenso wenig erkennen wie die vergleichende Urographie. Uebrigeng

III. Oberflächengcstaltimg. 71

Was man als Eigentliches Felsengehirge bezeichnet, ist die Gebirgsmasse , welche das südliche Wyoming, West- Colorado und Ost - Utah grossenthcils erfüllt , im Osten aus den Plains steil aufsteigt und im Westen etwas sanfter nach dem Tafelland des Grossen Beckens abfällt. Auf diesem Raum, zwischen dem 37. und 41. Breite- und dem 104. und 108. Längegrad, erhebt sich die comjjakteste Hochgebirgsmasse , die das Gebiet der Ver. Staaten kennt. Man kann das Green R.-Thal als eine natürliche Scheide- linie innerhalb derselben annehmen, welche sie in ein westliches und östliches Gebiet trennt; es ist das letztere, welches die ge- birgigsten und höchsten Abschnitte und gleichzeitig die wildesten umschliesst^).

Ihre machtigste Eutwickelung erfährt diese Gebirgsmasse in ihrer südlichen Hälfte, dort wo im Gebiete des Staates Colorado die Quellgebiete dreier grossen Stromsysteme, des Rio Grande, Colorado und Arkansas sich begegnen. Sie ist hier 280 300 Kil. breit. Hier erheben sich in einer Linie von etwa 500 Kil. die höchsten Gipfel, zu denen dieses Gebirge innerhalb der Grenzen der Ver. St. ansteigt, und in ihr ist über- haupt der grösste Theil des Gebirges gelegen, der die Höhe von 3000 m. übersteigt. Bereits wurde die bemerkenswerthe Erscheinung hervor- gehoben, dass in eine Linie, die man von der Mitte der ebengenannten aus westwärts nach dem Stillen Meere zieht, auch die höchsten Gipfel der Wahsatch Mts. und der Sierra Nevada zu liegen kommen. Die Ge- birgsforscher des Westens glauben in einem Gürtel von 500 Kil. Breite, in dessen Mitte die genannte Linie verläuft, „den Strich der mächtigsten Wirkungen der Hebuugskräfte" zu sehen ^). Jedenfalls hebt sich das Gebirg weder im Süden noch im Norden so steil zu solcher Höhe wie hier, wo man im Mittelpunkt des Ostendes dieser Zone starker Erhebungen, in Denver, ein Hochgipfelpauorama von 200 Kil. vor sich hat, eine Reihe schneestreifiger Gipfel, welche aus der hier 1500 m. hohen Ebene der

scheinen die ostwärts ausgcbogeuen luselguirlandeu der asiatischen Ostküste (s. Peschel, Neue Probleme, 1876. 29) ihr Dasein ähnlichen, aber in grösserem Massstab angelegten Gebirgsbogeu zu danken.

1) Es ist von der Ost- bis zur Wahsatschkette ziemlich durchgehender Charakter, dass die Berge „nicht bloss wild im allgemeinen Umriss sind, sondern auch im Einzelneu ungemein klippig und zerrissen erscheinen, ausgenommen in den Parks und grösseren Depressionen, deren Hügel eine lokale Eiszeit gerundet hat." C. Thomas in Hayden, Prelim. Report ou Montana. 1872. S. 212.

2) Gardener in Bulletin U. S. Geol. Survey. 1874. 11. 74. Er nennt Denver (Col.) und Monterey (Cal.) als Endpunkte dieser Linie.

72 III. Oberflächengestaltung.

Plains sich so steil ei-heben, dass die 2700 m., welche sie vom Fuss bis zum Kamme messen, in 30 40 Kil, zu durchmessen sind.

Von diesem verhältnissmässig niederen Standpunkt aus erblickt man bloss eine einzige Kette, welche als die vorderste, die vor dem Blick des von Osten Kommenden zuerst auftaucht, den Namen Front Range (auch East Range oder wegen ihrer zahlreichen schneetragenden Gipfel Snowj' Range) erhalten hat. Ihr gehören die dassiscJien Berge dieser Region an, jene oft- genannten Pike's Peak (4313), Long's Peak (4350), Gray's Peak (4372) u. a., welche nach den ersten wissenschaftlichen Erforschern der Felsengebirge, den P'ührern der Expeditionen genannt sind, welche in den ersten Jahr- zehnten unseres Jahrhunderts die erste sichere Kenntniss von den west- lichen Gebirgsregionen vermittelten. Vom Arkansasthal bis zu den Laramie Plains ist sie in einer Länge von 300 Kil. hingelagert. Vom Kamm dieser Kette sieht man gegen Westen hin eine zweite und dritte, die parallel zu jener ziehen und aus deren langgezogenen Granitkämmen ähnlich bedeutende Erhebungen hervortreten. Man hat der zweiten 380 Kil. langen Kette den Namen Park Range beigelegt» weil sie es ist, welche jene merk- würdigen abgeschlossenen Thäler der Parls^) im Westen begrenzt; Mt. Lincoln (4359) und Buckskin Mt. (4358) sind ihre Ilauptgipfel. Wiederum durch eine Depression von nicht über 35 Kil. Breite getrennt, in der Eagle R. und Arkansas R. fliessen , folgt nun in dritter Reihe die Sawatch Range (auch Saguache oder Arkansas Range), die die zahl- reichsten Hochgipfel trägt; Mt. Harvard (4385), Mt. Elbert (4367) sind die hervorragendsten der Gipfel, welche bis jetzt in ihr gemessen worden sind. Gegen Westen von ihr liegt die Gruppe der Elk Mountains, ein Haufen dicht zusammengedrängter steiler und hoher Hebungen, der von den Quellarmeu des Grand R. umflossen wird und aus dem neben einer grossen Anzahl wenig niedrigerer Castle Peak (4300) und Snowmass (4256) hervorragen. Ein hoher Querriegel verbindet sie mit der Wahsatch- Kette. Parallel mit der Park -Range zieht von kleineren Hebungen die Sangre de Christo-Range, die von Wheeler als südliche Fortsetzung derselben betrachtet wird (Christone Peaks 4305) und die den Ostrand des San Luis -Thaies bildet. Nach Süden setzt sie sich in der Kette der Moro Peaks fort, welche den Ostrand des als Verlängerung des San Luis -Parkes erscheinenden Oberen Rio Grande - Thaies bilden. Weiter nach Westen folgen die nordöstlich streichenden Gebirgsketten der Sierra San Juan, Sierra de Plata (Mt. Aeolus 4285 mt.) und Sierra San Miguel (Mt. Uncompangre 4341 m.) und zwischen den beiden ersteren

1) „Zwischen diesen Ketten (Front und Park Range) liegen grosse De- pressionen, die stelleuweis als Läiigsthäler entwickelt, stellen weis durch Quer- höhen von geriugeren Erhebungen in Becken getheilt sind und welche man Parks nennt." Gardeuer a. a 0. 73.

111. Oburtlächoiigestaltung. 73

die nordwestlich gerichtete Sierra de los Pin es. Nach Westen von dieser Kette, also ungefähr westlich vom 108. Längegrad, liegt ein Tafel- land aus Gesteinen der Kreideformation, das als Grenzscheide zwischen dem System des Felseugebirges und dem des Grossen Beckens betrachtet wird. Im Allgemeinen sind die Abhänge der Ketten des eben beschriebenen Abschnittes des Felsengebirges ostnordöstlich und westsüdwestlich gewandt ; Front und Park Range ziehen, von n. 10 ** ö. zu s. 30 '^ w., die übrigen von n. 30^ ö. zu s. 45^w. Die Westabhänge sind durchschnittlich etwas steiler als die östlichen, aber diese tragen mächtigere Faltungen der Schichten als jene. Indem man die ganze Reihe der Ketten nach Westen hin kreuzt, findet man immer weniger steile Abhänge, bis sie in der Plata-Kette sogar verhältnissmässig sanft geworden sind.

Unverhältnissmässig gross sind die Passhöhen in diesem Theile des Gebirges. Wenn man auch die Höhe des Argentine- Passes, die zu nahe an 4000 m. angegeben wii'd, weiterer Bestätigung anheimgeben will, so bleiben doch noch genug ziemlich sicher gemessene Höhen von 30(M) bis 3700 m. (Jones P. 3780, Lake Creek P. 3758, Weston's P. 3560, Ber- thoud P. 3460, Cochetopa P. 3028), welche den vorwiegend wallartigcn Charakter des Felsengebii'ges von Colorado klar erkennen lassen. Wo nach Norden zu dieser Charakter durch Auseinanderrücken der einzelnen Gebirgsketten aufgegeben wird, fällt auch sofort die Passhöhe bis auf zwei Drittheile derer, die man in Colorado beobachtet, denn die Pässe sind nördlich vom 41. Breitegrad meistens keine Einschnitte der Gebii-gskämme, sondern Lücken zwischen ganzen Gebirgsketten und ihre Höhe wird dann vorzüglich durch das Niveau der Hochebene bestimmt. Es ist die erste, bez. südlichste von diesen Lücken, der Evans Pass (2378), welche die Pacificbahn auf ihrem Wege ins Innere der westlichen Gebirgsmasse über- steigt ').

Nach Süden hin setzen sich diese Erhebungen in das Gebiet von Neu-Mexiko fort, wobei sie an Höhe und Masse rasch abnehmen und dem Typus der Gebirgszüge des Gi'ossen Beckeas sich nähern, Es ist die natürliche Folge dieser Abnahme, dass die grossen Erhebungsmassen sich in zahh'eiche kleinere Ketten und Gruppen auflösen, und da gleichzeitig auch die Hochebene unter das Niveau sinkt, das sie in den nördlicheren Theileu des Gebirges einnahm, so ist eine allgemeine Abschwächung des orographischen Charakters der hervorragende Charakterzug der südlichen Ausläufer des Felsengebirges. Natürlich zieht diese Abschwächung einer Parallelisirung derselben mit den nördlichen Hauptzügen enge Grenzen. Jenseits des 35. Breitegrades muss man die Gebii'ge Neu-Mexiko's als

1) Der höchste Punkt jedoch, den die Eisenbahn in dieser Einsenkung über- schreitet, Stat. Sherman, ist noch um 135 m. höher gelegen.

74 III. 01)erflächcngcstaltung.

eine Gruppe für sich betrachten, denn über ihn hinaus ist der Zusammen- hang niclit festzuhalten.

Von den als solche zu erkennenden Ausläufern ist der Moro Peaks, der Fortsetzung der Sangre de Christo -Kette, bereits gedacht. Ihr Süd- ende liegt bei Santa Fe; die etwas nördlich von hier gelegene Sierra de las Gallinas (TurkeyMts.) ist eine nordöstliche Abzweigung derselben, aber die in ihrer Richtung weiter südlich auftretenden Placer und Sandilla Mts. gehören bereits zu den eigenthümlichen neumexikanischen Einzelerhebungen. Ein anderer Süd - Ausläufer erhebt sich jenseits des Arkansas in Gestalt der W e t Mountains oder Sierra M o j a d a , die von der Front Range durch die 1675 m. tiefe Einsenkung getrennt sind, in der Canon City gelegen ist. Dieser Gebirgszug ist in Gestalt und Richtung dem südlichen Theil der Front Range ähnlich, in Höhe ihm nachstehend. Er besteht aus einem Granitkern mit angelagerten Sedimentärschichten, aber einige seiner höchsten Gipfel sind Basaltkegel. Die Wet Mts. sind der Ostrand des Huerfano Parkes, der im Westen von der Sangre de Christo-Kette umschlossen wird und dessen Fläche einige kleinere Berggruppen vul- kanischen Urprungs, die Veta Mountains, unterbrechen. Huerfano Butte ist ein Basaltkegel, der im Thal des gleichnamigen Zuflusses des Arkansas sich unvermittelt aus der Ebene erhebt. Der Doppelgipfel der Spanish Peaks, die wie südliche Aussendlinge der Wet Mts. erscheinen, ist nach Hayden ein riescnhaffer Gehirgsivall vulkanischen Ursprungs und das ganze Land zwischen diesen Gebirgen und den südöstlich von ihnen gelegenen Raten Hills ist durchbogen von Gängen vtiJJcanischen Gesteins^). Die ebeugenannten bilden einen Bergzug mit breitem Kamme, welcher in der Wasserscheide zwischen dem Purgatorio R. und Canadian R. mit 2400 2800 m. seine grösste Höhe erreicht. Hayden schätzt ihren höchsten Gipfel Raten Peak auf 250 300 m. über dem Thal des Pur- gatorio. Er erstreckt sich von der Hauptkette ca. 60 Kil. gerade ostwärts und endigt scharf abgebrochen beim Raten Pass (1708 m.) unter den wilden waldreichen Schluchten am Fuss der Basaltmasse, welche die Mesa Chicorica bedecken. Den Winkel zwischen ihnen und dem westlicher gelegenen Höhenzug der Bai dy Range füllt ein Hochland tertiären Alters aus, das neuerdings durch seinen Lignit- und Eisenreichthum berühmt geworden ist und das im Osten von Bergzügen begrenzt ist, die am West- rand des Thaies de's Canadian vom Raton Pass bis zum Cimarroncito

1) Third Ann. Report. 1873. 153. Ebendaselbst S. 157 fasst er die Eatou Hills sammt Fishers Peak als „Theile einer Mesa, die ihren Ursprung offenbar dem Ueberüiessen eines vulkanischen Gesteins verdankt." Zahlreiche Mesa's oder Tafelberge bestehen aus Tertiärschichten, die durch eine Decke darüber ergossener Lava vor Verwitterung geschützt sind.

111. Oberfläcliengestaltung. 75

ziehen. Die Raton Hills selbst bestehen übrigens aus denselben tertiären Schichten wie dieses Plateau.

Als vorgeschobener Posten liegt im Osten die Sierra Grande, ein sehr uneigentlich so genanntes Kuppengebirg , das von breiter Basis sich zu einem einzigen etwa 2400 m. hohen Gipfel erhebt. Sie ist wahr- scheinlich vulkanischen Ursprungs. Mt. Capulin, der westlich und Laughlin Peak, der westsüdwestlich von ihm gelegen ist, sind es unzweifelhaft; ihre Höhe wird gleichfalls auf etwas über 2000 m. ge- schätzt. Die Vega, welche diese Kegelberge zwischen sich einschliessen, ein flaches, von sanften Anhöhen und niedrigen Basaltterassen umgebenes Becken, hat 1900 2000 m. Meereshöhe. Noch weiter hinausgeschoben ist das grosse Tafelland der Mesa Chicorica, das eine nicht geringere Höhe als die Raton -Berge erreicht, und Fishers Peak (2186 m.), a sombcr oiitUer, übertrifft sie vielleicht noch ; aber gegen Osten und Süd- osten fällt es ab und ist jenseits der Trinchera, die von hier zum Purgatorio abfliesst, nicht über 2100 m. hoch. Seine Seiten sind am Südabfall von tiefen Schluchten durchzogen, welche ihrerseits von terrasseuartig flachen, begrasten Abhängen unterbrochen sind, die durch zahlreiche basaltische Felsgetrümmer nach der Basaltdecke deuten, in deren Einhüllung der tertiären Schichten wohl die Ursache zu suchen ist, warum diese grosse Mesa sich erhalten konnte. Als eine weitere Gruppe von Südausläufern des Felsengebirges erscheinen die Gebirgszüge, welche auf der Westseite des Rio Grande-Thaies sich in der Richtung der San Juan-Kette erheben und zu jenem Thale dieselbe Beziehung aufweisen wie sie dieser Gebii'gskette zum San Luis-Park zukommt. So wie das Rio Grande-Thal eine Fortsetzung des San Luis-Parkes, so sind die Ausläufer der San Juan-Kette eine Fort- setzung der westlichen Parkumrandung in die Umrandung jenes Thaies. Cerro de Navajo, Sierra delNacimiento und Jemez Mountains liegen in dieser Richtung, während die Höhenzüge des Parkes selbst sich in kleineren Erhebungen wiederholen, unter denen die basaltischen Cerillos, Sierra Bianca und Costilla Mountains hervorzuheben sind.

Einen zweiten Mittelpunkt bedeutender Hebungen und Ausstrahlungen bildet die nordwestlich von der Colorado - Zone ge- legene Wind River- Gruppe. Diese beansprucht aus zwei Gründen eine hervorragende Bedeutung: aus orographischen, weil sie wie eine Art Knotenpunkt an der Süd-Abbiegung der bis hierher vorwiegend südöstlich ziehenden Felsengebirge sich erhebt und weil von ihr einige hervorragende Gebirgszüge in verschiedenen Richtungen ausstrahlen; aus hydrographischen, weil hier die Quellgebiete von einigen der wichtigsten nordamerikanischen Ströme (Columbia mit Clarke's Fork und Snake R., Colorado, Missouri, Yellowstone, Platte) sehr nahe zusammentreten. Vom Südpass beginnend zieht sie unter wachsender Erhebung nordwärts, wo sie im Fremonts

76 111. Uberfiächengeßtaltung.

Peak, diesem lange für die culminirende SjMtze des Felsengebirges ge- haltenen Berge, bei 4137 m. ihre höchste Erhebung findet. Man sieht, dass 66 nicht so sehr die Höhe, welche ja in der Park- und Sawatch- Kette vielfach übertroffen wird, als vielmehr die centrale Lage inmitten von nach allen Seiten ausstrahlenden Gebirgszügen ist, welche dieser Gruppe ihre hervorragende Stellung anweist und welche ganz besonders ihren Einfluss auf die Richtung des Oberlaufs einer so gi'ossen Zahl von Gewässern bestimmt.

In der staffelförraigen Gruppirung, welche wir als ein hervorragendes Merkmal der inneren Gliederung des Felsencebirges bereits erkannt haben, ziehen von der Wind Ptiver - Gruppe einige Gebirgszüge nach Osten und Südosten, welche theils mit der Front-, theils mit der Park Range des eigentlichen Fehengehirges zusammenhängen. Die Rattlesnake Moun- tains ziehen zwischen Bighorn R. und North Platte R. nach Osten, wo sie mit den Red Buttes (1685 m.) abschliessen , um jenseits des letzt- genannten in der Laramie Range oder den Black Mountains (Laramie Peak ca. 3000 m.), die südsüdöstlich ziehen, daher im stumpfen Winkel mit ihnen zusammentreffen, ihre Fortsetzung zu finden. Bei der Durchbruchstelle des Laramie R. ändern die letzteren ihre Richtung zu einer nahezu südlichen und treten damit in die Richtung der Front Range ein, mit der sie am South Paas (2283 m.) so innig zusammenhängen, dass man sie ungeachtet dieser Depression als einfachen Nord -Ausläufer derselben betrachten könnte. Sweetwat er Mountains und M e d i c i n e Bow Mountains sind niedrigere Ketten, nach innen oder westlich von der Laramie Range gelegen. Nach Norden hin. scheint eine kaum weniger zweifelhafte Verbindung mit der östlichsten Kette der nördlichen Felsengebirge durch den Gebirgszug gegeben, welcher die merkwürdige Vulkan- und Dampf quellenregion am Oberen Yellowstone im Osten begrenzt. Wiewohl von den gi'össten Flüssen dieser Region an drei Stellen durch- brochen, ist doch diese Kette in zusammenhängender Erstreckung vom 43. bis zum 47. Breitegrad zu verfolgen, wo bei allmählichem Zurückfallen des ganzen Gebirges gegen Westen zu in der Nähe des Passes Gate of the Mountains, durch den der Madison entfliesst, die bisher in zweiter Reihe gestandene Deerlodge oder Mulfans Range als östlichste der Randketten des Gebirges an ihre Stelle tritt und über die Nordgrenze unseres Gebietes hinaus in derselben verharrt. Den Namen der Rocky Mts. weisen ihr, sowie den ihr zunächst gelegenen und am innigsten mit ihr verbundenen Ketten die amerikanischen Geographen ausschlieslich zu, während den weiter nach Westen gelegenen, sowie den im Osten vor- gelagerten kleineren Erhebungsmassen besondere Namen gegeben sind. So werden also als Rocky Mountains in diesem engeren Sinn die Ketten östlich und westlich vom Yellowstone -See bezeichnet, ferner die, welche

III. Oberflächengestaltung. 77

den Oberen Missouri einfassen, und die auf beiden Seiten des Flathead R. zielienden, während bereits die von der Südbeugung des Snake K. ein- geschlossenen Gebirge als Snake River Mountains und Teton Range (Mt. Hayden 3920 mt.) unterschieden werden und die Blackfoot Mountains nördlich vom gleichnamigen Fluss, Red Rock Range westlich von Henry Lake, Red Mountains (Mt. Sheridan 3153 mt.) auf der Wasserscheide zwischen Heart und Lewis Lake, Elk Ridge im obersten Quellbezirk des Snake R. besondere Gebirgsgruppen bilden. Wir haben nördlich von hier den bis jetzt am wenigsten genau erforschten Ab- schnitt des Felsengebirges und die Beziehungen und Zusammenhänge der verschiedenen Ketten und Gruppen sind nördlich vom 45. Breitegrad nur im Allgemeinen bekannt, selbst die Benennungen nicht festgestellt. Die Flüsse dieser Region sind als Förderer des Verkehrs wichtiger und darum besser gekannt als die Gebirge, die meist nach ihnen benannt werden. Snake River Divide, Bitter Root Mountains (Eagle Peak 2300 mt.), St. Mary's Range, Flathead Divide (Mt. Kishnena 2614 m.) sind einige der bekannteren Abschnitte dieses Theiles des Felsengebirges. Eine merkliche Abnahme der Gipfel- und Kammhöhen ist für dieselben, wie für das ganze Gebirge in dieser Region bezeichnend und findet vor- züglich in der grossen Menge leicht gangbarer Pässe seine Ausprägung. Dem Passreichthum , der übrigens auch durch die reiche Gliederung des Gebirges in dieser Region gefördert wird, ist es auch zuzuschreiben, dass in früheren Jahrzehnten der Verkehr zwischen dem Inneren der Ver. St. und dem Stillen Meer die Gebirge vorzüglich hier im Norden überschritt, wie es denn auch gerade dieser Theil des Felsengebirges ist, welcher durch Lewis' und Clarke's Forschungen zuerst wissenschaftlich bekannt wurde. Dabei ist aber die Passhöhe dieselbe wie weiter südlich, indem die Gebirgsbasis, die Hochebene hier noch bei derselben Höhe verharrt wie dort. Boundary Pass (2241), Flathead Pass (2316), Lewis' und Clarke's Pass (1880) sind einige bemerkenswerthere Pässe der äusseren d. h. östlichen Ketten. Bei dieser geringeren Erhebung der Gebirge scheint auch der wilde, zerrissene Hochgebirgscharakter des Südens mildereu Formen Platz zu machen, deren Entwickelung der einfache, vorzüglich auf krystallinischen Urgesteinen ruhende geologische Bau des Gebirges fördert. Hiervon machen allerdings die vulkanischen Regionen eine Ausnahme, aber vulkanische Kräfte haben nur in der oberen Yellowstone-Region und westlich von derselben sehr wirksam in den Aufbau des Gebirges eingegriffen.

Viel besser bekannt als die Masse des Gebirges sind in dieser Region seine Ausläufer oder Vorwerke, die aus der Hochebene der Plains sich oft unvermittelt und durch ihre scheinbare Vereinzelung doppelt auffallend erheben. Am schärfsten prägen diesen Vorwerkscharakter die Black Hills, die Schwarzen Berge, aus, welche als östlichste Vorposten der

78 UI. überfläcbengcstaltung.

mittleren Fels.^ebirgregion zwischen dem 43. und 45, Breite- und dem 103. und 105. Längegrad sich erheben. Die elliptische Gruppe (Haupt- axe 20° N. zu W.), in der sie zusammenliegen, ist ungefähr 160 Kil. lang und 100 Kil. breit. Die Höhe der Basis, von der sie aufsteigen, misst 800 900 m., ihre höchste Gipfelhöhe etwas über 2000 m. Ihr Kern ist Granit, der einen Mantel von geschichteten Steinen an seiner Basis und seinen Seiten mit emporgehoben hat. Dass ihre Hebung nicht ausser Zu- sammenhang steht mit der Hebung der eigentlichen Felsengebirge, lehrt eine zwar nicht hohe, aber genügend deutlich ausgeprägte Bodenwelle, welche sie mit denselben verbindet. Merkwürdig, aber ihrem inselhaften Bau völlig entsprechend, sind ihre hydrographischen Verhältnisse. Es liegt in ihrer centrirten Gestaltung, dass kein einziger beträchtlicher Fluss in ihnen entspringt, trotzdem sie als eine Oase von Wäldern, Feuchtigkeit und Quellenreichthum mitten in die Hochprärie hinein gerückt sind ; dagegen senden sie nach allen Himmelsrichtungen kleinere Bäche aus, welche ohne Ausnahme in die zwei das Ideine Gebirg fast rings umgürtenden Arme des Cheyenne-Flusses, North und South Fork, münden; der erstere empfängt sogar die Hauptmasse seines Wassers aus dem Black Hill-Gebiet.

Auch die weiter nördlich in ähnlicher Weise vorgeschobenen Judith, Pear's Paw und Little Rocky Mts. scheinen von ähnlichem geologischen Bau zu sein wie die Black Hills. Wenigstens wird eine Granitunterlage, allerdings mit eruptiven Untei'brechungen, von ihnen angenommen. Ihre Lage schliesst sie jedenfalls den Black Hills und der weiter südlich ge- legenen Big Horn-Gruppe an. Eigenthümlich, dass auch sie fast in einem Ringe, wie die Black Hills, von Flüssen umflossen sind, die ohne in ihnen zu entspringen, sich vorwiegend von ihren Zuflüssen nähren. Es scheint das anzudeuten, dass ihre Stellung inmitten der Hochebene nicht bloss eine insulare ist, sondern dass, ähnlich wie bei den Black Hills, in einiger Ent- fernung von ihrem Fusse sich das umliegende Land wie gestaut etwas erhebt.

Als Gebirg am bedeutendsten und durch Lage, Höhe und weite Er- streckung der Ketten dem Felsengebirge am nächsten kommend von allen diesen vorgeschobenen Posten, ist die Big Horn-Gruppe, welche sich 290 Kil. lang und 80 Kil. breit in 43 ^ 30' N. B. und 102 « W. L. in nordwest-südöstlicher Richtung erstreckt. Mit ihrem südlichen Ende, das aus modernen Eruptivgesteinen besteht, lehnt sie sich an die Wind River- Gruppe und erreicht hier eine Wildheit, die aus diesem Abschnitt einen der pittoreskesten, gleichzeitig aber unzugänglichsten Theile des Felsengebirges macht. Einige Gipfel dieser Gruppe erheben sich bis 3600 m. und sind daher mit ewigem Schnee bedeckt. Die Big Hörn Mts. geben keinem bedeutenden Flusse Ursprung, aber sie senden eine Reihe von Gewässern dem Yellowstoue R. zu, die zu dessen wichtigsten Zuflüssen im oberen Laufe gehören und von denen der grösste derjenige ist, welcher seinen Namen von dieser Gruppe hat.

III. UbcrHäclioiigcstaltung. 79

Den Westrand der grossen westlichen Erhebung kann man im Allgemeinen als das Gebiet der Sierra Nevada bezeichnen, denn diese Gebirgskette ist es, welche vom C. San Lucas bis zur Nord- grenzc der Ver. Staaten dem pacifischen Rande des Continentes entlang läuft und damit den Wall bildet, mit welchem die Cordillere gegen das Stille Meer hin abfällt. Die Halbinselkette von üntercalifornien, die eigentliche Sierra Nevada, die Cascade Range sind nur verschiedene Namen für ein und die- selbe Gebirgskette, welche bis etwa zum 35. Breitegrad unmittelbar ins Meer abfällt, während sie von hier bis zum Fuget Sund durch einen durchschnittlich vier Längegrade breiten Landstreifen von demselben getrennt ist. Das Küstengebirg, ein Gebirgszug von mittlerer Höhe und von minder einheitlichem Bau als die Sierra, füllt auf dieser ganzen Erstreckung die Lücke zwischen Hochgebirg und Meer aus, lässt aber zwischen sich und dem Hochgebirg breite und lange Thalbecken, die in Californien und Oregon von beträcht- lichen Flüssen durchströmt werden. An einigen Punkten treten die beiden Gebirge auf längere oder kürzere Strecken zusammen und sind dann nur nach geologischen Merkmalen zu trennen. Sowohl im Norden als im Süden finden sich solche Zusammenhänge. Im Süden ist es die Gegend um den Tejon-Pass (38 ° N. B.), wo Berg- züge von beiden Seiten sich so in einander drängen, dass es der geologischen Untersuchung vorbehalten bleiben muss, das geogra- phisch nicht mehr trennbare zu scheiden^); und im Norden ist im Shastagebiet die Annäherung gleichfalls eine so innige, dass auf topo- graphischer Basis eine Grenze nicht mehr zu ziehen ist. Freilich

1) „Wir sagen einfach, dass wir alle diejenigen Gebirgszüge oder Ketten zum Küstengeljirge rechnen, welche seit der Ablagerung der Kreideformation gehoben worden sind, und dass wir auf der anderen Seite die vor dieser Epoche gehobenen als zur Sierra Nevada gehörend betrachten." (J. D. Whitney, Geology of California. 1865. I. 167.) Es bedarf kaum der Bemerkung, dass dieses geologische Kriterion eben auch nur zu einer künstlichen Sonderung der Gebirge führen kann, &o lange man nicht nachgewiesen hat, dass das Ende der Kreide- formation in der That eine scharfe Grenze zwischen der Hebung der beiden Gebirgssysteme zieht. Dieser Nachweis ist gar nicht zu erwarten, denn die Gebirgs- hebungen zeigen sich nirgends bestimmt an die geologischen Epochen geknüpft. Wir werden sehen, dass auch Whitney selbst keine scharfe Trennung versucht.

80 III. Oberflächengestaltung.

tritt noch weiter im Norden, in Oregon, beim 44. Breitegrad das Willamette-Tlial in ähnlicher Weise wie in Californien das Joaquin- Sacramento - Thal trennend zwischen eine Reihe von Gebirgszügen der Küste und das Hauptgebirge, aber eine so scharfe Scheidung wie in Californien greift nun nicht mehr Platz. Hier ist dieselbe dafür in aller wünschbaren Deutlichkeit vorhanden und gibt dem grössten Theile des Staatsgebietes, dessen Flächeninhalt immerhin dem des Königreichs Italien gleichzusetzen ist, einen Charakter von Einfachheit und Regelmässigkeit, der sehr an die entsprechen- den Eigenschaften des Gesammtcontinentes erinnert und in der That Californien wenigstens in orographischer Beziehung zu einem sehr ächten Stück Nordamerika stempelt^). Es ist besonders der merkwürdige Parallelismus der beiden Gebirge, welcher der Ober- flächengestaltung des Pacific Slope zwischen dem 41. und 35** N, B. so grosse und einfache Züge aufprägt. Derselbe tritt sehr klar hervor, wenn man sich den Raum, welchen sie in diesem Gebiete bedecken, der Länge nach so zerlegt denkt, dass fünf gleich- laufende Linien in Abständen von 88 Kil. in der Richtung N, 31 W. das ganze Gebiet durchschneiden. Die mittere würde am West- rand der Sierra etwa von Visalia bis Red Bluff verlaufen, die nächstöstliche würde dem Hauptgrat der Sierra folgen und die höchsten Gipfel derselben zwischen Mt. Shasta und Mt. Dana be- rühren und die östlichste würde die Depressionen durchschneiden, welche am Ostfuss der Sierra zahlreiche Seen beherbergen, und würde von Klamath Lake bis zum Zusammenfluss des Gila mit dem Colorado reichen. Die erste Linie westlich von der Mittellinie würde

1) Und nicht hloss zu einem ächten Stück Nordamerika, sondern auch zu einem ächten Abschnitt eines grossen Continentes. Man muss diess immer betonen. Wir sind in Europa nicht daran gewöhnt, die Eigenschaften zu schätzen, welche einem Lande aus seiner Zugehörigkeit zu einem grossen Erd- theil erwachsen und manchmal grosse Vortheile sind. Wir sind zu tief in den kleinen Masstäben unseres eigenen kleinen Erdtheils befangen. Aber eine so merkwürdige geographische Individualität wie das Land zwischen Tulare und Klamath und die Wiederholung derselben in Oregon und im Washington - Terri- torium ist Produkt grösserer geographischer Verhältnisse. Xoch mehr gilt dieses von anderen Abschnitten unseres Gebietes, vor allem vom Mississippibecken, das man ein grosscontlnentahs Gebilde in erster Reihe nennen möchte.

III. Oberflächeugestaltung. 81

am Ostraiid des Küstengebirges etwa von Kern Lake bis Clear Lake ziehen und die westlichste wäre gegeben durch die Küste des Stillen Meeres zwischen C. Mendocino und Punta Arguello. Diese fünf Linien fallen trotz ihres parallelen Verlaufs so ziemlich zusammen mit den Grenzen der vier grossen natürlichen Landschaften Cali- forniens: Ostabhang der Sierra, Westabhang und Vorberge, Thal von Californicn, Küstengebirge.

Die Sierra Nevada in dem Sinne, wie dieses Wort gefasst zu werden pflegt, ist auf Californien beschränkt, aber man erkennt unschwer, dass das Cascade ngebirge (Cascade Range), das in derselben Entfernung von der See, derselben Richtung, derselben Breite und in ähnlicher Gliederung wie dieses californische Hoch- gebirge durch Oregon und Washington Territory zieht, mit dem- selben zusammengehört. Wir werden die beiden hier in Einem betrachten und weder in dem mächtigen Vulkan Mt. Shasta wie Einige, noch in Lassens Peak wie Andere wollen, einen natürlichen Grenzstein anerkennen. Beides sind vulkanische Berge und es ist bei der vielfachen Regellosigkeit vulkanischer Erscheinungen selbst dann nicht gerathen, sie zu orographischen Marksteinen zu machen, wenn sie, wie es bei Lassens Peak allerdings in grossartiger Weise der Fall ist, den Gebirgsbau wesentlich beeinflussen. Selbst J. D. Whitney meint, dass with propriety die Sierra Nevada als beim Lassens Peak endigend betrachtet werde, weil dort „die metamorphischen Gesteine derselben in einem grossen Querriss ver- sinken und an ihre Stelle ein vulkanisches Tafelland tritt, dass sich nordwärts bis zum Mt. Shasta erstreckt*)", aber wenn er ein Paar Zeilen weiter sagt: „Jenseits dieser vulkanischen Region ist der

1) J. D. Whituej-, Yosemite Guide Book. 1870. 38. Auch Clarence Kiug sagt: „Die Erstreckung der Sierra Nevada nach Norden ist sehr schwierig mit Genauigkeit zu bestimmen, denn geologisch gesprochen nimmt das Sierra Nevada - System ein weites Gebiet in Oregon ein, während es physikalisch be- trachtet mit Mt. Shasta aufhört." Er meint weiterhin: „Auch die Südgrenze ist schwer zu bestimmen, denn wo die Gebirgsmasse in die Coloradowüste herab- steigt, kommt sie mit einer Anzahl von kleineren Berggruppon in Berührung, die sich nach allen Richtungen verzweigen, um zuletzt sämmtlich unter den tertiären und quateruären Schichten jener Region sich zu verlieren." Moun- taineering in the Sierra Nevada. 1874. 6.

Rittzol, Amerika. I. G

82 III. Oberflächengestaltung.

Gebirgszug nordwärts durch Oregon und Washington Territory ver- längert mit ziemlich demselben Charakter wie in Californien, wenn auch bei bedeutend geringerer Erhebung," so ist es eben nur mit ^yropriety, aber jedenfalls nicht mit wissenschaftlicher Berechtigung, dass er jene Scheidung der Gebirge vornimmt.

Von dem Uebergang in das Küstengebirge beim Tejon-Pass bis zu Lassens Peak sind es 720, bis zu Mt. Shasta 880 Kil. und diess würde also die Länge der califo mischen Sierra Nevada sein, je nachdem man sie bei dem einen oder dem anderen von diesen Feuerbergen endigen lässt. Ihre durchschnittliche Breite kann auf 120 130 Kil. zwischen Ost- und Westfuss veranschlagt werden, ist aber sehr ungleich zwischen dem Ost- und Westgehänge des Ge- birges vertheilt; der Westabfall ist viel sanfter als der östliche und bedeutend länger schon dadurch, dass er nach einem 1200 m. tieferen Niveau als dieser sich herabsenkt. Man steigt in der Gegend von Sacramento bis zu der daselbst bei 2130 m. gelegenen Pass- höhe 19 m. pr. Kil. von Westen an, während man ebendort nach Osten hin 215 m. pr. Kil., also mit dem zehnfachen Gefäll ab- steigt'). Im Süden, wo die Passhöhe rasch anwächst, beträgt der Anstieg von Westen 45 m. pr. Kil. bis zu der auf 3660 m. ge- stiegenen Passhöhe und 57 m. bis zu der Gipfelhöhe. Die all- mähliche Abnahme der Pass- und Gipfelhöhen von Süden (in 36" 33' N. B., d. h. etwa in der Breite des Nordrandes von Owens Lake beginnend) nach Norden zu ist eine hervorragende Eigen- thümlichkeit der californischen Sierra Nevada. Die beiden Werthe gehen gradweise herab von der ebengenannten Breite bis zu Beck- worths Pass, der unter 39" 45' N. B. liegt, von wo an sie sich dann neuerdings um Weniges heben ^).

Der grosse Zug im Verlauf der Sierra Nevada ist die im Norden eintretende Bedeckung derselben Schichten, welche im Süden und der Mitte überall klar zu Tage treten, mit den Lavaergüssen der nördlichen Vulkane. Während ihr geologischer Bau dadurch verdunkelt wird, verliert ihre

1) Die Entfernung von Mt. Dana zum Monosee am Ostfuss beträgt 9,6 Kil., der Abstieg aber 2065 Mt.

2) J. D. Whitney gibt im Yosemite Guide Book, 1870, 39 folgende Höheu- tafel für die (.alifornische Sierra Nevada:

in. 01)erflii( lipnj^estaltnng.

83

Orogapliie unter dieser Decke sehr bald jenen Charakter von grossartiger I^nfacldieit. welcher besonders in ihren centralen Theilen so deutlich hervortritt. Man weiss zwar, dass jene gewaltigen Massen vulkanischer Gesteine, w'elche besonders zwischen Lassens Peak und Mt. Shasta aus- gebreitet sind, dieselben geologischen Formationen l)edecken, welclie weiter südlich in den Golddistrikten klar zu Tage treten; diese Formationen erscheinen wieder westlich und nordwestlich von der Vulkanregion und zwar zum Theil mit demselben lithologischen Charakter und der Erz- führung, die sie im Süden und der Mitte des Staates auszeichneten, so dass sie zweifellos als eine Fortsetzung dieser gelten können. Wir sehen auch, dass Mt. Shasta selbst, ein Vulkan wie so viele Hochgipfel der Sierra, genau in der Hauptaxe des Streichens dieses Gebirgszuges liegt. Aber allerdings haben diese Theile der Sierra noch zu einer Zeit Störungen erlitten, wo die südlicheren bereits in dem Ruhestand angelangt waren, in welchem sie noch heute verharren. Wahrscheinlich zu gleicher Zeit wie in dem Küstengebirg sind hier Schichten der Kreideformation gehoben worden, welche man im Süden völlig ungestört findet; sie liegen fast horizontal südlich von Shasta City und sind vielfach gestört nördlich von diesem Punkte. Die orographischen Unterschiede prägen sich vor allem in der grossen Verschiedenheit des Sacramento- und S. Joaquin- Thaies aus. Dieses war in der ganzen Länge seines Hauptstammes eine breite Ebene, sanft geneigt von den Seiten und gegen Norden; jenes wird ein wildes Gebirgsthal, ein Canon von seinem Eintritte in die Vulkanregion an, und die weite Thalebene, so charakteristisch im Joaquin - Thale , ist hier bei Red RlufT (südwestlich von Lassen's Peak) durch einen Querriegel

Geogr. Breite

Passhöhen

Meter

Gipfelhöhen

Meter

36 0 32'

37» 28' 370 .%' 38" 10' 38" 30' 381' 45'

38" r>o'

39" 10' 39" 20' 39" 30' 39" 38' 39" 45'

Pass oline Namen Pass ohne Namen Mono-Pass . . Sonora-Päss . . Silver Mt.-Pass . Carson-Pass . . .Tohnson-Pass Georgetown-PasB Dnnner-Pass . Ilenness-Pass Yuba-Gap . . Beckwoitb's Pabb

3657

3780 3282 3084 2081 2670 2237 2170 2151 2133 2025 1624

Mt. Whitney .... 4575

Red Slate Peak . . . 4085

Mt. Dana j 4033

Castle Peak | 3810

Silver Mt \ 3334

Woods Peak .... "3217

Pyramid Peak .... 1 3076 Keine doniinirenden Gipfel ; K'amni des Gebirges 150 bis

300 m. über den Pässen

Downieville Buttes . . 2561

Onjumi 2554

6*

84 III. Oberflächengestaltung.

vulkanischer Felsgesteine abgeschlossen und kommt, wie der unregelmässige Oberlauf des Sacramento zei.^t, nördlich vou hier nicht mehr zur p]nt- faltung, wenn sie auch auf Strecken noch unter der Felsendecke hervor- tritt. Ein ausgedehntes Plateau von Tuffgestein und Kreideschichten nimmt in 3(X) m. Meereshöhe das Thal in einer Breite von ca. 80 Kil. ein und aus diesem erheben sich schroff die Bergzüge, welche in südöstlicher und nordwestlicher Richtung den nördlichen Theil des Staates durchziehen. Zwischen dem nördlichen und mittleren Arm des hier von Westen her in den Sacramento fliessenden Cottonwood Creek erheben sich die Bald Hills zu 360 m, Höhe: bäum- und strauchlose Erhebungen von seltsamen Denudationsformen. Weiter nach Norden steigen Höhenzüge bis zu 10(J0 m. aus dem Tafellande hervor und in der von Südosten gegen Mt, Shasta hinziehenden Kette der Trinity Mts. (Mt. Balley 1938 m.) glaubt man die nördliche Fortsetzung des Hauptzuges der Coast Range zu erkennen. Diese Kette ihrerseits findet sowohl, was Richtung als geologischen Aufbau betrifft , ihre Fortsetzung in den Salmon Mts. (Shasta Balley 2331 m.) '). Es ist in dieser Region, dass sich jede Scheidung zwischen Küstengebirg und Sierra verwischt: ..Die ganze Gegend ist ausschliesslich Gebirg. Weder Thal noch Ebene von irgend bedeutender Ausdehnung sind zu sehen und kein Anzeichen eines Bruches oder irgend einer Lockerung des Zusammen- hangs zwischen Coast Range und Sierra Nevada ist zu bemerken ^)." Die Hauptverbindungsstrasse zwischen Californien und Oregon überschreitet diesen Gebirgszug. Gray Mts. oder Marble Mts. oder (nach dem Zuflüsse des Sacramento, dessen Ostseite sie begleiten) Mt. Cloud Range werden 6 900 m. über das Thal sich erhebende Kalksteinhöhen genannt, die im oberen Sacrameuto-Gebiet als Verberge der Sierra erscheinen ; ihr Gestein ist Kohlen- oder Bergkalk. Castle Range dagegen, die mit Castle Rock (ungefähr 760 m. über der Thalfläche) schroff gegen den Sacramento abfällt, ist ein Ausläufer der Trinity Mts., die aber allerdings gerade in dieser Region noch gänzlich unerforscht sind.

Aus dem lavabedeckten Hochlande dieser Region, dessen durch- schnittliche Höhe zwischen 1000 und 1200 m. beträgt, erhebt sich der dominirende Gipfel der nordcalifornischen Gebirge, Mt. Shasta, zu 4403 m. Ein ächter Vulkan von reinster Kegelform, ähnlich dem Vesuv zweigipfelig, von einer Unzahl hleinerer Krater umgeben, tief herab mit Schnee bedeckt und selbst Gletscher tragend, die den höheren Gipfeln der südlichen Sierra fehlen, ist dieser einsame Feuerberg, dessen Thätigkeit übrigens lange

1) 2500 m. ist die geschätzte Höbe eines weiter nördlich au der Quelle von Stewarts Fork gelegeneu Gipfels. „Balley scheint der indianische Aus- druck für eiuen kahlen Berg". J. D. Whitney, Geol. of Calif. Iö(i5. I. 324.

2) J. D. Whitney, Geol. of Calif. 18(3.^). I. 324.

III. überttächengcstaltuiig. 85

erloschen sclioint. eine der prossartigstcn Ersclieinungen der nordamerika- nischen Ilochgcbirgswcit. Aber seine bedeutende Erhebung bleibt eine Thatsacbe für sich, findet keine unmittelbare Fortsetzung oder Wiederholung so wenig gegen Norden zu, wie sie sie im Süden hatte. Nachdem die Lava- massen, die der Shasta ausgeworfen hat, dünner werden und dann ganz verschwinden, treten die Kreideschichten der Sierragehange wieder an die Oberfläche und in der nächsten grösseren Gebirgskette nördlich vom Shasta. den Siskiyou Mts., deren liöchster Gii)fel auf 2100 m. geschätzt wird, bilden sie als Anlagerung des Granitkerns ganz wie in der südlichen und mittleren Sierra die Gehänge des Gebirges. Nur ein zweiter Vulkan- gipfel, Mt. Pitt (3000 m. geschätzte Höhe), der in der nordwestlichen Verlängerung der Siskiyou Mts. sich am Westufer des Oberen Klamath Lake erhebt, scheint ein Mittelglied zwischen den allerdings viel weiter nördlich gelegenen Oregonvulkanen und Mt. Shasta zu bilden. Nach der anderen Seite ist der Bergzug der Scott Mts. (1800—2000 m.), der sich im Süden an Siskiyou Mts. anschliesst, ein von vulkanischem Gestein allem Anschein nach ganz freies, in geologischer Hinsicht der Sierra ähnliches Gebirge, in dessen Schiefern selbst der Goldreichthum der mittleren Sierra wiederkehrt. Aber der orographische Aufbau erinnert nicht eben so sehr an die Sierra wie der geologische. „Die ganze Gebirgsmasse ist zu 1800 bis 2400 m. gehoben, aber nicht in einer zusammenhängenden Kette wie in der Sieria Nevada, sondern in einer grösseren Zahl unregelmässiger, von einander unabhängiger Massen, die durch erodirende Kräfte in einem solchen Masse zerklüftet und zerfurcht sind, dass sie ein Labyrinth von Graten und Gipfeln darstellen, die durch Canons oft bis 1500 1800 m. tief von einander getrennt sind')." Zwischen den Nordabhang der Siskiyou Mts. und das Meer ist ein aus Serpentin und serpentinartigen Gesteinen aufgebautes Tafelland von 900 1200 m. Meereshöhe eingeschaltet.

N 0 r d e n d e d e r S i e r r a N e v a d a. Wiewohl die Sierra jenseits der Einsenkung, welche die culminirenden Gruppen des Mt. Shasta und Mt. Pitt von einander scheidet, als C a s c a d e n g e b i r g e 2) in der alten nordnordwestlichen Richtung weiterzieht und in der wichtigen Stellung des höchsten und längsten Gebirgszuges des pacifischen Küstengebietes, sowäe der Westmauer der Grossen Hochebene des Westens sich behauptet, so verliert sie doch von hier an viel von dem

1) J. D. Whitney, Geology of California. 1865. I. 360.

2) Der Begriif Cascade Bange hat sich mit der Zeit bedeutend verengert. Noch bei Dana erstreckt sie sich vom Puget-Sund bis zum Golf von Californien (Geology of U. S., Explor. Exped. 1849. X. 614), und Sierra Nevada ist ihm, gerade umgekehrt wie jetzt, nur ein Nebeuuame für ihre südliche Hälfte.

8(5 11 1. (Jbei'fiächengestaltung.

geschlossenen, einheitlichen Cliarakter, der sie weiter südlich aus- zeichnet und ist trotz einiger hervorragender Gipfel, die ohne Aus- nahme Vulkankegel sind, fortan nicht mehr das mächtige Gebirge, welches sie zwischen dem 36. und 40. Grad war. Die Kammhöhe erhebt sich nur stellenweise über das Niveau der hier durchschnitt- lich bei 1500 m. liegenden Schneegrenze, und selbst die isolirten Vulkankegel erreichen nicht mehr die Höhe des Mt. Shasta, hinter welchen selbst der Riese dieser Region, Mt. Rainier um 630 m. zurück- bleibt. Die mittlere Passhöhe bleibt noch um einige 100 m. unter dem Durchschnitt der Kammhöhe ^). Die tiefen Einsenkungen und die Durchbrüche der aus dem Grossen Becken des Inneren kommenden Flüsse Klamath und Columbia lehren, dass die Geschlossenheit hier nicht mehr herrscht, welche die Sierra Nevada -Kette zu einer so scharfen Wasserscheide machte. Doch ist die Wasserscheide südlich vom Columbia schärfer ausgeprägt als nördlich von demselben und es steht diess in innigem Zusammenhang mit der einfacheren Struktur der südlichen Hälfte dieses Gebirges und der durch die .Vulkan- ergüsse complicirteren der nördlichen ; denn während dort auch im Einzelnen die allgemeine Richtung des Gebirges festgehalten ist, Ijildet hier jeder der mächtigeren Vulkane ein Gebirg im Gebirge und unterbricht oder verzerrt damit den Verlauf der Kammlinie; es tritt daher an die Stelle der selten unterbrochenen Geraden, die den Verlauf der Wasserscheide zwischem dem Tulare-See und dem Columbia bezeichnet, nördlich von dem letzteren eine Zickzacklinie, die ganz der dort vorherrschenden uuregelmässigen Gruppirung der höchsten Gipfel und Kämme und dem Mangel an Zusammenhang zwischen denselben entspricht. Aehnlich wie Mt. Shasta weiter südlich so sind hier im Norden vom Nuahum Peak an alle höheren Berge der Region, vor allem Mt. Ho od (2880), Mt. S. Helens (2972), Mt. Adams (2920), Mt. Rainier (4404), Mt. Baker (3280) eben so viele Mittel- und Gipfelpunkte von kleinen Gebirgen, die in hohem Grade zerklüftet und zerrissen sind und deren vulkanische Produkte auf den Charakter des Land-

1) „Die Hauptmasse des Cascadengebirges in Oregon ist selten über 5000 oder 6000' hoch; ihre Höhen sind bloss Hügel im Vergleich zu den Hochgipfeln, die in einsamer Grösse aus der Kette hervorragen". J. D. Dana, a. a. 0. X. 615.

III. Obei'flächengestaltung. 87

Streifens, in dem sie liegen (ungefälir 121 123'' W. L.) und stellen- weise noch darüber hinaus eine bestimmende Wirkung üben. Die tertiären Schichten und Urgesteine, welche in diesem Gebiete die geschichteten Grundlagen des geologischen Aufbaues bilden, sind schon, wie wir gesehen haben, von Lassens Peak ab vielfach unter vulkanischen Auswurfsprodukteu begraben und diese Decke vulkanischer Gesteine wird nach Norden zu breiter und mächtiger, bis sie im Gebiet des unteren Columbia das ganze Land zwischen dem Westabhaug des Cascadengebirges und dem Meere unter ihren Lavaschichten verhüllt. Die hervortreteudste Eigenthümlichkeit im geologischen Baue Oregons ist nach Dana die Masse der basaltischen oder vulkanischen Gesteine, die über seine Oberfläche sowohl in der Nähe der hohen Gipfel der Cascadenkette als in anderen Theilen des Gebietes weit verbreitet sind ^). Der Columbia fliesst eine grosse Strecke ausschliesslich durch Basalt, nur in den unteren 30 Kil. semes Laufes bilden Tertiärschichten seine Ufer, höher hinauf bestehen sie aus Basalt, der oft 37 180 m. hohe Wände, tvalls und palisad es, bildet, und aus vulkanischen Conglomeraten. In den hervorragenden Abschnitten des Stromes, jenen Nadeln und Klippen, die oberhalb Vancouver das Lower Cape Hoorn bilden, in den Cascades, den Dalles, deii Grand Bapids treten Basalte und balsaltische Congloraerate in kühnen Felsformen zu Tage. Bis nach Wallawalla erstrecken sie sich am Columbia und bis zur Kooskooski- Mündung an seinem südlichen Arm (Lewis Fock). Auch in den Columbia Plains überlagert Basalt auf weite Strecken hin den Granit und Spuren vulkanischer Ergüsse fehlen nicht in dem weiten Gebiete zwischen ihnen und der Snake R. Range. Es ist vorzüglich diese Bedeckung mit vulkanischen Gesteinen, welche den Oberflächen-

1) J. D. Dana, a. a. 0. X. 645: „Basalte und Laven liabeu eine weite Ver- breitung im Oregougebiet. Sie sind längs des Columbia bis zu den Snake R.-Quelleu, mit geringen Unterbrechungen durch das Willamettethal und in den Ebenen südlich vom Okanagan verbreitet. Am Oberen Columbia bedecken sie ausgedehnte Strecken. Basalthügel mit charakteristischen Rundgipfeln sind weit verbreitet, sie ziehen 40 Kil. weit nördlich und südlich von der Xordgrenze des Gebietes." Weiterhin bezeichnet er die Schichtung dieser Gesteine als ihren Gruudzug, der besonders am Oberen Columbia hervortrete. Auch Spuren von säulenförmiger Anordnung sind vorhanden.

88 III. Oberflächengestaltung.

Charakter, und wie wir weiterhin sehen werden, die hydrographischen Verhältnisse von Oregon und Washington Territ. bestimmt; sie macht vor allem den Westabfall der Cascadenkette nach dem Thale hin, das diese vom Küstengebirge trennt, viel unvermittelter als er in der Sierra Nevada ist. Im grössten Theil seiner Erstreckung ist es nicht durch vorgeschobene Hügel und leichtere Bodenwellen, sondern über Stufen von Basalt und Lava, dass man aus den Plains am Willamette und Cowlitz zum Hochgebirge aufsteigt; die untersten von diesen Stufen bezeichnen in den meisten Fällen auch immer die Grenze zwischen dem fruchtbaren Land und den harrens der Lavaketten. Indem auch in den zahlreichen fliessenden Gewässern dieser Unterschied der Bodenbeschaffenheit sich klar ausprägt, kann überhaupt die scharfe Sonderung des Hochgebirges von dem west- lichen Thal als einer der hervortretenden Charakterzüge dieses nord- westlichsten Abschnittes der Ver. Staaten bezeichnet werden.

Südende der Sierra Nevada. Wie gegen die Nordgrenze des Staates, so verliert auch gegen die Südgrenze hin die Sierra Nevada von der Einfachheit, welche sie in ihrem mittleren Verlaufe auszeichnet. Wie dort die Lavaergüsse, so greift hier die Störung der Schichten der Tertiär- und Kreideformation in die Einfachheit und Regelmässigkeit der Lagerungsverhältnisse ein und hier wie dort wird damit die Oberflächengestaltung des ganzen Gebietes wesentlich verändert. Bis zum Passe Tejon finden wir den scharfen Unterschied zwischen Sierra und Küstengebirge darin, dass dort die Schichten, welche jünger als die Kreide, ungestört, also nach der Hebung des Gebirges abgelagert sind, während hier nicht bloss Kreide- sondern auch Tertiärschichten gestört und gehoben er- scheinen. Dieser Unterschied der Lagerung zeigt einen sehr be- deutenden Unterschied des geologischen Alters der beiden Gebirge an. Von dem genannten Punkte südwärts verschwindet derselbe jedoch, ohne dass ein Bruch oder sonst eine auffallende Störung der Gebirgsmasse sein Aufhören bezeichnete. Die beiden Gebirge scheinen zu verschmelzen. „Die grossen Hebungslmien sind in der Richtung so gleichartig und so sehr von sekundären Hebungshnien durchsetzt, dass die orographischen Verhältnisse nirgends den geo- logischen Uebergang erkennen lassen, der nichtsdestoweniger be-

III. Obei-flächeiisestaltung. 89

steht*).' Dieser Uebeigaiig findet etwa halbwegs zwischen dem Pass Tejon und der Caiiada de las Uvas statt, und wenn man von diesem Punkte eine Linie südwärts zieht, hat man westlich Gebirge vom Alter des Küstengebirgs und östlich solche vom Alter der Sierra, ohne dass eine andere als diese ideale Grenze sie von einander trennte.

Im Westen haben wir zunächst die Sierra Sa. Monica, die öst- lich beim Passe Cahuenga beginnt, von Loö Angeles westlich die Küste entlang zieht und mit dem külinon Vorgebirge Point Mogu am Stillen Meere endigt. Im Westen hängt mit ihr zusammen und zieht ostwärts gegen den Pass Cajon die Sierra S. Gabriel (gegen 100 KiL lang und .*K)- 40 KU. breit; Hauptgipfel nördlich von S. Antonio 30:55 m.), welcher man wohl auch als Sierra S. Antonio oder als westlichem Ausläufer der S. ßernardino- Kette auf den Karten begegnet, Sierra Sa. Anna ist eine ungewöhnlich zerrissene Gebirgskette, die in nordwestlicher und süd- östlicher Richtung sich ca. 80 KiL lang erstreckt und deren höchster Gipfel Mt. Downey 1730 m. hoch ist. Temescale Range ist ein Ge- birgszug von geringerer Ausdehnung, der nördlich und nordöstlich von dem ebengenannten gelegen ist und dessen höchste Gipfel wahrscheinlich die Höhe von 1000 m. nicht erreichen. Die Inseln, welche der Küste gegenüber liegen, an der diese Gebirge sich erheben, Sa. Catalina, S.Barbara, S. demente und S. Nicolas, haben gleich den Gebirgen eine süd- östliche und nordwestliche Richtung Sa. Catalina ist 28 Kil. lang, 3 7 Kil. breit, soll zu 900 m. aufsteigen und zeigt Spuren vulkanischen Aufbaues; S. Nicolas, 12 Kil. lang, 5 Kil. breit und ungefähr 180 m. hoch, besteht ausschhesslich aus Sandstein, und S. demente ist ein Basaltfels von 35 Kil. Länge, 3 Kil. Breite und über 300 m. Höhe.

Die S. B e r u a r d in 0 - K e 1 1 e (S. Bernardino 3537 m.) ist der mächtigste Gebirgszug dieser Region. Der 1390 m. hohe Cajon-Pass trennt sie von der Sierra S. Gabriel, aber nach Südosten streichen bis über den Unteren Colorado hinaus und nach Sonora kleinere Ketten, die vollständig in seiner Richtung liegen, vorzüglich die Chocolate Mts., welche in derselben Weise die nordöstliche Umwallung der Colorado -Wüste bilden, wie die S. Bernardino-Kette weiter nördhch die der Mohave-Wüste. Als Zwischen- kette sind in das Thal zwischen der S. Bernardino- und der Sa. Anna- Kette die S. Jacinto Mts. geschaltet, welche an ihrem Südende bereits in die Depression der Colorado-Wüste hineinreichen, wo an ihrem West- abhange Dry Lake 90 m. unter dem Meeresniveau liegt.

1) J. D. Whitney, Geology of California. 1865. I. 187.

90 III. Oberflächengestaltung.

Die Gebirge, welche in nordwestlicher und südöstlicher Richtung ziehend die südlichsten Theile des Staates Californien noch eben berühren, um von da in das Gebiet der californischen Halbinsel (Baja California der Mexikaner) einzutreten, welche sie in derselben Richtung durchziehen, werden gewöhnlich als P e n i n s u 1 a r M t s. zusammengefasst. Es ist eine der wenigst bekannten Gebirgsregionen des Westens. Nur derjenige Theil, welcher der nordamerikanisch-mexikanischen Grenze zunächst gelegen ist und durch welchen der "Weg vom Stillen Meere nach dem Unteren Colorado, der sog. San Diego Trail, führt, wird ziemlich häufig von civilisirten Menschen durchschritten und von ihm, der etwa 160 Kil. breit ist, haben wir eine Beschreibung J. S. Newberry's ') , der man entnimmt, dass topographisch wie geologisch dieser Zug und mit ihm wahrscheinlich die ganze Halbinsel- Sierra von Untercalifornien als eine Fortsetzung der Sierra Nevada er- scheint, dass sie vorwiegend aus granitischen und gneissartigen Gesteinen besteht, und dass es .,ein Labyrinth von Bergzügen und Thälern", dessen dürrer, wüstenhafter Charakter nur von wenigen Oasen unterbrochen wird und hinsichtlich des Klima's und der Vegetation im Ganzen mit der Natur der Depression übereinstimmt, welche als Colorado - Desert sich vom Ost- fuss dieses Gebirgszuges über den Colorado hinüber bis zu den Gebirgen von Arizona und Sonora erstreckt.

Das Küstengebirge. Kehren wir mm zurück zu dem Ver- eiiiigungsp unkte der Sierra mit dem Küstengebirge, zu der Eegion des dehatahle ground, des strittigen Bodens zwischen diesen beiden Gebirgen, so sehen wir die Berge sich von beideji Seiten zu einer Art von ximphitheater um den Oberen San Joaquin und die Ebene des Tulare-Thales zusammenschliessen. 2000 2500 m. hohe Gipfel schauen von drei Seiten in diese Ebenen, die am Fuss der Berge bis zu oOO m. Tiefe aus Kies und Sand bestehen, welche von den Bergen herstammen. 450 m. ist die Höhe der Ebene am Fuss dieses Gebirgshalbkreises, über den der Tejon-Pass in 1611 m. Höhe wegführt.

Lassen wir mit den californischen Geologen das Küstengebirge Californiens, die Coast Range, an diesem Punkte beginnen und bis in die Region von Lassens Peak sich erstrecken, so haben wir in ihm ein Gebirgssystem vor uns, das bei ca. 400 Kil. Länge 60 100 Kil. breit, und zwar in seinen nördlichen Theilen breiter als in den südlichen ist. In unmittelbarer Nähe der Küste hinziehend, welche

1) J. C, Ives, Report upou the Colorado R. 186L Geology. 13.

III. Oberflächengestaltuiig. 91

es durch ihren . steilen, felsigen Charakter erhält, ist seine Richtung und Ausdehnung ziemlich klar aus der Küstenform dieser Strecke des Pacifischen Ahltamjs zu ersehen. Von südlich des 35. bis etwas nördlich vom 40. Breitegrad ist ihre Richtung nordnordAvesthch und dieselbe ist auch die Richtung des Küstengebirges. Der süd- östliche Rückfall der Küste südlich vom 35., ihre Einbuchtung unter dem 38. und ihre Nordnordostbiegung nördlich vom 40. Breite- grad bezeichnen drei Abschnitte der natürlichen Gliederung desselben. Während das vorwiegende Streichen des Gebirges ein nordnordwest- liches ist, treten dort am Südende ehiige westlich und östlich streichende Züge auf, deren Richtung aucli in der Gruppirung der südcalifornisclien Inseln ausgeprägt ist. Es sind die Sierra Santa In ez, die unmittelbar am Rand der Sta. Barhara-Strasse aufsteigt, Sierra Santa Monica, vom Cahuenga Pass nach Point Mogu ziehend, und Sierra Santa Su- sanna, die nördhch vom S. Fernando - Thale Hegt. Die vier der Küste von S. Barbara gegenüherliegenden und mit ilir parallelen Inseln Anacapa, Sa. Cruz, Sa. Rosa und S. Miguel können als Trümmer einer vierten Avest- östlichen Kette betrachtet werden. Nördlich von dieser Region der im Sinn der geogi'aphischen Breite geschehenen Hebungen folgt ein weiter Bezirk, wo dieselben mit den nordwestlich und südöstlich ziehenden Er- hebungen in Conflikt gerathen sind; S. Rafael Hills und Cuyama Range sind hervorragendere Züge desselben. Aber erst vom Südende der Sierra Sa. Lucia an ist es, dass die letztere Richtung entschieden zum Durch- bruch kommt. Diese Sierra ist überhaupt die dominirende in der ganzen südlichen Hälfte des Küstengebirges, dessen Meeresrand sie in der Länge von 150 KU. bildet. Ihr Abfall zu demselben ist so steil, dass auf der langen Strecke zwischen Piedras Biancas und Point Sur nicht einmal ein Pfad zwischen Gebirg und Meer hinführt. Als Sierra de las Sali na s wird der östliche Theil dieser Sierra bezeichnet, der aus einer Reihe von mit der Hauptkette parallelen Erhebungen besteht und nur durch die Thäler des Carmelo und S. Antonio R. und der Zuflüsse des Arroyo seco von derselben getrennt ist. Als Palo Scrito Hills wird dieselbe in ihren nördlichen und als S.Antonio Hills in ihren südöstlichen Theilen bezeichnet. Endhch wird als Sierra Gavilan (oder Gavillan) der Ge- birgszug nördlich von der Salinas-Kette unterschieden, der nach Osten hin mit der Mt. Diablo- Gruppe in innige Verbindung tritt. Diese letztere ist ein ca. 240 Kil. langer und oO 45 Kil. breiter Complcx von hohen, wellenförmig in einander übergehenden Erhebungen (high rolling hüls, nach Whitney) getrennt durch enge Thäler und es ist in \\\v, dass der Durch- bruch stattgefunden hat, welcher die San Francisco -Bai und damit das Thor schuf, durch welches das Innere Californiens mit dem Meere

92 III. OberflächengeBtaltung.

in Verbiudung tritt. Mau unterscheidet als Contra Costa Hills den Bergzug, welcher den Ostrand der San Francisco - Bai bildet, der also San Francisco im Rücken liegt. Die Mt. Diahlo-Berge im engeren Sinn , d. h. die um Mt. Diablo gruppirten Erhebungen schliessen sich im Süden an diese an und mit den Namen Mt. Hamilton, Panoche, S. Carlos und Estrella sind weitere Bergzüge bezeichnet, welche sich zwischen diesen und der bereits genannten Sierra de Gavillan erheben. Von ihnen durch die Bai getrennt sind die Bergzüge von S. Bruno, S. Mateo und Sa. Cruz, welche die Südhalbinsel der Bai von San Francisco durchziehen und welche wohl auch insgesammt unter den letzteren Nansen zusammengefasst werden. Das Nordende dieser Höhen liegt am Golden Gate, der Meerenge, die Meer und Bai verbindet, und ihr Südende pflegt mau an der Bucht von Mouterey anzunehmen, und es wäre demnach die Länge dieses Abschnittes des Küstengebirges ca. 110 Kil. Seine bedeutendsten Höhen, die bis nahe an 12TO m. (Mt. Bache 1156 m.) sich erheben, befinden sich sämmtlich am Südende und ebendaselbst erreicht er auch seine grösste Breite von 40 Kil. Breite und Höhe nehmen gegen Norden hin ab, bis der ganze Gebirgszug beim Golden Gate sich ins Meer senkt.

Wir begegnen nördlich von der Bai zunächst ähnlichen orographischen und geologischen Verhältnissen wie südlich von derselben und die Gebirgs- züge erscheinen z. Th. als Fortsetzungen derer, die wir schon kennen gelernt haben. Sie wachsen wie diese von der Bai an in Höhe und Breite und zeigen denselben geologischen Bau. Aber ihr erster Höhe- punkt'), nach welchem sie hier genannt werden, Mt. S. Helena (1324 m.), ist bereits ein erloschener Vulkan und der Ursprungshei'd der vulkanischen Gesteine, welche von hier in östlicher und südöstlicher Richtung sich über das Land ausgebreitet haben. Die Tertiär- und Kreideschichten treten von hier an noch an vielen Stellen zu Tage, aber Eruptionsprodukte aller Art haben sich über weite Strecken ergossen und nehmen an Masse zu, indem man nach Norden fortschreitet. An die Mt. S. Helena - Gruppe schliessen sich die Pelevo- und Vacca-Berge an, von denen die letzteren die westliche Begrenzung des Sacramento-Thales bilden, während die ersteren als ein verbindendes Glied zwischen ihnen und der S. Helena- Gruppe erscheinen.

In den Gebirgszügen, die man nördlich vom 42. Breitegrad, also im Gebiet von Oregon und Washington Territory als Vertreter des californi- schen Küstengebirges betrachtet und welche man hier in einem grösseren Abschnitt auch mit demselben Namen der (Oregon) Co a st Range belegt,

1) Ein an sich weniger bedeutender, der Tamalpais (792 m.), wird öfter genannt, weil er, an weit sichtbarer Stelle stehend, eine der Landmarken der Bai von San Francisco bildet.

III. Oberflächengestaltung. 98

ist eine allgemeine Aehnlichkeit mit jenem nicht zu verkennen. Zunächst bleibt das Verhrütniss der Ilölie und Masse hier insofern ein ähnliches wie in Californien, als das Küstcngebirg, wie der Sierra, so auch der Cascadcn- kette als ein um Erhebliches minder hohes und massig entwickeltes, ein Ncbcngchirge, wenn der Ausdruck erlaubt ist, gegenübersteht. Dann ist auch hier das Küstengebirge im Norden und Süden aufgelöst in eine Reihe von Ketten, in deren Verlauf eine rechtwinklig zum Streichen des Haupt- gebirges, also östlich und westlich gehende Richtung entschieden vorwiegt; zwischen diesen beiden Zonen der Auflösung ist die eigentliche Coast Range von Oregon sehr ähnlich in Verlauf, Struktur und geologischem Bau, soviel wir von diesem wissen, dem Gebirgszug, der als ihr Vertreter in Nordcalifornien zwischen der S. Francisco-Bai und dem Shastagebiete sich ausbreitet. Man kann die schon oben genannten Siskiyou Mts. als den Anfang der südlichen Zone der Auflösung betrachten. Ihnen parallel laufen weiter nördlich die Rogue River Mts. und wiederum eine Strecke weiter nördlich die Calapooya Mts. und zwischen beide ist die nördlich